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DEUTSCHES
WIRTSCHAFTSLEBEN
IM MITTELALTER.
UNTERSUCHUNGEN
ÜBER DIE
ENTWICKLUNG DER MATERIELLEN KULTUR DES PLATTEN LANDES
AUF GRUND DER QUELLEN
ZUNÄCHST DES MOSELLANDES
VON
KARL LAMPEECHT.
L2. DARSTELLUNG.
LEIPZIG,
VERLAG VON ALPHONS DÜRR.
1886.
634754
Inhalt.
VI. Die Wirtschaftsorganisation des Grofsgrundbesitzes.
Seite
1. Bildung und Charakter des GrofsgrTindl)esitzes 667
Einleitung. Bedeutung der Grundherrschaft innerhalb der nationalen Verfassungs-
entwicklung 667
DieBildung des Grofsgrundbesitzes. Die kirchliche Gro fsgrundbesitzbildung.
Erwerb durch Schenkung bezw. Kauf und Tausch (Erwerbspolitik, Entwicklungs-
geschichte der Erwerbsformen, Charakter der Erwerbsformen und des Erwerbes
in dieser Richtung mit Rücksicht auf die Möglichkeit rationeller Verwaltung);
Erwerb durch Kolonisation und Ausbau; Abrundung durch Tausch und Kauf,
durch Abgrenzung der Erwerbsbezirke, Ablösung der Grundlasten und Entwick-
lung des Allmendeobereigentums. Die weltliche Grofsgrundbesitzbildung nach
Erwerbs- und Abrundungspolitik ; deren Formen, vornehmlich in Kolonisation und
Ausbau. Vergleich der übereinstimmenden und unterscheidenden Merkmale kirch-
licher und weltlicher Grundbesitzbildung 670
Allgemeiner Charakter des Grofsgrundbesitzes der geistlichen wie der
Laienaristokratie nach Gröfse, geographischer Ausdehnung, lokaler Intensität und
allgemeiner Organisationsfähigkeit (Einwirkung der Markverfassung, Möglichkeit
der Unifikation grundhöriger Lasten, Besitzstörungen unfreiwilliger und freiwilliger
Art). Abweichungen des fiskalischen Grofsgrundbesitzes vom Charakter des aristo-
kratischen Grofsgrundbesitzes 702
2. Der Verwaltungsorg-anisnms des Grofsgrundbesitzes 719
Die fiskalische Lokalverwaltung. Die Fiskalverwaltung nach dem Cap. de
villis: Funktionen der Zentralstelle, des Iudex, der dem Iudex untergeordneten
Einzelbetriebsvorstände (luniores). Überreste dieser Verwaltung in späterer Zeit:
das fiskalische Schultheifsenamt, die fiskalische Vogtei, die autonome Organisation
und soziale Entwicklung innerhalb der alten Fiskalgebiete mit besonderer Berück-
sichtigung der Schicksale der alten Unterbeamten. Das Verhältnis der grund-
herrlichen Organisation der kirchlichen und Laienaristokratie zur Geschichte der
Fiskalverwaltung, insbesondere der Charakter der Schultheifsen innerhalb dieser
Organisation 719
[Inhalt. — IV —
Seite
Die aristokratisch-grundherrliche Lokalverwaltung. Die Organisation
des Grundes und Bodens : die Fronhofspertinenzen im allgemeinen (Streulage des
Besitzes, Abwandlungen der Anzahl höriger Hufen, Spuren administrativer Zu-
sammenfossung bezw. Unterordnung verschiedener Hofpertinenzen oder Höfe), ihre
Gliederung in der Fronhofsverwaltung (Salland und Gehöferland, spezifisches Sal-
land und Beundesalland in ihrem gegenseitigen Wirtschafts- und Gröfsenverhältnis
imd dessen geschichtliche Abwandlung). — Die Verwaltungsbeamten: der Meier,
seine ursprüngliche Funktion als Bewirtschafter des Sallandes, Beaufsichtiger des
Beundebaues, Einnehmer der Gehöferzinse und Kontroleur der Allmendenutzungen,
sowie seine rechtliche, materielle und soziale Stellung; deren Veränderung und
die zum Ersatz auftretenden Neubildungen; die Bei- und Untergeordneten des
Meiers. — Die Wirtschaftsverwendung der Grundhörigen, ihr allgemeiner Charakter
und ihr Ausdruck in Fronden für den Eigenbetrieb des Fronhofes, den Beunde-
bau und die Allmendeausnutzung. sowie in Abgaben (deren Arten, Veranlagung,
Höhe, Beitreibung und eventuelle Reduktion). — Die Funktionen der Markhörigen
in der Fronhofswirtschaft, zum Entgelt für die Allmendenutzung und den Genufs
der auf Grund von Markobereigentum geschaffenen Einrichtungen 737
Die königliche und die aristokratisch-grundherrliche Zentralver-
waltung. Die karolingische Zentralverwaltung, speziell die Finanzen. Die
Thätigkeit des Iudex in der Finanzgebarung und ihr Verhältnis zu der analogen
Thätigkeit in der grundherrlichen Verwaltung. Die Organisation des grundherr-
lichen Nachrichten- und Transportdienstes vornehmlich in seiner Bedeutung für
die Ausgestaltimg einer Zentralverwaltung. Das Personal der grundherrlichen
Zentralverwaltung: Ministerialität und geistliches Beamtentum, deren verschiedene
Ausbildung und Wirksamkeit. Der Charakter der naturalwirtschaftlich - grund-
herrlichen Finanzgebarung. Die Zentralstelle und ihre Funktionen in Kontrolle
und oberster Leitung. Die Ergebnisse der grundherrlichen Wirtschaftsverwaltung
und deren Schicksale 801
Anhang 853
3. Die Umwälzung- der Wirtschaftsverfassun^ des Grofsgrundbesitzes uud das
Aufkommen freier Landnutzungsformen im 12. und 13. Jahrhundert . . . 862
Der Verfall der grundherrschaftlichen Wirtschaft des früheren
Mittelalters. Ökonomischer Verfall infolge der eigentüriilichen Entwicklung
von Zinsbezug und Grundrente in ihrem gegenseitigen Verhältnis, sowie infolge
der Zersplitterung der Gehöfergiiter. Administrativer Verfall der Lokalverwaltung
durch Eindringen freier Landnutzungsformen in die Beundekultur, die Salland-
wirtschaft und andere grundherrschaftliche Betriebe, durch Verselbständigung der
Gehöferschaften, und durch Zerstörung der Beamtenqualität sowie Zusammen-
schrumpfen der P'unktionen des Meiers. Administrativer Verfall der Zentralver-
waltung durch Zerstörung der Beamtenqualität der Ministerialen und geistlichen
Verw-altungsbeamten. Lockerung der Verbindung zwischen Lokal- und Zentral-
venvaltung durch Verstümmelung der alten Verwaltungszusammenhänge im Wege
der Veräufserung und Verlehnung bezw. Lehnsallodifikation, sowie durch allge-
meine Anwendung des Anweisungssystems zur Rentenbelehnung bezw. zum Lehns-
auftrag seit Beginn des 13. Jhs. Der grundherrschaftliche Besitz der zweiten
Hälfte des Mittelalters überwiegend nur noch als Substrat von Renten betrachtet :
der Rentenbesitz im Vordergrund, das Land als Rentensubstrat fungibel .... 862
Ansätze zur Entwicklung freier Landnutzungsformen bis ins 12. und
13. Jahrhundert hinein. Charakter und Schicksal der freien Landnutzungs-
— y — Inhalt.]
Seite
formen der Karolingerzeit : die Precaria oblata und remuneratoria und deren Aus-
gang in der Periode der deutschen Kaiserzeit ; das Beneficium in den Formen des
Zinsleliens und des Dienstlehens, vornehmlich des Weindienstlehens und des dem-
selben analog gebildeten Ackerteilbaulehens, und deren Einflufs auf die Aus-
bildung der freien Pachten des 12. und 13. Jhs. Übergänge des grundhörigen
Landbaues in freiere Nutzungsformen : Aufhebung der Dingpfiicht und Entstehung
von Erbzins- und Erbpachtverhältnissen, Allodifikation grundhöriger Güter: Klä-
rung der fortbestehenden grundhörigen Nutzungsverhältnisse durch diese Vor-
gänge. Allgemeine Veranlassungen und erster Anfang der freieren Pachtformen:
Pachten an grundherrlichen Nutzungen, Allmendepachten, Zehntpachten; Bedeutung
der letzteren für die P'rage der Priorität der Erb-, Vital- oder Zeitpacht .... 888
Das Wesen der freien Pachten seit dem 12. Jahrhundert. Aufkommen
der freien Pachten im 12. Jh. Ist Zeitpacht oder Erbpacht früher entwickelt?
Die Erbpacht: Pachtantritt, Rechtsverhältnis in der Pacht, Kanon, Stellung des
Inventars, Ausübung grundherrlicher Rechte seitens des Pächters, Leistungs-,
Bau- und Betriebsverbindlichkeiten, Nachlafs des Kanons, Erbbestandgeld und
Kautionen für die Aufrechterhaltung des Erbpachtvertrags. Die Vitalpacht: ihr
Verhältnis zur Erbpacht und ihre besondere Ausbildung zu Landsiedelleihe, Villi-
kationsvertrag und Ilalfenpacht. Die Zeitpacht: ihre Anwendung und das Ver-
hältnis ihrer Detailausbildung zur Erb- und Vitalpacht 937
A n 1 a u f z u e i n e r N e u b i 1 d u n g d e r g r u n d h e r r s c h a f 1 1 i c h e n W i r t s c h a f t s -
Verfassung unter dem Einflufs der Pachtentwicklung. Allgemeine
Übersicht über die Entwicklung der Grundherrschaft im späteren Mittelalter. Die
Wirtschaftsverfassung der Stifter im besonderen ; Entfaltung ihrer Gemeinwirtschaft
zum Pensionariensystem ; Ausweitung des Pensionariensystems zur grundherrschaft-
lichen Pachtgenossenschaft 972
Anhang 985
VII. Grundherrlichkeit und Vogtel als Formen halbstaatlicher Gewalt
und Fermente sozialer Schichtung.
1. Die Grundlierrlichkeit 991
Der g r u n d h e rr s c h a f 1 1 i ch e Schutz und als dessen Folge das Obereigentum am
grundhörigen Besitz als ursprünglicher Kern der Grundherrlichkeit. Ihr Ent-
wicklungsgang und ihre Ausgestaltung im Fronhofsverhältnis: grundherrliche
Rechtsvertretung der Grundholden nach aufsen bei Delikten, Schaffung des
Fronhofdinges für den Vermögensverkehr im Innern 991
Die Einbeziehung markgenössischer Rechte in das ursprüngliche
grundherrliche Verhältnis. Entstehung des Allmendeobereigentums, Aus-
wirkung desselben auf dem Gebiete der früher markgenössischen Leitung von
Urproduktion, industrieller Thätigkeit und Verkehrsleben. Schicksale des mark-
genössischen Beamtentums und Finanzwesens. Veränderte Stellung der einst
freien Markgenossen (Markhörigkeit): Fronde- und Zinspflicht, Gerichtspflicht,
Heerespflicht. Verhältnis der gröfseren alten Markbildungen, speziell der Hun-
dertschaftsmark, zu dieser Entwicklung 996
Die Einbeziehung staatlicher Rechte in das ursprünglich grund-
herrliche Verhältnis. Die königliche Immunität: die ältere Immunität, ihr
Charakter, ihr Verhältnis zur Entwicklung der Regalien und ihre Geschichte;
[Inhalt. — VI —
Seite-
die jüngere Immunität in ihrem Charakter und ihrem Verhältnis zur älteren Im-
munität. Die landesherrliche Immunität. Die Entwicklung positiver immunitäts-
herrlicher Rechte aus der königlichen Immunität; 1. Finanzwesen (Paraveredi,
Ilostilicium, Nachtseide, Trihutum): keine Ausbildung einer besonderen Finanz-
verfassung, Einbeziehung der urspriinglich staatlichen Leistungen in die grund-
herrliche Intradenverwaltung ; 2. Heerwesen: nahezu völliger Verfall ; 3. Gerichts-
wesen: Ausbildung desselben im späteren Mittelalter (Bauding, Grundgericht,
Hochgericht, Regelung des Instanzenzuges, Lehnhof und Hofgericht), Entwick-
lung dieser Ausbildung aus den ursprünglichen Immunitätsberechtigungen auf
der Basis der grundherrlichen Gewalt und Markherrlichkeit. Das Grundgericht
und seine genauere Organisation als bezeichnendste Erscheinung der ausge-
bildeten grundherrlichen Gerichtsverfassung 1015>
2. Die Yo^tei 106^
Die Vogtei über Einzelpersonen. Grimde für das häutige Vorkommen der
Vogtei speziell bei der Geistlichkeit und den sozial tiefer stehenden Schichten
der Laien: Perioden besonderer Friedlosigkeit in der deutschen Geschichte des
Mittelalters. Die Kategorieen der Bevogteten und der Vogtherren. Der herr-
schaftliche Charakter der Vogtei, ihre Dauer und Sicherheit, ihre Ausgestaltung
im kriegerischen und gerichtlichen Vertretungsrecht 1062
Die Vogtei über Träger bestehender Gerichts- und Wirtschafts-
verfassungen.
Die freie Markvogtei : Entstehung, ursprüngliche Pflichten, Rechte und Emolumente,
Ausweitung derselben bis zur Markherrlichkeit. Entwicklung wirtschaftlicher
Forderungsrechte, Organisation einer Rezeptur für dieselben im Sinne eines
grundherrschaftlichen Fronhofes, Aufhebung der Unterschiede zwischen Grund-
hen-lichkeit and Markvogtei 1074
Die Fronhofsvogtei sowie die Mark- und Fronhofsvogtei : Entstehung, Verhältnis
zur Immunitätsvogtei und zur freien Markvogtei, ursprüngliche Befugnisse und
Ausweitung derselben auf dem Gebiete der Gerichtsverfassung, ursprüngliche
Emolumente und Ausweitung derselben auf dem Gebiete der Wirtschaftsverfas-
sung. Erweiterung der fronhofsvogteilichen Rechte im Fall der Markherrlichkeit
des Grundherrn: Mark- und Fronhofsvogtei. Entwicklung des Fronhofs- bezw.
Mark- und Fronhofsvogtamtes zur Vogtherrschaft, Zusammenfassung des vogtei-
lichen Herrschafts- und Einnahmesystems in einer dem grundherrschaftlichen
Fronhofe analogen Organisation. Verfall der Fronhofsvogtei mit dem Auf-
kommen der Landesherrlichkeit, ihr schliefslicher Charakter der einer beson-
deren herrschaftlichen Einnahmeform 1088
Die Immunitätsvogtei: Entstehung in der Karolingerzeit aus der Kombination der
persönlichen Bevogtung eines geistlichen Grundherrn mit der Ausübung exe-
kutorischer Funktionen im Immunitätsbezirk eben dieses Grundherrn ; Entwicklung
zur vollen Immunitätsvogtei des Mittelalters im 9. Jh. Ursprüngliche Befugnisse
und Emolumente dieser Vogtei und Erbreiterung derselben auf dem Gebiete der
Hochgerichtsverfassung, der immunitätsherrlichen Wirtschaftsverfassung und der
Heeresverfassung. Entwicklung des Vogtamtes zur erblichen Vogtherrschaft.
Konsequenzen dieses Vorgangs: Entstehung von Untervögten, Aufsaugung der
Fronhofsvogteien, Konzentration der gesamten Gerichtsbarkeit der Immunitäts-
herrschaft in den Händen des Vogtes. Reaktion der Immunitätsherren hiergegen,
besonders durch Kreienmg der Hofschultheifsen. Erfolglosigkeit des immunitäts-
hen-lichen Widerstandes: P]ntwicklung der Immunitätsvogtei zu einer halbstaat-
— VII — Inhalt.]
Seitö
liehen Gewalt unter gleichzeitiger Verblassung ihres ursprünglichen Charakters;
auch Geistliche werden immunitätsvogteifähig 1110
Vogteilich e Kehandlung der Reste staatlicher Gerichtsverfassung.
Auffassung der Vogtei als gerichtsherrlicher Gewalt überhaupt: der Landesherr
oberster Vogt und oberster Gerichtsherr. Anlehnung der Trümmer der Hunnen-
gerichtsbarkeit wie der alten Grafengerichtsbarkeit an diese Auffassung .... 1135
S, Zur sozialen Gliederung- vornehmlich der landarbeitenden Klassen ... 1139
Die hauptsächlichsten Fermente der s o z i a 1 e n S c h i c h t u n g im deut-
schen Mittelalter überhaupt. Die Staatsgewalt der Frühzeit: Freiheit
und Unfreiheit; die halbstaatlichen Gewalten des früheren Mittelalters: Lehns-
nexus, Grundhörigkeit und Vogteihörigkeit ; die Berufsthatigkeit in der Höhe
des Mittelalters : Ministerialität, Bürgertum und Bauerschaft ; die Landes- und
Stadtgewalt "des späteren Mittelalters: Landadel und Unterthanen, Patriziat und
Zünfte 1139
Die Einwirkung dieser Fermente auf die soziale Gliederung der
Bevölkerung des platten Landes bis gegen Schlufs des Mittel-
alters 1145
Der Gegensatz von frei und unfrei in der landarbeitenden Bevölkerung der karo-
lingischen Grundherrschaften und seine Auflösung zur Grundhörigkeit um die
Wende des 9. und 10. Jhs. Schicksale der alten Freiheit und Unfreiheit aufser-
halb des agrarischen Nexus der karolingischen Grundherrschaft. Die Freiheit:
Ausgang ihres ursprünglichen Wesens im 12. Jh., Verschlechterung desselben
zur Markhörigkeit und Vogteihörigkeit und Verquickung dieser Verhältnisse mit
der Grundhörigkeit; Verbesserung desselben zum Adel. Die Unfreiheit: Aus-
gang ihres ursprünglichen Wesens gegen Schlufs des 10. Jhs., Verbesserung des-
selben zur Handwerkerschaft, zum Weinbaulehnsnexus und zur Ministerialität.
Das Recht der Ministerialität im besonderen und seine vasallitische Entwicklung
seit der zweiten Hälfte des Mittelalters 114(>
Grundherrlichkeit und Vogtei in der Abwandlung ihrer Einflüsse auf die Standes-
bildung der landarbeitenden Klassen. Weitgehende Identität dieser Einflüsse im
Sinne der Ausbildung einer einheitlichen giundholden Bevölkerung. Kennzeichen
derselben: persönliche Zinspflicht, speziell Kopfzinspflicht, Empfängnis, Erb-
gebühr, familienrechtliche Bindung, und hofrechtliche Bindung des Gerichtsstandes
unter gelegentlichem Eingreifen grundherrlicher Disziplinargewalt. Lösung der
persönlichen Zinspflichten, des Empfängnisses und der Erbgebühr im Laufe der
ersten Hälfte des Mittelalters durch dingliche Radizierung. Die Bindung an
die Scholle als nächstes, die Erblichkeit des grundhörigen Besitzes als weiteres,
die Veräufserungsfähigkeit dieses Besitzes als letztes Ergebnis der Radizierung.
Veränderte Benennungen der Grundholden als Symptom für den Eintritt der auf
diese Weise angebahnten Freiheit des Grundeigentums 11T7
Weitere Entwicklung der landarbeitenden Klassen seit Schlufs der Stauferzeit. Ver-
änderte Bezeichnung der eigentlichen Grundholden in der zweiten Hälfte des
Mittelalters als Symptom weiteren Fortschrittes, Ziel desselben die Freiheit der
Person innerhalb der landwirtschaftlichen Berufsthatigkeit. Zu diesem Zwecke
Lösung der hofhörigen Gebundenheit der Grundholden in Fronhofsdienstpflicht
und Familienrecht zu Gunsten öffentlichen Gerichtsstandes durch Bildung von
Bezirksgerichten, und zu Gunsten freien Zuges durch Einführung des Unterzuges
[Inhalt. — VIII —
Seite
uiul Aufhebung des Verbotes der Heirat aufserhalb der Hofgenossenschaft. Recht
und Charakter des freien Zuges (Abzugs- und Einzugsrechtes) im späteren Mittel-
alter 1195
Besondere Entwicklung der Wachszinsigen infolge unmittelbarer Bindung an die
Person des Herrn ohne das Zwischenglied der Fronhofsverfassung. Charakter,
Entstehung und Schicksal der Wachszinsigkeit ; ihre schliefsliche Abschwächung
zur persönlichen Schutzhörigkeit des 14. Jhs. Anwendung ihres Systems seit
spätestens dem 13. Jh. zur Begründung eines Standes eigenhöriger (leibeigener)
Leute aus dem numerisch wachsenden Bestand unbegüterter Hofhöriger. Rechte
und Pflichten dieser Leute 1213
Das Schicksal der landarbeitenden Klassen am Schlufs des Mittel-
alters. Soziale Lage: die eigenhörigen Leute gewinnen Einflufs auf das Schick-
sal der angesessenen Grundholden, letztere werden schliefslich vielfach als Leib-
eigene behandelt. Auf der andern Seite sondert sich eine Anzahl besser
situierter Grundholder zu freier Pacht und dergl. aus. Im ganzen herrscht
soziale Gärung. Gründe und Folgen dieser Entwicklung. Materieller Zustand:
glückliche Zeit im 13. und teilweis 14. Jh.; Thatsache und Gründe des Ver-
falls im 15. Jh. Geistige Disposition: das Verhältnis der bäuerlichen An-
schauungswelt zum sonstigen geistigen Leben, speziell zum Rechtsleben der Ge-
samtnation im 15. imd 16. Jh. Unvereinbarkeit der bäuerlichen Anschauung
und der sonst vorhandenen Denkweise 1230
Anhano; 124:3
VIII. Zur Entwicklungsgeschichte der Landesgewalt.
1. Die Bildimg des Territoriums 1251
Einleitung zum achten Abschnitt: Begrenzung der zu lösenden Aufgabe auf Grund
der zeitlichen und räumlichen Schranken unserer Untersuchung 1251
Die Bildungskräfte der Landesgewalt 1255
Die halbstaatlichen Gewalten. Die Grundherrlichkeit: notwendige Eigenschaften,
Umformung und Abrundung derselben zum Zwecke der Territorialbildung, ihre
Veränderungen innerhalb des Territoriums. Die Vogtei : für die Territorialbildung
besonders brauchbare Vogteiarten, ihre Ausgestaltung für, ihre Einrangierung
in die Territorien. Die Lehnsherrlichkeit: Art der für die Territorialbildung
in Betracht kommenden Lehen (speziell Burgenauftragungen), Ausgestaltung des
Lehnsnexus unter der Einwirkung der Landesgewalt (Lehnshof) 1255
Die staatliche Gewalt, ihre Übergangsarten zur Landesgewalt, Umprägung ihres
Charakters im Kriegswesen, in der Gerichtsverfassung und auf dem Gebiete der
politisch-finanziellen Verwaltung (Regalien), im letzteren Falle unter Kollision
mit den autonomen Gewalten 1268
Die kirchliche Gewalt. Bedeutung der geistlichen Oberaufsicht, Rechtssprechung,
Vermögensverwaltung und Steuerverfassung für die Bildung der Landesgewalt . 1278
Die Kriegsgewalt in den Burgen als Bindemittel der territorialen
Bildungskräfte 1284
Entwicklung der Kriegsverfassung im allgemeinen. Schicksal der alten gemeinen
Heeresverfassung : kein völliger Verfall ; Bestand der personalen Unverietzlichkeit
IX Inlia'lt.J
Seite
als der Vorbedingung allgemeiner Wehrhaftigkeit ; ?]rlialtung der Pflichten der
Verpflegung und Ausrüstung, der Fortifikation und des Sicherheitsdienstes; Bei-
behaltung des Auszuges fiir den Gerichts- und Polizeidienst wie zum Landes-
schutz, Reorganisation desselben in der Miliz des 16. und 17. Jhs. Bedeutung
dieser Entwicklung für den Burgenerwerb in der Territorialbildung des 13. und
14. Jhs. Schicksal der Lehnkriegsverfassung : Notwendigkeit der territorialen
Begründung derselben, frühe Beschränkung ihrer Wirkungsfähigkeit, politischer
und technischer Verfall seit dem 12. Jh., Aufkommen des Lehndienstvertrages.
Konsequenz im 12. und 13. Jh. der Übergang zu überwiegender Defensive;
Lehnburgen. Entwicklung der Soldkriegsverfassung: Anfänge im 12. Jh., volle
Ausbildung zu spät, um zur ersten Entwicklung der Landesgewalt beizutragen.
Schicksal der Dienstkriegsverfassung : ritterliche Entwicklung derselben seit dem
zweiten Viertel des 12. Jhs. Akkommodation und Übergang zum Lehnkriegswesen
bis zum Schlufs des 13. Jhs, Allgemeines Ergebnis der Entwicklung der Kriegs-
verfassung: Überwiegen der Defensive, Nötigung zum Burgenbau vom 12. bis
14. Jh 1237
Die Bedeutung des Burgenbaues für die Konzentration der territorialen Gewalt im
besonderen. Anzahl der Burgen, ihr Bau sowie ihre Einrichtung und Ver-
waltung. Die Burgbesatzung und ihre Organisation in Sold- und Burgmannschaft
(Burglehen). Die Burgen als Schutzmittel der Umgegend und lokale Zentren
für die Ausübung der grundherrlichen, vogteilichen, staatlichen, überhaupt landes-
herrlichen Gewalt 1305
Anhang 1321
2. Die Landeshoheit 1822
Fürst und Unterthan. Militärhoheit. Gerichtshoheit: Entwicklung einer obersten
Gerichtsherrlichkeit des Landesherrn aus vergleichender, schiedsrichterlicher,
später auch appellationsrichterlicher Thätigkeit; Errichtung eines Hofgerichts
auf Grund derselben; Einflufs dieses obersten Gerichtes auf die Gerichtsver-
fassung der Untergerichte. Anpassung der alten Hochgerichte an die Amts-
bezirksverfassung, und Ausgestaltung derselben zu Mittelgerichten zwischen Unter-
gericht und Hofgericht. Aufkommen einer vergleichenden und schiedsrichter-
lichen Thätigkeit des landesherrlichen Amtmanns neben den unteren Gerichten,
und Entwicklung derselben zu voller Rechtssprechung in Konkurrenz mit diesen
Gerichten. Finanzhoheit: Unifikation und Erweiterung der alten finanziellen
Bezugsrechte, Erschliefsung neuer geldwirtschaftlicher Finanzquellen allein auf
Grund von Landeshoheit (die Landbede im Gegensatz zu geistlichen Subsidien
und ständischen Hilfen). Verwaltungshoheit: Weiterentwicklung derselben auf
Grund der früher überkommenen Gewalten, sowie auf Grund des neuen Begriffs
der Landeshoheit speziell gegenüber der Markgenossenschaft (Dorfgemeinde) . . 1322
Landeshoheit und Ständeautonomie. Die Städte und die landesherrliche
Militär-, Finanz-, Gerichts- und Verwaltungshoheit. Die ständischen Grund-
herrschaften, ihr allgemeines Verhältnis zum Landesherrn, dessen Eingriffe in
ihre Autonomie vornehmlich auf dem Gebiete des Gerichtswesens 1342
Die Landeshoheit und der moderne Staatsgedanke. Die äufsere Politik
auf rein politischem, rechtlichem und wirtschaftlichem Gebiete. Die innere
Politik, die endliche Verwirklichung des mittelalterlichen Staatsgedankens und
die erste Aufstellung des Wohlfahrtsideals des modernen Staates 1352
[Inhalt. — X —
Seite-
3. Die Landesvenvaltuni? ^'^^^
Das Schicksal der fiskalischen Reichsverwaltung im 12. und 13.
Jahrhundert ^^^'^
Entwicklung der Hammersteiner und vornehmlich der Sinziger (Landskroner) Burg-
grafen. Das Typische dieser Entwicklung 135T
Die territoriale Lokal Verwaltung. Die territorialen Burggrafen: frühestes
Vorkommen, Funktionen, Verhältnis zu Ministerialität und Vasallität, Burggraf-
schaft und Amtsbegriff. Die Amtleute : Entstehung des Namens und des Amtes,
Charakter des Amtes nach völliger Entwicklung der Amtsverfassung (Gehalt,
Pension, Stellung zur Zentralstelle, Funktionen im Amtsbezirk), Schicksale des
Amtes im späteren Mittelalter. Die technischen Beamten der Regalienverwaltung,
Gerichtsverwaltung und Domanialverwaltung und ihr Verhältnis zu den Amt-
leuten. Die Kellner : Entstehung, Ausbildung und Verhältnis zu den Amtleuten,
Funktionen im Kellnereibezirke, Unterpersonal, Stellung zur Zentralstelle . . . 1368^
Die territoriale Zentralverwaltung 1421
Der Rat. Die ältesten Bildungen eines Rates der Grofsen im Lande und eines
Ministerialenrates. Der neue Territorialrat, seine Entstehung, das amtliche
Verhältnis und die Art seiner Mitglieder (Laienräte - geistliche Räte, adlige
Räte - rechtsgelehrte Räte). Besondere Ratsstellen: der Kanzler, der Hof-
meister. Die Geschäftsgebarung des Rates; Kommissionswesen, Verhältnis zur
Lokalverwaltung 1421
Die technischen Zentralstellen. Das Hofgericht. Das Marschallamt. Die Kanzlei:
ünterpersonal, Expedition, Registratur, Rechnungswesen. Die Finanzverwaltung:
Kreditbedürfnis der Territorialgewalt infolge der Entwicklung der Geldwirtschaft,
kirchliche Körperschaften und Judenschulen als Kreditinstitute, Geschichte der
Territorialfinanzen in ihrer Abhängigkeit von diesen Instituten; Personal der
Finanzverwaltung bis zum Schlüsse des 13. Jhs., Juden als Vorstände der Finanz-
verwaltung in der ersten Hälfte des 14. Jhs. und die Details des zentralen
Rechnungswesens unter ihnen, spätere Finanzverwaltung. Bedeutung der jüdi-
schen Finanzkräfte fiir die Territorialbildung überhaupt 1439^
IX. Schlufs.
Einleitung. Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung in ihrem gegenseitigen
Verhältnis und in Bezug zur Aufgabe der vorliegenden Untersuchungen. Mög-
lichkeit einer kurzen Darstellung der Hauptphasen innerhalb der Kulturentwick-
lung des platten Landes im Mittelalter 1485
Die Periode der autonomen Bildungen, erstes Jahrtausend der deutschen
Geschichte. Völkerschaft, Stamm und Nation als aufeinander folgende Grundlagen
der politischen Entwicklung. Die ursprüngliche Wirtschaftsorganisation der
freien Volksgenossen: Wirksamkeit des militärischen Geistes der Völkerschafts-
verfassung in ihr; gleichzeitige politische, militärische und wirtschaftliche Be-
deutung der Hundertschaft; Harmonie aller realen Interessen in derselben.
Untergang der ursprünglichen Wirtschaftsorganisation; Entwicklung des Grund-
eigentums; innerer Verfall der Markgenossenschaft; sozialer Ruin der Freien 1487
Die Periode der Grundherrschaften, deutsche Kaiserzeit. Aufkommen
und Charakter des fränkischen Kirchen- und Laienadels, der Grofsgrundbesitz
— XI — Inhalt]
Seite
seine materielle Basis. Die Organisation des Grofsgrundbesitzes und seine Ent-
wicklung zur Grundherrschaft. Der offenkundige Vertiill der Grundherrschaft
seit der Stauferzeit und seine Hauptursachen : Aufkommen der Vogtoien, Verfall
der Hufcnverfassung, Vererblichung der Verwaltungsstellen, Verringerung der
Zinsbezüge (Steigen der Grundrente). Soziales Emporblühen der landarbeitenden
Klassen: Auswanderung, Entstehung der freien Pachten. Mängel der bauer-
lichen Entwicklung: allmähliche Entstehung eines ländlichen Proletariats, un-
glücklicher Einflufs des Gegensatzes zwischen Stadt und Land 1501
Die Periode der Territorien, späteres Mittelalter. Die Grundherrschaft als
Wiege der Territorien: ihr zunehmender halbstaatlicher Charakter infolge der
Aufsaugung hundertschaftlicher oder einst hundertschaftlicher Kräfte vornehmlich
in Wirtschafts- und Gerichtsverfassung (Ausscheidung der Zendereien und Dorf-
gemeinden aus der Hundertschaft, Untergang des alten Gleichgewichtes wirt-
schaftlich und rechtlich autonomer Interessen). Sonstige Entwicklungselemente
der Landesgewalt: Vogtei, Lehnsherrlichkeit, altstaatliche Hoheitsrechte: ihre
Zusammenfassung und Durchbildung zur Landeshoheit durch Umgestaltung und
straffe Anwendung der Finanz- und Militärverfassung. Zusammenhang dieser Ent-
wicklung mit der Entstehung der lokalen Landesverwaltung. Geschichte des Amts-
begriffs und Verwirklichung desselben in der Lokal- wie der Zentralverwaltung.
Ausbildung des Territoriums in der Richtung einer besonderen Staatsindividualität
unter dem obersten Ziele der Landeswohlfahrt; Stellung des Landesherrn zur
sozialen Entwicklung der Landeseingesessenen. Aussichten des Territorialstaates
am Schlüsse des Mittelalters 151S
Anhang 1528
X. Anhänge. Register.
1. Chronik der elementaren Ereignisse 1537
2. Bibliographie 1558
3. Register zum ersten und zweiten Band 1572
1. Sachregister 1572
2. Wortregister 1600
Znsätze und Berichtigungen 1631
Zum Verständnis der Citate.
1. UnJiedruckto Quellen sind durch * als solche kenntlich gemacht, z. B. S. 113 Note 2:
♦Kohleuz St. A. Temp. VIII, ßl. 474 a, 4741^.
2. Urkunden sind aufser nach Urkundenbuch und Nummer (selten, und dann besonders
bezeichnet, Seite) stets noch mit dem Ausstellungsjahr citiert; z. B. S. 112 Note 6: CRM. 3,
12, 1302. Dabei sind folgende starke Abkürzungen fiir Urkundenbücher angewendet:
MR. ÜB. für das Mittelrheinische Urkundenbuch, CRM. fiir Günthers Codex diplomaticus
Rheno-Mosellanus, Lac^ ÜB. für Lacomblets Urkundenbuch tür die Geschichte des Nieder-
rheins. Weitere weniger starke Abkürzungen erklären sich aus der Bibliographie auf
S. 1558 ff.
3. Urbare sind citiert mit U und der Grundherrschaft, auf welche sich das Urbar bezieht,
ferner da wo es nötig schien mit dem Jahr, und aufserdem stets mit dem thunlichst abge-
kürzten Drucke; z. B. S. 112 Note 1: UStift [Erzstift Trier] 13. Jhs. S. 402 und 425.
Die Angabe des Druckes (in diesem Falle MR. ÜB. Bd. 2) ist mit Leichtigkeit aus den
Übersichten des zweiten Bds. S. 59 ff. und S. 676 ff. zu ergänzen.
4. Weistümer sind citiert mit W und dem Orte, auf welchen sich das Weistum bezieht,
ferner dem Jahr und häufig auch noch dem Drucke (die Sammlung von Grimm ist dabei
mit G. bezeichnet); z. B. S. 113 Note 1: WGalgenscheid 1460, G. 2, 454-55. Wo die
Angabe des Druckes fehlt, ist dieselbe nach dem Verzeichnis der Rheinischen Weistümer,
herausgegeben von der Ges. für Rhein. Geschichtskunde, Trier, 1883, 90 SS., bequem zu
ergänzen.
5. Der Text der Citate ist graphisch bereinigt. Diese Mafsregel verstand sich gegenüber
einigen neueren Ausgaben, wie der der Luxemburgischen Weistümer durch Hardt, der
Mettlacher Weistümer durch Lager, von selbst; nötig war sie auch gegenüber alten
Drucken, wie denen von Kremer, des Isenburgischen Geschlechtsregisters u. a. m. Bei
neueren besseren Editionen kommt der Grundsatz natürlich viel weniger zur Anwendung ;
wo von ihrem Woittext (namentlich dem des MR. ÜB.) abweichend citiert wird, beruht
die Abweichung meist auf Kollation mit der urkundlichen Vorlage. Dem citierten Text
nicht angehörige Zusätze sind in eckige Klammer [], von mir gewählte Umschreibungen
einzelner im Citat wegfällender Textworte in runde Klammern () gesetzt. Fiir die
Citierung der Weistümer haben endlich häufig nach Mafsgabe der in den Texten mit
Item Vortme oder ähnlich eingeleiteten Absätze Paragraphen eingeführt werden müssen,
wo die Dmcke solche nicht zugesetzt haben.
VI.
Die Wirtschaftsorganisation des Grofs-
grundbesitzes.
Lamprecht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 43
1. Bildung und Cliarakter des Grofsgrundbesitzes,
In den bisherigen Abschnitten unserer Untersuchung ist die reale Kultur
des platten Landes dargestellt worden, soweit sie sich autonom unter dem
Schutze des fränkisch - deutschen Staates entfaltete. Allein der Staat der
Merowinger und Karolinger wie der der deutschen Kaiserzeit selbst in ihrer
Glanzepoche waren nicht Gebilde, in welchen das nationale Leben immer inniger
aufgegangen wäre. Entstanden aus einem Kompromifs freistaatlicher germa-
nischer Grundrichtungen mit den Bedürfnissen eines in Eroberungen erwachsenen
Herrschergeschlechts, welches die fi'änkische Heimat mit deutsch-unabhängigen
Gebieten und mit einer römischen, kultursatten, des Gehorsams gewöhnten
Provinz der gleichen herrschaftlichen Verwaltungsorganisation zu unterwerfen
hatte, erreichte dieser Staat den Höhepunkt seiner Entwicklung erst nach
vierhundertjährigem Bestand unter einer neuen herrschgewaltigen Dynastie.
Dieser Höhepunkt aber konnte nach der ganzen Anlage des Staates nur durch
eine Universalmonarchie bezeichnet werden. Nicht in der gegenseitigen Ver-
schmelzung der einzelnen, nach Nationalität und Kulturhöhe durchaus verschie-
denen Landesteile zu einem einheitlichen staatlichen Organismus konnten die
Merowinger als eingeborene Herrscher des mit am mindesten civilisierten und
darum mit am mindesten assimilationskräftigen Stammes im Reich ihre poli-
tische Aufgabe finden: dieselbe war vielmehr im rohen schon gelöst, wenn
die Dynastie alle Länder des Reiches, wie eigenständig sie auch in ihrem natio-
nalen und kulturellen Leben blieben, doch wenigstens durch eine gemeinsame
Oberverwaltung aneinanderkettete , welche gräfliche, mit relativ wenig um-
fangreichen Verwaltungsgebieten ausgestattete Statthalter in direktem Auftrage
des Königs zu führen wufsten. Diente dieser Verwaltungsapparat anfänglich nur
den persönlichen Interessen des HeiTScherhauses und denjenigen Staatszwecken,
deren Bedürfnis dem germanischen Eroberer schon in der Heimat, unter pri-
mitiven Verhältnissen, aufgegangen war, so begreift es sich, wie derselbe
Apparat eine ganz andere Bedeutung erhalten mufste, sobald er zur Verwirk-
lichung der staatlichen Bedürfnisse einer hochentwickelten Kultur benutzt
43*
fWirtsfliaft d. Grofsgrunclbes. — 668 —
ward. In dieser veränderten Anwendungsweise des fränkischen Verwaltungs-
apparats aber beruht die Eigentümlichkeit und Gröfse der inneren Politik der
Karolinger. Karl der Grofse erschuf an seinem Hofe durch Herbeirufung von
Persönlichkeiten vornehmlich aus Italien und Irland-England, welche ganz unter
den gerade in diesen Ländern fast nie unterbrochenen Traditionen römischer
Kultur standen, eine erste lokal auf den Hof und einige Klöster beschränkte
Renaissance, und indem er sich mit den politischen Idealen dieser Renaissance
erfüllte und den fränkischen Verwaltungsapparat für ihre Verwirklichung inner-
lialb der zumeist mafsvoll beachteten Schranken der Möglichkeit in Anspruch
nahm, wurde er der Schöpfer des karolingischen Universalstaates.
Indes die karolingische Renaissance stand in keinem Verhältnis zu dem
allgemeinen Kulturgrad der karolingischen Staatsunterthanen, sie war hyper-
trophisch und gekünstelt; und wie sie es war, so war es der Staat, dessen
beste Ziele ihrem Ideeenkreise entstammten. Erst im 14. und 15. Jh. reiften
die aus dem Boden des alten Karolingerreiches entsprossenen Nationen einer
spontanen und natm'gemäfsen Renaissance entgegen; es ist kein Zufall, wenn
Karl der Grofse eben bis ins 16. Jli. als das unerreichbare Ideal monarchischer
Thätigkeit galt. So mufste der fränkische Verwaltungsorganismus, in welchem
sich zugleich die einheitliche Verfassung des Reiches verkörperte, nicht zum
geringsten eben an der Ausdehnung seiner Funktionen, wie sie die erweiterten
Zwecke des Karolingerstaates forderten, zu Grunde gehen; daher der rasche
Verfall der unter Karl dem Grofsen scheinbar so glänzend entwickelten In-
stitutionen. Das Deutsche Reich speciell nahm aus dem Zusammenbruch des
Universalstaates nur Trümmer der alten Einrichtungen herüber, deren Be-
nutzung neben der Inanspruchnahme neuer Elemente nie zu Errichtung eines
wahren Staatsgel)äudes geführt hat. Einer der sichersten Beweise in dieser
Richtung ergiebt sich aus dem früher in Al)schnitt III dargestellten Schicksal
der staatlichen Landesverbände und der auf sie begründeten Institutionen ; hier
ist schon im 11. Jh. der Verfall nicht mehr zu leugnen, und nur die Macht
der Gewohnheit wie die aus der Notwendigkeit der lokalen Institution selbst
ei-fliefsende Lebenskraft halten die alten Funktionen unter mannigfacher Ver-
stümmelung noch aufrecht.
Allein während der universale Staat zerfiel, der nationale sich nicht recht
zu l)ilden vermochte, entsprangen den einzelnen Teilen und Gliedern des
Staatsgebietes, welche vom Centrum her nur noch geringe Lebensenergie
empfingen, die Quellen eigner pseudostaatlicher Kräfte. Das Institut, in welchem
diese Kräfte sich sammelten, war die Grundherrschaft: die Grundherrschaft
wurde nach der Abdankung des Staates neben den alten autonomen Ver-
bänden das einzige autoritäre Institut des platten Landes und anfangs auch
der städtischen Entwicklung. Als solchem stand ihr bei dem stets zunehmenden
Verfall der allgemeinen nationalen Verfassung eine grofse Zukunft bevor. Bald
erho])en sich gröfsere Grundherrschaften im Wettbewerb mit vielen anderen
kleineren zu l)esonderer Bedeutung; sie wurden die Krystallisationskerne fürst-
— ßß9 — Bild- d. Grofsgrundbesitzes.]
lieber Territorien, die Grundlage einer ersten Territorialverwaltiing und damit
die Basis zur Entwicklung einer eigenständigen Fürstenniacht, welche schliefs-
lich im System der absoluten Monarcbie einen Endausdruck gewann. Der
mittelalterlicbe Staat versank, aus der Wurzel namentlicb der Grundberrscbaft
erbob sieb unter Abstreifung aller ursprünglicb privatrecbtlicben Beziebangen
der moderne Staat.
Hatte das platte Land vornebmlich in seiner Wirtscbaftsorganisation
gegenüber dem fränkiscli-mittelalterlicben Staat, der nicbt in seine Tiefen
drang, autonome Reste germaniscber Verfassungsbildungen und urzeitlicber
politiscber Anscbauungen gewahrt, so erzeugte es gleichzeitig aus denselben
Tiefen heraus in der Grundherrschaft den Embryo des heutigen Staates.
Diese Betrachtungen zeigen, dafs es nunmehr an der Zeit ist, die autori-
tären Bildungen: d. h. vornehmlich die Grundherrschaft und in deren Verfolg
das Territorium nach seinen Kompetenzen und seiner Verwaltung zu erörtern.
Die Geschichte der Grundherrschaft ist, wenigstens in den Epochen ihrer
Entstehung und ersten Ausbildung, oft behandelt worden. Überwog bei den
früheren Forschungen die Neigung, die Grundherrschaft vornehmlich als pseudo-
staatliche Institution zu fassen, so ist die Untersuchung neuerdings mehr vom
Gesichtspunkte der Wirtschaftsinstitution ausgegangen. Mir scheint, man habe
beide Gesichtspunkte, welche an sich zweifellos anwendbar erscheinen, zu kom-
binieren; andernfalls liegt die Gefahr nahe, den einen oder den andern zu
überschätzen. Übersieht man nun mit der Absicht, beide Gesichtspunkte zur
Geltung zu biingen, die Geschichte der Grundherrschaft, so ergiebt sich ohne
weiteres, dafs die Grundherrschaft in ihren ersten Entwicklungsstadien (etwa
im 8. bis 11. Jh.) mehr wie später einen wirtschaftlichen, in ihrer späteren
Entfaltung schon vor dem Aufbau von Territorialverwaltungen auf ihre her-
vorragendsten Ausgestaltungen um die Wende des 13. und 14. Jhs. mehr wie
früher einen staatlich-rechtlichen Charakter gehabt hat. Die ursprünglich
gröfsere Betonung wirtschaftlicher Interessen und ihr allmähliches Verdrängen
aus der Institution zu Gunsten pseudostaatlicher Anschauungen und For-
derungen bildet mithin einen ganz wesentlichen, ja den erheblichsten einheit-
lichen Gesichtspunkt in der Geschichte der Grandherrschaft überhaupt. Nach
ihm, speciell nach den soeben erörterten zwei Etappen seiner Entwicklung sind
darum die nunmehr folgenden Untersuchungen über die Geschichte der Grund-
herrschaft geordnet worden.
In diesem Abschnitt also zunächst von der Wirtschaftsorganisation des
Grofsgrundbesitzes: denn offenbar ist ihre genaueste Kenntnis die Vorbedingung
zum Verständnis aller staatlich-rechtlichen, später zu so grofser Bedeutung er-
wachsenden Organisationen des Instituts.
Das Verständnis der Wirtschaftsorganisation selbst aber setzt wieder eine
genaue Untersuchung über die Bildung und den Charakter des Grofsgrund-
besitzes überhaupt voraus. Dies weniger in dem Sinne, dafs die Frage be-
antwortet werden müfste, wann zuerst Grofsgrundbesitz in deutschen Landen
Wirtschaft d. Giofsgmndbes. — 670 —
auftrat — diese Frage ist schon oft genug der Prüfung unterzogen worden,
so dafs eine erneute Erörterung zurückstehen kann, zudem aber ist sie auch mit
unserem speciellen Material für die Moselgegenden nicht zu lösen. Die erste echte
Urkunde unserer Gegend, das Grimonische Testament, ergiebt schon für die
erste Hälfte des 7. Jhs. einen ausgedehnten Grofsgrundbesitz im nordöstlichen
Frankreich und westlichen Moselland: wieweit die Entwicklung eines solchen
zuucächst im Frankenreiche über diese Zeit hinaus zurückreicht, kann nur ver-
mutet werden. Ungleich wichtiger als das Wann ist aber für unsere Er-
örterungen das Wie der Entstehung. Und die Art und Weise, in welcher
die Bildung des Grofsgrundbesitzes vor sich ging, läfst sich in unserer Gegend
wenigstens für den geistlichen Grundbesitz noch voll übersehend
Zum Verständnis der eigentümlichen sich hier ergebenden Bildungen be-
darf es vor allem der Erörterung der von der Kirche für den Erwerb an-
gewandten Mittel, welche weniger auf Ankauf als auf schenkweisen Empfang
von Gmndbesitz hinausliefen und ein förmliches in sich abgeschlossenes System
der Erwerbspolitik bildeten.
Dies System war im wesentlichen überall auf dogmatische Anschauungen
begründet; die schon früh entwickelte Theorie von der Verdienstlichkeit der
Almosen überhaupt^ — als solche erschienen die Gaben an die Kirche — und
die Lehre vom Einflufs der Almosen auf das Schicksal der Seelen im Fegefeuer
insbesondere ^ boten der kirchlichen Erwerbspolitik die kräftigsten Stützpunkte.
Zu verfolgen ist die Benutzung dieser Theorieen wie die der in diesen Zu-
sammenhang gehörigen dogmatischen und biblischen Anschauungen überhaupt
vornehmlich in den Arengen der Urkunden*. Den Grundstoff bilden hier Bibel-
sprüche, welche man mit seltener Geschicklichkeit aus den entlegensten
Büchern der h. Schrift für den einen Zweck der Ermahnung zu Schenkungen
zusammengesucht hatte. Doch sind die rheinischen wie die deutschen Urkunden
überhaupt in dieser Hinsicht längst nicht so reich und allseitig ausgestattet,
wie etwa die französischen^. Die Art aber, in welcher diese Bibelsprüche Ver-
1) Auch in anderen Gegenden ist die Art der Bildung des Grofsgrundbesitzes seitens
der weltlichen Herren kaum zu übersehen, wenigstens wenn man auf lückenlose urkundliche
Begründung Wert legt. Bei weitem das beste über die Entstehung des weltlichen Grofs-
grundbesitzes in dieser Richtung findet sich bei v. Inama, Grundherrschaften S. 44 f.
2) S. Uhlhorn, Liebesthätigkeit der alten Kirche, 2. Aufl. S. 270 f.
^) Uhlhorn a. a. 0. S. 280 f. Zur Geschichte speciell der Formel pro redemtione,
salute animae s. Uhlhorn S. 411, Note 81 ; sie findet sich im Mosellande schon in der Arenga
des Test. Grimonis, 633.
^) Vgl. zum folgenden auch Back, Ravengiersburg 1, 27 f. über die Motive zu Schen-
kungen an Ravengiersburg.
^) Aus rheinischen Urkunden habe ich der Zeitfolge nach folgende Sprüche notiert
Date et dabitur vobis: Honth. Hist. 1, 104, 706; MR. ÜB. 2, 5, 741—42; 1, 110, 868
Facite elemosinam et omnia munda sunt vobis: Honth. 1, 104, 706; MR. ÜB. 1, 25, 772
83, 853; 25, 861—62 und oft in Echternacher Urkk., femer MR. ÜB. 1, 110, 868; 206, 960
210, 962; Dies domini sicut für ita in nocte veniet: MR. ÜB. 1, 139, 895; Qua hora non
— 671 — BM. d. Grofsgrundbesitzes.]
Wendung fanden, ergiebt sich sehr deutlich aus einer Arenga des Jahres 1136^:
ego H. . . cum sepius audirem et ipse aniniadverterem , quod sicut ignem
extinguit aqua, sie elemosine diluunt et extingiiunt peccata, (donavi etc.). Indes
deutlicher noch als aus den Bibelsprüchen erhellt die dogmatische Begründung
der Erwerbspolitik aus den im Ton selbständiger Mahnung gehaltenen Arengen,
welche sich unter Umständen zu kleinen, mit Bibelsprüchen gewürzten Parä-
nesen erweitern. So heifst es in einer Urkunde des Erzbischofs Friedrich von
Köln vom J. 1117^: necesse est sie presentibus uti commodis, quatenus
putatis, filiiis hominis veniet: MR. ÜB. 1, 139, 895; . . Liicra sine fine mansura: MR. ÜB.
1, 163, 923; Facite vobis amicos de mammona iniquitatis, iit cum defeceritis recipiant vos in
eterna tabernacula: MB. ÜB. 1, 257, 10. Jh.; vgl. MR. ÜB. 1, 235, 971; Honora dominum
de tua substantia: MR. ÜB. 1, 205, 959; 268, 993; Sicut aqua extinguit ignem, ita elemosina
extinguit peccatum: MR. ÜB. 1, 83, 853; 206, 960; 268, 993; 486, 1136; 2, 153, 1196;
Schenkgeber Urkunden sancti David prophete verbis incitati et moti dicentis: dispersit dedit
pauperibus; iustitia manet in seculum seculi, cornu eins exaltabitur in gloria: MR. ÜB. 1,
250, 978; Non habemus hie manentem civitatem: Lac. ÜB. 1, 105, 169, 1033; Quod erogatum
est in seminis paucitate, recipietur in messis multiplicitate : Lac. ÜB. 1, 105, 169, 1033;
Serve bone et fidelis, quia supra pauca fuisti iidelis, intra in gaudium domini tui: Lac. ÜB.
1, 144, 222, 1066—75; Thesaurizate vobis thesauros in celo: Lac. ÜB. 1, 159, 246, 1091;
Quantum quis in hac vita seminat, tantum in vita eterna metet: MR. ÜB. 3, 102, 1209. Zu
den Bibelsprüchen in französischen Urkunden des 11. Jhs. vgl. Lamprecht, Zur religiösen
Anschauung der Laienwelt in Frankreich während des 11. Jhs., in Briegers Zs. für Kirchen-
geschichte Bd. 6, 494 f. Hier ergeben sich folgende Sprüche als angewendet : Ps. 24, 1 ; 62,
11; 112, 9. Spr. 3, 9; 11, 17; 13, 8. Pred. Sal. 9, 10. Dan. 4, 24. Sir. 3, 32, 33; 14, 17.
Matth. 3, 10; 5, 3; 5, 7; 6, 20; 7, 2; 10, 16; 10, 37; 16, 26; 19, 29; 25, 27; 25, 40.
Mark. 9, 41; 10, 21, 22. Lul. 6, 38; 11, 41; 12, 33; 12, 48; 16, 1 ff., bes. 9. Joh. 6, 27;
9, 4. Apg. 20, 35. Rom. 12, 6. 2. Kor. 6, 10; 9, 6, 7; 9, 9. GaL 6, 7, 8, 9, 10. Eph.
5, 15. Jak. 2, 17. Von ihnen finden sich nur die kursiv citierten in rheinischen Ur-
kunden; dagegen schiefsen in diesen Urkk. 6 Sprüche über. Der Reichtum der franzö-
sischen Urkk. ist also viel gröfser, besonders wenn man in Betracht zieht, dafs die hier
benutzten französischen Urkk. nur dem 11. Jh. angehören, während die rheinischen das 8. bis
13. Jh. umfassen. Aufser den direkten Citaten sind freilich noch mannigfache Bezugnahmen
und mittelbare Verwendungsarten von Bibelsprüchen zu beachten. So citiert Ennen, Qu. 2,
742, 241, 1245 nicht wörtlich 2 Kor. 5, 10 und 2 Kor. 9, 6; und namentlich seit dem
10. Jh. werden Bezugnahmen auf einige Gleichnisse des Neuen Testamentes sehr beliebt;
man vgl. MR. ÜB. 1, 235, 971; 270, 995; ferner MR. ÜB. 1, 303, 1030, wo die verwitwete
Markgräfin Jutta von Lothringen schenkt aliquid in gazophilacium domini cum vidua
paupere mittere studentes (vgl. dazu Arnold, de s. Emmeram. 2, 10); Lac. ÜB. 1, 170, 263,
1104. — Eigentümlich ist es, wenn sogar Horaz in Kontribution gesetzt wird, vgl. MR. ÜB.
1, 270, 995: cum cuncta, que temporaliter possidentur, veluti fumus et umbra depereant, in
hoc tarnen possidenti erunt utilia, si ea decreverit ad anime sue dispensare remedia; atque
in hoc supra modum miranda et laudanda propitia deitas, quod inmensa ipsius annuente
gratia decidentibus semper acquirere statura, transitoriis comparare semper possimus eterna.
Und noch merkwürdiger berührt vielleicht die in Lac. ÜB. 1, 144, 221, 1066—75 stehende
neue Seligpreisung: Beatus, qui sie transit per bona temporalia, ut recipiat perpetuo
mansui'a.
1) MR. ÜB. 1, 486.
2) Lac. ÜB. 1, 284.
[Wirtschaft d. Grofsgmndbes. — 672 —
aetemae felicitatis semper mansuris non privemur gaudiis. de qua re hortaturus
apostolus Timotheum „divitibus, inquit, huius seculi precipe non sublime
sapere neque sperare in incerto divitiarum, sed in deo vivo, qui praestat nobis
omnia habundanter ad fruendum, bene agere, divites fieri in operibus bonis,
facile tribuere, communicare, thesaurizare sibi fundamentum bonum in futurum,
ut apprehendant! veram vitam et in die Ultimi examinis audire mereantur
vocem domini dicentis: venite benedicti patris mei, percipite regnum, quod
vobis paratum est ab origine mundi". Unzählige Arengen schlagen diesen
Ermahnungen verwandte Töne an[, in denen sich altchristliche Anschauungen
mit späterer Auffassung mischen: noch im 11. Jh. wird die alte Vorstellung,
dafs Almosen ein Gebet sei, aufrecht erhalten^; noch bis ins Ende des 9. Jhs.
gilt eine Schenkung an die Kirche als den Armen gegebenes Almosen^; die
Liebe zum Hause Gottes ^ , die Bewährung in der Selbstverleugnung * soll
fi'öhliche Geber schaffen; auch die weltliche Obrigkeit mahnt zu freudiger
Entäufsemng^. Aber daneben finden sich schon seit frühester urkundlich
belegter Zeit andere gröbere Anschauungen in stets stärkerer Mischung; die
Zulassung von Schenkungen an Kirchen erscheint als ein besonderer Segen
Gottes^; die Überweisung von Gaben wird zum Sühnemittel menschlicher
Gebrechlichkeit ^ und zum sichersten Mittel für die Erlangung ewiger Freuden ^ ;
Anfechtung einer früher gemachten Schenkung zieht Seelenqual im Jenseits
nach sich ^ ; auch auf dieser Erde wird jede Gabe durch Glück und Wohlsein
vergolten ^^. Damit nicht genug : schon seit dem 8. Jh. tritt der Gedanke auf,
dafs das Gebet anderer, vornehmlich der Mönche, wenn durch Gaben erkauft,
eigene Schuld zu heben vermöge ^^: eine Richtung ist angedeutet, in deren
Verfolg sich die spätere vailgäre Anschauung vom Ablafs entwickeln konnte i^.
1) Lac. ÜB. 1, 149, 230, 1080: Optimum est et salubre, sanctos dei et patronos nostros
cum precibus tum facultatibus nostris implorare.
2) MR. ÜB. 2, 5, 741—52; 1, 25, 772; 2, 25, 861—62.
3) ME. ÜB. 2, 19, 817.
*) MR. ÜB. 1, 151, 905; Lac. ÜB. 1, 113, 182, 1047.
5) MR. ÜB. 1, 257, 10. Jh.
6) Dei miseratio humano generi utile providit remedium, quando partem coelestis
patriae teiTenae substantiae fecit esse pretium: Gründungsdiplom K. Heinrichs IL für
Bamberg, MGSS. 4, 798.
^) Honth. Hist. 1, 104, 706; MR. ÜB. 1, 8, 721; 2, 7, 762; MR. ÜB. 1, 28, 775; 31,
777; 163, 923; und noch MR. ÜB. 3, 114, 1219.
^) Schon im Test. Grimonis vom J. 633 : adhuc pecunie lucrelis in evitando metabolum
venie fas redemptionis habetur. Er schenkt pro anime meae remedium et tantorum abluenda
contagia peccatorum. S. ferner MR. ÜB. 1, 19, 765; 34, 777; und noch MR. ÜB. 1, 337,
1052, sowie Cardauns Rh. Urkk. 10, S. 354, 1061.
«) MR. ÜB. 1, 144, 898; vgl. auch Cart. Clairefontaine 6, 1247 cit. oben S. 640 Note 4.
10) MR. ÜB. 2, 14, 817; 220, 964; 260, 989. S. auch oben S. 612.
11) MR. ÜB. 1, 16, 762; 41, 804; 60, 834; 61, 835.
12) Bemerkenswert ist dagegen, dafs eine andere in Frankreich sehr gewöhnliche Auf-
fassung, wonach alles Gut eigentlich dem Herren — also der Kirche gehöre (vgl. z. B. Cart.
— 673 — I^iltl- <^- Grofsgrundbesitzes.]
Sehr natürlich, dafs diese oft g'eimg und mit l)estinimter Tendenz seitens
des Klerus gegebenen Lehren allmählich in den selbstthätigen Empfindungskreis
der Laien übergingen. Wenn sich schon seit dem 9. Jh. die zur Überredung
gewählten Ausdrücke in den Schenkungsurkunden abzuschwächen ])eginnen, so
ist das ein Zeichen eben jenes Eintritts eigenen Empfindungslebens bei den
Laien. Li der That erscheint schon beim Beginn des 9. Jhs. einmal Zer-
knirschung des Herzens als Motiv ^; später ist es namentlich die Reflexion
über das Schicksal der Seele nach dem Tode, welche speciell dann auf Schen-
kungen wirkt, w^enn sie in Traumgesichten zu konkreten Gestaltungen gebracht
worden ist^. Und unverkennbar bleibt auf diesem Gebiete auch der w^eib-
liche, der Kirche vornehmlich zugängliche Einflufs, der bei der rechtlich ge-
sicherten Einwirkung der Weiber auf Veräufserungen um so stärker zur
Geltung kommen mufste^. Gleichwohl würde es ergebnislos bleiben, in den
Arengen der Schenkungsurkunden vor der zweiten Hälfte des Mittelalters nach
spontanem Willensausdruck seitens der Laien zu suchen; erst im 15. Jh., zur
Zeit einer späten und dürftigen Nachblüte der alten Laienschenkungen, be-
gegnen hierher zu ziehende Äufserungen *.
Zu wie drastischen Mitteln man dagegen noch im früheren Mittelalter
gTeifen mufste, um Laien zu Schenkungen zu bestimmen, zeigt namentlich die
Hineinziehung der Heiligen in die Erwerbspolitik. Da ist es zunächst all-
gemeine Sitte, dafs man die Auflassung direkt an den heiligen Patron des be-
schenkten Listituts, womöglich über seinen Reliquien vornehmen läfst, um auf
diese Weise den Schenkgeber mit den segnenden Kräften des Heiligen auf
sinnlich - unmittelbare Weise in Berührung zu bringen^. Indes in manchen
Fällen wurde eine noch viel direktere Einwirkung des Heiligen auf Fragen
der Erwerbspolitik behauptet. So heifst es vom h. Gorgonius, dem Haupt-
de SPere 201, 75; Cart. de Savigny 330, 652, 1018, s. Ps. 24, 1), mithin eine Schenkung
seitens der Laien nur einen Rückfall bedeute, sich in rheinischen Schenkungsurkunden nicht
-wiederfindet, obwohl man die Anschauung kannte und sonst, z. B. in der Zehntfrage, aus-
zunutzen wufste; vgl. oben S. 609.
^) Compunctio cordis; Prümer Urk. von 801 hrsgg. von Lamprecht, Westd. Zs. Bd. 2
Korrbl. No. 173.
2) Vgl. Chron. Gladbac, MGSS. 4, 74—77; Ges. Heisterb. Dial. mai. 1, 34.
3) S. oben S. 629 Note 1 und dazu UlMettlach No. VIIL 12. Jh. Mitte: G. de R.
instinctu divini amoris simulque Adelheide sue uxoris tradidit monasterio huic dimidietatem
molendini.
*) Die bezeichnendste, die ich gefunden, steht C. Rommersd. 66. 1486: wir Maut van
Seibach und Margrete elude doin kunt, daß wir aingesehn hain, daß alle dingh in dieser
weit vergenklich sint sonder die gnade gotz; und hain darumb bedacht unser beider seien
heil vorzukeren, und wanne wir van hinnen scheiden, daß wir der gnaden gotz allermeist
bedorfende sin, und demnach, got dem almechtigen zu loef und zu eren und unser
und auch anderen unseren beider alderen seien und, darvor wir des begemde sin, zu troist,
schenken sie.
'') Vgl. MR. ÜB. 1, 58, 826; Lac. ÜB. 1, 4 u. 5, 5 u. 6; UlMettlach No. XIII,
12 Jh. Mitte, cit. oben S. 639.
[Wirtschaft tl. Grofsgrundbes. — 674 —
patron von Gorze, dafs seine Eeliquien, wenn sie in feierlicher Prozession
einhergetragen und irgendwo niedergesetzt worden waren, nicht eher wieder
vom Pkitze erhoben werden konnten, bevor dieser Platz mit Zubehör an das
Kloster kam (quousque idem locus cum omnibus appenditiis eins [sancti] ditioni
subiceretur) ^ Freilich nicht alle Heilige wirkten gleich anziehungskräftig;
aber mindestens verteidigten sie doch durch Wunder den ihnen einmal über-
gebenen Besitz^.
Indes wäre es ungerecht, wollte man in der systematischen Anwendung
o-eistlicher Pressionsmittel für den Erwerb seitens der Kirche ein den Zeit-
genossen unmoralisch erscheinendes Verfahren erblicken. Dieser Gedanke
wird völlig dadurch ausgeschlossen, dafs der Klerus bei Schenkungen an die
Kirche ganz von den gleichen Motiven ausgeht wie die Laien ^. Es ist wahr,
dafs diese Motive hier bisweilen in edlerer Form auftreten, indes auch die
roheste Auffassung derselben ist nicht ausgeschlossen. Wenn ein Priester an
SUrsula-Köln im J. 942 eine sehr bedeutende Schenkung macht mit der Be-
gründung: pius dominus noster Jhesus Christus non quantitatem muneris, sed
devotionem conspicit offerentis * : — so besteht doch neben dieser Motivierung
auch die ungleich derbere der Vita Hathumodae Kap. 1: quanto . . plus
quisque pro deo dimiserit, tanto maioris meriti apud deum erit, tanto maiorem
mercedem pe^Tepturus erit. Sicher ist es, dafs man nicht selten in diesen
Arengen den Ausdruck eines wirklich fi^ommen Gefühls trifft^, das sich sogar
auf Erwerb in Laienkreisen überträgt^. Sicher aber ist auch, dafs der Kirche
selbst vor der Verrohung der Jahrhunderte durch immer raffinierter aus-
gestattete Begründungen bisweilen Angst wurde ^, dafs wenigstens auf ver-
wandten Gebieten Zustände herrschten, welche diese Furcht erklärlich
1) Mir. s. Gorgonii c. 6, MGSS. 4, 240.
^) Ann. Lamb. 1071, MGSS. 4, 21: sanctus Remaclus a suis Legiam deportatus de
Malmundario ius suum a rege virtutibus extorsit. Vgl. auch über den h. Gorgonius Mir. s.
Gorgonii 10 u. 12, MGSS. 4, 241, 242.
3) Vgl. zunächst die Arengen der Urkunden Ennen Qu. 1, 473, 19, 1022; 477, 22,
1028; MR. ÜB. 3, 102, 1219. S. femer Arnold, de s. Emmeram. 2, 17, MGSS. 4, 562,
namentlich aber c. 20 : als Bischof Wolfgang von Regensburg zu den Heiden geht, totum,
quod habere potuit, per manus pauperum in gazophylacium Christi transmisit. S. ferner
fiir den moralischen Schenkungszwang des Klerus aufser oben S. 594 Note 2 besonders Ges.
Heisterb. Dial. mal. 11, 43: Lutharius praepositus Bonnensis clericum habebat nimis avarum,
Monasteriensis ecclesiae canonicum, et quia ex eins consilio idem praepositus pendebat,
multam pecuniam Walterus congregaverat. qui cum moreretur, nee unum quidem denarium
pro anima sua legavit.
■*) Ennen Qu. 1, 462, 19.
^) S. z. B. MR. ÜB. 2, 30, 895.
^) Interessant in dieser Richtung ist MR. ÜB. 1, 481, 1135. Hier spricht ein Laie:
Gustafe et videte, quam suavis est dominus; beatus vir, qui sperat in eo. cuius rei ego
argumentum sum: quia in eo speravi, possessiunculam, quam jmus habui, adauxit michi cum
omni illo predio . . in Vria.
■') Sigeh. Mir. s. Max. c. 3 § 27, 962.
— ß75 — Bild. d. Grofsgmndbesitzes.]
machen \ und dafs die Ketzer des 12. Jhs. den nicht selten auf solche Ver-
rohung hin spekulierenden Mönchen mit Recht vorwarfen: vos donnun domui
et agruni agro copulatis et quae niundi sunt huius queritis^.
Es begreift sich, wenn unter dem schwankenden Einflufs dieser so ver-
schiedenartigen Auffassungen und Bestrebungen die kirchliche Erwerbspolitik
durch den Lauf der Jahrhunderte hindurch sehr bedeutenden Abwandlungen
unterlag — Abwandlungen, welche freilich auch durch die wechselnden Wirt-
schaftsformen, speciell durch das Emporkommen geldwirtschaftlicher Tendenzen
mit bestimmt wurden.
Die schöne Zeit kirchlicher Erwerbspolitik ist das frühe Mittelalter etwa
bis zum Anfang, höchstens bis zur Mitte des 11. Jhs.^ Endgültig abgeschlossen
ist diese erste Epoche mit der zweiten Hälfte des 12. Jhs.; damals spricht es
Erzbischof Philipp von Heinsberg offen aus: refriguit Caritas*: die Schen-
kungen im alten Geiste waren in der That zur gröfsten Seltenheit ge-
worden^.
Übersieht man aber die grofse Schenkungsepoche bis zum 11. Jh., so
lassen sich in ihr zwei Phasen unterscheiden. Die eine umfafst die Früh-
zeit bis zum 10. Jh.: in ihr geht der Impuls von der Königsmacht aus; die
Könige, und ihrem Beispiel folgend die Grofsen wie auch die kleineren Laien,
sind die miteinander wetteifernden Schenkgeber. Noch Karl III. nimmt die
Sorge für das materielle Wohl der Kirche spontan als Königspflicht in An-
spruch: oportet nos vigilare, ut destructa queque monasteria et a propriis
incuria deviata privilegiis nostris, ubicumque poterimus, ad pristinum statum
coiTeformentur^. Dieser Gesichtspunkt wird nun zwar noch im 10. Jh. von
den Ottonen festgehalten und vielfach in grofsen Schenkungen bethätigt^;
noch Berthold ^ nennt in der 2. H. des 11. Jhs. als Haupttugenden des
Königs iustitia und pietas, plus autem in regibus pietas laudatur; und noch
im Beginn des 13. Jhs. wie auch später finden sich verwandte Anschauungen
vom Beruf des Fürsten'* — indes diese Auffassung hört doch mit dem Ende
^) Ces. Heisterb. Dial. mai. 3, 41: sicut audivi, quidam confessores pro uno gallinacio
et vini sext. miiltorum poenara peccatorum vel relaxant vel dissimulant.
2) Ennen Qu. 1, 524, 47, 1146.
3) Waitz Vfg. 7, 184 Note 1, auch S. 185, rechnet die Abnahme der Schenkungen an
die Kirche schon seit dem 10. Jh.
*) Ennen Qu. 1, 382, 94, 1180.
5) S. z. B. MR. ÜB. 2, 153, 1196.
«) MR. ÜB. 1, 124, 885.
') Vgl. u. a. Syri Vita Maioli 9; 2, 20.
8) Z. J. 1077, MGSS. 5, 297, 12.
^) Sehr charakteristisch in dieser Hinsicht ist die Urkunde des Grafen Adolf von Berg
bei Lac. ÜB. 4, 645, 1202: expedit nobis, qui huic seculo nequam militamus et in multis
offendimus, ut misericordiam dei aliquibus operibus reconciliemus, et qui iudices constituti
sumus in tems, iudicem super nos agnoscamus in celis, satagentes, ne nos quandoque feriat
illa terribilis sententia : ve qui presunt et non prosunt, et potentes potenter tormenta patiamur.
^Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 676 —
der Karolingerzeit auf die für die kirchliche Erwerbspolitik vor allem mafs-
gebende zu sein. Statt dessen tritt ein ganz anderer Impuls, als der des
königlichen bzw. fürstlichen Pflichtgefühls auf; es ist der Impuls der kirch-
lichen von Cluny und von den lothringischen Klöstern her verbreiteten
Reform. Dieser Einwirkung aber unterlagen neben dem sächsischen und
teilweis dem salischen Herrscherhause vor allem die Bischöfe^; ihnen fällt
daher jetzt ein besonders grofser Anteil an den Schenkungen für kirch-
liche Institute zu. ,Gewifs waren das nicht mehr Schenkungen im alten
Sinne, es handelte sich vielmehr nur noch um Überweisungen von Gütern
aus dem bis dahin unverteilten Diöcesanschatze an einzelne Institute; indes
diese Vermögensverschiebung war doch grofs genug, um vom Gesichts-
punkte eben dieser Institute, der kirchlichen Grundherr Schäften aus eine
neue Phase der Erwerbsentwicklung zu inaugurieren. Für Trier speciell
liegt die Blüte der neuen Entwicklung in der 2. H. des 10. und allenfalls
noch in der 1. H. des 11. Jhs. , sie wird vornehmlich durch die Namen der
Erzbischöfe Dietrich L, Egbert und Poppo bezeichnet^. Allein mit dem
Schwinden der staatskirchlich friedlichen Zeiten Heinrichs III. erkaltete die
Liebe, andere Bischöfe kamen ins Land, Fürsten, nicht Diener Gottes, ein
Adalbert von Bremen, Burkhard von Halberstadt, Anno von Köln. Wie anders
erscheint ihnen gegenüber der Bischof der Vergangenheit: non in adquirendis
municipiis vel grege militum operam adhibebat, sed aecclesiarum sublevavit
necessitates ^. Natürlich aber folgte diesem Verfall bischöflichen Schenkungs-
eifers der des Klerus wie der Laien überhaupt; wehrte man sich doch um
die Mitte des 12. Jhs. spöttisch sogar der Zehntabgabe*. Nun ergab sich
zwar nach der letzten Periode grofser Schenkungen im Beginn des 13. Jhs.
auf Grund einer etwas verspäteten Kreuzzugsbegeisterung noch eine Nachblüte
wenn auch nur kleinerer Schenkungen ^ ; indes auch diese Nachblüte schlofs bald
non enim sine causa portamus gladiiun, sed potestas nostra a deo est, ad defensionem
viduarum et orphanorum et munimentum ecclesiarum. maxime autem tenemur adesse domibus
religiosis et presidium ferre personis contemplativis, quariim conversatio in celis est, ut, cum
defecerint nostra merita, ipsi suis suifragiis recipiant nos in eterna tabernacula.
1) Vgl. hierzu Lamprecht, Der Charakter der klösterlichen Reformbewegung Lothringens
im 10. Jh., Picks Monatsschrift f. d. Gesch. Westdeutschlands Bd. 7, 91 ff., 217 ff.
2) Man vgl. für Dietrich und Poppo beispielsweise MR. ÜB. 1, 244, 973; 326,
1016 — 47; für Egbert Invent. s. Celsi 1, 6 und Lamprecht, Der Bilderschmuck des Cod.
Egberti zu Trier und des Cod. Epternacensis zu Gotha, Bonner Jahrbüclier Heft 70, 56 ff.
S. auch unten S. 712 Note 2. Aus anderen Bischofssitzen vgl. Cardauns Rh. ürkk. 3, S. 344, 948:
Wikfrid von Köln schenkt pastorali cura impulsus ac divinitus in visionibus persepe premonitus.
Sehr bezeichnend ist auch das Zeugnis Thietmars 6, 53 über Bischof Lievezo von Bremen : ad
altare dominicum nunquam sine oblationibus accessit: assiduus populi monitor et hilaris
Omnibus arrisit dator.
^) Aus der Charakterschilderung Balderichs von Lüttich, 1008 ff.; V. Bald. Leod.
c. 2 u. 3.
*) S. oben S. 613.
ß) 8. oben S. 638, vornehmlich Note 2.
— 677 — ßilt^- ^1- (^jrofsgrundbesitzes.]
ab. Der Grund hierfür lag vielleicht weni<2;er im geistlichen Verhältnis der
Laienwelt zur Kirche, als in der wirtschaftlichen Entwicklung. Bis zum
11. und 12. Jh. konnte das kirchliche Vermögen, wie jeder reichere Besitz,
vornehmlich nur in Grund und Boden bestehen; jetzt nun, bis spätestens zur
Mitte des 13. Jhs., hatten schon stärkere Kapitalansammlungen stattgefunden,
welche die Anlage grölserer Vermögensteile auch in mol)ilen Werten gestatteten.
Damit aber war den Laien, welche das Anwachsen des kirchlichen Grund-
besitzes schon längst mit besonderen Gefühlen verfolgt hatten, die Möglichkeit
gegeben, die Kirche von der Besitzform des Grundeigens thunlichst abzudrängen.
Sie thaten das, indem sie kirchlichen Grunderwerb entweder erschwerten oder
verboten^, und sie unterbanden damit selbstverständlich die alte Erwerbs-
politik der Kirche, welche überwiegend auf Grund und Boden ausgegangen Avar.
Wandte sich aber die Kirche nunmehr vornehmlich dem Erwerb mobiler
Werte zu, so mufste sich auch ihre Erwerbspolitik demgemäfs ändern. Bisher
hatte es sich neben kleineren Schenkungen doch zumeist, entsprechend dem
Charakter des Grundbesitzes, um gröfsere Überlassungen gehandelt; jetzt da-
gegen kam es darauf an, auf den verschiedensten Wegen kleine Kapitalbeträge
zu sammeln. Die Mittel zur Erreichung dieses Zweckes sind der innersten
Veranlagung und Motivierung nach von den bisher angewandten nicht ver-
schieden, nur popularisieren und schematisieren sie dieselben so stark, dafs
ihre äufsere Form als absolut verändert, als neu erscheint. Hatte man bisher
vermögenden Laien gegenüber das Seelenheil als dringlichstes Motiv zur
Schenkung geltend gemacht, so wendet man sich jetzt unter Beibehaltung der-
selben Motivierung in systematisch abgestuften Ablässen öffentlich und schamlos
an die zahlende Menge; hatten sich bisher die Heiligen in Notfällen durch
Wunder bewährt, so benutzte man nunmehr ihre Reliquien zur Schaustellung
am heimischen Fest und im marktschreierischen Landesumzug. Und es be-
greift sich, wie die alte Erwerbspolitik in ihrer neuen Anwendung auf die grofse
Masse nunmehr, einer ihr von jeher inne liegenden Neigung nur zu sehr ent-
sprechend, aufserordentlich verrohen mufste.
Es ist nicht unsere Aufgabe, die Geschichte des Ablasses, der Heiligen-
feste, der Prozessionen, der Heiligenschaustellungen im Moselland genauer zu
verfolgen. Genug dafs die ersten Ablässe im zweiten Viertel des 13. Jhs.
auftreten^, während der erste Fall eklatanter Heiligenschaustellung der fol-
1) S. oben S. 657 f.
2) Man vgl. als früheste Nacliiicht Novill. c. 48 z. J. 1235: indiilgentiae a Gregoiio IX
concessae eis, qiü eleemosinas ad reparationem ecclesiae [sancti Maximini] dederint. Darüber
hinaus dominus Theod. Trev. archiep. 40 dies de iniuncta penitentia relaxat, Sifridus Mogunt.
20, Landolph. Wormac. 40, dom. Spirensis 20. insuper procuravit eisdem benefactoribus
idem Henricus abbas [sancti Maximini] in suo et in aliis monasteriis tarn monachorum quam
monialium 3050 missas, 1600 psalteria et amplius. Weiterhin vgl. man in Goerz MR. Reg.
Bd. 3 für Heiligenfeste und Ablässe die Nrn. 826 u. 827 (1250), 906 (1251), 915 (1252), 1008
(1253), 1052(1253), 1102(1254), 1120(1254), 1144(1254), 1165(1254), 1192(1255), 1206
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 678 —
gende von Cesarius von Heisterbach im Dial. mai. 8, 68 erzählte sein dürfte :
quando ecclesiani suani monachi [Brunwilariensis] coenobii ampliare disposuerunt,
per quosdam sacerdotes saeculares in lingua potentes et ad emungendam
pecuniam efficaces dentem patroni sui beati pontificis Nicholai ad diversas
transniiserunt provincias ^
Indes neben diesen äufserlich neuen Formen, sich die nunmehr ent-
wickelten Kapitalkräfte der Laien dienstbar zu machen, entfalteten die geist-
lichen Institute noch beträchtliches Geschick im Ausbau einiger bisher schon
mehr oder weniger regelmäfsig erhobenen Einnahmen. Im Vordergrunde steht
hier der Einführungszeit nach die Lebensversorgung. Sieht man von der
Unterbringung politischer Gefangener sowie unheilbar Kranker, namentlich
Wahnsinniger, in den Klöstern ab ^, wie sie schon seit frühester Zeit Sitte war,
und läfst man die stets bekannte Praxis der zeitweisen Unterbringung von
Kindern, namentlich Mädchen, zum Unterricht aufser Betracht^, so lassen
sich doch spätestens seit dem 10. Jh. auch wirkliche Pensionsgeschäfte auf
Lebenszeit nachweisen^. Ein hervorragendes Beispiel liefert die Familie des
Abtes Johann von Gorze^. Wie er, so treten auch seine Brüder als Mönche
ins Kloster ein, ebenso empfängt seine Mutter vom Kloster Kleidung und
Unterhalt unter der Bedingung, dafs der Besitz der Familie, solange Johann
lebe, dem Kloster zur Nutzniefsung verbleibe, nach dem Tode desselben aber
den Erl)en nur gegen Zahlung von 30 mr. Silber ausgefolgt werde. Der-
artige Geschäfte, welche schon im 11. Jh. mit dem Aufkommen der Laien-
brüder, das ebenfalls hierher zu ziehen ist, etwas zugenommen hatten,
wurden nun seit Schlufs des 12. Jhs. aufserordentlich gewöhnlich; die Klöster
erhielten geradezu Privilegien in dieser Richtung. So erlaubt der Papst
Klemens III. der Abtei Himmerode ^: liceat . . vobis clericos vel laicos liberos
et absolutes e seculo fugientes ad conversionem recipere et eos sine contra-
(1255) u. s. w. Für Köln vgl. Ennen Qu. Bd. 2 Register Tit. Verschiedenes u. d. W. Ablafs.
Zum J. 1344 schreibt Trithem. ann.Hirsaug.(Honth. Prodr. 1189) schon über den vollsten Excefs des
Ablafswesens. — Zu dem besonders interessanten Ablafs zur Vollendung des Koblenzer Mosel-
brückenbaues vgl. Bd. 2, 243 Note 7 und CRM. 4, ^4, 1409.
1) Die besonderen Schenkungen bei Prozessionen bzw. Einzelwallfahrt sind schon sehr
alt; so schenkt Kaiser Lothar L, als er orationis gratia nach Prüm kommt: MR. ÜB. 1, 87,
854. Eine Springprozession existierte in Prüm schon zur Zeit Abt Heinrichs von Schönecken
(18. Jh. 2. H.), vgl. *Brands Chronik Bl. 32^) Kap. 63.
2) Vgl. z. B. Ann. Weifsenburg. 1058: Heinricus comes Palatinus, mentis insania captus,
tonsuram et monachicum habitum accepit, ac monasterium Gorziae sub specie religionis intravit.
S. dazu auch Ann. Lamb. 1057, MGSS. 5, 159.
3) Vgl. z. B. MR. ÜB. 3, 209, 1223: Ludwig und Wilhelm von Helfenstein, Brüder
und Waisen, haben noch drei Brüder und eine Schwester. Et ipsi W. et L. unam sororem
et tres fratres, quos adhuc habent, quilibet duos sibi assumet et quousque infra annos fuerint,
sua diligentia in claustris ponent et prebendas eis requirent.
^) Auch MR. ÜB. 1, 60, 834 kann man schon hierher ziehen wollen.
^) Vgl. V. loh. Gorz. 45.
«) MR. ÜB. 2, 105, 1190.
— 679 — Bild. d. Grofsgrundbesitzes.]
dictiono ali(|iui retinoro. Deiiiontsprechend s])ielen schon in der ersten Hälfte
des 13. Jhs., und namentlich in den Cistercienserklöstern, Laienbrüder, welche
unter Übertragung gröfserer Summen, oft des ganzen Besitzes, aufgenommen
sind, eine grofse Rolle; die Schriften des Cesarius von Heisterbach sind voll
von Anekdoten gerade über diese Klasse der Klosterinsassen ^ Und auch später
liefsen die Einnahmen aus Konversionen nicht nach ^, ja diese verbreiteten sich
sogar auf immer weitere Kreide geistlicher Institute, z. B. den Deutsch-
orden ^. Hatte man aber bedeutende Einnahmen von diesen Konversionen,
bei welchen der Konvertit öfters nicht blofs Laienbruder, sondern geradezu
Mönch wurde, letzteres jedenfalls unter Voraussetzung der nötigen Bildung
stets werden konnte, so blieb nicht einzusehen, warum nicht ein gleiches
System auch für den Eintritt ins Kloster überhaupt Anwendung finden sollte.
Und in der That ist auf Grund dieser Erwägung schon in der 2. H. des
13. Jhs. ein regelmäfsiges, auf einen Mindestbetrag fixiertes Eintrittsgeld, ein
sog. servitium consuetudinarium * , bei fast allen geistlichen Instituten ent-
wickelt. Die Anfänge in dieser Hinsicht aber, soweit sie auf dem Boden der
Sitte w^urzeln, reichen viel weiter zurück. Dafs Novizen bei ihrem Eintritt
ins Kloster Spenden darbrachten, ist eine Sitte, welche, sich verfolgen läfst.
1) Vgl. die klassische Äufserimg beij^Ces. Heisterb. Dial. mai. 1, 36: quidam converti
desiderantes de novo se vestiimt, cum cognatis et amicis ad monastcriiim veniunt. ne quasi
Vagi et pauperes repulsam patiantur; alii vero, cum divites sint, paupertatis habitum assumunt,
ut ex humilitate conversionis amplius mereantur. Doch ist zu beachten, dafs der Ausdruck
converti auch vom vollen Eintritt als Mönch gebraucht wird, wie denn die Grenze zwischen
Mönch und Laienbruder vom Gesichtspunkt der Lebensversorgung aus überhaupt eine
schwankende ist: zog man sich zurück, so wurde man je nach Neigung bald Laienbruder,
bald Mönch, über die Motive derartiger Konversionen s. die schöne Stelle bei Ges. Heist.
Dial. mai. 1, 5. Für einzelne Typen vgl. Ges. Heisterb. Dial. mai. 1, 37: miles quidam
Walewanus nomine converti desiderans cum dextrario et armis suis militaribus Hemmenrode
venit, armatus claustrum intravit et, sicut mihi retulerunt seniores nostri, qui tunc praesentes
erant, portario illum ducente per medium chorum vadens conventu inspiciente et novam con-
versionis formam mirante super altare beatae virginis se obtulit armisque depositis in eadem
domo religionis habitum suscepit. Ferner Ces. Heisterb. Dial. mai. 4, 6: apud nos monachus
quidam fuit, Theobaldus nomine, ante conversionem leccator opere vino *et tesseribus deditus
totus et propter suam scurrilitatem in tota civitate Coloniensi notissimus. saepe illum nudum
per plateas eiusdem civitatis incedere vidi. — Im übrigen hatten die Konversen auch noch
eine ganz besondere wirtschaftliche Bedeutung, s. darüber weiter unten.
2) Vgl. z. B. MR. ÜB. 3, 1446 z. J. 1258, gehört zu 1268, vgl. Goerz MR. Reg. 3,
2355. S. ferner *0r. St. A. Koblenz Abtei Himmerode, reg. Goerz MR. Reg. 3, 2774, 1272
Dez. 21 : ego Hermannus dictus Niger de Traverbach sanus corpore et mente omnibus liberis
meis consentientibus duas vineas meas, quas pro allodio meis temporibus tenui, . . in manus
venerabilis abhatis domini Payni tunc temporis abbatis in Hemmenrode astantibus lo.
bursario et Sewardo kamerario monachis de Hemmenrode renuntiavi libere et absolute,
idem vero abbas in confratrem me suscepit pure propter deum, committens arbitrio meo, ut
rebus meis in mundo dispositis et ordinatis ad claustrum Hemmenrode convolarem.
3) Vgl. Hennes ÜB. 1, 428, 1323.
*) S. Cod. Lac. 95, 1283, cit. oben S. 642 Note 2.
[Wirtschaft d. Grofsgrimdbes. — 680 —
soweit wir urkundlich überhaupt zurückdringen können i; und es ist natür-
lich, dals diese Spenden je nach der materiellen Lage des Neueingetretenen
sehr verschiedenen Wert gehabt haben werden. Der Höhepunkt der materiellen
Bewertung lag aller Vermutung nach in der 2. H. des 10. Jhs. und allenfalls
der 1. H. des 11. Jhs.; damals ging im Gegensatz gegen früher, angeregt
dmch die geistlichen Reformideeen , eine grofse Anzahl vornehmer Laien
ins Kloster ^ Später dagegen mag die Sitte, wenigstens materiell, wieder
von geringerer Bedeutung gewesen sein^. Eine wirkliche organisatorische
Regelung, einen Ausbau zur Verpflichtung erfährt sie wohl zuerst in den
Nonnenklöstern; hier liegen seit Beginn des Kl Jhs. genugsam Zeugnisse vor,
dafs eine bestimmte Eintrittssumme, später Volleist genannt, erhoben wurde*.
Den Nonnenldöstern folgten dann die Mönchsklöster nach, bald, wenn nicht
gleichzeitig, in grofsen Städten wie Köln^, später wie es scheint auf dem
1) Vgl. MR. ÜB. 1, 19, 765, und 32, 775, für Prüm, und Lac. ÜB. 1, 30, 65, 855, für
Werden.
2) V. loh. Gorz. c. 55; ein Beispiel c. 57—59. Ferner Arnold, de s. Emmeram.
2, 14. Später änderte sich das wieder; die Ideale wurden andere. Man vgl. nur die fol-
genden Stellen über den Beruf des Mönches und des Ritters.
Greg. 1335: ir habt das süezeste leben
daz got der werlde hat gegeben:
swer im'z ze relite hat erkorn,
der ist saelic geboren. —
Greg. 1359: ritterschaft daz ist ein leben,
der im die mäze kan gegeben,
sone mac niemen baz gewesen,
er mac gotes ritter gerner wesen,
dann' ein betrogen klosterman.
3) Vgl. z. B. Lac. ÜB. 1, 113, 182, 1047; MR. ÜB. 1, 642, c. 1163; 643, c. 1163.
*) Vgl. *Dipl. Ringrav. No. 178 Miltenberg, jetzt Reichsarchiv München, Goerz. MR.
R^g. 2, 936, 1202; Büttinghausen, Beitr. zur pfälz. Gesch. 325, 1204; MR. ÜB. 3, 605, 1237;
Andernach. Schreinsr. No. 60, G. 206, (1241): M. P. delegavit ecclesie sanctimoniaHum in
Comeda [Chumbd] mediam portionem substantie sue cum iilia sua ibidem inclaustrata necnon
et cum niu'u sua ibidem inclaustrata. et domina G. cognomento 0. predictis dominabus cum
sua iilia ibidem inclaustrata 2 partes sue substantie. et domina D. filia domini I. cognomento
R. cum sua filia ibidem inclaustrata etiam dimidiam portionem substantie sue. Nach Honth.
Hist. 2, 355, 1417 beträgt der Volleist einer sofort (jung) eintretenden Novize im Kloster
Dierstein 604 gl.
•5) Ennen, Qu. 2, 36—37, 31, 1200. Hier findet sich sogar schon im J. 1208 die Ein-
richtung einer ewigen und erblichen Familienpräbende, vgl. Ennen, Qu. 2, 33, 28: die Abtei
von SPantaleon schenkt an den Ritter von Ulmen und an seine Familie plenius fraternitatis
nostre . . consortium. preterea ad confirmandum inter nos et ipsum . . amicitie vinculum
ad petitionem ipsius, pro quacunque persona sui generis ad servitium dei et sancti Pantaleonis
idonea petere decreverit, prebendam hereditarie concessimus, ita etiam, ut una exspirante
alia ah eiusdem generis procedens linea subrogetur. . . ne . . in posteriun inter consanguineos
Ulla fiat petitionis disceptatio, decrevimus, ut huius scripti [des Herrn von Ulmen] heres
primogenitus sit possessor necnon coUati beneficii sit perpetuus institutus. huius rei gratia
— ßgX — Bild. tl. Grofsgrundbesitzes.]
platten Lande ^ , während die Stifter , bei welchen der Eintritt am ehesten
an andere Voraussetzungen der Herkunft und des Standes geknüpft war, sich
erst mit Schlul's des Mittelalters zur Erhebung eines bestimmten Eintrittsgeldes
entschlossen zu haben scheinen^.
Natürlich legten es solche periodische Einnahmen, wie sie in Lebensrenten,
Pensionen, Eintrittsgeldern und ähnlichen Erhebungen bestanden, nahe, die
Begründung eines Klosters geradezu als ein lukratives Unternehmen zu betrachten,
bei welchem das Seelenheil durch die Stiftung noch nebenher um ein Bedeu-
tendes gefördert wurde: mithin Gesichtspunkte anzuwenden, wie sie später etwa
bei Begründung der Montes pietatis mafsgebend waren. In der That finden
solche Anschauungen schon seit Ende des 12. Jhs. Eingang. Noch im Laufe
des 12. Jhs. waren Stiftungen gemacht worden, welche sich durchaus und
allein aus dem alten Anschauimgskreise der Verdienstlichl^eit guter Werke
erklären. Freilich nahmen diese Stiftungen an Bedeutung immer mehr ab
— man braucht sich für unsere Gegend nur die Stiftungsreihe Laach c. 1112,
Schilf enburg 1139, Lomiich 1142 f.. Merzig 1153 zu vergegenwärtigen^.
Etwas Neues aber ist es, wenn im J. 1196 das Kloster Chumbd sine spe
questus vel advocatie gegründet wird*, und wenn unter der hier abgelehnten
Voraussetzung vom 13. Jh. ab eine ganze Anzahl kleiner Stiftungen etwa
in der als typisch zu bezeichnenden Art der 1318 auf dem Kirchhofe zu
Mertloch pro octo puellis begründeten Klause^ entstehen. Hier waren die
neuen, seit dem 13. Jh. von den Klöstern voll entwickelten Erwerbsquellen
den Laiengründern dienstbar gemacht, vielleicht sogar soweit als sie aus Ab-
lässen und verwandten Unternehmungen flössen.
Wir stehen damit am Abschlufs der kirchlichen Erwerbspolitik des
Mittelalters sowie der auf sie basierten Erwerbsformen, soweit sich dieselben
auf Schenkungen beziehen. Als Eesultat ergiebt sich, dafs die Entwicklung auf
Begründung von Grofsgrundbesitz nur bis höchstens zur Mitte des 11. Jhs.
wesentlich, in hervorragender Weise aber nur bis zum Beginn des 10. Jhs.
einwirken konnte, während sie seitdem überwiegend der Gewinnung von
Kechten, Kapitalien und von kleinem mit diesen gemischtem Grundbesitz
zugewandt war. Nun war allerdings die Schenkung nicht die einzige kirch-
liche Erwerbsform; neben ihr kommen noch Kauf und Tausch in Betracht^.
[das Geschlecht Ulmen] . . fidele nobis et bonis ecclesie nostre in omnibus patrocinium
promiserunt.
-) Vgl. Cart. Orval 497, 1278 und *0r. Koblenz St. A. Abtei Prüm Kep. No. 44,
1300 Jan. 2.
2) Vgl. Stat. Wetzlar. 1433, Blattau 1, 261.
3) MK. ÜB. 1, 425; 512; 526; 575.
*) MR. ÜB. 2, 157. Doch vgl. Büttinghausen, Beitr. zur pfälz. Gesch. 2, 325, 1204:
Heinrich von Dicka schenkt an Chumbd gewisse Güter bei Aufnahme seiner Tochter; sowie
oben das Citat aus Andernach. Schreinsr. No. 60 auf S. 680 Note 4.
5) CRM. 3, 96.
^) Nach MR. ÜB. 1 , 57 , 826 ist Prüm reich geworden ex liberalitate liberorum
Lamprecht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 44
[Wiitschaft d. Grofsgrundbcs. — 682 —
Jedoch spielt die Schenkung- doch so sehr die Hauptrolle ^ — sind doch selbst
viele Käufe genauer besehen halbe Schenkungen^ — , dafs man nur von
ihrer bevorzugten Betrachtung aus wie zum Verständnis der Erwerbspolitik,
so zu dem des Cliarakters des kirchlichen Erwerbes gelangen kann^.
In letzterer Beziehung aber ergiebt sich nun, dafs die Schenkungen
fast nie ohne Klauseln erfolgten, fast stets irgend welche Bedenken wach
riefen. Sehen wir auch^von der Notwendigkeit ihrer Bestätigung durch den
König wenigstens bei Reichsabteien ab* — eine Bestätigung, welche übrigens
in der Blütezeit der Schenkungen einen beständigen vom Kloster zu bestreitenden
Verkehr zwischen Hof und Kloster nötig machte^ — , so lag auch in der
erbrechtlichen Gebundenheit des Grundeigens im früheren Mittelalter selbst
bei deren ausnahmsweiser Lösung im Schenkungsfall stets der Anlafs zu einer
grofsen Anzahl von Schwierigkeiten. Bald waren nicht alle Formen erfüllt,
bald fand sich ein übersehener nächstberechtigter Erbe, bald verleugneten
hominum tarn per traditiones commiitationes venditiones. Ähnlich heifst es im URupertsberg
S. 366 von dem im J. 1147 angelegten Eupertsberg: cum ibidem nichil omnino possessionis
haberemus, j)rimum fundum a domino B. comite de Hildensheim pro 20 mr. emimus. ea
vero, que modo possidemus, aliqua emimus, aliqua pro animabus fidelium collata sunt. Zu
einzelnen Käufen vgl. Chron. Median! mon. 12, MGSS. 4, 91—92, ca. 1000; UlMettlach
No. II, 1095, Fitten; MR. ÜB. 2, 16*, 1172; 3, 60, 1216; Bd. 3, 64, s, 1273.
^) Nach dem Urbar des Deutschordenshauses zu Saarburg, *Koblenz St. A. Urk. 1301
Dez. 18, erfolgt Besitzvermehrung per legata elemosinas testamenta et per aliam viam.
^) Vgl. Lac. ÜB. 1, 112, 180, 1045: Jemand schenkt an die Abtei Deutz pro remedio
anime mee et coniugis mee et pro 150 mr. . . . ut in die obitus nostri orationes veluti
fratrum agant et sepultura nobis loco concedatur ipsissimo. Cardauns Rh. Urkk. 14, S. 359,
1126; der Abt von Brauweiler erwirbt von Ministerialen des Erzbischofs von Köln; qui
multis petitionibus devicti tandem annuerunt et minori, quam ab aliis offerretur, accepto
precio . . quia pro remedio animarum parentum suorum et ipsorum . . optulerunt. MR. ÜB.
1, 514, c. 1140, schenken Leute partim pro susceptis muneribus partim pro animabus.
Erhard CD. Hist. Westf. 2, 306, 1155: Kappenberg erwirkt für 30 mr. examinati argenti deo
annuente 2 Weinberge in villa iuxta Renum, que dicitur Riemago.
^) Über Tausch, Schenkungen u. s. w. bei kirchlichen Instituten vgl. auch v. Inama,
Grofsgrundh. S. 90 f., 115 Note 3.
4) Vgl. für Prüm MR. ÜB. 1, 59, 831; 70, 842; 58, 844; 105, 866; 117, 880; ferner
für Burtscheid Lac. ÜB, 1, 92, 150, 1018. Dafür, dafs der Einflufs des Königs in dieser
Hinsicht weiter reichte, als blofs auf die Reichsabteien, vgl. G. ep. Camerac. 1, 73, 946; zu
den Gründen s. Chr. Gladb. 12, MGSS. 4, 76: antistes [der Kölner Erzbischof] . . a se
monasterium constructum auctoritate propria haud satis firmum ratus stabiliri munificentia
regali et sedis apostolicae privilegiis elaboravit insigniri. S. auch Rod. Glaber 5, 4, MGSS.
7, 71, 10: contigit . , ut abba cuiusdam monasterii honestae possessionis eidem imperatori
[Heinrich III.] equum valde Optimum praesentaret, quatenus sibi ac loco sibi commisso illius
hberalitatis amicitiam conciliaret . . . at Imperator gratanter illum suscipiens suimet evectioni
destinavit.
^) Vgl. MR. 1, 57, 826; G. Witig. v. 158: Witigowo von Reichenau sepius ad regem
cursum tenet ecce fi-equentem. Chron. s. Mich. Vird. MGSS. 4, 81: Äbte, qui palatia
frequentantes apud religiosos principes monasterii sui utilia providerunt et praeceptis regalibus
loci dignitatem communire studuerunt. S. ferner Chron. s. Mich. Vird. 11, MGSS. 4, 82;
V. Bald. Leod. 1.
— ß83 — Bild. d. Grofsgrundbesitzes.]
iirspriiii.ülicli zustiniiiiende Erben nach dorn Tode des Schenkgebers ihre frühere
Ein^^illigung : stets gcab es zu sorgen und eifersüchtig zu wachend Gerade
diese Umstände erklären es, wenn die mittelalterliche Klosterverwaltung,
soweit wir sie aus erhaltenen Akten begreifen können, mindestens ebensosehr
auf den Schutz m^ auf die Organisation des Erworbenen Bedacht nahm.
Aufserdem aber waren bedingungslose Schenkungen eine Ausnahme; zumeist
war vielmehr jede Schenkung an fast stets dauernd lastende Abmachungen
geknüpft^. Die einfachsten dieser Bedingungen waren noch die rein geist-
lichen, kaum mit Kosten verknüpften, speciell die Abhaltung einer Memorie^.
Freilich wurden auch diese Memorien durch ihre Anhäufung im Laufe der
Jahrhunderte zur unerträglichen Last, und [so kann es nicht auffallen, wenn
schon in der l. H. des 13. Jhs. anniversarii, tricenarii und septenarii dies
unterschieden werden*, und wenn in der 2. H. des 13. Jhs. stellenweise eine
merkwürdige Unifikation dieser Verpflichtungen stattfindet''. Neben dem
Memoriengenufs aber stand seit alter Zeit als besonders gesuchte Bedingung
rein geistlicher Natur die Aufnahme in die Gebetsgemeinschaft des Klosters,
das plenarium orationum et fraternitatis consortium^; schon im 10. Jh. finden
wir es zu Prüm im Verein mit einer Begräbnisexspektanz zur Grundlage
besonderer durch Schenkungen zu erwerbender Bruderschaftsrechte ausge-
beutet \
Indes neben diesen Verpflichtungen rein geistlicher Natur kamen
gemischt geistlich-weltliche, wie sogar rein weltliche vor. Die der ersteren
Art sind bekannt genug, sie schliefsen sich in krauser Mannigfaltigkeit beson-
ders gern an die Memorien an. Um nur einiges zu erwähnen, so verpflichtete
eine Memorie von etwa 1046 zur Speisung und Kleidung der Brüder von
1) S. oben S. 632 Note 4; Gart. Orval 166, 1212.
^) Von regelniäfsigen, auf einmal und für immer zu erledigenden Bedingungen ist mir
nur die eine der Beerdigung des Schenkgebers im Kloster aufgefallen; vgl. UlMettlacb
No. XII, 12. Jh. Mitte, cit. S. 640 Note 1, und UlMettlach No. VII, 12. Jh. Mitte:
defunctus positus in monasterio sancti Liutwini requiescit in monumento patris sui.
3) S. beispielsweise aufser Lac. ÜB. 1, 108, 174, 1041 auch UlMettlach No. XYII, 1127
bis 1130: eine Frau schenkt Gut ea conditione, ut post mortem ibi sepeliretur et memoria
eins in perpetuum haberetur.
4) Ennen, Qu. 2, 81, 67, 1220.
5) S. die Urkunde vom J. 1263 in Bd. 3 No. 15.
6) Vgl. vornehmlich Kölner Urkunden, Ennen, Qu. 1, 508, 46, 1134; 525, 58, 1144—47;
538—9, 65, 1152.
'') Vgl. die sehr lehrreiche Stelle im *Breve Chronicon mon. Prüm., Koblenz St.A.
G. 4 fol. Bl. 22a f., Kap. 36, Bl. 29 »: Eberhardus de Salmis [Abt von Prüm 971—981]
celebrem . . confraternitatem in honorem sancti Benedict! erexit, cui comites et nobiles
plerique circa huius terrae partes nomina sua subscripsere hunc in finem, ut vigiliarum
orationum cunctorumque bonorum operum, quae in eodem loco incessanter a fi^atribus
operabantur, participes redderentur, qui etiam post obitum monastico habitu induti et in
eadem ecclesia sepulturae mandati foelicem ibidem diem resurrectionis exspectant. Vgl. dazu
Bd. 3, 319, 27 f.
44*
[Wirtschaft cl. Grofsgrimdbes. — 684 —
SSeverin-Köln ; die Memorie der Äbtissin Theophanu von Essen umfafste
die Spendung von 5 s. jährlich an 100 Arme, aufserdem die Ausgabe von
235 s. unmittelbar nach dem Tode der Stifterin in Posten von 5 bis 80 s.;
und Kaiser Heinrich IV. bestimmte pro remedio animae in einer Schenkung
an Prüm folgende Armenpflegen: solange er lebe, Speisung von je 50 Armen
am 6. Januar, 31. März, 17. Juli jedes Jahres, nach seinem Tode Speisung
von ebenfalls 150 Kleidung von 42 Armen an jährlich zwei Terminen ^
Weniger häufig als derartige Verpflichtungen werden rein weltliche Lasten
bei Schenkungen stipuliert; besonders selten geschieht das von einfachen
Laienpersonen ^, öfter dagegen von Genossenschaften, speciell Markgemeinden,
welche sich bei Erlafs gewisser Lasten gern Rekognitionszinse bedingen^.
Alle diese Lasten würden nun für die Verwaltung weiter keine Schwierig-
keiten gebracht haben, hätten sie die Einkünfte der Schenkungen voll absor-
biert, oder hätten sie, unter voller Einbeziehung der Schenkungseinkünfte in
6ine gemeinsame Kasse, auf einen einzigen Ausgabeetat gebracht werden
können. Von diesen beiden Möglichkeiten kam aber die erstere äufserst
selten*, die zweite nie vor. Vielmehr lautete die Stipulation durchaus dahin,
dafs die bedungenen Ausgaben aus den Einnahmen des Schenkungsobjekts zu
decken, der Überschufs zu Gunsten des beschenkten Instituts abzuführen
sei ^. Mit anderen Worten : diese Lasten waren ebensogut radiziert wie irgend
welche andere, z. B. grundherrliche oder niarkgenössische, und die Radizierung
war zu einer Bedingung der Schenkung gemacht. Versuchten daher die
geistlichen Institute namentlich seit dem 13. Jh. ihren Besitz, soweit sie ihn
belastet erhalten hatten, allmählich von Lasten zu befreien^, so mufste dieses
Bestreben vor dem unter Radizierung von Lasten geschenkten Besitz de iure
Halt machen. Es versteht sich, wie aufserordentlich diese Lage der Ent-
wicklung einer vernünftigen Finanzgebarung entgegenstand. Am besten
konnte man sich noch da helfen, wo Wie bei den Stiftern ein Teilgenufs des
Institutseinkommens eingetreten war : hier wurde die Aufsicht über die richtige
Verwaltung der durch Schenkung auf jedes einzelne Besitzstück radizierten
Lasten dem Nutzniefser eben dieser Besitzstücke anvertraut '^. In den Klöstern
1) Cardauns, Rhein. Urkk. 6, S. 351, c. 1046; Lac. ÜB. 1, 122, 190, 1054; MR. ÜB.
1, 403, 1101. Vgl. u. a. auch Cardauns, Rhein. Urkk. 10, S. 354, 1061; Lac. ÜB. 1, 159,
247, 1091; 168, 260, 1101.
2) Lac. ÜB. 2, 178, 1231 ; MR. IIB. 3, 613, 1238—39.
3) MR. ÜB. 1. 640, c. 1163; 3, 1268, 1254; Bd. 3, No. 49, 1272.
*) Z. B. Ennen, Qu. 1, 505, 43, 1099—1131.
5) Vgl. u. a. MR. ÜB. 1, 83, 853 — die erste derartige Urkunde im MR. ÜB. — ;
Lac. ÜB. 1, 111, 179, 1043; 131, 203, 1064—66; MR. ÜB. 1, 520, ca. 1140; Bd. 3, S. 61,
34 f., 1272.
6) Vgl. dazu oben S. 658 Note 2.
'^) *Reg. cens. et anniv. eccl. mai. Trever. 1399, Hannover Bibl. XVIII, 1006: häufige
Verzeichnung von propinationes und spendae der einzelnen pensionarii zu dem Anniversar des-
jenigen, der die von ihnen innegehabte Pension an das Kapitel geschenkt; z. B. zu Jan. 29:
— 085 — Bild. d. Grofsgmndbesitzes.]
dagegen verhindcnten die Radiziemngen noch auf lange Zeit jede einheitliche
Finanzverwaltung.
Neben der einmaligen und dauernden Belastung der Schenkungen end-
lich findet sich noch eine zeitweilige, welche fast stets eine Reihe von Jahren
unmittelbar nach der Schenkung andauerte. Hierher sind schon, wenn man
will, die Schenkungen von Todes wegen zu rechnen, namentlich dann, wenn
der Anerkennungszins eine beträchtlichere Höhe erreichtet Mit der Schenkung
von Todes w^egen aber fällt zugleich die in den Rhein- und Mosellanden seltene
Form der Manusfirma in diesen Bereich^. Weit deutlicher erhellt indes
diese Art der Belastung bei der Prekarei^, beim Leibrentenvertrag, sei es für
die eigene Person des Schenkgebers oder andere*, sowie auch bei den schon
früher besprochenen völligen Pensionen oder Lebensversorgungen auf Grund
von Schenkung. Li allen diesen Fällen tritt der Genufs der Schenkung erst
nach Jahren und nach einer Reihe von Leistungen ein, deren Bestreitung die
Verw^altung der geistlichen Listitute notwendig verwickelt gestalten mufste.
Man kann daher nicht sagen, dafs die Erwerbsformen, wie sie trotz der ver-
schiedenen Entwicklungsstadien der kirchlichen Erwerbspolitik dieselben
blieben, höchstens sich noch komplizierter ausbildeten, der Führung einer
rationellen Verwaltung irgendwie günstig gewesen seien.
Dasselbe gilt aber auch vom Charakter des erworbenen Besitzes. Kirch-
licher Besitz ist Samm elbesitz : in ihm treffen sich in buntestem Wirrwarr
Eigentums- und Forderungsrechte, Boden und Kapital, Fahrhabe und Lnmo-
bilien. Indes w^aren die einzelnen Bestandteile in den Schenkungen ver-
schiedener Zeiten doch sehr verschieden vertreten.
Li der älteren Zeit, welche etwa mit der ersten Periode der Erwerbs-
politik bis zur Mitte des 11. Jhs. zusammenfällt, überwiegt ganz entschieden
der Landbesitz; noch die Gladbacher Chronik c. 15, MGSS. 4, 76, nennt als
Vermögensteile des Klosters libri, reliquiae, praedia. Gerade auf dem Land-
besitz beruhte ja in naturalwirtschaftlicher Zeit die Bedeutung me des Staates,
so der social fülirenden Schichten, der weltlichen wie der geistlichen Aristo-
kratie^. Das Landeigen aber, welches an die geistlichen Institute geschenkt
memoria Karoli Magni et aliorum, qui contulerunt nobis Velle cum suis attinentiis; pen-
sionarius solvit 40 s. et propinabit Febr. 6: memoria ipsius, qui contulit nobis Pillich,
pensionarius solvet 40 s. et propinabit. Febr. 13 : memoria illorum, qui contulerunt Minhem,
pensionarius solvit 30 s. et propinabit.
^) Das ist aber das Gewöhnliche. Schenkung von Todes wegen ohne Rekognition habe
ich nur * Andernach. Schreinsr. No. 169, 13. Jh. 2. H., gefunden. Im übrigen vgl. zur Re-
kognition Lac. ÜB. 1, 112, 181, 1045; Cardauns, Rhein. Urkk. 12, S. 357, 1095—9; Lac. ÜB.
1, 170, 263, 1104.
2) Vgl. Lac. ÜB. 1, 167, 259, 1100.
^) Zur Prekarei vgl. unten Teil 3 dieses Abschnittes.
*) Vgl. Lac. ÜB. 1, 146, 225, 1073—75; Cod. Lac. 88, 1280; MR. ÜB. 3, 1503, 1259.
5) Vgl. Richer 2, 11.
[Wirtschaft d. Grofsgmndbes. — 686 —
wiirde, war meist gTofs\ Vornehme schenken einen oder mehrere Höfe oder
Hunderte von Hufen ^, Geringere doch meist noch Vollhufen. Das Gleiche
ergiebt sich bei Schenkung kirchlicher Vermögensobjekte: auch hier handelte
es sich stets um beträchtlichen Besitz — wurden doch noch am Ende des
9. Jhs. ganze Abteien verschenkt^, und waren doch die allgemein als Gegen-
stand der Übertragung behandelten Pfarrkirchen und Kapellen im früheren
Mittelalter reich an Hufen und Zehnten^.
Alles das änderte sich immer mehr seit etwa Mitte des 11. Jhs.^.
Zwar spielt auch jetzt noch bis ins 13. Jh. hinein der Immobiliarerwerb eine
hervorragende Rolle; allein er ist anderer Natur. Statt des vollen nahezu
unbeschränkten Eigens am Lande besteht er bei grofsen Schenkungen
nunmehr neben einem Substrat von Grund und Boden nur noch aus grund-
herrlichen Rechten, und bald werden die letzteren auch einzeln veräufsert
oder erlassen^. Nicht minder verändert erscheint der Immobiliarerwerb
bei kleineren' Übertragungen: die alte Hufengröfse tritt nur noch zerstreut
auf, den Vorrang haben Landgüter verschiedener, meist geringerer Dimension.
Wie sich unter diesen Einflüssen der Immobiliarerwerb eines Klosters am
selben Orte gestaltete, mag eine Aufzeichnung der Abtei Rommersdorf über
ihren Besitz in Roth bei Wierdorf (Kr. Neuwied) vom J. 1216 zeigen^.
Damals besafs Rommersdorf daselbst curtini, que vronehof dicitur, et agros
illi attinentes; item allodium, quod comparavit a quodam milite E. nomine
et suis coheredibus ; item bona cuiusdam H. et filii eins ; item bona, que quondam
fuemnt E. postea conversi ; item bona cuiusdam V. et ipsius coheredum ; item
^) Thietmar 4, 24, 31. Vgl. dazu wie zum folgenden auch weiter unten.
2) Vgl. Cantat. s. Huberti 4, MGSS. 8, 571, betreffend die ältesten Besitzungen von
SHubert.
3) Vgl. G. abb. Lob. 15, MGSS. 4, 61, 895; Lac. ÜB. 1, 42, 79, 897.
*) Zu den Pfarreiverleihungen vgl.];|Bodmann 2, 861. In unserer Gegend wird schon
Lac. ÜB. 1, 20, 40, 820 eine Kirche wie anderes Eigentum an ein Kloster verschenkt. Zu
späterer Zeit vgl. z. B. oben S. 175. Zum Reichtum der Pfarrkirchen vgl. aufser MR. ÜB.
1, 93, 856 MR. ÜB. 1, 223, 966: die Kirche zu Diedenhofen besitzt den mansus dotalitius,
omnis decimatio tam macelli et census quam et frugum et peccorum nostro usui atquisitorum,
2^/2 alii mansus cum successoribus mancipiorum . . Martini et Scazelonis omnique eorum
possessione et subpellectili. S. ferner Boehmer, Cod. Francof. S. 9, 977: aecclesiam ad
Piscofesheim cum omni decimatione, cum mancipiis et terris ad eam pertinentibus ; MR. ÜB. 1
No. 245, 975: die Kirche in üexheim hat 18 mansi, die von Reiferscheid 6 mansi und ein
Weiderecht von 100 Schweinen absque decimatione. MR. ÜB. 1, 192, 1017 findet sich sogar
eine Kapelle Bevem cum quinque mansis.
^) Einen vollen Eindruck der vorgegangenen Veränderungen bietet im Widerspiel zu
der oben Note 2 citierten Stelle ÄIR. ÜB. 3, 1376, 1256, die Dotation des SElisabeth-Hospitals
Trier enthaltend.
6) Vgl. Bd. 3, 40, 28, 1264; Hennes ÜB. 2, 294, 1287.
'') MR. ÜB. 3, 297. Verwandte Aufzeichnungen s. MR. ÜB. 1, 654, um 1165; *0r.
Koblenz St. A. Himmerode, 1263 Sept., deutsche Übersetzung bei Baersch, Eiflia..' illustrata
2 a, 22, reg. Goerz MR. Reg. 3, 1917. S. auch Cod. Lac. 142, 1326.
(387 Büd. (1. Grofsgrundbesitzes.]
inedietateiii bonoruni ciiiusdani R. et eius cohereduni. Zersplittert und
<>einindei't wie der weltliclie Erwerb erscheint aber auch der geistliche.
Die Pfarrkirchen waren zumeist ihres Zehntrechts teilweise, l)isweilen auch
ganz beraubt; sie hatten als Vermögensobjekte durch Zerstückelung und andere
;Maisnahnien starke Einbufsen erlitten^; wertvoll an ihnen war nur noch die
Besoldungsunterlage des Pfarrers. Sie wurde nunmehr Gegenstand der Über-
tragung an kirchliche Institute; die Periode der Inkorporationen begann mit
dem 13. Jh. und erreichte in immer reifsenderem Zudrängen der geistlichen
Institute nach Vikareien in der 2. H. des 13. Jhs. ihren Höhepunkt '^ ohne
dafs doch bischöfliche Gegenmafsregeln seit dem Beginn des 14. Jhs. das
eingerissene Übel beseitigen konnten^. Seit dem 13. Jh. aber beginnt
neben weltlichem und geistlichem Immobiliarbesitz auch die Fahrhabe eine
stets bemerkenswertere Rolle in der kirchlichen Erwerbspolitik zu spielen.
Die Legate an Wein und Hausgerät, an Betten, Pferden und tausend anderen
Gegenständen mehren sich*, bis endlich mit dem Schlufs des Mittelalters das
reine Geldlegat aufzutreten beginnt^.
Nahm nach diesem Überblick die Mannigfaltigkeit der Schenkungs-
objekte wie die geringere Bedeutung jedes einzelnen derselben im Laufe der
Zeit immer mehr zu — ein Gesichtspunkt, der sich auch ohne Quellenbelege
allein schon aus der mit der Entwicklung fortschreitenden Differenzierung der
Kulturl)edürfnisse ableiten liefse — : so mufste es immer schwerer werden,
eine so ungleiche Masse einem einheitlichen Betriebe und Verbrauche zu
unterwerfen. Am besten stand es in dieser Hinsicht also in ältester Zeit:
damals erlaubte die Homogenität der Schenkungsobjekte noch eine einheitliche
Organisation in der Grofsgrundherrschafts Mit dem Ende des 11. Jhs.
spätestens fiel diese Möglichkeit immer mehr hinweg; man konnte nur noch
aneinanderreihen, nicht über- und unterordnen.
Die Feststellung dieser Thatsache ist wichtig für das Verständnis dessen,
was die geistlichen Institute aufserhalb des Erwerbs durch Schenkungen für
die Mehrung ihres Besitzes durch Kolonisation und Landesausbau gethan
haben. Bis zum 11. Jh. konnte das Interesse dieser Institute am spontanen
1) Vgl. z. B. Honth. Hist. 1, 739, 1256.
2) Vgl. u. a. Cart. Orval 379, 1260; Bd. 3, 49, 1266; *Prümer Urkunden für Arnlieim,
Ahrweiler, Kesseling, Sarresdorf und Tondorf von 1290 und 1301, St. A. Koblenz.
3) Stat. synod. 1310 c. 18, Blattau 1, 77.
*) S. MR. ÜB. 3, 224, 1224; 507, 1234; 691, 1238; 1103, 1251; 1393, 1257; Cod.
Lac. 142, 1326; CRM. 3, 125, 1324, cit. oben S. 533 Note 8; *Necrol. hosp. s. Elisab.
Bl. 12a 15 Jh.: I. K. pro tota parentela legavit [an das Hospital] unum lectum pulvinaria
et unum par lintheaminum.
^) CRM. 4, 385, 1491, Testament des Grafen von Sayn: unser herze zo deme hilligen
bloede zur Wilznaich zu schicken in blei zo fassen und daselbs zu begraben vor dem fuse
des elters, der da bestedigt gehiliget und gewiget ist in die ere des hilgen sacramentz
mitten in der kirchen, und hundert gl. an golde mit zo senden umb ein ewige misse damit
zo stiften und memorie davon daselbs zu maichen.
[Wirtschaft cl. Grofsgrimdbes. — 688 —
Laiidesausbau nicht übennäfsig grofs sein: sie hatten vollauf zu thun mit der
Organisation der reichen Schenkungen; nur insofern dieselben noch nicht
ausgebeutete Landflächen umfafsten, lag ihnen die nutzbringende Einbeziehung
dieser Strecken in ihre gnmdherrliche Verwaltung nahe. Anders seit dem
11. Jh. Die Schenkungen ^vurden spärlicher, ihr Charakter disparat. Sollten
sie in dem bisher gepflegten grundherrlichen Betrieb wirksam verwertet werden,
so bedurfte es stärkerer Verbindungsglieder und gröfserer Selbstthätigkeit.
Die um diese Zeit wirtschaftskräftigen geistlichen Institute, vornehmlich die
Cisterzienser, haben das wohl gefühlt und dementsprechend seit dem Beginn
des 12. Jhs. einen umfassenden Landesausbau begonnen: er ersetzte die jetzt
fehlenden Schenkungen in Rücksicht sowohl der gewünschten Ertragszunahme
wie der Organisationsfähigkeit der Schenkungsobjekte.
Nach diesen allgemeinen Gesichtspunkten wird man Nachrichten über
grofse kirchliche Kolonisationen in früher Zeit kaum erwarten. In der That
liegt eine urkundliche Überlieferung in dieser Richtung fast gar nicht vor:
bezeichnend dagegen bleibt es, dafs wenigstens am Niederrhein die kirchlichen
Institute, z. B. Werden, es vorziehen, auf grofsen Bifängen lieber durch
Schenkung als durch eigene Arbeit Fufs zu fassend Natürlich schliefst diese
Haltung der geistlichen Institute gegenüber der ersten Anbauepoche keines-
wegs landwirtschaftliche Interessen aus, nur waren dieselben nicht der Be-
siedlung, sondern dem feineren Anbau, namentlich der Gartenkultur, zugewandt ^.
Mit voller Macht dagegen treten die Klöster mit in den allgemeinen
Wettbewerb der zweiten Anbauepoche ^ seit dem 12. Jh. ein. Schon seit dem
11. Jh. hatten sie auf Gmnd wohlgeordneter Rodefronden den Ausbau der
Allmenden stärker in Angriff genommen*, und tief bis ins 13. Jh. hinein
treten Nachrichten auf, welche von der energischen Thätigkeit kirchlicher
Meier in dieser Hinsicht berichten ^. Aber dieser Ausbau war, soweit ihn eben
die Klöster, oft unter Mithilfe der Konvente selbst betrieben, gern feineren
Kulturen, speciell der Weinkultur, sowie dem gewöhnlichen Beundebau ge-
widmet^: namentlich die erstere Thätigkeit blieb unter dem immer noch
1) Zur Feststellung dieser Tliatsaclie genügt es, die ersten Urkk. in Lac. ÜB. Bd. 1
durchzusehen.
2) Vgl. das Gedicht des Prümer Mönchs Wandalbert über die landwirtschaftlichen
Thätigkeiten vom J. 848, dazu v. Inama in der Westd. Zs. Bd. 1, 277 f., auch unten Bd. 2, 82.
3) S. oben S. 132.
*) S. oben S. 148. Vgl. auch aus späterer Zeit die Eodetage der WOuren 1567 § 15,
WUlflingen 1575 § 7, WNeumünster, G. 2, 35; WHüpperdingen § 15.
5) Lac. ÜB. 1, 290, 1080; 2, 504, 1261; auch Hennes ÜB. 1, 252, 1276, cit. oben S. 421,
Note 2. Aus viel späterer Zeit s. noch *USteinfeld Bl. 58 a : dis bende is geslaegen in Straes-
busch. Also neu angelegt.
6) S. oben S. 402, 462. Vgl. auch Lac. ÜB. 1, 342, 1140, Urkunde Erzbischof
Arnolds L von Köln: domum quandam, quam habebamus iuxta Mosellam fluvium, quae
vulgariter usque in hodiernam diem Hurrensons huse nuncupatur, terramque incultam etiam
tunc temporis, quae iacet a rupe quae stat in ripa fluminis usque ad planum quod est in
montis supercilio, ecclesiae beati Nicholai, quae est in villa Brunwillare, . . iure perpetuo et
— 689 • — Bild. (1. Grofsgrundbesitzes.]
festgehaltenen grundherrlichen Weinvertrieb bis in die 2. H. des 13. Jhs.^
weitaus die lohnendste.
Indes neben diesem feineren Allniendeausbau begann man, veranlafst
und gehoben durch die Entwicklung des Novalzelmtrechts ^, seit dem 12. Jh.
mit gröfseren Unternehnmngen, welche auf neue Einzel-Hofanlagen hinausliefen.
Zwar waren auch schon in früherer Zeit hier und da Hofanlagen begründet
worden; es findet sich eine solche sogar schon im 8. Jh.^, aber bis zum 12. Jh.
blieben die Ausbauten Seltenheiten: — wie ganz anders steht da nunmehr neben
den früheren vereinzelten Angaben die Notiz, dafs allein die Abtei Himmerode
es während der 1. H. des 12. Jhs., in den zwei ersten Jahrzehnten nach ihrer
Gründung, zu 6 vollausgebauten Einzelhöfen, oder wie sie die Cisterzienser
nannten, Grangien gebracht hatte*!
Die Anlage derartiger Höfe erfolgte nun entweder in grofsen, nur im
Wildbann stehenden Privatwäldern unter Erlaubnis und Landschenkung seitens
des Besitzers ^, oder — der bei weitem gewöhnlichere Fall — auf dem Boden
einer schon bestehenden Mark. Zugleich scheint nach dieser verschiedenen
Anlage auch der Charakter des Hofes mehrfach ein anderer gewesen zu sein;
während in den Waldhöfen bisweilen noch der Versuch einer Anlage im alten
gTundherrlichen Sinne mit unterstellten grundhörigen Hufen gemacht wird^,
bilden die Markhöfe durchweg nur ein gröfseres Gut im Einzelbetrieb : gerade
diese Domänenwirtschaft ist das Charakteristikum der Grangien.
Innerhalb der Mark konnte die Gründung sich nun entweder auf der
Basis schon vorhandener gutsherrlicher Rechte vollziehen: dann war also der
legitima possessione sine omni reclamationis genere tradidimus. hoc autem tacere non volumus,
quod de prenominata terra nobis annis singiüis census solvebatur, una videlicet ania vini,
cuius amae vini concambium a prenominato abbate accepimus 10 videlicet particiüas vinearum
iacentium in peciüiari villa nostra Segkeneheim, de quibus vineunculis a scabinis et fidelibus
nostris vere et sub sacramenti asercione nobis certificatum est, quod nobis essent iitiliores,
quam census ille qui prius nobis de monte supradicto reddebatur. in hoc itaque tantum fratribus
nostris providimus, ut si labore proprio terram illam desertam et incultam in vinearum possent
ubertatem redigere, uterentur fructu laborum suorum.
1) S. oben S. 569.
2) S. oben S. 121. . . •
3) MR. ÜB. 1, 16, 762.
*) MR. ÜB. 1, 603, 1157.
s) Ein ausgezeichnetes Beispiel bietet hierfür MR. ÜB. 3, 334, 1227: der Graf von
Saarbrücken schenkt an das Deutschordenshaus daselbst quatuor iuga boum, videlicet octo
boves, et terram sufficientem ad aratrum in nemore meo penes Sarapontem sito, videlicet
Hagen, et fenum quod octo bobus sufficiat. preterea partem terre ad ortum herbarum con-
struendum et partem aque ad piscandum ipsis demonstrabo, pomerium etiam meum porte
adiacentem dedi et decem equos indomitos cum dextrario et pascua in nemoribus meis in
Warant et Quirineschit et ligna ad edificandum et comburendum in predicto nemore
Quirineschit.
^) MR. ÜB. 1, 512, 1139: montem in silva, que dicitur Wisechirwalt , Lefphenberch
vocatum, et terram novalium circumiacentium ad 20 mansos vel amplius cum fontibus inde
manantibus et cum omni usu lignorum excidendorum ad edificandum et comburendum, cum
pascuis animalium et quibusdam pratis ... S. femer MR. ÜB. 2, 68, 1184, cit. oben S. 481 Note 6.
[SVirtschaft d. Grofsgrimdbes. — 690 —
neue Hof nichts weiter als ein auf Beundeacker innerhalb der Allmende
en'ichtetes Vorwerk \ dessen Stellung zur Markgenieinde von vornherein
geregelt war. Dies war der im ganzen seltenere Fall. Andererseits erfolgte
die Begründung direkt auf dem Ödland der Mark, ohne irgend welche Filiation
von einem im Dorfe schon bestehenden Gute aus^: dann waren die Verhält-
nisse des Zehntbezuges ^ wie der Markberechtigung in Zulassung zu Weg und
Steg und zu Wald und Weide * zu regeln. Gerade von letzterem Gesichtspunkte
aus gestatten die Urkunden einen Einblick in den Ausbau von Einzelhöfen.
War aber auf diese Weise die Einordnung des Hofes in die bestehenden
Verhältnisse von Recht und Verpflichtung geregelt, so erhol) sich nun um
den Hof herum eine Sonderflur, und zum erstenmal war ein gröfserer
selbständiger Wirtschafts])etrieb im Sinne unseres Rittergutswesens geschaffen''^.
Einen solchen Betrieb, die grangia Wintirbach cum omnibus appenditiis suis,
videlicet agris, pratis, nemoribus, ortis, piscatione, verpachtete Himmerode
im J. 1228 für einen Jahresbetrag von 50 mir. Roggen an den Erzbischof
Dietrich von Trier ^, und wir lernen bei dieser Gelegenheit die Einrichtung
genauer kennen: es gab auf dem Hofe 28 Stück Rindvieh, vielleicht alles
Ochsen, ferner 20 Ziegen; die Wirtschaft wurde von 4 Konversen und
9 Knechten geführt, deren Bekleidung und Beschuhung auch Avährend der
Pachtperiode teilweis von Himmerode übernommen wird.
Wer waren die 4 Konversen? Wir begegnen hier dem Element, welches
vor allem den Klöstern den Ausbau zu Einzelhöfen wie für dieselben den
bisher ganz ungewöhnlichen Domanialbetrieb ^ gestattete. Die Entstehung der
Laienbrüderschaften in Deutschland während der 2. H. des 11 Jhs. im An-
1) MR. ÜB. 1, 563, 1152: grangiam, que vocatur Hart, sitam in territorio curtis Altreie.
Himmerode hatte also auf dem Boden eines Hofes im Dorf Altrich gebaut; vgl. MR. ÜB.
3, 603, 1237.
2) MR. ÜB. 2, 62, 1169—83, von der grangia de Wintirbach auf dem Gebiete der
Parochie Kordel: locus . . ex toto desertus erat et vasta solitudo, antequam fratres [de
Himmerode] eum excolerent. MR. ÜB. 3, 99, 1219: fratres Ebirbacenses curiam nomine
Dadinburen infra terminos parochie de Waldenhusen sitam habuerunt, eidem parochie iure
decimali astrictam . . curia memorata de solis novalibus instituta fuerat, super quibus curia
Romana satis liberaliter dispensavit.
3) Vgl. MR. ÜB. 2, 11*, 1171; 25*, 1174; 3, 603, 1237.
*) Vgl. MR. ÜB. 3, 601, 1237; 669, 1239. Von besonderem Interesse ist Remling,
Speier. Urkk. 1, Xo. 112, 1194: Gottfried Abt von V^^eifsenburg giebt an Himmerode definitiv
eine terra bei Xeuhofen, que a multis retroactis temporibus ex maxima parte in paludosam
redacta solitudinem pene fuit inutilis, und welche die Himmeroder Mönche ad utilitatem et
questum excoluerunt. Es stellt sich heraus, dafs dieser Sumpf zur Allmende Mutterstadt ge-
hörte, s. Remling No. 128, 1207. Daher finden sich in dieser Urkunde Kloster und die
„coloni de Mutterstat" nebst ihrem Vogt gegenseitig ab.
"} MR. ÜB. 3, 623, 1238 : curtim nostram [Hof Wahlholz], . . cum attinentiis et arabili
terra videlicet vlure, ut vulgariter loquamur, silva, que includit ipsam et curtim, et cum
pratis quatuor limitibus limitatis.
6) MR. ÜB. 3, 347.
'') Zur Durchführung dieses bisher nicht gekannten Gedankens s. MR. ÜB. 3, 444, 1231.
— 691 — B'üd. d. Grofsgi'undbesitzes.]
schliii's namentlicli an die Hirscliauor Iveform ist bekannt^; die Bcnvegimg
machte im Laufe des 12. Jlis. solche Fortschritte, dafs man am Schhil's des-
selben in den Klöstern mit Laienbrüdern dem Chor der Mönche allgemein
einen Chor der Konversen gegenüberstellte^ und eine weitere Ausdehnung
der Laienbrüder durch Verbot der Aufnahme verheirateter Konversen zu ver-
hindern für gut fand^. Diese Laienbrüder bildeten nun die unbedeutendere
ungelehrte Hälfte der Klosterkonvente ^, der die weltliche Verwaltung unter-
geordneter Klostergeschäfte zunächst am Ort des Klosters sel])st überlassen
wurde. Hier übernahmen sie die Nachtwachen, führten die Ackerwirtschaft,
hüteten die Herden u. a. m.^ Bald wurden sie aber auch zu höheren Diensten
verwandt; unter einen mönchischen Hospizmeister oder Kellner stellte man
einen gleichen Beamten aus den Laienbrüdern^. Endlich drangen sie bis zur
Spitze der weltlichen Klosterverwaltung überhaupt vor; in einzelnen Fällen
wm'den sie geradezu zu weltlichen Disponenten der Abtei, in deren Schutz sie
sich begeben hatten. So hatte z. B. das Kloster Steinfeld um die Wende des
12. und 13. Jhs. unum conversum in administratione exteriorum ita sciolum
et circumspectum, ita sollicitum et perfectum, ut omnia per manus eins trans-
irent et curtibus ecclesiae, quae necessaria erant tam in aratris quam in
pecoribus sive expensis, ipse quasi solus universa provideret. omnia ipse erat,
omnia disponens, nihil negligens, agrum agro copulans et vineam vineae
coniungens^. Ebenso fanden die Laienbrüder auch aufserhalb der Kloster-
mauern praktische Verwendung; man sandte sie auf die einzelnen Höfe; sie
traten an die Stelle der Meier ^. Schon früh erkannte man ihre glänzende
und uneigennützige Thätigkeit gerade auf diesem Gebiete. Tempore illo, er-
zählt Cesarius von Heisterbach ^, quo Beinaldus [de Dassile] factus est Coloniae
archiepiscopus et essent episcopii redditus obligati curtesque desolatae, suasum
est ei, ut ex diversis domibus ordinis Cisterciensis dioecesis suae conversos
fideles atque providos acconnnodaret, qui et curtibus praeessent et annuos
redditus sua industria reform arent. qui cum consilio tali acquievisset et tam
ex Campo quam ex Monte domibus religiosis conversos aliquos collegisset,
1) Vgl. z. B. Bern. Chron. 1083, 1091, 1092, 1093, 1094, MGSS. 4, 439, 17-32, 452, 40 f.,
453, 49 f., 455, 5 f., 458, 43.
^) Ges. Heisterb. Dial. mai. 8, 37 : cum dominus Hermannus abbas esset in claustro et
in sollemnitatibus, interim dum cborus hymnum Te deum laudamus decantaret, circuiret ad
fratres commonendos atque secundum consuetudinem in cliorum conversorum converteret. . .
3) MR. ÜB. 3, 327, 1227.
*) Ges. Heisterb. Dial. mai. 5, 16: conversus quidam . . a monachis, cum quibus
loquebatur, in tantum literas didicerat, ita ut textum legere sciret. S. auch Ges. Heisterb.
Homil. 2, S. 68.
5) Ges. Heisterb. Dial. mai. 4, 4; 5, 28; 10, 15 cit. S. 561 Note 6.
6) Ges. Heisterb. Dial. mai. 4,i 85 ; 12, 57.
7) Ges. Heisterb. Dial. mai. 4, 62.
^) Vgl. z. B. aus späterer Zeit WLosheim 1302 § 5.
9) Ges. Heisterb. Dial. mai. 4, 62, S. 230.
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 692 —
suasiim est ei, ut etiam praedictuin conversum [einen besonders klugen Laien-
briider] assunieret. Natürlich waren derartige Verwaltungstalente für die
Installierung neuer Höfe ganz besonders zu verwenden. So finden sich denn
neben einzelnen Mönchen^ vor allem Laienbrüder als Vorstände der Ausbau-
höfe (grangiarii, magistri grangiarum)^ und zumeist unterstehen dem verant-
wortlichen Vorstand noch einige weitere Brüder für Specialbetriebe ^, wie denn
Cesarius, dem wir, wie schon bemerkt, überhaupt viele Nachrichten über die
Thätigkeit der Laienbrüder verdanken *, für den Betrieb der Abtei Himmerode
von einem conversus nemorali aratro cuiusdam grangiae deputatus berichtet^.
Kein Zweifel, dafs durch den Höfeausbau des 12. und 13. Jhs. und durch
den auf den Ausbauten aufgenonnnenen Domanialbetrieb die Nachteile grofsen-
teils vermieden wurden, welche sich mit der immer mehr abnehmenden
Homogenität der kirchlichen Schenkungsobjekte in der Organisation des kirch-
lichen Grofsgrundbetriebes notwendig einstellen mufsten. Man hielt sich
infolge der vermehrten Durchführung dieser neuim Mafsregeln, so gut es eben
ging, auf der Höhe der früheren Verwaltungskonzentration. Dagegen begab
man sich gerade in dieser Zeit eines Mittels — wenigstens seiner Durchführung
im grofsen Mafsstabe^ — , welches bisher zu einer energischen Abrundung
der Liegenschaften geführt hatte. Dies Mittel war der Tausch und weniger
häufig auch der Kauf und Verkauf.
Nun stand zwar dem Tausch wie auch jeder sonstigen Veräufserungsart
gerade bei Kirchengut eine grofse Reihe von Hindernissen entgegen. Sehen
wir von dem seltener vorkommenden Verkauf ab^, so wurde zunächst bei
vielen Schenkungen die Unveräufserlichkeit der Schenkungsobjekte auch durch
1) Ces. Heisterb. Dial. mai. 7, 15; wohl namentlich auf Grangien, welche Oratorien
haben.
2) Ces. Heisterb. Dial. mai. 1, 3; MR. ÜB. 3, 170, 1221. Von besonderem Interesse
ist noch Ces. Heisterb. Dial. mai. 3, 33: a pueritia enim in Alna nutritus pecora eiusdem
monasterii pavit. deinde factus conversus adeo profecit, ut cuiusdam grangiae magister
efficeretur. qui bene ac fideliter administrans exteriora sicut bonus ac fidelis dispensator
dona meruit interiora.
') Ces. Heisterb. Dial. mai. 8, 43 : conversus quidam de Hemmenrode cuiusdam eiusdem
domus grangiae magister erat vir bonus ac disciplinatus. iuxta hunc cum exiret ad opera
manuum sive ad negotia domus suae alius quidam simplex conversus angelum domini
ambulantem frequenter vidit. Vgl. ferner Ces. Heisterb. Dial. mai. 8, 17; MR. ÜB. 2,
225, 1224.
*) Man vgl. z. B. auch folgendes hübsche Stimmungsbild bei Ces. Heisterb. Dial. mai.
8 , 96 : Henricus dem cum grangiae , quae Hart dicitur , praeesset et die quadam in maio
segetes curtis, orationes suas ruminando, solitarius circuiret, hominem quendam sub arbore,
piro scilicet, quae illic in agro singulariter sita est, contra se stare conspexit.
^) Ces. Heisterb. Dial. mai. 7, 51.
^) Die Verkoppelungen , wie sie namentlich geistliche Institute durchführen, begannen
dagegen allerdings eben in der 2. H. des 12. Jhs. häufiger zu werden; vgl. oben S. 383.
^) Vgl. u. a. Bd. 3, 35, 20, 1264; 54, 21, 1268. Zur Erschwerung des Verkaufs s. z. B.
MR. ÜB. 3, 370, 1229.
— ß93 — J^iltl. (1. Grofsgrimdbesitzes.]
Tauseh speciell und privatim stipuliert^ ; ja man sorgte durch besondere
Vorrichtungen, Einzelvoiiteien u. dgl., dafür, dal's derartige BestimnnnigcMi l)eol)-
achtet wurden ^. Wie sehr diese Begrenzung der Verfügungsfreiheit })ei kirch-
lichen Schenkungsobjekten Sitte war, zeigt am besten der Umstand, dafs man
bisweikni Verfügungsfreiheit als Ausnahme von der Kegel besonders zu stipu-
lieren für gut fand^. Und doch liefen diesen Beschränkungen noch ander-
weitige Hindernisse zur Seite. Zunächst autoritäre. So das kirchliche Ver-
äufserungsver])ot *, das Ausnahmen nur nach dem Grundsatze zuliefs: nihil
sibi quispiam cernitur minuendo, quicquid de contra recipitur in augmentis'^;
ferner wenigstens bei Reichsabteien das königliche Zustimmungsrecht^. Dann
autonome; der Abt konnte nicht ohne Zustimmung des Konventes verfügen^.
Endlich aber traten auch sonst noch im Einzelfalle, sogar für einfache nicht
einmal auf Veräufserung hinauslaufende Wirtschaftsmalsregeln, Beschränkungen,
z. B. seitens der sich neu entwickelnden landesherrlichen Gewalt, auf ^. Waren
aber alle diese Hindernisse überwunden, so blieben die Tauschgeschäfte immer
noch sehr prekär, denn da nach Kirchenrecht jeder Tausch für das kirchliche
Institut vorteilhaft sein mufste ^ und deshalb leichtlich für die andere Seite un-
günstig verlief, so blieben bei ehrlicher Anwendung dieser Bestimmung Klagen
und Revindikationsversuche der Gegenpartei nur selten aus^*^. Unter diesen
Umständen begreift es sich, wenn Tauschgeschäfte auch in früherer Zeit längst
nicht in der Fülle vorkamen, welche damals nach dem Tenor der Urkunden
über abgeschlossene Geschäfte erstrebt w^urde^^. Im allgemeinen gelang es
nur einmal, im kleinen eine geringe Anzahl von Grundstückszusammenlegungen
1) Vgl. z. B. MR. ÜB. 1, 91, 855; 3, 224, 1224.
2) S. z. B. Lac. ÜB. 1, 105—2, 169, 1053.
3) Lac. ÜB. 1, 104, 166, 1049.
4) S. oben S. 656.
5) So ausgedrückt Lac. ÜB. 1, 22, 48, 834; 25, 55, 841.
6) Lac. ÜB. 1, 92, 150, 1018; vgl. auch Waitz, Vfg. 7, 201.
^) Vgl. z. B. MR. ÜB. 1, 98, 860-86; CRM. 1, 105, 1132. Genaueres darüber in
Teil 2 dieses Abschnittes.
8) Bd. 3, 221 g.
9) Oben S. 656. Bei Tauschen tauscht Prüm regelmäfsig das li/2fache bis Doppelte
von dem ein, was es hingiebt; vgl. z. B. MR. ÜB. 1, 55 u. 56, 823. S. ferner Chron.
s. Mich. Vird. 8, MGSS. 4, 81, c. 960 : facta est commutatio inter C. abbatem et V. quendam
nobilem, dante abbate quidquid erat sancti Michaelis in villa T. , et V. dante quidquid
habebat in villa de L., ita ut post decessum eius utrumque esset iuris ecclesiae. Vgl. auch
Lac. ÜB. 1, 104, 166, 1029.
1«) MR. ÜB. 2, 164, 1197: die Nonnen von SThomas- Andernach haben von SFlorin-
Koblenz Acker gegen Weinberge umgetauscht. Canonici sancti Florini videntes . . agros illos
laboribus et sumptibus monialium solito fertilius abundare, eandem commutationem irritare
nituntur.
^1) Dafür finden sich zuweilen Tauschgeschäfte, welche durch irgend ein anderes Schein-
geschäft maskiert werden, vermutlich um die rigorosen kanonischen Bestimmungen zu um-
gehen, vgl. z. B. Bd. 2, S. 91.
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 694 —
mit dem Resultat der Verfrommg gewisser Gewannen durchzuführen \ dann
aber im Grofsen denjenigen Grundbesitz al)zustofsen, der von den Verwaltungs-
zentren allzufern lag^. In letzterer Beziehung läfst sich eine rege Bewegung
bis ins 11. Jh., ein Nachhall bis ins 13. Jh. hinein nachweisen^.
Aufserhalb des Gebietes der Tauschgeschäfte aber standen den geistlichen
Instituten nur noch wenige Mittel zu Gebote, eine stärkere Zusammenfassung und
einheitliche Ausgestaltung des Grundbesitzes herbeizuführen. In ersterer Hinsicht
sind namentlich die vertragsmäfsig oder bei Klöstern gleichen Ordens auch autori-
tativ erfolgenden rämnlichen Abgrenzungen der Erwerbsbezirke für die einzelnen
kirchlichen Institute zu nennen^, in letzterer die freilich nicht weitgreifenden
Bestrebungen zur Ablösung der Zehnte und der radizierten grundherrlichen
Lasten^ sowie zur Herbeiführung markgenössischer Leistungsfreiheit ^.
Im allgemeinen wird man indes urteilen, dafs auch diese Mittel nicht
viel verfugen^: seit der Mitte etwa des 11. Jhs. verfällt der kirchliche Besitz
immer mehr der lokalen und sachlichen Zersplitterung, die Versuche der
Zentralisation verlaufen immer lahmer und unbefriedigender, eine Weiter-
bildung der alten Wirtschaftsorganisation wird fast unmöglich. Die Grund-
herrschaften als Wirtschaftsorganismen blieben daher nur noch kurze Zeit
lang, was sie bis zum 11. Jh. geworden waren, dann trat der Zerfall ein.
Bis zu dieser Zeit aber hatten sie noch einen beachtenswerten Kitt er-
halten durch die immer mehr fortschreitende Ausbildung eines Herrschafts-
1) Vgl. ME. ÜB. 1, 98; 501, 1138; vielleicht auch 3, 225, 1224. Dazu oben S. 881,
Bd. 2, S. 73 ff.
2) So tauscht Prüm z. B. eine Reihe von Besitzungen der Cella Altrip in der Gegend von
Dürkheim, Deidesheim und Ludwigshafen aus gegen eine kleine Grundherrschaft in seiner
unmittelbaren Nähe, in Oos: MR. ÜB. 1, 59, 831. S. auch Bd. 2, S. 91.
3) S. z. B. Schannat Hist. Wormat. 2, 79, 1158; Honth. Hist. 1, 647, 1209. Von be-
sonderem Interesse ist *Düsseldorf St. A. Or. 23, 1167 — 1191: Erzbischof Philipp bekundet,
dafs das Kölner Domkapitel eine wegen vogteilicher Belästigung wenig einträgliche Villa
Espede a. d. Maas an den Bischof von Lüttich gegen dessen Höfe Lantershofen und Witter-
schlick vertauscht habe; da aber auch diese dem Kapitel nicht gepafst hätten, so habe er
sie zum Erzstift genommen und dem Kapitel das Gut Prumese und die Villa Niehl ein-
geräumt.
^) MR. ÜB. 2, 218, 1204: Abgrenzung des grofsgrundherrlichen Erwerbsbezirkes der
Klöster Sayn und Rommersdorf durch das Prämonstratenser Generalkapitel. Im übrigen
braucht man nur die Karten 10 bis 13 des zweiten Bandes nebeneinander zu halten, um zu
der Überzeugung zu gelangen, dafs zwischen den gröfsten geistlichen Grundherrschaften ein
stilles Einverständnis über die getrennte Bevorzugung gewisser Erwerbsgebiete herrschte.
3) S. oben S. 658, Note 2.
«) Vgl. MR. ÜB. 3, 1208, 1254; Bd. 3, No. 49, 1272.
■') V. Inama spricht Grofsgrundh. S. 89 f. sich viel mehr, als das aus dem Material der
Moselgegend auch für die seinen Studien zu Grunde liegenden Jahrhunderte erhellt, für eine
durchgreifende Veränderung in Anordnung und Zweckbestimmung der einzeln erworbenen
grofsgrundherrlichen Besitzstücke aus. Er findet diese Veränderung namentlich durch drei
Mafsregeln herbeigeführt. 1. Durch Veränderung der Erwerbsarten. Hier geht v. I. von der
für die kirchlichen Institute namentlich Südostdeutschlands nachweisbaren Thatsache aus,
— (395 — \Vi\d. d. Grofsgrundbesitzes.]
verliältniss(^s, Avelches iiiclit so solir aus dem wirtscltaftliclieii wie dem reclitlicli-
politischeii Cliarakter des Grors,uiuii(ll)esitzes erwuclis; und die Mö.ulielikeit,
sich in dieser Richtung noch um vieU}s weiter zu entwickeln, blieb erhalten. Das
Verhilltnis läfst sich aber in Einern Worte am besten als Allmendeobereigentum
bezeichnen.
Das Allmendeobereigentum, von dessen Umfang und Bedeutung im ersten
Teile des folgenden Abschnittes noch mehr die Rede sein wird, nuifste sich ver-
hältnismäfsig rasch und durchgängig ergeben, sobald der Anfangszustand relativer
Yermögensgleichheit unter den Markgenossen nicht mehr vorhielt und die
steigende Bevölkerung zu einer vermehrten Inanspmchnahme der Marknutzungen
führte. Der erste Umstand zerstörte die wirtschaftlichen Voraussetzungen der
gleichwohl noch aufrecht erhaltenen alten Rechtskonstruktion der märkgenössi-
schen Nutzungsrechte, der zweite wies gebieterisch auf eine neue Regelung
eben dieser Nutzungen hin. Es gab jetzt Markgenossen — ■ und fast stets
waren das Grundherren — w^elche in der Gemeinde wirtschaftlich und social
besonders hervorragten, und gerade in ihrem Interesse lag eine neue Regelung
der Allmendenutzungen. An sie lehnten sich die unbedeutenderen Mark-
genossen an; sie handelten für die Gemeinde unter Zustinunung derselben.
Damit w^ar eine erste Etappe auf dem Entwicklungsgange des Allmendeober-
eigentums vollendet. Es liegt in der Natur der Sache, dafs man sie an ver-
schiedenen Orten zu sehr verschiedener Zeit erreicht findet. Noch in einem
so späten Dokument, wie dem WMoestroff vom J. 1545, heifst es, der Grund-
herr sei nur oberster Einungsmann ; wan die gemein seiner von nöten hat,
so sol der her bei die gemein stain, und die gemein sol bei dem hern stain;
der Zender solle nicht gesetzt oder entsetzt w^erden buissent den hern, ebenso
die Schöffen; von seinem Vieh habe der Herr huete und loin zu dein, als ein
dafs die Schenkungen mit der Zeit stets seltener werden, während Kauf, Tausch und andere Erwerbs-
arten, welche den Grundherren mehr Ingerenz verstatten, zunehmen. Indes hier kann man,
abgesehen von anderen aus der eben gegebenen Darstellung ersichtlichen Gründen, einwerfen,
dafs die kirchlichen Institute an dieser Veränderung nur passiv, nicht aktiv beteiligt sind:
der Umschwung fällt auf das Konto absterbenden kirchlichen Sinns bei den Laien, nicht auf
das erhöhten Organisationseifers bei den kirchlichen Instituten. 2. Durch Vergröfserung des
Sallandes wenigstens in den weltlichen Betrieben. Hier sagt v. I. S. 93 selbst, dafs sich
eine solche Vergröfserung für die Karolingerzeit nicht nachweisen lasse; der von Haxthausen
S. 133 für Westfalen behaupteten Thatsache einer Einziehung von Hufen zu Gunsten des
Sallandes im 10. Jh. stehe ich ebenso zweifelnd gegenüber, wie v. Inama. Die von Guerard,
Inninon 1, 494, für Frankreich schon seit dem 9. Jh., m. E. mit Recht, angenommene Zer-
schlagung der alten Fronhofländereien aber beruht darauf, dafs in Frankreich das Salland
auf Grund früherer Latifundienbildung viel ausgedehnter war, als in Deutschland, in dieser
Ausdehnung aber eben der Wirtschaftsorganisation der Karolingerzeit nicht entsprach. Über
die Frage der Vergröfserung des Sallandes s. im übrigen Genaueres weiter unten. 3. Durch
Arrondierung und Gutstäusche. Hier wurde in der That viel geleistet: indes tritt das Be-
streben, zur Begründung von Grofsbetrieben zu tauschen, nirgends massenhaft und evident
hervor. Vielmehr handelt es sich häufig nur um Parzellen- oder kleinere Gutstäusche, wie
das V. I. selbst bemerkt und ich auch oben ausgeführt habe, oder aber um Umtausch ganz
entfernt liegender Einzelbesitzungen.
[Wirtscliaft d. Grofsgrundbes. — 696 —
ander einenzman. Besonders deutlich und weitverbreitet zeigt sich dieses
Stadium aber in einer Eeihe von Urkunden des 12. und 13. Jhs. , in welchen
von Handlungen eines hervorragenden Märkers unter Konsens der Markgemeinde
die Rede ist^ Eine weitere Etappe erscheint dann genommen, wenn die Ge-
meinde zwar noch mithändelt, al)er nun ihrerseits für ihre Handlungen der
Zustinnnung des ersten Einungsmannes , des zukünftigen Obereigentümers be-
darf^. Von dieser Lage ist bis zur vollen Markgrundherrschaft nur noch ein
sehr kleiner Schritt, welcher bald mehr bald minder entschieden ausgeführt
wurde ^, und dessen Konsequenz ein mehr oder minder weit reichendes All-
mendeobereigentum war.
Der Zeit nach beginnen sich Obereigentumsverhältnisse schon sehr früh
zu bilden ; für die Moselgegenden reichen die ältesten Zeugnisse bis zur Mitte
des 8. Jhs. hinauf*. Bis zum 12. Jh. erscheint dann das Obereigentum
sehr weitreichend durchgeführt; namentlich die Angaben des USMax. bringen
hier wertvolle Belege^. Die Ausdrücke endlich Grundherr (bezw. Dorfherr)
und Lehnherr ^, welche den vollkommensten Abschlufs der Entwicklung be-
zeichnen, erscheinen als technisch vollkommen sicher gebraucht seit dem letzten
Viertel des 13. Jhs.
Indes wäre es ein Irrtum, anzunehmen, dafs mindestens von dieser Zeit
ab oder gar schon früher jeder grundherrliche Hof mit einem Allmendeober-
eigentum verknüpft gewesen wäre. Vielmehr finden sich schon früh viele, und
1) Vgl. MR. ÜB. 2, 11*, 1171, cit oben S. 525, Note 5; ebd. 19, 1173; 3, 704, 1241;
Bd. 3, 66, 3, 1274 (instinctus). S. auch Bd. 3, 93, 2, 1287.
2) Vgl. Cart. Orval 314, 1249; Lac. ÜB. 2, 649, 1273; WBubenheim 1387, cit. oben
S. 539.
^) Man vgl. z. B. die in diese Entwicklung einführende Urkunde bei Ennen, Qu. 2, 14,
8, 1203: cum . . inter prepositum maioris ecclesie Coloniensis, . . necnon et milites et
Universum populum de Espele super quodam nemore eidem ville et predio attinenti exorte
essent discordie, iamdicta universitas incolarum . . obtinuit, quod ipsis et suis successoribus
ius et communionem nemoris prememorati recognovit, ea tarnen exempta conditione, quod
ipse et successores sui . . domini et advocati eiusdem nemoris erunt, et quemadmodum
unus de inhabitatoribus predii predicti communione lignorum utentur.
*) Vgl. MR. ÜB. 1, 10, 752: termini villarum nostrarum [des Königs Pippin] (Mehring
und Schweich); MR. ÜB. 1, 95, 860. Vgl. auch v. Inama, Grofsgrundh. S. 100; Waitz, Vfg.
2, 1, 394 f., ebenso oben S. 413.
5) MR. ÜB. 1, 274, 997; Lac. ÜB. 1, 117, 186, 1051; UKarden 11.— 12. Jh., Bitteles-
dorf; MR. ÜB. 1, 649, c. 1167; 656, 1169; üSMax. S. 435, Schönberg 19a; S. 440, Besch
10 b; S. 445, Horl 9d. S. ferner Echternacher Freiheit 1235 § 19; *USElisab. Hosp.
Bl. 26 a, Hans.
6) Honth. Hist. 1, 800, 1272: dominus fundi, qui dicitur leinherre; CRM. 2, 369, 1297:
domnus ville; WBreisig 13. Jh. Ende, Bergische Zs. 12, 180: leinvroue; WLosheim 1302:
domini feodi seu fundatores ; WOckfen 1325 § 1 : domini fundi ; ebenso Bd. 3, 144, u, 1326.
Lehensherre und voit findet sich (vgl. auch das erste Citat) in *Balduins Beschwerdepunkten
gegen Trier von 1351, oberster faut in WSimmern u. Dh. , G. 2, 145. Das WOppen 1488
§ 1 spricht gar aus, dafs ein abt von Mettloch si ein rechter grontherre, banherre, lehnherre
und hoegerichtsherre.
— ß97 — ßil^^« ^- Grofsgrimdbesit/es.]
späterhin noch zahlreichere Beispiele dafür, dafs ein Hof nur einfache mark-
genössiseho Eigenschaften besafs^ Die Thatsache erklärt sich sehr einfach
aus dem Umstände, dafs sich inncnlialb sehr vieler Marküemeinden nicht blofs
6in Hof, sondern eine ganze Anzahl von Höfen befand^. Waren diese Höfe
sich an Bedeutung nahezu gleich, so kam es entweder zu gar keiner Aus-
bildung von 01)ereigentum, oder aber die Grundherren der Höfe einigten sich
und bildeten ein Markkondominat^ — waren dagegen die Höfe von sehr ver-
schiedener Gröfse und Leistungsfähigkeit, so gewann wohl einer von ihnen die
Vorhand als Unterlage des Obereigentums, während die übrigen Höfe Mit-
glieder der ihm untergebenen Einung wurden.
So kam denn die Entwicklung des Allmendeobereigentums wesentlich den
kräftigen grandherrlichen Bildungen, diesen aber auch meist schon sehr früh
zu gute. Natürlich wurde sie von den Grundherren, kirchlichen wie welt-
lichen, aufs ausgiebigste zur Herstellung von wirklichen Wirtschaftseinheiten
aus dem zerstreuten Grundbesitze benutzt. Wir werden später sehen, welche
grofse Bedeutung die Beundenwirtschaft für den Betrieb dieser neuen Einheiten
hatte: die EntAvicklung dieser Beundenwirtschaft aber zu der Höhe, in
wTlcher wir sie im 12. und 13. Jh. finden, war ohne Allmendeobereigentum
nahezu eine Unmöglichkeit. —
Wir haben in der Erörterung über die Bedeutung des Allmendeobereigen-
tums für die Organisation des Grofsgrundbesitzes unterschiedlos von geistlichem
und weltlichem Grundbesitz gesprochen. Es war dies, im Gegensatz zu dem
sonst bisher beobachteten Verfahren, möglich, weil auf diesem Gebiete sich
die Tendenzen beider Gruppen des Grundbesitzes, der weltlichen und der
geistlichen, völlig decken, wenn auch diese Tendenzen von den Laien vielleicht
mit mehr Energie zum Ausdruck gebracht sein mögen, wie von der Kirche.
Im übrigen aber übersehen wir jetzt auf Grund eines reichen Materials alle
auf die Bildung des geistlichen Grundbesitzes verwandten Mühen; und es
fragt sich nunmehr, inwiefern diese Kenntnis unter gleichzeitiger Heranziehung
der für diese Gruppe spärlichen Überlieferung uns etwa analoge Erwägungen
über die Bildung des weltlichen Grundbesitzes gestattet*.
Hier wäre zunächst zu betonen, dafs wir über die Erwerbspolitik des
Laienadels, soweit sie durch Kauf, Schenkung und andere Übertragiingsmittel
bestimmt war. Genaueres nicht wissen ^. Nur soviel läfst sich wohl mit Sicher-
1) Vgl. z. B» Lac. ÜB. 1, 253, 1096; MR. ÜB. 1, 532, 1144; 563, 1152; 629, 1161;
Bd. 3, 43, 1265; CRM. 3, 263, 1275; Bd. 3, No. 176, 1348; WTrittenheim 1532; WGostingen
und Kanach 1539 § 24; WKirst und Thirn, cit. S. 513.
2) Vgl. z. B. MR. ÜB. 3, 218, 1223; WUlflingen 1575.
3) S. oben S. 278 f.
*) Zum Unterschied der Bildung kirchlicher und weltlicher Grundherrschaften s.
V. 'Inama, Grofsgrundh. S. 76 f.; zum Kirchenerwerb allein vgl. auch Roth, Beneficialw.
S. 248 f.
^) Über die Entstehung des weltlichen Grofsgrundbesitzes handelt sehr gut v. Inama, Grund-
herrschaften S. 44 f. Er nimmt als Hauptfaktoren des Erwerbes an: 1) die Wichtigkeit der
Laraprecht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 45
[Wirtschaft d. Grofsgrimdbes. — 698 —
heit vermuten, dafs die Ausdehnung der persönlichen Herrschaftsverhältnisse
des Adels über minder kräftige Freie infolge von Kommendation und ähnlichen
Schutzmutungen vornehmlich seit dem 9. Jh. auch zu einem bedeutenden Zu-
waclis des vom Adel abhängigen Grundbesitzes geführt haben mag. Diese
Schutzmutungen fanden ja auch gegenüber der kirchlichen Aristokratie statt;
indes war ihr Umfang und ihre Wirkung bei dem Laienadel wohl gröfser, und
der Erfolg war jedenfalls eine Mehrung des weltlichen Grofsgrundbesitzes mit
Streucharakter.
Noch weniger v;ie über die Erwerbspolitik des Laienadels, soweit sie auf
schon vorhandenes Kulturland ging, sind wir über die Abrundungsmafsregeln
derselben für das einmal Erworbene unterrichtet. Dagegen bleibt noch ein
Punkt für die Besprechung offen, in welchem man klarer zu sehen vermag:
die Besiedlungspolitik der weltlichen Grofsen.
Vor allem läfst sich hier feststellen, dafs dem Laienadel die vornehmste
Initiative bei dem so gewaltig entwickelten Ansiedlungswesen der Karolingerzeit
zufiel : der Bifang des 8. und 9. Jhs. im wilden Walde, mit seiner bemerkens-
werten Ausdehnung, wie sie nur durch Verwendung zahlreicher untergeordneter
Ai'beitskräfte zu erreichen w^ar, mit seiner meist verständigen Anlage und seiner
raschen Kultivierung ist der Standort einer speciell vom vornehmen Adel aus-
gehenden Besiedlung; und die Bewegung in dieser Richtung hört erst im 10. und
11. Jh., mit der Zunahme des Beundeausbaues , auf^ Diese grofsen Bifänge
wurden nun wohl in älterer Zeit noch zur Anlage umfassenderer einheitlich ver-
walteter Wirtschaften benutzt; namentlich Rindviehwirtschaften und Schäfereien
kommen da in Betracht ; möglich dafs in diesen Anlagen die letzten Gedanken
eines älteren römischen Grofsanbaues verhallen^. Allein sehr bald ging man
doch zur Ausbeutung der Bifänge in Einzelwirtschaften über ; und das Material
zu derartigen im Einzelausbau aufgehenden Unternehmungen mochten bald
Freie bald Hörige liefern. Eine Urkunde des J. 770 gestattet noch einen ein-
zigen Einblick in die in Betracht kommenden Vorgänge^. Sie zeigt den
Pfalzgrafen Hrodwin bezw. dessen Nachkommen nebst einer Kolonie freier
Leute unter seiner Führung, welche als seine Gamaladionen , d. h. Gerichts-
Rodimg für die Grofsgrundherren durch Verpflanzung von Hörigen; 2) die Ausdehnung der
persönhchen Herrschaftsverhältnisse auf Grund der Rodung, Erwerb von Unfreien und von
Hintersassen, welche landlos aus den Markgenossenschaften kamen. Die Gründe, welche v. I.
S. 54 f. für den Eintritt der Markgenossen in die Grundherrschaft angiebt, sind indes teil-
weis nicht stichhaltig.
^) S. oben S. 123, 419. Eine besonders späte Nachricht von einem Bifang im alten
Sinn gieht MR. ÜB. 3, 34, 1215: ein AUod des Grafen von Ahr in Kirchberg, dazu bannum
. . iurisdictionem secularem piscationem et venationem, quousque termini illius alodii
extenduntur, [qui hivance dicitur, fährt eine Abschrift fort]. Die Bewegung fällt sonst haupt-
sächlich erst ins 9. Jh., vgl. ohen S. 401.
2) S. oben S. 534, 536.
3) MR. ÜB. 1, 22.
— 599 — Bild. d. Grofsgrundbesitzes.]
genossen bezeichnet werden \ in dem vom Könige gewährten Besitz einer
Waldstrecke in lo<:o, qui dicitur Benutzfeit infra centina Belslango infra vasta
Ardinna. Es ist das heutige Binsfc^ld nicht weit vom alten königlichen Fiskus
Holler im Luxemburger Land, dicht an der Römerstrafse R(nms-Köln, etwa
eine Meile von Nieder- und Ober-Bellingen. Dieser Besitz, bestehend aus dem
Dorfe (villa) Binsfeld nebst der zugehörigen Mark (bannus), ein Bifang im
greisen Stil, war von den königlichen Domanialbeamten zerstört worden ; nun-
mehr bestimmt ein königliches Diplom von neuem, dafs ihn tam in silvis
quamque in terris agris perviis^ campis pratis pascuis aquis aquarumque de-
cursibus adiunctiis adiacentiis debeat habere [tam] ipse Chrodoinus vel gamal-
dionis quamque et posteritas eorum. Es ist hier auf die rechtliche Stellung
dieser Gamaladionen zum Pfalzgrafen nicht einzugehen — genug dafs wir eine
unter adliger Führung im Bifangsstil vollzogene Besiedlung vor uns haben.
Es lag nun nahe, derartige Siedlungen durch einen Kirchenbau zu ver-
vollständigen und dadurch den einwandernden Baugenossen noch annehmbarer
zu machen. In der That scheinen gröfsere Bifangsbesiedlungen zu Einzel-
betrieben fast stets mit einem Kirchenbau begonnen zu sein ; nicht nur gesetz-
liche Bestimnmngen und direkt belegte Einzelfälle^, auch die enorme Anzahl
von Patronaten, welche sich später in der Hand vor allem des Laienadels
befindet*, weisen darauf hin. Bedarf es aber noch eines weiteren Beleges für
die aufserordentliche Verbreitung des angenommenen Vorganges, wird er durch
die Thatsache erbracht, dafs in älterer Zeit Kirchen und Fronhöfe als etwas
durchaus Zusammengehöriges erscheinen ^, wie man denn noch heutzutage viele
Kirchen der Eifel und des Hunsrücks als auf dem Areal früherer Fronhöfe
gelegen nachweisen kann^.
Indes diese Bewegung erschöpft sich mit dem 11. Jh., jetzt kam der
Beundeausbau zu Ehren, die kirchlichen Sprengel schlössen sich, die Noval-
zehntbewegung wies vornehmlich die Kirche in den WaW^. Die Besiedlungs-
thätigkeit der Laien scheint damit auf einige Generationen mehr derjenigen
der kirchlichen Institute Platz uemacht zu haben. Als aber der Ausbau der
^) Vgl. L. Sal. 47, 4 gamallus.
2) So zu lesen. Der Text der Urk. ist mehrfach entstellt (z. B, der Name des Pfalz-
grafen).
3) Vgl. oben S. 115, 118, 238, 240, 251, 253 Note 4, auch aus späterer Zeit Lac. ÜB.
1, 188, 288, 1118; MR. ÜB. 1, 505, 1138,
*) S. oben S. 119.
^) Vgl. dazu V. Maurer, Fronhöfe 1, 132; ferner Wenck, Hess. Landesg. 2^, ÜB. 16,
775: Trad. Wizenb. 298: MR. ÜB. 1, 118, 880; 120, 886; Lac. ÜB. 1, 42, 79, 897; 43-44,
81, 898; MR. ÜB. 1, 155, 910; Cardauns, Rhein. Urklc. 1, 336, 923; 4, 347, 962, vgl. Lac.
ÜB. 1, 61, 105, 962; MR. ÜB. 1, 228, 967; 245, 975; 273, 996; Lac. ÜB. 1, 93, 152, 1018;
Stumpf, Acta imp. No. 282, 1026; und aus späterer Zeit MR. ÜB. 1, 462, 1128; Honth. Hist.
2, 129, 1337; *\VDiedenhofen Ende 15. Jhs. Arch. Maximin. 2, 280.
6) Vgl. auch MR. ÜB. 1, 120, 886.
'') S. oben S. 121.
45*
[Wirtschaft d. Grofsgmndbes. — 700 —
Stauferzeit in vollem Zuge war, da trat auch der Laienadel wieder stärker in
ihn ein ^ Es geschah das inunerhin bisweilen noch in der alten Weise , man
suchte nochmals, soviel es anging, umfassend zu besiedeln: diesem Bestreben
des Laienadels verdanken die ausgedehnteren Neubruchsgegenden der stau-
fischen Zeit ihre Entstehung^. Und auch hier steht wie für die Kolonisation
der Karolingerzeit eine Urkunde zu Gebote, welche den Vorgang der Be-
siedlung selbst erläutert. Im J. 1258 schlössen das Stift SSimeon - Trier,
Egidius Herr von Berg als Vogt von SSimeon, Dietrich Herr von Linster und
Otto Ritter von Siedelingen einen Vertragt zur Anlegung eines neuen Dorfes
auf Ländereien, welche von den genannten Parteien zusammengeschossen waren :
ut villa nova ibidem cum molendino et furno bannalibus in locis ad hoc aptiori-
bus construatur, cuius ville fructus et proventus inter ipsos taliter dividantur,
ut capitulum et dominus de Berge supradicti medietaiem percipiant omnium
eorum, portionibus adequatis pro ])onis, que ipsi contulerunt, quorum ad capi-
tulum dominium et ad dominum de Berge ins advocatie pertinebat. reliquam
vero medietatem dominus de Lincere et Ottho prefati habebunt pro portionibus,
quas in bonis ab ipsis collatis habuerant dividendam. partem autem sumptuum
et expensarum pro molendino et furno predictis, tam circa loci comparationem,
si non inveniatur aptus in bonis supradictis, quam circa edificia et construc-
tiones ipsorum hac prima vice capitulum contingentem idem dominus de Berge
pro capitulo integre faciet et persolvet, et capitulum ad hoc nichil penitus de
suo apponet. officialem vero habebunt ab ipsis concorditer eligendum, qui
fidelitate iuratoria eis omnibus facta fructus et proventus omnes ville predicte
sicut dictum est distribuet inter ipsos, excepta decima, quam recipient capi-
tulum et alii, qui ins habent eam recipiendi. si autem aliquis ex ipsis dominis
aratrum habere voluerit in bonis ipsis, idem ins in eo [ohtinehit], quod in aliis
rusticorum aratiis reliqui obtinebunt, nulla sibi in hoc danda penitus prerogativa.
et si pro expeditionibus suis secundum novarum consuetudinem villarum quisquam
dominorum rusticos mansionarios invitet, hoc capitulo vel alii domino forsitan
non indigente, pro parte ipsum contingente competenti pecunia compensentur.
quodsi forsitan ville constructio casu aliquo retardaretur , proventus tamen
bonorum supredictorum post fruges, que tunc in terra sunt, collectas inter me-
moratas personas proportionibus antedictis nichilominus dividentur, et si in
bonis ipsis vel in villa constructa occasione alicuius eorum pignora capi aut
aliqua contingeret dampna inferri, is, cuius occasione hoc fieret, alios indempnes
penitus bonorum virorum arbitrio conservabit. hiis itaque portionibus contenti,
nullus eorum in sua portione alterum molestare presumet, nee in plures quam
in quatuor partes ut supradictum est dividi valeant bona predicta, quotcunque
dominorum fuerint successores. Es ist der Anlageplan eines Dorfes nach der
^) S. oben 8. 132.
2) S. oben S. 236 f.
3) I\m. ÜB. 3, 1435; s. oben S. 135 f.
— 701 — I^il^^- ^- Grofsgmndbesitzes.]
Loi de Bcauniont, der Novanim eoiisiietudo villarum, welcher hier vorliegt,
ein deutliches Zeichen, dafs man im 13. Jh. eine einheimische liangbare Form
zur Anlage voller Neudörfer an der Mosel nicht mehr hesafs. Aber auch nach
der Loi de Beaumont sind im übrigen an der Mosel Neudörfer nach urkund-
lichem Ausweis nicht mehr angelegt worden — brachte es doch die Bewegung
der Loi de Beaumont sogar in ihrem Ursprungsherde, dem nordöstlichen
Frankreich, nur in 13 Fällen auf etwa 500 Fälle ihrer Einführung überhaupt
zur Neuanlage eines Dorfes ^ Blieben daher Besiedlungen nach der Art der
alten Bifänge in der Stauferzeit eine Seltenheit, so eiferte man um so mehr
den kirchlichen Hofanlagen des 12. und 13. Jhs. nach: gerade in Laienhänden
scheint diese Art des Ausbaues eine Nachblüte in der 2. H. des 13. Jhs. und
im 14. Jh. gefunden zu haben ^.
Man übersieht nunmehr das ganze Gebiet weltlicher wie kirchlicher An-
strengungen zur Erlangung von Grofsgrundbesitz, soweit die Überlieferung dies
zuläfst, und man wird gestehen, dafs die Unterschiede dieser doppelten Be-
strebungen nicht so grofs sind, als das nach den beiderseitigen Ausgangs-
punkten wohl hätte erwartet werden können. Weltlicher wie kirchlicher Grofs-
grundbesitz war bis zum 11. Jh., der eine durch Besiedlung, der andere durch
Schenkung, völlig ausgeweitet und nahezu abgeschlossen ; weltlicher wie kirch-
licher Grofsgrundbesitz erlebte vom 12. bis 14. Jh. in Hofanlagen eine Nach-
blüte des Erwerbs, welche zugleich mit der Einführung ausgedehnterer Eigen-
wirtschaft auf diesen Höfen sicher beim Kirchengut, vermutlich auch bei dem
Besitz der Laien verknüpft war. Waren so die Schicksale dieselben, so im
Ganzen wohl auch die Zusammensetzung. Zw^ar liegt es hier nahe, eine gröfsere
Kohärenz des Laienbesitzes zu vermuten: die Kirche erwarli im Zufall vor-
nehmlich der Schenkungen, der Laienadel mit der bewufsten Absicht koloni-
satorischer Erweiterung. In der That mag dieser Unterschied in einer gröfseren
Gedrängtheit, einem stärkeren lokalen Zusammenhang des Grundbesitzes Aus-
druck gefunden haben ; man wird indes gut thun, nicht zu übertreiben. Die positiven
Nachrichten ergeben auch für den Grundbesitz des Laienadels einen ziemlich weit-
gehenden Streucharakter. So liegt schon im 7. Jh. der Besitz der edlen Irmina
in verschiedenen Orten ^, im 8. und 9. Jh. findet sich das Grundeigen vor-
1) Bonvalot S. 259.
2) Cbarakteristiscli in dieser Hinsicht ist schon MR. ÜB. 3, 504, 1234. Vgl. weiter
Hennes ÜB. 265, 1278: Gräfin Mathilde von Sayn schenkt an das Deutschordenshaus minen
hof, de liget op deme ackere bi der Nuwenburg, den ich machete inde buwede sider der zit,
dat ich min gut an dat gestiebte van Colne kerde, inde darzu allet dat gut, dat darzu ge-
boret, dat ich ouch al vergolden haven bit minen penningen sider der zit, dat ich min ander
gut kerde an dat gestiebte van Colne. S. ferner *Bald. Kesselst. S. 152, 1319: terras
arabiles dictas Eodehove sitas prope castrum Hartenvilz una cum pratis silvis et duodecim
d. annui census . . necnon 12 s. et 8 d. ad tres terininos solvendis ac 7 pullos carnispriviales
annui et perpetui census . . et cum iure dicto bestehoft Septem homines commorantes.
Ähnliche Nachrichten bietet *Bald. Kesselst. S. 178, 1324; S. 226, 1331; S. 335, 1341.
^) Honth. Hist. 91, 698.
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. _^ 702 —
nehmer Laien fast stets durch verschiedene Ortschaften, ja Gaue zerstreut \
und wo wir klarer sehen, ist das Bild von demjenigen, welches der geistliche
Grundbesitz bietet, wenig verschieden. So hat z. B. im J. 790 ein Edler
Alpad Grundbesitz in Nassau, Burgschwalbach, Hanstätten, Kellenbach, ? Holz-
heim, Dauborn, Heringen, ?Vilmar, Diez, Habenscheid, Lorheim ^: d. h. in Ort-
schaften, welche innerhalb eines Gebietes von ca. 5 bis 6 Quadratmeilen zer-
streut liegen. In ganz ähnlicher Weise besteht ein Beneficium des Jahres 856^,
welches eine kleine Grundherrschaft umfalst, aus vier Fronhöfen, deren Zu-
behör an Land sich auf 13 verschiedene Orte in etwa 5 Meilen Ausdehnung
verteilt, und deren zwei in der Grafschaft Zülpich, zwei in der Grafschaft
Bonn liegen. Ja eine erst im J. 842 von König Lothar für seinen Getreuen
Alfgar ausgeschiedene kleine Grundherrschaft umfafst bei nur 50 Hufen Um-
fang in 2 Gauen 7 Ortschaften, w^elche sich 4 Meilen von Ost nach West,
etwa 1 Meile von Nord nach Süd ausdehnen. Was aber für das 8. und 9. Jh.,
das gilt auch für das 11. und 12. Jh. Damals hat z.B. die Markgräfin Jutta
von Lothringen um das J. 1030^ innerhalb des Saar- und Mosellandes Besitz
in Mondorf bei Merzig, Waldwies Kr. Diedenhofen, Heiningen Kr. Bolchen,
Bettingen Kr. Bolchen, Gondelvangen bei Waldwies, Biringen Kr. Saarlouis,
Silwingen l)ei Mondorf, Gerlevangen Kr. Saarlouis, Bedersdorf Kr. Saarlouis,
Welsingen Kr. Saarburg, Weiskirchen Kr. Merzig, Kues und Bernkastei, Monzel-
feld und Lonkamp Kr. Bernkastei. Ganz ähnlich ausgedehnt und zerstreut
erscheint aber um diese Zeit auch der Besitz des Trierer Vogts Thiefried, des
Proptes Adalbero von SPaulin aus luxemburgischem Geschlecht, der Königin
Richeza von Polen, anderer kleinerer Besitzkomplexe des Laienadels nicht zu
gedenken^.
Schrumpft in dieser Weise auch der letzte Gegensatz zwischen der Art
des weltlichen und kirchlichen Grundbesitzes, dessen Existenz man ganz besonders
zu betonen geneigt sein könnte, ziemlich zusammen, sobald der Grundbesitz
eben als Substrat einer zu bildenden Wirtschaftsverwaltung in Betracht kommt,
so wird es erlaubt sein, sich den Charakter des Grundbesitzes mit Rücksicht
auf seine Organisationsfähigkeit im wesentlichen ganz allgemein zu vergegen-
wärtigen, ohne den Unterschied zwischen geistlichem und weltlichem Erwerb
besonders hervorzuheben.
In dieser Richtung kommt zuerst die Gröfse des jeweilig einer Verfügung
unterworfenen Grundbesitzes in Frage. Gehen wir hier, entsprechend den in
Bd. 2, S. 4 ff. entwickelten Anschauungen über mittelalterliche Zahlenkritik
und Zahlensymbolik, nicht von direkt überlieferten, sondern vielmehr aus
') Vgl. MR. ÜB. 1, 31, 777; 2, U, 808-12; 21, 835; 27, 804-5.
2) MR. ÜB. 1, 35.
^) Vgl. MR. ÜB. 1, 93.
*) MR. ÜB. 1, 303.
'^) Vgl. MR. ÜB. 1, 294, 1019; 307, 1036; 308, 1036-37 angebl. (12. Jh.); 325, c. 1045
335, 1051 (!); 396, c. 1098; 407, 1103; 419, 1110.
— 703 — Bilf^- d- Grofsgrundbesitzes.]
mittelalteilieher Einzeliibeiliefeiung durch Sumniierung gewonnenen Zahlen aus,
so würden sich als Besitz an hörigen Hufen ergeben : für Prüm im 9. Jh. etwa
1600 PlufenS für Mettlach im 9. bis 11. Jh. etwa 300 Hufen, für SMaximin
im 12. Jh. etwa 730 Hufen 268 Erben, für das Erzstift Trier im 13. Jh. etwa
620 Hufen-. Diese Zahlen sind nun bei der Lückenhaftigkeit des Materials,
aus dem sie gewonnen sind, zweifellos zu niedrig gegriffen; man wird sie
mindestens um 10 Prozent erhöhen müssen. Zudem aber umfassen sie nur
den ausgethanen hörigen Besitz, nicht den Besitz in Eigenbetrieb und nicht
den Lehnbesitz. Liefsen sich nun für den Besitz in Eigenbetrieb noch allen-
falls, wenn auch schwer, Ziffern aufstellen, so bleibt ein solches Unternehmen
für den verlehnten Besitz völlig unmöglich. Wenn daher der kritischen Her-
stellung der mittelalterlichen Besitzzahlen gewisse Grenzen gezogen sind, so fragt
es sich, ob nicht direkte Nachrichten vorliegen, welche im Lichte der bisher
eruierten Ziffern glaubhaft erscheinen. Die Frage ist für die einzige aus dem
Moselland vorhandene Nachricht, wonach die Abtei SMaximin auf einmal aus
ihrem Besitz allein quasdam curtes et territoria scilicet ad sex millia sexcentos
quinquaginta sex mansos zu Beneficium gegeben haben solP, zu verneinen:
es ist nicht anzunehmen, dafs der ursprüngliche Hufenbestand von SMaximin
den von Prüm mindestens um das Dreifache, den des Erzstiftes um mindestens
das Achtfache überragt habe, dafs er ferner nach seiner Beraubung auf etwa
den sechsten Teil herabgesunken sei. Dagegen haben wir aus anderen Gegenden
Nachrichten, die wohl glaublich erscheinen, so aus relativ später Zeit die Notiz
des Cod. Udalrici 55 vom J. 1007, wonach das Bamberger Stift 1000 Hufen
besessen habe; in dem noch nicht lange bestehenden Bamberg mufste man
über die Besitzverhältnisse besonders gut informiert sein*.
Inwiefern aber ist die Anschauung, welche man sich nach den bisher ge-
gebenen Anhaltspunkten bilden kann und welche einem grofsen kirchlichen
Grundbesitz 1 000 bis 2000, einem mittleren 300 bis 600 Hufen zuweisen würde,
normal? Hier hilft für das eigentliche Mittelalter vielleicht eine Stelle der
Kudrün 917^ aus, wo von einem Kloster also riche gesprochen wird, daz dar
1) Auf Prüm rechnet v. Inama, Grofsgrundh. S. 115 Note 4 42 herrschaftliche Güter
und 1466 Bauerngüter nebst 42 zinsenden Alloden. Vgl. auch Wirtschaftsgesch. 1, 516.
2) Vgl. Bd. 2, 142, 154, 168, 178.
3) MR. ÜB. 1, 300. Vgl. die Litteratur über diese viel umstrittene Frage bei Waitz,
Vfg. 8, 129 Note 1.
*) Auch die Angabe, dafs Moyenmoutier um 880 1511 Hufen besessen habe (Chron.
Mediani mon. 5, MGSS. 4, 89) ist mit Hinblick auf Prüm als sehr wahrscheinlich richtig an-
zusehen. Im übrigen vgl. zur Höhe kirchlichen Besitzes noch Waitz, Vfg. 7, 186; v. Inama,
Wirtschaftsg. 1, 291 f. In seinem Buche über die Grofsgrundh. S. 32 f. bietet v, Inama die
folgende Übersicht des Hufenreichtums geistlicher Grundherrschaften vornehmlich in der
Karolingerzeit: Benediktbeuern über 1000 Hufen; Bistum Augsburg 1507, davon sicher 1427
vestiti, 80 absi; Tegernsee 11866 (?); Bistum Salzburg c. 1600; Niederaltaich über 341 ;
SGallen 4000 (?); Lorsch 2000; Fulda 15 000 (?); Hersfeld 1088 Hufen 694 Mansi.
5) Der Ordo can. 818 c. 122, bei Mansi Bd. 14, 232, welcher einem kleinen Stift 200
[Wirtschaft d. Grofsgrimdbes. — 704 —
dienden wol driu hundert hiiobe. Demnach galt eine Grundherrschaft von
300 Hufen wenigstens unter den geistlichen Gmndherrschaften der Stauferzeit
schon als ein anständiges Besitztum ^ Denselben Eindruck erhält man aus
den Schenkungen des 10. und 11. Jhs. ; damals war eine Gabe von 100
bis 150 Hufen schon eine entschiedene Seltenheit^.
Wie stellen sich zu diesen Klostergmndherrschaften diejenigen des Laien-
adels? Die hier in Betracht kommenden Nachrichten aus älterer Zeit sind
leider sehr spärlich, lassen aber doch immerhin erkennen, dafs das Besitztum
der weltlichen Aristokratie der Durchschnittsgröfse nach hinter dem der geist-
lichen zurückstand. Vielleicht deutet eben dies auch die oben citierte Stelle
der Kudrün an. Dreihundert Hufen bildeten nach Ausweis des Mettlacher
Urbars den Besitz eines mittleren Klosters — dem weltlichen Epos erscheint
das als reiche Ausstattung. Jedenfalls begünstigen die Nachrichten des 9. Jhs.
eine solche Anschauung. Wir finden hier kleinere weltliche Grundherrschaften
zu etwa 50 und 20 Hufen und mit einem Betriebsstamm von 70 und 35
Hörigen als das Gewöhnliche^; bessere Freie, Priester u. dgl. besitzen etw^a
bis 300, einem mittleren 1000—2000, einem grofsen 3000 — 8000 Hufen zuweist, "hat damit
doch AYohl zu hoch gegi"iffen.
1) Im Einklang mit dieser Anschauung stehen die Urbare kleiner Klöster aus dieser
Zeit. Vgl. z. B. das Urbar von Retters bei Guden. CD. 3, 791—793, 1191: hec sunt bona
et reditus in Rethres: ibidem terra unius aratri et prata et silva cum pascuis et decursibus
et molendinum cum omni re. in Bidinowa census 5 unciarum et duo prata cum omni iure,
in Hornowa vinea una et terra unius aratri, et 4 prata et silva cum omni iure, in Crufdelo
terra unius aratri et due curie et 4 vinee cum omni iure, in Marbotdesheim 2 vineas et
census 5 s. in Hartbach census 10 s. ecclesia in Dornheim cum omni iure et pertinentiis.
in Liderbach 2 vineas et 4 iugera agri. in Sulzbach 3 curias et hubam unam, quam emit
Gerhardus de Eppenstein 33 mr., cum omni iure, in Sualbach census 5 s., vineam 1 et hubam
1 cum omni iure, in Lutdenbach vineam 1 et pratum et silvam. in Meinboldeshagen vineam
1 et agros unius aratri et silvam, cum omni iure, in Hecgestat 2 mansos cum omni iure,
in Steinbach 3 curias et terram unius aratri et pratum 1 cum omni iure, in Stirstat dimidiam
hubam cum omni iure, in Rendele census 10 s. in Hapreshoven census 16 s., ibidem etiam
census 5 s. in Crufdelo apud Roggenberch hubam 1. in Sirnbach census 3 s. In Beren-
bnmnen census 10 s., et 5 s. ibidem, in Nuwenhagen 4 vineas. in Soden vineam 1.
2) Vgl. Adalb. V. Henr. imp. 4; Not. de syn. Francof., MGSS. 4, 795 Note 11; Cod.
Udalr. 7, 1007; Chron. Bern. 1094, MGSS. 5, 458, i. Vgl. dagegen MR. ÜB. 1, 307, 1036:
der Trierer Vogt Thifrid schenkt an das Stift 12 Hufen, und zwar: zu Michelbach Kr. Merzig
(sub comitatu Bezelini) 5 obas in pratis silvis cultis et incultis arvis [Beyer: aviis] et inviis
et quarta parte molendini, in Born (?) b. Mombach (Luxemburg) 2 Hufen in pratis silvis arvis
cultis et incultis, in Zendscheid (?) Kr. Prüm [lies Cinsceiht st. einsceiht bei Beyer] 1 Hufe,
in Rode (wo?) 4 Hufen.
^) MR. ÜB. 2, 14, 808 — 812: Henricus schenkt an Echternach in pago Muslense in
diversis locis hoc est in Wisse sive Brunike et Fedrich et Lefankin et quicquid in parte
ista Roni fluminis habuit . . et mancipia 70 utriusque sexus. Mit dieser Nachricht hat die
Urkunde für Prüm MR. ÜB. 1, 110, 868 vieles Ähnliche. S. ferner MR. ÜB. 1, 59, 831:
Liudold besitzt in Oos (villa vel marca ipsius ville) Güter cum domibus aedificiis mancipiis
desuper mancntibus . . . pratis silvis pascuis stirpis aquis etc. Die Mancipien Averden ge-
— 705 — I^iild- ^' Grofsgrimtlbesitzes.]
ein Z(^hiitel dieser Ausstattung ^ : sie stehen mithin ungefähr den einfachen
rfiirrkirchen gleich^, soweit sich diese nicht durch eine Anzahl geringer und
lokal meist sehr zerstreuter Schenkungen zu vollen kleinen Grundherrschaften
aufgeschwungen haben ^.
Natürlich ist nach der Gröfse der Grundherrschaften deren räumliche
Ausdehnung sehr verschieden. Neben ausserordentlich weitgreifenden grofsen
Herrschaften, wie sie durch die Karten 10 — 13 des zweiten Bandes ver-
anschaulicht werden und aus einer Reihe anderweiter Angaben des zweiten
Bandes* erhellen^, stehen eingeschränktere kleine Grundherrschaften, deren
Teilbesitz nur über wenige Qnadratmeilen verstreut ist, wie deren oben S. 702
einige aufgeführt sind.
War so die geographische Ausdehnung der Grundherrschaften vornehmlich
ihrer Gröfse nach eine sehr verschiedene , so lassen sich , was die lokale In-
tensität des Besitzes, sein dichtes und kompaktes Zusammenliegen auf kleinem
Räume angeht, Unterschiede zwischen gröfserem und kleinerem Besitze kaum
bemerken — nur scheint der weltliche Besitz von etwas festerer Bildung
gewesen zu sein als der geistliche. Das Charakteristische aber im allgemeinen
ist eine ungemein zerstreute und lockere Schichtung des Grundbesitzes, wie sie
beim geistlichen Besitz durch den Schenkungserwerb, beim weltlichen Besitz
durch die Schutzmutungen bedingt wurde. So finden sich z. B. die 50 Morgen
einer Grundherrschaft des 9. Jhs. mit 25, 13, 6, je zwei und je einer Hufe in
7 Orten zerstreut; und die 17 Hufen einer anderen liegen in 2 Grafschaften,
nannt, es sind 17 männliche, 18 weibliche. Urkunden, welche eine Berechnung der Hufen-
zahl gestatten, s. MR. ÜB. 1, 68, 842; 93, 856.
1) MR. ÜB. 2, 21, 835, Wintar schenkt an Echternach in pago Surense [Sauergau] in
villa que dicitur Ossewilre [Osweiler] casam indominicatam cum curte et exitu et omni super-
posito suo. de terra salica phis minus iugera 30, de prato vero ad carr. 30, et de vineis inter
Steinen! et Treverim pedituram 1, mansum ingenuilem 1 serviles 2, cum omnibus adiacentiis
suis in terris pratis pascuis silvis aquis aquarumve decursibus totum et ad integrum, quicquid
in marca prefate vilhüe aliquando visus fui habere vel possidere, mancipia vero 4. Osweiler
^/2 Ml. ssö. Echternach, Steinheim an der Sauer ^U St. unterhalb Echternach, gut IV2 Ml.
in der Luftlinie von Trier. MR. ÜB. 2, 27, 864—5; der Priester W. schenkt an Echter-
nach in loco nuncupante Edingen sive Wis [Edingen und Weis an der Sauer und an
der Niems ^U Ml. voneinander entfernt] mansos 4 et quicquid ibidem visus sum habere, i. e.
casam indominicatam cum 2 mansis edificiis curtis pratis vineis pascuis aquis aquarumve
decursibus ingressibus et exitibus vel mancipiis.
2) S. oben S. 656.
3) Vgl. z. B. MR. ÜB. 1, 77, 847; 105, 866; 104, 871.
*) S. 698, 720, 729.
^) Eine weitere Vorstellung von der Ausdehnung der Grundherrschaften giebt auch das
Verzeichnis der fremden an der Mosel vertretenen GrundheiTschaften, oben S. 133 Note 3.
Man vgl. auch, was Bruno de b. Saxonico 37 über den Laienadel sagt, welcher Giiter aufser-
halb Sachsens besitzt. Wie lange sich solch weit entfernter Besitz hielt, zeigt für Molesmes
Arch. CleiTaux 1, 463, 1371, für Bamberg CRM. 5, 202, 1592.
[Wirtschaft d. Grofsgriindbes. — 706 —
4 Höfen und 13 verschiedenen Orten ^ Um 1045Miegt ein Praedium auf dem
Raum von etwa ^U Quadratmeile in 5 Orten; im J. 1103^ befinden sich die
Pertinenzen des Hofes Treis an der Mosel in 11 bis zu 4 Meilen weit ent-
fernten Dörfern ; und nach dem WFalkenstein vom Jr 1635 gehören zum Falken-
steiner Hofgeding Leute aus 18 zum Teil recht weit entfernten Ortschaften.
Zieht man nun in Betracht, wie äufserst zahlreich die Grundherrschaften
waren — gab es doch an einem Ort wie Sinzig allein 7 Rittersitze, und hatten
doch an der Mosel allein 78 fremde Grundherrschaften bis zam 13. Jh. Fuss
gefafst'* — , so begreift es sich, dafs die Pertinenzen aller dieser Grundherr-
schaften im buntesten Wechsel durcheinander lagen, so dafs an manchen Orten
nicht blofs einige, sondern bis zu einem Dutzend verschiedene Grundherrschaften
vertreten waren ^. Damit nicht genug: die ursprünglich durch Schenkung
oder sonstwie ansässig gewordenen Grundherrschaften konnten durch Teilung
weiterhin zerfallen*^: es konnten geradezu ganze Stämme in zweiter Linie in-
folge Teilung participierender Grundherren entstehen. So schildert, um ein
spätes und vollentwickeltes Beispiel zu wählen, eine *Aufzeichnung des Arch.
Maximin. 8, 786 den Bestand zu Losheim im Hochwald während des 17. Jhs.
folgendermafsen :
Abteilung der vier gemeiner herren zu Loisshem.
^ r,, ,, . . (St. Maximin helt diesen
1. St. Maxnmn <^ ^ n • •
I stammen alleinig.
Wasserburg participirt 2 mir.
^ , . , Die Foncken von Heistorf modo Michiels erben 6^/2 mir.
Bübin'^'en <
"^ ^ Reumont und Kersten 2 mir. zusammen.
Der von Haussen und Steinbach 2 mir.
1. Nassauw der graf participirt 5 mir.
o ^ ■ I 2. Vrssperg 5 mir.
3. Urban von Emmel modo reverendissimus elector Tre-
verensis participirt 3 mir.
, -r „ ,;r . T^ . f 1. Der churfürst participirt 14 mir.
4. Jungn-auw Marei von Berriss <^ r» t^ n i • ^ j- t --^1^1
I 2. BellenhaussenjetzdieJesuiterl4mlr.
1) MR. ÜB. 1, 68, 842; 93, 856; dazu oben S. 702.
2) MR. ÜB. 1, 325.
3; MR. ÜB. 1, 407.
*) S. oben S. 660, 133 Note 3.
5) S. oben S. 135, 481. Nach v. Maurer, Dorfv. 1, 10 gab es in Trochtelfingen
(Schwaben) 7 verschiedene Grundherren, 5 Schlösser. Andere noch schlimmere Fälle s. G.
der Fronhöfe 3, 97—100.
^) Töpfer 1, 86 u. 87, 1284: Teilzettel der Brüder Johann und Nikolaus Vögte von
Hunolstein, über die Erbteilung des grofsgrundherrlichen Besitzes zu Prosteroth und Lenzuren.
Ein Hof mit seinen hereditates in Prosteroth wird u. a. auch geteilt. Eine Vereinfachung
dagegen erstrebt CRM. 5, 282, 1781: Vertrag zwischen Kurtrier sowie Pfalz-Zweibrücken
wegen der Grafschaft Sponheim und dem Grafen von Metternich als Herrn zu Winnenburg
und Beilstein über die Teilung des gemeinschaftlichen dreiherrischen Gebietes.
— 707 — ßj^^^- <i- GrofsgrimdbesitzesJ
Es braucht kaum betont zu werden, wie sehr diese allgemeine geo-
graphische Ausdehnung der Grundherrschaften im Verhältnis zu ihrer Gröfse,
diese lokale Zerstreuung des Landeigens in kleinen Stücken durch viele Dörfer,
endlich vielleicht gar wieder die durchgehende Teilung dieser Stücke auch
schon in früher Zeit den Verwaltungsgang des Besitzes aufs aufserordentlichste
erschweren nmfsten.
Es fällt das um so mehr ins Gewicht, als sonst manche Umstände einer
strafferen Organisation zu Hilfe konnnen konnten. So die noch lange an-
dauernde leichte Veränderlichkeit des Ausliaues infolge der Aufnahme jung-
fräulichen Bodens, ferner der durchgängige Bestand der Hufenverfassung, welche
für jeden Aufbau einer weiter reichenden Verwaltung eine genügende, übrigens
darum auch von den Grundherren thunlichst lange festgehaltene^ Grundlage
bot. Aber freilich, diesen günstigen Verhältnissen stand, auch abgesehen von
der Lage des Grundbesitzes, noch eine grol'se Reihe ungünstiger Verhältnisse
gegenüber. War die Hufenverfassung für die grundherrliche Organisation von
Vorteil, so widersprach ihr in gleicher Richtung die alte Autonomie der Mark-
gemeinde in Agrarsachen; und waren die Kulturen noch leicht im Dienste
einer gröfseren Verwaltung veränderungsfähig, so waren es um so weniger die
Lasten und Pflichten und damit auch die Thätigkeiten der grundhörigen Hufen-
inhaber. Dieser letztere sehr wichtige Punkt bedarf noch näherer Erörterung.
Zu seinem Verständnis mufs von der Thatsache ausgegangen werden, dafs
im Gebiete des fränkischen nicht wie etwa in dem des alemannischen oder
baiuwarischen Rechts die Lasten des Unfreien bezw. späteren Grundholden
durch Gesetz einheitlich fixiert waren. Vielmehr wurden hier, wie später auch
im Bereich anderer Volksrechte, diese Lasten von vornherein von Fall zu Fall,
je nach Gelegenheit und Laune fixiert. Im grofsen und ganzen waren daher
die Inhaber grundhöriger Güter schon bis zum Schlufs der Karolingerzeit mit
bestimmten, von einander sehr abweichenden Leistungen belastet. Was ge-
schah nun, wenn derartige Inhaber mit ihren Gütern in den Verband einer
gröfseren Grundherrschaft neu eintraten ? Nur in den allerseltensten Fällen kam
es zu einer Abänderung der einmal bestehenden Lasten im Sinne einer Uni-
fikation mit den Leistungen der schon innerhalb der Grundherrschaft am gleichen
Orte befindlichen Hörigen^: — durchaus gewöhnlich blieb alles beim alten ^.
Grund hierfür war, dafs die Übertragungen von Grundhörigen ganz regelmäfsig
unter der bestimmten Bedingung der Beibehaltung der bisherigen Belastung statt-
1) S. oben S. 124, 347.
2) Ich kenne nur einen Fall, MR. ÜB. 1, 272, 993—996: Irminard schenkt an SMaximin
sein Gut zu Heisdorf in Alzigthal; mancipia quoque, que trado, et posteri eorum, si in eadein
villa sederint vel nupserint, tali libertate et servitio perfruantur, sicut cetera confessoris
Christi [sc. Maximini] inibi manens familia. si qui vero foris nupserint vel manserint vel
alias vagati fuerint, unusquisque eorum in festivitate sancti Maximini persolvat unam denariatam
cere pro remedium [!] anime mee.
3) Vgl. dazu Waitz, Vfg. 5, 208 f., 215.
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 708 —
fanden ^ Aber man hätte gleichwohl nach der Übertragimg ändern können!
Auch diese Änderung ging nicht an, weil ihr das Weisungsrecht der Hofgenossen-
schaft, in welche der übertragene Hörige eingetreten war, entgegenstand: die
Genossenschaft wies die Verhältnisse auch der neu rezipierten Hörigen, also
auch die Qualität ihrer Zinsbarkeit als ihr unverbrüchliches materielles Recht ^,
So war jede Unifikation der Leistungen ausgeschlossen, auf welche sich ein
Fortschritt in der Arbeitsteilung und Arbeitsvereinigung innerhalb des gTofs-
grundherrlichen Betriebes hätte aufbauen können — nur der 6ine Ausweg der
Unifikation der Zinse durch Reduktion auf Geld blieb übrig. Allein auch er war,
sehen wir selbst von dem Hindernis noch naturalwirtschaftlicher Zustände ganz
ab, nicht praktikabel. Der Grundherr w^ollte nur in der Münze ablösen, welche
an seinem Wohnsitze galt^: das war aber oft, ja zumeist nicht die am Wohn-
ort der Grundhörigen geltende Münze : was blieb übrig, wollte man nicht stets
Unbequemlichkeiten und Kursverluste haben, als auf die Ablösung zu ver-
zichten ?
Die Folge war, dafs die grundhörigen Leistungen thatsächlich nicht ab-
geändert, noch viel weniger aber unifiziert wurden; wie der Zufall es gefügt
hatte, so blieben sie bestehen, vielfach anormal, ungleich lastend, unpraktisch,
und jedenfalls jegliche höhere Organisation des technischen Betriebes hindernd^.
1) S. die schöne Stelle in MR. ÜB. 1, 29, 775, cit. Bd. 2, S. 650 Note 3. Lac. ÜB.
1, 34, 68, 864 werden Unfreie an das Kloster Gerresheim bestimmt, mit der ausdriicklichen
Anordnung, es solle niemand jemals wagen iura mancipioriim permutare. MR. ÜB. 1, 179,
943: der Edle Gozlin schenkt das Dorf Hunsdorf an SMaximin, sie autem . . , ut olim fuit
tradita Gozlino a quodam viro nomine Yolmaro. MR. ÜB. 1, 206, 960: Schenkung von
Besitz in Mamern an SMaximin; familia quoque predicti loci eisdem legibus, quibus ab
antiquitate vel sub parentibus meis vel etiam me subiecta fuerat, utatur, nee aliis gravioribus
subdi cogatur. Hierzu vgl. unten MR. ÜB. 1, 380, 1084 den Ausdruck lex antiqua. MR.
ÜB. 1, 210, 962: Schenkung eines praedium an SMaximin; familia quoque ipsa in servitio
et censu, quo a parentibus meis vel a me habita est, in eodem permaneat. MR. ÜB. 1, 341,
1053: Schenkung eines predium . . in marcha cuiusdam ville (Leiwen) unter der Bedingung,
ut ad idem predium pertinens familia non ad ampliorem quam antehac censum cogatur.
Lac. ÜB. 1, 156, 242, 1079—89: Mancipien geschenkt eodem videlicet solvendi census
iure eodemque tlebite conditionis servitio, wie bisher. MR. ÜB. 1, 580, 1084: Erzbischof
Engelbert restituiert Platten an Oeren, villam P. cum banno et lege antiqua et cum omni
utilitate, solos dumtaxat servientes hereditales in obsequium archiepiscopi excipiens, . . reddidi.
ÜlMettlach Xo. 14, ?Serrig 10 c, 13. Jh. Anf. : Reginwiz de Losma tradidit sancto Liutwino
in Zuringa mansum et dimidium in eo ipso iure, quo ipsa tenebat. Folgt genaue Zins-
heschreibung.
2) Ygl. Bd. 2, 648 Xote 2; 655; 663. WWallersheim, G. 2, 535: wanehe ers also
empfänglicher band hat, so sol ers gebrauchen vor sein eigen erf, und niemand sol ihme
den dienst höken; und wie viel erbs er auch hat, und das also zu geprauchen, so lang
er lobt.
"") Ygl. Bd. 2, 381.
^) Ygl. z. B. in ÜlMettlach No. 7, Tincrey 15 c, das starke Schwanken der Abgaben
der einzelnen Hufen. Vor allem aber ist hier, aufser Bd. 2, 101, die Tabelle Bd. 2, 188 ff.
zu konsultieren, über verschiedene Zinsbelastung des Normalgutes s. auch Kiister S. 45.
— 709 — l^il^^- ^^- Grofsgrundbesitzes.]
Es ist also kein Zufall, wenn man mit dem vollen Emporkonnnen der Grund-
heiTSchaften keineswegs eine Differenzierung der einzelnen Betriebe unter der
Idee einer gröfseren Arbeitsteilung* innerhalb des Gesamtumfanges einer be-
stinnnten Grundherrschaft bemerkt ^ ; vielmehr ist überall das Gegenteil wahr-
zunehmen-. Die grofsen Landwirtschaften der frühesten Zeit für Rindvieh-
und Schafzucht schwinden^; der Flachsbau verliert sich bis zum Untergang
der alten technischen Bezeichnungen*; übrig bleibt einzig der Körnerbau.
Keine Durchbildung, eine Verödung der landwirtschaftlichen Betriebe ist die
nächste Folge der Grofsgrundherrschaften. Und auch späterhin war ihr Einflufs
auf diesem Gebiete gering. Die einmal rezipierte Zahl der Frontage ver-
hinderte lange eine Vermehrung der Furchen ^ ; der ganze, auf Grund materieller
Rechtsweisung geordnete Betrieb gestattete keinen Fortschritt. Darum son-
derten sich Betriebe, welche desselben dringend bedurften, wie der Weinbau,
sehr bezeichnenderweise eben aus der gemeinen grundherrlichen Wirtschafts-
organisation aus^.
Blieb aber so die Grundherrschaft für die technisch-landwirtschaftliche
Entwicklung ohne viele segensreiche Folgen, so gelangte auch die obere Ver-
waltung nicht zu einer unverbrüchlichen und straffen, auf wohlgeordnetem
gegenseitigem Eingreifen der einzelnen Glieder beruhenden Organisation. Der
Grund ist hier, abgesehen von der zerstreuten Lage und dem eigentünüichen
Charakter des Gmndbesitzes , namentlich auch in den evdgen, teils unver-
schuldeten, teils selbst veranlafsten Störungen des einmal errungenen Besitz-
standes und der öffentlichen Ruhe zu suchen, unter welchen besonders die
geistlichen Institute litten.
Sieht man von dem Einflufs der allgemeinen Landeskalamitäten, besonders
grofser verwüstender Kriege al), wie sie Deutschland gerade nach der vollen
Formation des Grofsgrundbesitzes in der 2. H. des 9. und der 1. H. des 10. Jhs.
heimsuchten'^ und für Laienadel wie Kirche wohl ziendich gleich verderblich
waren, so hat die Kirche namentlich unter der gesetzlich geregelten Säkulari-
sation oder einfachen Wegnahme ihrer Besitzungen bis ins 12. Jh. hinein
^) Das gilt zunächst für die grimdhörigen Hufen, bleibt aber auch für die eigene Sal-
wirtschaft richtig, da diese meist auf Beunde- d. h. Kodeland stattfand.
^) Das, was v. Inama, Grofsgrundh. S. 80 f., über die steigende Spezialisierung der
Dienste und Abgaben, und besonders über die freie Wahl der Wertform der Leistungen
durch die Grundhörigen, über Beschi'änkung der Dienstpflicht, Gewährung von Saatgetreide
und Ausstattung der Zinsgüter mit Inventar ausführt, kommt nur ganz singulär vor und
hat keine durchschlagende Bedeutung für eine einheitlichere Organisation der Grofswirt-
schaft gehabt.
3) S. oben S. 698.
*) S. oben S. 563.
•5) S. oben S. 558, 560.
^) Vgl. z. B., aufser weiter unten in Teil 3 dieses Abschnittes, USMax. S. 443, 445;
dazu auch oben S. 575.
"') Für die Normannen vgl. z. B. Trad. Wizenb. 298, für die Ungarn V. Uodalr. 1,
MGSS. 4, 287.
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 710 —
schwer zu seufzen gehabt. Zwar die Säkularisationen der frühen Karolinger-
zeit ^ wie die Zustände um die Wende des 9. und 10. Jhs., welche durch Ver-
leihung oder Veräufserung ganzer Abteien charakterisiert sind 2, fanden seit
der Ottonenzeit kein Analogon mehr, nur selten wird späterhin wenigstens im
Moselland von ähnlichen Mafsregeln berichtet^. Aber die Wegnahme einzelner
1) Ich habe hier auf dieselben nicht genauer einzugehen; in Trier wurde Kirchengut
nach 753 eingezogen, vgl. Roth, Feud. S. 89.
2) Vgl. G. abb. Lob. 15, MGSS. 4, 61, 885; G. ep. Leod. 2, 19, 889, dazu die Note in
MGSS. 7, 200; für unsere Gegend speciell s. Sigeh. cap. 1, § 10: temporibus Arnulfi im-
peratoris cum iam in hoc loco religionis proh dolor Status haud minima ex parte laberetur
. . defuncta monasterii abbate Herkemberto monachi pro electione abbatis palatium ex more
competunt: quibus cum peccatis exigentibus electio non permitteretur , sequestratis aliquibus
monasterii possessiunculis, quae vix arctam monachis sustentationem potuissent praebere,
cuidam Megingaudo regni huius duci, qui tunc forte aderat, abbatia ab imperatore donata est.
Ferner ebd. § 12: post memoratum Megingaudum potestatibus et usibus huius regni ducum
abbatia subiacuit, his tantum exceptis, quae fratrum sustentationi dudum sequestrata fuerant:
quae tamen ipsa (sicut et adhuc) eorum defensioni a regibus committebantur. qua ex causa'
. . Gisilbertus admodum iuvenis dux . . monachos huius monasterii etiam vehementer afflixit,
ea scilicet, quae in usus eorum cesserant, adimens suisque satellitibus dispertiens.
^) Zu späteren Verleihungen vgl. den Libellus de lib. eccl. Eptern., MGSS. 23, 65,
1192. Fiir die Frage der Säkularisation liegt besonders der bekannte SMaximiner Fall vor,
vgl. dazu Waitz, Vfg. 8, 129 Note 1 (oben S. 703 Note 3); auch MR. ÜB. 1, 300, 1023; 306, 1035;
sowie den wichtigen Brief K. Heinrichs aus der Zeit des Erzbischofs Bruno (1102 — 1124) in den
Bonner Jahrbb. 39—40, 287. Im übrigen mag der Vorgang hier in der bisher noch unbekannten,
freilich urkundlich bekannten Quellen entnommenen Darstellung Scheckmans in seinem *Spec.
feud. wiedergegeben werden: in calce opusculi specularis feudorum non dissonum videtur
bonorum quorundam alienationem ceu feudalem collationem subnectere, quorum nonnulla per
imperialem caesaree maiestatis celsitudinem, nonnulla per abbatem huius loci imponuntur. inclito
igitur Henrico rege quidera secundo imperatore autem primo sacri Romani imperii monarchiam
administrante abbas huic cenobio prefuit Haricho vir admodum venerabilis. qui senio confectus
cum imperatoriis servitiis domi militieque inservire inque expeditionem ire non potuisset, in
heneficium ab eo accepit Imperator predictus quasdam curtes et territoria scilicet sex mille
sexcentos quinquaginta sex mansus, quos a monasterio alienans quibusdam fidelibus suis Henrico
duci, Ezzoni palatino comiti necnon Ottoni comiti (qui nihil eatenus ab imperio feudaliter" habuerant)
ea ratione divisit et assignavit inque heneficium tradidit, ut ipsi eorumque successores pro eodem
abbate et eins succedaneis abbatibus curiam regalem peterent et in expeditionem irent, abbas
vero suique successores a regia curia et ab omni expeditione, quemadmodum abbas de
sancto Willibrordo, essent omnino liberi, nisi ad generale concilium sive colloquium in
Mogontiam, Coloniam, Metis aliqua magna necessitate cogente invitarentur. utque gratiam
refundere videretur ac vicem rependere reciprocam, timore dei et amore iustitiae tactus
necnon rogatu reverendissimorum archipresulum divi Popponis Treverensis, Austrie marchionis,
Aribonis Moguntinensis ac Pilgrini Coloniensis servitium, quod imperatorie seu regali
magnificentie hactenus ab hac abbatia in secundo semper anno persolvebatur, pro eisdem
bonis et possessionibusque inde abstulit [et] deo sanctisque loanni et Maximino cuhctisque
inibi abbatibus futuris remisit, cavens et mandans cunctis succedentibus imperatoribus , ne
unquam predictum servitium exigerent aut repeterent, nisi ea bona ex integro redderent.
utque hec preceptio et constitutio pleniorem obtineret firmitatem, non solum proprii sigilli
münimine roboravit, verum etiam apostolica auctoritate per sanctissimum patrem dominum
Benedictum papam corroborari promeruit; insuper Conradus Imperator Henrici memorati
J
— I 711 — Büd. (1. Grofsgrundbesitzes.]
Bositztcilo geistlicher Institute blieb immer an der Tagesordnung. Schon die
Bischöfe konnten bei ihrer de iure noch immer bestehenden Verfügungsfreiheit
über den gesamten Kirchenbesitz der Diöcese sehr leicht auf den Gedanken
kommen, einzelne Klostergüter an sich zu ziehen; für unsere Gegend liegen
Fälle noch aus dem 11., ja noch aus dem Beginn des 12. Jhs. vor^; nur die
Furcht vor dem mit geistlichen Verwünschungen gemischten Klaggeschrei der be-
troffenen Institute verhinderte wohl häufigere Eingriffe ^. Neben den Bischöfen
aber zeigte der Laienadel eine ausgeprägte Vorliebe namentlich für klöster-
lichen Grundbesitz. Kann man die nicht selten in Anspruch genommene Dis-
position des Königs über Reichsabteigut noch juristisch rechtfertigen, wenn sie
gleich von den betroffenen Instituten als grober Eingriff empfunden wurde
und gewifs vor einer billigen Beurteilung bisweilen nicht bestehen konnte^,
so war doch die sei es mit sei es ohne königliche Erlaubnis überall am
Kirchengut nagende Habsucht der Fürsten und auch des tiefer stehenden Adels
vornehmlich gefährlich. Denn während die königlichen Eingriffe in das Kirchen-
gut allmählich aufhörten und nach dem Investiturstreit nahezu wegfielen,
dauerten die Angriffe seitens der Grofsen fort und verpflanzten sich, je weniger
das Reich der Aufgabe der Friedenswahrung gerecht wurde, auf um so weitere
Kreise auch des niedern Adels ^.
successor ideni preceptum ratificavit approbavit confirmavit et innovavit; item Henricus
tertius quartus Imperator similiter laudarunt innovarunt atque confirmarunt et alii post eos
imperatores regesque.
*) S. das Verzeichnis der SMartin entrissenen Mobilien und Immobilien, um 1000,
Trierer Stadtbibl. 1413 S. 31—39, gedruckt Bonner Jahrbb. 44, 168, vgl. Bd. 2, 723; G. Trev.
1114, MGSS. 8, 195, is: Erzbischof Bruno ut . . militum interminatae habendi cupidine
muneribus et beneficiis potuisset satisfacere, non solum clericorum et laicorum bona diripiebat,
verum etiam ecclesiarum villas et curtes . . sed et ornamenta preciosa et vasa concupiscibilia
tam aurea quam argentea in suos usus redigtbat, et exinde expensas faciens humanos
in se favores concitabat; nichil enim ei laude fuit in vita dulcius. Vgl. auch Arnold, de
s. Emmeram. 2, 57.
^) Vgl. z. B. das Note 1 citierte Verzeichnis: hac premissa excommunicatione apostolici
viri, qui vicarii functus officio apostolorum principis Petri meruit quoque similiter sortiri
sententiam ligandi, nulli dubium constat, ligatos et dampnatos fore, qui consensu vel actu
vel quolibet modo sanctuarium dei, bona videlicet ecclesie sancti Martini, velut hereditario
iure non timuerunt invadere, invadendo miserabili et inrecuperabili despoliatione annulare
[S. 32]. isti siquidem maiores penas solvent in anima, quam Ananias et Saphira in corpore,
qui in actibus apostolorum proprii census fraude notati leguntur exspirasse. si enim has
pro denegatione sue proprietatis tam valida dampnat mortis sententia, quanto magis iudicabit
reos ultio divina, qui sibi usurpasse videntur ecclesie bona, verum ne id lateat posteris
et etiam scire cupientibus, quibus bonis idem locus sit destitutus, summo arbitri et omnibus
eins fidelibus taliter contigisse revera conquerentes gemendo exponimus. Folgt die Erzählung.
") Vgl. z. B. MR. ÜB. 1, 382, 1082—84.
*) Vgl. V. Wiborad. 25; Ann. Weifsenb. 985; Stumpf, Acta imp. No. 210, 950;
Lambert z. J. 1064; *H. Brandanus Annales imp. Mon. Prumiensis Trier Stadtbibl. Ifde.
No. 1710, Bl. 7 a: Wolframus [abbas] Henricum comitem de Limburg ad restitutionem
dominii de Pruntzfelde anthe Henr. 4. imp. anno 1101 compulit, ac tandem, cum possessiones
[Wirtschaft d. Grofsgmudbes. — 712 —
Zugleicli aber nahm die Restitution von Kirchengut ab, wie sie nicht
selten stattgefunden hatte, solange die Königsgewalt noch stark war. Zwar
hatten die kirchlichen Institute von jeher alle Mittel, welche ihnen in geist-
licher Beziehung zu Gebote standen, in Wundern und Träumen, in Warnungen
und Verfluchungen aufgeboten, um das ihnen entrissene Gut wiederzuer-
langen^; und gleichen Sinnes mit ihnen waren die Bischöfe namentlich der
klösterlichen Reformzeit in der 2. H. des 10. und der 1. H. des 11. Jhs.
thätig^. Indes mehr doch als die geistlichen Kampfmittel der Kirche ver-
mochte auf diesem Gebiete der Machtspruch des Kaisers: in frühester Zeit
von kaum bezweifelter Geltung büfste er indes seit dem 12. Jh. an Kraft ein
oder wurde wenigstens nicht mehr vernommen^.
monasterii viriliter contra invasores defendisset et frugah oeconomia notabiliter augmentasset^
foehciter anno admm. suae 26, incarn. 1101 obdormivit. Vgl. ferner MR. ÜB. 1, 452, 1125;
Ennen, Qu. 1, 506, 45, 1134; 508, 46, 1134; MR. ÜB. 1,580, 1154 über SMatheis: ecclesiam
illam, quam maHcia raptorum attritam et attenuatam condokümus; Cardauns, Rhein. Urkk.
21, S. 366, 1187; Lehnsbuch Werners IL von Boland S. 18; Ennen, Qu. 2, 164, 197, 1239.
1) Vgl. V. Wiborad. 25; G. Witigow. v. 103 f.; s. auch MR. ÜB. 1, 366, 1067, Ur-
kunde Herzog Gerards von Lothringen : reddidi aecclesiae sancti Willibrordi alodium quoddam
in viUa Heinga, quod possederam in beneficio ex regno.
2) Vgl. aufser oben S. 676 Note 2 G. Trev. Cont. 1, 22, MGSS. 8, 196: Erzbischof
Egbert (1079 — 1101) inito consilio cum optimatibus suis . . huiusmodi verbis eos compellebat:
obsecro vos per misericordiam dei, dilectissimi filii mei et fratres, quicquid ego et antecessores
mei episcopi sanctorum huius loci iniuriae violentia magis quam ratione irrogavimus, vos me
commonefacite , et ego restituam . . . quod cum placuisset omnibus, discretis cuique loco
reditibus, banni constrictione firmavit, ut qui deinceps inde subtraheret, deum praesumptionis
suae ultorem sentiret. et responderunt omnes: amen, ubi vero Egilbertus spiritum reddidit
et Bruno ei in episcopatu successit, universa, quae ille resignavit, iste resumpsit, dicens,
nichil exinde ratum esse, quod ille infirmus et iam suimet inpotens in novissima vitae suae
hora constitutus fecerit. Erbischof Egbert erscheint in der That als Restaurator des Trierer
Kirchengutes. Die Aufzählung des geringen Überrestes von Gütern der Abtei SMaria-ad-martyres
in einer seiner Urkk. (MR. ÜB. 1, 244, 973), die Schilderung der Verwüstung von SPaulin
(MR. ÜB. 1, 255, 981) zeigt, wie tief Klöster und Stifter gesunken. SPaulin erhält trotz
aller Anstrengungen des Erzbischofs kaum den zehnten Teil vom Werte seiner alten Be-
sitzungen zurück, alles andere bleibt in Laienhänden. Daher der priesterliche Eifer Egberts
gegen die potentes et rebelles personae (MR. ÜB. 1, 255, 981). In dieser Urk. heifst es
unter den Zeugen Signum benignissimi Ekeberti Treverensis archiepiscopi. Vgl. über den Erz-
bischof Lamprecht in den Bonner Jahrbb. 70, 56, auch Invent. s. Celsi 1, 6, sowie eine
*V. Egberti in den Bollandistenpapieren zu Brüssel Burg. Bibl. 8969, vgl. (Altes) Archiv 8,
524. — Auch der Erzbischof Dietrich I. (965—977) war als Restitutor sehr thätig, s. Invent.
s. Celsi 1, 7: conprovincialium tjTannidem aequus arbiter auctoritate compressit, et omnia^
quae monasteriis hostili fuerant invasione subtracta, manu potestativa undecumque recollegit.
^) Eine Restitution liegt schon c. 885 vor, vgl. G. ep. Virdun., MGSS. 4, 45. Den
Kaiser finden wir thätig Flod. ann. 928, MGSS. 3, 378, i4 f.; Stumpf, Acta imp. No. 210,
950: Otto I. schenkt an SFlorin-Koblenz ein praedium, das früher dem Stift gehört hatte,
illisque fratribus ob infidelitatem (quorundam nobilium) direptum nostraeque potestati regiae
redactum. S. ferner MR. ÜB. 1, 334, 1051: K. Heinrich III. quandam villam vocabulo Prichina
[Brechen, von SMaximin] . ., quam nos cuidam A — i Theodericum abbatem iniuste pro beneficio
prestare iussimus, modo autem iustitia dictante eandem curtem cum omnibus in quibuscumque
— 713 — I^iW. d. Grofsgruntlbesitzes.]
Gerade um diese Zeit aber gedieh wiedeiuiu ein anderes System von
Besitzstörungen meist freiwilliger Natur zur vollen Blüte, dessen Ausbau seit
der Stauferzeit die alte obere Organisation der Grundherrschaften, die es stets
schon behindert hatte \ nunmehr völlig zu zerstören drohte: das Belehnungs-
wesen^. Freilich waren auch schon in ältester Zeit, unter den Karolingern,
Beneficien und prekarische Güter verliehen worden, deren Austritt aus der
Gesamtverwaltung jede ursprünglich einheitliche Organisation schädigen nnifste ;
indes diese Güter waren teilweis wenigstens nur auf Zeit verliehen worden^.
Wie anders jetzt. Seit dem 11. Jh. strebten die grofsen Grundherren nach
einer immer stärkeren Ministerialenmacht, welche nur durch dauernde Be-
lehnung zu erreichen und zu erhalten war*; der Durchführung dieses Zieles
wurde der Gedanke einer allseitigen Organisation des Grundbesitzes innner
mehr geopfert. Einzelne Mafsregeln ^ gegen diese Tendenz führten zu keinem
durchgreifenden Resultat : gegen Ende des 12. Jhs. sind die Grundherrschaften
mit einem für ihre Organisation und ihre Ertragsausbeutung nahezu wertlosen
Nimbus von Lehngütern umgeben^, und immer noch kommen zahlreiche
Überführungen von grundherrlichem Gut in die Kategorie des lehnsherrlichen
Besitzes vor. Diese Bewegung vollzog sich aber nicht blofs im kirchlichen,
sondern ebenso, ja vielleicht noch viel intensiver im weltlichen Grofsgrund-
besitz ^ : es ist klar, dafs sie jede weitsehende, auf lange Dauer und sorgfältige
Ertragsausl)eutung berechnete Organisation des Grofsgrundbesitzes teilweis
schon seit der Karolingerzeit, umfassend jedenfalls seit dem 12. Jh. verhindern
nuifste. Es wiederholt sich hier die bisher überall gemachte Erfahiiing : weder
Lage noch innerer Charakter noch auch anfängliche Entwicklungsgeschichte
des Grofsgrundbesitzes waren geeignet, die Basis einer hervorragenden, festen,
etwa gar stark centralisierten Organisation herzustellen.
Doch gab es eine Art von Grundbesitz, welche im Anbeginn, vor der
schon mit späterer Karolingerzeit beginnenden stärkeren Zerstörung, für eine
strannne Organisation und einheitliche Verwaltung ganz andere Aussichten bot,
als der weltliche und kirchliche Grundbesitz. Das war das Fiskalland, das
königliche Domanialgut. Es liegt hier ein bisher wenig beachteter Unter-
locis ad eam iuste et legaHter pertinentibus vel aspicientibus . . reddidimus. Vgl. ferner MR.
ÜB. 1, 434, 1116; 452, 1125.
^) Vgl. Roth. Feiid. S. 177, Guerard Irm. S. 902 über das numerische Verhältnis von
beneficiarisch verliehenen und nicht verliehenen Gütern bei kirchlichen Instituten.
^) S. u. a. Baumann, G. des Allgäus 1, 484.
3) Späte Fälle s. u. a. Chron. s. Mich. Vird. 8, MGSS. 4, 81, c. 960; Lac. ÜB. 1,
123-24, 192, 1057.
4) Vgl. z. B. V. Bald. Leod. 2; G. Trev. Cont. 1, 22, MGSS. 8, 195, um 1114.
5) Z. B. MR. ÜB. 2, 256, 1180—1209.
6) Vgl. beispielsweise den Libellus de lib. eccl. Epternac, MGSS. 23, 69-70, 1192,
auch die MR. ÜB. 2, 467 f. gedr. Feoda sancti Maximini 12.— 13. Jhs.
'') So verzeichnet das rheingräfliche Urbar im wesentlichen Lehnbesitz; die Rhein-
grafen sind fast von allen m.ittelrheinischen Grafengeschlechtern belehnt.
Lamprecht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 46
[Wirtschaft cl. Grofsgrundbes. — 714 —
schied vor, dessen Hervorhebung für das Verständnis der mittelalterlichen
Grundherrschaft, wie man sehen wird, von Wichtigkeit ist.
In der Mosel- und Mittelrheingegend gab es etwa 17 bis 20 alte Fiskal-
güter ^; sie lagen vornehmlich in den Flufsalluvien , doch kommt auch eine
ganze Anzahl derselben auf den Hochflächen, z.B. Flatten, Manderfeld, Schüller,
Thonnnen, Flammersheim auf der Eifel im weiteren Sinne, vor. Für die hier
zu beantwortende Frage kommen indes nur diejenigen Fisci in Betracht,
über deren lokalen Charakter und deren räumliche Ausdehnung Genaueres
überliefert ist. Diese aber bedürfen einer individuellen Untersuchung.
Gehen wir in unserem Gebiete den Rhein hinauf, so finden wir zuerst den
Fiskus Sinzig; gerade iil)er ihn sind wir besonders gut unterrichtet. Zunächst aus
einer Urkunde vom J. 762 ^, nach welcher Kesseling nebst dem Walde Meliere
zum Fiskus Sinzig gehört. Nun erstreckt sich aber der hier genauer beschriebene
Teil des Waldes Meliere die Ahr hinauf von Brück bis Leimbach dicht vor
Adenau. Mithin reicht der Fiskus Sinzig bis mindestens dicht vor Adenau,
d. h. etwa 5 Meilen das Ahrthal aufwärts ; der äufserste bekannte südwestliche
Punkt liegt in der Luftlinie 4 Meilen, das Dorf Kesseling 2^/2 Meilen von
Sinzig. Man kann hier einwerfen, der Fiskus sei auf dieser ganzen Linie kein
geschlossenes Territorium gewesen, Kesseling habe nebst dem Walde Meliere
eine abgelegene Dependenz von Sinzig gebildet. Dieser Einwurf erledigt sich
durch spätere Zeugnisse. Nach einer Urkunde von 1276^ gehören Königsfeld
und Heckenbach auch zum Fiskus Sinzig: ]3eide liegen aber fast genau auf
dem Endpunkte des ersten bezw. zweiten Drittels des Weges von Sinzig nach
Kesseling. Wird durch diese Urkunde die meilen weite ununterbrochene Aus-
dehnung des Fiskus Sinzig vom Rhein zu ins Land hinein erwiesen, so lehren
andere Nachrichten den Umfang am Rhein kennen * ; es erglebt sich, dafs sich
der Fiskus zu l)eiden Seiten des Ahrthals in einer Ausdehnung von über einer
Meile das Rheinthal entlang ausdehnte. Hat der Fiskus sich in nahezu
gleicher Breite ins Land hinein erstreckt, wie dies nach Lage des Waldes
Meliere und nach der Bodenkonfiguration wahrscheinlich ist, so umfafste er
im 8. Jh. ein zusammenhängendes Territorium von mindestens 4 bis 5 Quadrat-
meilen. Nun gehörte aber aufserdem wahrscheinlich zum Fiskus Sinzig ur-
sprünglich auch das vermutlich von König Zwentibold an Essen geschenkte
^) S. die Zusammenstellungen bei Hontheim, Hist. 1, 22 f., und Eltester im MR. ÜB.
Bd. 2 S. XXXYI.
2) MR. ÜB. 1, 15.
3) Guden. CD. 2, 964.
*) Lac. ÜB. 1, 535, 1192: in pago Connesdorp [Koisdorf] infra terminos de Sinzeke
constituto; Guden. CD. 2, 957, 1271: Verkauf von bona nostra apud Bodendorp [Bodendorf],
prout Sita sunt in Ijanno sive in territorio iudicii de Bodendorp, iudicii de Sinziche, iudicii
sive banni de Dunen [Kirchdaun], ac iudicii sive banni imperii; CRM. 4, 139, 1429: das
Dorf Franken gehört zur Herrschaft Sinzig.
— 715 ' — Bild. d. Grofsgrundbesitzes.]
Läiidcheii Bieisig ^; es uiiifafst eine Quadratmeile: so dafs mit ihm der alte
Fiskus Sinzig 5 bis 6 Quadratmeileii betragen haben würde.
Weniger wissen wir vom alten Fiskus Andernach. Nach der Andernacher
Schreinsrolle 12. und 13. Jhs. gehören zum Andernacher Grundgericht die
Orte Miesenheim, Irlich, Leutesdorf und Steinengers zu beiden Seiten des
Rheins auf einer zusammenhängenden Fläche von etwa einer Quadratmeile.
Diese Ausdehnung des Grundgerichtes scheint auch die des alten Fiskus ge-
wesen zu sein; an dasselbe stofsen von Westen her sofort aufser dem Länd-
chen Breisig die Pellenzgerichte mit den Orten Wassenach, Nickenich, Eich,
Plaidt und Kettig.
In Koblenz, dem nächsten rheinaufwärts gelegenen alten Fiskus, bildete
noch im 13. Jh. die Stadtgemeinde Koblenz mit den Orten Mosel weis, Kapellen
und Lützel-Kol)lenz eine Samtgemeinde ^ , welche sich am Rhein zu beiden
Seiten der Moselmündung etwa eine Meile hinzieht. Es unterliegt wohl kaum
einem Zweifel, dafs wir in diesem zusammenhängenden Strich von ca. ^U
Quadratmeile Ausdehnung das alte Fiskalgebiet vor uns haben; es ist dem Ander-
nacher Bezirk gleich in seiner nördlicheren Partie von Pellenzgerichten umfafst.
Die nun folgenden Fisci Boppard und Oberwesel sind zuerst im Zu-
sammenhange zu betrachten. Die früheste Nachricht für sie enthält das Leben
des h. Goar. Sankt Goar siedelte sich an in quodam Germaniarum oppido . .
super fluvium Rhenum, infra terminum Wasaliacinse^, suburbano Treverico,
ubi fluvius Wocara vocatur. Die heutige Stadt SGoar lag also im Fiskus
Oberwesel. An das Stift SGoar aber schenkte K. Ludwig im J. 820* einen
um den Ort herum liegenden genau beschriebenen Wald von nicht ganz IV2
Quadratmeilen Gröfse^, von dem es in der Schenkungsurkunde selbst: est
intra Wasaliam et Bidobricum fiscos nostros, in der Überschrift derselben:
coniacet inter Wasaliam et Bidobricum iiscis dominicis: heifst. Diese Be-
schreibung der Lage ist dahin zu verstehen, dafs der Wald bisher zu beiden
Fisci gehörte, von nun ab beide begrenzte. Die Grenze der bis zum J. 820
aneinander stofsenden Fisci Boppard und Oberwesel verlief also im SGoarer Walde.
Verfolgen wir nun Boppard für sich weiter^, so ergiebt sich hier schon
^) S. Gerfs in der Bergischen Zs. 12, 140.
2) Vgl. MR. ÜB. 1, 293, 1018; 419, 1110; 3, 5, 1213; 35, 1215; 611, 1238-39;
Hennes ÜB. 1, 237, 1274; *Koblenz St. A. Urk. 1275 Sept. 29 betr. Stolzenfels, Kopie
19. Jhs. des Friedensrichters Grebel von SGoar aus dem Nachlafs des Kanzlers Wimpheling.
S. auch Bd. 2, 313 Note 3.
3) Zum Ausdruck teiminus s. Waitz, Vfg. 2, 1, 397 Kote 4, 406 ; 2, 2, 323.
^) MR. ÜB. 1, 52.
5) S. oben S. 99.
«) Im J. 1005 wird (MR. ÜB. 1, 284) der Fiskus folgendermafsen beschrieben: Boch-
bardon in comitatu Becelini comitis in pago Drikiringou nuncupato . . cum omnibus per-
tinentiis suis villis edificiis areis terris cultis et incultis pratis pascuis sive compascuis silvis
venationibus aquis aquarumque decursibus molendinis piscationibus viis et inviis exitibus et
reditibus quesitis et inquirendis ac ceteris, que quolibet rite vocari possunt, utensilibus et
appenditiis.
46*
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 716 —
Ulli 991 ein reger Kapellenausbau aus der Bopparder Pfarrkirche innerhalb
des fiskalischen Territoriums ^ ; 775 erscheint Niederkestert als Bestandteil der
Bopparder Mark^; 1236 ist Oberspay nach Boppard gerichtspflichtig ^ ; 1331
heifsen Niederkestert (s. oben), Kamp, Salzich und Pedernach confinia opidi
et iurisdictionis Bopardiensis * ; und nach einer Notiz vom J. 1110 gehören
aufser Scliönberg auch noch die rechtsrheinischen Orte Prath, zwei Dahlheim,
?Spay, ?Bornhofen, Kamp (s. oben) und Lyckershausen höchst wahrscheinlich
zum Fiskus Boppard ^. Aus diesen Angaben gewinnt man für den Fiskus eine
Ausdehnung von ca. 2 Quadratmeilen.
Ebenso grofs wird der Fiskus Oberwesel gewesen sein, wenn man die
oben erörterte Nachricht über den SGoarer Wald mit dem Inhalt der Ur-
kunde No. 212 vom J. 1385 in Bd. 3 zusammenbringt. Indes läfst hier eine
Angabe vom J. 1112^ noch weiter blicken. Hier erscheinen als Pertinenzen
der Curia Oberwesel Gugenheim , Huffelesheim und Treisa in pago Nachgowe
(bei Kreuznach): weit von Oberwesel abliegende Orte, deren Erwähnung be-
weist, dafs zu diesem Fiskus aufser dem einheimischen grofsen Territorium
noch bedeutende getrennt liegende Dependenzen gehörten.
Das eben ist auch bei Ingelheim, der berühmten rheingauischen Pfalz,
der Fall. Für Ingelheim hat neuerdings Loersch nachgewiesen, dafs zum
heimischen Fiskalterritoriuni, dem Reich, noch im 15. Jh. 8 Ortschaften, früher
aber ein viel gröfserer Bezirk gehörte, dafs aber aufserdem noch eine zahl-
reiche Reihe entfernter Dependenzen vorhanden waren, deren einstige Zu-
gehörigkeit zur Pfalz sich später fast nur noch in den Oberhof beziehungen ver-
folgen läfst ^.
Wenden wir uns vom Rhein zur MoseP, so bietet vor allem der Fiskus
Kröv ein gröfseres Interesse. Von ihm ist bereits früher^ nachgewiesen, dafs
er in seiner jetzt noch fest umgrenzbaren aber gegen frühere Zeit schon etwas
verstümmelten Ausdehnung etwa V/s Quadratmeile grofs war; unverstümmelt
wird man sein Areal auf 2 Quadratmeilen schätzen dürfen. Neben dem
Territorium aber gab es auch hier fernliegende Dependenzen, so eine im
Trechirgau^^.
1) MR. ÜB. 1, 262, 991; vgl. oben S. 251.
2) Schannat, Trad. Fuld. No. 12.
3) MR. ÜB. 3, 558.
4) CRM. 3, 178.
5) Schannat, Hist. Wenn. 2, 64, cit. oben S. 547 Note 6.
6) MR. ÜB. 1, 422.
^) Loersch, Ingelheimer Oberhof S. LTV, CCIII f., CCX.
^) Über Kreuznach, den Fiskus des Nahethals, ist nicht viel zu sagen. Vgl. Forschungen
z. D. Gesch. 18, 200, 868 : Ludwig der Deutsche schenkt an SAlban-Mainz 3 mansos arabilis
terre ex fisco nostro in villa Cruciniaco . . , quos fidelis et vassus noster R. antea in bene-
ficium tenuit; MR. ÜB. 3, 1191, 1253: infra spatium 3 leucarum in confinio Crucenach.
^) S. oben S. 180.
1^) Stumpf, Acta imp. No. 304, 1050: Heinrich III. schenkt ex fisco nostro Creve unum
mannewerke vinearum in villa Ennekiricha in pago Trecheri.
— 717 — Bil^^- <^- Grofsgrundbesitzes.]
Viel weni.ucn- klar läfst sich Geschichte und Laü:e der obermosellanisclHui
Fisci übersehen. Übergeht man hier gewisse Stellen, welche auf einen alten
frühzerstückelten Fiskus Saarburg - Leuken deuten ^ so ist die formell ge-
fälschte, inhaltlich aber im wesentlichen unanfechtbare Urkunde K. Dagoberts
vom J. 033 2 von besonderer Wichtigkeit. In ihr schenkt Dagobert an SMaximin
die curtis regia Detzem an der Mosel unterhalb Trier cum omnibus rebus ad
eam pertinentibus, hoc est quicquid predii visus sum habere a fluvio . . Ruvera
usque ad silvam, que dicitur leder. Als zugehörige Güter zwischen Ruwer
und Idar werden genannt die Moselorte Kenn, Kirsch, Longuich, Riol, Pölich,
Detzem, Leiwen, im Lande Fell, Bildlich und Thalfang. Es ist ein auf
3 Meilen von West nach Ost zu ausgedehntes Territorium von gewifs über
2 Quadratmeilen Flächeninhalt, in welchem die genannten 10 Orte liegen;
jeder Ort mit Ausnahme von Thalfang liegt an einer Römerstrafse, Detzem an
einem Knotenpunkt solcher.
Ich schliefse mit der Schilderung des Fiskus Detzem, obwohl sich gleiche
Beschreibungen wie für die Fiskalgüter der Flufsgegend auch für die der Hoch-
flächen beibringen liefsen^: der Beweis ist genugsam geliefert, dafs das könig-
liche Fiskalland seinen wesentlichen Teilen nach nicht, wie aller sonstige
Grofsgrundbesitz, aus Streubesitz bestand, sondern vielmehr ein festgeschlossenes
Territorium von ein bis zwei, im Ausnahmefall sogar von fünf bis sechs
Quadratmeilen darstellte*, so dafs in unserer Gegend etwa 12 ^/o alles Landes
1) MR. ÜB. 1, 40, 802, s. S. 473 Note 1; 220, 964; 2, 27*, 1177; 3, 420, 1230.
2) MR. ÜB. 1, 3, vgl. Goerz, MR. Reg. 1, 73.
3) Man vgl. z. B. für Thommen MR. ÜB. 1, 51, 816.
^) So w^enigstens an der Mosel und am Mittelrhein. Doch waren die liier gelegenen
Fisci von ca. 2 Quadratmeilen vermutlich verhältnismäfsig klein, wie daraus hervorgeht, dafs
ums J. 1065 (Boehmer, Fontes 3, 398) die Fisci Remagen, Sinzig und Andernach nur 2,
Eoppard nur 3 Servitien zu liefern hatten, während das Darchschnittsservitium der a. a. 0. ge-
nannten Fisci 8 Tage beträgt. Von der Gröfse des königlichen Fiskallandes aufserhalb
unserer Gegend mögen die folgenden Nachrichten eine Vorstellung geben. Dronke, Cod. dipl.
Fuld. No. 28, 766: Pippin schenkt an Fulda villa aliqua noncupante Autmundistat . . cum
omnibus terminis vel appenditiis suis. Es ist die später aus zahlreichen Dörfern bestehende
Hundertschaft Umstadt des Maingaues, s. Landau, Salgut S. 62. Vgl. ferner Dronke, Cod.
dipl. Fuld. No. 57, 777: Karl d. Gr. giebt an Fulda res proprietatis nostrae Hamalumburc
. . cum omne integritate vel adiacentiis seu appenditiis suis Achinebach Thiupersbach Harital.
Es ist das spätere umfassende Amt Hammelburg, zu dessen curia schon nach dem Fuld.
Urbar 20 territoria (Marken) gehörten; Landau, Salgut S. 67 — 68. Dronke, Cod. dipl. Fuld.
No. 74 : Karl d. Gr. schenkt Vargula in Thüringen an Fulda, terram conceptionis nostre, hoc
est totam comprovinciam circa flumen Unstrut ipsamque curtem nostram in Vargulaha cum
omnibus compertinentiis suis et cum omnibus villis longo vel prope positis, que ad eamrespiciunt,
cum omni proprietate, sicut nos eam a parentibus nostris accepimus. Diese Schenkung umfafste
später 3 territoria und 7 Kirchen, s.lDronke, Tr. et. Antiqu. Fuld. 117; Landau, Salgut S. 56—57.
Dronke, Trad. et Ant. Fuld. S. 84: K. Karlmann schenkt an Fulda villam proprietatis sue
Gerstunge, cum omnibus appenditiis et familiis suis. Es waren nach dem Fuldaer Urbar 5 territoria
[Marken], mole 7, ecclesie 2. Wenck, Hess. Gesch. 2, ÜB. S. 8, 778: Karl d. Gr. giebt an
Hersfeld mansum . . dominicatum in loco, qui dicitur Ovlaho . . , quem Huwart . . tenuit,
[Wirtschaft d. Grofsgmndbes. — 718 —
fest umgrenztem fiskalischem Besitz angehörtet Die Nachrichten über den
Fiskus Detzem aber erklären zugleich die Möglichkeit dieser besonderen.
Stellung des königlichen Grundbesitzes: die Fisci waren nicht neue Bildungen
des 7. oder 8. Jhs., sie waren vielmehr von römischer Zeit her übernommene,
aus römischen Kulturmitteln heraus geschaffene, nunmehr dem König anheim-
gefallene Staatsterritorien ^.
Es begreift sich ohne weiteres, dafs die Organisation dieser Fiskalterri-
torien von einer anderen Grundlage aus zu anderen Konsequenzen führen
mufste, als die des grundherrlichen Streubesitzes; dafs man irrt, wenn man
die aus dem Cap. de villis und anderen Quellen bekannte Fiskalorganisation
ohne weiteres mit d^ grundherrlichen Organisation identifiziert. Gewifs wird
man sich die Fiskalorganisation zu vergegenwärtigen haben zur Propädeutik
für das nach Lage der Quellen schwierigere Verständnis der grundherrlichen
Organisation ■ — aber man wird den Gedanken von sich weisen, dafs man mit
der Fiskalorganisation überhaupt die grundherrliche Verwaltung, mit dem Cap.
de villis speciell die Magna Charta der Grofsgrundherrschaft in Händen habe.
Mit diesen Voraussetzungen treten wir in die Untersuchung der Organisation
des grundherrlichen Betriebes ein.
infra silvam Biichoniam, et in circuitu ipsiiis mansi in unamqiiamque partem de silva leugas
duas. Es war ein Gebiet von später mehr als 40 Dörfern ; Landau, Hessengau S. 144, Salgut
S. 66. MR. ÜB. 1, 155, 910 : Ludwig das Kind schenkt im Lahngau curtem dominicatam Brechene
[Brechen] nuncupatam cum curtibus ediiiciis ecclesia etc. Thietm. 7, 8: Heinrich IL in
Capungun [Kauffungen bei Kassel] fuit, quo ipse curtem suam de civitate Cassalun [Kassel]
dicta transtulit. ME. ÜB. 1, 340, 1053: Heinrich HI. schenkt an SMatheis villam quandam,
que vocatur Vilimar, in pago Logenahi, cum omnibus suis pertinentiis . . cum . . decimis
tarn de maiori Vilimar quam de minori et de Arenvurt, Zultebach, Seiebach, Humenowe
superiori et inferiori, Hunnenberch, Degerembach, Glabpach, Virdenwert, Freiswert, Velde,
Wilere, Brichene superiori. Es ist Vilimar in Nassau, Amt Kunkel, Arfurt an der Lahn,.
Seelbach u. a. m. : ein Bezirk von gut einer Quadratmeile.
1) Man mag danach ermessen, wie aufserordentlich bedeutend der fiskalische Grund-
besitz war. V. Inama, Grundherrsch. S. 26, berechnet die Zahl der Königsgüter am Schlufs
der Karolingerperiode auf 176, davon liegen nach ihm 83 in Franken, 5 im südlichen Fries-
land , 5 in Sachsen, 12 in Thüringen, 21 in Bayern, 50 in Alemannien. Dabei addiert v. I.
freilich teilweis zu hoch ; so sind z. B. für den Mittelrhein nach MR. ÜB. 2 Einl. S. XXXVI f.
(nicht XII) auch erst nach der Karolingerzeit gewonnene Pfalzen mit angeführt. Aufserdem sind
manche der sonst angeführten Güter sicher nicht Fisci, sondern nur Meierhöfe. Nehmen wir
aber nur 150 deutsche Fisci als zur Karolingerzeit vorhanden an und berechnen wir jeden
derselben sehr gering (s. S. 717 Note 4) zu 2V2 Quadratmeilen, so erhalten wir allein für Deutsch-
land die stattliche Zahl von 375 Quadratmeilen fiskalischen Landes. Ist diese Zahl auch
sicher sehr ungenau, so giebt sie doch eine treffende Vorstellung von der ganz aufserordent-
lichen Ausdehnung königlichen Grundbesitzes.
2) So vermutet Back 1, 91 mit Recht, dafs die ganze Nord-Hundertschaft (Mosel-
hundertschaft) von Ravengiersburg (über ihre Ausdehnung s. a. a. 0. S. 63) ursprünglich Zu-
behör zum königlichen Fiskus Denzen gewesen sei ; diese Moselseite wird ,pertinentiae omnes*
von Denzen genannt. Denzen ist die römische Strafsenstation Domnissus auf dem Hochwald.
2. Der Verwaltungsorganisnius des Grofsgrimd-
besitzes.
Nach den Aiisführimgen des ersten Teiles dieses Abschnittes haben wir
für das Verständnis der Wirtschaftsorganisation des Grofsgrundbesitzes von
der Erörterung der karolingischen Fiskalverfassung, wie sie im Cap. de villis
vorliegt, auszugehend Bei der Untersuchung dieser Organisation dürfen wir
uns nicht auf die Lokalverwaltung in den Fisci beschränken; es bedarf zu-
gleich einer Darlegung des Zusammenhangs der Fiskalverwaltung mit der
obersten, zentralen Verwaltung, dem karolingischen Domänenministerium, um
zu einer richtigen Würdigung der leitenden Stelle in jedem einzelnen Fiskus
zu gelangen.
Hier liegt nun von vornherein auf der Hand, dafs die Zentralverwaltung
gegenüber so ausgedehnten Unterverwaltungen, wie es die der Fisci waren,
und bei so wenig ausgebildeten Verkehrsverhältnissen wie den karolingischen
im wesentlichen nur auf Rechnungs- und allgemeine Verwaltungskontrolle hinaus-
laufen konnte; der Schwerpunkt der Verwaltung und Bewirtschaftung nuifste
dagegen im ganzen und grofsen in den einzelnen Fisci selbst liegen. Es war
mithin die Aufgabe, jeden Fiskus zu einer thunlichst kräftigen Einheit aus-
zugestalten, an die Spitze desselben also einen, besonders umsichtigen und be-
sonders verantwortungsfähigen Beamten zu setzen. Unter diesem Beamten
und von ihm abhängig konnte dann die weitere Ausgestaltung der Fiskus-
verwaltung im einzelnen vor sich gehen. In diesem Sinne verfährt das Cap.
de villis. Es spricht vor allem von den ludices, den obersten Intendanten
oder Amtleuten der einzelnen Fisci ^ : an sie wenden sich fast alle Vorschriften
1) Zum Cap. de villis vgl. Anton, Geschichte der teutschen Landwirtschaft 1, 177 f.;
Langethal, Geschichte der deutschen Landwirtschaft passim ; Guerard, Explication du capitulaire
de villis (Mein, de l'Institut, Acad. des inscr. et heiles lettres Bd. 21, i, 165 f.); A. Thaer in
Fühlings landw. Zs. Bd. 27, 241 f., und Boretius zu seiner Edition in den Capp. S. 82 f.
Französische Übersetzung bei Guerard, deutsche bei Thaer. Eine ausführliche erklärende
Schilderung der Villenverfassung nach dem Cap. giebt v. Maurer, Fronhöfe, spec. 1, 229 f.,
und V. Inama, Wirtschaftsg. 1, 323 f., 393 f. Von beiden weiche ich im folgenden auf Grund
der veränderten Anschauung vom Fiskalbezirk vielfach ab.
2) Intendant übersetzt Guerard, Amtmann Thaer. Die Stellung dieser Amtleute im
Fiskus war übrigens keine neue Einrichtung Karls des Grofsen; schon das 6. Jh. kennt sie,
vgl. Brequigny S. 26, Pardessus 1, 75, 528: Childebert I. giebt an das Kloster SCalais de
[Wirtscliaft d. Grofsgrimdbes. — 720 —
des Cap., sie erscheinen als die verantwortlichsten und hauptsächlichsten Be-
amten der Donianialverwaltung : die Zentralverwaltung und die innerfiskalische
Verwaltung kommen neben ihnen erst an zweiter Stelle in Betracht.
Der Zentralstelle wird in der That kaum mehr als die Rezeptur der Do-
mänenreinerträgnisse und die Kontrolle der Fiskuswirtschaften sowie die Ver-
mittelung zwischen den Wirtschaftsbedürfnissen der einzelnen Fisci zugewiesen.
In letzterer Beziehung beschliefst die Zentralstelle über den Verbrauch von
Wein, der an einer Stelle entbehrlich ist ^ ; dirigiert die Unfreien aus Fisci, wo
Übeiilufs an solchen vorhanden, in andere, wo sie mangeln ^ ; und verteilt die
grofsen Schweineherden auf die einzelnen Fisci je nach Ausfall der Eckermast ^.
Hierher ist es auch noch zu ziehen, wenn Jäger, Falkoniere und andere Pfalz-
ministerialen zeitweilig zur Ausbeutung gewisser Sondererträge aus Forsten
u. s. w. in einzelne Fisci gesandt werden ^, sowie wenn man gewissen Fisci Hunde
zur Aufzucht und Jagdausbildung überweist^. Zur Ausübung der Kontrolle
dagegen gehört es, wenn die Zentralstelle die Instanz für Klagen von Hof-
genossen und von Unterbeamten des Iudex gegen diesen bildet^, wenn sie
ferner die Normalien für Gewicht und Gemäfs aufbewahrt, die auf allen Fisci
gleich sein sollen^, wenn sie endlich über die Verwendung der Reinerträge
bestimmt ^, die Resultate der Pferdezucht revidiert ^, überhaupt die Rechnungs-
kammer für alle Fisci bildet ^^.
Derartig ausgedehnte Kontrollpflichten erforderten natürlich bedeutende
Arbeitskräfte an der Zentralstelle, welche sowohl die Rechnungen zu prüfen,
wie den schriftlichen Verkehr mit den einzelnen Fisci ^^^ zu unterhalten fähig
sein mufsten : man mufs sich also unter dem König und der Königin, bezw. den
mit der Zentralverwaltung der Domänen speziell beauftragten Pfalzbeamten, dem
Seneschalk und dem Schenk ^^, ein bedeutendes Schreiberpersonal thätig denken.
Gegenüber der mehr kollegialisch ausgestalteten Leitung der Zentralstelle
war die Verwaltung des einzelnen Fiskus selbst, wie gesagt, eine durchaus
einheitliche: alles lag hier in der 6inen Hand des Iudex, der sich nur im
Einzelfalle und für untergeordnete Geschäfte von einem Mandatar, Gewalt-
fisco nostro Maddoailo super fluvium Anisola [die Anille, fliefst in die Braye; Dep. Sarthe]
. . terminus ergo de nostra donatione, qui est inter dominationem fisci Maddoallensis et
nostra traditione, incipit a villa . . ., et pergit . . .; deinde descendit ad eum locum, ubi
Maurus, ipsius Maddoailo iudex, manere videtur.
1) Cap. de villis § 8.
2) Ebd. § 67.
3) Ebd. § 25.
*) Ebd. § 47.
5) Ebd. § 58.
6) Ebd. § 29 u. 57.
') Ebd. § 9.
«) Ebd. § 33.
9) Ebd. § 15.
10) Ebd. § 28.
") Denuntiatio, a. a. 0. § 7.
12) Ebd. § 16, 47.
— 721 — Verwaltungsorganismus.]
boten, Missus, vortreten lassen konnte ^ Das schliefst natürlich nicht aus,
dal's dem Iudex ein Bureau zur Seite stand; man ist vielmehr gezwungen,
ein solches Bureau als bestehend anzunehmen, sobald man den ausgedehnten
Geschäftskreis, namentlich das komplizierte Rechnungswesen^ des Iudex
kennen lernt ^.
Der Iudex selbst war stets ein freier Mann, er war Richter der Freien
im Fiskalgebiet*; es wird ferner vorausgesetzt, dafs er wohlbegütert war^,
das Jagdvergnügen liebte^ und genügende Macht besafs, die Einwohner des
Fiskus, speziell die Hofgenossenschaften, unter Umständen zu bedrücken^.
Er 's^Tlrde auch aufserhalb des Fiskus für den Reichsdienst in Anspruch ge-
nonmien sowohl in Heerfahrten wie auf Wacht und in Gesandtschaften ^. tlber
die Dauer seiner Amtsgewalt, seine Besoldung, überhaupt die Regelung seiner
persönlichen Verhältnisse erfahren wir nichts; nur soviel ist klar, dafs er
ein eigentlicher Beamter war und damit der königlichen Disciplinargewalt
unterstand ^.
Der Domanialbezirk, welchem er vorgesetzt war, hiefs Fiskus, im Gegen--
satz zur Villa, dem einfachen, wohl fast stets in einem Dorfe befindlichen
Fronhofe, und im Gegensatz zum Mansionile, dem mit einem Hofe verbun-
denen oder vereinzelt wohl auch selbständigen Vorwerk ^^. Derjenige Fronhof
des Fiskalgebietes, in welchem der Iudex residierte, führte den Namen Curtis
oder Curtis dominica, Fronhof im prägnanten Sinne ^^; nicht selten war er mit
einer königlichen Pfalz ^^ versehen. Das Fiskalgebiet selbst umfafste in seinen
verschiedenen Ortschaften stets mehrere untergeordnete Fronhöfe ^^ und Vor-
werke^'*, mehrere Mühlen ^^, mindestens drei bis vier Weinschenken^^,
*) Cap. de villis § 5. Zur Stellung des Iudex vgl. Guerard S. 289 f.
^) S. darüber weiter unten in Abschnitt VIII.
^) Auch sprechen einzelne Ausdrücke direkt für ein solches Bureau, vgl. Cap, de
villis § 7: computare faciat. Die Bureaubeamten heifsen § 16 iuniores, wie alle Subalternen ;
vermutlich gehörten zu ihnen die §§ 10 und 58 (vgl. § 8) genannten cellerarii, vielleicht auch
die ebd. genannten decani, die letzteren sind wenigstens schwerlich, wie Guerard, Polypt.
d'Irminon 1, 44, will, eine Art Meier. Sie erscheinen überhaupt nicht als eine spezifische
Beamtenart, sondern als eine Beamtenklasse, wie die Zusammenstellung bei Hincmar, De
discipl. palat. § 17: iuniores aut decani beweist. Vgl. auch Prou S. 47 Note 6.
*) Freilich kommen ja ab und zu sogar ursprünglich unfreie Grafen vor.
^) Cap. de villis § 3, 36.
6) Ebd. § 11.
'') Ebd. § 3, 11. Kleine Geschenke an den Iudex sind zulässig, ebd. § 3.
^) Ebd. § 16. Zur Abwesenheit s. auch § 5.
^) Bestrafung durch Verbot des Trinkens, ebd. § 16.
10) Ebd. § 4, 19, 52; s. dazu Thaer S. 246.
") Ebd. § 8, 20, 27, 45, 56.
1^) Über die Pfalzeinrichtung spricht ausführlich v. Maurer, Fronhöfe 1, 212 ff.
13) Ebd. § 17, 40.
") Ebd. § 19.
15) Ebd. § 18. .
16) Ebd. § 22.
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 722 —
Arbeitshäuser für Frauen^ und Handwerker, sowie unter Umständen mehrere
Kirchen ^.
Für den ganzen Bezirk stand dem Iudex die obere "Wirtschaftsverwaltung,
die Rechtspflege und die Polizei zu ; der Bezirk war also von der gewöhnlichen
Hundertschaftsverfassung eximiert und bildete für sich wie einen eigenen Wirt-
schafts- so auch einen eigenen Gerichtssprengel.
Am meisten wurde der Iudex von der Wirtschaftsverwaltung in Anspruch
genommen. Hier handelte es sich zunächst um eine allgemeine Aufsicht über
den Acker- und Weinbau^, welche in der jährlich drei- bis viermal wiederholten
Revision aller unterstellten Fronhöfe ^, in der Auswahl neuer Rottlandstücke ^,
sowie in Meliorationen, beispielsweise für das Saatgetreide^ oder im Garten-
bau^, ihren Ausdruck fand. Ebenso stand dem Iudex die Oberaufsicht über
die herrschaftliche Viehzucht im Fiskalgebiete zu; er vermehrt die Zucht ^,
disponiert über die Deckhengste^ und leitet überhaupt die hervorragend be-
tonte Pferdezucht bis zur Bildung der einzelnen an die subalternen Poledrarii
abzugebenden Herden ^^. Auch sonst ist der Iudex ganz allgemein zu wirtschaft-
lichen jMeliorationen verpflichtet; er pflegt den Wald, legt Fischteiche an^\
sorgt für einen ausreichenden Bestand an Bannweinschenken ^^ und hält Bauten
und Brühle seines Gebietes in Ordnung ^^. Zu alledem kommt noch eine Ober-
aufsicht über die herrschaftlichen Arbeiten des Fiskus^*. Soweit endlich die
Produkte des Fiskus aufserhalb des Fiskalbezirks, aber innerhalb der könig-
lichen Domänenwirtschaft nützlichere Verwendung als daheim finden können,
hat der Iudex darüber an die Zentralstelle zu berichten, welche dann den Aus-
gleich veranlafst. So berichtet er z. B. über die Höhe der Schweinemast^-^ wie
ülier die Zahl leerstehender (verfronter) Hufen bezw. überschüssiger Unfreien ^®.
Mit der obersten Kontrolle über die herrschaftliche Produktion im Fiskus
war natürlich die Einnahme, Verrechnung und Verteilung der fiskalischen Er-
träge, sowie die Abführung der Ertragsüberschüsse verbunden. Der Fronhof,
auf welchem der Iudex residierte, bildete somit die Generalrezeptur des Fis-
1) Cap. de villis § 31.
2) Ebd. § 6.
■') Ebd. § 5, 8.
*) Ebd. § 20.
'-) Ebd. § 36.
6) Ebd. § 32.
") Ebd. § 70.
8) Ebd. ii 23.
9) Ebd. § 13.
10) Ebd. § 14.
11) Ebd. § 21, 65.
12) Ebd. § 22.
") Ebd. § 46, 48, 49.
1^) Ebd. § 45.
1-^) Ebd. § 25.
16) Ebd. § 67.
— 723 — Verwaltungsorganismus.]
kiis\ in welche die Vorstände der Unterbetriebe die gesammelten Einzel-
erträge abzuführen hatten; einzelne Abgaben, wie die Eier und Hühner der
Gehöfer und Unterbeamten, nahm der Iudex auch wohl direkt ein^. Von
dem in dieser Weise aufgehäuften Gesamterträgnis behielt der Iudex unter
genauer Abrechnung über die einzelnen Posten zunächst das für die Bedürf-
nisse der eigenen Betriebe Notwendige, einschliefslich der Anforderungen der
Frauenhäuser, Handwerker u. s. w. ^, brachte ferner das auf jedem Fiskalgebiet
befindliche Zeughaus auf die vorgeschriebene Höhe der Kriegsrationen und
Kriegswerkzeuge*, bestritt Zehntzahlungen ^ und sonstige laufende Verbind-
lichkeiten des Fiskus namentlich gegenüber der Hofhaltung^, machte die für
den Fiskus nötigen Einkäufe an Wein u. s. w. '^ , und lieferte dann den zu-
rückbleibenden Überschufs an die Zentralstelle ab^.
Zu diesen Verwaltungsfunktionen, denen sich noch die vermutlich durch-
gehende Erneuerungsbefugnis der Subalternen und der fiskalischen Kleriker
zurechnen läfst^, kam eine starke Beschäftigung in der Rechtspflege des
Fiskalgebietes. Der Iudex hatte die Exekution der königlichen Gerichtsgefälle,
welche die nicht hofhörigen Fiskuseingesessenen verwirkt hatten ^^; er war
ferner der Fronhofrichter der hofhörigen Fiskalinen, da sich, scheint es, die
einzelnen Hofdinge unter dem Meier als Richter und dem Iudex als Bann-
herren noch nicht ausgebildet hatten ^^ Endlich aber hatte der Iudex
das Exekutionsrecht gegenüber allen, freien wie unfreien, Fiskuseingesessenen
bei Forderungen Auswärtiger^^.
Ging schon die allgemeine Stellung des Iudex als richterlichen Beamten
für die Hofgenossenschaft in die eines Polizeirichters über, so waren auch
noch gerade in dieser Richtung die polizeilichen Funktionen des Iudex im ein-
zelnen besonders eindringlich ausgeprägt. Der Iudex hatte das Züchtigungsrecht
bei Vergehen der Hofgenossen gegen den Herrn ^^, er hatte gegen Zauberei und
Unterschlagung im Frondienst, wie gegen jederlei Müfsiggang der Hofgenossen
einzuschreiten ^*. Mit den speziellen polizeilichen Vollmachten verbanden sich
1) Cap. de villis § 20.
2) Ebd. § 39.
3) Ebd. § 31, 43.
*) Ebd. § 30, 42, 64, 68.
•5) Ebd. § 6.
^) Speziell das sog. servitium, s. a. a. 0. § 7, 24. Vgl. ferner (das Vorführen der
Pferde § 15.
') Ebd. § 8.
8) Ebd. § 28.
^) Vgl. ebd. § 6. Auch § 10 geht in seinem befehlenden Tone an die ludices.
10) Ebd. § 4.
11) Vgl. a. a. 0. § 56 : ut unusquisque iudex in eorum ministerio frequentius audientias
teneat, et iustitiam faciat, et praevideat, qualiter recte familiae nostrae vivant.
12) Ebd. § 52.
13) Ebd. § 4.
1^) Ebd. § 53, 54.
[Wirtschaft cl. Grofsgrundbes. — 724 —
einige allgemeinere: die Sorge für rechtes Mafs und Gewicht ^ für gute Wirt-
schaft in den Weinschenken^, die Bewahrung der Weiberhäuser vor unsitt-
lichem Einbruch^, der Äcker u. a. m. vor Zauberei*, endlich die Verpflich-
tung zur Vertilgung der Wölfe ^.
Diesen weitreichenden Befugnissen des Iudex stehen nun die einzelnen
ihm sämtlich zur Rechnungslage verpflichteten^ Lokalbetriebe gegenüber.
]\Ian kann sie in allseitige landwirtschaftliche Betriebe — die Fronhöfe —
und in Sonderbetriebe teilen; zu den letzteren gehören die Forstverwaltung,
die Pferdezüchterei , die Zollverwaltung ^ , wahrscheinlich auch die Müllerei ^,
Brauerei^, Fischerei ^^, Hundezüchterei^^ und sicher wiederum das Hand-
werk ^^. Bestanden von diesen Sonderbetrieben nicht selten mehrere derselben
Art in einem Fiskus ^^, so fand sich doch vor allem stets eine Mehrzahl von
Fronhöfen, und ihnen waren wiederum einige kleinere Betriebe, z. B. die
Zeidlerei ^* , angeschlossen.
An der Spitze aller dieser Betriebe standen nun Subalterne, luniores des
Iudex ^'^ so der Maior (Meier) an der Spitze eines Fronhofes, der Poledrarius
an der Spitze einer Pferdeherde u. s. w. Das Soldverhältnis dieser Subalternen
konnte, je nach ihrer rechtlichen Qualität und ihrer Beschäftigung, auf drei-
fache Weise geregelt sein: entweder sie waren frei und hatten als Besoldung
für ihr Amt ein einträgliches Beneficium; oder sie waren hofhörig und hatten
eine grundhörige Hufe , von deren Fronhanddiensten sie auf Grund des Amtes
dispensiert waren ^^; oder aber sie waren hof hörig ohne Hufe und empfingen
ihren Lebensunterhalt in Form einer Präbende aus dem direkten fiskalischen
Betriebe ^^. Die letzte Art der Besoldung war natürlich nur bei denjenigen
Specialbetrieben rationell, wo dem Besoldeten in dem ihm untergebenen Be-
triebe nicht eine Quelle allseitigen Lebensunterhaltes offen stand, also z. B.
') Cap. de villis § 9.
2) Ebd. § 22.
3) Ebd. § 49.
*) Ebd. § 51.
^) Ebd. § 69.
6) Ebd. § 10, 11, 13, 14.
"'} Ebd. § 18.
8) Ebd. § 61.
9) Ebd. § 21.
10) Ebd. § 58.
") Ebd. § 45.
12) Ebd. § 63.
1=^) Ebd. § 13.
14) Ebd. § 17.
15) Ebd. § 16, 58.
1^) Hierzu speziell vgl. ebd. § 10.
1'') Ebd. § 50: poledrarii. qiii liberi sunt et in ipso ministerio beneficia liabuerint, de
illorum vivant beneficiis; similiter et fiscalini, qui mansas habuerint, inde vivant, et qui hoc
non habuerit, de dominica accipiat provendam.
725 — * Vcrwaltimgsorganisinus.]
bei den rferdeziichtern oder den Zöllnern; am wenigsten an.uebracht war sie
bei den Meiern, den Vorstehern ansgebildeter landwirtschaftlicher Betriebe, für
welche sich ein volles Leben mit nnd aus der Wirtschaft nicht verhindern
liefs, vielmehr von selbst zur Besoldung als besonders praktisch ergab. Die
Meier werden daher stets in der ersten oder zweiten oben beschriebenen Art
besoldet worden sein; bei ihrer unter den Subalternen besonders wichtigen
Stellung — waren ihnen doch andere kleine Betriebe, z. B. die der Zeidler, bei-
geordnet — war wohl die Besoldung mit einem Beneficium die Regelt In
diesem Falle waren die Meier von Frondiensten persönlich frei und stellten an
ihrer Statt einen Vertreter (vicarius) für die Hand- und Pliugdienste wie für
sonstige Leistungen. Es begreift sich, dafs eine solche Freiheit von persönlichen
Leistungen, verbunden mit einem gut ausgestatteten Beneficium in Land und
einer besonders angesehenen Stellung innerhalb der fiskalischen Betriebe auch
an sich wohlhabende freie Leute des Fiskus zur Annahme eines Meieramtes,
vielfach gewil's zum Zwecke unberechtigter Ausbeutung der hofhörigen Leute,
verlocken konnte. Es wird darum ausdrücklich bestimmt, dafs die Meier-
ämter nur an Leute mittlerer Lebensstellung, von denen man getreue Ver-
waltung erwarten könne, vergeben werden sollten^; und zugleich wird im
Interesse des Betriebes, wie zur Beschränkung der Bedeutung des Meieramtes
festgestellt, dafs die dem einzelnen Fronhofe zugewiesenen Hufen und Äcker
nicht umfangreicher sein sollen, als dals man sie an einem Tage umgehen
kann^.
Im übrigen waren indes die Meier, wie die anderen Subalternen, Ministe-
rialen niederer Gattung*, Beamte, welche der königliche Dienst zwar ehrte ^,
welche aber durch eben diesen Dienst gegenüber dem Herrn in ein tief-
greifendes persönliches Abhängigkeitsverhältnis gelangten: die königliche Dis-
ciplinargewalt ging in ihren Wirkungen bis zur Karenz und Prügelstrafe^.
Übersieht man das soeben streng nach den Bestimmungen des Cap. de
villis gezeichnete Bild der karolingischen Fiskalverwaltung, so fällt vor allem
die feste Begründung derselben auf die Einheit des Fiskalbezirkes auf, unter
der unabweisbaren und für die ganze Organisation notwendigen Voraus-
setzung, dafs dieses Fiskalgebiet einen bedeutenden und geschlossenen Um-
fang, eben die Gröfse eines Territoriums von mindestens 1 bis 2 Quadrat-
1) Cap. de viUis § 10.
2) Ebd. § 60.
3) Ebd. § 26.
*) Ebd. § 16.
•^) Vgl. dazu Cap. miss. 792 oder 786, Boretius S. 67, c. 4: fiscilini quoque et coloni
et ecclesiastici adque servi, qui honorati beneiicia et ministeria tenent, vel in bassallatico
lionorati sunt, cum domini sui et caballos arma et seuto et lancea spata et senespasio habere
possunt.
6) Ebd. § 16.
[Wirtschaft d. Grofsgmndbes. — 726 —
meilen habe, wie dieselbe dui'ch unsere früheren Einzeluntersuchimgen als die
für alte Fisci gewöhnliche Ausdehnung nachgewiesen worden ist.
Wie stellen sich nun hierzu die grundherrlichen Organisationen der
Kirche und des Laienadels? Zeigen sie in karolingischer oder späterer Zeit
eine der Fiskalverwaltung gleiche oder wenigstens verwandte Ordnung? Zur
Beantwortung dieser Fragen, zur Möglichkeit eines vollen Vergleiches
fiskalischer und grundherrlicher Organisation durch mehrere Jahrhunderte hin-
durch bedarf es vor allem einer Untersuchung des Schicksals der karolingi-
schen Villenverfassung bis in die Stauferzeit hinein.
Da finden wir nun schon in der Tradition des 10. bis 13. Jahrhunderts nur
noch trümmerhafte Spuren der alten Fiskalorganisation ; die Fiskalgebiete zeigen
sich durch königliche Schenkungen sehr zusammengeschmolzen^, die Königs-
gewalt selbst erscheint erlahmt. Gleichwohl ist es möglich, auch noch in dieser
Periode die Spuren der alten Organisation in ihren auffallendsten Eigentümlich-
keiten wieder aufzufinden.
Sieht man von gewissen Resten der Zentralverwaltung ab^, so gilt
es natürlich vor allem, das Amt des Iudex wiederzuerkennen und seine
Schicksale bis zur Höhe des Mittelalters zu verfolgen. Hier steht zu-
nächst fest, dafs das Amt sich das ganz^ 9. Jh. hindurch ungeschwächt
erhielt. Im J. 835 erscheint in der Pfalz Ingelheim ein Exactor palatii
Agano neben einem Fronhofsmeier ^, er ist kein anderer als der Iudex
^) Auch wohl schon früh durch Veräufserung von Ländereien des Fiskus seitens Fiskal-
eingesessener an auswärtige Grofse, vgl. Cap. miss. 803 c. 10, Boretius S. 115.
2) Hierhin ist vielleicht der in unserer Gegend nur in Boppard, aber freilich allein
während des 13. Jlis. erscheinende Notarius imperii oder imperialis aule zu rechnen, vgl.
MR. ÜB. 3, 360, 1228; 597, 1237; 641, 1238; 707, 1241; 1304, 1250. Es war nach MR. ÜB.
3, 707, 1241 in allen diesen Jahren Konrad Propst von SMartin-Worms. — Neben dem
Reichshofhotar erscheint ebenfalls nur in Boppard 1245 (MR. ÜB. 3, 844) ein Elias officialis
de Bopardia, 1249 (MR. ÜB. 3, 982 und 1005) ein imperialis aule camerarius Philipp von
Hohenfels, der sich MR. ÜB. 3, 1034, 1250 imperialis aule camerarius tunc officialis nennt.
Der Titel Reichshof kämmerer ist also für Boppard sekundär; in seiner Stellung in Boppard
ist Philipp Amtmann, Officialis, wie Elias. Welche Stellung dieser Bopparder Amtmann ein-
nahm, wird aus den für ihn allein vorliegenden Urkunden nicht völlig klar; das Wahrschein-
lichste aber ist, dafs sein Amt um die Mitte des 13. Jhs. im Sinne der späteren Reichs-
und Territorialverwaltung neu begründet war und der Oberaufsicht (procuratio) der Reichsgüter
am Rhein diente; daher auch sein Befehl an alle Reichszöllner, MR. ÜB. 3, 1005, 1249.
Boppard eignete sich zur Bestellung eines solchen neuen Aufsichtsbeamten über die Trümmer
des alten Reichsgutes am Mittelrhein deshalb besonders gut, weil es mindestens seit dem
11. Jh. der bedeutendste Fiskus in diesen Gegenden war, vgl. oben S. 717 Note 4. Eine ähnliche
Prokuration, wie sie für den Mittelrhcin besteht, findet sich 1216 zu Sinzig für den Nieder-
rhein, vgl. MR. ÜB. 3, 47, sowie 429, 1231. Zur Frage nach den Reichsamtleuten vgl. die
wenigen, nicht ganz klaren und von v. Maurer zu sehr beeinflufsten Notizen bei Küster,
Reichsgut S. 56 f.
3) MR. ÜB. 1, 62.
— 727 — Verwaltungsorganismus.J
des Ca]), de villis; 858 und 873 werden ferner die ludices direkt in öffent-
lichen Akten genannte Für die spätere Zeit ist die Benennung des Iudex
im P. Jh. zu Ingelheim ein wertvoller Fingerzeig: Exactor, Schul theifs wird
nunmehr überall der Titel der Nachfolger des alten Iudex — ein sehr berech-
tigter Titel, wenn man sich erinnert, dafs der Iudex mit der Verwaltung der
königlichen Fiskalgefälle von jeher die der Gerichtsgefälle verband. Derartige
Schultheifsen finden sich nun seit dem 12. und bis ins 14. Jh. in allen alten,
ihrer Verfassung nach noch einigermafsen erhaltenen Fisci, so in Andernach,
Koblenz, Boppard, Oberwesel und Kröv, auch die Wetzlarer Schultheifsen
können hier genannt werden^. Die Schultheifsen in den genannten Fisci sind
stets freie Leute, meist wenn nicht immer Adlige^, sie führen die Prädikate
don)nus und honestus vir^. Ihre Funktionen gehören, wie früher die des
Iudex, der Wirtschafts- und Rechtsverwaltung zugleich an; sie stehen an der
Spitze der alten Fiskalgemeinde bei Verfügungen über die Allmende^; sie
sind die ordentlichen Richter des Fiskalbezirks für streitige und freiwillige
Gerichtsbarkeit^; sie bilden endlich den Vorstand der Fiskalgemeinde auch
in deren äufseren Beziehungen ^
Bemerkenswert bleibt indes, dafs Schultheifsen im alten Sinne der ludices
sich innerhalb unserer Gegend fast nur da leidlich intakt bis ins 12. und
13. Jh. erhalten haben, wo ihre Stellung durch die starke Grundlage eines
innerhalb des Fiskus entwickelten städtischen Gemeinwesens gestützt wurde,
und wo das Fiskalgebiet in eben diesem Gemeinwesen einen aus der allgemeinen
Landesentwicklung selbst herauswachsenden festen Kern erhielt. In anderen
Fisci dagegen, in welchen eine solche Durchbildung des fiskalischen Hauptortes
1) Ep. Hincmari ad Ludov. regem c. 14, 858, Baluze 2, 115; Cap. Caris. 873 c. 3,
MGLL. 1, 520. Doch ergiebt sich gerade aus der ersten Stelle schon die Neigung der
ludices, sich von der Kontrolle der Centralstelle zu emancipieren, selbständig aufzutreten und
eigene Rechte gegenüber den Fiskalinen geltend zu machen.
2) Der volle Titel ist da, wo der Fiskus noch in königlicher Hand ist, scultetus
imperii oder regni, vgl. MR. ÜB. 3, 61, 1216; Bd. 3, 492, is, 1324. Im übrigen vgl. Ander-
nacher Schreinsrolle 12.— 13. Jhs.; — MR. ÜB. 3, 849, 1246; 983, 1249; Hennes ÜB. 1,
237, 1274; — MR. ÜB. 3, 61, 1216; 78, 1217; 360, 1228; 503, 1234; 641, 1238; 844, 1245;
1034, 1250; 1071, 1250; 1167, 1252; 1207, 1253; 1379, 1257; CRM. 2, 339, 1291; Honth.
Hist. 1, 20, 1303; CRM. 3, 34, 1305; — MR. ÜB. 3, 164, c. 1220; 1245, 1254; — Bd. 3,
492, 18, 1324; — MR. ÜB. 3, 362, 1228. — Im 14. Jh. setzte man in den an andere Grund-
herrschaften übergegangenen Fisci anstatt der Schultheifsen Amtleute bezw. Burggrafen ein;
vgl. z. B. für Oberwesel Bd. 3, No. 212, 1385.
3) MR. ÜB. 3, 503, 1234; 1034, 1250; CRM. 3, 34, 1305; Bd. 3, 492, is, 1324.
*) MR. ÜB. 3, 503, 1234; Honth. Hist. 1, 20, 1303.
'-) MR. ÜB. 3, 362, 1228; Hennes ÜB. 1, 237, 1274; CRM. 3, 34, 1305, cit. oben
S. 296 Note 5.
6) MR. ÜB. 3, 61, 1216; 78, 1217; 164, c. 1220; 360, 1228; 849, 1246; 1034, 1250;
vor allem CRM. 2, 339, 1291. Der Stellvertreter des Schultheifsen in dieser Richtung war
einer der Schöffen: MR. ÜB. 3, 933, 1249.
') MR. ÜB. 3, 1167, 1252; 1207, 1253; 1379, 1257.
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 728 —
zur Stadt entweder überhaupt nicht oder nicht früh genug eintrat, verschwin-
det das Amt des Schultheifsen zumeist mit dem zeitweisen Auseinanderfallen des
Fiskalgebietes. So im alten Fiskus Sinzig, so in Kröv und Ingelheim. Über die
Gründe des Verfalls und über die auf ihn folgende modernere Entwicklung
in Sinzig wird später zu sprechen sein^ Von Kröv und Ingelheim aber ist
sclion hier deshalb genauer zu handeln, weil die Entwicklungsgeschichte beider
Fisci für das Schicksal der karolingischen Verwaltung auf dem platten Lande
— d. h. auf dem Gebiete, wo sie mit der Entfaltung der übrigen Grundherr-
schaften vornehmlich zum Vergleiche steht — von grofsem Interesse ist.
In Ingelheim, für welches erst seit dem 13. Jh. dürftige, seit dem Aus-
gang des 14. Jhs. ergiebigere Nachrichten vorliegen^, erscheint, soweit man
immer zurücksehen kann, in jedem Orte des Grundes, d. h. des noch übrig
gebliebenen alten Fiskalgebietes, ein vom Verwalter des Pfalzbezirks ernannter
Schultheifs, welcher bei den Verhandlungen der Hübner wie der Schöffen gleich-
mäfsig den Vorsitz führte, an der Spitze der Gemeinde stand und diese Stel-
lung auch behielt, als sich die Ratsverfassung entwickelt hatte und Bürger-
meister gewählt wurden^. Diese Schultheifsen sind also nicht die Nach-
folger des karolingischen Iudex, sondern vielmehr der karolingischen Meier:
es liegt der ganz besonders zu betonende, auch bei andern Ämtern, z. B. bei dem
Zenderamt, nachzuweisende Fall vor, dafs der Titel des Oberbeamten bei
Wegfall desselben auf die diesem unterstellten Subalternen übertragen worden
ist. Was aber war aus dem alten Amt des Iudex der karolingischen Zeit ge-
worden? Wir finden es erst im 14. Jh. in der Form wieder, dafs der Schult-
heifs von Oppenheim — hier entspricht also der Ausdruck Schultheifs noch
dem älteren Iudex — die Rechte der Aufsicht und höheren Verwaltung als
oberster Beamter von Reichs wegen übt * ; in Ingelheim selbst dagegen hat sich
keine Spur des Amtes erhalten. Erst später, im 16. Jh., erhielten dann die
Orte des Pfalzgebietes im Oberschultheifsen einen neuen gemeinsamen Ober-
beamten, der mit dem Vorsitz im Reichsgericht gewisse Funktionen in der
höchsten Verwaltung des Ingelheimer Gebietes vereinte, welche früher dem
Schultheifs oder Amtmann von Oppenheim zugestanden hatten ^. Dieser Ober-
schultheifs ist also der, wenn man will, erst nach langer Unterbrechung
wiederum selbständig auftretende Nachfolger des Iudex.
Noch anders verlief die Entwicklung in Kröv^. Hier blieb ein grofser
Teil des Fiskalgebietes, sehen wir von einer offenbar nur zeitweisen Verpfän-
^) In Abschnitt VIII Teil 2.
2) Loersch S. LXXIII.
=^) Loersch S. LXXVIII.
*) Loersch S. LXXX. Dafs die im 12. Jh. erwähnte Yogtei der Herren von Bolanden
dem alten Amt des Iudex entsprochen habe, wie Loersch S. LXXIX— LXXX annimmt, halte
ich auf Grund unten S. 730 f. erwähnter Analogieen für unwahrscheinlich.
5) Loersch S. LXXIX.
^) Vgl. zum Folgenden ol)en S. 180 f.
729 — Verwaltiingsorganismus.]
(hing desselben in der 1. 11. des 12. Jlis. abS bis in die 2. II. des 13. Jlis.
ohne jede Schmälerung beim Reiche erhalten. Dann aber übergab K. Rudolf
das Gebiet im J. 1274 dem Schutz und der Fürsorge (protectioni et eure) der
Grafen von Sponheim^. Auf Grund dieser wie späterer Urkunden von 1309
und 1316^ erscheinen nun die Grafen von Sponheim schon im ältesten c. 1330
aufgezeichneten Weistum als Lehnherren des Fiskus, und 1399 erhalten sie
das Reichsgebiet endgtütig zu rechtem Mannslehen*. In § 7 des gemannten
Weistums, v. Ledeburs Archiv 14, 306, heilst es nun: herumb hat der vagt
ein dritteil an der ])oissen, die in dem riebe vor dem geriehte fallende sint,
und von iedem beddeman einen eimer wins, da der lehnherr eine ame hebt.
Dem Vogt wird also von jeder Ohm Weins, welche der Graf von Sponheim
als Lehnherr hebt, ein Eimer zugewiesen. Hiermit vergleiche man folgende
Stelle in Bd. 3, 492, 2s, 1324: ubicumque scultetus regni scilicet Spainheim
tollit am. vini ratione petitionis sue sive precarie ibidem, cedit advocato situla
sive urna. Kein Zweifel, dafs hier dem Grafen von Sponheim als Schultheifsen
des Reiches dieselben Leistungen wie oben als Lehnherrn zugewiesen werden.
Die Stelle kann kaum anders erklärt werden, als dahin dafs sie eine ältere
Rechtsanschauung wiedergiebt ^ w^elche den Grafen von Sponheim noch nicht als
Lehnherrn, w^ohl aber als Reichsschultheifsen kannte. Hierzu stimmt es, dafs
die Grafen nur in dem Dokument, welchem die citierte Stelle angehört, sonst
aber nie als Reichsschultheifsen bezeichnet werden, wie denn dieser Titel für
Kröv überhaupt nur an dieser Stelle vorkommt. Nimmt man aber an, dafs
die Grafen von Sponheim, bevor sie als Lehnherren des Reiches bezeichnet
werden, Reichsschultheifsen waren, so liegt die Vermutung nahe, dafs sie
dieses Amt in der Urkunde Rudolfs durch die Überweisung der protectio
und eura des Reiches übertragen erhielten, ein Amt, aus welchem sie
dann, dem allgemeinen Zuge der Zeit folgend, sehr bald eine umfassendere
Lehnsherrlichkeit entwickelten. In diesem Zusammenhange ergiebt die Aufzeich-
nung von 1324 noch eine sehr wertvolle Notiz iiber die Stellung des alten
Reichsschultheifsen (S. 493, 2) : si alique emende hiis diebus (in den ungebotenen
Dingen) faciende fuerint, super illis potest renuntiare advocatus consensu
sculteti super hoc minime requisito. Wir haben oben gesehen, dafs der Vogt
ein Drittel der Bufsen bezog ; hier erfahren wir, dafs er auf dasselbe verzichten
konnte, ohne der Zustimmung des Reichsschultheifsen zu bedürfen. Der Reichs-
schultheifs hob also offenbar die beiden anderen Drittel der Bufsen ein oder
1) MR. ÜB. 2, S. 39, 1171.
2) V. Ledeburs Archiv 14, 207, 1274.
5) V. Ledebiir S. 210—12.
*) V. Ledebur S. 218—19.
^) Vielleicht ist sogar der Text älter als 1324 und in die Aufzeichnung dieses Jahres
handschi'iftlich herübergenommen; die Worte scihcet Spainheim machen ganz den Eindruck
eines Zusatzes.
Lamprecht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 47
[Wirtschaft d. Grofsgmndbes. — 730 —
vertü.ute inindesteiis in irgend einer Weise ül)er sie: d. h. er war noch im
Besitz einer der Hauptfunktionen des alten Iudex.
Sehen wir so aus den Nachrichten der rein hindlichen Fiskalgebiete, wie
das alte umfassende Amt des Iudex, entsprechend der Zerstückelung und dem
Auseinanderfallen des fiskalischen Amtsbezirkes, spätestens im 13. Jh., meist
aber schon früher völlig zu Grunde geht ^ , während es sich in den Bezirken
mit städtisclien Vororten vornehmlich auf ein Stadtschultheifsentum unter Bei-
behaltung gewisser Funktionen für den ganzen Fiskalbezirk konzentriert, so
weisen die letzten Nachrichten über Kröv zugleich energisch auf ein bisher
noch nicht beachtetes Amt hin, die Vogtei. Wie für Kröv ist nämlich für
jeden Fiskus ein Vogt nachweisbar 2, der wie die späteren Schultheifsen regel-
mäfsig dem Adel angehörte^. Über die Funktionen desselben erfahren wir
nirgends Genaueres, als in Kröv. Aus der dortigen, oben S. 180 f. präzi-
sierten Stellung des Vogts ergiebt sich, dafs er gräfliche Rechte und ferner die
obersten Rechte des Kaisers als fiskalischen Grundherrn ausübte. Von ihnen
erklären sich die letzteren speziell daraus, dafs die Kröver Vogtei aus den
Befugnissen der Aachener Pfalzgrafen abgeleitet ist*, die ersteren dagegen
sind allgemeinerer Natur. Zu ihrem Verständnis hat man sich zu vergegen-
wärtigen, dafs die Fiskalbezirke keineswegs von der Grafschaft eximiert waren ;
sie bildeten vielmehr, entsprechend den Hundertschaften, besondere Unter-
abteilungen der Grafschaft. So war es in karolingischer Zeit^ und so bliel)
^) Erhalten findet sich das Amt auch hier bisweilen dann, wenn ein voller alter
Fiskus, welcher rein dem platten Lande angehört, auf einmal in fremde Hände geraten ist.
Ein derartiger Fall liegt in unseren Gegenden nicht vor, läfst sich aber im Elsafs für den
alten, ganz an Andlau gekommenen Königshof Marlei konstatieren. Hier lieifst es im Ding-
hofrotel zu Marlei 1338, G. 2, 727: die Äbtissin von Andlau sol ouch einen büttel han . . ,
und sol ihn das dorf kiesen, . . und sol ihn der Schultheiß setzen . . . min froue sol han
einen Schultheißen, der Schultheiß sol m, fr. rechte forderen und sol ir dink besitzen hie
und in dem gericht, das darzu höret, zu dem gericht höret Marie und Kirchheim und Odratz-
heim und Cronthal und Northeim, das höret in sin gericht: hie ist er recht richter zu den
vorg. dörferen zu richtende alles, das man von recht richten sol. derselbe Schultheiß der hat
den gewalt zu tunde und zu lande an freveln und wette bis an 3 d. one alle geverde, und
was do feilet zu recht, des ist der dritte d. des vogts umbe das, daß er ihme helfe twingen,
was er nit getwingen mag. derselbe Schultheiß ist schuldig, m. fr. zu twingende und zu
richtende allen iren bresten one übergriffen an walde und velde, und sol ime dar ein vogt
zu recht helfen. '
2) Vgl. für Boppard : MR. ÜB. 3, 503, 1234 ; 844, 1245 ; für Oberwesel : MR. ÜB. 3, 164,
c. 1220; 1406, 1257; für Ingelheim: Loersch S. LXXIX f.; für Wetzlar: MR. ÜB. 3, 362, 1228;
für Kröv: Bd. 3, No. 297a, 1324; WKröv, G. 2, 372. Für Andernach und Koblenz sind zwar
auch Vögte nachweisbar, da aber beide Fisci in geistliche Hände (Köln bezw. Trier) gekommen
waren, so bleibt es fraglich, ob man Reichs- oder Kirchenvögte vor sich hat. Die Ober-
weseler Vogtei wurde im 13. Jh. abgelöst, s. MR. ÜB. 3, 1406, 1257.
=^) Bd. 3, 497, 7, c. 1324.
*) Engelmann bei v. Ledebur S. 6 f.
-') Cap. min. 792 oder 786, Boretius 8. 67, c. 4.
731 — Verwaltungsorganismus.]
es später ^ Als (laiin die Grafscliaftsreehte zc^rstiickelt wimlen, möi^eii (li(^
Köiiiiie dieselben, soweit sie sich über die Fisci erstreckten, an sich .gezogen
und bestinnnten Vertretern übertraiien hal)en: dies(^ ursprünglich amtlich,
später kraft eignen Rechtes auftretenden Vertretet" d(^r staatlichen, altgräflichen
Rechte im Fiskus sind die Vögte ^.
Die gerichtsherrlichen Vogteirechte aber weisen nunmehr dringend auf
eine kurze Erörterung der inneren Organisation der Fiskalgebiete überhaupt,
soweit sie in späterer Zeit erkennbar ist. Auch hier kann vor allem auf die
friihere Schilderung des Fiskus Kröv oben S. 180 f. verwiesen werden. Wie
dort Kröv, so ergeben sich alle übrigen Fisci durchaus nach dem Muster der
Hundertschaftsverfassung ausgestaltet^; sie haben eine dementsprechende Ge-
richts- und Heeresverfassung, und die autonome Wirtschaftsverfassung ist nicht
minder entwickelt, wie in den freien Hundertschaften. Jedes Fiskalgebiet
bildet mithin vor allem ein einheitliches Allmende- und Gerichtsgebiet "^ , ist
ursprünglich als Substrat einer Gemeinde gedacht. Aber wie aus der Hundert-
schaftsgemeinde, so haben sich auch aus der Fiskusgemeinde eine Anzahl von
Untergemeinden bis zu geringerer oder gröfserer Selbständigkeit losgelöst. Bei
dieser Loslösung übernahm dann der Fiskusvorort, zumeist eine sich eben
bildende Stadt, einen grofsen Teil der Vertretung der gemeinsamen Interessen -%
namentlich wurde sie zum Oberhof der in den Einzelgemeinden gebildeten
Untergerichte ^ Gleichzeitig aber erstarkte die Gemeinde des Fiskusvororts
^) MR. ÜB. 1, 293, 1018, der Fiskus Koblenz kommt an Trier: quandam . . curtem
nomine Confluentiam et abbatiam sitas in pago Tricliire, in comitatu \ ero BerchdokU comitis,
cum tlieloneo et moneta et cum omnibus eorum pertinentiis. CRM. 1, 62, 1064: octo
niansos in loco Sinzeclie dicto, in pago Argowe, in comitatu Sicconis comitis sitos. Ebenso,
nur dafs Graf Pertold genannt ist, Lappenberg, Hamb. ÜB. 1, 94, 1065.
2) Das gilt auch von der Bolandenschen Vogtei in Ingelheim, Loerscli S. LXXIX bis
LXXX; s. oben 728 Note 4.
3) Vgl. dazu die sehr charakteristische Schenkung in den Mitt. der antiqu. Ges. zu
Zürich 8 ÜB. No. 1, 853: K. Ludwig giebt seiner Tochter curtim nostram Turegum [Zürich]
. . im Thurgau cum omnibus adiacentiis et adspicientiis eins seu diversis functionibus, id
est pagellum Uroniae cum ecclesiis domibus usw. Es ist die Hundertschaft Uri.
^) Bezeichnend hierfür ist aus schon sehr später Zeit Guden. CD. 2, 957, 1271: bona
apud Bodendorp, prout sita sunt in banno sive in territorio iudicii de Bodendorp iudicii de
Sinziche, iudicii sive banni de Dunen ac iudicii sive banni imperii. Hier bezeichnet iudicium
den Gerichts-, bannus den Markbezirk. Man vgl. noch MR. ÜB. 3, 78, 1217; 362, 1228;
besonders wichtig aber sind für diese Dinge die Urkunden der neuerdings von Hoeniger
publizierten Andernacher Schreinsrolle, Ann. d. bist. Ver. f. d. Niederrh. 42, 1 — 60.
^) Vgl. z. B. MR. ÜB. 3, 1167, 1252: iudices scabini ceterique cives C'olonienses
einigen sich mit dem scultethus, den milites et cives Bopardienses ac universi sub ipsorum
iurisdictione et iudicio constitutis [diese heifsen nachher concives: aliquem civium Bopar-
diensem sive militem seu alium concivem] über die gegenseitige gleichmäfsige Behandlung
ihrer Bürger in Schuldsachen. Gegenurkunde von Boppard Ennen, Qu. 2, 324.
^) CRM. 2, 339, 1291, eine Bopparder Urkunde, spricht von civitatibus et villis, quo
iura sua apud nos requirunt et ex antiquo iure requirere debent.
47*
[Wirtschaft d. Grofsgmndbes. — 732 —
ZU einer hervorragend selbständigen Mark- und Gerichtsgemeinde ^ , aus der
sich noch früher, wie auf dem Lande in den Kollegien der Dorfgeschworenen ^,
in Bürgermeister und Rat die vollendeten Behörden komnumaler Selbstver-
waltung erhoben^.
Dieser Verfassungsentwicklung entsprach die Ausgestaltung der sozialen
Schichtung in den Fiskalgebieten. Sie wäre dieselbe wie in den freien Hundert-
schaften gewesen, hätten nicht die ursprünglich rein beamtenmäfsigen , später
zu erblicher Berechtigung erstarkten Subalternen der Fiskalverwaltung ein
besonderes Element in der Entwicklung abgegeben. Am bedeutendsten unter
ilmen sind in früherer Zeit und später auch noch soweit sie Ritter geworden
die königlichen Meier*; daneben stehen die Subalternen der technischen Ver-
waltung, die Förster, Münzer, Zöllner, Burgmannen u. s. w. ^. Sie alle zu-
sammen bilden jetzt den festen Körper der Reichsministerialität ; und sie ge-
langen namentlich in denjenigen Fiskalgebieten zu grofser Bedeutung, wo sie
in der ministerialischen Burgmannschaft einer dem Fiskalvorort benachbarten
ursprünglichen Reichsburg einen festen Krystallisationspunkt erhalten^. Ihnen
stehen an sozialer Bedeutung diejenigen hervorragenden Geschlechter der Fiskal-
eingesessenen zur Seite, welche infolge exklusiver Kooptation der Schöffen-
kollegien ausschliefslich schöifenbar geworden sind : Schöffenbare und Ministerialen
bilden zusammen die Klasse der Bevölkerung, aus deren Schofs sich die Ge-
richtspersonen rekrutieren und die Kommunal Verfassung entspringt ^
So ergiebt sich denn hier dasselbe Charakteristikum der Entwicklung,
w^elches sich im Schicksal so vieler frühmittelalterlicher Institutionen verfolgen
läfst: die subalternen Kräfte, ursprünglich in straffer Abhängigkeit von einem
mit weitgehender Vollmacht ausgerüsteten Oberbeamten, haben sich nach Weg-
fall dieses Beamten durch korporativen Zusammenschlufs gekräftigt; der neue
genossenschaftliche Halt gestattet ihnen die Fortsetzung ja Erweiterung ihrer
1) Vgl. MR. ÜB. 3, 141, 1220; Hennes ÜB. 1, 237, 1274; CRM. 3, 34, 1305, cit. oben
S. 296 Note 5.
2) S. oben S. 318 f.
3) Darauf ist hier weiter nicht einzugehen, s. oben S. 322 Note 1.
*) Zur Stellung der Königsmeier s. die Klage Erzbischofs Friedrich von Köln über
Heimich V., Cod. Udalr. 295, 167: quid de kathedris episcopalibus dicemus, quibus regales
villici praesident, quas disponunt et de domo orationis speluncam plane latronum efficiunt.
S. auch Lambert z. J. 1063, MGSS. 5, 167, 3. Die Meier erhalten sich bisweilen sogar
unter diesem Titel an Orten, die schon längst nicht mehr fiskalisch sind, für die Einnehmer
kleinerer noch fiskalischer Gefälle. So findet sich z. B. ein villicus regis in Andernach, MR.
Uß. 2, 91, 1187; Andern. Schreinsr. G. 2, 1244, c. 1215.
•^) Genaueres darüber später. Zum Zusammenhang der Fiskalbezirke bzw. der Fiskal-
höfe mit den Jagden s. Lac. ÜB. 1, 82, 132, 1000; zu dem mit der Verkehrsverwaltung vgl.
unten Bd. 2, 257.
^) Vgl. z. B. für Boppard MR. ÜB. 3, 664, c. 1220; 360, 1228; 641, 1238; 844, 1245;
1034, 1250; 1379, 1257.
■'j Äufserst bezeichnend für ihr gegenseitiges Verhältnis ist die Bopparder Urkunde
im CRM. 2, 339, 1291.
— 733 — Verwaltungsorganisraus.]
Funktionen auf autonomer Grundlage, und die Beibehaltuni»- dieser Funktionen
durch Generationen hindurch unter starkem Anwachsen der beteiligten Familien
bewirkt schliefslich die Ausbildung eines vollen neuen Standes. Grofse
Ministerialengeschlechter in jedem Fiskus, aber kein oberster und direkter
Beamter mehr im Sinne des alten königlichen Verwaltungsrechtes, im wesent-
lichen nur noch in den städtischen Fiskalvororten Schultheifsen als königliche
Stadthäupter mit einigen weiteren in das platte Land hineingreifenden Befug-
nissen: das ist die verfassungsmäfsige Signatur der meisten Fiskalherrschaften
der Stauferzeit.
Jetzt aber sei die oben S. 726 gestellte Frage wiederholt: wie verhält sich
die Organisation der aristokratischen Grundherrschaften und deren Entwick-
lung zu den Schicksalen und zur ursprünglichen Ausgestaltung der Fiskal-
verwaltung?
Gehen wir auf die karolingische Zeit zurück, so liegt in den bekannten
Urbaren dieser Zeit, vor allem in dem unserer Gegend angehörigen Urbar
von Prüm auch nicht die geringste Spur eines zahlreicheren, den ludices ent-
sprechenden Beamtentums vor. Was Guerard für Frankreich ausgeführt
hat\ das gilt auch für Deutschland: es giebt keine höhere Klasse von grund-
herrlichen lokalen Verwaltungsbeamten, als die Meier der einzelnen Fronhöfe.
Dagegen kommt allerdings schon in karolingischer Zeit in der Zentralver-
waltung geistlicher Grundherrschaften oder auch bei sehr grofsen Grund-
herrschaften von der Zentralverwaltung detachiert ein Beamter vor, dem zwar
nicht die Wirtschafts- wohl aber die Gerichtsfunktionen des Iudex für die ge-
samte Grundherrschaft bezw. grofse Teile derselben zufallen. Es ist der Viztum
oder Propst^. Und dieser Beamte wird später Schultheifs genannt^. Die beste
Information über ihn erhalten wir nach der Überlieferung unserer Gegend aus den
Dokumenten der Abtei Prüm — eben jener Abtei, für welche wir die Abwesenheit
von lokal verteilten Schultheifsen, welche den ludices entsprächen, für den Schlufs
des 9. Jhs. mit Sicherheit konstatieren können*. Hier finden wir noch um
1280 auch keinen Beamten der Zentralverwaltung, welcher mit den sonst schon
früher vorkommenden Klosterschultheifsen verglichen werden könnte, vielmehr
1) Polyptique de l'abbe Irminon 1, S. 438.
2) Guerard a. a. 0. S. 436 bemerkt hierzu: L'officier qui parait repondre au judex
est le vicedominus, l'aclvocatus et quelquefois le praepositus. Von ihnen fällt indes der Vogt
weg: er hatte in karolingischer Zeit allerdmgs jurisdictionelle Befugnisse in den geist-
lichen Gnmdherrschaften zu versehen, welche in den Fiskalgebieten dem Iudex anheim-
fielen (vgl. dazu Guerard S. 437 f.) — das ist aber auch der einzige Vergleichspunkt
zwischen beiden.
3) Ein Schultheifs am Hofe des Abts von Marmoutier im J. 1163, Hanauer Constitutions
S. 74 — 75. Auch die Äbtissin von Hohenburg hat solch einen Schultheifsen: Hanauer
Constit. S. 244 § 1: das min frowe sol hie uf demselben berge haben ein Schultheißen, der
hieuf sitzet mit huse, und sol der ein Hohenburg man sin.
*) Man vgl. auch noch zu Echternach MR. ÜB. 2, S. 520 s. v. scultetus.
[Wirtschaft d. Grofsgrimdbes. — 734 —
Iiält der Abt das Hauptgericht der Grimdherrschaft selbst ab, während die
Meier oder Lokalschiütheifsen ^ den einzelnen Hofgerichten vorstehend Doch
ist für das Hauptgericht eine Vertretung vorgesehen, es kann gehalten werden
per abbateni vel per alium, quem ad hoc deputandum duxerit^. Und schon
in eben der Urkunde, welche diese Bestimmung enthält, ist die Möglichkeit
dieser Vertretung des Abtes durch Oberbeamte wenn auch nicht für das
Hauptgericht, so doch für eine Reihe zusammenliegender Höfe an der Mosel
fester ins Auge gefafst : in § 1 1 (S. 83, 23) ist die Rede von officiatis superiori-
bus (in einer nahezu gleichzeitigen deutschen Übersetzung ubiramptlude) . . de
novo super Mosellam instituendis , sive villici sculteti . . vel alio nomine num-
cupentur ex usu. Diesen Intentionen für die Mosel wie in erweiterter Aus-
führung für die Umgegend von Prüm entsprechend erscheinen dann 1291 zwei
Oberschultheifsen, der eine um Prüm, der andere auf der Mosel, als Vertreter
des Prümer Abtes als Gerichtsherren: die Hofgerichte werden auch jetzt noch
von den Meiern oder Schultheifsen gehalten, edoch der apt, wanne daz er wil,
mit im selver oder mit sinen ubirscultessen mag in den hoven dingen und
die selve dignisse besitzen*. Diese beiden Oberschultheifsen entsprechen nun
ganz den sonst meist nur in einem Exemplar vorhandenen Klosterschultheifsen,
früheren Viztumen oder Pröpsten geistlicher Grundherrschaften; ihre Funk-
tionen decken sich also ungefähr mit den gerichtlichen Funktionen der fis-
kalischen ludices. Genauer zeigt das noch das grofse Weistum von Rommers-
heim vom J. 1298, welches einen vorzüglichen Überblick über die Funktionen
des Prünier Oberschultheifsen für die Umgegend von Prüm gewährt. Ober-
schultheifs ist damals der Ritter Thielmann von Cronenburg; er ist Richter des
Obersten Hofes zu Rommersheim; zu seinen Dienstobliegenheiten als richter-
lichen Vertreters des Abtes gehört es, in jedem Unterhofe seines Bezirkes
jährlich ein Ding abzuhalten, sowie die oberste Gerichtspflege überhaupt, z. B.
heim Zweikampf, zu handhaben; aufserdem konkurriert er im Aufgebot zum
Heeresauszug und in der Verleihung von Salgut mit dem Unterschultheifsen
der einzelnen Höfe. Es ist klar, dieser Oberschultheifs repräsentiert ein neues
Amt, dessen Funktionen im Anschlufs an früher schon anderwärts bestehende,
zur obersten Verwaltung der Immunitätsrechte geschaffene Beamtungen be-
gründet und geregelt sind; von einer unmittelbaren Ableitung von den alten
Gesamtfunktionen des Iudex aber kann keine Rede sein.
Wie in Prüm so stellen sich aber seit dem 12. und 13. Jh. die Dinge
auch in den anderen gröfseren Grundherrschaften. Mit der Stauferzeit trat
^) Hier wird das Wort Schultheifs dem für Ingelheim oben S. 728 festgestellten Sinne
entsprechend identisch mit Meier gebraucht (vgl. Bd. 3, 80 § 2 stets sculteti sive villici);
üljer diese restringierte Bedeutung s. Genaueres weiter unten S. 735 f.
2) Bd. 3, 80 § 1 u. 2.
3) Bd. 3, 80, 20.
*) Bd. 3, 97 § 2.
735 — Verwaltungsorganismus.]
die Wirtseliaftsvorwaltiinii" in den (irundherrschaften, wie wir in einem späteren
Absclinitt sehen werden, innner mehr zurück, die reclitliche Seite dagegen fand
innner stärkere Betonung. Da war es notwendig, die Eechtspflege besser als
bisher auszugestalten — eine Anforderung, w^elche infolge des nunmehr völlig
zu Tage liegenden Verfalls der Grafengewalt doppelt streng genommen werden
mufste. Wie aber konnte man ihr besser nachkommen, als indem man in
kleinen Grundherrschaften im. Anschlufs an den alten Viztum bezw. Propst
einen höheren Gerichtsbeamten ausbildete, in gröfseren aber mehrere höhere
Gerichtsbeamte für zusammenhängende Teile der alten Hofesverfassung als
besondere Stellvertreter des Grundherrn in Gerichtssachen schuf? Solche
Beamte aber sind die in der Stauferzeit völlig entwickelten grundherrlichen
Schultheifsen. Es ist naturgemäfs, dafs sie zuerst in grundherrlichen Städten
auftauchen^; später finden sie sich auch für ländlich-grundherrliche Kreise;
und nirgends können wir ihr allmähliches Aufkommen im einzelnen besser ver-
folgen, wie in der erzstiftisch Trierischen Grundherrschaft um die Wende des
12! und 13. Jhs.2.
Aber neben diesen generellen Schultheifsen kommen noch geringere
Schultheifsen nur für einen Hof vor. Ihren Ursprung haben wir schon im
Ingelheimer Fiskalgebiet kennen gelernt: ist er stets derselbe? Auch hier
sind die Prümer Urkunden aus der 2. H. des 13. Jhs. wieder in besonderem
Grade lehrreich. Zunächst unterliegt es nach ihnen keinem Zweifel, dafs diese
geringeren Schultheifsen mit den Meiern parallel zu stellen sind; die Texte
sprechen von sculteti sive villici, meiere und scultes; es erglebt sich, dafs
sie beide, Meier wie Schultheifs, Fronhöfen vorstehen^. Gleichwohl sind sie
nicht völlig identisch. Der Meier ist zugleich der Gerichts- und Wirtschafts-
vorstand des Hofes ; der Schultheifs braucht nur der Gerichtsvorstand zu sein,
neben dem noch nebenher im Meier oder Baumeister ein besonderer Wirtschafts-
vorstand bestehen kann*. Man sieht, wie das Schultheifsenamt dem Meieramt
1) Man vgl. für Trier MR. ÜB. 2 S. 520 s. v. scultetus, auch Bd. 2 S. 625 Note 4.
Femer für Bingen MR. ÜB. 3, 1037, 1250; für Bacliarach MR. ÜB. 3, 1443, 1258; für Bern-
kastei oben S. 171. Wo ein alter fiskalischer Schultheifs safs, ging derselbe l)ei Yeräufserung
des alten Fiskalgebietes natürlich mit an den neuen Herren über, vgl. für Boppard Honth.
Hist. 1, 20, 1803: per honestum virum C. schultetum Bopardiensera fidelem nostrum
[archiepiscopi]. Derselbe Fall liegt vielleicht schon für die Schultheifsen von Trier vor.
2) S. die ausführliche Darstellung des Vorganges unten in Bd. 2, 171 f.
3) Bd. 3, 63 § 2, 1280; 97 § 2, 1291. bi späteren Dokumenten werden die Schult-
heifsen auch villarum praetores genannt, Honth. Hist. 2, 215, 1361.
•*) Vgl. WRommersheim 1298 § 5 : ein Abt mag kiesen in allen hoven einen scholteißen,
der ieme beholflichen ist, und sal damite brechen und bützen und den verantworten zu allin
sinen willen, als lange als er eme beholflichen und nutzlichen is, und mach he dan einen
anderen kiesin in vurs. maißen ane wederrede sins vaitz . . § 7: ein abt sal kesin vorster
visscher und bümeister in allin hoven, sowie der hoeve gewainheit steit, und sal damite eime
vaide nit unrecht doin. Dazu s. ferner WRommersheim § 16: wenn ein Vogtsmann räumt
oder stirbt, an dessen Hof sal ein hoifsscholtes und der gesworen boede und der meiger neit
hant ane slaen. Der Hof soll aber später kommen in viemgewalt und in des hoefscholtes
[Wirtschaft d. Grofsgriiiulbes. — 736 —
entwächst. Sol)ald das Meieramt erblich zu werden begann \ und sobald in
gleicher Zeit die Richtung, vornehmlich die rechtliche Seite der Grundherrschaft
zu betonen, erwachte, lag es aufserordentlich nahe, dem Meier die bisherigen
gerichtlichen Funktionen zu entziehen und mit denselben einen besonderen
Beamten, den Schultheils, zu betrauen. Wo man aber entweder noch weiter
ging und das alte M(Mergeschlecht verdrängte, oder aber nicht so weit kam,
dem Meier seine Gerichtsrechte abzuzwängen, (U vereinigte man in der Hand
des neuen Schultheilsen aucli die wirtschaftlichen Funktionen, bezw. übergab
dem alten Meier als Schultheifs die gerichtlichen Befugnisse. So entstehen
denn jene Mischformen, welche man in der Prümer Grofsgrundherrschaft
während der 2. H. des 13. Jhs. antrifft: an der Spitze der einfachen Fron-
höfe entweder Schultheifsen (bezw. in den Urkunden von 1280 und 1291 auch
noch Meier) mit den vollen wirtschaftlichen und rechtlichen Funktionen der
alten Meier, oder Schultheifsen mit nur rechtlichen Funktionen und daneben
noch für den Wirtscliaftsbetrieb besondere Meier oder Baumeister ^. Der Über-
gang a])er, welchen die Prümer Grundherrsciiaft in der 2. H. des 13. Jhs. auf-
weist, vollzielit sich auch anderweits, und teilweis schon früher: so findet sich
in Graach im J. 1168 ein erzstiftisch Trierer Schultheifs^, welcher kein Vor-
läufer der späteren gröfsen^n Schul theifsenausl)ildung ist, über welche Bd. 2
S. 171 f. handelt, sondcnii nur als Fronhofschulthc^fs erklärt werden kann;
und in (I(t SMaximiner Grundherrschaft sind um di(^ Wcmde des 12. und
13. Jhs. verwandte Schultheifsen in Kenn, Longuich, I)(^tzem, Luxem, Matzen,
Moertz, Hilbersheim, Simmern u. Dh., Thal)en und Kürenz* vorhanden.
Üb(^rsehen wir jetzt die bisher zur Entwicklungsgc^schichte der grundherr-
lichen Organisation gefundenen Ergebnisse, so sind für den ferneren Gang der
Untersuchung besonders folgende Thatsachen festzustellen. Die Funktionen des
karolingischen Iud(^x (^rhalten sich in den Fiskalgebieten, soweit sie dem platten
Land(^ angehören, bis zur Höhe des Mittelalters nur noch in abgeschwächten
Resten, soweit sich dvr Vorort des Fiskalgebietes zur Stadt entwickelt, in
specifischer der städtisclu^n Entwicklung ang(^pafster Form noch länger. Dem
karolingischen Iudex entspricht kein Beamter der aristokratischen Grundherr-
schaften; in Parallele mit ihm stellen kann man nur den Viztum oder Propst,
der aber nicht der Lokalverwaltung angehört und nur Vertreter der rechtlichen
Interessen des Grundhenii zumeist als Immunitätsherrn ist. Der o1)erste grund-
liant . . , bis ein ander genoissich man darbi kompt. Aufserdem pfändet der Scliultlieifs zn-
sammen mit dem Fronboten (^ 12) und verleiht das Salgut (^ 20, 27).
J) S. darüber unten S. 771 ff.
2) Ein solcher Fall liegt z. B. vcsrmutlicli auch vor in WDrusenheim, G. 1, 734: solle
ein abt von Swartzacli haben sitzen von sant Pc^ters gnaden einen gewaltigen schultheilk'n zu
Trusenheim an dem gericlite; und waz derselbe Schultheiß nit getwingen mag, daz solle ime
ein vougt helfen twingen. darurnbe so nimpt ein vougt daz dritteil von den großen freveln.
■') MR. ÜB. 1, 653, 1168.
*) USMax. 8. 441, 443, 447, 449, 450, 454, 455, 466.
— 737 — Verwaltungsorgan isnnis.]
hen'li(^h(^ Wirtschaftsbeamte aursorhalb der Zentralstelle ist der Meier, v.v ist
der mit (1(mii fiskalischen Fronhofsmeier identische Beamte. Eine Änderung in
dieser Verfassuni;' der aristokratischen Grundherrschaftvn tritt mit der 2. H.
des 12. Jhs. ein, mit dem vollen Verfall der Grafschaftsrechte und mit dem
Zunehmen der Neigung, die Grundherrschaft vornehndich als Rechtsinstitut an-
zusehen. I)i(^se Änderung gewinnt einen doi)i)elten Ausdruck. Einmal werden
in den einzelnen Fronhöfen wirtschaftliche und rechtliche Funktionen schärfer
getrennt, letztere besonders betont und dements})rechend entweder für sie neben
dem Meier ein besonderer Beamter, der Schultheifs kreiert, oder aber der Meier
zum vornehndichen Gerichtsbeamten, oft auch unter der Bezeichnung Schultheifs
umgeschaffen. Ferner aber wird — soweit nicht, wie bei kleineren Grundherr-
schaften, der alte Viztum oder Propst ausreicht — für die Gerichtsverwaltung
eine Mittelinstanz zwischen Fronhöfen und Zentralstelle geschaffen, für deren
Bezeichnung in denjenigen Grundherrschaften, wo die Meier der Fronhöfe trotz
anders betonter Funktionen ihren alten Titel behalten, der Titel Schultheifs,
in denjenigen Grundherrschaften, wo die Bezeichnung Schultheifs schon für
den Vorstand der Fronhöfe verbraucht ist, der Titel Oberschultheifs in An-
wendung konnnt. Ein Beispiel für den ersten Fall ist die Grundherrschaft
des Trierer Erzstiftes, für den zweiten diejenige der Abtei Prüm. Natürlich
ist die verschiedene Verwendung des Titels Schultheifs geeignet, Verwechs-
lungen hervorzurufen. Um sie in unseren Erört(3rungen zu vermeich^n ^ wenden
wir da, wo eine scharfe Trennung der Begriffe notwendig ist, folgende Aus-
drücke an: Oberschultheifs für die Mittelinstanz zwischen mc^hreren Fronhöfen
und der Zentralstelle ; Schultheifs oder Vollmeier für den gerichtlichen und zu-
gleich wirtschaftlichen Vorstand des Hofes; Hofschultheifs für den nur gericht-
lichen Vorstand eines Fronhofes, neben dem noch ein Meiei* stellt; Wirt-
schaftsmeier für den nur wirtschaftlichen Vorstand des Hofes.
Und nunmehr gehen wir völlig zur Untersuchung der Wirtschaftsver-
fassung der aiistokratischen Grundherrschaften über, um die Erfahrung reicher,
dafs wir den karolingischen Iudex und seine Funktionen keinesfalls zu ihrem
Verständnis heranziehen dürfen^. Aus der ganzen Fiskalverfassung bleiben
') Die geschilderte! Entwicklung wird in Abschnitt VII Teil 1 noch weiter zu be-
sprechen sein. Doch sei zur Stützung der bisher beigebrachten Beweise; schon hier darauf
hingewiesen, dafs die Trennung zwischen Meier und Schultheifs schon für die im 12. und
13. Jh. erfolgende Besiedlung des Ostens mafsgebend geworden ist. Bei derselben finden
sich überall Schultheifsen als Unternehnrier und erhalten Erbschulzenamt n»it eigenem Hofe,
während die Gutsherren auf ihrer Hufe als Verwalter einen Meier (villicus) haben.
2) Das eben ist i)islang geschehen und hat das Verständnis der grundherrlichen
Organisation, soweit sie nicht fiskalisch ist, getrübt. Einigermafsen ausgeglichen wurde der
Fehler noch dadurch, dafs man fiskalischen und sonstigen Grundbesitz seinem verschiedenen
Charakter nach nicht unterschied, sich von der Territorialanlage und -gröfse der Fisci keine
auf die Erklärung des Cap. de villis angewandte Vorstellung machte — v. Maurer, Fronh.
1, 285, wie v. Inama, Wirtschaftsg. 1, 321 halten den Fiskus für eine blofse Domäne — und
[Wiitscliaft d. Grofsgmndbes. — 738 —
als Vei'gleiclisobjekte vielmehr nur der Meier und die übrigen Subalternen
der Forstverwaltung, der Verkehrsverwaltung u. s. w. iibrig, also diejenigen Be-
amten, über welche wir aus dem Cap. de villis wie aus der sonstigen karolingischen
Gesetzgebung nur wenig erfahren. Wir werden deshalb gut thun, für das
Verständnis der grundherrlichen Verwaltungsorganisation nicht so sehr aus fis-
kalischen Analogieen\ als vielmehr aus einer genauen Kenntnis des Ver-
waltungssubstrates, aus einer Untersuchung über die Verhältnisse des grund-
herrlichen Bodens sichere Anhaltspunkte zu gewinnen.
Und hier stehen wir schon auf der Hauptsache nach gesicherter Grund-
lage: wir wissen, dal's der aristokratische Grundbesitz im Gegensatz zur
Jemgemäfs zu einem richtigen Verständnis der Stellung des Iudex nicht gelangte. Natürlich
ergab sich dui'ch die Anwendung des fiskalischen Schemas auf die anderen Grundherrschaften eine
starke Gliederung derselben nach Haupt- und Unterhöfen, deren Existenz quellenmäfsig nicht
zu belegen war, für welche man daher eine Anzahl in dieser Sache nichts beweisender
Stellen über Zuziehung einiger Hufen zu gewissen Fronhöfen u. a. m. benutzte, vgl. z. B.
V. Tnama, Grofsgrundh. S. 97. Nicht minder unklar ist man sich bisher über den Unter-
schied zwischen Meier und Schultheifs geblieben. Der einzige Forscher, welcher ihn
stärker betont, ist Hanauer, vgl. z. B. Paysans S. 94 f. Doch kommt H. über die Kon-
statierung des Unterschiedes selbst nicht hinaus und findet namentlich keine Erklärung seiner
geschichtlichen Entstehung. Zur Thatsache selbst vgl. noch Liesegang, Histor. Zs. N. F.
19, 111 : in Andernach heifst der Reichshofbeamte gegen Ende des 12. Jhs. noch villicus
oder iudex, aber seit dem Anfang des 13. Jhs. etwa wird scultetus gebräuchlich. S. auch
Waitz, Vfg. 8, 76-77.
1) Der Gedanke, der aristokratische Grofsgrundbesitz sei durchweg dem fiskalischen
analog organisiert, ist aber bislang für die Forschung mafsgebend gewesen. Das gilt auch
noch zum guten Teil für v. Inama, s. Grundh. S. 47, 92, Wirtschaftsg. 1, 324, und besonders
prägnant Grundh. S. 96: So entstand . . jene Yillenverfassung, welche uns am vollständigsten
aus dem Capitulare de villis bekannt ist, aber auch bei weltlichen und geistlichen Grund-
herren im Laufe der Karolingerzeit eine allgemeine Einführung gefunden hat. Indes macht
V. I., Grundh. S. 97 und Wirtschaftsg. 1 , 305, doch schon einen Unterschied zwischen den
Grundherrschaften des Laienadels und der Kirche; die Besitzungen des ersteren werden nach
ihm regelmäfsig auf Rechnung der Herrschaft durch Vögte und Meier bewirtschaftet, während
der geistliche Besitz vielfach nur aus dienenden Hufen bestanden habe, deren Kolone als
Propst mit der Überwachung seines Villikationsbezirkes betraut war. Den Beweis für die
Identität der fiskalischen und sonstigen grundherrlichen Verwaltung sucht v. I. in detailliertem
Eingehen Wirtschaftsg. 1, 324 zu erbringen, indes mit Ausnahme der fiskalischen Buch-
führang, deren Einführung auch ihm (S. 393 f.) unwahrscheinlich dünkt. Die a. a. 0. bei-
gebrachten Beweisstücke schrumpfen nach eigner Angabe v. I.s (S. 325— -26) fast ausschliefslich
auf Prümer Nachrichten zusammen: die Prümer Angaben aber beweisen die aufgestellte Be-
hauptung nicht. Was zunächst die drei Oberhöfe Prüm, SGoar und Münstereifel angeht, so
stammt die Nachricht über sie allein aus dem 13., nicht aus dem 9. Jh., und die Erklärung
für ihre Existenz mufs auf ganz andere Verhältnisse, als die karolingische Villenverfassung
zurückgehen (s. weiter unten). Bleibt die Unterordnung gewisser mansi indominicati unter curiae
oder fisci übrig, wie sie v. I. beispielsweise für Rommersheim, Salmrohr, Klüsserath und
Trittenheim behauptet. Die hier von v. I. angezogenen Notizen lauten für Rommersheim
terra indominicata mansa 7; und ganz ähnlich für Salmrohr terra dominicata mansus 3, für
Klüsserath und Trittenheim: inter Clutterche et Trittenheim sunt mansa 24, ex his sunt
— 739 — Verwaltungsoiganismus.]
territorialen Geschlossenheit der Fiskalgebiete vornehmlich durch seine Streu-
lage charakterisiert wird. Zwar soll nicht geleugnet weiden, dais sich in
älterer Zeit auch aristokratischer Grundbesitz von bedeutender und einheit-
licher territoriale]' Ausdehnung findet — schon die bis ins 11. Jh. nachweis-
bare Verwendung der Worte curtis und villa für den einen Begriff des Fron-
hofes beweist das\ und es lassen sich auch wenigstens bis ins 10. Jh. hinein
zahlreichere und auch später noch vereinzelte Beispiele gröfserer territorial
geschlossener Fronhöfe nachweisen^. Aber diese Nachweise ergeben doch nur
bestimmte und relativ seltene Ausnahmen^; im allgemeinen unterliegt die That-
sache regelmäfsigen Streubesitzes für die Fronhöfe auch nicht dem geringsten
dominicata 10 et 7; und sie sind zu übersetzen: in Rommersheim verfrontes, d. h. zum Eigen-
betrieb des Hofes eingezogenes Land 7 Hufen u.s.w. Diese Angaben gehen also keineswegs
auf Höfe, welche einem Haupthofe untergeordnet wären, sondern auf als mansi absi (s. unten
S. 749 f.) eingezogene Hufen, welche einstweilen in Eigenkultur des Grundherrn stehen.
Oder sollen etwa in Klüsserath-Trittenheim auf einen Haupthof von nur 7 Hufen Landes
17 Unterhöfe kommen?
1) Vgl. Hanauer, Paysans S. 41, sowie MR. ÜB. 1, 273, 996, und MR. ÜB. 1, 152,
1059, cit. oben S. 332 Note 8. Dagegen sehe man WFötz 1560 § 3: die scheiFen erkennen,
Vetz kein haus noch liof zu sein, sondern ein dorf.
-) G. ep. Camerac. 2, 17: fuit autem huic . . predium, quod Martinas dicitur [Merchten
in Brabant?: Le Glay], familiis quidem et rebus circumfluis locupletissimum ... in eodem
pago, villa videlicet quam loci habitatores Ham [bei Vilverde] dicunt, defunctus . . ad
Martinas deportatus. Das predium umfafst hier wohl den ganzen pagus, dessen Hauptort
Martinae ist, daneben kommen eine Reihe villae, wie z. B. Ham, vor. S. ferner MR. ÜB.
1, 14, 762 — 804, Dingsdorf: mansum cum curtilis et uilares una cum terris vel superposito,
tarn terris quam pratis necnon et silvis sive etiam pascuis aquis vero aquarumve decursibus,
mobile namque et immobile omnia et ex omnibus totum namque et ad integrum, quantum
vero cumque ab ipso manso aspiciat vel quicquid de parte genetricis tue Bertradane tibi
itaque ibidem legibus obvenit tam de alode quam et de comparato seu de quolibet attracto.
Acta acad. Theod. Palat. 6, 243, 796 : Jemand schenkt villas meas apud flumen Blesa, quibus
vocabula sunt Ramesbach, Dittelveinga et Vilarium [Bliesransbach , Dietelfingen , ?Wallers-
hofen] . . una cum berniis [1. perviis] casis superpositis aedificiis, cum adiacentiis eorum
ibidem adspicientibus vel pertinentibus, campis usw. Bertholet 2, P. just. 58, 814: der h.
Remaclus baut Stablo und Malmedy, K. Sigibert giebt um beide Orte herum de sua foreste
12 leugas undique mensuratas sive quae infra erant. Folgen die genaueren Grenzangaben. MR.
ÜB. 1, 190, 948 — 50 werden 2 curtes genannt Bodenheim et Sconilar dictae . . villulis duabus
adiunctis [es sind wieder B. und S. gemeint]. Aus späterer Zeit vgl. noch *ULehmen, Hs.
Koblenz St. A. CXIa Bl. S8^. S. auch noch Landau, Salgut.S. 56 f.; Back, Ravengiers-
burg 1, 61 ; Hanauer Paysans S. 5 f., 37 f.
^) Dagegen sind nach v. Maurer, Einl. S. 97, die meisten landesherrlichen Domänen
aus ehemaligen Reichs-, Gau- oder Centallmenden hervorgegangen. Bei solchen Ansichten
ist natürlich eine grofse Übertreibung der Bedeutung der einzelnen Grundherr schaft nicht zu
vermeiden, vgl. z. B. v. Maurer, Fronh. 1, 202. Zu der auf ihr beruhenden Auffassung der
grundherrschaftlichen Organisation vom Gesichtspunkte des Rittergutes aus s. v. Maurer,
Fronh. 1, 254, 258, 273, 314, 322, 335 u. s. f.
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 740 —
Zweifel. Das gilt auch für die älteste Zeit ^ ; schon am Schlufs des 9. Jhs. ist
die Erscheinung so selbstverständlich, dafs in den Urbaraufzeichnungen, z. B. im
Priimer Urbar, die einzelnen im Streubesitz liegenden Hufen gar nicht mehr
besonders als so gelegen bezeichnet werden, sondern sich unter der Haupt-
rubrik des Hofes, von welchem sie ressortieren, einfach mit aufgezeichnet finden ^.
Auch später tritt in diesen Verhältnissen trotz aller Tausch- und sonstigen
Abrundungspolitik eine fühlbare Änderung nicht ein; sehen wir von anderen
Beispielen ab^, so finden wir z. B. im J. 1030 einen Hof mit Dependenzen
in 4 Orten*, im J. 1103 einen solchen mit Dependenzen an 11 Orten ^, um
die Wende des 12. und 13. Jhs. einen MaximinerHof mit Zubehör in 7 Orten ^;
und im J. 1232 wird ein Hof erwähnt, quam habent [monachi Lacenses] in
Cruthe et alias in Meineveit vel ubicumque in Palacia [der Pellenz] ^. Darf hier
ein allgemeiner, aus umfassender Lektüre der Quellen gewonnener Eindruck
wiedergegeben werden, so nimmt der von den einzelnen Fronhöfen ressortierende
Streubesitz bis zum 13. Jh. eher zu als ab. Seitdem aber scheint eine für grofse
und kleine Grundherrschaften divergierende Entwicklung einzusetzen. Während
bei den kleineren Grundherrschaften die Verstreuung des Besitzes infolge
mannigfachen Verkaufs am einen, Kaufs am anderen Orte zunimmt^, kommt
es in denjenigen Grundherrschaften, welche als Substrat für die Bildung eines
Territoriums dienen, zum festeren Zusammenschlufs der einzelnen Hofdepen-
denzen. Sehr deutlich erhellt dieser Vorgang in dem Luxemburger Urbar
aus dem Beginn des 14. Jhs. ^; hier sind Fälle, wo die Dependenzen eines
Hofes zerstreut liegen und etwa gar verschiedenen Bezirken der neugebildeten
1) Vgl. Honth. Hist. 1, 91, 698; MR. ÜB. 1, 61, 835; 93, 856; 139, 895; 136, 894:
villam [Mery Grafschaft Verdun] cum integritatibus suis in quorumcunque pagorum seu
comitatuum finibus sitis; vgl. dazu MR. ÜB. 1, 152, 908: res in villa [Enkirch] sive undique
coniacentes et illo pertinentes.
2) Vgl. Bd. 2, 88.
») Vgl. schon oben S. 705 f, sowie Lac. ÜB. 1, 51, 91, 981; Flod. z. J. 938, MGSS. 3,
385, 3 f.. MR. ÜB. 1, 273, 996; 287, 1008—16; 325, c. 1045; Act. Theod. Palat. 6, 111,
1091; MR. ÜB. 1, 390, 1096; 396, c. 1098.
4) MR. ÜB. 1, 302, 1030.
5) MR. ÜB. 1, 407, 1103; s. oben S. 705-706.
6) USMax. S. 449, Rittersdorf.
'^) MR. ÜB. 3, 461, 1232.
^) Das gilt wenigstens für die Grundherrschaft von SMaximin, wo ein Vergleich des
USMax. 12. Jhs. mit dem *USElisabeth-Hospital aus dem Ende des 13. Jhs. und dem
*Grofsen Urbar von 1484 die Beweise liefert. Man vgl. auch WSimmern u. Dh., G. 2, 145.
Vielfach trat wolü auch dadurch Zerstreuung ein, dafs einzelne nur persönlich Zinspflichtige
Freizügigkeit erlangten; einen Anklang in dieser Richtung ergiebt schon OMR. 3, 448, 1358:
den fronehof (zu Stremiche) mit den luden, die in den hof gehorent, so wo die lüde sin gesessen.
») Bd. 3 No. 287.
— 741 —
Verwaltungsorganismus.]
Tenitorialäinter angehören, selir selten ^ Sieht man indes von dieser terri-
torialistischen, aus dem Verfall der Grundherrschaften heraus zu neuen lebens-
vollen Institutionen führenden Entwicklung ab, so Avird man bis ins 13. Jh.
hinein und in den meisten Giimdherrschaften auch für die Folgezeit einen
weitverbreiteten Streubesitz als grundlegend für die Organisation der Ver-
waltung ansehen müssen.
Und dieser Besitz umfafste keineswegs selbst da, wo er in einem Fronhof
kumulierte, die ganze Ortschaft: es ist schon früher gezeigt worden, wie ein
Dutzend und mehr Grundherren am gleichen Orte nebeneinander Grundbesitz
haben konnten^.
Es steht mithin der Streubesitz in keinerlei sicherem Verhältnis zum Um-
fang des Grund und Bodens, der einem bestimmten Fronhof angehörte; viel-
mehr erfordert die Frage nach der den einzelnen Höfen unterstehenden Besitz-
masse noch besondere Untersuchung. Gehen wir hier von den Verhältnissen
der groisen Grundherrschaften aus, welche uns durch Urbare genauer bekannt
sind, so ergiebt sich das Folgende. Es hatten, abgesehen von Salland:
Zeit
GrundheiTschaft
Höfe-
zahl
Hof mit Maximal-
besitz
Hufen Erben
Hof mit Minimal-
besitz
Hufen I Erben
Durchschnitts-
besitz
Hufen Erben
9. Jh. Ende
9.— 11. Jh.
1030
12.Jli.Ende
13.Jh.Anf.
Prüm
Mettlach
SMaria-ad-mar-
tyres -Trier
SMaximin-Trier
Erzstift Trier
118
68
__^
1
13,6
13
6OV2
—
6
—
13
12
28
5
—
15,7
49
48
bzw. 27V2
37
4
bzw. 2
5
|22,4
21
771/2
—
5
—
29,6
5,7
Scheint es nach den aus dieser Tabelle sich ergebenden Daten, als wenn
im Laufe des früheren Mittelalters, von der Karolinger- bis zur Stauferzeit,
eine bedeutende Erhöhung der den Fronhöfen unterstehenden Hufenzahl von
etwa 13 Hufen bis auf das Doppelte stattgefunden habe, so entsprechen dieser
1) So gehören z. B. ULuxemburg 356, 5 f. zum Hofe Attert 6d Vogteien zu Schou-
weiler und Bettingen 7e und Rippweiler 6e, sowie Tontlingen 6d, von denen Schouweiler
und Bettingen nicht in derselben Chastelerie Arlon, wie Attert, sondern in der Prevoste
Luxemburg liegen. Ähnlich gehört Thiaumont 6d zu Wolkringen 7d (S. 357, 19).
2) S. oben S. 135.
[Wirtschaft d. Grofsgnmclbes.
— 742 —
Anschauung doch die sonst zur Verfügung stehenden Nachrichten nicht völlig ^
Als Ausgangspunkt ergiebt sich allerdings auch nach diesen fast genau die
Ort des Hofes.
Hufen.
Sonstiger Besitz.
Quelle und Zeit.
Leudesdorf
15
9 arip, vinearum
Einh. Transl. ss. Petr. et Marc. Jaffe 4, 496.
Matzem
3
curtilli
MB. ÜB. 2, 20, 832.
Osweiler
2
—
MB. ÜB. 2, 22, 835.
Albisheim
13
—
MR. ÜB. 1, 61, 835.
Wissersheim
7
3 sedii cum viniolis
MR. ÜB. 1, 64, 836.
Bettingen
8
—
MR. ÜB. 1, 71, 845.
Merscli
12
—
MR. ÜB. 1, 83, 853.
Br.Uesheim
4
—
MR. ÜB. 1, 93, 856.
Strafsfekl
Gilsdorf
7
2
Pissenheim
8
—
Kochern
—
3 curtili
Bachern
26
3 farinarii
Hospelt
Jüchen
Rateresdorf
4
86
9V2
—
^MR. ÜB. 1, 105, 866 (Rateresdorf wüst
unterm Drachenfels).
Elvenich
42
—
Arenberg
30
—
Erhard, CD. Westf. 1, 25, 868, vgl. dazu
MR. ÜB. 1, 118, 880.
Dinspel
8
—
MR. ÜB. 1, 120, 880.
19 Höfe
12,3
?
9. Jh. Durchschnitt.
Gostingen
6
MR. ÜB. 1, 170, 929.
Bei Arel
Arel
3
2
—
\ MR. ÜB. 1, 174, c. 938.
Wormsgau
33
20 arip. Weinberg
Lac. ÜB. 1, 53, 94, 941.
Wabergau
111/2
—
MR. ÜB. 1, 199, 955.
Steinern
46
^ —
Lac. ÜB. 1, 61, 105, 962.
Beuren
Lenningen
36
50
—
1 Lac. ÜB. 1, 228, 967.
Schleich
20
—
MR. ÜB. 1, 249, 976.
Winningen
15
—
Lac. IIB. 1, 123, 989.
INIuthfort
Dahlem
32
34
—
|mR. UB. 1, 273, 996.
12 Höfe
24
—
10. Jh. Durchschnitt.
Pellenz
8
c. vinea ad carr. 7.
MR. UB. 1, 287, 1008-16.
Vallendar
mehr als 30
—
Martene Coli. 2, 56, 1035.
Lengsdorf
7
—
Lac. UB. 1, 136, 209, 1067.
Nickenich
14
—
MR. UB. 1, 368, 1069.
Luxemburg
4
—
Bertholet 3, Pieces justif. 36, 1080.
Aflen
18
—
UKarden 11.-12. Jhs.
0 Höfe
c. 14
11. Jh. Durchschnitt.
— 743 — Vorwaltungsorganismus. I
gleiche Durclisoliiiittszalil des Hufenzul)eliüi's, also etwa 12 bis 13 Hufen für den
Hof. Indes im übrigen zeigen die Einzelnacbrichten schon im 10. Jh. eim^
bedeutende Steigerung der Durchschnittsziffer, weit stärker, als sich das aus
der oben gegebenen Tabelle entnehmen läl'st. Im 11. Jh. dagegen ergiebt sich
aus den von nun ab freilich sehr spcärlich werdenden Einzelnach richten wiederum
ein Sinken der Durchschnittszahl dienender Hufen. Dieses Sinken setzt sich
namentlich in den kleinen Laienherrschaften, soweit wir zu beobachten ver-
mögen, konsequent bis ins 14. Jh. fort, während, wie sich aus unserer Tabelle
wie aus dem ULuxeml)urg ergiebt, dies bei den grofsen Laiengrundherrschaften
— worunter auch Trier als Territorium zu rechnen — nicht der Fall ist.
Nimmt man die hier aus einzelnen Überlieferungsgruppen gefolgerten That-
sachen als allgemein geltend an, ein Verfahren, gegen welches keine anderweit
bekannten Erfahrungen sprechen, so w^äre die Erklärung etwa in folgenden
Vorgängen zu finden. Die geistlichen Grundherrschaften haben immer mehr
Land aus dem sei es ursprünglich vorhandenen eigentlichen Salland, sei es
durch Rodung gewonnenen Beundesalland in den Kreis der dienenden Hufen
gebracht ; eben dieser Bewegung, namentlich soweit sie auf Rodung beruht, sind
auch die grofsen Laiengrundherrschaften gefolgt. Die kleinen Laiengrund-
herrschaften dagegen zogen mehr dienendes Land in den Eigenlietrieb. Die
letztere Erscheinung würde sich als Konsequenz des fränkischen Erbrechts
leicht verstehen: in je mehr Teile eine adlige Grundherrschaft zerfiel, um so
mehr mufste von den einzelnen erl^enden Parteien auf Eigenwirtschaft Nach-
druck gelegt werden, um dem Erbteil gröfsere Früchte abzugewinnen ^
Doch sehen wir von diesen Vorgängen weiterhin ab: konstatieren wir
für das Folgende zunächst nur, dafs der frühmittelalterliche Fronhof, die einzige
durchgreifende Basis der grundherrschaftlichen Verwaltung, in Streubesitz lag
und etwa 12 bis 24 zugehörige Hufen, zum grofsen Teil an anderen Orten als
dem Fronhoforte, umfafste.
Wird somit der Fronhof als die spezifische, durchaus für sich bestehende,
ursprünglich an sich ganz selbständige Gnmdlage der grundherrlichen Organi-
sation hingestellt, so soll doch nicht übersehen werden, dafs sich schon zeitig
hier und da Richtungen geltend machen, welche auf eine weitere Gliederung
des grundherrlichen Organismus hinauslaufen. In dieser Hinsicht mufste von
Anbeginn an vor allem die Einordnung der Weinkultur in den grundherrlichen
Betrieb von Bedeutung sein. Der Weinbau erforderte besondere agrarische
Vom 12. Jh. ab verlohnt es sich bei der geringen Zahl von Quellen nicht, die Xachrichten
tabellarisch zusammenzustellen. Man vgl. MR. ÜB. 3, 83, 1218: cuitis et 12 mansi von
Rommersdorf in Gladbach; Hennes Uß. 2, 300, 1288, mittlerer Besitz: curtim sitam in villa
Sinsteden et duos mansos et dimidium mansum terre arabilis eidem curti attinentes et decimas
decem mansorum terre arabilis consistentes in parrochia Rumerskirghen ; Hof in Ijaienbesitz
mit 3 mansiones, *Bald. Kesselst. S. 178, 1324; ebenso mit 9 Hufen, Bd. 3, 140, 23, 1325;
ebenso 2 Höfe mit je 4V2 Hufe, Bald. Kesselst. S. 385, 1346, cit oben S. 367 Note 6.
^) Vgl. zu diesen Ei-wägungen auch unten S. 771.
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 744 —
Aiisp;estaltimgen ^ besonders geschulte Grimdhörige, besondere Kontrollen; sein
Betrieb sonderte sich innerhalb der Hofesverwaltungen naturgemäfs aus der
sonstigen gehöferschaftlichen Organisation bis zu einem gewissen Grade aus^
war der Hofverfassung in loserer Weise, nach Art eines mehr oder weniger selb-
ständigen Betriebes, eingeordnet^. Was aber vom Weinbau gilt, das behält auch
fiir die übrigen geringeren Specialbetriebe , z. B. den Hanfbau, die feinere Vieh-
zucht u. dgl. seine Richtigkeit. Weiterhin kam es wohl vor, dafs der hörige Besitz
eines Hofes auf zwei oder mehrere Ortschaften nahezu gleich stark verteilt
war; dann kreierte man entweder zwei Fronhufen in koordinierter Stellung
oder man konnte leicht zur Bestellung eines Untermeiers in der minder be-
vorzugten Ortschaft gelangen*. Eine ähnliche Unterordnung wie hier trat
auch wohl bisweilen infolge von neuen Bedürfnissen oder alten Zusammenhängen
in der Rechtspflege ein: wo die Zusanmiengehörigkeit eines früheren Gerichts-
bezirks auch innerhalb der neuen grundherrlichen Organisation gewahrt werden
konnte, hielt man ihn aufrecht ^ ; und wenn der Grundherr Streitigkeiten für seine
Höfe persönlich schlichten wollte, geschah das bisweilen nicht an Ort und Stelle,
sondern von einem ihm gelegener scheinenden Hofe aus*^. Wie hier schon die
Lage innerhalb der Grundherrschaft einzelnen Höfen eine besondere Bedeutung
für die Gerichtsverfassung zu geben vermochte, so war dies noch vielmehr ])ei
dem Wirtschaftsverkehr innerhalb der Grundherrschaft der Fall. Hier handelte
es sich vor allem um den Transport umfangreicher Naturalzinse nach dem Sitz
des Grundherrn: es lag in der Natur der Sache, dafs die für diesen Verkehr
besonders günstig gelegenen Höfe bald von besonderer Wichtigkeit werden
mufsten ^. Indes so bedeutsam eben diese Vorgänge für die spätere Ausbildung
einer stärkeren Gliederung der Grundherrschaft von der rechtlich-politischen
Seite aus zu werden vermochten: vorläuiig, für die Periode specifisch wirt-
schaftlicher Bedeutung der Grundherrschaft bis mindestens zum Ende des
11. Jhs., alterierten sie den Grundsatz nur wenig, dafs jeder Hof eine volle
Einheit für sich war, und dafs zwischen Zentralstelle und Höfen weitere
Zwischenstellen nicht bestanden.
Wie aber war nun der Grundbesitz innerhalb des einzelnen Hofes fiir die
1) S. dazu oben S. 404 f.
2) Darüber weiter unten Absclin. VI Teil 3.
^) Vgl. MR. ÜB. 1, 118, 880; URheingrafen : allodium in Leibersheim , cum . . vineis
dominicalibus et aliis vineis multis, que tertiara vel quartam partem vini curie subserviunt.
USMax. S. 445: die Weingüter zu Köverich, Trittenheim, Niederemmel gehören zur curia
Detzem; de emendationibus et petitura edificanda, de omni iure ecclesie [sancti Maximini]
in curia apud Decimam, si in aliquo dubitaverint, inquirent.
*) Vgl. G. ep. Camerac. 2, 26, 685; MR. ÜB. 1, 302, 1080; 3, 636, 1238; 1344, 1256.
S. ferner USMax. unter Ewerlingen-Ospem, Hosten- Auw, Weiskirchen-Bisingen.
•') USMax. S. 401, Issel.
6) MR. ÜB. 1, 573, 1153.
^) Vgl. darüber weiter unten gegen Schlufs dieses Teiles.
745 — Verwaltuiigsorganismus.]
Verwaltung gegliedert? Die Frage führt zAir Erörterung der Gegensätze Sal-
land und Gehöferland.
Der Begriff terra salica begegnet schon in frülinierowingischer Zeit; er
ist damals mit terra aviatica identisch und bedeutet, im Gegensatz zu der zu-
nächst aus Rottland gebildeten Errungenschaft an Landeigen, das zum väter-
lichen Hofe, der SalaS in bestimmtem altem Zugehörigkeitsverhältnisse stehende
Land, das Stamndand, das obligatorischem Erbgang unterworfene Erbgrund-
eigen ^. In diesem ausschliel'slichen Sinne findet sich aber das Wort in der
Sprache der Urkunden, soweit diese auch zurückgehen, nirgends mehr ange-
wendet. Vielmehr wMrd hier schon die Rotterrungenschaft, soweit sie nur
durch Erbgang in den unverbrüchlichen Besitz des Hofes mit einbezogen ist,
stets ebenfalls als Salland angesehen^. In diesem Sinne spricht man von
salischen Wäldern*, salischen Weinbergen '\ und im Falle von Allmendeober-
eigentum kann sogar die Allmende als Salland des Obereigentümers gedacht
sein^. Von dieser Stufe aus kommt es dann vereinzelt zu einem völligen
^) Das Wort Sala noch Ennen, Qu. 1, 447, 1, 844: Egilbert schenkt salam meam cum
terra araturia et petiola vinee ad lacum dicte civitatis [Köln] . . sitam. Dann wiederum,
aber schon arcliaistiscli und der Erklärung bedürftig im 14. Jh. , vgl. * UMünstermaifeld, Hs.
Koblenz CXIa Bl. 4^, cit. unten S. 747 Note 2.
2) S. oben S. 39, 44 f.
^) An den alten Gebrauch erinnert noch Cesarius zum UPrüm S. 144 Note 1: de
mansis indominicatis, qui sunt agri curie, quos vulgariter appellamus selgunt [!] sive ätten vel
cunden. Hier ist also die Beunde noch zum Salland in gewissen Gegensatz gebracht. Das
ist auch das Verfahren des USMax. , das neben den culture das salicum bonum noch fast
stets (doch s. USMax. S. 438, Ohlingen) besonders aufzählt, s. USMax. S. 440, Berch und
Kenn; S. 448, Metterich; S. 458, Oberemmel; S. 461, Issel. Der hier zu Grunde liegende
Gegensatz ist indes nicht mehr der alte der Merowingerzeit , sondern der zwischen Land in
Gehöferbestellung und in ganzeigner Bestellung, vgl. USMax. S. 465 , Ham , Jammais : 3 cul-
turas, et terram dominicalem ad aratrum. — Der neue Gebrauch, obgleich durch faktische Ein-
beziehung von Rottland in die Salländereien früh vorbereitet, setzt sich allgemein, in genereller
Auftiahme der neuen Bedeutung des Wortes Salland, doch erst später durch, vgl. USMax. S, 438,
Remich, cit. oben 367 Note 5, ferner MR. ÜB. 3, 289, 1226 : jemand soll auf Bergen bei Trier den
Zehnten haben de omni terra, sive salica sit sive non, de qua non ambigitur vel probari poterit,
hactenus ipsum decimam percepisse . . de omni terra salica in posterum excolenda nichil penitus
rec(epturus). S. ferner Bald. Kesselst. S. 221, 1331, cit. oben S. 496 im Texte; WLonguich
1408, cit. oben S. 456; WSimmern u. Dh. 1484, cit. Bd. 2, 659 Note 1.
4) MR. ÜB. 2, 6*, 1171, cit. oben S. 473 Note 6; USMax. S. 458, Losheim; Bd. 3
Wortr. u. d. W. salica silva. Vgl. auch MR. ÜB. 3, 309, 1230 : omnem terram salicam, quam
habemus in nemore apud Edesbure [bei Malberg].
5) MR. ÜB. 1, 141, 134, 893: vineae indominicatae ; ferner MR. ÜB. 1, 302, 1030:
terra salica partim arabilis, partim cum vineis, dazu oben S. 405 Note 2; USMax. S. 466,
Kürenz: vinee salice dant quintum sext. sine decima, im Gegensatz zu den Pichtern; Lehn-
buch Werners II. v. Boland S. 28: salica vinea.
^) Vgl. UStift 395, Weiler 11 c: dem Erzbischof gehört die Mark (bannus): quicquid est
ibi in agris vel silvis, quod archiepiscopi est, exceptis mansis [Fronhufen] terra' salica est.
S. femer UStift 420: quicquid in Roscheit est, dominus archiepiscopus totum salico iure
tenet; sed inde concessi sunt 2 mansi, quorum uterque . . solvet 5 s., de omnibus aliis
L am pr echt, Deutsches "Wirtschaftsleben. I. 48
[Wirtschaft d. Grofsgrimdbes. — 746
Umschlag der alten Bedeutung, man versteht unter Salland nicht mehr das
erbeigene Land im Hufschlag, sondern ganz speciell das erbeigene Beundenland ^
Indes diese Auffassung ist doch die bei weitem seltenere ; im allgemeinen
gehört die Bedeutung des Begriffs salica terra im eigentlichen Mittelalter
überhaupt nicht so sehr der Rechts- als der Wirtschaftsterminologie an, so
dafs sicli hier die auch sonst zu beobachtende Thatsache ergiebt, dafs ur-
sprüngliche Rechtsbegriffe späterhin leicht zu wirtschaftlicher Auffassungs weise
abschwenken. In letzterem Sinne aber bedeutet salisches Eigen nunmehr
soviel als in eigner Bewirtschaftung des Landlierrn selbst stehendes oder
wenigstens in direktem Auftrag des Herrn bewirtschaftetes Eigen. Fronhöfe
nebst dem vom Fronhofe direkt bewirtschafteten Lande sind also zugleich
Salhöfe-. Indes erfährt der Begriff in dieser Richtung doch von Anbeginn an
in der ganz überwiegenden Zahl der Anwendungsfälle eine besondere Be-
ziehung nur auf das dem Fronhof zu direkter Bewirtschaftung unterstellte
Land, nicht aber mehr auf den Fronhof selbst: curtis oder mansus dominicus
cum terra salaritia oder salica ist der gewöhnliche Ausdruck für den Fronhof
nebst direkt abhängigem Wirtschaftsland ^. Und dabei brauclit das Wirt-
schaftsland nicht direkt der Hofwirtschaft zu unterliegen; es kann auch un-
bebaut sein*. Gerade von diesem Punkte aus aber ging man bald weiter.
Wurde dem Fronhof wirtschaftlich direkt unterstelltes Land nicht mehr vom
Hofe aus bewirtschaftet, sondern anderweit, nur nicht in grundhörigem
Nexus, sondern in freiem Miets- oder Pachtvertrage verliehen, so hiel's es
nun gleichwohl noch Salland^, im Gegensatze zu dem grundhörigen Gehöfer-
medima solvitur. S. ferner W. Eommerslieim 1298, G. 2, 519; * Sclieckman, Spec. feud. B 2 :
decima de cultiiris comitis; et salicae terrae in banno . . decima dicta vulgariter das ziel-
guit ader erde; WSchüttringen 1542 § 4: so einer dem [grundherrn] . . sein selheguet on
urloef und verhenknus wonne und bauwet, der vermacht die bousz.
1) S. oben S. 334 f., 419 f., auch S. 423.
2) Vgl. z. B. MR. ÜB. 1, 121, 887, Uckenheim: curtem salariciam cum casa et horrea et
spicario cum ceteris casticiis, aspicit ad eundem locum de terris salariciis, quicquid ad eundem
constat curtem cum aripennis et pratis silvisque, seu quicquid ibidem nostrum esse dino-
scitur; CRM. 2 Einl. S. V: curtis, que Francorum lingua selehof dicitur; Schauberg, Zs. f.
noch ungedr. Schweiz. Rechtsqu. 1, 68: curtem seu villicatum in Rieden esse salicam terram,
que vulgo dicitur sellant. — S. auch ferner MR. ÜB. 3, 242, 1225, Wiltingen: decime pro-
venienti de 5 petituris, que et salica terra dicitur et sumptibus ipsius ecclesie excoluntur;
WRommersheim 1298: eins abts leidigh guit . ., dat man da nent seilguit of abteie.
^) Vgl. z. B. Cardauns, Rhein. Urkk. 1, S. 336, 923 : curtem dominicatam cum duabus
terris salaritiis u. so öfter; MR. ÜB. 1, 320, 1030, cit. oben S. 419 Note 7 (auf S. 420);
V. Ledeburs Archiv 8, 161, 1130: dominicalem ipsius curtem atrio monasterii eorum adherentem
cum tota eiusdem curtis salica terra; Calmet^ 2, Preuves 389, 1179: Nezel de Latha in Wilre
dedit 2 mansos cum silica terra et silva ad pastum porcorum; s. noch ferner Ennen, Qu. 1,
582, 93, 1180; 2, 93, 84, 1224.
*) MR. ÜB. 2, 190, 1201; Lac. ÜB. 2, 504, 1261.
5) MR. ÜB. 2, 40, 1140 (s. vielleicht schon Lac. ÜB. 1, 49, 88, 927); Lac. ÜB. 1, 367,
1149, cit. oben S. 450; USMax. S. 447 Herzig, S. 451 Kripplingerhöfe , S. 452 Montenich,
S. 457 Weiten cit. oben S. 438 Note 3; UStift 398, Irsch: in festo sancti Andree de Salicis
747 Verwaltungsorganismus.]
laiKP- In diesem Falle aber war der alte Zusainnienhang des Sallandes mit dem
Fronliof, soweit er wirtschaftlicher Natur war, offenbar aufgehoben : geblieben war
nur die Freiheit von grundhörigen Lasten im Gegensatz zum Gehöferland, auf
welches sich eine grofse Anzahl von grundhörigen Lasten radiziert hatten.
Salland bedeutete also in diesem Falle nur noch von grundhörigen Lasten
freies und somit in gewisser Richtung privilegiertes Land^. Es liegt auf der
Hand, dafs damit eine Richtung in der Begriffsentwicklung eingeschlagen war,
welche allmählich zu voller Verblassung der Bedeutung führte: Salland war
schliefslich vielfach, ohne jeden noch erkennbaren Zusammenhang mit der
Fronhofsverfassung, nur noch hinsichtlich der Grundlasten besonders begünstigtes
Land eigen ^.
Halten wir indes den Begriff fest, wie er für die Grofsgrundherrschaft
vor ihrem Verfall mafsgebend ist*, so hat man unter Salland das speziell der
Fronhofswirtschaft zum Eigenbetrieb unterstellte Land zu verstehen, im Gegen-
satz zu dem an einzelne Gehöfer ausgeteilten Landzubehör des Fronhofes.
In dieser Bedeutung kommen für das Wort salicus, welches das rechts-
gebräuchliche ist, auch einige andere Ausdrücke vor, so dominicus bezw.
terris arcliiepiscopi clabuntur 7 s. ; ebd. 406, Pfalzel : de areis et Salicis terris et pratis in festo
sancti Petri solvuntur 10 s. et 4 d. Bezeichnend ist auch die besondere Betonung der Eigenwirt-
schaft in UStift 421, Wittlich: salicam terram arat aratrum archiepiscopi. S. ferner URhein-
grafen: d. Rh. hat a comite de Scowenburch curiam in Studernheim . . ., de eadem cur
habet H. Krobe salica bona a ringravio. Eine Anzahl weiterer Nachrichten des 13. Jhs.
sind oben S. 440 Note 4 und 5 zusammengestellt. Aus späterer Zeit s. aufser *ÜMtinster-
maifeld, Hs. Koblenz CXIa Bl. 12^, *üSMax. 1484 Bl. 20'', WSimmern u. Dh.: welche man
zelegut halt, der gibt dem apt zwei bestehauft.
*) Terra subiugalis, servilis, servitialis, mansualis, hofsgut, dinkelich gut, vgl. MR. ÜB.
1, 199, 955; 228, 967; 351, 1058; UKarden 11.— 12. Jh.; *UKarden Bl. 16t>, 1232; MR.
ÜB. 3, 636, 1238, cit. oben S. 483; Bd. 3, 524, lo; *ÜLehmen, Hs. Koblenz St. A. CXJa
Bl. 33 K
2) Vgl. MR. ÜB. 2, 28*, 1179; 93, 1189; * UMünstennaifeld Hs. Koblenz CXIa Bl. 41^:
der Propst hat in Münstermaifeld domum et curiam, que vocatur der Sal, . . ad quam per-
tinent tria bona. Diese Güter gaudent eodem iure et libertate, quo gaudet ipsa Aula [d. i.
der Saal] prepositi eapropter, quia fundat(a) sunt supra fundum ipsius prepositure . . nullam
decimam solvunt nisi ipsi preposito in curiam suam. *USMax. 1484 Bl. 47 b, WGostingen
§ 8 : habet ibidem raonasterium salicam decimam et sunt aliqui campi et prata ad istam sali-
cam decimam pertinentia in inferiori parte ville circa Mosellam, que omnia sunt bene
marcata; que tantum dant domino salicam decimam et nulli alteri. et tenentur scabini hec
omnia retinere et denumerare. WGedscheid 1491 § 22: in demselbigen bezirk sine ge-
legen etliche guter genant seieguter, die ouch eime goitzhuse Mettloch alleine zeinden geben.
Vgl. auch *Bald. Kesselst. S. 744, 1346 Juni 12: zu Grintkamp ackerlant, daz dat selegüt
genant ist, aber ohne irgend eine weitere Eigentümlichkeit vor dem übrigen Land.
^) Charakteristisch ist in dieser Hinsicht, dafs schon in einer Originalurkunde von
1157 statt salicus der Ausdruck selectus gebraucht wird: MR. ÜB. 1, 597.
•*) Zum Begriff salicus vgl. Landau, Salgut S. 94 f., v. Maurer Einl. S. 16 — 17,
Fronh. 1, 256; v. Inama, Hofsyst. S. 61, Wirtschaftsg. 1, 104; Waitz, Vfg. P, 127
Note 3; 2, 90.
48*
[Wirtschaft d. Grofsgmndbes. — 748 —
dominicalis und andere Formen desselben Wortes \ zu deutsch fronde^, ferner
fiscalis^, principalis *, publicus^, legitimus^. Von ihnen bietet der Ausdruck
dominicalis in den Formen dominicatus, indominicatus noch ein näheres
Interesse: diese durch Jahrhunderte hindurch unverändert vorkommenden
passiven Wendungen zeigen, dafs die Abgrenzung des Sallandes nicht eine
unverbrüchlich feste, sondern vielfach wechselnde war.
Geht so die Bedeutung von terra salica, je tiefer wir ins Mittelalter gelangen,
um so mehr ins Wirtschaftliche über, so tritt an die Stelle ihrer Rechts-
bedeutung ursprünglich aufser dem nur sehr selten vorkommenden peculiaritas ^
das Wort haereditas '^. Indes auch dieses Wort konnte sich für echtes Eigen
natürlich nicht halten, sobald sich für das letztere Veräufserungsfähigkeit ent-
wickelte: mit diesem Zeitpunkte wird es durch allodium abgelöst^. Allodium
') Vgl. Lac. ÜB. 1, 137, 211, 1068: dominicatos mansus, quod vulgo dicitur selehova;
ME. ÜB. 2, 40, 1140: dominicalem terram, que legali verbo seleguet appellatiir; MR. ÜB.
1, 637, 1163: decimam salice vel dominicalis terre [monasterii Lacensis in Cruft], wiederholt
MR. ÜB. 2, 131, 1177—1194; s. auch MR. ÜB. 3, 298, 1226: terra salica = terra dominica.
Vgl. ferner MR. ÜB. 2, 30, 895; UPrüm No. 34, 35, 36, 42, 45, 46, 50, 84; MR. ÜB. 1,
173, 936; 368, 1069; 3, 312, 1227. Daneben scheint dominicalis terra bisweilen das Hofland
zu bezeichnen, welches nicht Salland im alten Sinne (nur Hufschlagsland) ist, vgl. MR. ÜB.
1, 392, 1097, cit. oben S. 453 Note 1. — Zum Sinn von dominatio vgl. Lac. ÜB. 1, 13, 29,
801, cit. oben S. 292 Note 1, und MR. ÜB. 1, 173, 936: ein Gut ad partem et dominationem
doraini sancti Petri redeat et in eins deinceps maneat potestate. S. zu diesem Zusammenhang auch
Andernach. Schreinsr. Nr. 23, G. 630, 1190: domus illa apud Andernacum sita, que erat
domini H. et domini L, cum arabili terra in Misenheim et in Andernaco, a quodam homine,
qui in sua potestate et possessione prefata bona tunc temporis habuit, ecclesi§ beate Mari^ in
Hemmenrot libere collata est, quia ea bona potuit dare, quod vulgo dicitur seien inde setzen ;
MR. ÜB. 3, 849, 1246: ein Besitzer von unbelasteten Weinbergen heifst dominus et verus
possessor earundem.
2) Bodmann, Rheing. Altert. 75, 681: curtis dominica, que dicitur froneguth; Cesarius
zum UPrüm S. 144 Note 3: in domo dominica, quam appellamus vulgariter wronhof; MR.
ÜB. 3, 297, 1226 : in Roth bei Dierdorf hat Rommersdorf curtim , que vronehof dicitur.
S. auch Bd. 3 Wortr. u. d. W. frone. Wie umfassend das Wort dominicalis den deutschen
Begriff fronde ' wiedergiebt, zeigen die aufserordentlich zahlreichen Verbindungen wie ortus
dominicus UPrüm No. 1, plantatum dominicatum ebd. No. 24; fimus dominicus ebd. No. 47 :
dominicale = Fronland USMax. S, 446, Naurath; dorn, dies teutonice froendage * USMax.
1484 Bl. 1»; dorn, opus USMax. S. 457, Nochern; dom. porci ebd. S. 464, Heiningen, u. a. m.
3) Cardauns Rhein. Urkk. 3, S. 344, 948.
*) MR. ÜB. 1, 396, c. 1098.
^) V. Herib. Colon. 8 : im Castrum Deutz ist ein publicus horreus ; URupertsberg 381 :
in Wellengesheim allodium, tres habet curtes . ., secunda . . dominicalis vel publica dicitur ;
(Westf.) Zs. f. vaterl. Gesch. u. Altert. 3, 39 u. 41: der Erzbischof von Mainz habet 11 mansos
absolutos, qui pertinent ad curiam publicam domini episcopi; weiter hat er 5 mansos ab-
solute pertinentes ad curiam publicam.
6) MR. ÜB. 1, 7, 721, cit. oben S. 470 Note 1, vgl. S. 97 Note 4; Stumpf, Acta imp.
No. 282, 1026, cit. oben S. 116 Note 5.
') MR. ÜB. 1, 133, 893.
8) S. oben S. 40, 626.
^j Doch finden sich noch bisweilen später Spuren der alten Anwendung mit dem Zusatz
— 749 — Vcrwaltungsorganismus.]
ist nuniiiehr das freie Eigen, das man veräufscM-n, veiiehnen, verpachten, ver-
färben kann^; zu ihm gehört innerhalb der Grundherrschaft also auch das
Gehöferland -. Statt allodium findet sich dann seit Schlufs des 12. Jhs. auch
proprietas^. I^nd wenig später macht sich auch für das Wort allodium die
Neigung bemerkbar, wirtschaftliclier Begriff (== Landgut) zu werden*; die
Folge ist, dafs nunmehr der Bestand der ursprünglichen Bedeutung durch
Zusätze wie liberum, verum, merum, pumm allodium besonders zum Ausdruck
gebracht wird'\ Während aber so allodium bezw. proprietas für den alten
Begriff haereditas eintraten, begann dieser jedes erblich verliehene unechte Eigen
zu bezeichnen; ja Erbe, haereditas, nahm geradezu die Bedeutung Erbzinsgut an^.
Doch kehren wir von den Ersatzwörtern, wie sie für den ursprünglichen
Rechtsbegriff der terra salica geschaffen wurden, zur Wirtschaftsbedeutung des
Wortes Salland selbst zurück, so tritt jetzt vor allem die Frage auf, ob das
Salland einen stabilen Teil des gesamten Fronhofszubehörs an Land umfafste,
oder ob es in seiner Ausdehnung schwankte. Sehen wir hier von dem späteren
schon oben erwähnten Vorgang ab, dafs man Salland im freien Pachtverhält-
nis austhat, und beachten wir vorläufig den Zuwachs an Fronhofsland durch
Beundenbau nicht weiter^ so ist die gestellte Frage mit der andern identisch,
ob die Grenze zwischen Salland und Gehöferland eine flüssige war.
propria oder libera (hereclitas), vgl. z. B. Arch. Maxim. 13, 1261, cit oben S. 451 im Text;
* WLonguich 1408, Arch. Maxim. 8, 34.
^) Hennes ÜB. 2, 286, 1284: pro allodio, quod vulgariter dicitur eigen; vgl. auch
MR. ÜB. 1, 32, 775; Ennen, Qu. 1, 502, 40, 1127; MR. ÜB. 3, 3, 1213; USMax. S. 439,
Hosten und Auw; S. 440, Kenn. Über den Unterschied zwischen Benefiz und Allod s. Waitz,
Vfg. 6, 4.
2) MR. ÜB. 1, 368, 1069: allodium . in villa (Nickenich, zwischen Kruft und Ander-
nach), unde sine terra indominicali sunt 14 mansi.
3) MR. ÜB. 2, 87, 1187; Cesarius zu UPrüm No. 24: propriolum = egen; CRM. 2,
222, 1226: iure proprietatis sive allodii; Hennes ÜB. 1, 226, 1273, cit. oben S. 284 Note 2;
Hennes ÜB. 1, 326, 1293, s. oben S. 382 im Text, vgl. ferner Bd. 3 Wortr. u. d. W. allo-
dialiter. MR. ÜB. 3, 907, 1247 bezeichnen die Ausdrücke dominium et proprietas die
Lehnsherrlichkeit.
*) üSMax. S. 440, Kenn 8d: culturas 24 iug. et pratum 5 iug; 3 iug. salici boni;
9 iug. allodii, quod V. emit. MR. ÜB. 3, 33, 1215: quasdam vineas, quas vulgo seiegut
dicunt, sitas in allodio suo [des Grafen von Ahr] supra Mosellam in Elre.
'') Vgl. MR. ÜB. 3, 605, 1237 ; Lac. ÜB. 2, 619, 1271 ; CRM. 2, 267, 1275, cit. oben S. 396
Note 3; Hennes ÜB. 2, 309, 1290; Westd. Zs. 3, Korrbl. No. 144, 1299, cit. oben S. 626 Note 6;
frieigen z. B. WBacharach, G. 2, 221. — Sehr lehrreich ist Lehnbuch Werners IL v. Boland S. 24:
W. hat ein beneficium in Kirchheim, tertiam videlicet partem fi:-umenti et totius iustitie, que
solvitur de silva ilh allodio. cuicunque autem pertineat allodium, nichil ad me, si tanquam
dominus allodii de nieo beneficio ponam beneficiatum et ab illo requiram statutum. In der
übers. (S. 61) wem der grünt zuhöret, do kern ich mich nit an, danne alse ein here des
gnmdes oder der eigenschaft setzen ich ein manne, von dem fordern ich min recht. Es ist
offenbar Allmende, welche bebaut worden, Werner ist Grundherr und fordert als solcher Zins,
das Eigentum der Allmende kiimmert ihn nicht.
•*) Cart. Orval 19, 1145—1167, der Abt von SYannes schenkt an Orval Land bei
Jametz: si quis autem iiu-e hereditario habet aliquam investituram alicuius quartarii in ipso
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 750 —
Ihre Beantwortimg führt auf den Begriff absus^ Der Gegensatz zu
ihm ist insessus^; es ist identisch mit in manus domini devolutus^; es be-
zeichnet Land, welches von keinem Gehöfer besetzt nicht mehr zum Gehöfer-
land gehört*. Ist es darum ohne weiteres Salland? Da, wo eine hörige Hufe
am Orte des Fronhofs pfleglos wurde, oder auch an Orten, wo schon Salland
in Fronhofsbetrieb lag, war es sehr natürlich, dafs man das pfleglose Land
zum Salland zog. Es ist das der gewöhnlichste Fall; für ihn zutreffend er-
klärt Cesarius zum UPrüm S. 144, Note 1 : mansi absi sunt, qui non habent
cultores, sed dominus eos habet in sua potestate, qui vulgariter appellantur
wi'onide ; und zu diesem Begriffe stimmt es auch, wenn man das Pfleglosmachen
von Hufen (absare) geradezu mit den Worten wronen, infronen, dominicare,
inbannire ausdrückt'^, sowie wenn es von einem Land, das pfleglos wird, im
UStift S. 426 heifst: transit in salicam terram archiepiscopi ^. Indes dieser
direkte Übergang der terra absa in terra salica ist doch nur der vor allem
herkömmliche und darum in der gewöhnlichen Bedeutung des Wortes absus
besonders betonte Fall. Es konnte auch vorkommen, dafs sich pflegloses
Land keiner Fronhofswirtschaft anschliefsen liefs^; dann blieb es entweder
wüst liegen^, oder es wurde auch schon in älterer Zeit in einem freieren
Nutzungsverhältnis, z. B. im Teilbau, ausgegeben^. Das letztere System nahm
dann mit dem Aufschwung der freien Pachtformen im Verlauf des 12. Jhs.
allodio, ex lioc et deinceps recognoscat se obtinere ab ecclesia Aureaevallis, salvo tarnen censu
et caeteris iustitiis. Zum Sinne von liaereditas als Grunderbe vgl. UStift S. 394, Merzig;
USMax. S. 458, Losheim; WEppelsdorf 14.— 15. Jh. § 11; WHeisdorf 1606 § 9 f. S. auch
Bd. 3 Wortr. u. d. WW. erbe, hereditarium ins u. s. w., hiretage, libere et hereditarie, zins.
1) Vgl. Grimm EA., 336; Guerard Polypt. d'Irminon 1, § 254, 821; Landau, Territ.
S. 9; V. Maurer, Fronh. 1, 344; Hanauer, Paysans S. 62.
2) Cardauns, Ehein. Urkk. , S. 336, 922. Vgl. UPrüm No. 80 , 81 ; sunt in Hertene
mansa 12 . . nullus habitat in Hertene. sunt etiam in Bundende mansus 8 etiam apsa.
* USMax. 1484, WNospelt, hat für absus den Ausdruck plagelos. Ich nehme ihn oben in
den Text auf, da er sehr bezeichnend ist. Weniger charakteristisch ist die Bezeichnung als
verlegen hoifsgut, WNiedermendig 1382, G. 2, 490.
3) Bd. 3, 65, 11, 1274.
*) Übertragen ist es, wenn Cesarius zum UPrüm S. 170 No. 45 Villance auch von
homines absi spricht: absi homines ex nostra familia, qui infra potestatem nostram sunt
sine mansis.
5) UPrüm S. 157 Note 2; Bd. 3 Wortr. u. d. W. infronen; Bd. 3, 103, u, 1297; 18, 22,
1260. S. auch * Paris Nat. bibl. Ms. Cat. 11104 Bl. 1, Echternach, nach 1155: 3 mansi, in
febniario debent 30 carr. seminis a curti in dominicatos agros transvehere ; ebd. Bl. 47, nach
1155: case dominicate in Orto. Andere Ausdrücke sind noch publicare UStift S. 426, Münster-
maifeld; in froenhant legen, *WHagelsdorf, Arch. Maximiu. 6, 354; bewischen, WWellingen 1582,
G. 2, 274—5; bestechen, WObermendig 1531, G. 2, 497, cit. unten S. 751 Note 1.
6) Vgl. weiter UPrüm No. 50, 54; UStift S. 413, Eeinsfeld.
■^) Ein sehr evidenter Fall früherer Zeit ist Bd. 2, S. 93 — 94 besprochen.
•'*) UPrüm No. 46, Mabonpre: est ibi alter molendinum desertus, si restauratus fuerit . .;
ebd. No. 47: [cultura] est deserta.
9) Trad. Wizenb. 281, 290, 291, 294: mansi absi 2, inde venit 3 pars grani. ME. ÜB.
1, 120, 886: 3 mansi absi, wovon der Priester B. jähi-lich 1 Ib. Silber zahlt.
— 751 — VerwaltungsorganisniLis.]
aufserordentlieli zu, so dafs man seit dieser Zeit üherliaupt nur noch wenig
von pflogloseni Lande hört.'
Die Gründe, aus welchen Gehöferland pfleglos erklärt oder verfront
wurde, lassen sich erst aus den Quellen späterer Zeit genauer übersehen. Es
sind im wesentlichen vier, freiwilliges Verlassen des Bodens seitens des Ge-
höfers, Zinsversäumnis unter erschwerenden Umständen, unverbesserlich
schlechter Anbau, endlich bisweilen starke Verletzung der für das Empfängnis
bestehenden Rechtsformen bei vorkommendem Besitzwechsel. Doch erfolgt
die Verfronung sofort fast nur im ersteren Falle, bisweilen auch im letzteren;
anderenfalls sind Verzugsfristen von 14 Tagen bis zu 6 Wochen und deren
zwiefachem Multiplum, ja bis zu einem, drei und vier Jahren gewährt; und
namentlich bei schlechtem Bau ist man aufserordentlich nachsichtig ^ Zudem
war die einmal ausgesprochene Verfronung keineswegs endgültig gemeint, viel-
mehr bestehen die mildesten Bedingungen für eventuelle Entfronung^. So
genügt es z. B. bei Zinsversäumnis und schlechtem Bau, dafs der Schuldige,
bisweilen neben einer kleinen Geldstrafe, die restierenden Summen bezw. die
vorgenommenen ^leliorationen l)ezahlt, um die Entfronung zu bewirken^. Ein
weiterer stark auf Entfronung wirkender Antrieb war in den vogteilichen Ver-
hältnissen mindestens der geistlichen Grundherrschaften gegeben. Wurde ein
höriger Hof als pfleglos eingezogen, so kamen natürlich die vogteilichen Abgaben
1) Vgl. USMax. 1484, WHeisdorf, cit oben S. 457 im Text; ferner WKesselheim 1551
I § 3, G. 6, 614: wan ein hofer tots lialber abgehen wurde, seind ihnen die andern hofer
schukligh zu rügen, so sol der nechste erb also geruget des gemeinen hofsguts schuldigh
sein auf dem hof zu Kesselheim zu erscheinen und daselbst mit ufgerecktem halm sein hofsgut
uf obg. hofgedingh zu empfangen, und wo er solches verachtet und nicht gehorsam were,
sollen die herren von Aich macht haben, solch ohnempfangen hofsgueter under ihren pflugh
zu schlagen in obg. ihren hof. Eine Frist von etwas über 14 Tagen findet sich Bd. 3, 18, 20,
1260; zur Sechswochenfrist vgl. WObermendig 1531, G. 2, 497: welicher man entpfengliche
guter hait, der sohle die entjifangen binen dem siebenthen und das khuirmoet verenden
binnen dem dreifsigsten. wanne er das nit ihete, sol ine der Schultheis mit dem froenen
beschicken, das er herbiqueme und entpfienge die guetere. ob er dan auch nit queme. sol
der Schultheis die guetere drei vierzehen tag verurkhunden, und ob er der einen vergefs, sol
er von neuwem anfangen zu verurkhunden, wie obstet; wann die dan umb seint, so sol er
die guetere bestechen mit dem froenen. Ein Jahr ergiebt WTholey 1450, G. 3, 760; drei
Jahre WKapellen 1489; WNiedermendig vor 1563, G. 2, 492-3; WÜrzig 1686, G. 2, 368,
cit. oben S. 576 Note 5 (auf S. 577); vier Jahre WWolf, 15. Jh. Ende, G. 2, 817, cit, oben
S. 579 Xote 4; und WObermendig 1448, G. 2, 496.
-) Vgl. Bd. 3 Wortr. u. d. WW. dedominicare, defiscare, entfroenen.
3) Vgl. WObermendig 1448, G. 2. 496: of der man up die guede . . neit enginge noch da
up wunne noch wurve achter der zit, si geweist ind beleit weren mit zwen scheffen , ind neit ent-
j)fienge : so sal die frauwe die goide dat eirste jaer dreiss laessen ligen, in dat ander jaer darna rosen
laessen dragen , in dat dritte jaer dorne ind bremen laessen dragen ; ind dat veirde jaer sal
die frauwe mit eren ploigen laessen winnen, of in eren ploich slagen, of weme sulchs von
erentwegen bevolen ist. ind dit vierschreven hait der scheffen mit underscheide ind genaden
gewist, of der rechte erve qwenie ind wolde allen versessen hinderstendighen zins, pecht,
gulde, alle kost ind besseronge, darup gegangen were, bezalen, denselbe sal die frauwe
vurg. Widder zu sime erve lassen. WNiedermendig vor 1563, G. 2, 492 — 3: ob m. j. renth
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 752
des früheren Gehöfers in Wegfall, der Vogt erlitt also einen Verlust. Damit
lag es im Interesse des Vogtes, jede Verfronung zu verhindern. Nun kam es
allerdings zu Kompromissen zwischen Grundherr und Vogt, welche dem Vogt
seine bisherigen Einnahmen in der einen oder andern Weise sichern sollten^,
indes schon aus dem häufigen Eintritt schiedsrichterlicher Vermittlungen auf
diesem Gebiet ergiebt sich, dafs diese Kompromisse keine abgeschlossenen
Zustände schufen und die Eifersucht der Vögte nicht völlig einzuschläfern
vermochten.
Man wird unter Berücksichtigimg dieser Differenz zwischen dem grund-
herrlichen und dem vogteilichen Interesse und unter Kenntnis der einseitigen
grundherrlichen Mafsregeln, welche sämtlich auf Vermeidung der Verfronung
hinauslaufen, annehmen müssen, dafs das Salland durch Verfronung pfleg-
losen Gehöferlandes nur sehr geringen Zuwachs erhalten hat. Dem ent-
sprechen denn auch die positiven Nachrichten um so mehr, je weiter
wir im Laufe der Jahrhunderte vordringen: finden wir|im^9. Jh., z. B. im
UPrüm, noch eine ganze Anzahl pflegloser Hufen genannt, so werden dieselben
schon im 12. und 13. Jh. selten, und wo sie vorkommen, gilt ihre Existenz
und gülden worden wehren und nhu verhalten würden, des sol man ansehen rollen und
register, seint sie pfandbar, so sol man sie pfänden; ist es eigen gut oder erb, so sol man
Stilen und wischen und drei 14 tagli nachgeben, als recht, das erste jhar sol es driesch
liegen, das zweite jhar distelen und dorn tragen, das dritte jhar sol es der Junker unter sein
pflugh schlagen; kombt doch der hausman mit allem uncosten und schaden, so sol man in
wiederumb zu seinem gut kommen lassen. Noch günstiger ist WMünstermaifeld 1589, G. 2,
462: die Güter sollen nach versäumter Zinsab] ieferung in froene unt herrenhant jähre unt
tag liegen, und quäme alsdan der arme man unt bitt umb gnade mit lieferung unt entrich-
tung haubgelts, und was darauf gangen und erwachsen, sol der grundherr dem armen man
gnade thun ; und so der arme man nach verschienenen jähre und tagh nit quäme noch seine
zins wie vorgemelt nit bezahlt noch entricht, alsdan sol der grunther die guter, so in
froene gelegen, unter seinen ploech legen und winnen lassen.
1) Vgl. z. B. Bd. 3, 65, 11, 1274; 92, n, 1285; 103, u, 1297; WNiedermendig 1882,
G. 2, 490: alle verlegen hoifsgoit, dat vur der herren reicht bleve ligen, dat sal ein scholtis
uf deme hoeve ingewinnen unde mach dat vur sich halden unde sinen ploich darin slain;
unde sal deme vaede sin andeil geven des reichtz, daz dat verlegen goit vuor plach zuo
geven; dat is wail verurkunt. S. auch WKesselheim 1551 § 13, G. 6, 613: die grundherr-
lichen schöpfen zeigen auch an und bekennen, die gueter, so im gericht wüst liegen und
kein ban darauf, sol von iedem stuck geben werden 2 alb., davon gehöret denen gerichts-
jimkeren 2 theil und dem gericht ein theil. Eine recht eigentümliche und ausführliche De-
duktion zu diesem Thema enthält das *WLonguich 1408, Arch. Maximin. 8, 31, § 1 : ludica-
runt memorati scabini, quod bona mansionalia vulgariter hoifguet sita in banno et iurisdic-
tione villae Longuich sint censualia domino abbati et conventui sancti Maximini et sub
advocatia advocati pro tempore ibidem videlicet in Longuich, quodque idem advocatus illis
bonis potest imponere tallias sive exactiones vulgariter dafs er mag daruf schaeffen ; et si ita
moderatas tallias sive exactiones huiusmodi bonis imposuerit, quod homines eorundem bono-
rum possessores ipsas tallias et exactiones solvere et pati possunt, advocato huiusmodi tallias
et exactiones solvere homines praedicti possunt, si vero advocatus huiusmodi bonis, quae suae
sunt ut praefertur advocatiae, immoderatas imponeret tallias sive exactiones, quas possessores
bonorum sustinere non possent, tunc huiusmodi bonorum possessores possunt eadem bona
— 753 — Venvaltungsorganismus.]
offeiil)ar nicht als vorteilhafte Wenn sich aber in älterer Zeit zahlreichere
pfleglose Güter finden, so liegt der Grund dafür wohl kaum im Bestreben
der Grundherren, das Salland zu vermehren, und der Anlafs wird meist weniger
in irgend einer Versäumnis des bisherigen Inhabers, als vielmehr im Mangel
an anzusetzenden Bauern zu suchen sein.
So wäre es denn auch für die ältere Zeit falsch, aus den Fluktuationen
pfleglosen Gehöferlandes ein allgemeines Bestreben der Grundherren zu er-
schliefsen, das auf die Vergröfserung des Sallandes gerichtet gewesen wäre;
die Verfronung yvar viebnehr ein Notbehelf gegenülier dem ursprünglichen
Mangel agrarischer Arbeitskräfte, als eine kultivatorische Mafsregel zur Ver-
gröfserung des Sallandes.
Wie gi'ofs aber war dieses Salland überhaupt durchschnittlich? Erreichte
es den Umfang heutigen Rittergutsareals, oder blieb es unter demselben?
Waren die Fronhöfe zentrale, für Grofswirtschaft angelegte Domanialhöfe im
heutigen Sinn, oder waren sie nur einfache Bauernhöfe mit der besonderen
Bestimmung, neben einer im Sinne anständigen Hufenbesitzes betriebenen Land-
wirtschaft die Katural- und Geldintraden von den hörigen Hufen zu sammeln?
Dem Domanialcharakter widerspricht zunächst alles, was wir urkundlich
über die bauliche Ausdehnung der Fronhofsanlagen wissen und aus dem
Bauplane der heutigen Dörfer erschliefsen können. Die meisten Ortschaften
an Mosel und Rhein, für welche die Existenz von etwa sechs bis zehn Fron-
höfen nachgewiesen ist, haben nach ihrer heutigen, gegenüber dem Mittelalter
dimittere et non (lebet aclvocatus extunc ibidem ex vel ab eis vel eorimi altero [S. 32]^
qui huiiismodi bona sie dimiserunt vel dimisit, qiiicquara exigere vel requirere, nee ipsos
vel ipsum lüterius vexare aut artare , quam aliquem , qui huiusinodi bona nunquam ha-
buerit. § 2: Ammodo referebant scabini, quod abbas pro tempore dicti
monasterii vel sui officiati sub testimonio vulgariter mit orkunde scabinorum in Longuich
possunt huiusmodi bona sie dimittere vulgariter in froengewalt et ad manus sive potestatem
ipsius domini abbatis, quodque huiusmodi bona, Interim quod sie sunt in et sub manibus ac
potestate domini abbatis et dicti monasterii, advocato pro tempore in Longuich nuUa iura
dare debent. § 3: Ulterius dicebant iidem scabini, quod sive huiusmodi
bona per tres dies vel per annuum aut quantocunque longo vel brevi . tempore sie in manibus
domini abbatis monasterii praedicti sive in froengewalt iacuissent, quandoque requireretur
villicus pro tempore in Longuich dicti domini abbatis per verum haeredem eins, qui dicta
bona dimisit, venientem ad ipsum villicum cum duobus censibus et una emencla, illi haeredi
volenti dicta bona dimissa recuperare debet dictus villicus sub testimonio scabinorum in
Longuich praefota bona assignare. § 4: Pietulerunt praefati scabini, si
advocato in Longuich pro tempore displiceret, quod huiusmodi bona dimissa nimis diu in
manibus domini abbatis sive in froengewalt iacerent et quod tallias et exactiones suas inde
sibi non darentur, tunc ipse advocatus potest unum legalem virum in sella sua pendentem
cimi duobus censibus et una emenda ducere ad villicum domini abbatis praedicti in Lon-
guich, qui vir sie ductus erga ipsum villicum bona huiusmodi acceptare et villicus sibi ea sub
testimonio scabinorum in Longuich cum dictis [censibus] et una emenda assignare debebit,
etiam talis vir huiusmodi census prius domino abbati praedicti monasterii et tallias deinde
de dictis bonis advocato in Longuich dare et praesentare debet.
1) S. Bd. 2, 210.
[Wirtschaft d. Grofsgiundbes. — 754 —
fast stets nur gering veränderten Anlage aucli nicht eine Area, welche ge-
räumig genug gewesen wäre, um einem Domanialhofe als Unterlage zu dienen,
geschweige denn dafs sich mehrere derartige Hofstätten finden liefsen. Wo
aber die Urkunden des Mittelalters Fronhöfe genauer schildern, erscheinen die-
selben stets nur als etwas bessere, vielleicht auch etwas gröfsere Bauernhöfe ^ ;
und ist das zu ihnen gehörige Areal umfangreicher, als dafs es sich von einem
solchen Hofe aus bewirtschaften läfst, so wird nicht etwa die Zentralstelle
vei'gröfsert, sondern man greift zu dem Auskunftsmittel der Ausbauten und
Vorwerke^, welche dann dem Charakter des Allmendeausbaues gemäfs bald
zu Eigenwirtschaften erstarken. Alle diese Erscheinungen gehören dabei nicht
blofs der Frühzeit des Grofsgrundbesitzes an, sondern sie bleiben — abgesehen
1) Vgl. aufser Bd. 3 Wortr. u. d. WW. curtariiis ff. auch MR. ÜB. 2, 7, 762, eine Stelle,
welche besonders wichtig ist, da sie sich als formelhaft, also allgemein gültig ergiebt, s. MR.
ÜB. 1, 8, 770—774. S. ferner MR. ÜB. 1, 120, 886: curtis salaricia cum casa salaricia et
orrea et spicario; MR. ÜB. 2, 80, 895. MR. ÜB. 1, 431, 1115: ein predium in Lehmen,
scilicet domum cum ambitu curie, cum vinea u.s.w. ; MR. ÜB. 1, 508, 1139; Lac. ÜB. 1, 420,
1168, cit. oben S. 333 Note 1; Ernst, Hist. du Limbourg 6, 155, 1176; MR. ÜB. 2, 65,
1184; MR. ÜB. 2, 378, c. 1200; Goerz Regg. der Erzb. z. J. 1317 Okt. 22; * Bald. Kesselst.
S. 469, 1353: hof zu Nidernwalmelache uf dem Einriebe gelegen, mit schüren, garten, wier-
huse, mit 14 seheffen u.s.w.; *USMax. 1484 Bl. 11t»: der Abteihof zu Sauerschwabenheim ist
frei von allen Lasten, si per nos vel servos nostros conductitios fuerit culta et inhabitata;
er umfafst cum orto eins circa 2 iurnalia. Im allgemeinen ergiebt sich aus diesen Nach-
richten, dafs die Fronhöfe einfache Hufenhöfe waren, nur mit besonders guter Ausstattung
in Scheunen, zur Aufl)ewahrung der Beundefrüchte. Ein gröfseres Areal findet sich nur da,
wo der Hof in ursprünglicher Einzelhofanlage entstanden ist. — Der Name des Fronhofes
ist von jeher curtis oder curia, oft mit dem Zusatz dominicalis, dominica, vgl. L. Alam. 1,
29, LL. 3, 54; L. Baiuw. 1, 20, 9, LL. 3, 331; UPrüm Nr. 54, 55, 62, 66, 70, 104; Lac. ÜB.
1, 161, 249, 1094; später tritt das rechtliche Moment mehr hervor, vgl. CRM. 3, S. 823—4,
1379: curtis iudicialis dicta dinglich hof. Der deutsche Ausdruck ist neben Fronhof auch
Salhof, später in Stadel- oder Sattelhof entstellt, vgl. Guden. CD. 2, 979, 1299, cit. oben
S. 628 Note 2; ferner eine Himmeroder Aufzeichnung von c. 1350, cit. oben S. 241 Note 5 von
S. 240; auch Guden. CD. 2, 367, 1291: curie militum . . que stadilhobe vulgariter appellantur.
S. dazu Püttmann, Über die Sattelhöfe, deren Rechte und Freiheiten, Leipzig 1788. Neben
diesen Ausdrücken kommen lokal noch andere vor, z. B. Abtei für abteiiiche Fronhöfe, s.
*USMax. 1484 Bl. 6^, WSauerschwabenheim 1407: wisent och die 7 seheffen dem apt jerlich
3 buedingdage in sime hoebe zu S. die aptie genanten; und dazu *USMax. 1484 Bl. 11^:
curtis in Swabenhem vocata die aptie vel der zendehobe. — Über die Gröfse grundherr-
licher Hofstätten spricht v. Maurer Einl. S. 25; Gesch. d. Fronh. 1, 112 — 113, 136 sieht er
gar jeden Fronhof als Burg an.
2) MR. ÜB. 1, No. 14, 702—804: in Dingdorf, Carasgau, an Prüm geschenkt von der
P'rau ^Yeta mit Konsens ihres Mannes res proprietatis , nemiich ein mansus cum curtilis
et vilares una cum terris vel superposito tam terris quam pratis necnon et silvis sive etiam
pascuis aquis vero aquarumve decursibus . . iam de allode quam de comparato seu de qua-
libet adtracto tua ibidem fuit possessio vel dominatio. MR. ÜB. 2, 20, 832: in Matzen
(Bitgau) 3 mansi cum manso indominicato cum curtillis et casis superpositis tam terris cam-
pis pratis pascuis aquis aquarumve decursibus cum watriscapis et per vias legittimas cum
ingressu et egressu omnia et ex omnibus totum et ad integrum, quicquid ad ipsos mansos
tres cum manso indominicato pertinet, tam de allodio quam et de comparato seu de quo-
cumque ingenio.
— 755 — Vei'waltungsorganismus.]
von den neuen Hofanlagen des 12. und folgender Jahrhunderte zunächst seitens
der Klöster, dann auch seitens der Laien — dieselben das ganze Mittelalter
hindurch. Sehr natürlich. Noch der Neuzeit ist es schwer geworden, das
Problem zentralisierter Verwaltung grofser Güter mit Erfolg zu lösen: und dem
frühern wie auch dem spätem Mittelalter sollte es möglich gewesen sein, mit
ungleich unvollkommeneren Rütteln, ohne den Besitz qualifizierter Arbeitskräfte
und daher ohne wesentliche Arbeitsteilung und -Vereinigung, ohne starkes
Kapital und ohne eine nur bei dichtester Bevölkerung zu gewinnende zen-
tralistische Verwaltungserfahrung die Bewirtschaftung grofser Landgüter ein-
heitlich zu organisieren?
Diese Bedenken wie die urkundlichen Nachrichten und die Thatsache der
kleinen Hofstätten scheinen den Erörterungen über die Gröfse des Sallandes
schon eine ganz bestimmte Richtung zu geben. Gleichwohl ist das nicht in
dem Grade der Fall, als man von vornherein annehmen könnte. Wir haben
hier, an frühere Untersuchungen anknüpfend, daran zu erinnern, dafs das Sal-
land wirtschaftlich in zAvei Teile zerfiel: in Land, welches unmittelbar unter
dem Pfluge des Fronhofs stand, also das eigentliche Wirtschaftsareal desselben
war, und in Land, welches von den Gehöfern unter Aufsicht der Fronhofs-
verw^altung im Beundebau bestellt und abgeerntet wairde, also dem Fronhof
nicht ein-, sondern nur angereiht w^ar. Beide Teile des Sallandes wird man
bei der Untersuchung über die Gröfse des Fronhofsareals genau zu scheiden
haben, und es liegt auf der Hand, dafs nur die Ausdehnung des eigentlichen
Fronhofsareals, nicht aber des Beundelandes zur Gröfse der Fronhofsstätte in
gewissem Verhältnis stehen mufs.
Wie grofs war aber nun das spezifische Salland nach positiven Nachrichten ^ ?
Gehen wir hier in die älteste Zeit zurück, so ergiebt sich urkundlich als be-
deutendste Thatsache, dafs bis tief ins 9. Jh. hinein der Fronhof ganz über-
wiegend als mansus indominicatus bezeichnet w ird ^ ; da, wo statt dessen curtis
dominica vorkommt, ist meist ebenfalls eine Hufe gemeint^. Zieht man aus
dieser Thatsache den Schlufs, dafs bis dahin das spezifische Salland der Regel
nach nur aus einer Hufe bestanden habe, so wird dieser Schlufs noch von
1) S. zum folgenden Roth , Feudalität S. 139 f., der den Charakter des karolingisclien
mansus indominicatus richtig erkennt; ferner v. Inama, Wirtschaftsg. 1, 307 f., wo aber die
fehlende Unterscheidung zwischen Salland par excellence und Beundeland zu schiefer Auf-
fassung führt ; endlich Hanauer, Paysans S. 38 f. Nach letzterem hätte das Salland allmählich
abgenommen.
2) Vgl. MR. ÜB. 1, 105, 866, an verschiedenen Stellen; ferner MR. ÜB. 1, 104, 871;
118, 880; Lac. ÜB. 1, 43—44, 81, 898; MR. ÜB. 1, 163, 923; 170, 929; 173, 936; 174,
c. 938; 273, 996.
^) MR. ÜB. 1, 1>j5, 866: die Kapelle zu Bachem bei Köln besitzt einen mansus in-
dominicatus cum Omnibus aedificiis ac casticiis superpositis atque mansis 26, cum farinariis
3 ad eam curtem [d. h. den mansus indominicatus] deservientibus , cum omni servitio et
prosidio, quicquid in eadem villa sui iuris fuit, cum omnibus mancipiis desuper commanenti-
bus. Ebenso heifst Reg. Prüm. 8 Sarresdorf ein mansus indominicatus curtis dominica. Vgl.
auch noch MR. IIB. 1, 120, 886; Lac. ÜB. 48, 87, 927.
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 756 —
einer andern Seite her bekräftigt. Die älteren Urbare von Prüm, Mettlach
und SMaria-ad-mai*tyres in Trier, welche den Zeitraum vom 9. Jh. bis zum
11. Jh. umfassen, spezifizieren das eigentliche Salland nur aufserordentlich
selten — die Urbare von Mettlach und von SMaria-ad-martyres so gut wie
gar nicht — : sie begnügen sich mit der Angabe, dafs salisches Land vor-
handen sei, und selbst diese Angabe fehlt häufig. Dagegen erwähnen sie das
Beundenland gewissenhafte Dasselbe Verfahren findet sich auch bei einigen
Urkunden aus der 1. H. des 10. Jhs., welche besonders ausführlich abgefafst
sind^. Diese Erscheinung ist kaum anders als dadurch zu erklären, dafs das
spezifische Salland noch überall eine im allgemeinen feststehende Gröfse hatte.
Diese Gröfse aber kann nur die der Hufe gewesen sein. Sind die bisher gemachten
Beobachtungen richtig, so mufs sich als Korrelat derselben die Thatsache
finden, dafs im 9. und 10. Jh. die Gröfse salischen Landes nur da angegeben
wdrd, wo sie nicht auf der Hufenverfassung, also auf der Stempelung einer
einfachen Hufe zum Fronhof beruht. In der That ergeben die Quellen diese
Erscheinung^. Damit steht es nun fest, dafs der Fronhof der Karolinger- und
Ottonenzeit durchschnittlich weiter nichts als eine dem grundherrlichen Betrieb
speziell vorbehaltene Hufe war.
Aber blieb dies Verhältnis bestehen ? Sehen wir vom Beundenland ab, über
welches bald zu sprechen sein wird, so konnte das Salland offenbar schon durch Ein-
fronung hier und da vergröfsert werden, von andern Möglichkeiten, Einbeziehung
von günstig gelegenem Beundenland in das spezifische Salland u. a. m., abgesehen.
Die erst vom 12. Jh. ab genügend genau vorliegenden Nachrichten ergeben
nun folgende Einzeldaten. Es findet sich ein Fronhof: bei Herzogenrath 1117
mit 2 Hufen Sallandes; zwischen Zülpich und Euskirchen zu Iversheim 1176
mit 90 Morgen; am Niederrhein 1180 mit 4 Hufen*. Es läfst sich ferner
aus dem SMaximiner Urbar für den Schlufs des 12. Jhs. aus 16 verschiedenen
1) Vgl. Bd. 2, 140 f., 145, 154, 206. Wenn im UPrüm (S. 140 f.) bisweilen Frongut
in Land angegeben ist, so beruht das meist auf Anzeige von Einfronung.
2) MR. ÜB. 1, 173, 936; 174, c. 938.
3) Vgl. MR. ÜB. 1, 63, 835; MR. ÜB. 1, 108, 867: im Jülichgau in commarca Bardun-
bacli [Bardenberg im Aachener HofsystemJ ein curtilis cum arboreta ac de terra arabiM et
prata iugera 34, de silva bonuarios 26 und 2 loca molendini; et in villa Palembach [Palen-
berg s. Geilenkirchen, an der Nordgrenze des Aachener Hofsystems] 1 curtilis 20 iugera
terrae arabilis und pratorum, de silva iugera 30, 2 loca molendini. S. ferner Bd. 2, 99 f.
zum J. 886; MR. ÜB. 1, 220, 964: in Leuken (Saargau) airalem unum et inter terram ara-
bilem et prata iugera 73 et quicquid ad eundem airalem pertinere dinoscitur cum pascuis
pratis aquis aquarumve decursibus ingressibus et regressibus. Auch MR. ÜB. 1, 235, 971
kann noch hierher gezogen werden: an Prüm schenkt man in Fliefsem curtilem unum . .
cum tota integritate sua per omnia donationis inter terram aratam et inaratam iugera 36,
dazu eine curtis dominicalis in Wachenvur. Dem wird entsprechend gehalten eine curtis
dominicata in Etteldorf cum omnibus appenditiis suis pretermissis 14 noctibus et angariis in
autumno, mansa . . per omnia 10 und dazu jährlich 2 carr. Wein.
•*) Vgl. schon die vereinzelten Zusammenstellungen oben auf S. 659 f. S. ferner Ann.
Rod., Ernst S. 22, 1117; Ernst, Hist. du Limbourg 6, 155, 1176; Ennen, Qu. 1,582,93, 1180.
— 757 — Verwaltungsorganisirius.]
Aiiiiabeii eine Durolischiiittsgrörsc von 26,5 Morgen für das Salland d(T SMaxi-
niinor Fronhöfe berechnen, unter Scbwankung(^n von V2 bis zu 124 Morgend
Fast dasselbe Resultat erhellt aus einer Prüfung der Angaben des Ruperts-
berger Urbars aus der Wende des 12. und 13. Jhs., hier finden sich bei wirk-
lichen Fronhöfen mit Hufendependenzen durchschnittlich, unter Schwankungen
zwischen 7 und über 62 Morgen, etwa 30 Morgen als Salland, während die
Grölse des bebauten Areals bei den umfangreicheren freien Gütern ohne Hufen-
dependenzen im Mittel etwa 55 bis 58 Morgen beträgt^. Weniger ausgiebig
wie das SMaximiner und Rupertsberger ist für die 1. H. des 13. Jhs. das
erzstiftische Urbar, aus einigen Angaben läfst sich hier das Salland auf etwa
50 Morgen durchschnittlich berechnen^. Von der 2. H. des 13. Jhs. ab sind
wir wieder auf Einzelangaben angewiesen. Es finden sich die Fronhöfe: 1297
zu Kothausen bei Koblenz mit 130 Morgen Salland, 1298 in Eckum bei
Rommerskirchen mit 2^/2 Hufe 6 Morgen, c. 1300 in Merxheim mit 13^/4 Mor-
gen, 1307 wiederum zu Nothausen mit 183 Morgen 30 Ruten Sallandes'*. Im
J. 1319 giebt dann das Marienthaler Urbar für das Luxemburger Land eine
mehr summarische Auskunft, bei fünf Fronhöfen erreicht das Salland unter
Maximal- und Minimalgrenzen von 97 und 51 Morgen durchschnittlich 68
Morgen^. Nunmehr setzen wieder vereinzelte Nachrichten ein, so finden sich
1324 ein Fronhof zu Malbergweich mit 20 Morgen, 1325 ein solcher zu Adendorf
mit 180 Morgen, 1326 der Hof von SFlorin zu Mayen mit 60 Morgen, c. 1330
die Münstermaifelder Höfe zu Salmrohr mit 36, zu Münstermaifeld mit 40
Morgen, c. 1340 der Matheiser Hof zu Polch mit 315 Morgen, 1341 ein Hof
zu Veienauwe mit 63 Morgen, 1349 ein Hof zu Konz mit 54 Morgen, 1353
ein Hof zu Armsheini mit 94 Morgen^. Weniger zahlreich sind späterhin die
nun erst wieder für das 15. Jh. einsetzenden Nachrichten. Hier beziehen sich
zwei Angaben des grofsen Maximiner Urbars von 1484 auf die Höfe zu Winter-
born und Simmern u. Dh. und ergeben 27 bezw. 36 Morgen Salland^; und
diesen Angaben schliefsen sich weitere von c. 1490 bezw. c. 1530 für die
SMaximiner Höfe Sauerschwabenheini und Longuich an, aus welchen sich
Salländereien von 73^/4 bezw. c. 30 Morgen berechnen lassen ^. Hierzu kommen
endlich noch einige Aufklärungen aus dem Steinfelder Urbar von c. 1500, welche
aufserordentlich grolse Salländereien von 172 Morgen im Durchschnitt ergeben'-^.
1) Vgl. Bd. 2, 167 f., 209.
2) Vgl. Bd. 2, 206 f.
3) Vgl. Bd. 2, 178.
4) Hennes ÜB. 2, 334, 1297; 336, 1298; *.Cliart. SSimeon, Trier. Stadtbibl. Ifde. No.
1611, Schmutzblatt des vorderen Deckels; Hennes ÜB. 2, 375, 1307.
5) Cart. Marienthal S. 366 ff.
6) *Bald. Kesselst. S. 178, 1324; Bd. 3, No. 113, 1325; Honth. Hist. 2, 109, 1326;
Bd. 2, S. 215, 216, c. 1330; Bd. 2, S. 216, c. 1340; *ßald. Kesselst. S. 335, 1341; Bd. 3,
507 c, 1349; 507 d, 1353.
■') *USMax. 1484 El. 18a, 21b.
8) Bd. 2, 224 f., 226 f.
9) Bd. 2, 230 f., oben S. 660.
[Wirtschaft d. Grorsgrundbes. — 758 —
Geht man über das aus diesen Einzelangaben zweifellos ersichtliche all-
gemeine Ergebnis hinaus, dafs die mittelalterlichen Fronhöfe zu keiner Zeit
Eittergüter gewesen sind, sondern stets nur über ein relativ geringes Salland
verfügt haben, so ist es nicht leicht, sich aus den innerhalb gewisser Grenzen
aufserordentlich schwankenden Angaben irgend welche sichere Detailvorstel-
lungen über die Entwicklung des Sallandes zu machen. Erhöht wird die
Schwierigkeit noch durch den Umstand, dafs der Ausgangspunkt der Entwick-
lung, der mansus dominicus des 9. bis 11. Jhs., zwar der Bezeichnung, nicht
aber dem Landmafse nach für alle hier in Betracht kommenden Gegenden
identisch war — bekanntlich gab es, abgesehen von allen besonderen Formen,
allein schon reguläre Hufen von einem zwischen 30 und 60 Morgen schwanken-
den AreaP. Unter diesen Umständen bleibt es das Sicherste, die Entwick-
lung des Sallandes zunächst an nur einem durch verschiedene Jahrhunderte
hin übersehbaren Beispiele zu verfolgen. Dies Beispiel bietet unter den oben
zusammengestellten Nachrichten das Salland der Abtei SMaximin. Es beläuft
sich um die Wende des 12. und 13. Jhs. für den Fronhof durchschnittlich auf
26,5 Morgen; und für die Wende des 15. und 16. Jhs. stehen Daten von
27, 30, 36 und 73^, 4 Morgen zur Verfügung. Man sieht, hier ist das Salland
sich im Laufe von drei Jahrhunderten im allgemeinen gleich geblieben —
denn gerade für die 73^/4 Morgen des 15. Jhs. läfst sich im gleichen Fronhof
(Sauerschwabenheim) für den Schlufs des 12. Jhs. ein Korrelat von 67 Morgen
nachweisen^. Entsinnt man sich nun aber, dafs der Grundbesitz der Abtei
SMaximin fast durchweg der Gegend des oO-Morgenfufses der Hufenverfassung
angehört^, so erscheint dieses Salland von durchschnittlich etwa 30 Morgen
eben- nur als der alte mansus dominicus: so dafs hier in der Ausstattung
der Fronhöfe mit specifisch salischem Areal seit dem 8. bis zum 16. Jh. im
allgemeinen eine Änderung nicht eingetreten zu sein scheint. Sehr wahrschein-
lich, ja so gut als gewifs wird aber diese Vermutung durch den Umstand,
dafs die sonst noch vorhandenen gröfseren Durchschnittsziffern für das Salland
von Rupertsberg um 1200 mit 30 Morgen, und für das Salland von SMarien
im Thal um 1320 mit 68 Morgen diesen Erwägungen durchaus entsprechen;
die Rupertsberger Grundherrschaft gehört dem Gebiet des 30-Morgenfufses,
die Marienthaler dem des 60-Morgenfiifses der Hufe an.
Freilich ist mit dem bisher Ausgeführten die Frage nur für die geistlichen,
also die besonders konservativen Grundherrschaften entschieden: bei ihnen
mag eine fast völlige Stabilität wenigstens für die ältere Fronhofsbildung die
Regel gewesen sein^. Aber galt das auch für die jüngere Grangienbildung,
1) Vgl. oben S. 346 f.
'^) Bd. 2, 224-5.
■') Vgl. Karte 12 in Bd. 2.
*) Doch findet sich auch hier, wenn auch sehr spärlich, eine Bewegung; vgl. Lac. ÜB.
1, 49, 88, 927 ; 126, 189, 1054. — A'gl. zum folgenden auch oben S. 743.
— 759 — Verwaltungsorganisinus.]
welche sieli luolirfach bald zum Fronhofssysteni erweiterte ^ , und jzalt es auch
für die Laienfronhöfe ? Die Quellen ^eben hier keine klare Antwort; soll
man sich aus dem kargen positiven Material, aus individuellen Eindriicken
des gesamten Quellenstoffes und aus allgemeinen Erwägungen^ eine Meinung
bilden, so würde etwa zu sagen sein, dafs sich in den Laienfronhöfen, soweit
sie erst seit der Salier- und Stauferzeit und vornehndich soweit sie von
kleineren Grundherren im Einzelhofsystem angelegt sind, sowie in den Grangien
seit der Stauferzeit eine stärkere Ausstattung mit spezifischem Salland ent-
wickelt haben wird, als in einer Anzahl der oben angeführten Einzelfälle
zum Ausdruck gelangt^.
Nun fragt es sich aber, in welchem Verhältnis sich denn die Beunden-
entwicklung neben die Ausstattung mit spezifischem Salland stellte. Über die
Beunden ist schon früher ausdrücklich gesprochen worden'*; hier mag kurz
rekapituliert werden, dafs diese von den Grundherren allein mit Beschlag be-
legten und aufgewonnenen meist recht umfangreichen Stücke der Allmende,
welche allen Kulturen zugänglich waren, schon früh vorkommen, dafs sich seit
der Ottonenzeit ihr Charakter abzurunden, ihre Zahl zu vergröfsern beginnt,
und dafs ihre Rodung um die Wende des 12. und 13. Jhs. den Höhepunkt
erreicht. Von da ab schreitet die Bewegung nicht mehr fort, ja es läfst sich
nicht einmal der erreichte Bestand behaupten. Ein Teil der Beunden wird
nach schon länger andauernden Versuchen in dieser Richtung in der ver-
schiedensten Weise parzelliert'', ein anderer tritt in das spezifische Salland,
d. h. in die direkte Bestellung und Bewirtschaftung des Fronhofes über: schon
im Beginn des 14. Jhs. findet eine Verwischung des Charakters der Beunde
überhaupt statt ^. Ist es schon bei diesem wechselvollen Schicksal der Beunden
nicht leicht, sich eine sichere Vorstellung von ihrem jeweiligen Verhältnis zum
eigentlichen Salland zu machen, so wächst die Schwierigkeit bei einer näheren
Betrachtung der wirtschaftlichen Vorbedingungen für den Beundeausbau. Die
Beunden wurden von den Gehöfern gerodet und bestellt; ihre Gröfse stand
also zu der Zahl der einem bestimmten Fronhof zugewiesenen hörigen Hufen
in einem gewissen Verhältnis. Die Zahl dieser Hufen aber war, wie wir
*) Vgl. z. B. MK. ÜB. 2, 25*, 1177, Besitz von Himmerode: grangiam de Gevelestorp
cum manso B. manso 0. manso A. et manso, quam G. de B. vobis dedit.
2) In dieser Hinsicht ist z. B. anzunehmen , dafs die Grangienbildung sehr dazu auf-
forderte, die Eigenwirtschaft auch sonst zu erhöhen, vgl. z. B. MR. ÜB. 3, 444. 1231.
^) Die nunmehr gewonnene Auffassung von der Entwicklung des Sallandes steht
freilich der bisherigen Ansicht über die Bedeutung des Sallandes ziemlich schroff gegen-
über. Zur letzteren vgl. v. Inama, Wirtschaftsg. 1, 382—83: mit der vielseitigen, gut ge-
gliederten Arbeit dienender Leute und Hufen [schon in der Karolingerzeit!] führte also die
Gmndherrschaft eine grofsartige Wirtschaft für eigene Rechnung auf ihren Domanial-
gütern durch.
*) S. oben S. 418 ff.
5) S. oben S. 438 if.
«) S. oben S. 413.
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes.
760 —
frülier gesehen^, keineswegs fest, sondern von den verschiedensten Zu-
fälligkeiten abhängig. Zudem aber war der der einzelnen Hufe auferlegte
Beundedienst nicht in allen Fronhöfen gleich bemessen, sondern sehr verschie-
denartig ausgedehnt ^ : so dals der gleichen Anzahl Hufen in verschiedenen
Fronhöfen ein sehr verschieden grofses Beundefeld zur Bestellung überwiesen
sein konnte. Gegenüber diesen schwankenden Möglichkeiten bedarf es des unum-
wundenen Anerkenntnisses, dafs an eine generelle Feststellung des Beunden-
umfangs im Verhältnis zum Salland nicht gedacht werden kann. Gab es doch
grofse Höfe, welche aller Wahrscheinlichkeit nach überhaupt keine Beunden
hatten^, während andere sehr reichlich, bis zur Höhe des Sallandes, ja darüber
hinaus mit Beundeland ausgestattet waren ^. Welchen Eindruck aber die Ver-
teilung im allgemeinen machte, mag man sich aus den oben S. 428 f. gemach-
ten Mitteilungen, welche vielfach ebensosehr für den Fronhofs- als für den
Markumfang gelten, wie aus den S. 443 gegebenen Notizen über die verschie-
dene Gröfse alten Beunde- nunmehrigen Gehöferschaftslandes vergegenwärtigen.
Und soll aus diesem Eindrucke heraus, trotz entgegenstehender Schwierigkeiten,
eine für das volle Verständnis der Fronhofsverfassung unumgängliche Vermutung
über die Entwicklung des Beundelandes im Verhältnis zum Salland geäufsert
werden, so wird es auszusprechen sein, dafs die Beunden während der Karo-
lingerzeit wohl noch hinter dem Salland zurückstanden, dafs sie im Laufe der
Kaiserzeit bis zu den Staufern mit dem Salland in immer gefährlicheren
Wettbewerb traten, seit dem 13. Jh. aber infolge von Entfremdung vom Fron-
hof oder auch infolge Übergangs zum Salland stets mehr an Bedeutung verloren.
1) S. oben S. 741 f. -
2) Man vgl. aiifser G. ep. Camerac. 2, 26, 685 die Tabellen für Prüm in Bd. 2, 140 f.
und dazu 145; hier bestellen in verschiedenen Fronhöfen
46 mansi Land für 700 mo. Aussaat,
50^2 „ „ „ 300 „
29V2 „ „ „ 400 „ „ U.S.W.
Ähnliche Verhältnisse ergeben MK. ÜB. 1, 173, 936; 174, c. 938.
=5) Vgl. Bd. 2, 225.
') Vgl. Bd. 2, 209 f. No. 4; ferner *Bald. Kesselst. S. 178, 1324. Eecht lehrreich
sind auch die Angaben des UMarienthal von 1321 im Gart. Marienthal S. 366 if. Hiernach
kommen in Morgen auf
Orreum
Eigentliches
Salland
Beundeland
Diedenhofen
Heimscheid
Xorzingen
Ferlingen
Elvingen
71
57
51
97
64V2
83
93
121
12
88
— 761 — Verwaltungsorganismus.]
Mit der Entwicklung des Verhältnisses zwischen Fronhofsland und Gehöfer-
land, und wiederum innerhalb des Fronhofslandes der gegenseitigen Beziehun-
gen zwischen spezifischem Salland und Beundesalland übersehen wir nunmehr
die Organisation des grundherrlichen Grundes und Bodens überhaupt, sow^eit
dieselbe für das Verständnis der lokalen Wirtschaftsverwaltung seitens der
aristokratischen Grundherrschaften von Wichtigkeit ist. Wir entnehmen ihr
vor allen Dingen die Forderung einer dreifachen Thätigkeit des obersten
lokalen Wirtschaftsbeamten oder Fronhofsvorstandes: er mufs Bewirtschafter
des spezifischen Sallandes, Beaufsichtiger des Beundebaues, Einnehmer der
Intraden vom Gehöferlande gewesen sein. Mit diesem Gedanken treten wir
in die Untersuchung der grundherrlichen Lokalverwaltung ein.
Der Fronhofsvorstand war ursprünglich allein der Meier, villicus ; er blieb
es auch allein, so lange die älteste vornehmlich wirtschaftliche Fronhofsverfassung
vorhielt. Bei ihm finden wir nun in der That, unter geringen lokalen Ab-
weichungen hinsichtlich der Ausdehnung und Abgrenzung der Kompetenzen,
eben jene dreifache Thätigkeit, welche soeben auf Grund der Organisation der
Fronhofsländereien vorausgesetzt wairde. Aber mit ihr verbindet sich noch,
abgesehen davon, dafs der Meier bisweilen zugleich Zehnteinnehmer ist\ eine
vierte. Wir haben schon öfter berührt, und es wird in Abschnitt VII noch
besonders auszuführen sein, wie die Gmndherren es vielfach, ja bis zum Schlüsse
des Mittelalters in weit überwiegendem Mafse zur Stellung eines Obereigen-
tümers der ^lark brachten, in welcher der Fronhof gelegen war. Trat nun
dies Obereigentum ein, so war es natürlich, dafs — nahm man nicht den
bisher autonomen Zender unter die grundherrlichen Beamten auf - der Meier
zugleich mit der Beaufsichtigimg der vom Grundherrn abhängigen Allmende-
nutzungen betraut wurde. In diesem Falle fiel also dem Meier aufser der
Fronhofswirtschaft, der Sorge für das Gehöferland und der Kontrolle des
Beundebaues auch noch die Kontrolle der Allmendenutzung zu^.
^) Vgl. z. B. USMax. S. 435, Schönberg 9a: villicus colligit omnem deeimam nostram. Die
Abtei SMaximin war zugleich Patron in Schönberg, S. 430. Vgl. auch MR. ÜB. 1,302, 1030.
cit. oben S. 419 Note 7 (auf S. 420). Auf die Thätigkeit des Villicus in der Gerichtsver
fassung ist hier erst teilweise einzugehen; weiteres unten Abschnitt VII Teil 1. Zur
Thatsache selbst vgl. einstweilen WIgel 1292, Honth. Hist. 1, 826: ecclesia sancti Simeonis
debet habere villicum in dicta villa, qui debet colligere census et reditus dictae ecclesiae,
coram quo etiam homines dictae curtis sancti Simeonis iuri stare debent.
^) Hanauer bemerkt, Paysans S. 93, im nächsten Bezug auf die Ämter des Meiers und
des Schultheifsen: Dans son ensemble, quant ä ses traits caracteristiques , l'organisation de
nos dinkhofs est partout la meme pour les colonges du meme ordre; on voit que ces cours
decoulent toutes d'une meme source, qu'elles sont toutes formees sur un meme modele. Mais
lorsqu'on descend aux details, on retrouve aussi partout variantes sans nombre: on hesite ä
formuler des regles generales; tant il serait aise de signaler des exceptions! Dies Urteil
ist doch nur teilweis begründet. Die in ihm wahrnehmbare Übertreibung beruht darauf,
dafs Hanauer zwischen den wirtschaftlichen und gerichtlichen Funktionen des Meiers nicht
genügend scheidet und Meier und Schultheifs in ihrer specifischen Ausbildung seit dem
Lamprecht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. ' 49
[Wirtschaft d. Grofsgnmclbes. — 702 —
In der Fronhofswirtschaft zunächst spielte der Meier, entsprechend der
g•e^Yöhnlichen Gröfse des Fronhofsareals, kaum eine andere Rolle, als jeder
Besitzer einer noch unzerstückelten alten Hufe ; er war auch keineswegs von den
Forderungen der völlig autonomen oder unter dem Allmendegrundherrn immer
noch grofser Selbständigkeit geniefsenden Markgemeinde befreit; und wo er
mit besonderen Markrechten ausgestattet war, da waren ihm zum Entgelt auch
vielfach besondere Veri)flichtungen auferlegte Gegenüber dem Grundherrn war
der Meier einfacher Mandatar, er besafs also keinerlei Verfügungsrecht über
die Substanz des Fronhofes ^, — freilich findet sich später der Anfang eines
Beistinnnungsrechts des Meiers zu Veräufserungen aus dem Gut^ — , dagegen
war er der rechtliche Vertreter des Grundherrn bei etwaigen Veräufserungen
und namentlich bei den später sehr überhand nehmenden Verpachtungen von
Salland'*. Auch Meliorationen nahm der Meier nicht ohne Befehl des Grund-
herrn vor-^; für die Instandhaltung der Fluren, und besonders der Gebäude,
wurden spezielle Abmachungen getrofi'en^.
Über die Kontrolle des Beundebaues durch den Meier ist schon oben in
anderm Zusammenhange eine Reihe von Angaben gemacht worden^. Hier sei
kurz resümiert, dafs eine solche Kontrolle die Beaufsichtigung aller Bestellungs-
12. und 13. Jh. nicht genau sondert. Im allgemeinen ist vielmehr die Durchbildung der
Meier- und Schultheifsenfunktionen bei doch iiberall autonomer Entwicklung eine staunens-
wert gleichmäfsige.
^) Ein drastisches Beispiel bietet WHüpperdingen § 16, cit. oben S. 525 Note 6.
2) Man vgl. schon die Stelle MR.. ÜB. 1, 62, 825, welche freilich auf einen Iudex geht.
S. ferner Stumpf, Act. Mogunt. Nr. 92, 1184: ein villicus von Altenmünster-Mainz hat abbatissa
ignorante et inconsulta gewisse Äcker an Bupertsberg verkauft. Das wird nun redressiert.
Zur gerichtlichen Vertretung vgl. MR. Uß. 3, 1088, c. 1250, und USMax. 1484, Bl. 35 a, cit.
oben S. 439 Note 1.
^) S. Hennes Uß. 1, 496, 1327, cit. oben S. 382 Note 2.
*) Vgl. z. B. WRommersheim 1298, G. 2, 519: ouch hat der scheffen vur vol geweist,
dat ein vait von Schonecken of vaitleute noch neman keins rechtz ensuUe sich vermessen
an keime gude, dat eins abts und seins gotshaus is, dat man nent seileguit oder aptei, id
enwere dan sache, dat it ein overste scholtifs eins abts of der hoifsscholtifs liende hin um
iren meidem. S. ferner WWeifskirchen 1493, cit. oben 8. 580 Note 5. Eigentümlich ist
es, wenn es USMax. S. 446, Naurath, heifst, dafs der bedellus dominicalia ad colendum
distribuet.
'^) S. Lac. Uß. 2, 504, 1261, vgl. auch Lac. Uß. 1, 229, 1080: quaedam novalia hi
Mosella fluvio iuxta villam, quae dicitur Urcecho, et alteram medietatem eorundem erutorum
sancto Georgio, quae scilicet eruta imprimis incepta sunt a Brunone et Engilberto villico.
^) Vgl. MR. ÜB. 3, 1087, c. 1250: SGeorg Koeln bekennt, quod villicus curia nostre
in Raitche, qui quondam fuit ecclesie nostre, iure hereditario possedit eam, ita tamen, quod
si domus curie et torcularia ex vetustate et non ex negligentia ipsius villici corruerunt,
quod nos debuimus ipsam reedificare, et villicus per tectum edificia debuit inputribilia con-
servare. et si ex negligentia vel paupertate ipsius villici dicta edificia aliquam paterentur
minam et putredinem , idem villicus ecclesiam a dampno penitus relevare tenebatur, alioquin
ecclesia extunc esset libera ab ipso et alteri posset locare villicationem.
^) 8. oben S. 430 ff., 451 ; vgl. auch Bd. 2, 166 f.
— 763 — Vei^vsraltungsorganismus. 1
arbeiten, der Acker- wie der Wii^senbestelluiig, und so auch die Leitung der
Schirtelkultur auf Fronkuid in sich scldols^ Um diese Kontrolle wirksam zu
handhal)en, bot der Meier zum Beundebau auf: er ist zu diesem Zwecke
schuldig, am morgen zu gebührlicher zeit die klocken zu leuten, dergestalt,
wan die klocken zum dritten mal leutet, daz ein jeder (der zum Beundebau
verpriiclitet ist) in gang und zu obbestümter zeit bei vorsch. maizeichen er-
scheine -. Ferner sucht der Meier bei einer überschielsenden Anzahl von Ver-
pflichteten die ihm für die Arbeit besonders tauglich Scheinenden aus ^, stellt
die Bestellungszuthaten, z.B. das Saatgetreide ^ , und liefert das den Verpflich-
teten seitens des Grundherrn zu reichende Essen. Wichtiger wie diese Einzel-
funktionen, bei denen der Meier sich zum Teil durch einen Boten vertreten
lassen kamr\ ist der Umstand, dafs ihm mit der Kontrolle der Arbeiten zu-
gleich eine Kontrolle des Personalbestandes der verpflichteten Arbeiter zufiel''.
Im übrigen wissen wir schon, dafs gerade die Beundeliaukontrolle mit dem
12. und 13. Jh. infolge der Zerstückelung der Beunden inmier mehr an Be-
deutung verlieren mufste^: bei der nun eintretenden neuen Ordnung der
Dinge erhält der Meier nur noch die Kezeptur der auf Geld oder Naturalien
reduzierten Beundepflichten. Doch kam es auch vor, dafs die Beunde unter
Ablösung der Beundepflichten nicht zerstückelt, sondern in Regie genommen
wurde. In diesem Falle wairden dem Meier als Entgelt für seine Bestellung
die Beundepflichtablösungen zugewiesen ^.
Bei der dem Meier ebenfalls überwiesenen Überwachung des Gehöferlands
und der Erträge desselben ergiebt sich als Hauptpflicht zunächst die Sorge füi-
den Bestand desselben. Der Meier weist deshalb entweder selbständig oder
nach Anweisung des Herrn bei Handwechsel die einzelnen Gehöfer in die
hörige Hufe ein''; in gleicher Weise bestimmt er über die Zulassung von
1) Vgl. auch USMax. 433, Schüttringen, cit. oben S. 559 Note 3; ebd. S. 451, Moerz:
WLonguich 1408, cit. oben S. 408 im Text.
2) WSchönfekl 1684 § 15.
3) USMax. S. 446, Naurath; ebd. S. 445, Herl, cit. oben S. 531 Note 3.
*) USMax. S. 451, Brohl.
^) WMamer 1542 § 33: wanehe die achten gewonnen werden von dem hern, sol der
bode die seile schneiden und in die achten leigen und vor seinen loen die letzte garbe nemen
und haben.
^) *Diisseld. St. A. Pant. Or. No. 23. 1161: Abt Wolbero quendam hominem nostruni
nomine E.. qui in curiam nostram I^on pertinebat et a predecessore nostro Gerhardo abbate
sancto Patroclo ad concambium ad ius ministeriale donatus fuerat, dum eum quidam villicus
noster reposceret, rogante simul et precipiente archiepiscopo Reginoldo, in iure, [/^ü] quod
per concambium datus fuerat, remanere permisi; et hoc ei ius data sibi carta sigillo nostro
impressa confirmavi, et ut nullus ei hoc ius infringat sub anathemate denuntiavi.
^) S. auch oben S. 451.
^) USMax. S. 461, Fell 8d: villicus custodis ab 11 beneficiatis [Weinlehen] 11 d. re-
cipiet, unde fenum custodis secari faciat; quod si aliquid defuerit, propriis expensis perficiet.
») Vgl. UWincheringen imi 1200, MR. Uß. 2, 365, cit. oben S. 585 Note 3; WWeifs-
kirchen 1493, cit. oben S. 647 Note 3.
49*
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 764 —
Belastungen der hörigen Hufen ^ und leitet die notwendig gewordenen Ein-
fronungen, mögen sie nun zur Aufnahme des eingefronten Landes in das Sal-
land oder zu dessen Verpachtung führen^. Nicht minder kümmert der Meier
sich um den Anbau des Gehöferlandes zum Zweck der Vermeidung jeder De-
terioration ; es ist natürlich, dafs diese Kontrollpflicht am bestimmtesten gegen-
über den feineren Kulturen, speziell gegenüber dem Weinbau zum Ausdruck
kommt ^. Endlich aber besorgt der Meier die Erhebung der von den hörigen
Hufen fälligen Zinse ; ja er ist für sie sogar, alten Analogieen der fränkischen
Steuerverfassung entsprechend, haftbar*. Dieser Haftbarkeit entspricht indes
keinerlei Dispositionsfähigkeit über die Zinse ^, vielmehr ist Zinshöhe und
Zinsart durch die Weisung der Gehöfer, welche zu einer Genossenschaft kon-
stituiert sind, festgelegt ^ ; dem Meier wird nur bisweilen eine subsidiäre Nach-
weispflicht für die Zinse, namentlich im Falle einer Inanspruchnahme derselben
von aufsergehöferschaftlicher Seite, zugelegt ^. Die Zinseinnahme, deren Termin
bisweilen angemessene Zeit vor der Erhebung verkündigt wird^, kann in
früherer Zeit durch einen Unterbeamten des Meiers geschehen^; später ist
das durchaus Gew^öhnliche, dafs sie vor Meier und Hofschöffen, als Vertretern
der Genossenschaft der Gehöfer, nach Ausweis des gewiesenen Urbars statt-
findet!«.
Mit dieser letztern Einrichtung stofsen wir nun auf eine Institution, welche
dem Meier ganz allseitig zur Durchführung seiner Kontrollpflichten für das
Beunde- wie das Gehöferland zur Seite steht, das Bauding. Das Bauding ist
ein hofgenossenschaftliches, durch gehöferschaftliche Schöffen unter dem Meier
als Richter besetztes Gericht, in welchem über schlechten Bau im Beunde-
wie im Gehöferland, über Zinsversäumnis und über Entfremdung von Gehöfer-
land aus dem Fronhofszugehör erkannt wird^\ und dem zugleich zur Ermög-
1) WUlflingen 1575 § 34.
2) Bd. 3, 92, 17, 1285; WLintgen 1484, cit. oben S. 457 im Text.
3) Vgl. oben S. 577 Note 3, 5, 6.
*) Vgl. Sohm S. 259; WHellingen 1716 § 12.
5) S. WMarodt 1606, cit. Bd. 2, S. 648 Note 3.
^) Vgl. darüber Bd. 2, 628 ff., wo auch die Abwandlung der hier berührten Verhält-
nisse genau untersucht ist.
') Vgl. Chron. s. Hub. 41, MGSS. 8, 591, 1081, cit. Bd. 2, S. 638 Note 3; s. auch
vergleichshalber UMünstermaifeld 1337, cit. Bd. 2, S. 639 Note 7; UFell 1512, cit. Bd. 2,
S. 640 Note 3.
8) WImmerath 1660, G. 2, 396—7.
^) V. loh. Gorz; c. 100. Vgl. auch UStift 410, Birkenfeld - Brombach : archiepiscopus
debet habere in B. et B. 4 officiatos, qui dicuntur cinsera et centenera ; et hü quatuor debent
esse excepti ab omni exactione et petitione.
^'^) S. Bd. 3, 113, 12, 1310; WBesch 1541 § 8; WSchönfeld 1682 § 24, cit. Bd. 2,
S. 635 Note 2.
"j Vgl. Lac. ÜB. 1, 118, 186, 1051; MR. ÜB. 1, 541, 1146; Schannat, Hist. Wormat.
2, 79, 1158; MR. ÜB. 2, 192, 1201: Oeren hat einen mansus in Wizport, dessen Juris-
diction SMatheis besitzt. Eine Untersuchung der Oerenschen Rechte duixh eine Kom-
— -765 — Verwaltuugsorganismus.]
lichung solcher Erkeimtnisse die Kontrolle des Baues, der Zinseinnahine und
der Einweisung in liof hörige Hufen zugewiesen ist^
iiiissioii ergiebt: referebant etiam, quod eiusdem mansi ratione mansionarii veniebant quolibet
anno ad placitum observaturum apiid Horreiim ante fenestram magistre, et quis satisfecerat
de censu, qui solvi consuevit in festo sancti Martini, absque omni gravamine recedebat; alio-
quin satisfaciebat magistie pro censn neglecto emende nomine secundum sententiam scabi-
nomm; MR. ÜB. 3, 1087, c. 1250; Bd. 3, 515, le, c. 1325. WNiederemmel 1532, G. 2, 352:
so iemants were, der seinen gruntzins und freie zins nicht usricht, so hat ein schulteifs die
macht, dafs er ein pewgeding mag bescheiden zwuschen sanct Mertinstag und Weihnachten,
das sol er lassen verkundigen zu Emmel, zu Numagen, zu Pisport vor der kirchen. darnach
[sal] ein schulteifs ein armen man ustedingen; und so ein armer man sich vertragen wil mit
dem schul theifsen, der sal den usstant zinswein bezalen zum höchsten zapfen mit der boefsen;
und so einiger cost ufgangen were, sal er darmit abtragen. S. auch noch WNeumünster,
G. 2, 34; WHeimbach 1601 oder 1602. Eine besondere Bedeutung im Sinne einer Abgabe
liat budink MR. IIB. 3, 1440, 1258.
1) Vgl. USMax. S. 432, Schüttringen, cit. Bd. 2 S. 635 Note 2; Bd. 3, 113, i9, 1310;
* UMimstermaifeld Hs. Koblenz CXI* Bl. 12^: in Polch unterschieden seilgut und hufgüt;
das seilgut verpachtet für 30 mir. silig. an 3 Parteien; das hufgüt im Genufs von 11 Parteien:
quilibet possidens bona dicta huifgüt tenetur dare [ausser einem bestimmt abgestuften Korn-
zins] in die beate Gertrudis virginis 1 puUum, et tenentur esse et comparere singuli possi-
dentes tarn seilgüt quam huifgüt eodem die in iudicio ibidem in area prepositure coram . .
officiali . . prepositi ad ins, quod dicitur dink; et tenentur dictam siliginem bonam . . pre-
sentare infra muros Monasterii ad granarium ipsius prepositi una cum pullis . . sub certis
penis et forma curtariorum; *WBreisig 1363, Kindl. 123, 25, Münster St. A. : dat u. frawe
vorg. na dem herfste ein buding het, dat sol behöden er geschworner bawmeister, und sal
3 dage na einander dingen mit ihren geschwornen hoeveren; die 3 dage bringen 6 wochen:
welche hoevere da nit enweren, die wetten u. frawen 7^/2 s. lichter d. , und wer da bedingt
wirt van pacht of von zinfse, der wett auch u. frawen 7^/2 s. lichter d. vort deilen sie, dat
u. fi-awe ein wisslike ding hat, uns als die wislike zinse geschet sint, so sollen u. frawen
anhoerige leute da sein, und u. frawen scholtefs sal dingen mit ihren anhoerigen leuten:
wer da nit enwere, die wirt u. frawen 7V2 s. lichter d. WLonguich 1408, § 16, cit. oben
S. 575 Note 6, und femer ebenfalls * WLonguich 1408, Arch. Maximin. 8, 33, § 5: retu-
lenint memorati scabini, quod tria sunt annalia placita in dicta curte in Longuich observanda,
quorum primum in feria secunda proxima post festum epiphaniae domini, secundum feria
secunda proxima post dominicam quasimodogeniti, et tertium feria secunda proxima post
festum Remigii singulis annis solent observari, et quod quodlibet huiusmodi trium placitorum
habeat duas dilationes sive duas quindenas vulgariter zwo wissighen, quodque cuiuslibet
emendae cedentis in huiusmodi tribus placitis et eoriun quindenis ac in quotidianis iudiciis
per totum annum duae partes spectant ad dominum abbatem pro tempore dicti monasterii et
tertia pars dictorum emendarum pertinet ad advocatum in Longuich; et quod ipse advocatus
pro tempore pro parte domini abbatis requisitus pro huiusmodi tertia parte tenetur exigere
et domino abbati suas duas partes ad promptuarium suum in aulam ad sanctum INIaximinum
deliberare. § 8: Item referebant dicti scabini, quod singulis annis in festo sancti Brictii
census dicti domini abbatis in Longuich cedunt et solvi debent, quodque ipse dominus abbas
singidis annis dicto festo lapso potest communitatem ibidem pulsu campanae convocare et
ibidem ante ecclesiam imponere diem placiti quod vulgariter appellatur sin fri buwegedinge,
et duas eins dilationes sive quindenas, et nominare unum diem, quemcumque voluerit, in quo
sibi census sui solvi debent. et scabini curtis domini in Longuich in eodem die ipso do-
mino abbati [S. 34] ostendere et adiudicare debent census suos et bona sua dicta sine duir-
zinsig guet, et quod omnes emendae tunc cedentes totaliter et solummodo ad dominum
[Wirtschaft d. Grofsgrimdbes. — 766 —
Schliefslich noch einige Worte über den Meier als Aufsichtsbeamten grimd-
abhateiii spectant et nihil de eis ad advocatiim. § 9: Item dixerimt iidem, quod si orirentur
ahquae discordiae super honis domini diürzinsig guet, non debet aUbi in iiidicio experiri
quam in praefata curte et placito vulgo fri buwegedinge. WSchönfeld 1682 § 24, cit. Bd. 2
S. 635 Note 2; Bd. 2 S. 627 f. In welcher Art die regulären Geschäfte des Baugedinges,
welches an sich nichts mit der aus Grundgerichtsbarkeit bzw. der Immunität erfliefsenden höheren
grundherrlichen Gerichtsverfassung zu thun hat, verliefen, mag aufser *Chart. s. Simon. Trier.
Stadtbibl. 1611 Bl. 44«, 1443; WHagelsdorf, cit. Bd. 2, 626 Note 4 (auf S. 627); WRüdesheim bei
Kreuznach 1488; WEittersdorf 1565; * Baumholder Archiv No. 111, noch das nachfolgende
*WMandern, aus Arch. Maximin. 9, 237, zeigen. § 2: Item darna wist der scheffen, daß einambt-
man oder meier zur zit sal uf dem vorg. maentagh mitsampt den scheffen uf heben die kleine zinse
mins herren obg. , die da machent 10 s. , von welchen zinsen gebührent den zweien voiden
van Filsbergh ein s. und jonker Albrecht ein s. Trierscher münzen; und das uberentzigh ist,
sal ein abt zur zit und sin gotteshuis haben. § 3 : Item uf den vorg. maendagh , wan die
scheffen und meier die klein zinse gehaben haint, ist min herr van sent Maximin den scheffen
zwen sester wins schuldigh, wilt alsdan min herr vorg. uf denselben tagh sin jahrgeding
halten, so sullen die scheffen gehorsamen sin, das jairgeding zu halden, aif is noit were;
und darvor ist ihn min herr nist mehr schuldigh, dan die vorg. zwene sester wins. weret
auch sach daß einer of denselben tagh geruget würde, und [S. 238] bußfeldigh würde, dan
ist er mine herrn vorg. 10 alb. und den scheffen ein sester wins schuldigh. item eine er-
schafbuß ist 5 s. Trierisch, item min herr biet da kein mehrne büß, den 10 alb. § 4:
Item dar[na] wist der scheffen, daß uf sant Stephans tagh sal der meier mit den scheffen heven
die hoifmaißenzinse , und schütten die alle uf einen häuf; wan dat gedain ist, so sal man
den voiden lieberen vor voitrecht van demeselben häuf 24 hoeftmaessen. und darumb wulde
imants mime herren vorg. in sine gericht tragen [?], sal ihn der voit beschirmen und sine
gerechtigkeit , die ihme die scheffen wiesent, helfen behalden. vortme sal der geschworne
bode 10 mir. alder maessen us demselben häuf messen, und sal die mins herren meier oder
wen min herr darstellet, lieberen ; weret aber sach daß kein boide da were, so sal ein hoifis-
man ader ein gehüber mit gehorsamkeit dieselbe 10 mir. even messen und dem meier lieberen,
wer et och sach daß dem boide ain demselben häuf aifgienge van den 10 mir., so wiesent
die scheffen , daß sie in ihren sack sullen griefen und mime herrn die 10 mir. , daß sie
vollekomlich da sin, erfüllen, wer et auch sach daß ain demselben häuf etzwat beubert, dat
sullen die scheffen hain zu vollost [1. volleist] ihrer kost, of daß sie mins herren zinse desto fleiß-
liclier hieven und behalden. § 5: Item of denselben tagh sallent ofgehaven werden 24 brot,
der sullen die voigte 8 hain und min herr vorg. 16. und wan die zense uf denselben tagh
ofgehaven sint, so ist min herr vorg. den scheffen schuldigh ein sester wins. § 6: Item das
zweite jairgedinge ist fallen des nesten maendaghs na der heiliger dreier köning tagh; da
wist der scheffen, dat et sint etzlich geerbet ader hüber schuldigh of denselben tagh 1/2 mir.
korns [S. 239], und der it schuldig ist, sal it brengen des morgens in des meiers hus,
demselben ist der meier ein soppe schuldigh zu machen, item of denselben tagh ist der
meier schuldigh eine soppe zo machen und gütelichen zu dein; darna fraget der meier die
scheffen, uf ihn die soppe genuege, genüget den scheffen die soppe nit, so sal der meier uf
ein nuwet den scheffen ein ander soppen doine kochen; darna sullent der meier und die
scheffen sitzen und ufheben die kleine zinse, die da sint 10 s., und sal der meier geben den
voigten 24 penningh, die machent 4 hl. Trierscher müntzen. und wanne die scheffen die
vorg. zinse ufgehaben haint, so ist ihn min heiT schuldigh zwen sester wins. wilt dan min
herr ader sin meier ader imant van mins herren wegen uf denselben tagh das jairgedingh
halten, so sullent die scheffen gehorsam sin, und nüst mehr davan heischen, wer et auch
sach daß imantz were, den der scheffen rüget und der boußfelligh würde, der ist mime herren
10 alb. und den scheffen 1 sester winz schuldigh. item eine erschaftbueß ist 5 s. müntzen
— 767 — Vorwaltungsorganismus.J
herrliehei' Allmenden ^ Als solchem stand ihm natürlich zunächst die Kontrolle
der markgenössischen Wald- und Weidenutzungen zu; und nam(^ntlich für die
Waldnutzung in Holzhieb und P'ichelniast finden sich zahlreiche Vorschriften ^.
Aul'serdem aber hatte der Meier auch die Nutzung des Allmendebodens in
extensiven Kulturen, speziell im Schiffelbau, unter seiner Aufsicht'^, und es
scheint, als wenn er bisweilen auch eine Kontrolle über andere Kulturen
geltend gemacht hätte, welche aus Allmendeausbau entstanden waren*. In
allen diesen Fällen stand nun dem Meier die Überwachung der Nutzungs-
ausübung zu, wie sie oft durch das Erfordernis besonderer Erlaubnis geregelt
war'; und wo für die Nutzung ein Entgelt gegeben wurde, hatte der Meier
die einschlägigen Abgaben zu heben. Seine Thätigkeit in letzterer Richtung
war eine ziemlich ausgedehnte ; wurden doch als Entgelt geradezu markgenös-
sische Fronden zum Beundebau gefordert^.
So viel über die Funktionen des Meiers. Welches aber war seine persön-
liche und soziale Lage? Wie prägte sich seine Stellung als vornehmlicher
Wirtschaftsbeamter des Fronhofs aus?
Greifen wir hier auf die Karolingerzeit zurück, so finden wir den fis-
kalischen Meier entweder als ursprünglich freien Mann mit einem Beneficium
als Besoldung, oder als hof hörigen Mann mit einer Besoldung in grundhörigem
Landgenufs^ Diese verschiedenartige Stellung scheint im 8. und 9. Jh.
als vorg. steit, und den scheifen 1 sester winz. § 7: Item des zweiten maendages na den
osteren so ist das dritte jairgedinge vallen. of demeselben jairgedinge sollent der meier und
die scheffen mime herrn vorg. uf heben hundert und zwenzigh eier; der sollen die voigte 24
haben, und wan die vorg. zinse sint ufgehaben, so ist min herr den scheffen schüldigh
zwen sester winz, wilt dan der meier oder imant van mins herren wegen das jairgedinge
halten, so sullent die scheifen gehorsam sin und nuest me davan heischen, und wiirde imanz
van den scheffen geruget und bußfeldig, der ist mime herren 10 alb. und den scheffen 1 sester
winz schüldigh. item eine erschaftbouß ist 5 s. mime herren , och münzen als vorg. steit,
und den scheffen 1 sester winz.
1) Vgl. generell schon Lac. ÜB. 1, 107, 186, 1051.
■^) S. besonders oben S. 489, dazu noch im einzelnen MR. ÜB. 3, 182, 1222, cit.
oben S. 490 Note 2; MR. ÜB. 3, 636, 1238, cit. oben S. 483 im Text; Bd. 3, 103, n, 1297;
WIgel 1298, cit. oben S. 491 Note 1 u. 6; WSchweich 1517, cit. oben S. 488 Note 4; W.
von Wabern und von Hamm 1561, cit. oben S. 510 im Text. — WPeterslahr a. d. Wied
1579, cit. oben S. 523 Note 7; WZerf 1581 u. 1684, cit. oben S. 492 im Text.
^) Vgl. WKenn 14. Jh. 2. H., cit. oben S. 455 im Text; WLonguich 1408 und WTliaben
1487, cit. oben S. 456 im Text.
*) S. MR. ÜB. 2, 21, 1174, cit. oben S. 572 Note 3.
'^) Vgl. dazu oben S. 490.
«) S. aufser Cantat. s. Huberti 16, MGSS. 8, 576, auch MR. ÜB. 1, 408, 1103, Erzbischof
Bi-uno fiir Münstermaifeld: accepta (canonicorum Monasteriensium) excusatione de villici mei
exactione, qua eos urgebat, ut ad dominicalem meam terram excolendam ter in anno venirent
. . banno corroboravi, ne quis . . inde eos inquietet. Vgl. darüber auch weiter unten die
Schilderung der Fronden Allmendehöriger, speziell S. 797 Note 7, sowie Absclm. VII Teil 1.
■') S. oben S. 724. Im übrigen vgl. zum Folgenden noch Landau, Salgut S. 195 f,
Waitz, Yfg. 7, 315 f., Hanauer, Paysans .S. 97 f.
[Wirtschaft d. Grofsgrimdbes. _ 768 —
durchweg auch für die sonstigen gmndherrlichen Meier vorhanden gewesen
zu sein^; und noch bis ins 12. Jh. hinein lassen sich in vornehmerer Be-
nennung und besserer Behandlung Spuren dafür erkennen, dafs auch Freie
in das Meieramt eintraten^. Doch blieb der grundhörige Charakter des
Meiers wohl das Gewöhnliche^. Die Stellung des Meiers wurde aber, gleich-
gültig ob ihr Inhaber frei oder gnmdhörig war, als ministerium oder servitium,
als Amt gefafst. Derart erscheint es wie in ältester Zeit, so auch noch im
12. Jh.*; namentlich wehrt man sich überall dagegen, an die Stelle des Amts-
verhältnisses ein Lehnsverhältnis gesetzt zu sehen ^. Eine Abwehr, welche
freilich vielfach wenig fruchtete, wie weiter unten genauer auszuführen sein wird.
Als Ministerial bezog der Meier ein bestimmtes Gehalt. Sieht man von
kleinen Einnahmen, wie persönlichen Reichnissen ^, Überweisung eines reichlich
bemessenen Wirtschaftskapitals für das Frongut ^, gewissen Gebühren^ und
bisweilen einigen Begünstigungen in der Marknutzung ^ ab, so w^ar dasselbe
entweder als Benefizium fundiert, so dafs also der Meier im Besitze des Grund-
kapitals war, aus dem das Gehalt erfolgte, oder aber es bestand aus einzelnen
Zinsen und Renten, über welche dem Meier keinerlei Verfügung zustand.
Die benefiziarische Form ist die ältere ^^, die des reinen Gehaltes die jüngere ^^
1) S. Cap. miss. 792 vel 786, Boretius S. 67, c. 4.
2) S. MR. ÜB. 1, 97, 861—884; 272, 993—996; 396, 1098; 433, 1116. Zur Be-
nennung der Meier s. auch noch Bd. 3 AVortr. u. d. WW. inquilinns, maire, provisor, villiciis.
3) S. Cod. Salm. 139, 1320; Hennes ÜB. 1, 423, 1320.
*) S. schon oben S. 732; ferner MR. ÜB. 1, 10, 752; Lambert z. J. 1070, MGSS.
5, 178, 6; MR. ÜB. 1, 447, 1121, und 453, c. 1125, cit. oben S. 176 Note 3. So auch
im Dienstrecht Burchards von Worms, Waitz, Vfg. 5, 326. Für die Stellung in späterer
Zeit s. auch im USMax. Mertert S. 431 Abs. 5; Schüttringen S. 433; Muthfort 434
Z. 1; Feulen S. 434 letzte Z.; Schönberg S. 435 nach Mitte; Mersch S. 437 Z. 10
V. u.; Medernach S. 440 Schlufs; Besch S. 440 Schlufs; Kenn S. 441 Schlufs; Detzem S. 403
Anf., S. 444 Schlufs; Pölich S. 444 Schi.; Herl S. 445 Schi.; Naurath S. 446 Z. 4 v. o.;
Eslingen S. 448 Z. 1 f ; Metterich S. 448 Z. 7 v. u.; Machern S. 457 Schi.; Bachem S. 457
Schi.; Losheim S. 457 Anf.; Oberemmel S. 459 Abs. 2; Bisingen S. 466 Schi.; Issel S. 461
Schi. V. Abschn. 1; Heiningen S. 465 Abs. 5.
s) Vgl. z. B. Martene Coli. ampl. 2, 91.
6) Vgl. z. B. U2Mettlach S. 194—95, 1329.
') Bd. 3, 29, 38, 1263.
^) So beruht z. B. das Gehalt des Maximiner Meiers in Barweiler wesentlich mit auf
Gebühren; vgl. *WBarweiler 1484, Arch. Maximin. 1, 566: officium villici ibidem est 1 mir.
siliginis de decima et unum mir. [S. 567] avenae, et pullos censuales, scilicet 54, et decimam
porcellorum lini et cannabis et IV2 mir. avenae de censibus. item de vinicopiis . . sext.
vini. item de unoquoque cormuth 6 alb. item habet etiam omni anno 18 alb. de de-
cima foeni.
9) S. WXeumagen 1315, cit. oben S. 465 Note 3.
10) Vgl. MR. ÜB. 1, 447, 1121; 453, c. 1125, dazu oben S. 176 Note 3.
11) *WLintgen, Arch. Maximin. 9, 240, § 16: der meier zur zit zu Manderen sal hain
vor sin lohne omnes census pecuniales et ova et 16 panes et omnes minutas decimas, dempta
decima apum , quae nobis cedit, habebit etiam medium mir. siliginis , quod cedit secunda
— 769 — Vcrwaltiingsorgiiiiismus.]
doch kommen Miscbformeii wie auch rein benefiziarische Fundierung" noch bis
zum Schlüsse des ^littelalters vor^ Gleich wolil läist sich das Bestreben der
Grundherren, das reine Gehalt einzuführen, namentlich um die Wende des
12. und 13. Jhs. sehr wohl verfolgen-: damals nmfste ihnen diese Neuerung
gegenüber den Emanzipationsbestrebungen der Meier besonders nahe liegen.
Aul'ser dem Gehalt aber genossen die Meier noch Freiheit von einer
Anzahl von Lasten. Im Vordergrund stehen hier die vogteilichen Lasten,
namentlich Schaft und Herberge^, von ihnen sind die Meier fast stets befreit.
Daneben kommen noch Befreiungen von grundherrlichen Leistungen vor*.
feria post regum, et dabit scabinis offam eodem die et 7 sext. vini, quae eis tenemur per
anniim, et fS. 241] expediet omnia onera nostra ibidem, habebit etiam duo mir. avenae
<le censibus avenae ibidem, et propter hoc develiet et praesentabit nobis alia octo mir. avenae
ad monasterium nostrum suis expensis. WHellingen 1716 § 12: der Schamburger meier ist
. . verpflicht, seiner gn. herrschaft ihre rente und gulte einzutreiben und aufrichtig lieferen
zu thun, deswegen bekombt er für seine bestalhmg ahn weitzen 4 sester und ahn geld
30 Brabanter stuber.
^) *USMax. 1484 Bl. 47 b, WGostingen: villicus habet unum campum dictum am
struechen, et unum pratum dictum antiquum vivarium, et unum medium mh'. grani, quod
recipit de censibus, et cetera emohunenta ad villicationem pertinentia; et unum pratimi
dictum das klein wiesgin, et parvum ortulum, quod annue prestat 2 d. * WWeifskirchen
1493, Arch. Maximin. 1, 96, § 7: dominus abbas habet in dicto banno duodecim iurnalia
terrae vel circiter, quae quidem tenentur a villico loci ratione officii cum aliquibus parvis
redditibus (S. 97] et censibus.
2) So erhält z. B. der Meier zu Schiffiingen nach der Loi de Beaumont den Zins
von 2 gmndhörigen Quartalia, UMarienthal 1317 S. 322, und ähnlich lautet die Regelung
in allen Villes neuves. Auch in der SMaximiner Grundherrschaft ist am Ende des 12. Jhs.
das gleiche Prinzip schon weit durchgeführt, die Meier erhalten mit Vorliebe das ius dimidii
mansi oder sonst sichere Beziige, vgl. USMax. S. 434, Muthfort; S. 434, Feulen; S. 440 Besch;
S. 441 Kenn ; S. 445 Herl. Etwas mehr als ein halber Hufenbezug wird gegeben üSMax.
S. 448, Eslingen; S. 459, Oberemmel; ein volles Hufenrecht ist genannt S. 444, Detzem;
S. 444, Pölich: S. 447, Naurath. Zu anderen Einnahmen s. USMax. S. 435, Schönberg i. L.;
S. 448, Metterich; S. 457, Mechern.
3) Vgl. MR. ÜB. 2, Nachtr. 2, 1192 — 1200: quisquis (in Nalbach) villicus institutus
fuerit, ab omni exactione et hospitatione [advocati] liber erit omni tempore villicationis su§.
S. ferner MR. ÜB. 3, 80, 1218; ebd. 313, 1217: der Vogt schwört, quod villiciun de Vivers
[Viviers Lothringen, domkapitularischer Hof], quicunque fuerit pro tempore, ab omni exactione
assisa hospitatione et aliis prestationibus immunem et liberum in pei-petuum conservabit.
Ebenhierher gehört Bd. 3, 58, 21 f., 1269 ; aus späterer Zeit sei noch genannt WArnual 1417 :
alle meiger des Stifts sollent frie sitzen aller gebode Schätzung bede oder heischung des
vaugts. Kremer, Or. Nass. 2, No. 165, 1285 erscheint sogar das Gesinde, die familia con-
ductitia, des Schultheifsen (= Meiers) und aller anderen Beamten von Vogtslasten frei. —
An andern Stellen dagegen kommt es nicht einmal zur vollen Befreiung des Meiers. Vgl.
zunächst MR. ÜB. 3, 319, 1227, erzstiftisches Gut zu Pommern: scultetus erit liber ab
omni exactione [advocati], nisi bona ad advocatiam pertinentia sibi acquirat. Ist diese For-
denmg noch verständig, so gehen doch andere Zeugnisse weiter, vgl. z. B. WKoenigsmacher
1273 § 6: villicum ponent abbas et conventus pro eorum voluntate, quem non gravabit
dictus I. advocatus exactionibus plus, quam aliquem hominem villae de Macheren. Ganz
ähnlich lautet auch Bd. 3, 76, 26, 1277.
*) WSchönfels 1682 § 31: daß der her zu S. einen meier zu satzen und zu entsetzen
[Wiitscliaft a. Grofsgrimdbes. ^ 770 —
Diesen Befreiungen standen aber spezielle Meierlasten gegenüber. Ab-
gesehen von vereinzelten Leistungen kommen hier allgemein namentlich zwei
Gruppen in Betracht, Empfängnisgebühren und Herbergslasten. Die ersteren
werden bei Antritt des Amtes gezahlt und bestehen meistens aus einer ein-
maligen Geldleistung * ; die letzteren beziehen sich ursprünglich auf die Ver-
pflichtung, den Grundherrn, bezw. dessen Vogt ^vährend seiner Anwesenheit
als Richter zu verpflegen. Derartige Verpflegungen erscheinen schon früh
im Sinne einer ganz bestimmt umschriebenen Last geregelt, später sind sie
meist auf Geld reduziert^. Ein Ausflufs gerade dieser Leistung ist wohl die
nicht selten vorkommende Verpflichtung des Meiers, ein Schwein des Grund-
lierrn grofs zu füttern^. Schweinsbraten w\ar das fast unentbehrliche Haupt-
stück des bei Gelegenheit jedes Jahresgedings abgehaltenen Festessens.
habe, welcher meier wehrender meierei seiner frönde wegent seiner ambssdienstbarkeit frei
und ledig ist. S. auch WLintgen 1537 § 4. Bisweilen kommen auch besondere Belohnungen
diensttreuer Meier vor, vgl. z. B. Arch. Clervaux 110, 1320.
^) Vgl. USMax. S. 437, Mersch 9a: villicus cum villicationem recipit, dat nobis 5 s.
S. ferner MR. ÜB. 2, 357, Iura prep. s. Gast. Confl. um 1200: sciendum quoque est de iam-
dictis ofiicialibus [des Kapitels], quod si quid questus [Glosse 16. Jhs : winkauf] ex officii
susceptione vel transmutatione a villicis seu decimatoribus , ut lieri quandoque solet, forte
provenerit . . .
2) S. USMax, S. 461, Hofgeding in Issel: ius, quod recipimus a villico in 3 placitis:
in quolibet, quando venire voluerimus, dabit nobis [villicus] 2 sext. vini et sum. avene et
cetera, et honeste nos recipiat. Vgl. ferner a. a. 0. S. 465, Heiningen; 466, Trincrey. Auf
Geld zuriickgeführt erscheint die Leistung schon USMax. S. 466, Bisingen: villicus bis in anno
debet preposito servitium pro qualibet vice 28 d., s. dazu S. 431 : 5 s. ad servitium mensale,
und ebd. 3 s. visitales. Aus späterer Zeit s. UMarienthal 1317 S. 334: villicus [de Wolk-
ringen] tenetur in festo pasche pro encheniis 1 agnellum, 1 sext. vini . . et panem de 1 sext.
tritici ; tantum tenentur eodem tempore furnarius et molendinarius. et quilibet eorum tenetur
in festo Remigii pro encheniis 2 aucas sext. vini et panem de sext. tritici. W Weidelbach
1538 (53), G. 2, 172: es ist nit mehr ubung, daß ein schulteß des closters diener uf diesen
dingtag zu empfangen, ein feur ohn rauch anzumachen, ein kraut und fleisch zu kochen
und ein glas mit einer wied darzustellen, dergleichen, daß der hüber under dem daumen ein
hollendsch zu bringen und mit zu wein zu geben [habe], ein hollendsch sol also gut sein als
zwen heller. In denselben Zusammenhang gehört aber auch schon aus früher Zeit UlMettlach
No. 21 Bidlingen 12 d: der villicus zinst in festo sancti Liutwini victimam 1 aut 12 nummos
et 4 panes et 2 sext. vini; in natale domini 4 gallihacians [!] 9 panes 4 sext. vini 2 mo.
avene; vgl. U2Mettlach S. 195, 1329: omnes piscatores vennarum et navicularum et 3 villici
(von Mettlach, Besseringen, Dreisbach) tenentur quinque vicibus servire in anno [dem Abte]
um Palmarum Osteni usw. Villici tenentur . . servitium de 12 d. , piscatores vennarum
8 denariatas, piscatores navicularum 4 denariatas ; et unicuique datur bacarium vini et panis,
quotiescumque servitia apportaverint.
^) Die Abgabe eines Schweines seitens des Meiers ist z. B. durchaus gewöhnlich im
ULuxemburg, namentlich in den deutschen Partieen der Luxemburger Höfe. Im einzelnen
vgl. MR. ÜB. 2, Nachtr. 2, 1192—1200, Nalbach, Hof von SSimeon: 20 d. de rebus ecclesie
sancti Simeonis . . villicus accipiens qualem poterit porcum inde comparabit, et inpinguatam
de rebus suis propriis in nativitate domini advocato dabit, quem si advocatus refutaverit, 5 s.
pro porco illo dabit. * USMax. 1484 Bl. 47 1^, WGostingen: sententiaverunt etiam scabini,
quod villicus annue tenetur in die Stephani unum porcum 3 fl. vel pecuniam, scilicet tres fl..
— 771 — Verwaltungsorgaiiismus.]
Uiiisclireibeii wir die Stolliuiii- des Meiers nach seinen bisher festgestellten
wirtschaftlichen Einzelfunktionen, Einnahmen und Lasten, sowie unter gleich-
zeitiger Berücksichtigung seiner Stellung als Vorstand der Fronhofs Wirtschaft
in den allgemeinsten Zügen , so tritt uns das Bild eines naturalwirtschaftlich-
grundherrlichen Zins- und Steuereinnehmers entgegen, der sich freilich, um
seiner Rezeptur mit Erfolg vorzustehen, stark um den Ausbau des Steuer-
substrats kümmern muis, und dessen Stellung aufserdem durch Überlassung
einer Hufe zur P'igenwirtschaft im Fronliofsystem gehoben ist. Der Meier ist
demnach unter allen Umständen um vieles mehr naturalwirtschaftlicher Finanz-
beamter als Fronhofslandwirt; er besorgt als Hauptgeschäft die Zinshebung
unter starker Beaufsichtigung der genossenschaftlich geeinten Steuerpflichtigen,
während seine Aufsicht andrerseits unter die Mitwirkung der Steuergenossen-
schaft gestellt ist, welche ihren lokalen Mittelpunkt im Fronhofe findet. Und
diese Funktionen übt der Meier als Beamter aus, er ist Ministerial. Auch
seine Besoldung war ursprünglich fast durchweg im Sinne der alten Ministerialen-
besoldung benefiziarisch geregelt.
Unterlag da das Meieramt bei dieser Stellung und Besoldung nicht der
allgemeinen Entwicklung des ministerialischen Beamtentums? War nicht zu
befürchten, dafs es sich im Laufe des 12. und 13. Jhs. in eine Erbstellung zu
Lehnrecht oder gar zu eigenem Rechte umwandelte?
Bedenken in dieser Richtung^ und Spuren eines eigenmächtigen Ein-
greifens tauchen schon früh im 12. Jh. auf^; gegen Schlufs dieses Jhs. finden
wir dann die Äleier vielfach in usurpiertem Eigenbesitz ^ oder wenigstens
erblichem Xutzungsbesitz ^ ihres ursprünglichen Amtes; sie sind anderen
deliberare ad sanctum Maximinum. *USMax. 1484 Bl. 37^, WBisingen § 19: sunt et ad-
veniimt alique parva iura denariorum et etiam parve emende, que etiam recipit villicus in
subsidiimi ])orci pernalis, quem ut supra scriptum est teuetur annue. Besonders deutlich ist
WKönen 1508, G. 2, 86: weisen die scheften, daß der meier sol einem thumbcüster alle
jähr uf sanct Steffans tag ein schwein liefern, und das schwein sol sechs wochen und drei
tag zuvorn iniigen, und were sach, daß iemant anders frucht uf der miilen oder tremen hette
und der meier begehrte dem schwein zu mahlen, sol der müller des andern mans frucht ab-
holen und dem meier mahlen, daß er dem herrn sein schwein fett mache, des meiers
schwein sol so gut sein, als sechs gl., und der meier von C. sol mit des schultheßen von
Grenderich schwein gegen das ander wiegen, und ist es sach daß des meiers schwein das
andere überwiegt, sol der thumbcüster dem meier geben sechs elilen tuchs, da die ehl so
gut sei, als acht weißpfenning ; wieget aber das ander mehr, sol der Schultheiß das tuch
kriegen. — Bisweilen erscheinen statt der Schweine wohl auch Schafe, s. USMax. S. 437,
Mersch: quelibet ciutis solvit 4 d. . ., de quibus villicus duas oves emet.
^) Vgl. Martene Coli. ampl. 2, 91, Stablo. ^
-) Vorbedeutungsvoll ist schon die Macht der Meier im 9. Jh., vgl. Ep. Hincmari ad.
Ludov. regem c. 14, 858, Baluze 2, 115. Im übrigen s. MR. ÜB. 1, 490, 1136; 2, 1*, 1169;
Quix Cod. Aqu. 1, 39, 1191.
3) Gute Beispiele bieten Quix Cod. Aqu. 1, 50, 1192; MR. ÜB. 3, 291, 1226.
') S. z. B. MR. T'B. 2, 9«, 1189; Quix Cod. Aqu. 1, 132, 1222.
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 772 —
Ministerialen entsprechend zu Rittern geworden und steigen mit der Ritter-
würde in die sozial bevorzugten Klassen auf^
Natürlich wehren sich die Grundherren gegen diese Entwicklung. Zu-
nächst suclien sie den Amtscharakter des Meiers durch vermehrte Energie der
Inspektion zum Ausdruck zu bringen: daher überall seit dem Beginn des
12. Jhs. die Einrichtung besonderer inspizierender Gewaltboten, welche von
der Zentralstelle aus direkt kommittiert sind und bald gewisse Zinse zu er-
heben, bald den Hofdingen vorzustehen, bald namentlich, als sogenannte
Windelboten, die Weinlese zu beaufsichtigen haben ^. Allein bald ging man
weiter. S^hen wir von der schon früher angedeuteten, später weiterhin zu
erörternden^ Loslösung der gerichtlichen Funktionen aus dem Meieramt a1),
für deren Ausübung man das neue, dem Meieramt parallel laufende Amt des
gTundherrlichen Schultheifsen in eben dieser Zeit kreierte, so suchte man auch
sonst den Meierdienst in seiner Bedeutung abzuschwächen und in seinen Be-
fugnissen zu zerstückeln. In ersterer Hinsicht mufste es von besonderer Be-
deutung sein, dafs eben jetzt die Auflösung des Beundebaues begann; mit
der Parzellierung und Verleihung der Beunden hörte natürlich die Beunde-
aufsicht des Meiers auf*. In letzterer Beziehung ging man darauf aus, für
einzelne Befugnisse des Meiers, besonders für die Weinbergsaufsicht und
Marküberwachung besondere Beamte, namentlich die sogenannten Baumeister
anzustellen^. Wo aber diese Mittel nichts fruchteten oder ihre Anwendung
unterblieb, da schritt man zum Abkauf des Meieramts aus den Händen des
^) Ces. Heisterb. Dial. mai. 21, 6: ein vilHcus cuiusdam divitis als vir honestus
bezeichnet.
2) Vgl. Lac.Arch. 3, 137, 1135, cit. oben S. 614 Note 1; MR. ÜB. 2, 40, 1140, Fest-
setzung zwischen SMartin-Koeln und den Gehöfern von Winningen. Für Delikte beim
Herbsten legato abbatis, non villico compositionem facient. Ferner: annis . . singuhs tria
nostra [abbatis] placita observare debebant, in quibus diversis questionibus obnoxii erant.
et ex Ulis duo remisimus, tertium nostre ditioni retinuimus. petitionem quoque, quam villicus
faciebat, condonavimus , nisi presentialiter verbum ad ipsos necessitate interdum coacti pro-
feramus. Von gleichen Gesichtspunkten geht die sehr lehrreiche, oben S. 450 citierte Stelle
in Lac. ÜB. 1, 367, 1149 aus. S. ferner MR. ÜB. 3, 656, 1239, auch MR. ÜB. 3, 1087,
c. 1250: villicus curie sancti Georgii in Raitche placita (curie) bis in anno de excessibus
familie circa culturam vinearum et de alienatione et venditione bonorum servabit ex com-
missione nuntiorum [der Boten vom Stift], si personaliter Interesse noluerint, et emendas
ipsomm usque adventum nuntiorum ecclesie nostre reservabit. — Zu den Windelboten speziell
vgl. noch oben S. 613; USMax. S. 442, Fell; S. 443, Detzem; S. 466, Kürenz; MR. ÜB. 3,
23, 1214; Cesarius zum UPrüm S. 180 Note B.
3) S. oben S. 734 ff. und unten Schlufs von Teil 1 des Abschnittes VII.
*) Vgl. oben S. 451.
'^) S. Cesarius zum UPriim S. 180 Note B; WRommersheim 1298, G. 2, 517: vortmehe
mach ein abth von Prume kiesen einen vroenboden in allen hoeven, als dicken als das noit
is, und daemit nit unrecht zu dhoin eime vait zu Schonecken, item vortme hat der scheffen
vur vol geweist, dat ein abt von Prume sal kiesen vorster vischer und bumeister in allen
hoeven, so wie der hoeve gewohnheit steit, und sal damit eime vait von Schonecken nit on-
recht doin. S. ferner noch WBacharach, G. 2, 221.
— 773 — Verwaltungsorgaiiismus.]
alten Besitzers^ und übergab das freigekaufte Amt entweder kleinen Leuten
und noch besser Priestern, bei denen Verjährung und Erblichkeit nicht zai be-
fürchten war-, oder stellte, namentlich von Seiten geistlicher Körperschaften,
Teilhaber der Grundherrschaft, im besonders genannten Falle geistliche oder
Laienbrüder der Genossenschaft, als Meier an^. Und dabei Läfst sich
im ersteren Falle das Bestreben wahrnehmen , auf das neuvergebene
Meieramt nicht mehr den veralteten ministerialischen Amtsbegriff, sondern
vielmehr den neuen, eben erst im Werden begriffenen Amtsbegriff der er-
Avachsenden Territorialverwaltung anzuwenden*. Häufig beruhigte man sich
aber auch bei diesen Mafsregeln noch nicht, man schritt geradezu zur Ver-
pachtung des alten Amtes, sei es in Erbpacht^, in Zeitpacht *^ oder im
1) MR. ÜB. 2, 98, 1189; Quix Cod. Aqii. 1, 50, 1192; 132, 1222; MR. ÜB. 3, 291,
1226: zwei Herren von Helfenstein omnem rancorem, quem occasione villicationis in Overen-
berg erga vos et ecclesiam (Herfordensem) concepimus, remittimus . . . vos autem predictam
villicationem de manu H. Lenherii [aus dem Andernacher Geschlecht] infra duos annos
redimere promisistis.
-) MR. ÜB. 3, 291, 1226: cum eadem villicatio ad vos libera redierit, vos nulli diviti
vel potenti persone eam conferetis, sed uni de litonibus vestris cum consilio nostro [des
Vogtes] committetis, qui vobis integram et antiquam integre solvat pensionem. Diese kleinen
Meier wmxlen dann wohl zu besserer Beaufsichtigung zu mehreren unter einen besonderen
procurator gestellt, vgl. MR. ÜB. 3, 820 u. 821, 1245. Der spätere Name war colonus oder
hoveman, vgl. Bd. 3 Wortr. u. d. W. hob; MR. ÜB. 3, 820, 1245: colonus ciu'tis nostre, qui
hoveman dicitui-; Wenck, Hess. Landesg. 3, ÜB. 130, 13. Jh. Mitte: Ludewicus villicus, qui
dicitiu' hoveman. Auch der Ausdruck ciutarius, curtelanus gehört meist in diesen Zusammen-
hang, s. Bd. 3 Wortr. u. d. WW. curtarius, curtelanus, auch U2Mettlach S. 194, 1329 für
Rech, Orscholz?, Besseringen a. d. Saar.
3) S. schon früh * Düsseid. St. A. Pant. Or. No. 23, 1161: frater noster H., qui tunc
villicationem prefate curtis amministrabat; MR. ÜB. 3, 393, 1230; WIgel 1292, cit. oben
S. 491 Note 1 u. 6; WLosheim 1302 § 5: fundatores [die Grundherren, der Abt von Mett-
lach] sine advocato ponere debent in curia unum conversum et non laicum, qui conversus
ipsum advocatum ad placitum suum . . . [Lücke] servare debet teuere cum tribus equis, ac
eisdem stramen et fenum dare tenetur et mallum ipsius advocati custodire. Natürlich hat
auf diese Entwicklung die Grangienwirtschaft des 12. und 13. Jhs. (s. oben S. 688 ff.) einen
grofsen Einflufs gehabt.
*) So erhalten nach dem Lehnsbuch Werners II von Boland, S. 33, die Meier Boland-
scher Höfe (mansionarii) an Lehngut von Werner Land im Werte von 20—30 bisweilen 40 mr.,
ein mansionarius , der zugleich in Erpenstein procurator turris et vigilum [Sauer vigilium!]
ist, erhält Lehnland für 50 mr. Diese Art der Belehnung ist aber auch diejenige, von der
man zm* späteren Amtsbesoldung fortschreitet. Vgl. auch Guden. Sylloge S. 125, 1222: de
uno . . residuo manso, qui . . vocatur ammethuobe ; und CRM. 2, 376, 1298, Prüm : officium
villicationis seu iurisdictionem eorum in opido Reimbag, in quo olim dicti comites de Ho-
staden, nunc vero nos archiepiscopus et ecclesia Coloniensis sumus maiores et superiores
advocati, prout in ipso oppido et extra ipsum opidum dictum officium villicationis cum Omni-
bus suis pertinentiis et iuribus se extendit et antiquitus de iure extendere se consuevit.
'^) Dies ist nach den eben gemachten Erfahrungen natürlich der seltenere Fall, doch
kommt er vor, vgl. MR. ÜB. 3, 1087, c. 1250: villicus curie (sancti Georgii in Colonia) in
Raitche, qui quondam fuit, . . iure hereditario possedit eam.
^) Hierher gehört schon in gewissem Sinne MR. ÜB. 3, 91, 1218, Streit zwischen
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 774 —
Teilbau ^; und in einzelnen Fällen trennte man bei dieser Gelegenheit
noch die eigentliche Fronhofswirtschaft von der Verwaltung der Zinse und
Renten ^.
Natürlich wurde infolge dieser Vorgänge die alte Einheit der Beziehungen
und Funktionen des Meieramtes seit dem Ende des 12. Jhs. rapide zur Auf-
lösung gebracht; an Stelle der festen Konstruktion früherer Zeit erscheinen
nunmehr seit dem 13. Jh. in immer wachsender Zahl abweichende Bildungen,
und neben der Regie durch Teilhaber der Grundherrschaft nimmt namentlich
die Verpachtung immer gröfsere Dimensionen an. Aber auch in jener Minder-
zahl aller Fälle, in welchen sich die alte Form hält, ändern sich doch nicht
selten einige wesentliche Beziehungen. Zwar behält der Grundherr meist das
freie Ernennungsrecht des Meiers^, aber doch macht sich hier und da neben
ihm irgendwelche Ingerenz des Vogtes oder auch der Hofgenossenschaft — im
letzteren Falle meist im Sinne eines Wahlrechtes — geltend*. Auch das
dem Bamberger Domkapitel und SSimeon über die Pfarrkirche zu Hönningen. De villicatione
diffinio : canonici sancti Simeonis viUicationem a Babenbergensi ecclesia defuncto illo, qui nunc
possidet; habebunt, de sexto in sextum annum huius villicationis receptionem renovantes ad
commonitionem nuntii ecclesie Babenbergensis , quam ecclesia Babenbergensis non negabit.
*Bald. Kesselst. S. 299, 1338, liegt gar schon ein Fall vor, wo nur auf ein Jahr verpachtet
wird: die hove zu Lainsheim und zu Dreise, die verpechtet man ie des jars umb hundert
mir. fruchte und umb zehene oder zwenzig mir. daezu. S. auch Bd. 3, 488, No. 51 ff., c. 1350.
1) MR. ÜB. 3, 393, 1230: si abbas et conventus Seinensis secularem personam, que
prefatam curiam pro pensa vel media parte fructus colere consueverat, amoverint et unam de
suis fratribus substituerint et agros suos propriis expensis excoluerint . .
2) So findet sich im UMarienthal 1317, S. 319 — 20, ein Meier, der nur Geld einnimmt,
keine Wirtschaft hat: villicus banni Arlunensis tenetur 12 s. Metensium d. de servitio suo,
ferner 12 s. de diversis censibus, de 6 particulis terre . . 3 s., de quadam alia particula
terre, que vocatur durzense, 2 s. usw.
^) S. MR. ÜB. 3, 69, 1217: villicatus curtis in Flachte ad liberam dispositionem et
Ordinationen! capituli [SFlorin-Koblenz] cum omni iure suo spectat. Vgl. ferner Bd. 3, 58,
18, 1269; 65, it, 1274; 102, 27, 1293; WLintgen 1320, Arch. Maximin. 7, 732, § 1: in curte
praedicta villico vacante dictus dominus abbas habet constituere villicum, und ähnlich *WIjon-
guich 1408, Arch. Maximin. 8, 36, § 20; WLosheim 1465 § 18; *WBisingen, Arch. Maximin.
1, 1287; WHagelsdorf 1596 § 5. '
*) Vgl. schon Schannat, Buch. vet. S. 338, 1126: Fulda verspricht den neuen Ansied-
lern im Branforst, ne alienus villicus colonis illis praeficeretur , nisi unus, quemcumque inter
se elegissent. S. ferner MR. ÜB. 2, Nachtr. 2, 1192—1200: der Meier von Nalbach wird
vom Grundherrn bzw. dessen Vertreter gewählt. Sed si homines eiusdem curtis electionem
in institutione villici se habere contenderint, ipsi aut decem aut plures ex ipsis, qui fideliores
aut maioris auctoritatis inventi fuerint, Treverim accedant sponte sive inviti ab advocato
compulsi, coram preposito prefat? ecclesie experientur; WEsmingen 1348 § 5: die Vögte
sollent den meier zu E. machen; und wer es das uns [den Grundherren, Grafen von Luxem-
burg] der meier nit envugte, so sollent die scheffen und die gemeinde von E. neun welen.
und wer es dat uns der neun keiner gefiel noch enfuegte, so sollent doch (die Vögte) den
neunten meier machen. WBech bei Echternach § 11: stirbt der Hobsmeier, so sollen die
gerichtcn ein andern mit wissen und willen (des Abts von Echternach), des ganzen convents,
des vogtmciers und ganzen hofs wiederumb kiesen.
— 775 — Verwaltiingsorganismus. I
urspiiniiilicli iiuhedinuto und imgebiiiideiie ^ A])setziuigsreclit des Meiers bleibt
dem Gruiidherni nicht immer gewahrt; öfters erscheint das Amt de iure als
erblich, falls keine Disciplinarvergehen vorliegen^; und de facto war dieErl)-
lichkeit wohl überall da vorhanden^, wo kein besonderer Zeitturnus der Neu-
besetzung feststand ^.
Ist es wichtig, das Schicksal des Meierauites bis in die eben festgestellten
Einzelheiten zu verfolgen , so geniigt für die dem Meier bei- oder unter-
geordneten Beamten ein kurzer Überblick. Diese Beamten gehören, ab-
gesehen von den eigentlichen Fronhofsunterbeamten (z. B. Schäfer und Ochsen-
hirt) und von den für die gesamte Gehöferschaft amtierenden TJnterbeamten
(wie Müller, Öfner, Förster), sämtlich der technischen Verwaltung an; sie
sind dem Meier beigeordnet, sobald die ihnen unterstehende Verwaltung be-
sonders extensiv oder intensiv ist; im andern Falle sind sie ihm untergeordnet.
Aus der Urproduktion stehen deshalb die grofse Forstverwaltung ^ und
die auf weite Strecken ausgedehnte Flufsfischerei ^ wie die Pferdezucht, soweit
sie besonders gründlich getrieben wird^ als gleichberechtigte Ämter neben
Meierämtern, dassell)e gilt von der Verkehrsverwaltung (Zoll, Fähren) wie
dem Handwerk am Sitze der Grundherrschaft ^. Vereinzelte Handwerker da-
gegen, wie vereinzelte Jäger, Fischer, Fergen stehen unter einem Meier.
Indes ist ihr Verhältnis dann kein reines Beamten- oder Ministerialverhältnis :
sie sind im Besitz einer grundhörigen Hufe und bilden nur eine besonders
beschäftigte und hin und wieder auch bevorzugte Klasse in der Gehöferschaft.
Gemäfs diesen Unterscheidungen können wir unter den dem Meier
untergeordneten Subalternen unterscheiden einmal Diener für die Spezial-
1) S. Bd. 3, 58, 18, 1269.; 65, it, 1274; *WLonguich 1408, Arch. Maximin. 8, 36, § 20:
♦WBisingen, Arch. Maximin. 1, 1287, § 1; WHagelsdorf 1596 § 6.
2) WSchengen 1624 § 41 : richter meier und scheffen bleiben ihr lebenlang in ihren
diensten und ampten. ohne daß sie deren berauht oder entsetzt werden, sie haben es dan
mit banden munt oder sunsten vermacht.
'^) :\[an vgl. z. B. *USMax. 1484 Bl. 30 b, WMechern 1487: Henselin meiger un
scheffen zu Mechern, der hondert und 6 jare alt wais.
*) Hierzu vgl. *WLintgen 1320, Arch. Maximin. 7, 732, § 3: anno revoluto semper
dictus abbas potest, si placet, villicum a villicatione sua removere et alium constituere.
* WMandern, Arch. Maximin. 9, 237 , § 1 : so wisen die scheffen zo Manderen mime hern
van sant Maximine und sime gotshuse alle jare dru jairgedinge, das eint jairgedinge ist
Valien des nesten maentags na sent Peters und sent Paulus tagh, uf welche jairgedinge oder
tagh, were sach das min herr der abt hette einen amhtman oder meier, der ihme und sinem
gotshuise nit nützlich ader bequemlich were, magh er denselben abesetzen und mit rate der
scheffen vorg. einen anderen ambtman ader meier machen uf den vorg. maendagh, welche
meier sal wanen uf Peterschaffvodien mins herren gront van sant Maximin.
'-) S. oben S. 495 ff., vgl. auch Waitz, Vfg. 8, 264 f.
6) S. oben S. 500.
^) S. oben S. 533.
8) S. u. a. MR. ÜB. 3, 915, 1247; U2Mettlach S. 194-5, 1329. Zu den Hofhand-
werkern s. v. Maurer, Fronh. 1, 202 f., 244 f.
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 776 —
Wirtschaft des Fronliofs: liier wären nur die ziemlich selten vorkommenden
Schäfer und Ochsenhirten zu nennend Ferner Unterbeamte für die gehöferschaft-
liche Verwaltung : hier kommen Untermeier ^ und in Lothringen auch Dekane ^
als direkte Vertreter des Meiers, Müller und Öfner als Vorstände der grundherr-
lichen Mühlen und Backöfen*, endlich Förster für die Hut grundherrlicher All-
menden in Betracht ^ ; und auch der eigentlich der grundherrlichen Gerichts-
verfassung angehörige Fronbote versieht bisweilen Dienste in der Wirt-
schaftsverwaltung an Meiers Statt ^. Endlich aber sind etwa noch als dritte
Klasse uneigentlicher Subalternen diejenigen Gehöfer heranzuziehen, welche
im besonderen technischen Dienst Verwendung finden, der Zimmermann %
1) USMax. S. 433, Muthfort; *USteinfeld Bl. 153 <i.
-) * WWeifskirchen 1493, Arch. Maximin. 1, 99: villicas Semibesengiae potest con-
stituere villicum in Alba ecclesia ad suscipiendos redditus praefatorum dominorum abbatis
et conventus monasterii praefati, qui faciet bonam et competentem Solutionen! et computationem
dicto villico seu officiario Semibesengiae pro et nomine praefatorum dominorum.
^) S. Calmet 5, 140, Longueville; USMax. S. 466, Tincrey und Orioncourt.
*) S. z. B. UMarienthal 1317 S. 334, cit. oben S. 770 Note 2. Hierhin gehören wohl
auch die grundheniichen Brauer; zur Brauerei vgl. oben S. 586.
•^) Zu den Funktionen des Försters s. namentlich USMax. S. 448, Eslingen; s. auch a. a.
0. S. 433, Schiittringen ; S. 445, Naurath; S. 456, Weiten. Für später vgl. WKenn 14. Jh.
2. H., cit. oben S. 455 — 6; WGostingen und Kanach 1539 § 41, cit. oben S. 426 Note 4;
WAsselborn 1566 § 24: ein wald erst aufgeforstet auf der Hofsleute Erbe, darum nur diesen
gehörig; für ihn sind 2 Förster vorhanden, jeder, wer hofgut oder erbe hat, zahlt ihnen jähr-
lich einen Hahn. — Übrigens kommen die mannigfachsten Kombinationen grundherrlicher
und markgenössischer Forstbeamten vor, s. schon WSponheim 1491: nota quod Silvas et
prata habemus [d. Kl. Sponh.] in districtu Sp. iacentia, pro quibus conservandis atque tutandis
necessarius est custos, quem abbas solus potest ponere, quemcumque voluerit, videlicet super
Silvas suas et prata. potest etiam, si vult, communem custodem habere cum villanis. Eigen-
tümlicher noch ist WKlotten 1511, G. 2, 820: wat die foerster finden binnen dem ban van
Clotten vehe uf der herrn erf van Bruwilre, dat sullen si in den hoef Bruwilre driven, und wat
si van luiden vinden uf der herren van Bulwilre erf und gueder, dat sullen sie dem schoultiß
roeghen, und wat sie up den andern guederen finden, den sullen sie eime heimberigen van
Clotten roeghen.
^) S. schon USMax. S. 446, Naurath: bedellus dominicalia nostra ad colendum distribuet;
dafür erhält er vom Heu, quantum dens furce longus est. S. ferner WDahlem 1472, G. 2,
571 : der Fronbote soll die achter und auch die brod Mieten, und abe sie geatten wurden, schul-
dige leuth zu weisen; abe er das nit thete, sol er das selber bezalen. des hat er zu Ion in
der achten ein garbe usw. WRiol und Fell 1537, G. 2, 304: die potten haben auch zu Riol
von einem ganzen ploech alle jar ein broeth, und von eim, der keinen ploech hat, zwene hl.
ader einen wihnachtsweck ; darumb sollen sie dem gruntherren sein vünfteil hüten, sollen
auch zu Velle dem gruntherren meier zender und gemeinen gehorsam sein: darum haben sie
von eim jeden hausgesesse alle jar ein broet.
") Gerade der Zimmermann spielt eine bedeutende Kolle, vgl. V. Herib. Colon. 8;
Bd. 3 Wortr. u. d. W. carpentarius ; und besonders im USMax. Schüttringen S. 433: habet
iura dimidii mansi preter censualem annonam; Muthfort S. 433; Mersch S. 437: carpentarius
messem dominicam in horreum deducit; Mamer S. 434: carpentarius recipit de curru
gehniam [1. gerbam] unam; Mersch S. 437: de plaustro 20 gerbarum unam recipit; Mersch
S. 437: villicus cum villicationem recipit, dat nobis -5 s. , forestarius et carpentarius 18 d.;
777 — Verwaltungsorganismus.]
Schmied ^ Wehei^ Fischer^, der Glasmacher, Pergamentlieferer , Zeidler,
Köhler und wie die Spezi algehöf er alle heifsen^. Ihnen allen gemeinsam
ist, dafs sie auf grundhörigem Gehöferland gleich andern Hofgenossen sitzen -^
während ihre Zinse und Leistungen nur zum geringeren Teil der Urproduktion,
zum gröfseren ihrem besonderen Beruf entnommen sind.
Sehen wir von dieser letzteren Klasse ab, so ist die Lage der dem Meier
bei- bezw. untergeordneten Beamten der des Meiers analog, nur weniger frei
und weniger scharf ausgeprägt. Auch sie beziehen ein lienefiziarisch fest-
gelegtes oder freies Deputat ^ auch sie sind von gewissen Abgaben frei und
schulden gewisse besondere Leistungen"^; und als äufseres Zeichen der Unter-
ordnung der Subalternen unter den Meier erscheint eine Empfängnisgebühr und
ein Herbergsgeld, entsprechend den gleichen Leistungen des Meiers gegenüber
dem Grundherrn^.
12 sunt nostri, 6 villici; Besch S. 440: villicus habet ius dimidii mansi, forestarius dimidii,
carpentarius dimidii; Oberemmel S. 459: carpentarius habet V2 mansum et in hebdomada,
qua nobis servit, mo. siliginis. S. auch noch a. a. 0. Pellenz S. 452, Z. 10 v. u
^) S. u. a. UStift 397, Serrig 10 c: 2^2 mansi ad fabricandum archiepiscopo per-
tinentes ad quodcumque ipse voluerit edificium; sed fabro ferrum dandum est. et si forte
archiepiscopus iturus est in expeditionem, coloni predictorum mansuum ex ipsis unum solo
et nudo palefrido preparatum archiepiscopo mittent, ut ferraturam equorum suorum procuret;
et ipse archiepiscopus reliquum apparatum fabro providebit. S. auch oben S. 555.
'■^) S. Cesarius zum UPrüm S. 145 Note 5: ministri sive villici femoralia consuta a
feminis servilibus de officio suo debent representare ; ferner Kremer, Ardenn. Geschl., Cod.
dipl. S. 149, 13. ,Th. Anf.
3) S. Lac. ÜB. 1, 190, 290, 1119; oben S. 500 Note 7; besonders aber WVölkelingen
1421, G. 2, 10: wieset der hof, das min here fünf frieher vischeringen hait, und umb das die
vischer die frieheit von den vischeringen haut, so sol iglicher vischer von sinen vischerigen
alle wuche gein Sarbruck in mins hern kuchen zehn penwerth vische [tragen]; und werent die
vische nit eins schillinges phennig wert, so genügen sie minen hern nit; und sol min here
den vischem ire weidenaichen geben, wan ine das noit geburt, und sint die alden des
meigers; wollent die vischer die nachen behalden, so sol ein vischer dem meiger vunf s.
geben vor sinen naichen.
*) S. Bd. 2 S. 179, Kolumne Spezialgüter.
•^) MR. ÜB. 1, 287, 1008—1016: feodum, quod pertinet ad fabrile opus: s. ferner
USMax. S. 453, Rübenach, und dazu S. 776 Note 7; Bd. 2 S. 179, Spezialgüter; UMarienthal
1317, cit. oben S. 770 Note 2.
^) UPrüm No. 2: unus molendinarius tenet de terra iornalem pro sua vestimenta; USMax.
S. 433, Schüttringen: forestarius habet . . in cultura nostra 15 gerbas hiemales et 15 estivales,
s. auch S. 776 Note 7; *USteinfeld ßl. 153^1: unse schefer hait unse groesse wese zoe dem
schaefstalle, ind gilt uns danaf 10 gülden.
") MR. ÜB. 3, 80, 1218; Kremer Or. Nass. 2, No. 165, 1285: von den Vogteipflichten
in Ravengiersburg sind befreit sculteti custodes nemorum ceterique officiati a preposito et
conventu instituti ac ipsorum familia conducticia. S. ferner UMarienthal 1317, cit. oben
S. 770 Note 2.
^) Das Empfängnis, weil der Meier die Subalternen in ihr Amt einweist, vgl.
UWincheringen um 1200, MR. ÜB. 2, 365, cit. oben S. 585 Note 3. Vgl. auch USMax.
S. 437, Mersch 9a: villicus, cum villicationern recipit, dat nobis 5 s., forestarius et carpen-
Lamprecht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 50
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 778 —
Wie aber stellen sich nun gegenüber dieser Organisation der Wirtschafts-
verwaltung die Leistungen der Grundhörigen? Inwiefern greift der Gehöfer
in die Fronhofswirtschaft ein, inwiefern zinst und zahlt er?
Im allgemeinen zerfallen die Leistungen der Gehöfer in persönliche
Dienste (Fronden) und in Abgaben (Zinse). Doch sind beide Gruppen durch-
aus nicht immer reinlich getrennt; es giebt vielmehr eine Anzahl von Leistungen,
in welchen Fronde und Zins kombiniert auftreten, z. B. das Auffahren von
Dünger aus der eigenen Wirtschaft auf Salländereien ^ In ganz besonders
inniger Weise verquickt erscheinen aber Fronde und Zins namentlich in der
Herbergspflicht der Gehöfer für den Grundherrn bezw. dessen Vertreter,
welche auf eine bestimmte Summe fixiert, dennoch der Natur der Sache nach
mit gewissen Dienstleistungen verknüpft bleibt. Sie kommt zumeist unter dem
Xamen Weisung vor, da ihre Ausübung speziell zu den Gerichtstagen be-
ansprucht wurde ^.
tarius 18 d., 12 sunt nostri, 6 villici. Zum Herbergsgeld s. USMax. 431 : der Meier erhält
denarii visitales von zwei Mühlen seines Bezirkes; ebd. S. 434, Muthfort: recipit [villicus]
a carpentario in nativitate domini 4 panes, 2 d., sext. vini; a 2 forestariis et molendinario
idem; ebd. S. 446, Naurath: in nativitate domini carpentarius, forestarius, 2 molendinarii
singuli (villicum) visitant et 6 d. visitales dant.
^) Vgl. z. B. die Notizen im UPrüm für den Ausdruck fimum ducere: ducit de suo
iimo carr. 5 (No. 1); dasselbe wird No. 37, 38 mit vectura bezeichnet. Ferner: arant et fimant
de illorum fimum iornalem dimidium ad hibernaticam sationem ac sigulum seminandum, ad
tremensem in martio et aprile arant iornales 3 (No. 45 Villance); ducit cum carro suo ex
dominico fimo et fimat diem 1 (No. 46 Mabonpre); solvit de fimo carr. 5 (No. 89); unum
diem ad fimum ducendum (No 104 Gemmerich). — Das Wort ducere hat im UPrüm über-
haupt den bisweilen kaum sicher zu fixierenden Doppelsinn von blofser Transportleistung
und von Zins- und Transportleistung, vgl. No. 8 : pro ligna ducit de annona mo. 5, de spelta
mo. 10; de curte dominica ducit ad monasterium de annona mo. 5. In No. 9 z. B. gehört
de spelta 15 mo. nicht mehr zur angaria, vgl. No. 16, 19, 20. S. auch No. 6: ducit de vino
in angariam carr. 1.
2) Vgl. zur Verdeutlichung zunächst aus späterer Zeit Saarbrückener Recht 1321, G. 2, 3:
wir gebieten und wollent, das alle, die in dieser frieheit sint zu Sarbrucken und zu Sanct Jolian
und dar komen mogent, das iglichs in sime huse einen stal mache nach der wide, die es
halt, unser frunde und unser geste zu enthalten, wan wir in enbiedent ; und sollent ine geben
hauw und strowe und bette dem pherde, die nacht umb zwene deine tornes. Speziell zum
Ausdruck Wisung s. *USMax. 1484 Bl. 23^, WThaben 1487: die Schöffen weisen nach dem
jargedinge 2 wisunge ader vrie gerichtzdage dem apt zu 14 dagen, also verre daß kein
gebaute vierdage op dem jargedinge oder op die 2 wisungen enkomen; alsdan sal man das
jargedinge und wisunge des nesten werkdages darnach halden. Im übrigen s. UlMettlach
No. 5, Vahl 15 d: in natale domini aut Visitationen! aut 6 d. ; ebd. No. 6, Roden 12 d: (12mansi)
in natale domini in visitatione sua 2 s. et 40 panes et 20 mo. avene reddunt. Ebd. No. 23
heifst die visitatio xenium; sie kommt auch öfter vor, ohne direkt genannt zu sein, z. B.
No. 13, 15, 21. Auch im UKarden 11. — 12. Jhs. ist sie xenia genannt: in Hambuch ad
xenias 3 panes, gallinam et ob. S. ferner noch USMax. S. 443, Detzem, (wisungsemer) ;
S. 445, Herl; UStift S. 405, Welschbillig, sowie S. 403, Forstamt: mansus [eine Forsthufe]
solvit . . magistro forestariorum in festo Stephani prothomartiris 1 mir. avene non cumulate,
quod dicitur wisunge; und ebd. S. 414, Kell: 7 mansi geben in natali domini pro wisunga
1 mir. avene scapulara d. et 2 panes.
— 779 — Verwaltungsorganisnius.J
Über die Höhe der gehöferschaftlichon Loistunj^en pro Hufe erhält man
keine bestimmte allgemeine Anschauung ^ Zwar haben einige Volksrechte in
Gegenden, wo in der Frühzeit der Entstehung dieser Rechte noch durchaus
homogene Belastungsgrundlagen in gleichmäfsig angelegten Hufen vorhanden
gewesen sein mögen, eine Leistungseinheit für den Gehöfer aufzustellen ge-
sucht-^; in unserer Gegend finden sich indes zu keiner Zeit Spuren eines
derartigen Versuches. Die einzige Malsnahme, welche sich in verwandter
Richtung nachweisen läfst, läuft darauf hinaus, innerhalb eines bestimmten
Hofes oder wenigstens innerhalb aller speziell am Fronhofsort gelegener gehöfer-
schaftlicher Hufen dieselbe Leistungshöhe einzuführen. Und ofifenbar war man
zur Karolingerzeit in dieser Hinsicht sehr weit gekommen: die ganze Art
karolingi scher Urbarverzeichnung, wonach unter Angabe der gesamten Hufen-
zahl die Leistungen einer bestimmten Hufe exemplifizierend aufgezählt werden,
bemht auf der Voraussetzung gleicher Leistungshöhe ^. Späterhin verschwindet
indes diese Art der Verzeichnung*; und aus diesem Vorgang wie aus einer
Fülle späterer thatsächlicher Erscheinungen^ ersieht man, dafs alle spätestens
seit der Ottonenzeit hinzugewonnenen grundhörigen Hufen dem alten Uni-
fikationsbestreben nicht mehr unterlagen.
Indes wären wir auch wirklich im Besitze einer viel einheitlicheren Über-
lieferung über die Leistungshöhe der einzelnen gehöferschaftlichen Hufen als
dies thatsächlich der Fall ist, so w^ürde es immer noch gewagt sein, allgemeine
Anschauungen aus ihr heraus zu entwickeln. Der Grund hierfür liegt in dem
Charakter der grundhörigen Leistung überhaupt. Die Leistung hat etwas in sich
Unbestimmtes ; sie wird nicht in ihrer Dauer und Höhe, sondern in ihrem Ziel
begrenzt ^' , sie läfst sich nicht mit unserer heutigen Akkordarbeit, sondern nur
mit unserer Bestellungsarbeit vergleichen. Die Leistung ist perfekt, sowie das
durch sie zu deckende Bedürfnis befriedigt ist; ist eine solche Befriedigung
noch nicht erreicht, so hat sie bis zum Eintritt derselben fortzudauernd Es
ist natürlich, dafs dieser Grundsatz besonders auf dem Gebiete der Fronden
1) S. Bd. 2, 188 ff.
2) L. Baiuw. 1, 14, i — s; L. Alam. c. 22 u. 23. Dabei smd die Abgaben in Baiern
nach gallischem Recht normiert, vgl. MGLL. 3, 278—80 Anm.
3) Vgl. Bd. 2, 70, 78, 108—9, 660. Vgl. z. B. UPrüm No. 107 : servilia mansa 12,
qui sub uno censu tenentur, id est 3 dies in ebdomada. et sunt 7, qiii simt sub imo censn,
excepto 4 dies in ebdomada faciunt
4) Bd. 2, 660.
5) Bd. 2, 788 ff.
^) Vgl. z. B. als bezeichnend WBech 1529: solle ein ieklicher sein planken also ver-
wählten an dem hof, daß er binner eim jahi' nit abgehe, und feit elu' ab, so muß er den
bessern mit der bossen mit einem sester weins.
'^) Wie sehr das wirkliche Bedürfnis mafsgebend ist, zeigt z. B. Trad. Wizenb. S. 68,
774 : Rihbald schenkt an Weifsenburg mancipia, que super ista terra comnian(H'e videntur ;
illorimi opera: 3 dies in ebdomada, et si necessitas fuerit ad maiora opera, 14 noctes veniant
ad ipsa opera.
50*
[Wirtschaft d. Gi-ofsgrimdbes. — 780 —
von Bedeutung sein mufste. Die Fronden liefen auf die Bestellung des Sal-
landes hinaus: das war das Hauptziel: die zu seiner Erreichung notwendigen
Arbeiten waren seitens der Gehöfer zu leisten. Waren demgemäfs, bei dem
nicht stets gleichen Verhältnis von Gehöferzahl und Sallandsareal , schon von
Anbeginn an die Bestellungsfronden der Gehöfer an verschiedenen Orten und
in verschiedenen Höfen verschieden hoch, so mufste sich diese Verschiedenheit
bei der bald gröfseren bald geringeren Zunahme der Beunden durch Kodung
und bei den untereinander abweichenden Fortschritten der einzelnen Grund-
herrschaften in Bestellung und Melioration noch beträchlich erhöhen. War im
Ganzen ein Steigen der Bedürfnisse und dem entsprechend eine Erhöhung der
Bestellungsfronden der überall zu erwartende Vorgang, so trat dem allerdings
das schon früh von der Gehöferschaft beanspruchte Recht entgegen, die Fronden
als integrierenden Bestandteil ihrer Leistungen und ihres materiellen Rechtes
unverbrüchlich, unerhöhbar zu weisen. Zwischen diesen beiden Tendenzen,
dem stärkeren Bedürfnis der Grundherren und dem Fixierungsanspruch der
Gehöfer auf dem Wege Rechtens, war also zu vermitteln. Kompromisse in
dieser Richtung aber kamen um so eher vor, je mehr wiederum eine ganze
Anzahl von Leistungen allmählich als antiquiert in Wegfall kam, z. B. das
Jäten des Getreides nach vollständiger Urbarung und Klärung des Bodens \
das Wachen bei den Feimen nach Erlangung einer festeren Rechtsordnung
und gTöfseren Landessicherheit ^.
Aus den bisherigen Ausführungen ergiebt sich, dafs die grundhörigen
Leistungen sehr verschieden hoch sein mufsten, nach Zeit und Grundherrschaft,
nach Lage und Beundeareal des Fronhofs , sowie nach tausend anderen Be-
dürfnissen, welche sich neu geltend machten und seitens des Grundherrn unter
Verständigung mit der Gehöferschaft möglichst berücksichtigt wurden^. Dem-
gemäfs kann es nicht unsere Aufgabe sein, die Leistungen nach Gehalt und
Höhe einzeln zu schildern*; jeder Versuch in dieser Richtung mufste unvoll-
ständig bleiben. Vielmehr kommt es nur darauf an, durch Eingehen auf die
gewöhnlicheren Leistungen eine konkrete Vorstellung von der Einordnung der
Gehöfer und des Gehöferlandes in den grundherrlichen Betrieb zu erlangen.
Der Weg, welcher zu diesem Zwecke eingeschlagen werden mufs, wird
durch die Einteilung des grundherrlichen Areals wie den Charakter der Leistungen
als Fronden und Zinse vorgeschrieben ; wir werden zuerst die Fronden für die
Eigenwirtschaft des Fronhofs, für den Beundebau, für die Ausnutzung der
gnmdherrlichen Allmende, darnach die Zinse nach Art und Veranlagung, Höhe,
Beitreibungs- und Lieferungsart zu betrachten haben.
1) Oben S. 556.
2) Darüber unten S. 782 Note 3. Doch finden sich die alten Wactae noch spät, z. B.
in Niederingelheim noch im 15. Jh., Loersch S. LXIII.
^) S. auch schon oben S. 759.
^) Einen Versuch s. bei v. Maurer, Fronhöfe 1, 357 ff.; speziell für den Hunsrück vgl.
Back 1, 98 f.
— 781 — Verwaltungsorganismus.]
Unter den Fronden* treten jene für die direkte Fronhofs Wirtschaft ver-
hältnisniäfsig zurück - ; was hier zu thun war, wurde durch die Fronhofskräfte
selbst besorgt, die Gehöferfronden dagegen galten vornehmlich der Beunde-
wirtschaft. Bezeichnend ist in dieser Hinsicht der Mischgebrauch der Aus-
drücke für fronden und achten (arbeiten auf der Acht, der Beunde), sowie die
Gleichstellung der Pflugfrondepflicht und der Beundebestellungspflicht^. Indes
kamen doch in beschränkter Weise'* Fronden unmittelbar für den Fronhofs-
acker vor, so z. B. im Prümer Urbar das Jäten, Reinigen, Beetmachen und
Pflanzen im Garten, die Flachsbestellung und Flachsbereitung u. a. m. Im
allgemeinen aber gehen für den Fronhof direkt geleistete Dienste nicht eigent-
lich auf die Ackerwirtschaft, sondern überwiegend auf den Schutz der Ernte
und die bauliche Erhaltung des Hofes ^. So bezieht sich z. B. die Fronde der
Clausura im Mettlacher Urbar nicht blofs auf das Schliefsen der Erntefelder
dm^ch Zäune, sondern auch auf das Bedecken der Kornmieten mit Dächern,
weshalb es wohl geradezu edificare heifst (No. 7, 10, 18); und auch die An-
fertigung von Schindeln und Ziegeln steht mit diesem Dienste in Zusammen-
hang (No. 10, 11, 18). Ebenfalls auf die Baupflicht am Fronhof laufen mit die
grofsen, meist zweimal im Jahre wiederholten Fronzeiten hinaus, welche in
älterer Zeit als XV Noctes bezeichnet werden und zumeist für den Transport-
^) Zu den Fronlasten und zur Fronarbeit vgl. v. Inama, Wirtschaftsg. 1, 156 f., 358.
Zu allem Folgenden s. ferner stets Bd. 2, 188 ff.
2) Zu ihnen gehörte doch wohl auch die multitudo mancipiorum, qui cotidianum,
quando eis preceptum fuerit, domino abbati persolvunt servitium, UPrüm S. 195 Note B. —
V. Inama, Grofsgi'undh. S. 78, drückt das vorliegende Verhältnis folgendermafsen aus: den
mancipia non casata [Unfreie auf dem Herrenhofe ohne Hufe] lagen auch die eigentlich land-
wirtschaftlichen Arbeiten auf den Salländereien ob, deren Bestellung . . . ihnen allein zufiel, so-
fern nicht die vom Hofe aus betriebene Wirtschaft im Vergleich zur Zahl dieser Leistungen
zu grofs war; in diesem Falle wurden auch die servi casati zu Arbeitsleistungen heran-
gezogen; ja selbst die blofsen Precaristen und die freien Zinsleute mufsten solche Arbeit
fiir den Fronhof leisten. Die hier vorliegende Grundanschauung ist richtig , nur ist die be-
sondere Bedeutung des Beundebaues nicht in Rechnung gezogen.
^) Zum Begriff corv^ada s. oben S. 421, auch v. Inama, Grofsgrundh. S. 79. Femer
vgl. WWelmich 1509 und WKreuznach, G. 2, 151. Wenn es im Wildern, G. 2, 65, heifst:
niemant darf mehen vor dem halben heumonat on Urlaub, desgl. darf niemant das kom
schneiden vor dem halben äugst, dem gotteshaus sei dan sein fronen geschehen, so setzt
diese Bestimmung auch das Fronden auf Beunde voraus.
*) Wie sehr sie gegen die Beundenfronden zurücktraten, zeigt z. B. UlMettlach No. 3,
Wallmünster 13 c : (mansionarii) incipiunt araturam suam in capite martii et pei-ficiunt in fine
ipsius. in aprili claudunt corruadas, mensuras et prata ... in iunio excolunt araturam et
post meridiem operantuv, quod eis iniunf/itur. in iulio secant fenum et introducunt. in
augusto circa messem occupantur. in septembre similiter circa messem occupantur . . in
octobre araturam excolunt. Hier kann nur der Jiursiv gedmckte Ausdruck auf Dienst im
eigentlichen Salland gehen.
■^) Auch für die bauliche Erhaltung des eigenen Hofes hatten die Gehöfer zu sorgen,
vgl. WLiesdorf 1458, und WGostingen und Kanach 1539, § 35.
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 782 —
dienst in Anspruch genommen erscheinend Daneben spielt endlich, abgesehen
von manchen Specialaufgaben, die oft wenig mehr mit der Fronhofswirtschaft
zu thun haben ^, auch der Wachtdienst eine grofse Rolle. Der Fronhof selbst,
seine Vorräte und seine Herden bedurften besonderer Sicherheit, dieselbe
wurde durch besondere Bewachung seitens der Gehöfer gewährleistet^.
Viel eigentümlicher ausgeprägt als diese Fronhofsfronden sind aber die
eigentlichen Beundefronden. Sehen wir von den nicht allzuhäufig vorkommen-
den Stücken des Beundelandes ab, welche zeitweis zum eigentlichen Salland
herübergezogen erscheinen"*, so beziehen sich die Fronden auf jede Feldart
und jeden Bau, der im Beundeverhältnis vorkommen kann, also namentlich
auf Rodung^, Getreidebau, Wiesen- und Weinbergswirtschaft. Von diesen
Arten ist bei weitem die bedeutendste der Getreidebau; mit aratura wird
daher wohl gelegentlich der ganze Frondienst bezeichnet^. Es handelt sich
dabei um den ganzen Komplex der Feldbestellung, nicht etwa blofs um Pflügen
und Erntedienst, wie denn Cesarius zum UPrüm S. 144 Note 1 ausdrücklich
erklärt: quomodo mansionarii debent iugera dominica arare seminare colligere
1) Vgl. UPrüm No. 24: materiamen, quod in silva ad XV noctes faciimt — 100 palos —
ducunt, qui boves habent et qui non habent, et dabitur eis panis integer; dazu Cesarius
S. 156 Note 3: materiamen sunt ligna, que nos vulgariter appellamus cinber; quando enim
necesse habemus vel torcularia vel domos vel alia edificia de novo facere, homines ad hoc
detenninati XV noctes ibi debent operari.
2) Vgl. z. B. USMax. Custod. S. 460, Mattenerhof 9d: die Gehöfer in festo sancti
Maximini, si placet custodi, aderunt ei in servitio monasterii, quo die dant 9 onera iuncorum ;
quibus redduntur 6 panes. quotiens necesse est, administrant scopas, et tunc redditur panis
unus et scopus vini. in rogationibus preferunt vexilla, quibus inter quatuor datur 1 panis
et stopus vini.
^) Neben dem Wachdienst wäre vor allem noch der Transportdienst zu nennen; der-
selbe findet erst unten am Schlüsse dieses Teiles S. 812 f. in anderem Zusammenhang seine Dar-
stellung. — Der Ausdruck Wactas facere wird von Cesarius zum UPrüm S. 145 Note 2 weit-
läufig erklärt als Bewachen des noch nicht ausgedroschenen Getreides in der Scheuer und
Wachdienst bei Anwesenheit des Abtes. Vgl. dazu im UPrüm selbst: vigilant ad curtem
dominicam (No. 55 Iversheim); debent inter 4, si senior ibi fuerit [in Neckarau], focum de
sua ligna facere et wactare domum et luminaria dare; et si aliquid furatum fuerit in ipsa
domo, debet de suo componere (No. 113); si senior ibi fuerit, debet caballos suos custodire
uno die et una nocte (No. 114); debet curtem custodire (No. 114); debent porcos custodire
in pastu simul cum porcario (No. 114). Später, bei Eintritt fi:-iedlicherer Zeiten, sind diese
Dienste aufgehoben oder abgelöst. Vgl. z. B. WEsch 1561, G. 2, 339: weist der scheffen
5 gl. wechtergeld [bei seiner Anwesenheit]; wan der wacht von nöten ist und die gemeind
die wacht selbst thet, sol sei alsdan die 5 gl. nit zu geben schuldig sein. S. auch WBern-
kastel usw. 1315, G. 2, 357, über waichtkorn.
*) Vgl. UlMettlach No. 1, Wadrill lOe: de dominicali terra habemus 4 caiTuadas, 2e arantur
ex nostro aratro. et alie 2 cum familia. preter ipsas in beneficio sunt date 11 et dimidia,
que omnes similiter solvunt et serviunt. Das similiter bleibt unerklärt. S. ferner USMax.
S. 456, Thaben 10 c: si messem nostram et decimam in pactum damus, pactor coUiget, sin
autem, mansionarii colligunt et in horreum nostrum componunt.
">) Vgl. z. B. WOuren 1567, § 15; WUlflingen 1575, § 2; WHüpperdingen § 15.
ß) Mon. Boica 28 a, 495, 1021, für Boppard.
— 783 — Verwaltungsorgaiiismus.]
et in oneiiin deducere siio tempore et sepem facere ac triturare, lere oimiibus
patet^ Denieiitsi)reeheiid ist es nicht nötig , eine besondere Schilderung
dieses Dienstes zu geben, derselbe verläuft in seinen Einzelthätigkeiten durch-
aus in der früher S. 553 ff. dargestellten Weise mittelalterlichen Anbaues über-
haupt'. Und natürlich gestaltet er sich auch unter fortschreitender Intensität
und Ausdehnung der Landwirtschaft, wenn auch nur langsam, entsprechend
um, so dafs man ihn an verschieden fortgeschrittenen Orten zu gleicher Zeit
oder am selben Orte in aufeinanderfolgenden Jahrhunderten in sehr abweichender
Höhe beobachten kann^. War z. B. die reguläre Grundlage der ganzen
Ackerfronde ursprünglich die dreimalige Pflugfahrt des Jahres, so erweitert
sich diese Basis später gelegentlich bis zur fünfmaligen Fahrt ^ und dement-
sprechend nehmen alle sonstigen Beundethätigkeiten zu^. Ähnlich steht es
mit den Wiesen- und Weinbaufronden: auch hier keine unverbrüchliche
Fixierung, sondern Wandel nach Ort und Zeit, nach Ausdehnung der Brühle
1) S. oben S. 557 Note 4.
2) S. auch Bd. 2, 204 f.
3) Vgl. z. B. UlMettlach No. 18, Loslieim, Bd. 2, 107 f.; USMax. S. 432—33, Scliüttringen ;
S. 433, Muthfort; S. 434, Manier; S. 434, Fenlen; S. 444, Detzem; S. 445, Herl; S. 445—6,
Naurath, cit. oben S. 430 f. im Text; S. 451—2, Brolil; S. 455, Simmern u. Dh.; S. 460,
Issel. S. ferner WBernkastel 1315, cit. oben S. 431 f. im Text; WMenzweiler 1429 § 4;
WWallmünster 1497, G. 2, 67; WBesch 1541, G. 2, 249; WMeisenberg 1549, § 26 f.;
WLinster 1552, § 1; WAspelt 1585 § 7 f.; WMerl 1631; WGostingen, Hardt S. 290;
WRavengiersburg, G. 2, 179 f.; WScliönfels 1682; WKreuznach, G. 2, 151. — Zum
Jäten speciell s. oben S. 556; UWincheringen um 1200, ME. ÜB. 2, 364, cit. oben S. 549
Note 3 ; UPrüm No. 23 : ad fenum et ad annonam purgandam et ad coUigendam mit
dem Zusatz des Cesarius: quas modo appellamus vulgariter meiswerlic spurcelwerhc. —
Zum Mähen s. z. B. WSchweich 1517, G. 2, 310: wanne er kombt an den eren, so ist ein
iglicher hoveman schuldig, einen tag zu schneiden, solcher schnider, das er ein taglohn
gewinden kann; WHambach II § 2, G. 6, 592 — 3: furter han die herren ein feld, die cond
genant, die sal der hofman und die nachparn schneiden; desz sal der hofman den hofsman
in guter zeit wissen lassen und einen tag verkündigen lassen, welcher hofsman dan auspleibt,
wan die klock zum dritten mal geleütt hat, der sal den höfem für 3 alb. verfallen sein, wan
die cond abgeschnitten ist, sal der hofman einen guten weckbrei han und des gnug.
S. ferner üSMax. Custod. S. 460, Issel 8d; USMax. S. 441, Longuich; WDalheim bei Remich
1472, § 37-39; WAhn 1625, § 5; WSimmern u. Dh., G. 2, 145, dazu oben S. 432 f. — Zum
Dreschen s. UStift 418, Ochtendunk: archiepiscopus habet . . 11 agros, qui dicuntur bunden,
quoiimi segetes mansionarii triturabunt totaliter; quilibet mansus tritin^abit 2 mir. ad
seminandum ante festum sancti Remigii, et reliquam partem triturabunt postea.
*) S. dazu oben S. 557; vgl. auch noch UlMettlach No. 3, No. 1, Wadrill 3e; USMax.
S. 447, Eslingen 7 c. Später hiefsen dann wohl die ursprünglichen drei Pflugfronden grofse
Frontage, s. UStift 418, Ochtendunk: (mansus) arahit archiepiscopo 3 diebus in anno, qui
vocantur magni dies.
^) Auch der Frondienst von 3 Tagen per Woche wird wohl durch die Pflugfahrten
beeinflufst. Zwar sind diese 3 Tage das Regelmäfsige, vgl. z. B. Hanauer, Paysans S. 117,
Constitutions S. 51; UPrüm No. 21, 24, 42. Doch finden sich daneben schon früh auch
1 Tag, UPrüm No 45, Villance; 2 Tage, UPrüm No. 83, Linnich; No. 97, Duisburg; No. 115;
4 Tage UPrüm No. 107, Schwalbach; No. 108, Neisen.
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 784 —
und Weinbänne und nach Anzahl der dienenden Gehöfer^ Zu so flüssiger
Umgrenzung der Beundepflichten , deren vom wirtschaftlichen Fortschritt stets
erforderte Änderung nur durch den rechtlichen Weisungscharakter des Herren-
dienstes in Schranken gehalten wurde, kam nun noch der weitere Umstand,
dafs auch das Substrat, auf welches die Fronden bezogen wurden, beträcht-
lichen Änderungen unterlag. Ursprünglich waren die Fronden auf das mark-
genössische Substrat, die Hufe, veranlagt worden: waren doch die Gehöfer
in ihren landwirtschaftlichen Beziehungen eben markgenössische Hüfner. Wir
haben aber schon gesehen, dafs dieses Substrat auch innerhalb der mark-
genössischen Verfassung auf die Dauer nicht vorhielt ; die fortschreitende Ver-
teilung des Grund und Bodens und der damit eintretende Verfall der Hufen-
verfassung führte daher dort wie hier zum Bedürfnis neuer Grundlagen für
die Lastenveranlagung. Es ist gezeigt, wie sie für die Markverfassung ge-
wonnen wurden^; die dort aufgestellten Grundsätze werden auch auf die
Fronhofsverfassung angewandt. Nur dafs hier noch ein neues, weiter ver-
wirrendes Moment hinzu kam. In der Markverfassung hatte man nie ge-
zweifelt, dafs Hufe und Hüfner, reales und persönliches Substrat der Belastung,
sich decken mufsten; bei diesem Grundsatz in seiner allgemeineren Fassung:
Wirtschaft und Wirt als identische Unterlage der Belastung: blieb man auch
in späterer Zeit trotz aller Veränderungen. Anders in der Fronhofsverfassung.
Hier hatte es neben realiter veranlagten Lasten von Anbeginn eine Anzahl von
persönlichen Leistungen der Gehöfer in ihrer Eigenschaft als Hörige gegeben ^ ;
es stand also neben dem Grundsatze der Kealbelastung von jeher der andere
Grundsatz der Personalbelastung. Lag es nun bei Zersplitterung der realen
1) Zum Wiesenbau s. aufser oben S. 527 f. und S. 554 Note 3 f. passim UPrüm No. 1,
8, 10, 48, 113, dazu Cesarius S. 145 Note 4, S. 149 Note 2; ferner UlMettlach No. 11,
Dudweiler, dazu Bd. 2, S. 158; UMax. S. 445, Herl 9d, cit. oben S. 531, Note 3; S. 450,
Matzem 7c; USMax. Custod. S. 460, Issel 8d; *Ai'ch. Max. 11, 743, Descript. bon. in Seins-
felt: einige Höfe sind schuldigli den bruel zu friden; WEsch 1561, G. 2, 339: sol aus der
gemeinden ider hausgeseß einen taglohner, der dhienlich ist und eines taglohens wert sei,
schicken körn zu schneiden, heuw zu machen, heuw zu zeden, maulhofel zu spreiten und die
wesen zu liegen. WSellerich , G. 2, 547 : ist auch der hofner in dem broel zu zeunen ein
moßrot lang schuldig, in dem so nit gnugsam mit einer roten, ist der herr das andere
schuldig zu zeunen. — Zu Weinbaufronden s. aufser der oben S. 434 im Text gedruckten
Aufzeichnung *WFell 1598, Arch. Maximin. 5, 1125, § 8: ein jeder inwohner zu Fell ist das
Jahr durch neben der traubenlast zwen tag zu graben und drei zu schneiden im herrenberg
zu Longuich durch sich selbst oder einen anderen leberichen arbeiter zu erscheinen schuldig,
denen ihr notürftige kosten durch die herren gegeben werden. § 9: welcher bei solchen
kosten oder arbeit den anderen liegen hiesche, unhöeblig grobe wort gebe, an ehren und
glimpfe schulte oder schlüge, oder icht was mehr an essen und trinken, dan ihme durch die
verordnete boten dargestelt und gegeben würd , zu sich nehme oder abstriche , der und die-
selbe sein alle in der gemeinde straf hoch oder nider, demnach der verbruch oder Über-
tretung geschehen ist.
2) S. oben S. 375 ff.
^) S. darüber unten Abschnitt VII, Teil 3.
— 785 — Verwaltimgsorganismus.]
Grundlage, wie sie ursprünglich die Hufe bot, nicht nahe, für eine Reihe ur-
sprünglich realiter veranlagter Lasten zur Personalbelastung überzugehen?
Miiiste sich nicht leicht eine Verquickung beider Veranlagungsarten ergeben?
In der That, sie tritt bisweilen ein\ und damit wird die Verwirrung der Ver-
anlagungen in späterer Zeit zu einer Höhe gesteigert, welche jeder syste-
matischen Darstellung spottet^.
Dieser Ausgang der Veranlagung gilt im wesentlichen auch für die dritte
Art des Frondienstes, welche nunmehr zu besprechen ist, für die gehöfer-
schaftlichen Leistungen zur Ausnutzung der im gmndherrlichen Obereigentum
stehenden Allmende. Hier handelt es sich zunächst um übrigens selten vor-
kommende Weidedienste ^, vor allem aber um die Ausbeutung der grundherr-
lichen Gewässer und Wälder*. Die Fischerei wird seitens der Grundherren
meist in Wehranlagen (Fachen) betrieben; diese zu erhalten, namentlich im
Frühjahr auszubessern, ist eine der ziemlich regelmäfsig wiederkehrenden
gehöferschaftlichen Pflichten '\ Ausgedehnter und spezialisierter noch sind die
^) S. z. B. schon jetzt oben S. 376 Note 2.
2) S. oben S. 376. Im speciellen vgl. man schon aus dem 13. Jh. Cesarius zum UPrüm
S. 145 Note 3: corvadam facere est ita nobis sicut sibi ipsis arare, que corvade vulgariter
appellantur atepluge. qui enim non habent animalia sive animal adhoc utile, veniet, quando
ei precipitur a nostro ministro, cum suo fossorio et cooperabitur aliis hominibus hoc, quod
ei iniunctum fuerit. S. auch UPrüm No. 24: facit corvadas 3 cum aratro, qui boves habent,
et qui non habet, trahit perticas aut fodiat in campo. Hier ist also schon eine Veranlagung
ganz nach der persönlichen Wirtschaftsfähigkeit der Gehöfer durchgeführt. Dem entspricht
der Ausdruck sicut aratratus est im USMax., vgl. z. B. S. 482, Schüttringen; S. 433, Muth-
fort; S. 438, Ohlingen; S. 460, Issel, und später der Gegensatz der dieta carrucalis und
manualis, brachialis, *USMax. 1484, WBisingen. Eine ganz andere Ordnung liegt dagegen,
auch auf Prümer Grund und Boden, in dem späteren WBüdesheim, G. 2, 545, vor: von iedem
viertel landes dem hofscholteßen 9 froehner, der solt einer ein solcher sein, daß er 9 heim uf
seinen rücken zehlen kan, sol dem scholteß gnug sein, sein frohen zu quiten. Die hier ge-
troffene Anordnung lehnt sich an die Grundsätze der Loi de Beaumont an. Eine sehr gewöhnliche
spätere Veranlagung ist endlich die, dafs fronden mufs, wer nur so viel Land hat, dafs ein drei-
stemplicher Stuhl darauf gesetzt werden kann : vgl. z. B. WPellingen 1545; WWincheringen 1663,
§ 8. — Bisweilen , und schon früh, wird übrigens auch die Strecke des vom einzelnen Gehöfer zu
bestellenden Ackers limitiert, so USMax. S. 446, Uerzig 7e: mansus colet nobis tantum agri,
ubi ^/2 sext. siliginis et sext. avene serat, sementem dabimus; vgl. dazu USMax. S. 446,
Naurath: bedellus dominicalia nostra ad colendiu?i distribuet. Hierauf geht wohl auch der
Ausdruck Mensiu-a im UlMettlach, vgl. z. B. a. a. 0. No. 3, Wallmünster 13 c: in aprili
claudunt corruadas mensuras et prata; und ebd. No. 10, Dudweiler 12 e, 8 — 9 Jh.: (mansus)
arat croadam et mensuram suam; ebd. No. 18, Losheim, 8. — 9. Jh.: ... arat mensuram
suam et croada facit 2 dies. Doch ist eine solche Verteilung im ganzen Ausnahme.
^) USMax. S. 464, Heiningen 12 c, cit. oben S. 520 Note 6. Vgl. übrigens auch zum
folgenden Bd. 2, 188 ff.
*) Doch standen die hier anknüpfenden Fronden, wie überhaupt die Fronden auf
Allmendenutzung , den Beundenfronden an Bedeutung sehr nach; symptomatisch in dieser
Hinsicht ist es, wenn im USMax. S. 442, Lorscheid 9d, die gewöhnlichen Frondienste unter
opera ad culturam [Beunde] et ad prata zusammengefafst werden.
5) S. oben S. 503.
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 786 —
Waldfronden ; hier ergiebt sicli neben Wacht- und Forstdiensten ^ der Holzhau
für Brennholz als Hauptfronde ^, daneben steht die Zubereitung gewisser
Hölzer zu Fal'sdauben^, Falsreifen* und Stickholz ^ für den Weinbergsbetrieb
und die Abschälung der jungen Eichenkämpe zur Gewinnung von Lohbündeln ^.
Auch das Sammeln von Masteicheln zur Schweinezucht^ und von Brombeeren
zur Herstellung von Moraz^ wird in Fronde betrieben. Neben diesen Wald-
fi'onden kannte das Mittelalter keinerlei Jagdfronden; erst seit dem Ausgang
des 15. Jhs. usurpieren die Grundherren diese bald unerträglich lastenden
Fronden, deren ursprünglicher Mangel an Berechtigung, allmähliches Wachsen
und schliefsliche allgemeine Usurpation sich an den Quellen des 16. Jhs. noch
wohl verfolgen läfst^.
Zeigen die bisher besprochenen Fronden, wie sie die Gehöfer für Salland
und Beunde, für den Fronhof und die grundherrliche AUmendenutzung zu
leisten hatten, ein aufserordentlich buntes Bild, so ist die Zahl der ver-
1) Vgl. aufser oben S. 520 Note 5 *USMax. 1484, WBiesingen (Lothr.) § 16: sepescriptus
dominus abbas [sancti Maximini] habet nemus unum le boy de Wey dictum, quod quidem
de quinquennio in quinquennium solet secari et amputari ad dispositionem dicti domini
abbatis, et debet ab incolis summa cum diligentia servari et custodiri, ne preiudicium domino
abbati et damnum in hac parte generetur usque ad secandi et amputandi tempus. Ganz
ähnlich *WWeifskirchen 1493, Arch. Maximin. 1, 93.
2) Oben S. 508 f., ferner USMax. Custod. S. 460, Mertesdorf 8d: in purificatione
dat quisque mansus onus lignorum et recipit candelam; Honth. Hist. 2, 129, 1337,
Niederwerth bei Koblenz: tenebuntur etiam liomines morantes in insula predicta, quamdiu
archiepiscopus [der Grundherr] ibidem presens fuerit, ligna combustibilia suis sumptibus-ad
ipsam curiam sufficientia procurare.
^) UPrüm No. 65, Ahrweiler: als Fronde tonnam 1, circulos 12. Dazu erklärt Cesarius
S. 155 Note 1 : (tonnae) quedam vasa magna ad vindemiam valde necessaria, que appellantur
buden. S. ferner MR. ÜB. 2, 40, 1140.
*) S. aufser S. 779 Note 6 USMax. S. 444, Detzem und Pölich; S. 446, Naurath;
S. 456, Weiten, wo sich meist eine starke Mitwirkung des Carpentarius findet.
°) S. oben S. 580.
6) S. oben S. 515, Note 3.
■') S. oben S. 521, Note 4.
8) S. oben S. 564, Note 6.
^) Vgl. z. B. WWelmich 1507 : helfen ricken sticken lagen ist nit bisher noet ge-
schehen daselbst. Die erste Jagdfronde in Luxemburg findet sich erst im Wiltzer Erblehn-
recht von 1661, § 15. S. ferner WSchittingen und Waldweiler, 1549: wanne die herren jagen
werden, sullen sie die garn fueren, so weit die hern zu jagen haben; und ob sei gern pro-
viand oder sunst ihre notturft zu Trier wullen laissen holen, dergl. wiltbret heim laissen
fueren, sollen sei auch thun. WBuch 1551, G. 2, 199: so dick u. gn. h. jeger zu Buech
oder umb die gegent gejechts halber kemen, alsdan sollen die bevelhaber des gejechts bei
den hoevem iren underzugh und leger haben, sampt den honden des gejechts halben dahin
pracht; und die jeger mit den hunden ire speisung zu notturft bei den hoebern fordern
und gesinnen; und sol inen alsdan in keinerlei weis geweigert noch abgeschlagen werden.
ob es sach wäre, das die jeger wein zu solchem essen prauchen und weißbrot darzu haben
wulten, sollen dieselbigen jeger uf iren costen und nit des hoebmans schaden solches erkaufen.
Ungemessene Jagdfronde kennt dagegen schon das Hochwaldsw. 1546, G. 4, 715.
— 787 — Verwaltungsorganismus.]
schiedeiieu Abgaben, des ceiisus gegenüber dem servitiuni (Fronde) ^ last noch
gTöfser. Schon aus den ältesten Quellen, wie der Urbaraufzeichnung für Etain
vom J. 706 '^ oder dem Prümer Urbar des 9. Jhs. ^, ergiebt sich ein stattliches
Verzeichnis verschiedener Zinse, und dies Verzeichnis liefse sich aus späteren
Quellen leicht vermehren'^. Wie aufserordentlich detailliert die Fordeiimgen
der Grundherren auf diesem Gebiet waren, übersieht man speciell an einzelnen
besonders häufig vorkommenden Zinsartikeln, wie den Schweinen'' oder den
Hühnern^; wie stark aber auch die Neigung der Gehöfer zur Sonderung der
*) So unterscheidet das UPrüm, doch findet sich servitium auch allgemein für Dienste
und Abgaben, vgl. No. 33, 55, 60, 94, 96.
2) Guerard, Polypt d'Irminon 2, 341, VI.
^) Hier kommen die folgenden Abgaben vor : Brot, panis ; Mehl, farina (Bl. 10 a ) ; Bier,
cerevisia, cervisa; Malz, brat (Bl. 27 a), braz (28 a), braiz (29^); Wein, vinum; Honig, mel
(44a); Wachs, cera (19 a); Senf, sinapum (14^); Salz, sal (21a); Flachs, linum; Wollbündel,
troctae (23a); Scharlach, vermiculum (20^). Getreideabgaben werden allgemein mit annona
bezeichnet. Annona mixta ist eine Mischung von Gerste und Roggen. Weiter erscheinen
Spelz, spelta; Hafer, avena; Roggen, rogo (31»), siclum (28 1^), sigulum (28 a); Weizen,
frumentum (23^, Langethal, G. 1, 2, S. 337); Gerste, ordeum (.38 a). Sonstige Abgaben sind:
Hühner, pullus; Eier, ovum; Schafe, vervex (38a), ovis (47 1); Lämmer, agnus; Böcke,
multo (27 a), aries (35^); Schweine, porcus, soalis, sualis; Ferkel, i^orcellus (23a, lli^);
Frischlinge, friskinga porcina (27 a), vervecena (18 a); Pferde, caballus (20 a); Lachse, salmo
(47 1>); Blutigel, samsuga (42a), sanguisuga (48a). Die Waldabgabe wird allgemein als
lignarium bezeichnet (Erklärung des Ges. 1'^), näher erscheinen als derartige Abgaben Bau-
holz, materiamen (Erkl. d. Ges. 15^), Pfähle, palus ad vineam (17^), ad vennam (16^), pertica
(14^); Schindeln, scindula, und Scheithölzer, asihs (8a), sundelinga (46^); Tonnen,
tonna(14^); Ruthen, gardus (14^); Reifen, circulus (34^); Fackeln, facula (14^); Leuchten;
lucerna (46 b), luminare (47a); Lohbündel, daurastuva, dabrostobus (26 a, Cesar. Erkl. 1^).
Als Leistungen aus dem Betriebskapital der Wirtschaft sind zu nennen : Dünger, fimus (31 ^ ),
ferner die Überlassung von Mancipien zu Heu-, Ernte- und Weinbergsdienst, ad fenum,
messem et vineam (19 a u. s. f.) und die Durchwinterung des Viehes (48^).
*) Von eigentümlichen Abgaben seien noch besonders genannt Blutegel (UPrüm No. 96,
114), Schuhe und Socken (MR. ÜB. 3, 668, 1239), Pelze und Stiefeln (CRM. 3, 73, 1315),
s. auch USMax. S. 458, Oberemmel 9d: ^{2 mansus, qui solvit 30 coclearia Cornea; ein an-
derer 1/2 m. solvit lampadem in festo sancti Andree; ein anderer ^k m. solvebat mensam
abbati, pro qua nunc solvit (12 d.).
") Vgl. z. B. MR. ÜB. 1, 431, 1115, Lehmen: 5 victime porcine perfecte laudabiles,
1 lateraHs porcus, 2 porcelli; s. auch die Wörter Sualis, SoaKs und Donativus im UPrüm No. 1,
47, 74, 114 (dazu Cesarius S. 144 Note 1, auch oben Note 3); bezw. No. 44, 45, 46, 55, 72. Zum
Pensionsschwein speziell s. UlMettlach No. VHI, 12. Jh. Mitte, Waldwies 11c: porcus
unus 20 nummorum pretii a nobis eodem molendinario d(a)tur, qui saginatus 7 ebdomatibus 8 s.
pretii restituatur. Hierzu vergleiche man die Notizen über Bannmühlenschweine in WMettlach
1499, § 46: in der . . molen . . sullent sine 2 swine von werde alle beide zusamen 8 gl.,
usser den 2 swinen habe ein [Grundherr] maicht zu hoilen und uszunemen das allerbeste,
und von dem andern das smalz den kop den hals und die 4 leuffer ; von dem uberentzichsten
teil sal man vasnaichts braden machen vur die 14 scheffen, lehenmeiger und boden etc.
^) Hier werden namenthch Hühner und Kapaune unterschieden, vgl. UStift S. 414,
Kell: 8 gallinas . . 2 pullos; ebd. S. 427, Gierschenach: in messe 4 iuvenes pullos vel
2 veteres. Doch ist pullus MR. ÜB. 2, 363, c. 1200, identisch mit gallina. Vgl. auch noch
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 788 —
einzelnen Abgaben war, ergeben die zahlreichen, je nach Art und Zweck ver-
schiedenen Benennungen der vorkommenden Geldzinses Und nicht minder
verschieden war die Form der Abgabe; so wurde z. B. Geld nicht selten in
besondern neuen Börsen geliefert^; an andern Stellen wurde der Geldzins
wohl einem Opfer gleich in eine besondere Opferschale geworfen^. Gleich-
mäfsiger verlief dagegen die Zinsung von Getreide ; hier scheint stets gehtäuftes
Mafs gefordert worden zu sein"^.
Es begreift sich, wenn sich gegenüber dem Gewirr von Zinsarten und
Li eferungs weisen bald das Bedürfnis geltend machte, die überall ^ vorkonnnen-
den Zinse in Kategorien zu bringen. So unterschied man zwischen den kleineren
und gröfseren Zinsen, indem man erstere als ius minutum dem Getreide gegen-
überstellte ^, oder man sprach von Grundzinsen, gröfseren Zinsen, welche be-
stinnnt radiziert ersclieinen "^ , gegenüber den freien, nicht oder wenigstens
WSchönfels 1682, § 36: das lieferhaftige Huhn mufs auf den Gatter fliegen können (dazu
Bd. 2, S. 7) und WKrittenach und Obermennig, G. 2, 118: hoener oder hauen, wie der arm
man die uf der misten zeugt. Zum Pensionshuhn s. WWiltingen 1495, §6:6 Zinskapaunen
sollen macht haben zu gehen, d. h. in Pension bleiben in der Bannmühle von Remigius biä
zu Weihnachten SJohannis Tag. Erst dann kommen sie nach Mettlach.
^) Vgl. dazu z. B. Cesarius zum UPrüm S. 180 Note B, auch unten S. 796 Note 6).
^) *Scheckman Spec. feud. F. 1 : die Isenburger erhalten aus Rübenach 4V2 mr.
Brabantinas in una nova bursa.
^) Verzeichnis der SMartin entrissenen Güter, ca. 1000, hier nach Trier Stadtbibl.
1413 S. 36: est ecclesia cum villa Cardiniacus dicta in ripa Moselle non longo hinc posita,
qup etiam cum suis appenditiis sancti Martini taliter dinoscitur esse hereditaria: siquidem
arbor fraxinus in atrio ecclesie ipsius quod multi nostrorum viderunt steterat, sub cuius
frondibus marmorea columna altitudinem et latitudinem unius pedis concavum demonstrarat.
singiüis ergo annis consuetudo erat hominibus loci illius in festo sancti Martini huc con-
venientibus, [ut] censimi suum huic marmori infundendo tunc demum profiterentur persolvisse,
cum cumulum nummorum nudatus ensis potuisset eradere.
*) S. Bd. 2, 487.
■^) So viel ich sehe, unterscheidet nur das WAhn 1626, § 14, Gehöfer, die Zins geben
und solche, die keinen geben. Im übrigen ist gerade Gehöferland stets Zinsland, vgl. Ennen,
Qu. 1, 476, 21, 1022: von V2 mansus auf dem Martinsfeld (Köln), der zu Grofsmartin gehört,
solvitur et villico in Rodinkircho mir. avene, quo per hec non dubitetur, predictam terram
ad eiusdem ville ciuiam pertinere ac eam tenentes omnis iuris debitores ibidem esse. CRM.
2, 213, 1264: zwei Güter in Valendar non . . feodalia, sed censualia ad duas curias, ad
cuiiam videlicet domni episcopi Treverensis, que sita est in Insula, et domni comitis de
Nassowe, que sita est in Valendra.
^) MR. ÜB. 2, 103, 1190: a . . universitate proventuum totam annonam et iura minuta
excipimus ; USMax. S. 453, Rübenach : census minutus ortorum et mansionum. Im *Rot. censuum
Maximin. Trier Stadtbibl. 14. Jh. Anf. ist Ius parvum, minutum = Hühner- und Eierzins. —
Man spricht wohl auch bei den l^ronden von Minutum opus, vgl. USÄIax. S. 432, Schüttringen;
s. auch ebd. S. 434, Mamer: pro stipitibus et aliis minutis iuribus.
'^) So *WLonguich 1512, Arch. Maximin. 8, 36. Daneben bedeutet der Ausdruck Grund-
zins, census fundalis, freilich auch den spezifisch grundhörigen Zins, so z. B. WDahlheim bei
Remich 1472, § 7 : min herre von sanct Maximin halt hinnen [= sich] behalden in dem hove
die gruntzinse zu gezuchniß, daß er ein grundherr ist. und die zinse der erbschaften, die
— 789 — Verwaltungsorganismus.]
nicht auf grundhörigeni Boden radizierten Zinsen ^ Indes alle diese Unter-
schiede erscheinen stets mehr oder minder flüssig, und sie mufsten dies sein,
weil eine durchgängig identische Veranlagung und gegenseitige Beziehung
der Zinse nicht erreicht ward.
Zwar findet sich urkundlich hier und da ein Ausdruck, welcher wenigstens
die Empfindung des Bedürfnisses wiedergiebt, einen vollumschriebenen, all-
gemein gültigen Begriff für die Leistungshöhe der hörigen Hufe zu besitzen, so
z. B. plena servitus oder oblata^, indes im allgemeinen lagen die thatsäch-
lichen Verhältnisse zu verwickelt, war ferner das Abstraktionsvermögen nicht
stark genug ausgebildet, um einen solchen allgemeinen Begriff aufkommen zu
lassen. Das einzige, was erreicht wurde, war, dafs man gewisse kleine Zinse,
namentlich Hühner und Eier — eben das oben genannte ius minutum — in
ihrer Höhe auf andere Zinslieferungen, Getreide mit besonderer Vorliebe
Hafer ^, oder Wein* veranlagte. Im übrigen aber ist es zu einer Anordnung
der Zinse nach einheitlichen Gesichtspunkten nicht gekommen.
Sehr begreiflich, dafs dann die Beziehung aller Zinse auf ein einheitliches
gi'undhöriges Substrat ebensowenig gelungen ist. Indes liegen die Dinge hier
doch klarer, als bei der Veranlagung der Fronden. Die ursprüngliche Ver-
anlagungsgmndlage war natürlich die Hufe'"'. Mit ihrem Verfall im 12. Jh.'^
in hen-nhant ligent, die sal er vorabe lieben, e der foither sin schaffc. Ebenso ist census
fundalis im *ürbar der Kellnerei P'ell von 1512, Arch. Maximin. 5, 1043 f., gebraucht.
^) *USMax. 1484 Bl. 6^, WSauerschwabenheim : hait och der apt daselbes sin frie
zinse, mit namen cappen, huner und gelt; MR. ÜB. 3,570, 1236: ein Jude giebt in Trier von
4 Häusern an SSimeon Zins 26 s. Treverenses, et quattuor cappones in carniprivio tamquam
de re censuali.
2) MR. ÜB. 1, 351, 1058; üSMax. S. 448, Stedem: mansus plenicensualis, somicensualis ;
UWincheringen, MR. ÜB. 2, 363 f., um 1200.
^) Vgl. WMorchingen 1494, § 2: also manche mir. even also manche hone, 12 eiger,
und also veil mir. even also veil pennick; WBech 1529, G. 2, 68—69: also manchen vierlingh
fhaber) man da hieb, also manche eighe, und also manchen ferdelingh, und also manchen
froendienst; also manchen vierdelingh, also manchen planken; und ein planken solle sieben
schoe langh sein und 2 schoe dick und 2 schoe breit; und vier vierdelingh ein hoen.
WOberdonwen 1542, § 10: pringt ein mir. [zins-]haber, 1 hoene und 7 eiger darzu; WRans-
bach 1532, G. 2, 36: weiset der scheffen m. gn. h. jerlichs 18 mir. habems; und ie zu
dreien sestem ein hune; auch als mangen sestern habem, als manch zwei eier darzu, von
iclichem ei ein stecken zu zeunen für m. g. h. guter. — Für Mischkorn bezw. Weizen vgl.
*WLonguich 1512, Arch, Maximin. 8, 36: 3 fircelle utriusque [fructus] dant unum pullum;
WGostingen und Kanach 1536, § 16: ein iglicher sester habern und weizes pringt und macht
ein eiger und sexce hoener. Zu Eiern und Flachs s. WGreisch [b] § 6, Hardt 8. 296.
*) *WSPeters Hochgericht zu Riol, 1460, Arch. Maximin. 9, 596, § 5 : weist der scheffen
für recht, nemblich von einer ahmen weins ein sester und zwei hüner und zehen aier. item
vor sanct Brictius tagh rieht man die hafer und nach sanct Brictius tagh sol man die hafer
heufen.
^) S. oben S. 369 und 661, auch Hanauer, Paysans S. 57 f., 68.
ß) S. oben S. 368 f., auch schon Ed. Pist. 864 c. 30, MGLL. 1, 495—6.
[Wirtschaft d. Grofsgnmdbes. — 790 —
iniifste, SO scheint es, auch die Zinsveranlagimg verfallen — und kein
Zweifel, dafs diese unabweisliche Folge vielfach eintrat. Allein es machte sich
hier doch ein Unterschied zwischen der Entwicklung der Fronden und der
Zinse geltend. Die Fronden, einheitlich in Person oder in persönlich bei-
gestellten Arbeitskräften zu leisten, mufsten notwendig auf die neuen Teil-
besitzer alter Vollgüter veranlagt werden, die Zinse, in ihrem Betrag sehr
wohl zerlegbar, konnten ohne Schwierigkeit durch Beiträge der Tejii^esitzer
insgesamt geleistet werden. Zudem war die Auffassung, dafs eine Zins-
genossenschaft den Gesamtzins eines Zinssubstrats zu zahlen habe, nicht
neu: nicht selten und schon früh erscheinen sogar ganze Fronhofsgenossen-
schaften zur gemeinsamen solidarischen Zinszahlung verpflichtete Dem-
entsprechend bilden sich nunmehr Zinsgenossenschaften der alten Hufen-
güter aus mit einem Hauptmann oder Lehnsträger an der Spitze, der an erster
Stelle verantwortlich war^, und die Zinslieferung erfolgt im Durzins gemeinsam
und einheitlich an den Grundherrn^.
War dies das mehr im Osten unseres Gebietes herrschende System —
neben welchem freilich, wie auch im Westen, die Veranlagimg der Zinse auf
kleinere und ungewissere Einheiten, z. B. das Hausgesefs, sporadisch herlief*
1) Vgl. MR. ÜB. 1, 385, 1042—47. Auch aus der Höhe der in der Umgebung von
Mettlach fälligen und wohl direkt ins Kloster abgeführten Zinse von 6 Hufen (UlMettlach
No. 23) ergiebt sich, dafs dieselben gemeinsam von den Gehöfern gezahlt werden mufsten,
so dafs unter ihnen ein Zahlungsverband existieren mufste. Ähnlich steht es mit UKarden
11. — 12. Jh., Bittelsdorf. Aus späterer Zeit vgl., aufser dem wichtigen Zeugnis im WErpel
1383, § 25, G. 5, 332—33, *WOberemmel 1373, Arch. Maximin. 4, 568, § 4: so weisen wir
usser dem dorf und gemeinen zu Emmel alle jähr ein handrichtung von fünfzehen mir. rocken,
fünf pfund pfenning Trierischer wehrung, und als mannig huen also manig feurstat zu Emmel ist,
zu Zeiten der herrschaft von Meisenburg, die nun inhant die von Clerf und der von Monklar.
und were sach daß das dorf Emmel also arm und verwüst wäre, daß unser herr der abt vurg.
des obangezeigten schaifs nit da haben künt, so sol derselbig unser herr der abt inen den
roeken von seim Speicher und das gelt außer seiner kisten handreichen der obg. hen'schaft.
Ferner s. *WLonguich 1512, Arch. Maximin. 8, 36, § 3: retulerunt scabini, quod si domino
defectus fuerit in summa census fundalis, videlicet ut nee habeat fundum in manu sua nee
census sibi daretur, tunc debent scabini omnium perlustrare agros istum censum solventes,
et unicuique summam suam augmentare vel minuere, donec dent quod iustum fuerit, et domini
summa perfecta fuerit. WHüpperdingen § 17 : die Grundherren haben jährlich 24 gl. schaft,
außerdem 26 gr. zins ; und wer auch sach daß nit dan 3 menschen in dem hoebe H. weren,
so sollen die herren von P. [die Grundherren] den vurg. thienst haben allewege als obstelit,
schaff und zins.
2) Zur Veiioflichtung des Hauptmanns findet sich eine sehr charakteristische Stelle im
WBetzing, G. 2, 478 : wanhe ein hoiber hette hundert morgen und behelt einen morgen davon,
ist derselbig dem hofshera seine gerechtigkeit zu geben schuldig; wan solches nit geschehe,
mag der hofsher die hinderste thuir an bis zu der födersten umbschlagen und damit thun
seines gefallens.
3) S. oben S. 370 Note 2, S. 452: dazu noch Bd. 3 Wortr. u. d. W. stam, und
UWincheringen, MR. ÜB. 2, 363, c. 1200.
*) S. oben S. 376; WGrevenmacher 1252, § 1 u. 2.
791 — Verwaltuiigsorganismus.]
— SO schritt man im Westen melir zur Auflage der Zinse auf den einzelnen
Morgen bezw. das Viertel Land zu 16 Morgen^; ja es konnte auf Grund
solcher neuen Yeranlagimg , wie sie seit dem 13. Jh. auftritt, geradezu zu
einer sicheren Ausbildung kleiner Güter vom Viertel- bis Drittelinhalt der
alten Hufe - kommen.
In diesen späten und seltenen Fällen läfst sich natürlich die Höhe der
Zinsbelastung für den Morgen sehr genau angeben : die jetzt eben aufkommen-
den Pachtformen, welche den Grundbesitzern erst den Gedanken eines
rationellen Rentengenusses aus dem Grund und Boden entscheidend nahe
legten, wie die verständige Konstruktion des grundherrlichen Erbzinsgenusses
im Nordosten Frankreichs, im Gebiete der Loi de Beaumont, mögen hier
wesentlich zur Läuterung und Vereinfachung der Belastung beigetragen haben.
Aulserhalb dieses Kreises aber ist es um so schwerer, sich über die Höhe der
Belastung überall gleich sichere Vorstellungen zu machen. Es bedarf nur
eines kurzen Überblickes der in Bd. 2, 188 ff. zur Belastungshöhe der gmnd-
hörigen Hufen zusammengestellten Nachrichten, um schon aus der Ungieich-
mälsigkeit der Angaben, der Verschiedenheit der Zinsarten, der Differenz der
Malse und Gewichte, der mehr oder minder problematischen Art der Auf-
zeichnung den Schlufs zu ziehen, dafs sich eine Reduktion dieser Angaben
auf den gleichen Nenner und damit ein befriedigender Vergleich derselben kaum
ermöglichen läfst. Und gesetzt auch, man könnte alle Zinse nach den sonst
vorhandenen Preisangaben auf Geld- bezw. reinen Silberwert bringen: weder
die wirkliche Einnahme der Zinse in älterer Zeit steht der Regel nach sicher^,
noch ist es wahrscheinlich, dafs die Zinslieferungen auch nur annähernd in der
^) WCessingen 1242: hereditavit . . dominus de^Meisenburch B. de Rodiche, hominem
(Arnokli de Rupe), in quaüior iiigeribus terre; pro hiis tenetur [B.] sibi [sc. domino de M.]
servire cum duobiis aratris per imiim diem, et vecturam vini . . , que dicitur enger. UMarien-
thal 1317, S. 322: bona de (Schifflingen) . . continent 82 quartalia tarn in pratis quam in
campis arabilibus, et quodlibet quartale continet tam in pratis quam in silvis 16 iugera terre.
quodlibet quartale terre solvit in festo pasche 4 ova cum dimidio et pullum 1, et . . tenetur
in maio pro exactione 2 s. Treverensium d. et in auctumpno tantum. quodlibet quartale
tenetur 1/2 mir. siliginis et V2 mir. avene et 3 sext. tritici . . . villicus et forestarius, quilibet
eoram recipit iura 2 quartalium. Dies ist die Ordnung nach der Loi de Beaumont. S. ferner
noch WKenn 14. Jh. 2. H., § 13, G. 6, 547; USMax. 1484 Bl. 89 a, Kenn, cit. oben S. 448,
Note 5.
2) *WBarweiler 1484, Archiv. Maximin. 1, 567 Zusatz : habet monasterium sancti Maximini
in Barweiler 77 feudalia sive lehengueter, und jaiirlich etwedes lehen gibt V2 simmer haber
5 hl. und ein huen etc. ut supra. item hat ein ieder lehensman nach erkantnus der
scheffen fünfzehn morgen lants walt und zäun, nemblich ahn wiesen, feit, buesch, hecken
und änderst etc.
3) Vgl. MR. ÜB. 1, 832, 1042—1047, wo geradezu ein Fall längerer Zinsverweigerung
vorliegt. Wie die Gehöfer die Dinge ansahen, zeigen viele Weistümerangaben in der Art des
WSabershausen 1537, § 3: so verhoeifen sie [die Gemeinde S.], das (die Herren von Karden)
sallen inen geneigt sin und inen ... an der vurg. habern etwas . . nachlaessen sahen.
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 792
Qualität der marktreifen Waare erfolgten ^ Zudem aber unterlag die Zins-
höhe der gnindhörigen Güter im Laufe der Zeit Abänderungen, welche mit
einem gerechten Ausgleiche des etwa hinter der Steigerung der Ertragsfähigkeit
zurückgebliebenen Zinssatzes gegenüber der neueren Ertragshöhe nur wenig
zu thun hatten. Die vorkommenden Steigemngen, wie sie die Grundherren
natürlich liebten, waren vielmehr durchaus willkürliche ^ wie schon aus dem
an sich unveränderlichen Rechtscharakter der gewiesenen Zinshöhe folgt;
und nur spät und selten wird ihnen gegenüber seitens der Gehöferschaft ein
Mittel der Restriktion entwickelt^.
So bleibt zur Emierung der Zinshöhen nichts übrig, als sich an die in
voller Reluition zu Geld oder sonstwie ausnahmsweise sicher erhaltenen An-
gaben, wie sie meist die Fronlasten zugleich umfassen, zu halten ; eben dieser
Gesichtspunkt ist für die Berechnung in Bd. 2 S. 615 und für die dieser Be-
rechnung zu Grunde liegende Quellenauswahl mafsgebend gewesen. Über die
auf diese Art erhaltenen Resultate ist schon oben S. 620 gesprochen und
wird noch später in Teil 3 dieses Abschnittes zu handeln sein; hier sei nur
die Bemerkung gemacht, dafs die Zinse schon seit der Karolingerzeit im
ganzen nicht übermäfsig hoch erscheinen.
Aber wurden sie auch prompt eingeliefert? Und welche Zwangsmittel
für ihre Beitreibung standen den Grundherren zur Verfügung?
Die Antwort auf die erste Frage lautet ^ soweit eine Kontrolle möglich
ist, überraschend günstig. Wo eine Gehöferschaft überhaupt bereit war, zu zinsen *,
^) Man vgl. nur den Preisunterschied zwischen Zins- und Bedwein und eigenem Wachstum
in den köhiischen Einnahmen zu Rhens, 1277—1291, Bd. 3 No. 205.
2) Daher für Abgabe nicht selten der Ausdruck torsio oder extorsio, vgl. Bd. 3 Wortr.
u. d. WW. extorquere, torsio. S. ferner AV4Banngedinge, G. 2, 182: wan einer wehre,
welcher lehengueter verkaufen oder vertauschen wil, so sol ers thun mit vonvissen und
willen des lehenherrn und des hübeners ; unt der hübener sol daz uf diesen heutigen tag vor-
bringen, uf daz ein verbesserter zins uf daz verkauft oder vertauschte gut gelegt werde, unt
wan das verkaufte oder vertauschte gut wieder einkombt in daz hauptgut, daraus es hiebevor
genommen ist, alsdan ist der gebesert ziens ab, unt eher nicht.
^) "WFrisingen 1541, G. 2, 250 — 51: so ein hoebsmann vermeinen wolt, er geb von
seinem erbe zu viel zins und beschwernüs, dan sol der herr und hoebman das erb und guet
mit urkunt deren scheifen und des hoebmans erben messen von einem ende zum anderen,
nichts wenig oder viel unterwegen gelassen, dan also nauw in das maß geschlagen, daß man
den herte, da der hoibsman sein fuer ufmachen muß, gemessen, und nit also [vil] fries erbs
hab, dafs er sein fuer daruf mugt stellen, und foedern darus zins machen, es were dan daß
er mit denselbigen scheffen wisen muegt, daß er erbe hette umb einen sonderlichen zins dem
herm tliinen; und wamach dan der arme man erbe und guet hette, und wie sich an den
roden und maissen erfeindt, darnach sol der amie man zins geben und vernugen.
*) Das war allerdings durchaus nicht immer der Fall, vgl. oben S. 791 Note 3, femer
MR. ÜB. 1, 514, c. 1140. Ein besonders lehiTciches Beispiel, wie den Klöstern Zinse verloren
gehen konnten, bietet das WBerg bei Remich 1484 — 5. In Berg gab es noch SLut^'insgüter,
aber der Zusammenhang mit Mettlach war längst gelöst, das Dorf war untergegangen, das
die Zinse zahlte, sein Land hatten jetzt andere HeiTen, die von SLutwin nichts wissen
wollten.
— 793 — Verwaltimgsorganismus.]
da liefen die Zinse mit grofser Regelniälsigkeit eu\\ so dafs das Einnahine-
budget keinerlei grolsen Schwankungen ausgesetzt war.
Indes finden wir gleichwohl überall umfassende Mafsregeln getroffen,
um die volle Zinsleistung der einzelnen Gehöfer, die sogenannte Garzinsigkeit
der Hufen ^ zu verbürgen. Diese Mafsregeln gegen Zinssäumnisse laufen ent-
weder auf die Zahlung von ohne weiteres zu erhebenden Konventionalstrafen,
oder auf die Einleitung einer gerichtlichen Beitreibung hinaus. Die bezeich-
nendste Form für das erstere Verfahren ist die Einführung des Rutschpfennigs ^,
für das letztere die Verfronung ■*, doch kommen vielfache Mischformen vor,
deren Darstellung im einzelnen aufserhalb unserer Aufgabe liegt •^. Das gericht-
1) Vgl. Bd. 2, 219, No. ß. Auch die *Weinzinse in Detzem, 1340 und 1345 ver-
zeichnet, vgl. Arch. Maximin. 2, 431 f., 440 f., ergeben sich innerhalb dieser fünf Jahre bei
einer Zahl von mindestens 100 Parteien als fast absolut unverändert, nur bei einem Zins von
4 sext. ^/2 sexcella und 1 pinta ist 1345 zugeschrieben Nb. hoc est dimissum.
2) WSteinecken 1506, G. 2, 399|: ein gut garzinsigh machen: die pächt oder zins, so
darauf stehen, bezahlen, das churmit geben. Ebenso WScheidweiler 1506, G. 2, 389.
3) WHillesheim § 9, G. 6, 587: wie derjenige zu strafen seie, welcher uf diesen tag
seinen zins nit bezalt? antwort: . . demselben wird der zinsze von tag zu tag verduppelt.
also da einer uf diesen tag salle bezalt haben 1 alb., derselbe ist morgen schuldig 2 alb.,
iibermorgen 4 alb., uf den dritten tag 8 alb., uf den vierten tag 16 alb., uf den fiinften tag
32 alb. und also fortan. WBuch 1551, G. 2, 199: beweisen die schultheiße und scheifen,
das under 16 hoebspersonen und hausgesessen (welcher 7 des heimgerichts scheffen sollen
sein) des ersten dinklichen tags alle und iedere besunder geben liefern uud bezalen sollen
ein som. habern, sampt dreien raderhl. von iren hoebsguetern. und im fal das sie solche
haber und zinsgelt nit gehantreicht, so sollen die hoebere, welche noch solchen zins pflichtig
waren, gleich des andern taghs darnach in doppelheit bezalen; so aber solche doppelungh
nit des zweiten taghs ausgericht wurt, soll auch solche doppelung sampt dem hauptzins von
tagh zu tagh an ufhorung in doppelfeldigung verzinst werden.
*) WOckfen 1325, § 11: si aliqua bona pro censu neglecto et non soluto devolverentur
ad ipsum monasterium ex decreto seu sententia scabinorum . . . WDörnbach 1508, G. 2,
807 : wan ein arm man seümig wäre auf sanct Remigius tag und nicht gebe seinen zins, wie
er schuldig were, so sollen u. Junkern ihn mit recht und gericht annehmen, und nicht mit
gewalt, sofern er seßhaftig were. WDünchenheim 1521, G. 3, 816: pfecht und zins ist man
schuldig zu sanct Martins tag. da ein man seumig würt und nit Hebert, sol ime der schultes
die guter verpieten drei gedinglicher tag. kompt der man nit binnen den dreien dingtagen
und legt allen schaden ab, sol ihme der schultes die guter under der frauwen pflüg schlagen,
brauchen, bessern, wie ire eigene guter also lang, bis daß kompt der man und legt allen
kuntlichen schaden ab und bit darumb, sol die fraw inen wiederumb belhenen, als were es
nit gewesen.
•^) Vgl. hierzu wie zur Behandlung der Zinssäumnis überhaupt WErpel 1388, § 4,
G. 5, 328—9; § 26, G. 5, 333; WBischofsheim 1402, G. 2, 38; WSchweppenhausen 1407,
§ 2; WWeiden 1478 Schlufs, G. 2, 137-8; WRoden 1484, § 18, Lager S. 234; WRüdes-
heim 1488, § 6, G. 4, 734; WGedscheid 1491, § 8 u. 9, Lager S. 284; WOberheimbach
15. Jhs., G. 2, 228; WBiebern 1506, § 10, G. 2, 191; WOberelbert 1507, § 3, G. 1, 609;
WBavengiersburg 1509, Thomasw. § 7, G. 2, 178—9; WTreissen 1526, § 3, G. 4, 643;
WFaha 1529, G. 2, 66; WMengerschied 1539, § 2, G. 2, 173; WSchillingen und Waldweiler
1549, G. 2, 123; WHottenbach 1558, § 16 u. 17, G. 4, 720; WRittersdorf 1565, § 7 u. 28,
Hardt S. 608; WStruht 1565, G. 6, 482; Notizen der Linzer Äbtissin 16. Jhs., G. 1, 624;
L amp recht, Deutsches Wirtschaftsleljen. I. 51
[Wiitscliaft tl. Grofsgrundbes. — 794 —
liehe Verfahren fand dal)ei vor dem gehöferschaftlichen Bauding statt ^; ge-
nügte die einfache Verfronung nicht als Strafe bezw. Zinsersatz, so wurde auch
das sonstige Eigentum des Schuldners haftbar gemacht^. Ja in einzelnen
Fällen ging man nach den verschiedensten Richtungen hin noch weiter;
es findet sich z. B. der Fall, dafs für restierende Weinzinsen, abgesehen
von einer Bufse des Schuldners, an zeitlich erster Stelle die Wirte des grund-
herrlichen Verbandes haftbar gemacht wurden. So iemants were, heifst es
im WTrittenheim bei Grimm 2, 324—5, der unserm hern [von SMattheis] seine
zins zu gepurlicher zeit und im herbst nit enliebert, oder solchen zins mit
frevel verhelf, denselbigen weisen wir boeßfelligh und streflich. und sal unsers
herrn dhiener alsdan gähn bei drei wirth zu Trittenheim, nit mit dem minsten
und auch nit von dem meisten gelt, und solle so viel weins kaufen, als nhun
der zinßbar man schuldigh ist und damit unsers hern faß fhüllen. und dar-
nach sol der zinßbar man, der da schuldigh ist, nach sent Mertinstagh nach-
WChorweiler 1602 G. 2, 194; WHalsenbach und Bickenbacli 1647, G. 2, 238; WBendorf 1671,
§ 3 f., G. 1, 613; WIrrel 1699, § 2; WSchönfels 1682, § 20, 24, 27, Hardt S. 678—4;
WEhrenberg § 5, G. 3, 770; WGemünden, G. 2, 170; WHirzenach, G. 2, 232; WJohannis-
berg, G. 1, 552; WKreiiznacb, G. 2, 152; WNeumünster, G. 2, 36; WRavengiersburg, 4 Bau-
gedinge § 10, G. 6, 506; WBlidesheim § 3 u. 4, G. 2, 161-2; WSternberg § 2, G. 2, 233;
WWinterburg, G. 3, 768. Dafür, dafs Verfronung gar ohne gerichtliches Verfahren aus-
gesprochen werden konnte, vgl. WKenn 1493, G. 2, 314—5; WScheidweiler 1506, G. 2, 389:
WNiederbachem 1553: wan ein hübener nit bezahlt oder ungehorsamb ist, sollen die Junkern
dem hübener die hübe verbieten, bis daß er gehorsamb wirt und bezahlt, und damit strafen.
WEppeldorf § 15 : wan ehe die hofserben ihre zins nit usrichten zu ihrer gebührlicher zit, so
sal min ehrw. her zu Echternach band an den gi^ond sclilan, der grond sol sinen pand sin.
1) Einen guten Einblick in dasselbe unter Vergleich von WWincheringen 1494, § 5 u. 6,
Hardt S. 745, und WWincheringen 1663, § 10, gewährt WWincheringen 16. Jhs., § 2, G. 3,
787: dweil obg. herren zu sanct Simeon unsere gruntherren sin, weisen mir in och darumb
irre grüntzense; und were sach das iemand in siner zens sümig wurde und die herren nit
entricht, so han mir meiger und gericht von wegen unser herren drei geschworen tag. mag
der gemelt schulder uf den ersten tag betreifen sin zens ein pfants libberen, einer quart wins
wert ist, uf den anderen tag sol er sulchen pfant besseren und nit ergeren. kompt er aber
vor dem dritten tag und bezalt sin herren, sol im der meiger sine pfende sonder uncost
widdergeben, erwart er aber des dritten tags, sol er brengen die zens in einer band und
den herren die boeß in der anderen, so er dan darüber usbelipt und kein entrichtung kan
oder wil thun, so weist der scheifen, der meiger sul pfent in gedachten schulders haus
nemen laessen und den herren bezalung verschaffen; vindt er nit pfent im haus, sol erden
stal besuechen, von dem stal an moebel uf dem velt, vindt er dan och nit moebel, sol ers
erbguet antasten un den herren irre zens machen, darbei sol sulcher man von sinen herren über
hundert jare und einen tag nit enterbt werden mit bezalung und ablegung aller der forderen
und mitteler zit ufgewachsenen zinsen. Vgl. dazu USMax. 1484, Bl. 11 1>, cit. Bd. 2, 647,
Note 1.
2) S. WEslingen 1588; vgl. auch die interessante Stelle im UStift 426, Münstermaifeld :
wer seinen Zins vom Hofgut nicht zahlt, indutias habet dandi censum 6 ebdomadas, antequam
publicetur. si infra publicationem homo moritur, quicquid ad ipsum a parentibus suis
hereditario iure devolutum est, quicquid habet allodii, excepta dote uxoris sue, transit in
salicam terram curtis archiepiscopi.
— 795 — Verwaltungsorganismus. I
gelicMi und sol den wirdeii den wein bezalen und aueh die boeß dem
schultessen^
Gegenüber all diesen Schwierigkeiten der Zinssäuninisse wäie nun das
sieberste Mittel an sich der Abkauf gewesen. Er wird gleichwohl im ganzen
Mittelalter, so viel ich sehe, kaum angewandt, aus dem einfachen Grunde,
weil die Gehöfer an den Herrn nicht nur wirtschaftlich, im Sinne von Land-
pächtern, sondern auch rechtlich als Grundhörige ge])unden waren. Die recht-
liche Abhängigkeit aber zugleich mit der wirtschaftlichen durch Abkauf auf-
zuheben, konnte aus später zu entwickelnden Gründen wenigstens vor dem
13. Jh. nur selten im Interesse der Grundherren gelegen sein. Bliel) so der
Abkauf unausführl)ar, so war doch in der einheitlichen Zurückführung der
Zinse wie auch der Fronden vornehnüich auf Geld, der Zinsreluition, ein Weg
gegeben, die Zinslieferung zu vereinfachen und damit wohl auch manchen Vor-
wand für die Zinssäunuiis auszuschliefsen.
Freilich wurden auch Reluitionen^ noch bis ins spätere Mittelalter in
relativ nur geringer Höhe vorgenommen, denn auch ihnen standen bedeutende
Hindernisse entgegen: die Unsicherheit des Münzfufses, die Verschiedenheit
der Geldsorten in den verschiedenen Fronhofsbezirken gröfserer Grundherr-
schaften ^, die in den Quellen schon früh angedeutete Erwägung, dals mit
dem Sinken der Kaufkraft des Geldes Reluitionen auf Geld an Wert ver-
lieren könnten'*. So begreift es sich, dafs man, ungeachtet mancher frühen
Reluitionen^, doch noch bis ins spätere Mittelalter hinein bei gröfseren
Gütern fast durchweg Zinskomplexe in natura antrifft ^\ Doch nahmen im
1) S. dazu *WSPeters Hochgericht zu Riol 1460, Arch. Maximin. 9, 596, § 6: weist
der scheffen den kornzins mit dem wein zu bezahlen und mit der boussen; und wer an der
bezahlung des weins im herbst säumich würde, weist der scheifen, daß der säumigh sol den
wein bezahlen, wie er zu sanct Johanns tagh zi: Trier am zapfen gilt, nit zum höchsten noch
zimi wohlfeilesten, ungefehrlich.
2) Das lateinische Wort ist Redemptio, vgl. Cesarius zum UPrüm S. 184, Note B;
*Paris Natbibl. 11104, Bl. 1, Echternach, nach 1155: 5 s. ex censu, 12 d. pro redemptione
lini ; USMax. S. 453, Rübenach : de redemptione arantium 8 s. Colonienses. — Zum folgenden
s. auch V. Maurer, Fronh. 1, 357.
3) S. Bd. 2, 381.
*) S. Cesarius zum UPrüm Seite 184, Note B; aus späterer Zeit Scotti, Chur-Trier
1, 578, 1602; vgl. unten S. 796 Note 5.
^) S. Bd. 2, 107—8, 158.
^) Vgl. z. B. Ennen, Qu. 2, 106, 97, 1236; *Trier Stadtbibl. 23, Cod. 1, Bl. 112\
SMaria ad martyres, 13. Jh. 2. H.: habemus (prope Bidburg) curtem, ad quam pertinent
certe croade cum octo mansis et dimidio. dimidium mansum recipit advocatus pro iure suo
libere et absolute a censu sed non a decima. residui octo solvunt monasterio pro censu
12 mir. grani et 6 mir. avene et integram decimam. de avena recipit advocatus tria mir. item
in die sancti Stephani cedunt monasterio 62 panes meliores et puriores, sicut opidani in
mensis suis comedunt; de quibus recipit advocatus dimidietatem. item 16 s. censuum, de
quibus primo monasterium recipit 30 d. reliquam pecuniam equaliter dividit cum advocato.
S. ferner Bd. 2, 214, No. 6, 14. Jh. Anf.; Ilonth. Hist. 2, 109, 1326: der SFloriner Hof in
51*
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 796 —
Laufe der Zeit die zwingenden Gründe fiir eine Reliiition an Zahl immer
mehr zu. In älterer Zeit hatte fast nur eine vom Fronhofe ganz besonders
ferne Lage einzelner Hufen zur Reluition nötigen können^; nunmehr waren
die zunehmende Zersplitterung an sich nicht teilbarer Zinse, z. B. der Tier-
zinse^, der Einflufs der neu entwickelten Geldwirtschaft im Umkreis gTofser
Städte^, die wachsende Wertlosigkeit der Fronden bei Verpachtung oder Ver-
äufserung des Beundelandes* ebensoviele Aufforderungen, eine Reluition der
Zinse und Leistungen eintreten zu lassen.
Gleichwohl schritt man nur sehr ungern zur endgültigen Reluition;
meist wiu'de die Wahl zwischen Naturalabgabe und Zins vorbehalten, oder die
Möglichkeit einer Auswahl zwischen verschiedenen Zinsarten festgestellt^;
erst spät finden sich häufiger reine Geldzinse, deren specifische Benennung
meist noch auf die Art der reluierten Naturallast hinweist^. Noch später
kommt es endlich zur Fixierung schwankender Abgaben, wie es die Zehnten
waren ^, oder periodisch verschieden hoher Zinse, me sie die Dreifelder-
wirtschaft mit sich brachte^, in reinen, sich gleichbleibenden Geldabgaben.
Übersieht man das gesamte Reluitionswesen , so läfst sich nicht ver-
kennen, dafs auf diesem Gebiete, trotz mancher vielversprechender und früh-
liegender Anfänge, im Laufe des Mittelalters nur wenige Fortschritte qualitativer
wie quantitativer Art zu verzeichnen sind. Sollten die Grundherren geahnt
Mayen hat an selbstbebautem Lande 60 iurnalia terre 4 prata; an census 7 s. d., 6 mir.
12 som. siligo, 6 mir. partim ordei et partim avene, 1 anser, 4 pulli. Für weiter s. Bd. 8,
505, 1340; Bd. 2, 217, 1342; Bd. 3, 303, i9 f., 1499; Bd. 2, 231, No. ß, 1503 c.
1) UKarden 11.— 12. Jh. Alflen; USMax. S. 449, Kittersdorf.
2) S. *Bald. Kesselst. S. 448, 1350: in Kobern uf der Nette ein zins von drei und
dreißich eiere und daz drittedeil von eime eie. S. auch Bd. 2, 210 No. y; 222 No. C-
3) Lac. ÜB. 1, 136, 209, 1067; Ennen, Qu. 1, 574—5, 87, 1176; 2, 93, 84, 1224:
Guden. CD. 2, 948—49, 1249.
*) S. z. B. USMax. S. 453, Rübenach, cit. oben S. 795 Note 2. Abgelöste Corvadae äufserst
häufig im ULuxemburg, z. B. S. 361, 17, s. Bd. 3 Wortr. u. d. W. corveie. S. auch Goerz,
Regg. d. Erzb., zmn 26. Juni 1469.
•5) Vgl. MR. ÜB. 1, 23, 771, cit. oben S. 587, Note 7; MR. ÜB. 1, 332, 1042-47;
Cardauns, Rhein. Urkk. 22, S. 368, 1199; WSteinecken 1506, G. 2, 39; WImmerrath (1507),
G. 2, 396, cit. oben S. 600, Note 2. Vgl. auch noch Cesarius zum UPrüm S. 184, Note B:
sciendum est, quod per totam abbatiam ita [est] ab antiquo constitutum, ubicunque vel
salmones vel porci vel angarie vel quicunque reditus positi sunt ad redemtionis summam,
quod in voluntate erit ecclesie, vel ipsas res sive redemptionem inde accipere. Scotti, Chur-
Trier 1, 578, 1602: die sämtlichen churfürstlichen Kellner werden angewiesen, die erfallenden
Geld- und Natural-Kameral-Zinsen und Renten pünktlich zu erheben, sodann auch die seither
mit zu geringer Geldvergütung berichtigten Hühner-, Gänse-, Oehl-, Wachs-, Pfeifer- und
dergleichen Renten entweder in natura oder deren Aequivalent in Gelde nur nach den all-
gemeinen laufenden Preisen dieser Gegenstände zu empfangen und in Rechnung zu bringen.
^) Z. B. die Vaspennege in Ahrweiler, vgl. Cesarius zum UPrüm S. 180, Note B;
155, Note 1.
7) S. oben S. 615 f.
^) Vgl. z. B. UStift 407, Kordel.
— 797 — Verwaltungsorganismus. J
haben, clai's mit dieser Reliiition der Zinse und Dienste in Geld notwendig
eine grölsere Freiheit ihrer hörigen Gehöfer eintreten müsse, welche fast un-
mittell)ar und mit grolser Leichtigkeit zur allgemeinen Einführung freierer
Pachtverhältnisse geführt haben würde ?^ —
Bisher haben wir nur die Fronden und Zinse der Gehöfer betrachtet,
also der Hufen- und Landbesitzer, welche einem bestimmten Fronhofe als hörig
untergeordnet waren. Aber das waren nicht die einzigen Leistungen, welche
der Wirtschaftsorganisation des Fronhofes zu Gute kamen ; neben ihnen stehen
Leistungen seitens der allmende- oder markhörigen Leute, welche aus dem
Allmendeobereigentum des Grundherrn erwuchsen. Sie sind bei der gewaltigen
Ausdehnung des Allmendeobereigentums schon im früheren Mittelalter^ von
nicht zu unterschätzender Bedeutung, darum über sie noch einige Worte ^.
Ihre Begründung erfolgte fast ausnahmslos unter dem Gedanken, dafs
sie ein Äquivalent, einen Entgelt für die nunmehr grundherrliche Mark dar-
stellen sollten*. Nun gehörten aber zur Mark einerseits direkte Allmende-
nutzungen in Weide, Wasser und Wald, andererseits gewisse gemeinsam
beschaffte Grundlagen einer rationellen Wirtschaft in der Nutzung der öffent-
lichen W^ege und der gemeinsamen Verkehrsanstalten, der Mühlen, Backöfen,
Fähren u. s. w., überhaupt der ersten Vorbedingungen für die Möglichkeit
einer primitiven wirtschaftlichen und socialen Existenz'^. Demgemäfs charak-
terisieren sich die Leistungen der markhörigen Leute als Entgelt entweder für
direkt von der Natur gegebene Allmendenutzungen oder für die seitens der
Markgenossenschaft bezw. seitens der Markgrundherren geschaffenen gemein-
samen Wirtschaftseinrichtungen.
Die Leistungen der ersteren Art können Fronden oder Abgaben sein.
Unter den Fronden spielt der Beundedienst , wenn auch nicht überall vor-
handen, doch meist eine sehr bedeutende Rolle ^, bisweilen erstreckt er sich
nicht auf die Pflugfahrt, sondern nur auf die Ernte ^. Daneben sind dann
1) Vgl. Lamprecht in Conrads Jahrb. f. Natök. und Statistik NF. Bd. 11, 340, auch 317.
2) S. oben S. 390, 695 f., iiber die Konsequenzen des Allmendeobereigentums auch S. 397 f.
^) Vgl. zum Folgenden ganz allgemein Bd. 2, 188 ff. Neben dem Gehöfer- und AU-
mendehörigkeitsfronden sowie den auf die Grundherren übergegangenen autonomen Allmende-
diensten (s. unten S. 801) kommen für die Fronhöfe auch noch ursprünglich staatliche
(militärische und gerichtliche) Fronden als später nur noch nutzbringende Wirtschaftsdienste
in Betracht; von ihnen wird, ihrem Ursprünge gemäfs, erst später bei der Darstellung der
Gnmdherrlichkeit (Abschnitt VII Teil 1) zu reden sein. Ebenso ist auch auf die Allmendedienste
noch weiter vom Gesichtspunkte der Markherrlichkeit des Grundherren aus einzugehen.
^) Vgl. z. B. Cesarius ziun UPrüm No. 25: et mansi sancti Petri et sancti Paulini
faciunt nobis corvadas et alia iura minuta, quia habent communionem in pascuis aquis necnon
in terminis nostris.
5) S. oben S. 282 f.
^) Er ist ausnahmslos für alle Markeingesessenen entwickelt, s. Cesarius zum UPrüm
S. 145, Note 3: omnes homines villas ac terminos nostros {inhabitantes tenentur nobis cur-
vadas facere, non solum autem mansionarii, verum etiam scararii et haistaldi.
') Zu den Pflugfahrten vgl. aufser oben S. 436 f. und S. 767 Note 6 USMax.
[Wirtschaft d. Grofsgmndbes. — 798 —
Fronden für den Wiesenbau \ für die Wald- und Wassernutzung ^ entwickelt,
und aucli die Spuren von sonstigen Frondearten, so von Herbergsdiensten
u. a. ni. sind hier und da zu erkennen^. Die Abgaben haben entweder einen
ganz unmittelbaren Bezug zu gewissen Allmendenutzungen * und schwanken
S. 449, Rittersdorf: arat nobis mansionarius, sicut aratratus est, et quicumque in banno
nostro est, ter in anno ; und ebd. S. 450, Matzem : quicunqiie in banno nostro moratur,
servit nobis ter in anno, sicut aratratus est. Ferner s. Cesarius zum UPrüm No. 25, S. 158
Note 5, cit. oben S. 797 Note 5; UStift S, 398, Irsch: quivis mansionarius in banno eiusdem
curie debet 9 dominicales dies archiepiscopo cum aratro, qui aratrum habuerit, et qui non,
cum ligone; und ebd. S. 419, Manderscheid : hominum in illo banno manentium quilibet, qui
aratrum habet, 3 diebus in anno agros archiepiscopi arabit. Dazu s. oben S. 371 Note 3.
Aus später Zeit s. noch WTholey 1584, G. 3, 766. Nur Ernte-, nicht Pflugfronde kennt
USMax. S. 446, Naurath.
1) USMax. S. 442, Loersch; S. 446, Naurath; S. 447—8, Eshngen; S. 456, Thaben;
oben S. 435.
-) Vgl. dazu im allgemeinen oben S. 283. Im wesentlichen handelt es sich hier um
Holzfällen, Holzspalten und Holzfahren zu bestimmten Zwecken, vgl. WAnwen 1362, § 2:
jeder Pflug hat jährlich 6 Fuder Holz zum Kalkofen nach Luxemburg zu fahren. WBischofs-
heim 1402, G. 2, 38: ieder pluch, als er gespannen ist, zu acker zu gan, ein fuder kamer-
liolze in die bürge zu füren. WSchillingen und Waldweiler 1549, G. 2, 123: iglicher, der
gesind hat, ist schuldig jarlichs den hern ein foder cammerholz zu füeren, und das sol ge-
libert werden vor dem jargedingh, so man zu weinachten helt; nnd sol dermassen geladen
werden, daß ein junger knabe von 13 oder 14 jaren, so zu dem h. sacrament gegangen, den
wagen, so vonnöten, möge ufheben, und das rad inthun. und wanne das holz geliebert ist,
sollen die hern dem jungen oder dem knecht die sopp geben, daß er möge wiederumb
heimkomen. WPluwig 1542, G. 2, 121: welcher man hinder dem herrn sitzet und fhewr
hat, dem sal der meier von Schöndorf ein bouche in des jonkern weide geben und der man
heimfhüren und daraus spelder machen, ie einen sieben schoen langh; dieselb uf den hart
dur machen und dem herrn ein karr fol heimfhüren. dieselb khar sol so groß sein, das wo ein
rat usginge, ein mensch, der dreimael zum herrngode halt gangen, das rat mit einer hant und
die achse mit der andera hant greifen, und wiederumb zuthun moege : und der herr sol dem
armen man den cost geben. Bisweilen kommen auch andere Holzfronden vor, z. B. Köhlern,
vgl. WZerf 1581, 1642, G. 2, 107, cit. oben S. 516 Note 1. Zur Fischerei vgl. oben S. 503,
Note 6; WLampaden, G. 2, 113: wir weisen auch unserm ehrw. hern alle fischerei in der
Lampader bach, und sein die nachbarn zu Lampaden die zwei mhal zu gewonlicher zeit de^
jars unserm ehrw. hern schuldigh zu Aschen; deswegen sie ein ledige hove haben, gnant die
fischhove; und so man die bach gefischt, sol der meier den fischern ein flesch oder halben
sester weins, und ein suppe, so gut als ein halber sester weins, geben.
^) S. WMeddersheim 1514, § 10: wan der grundherr komt gen M. oder schickt seine
reishabe, so sol ein schuelteiss gen zu dem heimberger des dorfs und sollen bestellen, dasz
u. gn. h. essen und trinken und atzent habe; darnach sollen das die heimburger der gemeine
berechnen, und sol das die gemeine bezahlen. Eigentümlich sind auch noch UlMettlach No. 1 :
im Juni in Wadrill debent 3 dies de unaquaque domo : unum ad urbis opus, alium ad fenum,
tertium ad araturam; *WSPeters Hochgericht 1460, Arch. Maximin. 9, 596, § 4: vort ist ein
bergh über Mosel genannt Röckenberg, ein ieglicher man, hinder sanct Peters gericht sitze,
wanehe man des zu herbst noit hat ein frondagh für ein windelbot da zu sein, ausgenommen
die scheflfen obg. gerichts, dan sal der herr sanct Peters gericht möglich herbstkosten geben,
des sal der herr sanct Peters gericht ein halb mir. korns zum brod [S. 598] im herbst geben,
das übrige sal der maier wie von alters gewöhnlich darstellen.
♦) Vgl. z. B. UlMettlach No. 1: in Wadrill 10 e zahlt jeder mansus in natale domini
799 Vcrwaltungsorganismus.J
(leiniioiiiiirs nach der Ilölie und Inanspiuchnahnie derselben, oder al)er sie stellen
einen allgemeinen Entgelt für den mit Allmendenutzung verbundenen Auf-
entlialt in der Mark dar. In die erste Kategorie gehören die Medemabgaben
für zum Anbau verlielienes Markland \ sowie sonstige Zinse, welche sich an
die Verleihung von Rottland für Gärten und Wiesen, für Weinberge und
Beunden unter Ausscheidung vom Übertriebsrecht ^ auch an die Verleihung
von Sonderwlildern^ anknüpfen konnten, ferner der Dem und sonstige Weide-
abgaben'*. In der zweiten Kategorie erglebt sich ein auf die einzelne Feuerstelle ge-
legter Zins als Hauptabgabe, wie er bald als Herdpfennig '^ bald als Rauch]ulhn^
. . pro ligno 2 iiio. dominice avene et seciindo anno 4 d. pro porcis; üSMax. S. 456,
Thaben: quicunque est habitator ville, dabit ad pratum obukim, si silvam ingreditur,
denariuni.
1) S. oben S. 394, auch S. 127, sowie Bd. 2, 659 Note 1.
2) Vgl. UMarienthal 1317, S. 314, Zinse vom Rottland der Allmende 48 pulli, ferner
mescorn 47 sext. von Allmendewiesen und 64 sext. parve mensure Wein von Allmendewein-
bergen. Zum Ausdruck mezcorn, mescorn s. auch USMax. S. 436, Nospelt; UStift S. 409,
Birkenfekl. Im übrigen vgl. noch oben S. 386, 403.
3) MR. ÜB. 1, 514, c. 1140: nee est pretermittendum , quod homines ville [Schleich]
commimiter amam vini Treverensis mensure quotannis de silva, que Canvith vocatur, per-
solvunt. S. auch USMax. S. 453, Rübenach: census silve.
*) Vgl. z. B. WWarntwald, G. 2, 12.
5) Hierher gehört vermutlich schon Lac. ÜB. 1, 186, 284, 1117; ferner eine *Aufzeich-
nung im Koblenzer St.A., Pgtbl. von 46 zu ca. 15 cm., auf der Rückseite von Hand 15. Jhs. :
Rile buwehoifstede, die die herdel geldent; und darunter von Hand 18. Jhs.: Specification
besthäubtiger hofstedt und feurzins zu Reil: ad No. 62 R. E. Die Aufzeichnung stammt aus
dem Ende 14. Jhs., hat aber spätere Zusätze. Nach der alten Aufschrift: In Rile buehofstede
de nidirval geldint: werden die einzelnen Häuser und deren Inhaber mit ihren Geld- und
teilweis Hühnerzinsen aufgeführt. Aus späterer Zeit vgl. aufser WRemich 1477, G. 2, 241,
und WMersch 1542, § 5, auch WMeisenburg 1549, § 20: alle burger geben den herdpfennig, mit
Ausnahme der Schöffen; WReuland 1586, § 3: wer dan halt vuer und rok aufgaen in der
freiheit Rulant, der sei schuldig 4 d., und vort von sinem eitter 2 d.; WMondorf 1594 § 11:
der Herdpfennig beträgt 41/2 stüber, Bistumsleute die Hälfte (2 stüber und 2 pfennige),
von jeder Feuerstelle, auch wenn zwei in einem Hause wohnen.
«) Honth. Hist. 2, 113, 1329: Zins tot pullorum, quot sunt ibidem loca ignium sive
foci; WNiedermendig 1382, G. 2, 491: alle hovereden, die verbuit sint, vueir unde rauch
haint ufgain, die uf sente Marien hof gehorich sint, die geint vaßnaichthoinre ; vort alle an-
horiche lüde, die uf denselben hof gehorich sint, vueir und rauch haent, so wa die gesessen
sint, geint ouch vaßnaichthoenre; WErpel 1388, § 3: quilibet parochianus [Nachbar] aut
quilibet parochiana habens et tenens mansionem habitabilem propriam vel locatam in parochia E.,
que mansio si sit parva vel magna, dabit dominis nostris [den Kölner Domherrn] gallinam
annuatim circa festum camisprivii, demptis scabinis, qui nullam solvere tenentur ratione sui
officii scabinatus; WHarbruch, G. 2, 136: daß ein ieder lenman zu diesem jartag sein hun
in seiner hand haben sol und vor die schultessen bringen ; WImmerath 1660, G. 2, 397 : iedes haus
gibt drei hauen; und wan einer an einem zäun feur uf bläst, der ist drei hauen schuldig, der
drithalb schueh hoch seines Vermögens flieht, solle der gerichtsherr zufrieden sein.
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 800 —
Rauchliafer^ oder Rauchbrot ^, auch wohl als Zinskomplex in verschieden-
artiger Kombination dieser Abgaben unter sich und mit andern kleinen
Leistungen, Eiern u. dergl. auftritt^. Beim Vorhandensein der letzteren
Erhebungssumme wie bei etwa gleichzeitigem starkem Bestand an markhörigen
Fronden war dann der einzelne nur markhörige, nicht hof hörige Bauer doch
dem Gehöfer ziemlich weitgehend assimiliert, und das Bestreben der Grund-
lierren, diese Assimilation zu einer vollkommenen Identifizierung zu ent-
wickeln, begreift sich ohne weiteres. Der wichtigste Schritt grundsätzlicher
Art, welcher zu diesem Zwecke geschehen mufste, bestand darin, dafs man
nicht nur die Allmende, sondern alles Eigen der nur markhörigen Bauern als
in grundherrlichem Obereigentum befindlich ansah und demgemäfs der grund-
herrlichen Gerichtsbarkeit unterwarf. In der That wird dieser Weg ein-
geschlagen und oft bis zum letzten Ziele verfolgt. Im WNiedeiprüm
z. B. wird gewiesen"^, wanehe ein man als vil aigen erf het, dafs er ein
feuerplatz daruf machen, und so viel geraumbs, dafs er ein betplatz darauf
gemachen künte, und künte ein geiß bei sich gebinden und ein dreistemplichen
stul darbei gesetzen, sol er sich defsen nit gebrauchen, er habs dan entpfenk-
licher band vom grunthern oder hofsscholtifsen , und uf der platzen .zu ent-
pfangen, da sichs gepürt.
Hinter solchen Konsequenzen blieb freilich die Bedeutung jener zweiten
Art markhöriger Leistungen weit zurück, welche sich als Folge besonderer sei
es früher von der Markgenossenschaft, sei es später, nach Entwicklung des
Markobereigentums, vom Markgrundherrn zu schaffender oder geschaffener
gemeinsamer Wirtschaftseinrichtungen bezeichnen liefs'^. Von besonderem In-
^) WZerf 1581, 1684, G. 2, 108: alle diejenige, die hinter dem herrn probst wohnen,
die fewr und flam aufblasen, seint alle jähr schuldigh ein faß haber, die also gehebert
werden sol, das der meier baussent dem gatter stehen sol und der ei-fling darbinnent, und
doch also messen, daß nicht abfalle und der meier liefern könne. S. auch WGules-
hahn 1683.
2) WNospelt 1542 § 10 : wer da feuret und flammet hinder dem grundherm, der muesz
eim hern apt als grundhern geben 2 rockenbroet, der fünf ein sester duent.
^) USMax. S. 447—8, Eslingen: omnis domus, que in banno nostro est, dat nobis in
die sancti Stephani 3 panes et 2 sum. avene. UMarienthal 1317, S. 314, Marienthal hat den
Bann [Allmendeobereigentum] in Kahler: quelibet mansio domorum et hominum banni
predicti, ubi ignis reperitur, tenetur 2 sext. avene et 3 pullos . .; ratione advocachie 1 sext.
avene et 1 Äletensem d. . .; ubicunque ignis non reperitur, non solvunt pullos seu avenam
seu d. WWöllstein 1486, G. 2, 159—60: weisen wir u. gn. h. zue W. von einem jeden
haus ein erntgans und ein fassnachthun. WMersch 1542 § 5: also manich hertpfenninc
einer gibt, also manich eie sol auch einer geben. — Ein Zins, der vermutlich auf reduzierte
markhörige Fronde geht, findet sich UStift 409, Birkenfeld: in banno apud Birkenveit qui-
libet manens solvit sculteto de vronde 1 mensuram siliginis et 1 mensuram avene, quarum
quatuor faciunt mir., quod dicitur haccom. Ähnlich in banno Brombach.
*) G. 2, 553, 1576.
^) S. zur Entwicklung der grundherrlichen Rechte vorläufig oben S. 303 die Anm.
— 801 — Verwaltungsorganismiis.]
terosse ist hier, neben Abga])en für Mühlen- und Backofenbenutzung ^ Wein-
schank- und Fährrecht-, nur eine auf älteren Rechtsgrundlagen erwachsene
Leistung. In den freien Marken hatten Abgaben und speciell auch Fronden
zur Durchführung von INIarknieliorationen bestanden. Der Anspruch auf diese
ursprünglich autonomen Leistungen ging bei Entstehung von Markobereigentum
natürlich an den neuen IMarkgrundherren über ; und wir finden die Leistungen
daher in der grundherrlichen Mark als sogenannten Zendertag oder als Zender-
werk z. B. im SMaximiner Urbar wieder. Doch werden sie jetzt nicht mehr
ausschliefslich im Literesse der Mark, sondern auch für die verschiedensten
Arbeitszwecke des Grundherrn ausgenutzt^. —
Wir übersehen nunmehr die gesamte lokale Wirtschaftsverwaltung des
Orofsgrundbesitzes , wie sie sich vornehmlich an den Fronhof anknüpft, die
Organisation ihres Substrats, des Grund und Bodens, die Funktionen ihres
Beamtenpersonals, besonders des Meiers, endlich die Verwendung der grund-
und markhörigen Bevölkerung im grundherrlichen Wirtschaftsinteresse. Aber
wir kennen noch nicht das Gesamtergebnis dieser Verwaltung. Welches war
der Erfolg einer so vielgegiiederten Organisation, wie sie sich im Fronhof
darstellt, im einzelnen, und wie arbeiteten die Fronhofsverwaltungen zu Gunsten
der gemeinsamen Grundherren ineinander: das sind die Fragen, w^elche noch
der Lösung harren. Ihre Beantwortung kann nur in der Untersuchung der
gmndherrlichen Zentralverwaltung erfolgen.
Auf diesem Gebiete tritt uns aber wiederum die Frage entgegen, in-
wiefern denn die karolingische Villenverfassung für die Entwicklung der Or-
ganisation des aristokratischen Grofsgrundbesitzes von vorbildlichem Einflufs
gewesen sei. Ist die aristokratische Zentral Verwaltung in sich und in ihrer
Verbindung mit den lokalen Fronhofsverwaltungen eine Nachbildung der
karolingi sehen Domanialverwaltung oder nicht? Nur eine unabhängige Neben-
einanderstellung beider Verwaltungsbilder wird für eine dieser Alternativen
entscheiden können. Für den Gang der Forschung ergiebt sich daher die Not-
wendigkeit, vorerst die zentrale Domanialverwaltung der Karolinger zu er-
örtern, ehe an eine Untersuchung der aristokratisch-grundherrlichen Zentral-
verwaltung gegangen werden kann.
*) Über Bannmühlen und Verwandtes vgl. Waitz, Vfg. 8, 275 f.; s. ferner Bd. 3 Wortr.
u. d. WW. moture und multer; UPrüm No. 113—114; Ennen, Qu. 1, 547, 71, 1158; USMax.
S. 442, Loersch; Bd. 3, 64, 34 f., 1273; 146, 26, 1328.
2) Vgl. UPrüm No. 114; MR. ÜB. 3, 1491, 1259; WTlioley 1450, G. 3, 757; WSchweich
1517, G. 2, 309; WBirresborn, G. 2, 528; — Lac. ÜB. 1, 95, 153, 1019.
^) Vgl. USMax. S. 449, Rittersdorf: quicunque in banno nostro sunt vel super salicumbonum
manent, operantur 1 diem, qui dicitur centenarii ; ebd. 8. 450 , Matzem : operantur mansionarii
vel quicumque salicum bonum tenent uno die opus, quod vocatur centenarii, suis expensis.
WKieselbacli 1549, G. 2, 196: zwei Heimburgen zu K. in der herm gericht gesessen setzen
Mähfrolmden an. Hier handelt es sich wenigstens höchst w^ahrscheinlich um ursprünglich
autonom-markgenössische Fronden. Über diese ursprünglichen Hundertschaftsfronden ist unten
Abschnitt VII Teil 1 noch genauer zu handeln.
[Wirtschaft d. Grofsgrimdbes. — 802 —
Die zentrale Domanialverwaltung der Karolingerzeit läfst sich aber ohne
einen kurzen Einblick in die Reichszentralverwaltung dieser Epoche überhaupt
niclit verstehen. Von diesem allgemeinsten Punkte ist also auszugehen, und
dieser Punkt um so mehr zu betonen, als seine Erörterung sich später fiir die
Untersucliungen des Abschnittes VIII unmittelbar fruchtbar erweisen wird.
Die karolingische Zentralverwaltung, wie sie uns systematisch aus der
von Hinkmar von Rheims überarbeiteten und erweiterten Aufzeichnung Adal-
hards De disciplina palatii am liesten bekannt ist\ charakterisiert sich vor
allem durch ihre eigentümliche Mittelstellung zwischen der altgermanischen
fürstlichen Hofverwaltung und der frühabsolutistischen Kabinetsverwaltung. Schon
sind eine Anzahl angesehener Pfalzbeamten entwickelt, welche neben dem
grofsen aus der alten Volksversammlung ausgeschiedenen Staatsrat für königliche
Sachen wie für Geschäfte des königlichen Hauses und Hofes einen beson-
deren kleinen Staatsrat, ein Kabinett, bilden : aber sie sind nur zum kleineren
Teile mit eigentlichen Staatsgeschäften beauftragte Beamte, der Mehrzahl nach
gehören sie noch dem königlichen Hausdienste an.
Man kann acht grofse Pfalzämter, im Sinne etwa späterer Ministerien
— sie werden auch ministeria genannt — unterscheiden, das des Erzkaplans,
des Pfalzgrafen, des Kämmerers, des Seneschalks, des Schenken, des Stall-
grafen, des Quartiermeisters, der Jägermeister.
Von ihnen waren nur die beiden ersten eigentlich und von Grund aus
politische Ämter. Der Erzkaplan, seit der Karolingerzeit meist ein Diakon
oder Priester, seltener ein Bischof, war der Minister für alle geistlichen
Sachen^; unter ihm, als dem schrifterfahrenen Kleriker, stand zugleich das
gesamte Kanzleiwesen mit dem Erzkanzler an der Spitze^; und bisweilen
vereinigte der Erzkaplan wohl auch das Amt des Erzkanzlers mit dem
seinigen ^. Das Gegenstück zum Erzkaplan bildet der Pfalzgraf ^, der Minister
für alle weltlichen, vornehmlich für die Rechtssachen^, deren Entscheid bei
dem bekannten auch im Karolingerreich nicht dauernd zu Gunsten einer
höheren Auffassung überwundenen ausschliefslichen Friedens- und Rechts-
charakter des germanischen Staates den gröfsten Teil der königlichen Ver-
waltungsgeschäfte ausmachte. Der Geschäftsgang bei beiden Ämtern war so
geregelt, dafs alle geistlichen Unterthanen durch den Erzkaplan, alle welt-
lichen durch den Pfalzgrafen mit dem König verkehrten ^
Neben den politischen Ämtern standen als eigentliche Hofämter vor
1) Neue Ausgabe mit Kommentar von M. Prou, Bibl. de l'ec. des hautes etudes, Fase.
58, Paris, Vieweg, 1885. S. zum folgenden auch schon oben S. 720.
2) Biscipl. palat. § 13 f., 20.
3) Ebd. § 16.
*) Zur genaueren Entwickhmg s. Sickel, Acta 1, 9 f . ; Prou S. 43 Note 2.
^') Bisweilen gab es auch mehrere Pfalzgrafen, Prou S. 55 Note 1.
«) Discipl. palat. § 16, 19, 21.
■^j Vgl. namentlich Discipl. palat. § 21.
— {^03 — Verwaltungsoigiinismus.]
allem die des Käniiiieieis und des Seiieschalks. Von ihnen hat der Kämmerer
als Adlatus der Königin' die Verwaltung- der Pfalzen nach Ausstattun<>" und
Bauliehkeit zu besorgen, unter ihm steht deshalb auch der Schatz, wie er sich vor-
nehmlich durch (leschenke einheimischer Grol'sc^i wie fremder Fürsten fülltet
Der Seneschalk dagegen hat die Verpflegung unter sich, abgesehen von der dem
Schenk übergebenen Sorge fiir Getränke und der dem Stallgrafen zustehenden
Versorgung des Marstalls^. Die häufige Ortsveränderung des Hofes, welche
mit der Regelung der Verpflegung desselben aufs engste zusanunenhing, brachte
es mit sich, dafs sich die Stellung des Seneschalks zugleich und fast vornehm-
lich zu der eines Reisemarschalls des Hofes ausbildete; zur Bewältigung der
sehr bedeutenden in dieser Richtung entstehenden Geschäftslast, welche u. a.
auch die gemeinschaftlich mit dem Schenken geführte Zentralverwaltung des
königlichen Domänensystems umfafste, trat ihm der Hofquartiermeister ^ zur Seite.
Eine selbständige Stellung neben den Hofämtern des Kämmerers und
Seneschalks, des Schenken, Stallgrafen und Quartiermeisters hatte endlich
das Hofjägeramt, welchem vier Jägermeister und ein Oberfalkonier vorstanden^.
Ihm fiel auf Grund der Sorge für die königliche Tafel und für die aus-
gedehnten Jagd Vergnügungen des Hofes die periodische Verteilung des Jagd-
personals über die einzelnen Domänen und Forste, sowie die Anlage von
Hundezüchtereien bezw. die Beauftragung der Domänenbeamten mit der
Hundezucht zu.
Natürlich unterstand jedem einzelnen Pfalzamt eine grofse Anzahl von
Mittel- und Unterbeamten * ; so dem Erzkaplan die Kanzleibeamten ; dem
Pfalzgrafen vermutlich ein Personal von Rechtskundigen, vielleicht auch der
Ostiaiius ; dem Kämmerer der Sacellarius, Dispensator, Scapoardus ; dem Jäger-
amt die Bersarii, Veltrarii, Beverarii^. Über die Stellung dieser Unter-
beamten giebt die Disciplina palatii keine genauere Auskunft; vermutlich
waren sie wenigstens in den subalternen Posten bessere Unfreie, ihr Verhältnis
zum König gewifs das des Ministeriums. Sie waren dabei wohl meist lebens-
länglich in ihrem Dienst thätig; sicher ist das letztere der Regel nach für
die hohen Pfalzbeamten der FalP.
Schon mit dieser gewöhnlich lang andauernden Stellung mufste sich für
die Pfalzbeamten eine reiche administrative und auch politische Erfahrung
ergeben ; es lag nahe, dieselbe in Begründung eines kollegialischen Beratungs-
körpers zu vereinigen und auszunutzen. Wie schon oben angedeutet, sind
1) Discipl. palat. § 16, 22.
2) Ebd. § 16, 23. Zur Stellung des Seneschalks und des Schenken — so wird doch
buticularius am besten zu übersetzen sein — vgl. auch Guerard, Mem. de l'Institut, Acad.
des inscr. 21, i, 193 f.
3) Discipl. palat. § 16, 24. S. Guerard a. a. 0. S. 200 f.
*) Discipl. palat. § 28.
'') Ebd. § 17.
«) Ebd. § 26.
[Wirtschaft d. Grofsgriindbes. — 804 —
hierzu in der Karolingerzeit einige Anfänge gemacht. Kam es nicht zu der
in den Verhältnissen eigentlich natürlich gegebenen vollen Ausgestaltung eines
Kabinetts, so lag der Grund hierfür vornehmlich in der Konkurrenz der aus
den Grofsen gebildeten einmal jährlich zusammentretenden Versammlung \
welche man nach der Art ihrer Verhandlung wie nach der Weise ihrer Be-
nutzung seitens der Krone ^ als einen grofsen Staatsrat bezeichnen kann.
An diesem Staatsrat nahmen auch die Pfalzbeamten, Erzkaplan und Kämmerer
jedenfalls, die übrigen falkultativ, teil^: daher war mit der Geschäftskenntnis
aller oder eines Teiles der Pfalzbeamten die Möglichkeit gegeben, aufserhalb
der Sitzungsperiode des grofsen Staatsrats die dessen Beratung zufallenden
Materien, wenn sie dringlich waren oder den Hof speciell betrafen, im engeren
Gremium der Pfalzbeamten, als kleinerem Staatsrat, zu behandeln und häufig
wohl auch abzuschliefsen *.
Gehen wir nun speciell auf die Frage nach der Thätigkeit der zentralen
Finanz-, d. h. Domänenverwaltung ein, soweit dieselbe, vom Seneschalk und
vom Schenken geführt, die Oberaufsicht über die fiskalischen Abschlüsse und
die Einziehung der fiskalischen Überschüsse betraf, so geben die Quellen,
speciell auch Adalhard-Hinkmar, kaum nähere Auskunft. Man kann sich viel-
mehr die hier herrschende Thätigkeit nur vom Gesichtspunkte des Iudex,
also des obersten lokalen Fiskalbeamten, aus vergegenwärtigen: für diesen
liegen umfangreiche Angaben im Cap. de villis vor. Treten wir jetzt in die
Erörterung derselben ein, so führt dieser Umweg der Betrachtung gleichwohl
wenig vom geraden Pfade ab, denn es wird sich zeigen, dafs der Schwerpunkt
des Rechnungswesens der Fiskalverwaltung weniger in der Zentralbehörde, als
in den Händen des Iudex lag: nur an ihn berichteten und zahlten bezw.
lieferten die Specialbetriebe, und die Zentralstelle war dem Iudex gegenüber
nur Kontrollinstanz.
Die Einnahmen des Fiskus, wie sie der Iudex sanmielte, bestanden nun
einmal aus den Erträgen der eigenen Landwirtschaft bezw. des Beunden-
baues, ferner aus den in Geld erfliefsenden Erträgen des Boden- und Ver-
kehrsregals, der Gerichtsbarkeit, der Steuern seitens der nicht hof hörigen
Unterthanen im Fiskus, endlich der Specialbetriebe, soweit diese nicht direkt
landwirtschaftlicher Natur waren; sie umfafsten ferner die Zinse der vom
Fiskus verliehenen Hufen und die Erträge von den fiskalischen Handwerken
und bergmännischen Betrieben. Eine Übersicht über diese Einnahmequellen
giebt der § 62 des Capitulare de villis, indem er die Rubriken aufzählt, nach
welchen der Iudex jälirlich zu Weihnacht über Ertrag und Bestand der fis-
') Discipl. palat. § 34—36.
~) Ebd. § 60.
3) p:bd. § 32.
*) Ebd. § 32. 33.
— 805 — Verwaltimgsorganismus.]
kaiischen Wirtseliaft Reclimiiig legen sollte. Man kann ans der Aufzählung
die folgenden Positionen bilden:
1. Fronland im Eigenbetrieb.
2. Beunden^
3. Dem-.
4. Modem ^.
5. Freiwillige und peinliche Gerichtsbarkeit.
6. Forstgerichtsbarkeit.
7. Ander weite Gerichtsbufsen (Fronhofs- bzw. Baudingsbufsen).
8. :\rühlen.
9. Forsten.
10. Brauhäuser^.
11. Brücken und Fähren.
12. Abgaben der freien Fiskuseingesessenen und Centenen.
13. Märkte.
14. Weinberge und Weinzinse*.
15. Bestand — an Heu; Brennholz und Fackeln, Schindeln und sonstigen
Holzabgaben -^ ; Gemüse, Kolben- und Rispenhirse; Wolle, Lein und
Hanf; Baumfrüchten, grofsen und kleinen Nüssen, veredelten Baum-
früchten; Gärten und Rübenland; Teichen^; Leder, Fellen und
Hörnern^; Honig und Wachs; Fett, Talg, Seife; Moraz, gekochtem
Weine, Met, Essig, Bier, jungem und altem Wein; altem und neuem
Getreide; Hühnern, Eiern und Gänsen.
16. Bestand an Fischern, Schmieden, Schildmachern, Schuhmachern,
Backtrögen und Schreinen, Drechslern und Sattlern, Eisenhämmern und
Bergwerken auf Eisen, Blei und andere Metalle.
17. Bestand an Tributarii (Staatssteuerpflichtigen).
18. Bestand an Hengst- und Stutenfohlen^.
Den in diesen 18 Positionen verzeichneten oder in den Bestand angaben
angedeuteten Einnahmen standen Ausgaben in doppelter Richtung gegenüber:
Ausgaben für den Fiskus selbst, und Ausgaben für den Staat.
1) Zu Position 1 und 2 vgl. Cap. de villis § 20.
2) Vgl. Cap. de villis § 36. Anders Guerard S. 265.
^) So nach der richtigen Vermutung von Pertz, s. Boretius S. 89 Note c, und Guerard
S. 267.
*) Vgl. Cap. de villis § 8.
•'') Hier folgt das unverständliche quid de proterariis, welches ich weglasse.
«) Vgl. Cap. de villis § 21, 61.
^) Ebd. § 66, 69.
^) Der Bestand an sontigem Grofsvieh war wohl unter Pos. 1 anzugeben; vgl. auch
Cap. de villis § 28.
[Wirtscliaft d. Grofsgrundbes. — 806 —
In ersterer Beziehung handelte es sicli einmal um Verwendung gewisser
Einnahmen zur Erhaltung und Erweiterung des fiskalischen Betriebes. So
wurde ein Teil des Ertrags zur Verpflegung und Besoldung nicht hufensässiger
Subalternen in der Form der Präbende vorbehalten \ ein anderer wurde zur
Verpflegung der Frauenhäuser verwendet-. Ferner sollte aus den Erträgen
gewöhnlicher Wein für die Fiskalinen und gutes Saatkorn gekauft werden^.
Dann aber kann hierher auch noch die Abgabe des Zehnts aus allem Ertrag,
der Regel nach nur an Kirchen innerhalb des Fiskus, gerechnet werden '^.
Die staatlichen Ausgaben zerfallen in solche für den Hof und das Heer.
Bei den Hofausgaben handelt es sich, abgesehen von einzelnen Lieferungen,
z. B. von Fischen, Hengstfohlen, Fässern^, und abgesehen von den Auf-
w^endungen für Belierbergung und Verpflegung der Pfalzjäger**, vornehmlich
um das sog. Servitium, den vollen Verpflegungsdienst des Hofes für eine be-
stimmte Anzahl von Tagen \ In diesem Dienst mufsten lebendes Vieh, Pferde,
Rinder, Kleinvieh, Hühner, Enten, geliefert werden ^, ferner Getreide für täglich
zwei Mahlzeiten ^ ; dazu kamen dann noch Lieferungen an anderweitigen minder
wertvollen Konsumtibilien ^^, wol)ei die Lieferungshöhe für die Fastenspeisen zu
zwei Drittel des Gesamtertrags derselben angesetzt w^ar^^ Handelte es sich bei
den Hofausgaben zugleich vielfach um gröfsere Transporte, so w^aren die Anfor-
derungen für das Heer, in Friedenszeiten wenigstens, an den Fronliof des Fiskus
selbst gebunden. Jeder Fronhof enthielt ein Zeughaus mit eisernen Waffen, mit
einer Anzahl von Transportwagen und der zu diesen gehörigen Ausrüstung an
Waffen und Koffern (Fässern). Dieses Inventar hatte nun der Iudex in gutem Stand
zu erhalten; er hatte ferner das zur Armierung nötige Zugvieh und den ent-
sprechenden Proviant bereit zu stellen*^. Zum Kapitel der Kriegesaufwendung
kann man ferner w^ohl noch die Ausgaben zählen, welche dem Iudex aus der
Festhaltung und Verpflegung ihm überwiesener Geiseln entstandene^.
Über diese infolge steter Verwendung von Naturalien ziemlich kom-
plizierte Einnahme und Ausgabe sollte in der Weise Rechnung geführt werden,
dafs für die Ausgabe zwei Bücher, eins für die Aufw^endungen innerhalb des
1) Cap. de villis ^31.
2) Ebd. § 31, 43, 49.
3) Ebd. § 8, 32.
*) Ebd. § 6.
5) Ebd. § 65, 15, 68.
«) Ebd. § 47.
■') Ebd. § 7.
») Ebd. § 23, 28.
9) Ebd. § 24.
^0) Ebd. § 34-35.
") Ebd. § 44.
^2) Ebd. § 30, 42, 64, 68.
13) Ebd. § 12.
— g07 — Verwaltiingsorganismus.]
Fiskus, ein anderes für die Aufwendungen im Staatsdienst an<^elegt wurden.
Am Jabresschlufs waren dann die Daten beider Büclier kurz zusannnenzufassen
und der nach dem oben gegebenen Scliema zu l)ucb(Miden P^innahme gegenüber-
zustellen. Am Scbluis der Gegenü])erstellung endlicli war das Facit, welches
den Reinertrag (U'gab, zu ziehen. Ein Schriftstück, welches di(^so Angaben iiber
Ausgabe, Einnahme und Reinertag enthielt, nuifste jedesmal bis zum 25. De-
zember an der Zentralstelle einlaufend Seitens der Zentralstelle wurde nun-
mehr die Prüfung vorgenonnnen , Decharge erteilt, und Befehl darüber ge-
geben, ob der Reinertrag in natura abgeliefert bezw. noch bis auf weiünx^n
Befehl aufgespart oder aber an Ort und Stelle verkauft werden solle. Im
letzteren Falle hatte der Verkauf noch im Winter zu erfolgen ; der Geldertrag
nuifste bis zum Palmsonntag abgeliefert sein^.
Neben den mit dieser Rechnungslage verbundenen winterlichen Schreib-
arbeiten hatte aber der Iudex auch sonst noch eine ganze Anzahl von Be-
richten zu erstatten; so vor der Sprungzeit über die Qualität der Deckhengste^,
bis zum 1. September über die Höhe des Masteckers*, an nicht näher be-
stimmten Terminen über etwaigen Überflufs an Wein und unfreien Arbeitern,
über verfronte Hufen, sowie über die Zahl der getöteten Wölfe, im letzteren
Falle unter Übersendung der Felle''.
Wurde der Iudex schon durch diese zahlreichen Berichte in scharfer
Kontrolle gehalten, so kamen die Visitationen durch besondere Gewaltboten
(Missi) hinzu, um ihn in fortwährender strenger I'flichterfüllung zu bestärken.
Ja auch für die Rechnungsablage selbst war eine gewisse Kontrolle geschaffen :
da das Servitium bei einzelnen Lieferungen eine gewisse Quote des ganzen
Ertrages umfassen sollte^, so lag die Möglichkeit vor, sich durch Ver-
gleich der Höhe dieser Lieferungen mit den Angaben in der Einnahme-
seite unter Umständen ein Urteil über die Redlichkeit des Iudex zu ver-
schaffen.
Welch aufserordentlich weit entwickeltes System der Rechnungslage und
auch schon der Kontrollen erhellt aus diesen Bestimmungen des Cap. de villis.
Und wie erscheint der Iudex im Mittelpunkte der ganzen Finanzgebarung
stehend : er bildet eine in hohem Grade selbständige Sammelstelle für die Ein-
nahmen eines vollen Fiskus, von ihm aus erfolgt Verwendung und Verkauf
der meisten Naturalintraden, seine Abgaben an den königlichen Hof sind im
wesentlichen begrenzt oder erfolgen nur auf besondere Anweisung.
Liels sich nun dieses System der Finanzgebarung, dessen Schicksal
^) Cap. de villis § 55.
2) Ebd. § 28, 33.
3) Ebd. § 13.
*) Ebd. § 25.
5) Ebd. § 8, 67, 69.
6) Ebd. § 44.
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes.
808
Über die Karolingerzeit hinaus zu verfolgen hier nicht unsere Aufgabe ist\
ohne weiteres, ja auch nur mit wesentlichen Änderungen in den aristokratisch-
grundherrlichen Betrieben einführen ?
Der Kernpunkt der ganzen Fiskalverwaltung liegt in den Funktionen des
Iudex, die Voraussetzung für die letzteren wieder ist die territoriale Ge-
schlossenheit gröslerer Fiskalgebiete. Diese Voraussetzung triift für den grund-
herrlichen Besitz nicht zu, und das Amt des Iudex fehlt der aristokratischen
Verfassungsbildung. Unter diesen Umständen ist an eine Rezeption oder
1) Vgl. ME. ÜB. 3, 982 und 1005, 1249; 1034, 1250, dazu oben S. 726 Note 3. Im
übrigen vgl. noch nach Boehmer, Fontes 3, 397—8, die
Aachener Aufzeichnung über die Curiae mensae regis Romani.
Die lomtardisclien Kurien sind bei der Zusammenstellung weggelassen. Die Aufzeichnung fallt nach Mathaei,
Klosterpolitik Heinrichs H. , S. 96—102, zwischen 1066—1069; seine Ansetzung wird im wesentlichen richtig sein.
Vgl. auch Waitz, Vfg. 8, 231.
Provinz
Zahl
Tage Ser-
vitium
Höchstes
Servi
Niedrigst,
tium
Bemerkungen.
Sachsen
20
305
40
5
Es geben 5 Tage: 1 Kurie; 40: 1, von den
übrigen fehlen die Angaben.
Rheinfranken
21
85
8
1
Es geben 1 Tag: 2 Kurien; 2: 7; 3: 4:
4: 1; 7: 3; 8: 4.
Baiern
12
32
7
11
Es geben 1 Tag: 4 Kurien; 2: 3; 3: 1;
5: 1; 7: 22.
Total
53
422
40
1
Es geben 1 Tag: 6 Kurien; 2: 10; 3: 5;
4: 1; 5: 2; 7: 5; 8: 4; 40: 1.
Das durchschnittliche Servitium einer Kurie beträgt mithin etwa 8 Tage. Die Höhe
des Servitiums (pro Tag) ist nach der eben benutzten Aufzeichnung die folgende:
Provinz
Kühe
Schweine
gi'ofse kleine
Hühner
Eier
Käse
Gänse
Bier
carr.
Pfeffer
Ib.
Wachs
Ib.
Wein
carr.
Sachsen
8
30
5
50
50»
90
10
5
5
10
de cellario
Rheinfranken
und Baiem
5
40
7
50
500
90
10
—
5
10
4
Durchschnitts-
höhe f. d. Kurie
32
280
48
400
4000
720
80
20
40
80
16
^) Von einer Kurie ist das Servitium nicht angegeben.
2) Die Bemerkung am Schlnfs: iste sunt curie de Bawaria, dant viginti sex regalia servitia, et tam magna
sicut illa de Francia: stimmt in ihrem ersten Teile nicht.
3) Mufs wohl 500 heifsen.
— 309 — Verwaltungsorganismus.J
greifbare Nachabinung der karolingischen Zentral Verwaltung durch die Grund-
herren nicht zu denkend Die grundherrliche Zentralverwaltung entwickelte
sich vielmehr selbständig und hat mit der Fiskalverwaltung nur diejenigen
Seiten gemein, welche in dem naturalwirtschaftlichen Charakter beider Ver-
waltungen begründet sind.
Zum Verständnis der besonderen grundherrlichen Zentralverwaltung aber
wird man von der Thatsache des Streubesitzes der Fronhufen, im Gegensatz
zur Geschlossenheit des fiskalischen Besitzes, auszugehen haben; und noch
mehr wird der Streucharakter auch der Höfe in Betracht kommen, dessen
durchgängige Existenz schon ein oberflächlicher Blick in die Karten 10 bis 13
des zweiten Bds. ohne weiteres nachweist.
Es ist natürlich, dafs für diese zerstreut liegenden Höfe, wie schon für
die Hufen, vor allem eine genügende gegenseitige Verbindung und eine passende
Komnumikation mit der Zentralstelle zu schaffen war, ehe an die Einwirkung
einer zentralen Verwaltung gedacht werden konnte. Diese doppelte Verbin-
dung aber mufste wieder zwiefachen Ausdruck finden: es kam darauf an,
Nachrichten wie Transporte zu vermitteln. So wird die Organisation eines
verständigen Nachrichten- und Transportdienstes zur unentbehrlichen Voraus-
setzung jeder wirksamen zentralen Leitung innerhalb der grundherrlichen
Wirtschaftsverwaltung.
Der Nachrichtendienst konnte dabei, aufser den speziellen Verwaltungs-
fragen, nebenher noch den verschiedensten Zwecken, z. B. dem Verkehr mit
dem königlichen Hofe, dem litterarischen Verkehr^, ja sogar der staatlichen
Nachrichtenbesorgung ^ dienen. Seine Organisation erhellt besonders aus den
Angaben des Prümer und SMaximiner Urbars, welche Bd. 2, 139 und 163
zusammengestellt sind*. Es ergiebt sich da eine Verteilung von hörigen Boten-
hufen über das ganze Gebiet der Grundherrschaft, welche eine alle Höfe be-
treffende Berichterstattung nach der Zentralstelle gestattete. Gewöhnlich sind
die an den äufsersten Grenzen der Grundherrschaft liegenden Höfe mit Boten-
hufen ausgestattet ; die Boten selbst gehen von dort über die weiter nach dem
Zentrum zu gelegenen Höfe entweder nach der Zentralstelle selbst, oder nach
gröfseren Dependenzen derselben, von welchen bald zu sprechen sein wird,
in der Prümer Grundherrschaft z. B. nach den Klöstern Altripp, SGoar,
Münstereifel. Hier findet also ein Zusammenströmen der Nachrichten statt,
die dann von jenen Punkten aus einheitlich nach der Zentralstelle weiter be-
^) In der Buchführung glaubt auch v. Inama, Deutsche Wirts chaftsges eh. 1, 393 f., die
Villenverfassung seitens des Grundherrn nicht nachgeahmt.
^) Zu dem lebhaften litterarischen Verkehr z. B. von Prüm aus vgl. Lupi epist. No. 10,
26, 72, 85, 91.
3) Hierauf geht doch wohl MR. ÜB. 1, 118, 880: im Zülpichgau in Albiniacum und
Vuitracha erhält jemand von Prüm Güter auf Prekarei, exceptis paucis scarariis, quos ob
servitium senioris nostri domni videlicet Hludouuici iunioris [Ludwig IIL] retinuimus.
*) Vgl. dazu Bd. 2 Karte 10 und 12, sowie Bd. 2 S. 254. S. auch noch Bd. 2, 188 ff.
Lamprecht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 52
[Wirtschaft d. Grofsgrunclbes. — 810 —
fördert werden. Aufser dieser innerhalb der Grundherrschaft verlaufenden
Bewegung läfst sich aber, namentlich für Prüm — in SMaximin liegt für das
Ende des 12. Jhs., wie nach dem UStift in Trier für das 13. Jh. schon ein
Verfall der Einrichtung vor — noch eine nach auswärts strebende Richtung
des Nachrichtendienstes erkennen. Die Prümer Boten laufen nach allen
Grofsstädten und vornehmlich nach allen Handelsplätzen im Bereich der
Grundherrschaft, nach Verdun und Moyenvic, nach Frankfurt a. M. , nach
Koblenz und Kochem, nach Köln, Aachen und Duisburg : an allen diesen Orten
waren also regelmäfsige Geschäfte der Grundherrschaft zu vermitteln.
Der Botendienst selbst fand in der sogenannten Scara statt, wenigstens
wird das Wort Schar mit Vorliebe für diese Dienstart verwendete Der Dienst
konnte entweder zu Fufs oder zu Pferd^, bisweilen auch zu Schiff geleistet
werden, gewöhnlich umfafste er einen vollen Tag^. So hatte z. B. das
Stift SPaulin nuin hovestede zu Buren, igliche dru frondage in dem jare boit-
schaft zu dune, sin broid in dem gieren und den staf in der hand, und mit
') So im UPrüm im Süden der Eifel und noch in der Eifel selbst, vgl. Bd. 2, 137,
während nördlich der Eifel der Begriff sich mit dem der Angaria verquickt. Den Sinn von
Angaria hat das Wort auch im UMettlach, s. UlMettlach No. 10, Dudweiler 12e, 8. bis
9. Jh.: mansus in festivitate Remigii solvit d. 8 aut scariam inter tres mansos ad mona-
sterium vel ad Treveris 30 mo. sive Mettis vel Thiedonisvillam inter duos mansos carr. 1.
Im UStift wird der Botendienst si)eziell mit Legatio bezeichnet, s. UStift S. 321 Ko. 11 und
dazu M. Baer in den Forschungen zur Deutschen Geschichte Bd. 24 S. 237 — 8. Der Aus-
druck Schar dagegen geht hier auf die Stellung von Saumrossen zum Kriegsdienst, s. UStift
S. 322 No. 13, 331 No. 5; 331 No. 7; 346—7 (doch vgl. Bd. 2, S. 173 Note 1); und einen
gleichen Sinn haben auch die Zusammensetzungen Rintscharn in WNeumünster, G. 2, 35,
und Pfertscharn in WRavengiersburg 1509 Thomasw. § 12, G, 2, 180. Im übrigen kann
Schar, wenigstens später, jedweden Dienst bezeiclinen, s. WOberelbert 1507 § 2, WLissingen,
G. 2, 598. Vgl. auch Waitz, Vfg. 5, 293, 297 Anm. 3.
^) S. UPrüm No. 69: faciunt scaram ad Prumiam, ad Aquisgranum, ad Coloniam, ad
Bunnam, ad sanctum Goarem sive cum eco seu cum pedibus; No. 114, Rheingönheim : scaram
facit cum suo caballo ad Prumiam et portat aut 6 sarciles aut 8 camsiles aut 6 salmones ;
No. 65 ; scaram facit cum pedibus. UPrüm No. 67 findet sich der Ausdruck scara pedestria.
^) Im Fall des Schiffsdienstes meist längere Zeit; es finden sich bis 14 Tage, vgl.
UStift, Koblenz: 4 mansi hominem 1 cum navi, quantum 14 diebus ire potest. Vielleicht ist
hier freilich zugleich an Transport gedacht. Doch kann ein Mann z. B. rheinabwärts
namentlich bei langen Touren Nachrichten sicher schneller zu Schiff als zu Fufs überbringen.
S. auch noch UPrüm No. 69 : in Rettersdorf scaram cum nave bis in anno ad sanctum Goarem
sive ad Dusbuhrc; No. 71, Unkel: scaram facit cum nave, ebenso Dienheim No. 112. Ferner
No. 113, Neckarau: scaram facere debent in navi usque ad Covelenze vel quantum in 4 dies
possunt ambulare. Im übrigen kommen auch lokal enge Begrenzungen des Botendienstes
vor, vgl. USMax. S. 448, Eslingen: forestarius fert nuntia nostra 3 miliaribus; ebd. S. 457,
Weiten: Ijaiulus legationis nostre . . ibit . . Treverim et quo termini ipsius curtis extendun-
tur. Vgl. auch Feoda SMax., Longuich, S. 470: H. et B. habent cottidianum feodum, quod
nuntium ecclesie facient usque Ridenberch et infra, item usque Retersdorph . . si pontem de
Drogene, si pontem Treveri transierint, moitam vaden recipient.
— 811 — Verwaltungsorganismus.]
der sonnen us und wieder heim^ ])a})ei wai- der Dienst, wie in dem vor-
liegenden Fall, gewöhnlich ein beschränkter, doch kommen auf besonders be-
lebten Stral'sen und fiir vornehndich wichtige Verbindungslinien auch ungemessene
Dienste vor^.
Ursprünglich war dieser Schardienst eine Fronde wie jede andere Fronde
auch ; den Gehöforn, welche ihn leisteten, wurden dafür andere Fronden nach-
gelassen^. Allein schon im Laufe des 9. Jhs. ging eine beachtenswerte Ver-
änderung vor sich"^. Schardienst wird nunmehr zu besserem Dienst, als
gewöhnliche Fronde ^ : erforderte er doch in häufig friedlosen Zeiten besonders
kräftige Männer und besonders starkes Vertrauen seitens der absendenden
Meier : nicht selten war auch die Stellung eines schnelllaufenden Pferdes nötig,
wie sie nicht jedermanns Sache war. So werden die Schardienste zum Privileg
persönlich wie wirtschaftlich besonders kräftiger Gehöfer^: schon im 9. Jh.
erscheinen sie als passende Verpflichtung für benefizi arischen Besitz^, sie
nehmen fernerhin an der Entwickelung des Lehnswesens in der ersten Hälfte
des Mittelalters teiP, und in der ersten Hälfte des 13. Jhs. erscheinen ihre
Inhaber als volle Ministerialen^. Hiermit, mit der trotz des Lehnbegriffes
nicht seltenen Zersplitterung der Scharhufen ^^, wie mit dem wirtschaftlichen
Verfall der giimdherrlichen Wirtschaftsorganisation in dieser Zeit überhaupt
tiitt nun eine Verdunkelung der alten Schardienste ein ; die zweite Hälfte des
Mittel altei"» kennt sie nur noch in Ausnahmefällen^^ — im allgemeinen ging
das Institut des Nachrichtendienstes mit der Stauferzeit zu Grunde.
1) WSPaulin Beuren w. Throneck 1380 § 6, G. 6, 517.
2) Z. B. UStift 422, Altrich bei Wittlich, auf der Strafse Koblenz-Trier.
^) Vgl. UPrüm No. 31: aquam portat, scaram facit et omnia opera servilia; dazu
No. 55, 59, 91, 92. Ferner ebd. No. 23: omne servitium faciunt, sicut superiores, excepto
suales . . non solvunt . ., sed scaram pleniter faciunt.
*) Zur Möglichkeit des Studiums derselben vgl. Bd. 2, 137.
^) UPriim No. 15: mansus 1 . ., qui ante servilem servitium faciebat et modo scaram
facit; ebd. No. 6, Zusatz: I. habet dimidium [mansum], qui modo scaram facit. So öfter
halbe Mausen neuerdings in Schardienst gegeben.
®) UPrüm No. 7: scararius 1 K., qui tenet mansum 1^/2, quem comparavimus ad R. ;
ebd. No. 2: Herico maior tenet mansa servilia 2 . . et modo scaram faciunt.
'') UPrüm No. 22: sunt in Wihc scarii 2 . . unus est in heneficio. Die kursiv ge-
druckten Worte gehören der zweiten Renovation des Prümer Urbars an.
^) USMax. S. 445, Herl 9d, cit. oben S. 531 Note 3, wo der Ausdruck legatoriimi
feodiun; vgl. auch Feoda SMax. S. 470, Riol: I. de L. habet mansum [zu Ijehen], qui dici-
tur scarhuve, und ebd. Longuich, cit. oben S. 810 Note 3. Zu verwandten Entwicklungen
s. oben S. 496.
'^) S. Cesarius zum UPrüm S. 147 No. 1 z. d. W. scararii oder scarii : modo mini-
steriales appellamus. scaram facere est domino abbati, quando ipse iuserit [!], servire et nun-
tium eins seu litteras ad locum sibi determinatum deferre.
^^) Feod. SMax. S. 467: 0. et R. habent [zu Lehen] 3 iug. terre salice, de quibus
nuntium debent ecclesie.
") Vgl. z. B. AVRiol und Fell 1537, G. 2, 302—3: erkennen und wiesen auch die
Schelfen eim erw. apt etliche araie unnerthaenen, die potschaeftlehen von dem grunthern
52*
[Wirtschaft d. Grofsgrimdbes. — 812 —
Als ein Korrelat des Nachrichtendienstes nach wirtschaftlicher Aufgabe
wie geschichtlicher Entwickelung erscheint der Transportdienst. Auch bei
ihm läfst sich zunächst, wie beim Nachrichtendienst, eine Kichtung auf die
Zentralstelle und eine solche auf die grofsen Städte und Märkte in der Nach=
barschaft der Grundherrschaft unterscheiden, nur dafs die letztere Richtung
aus bald zu erörternden Gründen längst nicht so stark hervortritt, wie im
Nachrichtendienste Der Transportdienst selbst beginnt dabei erst im Verhältnis
von Hof zu Hof; für die Einsammlung innerhalb des oft mehrere Quadratmeilen
umfassenden Hofgebietes waren besondere lokale Vorrichtungen getroffen^.
Für die Zentralstelle kamen daher zunächst nicht so sehr die Leistungen der
einzelnen Hufen, wie die nach Abzug des lokalen Verbrauchs restierenden
haben; und sollen die eraielten lehendrägere ire lehen von dem grunthern wie pillicli ent-
pfangen bedingen imd vermannen, und sollen dieselbige lehenmanne dem grunthern sein pot-
schaeft innewennigh einer banmilen, woeliin sie geschickt werden, treuwelich thun und
werben, und so aber die lehenmanne ire potscliaeft nit thun wolten, auch nit gehorsam
weren, so sol der pot, der inen gepotten hat von wegen des grunthern, zu des grunthern
haus gane und sol darine ein metze [mutsche] hoelen und die dem armen lehenmanne zu
seim hoennerloech instoessen, zum zeichgen, das im von wegen des grunthern gepotten und
er ungehorsam erfunden, und so nuhe der lehenman zu dem lehenhern die potschaft zu
nemen kompt, so sol man im ein soppe machen und die flesche vellen und hinwegsenden,
und so er wederumb kompt, sein antwort zu geben, so sol ime solichs und abermals ein
soppe gemacht werden.
1) Vgl. dazu Bd. 2, 138 f., 153 f., 164 f., 173, und die zagehörigen Karten des 2. Bds.,
s. ferner wiederum Bd. 2, 188 ff.
2) Vgl. UWincheringen, MB. ÜB. 2, 363, um 1200: vom Zinsgetreide tenetur quilibet
mansionarius id, quod debet, ferre ad granarium (domini) propriis expensis; MR. ÜB. 2,
272, 1198—1210: .der Kanon einer Erbpacht in Kobern, in Getreide zahlbar für SMaria ad
martyres, ist lieferbar in curia (sanctae Mariae ad mart.) in Guntravia. Aus späterer Zeit s. WBech
1529, G. 2, 68 — 69 : magh ein hofman den scheffen gepieten zu den zinsen zu heben und
auch zu dem jargedingh, und sollen die scheffen iren zins mitbringen, den sie dan schuldigh
seien; und mag iederlich ein pfert mitbringen, und sol ieklicher sein mantel aufspreiten
und sein pfert darstellen, mach der habern so viel holen, als es essen magh; ist aber der
scheffen nit zins schuldig, so solle sein pfert der habern entpehren; das ist der scheffen ge-
rechtigkeit. WNiederemmel 1532, G. 2, 352 — 353: weisen wir scheffen, wanehe der herbst
in ist und der wein gehoben ist, so sal der keiner von Pfaltzel ein schrift herab schicken
und sal solches dem schulteißen verkundigen, dan sal der schulteiß die klock laßen leuten,
und so die geleut hat, so sollen alle diejenige khomen, so in Emmeler gericht wonen und
sollend unserm gn. hern seinen wein zu schif liebern; des sal der scheffen frei sein und
doch mitgehen, damit unserm gn. hern sein gut verwart werde. S. ferner das sehr lehrreiche
WMandern 1537, § 8 und 9, G. 6, 476—478. Charakteristisch ist auch die Notiz im WOber-
gundershausen 1771, G. 3, 784: daß des lehentherren schulteis oder diener sollen 2 beutel
haben [beim Einsammeln der Zinse], einen ledigen und einen vollen; aus dem vollen sollen
sie zehren und in den ledigen sollen sie sambelen. — Eine Ausnahme von der ersten Samm-
lung der Zinse durch die Lokalbehörden tritt nur da ein, wo der Grundherr sehr nahe
wohnt, vgl. z. B. WFellerich 1581, G. 3, 791 : nach sant Martins tagh ist ein genanter tagh,
daß kein hofinan hieher gepotten wirt, dan solle der ehrw. herr hiehero kommen mit seinem
gespan und wagen in den hof, da solle er stehen und seine seckh uf halten, da solle er
scheffen sitzen und ihrer ehrw. seine zins in die seckh lieberen.
— 813 — Verwaltungsorganismus.]
reinen Gesaniteinnalmien der Höfe in Betracht^; die Hölie dieser Einnahmen
kannte man im Zentrum ganz genau und stufte die einzeliien Höfe wohl gar
nach denselben systematisch ab^.
Die Eeineinnahmen bestanden aber nicht aus allzuvielen verschiedenen
Werten; aulser anfangs geringen, später wachsenden Geldzinsen handelte es
sich hauptsäclilicli nur um Getreide und Wein. Demgemäfs wurden die Liefer-
fi-isten für Getreide und Wein die liauptsächlichsten Anfangsfristen für den
Transportdienst '^. Nun lagen, sieht man von wenigen Intraden, namentlich den
Bedeabgaben ab, welche teilweis im Mai gesammelt werden*, die Zinstermine
für alle Getreidearten, ja für alle sonstigen Einnahmen überhaupt, mit grofser
Regel mäfsigkeit im Herbst bezw. Frühwinter: Marien Himmelfahrt (Aug. 15),
St. Bartholomäus (Aug. 24), St. Paulin (Aug. 31), Marien Geburt (Sept. 8),
St. Martin (Nov. 11) mit nachfolgendem St. Brictius (Nov. 13), St. Andreas
(Nov. 30), Weihnacht und St. Stephan (Dez. 26) sind die gewöhnlichsten Zins-
termine ^. Sicher wurde an ihnen der bei weitem überwiegende Teil aller
^) Diese finden sich daher auch oft für sich verzeichnet, z. B. MR. ÜB. 1, 431, 1115:
Erzbischof Bruno schenkt an das Kapitel ein predium in Lehmen, scilicet domum cum ambitu
curi? cum vinea et terra arabili et pratis ad eandem domum pertinentibus. Dieses Gut zahlt
jähi'lich eine refectio an das Domkapitel bestehend aus: 5 mir. frumenti claustralis mensure,
2 am? claustr. mens., 5 victime porcine perfecte laudabiles, 1 lateralis porcus, 2 porcelli,
20 galline, 20 casei, 300 ova, 1 Ib. piperis, 4 carrate lignorum, 1 sext. fecis cervisialis,
1 sext. aceti, 3 metret? mellis, ^k mir. salis, porri quantum fratribus datur die et dimidio
quadragesimali , 200 scutell?, ad usum coquin? 12 d. Besonders charakteristisch ist der
*Liber presentie sancti Gereonis Colon., im Kirchenarchiv zu SGereon-Koeln, um 1300,
letztes Bl. : curtis de Ambele solvit annuatim 187 mir. tritici et 22 mir. siliginis, 9 mr. paga-
menti Coloniensis et dimidiam mr. pro memoria Heriberti de Heise. Moirstorp solvit 153
mir. tritici et 9 s. pagamenti Coloniensis ad luminare capelle beate Cecilie. Gisenkirgen
solvit 120 mir. ordei 6 mir. tritici et 18 mir. siliginis et 7 mr. pagamenti Coloniensis circa
festum nativitatis Christi. Sinsteiden solvit 26 mir. siliginis . . . Item nota: Ambele solvit
ad presentiam 4OV2 mir. tritici et 5 mir. siliginis de festo beate Margarete usque ad crasti-
num beati Gereonis. Item Moirstorp solvit 16 mir. tritici et duo de Decstein ad predictam
diem. Item Sinsteiden solvit 8 mir. siliginis. S. ferner *UMünstermaifeld Hs. Koblenz
CXIa, Bl. 12 1^: die beiden orrea in Mertloch geben an die Propstei 45 mir. siliginis mensure
Monasteriensis ab.
2) S. USMax. S. 435, Heisdorf. Doch s. eine andere Erklärung der dimidiae curtes in
Abschn. YII Teil 1.
^) Vgl. UPrüm No. 113: debent integram carr. vini et carr. farine . . ducere; No. 62:
angarias 2, unam de vino, aliam de annona. S. auch Bd. 2, 138 f., 153 f., 164 f., 173.
*) Beispielsweise giebt es WSteinbach, G. 2, 203, zwei Dingtage, Mai und Martini, auf
jedem sollen geliefert werden 2 Ib. hl., sol iedes pfunt bezahlt werden mit 15 alb. alter
wehnmg.
5) S. Bd. 3, 506, 10, 1342; WEdingen 1588; WKenn 1490; Honth. Hist. 2, 97, 1318;
*WLonguich, Arch. Maximin. 8, 34, § 10; *USMax. 1484, WHospelt; Cesarius zu UPrüm
S. 178 Note 1; WSchönfels 1682, § 24, cit. Bd. 2, S. 645 Note 1; besonders lehiTcich
WWöllstein 1486, G. 2, 159: erkennen und weisen wir u. g. h. 3 frei zinstag, der erst den
negsten tag nach u. 1. frauen tag, als sie gebohren wart; die zeit sol ieder sein zinskorn
der herren fauth zue W. zue haus bringen, das heißt man foechtkorn. item der andere zins-
tag ist uf den 5 tag Martini im winter gelegen; da sol ein ieder sein habern und kappen-
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 814 —
Wein- und Getreidezinse eingenommen. Aber während man das Getreide
ohne weiteres zur Zentralstelle oder zu sonstiger Verwendung hinweg trans-
portieren konnte, mufste der Wein erst vergären; erst im kommenden
Frühjahr wurde er transportierbar ^ Demgemäfs teilen sich die Trans-
portdienste der Zeit nach, von wenigen Ausnahmen abgesehen^, in zwei
Klassen, in Herbst- und Frühjahrsfahrten ^. Von ihnen finden die Frühjahrs-
fahrten mit grofser Regelmäfsigkeit im Mai, die Herbstfahrten zumeist im
Oktober bis Dezember statt*. Die Wege, welche von den Fronfuhren ein-
gehalten wurden; waren noch bis ins 11. Jh. hinein die Römerstrafsen ^ ; neben
ihnen kommen schon früh, doch wohl erst später vollkommen ausgebildet,
Transporte zu Wasser in Betracht^. Die Kenntnis dieser Transportwege ist
aber deshalb von Wichtigkeit, weil sich nach ihnen und ihrem Zusammentreffen
in gewissen Knotenpunkten die weitere Organisation des Transportwesens
wenigstens teilweis richtete. Denn nicht alle Transporte gingen direkt bis zur
Zentralstelle, wenn es gleich das Bestreben war, die direkte Überführung von
den einzelnen Höfen eben hierhin immer vollständiger durchzusetzen^; viel-
mehr strömten die meisten erst in günstig gelegenen Zwischenstationen zu-
zins dem fauth zue W. ziie haus tragen, item der dritte zinstag ist uf sanct Andreae, da sol
ein ieder sein geltzins auch dem fauth zue haus bringen und ausrichten.
1) Natürlich konnte er auch noch später im Herbst versandt werden, s. Bd. 2, 173.
^) Vgl. USMax. S. 446, Naurath: (circulos) uno anno Uli de Sconebach precipiente
cai-pentario de silva educunt et Nuwilre evehunt; illi de Nuwilre Teverim deducunt; ebd.
S. 439, Donwen: (mansus) fenum secatum fert pro voluntate camerarii Treverim seu proprio
vehiculo ad littus Machere. Diese beiden Fronfahrten fallen wohl nicht grade in den Mai
oder Herbst.
•^) Bezeichnend ist USMax. S. 435, Schoenberg i. L.: devehit nobis [mansus] 2 mir.
dominicales in autumpno Treverim; quodsi in autumpno non monemus, usque in maio liber
erit vel 4 d. pro redemptione dabit.
*) Vgl. Bd. 2, 138 f., 153 f., 164 f., 173; auch die kurze Notiz UPrüm No. 45, Vil-
lance: faciunt angarias in mense maio et decembre.
^) In der ältesten Grundherrschaft an der Mosel, welche wir kennen, Detzem, liegen
fast alle zugehörigen Orte an Römerstrafsen , vgl. MR. ÜB. 1, 3, 633 (gefälscht, aber inhalt-
lich wenig anfechtbar, s. Goerz MR. Reg. 1, 73). S. femer Bd. 2, 239—240.
^) S. Bd. 2, 249, auch S. 164 und 173. Zu den Einzelheiten vgl. aufser der schon Bd. 2,
249 angeführten Aufzeichnung von c. 1220, Picks Monatsschrift 5, 91, noch USMax. S. 451, Moertz :
navim nostram mansionarii cum vino Treverim deducunt. datur autem eis primo sit. vini^
quam bibunt, et Treveri am. vini, ut in navi bibant. si autem ab hoc labore eos absolvimus,
4 d. a quolibet manso accipimus. Vgl. auch ebd. S. 452, Loef: (mansus dat) in martio 1 d., ita
tamen, si navis non ascendit Treverim; si vero ascendit, non solvit, sed tenetur dare virum
ad trahendum . . . si navis nostra ascendit, hominibus, quos mansi dabunt, propinabitur
sit. vini in littore Lovene tantum, et am. vini Treverensis mensure ponetur in navi, de
qua ipsi homines bibunt in via. preterea cum apud Staffele pervenerint, eis dabitur panis
et vinum preter predictam amam. et eisdem propinabitur sext. vini ad quelibet 2 milliaria,
etiam preter predictam am. apud Treverim dabitur eis de nocte panis et companagium et
vinum, in mane autem panis et vinum tantum.
^) S. Bd. 2, 137—38, 173.
— 815 — Verwaltungsorganismus.]
sainiuen. Diese Stationen, mit gröl'seren Räunilielikeiten zur Aufspeicherung-
versehen, waren nun die Knoteni)unkte der verfolgten Wege, z. B. für die
Prünier Grundherrschaft die Orte Altrij)}), Worms, Bingen, SGoar, Kochem,
Metz, Remicli, Mehring, Holler, Münstereifel ^ ; und nicht selten fielen diese
Stationen mit den später zu besprechenden gröfseren Dependenzen der Zentral-
stelle zusammen, wie das beispielsweise bei Prüm für die Orte Altripp, SGoar
und Münstereifel zutrifft.
Indes nicht alle Transporte strebten überhaupt der Zentralstelle zu;
von manchen läfst sich vielmehr vermuten, dafs sie ohne weiteres den Markt
aufsuchten^. Nur darf man sich nicht vorstellen, dafs der Transportdienst
etwa in so starker Weise in die grofsen Städte einmündete, wie der Nach-
richtendienst^. Es geschah das schon deshalb nicht, weil es die Grundherren
für den Verkauf ihrer Landesprodukte vielfach zu eigenen Lokalmärkten ge-
bracht hatten*. Zudem wäre es falsch, anzunehmen, dafs die Grofsgrund-
herren des Mittelalters die Landwirtschaft jemals zu einem vornehmlich oder
überhaupt bedeutend für den Markt produzierenden Gewerbe entwickelt hätten ;
die Wirtschaft war ihnen vielmehr Lebens- als spezifisch Erwerbsart ^: nur so
erklärt es sich, dafs die Zentralstelle mancher Grundherrschaft fernab vom
Verkehre an waldreicher sonst öder Stätte lag^. So ist e^ auch nur natür-
lich, dafs der Getreidehandel erst in der zweiten Hälfte des Mittelalters grofsen
Aufschwung nahm^ dafs gröfserer Viehhandel im ganzen Mittelalter kaum
vorhanden war^, und dafs unter den vermittelst des grundherrlichen Trans-
l)ortwesens gesammelten Landesprodukten allein Wein und Salz einen bedeu-
tenderen Handelsartikel ausmachten^.
1) Bd. 2, 95, 137. Im übrigen s. noch MR. ÜB. 2, 146, 1136—96: das Domkapitel
hat in Leiningen und Beiiren zwei curtes, dazu ein „cellarium" in Leiningen, von dem aus
das Domkapitel Beträge anweist. In ähnlicher Weise hat SMaximin in Luxemburg einen
Speicher, WHospelt 1542 § 7. In Beilstein an der Mosel befindet sich noch jetzt ein alter
Metternichscher Speicher von 1577, das sog. Burghaus: Keller für ca. 100 Fuder im Souter-
rain, überdeckt mit einem grofsen Tonnengewölbe; im Parterre Raum für Abgabe des Bed-
weins und für das Keltern mit einer alten Presse, auf der immer 1 Fuder geprefst werden
kann; im obern Stockwerke 8 Kornböden für ca. 8000 mir. Frucht, mit Getreideschurre in
den Hofraiun.
2) Vgl. z. B. UPrüm No. 24.
3) S. oben S. 810.
*) S. Bd. 2, 260.
''') S. Bornhak 1, 121.
6) S. z. B. MR. ÜB. 1, 505, 1138.
'') S. oben S. 593. Anders urteilt von Inama über die Handelsbestrebungen der Grofs-
gi'undheiren, vgl. Grofsgnmdh. S. 107, Wirtschaftsg. 1, 438 f. Seine Anschauungen scheinen
mir aber nicht bewiesen, und soweit ein Beweis versucht wird, dieser mifslungen. So be-
zieht v. I. z. B. Grofsgrundh. S. 108 die Prümer Angariae u. s. w. ohne weiteres auf den
Handel.
8) S. Bd. 2, 323.
») Zum Wein s. CRM. 3, 29, 1307: Erzbischof Diether verfügt in seinem Testa-
ment u. a. über 100 carr. vini melioris, quod in Confluentia apud nostrum celerarium habe-
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 816 —
Der Transportdienst selbst war in der Weise organisiert, dafs allen Ge-
höfern eine besondere Fronde, die Angaria\ zu diesem Zwecke auferlegt war:
die Transportpflicht war also allgemein grundhörig und lastete nicht etwa, wie
der Nachrichtendienst, nur auf besonderen Hufen. Dieser Veranlagung ent-
sprechend, wie konform den nicht selten recht weiten Entfernungen^, auf
welche sich der Dienst bezog, wurden die Fronfahrten von den Gehöferschaften
gemeinsam unternommen ; die in Bd. 2, S. 248 citierte Stelle der Mir. s. Mansueti
schildert anschaulich das Äufsere einer solchen Gesamtfahrt. Dagegen wurde
im Unterschied zu der gemeinsamen Durchführung der Fahrt die Transport-
höhe, welche jedem Gehöfer zufiel, individuell geregelt. Dies geschah nun
entweder so, dafs man das von jedem Gehöfer an sich zu transportierende
Quantum ein flir allemal feststellte^, oder gewöhnlicher so, dafs man sogleich
von grundherrlicher Seite aus den Transportzug mit seinen grofsen Lastwagen
und ihrer Bespannung von 2 bis 4 Ochsen* formierte, die einzelnen Gehöfer
mit ihren Zugtieren in die Formation einordnete und nur noch festzusetzen
hatte, welche Last auf je einen Wagen traf. Die gewöhnliche Belastung war
in diesem Falle 12 — 15 mo. Roggen, Hafer, Spelz oder Mischkorn, 20 mo.
Hafer und ^'4 bis 1 Fuder Wein^.
Es ist bezeichnend für den Verfall der grundherrlichen Wirtschaftsorgani-
mus, de quibuscunque bonis vel redditibus ibidem advenerint. — Zum Salz vgl. Bd. 2, 248,
328 f., auch Bd. 2, 138, 153-4.
1) Bisweilen wird die Angaria auch in den Wochenfrondienst der XV Noctes hinein-
gezogen und demgemäfs auch mit dem Ausdruck XV Noctes bezeichnet, so z. B. evident
UPrüm No. 1, wo die Angariae der Monate Mai und Oktober mit dem Ausdruck XV Noctes
rekapituliert werden. Vgl. ferner UPrüm No. 46, auch wohl No. 113. Dagegen unter-
scheidet man ebd. No. 47 genau: in menso maio facit alias XV noctes aut facit angariam
ad Prumia. Später findet sich der Ausdruck vierzennachten noch oft, z. B. WNiedermendig
1382, aber kaum wohl im Sinne von angariare. Statt der XV Noctes kennt man in Echter-
nach 36 dies, vgl. *Paris Ms. lat. 11104 Bl. 1, 12. Jh., Echternach: in februario operantur
36 dies, in maio totidem.
2) So erzählt Cesarius zum UPrüm S. 157 Note 1 : curie . . de episcopatu Wormacensi
angarias navigio facere tenebantur bis Kocliem a. d. Mosel. Vgl. auch Eegino Caus. synod.
1, 384, ex. Cap. Karol. M. 789: tria carraria opera licet fieri in dominica die, i. e. hosti-
licia, carra victualia vel angaria, et si forte necesse sit, corpus cuiuslibet duci ad sepulchrum.
3) Vgl. USMax. S. 440, Besch; S. 447—8, Eslingen; S. 449, Rittersdorf; S. 454,
Hilbersheim.
*) Über den Wagen als Transportmittel s. Bd. 2, 153 — 154 die Mettlacher Tabelle.
Zum Zugvieh s. UPrüm No. 46, Mabonpre: facit angariam mense octobri cum bovis 2 et
can'um ad Musella; ebd. No. 47, Tavigny: in angaria ad Mosellam mense octobri cum boves
2 et carrum dimidium. — S. auch noch USMax. S. 436, Hünsdorf.
^) S. UPrüm No. 45, Villance: si frumentum duxerit aut sigulum, tunc ducit unus-
quisque carra mo. 12, si avena, mo. 20; et in maio si frumentum duxerit, mo. 15, si avena,
20; ebd. No. 52: inter 3 mansos ducunt ad Prumie carr. 1 de vino aut de frumento mo. 15;
ebd. No.' 33: ducit de frumento mo. [1]5 ad Prumiam aut inter 4 carradam de vino [von
Remich]; ebd. No. 6: de spelta mo. 15 angariam integram, in No. 7 sind 10 mo. annonae
und 5 mo. sich angera integra. Vgl. auch noch S. 817 Note 5.
— yi7 — Verwaltungsorgaiiibnius.]
sation, dal's sieh das soeben beschriebene System des Transportdienstes, ob-
gleich durch Begründung auf eine allgemeine Fronde aufs denkbar stärkste
gesichert, doch nur in Trümmern über die erste Hälfte des Mittelalters hinaus
erhielt. Schon in den Urbaren aus der Wende des 12. und 13. Jhs., dem
USMaximin und dem UStift, zeigen sich die Engerfahrten in Verfall"; im
UMettlach kann man unter 11 Fällen schon 5 Fälle von Ablösung der Enger-
fahrt in Geld nachweisen, und im USMaximin sind es 11 unter 20 Fällen^.
Da ist es nicht verwunderlich, wenn, abgesehen von geringen und vereinzelten
Si)uren der Erhaltung^ oder verstreuten Versuchen der Wiederbelebung*, im
späteren Mittelalter nur geringe Reste der alten Angaria nachweisbar sind.
Bei weitem am besten haben sich einschlägige Bestimmungen noch im Bereich
der Prünier Grundherrschaft erhalten; sie sind besonders wertvoll, weil sie
mit der Redseligkeit der Weistumsquellen eine Anzahl von Details über die
Organisation der Engerfahrten geben, welche die älteren Quellen vermissen
lassen'^.
1) S. Bd. 2, 164, 172. Im USMax. erscheint wenigstens schon das Eifeler Transport-
wesen zusammengeschrumpft.
2) S. Bd. 2, 153—4, 164—5. Zur Verdeutlichung von Einzelfällen vgl. USMax. S. 436,
Nospelt: 8 Hufen, jede zahlt 4 d. pro vectione; und ebd. S. 442, Lorscheid: 28 Hufen, jede
zahlt in autumpno pro vino deducendo 4 d.
3) Toepfer ÜB. 2, 260, 1438 : Clais, Eltzkorns Sohn von der Hagen, welchem Nicolaus
Vogt und Herr zu Hunolstein den Hof Cuntzenbusch für 70 gl. verkauft hat, verpflichtet
sich, jährlich vier mir. P'rucht und einen Hammel zu liefern, sowie eine Moselfahrt und
andre Fronden zu thun.
^) So WThroneck 1534, § 4 ff., G. 6, 474—5. Von besonderem Interesse ist in dieser
Hinsicht auch eine *Urkunde von 1526, Arch. Maximin. 5, 1167 f.
^) WBirresborn , G. 2 , 525 : der hof Berisborn ist m. h. von Prüm schuldigh alle jar
acht angerwagen, vier zu sanct Walperts tagh und vier zu sanct Martins tagh ; und die angerfahrt
sei der gehofner thun entzwuschen Contzerbrucken und Hasselpfort, und sol laden ein frohn-
fuder, außgenomen wein und stein; und der gehofner ist schuldigh an der Mosel zu warten
von einer sonnen zu der andern: wannie er dan nit geladen wird, sol er an die Mosel
gehn, dreimal mit seiner gapfei krachen, heimfahren, und dan sein angerfahrt bezahlt hain . . .
wannie der herr den angerwagen nit vonnoten hat, sol der gehofner eine angerfahrt bezahlen
mit 6 gl., wie von alters. WNiederprüm, G. 2, 534: zwei Angerwagen zur Moselfahrt sollen
vier ohmen weins laden, und die fünfte nit liegen laßen. WWallersheim , G. 2, 537: acht
angerwagen, dero vier im mai und vier im herbst schuldigh [zur Moselfahrt] ... die wein zu
holen zwischen Contzerbrück und Hatzenpfort, vier ahmen schwer [WWetteldorf: ein frei-
foder schwer, d. i. 4 ahmen] zu laden, sonder waßer und stein. Eventuelle Ablösung mit
4 gl. alter Moselwährung. WGondenbret, G. 2 , 541 : 4 angerwagen, 3 zu herbst zwischen
]\Iichaeli und sanct Martins tag, den vierten zum mei, sollen 14 Tage vorher angesagt werden.
Wanehe aber die gehöfener wie recht geboten seind, sollen sie kommen fahren uf den
freien hof und dem Schultheißen anzeigen, sie seien reit zu faren, und begeren, daß der
Schultheiß ihnen bürg setze, ob sie ungefals ader scheden halben leid überkommen kriegen, daß
sich weih und kinder des zu erholen wissen : das sol der Schultheiß thun und ihnen bürgen setzen.
WBüdesheim, G. 2, 544: Angelfahrten halb zum mei und halb zum herbst; zwischen Kontzer-
brück und Hatzenport, vier Fuhrleute bei jedem Wagen, eventuelle Ablösung mit 6 gl.; vgl.
oben WBirresborn, auch WSellerich, G. 2, 548: belangen die angerfahren weisen sie drei wagen
[Wirtschaft d. Giofsgmndbes. — 818 —
So ist denn nur für die erste Hälfte des Mittelalters, hier aber auch in
dem hervorragendsten Sinne, der Nachrichten- und Transportdienst das Binde-
mittel der zerstreuten Höfe einer Grundherrschaft ; er verknüpfte kontinuierlich
und, abgesehen von zeitweisen Kontrollen, allein die Hofverwaltungen der
Meier mit der Zentralstelle. Das ist ein Verband und ein System, welches
von der Art der fiskalischen Organisation doch sehr abweicht, wenn auch
die Fisci aufser dem geschlossenen fiskalischen Territorium einzelne Depen-
denzen im Sinne grundherrlicher Fronhöfe hatten. Dort der Iudex, ein Lokal-
beamter, selbständiger Vorstand einer ausgedehnten Regie und Hauptträger
des Rechnungswesens, nur in der Abführung des äufsersten Reinertrags der
Zentralstelle zahlungspflichtig — hier der Meier, vornehmlich Einnehmer der
grundhörigen Zinse in Geld und Landesprodukten, weniger Administrator und
am wenigsten rechnungsmäfsig selbstverantwortlicher Wirt, zur Ablieferung
aller Intraden des Hofbezirkes verpflichtet, und zum Zweck der Aufrecht-
erhaltung dieser Verpflichtung durch ein ausgebildetes Nachrichten- und Trans-
portsystem unterstlitzt. Es begreift sich, wenn unter diesen Umständen die
Funktionen der Zentralstelle innerhalb der aristokratischen Grundherrschaften
gröfsere Bedeutung gewinnen, wie innerhalb der Fiskalverwaltung. Damit ist
freilich noch nicht gesagt, dafs unsere Quellen uns zu einer ausreichenden und
allseitigen Würdigung dieser Bedeutung verhelfen, vielmehr gilt hier für die
doch vornehmlich in Betracht kommende urkundliche Überlieferung der auch sonst
bewahrheitete Satz, dafs ihr Umfang entsprechend jeder Bezugnahme auf sociale
im hof dem liern mit aller pfenwertli, sonder wasser und stein, zwischen Kontzerbrücke und
Hatzenport zu fahren vier ahmen schwer, doch fünftehalb sollen sie nit liegen laßen, darumb
der fuhrman haben sol von iederm boden eine sester weins. die fohren sollen geschehen^
danach sie geboten sein, acht tagh für oder nach sanct Martins tagh, soe aber zur gemelten
zeit nit geschige, alsdan zu mai, wie dem hern gelegen ist. WSeffern, G. 2, 549: wer m,
gn. h. 9 sester haber oder even gibt, sol m. gn. h. 2 angerpferd thun, auch was dem forman
von seine gerechtigkeit werden sol. wanehe der man ausgespannet hat, sol in des hern ge-
leit sein; ob der fohrman todeshalben abgenge, sol der herr weib und kind versorgen, der
foiTnan sol an die Mosel faren und solle dar beiden von einer nonen zit zu der andern : ob
er dan nit geladen wird, sol er dreimal mit seiner geißeln klieben und sol heimfaren, sol
sein angel bezalt haben. — Eigentümlich ist WBockenau, G. 2, 169: weist man auch mit
recht, daß ein hofman zue Neunkirchen nit mehr dan einen hanen und ein huen zu halten
haben uf der gemeinen zue B. auch so ein hofman da were, der pfert und geschirr hielte,
der sol alle übernächtige fahrt thuen, die die gemein zue B. unsern gn. herren thuen sol,
des zu urkunt gibt der apt dem gericht zue B. ein halb mir. habern gehäuft und 8^/2 s.
Die einzige Quelle fi'üherer Zeit von annähernd gleicher Ausführlichkeit, wie diese Weis-
tumsstellen, ist USMax. S. 453, Rübenach: devehit [mansus] 8 mir. annone apud Mettriche;
si plaustrum frangitur, emendationi tenetur . . . annonam ecclesie mansionarii Treverim dedu-
cunt. recipit scabinus de annona situlam vini . . . devehit mansus ad littus Muselle sive
Rheni carr. vini. si plaustro quicquam infortunii acciderit, mansus solvet; et si vas amplius
quam carr. capiat, ecclesia dampnum habebit, in vino deducendo scabinus recipit sext. vini;
si vero in Lovene in littore ultra 1 diem mansionarius cum vino iacuerit, ecclesia Stipendium
dabit. mansionarii in eundo situlam vini in communi habebunt . . . cetera in vino deducendo
Treverim sicut illi de Lovene recipient et solvent.
— 819 — Verwaltungsorganismus.]
Entwiekhingen der Laien der Regel nach abnimmt. Und eben um eine be-
sondere weltliche Standesbildung handelt es sich bei der Frage nach der
Ausrüstung der grundherrlichen Zentralstelle. Diese Standesbildung ist die
ministerialische.
Sieht man von einer Art von j\Ii niste rialenstatut der Abtei SMaximin, an-
geblich V. J. 1135 ^ ab, so sind wir über das Emporkonnnen der Dienst-
niannen im Moselland leider nirgends durch systematische Aufzeichnungen
unterrichtet, und Einzelurkunden wie Schriftsteller reden nur dann deutlicher,
wenn sie nicht den regelmäfsigen Gang der Entwicklung, sondern aufser-
gewöhnliche Zustände zur Schilderung bringen^. Bei dieser Lage der Quellen
wird es schwer, sich von den ministerialischen Dienstverhältnissen auch nur
innerhalb der grundherrlichen Verwaltung, welche uns hier allein beschäftigen^,
eine sichere Vorstellung zu machen.
Zunächst bilden da die Ministerialen, abgesehen von den Laienbrüdern
(Conversi) '*, den einzigen weltlichen Beamtenkörper der grundherrschaftlichen
Verwaltung^; aul'ser ihnen sind nur noch Beamte geistlichen Charakters, und
diese natürlich nur in kirchlichen Grundherrschaften vorhanden. Ihrer Aus-
schliefslichkeit entsprechend nehmen die Ministerialen Stellen sowohl in der
Lokal- wie in der Zentralverwaltung ein. In der Lokalverwaltung finden wir
sie von jeher als Meier "^ oder Inhaber der Spezialbetriebe bezw. der Güter
1) MR. ÜB. 1, 483. Daneben kommen nur noch die ganz späten, unten S. 853 if. ab-
gedruckten Aufzeichnungen in Betracht. Die räumlich nächstliegenden Ministerialenstatuten
wären die von Worms, von Weifsenburg, der Grafen von Ahr, von Köln und Xanten.
2) So gelegentlich der Überhebung der Trierer Ministerialen im 11. und 12. Jh.;
s. dazu Waitz, Vfg. 5, 345; 7, 49 — 50. Grade solche Fälle sind aber für uns von geringerem
Interesse.
^) Speziell über die militärische Stellung und Entwicklung der Ministerialen ist erst
später in Abschnitt VIII zu sprechen.
*) S. über diese oben S. 690 f.
^) Minister wird darum der einzige speziell bezeichnende Ausdruck des früheren Mittelalters
für Beamter sein, vgl. z. B. Lac. ÜB. 1, 162, 249, 1094. S. auch Nitzsch, Ministerialität S. 66 f.
6) S. oben S. 769 f., vgl. MR. ÜB. 1, 32, 778: abbas eiusque successores [so statt
rectores zu lesen] aut agentes ipsius monasterii (Prüm). Ebenfalls für Prüm ist MR. ÜB. 1,
52, 820, sowie 61, 835 die Rede von rectores et ministri monasterii, MR. ÜB. 1, 89, 855
von provisores monasterii. In allen diesen Fällen sind unter agentes, ministri, provisores
embryonal-ministerialische Meier zu verstehen , vgl. MR. ÜB. 1 , 105 , 866 , Prüm : terris ac
vineis . . ac reliquis subsidiis, sicut hactenus nostris usibus deservierunt vel a ministris
nostris consenate esse noscuntur. Ein weiterer Beweis in dieser Richtung liegt in der Be-
zeichnung der Villicatio Mersch als ministerium, UPrüm No. 23. Für spätere Zeit s. Calmet
5, 140, Longueville: villici vestri, forestarii, decani sive caeteri servientes, ubicunque sint,
nullum servitium debent advocato. servientes ergo, qui specialiter loco vestro deserviunt,
exceptis aliis. qui per curias ecclesie deputati sunt, prout opus fuerit, vobis in officio vestro
assumantur. Dazu ferner CRM. 1, 105, 1132; MR. ÜB. 1, 453, 1124-27; Gart. Orval 166,
1212. Vom Leben eines vermutlich ministerialischen Meiers giebt die V. loh. Gorz. ein
anschauliches Bild; vgl. Vit. loh. Gorz. 9: (lohannes oriundus fuit) villa olim regia vocabulo
Vinderia [Vendiere] parentibus utique non nimium obscuris, substantiae sane locupletioris . . .
[Wirtschaft d. Grofsgrimdbes. — 820 —
mit Sonderlasten, namentlich der Scharhufen ^ : eben von der Grundlage der
letzteren Gütergnippe aus entwickelt sich vornehmlich ihre militärische Be-
deutung. Neben der Lokalverwaltung aber bilden sie das alte Verwaltungs-
material der Zentralstelle. Ursprünglich war die Zentralstelle nur Hausver-
waltungsstelle und die Ministerialen waren demgemäfs unfreie Hausdiener, eine
gleichförmige Masse des Gesindes, in welcher Seneschalk und Schweinehirt,
Marschalk und Bäcker fast unterschiedslos nebeneinander standen^. Allein
teil weis schon früher^ und spätestens mit der Ausbildung der Grundherrsch aften
begann infolge der neuen Arbeitsteilung in der Güterverwaltung die Gruppen-
bildung unter dem Gesinde. Nur die eigentlichen Hausdiener und die Hof-
gewerbe, wie Bäcker und Schmied, blieben auf der alten Basis noch längere
Zeit stehen ; über sie erhoben sich stets höheren Ansprüchen und Vorrechten zu-
strebend die Gruppen der selbständigen Handwerker und der eigentlichen Höflinge.
Sehen wir von den selbständigeren Handwerkern, den Webern, Walkern,
Fischern u. a. m. ab, da deren Entwicklung bald eigene Bahnen einschlug*,
so bleiben für unsere Erörterung die Gruppen des niederen Hofgesindes und
der höheren Höflinge übrig.
Über die erste Gruppe, wie sie die eigentlichen Hausdiener, etwa den
Gärtner, den Schmied, den Zimmermann, in den Klöstern ferner den Barbier,
den Pförtner, sowie die niederen Kirchendiener umfafste '^, sind wir für die hier
in Betracht kommenden Verhältnisse verhältnismäfsig gut, aber freilich erst
durch Quellen des 13. und 15. Jhs., unterrichtet^. Im 13. Jh. finden wir alle
(pater) ruri intentus ac regendae familiae . . . pkira ei ex iusto labore succrescerent essetque
possessionibus sumptibus pecimia . . admodum auctus. Die coniux war liberioris generis;
der Mann hatte soviel, dafs er hospitalitas elemosinae pflegte und der Kirche gab. Johannes
folgt zuerst seinem Vater nach, Vit. loh. Gorz. 11: agro pecore familia et his instituendis
atque alendis substantia non mediocri locupletatus deinde in artium diversarum, quae ad
variam suppellectilem usui sunt, exercitio et dispositione (multum valuit). Als er dann das
Mannesalter erreicht, verweilt er einige Jahre in domo comitis Riquini [wohl als Ministeriale],
nam et ecclesiam villae ipsius, ex qua ortus est, dono eiusdem comitis possidebat.
1) Vgl. aufser oben S. 495, MPi. ÜB. 1, 382, 1082—84 und noch prägnanter MR. ÜB.
1, 483, angebl. 1135, SMaximin: predia et mancipia eorum, qui ministri vel scaremanni
dicuntur. S. ferner MR. ÜB. 1, 482, 1135; Bd. 2, 179; WGüls 1385, Zs. des Berg. Gv. 18,
158; CRM. 3, 337, 1346.
2) S. z. B. L. Alam. 2, 81, LL. 3, 73.
3) S. oben S. 54.
4) Vgl. V. Maurer, Fronh. 1, 202—3, auch 244 f. Im übrigen s. z. B. Mir. s. Celsi,
MGSS. 8,-207; UStift 415, Koblenz; Bd. 3 Wortr. u. d. W. carpentarius. S. auch Warn-
koenig, Flandr. Rechtsg. 3, 133 f., 148 f., und Stat. Wetzlar. 1433, Blattau 1, 264—265.
5) S. z. B. Schöpflin, Als. dipl. 1, 262, 1041; U2Mettlach S. 194—5, 1399.
^) Es liegen hier zunächst die Urkunden über die Dienerschaft des Trierer Domstiftes
von 1245 und 1258, MR. ÜB. 3, 833 und 1468, vor, aufserdem die unten S. 853 ff. abgedruck-
ten Stücke. Die Urkunden des MR. ÜB., vermutlich Übersetzungen des 15. Jhs. aus dem
Lateinischen, sind einer leider verloren gegangenen Hs. des verstorbenen Professors Marx in
Trier: Ordnung der Dienerschaft des Domkapitels in Trier: entnommen und nach sehr
schlechten Kopieen gedruckt. Doch macht die Emendation meist geringe Schwierigkeiten.
. — 321 — Verwaltungsorganismus.]
Glieder dieser Gruppe innerhalb der Zentralstelle einer Grimdherrschaft kor-
porativ organisiert; sie bilden eine Genossenschaft, oder wie es in den
Dokumenten für das Trierer Douistift heifst, ein Kapitel, welches am ge-
nannten Orte zur Disposition des Kellners und unter der Gerichtsbarkeit
des Propstes stand. Doch gehörte die Genossenschaft in Strafsachen, speziell
bei öffentlichem Friedensbruch, unter die Kompetenz des gemeinen Gerichts,
und auch fiir Handlungen freiwilliger Gerichtsbarkeit konnten die Genossen
den Trierer Schöifenstuhl suchen. In sich zerfiel die Genossenschaft in
einzelne Abteilungen, z. B. in die eigentlichen Hausdiener und die Kiichen-
diener. Das hinderte aber nicht, dafs man sich als eine Korporation fühlte,
welche sich ihre Rechte wies und im Fall des Streits über dieselben mit dem
Kellner eine domkapitularische Kommission als Schiedsrichter anrufen konnte.
Die Unterhalts- und Lohnverhältnisse der Genossenschaft waren in der Art
geregelt, dafs ihr neben einer bestimmten Anweisung auf freie Station sub-
sidiär, wenn diese nicht ausreichte, ein Anrecht auf einen Teil des kapitula-
rischen Ernteergebnisses zustand; zudem hatten die Genossen einen Anteil am
Herbst des Kapitels und den Genufs einer Anzahl von Rentenbezügen, welche
teils auf fremdem Besitz fundiert waren, teils aus den Fronhöfen und Ämtern
des Kapitels erflossen und im wesentlichen dazu bestimmt waren, an gewissen
Heiligen- und Marientagen ^ gemeinsame Ergötzlichkeiten zu bestreiten.
Bei weitem anders ist das Bild, welches aus den Maximiner Aufzeich-
nungen des 15. und beginnenden 16. Jhs. über die Lage der ehemals un-
freien, ministerialischen Dienerschaft erhellt. Wir stehen hier am Schlufs
der Entwicklung: Scheckman selbst, der in seinem Speculare feudorum
von ca. 1520 eine letzte Beschreibung des Instituts giebt, spricht es wieder-
holt aus, dafs er von halb vergessenen Dingen rede. In der That erscheinen
jetzt die alten Dienststellen sogar der Zahl nach zusammengeschmolzen; statt
zweier Kochstellen giebt es nur noch eine, und die Existenz der Schmiede-
stellen gehört einer so fernen Vergangenheit an, dafs Scheckman über sie
nichts mehr im Archive der Abtei vorfindet^.
Ursprünglich aber bestanden in der Abtei SMaximin 10 Dienststellen.
Von ihnen bezogen sich vier auf den Kirchendienst, auf die Nachtwache in
der Kirche, die zeitweilige Tagwache am Reliquienschrein, die Bewahrung der
Fenster, das Anzünden und Löschen der Leuchter, das Läuten der Glocken
u. a. m. Die vier Diener, ein Apothecarius , vornehmlich für den Reliquien-
dienst, und drei Aeditui oder Cereales, standen unter dem Spezialbefehl des
Küsters oder Sakristans. Die anderen sechs Dienststellen fielen zu je zwei
^) Solcher Tage gab es eine ganze Anzahl, ich nenne Jan. 1, 13 und 18; April 15;
August 15, 22 und 31; Oktober 23 und 25; November 8, 11 und 23; Dezember 8 und 9.
2) Die letzte Erwähnung der Maximiner Dienstmannen findet sich wohl in dem von
Wolff edierten Modus propinandi in festis ss. Maximini videlicet et Agritii, Geschbl. f. d.
mittelrh. Bistümer Bd. 1.
[Wirtschaft d, Grofsgrundbes. — 822 —
auf den Bäcker- und Kornmesserdienst, die Küche, und den Schiniededienst;
sie unterstanden dem Kellner und in höherer Instanz dem Abt. Die Inhaber
aller zehn Dienststellen bildeten zusammen, wie die Dienerschaft des Trierer
Domkapitels, eine Genossenschaft mit eigenem Recht, eigenem Weistum und
eigener Strafbefugnis in Dienstsachen, und sie standen, ursprünglich neben
kleinen genossenschaftlichen Rentenbezügen, in der Naturalverpflegung der
Abtei. Aber wie hatten sich diese Dinge bis zum 15. Jh. geändert. Jede
Dienststelle w^ar mit besonderen Renten dotiert worden, sie war zum Dienst-
lehen ^ geworden. Und diese Dienstlehen erscheinen nunmehr fest unter be-
stimmten Modalitäten auch an Weiber vererblich und zugleich von den
Inhabern W'onn auch nur an Männer veräufserlich ; ein Kochlehen wird z. B.
auf 70 rheinische gl. Wert berechnet. Die Inhaber dieser Dienstlehen dienen
nicht mehr selbst im Kloster, längst haben sie sich daran gewöhnt, Stell-
vertreter aus dem Kreise der kleinen Trierer Handwerker zu senden, und
diese Handwerker bilden nun noch notdürftig eine Genossenschaft und weisen
mühsam das alte Recht. Die Inhaber selbst aber sind vornehme Leute, mit
Vorlie])e l)eteiligen sich die Schöffen der Immunität SMaximin, Landadlige,
Schöffen und sonstige bessere Bürger der Stadt Trier, und sogar das Kloster
selbst ist im Besitze von Lehen und sucht weitere Lehen zu erwerben. So war
(las Dienstlehen zu einem mit gewifs nicht allzugrofsen Revenuen verbundenen
Titel geworden, einem Titel, der einem reichen Bürger unter Umständen ein
ähnliches Vergnügen gewähren mochte, wie unter heutigen Verhältnissen die Titel
des Kommerzienrates oder Hoflieferanten. In der That wird man beim Ent-
wicklungsgang dieser niederen Ministerialität an ein ähnliches Verhältnis er-
innert, wenn man sieht, wie Erzbischof Balduin schon im Beginn des 14. Jhs.
einen reichen Koblenzer Bürger gegen Auftrag eines kleinen Dienstlehens in
die Genossenschaft der Trierer Ministerialen und Vasallen aufnimmt, unter der
Verpflichtung, dem erzbischöflichen Hofe fiir die Zeit seiner Anwesenheit
in Koblenz und im Umkreis einer Meile die Tischtücher zu liefern^.
Haben Avir so die Entwicklung der niederen Ministerialität bis zu ihrem
völligen Verfall in der zweiten Hälfte des Mittelalters verfolgt, so bleibt gegen-
über der höheren Ministerialität vorläufig nur die Aufgabe, die Funktionen der-
selben innerhalb der Zentralverwaltung der Grundherrschaft zur Zeit der Blüte
gmndherrlicher Wirtschaftsverwaltung nachzuweisen; vom Verfall der Mini-
sterialität als Beamtentum kann dagegen erst weiter unten, bei der Erörterung
der Entwicklung der Territorialverwaltung des späteren Mittelalters, die Rede sein.
Für die« Funktionen der Ministerialität in der grundherrlichen Zentral-
verwaltung ist ein doppelter Gesichtspunkt festzuhalten. Einerseits bildeten
nämlich diese Funktionen sich in besonderen feststehenden Ämtern aus, deren
M Feuduni servile oder ministeriale.
2) Bd. 3, No. 94, 1318.
— g23 — Verwaltungsorganismus.]
Inhaber übrigens von Zeit zu Zeit, oft in festbestimniten Perioden ^ wechseln
Ivonnten ; andererseits war fast stets ein Gros von dienstpflichtigen Ministerialen
an der Zentralstelle vorhanden^, aus dem man einzelne Gruppen für Einzel-
geschäfte verwandte. Amt und Kommissariat sind mithin die beiden Formen
ministcnialischer Dienstleistung innerhalb der grundherrlichen Verwaltung,
geradeso wie sie später die beiden Formen der Ratsdienstleistung innerhalb
der städtischen Verwaltung geworden sind.
Unter den Ämtern stehen zunächst die alten vier Hofämter im Vorder-
grund, daneben wohl auch das Küchenmeisteramt, das Kellner- und das Forst-
amt ^. Wichtig aber ist, dafs neben diesen zunächst auf den Hofkonsum
berechneten Ämtern — wenigstens überwiegt dieser Gesichtspunkt bei den
vier Hofämtern — auch ein Amt vorkommt, das unter verschiedenen Namen
auf eine Generalverwaltung der Einnahme und Ausgabe und damit auch auf
eine Oberaufsicht ül)er die grundherrlichen Fronhöfe hinweist. Am besten
verdeutlichen läfst sich Zweck und Geschäftsgang dieses Amtes an der Erzäh-
lung der V. loh. Gorz. über die Thätigkeit des Ministerialensohns und späteren
Abtes von Gorze Johann als Solatium des früheren Abtes: Solatium, Gehülfe
Adlatus oder Stütze, war eben der gewöhnliche Name des Generalverwalters
da, wo er in den geistlichen Ämterverband einbezogen erscheint. Als Solatium
hatte Johann zunächst das Ausgabe- und Einnahmegeschäft des Klosters, unter
oberster Kontrolle des Abtes, unter sich: quaecumque nmnmis vel quibuslibet
aliis rebus expendit, summam eorum in breve notatam abbati post hebdomadam
aut mensem reddidit, nee minus, quaeque extrinsecus de ratiociniis quibusque
illata recepisset'*. Als oberstem Rechnungsführer des Klosters kam es ihm
auch zu, die offenbar nicht unbedeutenden Ausleihegeschäfte des Klosters zu
besorgen: commodabat equidem plurima et recipiebat, cautus, ne quo dolo
debitorum falleretur, . . . si frumentum vinum sal vel quaecumque ad cibum
pertinentia, similiter ad vestitum commodabantur, eiusdem mensurae vel quanti-
tatis reposcebantur, ut nihil supra exigeretur. argentum pondere iusto commo-
dabatur, nee ipsum, quod moneta iure extorquet, ullatenus petebatur, sed
quantum quis accipiebat aut dabat, aequa lance refundebatur '^. Nicht minder
aber griff er vom finanziellen Gesichtspunkte aus in die Rechtssprechung des
Klosters ein. Hier war es Hauptsache, einmal dem Grundherrn die Fructus
iuiisdictionis voll zu wahren, andererseits aber jede ungerechte Übervorteilung
^) So z. B. im Kölner Dienstmannenrecht , ed. Frensdorif, Hoehlbaums Mitteilungen
Heft 2, 4 ff.
2) S. UStift S. 322; MR. ÜB. 1, 891, 1097; 2, 117, 1191; oben S. 495; vgl. auch
V. Maurer, Fronh. 1, 206 f., 250; Warnkoenig 1, 202 f., sehr verbessert 3, 117 f.
^) Über die Pflicht der Ministerialen, an der Zentralstelle der Grundherren zu weilen,
wird noch später Abschnitt VIII Teil 2 die Rede sein. Zur Sache s. auch schon v. Maurer
Fronh. 1, 167 ff.
*) V. loh. Gorz. c. 73.
•^) A. a. 0. c. 88.
[Wirtschaft d. Grofsgrimdbes. — 824 —
ZU vermeiden: quicquid iustitia acquireret, totum fidelitur monasterio inferre,
et illiid optime cavere, ne sacciilus monasterii qualibet mnqiiam doli vel mise-
rorum fraiide vel calamitate contaminaretur^. Eine ähnliche Stellung wird es
gewesen sein, welche im 10 Jh. in SMaximin der ministerialis fratrum >c«r
e^oyrjv einnahm^, welcher wir am erzbischöflichen Hofe von Trier im 11. und
12. Jh. in dem Amte des Viztums, Oeconomus, Prokurators begegnen^,
welche unter gleicher Benennung in den Frauenklöstern noch im 13 Jh. und
später wiederkehrt*. Nicht immer braucht diese Stellung ständig und fest
umschrieben gewesen zu sein; sie war ein Vertrauensplatz an der Seite des
Grundherrn, welcher nur besonderer Treue und Energie verdankt ward. So
w^ird z. B. dem 1099 gestorbenen Meier Lambertus von SHubert nachgerühmt,
er sei gewesen strenuus cooperator abbatis Theoderici maioris in acquirendis
praediis et ornamentis, in renovandis et amplificandis aedificiis, in vitreis et
fabrefacturis, in ordinando fratrum victu et vestitu et in quibuscunque poterat
ecclesiae profectibus et utilitatibus ^. Trotz dieser offenbar umfassenden Thätig-
keit behielt Lambert seinen einfachen Meiertitel; er erhielt keinen Nachfolger;
seine Stellung starb mit ihm aus. Soviel aber leuchtet ein, wo auch immer
sich die Stellung eines Generalverwalters ständig oder zeitweis entwickelte,
da fiel ihr bei gröfseren Verwaltungen eine bemerkenswerte Verantwortlich-
keit zu; so dafs es sich fragt, wie ihr Inhaber sich derselben im allgemeinen
gewachsen erweisen konnte.
Von Johann von Gorze erzählt die Biographie c. 85 ausdrücklich: rarus
. . illi ad (villas monasterii) accessus, potiusque de ipso monasterio, queque
foris agenda essent, dictabat, brevique sub tempore ministris — es sind die
Meier gemeint — evocatis, minus aut amplius quod ipsi expletum referrent
edicebat. Gleichwohl kann Johann sich nicht der Mühe entschlagen, bisweilen
auf die Fronhöfe zu gehen; die Geschäfte daselbst werden dann beim Essen
abgemacht^. Ein solches System prinzipieller Enthaltsamkeit von persönlicher
Kontrolle entsprach vielleicht dem grade von Gorze ausgehenden asketischen
Anschauungen der deutschen Klosterreform des 10. Jhs. , liefs sich auch bei
der infolge von Zinslieferungen nicht seltenen Anwesenheit der Meier an
der Zentralstelle allenfalls durchführen, praktisch war es aber nicht. Im
Interesse eines tüchtigen Generalverwalters mufs es vielmehr gelegen haben,
soviel das der Dienst um die Person des Herrn gestattete, auf Visitationen
1) V. loh. Gorz. c. 87.
2) MR. ÜB. 1, 163, 923.
3) MR. ÜB. 1, 310, 1038; 318, 1042 (Or. a. d. 13. Jh.!); 361, 1065; 453, c. 1125.
Die Stellung der bekannten Burggrafen Dietrich und Ludwig in Trier unter Erzbischof Eber-
hard u. s. w. (Waitz, Vfg. 7, 49 — 50) hat zunächst mit den erzbischöflichen Generalverwaltern
nichts zu thun.
*) Stat. Brem. 1290, Blattau 1, 61.
5) Cantat s. Hub. 87, MGSS. 8, 618.
6) V. loh. Gorz. c. 86.
— 825 — Venvaltungsorganisnius. I
der dreier imterweiis zu sein; das ist die Yorsclirift, welche Karl der Grofse
dem in vielen Tunkten eher mit dem Generalverwaltei- als mit dem Meier zu
parallelisierenden Iudex giebt.
Indes auch der fleilsiiiste Generalverwalter war wohl schwerlich in der
Lage, dieser Aufgabe voll Genüge zu leisten. Da treten denn die ministeria-
lischen Kommissariate ergänzend ein. Solange die grundherrliche Wirtschafts-
verwaltung l)lüht, sehen wir von der Zentralstelle aus geschickte ministerialische
Konnnissare, missi oder manaliti wie sie in der ältesten Zeit heifsen, in den
verschiedensten durch die Zentralstelle zu erledigenden Geschäften thätig:
sie stellen Grenzen fest, sie suchen Plätze für gröfsere wirtschaftliche Anlagen,
Fischereien u. dgl. aus, sie kaufen und übernehmen neuen grundherrlichen
Besitz, sie visitieren endlich die einzelnen Meierämter ^ Und so war in der
administrativ mobilen Macht der Ministerialen in der That ein Mittel gegeben,
von der Zentralstelle aus ohne gröfseres ständiges Beamtenpersonal und vor
allem ohne gTofse, jener Frühzeit der ersten Hälfte des Mittelalters noch
sehr schwer fallende Schreibereien eine bedeutende ländliche Wirtschaftsver-
waltung zu leiten.
Doch war die Ministerialität nicht das einzige für die Zwecke der
Zentralverwaltung vorhandene Material; neben ihr kommt, wenigstens für
die geistlichen Institute, noch der Klerus in Betracht. Sehr natürlich; der
Klerus war in schriftlichen Arbeiten gewiegt, die geistliche Grundherrschaft setzte
sich zudem im kirchlichen Grofsgrundbesitz fast stets aus den Genossen einer
Korporation zusammen: warum sollte man diese einzelnen Genossen nicht
auch gleich den Ministerialen für die Geschäfte der weltlichen Zentralstelle
verwenden, soweit dies der geistliche in der Ordensregel verkörperte Zweck
zuliefs? Aufserdem schrieb die Regel zumeist Beschäftigung mit der Land-
wirtschaft vor, man interessierte sich für sie auch spontan^, und mit Aus-
nahme ganz asketischer Epochen galt die Vermehrung und gute Verwal-
tung des ja fast nur in Grundwerten bestehenden Kirchengutes als gott-
gefälliges W^erk ^. Dem entsprechend sehen wir zu allen Zeiten kirchlichen
1) Vgl. MR. ÜB. 1, 10, 752; 103, c. 842; Lac. ÜB. 1, 163, 253, 1096; ME. ÜB. 1,
610, 1158, cit. oben S. 659 Note 3; Cart Orval 166, 1212, Urkunde Ludwigs lY. Grafen von
Chiny: cum fratres Aureaevallis querelam movissent adversum me pro prato ante Ivodium
fossatis incluso, quod se dicebant a patre meo piae memoriae Ludovico Iherosolymam pro-
fecturo in elemosinam accepisse, tandem in talem pacis conventionem pervenimus, quod ego
eis de praedicto prato 16 falcatas assignavi et dedi per manus villici Ivodiensis . . et aliorum
ministerialium meorum Ivodiensium [so !] perambulari feci et certis metis positis distingui.
Mon. Boica 87, 22: ministerialibus . . nostris [Bischof Brunos von Würzburg] hoc officium
iniungimus, ut singulis annis tantum quatuor ex eis in tempore messis ad supradictam curiam
[in Westfalen] veniant et.villicos [1. villicum] consulant, et cum illo de redditibus Universum
debitum exquirant et suscipiant. — Sehr selten kam es vor, dafs man einem Ministerial Voll-
machten als Teilverwalter gab, vgl. V. loh. Gorz. c. 97.
2) S. oben S. 462, auch Bd. 2, 82.
^) So ermahnt sich MR. ÜB. 1, 463, 1129 Abt Gerard von SMaximin zur Wachsamkeit
Lamprecht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 53
[Wirtschaft d. Grofsgriindbes. — 826 —
Aufschwungs auch sofort eine energische Thätigkeit der kirchlichen Korpo-
rationen für die äufsere Verwaltung ihres Besitzes einsetzen; nie sind Äbte^
und Bischöfe^ eifrigere Organisatoren und Administratoren des Kirchengiites
gewesen, wie im Blütezeitalter der deutschen Kirche des Mittelalters, unter
den Ottonen und den ersten Saliern^.
Worin liestanden aber die verfassungsmäfsigen Vorbedingungen für eine
Verwaltungsthätigkeit der geistlichen Korporationen innerhalb des ländlichen
Grofsgrundbesitzes ? Nur wenige Hauptnormen können hier zur Sprache
kommen.
Innerhalb der Klosterverfassung zunächst disponierte der Abt keineswegs
frei über das gemeinsame Eigentum*; er war vielmehr bei Kauf^ und Tausch",
bei Leihe ^ und Entleihung ^ wie bei allen gröfseren Vertrags- und Verwaltungs-
in der Klosterverwaltung mit dem Spruch : illumina oculos meos domine, ne umquam obdor-
miam in morte, ne quando dicatinimicus mens: »prevalui adversus eum«. Dagegen heifst
es V. loh. Gorz. 91, es solle von der wirtschaftlichen Thätigkeit Johanns nichts mehr erzählt
werden, denn dies bringe nicht edificatoriam oblectationem, sed, ut nostre mores scio etatis,
tediosam omnino facerent lectionem.
1) So Abt Ansteus von S Arnulf-Metz und Johann von Gorze, vgl. V. loh. Gorz. c. 36,
67, 89: ferner Necrol. s. Maximin. 7 kal. febr. : Ogo abbas huius loci, postea Tungrensis
episcopus, qui hoc monasterium a ftindamentis reparavit et locum pene pessundatum reno-
vavit, et numerum fratrum ad 60 et ad religionem ampliavit. Ogo stirbt 945, vgl. Honth.
Hist. dipl. 1, 279. Statt LX ist übrigens LXX zu lesen, vgl. Brower ed. Stramberg 1, 344
bis 345, der eine nomenclatura in veteris psalterii prolegomenis forte inserta erwähnt,
welche bei Novillanius c. 26 und von Kraus, Bonner JB. 50, 213 gedruckt ist.
2) Vgl. z. B. über Wazo von Lüttich G. ep. Leod. 2, 46, 47, MGSS. 7, 217; über
Bernward von Hildesheim V. Bernw. 8. Im übrigen verweise ich hierftir wie für das folgende
überhaupt auf Lamprecht, Der Charakter der klösterlichen Keformbewegung Lothringens im
10. Jh., in Picks Monatsschrift für die Geschichte Westdeutschlands Bd. 7, 91 f., 217 f.
^) Aus späteren Zeiten vgl. noch Catal. abb. Epternac. II, MGSS. 23, 35, über Abt
Reiner von Echternach (1231 — 1242), und Damianus Dhame, Honth. Prodr. S. 1043, über Abt
Keiner von SMaximin (1587—1618).
*) S. schon oben S. 693. — Ich sehe hier von der Einwirkung ab, welche bei könig-
lichen Klöstern auch der König auf die Verwaltung ausübte; s. für Prüm MR. ÜB. 1, 59,
831, wo K. Ludwig Prüm geradezu monasterium nostrum nennt. Die Abtei tauscht MR. ÜB.
1, 61, 835 pei-missione regis, ebenso a. a. 0. 58, 844, licentia imperatoris; ähnlich a. a. 0.
117, 880. MR. ÜB. 1, 105, 866 nennen die Mönche K. Lothar senior noster und schliefsen
einen Leihvertrag mit seiner Zustimmung.
5) MR. ÜB. 3, 1467, 1258.
^) MR. ÜB. 1, 55, 827: Abt Tancrad von Prüm tauscht mancipia consentiente eius-
dem [!] tota congregationi prefati monasterii; MR. ÜB. 1, 56, 823 tauscht er Güter una per
consensum et cohibentiam monachorum ibidem degentium. S. ferner für Prüm MR. ÜB. 1,
98, 860—86. Für SMaximin vgl. MR. ÜB. 1, 153, 909; 163, 923.
") MR. ÜB. 1, 14, 769—808: Abt Assuer von Prüm verleiht eine Prestarei cum con-
sensu fratrum nostrorum; vgl. MR. ÜB. 1, 30, c. 777: eine Prekarei vestra [des Abtes] seu
servorum dei qui in ipso cenobio commorare videntur decrevit voluntas; MR. ÜB. 1, 119,
887: eine Prekarei nostra (abbatis) decrevit voluntas omniumque fratrum nostrorum consensit
benignitas. Vgl. auch § 10 der unten im Anhang 8. 860 gedruckten Urkunde von 1296.
^) S. § 10 der unten als Anhang S. 860 gedruckten Urkunde von 1296; auch Bd. 3,
No. 72 § 7 f., 1291.
— g27 — Vcrwaltungs Organismus.]
gescliiifteii tiberbaiipt^ au die Zustinmuuig des Konvents gebunden. Die Folge
war, dafs der Abt auch da, wo er selbständig handelte, wohl kaum irgend
eine wichtigere Verwaltungsniafsregel durchfülnte, ohne vorher den Eat her-
vorragender Mönche gehört zu habendi auf diese Weise sicherte er sich vor
jedem Vorwurf bei Geschäften, bei denen es zweifelhaft sein konnte, ob nicht
doch die Billigung durch den gesamten Konvent erforderlich war. Dieser Rat
der sanior pars, welcher in allen kanonischen Bestinnnungen eine so grofse
Rolle spielt, konnte nun gradezu zu einer anfangs nur konnnissarischen, später
mehr oder minder ständigen Vertretung des Konventes entwickelt werden^.
Nach alledem war der Abt in seiner freien Disposition in Wirklichkeit doch
sehr beschränkt, um so mehr, als er durch Wahl, und zw^ar meist aus der
Mitte des Konvents selbst, zu seiner Würde gelangt ^var*.
Ein Gegengewicht ergab sich allerdings aus der absoluten Freiheit des
Abtes in der Wahl der mönchischen Beamten für den geistlichen wie den
weltlichen Verwaltungsdienst des Klosters, welche durch ein ebenfalls freies Ver-
setzungs- und Entsetzungsrecht vervollständigt ward ^. Indes machte sich doch
1) Vgl § 10 und 11 der Urkunde von 1296, ferner Lac. ÜB. 1, 166, 257, 11. Jh.;
*Paris Ms. Lat. 11104, 1. H. 12. Jlis., Echternach: censum vinearum de Yeilsbeche con-
cessit domnus abbas Godefridus cellerario in presentia omnium fratrum; MR. ÜB. 1, 578,
1154. — Über die Verwaltung Prüms in abtloser Zeit s. MR. ÜB. 3, 857, 1246, und dazu
MR. ÜB. 3, 862, 1246.
2) Lac. ÜB. 1, 35, 69, 874. Vielleicht gehört hierher auch MR. ÜB. 2, 6, 1171,
Urkunde Abt Rotberts von Priim: dum vero, quod mente conceperam, sepius inter familiäres
meos pia sollicitudine retractarem . ., quatinus subtili indagatione et sapienti consilio pro-
viderem . . .
^) MR. ÜB. 1, 60, 834: Abt Markward von Prüm erscheint am Hofe cum quibusdam
monachis ex eiusdem monasterii congregatione und bittet imi Bestätigung einer Schenkung;
Bd. 3, 147, u, 1329; Novillan. c. 56: nos . . habemus, quod officiatis seu senioribus 5 aut
6 singulis annis semel rationem reddere de statu monasterii debet [abbas]; cellerarius vero . .
tenetur coram discretis fratribus ad minus quatei in anno computationem facere. Die Statuten
der Bursfelder Union von 1463 schreiben vor, dafs jeder von ihnen, solange er dies nicht
hält, tamdiu in loco novitiorum stare debet. Novillan. c. 57: das Provinzialkapitel von
1458 schreibt vor, ut abbates bis in anno, videlicet in cal. oct. et in cal. apr. facerent
computum.
*) Vgl. z. B. Ennen, Qu. 1, 466, 12, 959, Erzbischof Bruno fiir Grofs SMartin-Köln :
firmum etiam esse volumus, quod inter ipsos monachos libera sit electio illius, quem sibi
preesse maluerint, ne, si aliunde eligatus, vite regularis unitas dissimilitudine vivendi in
discidium ruat. Zur Wahl selbst vgl. die interessante Nachricht des Cantat. s. Huberti 54.
MGSS. 8, 596, 1087: der alte Abt stirbt. Eo tandem sepulto episcopus obtulit fratribus
eligendi abbatis optionem, protestatus, inde nolle recedere, nisi eis loco defiuicti ordinaret
patrem. convenit in unam sententiam et fratrum electio et curialium attestatio et popularis
acclamatio, donandam eamdem abbatiam Theoderico praeposito; quod licet ille videretur
reniti seque fateretur non convenire tantae assumptioni, adeo increvit semel emotus omnium
favor, ut de re agenda nee ipsi retractare beeret episcopo. iamque donata abbatia quassans
Caput, cum prae admiratione familiaribus suis enuntiaret tanti favoris clamorem timere se
in posterum alicuius sinistri portenti fore . . .
'-) Vgl. z. B. V. loh. Gorz. c. 73; Bd. 3, No. 72, 1291.
53*
[Wirtschaft d. Grofsgmndbes. — 828 —
auch auf diese Ernennungen seitens des Abtes ein starker Druck des Kon-
vents geltend, da der Abt dem Konvent in jährlich ein- bis zweimaliger
Rechnungslage über die Verwaltung aller Beamten Auskunft zu geben
schuldig war^.
Nicht viel anders, wie die Klöster, waren ursprünglich die Stifter in
den besprochenen Verhältnissen organisiert. Zwar tritt hier im eigentlichen
Mittelalter sofort die Scheidung zwischen dem Körper der Stiftsherren und
dem Propst hervor ^, die Stiftsherren mit dem Dechant an der Spitze aber er-
innern doch in vielen Punkten an die Klosterverfassung. Auch hier gemein-
same Verhandlung und Beschlufsnahme über die wichtigsten Verwaltungsmafs-
regeln ^, auch hier Rechnungslage, wenn auch nicht blofs des Dechants, sondern
auch anderer stiftsherrlicher Beamter vor versammeltem Kapitel*. Freilich
wurde die alte Einheit der Stiftsverwaltung bald aufgelöst: ein Vorgang,
welcher hier nicht genauerer Betrachtung zu unterziehen ist.
Auf Grund dieser Verfassungsverhältnisse entfaltete sich nun die grund-
herrliche Zentralverwaltung ursprünglich ziemlich gleichmäfsig in Kloster und
Stift ^. Sehen wir vom Eingreifen der Laienbrüder *^ , wie von den niederen
praktischen Dienstleistungen der Mönche, welche als opus claustri dem opus
oratorii gegenübertraten ^, ab, nehmen wir auch auf die Ämterhierarchie der
1) S. oben S. 827 Note 3, imd § 10 der unten S. 860 als Anhang gedruckten Urkunde von
1296. Wenn Novillan. c. 56 der Cellerarius neben dem Abt Rechnung legt, so entspricht
das der späteren Dezentralisation der klösterlichen Güterverwaltung. Vgl. übrigens zu
SMaximin noch Novillan. c. 58: 1482 wird Dietrich III. Abt von SMaximin, antea cellerarius
existens; nee unquam computationem fecerat per annos ferme 12, quibus cellerarius fuerat.
2) Wenn auch das Stiftsherrenkapitel den Propst bisweilen wählt: MR. ÜB. 1, 374.
1074. Dieselbe Differenz erwächst übrigens später zwischen Abt und Kapitel, s. Bd. 3.
No. 118, 1329.
3) Z. B. Wald der weltlichen Beamten, MR. ÜB. 1, 318, 1042 (Or. a. d. 13. Jh.!).
S. ferner Bd. 72, 27, 1277 ; CRM. 3, 67, 1315 : die Stiftsherren von Beatusberg bei Koblenz
haben das Recht, ut capitula teuere valeant, tractare in eisdem, ordinäre et disponere de
rebus ecclesie sue et de negotiis in eadem emergentibus , in omni ea consuetudine , prout
prepositus decanus et capitulum ecclesie nostre Treverensis obtinent et consueverunt exer-
cere, proviso tarnen quod fratres dicti capituli, qui tractatibus et in capitulo Interesse volu-
erint, saltem in sacro diaconatus ordine sint constituti.
*) *Consuet. Mon. Meinef. Bl. 7 t : computationes ecclesie debent reddi et fieri decano
et capitulo generaliter et nulli persone singulariter, et debent fieri in capitulo et non alibi.
^) Vgl. zum folgenden auch Back, Ravengiersburg 1, 40 f.; Wegeier, Rommersdorf
S. 41 , auch die prächtige IJbersicht über den verschiedenen Wirkungskreis und Beruf der
SHuberter Mönche im Cantat. s. Hubert 8, MGSS. 8, 573, Z. 17.
6) S. oben S. 690 f.
■') Dahin gehören u. a. coquina, vestium ablutio, horti communis opera, calciamentorum
lavatio, missae hebdomas, vgl. loh. V. Odonis Cluniac. 2, 23; V. loh. Gorz. c. 62 und 77.
Zum Gegensatz von opus claustri und opus oratorii oder monasterii s. Lamprecht a. a. 0.
S. 99.
— g29 — Verwaltungsorganismus.]
niederen Konventsverwaltung weiter keine Rücksicht \ so kommen namentlicli
z^Yei geistliche Beamte auch für die äufsere Verwaltung in Betracht. Es sind
das der Propst oder Prior in den Klöstern Dechant in den Stiftern, und der
Kellner in beiden Arten geistlicher Genossenschaften. Der Projjst war
in den Klöstern der Vertreter des Konvents gegenüber dem Abt, wie
der Dechant der Vertreter der Stiftsherren gegenüber dem Propst war:
Klosterpropst wie Stiftsdechant hatten daher Veranlassung, sich mit dem
Stand der weltlichen Klosterverwaltung in Vertretung der hinter ihnen
stehenden Genossen zu befassen. Sie waren nicht eigentliche Verwaltungs-
beamte für die gesamte geistliche Grundherrschaft, sie waren nur mit
einigen Verwaltungsbefiignissen versehene korporative Kontrollbeamte des
Abtes bezw. Propstes^. Dagegen war der Kellner, soweit kein Solatium
vorhanden war^, der eigentliche Beamte des Abtes bezw. des stiftischen
Kapitels für die Geschäftsleitung der gi'undherrlichen Wirtschaftsverwal-
tung^, und nicht selten erhielt er infolge grofser Geschäftslast noch einen
Unterkellner zugeordnet^. In der That war er in seinem Amte ungemein
beschäftigt, er hatte die Meier zu kontrollieren, den Weisungen der Gehöfer
^) Diese kann sehr verschieden ausgedehnt sein. So gab es z. B. in Gorze im 10. Jli.
aufser der praepositura und dem cellarium noch den decanatus, das vestiarium (camera),
hospitium und infimiarium, vgl. V. loh. Gorz. c. 73. Das Cantat. s. Hubert. 8, MGSS. 8,
572, 1055, ergiebt als Personalbestand von SHubert mit Ausnahme des Abtes den Eobertus
senex, Emienfridus decanus, Evrardus precentor, Guilelmus praepositus, Alfridus thesaurarius,
Lietbrandus camerarius, Lambertus organista, Gualerannus cellerarius, Robertus armarius,
Stepelinus exterior scolasticus et interior Balduinus, ferner die einfachen Mönche Lambertus,
Guerizo, Engenulfus, Renuardus, Otto, Gualterus. S. ferner CRM. 3, 67, 1315: das Kloster
Beatusberg - Koblenz wird Kollegiatstift mit 12 Kanonikalpräbenden , darunter 4 prelati:
decanus, cantor, scolasticus, custos. Und nach *Registr. annivers. s. Max. Trier Stadtbibl.
1685 Bl. 21" finden sich 1389 in SMaximin: 1 Abt, 1 prior, 1 infirmarius, 1 hospitalarius,
1 custos, 1 cellerarius, 1 cantor, 9 Mönche, 2 Subdiaconen, 7 scolares. Übrigens können alle
Beamten der geistlichen Korporationen, auch die der inneren Verwaltung, insofern mit der
äufseren Wirtschaftsverwaltung zu thun bekommen, als zu ihrem Amte bestimmte ein für
allemal angewiesene, also auch von ihnen verwaltete Einnahmen gehören, vgl. UlMettlach
No. II, 1095, Fitten 11c.
2) Vgl. MR. ÜB. 1, 70, 842, Prüm: der Propst und mehrere Mönche sind im Auftrag
des Abtes zur Nachsuchung der Bestätigung einer Schenkung am Hofe; MR. ÜB. 1, 65, 855;
98, 860-886; 153, 909; 163, 923; G. ep. Leod. 2, 32; Lac. ÜB. 1, 172, 266, 1081—1105;
Ces. Heisterbac. Dial. mai. 4, 19, cit. unten Note 5. S. auch Warnkoenig, Flandr.
RG. 3, 150.
3) S. oben S. 823.
*) S. z. B. Bd. 3 No. 72, 1291, und Stat. s. Paulin. 1500, Blattau 2, 42, den langen
Abschnitt de cellario.
^) Ces. Heisterbac. Dial. mai. 4, 19 : cellerarius quidam maior cum priore suo de rebus
exterioribus verbis contendit, et videbatur ei, quia valde rationabiliter moveretur. Ein
Cellerarius maior in SFlorin-Koblenz MR. ÜB. 3, 249, 1225; 320, 1227; WMettlach 1499,
cit. oben S. 524 im Text.
[Wirtschaft d. Grofsgrimdbes. — 830 —
beizuwohnen, gröfsere Anordnungen auf den Fronhöfen persönlich zu treffen ^ :
vom Kelhier des Stiftes SCastor-Koblenz heifst es um 1200: pro exterioribus
^cclesie negotiis toto anno pertractandis equitatura carere non potest^. In
allen diesen Punkten entsprach der Kellner als geistlicher Beamter also nahezu
dem ministerialischen Generalverwalter ^. Der Parallelismus zwischen der
Ausbildung der Ministerialität und der geistlichen Genossenschaft für die Wirt-
schaftsverwaltung geht aber noch weiter : auch die Verwendung kollegialisch an-
geordneter Kommissariate findet sich in den Kreisen der Stiftsherren und Mönche
me der weltlichen Dienstmannen, und wie das Institut so wird auch der materielle
Kreis der Verwendung desselben der gleiche gewesen sein *. Freilich kommen
neben kollegialischen Kommissariaten auch einzeln beauftragte mönchische
und wohl sicher auch stiftsherrliche ^ Kommissare vor^.
Zeigt sich hier schon ein Unterschied zwischen geistlicher und welt-
licher Verwaltung, so noch mehr in einem innerhalb der reinen Ministerialen-
verwaltung — also bei weltlichen Grundherrschaften — wie es scheint gar
nicht in Frage gestellten Punkte. Die weltlichen Grundherrschaften, zumeist
^) Zur Übersicht des Dienstes des Kelhiers im Kloster ist äufserst wichtig das *Urbar
der Celleraria von Echternach, Hs. Paris Nat. bibl. 11104 Bl. 47 a. S. ferner Ennen, Qu. 1,
523, 56, 1145; WMettlach 1499, cit. oben S. 524 im Text; WMersch 1542 Einl.; WMeckel
1699 Einl. LehiTcich, wie die oben S. 594 Note 2 (auf S. 595) citierte Stelle aus Ces.
Heisterb. Dial. mai. 4, 67 ist auch Ces. Heisterb. Dial. mai. 6, 5: Ernfried war Dechant von
SAndreas-Köln : habebat autem cognatum Fredericum nomine, eiusdem ecclesiae canonicum,
officio cellerarium. iste avunculum saepius arguere consuevit de indiscreta liberalitate et
ipse versa vice increpabatur ab illo de nimia parcitate. habebant enim communes expensas
et idcirco satis gravabatur Fredericus, quia quicquid rapere poterat decanus occulte dabat
pauperibus. tempore quodam idem Fredericus de officio suo multos et magnos habens
porcos occidit et in pernas foraiavit easque in coquina tempori congruo reservandas
suspendit.
2) MR. ÜB. 2, 358.
^) Dieselbe Stellung hatten etwa auch die Provisoren an den Frauenklöstern. Neben
ihnen stand gewöhnlich ein provisor spiritualis oder confessor, vgl. § 13 der unten S. 860
als Anhang gedruckten Urkunde von 1296; Bd. 3, 225, 25; s. auch die interessante Stelle
im Cart. Marienthal 330, 1317: ego Th. capellanus Vallis sancte Marie . . iara 40 annis et
amplius capellanus existens monasterii . . anno 1317 circa festum beati Martini hyemalis • .
investigavi et conpilavi omnes redditus et proventus monasterii. Hierzu ist wiederum Bd. 2,
724, betr. Oeren, zu vergleichen.
*) S. MR. ÜB. 1, 57, 826; 60, 834; 70, 842; 163, 923; 184, 946; auch wohl Ennen,
(^1. 1, 523, 56, 1145; ferner Bd. 3, 37, 3, 1264; 53, 1, 1267. Bisweilen ist eine Kommission
auch aus Konversen und Mönchen gemischt; s. den einfachsten Fall Bd. 3, 42, 13, 1265;
s. dazu 38, 33, 1264.
^) Eigentümlich ist *0r. Koblenz St. A. (1210), vgl. Kreglinger 5 No. 29 und MR.
Reg. 2 No. 1100: der Abt von SNabor besorgt einige Verwaltungsgeschäfte des Trierer Dom-
kapitels auf Grund eines ihm durch den Cellerar übermittelten kapitularischen Auftrags.
6) So der STronder Weinpropst, Bd. 3, 33, e, 1264; s. ferner Bd. 3, 224 No. p; 225
No. q; Cod. dipl. Ronmersdorf. 58, 1357. Hierher gehört wohl auch Cesarius zu UPrüm
S. 180 Note B, s. oben S. 772 Note 2.
— 331 — Venvaltungsorganisnius.]
relativ didit gesclilosseii , in ilueiii IJesitz wohl nur selten iil)er mehrere Land-
schalten zerstreut, bedurften wohl kaum besonderer Zwischeninstanzen zwischen
der Zentralstelle und den Fronhöfen. Anders bei einigen grofsen geistlichen
Grundherrschaften. Hier lag der Besitz, wie er vornehmlich durch Schenkung
gewonnen war, bisweilen über Hunderte von Quadratmeilen zerstreut —
reichte er doch z. B. in der Abtei Prüm von der Neckarmündung bis nach
Arnheim in Holland, und von der Lahn bis zur Maas — ; in solchem Falle
konnte der Gedanke der Einrichtung von Zwischenstellen zwischen Zentral-
und Lokalverwaltung wohl eine Stätte finden.
Und wirklich tauchen bei grofsen klösterlichen Grundherrschaften hin
und wieder solche Zwischenstellen auf. Ihre Organisation in der vollendetsten
Gestalt ist die eines kleinen Klosters, einer Cella: es wird geradezu eine Filiale
des alten Klosters errichtet. Gründe und Vorgang der Einrichtung lassen sich
noch sehr wohl an einzelnen Beispielen verfolgen. So errichtet z. B. der Abt
von SMichael-Virten um 1035 eine Zelle innerhalb eines Hofkomplexes, dessen
villae absunt . . a inonasterio bidui vel tridui itinere, nee facile provideri
possunt a quoquam eunte vel redeunte^ Am vollendetsten ist dieses System in
unserer Gegend innerhalb der grofsen Grundherrschaft der Abtei Prüm durchge-
führt : hier finden wir in den deutschen Gebieten die Zellen zu Altripp am Ober-
rhein, zu SGoar am Mittelrhein, zu Münstereifel im Westen und zu Kesseling im
Osten der Eifel, dazu eine Zelle zu Rövin an der Maas und vermutlich eine noch
embryonale Zelle zu Villance in den Ardennen^. Es ist das ein voller Kreis
von Tochterklöstern, der, vorläufig meist noch im engsten Zusammenhang mit
dem Mutterinstitut ^ , Verwaltungs- und Missions- bezw. Bildungszwecken in
gleicher Weise gedient haben mag. Indes auch wo man nicht zu vollem
Zellenausbau fortschritt, schickte man doch wohl hier und da geistliche Ver-
mittlungsbeamte zwischen den Fronhöfen und der Zentralstelle unter dem
Titel eines Propstes in die entfernter liegenden Teile der Grundherrschaft*;
1) Chiw. s. Mich. Vird. 33, MGSS. 4, 85.
2) Zu Villance vgl. Bd. 2, 89 Note 2. Die übrigen sind die sog. cellae oder loci
subiecti, s. MR. ÜB. 1, 122, 884. Zu ihrer Entstehung und ihrem Charakter vgl. MR. ÜB.
1, 15, 762: 16, 762; 25, 772; 52, 820; auch die schöne Commemoratio, quemadmodum et a
quo cella sancti Goaris fuerit nionasterio Prumie sociata, im Liber aureus Prüm. Bl. 109^,
gedr. als Anhang zu Wandalberti V. s. Goaris. Aus späterer Zeit vgl. *Brandani annales,
Trier Stadtbibl. Ifde. No. 1710 Bl. 2»: Tancradus 3 cellas in conventuales crevit, videlicet
sancti Medardi in pago Spirensi, sancti Petri in Keslingen et beatae Mariae virginis ad
Mosam, quamm aliquae barbarorum vastationibus deletae fuerunt, quamquam de Mariae
possessionibus Monasterium adhuc aliquas possideat reliquias, prout ad Mosam sua oppida,
videlicet Revin, Feppin et Fumay cum dependentiis. Ferner ebd. Bl. 2^: Abt Marquard
gründet Münstereifel für Mönche (später Canonici); sufficientem de bonis Prumiensibus
sustentationem assignavit et quaedam inter alia 8 matrices ecclesias eisdem contulit.
3) Doch vgl. Bd. 2, 102.
'^) Lac. ÜB. 1, 430, 1168: Engelbert a duobus abbatibus . . prepositus constitutus
curtis, qu^ sita est in villa Remago, zählt die von ihm abgewickelten Geschäfte auf. MR.
ÜB. 3, 1467, 1258: ego Henricus dei permissione abbas sancti Maximini Trevirensis . .
[Wirtschaft d. Grofsgriindbes. — 832 —
ja sogar ein zeitweiliger kommissarischer Propst für den Herbst in den STronder
Weingütern an Mosel mid Rhein kommt vor^
Immerhin wird man diesen Zwischenstellen eine gröfsere, etwa gar all-
gemeine Bedeutung nicht beilegen können; dafür sind sie zu selten, auch
machen sich die kleinen Zellen im Laufe der Zeit so selbständig, dafs sie
nicht mehr als dem Wirtschaftsorganismus des Mutterklosters eingefügt gelten
können^. Und so bleibt denn thatsächlich und der durchaus gewöhnlichen
Regel nach die Zentralstelle die einzige über den Fronhöfen stehende Rezeptur
und Kontrollinstanz. Von dieser Grundlage mufs man ausgehen, will man zu
einem Verständnis der Gesamtfunktionen dieser Zentralstelle gelangen.
Für dieses Verständnis mufs aber noch eine zweite Grundlage gewonnen
werden. Wir sind gewohnt, uns die Finanzgebarung einer Zentralstelle in-
sofern sehr einfach zu denken, als wir eine Zentralk asse , eine gemeinsame
Rezeptur bezw. Zahlstelle für alle Einnahmen und Ausgaben, als selbstver-
ständlich ansehen. Alier gerade eine solche Generalkasse fehlt der natural-
wirtschaftlichen Finanzverwaltung ^ ; statt derselben ist vielmehr ein verwickeltes
System von Einzelerhebung und Einzelverbrauch vorhanden, welches darauf
beruht, dafs für jede etatsmäfsige Ausgabe auch eine etatsmäfsige Einnahme
fest und definitiv gebunden angewiesen ist: so dafs der gesamte Etat ohne
höhere Einheit sofort in eine grofse Anzahl von Einzeletats zerfällt, als deren
Bürgen und Verwalter die einzelnen Ämter erscheinen. Es ist ein System,
welches man gegenüber dem Zentralisationssystem der geldwirtschaftlichen
Verwaltung als naturalwirtschaftliches Anweisungssystem bezeichnen kann.
Wie wurden nun unter der Herrschaft dieses Systems die Einnahmen
an die Zentralstelle abgeführt? Die Einnahmen bestanden entweder aus den
Lieferungen der Fronhöfe oder aus zerstreuten Einzeleinnahmen. Die Ein-
iiotum esse volo, quod accedente consensu nostri conventus de proprio motu et libera volim-
tate auctoritatem et plenam potestatem dedi Ew. magistro, preposito iiostro in Gowe, bona
ecclesie mee in Brizzenheim domum infra muros et census Mogimtinos vendendi sive in
melius convertendi, prout sibi melius viderit expedire. SMaximin hatte schon früh Pröpste in
Thaben und Münsterappel ; die Einrichtung war aber bereits lun Mitte des 11. Jhs. antiquiert,
s. MR. ÜB. 1, 345, 1056. S. auch Bd. 2, 89, Note 2, dazu oben S. 831 Note 2; und vgl.
oben S. 733.
1) Bd. 3, 33, 6, 1264.
2) Das gilt z. B. von den Prümer Zellen, speziell von Mimstereifel. Wie man sich
überhaupt später das Verhältnis solcher Zellen dachte, ergeben die Ann. Rod. Ernst. S. 50,
1140, gelegentlich der Verpflanzung der Nonnen von Herzogenrath nach Marienthal: tunc
discrevit eis Johannes [abbas] agros et vineta . ., non ut ea penitus sequestraret ab (Rodens!)
ecclesia, cuius propria sunt et possessiva, sed ut illis pro tempore suppeditarent nutrimenta.
Vgl. S. 64: concessa sunt (sororibus) allodia quedam sola stipendiorum ratione, quorum
tamen proprietas remansit (Rodensi) ecclesie, sicut et illa pariter ecclesia [Marienthal] est
etiam (Rodensis) propria respectu obedientie. Das ist dann ein Verhältnis, welches im
wesentlichen nur noch in seltenen Visitationen seitens des Abtes des Mutterklosters seinen
Ausdruck findet; vgl. Bd. 3, 225 No. r.
^) Das gilt ganz allgemein für die naturalwirtschaftliche Finanzverwaltung, s. dazu
z. B. oben S. 300. Vgl. im übrigen zum folgenden auch v. Maurer, Fronh. 1, 247.
— 333 — Verwaltimgsoi'ganisnius.]
liefenm»i' der letzteren machte iiatiulicli keine besonderen Schwierigkeiten; sie
waren von vornherein besonderen genau begrenzten Zwc^cken zugewiesen und
wiu'den für diese von den für die betr. Zwecke thätigen Beamten direkt ein-
gezogen ^ Anders die grofsen Fronliofleistungen, welche den gesamten Jahres-
überschuis eines Meieramtes umfafsten. Ihre Lieferung an die Zentralstelle
war über das ganze Jahr in der Weise verteilt, dafs jeder Fronhof die ge-
samten Vorräte für den grundherrlichen Unterhalt auf eine bestimmte Reihe
von Tagen zu beschaffen hatte: die Leistung für je öinen solchen Tag hiefs
Servitium. AVir finden diese Servitien schon früh als ständiges Institut der
Fiskal Verwaltung, das Cap. de villis kennt sie schon als alte Einrichtung, und
noch um die Mitte des 11. Jhs. scheinen sie auf fiskalischem Gebiet verhältnis-
mäXsig unversehrt bestanden zu haben ^. Spätestens um diese Zeit sind sie dann
auch in den aristokratischen Grundherrschaften nachweisbar^; im J. 1125 be-
klagt sich der Abt von SMaximin schon bei Kaiser Heinrich V. de . . Godefrido
scilicet Palatino comite . . eo quod quasdam curtes et ecclesias [es sind 9 Fronhöfe
^) Vgl. dazu Lac. ÜB. 1, 34, 68, 874, jemand schenkt Kirchen: ecclesiam . . in M.
ad album panem sororum nostrarum (der Nonnen in Gerresheim) constituimus . . . basilicam . .
in S. cum universa decimatione ad panem siligineum carnem et caseum . . . ecclesiae . . in
M. decimationis utilitatem . . ad quadragesimale mandatum et ad panis carnis caseique
usum . . . ecclesiam quippe P. . . dimidiam . . ad meliorem cerevisiam et ad panem nigrum.
S. ferner Ennen, Qu. 1, 471, 16, 973 — 84: SUrsula-Köln erhält eine Schenkung in Liegen-
schaften, von deren Einkünften ein Teil ad continuanda luminaria, ad restauranda tecta und
zur Erhaltung der Nachtwachen des Klosters, der andere Teil ad victualia sanctimonialium
verwandt werden soll. S. femer aufser MR. ÜB. 1, 514, c. 1140, noch Cod. Lac. 81, 1274:
cum nos quoddam pratum iuxta Crufthe pertinens ad molendinum nostrum ibidem situm
emeremus pro 21 mr. , frater Rudolfus solvit ex eis in elemosinam 5 mr. ea conditione, ut
magister curtis nostre in Crufthe . . , qui pro eo tempore fuerit . . , de dicto prato solvet
nostro cellerario annis singulis dimidiam mr. isto modo convertendam . . quinque s. mini-
strabit in piscibus conventui in die beate Katherine . . residuum distribuet inter familiam, et
caritatem vini dabit eadem die.
2) Vgl. oben S. 808 Note 1, und s. dazu Lambert z. J. 1074, MGSS. 5, 206, is; rexnati-
vitatem domini Wormatiae celebravit, longo aliter ibi victitans, quam regiam magnificentiam
<leceret. nam neque ex fiscis regalibus quicquam servitii ei exhibebatur, neque episcopi aut
abbates vel aliae publicae dignitates consueta ei obsequia praebebant, sed in sumptus cotti-
dianos necessaria ei vili pretio coemebantur. erant tamen cum eo nonnulli ex principibus;
sed hi neque cum eo servitiorum apparatu, neque cum ea militum aut apparitorum frequentia,
qua soliti fuerant, sed cum paucis ac pene privato habitu ad salutandum eum venerant.
3) Vgl. Catal. abb. Eptern. I, MGSS. 23, 32—33: Abt Reginbert (um 1060) abbatiam
sub descriptione posuit, ex quibus locis et quibus temporibus quisque fiscus fratribus con-
stitutam praeberet annonam ; ac diurnalia servitia instituit. pani fratrum quadrantem apposuit,
praebendam in ovis et caseis et uncia adauxit, addens unicuique fratrum ad statutum ovum
unum; et caseum, qui antea inter 4 dividebatur, inter 3 partiri iussit; et ad unciam 18 d.
addidit. S. ferner MR. ÜB. 1, 501, 1136: Abt Adelbero von Prüm untersucht die Stipendia
der Stiftsherren von SGoar und findet, ea ipsis non esse quotidiana in iulio mense et
augusto; schenkt darum. Man vgl. auch noch das aufser unserem Sprengel gelegene
Servitium cotidianum Coloniensis archiepiscopi ed. Frensdorff in Hoehlbaums Mitteilungen
Heft 2, 59 f.
[^yi^tscllaft d. Grofsgrimdbes. — 834 —
mit 5 Kirchen], mide per 3 meiises victiialia debent procuraii fratribiis, vio-
lenter si])i auferens suis non veritus est beneficiare militibus^ Die Servitien
der Froiihöfe bestanden nun der Hauptsache nach natürlich aus Getreide und
Wein sowie aus dem Reinertrage anderer gTofser Kulturen^, und sie ei-flossen
da, wo nur 6ine Person Gmndherr war — wie in den weltlichen Grundherr-
schaften — oder wo bei korporativ gestalteten Grundherren noch gemeinsames
Leben herrschte — wie in den Klöstern des früheren Mittelalters — direkt
in die Speicher der Zentralstelle. Wo dagegen der Grundherr mehrere Haus-
haltungen hatte, wie namentlich schon früh bei den Stiftern und gewifs auch
bei den Ganerbschaften, trat sofort eine Teilung des Ertrages ein. Indes be-
standen doch aufserdem überall noch kleinere neben dem grofsen Ser-
vitium herlaufende Lieferungen eben auch der Fronhöfe, welche direkt
an einzelne Ämter gingen^. So ergiel)t sich z. B. für das Refektorium
von SMaximin aus dem Bd. 3, 321 gedruckten, der Konzeption nach spätestens
dem Ende des 12. Jhs. angehörenden Budget die Existenz von 10 kleineren
Äleierservitien, welche je zu Weihnacht, Ostern und teilweis auch am Maximins-
fest (29. Mai) in wesentlich gleicher Höhe an dieses Amt zu liefern waren*.
Aus dem Servitiensystem und dessen Einflufs auf die gesamte Finanz-
gebarung ergeben sich nun sofort zwei beachtenswerte Folgen. Einmal eine
sehr grofse ökonomische Freiheit der Fronhöfe, welche, die richtige Lieferung
ihrer Servitien vorausgesetzt, in ihrem Wirtschaftsplan von der Zentralstelle
fast ebensowenig abzuhängen brauchten, wie die grundhörigen Hufen vom Meier^
Es war das eine wirtschaftliche Freiheit, welche infolge der durch das An-
w^eisungssystem verursachten Kreditunfähigkeit der Zentralstelle noch wesent-
lich erhöht w^urde: nur auf die Revenuen der einzelnen Fronhöfe hin konnte
mit Sicherheit Kredit in Anspruch genommen ^ wie auch — zumeist wenigstens
— Anweisungen erteilt^ w^erden. Zweitens ergiebt sich sofort, dafs neben
einer Hauptrezeptur, in welcher die Hauptservitien und gewisse andere auf
dieselbe ein für allemal angewiesene Einnahmen flössen, eine Anzahl von ein-
zelnen Rezepturen bestehen mufste, in welche aufser anderen auf sie fixierten
Intraden auch die Nebenservitien flössen.
Wirklich bestand nun überall eine solche Anzahl von Nebenrezepturen:
jedes Amt der ministerialischen wie der geistlichen Verwaltung bildete zu-
J) MR. ÜB. 1, 452.
-) S. oben S. 788 Note 6, femer Lac. ÜB. 1, 190, 290, 1119; UKarden 11.— 12. Jhsi;
WNiederbachem 1553 § 14.
3) S. z. B. *USPantaleon, um 1200, Berlin Bibl. Cod. Boruss. Qu. 234, Bl. 38^, s.
unten S. 839 Note 2.
*) S. auch Bd. 3, 99, 22, 30, 1291.
5) Vgl. Bd. 3, 222 No. m; 225 No. t.
«) MR. ÜB. 1, 416, 1108: Erzbischof Ruthard von Mainz fratribus sancti Martini . .
de reditibus Pinguie ad cameram nostram pertinentibus 12 Ib. d. annuatim persolvendas
tradidi, quas a villico loci predicti eorundem fratrum dispensator acceptas . . distribuat.
— g35 — Vorwaltungsorgauismus.]
gleieli eine Rezeptur, es nahm direkt alle für seine Funktionen unmittelbar notwen-
digen Büttel ein : es war sozusagen als ein voller Rentner für sich konstituiert, es
stand in direktester Beziehung mit den Quellen, aus denen die materiellen
Kräfte für die Amtsthätigkeit erHossen^ Dieser Punkt ist für die weitere
Entwicklung von entscheidender Wichtigkeit, wenn man bedenkt, dafs unter
den Mitteln zur Erhaltung der Amtsthätigkeit auch das Amtsgehalt rangiert.
Der ministerialische wie der geistliche Beamte stand also in direkter Verbin-
dung mit der wirtschaftlichen Machtquelle, deren teilweiser Genul's sein Gehalt
ausmachte. In dieser Lage bedurfte es nur der Erlüichkeit der Beamtenfamilie,
um aus dem Beamten allmählich einen Nutznieiser zu eigenem Recht, einen
Herren des Amtes zu machen. Das ist die Entwicklung l)ei der Ministerialität
gewesen: genau derselbe Vorgang, welcher aus den mit Benefizien ver-
sehenen Beamten der karolingischen Zeit den Lehnsadel des Mittelalters ge-
schaffen hat.
Doch kehren wir zur Finanzgebarung der einzelnen Rezepturen, wie
sie mit jedem Amte verknüpft waren, zurück: in welcher Weise regelte sich
ihr Ausgabebudget? Auch hier wieder derselbe Charakter. Alle einzelnen
Ausgaben sind genau fixiert, für jede ist ein besonderer Bestandteil der Ein-
nahme definitiv angewiesen: das Amt ist nur die Vermittlungsstelle ganz be-
stimmter Einnahmen für ganz bestinnnte Ausgaben^. Nirgends läfst sich
dieser Charakter der Finanzgebarung wohl besser übersehen, wie bei den
Memorienämtern^ : gerade hier war bei den einzelnen Seelgeräten jedesmal in
besonders feierlicher Weise festgesetzt, dafs gewisse Einkünfte nur zu be-
^) Vgl. Bd. 3 No. 72, § 3 und 4, 1291; und als hervorragendes Beispiel, welches alle
Detaileinblicke gestattet, Bd. 3 No. 283. Im übrigen s. noch MR. ÜB. 1, 163, 923 : ein ein-
getauschtes Landstück kommt ad ministerium porte; ebenso ist MR. ÜB. 1', 167, 926
die Rede vom ministerium custodis von SMaximin , zu ihm gehört Kirburg. S. femer Paris
Ms. Lat. 11104, 1. H. 12. Jhs., Echternach, gedr. oben S. 827 Note 1 ; MR. ÜB. 2, 57, 1183:
der Kardener fabrica wird das Stipendium cuiusdam, que apud (canonicos) vacabat, praebende
inkorporiert. Weiterhin s. MR. ÜB. 3, 1161, 1252; *Chartul. Mediolac. Trier Stadtbibl.
Bl. 233 a, 1290 : Streit super curte . . ad monasterium . . iure hereditario spectantem , officio
custodie eiusdem monasterii deputata; Bd. 3, No. 118, 1329. Wahrscheinlich gehört hierher
auch Chron. s. Mich. Vird., MGSS. 4, 80 : E. [abbas] ordinavit, et [Karolus Magnus] praecepto
buUato confirmavit, quid abbas, quid provisor panis et salis et sagminis, quid provisor
piscium, quid provisor vini, quid provisor luminarium, quid provisor pauperum, quid provisor
hospitum habere deberent, et omnes inde abbati responderent.
2) Sehr deutlich zeigt das z. B. Cod. Lac. 81, 1274: nos . . quosdam census nostros
in Thure et in Mendig sitos deputavimus ad officium cellerarie, ut ex ipsis censibus cellerarius
ministret in piscibus et in karitate vini conventui . . in die animarum . ., etiam prefatam
karitatem vini ex eisdem censibus conparabit. Vgl. zum folgenden auch Horawitz in
Zs. f. Kulturgesch. 1872, 478 ff., und Meindl, Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer cellerarii
1462 — 69 registrum procurationis rei domesticae pro familia Reichersperg ; Arch. f. österr.
Gesch. 61, 35 ff.
^) Doch vgl. auch MR. ÜB. 3, 833, 1245 : auch ein vorzügliches Beispiel der angedeu-
teten Finanzgebarung.
[Wirtschaft d. Grofsgrimdbes. — 836 —
stimmten Zwecken, pro salute animae, verwendet werden sollten \ und häufig
lagen auch noch über die Art der Verwendung ins einzelne gehende Ord-
nungen vor-. Doch war man im letzteren Punkte nicht allzu skrupulös, in
späterer Zeit sind die ursprünglich unendlich verschiedenen Arten der Memorien-
feiern fast überall, wenigstens was die mit ihnen verbundenen Reichnisse be-
trifft, auf eine geringe Anzahl bestimmter Formen gebracht worden^. Doch
blieb es für die Einnahme des Memorienamtes noch immer charakteristisch,
dafs diesell)e je nach dem Eintritt der einzelnen Memorien aufserordentlich
unregelmäfsig verteilt war. Sie fiel z. B. im Trierer Domstift am Schlufs
des 14. Jhs.* in folgender Weise auf einzelne Termine:
1. Jan. 9 fl.
3 fl. Rhen."^ 239 s.^
239 s. 1 mr.
140 s.
60 s.
380 s.
100 s.
30 s.
60 s.
110 s.
100 s.
477 s.
84 s. 11 d.
520 s. VI2 scudatiis antiquus aut eorum valor.
Sa. 91 V2 fl. 3 fl. Rlieii. 2519 s. 11 d. 1 mr. P/2 scudatus antiquus aut eorum valor.
1) S. z. B. C. dipl. Rommersd. No. 13, 1252: frater Gerhardus . . abbas in Rommer-
dorf . . . notum facimus . ., quod singulis annis in anniversario bone memorie Hedwigis
nobilis matrone de Kempenicli sumentur duodecim s. Colonienses de proventibus curtis nostre
in Rile, de quibus ipsa die providebitur pitantia conventui intus et foris. preterea de pre-
dictis bonis sumentur 18 s. Colonienses, de quibus annuatim in commemoratione honeste
recordationis domine lutte de Blankenheim uxoris quondam Theodorici nobilis viri de Tsen-
burg ministrabitur conventui intus et foris in piscibus pulchro pane et vino.
^) S. oben S. 683 f. Die erste Refectio pro memoria deflmctorum in Prüm liegt 861—84,
s. MR. ÜB. 1, 97.
^) Vgl. z. B. die hauptsächlichsten Verteilungsformen von Präsenzen im *Registr. cens.
et annivers. eccl. mal. Trev. von 1399, Hannover kgl. Bibl. XVIII, 1006: A) presbiteris
15 gr., choralibus 3 s., ad compulsandum 2 s., residuum ut moris est. B) presbiteris 20 s.,
choralibus 3 s., ad compulsandum 1 s. , residuum ut moris est. C) presbiteris 5 s., chora-
libus 2 s., ad compulsandum 1 s. D) presbiteris quarta pars, presbitero missam cantanti 1 s.
E) presbiteris 5 gr. , choralibus 3 s., capellano alteris sancti Nicolai 5 s. et ad compul-
sandum 1 s.
^) Nach dem eben genannten *Registrum seu volumen censuum vom 7. Sept. 1399.
Verteilung gemäfs den im Reg. genannten Daten. Der Inhalt des Registers umfafst im
ganzen die Zeit von 1250—1399, z. B. sind von den Dompröpsten solche von 1252 ab,
von den Dechanten solche von 1265 ab, von den Archidiakonen solche von 1219 ab
genannt.
^) Nachtrag.
^) Wohl immer parvi Turonenses.
6.
»
10 fl.
19.
»
21.
V
7 fl.
25.
n
2 fl.
29.
Tl
26 fl.
1.
Fehl
*,
2.
5)
3 fl.
3.
»
11 fl.
6.
11
10.
»r
3 fl.
13.
»
41/2 fl.
14.
11
2 fl.
22.
14 fl.
— 837 — Verwaltungs Olganismus.]
Ebenso steht es mit den SMaxiniiner Meniorien 14. bis 16. Jhs. ^ , und
auch die bedeutenden Memorieneinnalnnen von SKunibert - Köln von 1239
in der Höhe von 1414 s. 4 d. kölnisch, 91 ndr. Weizen, 10 mir. Hafer,
2 mir. Alba pisa, 29 Hiihnern, 2 Kapaunen, 2 Semmeln, 50 Eiern, einer
Kerze von ^2 Ib. Wachs ^ werden, wie sie von den verschiedensten Orten
erfielen, so zu den verschiedensten Zeiten eingegangen sein.
Sehr begreiflich, dafs bei solcher Sachlage eine Übersicht über Ein-
nahme und x\usgabe auch für die Einzelämter nur mit Mühe zu er-
reichen war. Wie verwickelt sich die Dinge stellten, kann man generell ver-
hältnismäfsig noch am einfachsten da ersehen, wo aus dem gemeinsamen
Budget der geistlichen Grundherrschaften schon gewisse Präbenden ausge-
schieden waren, in deren Einnahmen sich Sonderbezüge im Sinne der alten
Ämterintraden und Beziige aus dem alten Gesamtbudget treffen. Derartige
Präbenden treten bekanntlich zuerst bei Stiftern und Hospitälern auf; hier sei
als Beispiel der besonders leicht übersichtliche und gut erhaltene Etat der
12 Präbenden des Hospitals Grofs-SMartin am Altmarkt in Köln, flir das Wirt-
schaftsjahr 1194 — 5 berechnet, angeführt^. In diesem Jahr hatten die Prä-
benden zu fordern: I. besondere Einzelrevenüen aus Salgütern zu Horrem,
Rheinheim, Wellen, Friesheim, Gleuel, Geyen, Weiler*, Worringen, Pfaffen-
rath, Lülsdorf, Aldenhoven; IL an gemeinsamen Revenuen zur Repartition
1. an laufenden Einnahmen:
a) von der Domscholasterei denarios waringe,
b) von den denarii convivales und elemosinales
a) im Kloster Grofs-SMartin einen Satz von 4 d. 1 ob.,
b) in den anderen Kirchen einen Satz von 1 d.
c) Vom vinum elemosinale im Dom pro am. 1 scopus.
2. an einmaligen Einnahmen zu festen Daten:
a) S Andreas (Nov. 30): für jede Präbende: 19 mo. Hafer, 11 d. zu
Holz ; vom Hofe Berge bei Brasselt (Rees), zahlbar durch den Villicus
des Hospitals.
b) S Thomas (Dezbr. 21): 13 Pulli vom Hofe Berge.
e) Quinquagesima (Febr. 12): 2 s. zu Fleisch vom Hofe Berge.
d) Caput ieiunii (Febr. 15): 6 d., 6 scopi Wein, 2 mir. Weizen;
vom Domdechanten.
e) Im leiunium: 2 Häringe und 1 Weifsbrot für jede Präbende
täglich [alle Brote = 2 mir. Weizen]; vom Domdechanten.
1) Bd. 2, S. 218 No. 9.
^) Vgl. die Warringia minor de camera sancti Cuniberti, 1239, Ennen, Qu. 2, 197, 201.
Das Verzeichnis ist übrigens nicht vollständig.
3) S. Ennen, Qu. 1, 609—10, 112, 1193—1197.
^) Es wird Wilere statt Wileke zu lesen sein.
[Wirtschaft d. Grofsgmndbes. — 838 —
f) Quadragesima (Febr. 19): 8 mir. Legumina, 13X40 (= 520)
Brote; vom Hofe Berge.
g) März: ^2 mir. Gerste vom Hofe Berge.
h) Cena domini (März 30): 2 mir. 6 d., 6 seopi Wein; vom Dom-
dechanten.
i) Pascha (April 2): 13 pulli, 130 Eier; vom Hofe Berge,
k) Rogationes (Mai 8 — 10): 30 Käse vom Hofe Berge.
3. an einmaligen Einnahmen zu vom Hospital zu fixierendem
Datum:
1 Tischtuch von 12 Ellen, 1 Handtuch von 5 Ellen, 2 Schurztücher beim
Waschen, 2 Heizkessel zum Voll- bezw. Fufsbad, 1 grofse und eine
kleine Schüssel; vom Hofe Berge.
4. an einmaligen Einnahmen zu nicht angegebenen Terminen:
a) 7V2 s. von zwei Hufen bei SSeverin-Köln und von Monheim.
b) 2 mr. von Mehlem.
c) 16 d. an Zehnten von den Präbendargütern in den oben sub I genannten
11 Dörfern.
d) 1 am. Wein bei der Weinverteilung der Domherren.
e) 3 Summern Erbsen.
Natürlich wäre es sehr zu verwundern, wenn man bei so aufserordent-
lich verwickelter Etatsanlage zu einer sorgfältigen Bilanzziehung, zu einer
wohlbegTündeten Übersicht über Gesamteinnahme und -ausgäbe zu kommen
vermocht hätte. Es begreift sich vielmehr ohne weiteres, dafs die Information
über diesen Punkt stets eine mehr als obei-flächliche blieb. Wenn der Konvent
von SCäcilien-Köln sich im J. 941 beklagt, sibi nunquam in uno eodemque anno
tantum de annona in suis locis excrescere potuisse, ut ab initio usque ad finem
illius anni inde vivere quirent^ so scheint eben die Aufmachung der Bilanz
völlig vmd allein in der Feststellung der Möglichkeit des Unterhaltes auf
Grund der eingenommenen Körnerfrucht bestanden zu haben. Zur selben,
hier noch auf Wein ausgedehnten Anschauung führt auch eine Stelle aus der
neuen Ordnung über die Verwaltung des Prümer Klostergutes vom J. 1291,-
nach welcher die Abgabe von Wein und Weizen aus den Klosterrevenüen
nicht statthaft ist, nisi tantum de vino sit in cellario et de tritico in granario
conventus, quod ad minus per annum integrum et duos menses a venditione
seu alienatione ipsius vini sive tritici pro competentia prebendarum monasterii
sufficiat halnmdanter ^. Und diesen Bestimmungen entsprechen die wenigen
Spuren direkt erhaltener Bilanzangaben bezw. Jahresschlüsse. So wird z. B.
ein Jahresschlufs des Stifts SGereon-Köln noch im Beginn des 14. Jhs. ein-
1) Lac. ÜB. 1, 52, 93, 941.
2) Bd. 3, S. 99, 12, 1291. Doch erhält man hier zugleich einen lebhaften Eindruck von
dem vorsorglichen Eifer, mit welchem die mittelalterlichen Institute gegen Mifswachs und
Hungersnot magazinieren zu müssen glaubten.
— 339 — \'ei\valtiiiigsorganisinus.]
fach in der Aiif>abe heigestellt, es seien 525 mir. Weizen und 246 mir. Roggen
eingenonunen ^ ; und eine nicht viel bessere Bilanzierung läfst ein * Voranschlag
über die regulären Einnahmen der Abtei SPantaleon-Köln aus der Wende des
12. und 13. Jhs. ahnen-. Es ergeben sich hier als Einnahme a) 438 mir.
tritici. Hiervon werden verausgabt: dem Abt 44 mir.; den Kirchherren von
Embe und Eilstorp 12 mir.; für den Klostergebrauch 16 mir. und weiterhin
eine nicht zu konstatierende, weil im Or. ausradierte Sunnne; an Renten
ca. 43 ndr. ; für Anniversarienfeiern 72 mir. Summa 187 nur., es bleibt mit-
hin, schlecht gerechnet, die Hälfte der Einnahme zum Verkauf. Es ergeben
sich ferner ])) 577 mir. siliginis. Hiervon werden verausgabt: dem Abt
40 mir.; an Renten und Gehältern 206 mir.; für Anniversarienfeiern 67 mir.
Summa 313 mir., es bleiben mithin 264 mir. zum Verkauf. Weiterhin
c) 24^/2 mir. pise, sie werden sämtUch im Kloster verbraucht. Endlich
d) 891 mir. avene; hiervon l)leibt der bei weitem gröfste Teil für den
Verkauf frei.
Wie man am letzteren Beispiele ersieht, konnten gut ausgestattete Kirchen
auch bei so wenig geordneter Übersicht der Finanzen, wie sie hier vorliegt, ganz
wohl bestehen. Und das ist denn der Eindruck, den man überhaupt für den
gröfsten Zeitraum des früheren Mittelalters, für die Epoche seit etwa Mitte des
10. Jhs. bis zum Ende des 12. Jhs. erhält. Bis in die Blütezeit Ottos I. hatten
die geistlichen Institute noch arg gelitten; die nunmehr einsetzende kirchliche
Reform brachte sie auch wirtschaftlich empor ^, und seit dem 11. Jh. mag das
stets intensivere Steigen der Landeskultur das Seine zu weiterem Aufschwung
beigetragen haben *. Natürlich waren auch jetzt nicht alle Institute gleich wohl-
habend, auch jetzt kommen noch arme Stifter vor '\ und der Unterschied welt-
licher Ausstattung ist bei den geistlichen Korporationen stets ein grofser ge-
blieben^. Indes im ganzen liegt doch ein wohl noch bis ins 13. Jh.
andauernder Fortschritt im wirtschaftlichen Wohlbehagen vor. Von da ab
geht es aber rasch bergab. Schon in der 1. H. des 13. Jhs. finden sich einzelne
mit Schulden belastete Klöster \ in der 2. H. dieses Jhs. nimmt die allgemeine
Verschuldung der kirchlichen Institute reifsend zu, die Wirtschaft wird zu-
sehends schlechter, und überall werden von Oberaufsichtswegen die seit der
1) S. oben S. 548 Note 5.
2) *USPantaleon um 1200, Berlin Bibl. Cod. Bor. Qu. 234 Bl. 38 1: hec est estimatio
bladi, cuiuscumque sit generis, quod servitur ad granarmm monasterii nostri, excluso blado,
quod specialiter solvitur . . officiatis monasterii nostri.
^) Lamprecht, Charakter der klösterlichen Reformbewegung S. 96 f.
*) S. oben S. 601 f.
^) MR. ÜB. 2, 57, 1183: ecclesia Cardonensis a prima fundatione sua [erat] in posses-
sionibus pauper, in reditibus tenuis, in constructione templi et ceterarum officinarum multum
fuit debilis, unde iam multis quassionibus patet et ruinis.
6) S. Bd. 3, 437, 1339.
^) Rein. Ann. MGSS. 16, 680, 1230: S Jacob - Lüttich ist obligatum mit 644 mr. und
700 mo. bladi.
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 840 —
1. H. des 10. Jhs. aufser Brauch gekommenen^ Kontrollen und Visitationen
wieder eingeführt, in deren Programm die Frage, ob das visitierte Kloster
verschuldet sei, mit bedenklicher Kegelmäfsigkeit wiederkehrt^.
Indes sehen wir von dieser äufseren Geschichte der Finanzgebarung
ab, behalten wir vielmehr ihre ganze Ausgestaltung in der naturalwirtschaft-
lichen Epoche der deutschen Kaiserzeit im Auge und fragen wir von diesem
Standpunkte aus nach der Einwirkung der Verwaltungsthätigkeit der Zentral-
stelle auf das ihr direkt unterstellte Gros der Fronhöfe. Kann diese Ein-
wirkung, gehindert durch die vollständige Unübersichtlichkeit des Budgets,
gelähmt durch die reglementarische Festlegung aller gröfseren Einnahmen,
zurückgestofsen von der bis zu besonderer Kreditfähigkeit fortgeschrittenen
Selbständigkeit der Fronhöfe, eine durchgreifende und unablässige gewesen sein?
Wir können die zweifellose Antwort urkundlich kaum auf ihre Kichtig-
keit prüfen. Akten der inneren grundherrlichen Wirtschaftsverwaltung aus
dem früheren Mittelalter sind äufserst selten erhalten^; fast alle Befehle
wurden mündlich gegeben*. Soweit indes urkundliche Spuren dieser Ver-
waltung vorliegen, gehen sie nicht über den Nachweis grundherrlicher Ver-
anlassung oder Zustimmung zur Verpachtung, Verpfändung oder Veräufserung
von Gütern^, sowie zur Aufnahme von Kapitalien^ seitens der Meier hinaus.
In der That wird die Zentralverwaltung weniger in die Fronhofsverwal-
tung eingegriffen als den Versuch gemacht haben, eine wirkungsvolle Kontrolle
über die Fronhofsverwaltungon zum Zwecke der Aufrechterhaltung ihrer
finanziellen Verpflichtungen auszuüben. Und in dieser Hinsicht sind Thätig-
keit und Erfolge der Zentralstelle auch heute noch sehr wohl festzustellen.
Das erste und ausdauerndste Mittel, welches die Zentralverwaltung zur
1) S. noch Lac. ÜB. 1, 50, 91, 931.
2) S. z. B. die oben S. 663 Note 8 (auf S. 664) abgedruckte Mimstermaifekler Visi-
tationsformel.
3) S. z. B. MR. ÜB. 3, 1088, c. 1250: Theodericus nobihs de Isenburch Rudengero
fideli sculteto suo in Mettrich salutem et gratiam suam. Mandamus tibi presentium tenore,
quatinus ex parte nostra cum fratribus de Himmerode ad diem, quo cum adversariis suis
super bonis, que Heimo contulerat eisdem, simt responsuri, personaliter accedens testimonium
perhibeas pro nobis, quod a fratre Guntardo nullam omnino pecuniam (scilicet litteram
tantummodo) receperimus, quam super eisdem bonis acceperant a nobis. id ipsum Adolfo et
ceteris nostris hominibus ex nostra parte precipias, quatinus testimonium ibidem perhibeant
de premissis.
*) Bezeichnend hierfüi' ist Bd. 3, 226 No. u.
5) Lac. ÜB. 1, 172, 266, 1088—1105; CRM. 1, 105, 1132; MR. ÜB. 3, 1467, 1258;
s. auch Bd. 3, No. 288, 1414; *Koblenz St. A. MC. III ^^ Bl. 84 1>, reg. Goerz Regg. der
Erzb. S. 136; Bd. 3, No. 240, [1460]; ^Koblenz St. A. MC VII Bl. 311 1— 312 a, reg.
Goerz S. 243.
«) Bd. 3, 222 No. m; 225 No. t; s. auch *Cod. Himmerod. Bl. 39 ^r ein Magister
curie macht auf seinen Hof Schulden, was der Abt von Himmerode bescheinigt.
— g4l — Vorwaltungsorganismus.]
Kontrollo dor Froiiliöfo aiiwandto, war die Herstellung einer umfassenden
Registratur an der Zentralstelle gegenüber dem anfangs wohl absoluten Mang(4
jedes Schreibwesens in den Fronhöfen: erhielt sich doch auf dem platten
Lande noch bis ins 15. bis 17. Jh. hinein nicht selten das altnationale Kerb-
wTsen^ Und noch über das Mittelalter hinaus verblieb der ZentralverAvaltung
mit seltenen Ausnahmen^ die volle und alleinige Regelung der Registratur^,
ein mächtiges Mittel eingehendster Kontrolle, wie es energische Wirte von
Karl dem Grofsen ab bis ins spätere Mittelalter mit stets gleichem Erfolge
ausgenützt haben.
Diese Registratur war auf ihrer frühesten Stufe noch keine urbariale;
vielmehr schlofs sie sich anfangs einfach den Erwerbsurkunden an. Man
kopierte oder protokollierte die Urkunden in ein gemeinsames Buch: die
Traditionsbücher bildeten, WTnigstens für den kirchlichen Grofsgrundbesitz, die
erste Grundlage grundherrlicher Verwaltung^. An einzelnen Stellen mag man
sogar noch primitiver verfahren sein ; in Prüm z. B. weisen die alten Urkunden-
regesten des Liber aureus, welche sich zumeist als ursprüngliche Archivvermerke
ergeben, darauf hin, dafs man auch ohne die Aufstellung eines Kopiars bzw.
Urbars die Urkunden einfach nach Gauen geordnet als einzige schriftliche
Grundlage der Verwaltung hätte gebrauchen können-^. Indes erwies sich eine
solche Ordnung doch wohl bald als unzureichend ; überall wird die urbariale
1) Bd. 2, 6 Note 1.
2) s_ 2. B. WMüstert 1682 § 4, G. 6, 521 : daß man den lierren zu Züsch oder ihrem
ufheber zu Münster von etlichen guetern laut zinszbuchs, so sie, die scheffen, hinder ihnen
haben . . zu liefern schuldig; . . und sollen die scheffen das zinszhuch, damit sie wissen
den wein ufzuheben, hinder ihnen behalten.
3) Vgl. z. B. *Köln St. A. A. X, 50, Liber rubeus s. apost, vgl. Ennen, Qu. 3, 354,
aus dem Zinsregister von SAposteln: ego magister Lutginus scolasticus ecclesie sanctorum
apostolorum inveni in cista domini Friderici de Waldeckin bone memorie decani eiusdem
ecclesie ista, que sequuntur: hü sunt census, qui solvuntur singulis annis in Linsse eccle-
sie sanctorum apostolorum, conscripti ex ore Cünemanni anno 1293; dazu 3 andere Urbar-
ialien, von welchen wenigstens das erste noch in der Kiste beruht haben wird, da es älteren
Datums, wie 1293 ist, indes doch nach 1252 liegt. Diese werden nun von dem Fundort
aus in das Kopiar (lib. ruh.) übertragen. Aus späterer Zeit vgl. u. a. WKärlich 16. Jh. § 5:
jeder hofnian sol geben seinen zinß, als ein register u. gn. hern inhelt, und wie der hofer
vor recht erkennen kan.
*) S. Lamprecht in Conrads Jahrbb. f. Nationalökonomie und Statistik N. F. 11, 317,
zur Arbeit von Redlich über bayerische Traditionsbücher und Traditionen. Vgl. auch Lac.
Arch. 3, 139, 1222, cit. Bd. 2, 674 Note 2.
^) Dafs die Regesten des Liber aureus fast stets nur Kopien von auf den Originalen
angebrachten Regesten sind , zeigt u. a. MR. ÜB. 1 , 32 , wo das Regest durch den Ab-
schi'eiber 11. — 12. Jhs. verderbt wiedergegeben ist. Zum Charakter dieser Regesten, welche
stets den Gau verzeichnen, in dem der in der Urkunde behandelte Besitz liegt, vgl. MR. ÜB.
1, 23, 772: carta, quam Sigefridus fecit in Caresa [Karasgau]. S. ferner MR. ÜB. 1, 30,
39, 53, 58, 65, 74, 82, 89, 119; sowie zum Unterschied zwischen den über- und unter-
geschriebenen Regesten Bd. 2, 671 Note 6.
Lamp recht, Deutsche? Wirtschaftsleben. I. 54
[Wirtschaft d. Grofsgmndbes. — 842 —
Fixierung des Einnahmebudgets als ein aufserordentli eher Fortschritt angesehen \
wie er von frühester bis spätester Zeit empfohlen zu werden verdiente^.
Indes bedingten auch die Urbare keineswegs eine Einrichtung der
Registratur, welche fiir allseitige Kontrolle genügt hätte. Es ist hier nicht
der Ort, auf die Geschichte des Urbars in ihren mannigfachen Wandlungen
genauer einzugehen^: nur so viel sei betont, dafs das Urbar durch alle Ent-
wicklungen hindurch ein nichts weniger als fehlerfreies Mittel zentraler Auf-
sicht gewesen ist. In ältester Zeit stand die Unbeholfenheit des Schreibwerks
der absoluten Zuverlässigkeit des Urbars entgegen, sie liefs namentlich die
nötige Beweglichkeit für Nachträge und für registratorische Aufnahmen ver-
änderter Zustände nicht aufkommen*. Später, mindestens seit dem 14. Jh.,
war diese Beweglichkeit erreicht^, aber mittlerweile war eine so aufserordent-
liche Zersplitterung der grundherrlichen Bezüge eingetreten^, dafs auch die
aufmerksamste Verwaltung ihr aktenmäfsig kaum folgen konntet Eine leid-
liche Beherrschung der Urbarialregistratur trat somit erst nach einer nochmaligen
Erweiterung und einer noch intensiveren Durchbildung des Schreibwerks im
16. Jh. ein^.
Und zudem : die Grundlage der Registratur war anfangs stets und bliel)
vielfach auch noch bis in die späteste Zeit hinein die Weisung; d. h. die
Registratur arlieitete schliefslich nicht mit eigenen Aufsichtsmitteln, sondern mit
1) Vgl. G. ep. Camerac. 1, 55, um 860: excrescente . . discördia inter Karlenses et
Lotharienses aecclesia Laubiensis male labefactatur . . . episcopus [Johann von Kammerich]
tamen divino consilio usus poleticum, quod adhuc in eadem aecclesia reservatur, scripsit; et
hoc ab apostolica auctoritate, sed et a comprovincialibus episcopis confirmato omnes aeccle-
siae ipsius pervasores a christianorum societate sequestrans, tali modo aecclesiam a tanto
naufragio inmunem reliquit. UWincheringen, MR. ÜB. 2, 363, um 1200: sancti Simeonis in
Treveri fratres contra humane memorie infirmitatem remedium querentes et contra raram
rusticalis plebis fidelitatem et frequente/>i officialium suorum varietatem sibi et successoribus
suis providere studentes opere pretium crediderunt, bona et iura ad ecclesiam suam spectan-
tia . . scripto adnotari et scriptum presens ad Instructionen! certitudinis sue et suorum
posterorum caute reservari. S. auch Lac. Arch. 3, 139, cit. Bd. 2, 674 Note 2.
2) S. Ann. (Marbac.) Alam. Guelferb. et Nazar. z. J. 751, dazu Roth, Feud. S. 82;
ferner Bd. 2, 82, 662 Note 3.
3) S. darüber Bd. 2, 657 ff.
*) S. Bd. 2, 93, 102, 105, 643 Note 2.
^) S. UMarienthal 1317 S. 361 — 2, zu den Zinsen in Kehlen: semper debet hie poni
cedula, in qua scripti sunt debitores dictorum censuum cum nominibus predictorum debitorum,
pratis et campis, de quibus tenentur solvere predictos census, quia debitores multotiens
variantur; et quando debitores variantur, tunc facienda est nova cedula, que reponetur loco
prime cedule.
«) S. Bd. 2, 667, 709, 776.
^) Vgl. Bd. 3, 509, 29, 1309; Bd. 2, 712.
8) Vgl. Bd. 3, 673; s. z. B. auch WAltwies 1693 § 8: die dem Grund- und Gerichts-
herrn zustehenden Rauchhüner, Schaftzehnten, Frohnden, Dienste und Pachte stehen in ab-
sonderlich aufgerichteten Verzeichnissen, Registern, Beständnissen, Dokumenten und Kon-
trakten.
— 843 — Verwaltungsorganisinus.J
denen der grundhörigen Bevölkerunii ; nur in deren Weisung fanden die For-
derungen des Fronhofsvorstands, fand auch das Recht des Grundherrn eine
wahrhaft rechtniäfsige und sichere KontroHe.
Freilich übte der Grundherr in der älteren Zeit neben der Registratur
noch eine persönliche^ oder kommissarische Aufsicht. Allein dieselbe verfiel
sehr bald ; schon im späteren Mittelalter ist sie nicht mehr vorhanden, wie di(^
Weisungen ül)er nicht mehr in Anspruch genommene Herbergspflicht der Geh()fer
für den Grundherrn zeigen: dafs die Junkern zu B. ein lager haben sollen, wan
sie gen B. kommen, selbdritt, weist § 2 des WNiederbachem vom J. 1553, das
haben sie von den alten gehört, ist aber bei ihnen nit gebraucht wordc^n ^. Und w^o
wir auch die Kontrolle in früherer Zeit geübt finden, da ergeben die Neben-
umstände, dafs dies selten und darum zumeist ohne dauernden Erfolg geschah^.
Nach alledem wird man die Einwirkungen der Zentralstelle auf die
Fronhofsverwaltungen nicht für besonders nachhaltig und eindringlich erklären
dürfen: die Zentralstelle konsumierte im wesentlichen nur und kümmerte
sich nicht mehr als absolut nötig um die Lokalverwaltung. Symptome dieser
Haltung sind in Fülle vorhanden: Grundherren veräufsern einzelne Hufen
oder bestimmte Einnahmequoten eines Fronhofs*, ohne zu beachten, dafs sie
damit den Wirtschaftsbetiieb empfindlich schädigen müssen; und in jeder ge-
nauer bekannten Grundherrschaft entdeckt man bei eindringlicher Unter-
^) V. Liutb. 3: matrona pro causis necessariis, quia plurimis in loois possessiones
habebat procurandas, iter agens; MR. ÜB. 1, 573, 1153: der Abt von SMaximin vergleicht
sich in curia nostra Rivenache über Barweilerer Streitigkeiten.
^) S. schon Bd. 2, 682 Note 1. Vgl. ferner Bd. 2, 250 f., und aufser WBendorf 1408
§ 3, WBeringen 1488 und WLeudesdorf 1563 namentlich die altertümlichen Bestimmungen in
^^'Wiltingen 1488, G. 2, 64: wanehe ein abt zu Metloch persöhnlich wilt kommen zu dem
jahrgeding zu Wiltingen, so mag er mit drittenhalben man und mit drittenhalben pfert
kommen; da solle er dan finden neun hobstede, nach hulden wohlgebauwet , in der ein mag
er ziehen, wie ilrnie geliebet; in welche er dan ziehet, solle man ihm bewahren sein sattel
und zäume; man sol auch seinen pferden rawfuder bis ahn die obren geben, und streusei
bis ahn den bauch; wilt er aber essen oder drinken, mag er greifen in seinen beutel und in
sein zins und dieselbige begaden. WSensweiler 1520—1550, G. 2, 129: forter hat imser gn.
h. ein leger zu Sinsweiler umb Bartholomei ungeverlich, vor oder nach, alsdan sol ein haus
geben ein hupfaß habern und ein iedes haus ein hun, und ob ein kindbetsfraw befunden
wurde, sol ein[es] herrn knecht im den köpf abbrechen und das hun der kindbetsfrawen wider
ins haus werfen, forter weist der scheffen, wan der her oder seine diener kommen und den
leger halten wollen, alsdan sol der her oder bevelhaber under die schafherd gehen und
daraus nehmen ein hamel ungeverlich nit den besten und auch nit den hosten, und sollen
(larbei verzehren under einem Ib. hl.
=^) S. MR. ÜB. 1, 171, 929; CRM. 1, 105, 1132.
*) MR. ÜB. 3, 84, 1218: der Graf von Sponheim verschenkt mansum [1] . . ad curiam
meam Daleheim pertinentem. MR. ÜB. 1, 244, (973), Aufzeichnung 12. Jhs.: in Ehrang
schenkt der Erzbischof an SMaria ad martyres de investitura ^cclesi^ cum duabus paitibus
decime tribusque mansis et dimidio 5tum quoque manipulum de croadis et iugeribus ibidem,
de Silva 5tam arborem, de porcis in silvis pascentibus 5tam quoque d., de venna etiam 5*1^
piscem, unam petituram et aliam quandam vineam cum quadam area iuxta ecclesiam.
54*
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 844 —
siicliiiiig ihres Urbars eine Reihe von Unordnungen, welche unter der Ein-
wirkung einer energischen Zentralverwaltung unverzeihlich, ja undenkbar
wären ^
Das einzige, was die Zentralstelle dauernd interessierte, war eben eine
sich verhältnismäfsig stets gleichbleibende Höhe der Einnahmen, welche die
reguläre Fortfiihrung der durch so viele verschiedene Kanäle rinnenden und
darum so schwer zu übersehenden, noch schwerer zu verändernden Ausgaben
ermöglichte. Eine solche Stabilität scheint denn in der That erreicht worden
zu sein^, namentlich auch vermöge der sorgsamen Praxis, stets einen nach
unseren Anschauungen unverständig hohen, mit Rücksicht auf das Bedürfnis
des Magazinierens aber im Mittelalter vielleicht absolut notwendigen Überschufs
über die Einnahmen zu erzielen^.
Über die Höhe der Einnahmen selbst sich im Sinne unserer Rechnungs-
weise so zu informieren, dafs man alle Intraden auf einen gemeinsamen Geld-
nenner bringt, hat wenig Belehrendes. Es ist vielmehr richtiger, die Ein-
nahmen einzelner hervorragender Grundherrschaften so, wie sie erfallen, zu
ersehen*, und sich im übrigen zu fragen, welche sozialen und politischen
Wirkungen mit denselben hervorgebracht worden sind.
Die letztere Frage wird sich freilich beim Stande unseres Quellenmaterials,
soll man nicht in allgemeine von uns beharrlich vermiedene Erwägungen ver-
fallen, nur von 6inem Punkte aus beantworten lassen. Wir kennen die
Frequenzen einer grofsen Zahl hervorragender Klöster des Mittelalters; es
^) Nehmen wir z. B. SMaximin heraus. Hier liegen zunächst die zu einzelnen Höfen
zugehörigen Orte oder Ortsteile oft ziemlich weit auseinander und innerhalb der natürlichen
Grenzen anderer Höfe: so gehören zum Hof Mertert Güter in Seilig, Donwen und Aach,
zum Hof Schoenberg i. L. Güter in Steinsei, Nommern, Linster und Nospelt, zum Hof Moertz
Güter in Moselsürsch, Kalt, Kriplingerhöfe und Fell. Öfters gehört auch der Besitz in einem
Dorfe zu verschiedenen Höfen, z. B. der von Schofs nach Mersch und nach Lintschen ; ja es
kommt vor, dafs Besitz in einem Fronhofsort in einen anderen als den einheimischen Fronhof
gehört: eine Hufe im Hofort Feulen ressortiert von dem ca. 10 km entfernten Hof Ospern-Ewer-
lingen. Derartige Zustände lassen sich, wenn auch nicht ausnahmslos, doch der überwiegenden
Anzahl nach, nur durch den Umstand erklären, dafs man von der Zentralstelle aus ursprünglich
Passendes zusammenlegte, später aber zu nachlässig war, am einmal Vorhandenen zu ändern, auch
wenn sich viel bessere neue Kombinationen ergaben. Man hatte eben im Zentrum überhaupt
kein Interesse für das Spezialschicksal der Höfe ; darum finden sich z. B. im USMax. eben in
Auflösung begriffene Höfe in Giwenich und Mandern, ohne dafs man einen bessernden Ein-
flufs der Zentralstelle erkennt; andere Höfe sind kombiniert, wie Ewerlingen-Ospern, Hosten-
Auw, Weifskirchen-Bisingen; noch andere haben anderweitig verwunderliche Verhältnisse
unter sich, so Fell-Schoenberg, Moertz-Loef, Thaben im Verhältnis zu Bachern und Losheim.
2) S. oben S. 792—3.
3) S. Bd. 3, 99, 12, 1291. Bei Ges. Heisterb. Dial. mai. 4, 48 erzählt ein Abt:
praedecessor mens nimis erat dapsilis et indiscretus, officiales eins nimis prodigi. sie ordinäre
debemus expensas monasterii atque temperare, ut si forte seges nostra grandinata fuerit, et
tempora cara emerserint, habeamus, unde pauperibus subveniamus. huiusmodi verbis avaritiam
suam pallians . . .
4j S. Bd. 2 S. 143, 155.
— 845 — • Verwaltungsorganismus.]
wird (laraiif aiikoinineu, lüerhin iüeliörige Zitfeni zu saiiiiiielii und sich aus
ihnen heraus eine Vorstellung von der allgemeinen Wirkung und zeitlichen
Wirkungsdifferenz der Reinergebnisse grundherrlicher Wirtschaft zu machen^ .
Als Konnnentar aber für die Höhe der überlieferten Ziffern wird die Bemer-
kung vorauszusenden sein, dafs eine Bildung, wie sie im früheren Mittelalter
die geistlichen Grundherrschaften fast allein vertraten, in dieser Zeit notwendig
sehr teuer sein nuifste, denn sie war ein zeitlich aus früheren höheren Kultur-
epochen herübergenonnnenes Gut und unterlag daher der stets hohen Bewertung
aller Importgüter^.
Die früheste Notiz, welche wir in unserer Gegend über den Personal-
bestand hervorragender Klöster — nur um diese, nicht um Stifter kann es
sich handeln^ — haben, betrifft Echternach. Hier ergiebt sich im J. 885 für
ein Institut, das bei seiner Begründung klein gedacht war*, ein Bestand von
40 Brüdern '\ Fiir das 10. Jh. liegen dann ausführliche Notizen für die Klöster
^) Diese Untersuchung kann hier natürlich nur für den beschränkten Kreis unserer
Gegend vorgenommen werden; sie allgemein durchzuführen würde aber von den hier geltend
gemachten wie anderen Gesichtspunkten aus von grofsem Interesse sein. An Verzeichnissen
von Personalbeständen aufser den oben benutzten vgl. ein solches von 796 in der Hs. der
Kölner Domhibl. 83 ^ (Jaffe und Wattenbach S. 29), das Verzeichnis der Mönche von SDenys
von 838, bei D'Achery Spicil. 4, 229; die Series viventium von Pfäffers, 9. Jh. Ende,
SGallen Stiftsarch. und Stiftsbibl., vgl. A. Archiv 9, 595—599 und Birlinger in Alemannia 9;
das Personalverzeichnis des Kölner Kapitels 9. — 10. Jhs., Köln Dombibl. 175, 8*^, Pgt. 65 Bll. ;
ein Namenverzeichnis aus Gandersheim 9. — 10. Jhs. in einem Gandersheimer Lectionar zu
Koburg; die Nomina Lauresham. coenobii fratrum, 10. Jh. Mitte, Rom Vat. Palat. 169; die
Nomina confi-atum beati Lamberti, 12. Jh., Köln Dombibl. 87, 4^, 212 Bll.: die Nomina
sanctimonialium sancte Marie Mettensis, Rom Vat. Christ. 566 ; das Verzeichnis der Aachener
Stiftsmitglieder, Mitte 14. Jhs., Düsseldorf St. A. A 118 13. Jh. f. 48 Bll. Pgt. fol., letztes
Blatt, fehlerhaft ediert von Quix.
2) S. dazu Lamprecht in den Preufsischen Jahrbüchern Bd. 56, 183.
^) In den Stiftern herrscht von Anfang an zu sehr die typische Zahl 12 — nach der
Zahl der Apostel — , als dafs sie für unsere Frage in Betracht kommen könnten. Vgl. z. B.
Boehmer, Cod. Francof. S. 6, 882: an der königlichen Kapelle in Frankfurt sind 12 clerici
exceptis presbyteris; V. Bald. Leod. 6: G., Probst der Kathedrale von Lüttich, baut die
SBaithels-Kirche in Lüttich und setzt 12 fratres hinein. Ebenso sind noch im J. 1315 in
Beatusberg 12 Stiftsherren: CRM. 3, 67, 1315, cit. oben S. 829 Note 1. Nun geht man
freilich von dieser Zahl vielfach im Laufe der Zeit ab, aber doch nicht sehr beträchtlich;
so ergeben sich z. B. nach Ennen, Qu. 1, 592, 100, 1185 als Bestand des SSeverinsstiftes
22 Personen, nach Ennen, Qu. 1, 697, 103, 1188 als Bestand des SGeorgsstiftes 19 Personen,
und nach *0r. Metz, vgl. Goerz, MR. Reg. 2 No. 955, 1203, hat STheobald-Metz 16 Prä-
benden. Gröfsere Bestände zeigen wohl nur die Domkapitel, so war z. B. das Trierer Kapitel
nach *0r. Koblenz St. A. 1242 [jetzt nicht aufzufinden], vgl. Goerz, MR. Reg. 3 No. 290,
gegen 60 Seelen stark.
*) Echternach wird bei der Gründung monasteriolum genannt, s. Honth. Hist. 1, 91,
698; vgl. auch Honth. Hist. 1, 104, 706: in Echternach fratres peregrinos vel alios deuni
timentes congregent, ut ibidem secundum ordinem sanctum degere et conversari debeant.
S. auch die, wenngleich gefälschte, Urkunde MR. ÜB. 1, 168, 927, und dazu Thiofr. V.
Willibrordi 33.
■•) MR. IIB. 1, 1.39, 895.
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 846 —
Prüiii^ und SMaximin vor; das erstere weist einen Totalhestand von 186, das
letztere einen solchen von 70 Köpfen auf^. Es sind das keineswegs aufser-
gewöhnlich hohe Ziffern; in Vienne gab es um 700 10 Mannsklöster mit
1470 Mönchen^, Fulda besafs um 920 180 Insassen*, und von Hersfeld er-
zählt Lambert^, es habe schon früh eine Zahl von 150 Mönchen gehabt. Das
war die Blütezeit^. In der 2. H. des Mittelalters — für die Zwischenzeit
fehlen leider die Daten — finden wir Prüm wie SMaximin wie auch Echter-
nach jäh verfallen. Prüm kann 1361 kaum den Lebensunterhalt für 16 Mönche
aufbringen, obgleich damals die Unterhaltungskosten eines Mönches zweifellos
viel geringer waren, wie im 10. Jh., SMaximin zählt 1389 nur noch 25 Mönche '^,
und Echternach vor 1406 nur noch 7 ^. Nun werden zwar Prüm und Echternach
reorganisiert und bringen es infolgedessen auf 25 bezw. 18 Mönche^, und
SMaximin hält sich wenigstens noch bis ins 16. Jh. im wesentlichen auf der
Höhe des 14. Jhs. ^. Wo aber sind die hohen Ziffern der frühmittelalterlichen
Blütezeit geblieben?
Nach den gegebenen Zahlen liegt der Verfall nach dem 10. und vor
^) Für Prüm s. zu dieser wie den folgenden Angaben Bd. 3, 321 f.
2) S. oben S. 826 Note 1. MR. ÜB. 1, 65, 855 ergiebt für SMaximin 1 Abt, 1 Prae-
positus et monachus und 11 monachi.
^) Nitzscli, Gesch. d. deutschen Volkes 1, 168.
-») Schannat. bist. Fuldensis Probat. No. 28, 920.
») De inst. Hersf. jDrol., MGSS. 5, 137. Später freilich sei die Abtei ganz herunter-
gekommen propter violentiam praedonum . . . maximam autem violentiam patimur ab his,
qui defensores esse debuerant ecclesiae nostrae, d. h. den Vögten. Hilfe gegen sie sei nur
beim HErrn zu finden, der da sagt »mihi vindietam, et ego retribuam« (Hebr. 10, 30).
ß) Im früheren Mittelalter mufs man sich auch sonst die Zahl der Geistlichen sehr
hoch denken. Lehrreich in dieser Hinsicht sind die Angaben der V. Adalb. H Mett. c. 24:
episcopi sui [Adalberonis] temporis aliqui fastu superbiae, aliqui simplicitate cordis filios
saecularium sacerdotum ad sacros ordines admittere dedignabantur , nee ad clericatum eos
recipere volentes ; hie vero [Adalbero] . . . passim cunctos recipiebat. . . vix in omni tempore sui
pontificatus annus transiit, quo vel ante diem natalis dominici vel quadragesimae tempore
statuto antiquitus ieiuniorum sabbato presbyteros diaconos et reliquos aecclesiastici iuris
ministros non ordinaret . . in tantum, ut sacerdotum ab eo ordinatorum numerus ultra mille
fere procedat et reliquorum graduum numerositas comprehendi nequaquam possit. Adalbero
safs von 984 — 1005, ordiniert wurde er kurz vor 985. Er ordinierte also in jedem Jahr
mindestens 50 Priester. Nelmien wir nun an, dafs wo anders nur 50 Weihen aller Grade
im jährlichen Durchschnitt stattgefunden haben, so ergiebt sich für Deutschland als Summe
der jähi'lichen Weihen etwa 1600 — 1700. — Adalbero weihte auch fast 40 Äbte, s. a. a. 0.
c. 26. — In Boppard waren nach Mone Zs. 24, 152, 1179, bis zum J. 1179 4 Priester, von
da ab 5.
'^) Registr. annivers. s. Max., Trier Stadtbibl. 1635, Bl. 2^.
^) Novillanius c. 59.
^) Novillan. c. 59 : um 1500 hat SMaximin 27 fratres, demptis donatis. Im Jalu-e 1502
sind dann in SMaximin 24 excl. Abt, Novill. c. 59. S. ferner Novill. c. 61: 1522 fuerunt
fratres munero 28 et quatuor donati, inter hoc tres diaconi. Um 1580 waren dann 18 Professi
vorhanden , Novill. c. 64.
— 847 — Verwaltungsorganisnms.]
dem 14. Jli. Einige anderweitige Angaben gestatten eine engere Begrenzung.
Etwa seit dem Beginn des 13. Jlis. hören wir iiherall von einei' Restriktion
der alten Personalbestände, teilweis unter sehr deutlicher Motivierung. So
spricht es Erzbischof Dietrich von Trier 1227 für SMartin-Trier aus: taxata . .
diligenti studio tenuitate proventuum monasterii sancti Martini Trevirensis
perpendimus, quod non amplius quam 18 monachi, tam maiores quam minores,
de dicte ecclesie reditibus commode valeant, nisi augeantur, sustentari,
. . maturo bonorum consilio consensuque et favore dilectorum filionun
Richardi abbatis et conventus iamdicte ecclesie statuimus, sub anathemate
inhibentes, ne monachorum numerus in eadem ecclesia tam in maioribus quam
minoribus decimum octavum numerum excedat et ne aliquod Stipendium
extravagans alicui conferatur, insuper ne conversi aliqui cum uxoribus ab ipsa
ecclesia deinceps recipiantur, quoniam hoc in confusionem et dampnum nuil-
totiens et grave rerum cedit detrimentum^ In der Übereinstimmung ander-
weitiger Mafsregeln und Nachrichten mit dieser^ liegt es klar zu Tage:
spätestens mit dem Schlufs des 12. Jhs. war der Verfall der Klostereinnahmen
iiberall evident^. Er kann aber nur auf einen Verfall der Wirtschaftsver-
1) MR. ÜB. 3, 327, 1227.
2) Ces, Heisterb. Dial. mal. 1, 1 ; MR. ÜB. 3, 34, 1215. Nach MR. ÜB. 3, 903, 1247
sollen in Mettlach nicht mehr als 300 Mönche (trecenomm monachorum numerus) sein. So
nach Kopie im Mettl. Chart. Trier Stadtbibl.; es ist jedenfalls an 30 zu denken. Die ein-
zige Nachricht, welche vor dem 13. Jh. von einer geringen Anzahl von Mönchen redet, ist
Cant s. Hubert. 8, MGSS. 8, 572, 1055, cit. oben S. 829 Note 1. Aus späterer Zeit vgl.
noch Lac. ÜB. 3, 287, 1334: Erzbischof Walram von Köln bestätigt das Statut des Kapitels
zu Kornelimlmster, wonach die Zahl der sämtlichen Geistlichen der Abtei wegen der im
Laufe der Zeit erlittenen grofsen Verluste an Gütern auf 16 Personen einschliefslich des
Abtes beschränkt sein soll. Cod. Lac. 189, 1358: die Zahl der Mönche, Kleriker und Kon-
versen in Laach soll 30 nicht übersteigen; 50 setzt Erzbischof Boemund von Trier fest, cum
iuxta facultates vestri monasterii prefatum adhuc numerum credamus sufficere, ut persone
huiusmodi numeri iuxta Status sui decentiam sustententur.
^) Am frühesten, aber noch aus besonderen Gründen verfallen zu sein scheint
SMaximin, vgl. Honth. Hist. 1, 523, 1133; G. Alberon. c. 16, MGSS. 8, 252; Novill. c. 42.
Zu den späteren Schicksalen des Klosters vgl. Novill. c. 53; Necrol. s. Maximin. 4 non. iul.;
Novill. c. 61. Im übrigen beginnt der Verfall an der Mosel erst mit den sechziger Jahren
des 12. Jhs., während er im Westen des Mosellandes schon früher liegt, s. z. B. Ann.
Laubiens. 1160, MGSS. 4, 23. Für die Mosel vgl. G. Trev. Cont. 3, 5, MGSS. 24, 382, von
Erzbischof Arnold (1169 ff.): est etiam illud de eo valde predicabile, quod, cum in primis
suae praelationis temporibus aecclesias circuiret et eas fere omnes propter mala predicta, quae
tempore Alberonis archiepiscopi contigerant in terra, desolatas et aere alieno oppressas
inveniret, ita iuxta uniuscuiusque qualitatem eis de sua substantia erogavit, quod in brevi
eas a debitis expediens, ad pristinum statum reparavit. denique in obitu suo ad duo milia
mr. sunt computata, quae ab eo in elemosinam quibusque aecclesiis . . sunt erogata.
Honth. Hist. 1, 605, 1178: Vereinigung von SMarien-Luxemburg mit SVannes, weil ersteres
tam in monasticae religionis disciplina, quam in temporalibus bonis . . pene defecisset.
*Düsseldorf St. A. Pant. Cop. B. 5 V (1224): die Einkünfte von Pantaleon verringert tum
propter devastationem curtium, tum propter inopiam censualium. Manrique Ann. Cisterc.
4, 448, 1233: die heruntergekommene Abtei Stablo wird unter Prümer Verwaltung gestellt.
Würth-Paquet Reg. Publ. Luxemb. 14, 103, 1240: die Abtei SMaur-Virten in schlechten
[Wirtschaft cL Grofsgmndbes. — 848 —
fassung der kirchlichen Grundherrschaften zurückgeführt werden. Im 10. Jh.
hatte unter dem geistlichen Einflufs zunächst der Klosterreform ein aufser-
ordentlicher Zudrang zum Mönchsleben stattgefunden^; und die gleichzeitig
einfallende Blütezeit der kirchlichen Wirtschaftsverfassung, eine der stärksten
Unterlagen für den enormen Aufschwung der kirchlichen Bestrebungen im
10. und 11. Jh. überhaupt, hatte diesem Zudrang gegenüber Thor und Thür
zu öffnen gestattet. Dieser ersten grofsen Ausweitung der klösterlichen Ge-
nossenschaften war dann um die Wende des 11. und 12. Jhs. eine Nachblüte
gefolgt ^ Jetzt dagegen waren die Schleusen geschlossen, mit dem einbrechen-
den 13. Jh. verengte sich die ökonomische Basis der Mönchsklöster.
Eine andere Entwicklung, scheint es, haben die Nonnenklöster genommen.
Zeichneten sie sich von jeher durch aufserordentlich hohe Mitgliederzahlen
aus, welche vermutlich eine weitgehende Bedürfnislosigkeit der Einzelperson
zur Voraussetzung hatten^, so scheinen diese Zahlen im hohen und späteren
Älittelalter noch gewachsen zu sein ^. Und hätte diese Beobachtung die Bürg-
ökonomisclien Verhältnissen; ähnlich das Kölner Domkapitel, ME. ÜB. 3, 885, 1246. Würth-
Paquet, Reg. Publ. Luxemb. 15, 69, 1253 ist die Rede von den minces revenues d'Echternach.
*0r. Koblenz St. A. 1254, MR. Reg. 3 No. 1116: das Stift SStephan-Mainz hat verminderte
Einkünfte wegen des Schismas zwischen Rom und dem Reich. MR. ÜB. 3, 1287, 1255: Erz-
bischof Arnold von Trier kauft von dem intollerabili debitorum suorum incommodis et onere
bedrückten Laach gewisse Höfe für 700 mr. koeln. auf Lebenszeit. Cod. dipl. Rommersd.
No. 27, 1268, Papst Klemens lY. für Abt und Konvent von Rommersdorf: indulgemus, ut
ad Solutionen! aliquorum debitorum a predecessoribus vestris eiusdem ecclesie nomine con-
tractorum minime teneamini, nisi creditores eorum legittime probaverint, eadem conversa esse
in utilitatem ecclesie memorate, non obstantibus renuntiationibus confessionibus obligationibus
penarum adiectione iuramentis instrumentis et litteris quibuscunque contractuum tempore
interiectis. Hennes ÜB. 2, 402, 1307: der Deutschorden verschuldet debitorum onere et
usurarum voragine. Aus späterer Zeit s. Trithem. Chron. Sponh. z. J. 1439 von den Spon-
heimer Mönchen: nimia enim paupertas et inopia rerum temporalium eos ad spiritualis vitae
desperationem perduxerant, qua se non posse credebant, quod faciliter potuissent. Vgl. auch
noch *Cod. Himmerod. Bl. 94», de oppressione debitorum: cum ex relatione venerabilis
coabbatis nostri lilii vestri abbatis de Heisterbach didicerimus, domum suam adeo debitorum
usurariorum pondere pregravatam necnon et pensionibus annuis ac multitudine personarum
oppressam, quod nisi de celeri sibi succurratur qualicumque consolationis remedio in ultimum
desolationis incidet laberintum, hinc est quod nos precibus dicti vestri filii de Heisterbach
inclinati paterna sollicitudine futuris dicte domus periculis obviando tenore presentium vobis
benigne mandanms, quatenus predicto filio vestro licentiam concedatis, si vobis utile visum
fuerit, quod habito consensu sanioris partis conventus domus predicte aliquas possessiones
ultra quam proventus dicte domus unius anni se extendunt, ad certos annos vel ad vitam
quarumcumque personarum prout a vobis habere voluerint, dimittere possit seu etiam obligare.
Datum . . .
1) S. Lamprecht, Klosterrefomi S. 96 E
2) Wattenbach, Geschqu. 2, 128.
3) S. Nitzsch a. a. 0. Dazu kam die frühe Aufnahme, vgl. Ces. Heisterb. Dial. mai. 6, 37 :
in dioecesi Treverensi monasterium quoddam sanctimonialium situm est, Lutere vocabulo. in
hoc ex quadam antiqua consuetudine nulla recipitur puella, nisi septennis sit vel infra.
4) Die früheste Nachricht bietet CRM. 1, S. 205, 11. Jh.: das Frauenkloster SThomas-
— 849 — Venvaltuugsorganismus.]
schalt alliitMiieiiier Geltiiii.u", so wüixU* sie mit dem Auftauclieu der Fraueufrage
seit dem 12. Jh. in Zusammenhaiig zu l)ringeii seiii^
Doch kehren wir zu jenen Erfahrungen zurtick, weh'lie sich aus der Ge-
schichte der Personalbestände der gröfsten Mannsklöster entnehmen liefsen, so
lassen dieselben keinen Zweifel darüber zuriick, dafs der Ertrag der grundherr-
lichen Wirtschaftsverwaltung spätestens seit dem Anfang des 13. Jhs. anfing zurück-
zugehen: mit der Wende des ersten und zweiten Viertels dieses Jhs. war der
Verfall schon evident und erforderte ein neues Arrangement der Personalfrage.
Dieselbe Thatsache des Verfalls ergiebt sich nun auch aus einer Reihe
anderer Symptome.
Die kirchlichen Grundherrschaften hatten nie darnach getrachtet, grofse
Mittel für produktive Zwecke zu sannneln: eine so geringe Sunnne wie 12 Ib.
16 d. 6 ob. galt in Echternach noch um die Mitte des 12. Jhs. als Schatz-.
Indes hatten sie doch die ab und zu angesammelten Kapitalien dazu benutzen
können, um Geldgeschäfte auf dem Wege der älteren Satzung ^ oder auf sonst
welchen Umwegen zu machen*; und noch spät tönen einzelne Nachrichten
nach, welche die Klöster mit als die Banquiers des früheren Mittelalters erscheinen
lassen^. Jetzt, seit Mitte des 13. Jhs., geht diese Stellung verloren: die Juden
treten nunmehr zunächst fast ausschliefslich an Stelle der Klöster®.
Kapital aber, welches nicht direkt produktiv angelegt wurde, war von
den Klöstern während des ganzen früheren Mittelalters zur Verschönerung
ihres Heims, namentlich zur Ausstattung des Kultus, wie zum Betrieb wissen-
schaftlicher Studien verwendet worden. Daher jene erste Blüte der mittel-
Anclernacli wächst bis zu 100 Mitgliedern, diese Zahl darf nicht überschritten werden. S. ferner
MR. ÜB. 1, 496, 1137: bei Stiftung des Klosters Stuben wird bestimmt, ut sorores ibi degentes
centenarium numerum non excedant; ebenso für SThomas-Andernach MR. ÜB. 1, 504, 1138.
Weiterhin vgl. MR. ÜB. 3, 294, 1226 : im Nonnenkl. zu Valendar non ulta numerum 100 aliqua ibi
dominasuscipiaturpreter has, quibus ibidem iam prebende sunt assignate et in sorores publice nomi-
nate. Xach Bertholet 5 Piec. justif. 79 finden sich in Marienthal (Luxemburg) im J. 1298 ca. 120
Konventsmitglieder. Auf geringeren Präsenzzahlen halten sich aber auch hier wieder die alt-
fundierten adligen Klöster; so soll z. B. nach MR. ÜB. 2, 292, 1190 — 1212 die Zahl der Frauen von
Oeren nicht 40 überschreiten; in Prüm wird 1296 die Zahl der Nonnen auf 25 festgesetzt
(s. § 12 des unten S. 860 abgedr. Reformationsmandats von 1296); und 1311 wird nach Lac.
ÜB. 3, 109 die Abtei Vilich wegen Schulden auf 12 Fräulein und 3 Kanonichen beschränkt. —
Zur Zahl der Hospitalmitglieder vgl. aufser oben S. 837 die *Nomina fratrum et sororum
fraternitatis hospit. s. Elizabet Bl. 20 a; es waren 1250 (zum Beginn) 23, darunter 4 Trierer
Schöffen; und ferner die Urkunde bei Honth. Hist. 2, 436, 1458, nach welcher das Hospital
von Kues für 33 Personen eingerichtet ist.
^) S. Bücher, die Frauenfrage im Mittelalter, Tiibingen 1882.
2) Paris Nationaibibl. 11104 Bl. 47a, nach 1155. Vgl. Bd. 2, 377 f.
^) Zur wiitschaftiichen Bedeutung der älteren Satzung vgl. W. Küster, Reichsgut S. 87.
*) Vgl. oben S. 826; MR. ÜB. 3, 465, 1232; 739, 1242; Bd. 3, 35 ff. Was bedeutet es,
wenn Ann. Corb. 1147, MGSS. 3, 17, 42, ein sacerdos als creditarius einer Äbtissin vorkommt?
^) Toepfer 1, 347, 1371: Johann Vogt von Hunolstein, Herr zu Neumagen, hat seine
Kleinodienkiste in SMaria ad martyres.
^) Genaueres darüber unten in Abschnitt VHI.
[Wirtschaft tl. Grofsgruudbes. — 850 —
alterlieheii Kleinkunst und Architektur, jener Aufschwung der Wissenschaften
im 9. und 10. Jh. \ mit der ersten Glanzzeit der grundherrlichen Wirtschafts-
verwaltung. Und noch folgte, wenigstens auf dem Gebiete der Kunst, eine
Nachblute im 12. und beginnenden 13. Jh. Speziell im Rheinland ist sie über-
raschend vertreten, überall entstanden hier damals Kirchen und Klöster des Über-
gangsstiles, noch heute geben diese Bauten den Landschaften an Mosel und
Mittelrhein ihren besonderen architektonischen Charakter^. Ja noch in der
Spätzeit der 1. H. des 13. Jhs. vermochten energische Äbte die teilweise schon
verschuldeten Klöster auf diesem und andern Gebieten mit einer letzten Glorie zu
umgeben. So Abt Reiner von Echternach, 1231—1242: ad curtes Berg et
Mondrichen, quas sua industria de novo aedificavit, et ad aedificia super
Mosellam aliarum curtium seu ad molendinorum reparationes quadringentas
^) Eine Ausführung der folgenden Gedanken für andere Gegenden s. hei Lamprecht
in Conrads Jahrhh. f. Nationalökonomie und Statistik N. F. Bd. 11, 370 f. — Zur Geschichte
der Wissenschaften an der Mosel von dem hier in Betracht kommenden Punkte aus bietet
die Geschichte der einzelnen Bibliotheken ein wertvolles Material, s. dazu Bd. 2, 680 ff. Im
übrigen vgl. noch an Symptomen für die Höhe bzw. den Verfall der litterarischen Bildung
in unserm Gebiete Lupi epist. No. 10, 26, 72, 85, 91 ; MR. ÜB. 1, 179, 943, ferner das Ge-
dicht des Trierer Domschulmeisters Winrich (um 1140), ed. Kraus in den Bonner JBB. 50,
283 f. — Zur Geschichte der Kunst an der Mosel im 9. u. 10. Jh. vgl. Lamprecht, Der
Bilderschmuck des Codex Egberti zu Trier und des Cod. Epternacensis zu Gotha, Bonner
JBB. 70, 56 — 112, ferner das von mir Bonner JBB. 74, 130 — 146 gegebene Verzeichnis kunst-
geschichtlich wichtiger Handschriften des Mittel- und Niederrheins, sowie mein Werk über
die Initial-Ornamentik des VIII. bis XIII. Jhs., Leipzig, Dürr, 1882. Natürlich kann es hier
wie im folgenden nicht die Absicht sein, kunstgeschichtlich vollständige Belege für die oben
entwickelten Ansichten zu geben, doch sei die Anführung einzelner bisher von der rheinischen
Kunstgeschichte unbeachteter Notizen gestattet. Das *Breve Chronicon monasterii Prumiensis
von Heinrich Brandt, Koblenz St. A. G. 4 fol. Bl. 22 f. erzählt in Kap. 6 : in hodiernum usque
diem sepulchrum sancti [!] Lotharii sub nigro marmore in medio chori ecclesiae nostrae
monstretur . . . certissime compertum ex antiquis documentis habeamus, eundem imperatorem
in gradibus ecclesiae altare pretiosissimum ex puro auro conflatum construxisse, cuius tamen
reliquiae nostra aetate nusquam supersunt. Ebenda befindet sich Kap. 10 f. eine Aufzählung
der Reliquien des Klosters : genannt werden u. a. die Sandalen Christi ; crux ingentis magnitudinis
ex auro purissimo confecta et gemmis pretiosissimis compacta vom Kaiser Lothar , darin 2 Kreuz-
partikeln; Haare der Jungfrau Maria u. a. m.; die Körper der HH. Primus und Foelicianus,
Lupianus, Pontianus ; brachium sancti lacobi maioris argento inclusum ; dann sind aliae aureae
et argenteae thecae mit Reliquien erwähnt, ebenso eine crux aurea minor, diversa aiTnaria
ecclesiae. S. ferner das Inventar der Martinskirche in Vilipp, MR. ÜB. 1, 120, 886, aus
einer Urkunde des Prümer Liber aureus : capse 2, crux cum argento parata, guntfanones 2,
serica casula virida 1, calix argenteus cum patena, missalis unus, leccionarium 1 et anti-
fonarium simul, item missalis 1 et collectorium, Gregorii 40 omelie, item ibidem anti-
phonarium 1 et liber omeliarum. Endlich vgl. Necrol. s. Maxim, non. oct. : Willems pres-
biter et abbas [f 957] nostre congregationis , qui post Ogonem episcopum monasterium et
claustrum perfecit et tabulam auream ante altare paravit; und weiter zur Kunstübung unter
Willer Novill. Honth. Prodr. S. 1003 über den frater Gosbertus.
2) Aus der bisher unbekannten Überlieferung s. u. a. ein * Inventar der Abtei SMaria-
ad-martyres in Trier 12. Jhs., Hs. Trier Stadtbibl. 23 Codex 1 Bl. 1121^: in ecclesia nostra
continentur 8 calices, septem libri cum tabulis aureis et argenteis, sedecim cappe, tres
— 851 — Verwaltungsorganismus.]
11). et ainpliiis expendit, insuper in auiiinentatioiieiu reddituuin temporaliuiii,
(pios suis teniporibiis eoinparavit seu conqiiisivit , quingentas Ib. et aiiipliiis
exposuit. abbatiaiii etiaiii, quam in suae confirniationis novitate quadringentis
11). (lebitoi'uni et anqilius invenerat obligatani, iurilnis nionasterii districte con-
servatis et universis suae curae connexis ad feliceni statum redactis, a debi-
torum onere penitus exemit et absolvit. sui etiani tempore pastoratus monasteriuni
i\c monasterii ambitus testudini])us cooperta, fenestraium picturarumque orna-
tibus sunt decoiata^ Allein das waren Ausnahmen. Wie die Wissenschaft
schon früher in den geistlichen Grundherrschaften abgestorben war, so verfiel
jetzt die Kunst: noch wurden fast alle Kirchen des romanischen Übergangs-
stiles ausgebaut, aber die erste grofse Kathedrale gotischen Stils, der im J. 1248
begründete Kölner Dom, blieb in seiner Unvollendung ein Mahnzeichen des
Verfalls kirchlicher Wohlhabenheit bis in unsere Tage^.
Nicht anders wie mit dem edlen Luxus des Geistes und der Kunst er-
ging es mit dem Luxus des Alltagslebens. Im früheren Mittelalter mit seinem
naturalwirtschaftlichen Charakter gab es keinen gröfseren Luxus, als den
grofser Dienerschaften und prunkvollen Reisegeleits : wer viel einnahm, konnte
unmittelbar aus seinen Naturalintraden viele essen lassen^. Dieser Luxus
stirbt nunmehr in den Grundherrschaften, mit Ausnahme der zur Territorial-
dalmatice, 4 kasule cum aurifrigiis, quinque» albe cum aurifrigiisb? quatuor stole auro in-
texte, (lue stole argento intexte, due stole auro mixte absque fanonis, undecim sericee
stole . . .c. cingulid sericei. tria pallea ad summum altare pertinentia, et alia 5e pallea,
una mapula sericia, et due mapule cum aurifrigiis, undecim f mapule intexte et 15 alie,
duo pallea cum leonibus, quinque fanones, copertorium sepulchri sancti Beati, sexaginta due
albe, quinque cruces deaurate, et 11 candelabra, tres urcei et unus baccinus, duo libri
matutinales, vetus testamentum in duobus voluminibus, omelie Gregorii pape, passiones
apostolorum, biblioteca et duo greci libri.
^) Catal. abb. Epternac. II, MGSS. 23, 35. Aus erst viel späterer Zeit s. wieder
Damianus Dhame Honth. Prodr. S. 1045 über Abt Reiner von SMaximin 1581 — 1613: arcem
Freudenburgensem nunc iacentem una cum ecclesia et domo pro villico in Freudenburg iuxta
preposituram in Tabena non paucis sumptibus reparavit et resp. de novo aedificavit. in
causas iudiciales ultra 7000 imperialium bono fructu impendit. in omnibus locis iurisdictioni
nostri monasterii subditis annalia placita, feudalia et curialia, servavit. bona census et iui'is-
dictiones tam in patria Trevirensi quam Luxemburgensi per scabinos locorum renovavit.
2) Eine weitere Ausführung dieser Gedankenreihe s. bei Lamprecht, Der Kölner Dom
und seine Geschichte S. 32 f.
^) Vgl. des weiteren hierüber Lamprecht, Beiträge zur Geschichte des französischen
Wirtschaftslebens im 11. Jh. S. 143; auch Lambert z. J. 1069, MGSS. 5, 176, n, sowie
Parz. 1, 529. Aus unserm Gebiet s. V. loh. Gorz. c. 113; Ennen, Qu. 1, 521, 55, 1145;
535, 63, 1151; 577, 88, 1177; allenfalls noch Bd. 3, 33, 1264. Das Conc. Tolet. c. 5
vom J. 646 schreibt vor, der Bischof solle nie mit mehr als 50 Begleitern in der Diöcese
reisen, und nie mehr als einen Tag in einer Kirche verbleiben. Diesen Kanon überschreibt
Regino Gaus. syn. 1, 8: ut episcopus cum paucis suam parochiam circumeat.
a) Übergeschrieben septem. b) Zusatz prima sine amictu. c) Rasur, übergeschrieben tres aurei. d) Ober-
geschrieben duo. e) Übergeschrieben octo. f) un gestrichen, übergeschrieben tre.
[Wirtschaft d. Grofsgrunclbes. — 852 —
Wirtschaft erweiterten \ ab; an seine Stelle tritt der kleine Luxus der Person
und des Hauses, der Komfort^: mit der Mitte des 13. Jhs. beginnt der von
nun ab nie unterbrochene Faden geistlicher Gesetzgebung gegen den Luxus der
kirchlichen Institute^, einen Luxus, der schliefslich in seiner Kleinlichkeit und
in seiner Beziehung nicht mehr auf das Institut, sondern nur auf die früher
zurücktretende Einzelperson e])en die ganze Ohnmacht der neueren kirchlich-
grundherrlichen Verwaltung blofslegt*.
So predigen es tausend Symptome des realen wie idealen Interessen zu-
gewandten Lebens : der Verfall der grundherrlichen Wirtschaftsverwaltung war
gegen den Schlufs des 12. Jhs. offenkundig.
1) S. Bd. 3, 204, 2, 1349; 211, u, 1350. Dagegen MR. ÜB. 3, 8, 1213.
2) Über derartigen Luxus bei den Mönchen hatte man bisher nur vor der Kloster-
reform geklagt; Richer 3, 37; Lamprecht, Klosterreform S. 93.
^) Bertholet 5, P. justif. 18, c. 1240, Luxusgesetze für die Benediktinermönche der
Trierer Diöcese; Stat. synod. 1310 c. 11 (Blattau 1, 73): De conviviis monachorum et canoni-
cormn: sie sollen gemäfsigt werden, ebenda c. 15 S. 75 betr. Kleiderluxus, und ebenso c. 42
S. 91, sowie Stat. synod. 1337 c. 1, Blattau 1, 157. In derselben Richtung bewegt sich
c. 52 S. 95 : statt einiger Arten soll niu- eine cappa . . . valoris 100 gr. Turonensium antiquorum
gegeben werden.
*) S. dazu MR. ÜB. 3, 1103, 1251; 1393, 1257; 1418, 1257; Toepfer ÜB. 1, S. 168
unten — 169: Verzeichnis des Prunkgescliirres des 1335 gestorbenen Trierer Dompropsts
Nicolaus von Hunolstein. Von Interesse ist auch eine *Aufzeichnung im Urbar des Propstes
Elias von Münstennaifeld , Hs. Koblenz CXIa Bl. 61 ^, betitelt: Hec sunt utensilia nostri Elie
prepositi Monasteriensis, que habemus in domo nostra Monasteriensi. Die Notiz ist auf die Rück-
seite des letzten Bl. der Hs. geschrieben, die Schrift ist teilweis abgerieben und dadurch unlesbar,
tun so mehr, als sich mannigfache Rasuren imd Streichungen finden. Doch ergiebt sich etwa
folgendes: Primo 4 lectos, 2 de maioribus et 2 de minoribus. Item 3 pulvinaria, unum de
maioribus et 2 de minoribus. Item 3 cussinos de pennis. Item 2* cervicalia de plumis.
Item 3 b paria linteaminum de bonis et malis. Item unum superpellicium de mediocribus [?]
. . . Item unum pilleum .... de vario, Choräle cum cappa modica [?]. Item 2 mensalia
de maioribus et unum de minoribus. Item 3 manutergia, unum de maioribus et unum de
minoribus. Item unam flescham stanneam . . . scophos continentem. Item unam patellam
ferream et unum pondus ereum, 3 ereos, uniun de maioribus alium de mediocribus c.
Item unum par cultellorum .... Item 20 scutella stannea de maioribus
discum .... stannei .... 2 paria maioribus et ahud de minoribus. Item
3 suppellectilia de maioribus et 1 ... . tenue. Item 2 mortaria unum malus et [?]
Item 1 asserem murialem [?]. Item in domo nostra superiori 7 magnam
unam parvam. Item 2 sedilia, unum infra, et aliud supra. Item in aula prepositure predicta
unum sedile. Item lucernam unam de melioribus .... Item 20 cussinos ciun .... Item
40'" stalachen frusta. Item 2 saccos et 1 wan. [Folgen zwei unleserliche Zeilen.] Habemus
etiam ibidem 12 libros iure concessos consanguineo [?], prout in littera
desuper confecta continetur.
a) Urspr. 3, iias durchstrichen, h) Urspr. 4or, durchstrichen, c) So.
Anhang.
1. Weistum über Pflichten und Beeide der zehn Dienstlehnmannen der Abtei SMaximin,
c. UoO.
Kop. Trier Stadtbibl. Chart. *. Max. in der Mitte auf unfoliierten Bll. mit der Aufschrift: Quae vasalli domiiio
et dominus vasallis praestare tenetur, fol. 26. Die Zeit bestimmt sich aus den im Chart, s. Max. auf unser
Stück folgenden Kopieen aus derselben hslichen Vorlage Bl. 29 f., welche ein Verzeichnis der Dienstleknempfänger
unter Abt Anton (l4öS — 1477) enthalten, auf etwa die Mitte des 15. Jhs.
1. Der lehenlucle sollen zehen sein, 4 under dem coster und 6 under dem keiner,
lind diese sind die vier under -dem coster: der ein sol des heildoms warten uf dem fronelter,
wer sacli das er nit da sin enmacht, so sal er mit laiibe einen anderen erbaren man oder
knecht dar senden und wole gedruwe. auch ist derselve lehenman schuldig oder sin knecht
mit den hem zu gan mit den cruzen mit eim stabe, als sie processie gant, als dick sich
das geburt.
2. Auch sal derselve lehenman die glesen finster stoppen, als vor 6 penninge geburt
und nit darüber, und die hern sint schuldig darzu die^ steigen, auch ist er schuldig die
kerzen uf dem fronelter und uf dem Stander zu enphegen und zu verlessen, als dicke das
noit ist.
3. Die andere dri, under dem koster sint, die sint schuldig iglicher ein dritteil von
dem jähr des nachtes in dem monster zu schlafen und des coisters knecht bi im, und wan
des kosters knecht ufsteit und entpliengt in ein Hecht und eine klocke geludit, so sal der
lehenman oder sin knecht, dem die zit zugenorit, ufstan und sal dem koster fort helfen
luden.
4. Auch sin sie schuldig, wan is hogezit ist, das man die cronen entphengen sal,
oder wan man die groisser klocken luden sal ein oder zwoe, dan ist iglicher schuldig einen
knecht zu hülfe zu senden, als dicke sie die groisser klocken ludent, so ist der convent dem
knecht schuldig ein dritteil von ein sester wins.
5. Auch sal man den zweige lehenman, die die cronen entphengent. iglichem geven
ein gedrete kerze in den schachgit, damiede sie die cronen entphengen, die sal sin als lang
von dem elbogen an bis an die vinger. als sie die cronen entphengen haut, was in dan
blivet des lichtes, das mögen sie mit in dragen oder dun, was si wollent, als dicke sie die
cronen entphengen, und der dritte sal sie wieder lessen, als is zit ist.
6. Auch sint sie schuldigh eins in dem jar die alben zu buchen ^ in der fasten,
welcher lehenman die alben dut wessen, dem sal man geben dri fuder holzes, des sal der
abte ein fuder usser sime walde mit sinem wagen und perden fueren doin. die ander zwei
fuder sint schuldig die von Mirtesdorfe^ zu foeren, darzu sal der keiner von dem gotzhus
1) HS. ZD.
2) blichen?
3) Mertesdorf, 8d auf der Orientierungskarte des dritten Bandes.
[Wirtschaft d. Grofsgrimdbes. — 854 —
sie halden, abe sie es nit deden. auch sal ime werden ein broit uf sanct Peters dach, das
die von Loische^ brengent, das sal sin von einer firzel korns. auch were es sache das es
verloren wurde in der kirchen, des enhaint die lehenlude nit zu schaffen , noch ensint nit
schuldigh zu bezahlen.
7. Nu wissent, wanne das ein lehenman eine busse verbrichte, die die lehenlude
wisent, so ist er schuldich einen sester wins, nit von dem besten noch von dem ärgsten, und
das achte teil von eim ponde wachs, und mach den sester wins loesen mit 8 penningen und
das wachs mit drin penningen. auch were es sache das er die busse nit engebe mit der
sonnen, als der lehenman wise, so ist er des andern dags zweifaltigs schuldig, und ensal
sich dan nit nie dobbelen.
8. Auch ist man schuldich den dreien lehenluden oder knechten von iren wegen uf
kristnacht einen braden zu geben oder 6 penninge darfur, und uf sanct Agritius abent^ ein
sester wins, und uf sanct Maximins abent^ ein sester wins, und uf der dage iglichen zwene
Schilling, die sal der koster geben.
9. Dis sint die ander sesse: deren sint zwene, die das broit sollent dein backen von
der herren fruchte, die sie ine gebent, und als gut, als die fruchte gibt; und were es sache
das die heren ine besser broit hieschen, dan von der fruchte kueme, das sint sie nit schuldig
zu besseren, dan von der fruchte, die man ine geliebert halt oder ihren knechten kommen
ist, und sollent des gelauften sin. und were es sache das sie einche busse schuldig wurden,
die der lehenman wiste, so ist er schuldich ein sester wins noch von dem besten noch von
dem ärgsten und mach denselben loesen mit 8 penningen, und einer knechte* mit 6 penningen.
auch were es sache das er die busse nit engebe mit der sonnen, als der lehenman wiset, so
ist es des anderen dags zweifeldig, und es sal sich dan nit me doppelen.
10. Dis sint die zwei kochelehen, die sin schuldig einen knechte dem convent zu
schicken, ihre erwis zu kochen, abe sie es nit selber dein enwoUen, in des convents kuechen
von des convents erwis und aller irer gereitschaft, die zu den erwissen horent; dan ist man
dem koche, der die erwis sudet, schuldig als vil als eim heren. und wan das er die erwis
den herrn angericht hait, und dicke was im blibet, das magh er dragen, war er Avill. und
abe der. koche einche busse schuldig wurde, die der lehenman wise, so ist er schuldig einen
sester wins und mach den loesen mit 8 penningen und einem lebendigen huene, das mach
er loesen mit vier penningen; und were es sache das er die busse nit gebe wie vurg. steit,
so sal sie sich dobbelen.
11. Dis sint die zwei smedelehen, die sint schuldig zu verwaren, was man smeden
sal zu den klocken und zu dem monster von der hern irem und von irem gereitschaft, und
das behueden, das den hern nit unrechte geschehe, dan sint die herrn schuldig iglichem als
lang, als sie dabi sint, eine probende glich einem herrn, als dicke das geschiet. auch were
es sache das sie einche busse schuldig wurden, das der lehenman wise, so ist er schuldig
einen sester wins als vurg. steit, und mach den loesen mit 8 penningen und einen leffel, der
sal sin iseren und also groiss, das man der herren probende damit schepfen mach ^, und mach
den leffel loesen mit zehen penningen; der ander einen krauwel, den mach er auch loesen
mit zehen penningen. und were sache das er die busse verbreche und nit engebe wie obg.
steit, so sal sie sich des anderen dags doppelen.
12. Auch wissent, das aller diser lehen keins fallen mach ausser keinem geschlecht
nummeraie, es enwurde dan verkauft oder hinweggeben, auch were es sache das ein lehen-
man stürbe, so sal das lehen fallen an sin wif, wiewoil sie kinder habent: were sache das
dan das wif stürbe, so sal das lehen fallen an des lehenmans eisten soin, abe er keinen soin
1) Loslieim 11 d.
2) Jan. 12.
3) Mai 28.
4) So.
^) Hierzu eingetragen: Nota, der dat lehen hait, der da was ineister Jacobs von Boitzwiler.
— 855 — Anhang.J
bette, so sal es fallen an sin eiste dochter. auch mach die fiauw das lehen erben glich
anderen erben, das sie hait, also lang sie keinen anderen man nimt. und were es sache
das sie einen andern man neme, so sal der man das lehen der frauwen lebedage lang haben
und nit ferner, dan fallet das lehen wiederumb an die erste kinder.
13. Auch were es sache das der lehenman so vil stürben, das der frauwen nie weren
dan der manne, so sind sie schuldig die leben zu besetzen mit erbaren mannen, die urteil
mögen sprechen, und were sache das sie keine kint enhette, so mach sie mit dem lehen
(loin, wie sie will, auch ensal noch enmach keine frauwe das lehen kaufen, es enfall ir dan
zu. auch wer es sach das der lehenman eincher beklaget wurde, so enmach er nit nie ver-
tallen, dan als vil bussen als vurg. steit.
J4. Auch enniag niemand urteil sprechen von allen diesen vurg. Sachen, dan die
lehenlude, die darzu gehörig sint. auch ist ein abt schuldig uf sanct Agritius dage und
uf sanct Maximins dage iglichem lehenman mit einem knechte und einem honde essen
zu geben.
15. Auch alle diese vurg. sachen, das sie also warHchen wäre sint, das haint gewisen
dise nachg. lehenlude mit namen Johan Erkal, meister Matthiss von dem nossbaume, meister
Jacob von Boitzwiler, Conrait Boiss , Contz uf der ecken, Heinze Schele und Reiner ge-
bruder, und bidden wir alle unsere gesellen und nachkommen, das sie es wollen also halden
und helfen halden.
16. Auch were es sache das ein lehenman uf den heiligen lege^, der beklaget were,
der endarf nit me sprechen, wes man ine da ziget, des si er unschuldig, so ime got helfe
und die heiligen.
17. Auch sollent die lehenlude vor keinem gerichte nit antworten, es si geistlichen
oder werentlichen, dan ein abte zur zit und convent sint sie schuldig dannen zu hoden,
want es alles kaiserlichen ist.
2. Aufzeichnung Schechnans über den gleichen Gegenstand in seinem Speculare feudorum,
ca. 1520.
Aus Trier Stad/bibl. Ifde. No. 1643 b ^ vgl. Bd. 2, 7 IS. Abs. des Herrn Cmid. hist. SchtiUltei/s. JDieAufzeichmmy
ist teilweis eine erläuternde und ericeiternde Umschreibung , teiltoeis eine nahezu uörtliche Übersetzung des
vorhergehenden Weisfums .
Quanquam feudum ad impendenda servitia institutum constet, extant tamen nonnuUa
apud nos feuda singulariter ministerialia feuda appellata deceni numero: quorum quatuor
custodi ecclesiae nostre servitium faciunt, reliqua sex cellerario monasterii huius. etiani
dicuntur illorum fideles feudales custodis, hü feudales cellerarii; verum non ab ipsis, sed a
domino abbate feuda huismodi et suscipiuntur et imponuntur. et licet non omiiia in usu sint
et practica et aliqua mortua seu extincta alia prope expiratura, placuit tamen singula stili
officio demandare. enimvero ut nova placent, sie delectant antiqua: inest quippe, ut Cicero
scribit, antiquitati iucunditas et solet atque debet plurimum cum admirationis tum amoris
habere, itaque ad propositum tendemus.
Ministerialium feuditariorum custodis unus est custos sacrosanctarum reliquiarum in
summo altaii expositarum, tres reliqui editui et cereales. quorum omnium officia iuraque
specificabimus paiicis admodum demptis, in quibus id nequit observari; cumque hiis servilibus
feudis summam manum imposuerimus , tum ad liberalia feuda aiticulum flectemus, quae
quasi libera censentur eo quod rariuscule servitium dent.
Feudum apothecarii : modo ^ huic feudali homini hec incumbunt : reliquias
») So.
'^) Fehlt der Name des Inhabers.
[Wiitschaft d. Grofsgiimdbes. — S56 —
sacras. quamlo expomintm- ad simimum altare in festivitatibiis. sub custodia et conseiTatione
habet: stat a leva altaris baculiim gestans in manu ai*genteuni. quodsi illi non placeret com-
parere. substitiiet famulum Meiern, ciü tuto credi posset precedet stationes seu processiones
totiens. quotiens peraguntur. maxime dimi feiimtiir reliquie et processiones sunt praecipuae
et solemnes. obstniet tenesti-anmi rimas apud principale altariimi cliori seu retici ciu*abit,
ueque idtni sex d. pro salaiio exponere tenetiu-: in expensis monasterii fiet ascensoriiuu.
quo accedatiir et stetiu- in restaiu-atione fenestranim. est etiam de officio eins, candelas in
ara simima et super candelabris ante illam et circa promptuariiun reliquianun. et ti-es magnas
candelas subtus lampadem chori in festis sanctoriun Maximini. Agritii. Nicetii^ aecendere
et extinguere. nolam item ad sanctos et elevationem venerabilis sacramenti pulsai-e. insuper
in investitiu-a feudi sui. quam accipere debet et renovare a quolibet noviter eleeto et con-
tinnato abbate. promittet lidelitatem et alia. que teuditarius bomo promittere et iiu-are
solet. et quidem illa ad ipsimi peitinent. ratione quoi-um a monasterio recipit singulis
septimanis per anni circiüimi viginti Ib. panis tiiticei pistati: extendunt se annuatim ad
quina mli". gi-ani.
Hoc feudo quondam iuaugiu-atiis fmt quidam Godefridus de Meisenburgb : quo defimcto
suscepit illud Hem'icus apothecarius civis Trevericus gener eins a venerabilibus dominis
abbatibus Antbonio. Ottone. Tboma. et isto Hem-ico per mortem subtracto infeodati illo
tiiere a reverendo patre domino Tboma abbate iiu'e et lege feodali generi Hem-ici Joannes
Quetzpennick consul Trevericus, Cimo de Koppenstein scabinus Treverinus. ast Thoma
abbate mortiio inteodavit tenore quo supra reverendus pater et dominus Vineentius loannem
Quetzpennick seorsimi. Cuononem de Koppenstein ac ^NTicolaum de Siemera aeque genenmi
Henrici apotbecarii coniunctim. venuu Joannes Quetzpennick tortuitum facit ac dictas Ib.
panis percipit. et recte quidem satisque consone. nam seniorem filiam irsorem habet, ciii
videtiu- ius conpetere. ut post suo ordine et loco prosequetur naiTatio.
Eeliqui- tres feuditarii ministeriales custodis. qui editui vel cereales dicuntiu". hiis
legibus subiecti simt et fiienmt ab antiquo: licet nam ex toto non observentur, attamen ipsa
sei^itia annotanda veniimt. quilibet ipsonuu triimi tertiam anni partem dormire habet in
ecclesia cum famiüo custodis seu campanario. cimi noctu siuTexerit campanarius pulsatiu-us
matutinas, accensam candelam pomget seu dabit aedituo feudali vel eins ministro et ipse
Interim primmn Signum ad noctiunalem sinaxim faeiet. exiu*get interea ministerialis feudi-
tarius in ordine vicis suae et consequenter iuvabit campanarium in pulsatione. preterea ad
eos spectat. ut in solemnitatibus. quibus corone accendende sunt et maior campana pulsanda.
mittet qiüsque pro iuvaraine famiüimi; quotiens autem sie piüsaverint. dabitiu' cuique tertia
pars de sext. vini. duobus accendentibus Coronas cuilibet dabit custos candelam plicatam
et spissam longitudinis a cubito ad simimitatem digitonun, quibus accendimt Coronas: cimi
restantia quod volunt faciimt. venmi tertius feudalis pertecto opere divino candelas extin-
guei^ tenebatiu'.
Hiiiiis teuditaiii servitium onusque ad monasteriiun nostnuu convei*simi est, pro quo
exequimdo et perüciendo habemus pomerium subtus vineani Petitiu'am iuxta Cmratiam^. hoc
leudimi obtinuit quidam Enschi'ingensiimi a domino Ottone abbate ad resignationem honesti
Bemardi de Ti-aiecto-inferiori, scabini potestatis beati Maximini,
Hec bona feudimi habet: sextam panem decimae in villa Policha^ cum attinentiis suis,
item pi-atum imum in Ruvera-^ iuxta molendinum nostri monasterii, et campiun duonun
iuiTialiimi apud CiuTatiam apud vineam nostri coenobii vocabulo Petituram. quem dominus
Thomas venerabilis abbas pro servitio ecclesiae sine sacristano impendendo retinuit et
1) Mai e9. Ja». 13, Okt. 1.
-) Darfiber die Überschrift Feadam Ensobringensiam ministeriale.
3) KOrens bei Trier.
*) Pölich 8 d.
*) Buicer ö. Trier, Sd.
— 857 — Anhang.]
applicuit nionastorio huic, ut iam imniediate retulinius et inferius littera D secundo
emunctius agemus atque diffusius.
Alter 1 edituorum, qui et cerealis appellatur, habet sextam partem decimae in villa
Policha cum pertinentiis suis; item pratum seu brolium in Ruvera iuxta molendinum mona-
sterii nostri; camj)um terre arabilis circa curtem Kevenich^ apud croadam monasterii huius,
ortum sub disti'ictu sancti Maximini inter ipsum monasterium et Trevericam urbem contiguum
stratae publicae, (lueni modo monasterium presens obtinet et perpctuo tenebit. pro hiis citra
servitium sacristae debitum promittit feuditarius homagii sacramentum et tidelitatis profert
iuramentum, ut est solitum et consuetum; possidet hoc feudum evo isto ex paterna succes-
sione Sebastianus de Lepore alias de Albo-equo civis Treverensis.
Alius^ edituus sive cerealis habet molendinum in villagio Ruvera situm in loco dicto
Koppinger cum suis pertinentiis. gerens id feudum lavabit singulis annis quadragesimali
tempore semel albas ecclesiae nostrae. eapropter dabuntur illi tria carata lignorum, quorum
unum exhibebit dominus abbas ex silva sua cum quadriga et equis suis; reliqua duo advehent
villani de ]\Iertisdorf, quod ut periiciant solhcitabit cellerarius huius monasterii. quodsi illi
non fuerint datae eaedem lignorum vecture, ad albarum lotionem non tenebitur nee astrin-
getur. datur illi proinde magnus panis siligineus ponderis fercelle unius, quem offerunt
villani de Loissheim super altare sanctae crucis in festo passionis beatorum Petri et Pauli
apostolorum'^, quibus viceversa custos ecclesiae nostrae ministrabit ceream candelam, quam
accendentes in medio praedicti altaris ponunt. homagium feudalis facit, etiam fidelitatem
servat, prout frequenter et quidem ab antiquo molitor molendini prefati gestat feudum.
Descripsimus officia et beneficia feudalium sacristani ; superest [ut] , quam luituri sint
mulctam in omissione vel negligentia commissionum et ministeriorum, disseramus. si quis
predictorum feudariorum in officio et servitio suo negligentior vel transgressor repertus
fuerit — nisi ius feudarium maiori censura poenam et mulctam statuerit et inflixerit, singu-
lare autem ius inter se gerunt — , dabit et solvet custodi poenae nomine sext. vini nee ad-
modum melioris nee admodum vilioris, et octavam partem Ib. in cera. vinum octo, ceram
tribus d. redimere poterit. si ante solis occasum, ut eorum ius dictat, non solvent, altera
illuscescente die duorum sext. vini reus erit, nee deinceps duplicatio fiet vel augmen-
tatio altera.
Dabuntur etiam duobus iam proxime supradictis cerealibus feudariis in dominico natali
carnes, quam assaturam christianam appellitant, vulgariter den kirstbraden, vel loco eius-
modi sex d. ; insuper in profestis divorum pontificum Maximini et Agritii dabitur cuilibet
eorum sext. vini cum duobus d., quos ecclesiae custos exponet tradetque.
Sex feuditarios ministeriales cellerarius monasterii habet, duo respectum gerunt, ut
panes debite pinsantiu-; duo item curabunt, ut dominis seu fratribus cibaria et pictantiae rite
coquantur preparenturque ; duo residui prospicient ad ea, que ex ferro fabricanda occurrunt
in campanis et necessariis ecclesiae inque monasterii utilitatibus et necessitatibus. eorum
quoque esse aiunt providere semper et disponere in assignato sibi feudatali officio famulum,
si quando continget licentiari et dimitti aliquem; primi videlicet pistorem, medii coquum,
Ultimi fabrum. nunc eorum feudalia bona assignemus.
Primum feudum pistrine^ habet annuatim quinque mir. siliginis mensurae feodalis
huius monasterii sancti Maximini, devolvitur ex avito et antiquo iiu^e per successiones
heredum, sicque defluxit ab Hermanno de Uffingen ad filium loannem Uffingen scabinum
Trevericum atque potestatis Maximineae.
1) Darüber die Überschrift Feudum Sebastiani de Lepore alias de Albo-equo.
^) Keicenig 7 b.
3) Darüber die Überschrift Feudum molendinarii in Ruvera.
■») Juni 29.
5) Darüber die Überschrift Feudum loannis de Uffingen.
Lamprecht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 55
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 858 —
Secimdum feudum pistrinae^ temiinabile est et non peiTpetuum; siquidem nioriente
feudatario feodum non ad eins proles vel uxorem transit, sed huic monasterio reservatur
atcjue ad beneplacitum domini abbatis pro tempore alteri conceditur. Stipendium hiiius feudi:
annue tria mir. siliginis mensure feodalis huius monasterii. is feudalis ministerialis requi-
sitiis considerabit et examinabit, si blada monasterio soluta ac resignata in recto valore et
debita mensura sint. hoc feudum olim quedam Irmengardis relicta loannis Lubennist resigna-
vit in poenitentia duorum feudalium hominum collegio monasterii sancti Maximini pure et
simpliciter propter deuni in remedium animae suae. quod suscipiens frater Nicolaus de
Ijorich hospitalarius et provisor hospitalis beatae Elizabeth tum actor domini Lamperti
abbatis absentis de consensu domini prioris et conventus rursum alium quempiam loannem de
Kirschem scultetum sancti Paulini infeodavit conditionaliter tamen: interveniendam enim
voluit auctoritatem et annisum domini abbatis regressuri, anno dominice nativitatis assignato
Moccccoxxvio, tandem reversus dominus Lampertus abbas (qui fere iam triennio abfuerat)
ratam habuit hanc locationem concessionemque et litteris propriis confirmavit. factum tunc
feudum perpetuum successione legittima devenit ad quendam Gerardum de Schonenbergh
cellerarium in Palatiolo, quod^ de voluntate conparis suae Agnetis ad honorem dei et sancti
Maximini pro salute animarum suarum resignaverunt^ feudum in manus domini Anthonii
abbatis, nullum prorsus ins usumque feuditarium ammodo sibi reservantes.
Habuit etiam feudum istud ortum in vico dicto Hoilgasse situm, quem .... resigna-
vere : acta in presentia loannis Wandalini de sancto Wandalino notarii public! coram testibus
Joanne Walrami et Gerardo Reineri clericis Treverinae diocesis, anno domini moccccolxiiiio.
abliinc finibile extitit feudum atque a domino Ottone abbate primum alienatum et concessum
ad vitae dies loanni Wre scabino Treverensi, quem et dominus Thomas abbas illo infeodavit
titulo quo supra. quo de medio facto idem dominus contulit illud magistro Gerardo de
Ramstock civium magistro urbis Trevericae, et illo defuncto obtinuit illud a dominis magni-
ficis Thoma ac Vincentio Joannes de Niederwisse consularis et magister pistorum in urbe
Treveri atque scabinus potestatis Maximineae; qui et in presentiarum id possidet, donec
vitales auras duxerit, imponendum tum alteri vel reservandum, cui dominus abbas pro tem-
pore duxerit conferendum, inque post futura tempora taliter observandum procedendumque ;
quo scabinatum resignante a domino Vincentio illi et feudum ablatum et collatum Mathiae
de Enden tinctori, lege qua supra ad dies vitae a domino Joanne abbate susceptum.
Coquinale feudum^, cum esset quondam geminum, per interpolationes temporum ac
rerum varietates factum est simplum. quod aliquando hereditaria accessione gestans quidam
Heimannus de Schoden scabinus Treverensis vendidit Thilmanno Rutgeri et Aleidi coniugibus
civibus Treverensibus septuaginta fl. Renensibus. Thilmanno Rutgeri mortuo cum ipsa Aleidis
vidua Nicoiao Meise que Treverino scabino nupsisset isque diem clausisset extremum, pertesa
iterandis nuptiis ex speciali favore et inclinatione libere tradidit feodum in manus Nicolai de
Zei-ffe et Aleidis de Besselich coniugum legittimorum civium Treverensium , de consensu
domini Anthonii abbatis celeberrimi; annum domini millesimum quadringentesimum augmen-
tante septuagesimo quinto. quod tenens hac tempestate ipsa Aleidis relicta dicti Nicolai
Zerife, cum olim dotatum fuisset feudum stipendii loco quinque mir. siliginis mensurae
Treverensis, et ipsa pietatis imitatrix, qua frustra fuerat sortita feodum, dei intuitu et spe
retributionis eternae in remediumque animae suae ac mariti sui omniumque progenitorum
quinque mir. predicta duplicata annue recipere destinavit: ea conditione et pacto, ut ipsa
mortua mortuum et feudum esset et ad monasterium reverteretur ac utilitati illius et usibus
applicaretur ; acta compositio anno domini Moccccoxciiio , abbatiali dignitati prelato domino
Ottone de Eltena. preter dicta mir. siliginis habet feudum vineam quandam in loco dicto
1) Darüber die Überschrift Feudum loannis de Niederwisse.
2) So.
3) Darüber die Überschrift Feudum Aleidis relictae Zerffe.
— 859 — Anhang.]
ScliilK'l nniiis iugoris sine pliara^, atque oituni aimd adaquaturam equorum circa cenobium
sancti Maximini: sopito feudo nionasterii erunt.
Feoda insuper fabricae ferrariae in usu non sunt, quare et de his scribere longius
consiliuni non fuit; eo ipso maxime, quia litterae desuper facientes et tractantes inquisitae
diligentius mininie inventae fuere, ut scribundi et materiam prebuissent et ausum.
Digesta conioditate feiiditariorum cellerarii aptum est, ut et penas debitas in negli-
gentia subnectamus. si quis taliuni in sibi assignato feudi officio culpabilis fuerit conpro-
batus, ad dictamen iudicis feudalium, quem semper habebunt communem cum hominibus
iidelibus custodis, solvet et dabit sext. vini nee melioris nee peioris, quem redimere poterit
octo d. ; si ante solis occubitum non solvent, ut de ministerialibus sacristani digessimus,
alterius diei lucano duorum sext. vini reus erit, nee deinceps geminatio iiet. sui)er hoc feu-
ditarius culinalis addet gallinam redimendam d. quatuor; et feuditarii fabrorum in trans-
gressione alius dabit et superaddet coclear ferreum tantae amplitudinis, ut portionem conven-
tualem una vice et hauriat et contineat, quod redimere poterit decem d. ; alter dabit fuscinam
id est ungulam ferream, redimendam totidem d. : e quibus elici videtur , ut uno delinquentc
ambo solutioni obnoxii sint et teneantur.
Narrationis iam opportunitas exigit, alias quasdam feudalium tam custodis quam
cellerarii observantias, consuetudines, iura etiam quedam et privilegia perstringantur ^. legibus
itaque istis atque ceremoniis honorati pariter et onerati (artati) sunt; feudorum huiuscemodi
nulluni extra progeniem derivatur nee devolvitur, nisi forsan venderetur vel certe daretur
alicui, etiam hoc assentiente abbate domino feudi; alioquin cassaretur venditio vel donatio,
quemadmodum liber de feudis pluribus passibus attestatur. herum quis si deftuictus fuerit,
feodum ])aenes uxorem eins manet, licet ex viro proles sustulerit habueritque. mortem
obeunte uxore ad seniorem hlium transibit feudum; si filius nullus maior seu prior, minor
vero vel posterior superesset, illius erit feudum. quodsi prorsus filius non habetur, ad
seniorem filiam feudum transfunditur. tenebit uxor defuncti feudum, quoad ipsa vixerit. si
alteri viro nuj)serit, idem obtinebit et geret feudum diebus vitae uxoris illius, qua vita functa
revertetur feudum ad prolem mariti prioris legittimi feudalis, sive mas sive femina fuerit, ut
supra dictum est. si morte interveniente plures feminae quam viri restarent, tenebuntur ipsae
feodalia sua et ministeria per alios subordinatos honestos et probos vires tutari ac perficere,
tales inquam vires, qui in exequundis feodalibus rebus et iuribus servandis ferendisque
iudiciis gnari industrii et quam accomodatissimi sint. si mulier sobole careret, poterit ipsa
de et cum feudo, ut utile iudicaverit, facere; nee tamen vendet sive alienabit, priusquam sibi
cesserit et in manus devenerit.
Si quispiam herum feuditariorum aliqua in re lapsus proclamandus et mulctandus
veniret, non ultra predictas poenas condemnabitur ; nisi adeo gravis foret excessus, ut
maiorem requireret poenam; nee quisquam aliquam debet sententiam ferre aut promulgare
super Omnibus rebus antefatis, nisi qui predictis feudis investiti sunt, in festis sanctorum
Maximini et Agritii archiepiscoporum habebunt prandium in monasterio nostro quisque cum
famulo et cane. non respondebunt in aliquo iudicio tam spirituali quam seculari, sed
dominus abbas conventusque illos tuebuntur. nemo eorum conventus convictusque super re
aliqua artabitur malus iuramentum proferre, nisi illud simpliciter, quod eum deus adiuvet et
sanctus ille, super vel coram quo iurare conpellitur.
>) = ci reit er, lou/eführ.
2) So.
55*
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. _ 860
3. Eeformationsmanäat des Abtes Heinrich von Prüm für die Nonnen zu Niederprüm,
1296 Mai 14.
Kop. Dipl. Pnmiiense, Koblenz St, A. Bl. 50^ f.
In nomine domini nostri lesu Christi amen. Anno domini MCC nonagesimo sexto nos
Henricus dei gratia abbas monasterii Prumiensis ex officio nobis commisso ad monasterium
Prumie inferioris [nobisj subiectum^ visitandi gratia accedentes de observantia religionis, de
redditibus et aliis omnibus circumstantiis tam in spiritualibus quam in temporalibus inqui-
sivimus diligenter et correximus, que vidimus corrigenda. verum ne deo dicate virgines
Chi'isti famule, que vehid clara luminaria et stelle serenissime in umbras istius regionis
actenus lucem [mittere]^ consueverunt, a sua laudabili conversione inimico superseminante
zizaniam desistentes alicuius infamie vel scandali nebulis inposterum valeant obfuscari, nos
communicato nobis iurisperitorum prudentium et discretorum consilio diligentique tractatu
prehabito disposuimus et ordinavimus ipsum monasterium tam in spiritualibus quam in tem-
poralibus, prout ad divini nominis cultum conservandum et augmentandum et saluti animarum
monialium ipsius monasterii credimus convenire, salutariaque monita nostra et precepta, per
que futuris scandalis et insolentiis obvietur, de predictorum bonorum et discretorum consilio
duximus ipsis monialibus indicenda:
1. Primo monemus priorissam ipsius monasterii sub comminatione divini iudicii, ut
ipsum nomen priorisse factis expleat et sicut aliis prior est officii dignitate, ita eas antecellat
exemplo vita et conversatione. 2. Postmodum tam priorissam, quam ceteras
moniales monemus actenus et obse- [BL 51 «J cramus, ut sponso suo lesu Christo taliter in-
herendo deserviant, ne extinctis suis lampadibus ab eternis nuptiis cum fatuis virginibus
excludantur. 3. Precipimus insuper in virtute sancte obedientie, quod ad
matutinas et ad omnes alias horas canonicas necnon et ad capitulum hora consueta cottidie
tam priorissa quam moniales omnes conveniant et in refectorio cum priorissa simul omnes
cottidie moniales comedant et in dormitorio simul omnes dormiant, nisi aliqua earum infir-
mitate detineatur vel alio legitimo impedimento, et hoc de licentia priorisse. ipsam autem
priorissam in omnibus horis canonicis et aliis supra omnibus exequendis primam et ultimam
esse volumus et precipimus, nisi infirmitate vel negotiis monasterii sui excusabiliter deti-
neatur. 4. Item precipimus, quod priorissa cum ceteris monialibus post com-
pletorium et aliis statutis horis silentium teneant, sicut regule congruit et hactenus est con-
suetum, et ut post completorium cum silentio et sine strepitu simul dormitum vadant et
simul surgant. S. Item inhibemus dictis monialibus in virtute sancte obedien-
tie, ne cucullas vel superpellicia rugosa vel complicata seu nimia longitudine notanda nee
l)annos croceas vel in vestibus suis manicas strictas vel nodos nee alia ornamenta secularia
deferant, sed vestes et habitum gerant longeva consuetudine approbatum et regule con-
gmentem. 6. Item precipimus, quod omnia hostia et aditus claustri et mona-
sterii claudantur et seris firmentur, nee alicui claustriun ingredi vel egredi liceat sine licentia
priorisse. 7. Item inhibemus tam priorisse quam monialibus in virtute sancte
obedientie et sub pena excommunicationis , ne rixentur invicem nee turpia verba inhonesta
vel convicia sibi invicem inferant, nee manus sibi invicem iniciant violentas; et statuentes
voliunus, quod si aliqua earum secus fecerit, quod pro conviciis duos menses integros, pro
iniectione vero manuum per annum integrum extra consortium aliarimi sola comedat oret et
dormiat, et per dictum tempus fores, ubicumque conventus simul intrat et exit, prostrata
iaceat nee immisceat se divinis, et inhibemus omnibus et singulis aliis, ne tali vel talibus
^) Es. subiecte, nobis otn.
2) Ergänzt.
— 861 — Anhang.
cibo potii coUoqiiio vel aliquo alio genere familiaritatis per dictum tempiis conimunicare
presumant, nisi priorissa [Bl 51 ^ ] vel aliqua senior monialis de licencia vel iussu priorisse
per monita salutis talem vel tales confortando vel consolando velit ad viam salutis revocare.
nee voliuiuis, quod priorissa penam istam niitigare possit vel levigare, nisi de nostro mandato
speciali. 8. Precipimus auteni priorisse in virtute sancte obedientie et siib
pena suspensionis et excommunicationis, quod hec salubria monita nostra et precepta primum
ipsa observet et faciat a ceteris monialibus fimiiter observari, nee in corrigendis excessibus
et insolentiis sit remissa, ne sanguis aliarum de manu sua requiratur, in correxione vero sua
quasi Stateram in manu tenens nee personam alicuius aeeeptans equaliter ponderet, ne unius
excessus conniventibus oculis transeat et ex odii vel rancoris fomite ad correctionem alterius
durius non procedat. 9. Inhibemus etiam eidem i)riorisse, ne cum monialibus
rixas moveat, sed si aliqua forte monialis excesserit, hoc in capitulo suo liora competenti
non exprobrando vel conviciando, sed verbis honestis et ad correxionem pertinentibus corri-
gat et emendet cum omni patientia et doctrina. potest tarnen priorissa et intra et extra
capitulum moniales in spiritu levitarum instruere et monita salutis eis dare, ubicumque viderit
expedire. 10. Item precipimus eidem priorisse, quod de redditibus monasterii
et de Omnibus, que recipit et exponit, bis in anno, videlicet infra octavas nativitatis sancti
lohannis baptiste et infra octavas beati Martini hyemalis, conventui suo computet mediante
aliquo probo viro uno vel duobus, quem vel quos ad hoc duxerimus deputandos; nee volu-
mus, quod priorissa aliquos creditores habeat vel aliquos contractus vel debita faciat,
nisi de consensu et voluntate sui conventus vel ad minus sanioris partis de con-
ventu. 11. NuUos etiam servos vel ancillas conducat vel teneat, nisi de
consilio ad minus trium vel quatuor saniorum de conventu; et idem inhibemus etiam ceteris
monialibus, ne aliquas ancillas vel servos teneant sine licentia priorisse. 12. Pre-
terea volumus et precipimus, ut numerus ab antecessoribus nostris abbatibus in dicto mona-
sterio constitutus, videlicet viginti quinque prebendamm, amodo in ipso observetur, nee dicte
moniales ipsius [Bl. 52»'] numerum xxv transgrediantur ; et nos etiam ipsum observare
volumus bona fide. 13. Insuper dictis monialibus duos provisores, unum in
spiritualibus et alium in temporalibus, ordinavimus, et dicte priorisse precipimus, ut secundum
dictorum provisorum, et quos nunc posuimus et quos in posterum dicto monasterio preficere
nos contingat, consilium in spiritualibus et temporalibus se regat, et eonmi consiliis Ileitis
et honestis obtemperet. quibus etiam provisoribus iniunximus in remissionem suorum pecca-
tomra , ut fideliter auxiliis et consiliis dicto monasterio provideant et mandata nostra supra-
scripta diligenter faciant observari, remissas vel rebelles nobis denunciando.
Ut autem hec nostra precepta et monita salubria firmiter observentur nee processu
temporis a memoria ipsamm monialium valeant aboleri, ipsa presenti cedule inscribi fecimus
et nostro sigillo communiri.
Anno domini quo supra feria secunda post penticosten.
3. Die ümwälzimg der Wirtschaf tsverfassuiig^ des
Grofsgrundbesitzes und das Aufkommen freier Land-
nutzungsformen im 12. und 13. Jahrhundert.
In den eben abgeschlossenen Erörterungen ergab sich als Blüteperiode
der frühmittelalterlichen Grundherrschaft das 10. Jh. und allenfalls noch die
erste Hälfte des 11. Jhs. ; seitdem fand ein immer mehr zu Tage tretender
Verfall statt, dessen Symptome schon seit früher Stauferzeit kaum noch irgend
jemand verborgen bleiben konnten.
In der That waren um diese Zeit schon die Grundlagen der alten
grundherrschaftlichen Wirtschaftsverfassung teilweis zerstört und durchweg
morsch, und auch der administrative Aufbau kam schon ins Schwanken.
Eine der hauptsächlichsten Voraussetzungen für die Blüte und den Be-
stand des Grofsgrundbesitzes und seiner Verwaltung war die weithingreifende
Ausnutzungsfreiheit des gehöferschaftlichen Güterbestandes gewesen: bildeten
doch die grundhörigen Güter den bei weitem überwiegenden Teil des grund-
herrlichen Besitzes überhaupt, ergaben doch ihre Leistungen die Hauptein-
nahmen der Fronhofsrezepturen, war doch ohne ihre Mitwirkung die Bestellung
des Fronhofslandes, speziell der Beunden, kaum denkbar.
Wie stand es aber jetzt mit den gehöferschaftlichen Leistungen und
Lasten ?
Die Verpflichtungen waren zumeist im 8. und 9., höchstens im 10. Jh.
fixiert worden, seitdem waren sie unveränderlicher Bestandteil des materiellen
Rechtes^ der Hofgenossen. So konnten sie nun entweder im Naturalzustand,
wie sie ursprünglich ganz überwiegend konstituiert waren, bleiben, oder aber
auf Geld reduziert werden — der dritte denkbare Fall vollen Abkaufs ist
so selten^, dafs die gestellte Alternative durch ihn nicht erweitert zu werden
1) S. oben S. 588 f., Bd. 2, 650 Note 3; v. Inama, Wirtschaftsg. 1, 376.
2) S. MR. ÜB. 3, 504, 1234: SMaximin kauft einen Zins ab, quia plus utilitatis per-
cepimus ex 14 Ib. simul persolutis, quam ex censibus dictis singulis annis solvendis fuissemus
habituri. Vielleicht gehört hierher auch WMeckel 1541, G. 3, 797, cit. Bd. 2, 650 Note 4.
— 8ß3 — Umwälzung d. Wirtscliaftsverfassung.]
brauclit. Nehmen wir den zweiten Fall vorweg * , so unterlag es schon im
10. Jli. keinem Zweifel, dals im 9. Jh. in Geld reluierte Zinse unter der
mittlerweile eingetretenen Depravation des Münzwesens litten ^ ; bis zum 13. Jh.
aber trat infolge steigender Miinzentwertung in unserer Gegend ein Ausfall
von mindestens der Hälfte der ursprünglichen Zinshöhe ein^. Der Vorgang
eines aufserordentlichen Verfalls aller Geldeinnahmen, wie er den Ausgang des
Mittelalters zur Neuzeit begleitet, ist also im früheren Mittelalter schon ein-
mal, wenn auch in viel kleinerem Mafsstabe, durchlebt worden. Aber auch
da, wo man die alten Naturalleistungen beibehalten hatte, zeigte sich ein
äufserst beträchtlicher, wenngleich um die Geldentwertungsquote geringerer
Ausfall. Mit der Aufnahme energischerer Landeskultur in der deutschen
Kaiserzeit sowie mit der letzten Ausbauepoche des Landes in den Jahren der
Staufer ging ein rapider Aufschwung der Grundrente Hand in Hand ; erst in dieser
Entwicklung erhielt der Grund und Boden Monopolrechte und Monopolpreis. Diese
Steigerung der Grundrente kam natürlich auch dem gehöferschaftlichen Boden
zugute. Dagegen fiel der Genufs der Steigerung für den Grundherrn weg; in
früheren Erörterungen ist gezeigt worden, dafs demselben seit dem 12. Jh.
nur etwa ein Fünftel, den Gehöfern aber mindestens vier Fünftel der Grund-
rente zugute kamen ^. So war der Grundherr von seinem hof hörigen Eigen-
tum wirtschaftlich — und wie wir sehen werden auch rechtlich — zum guten
Teile depossediert, und doppelt depossediert, wenn er seine Einnahmen etwa
schon früh auf Geld reduziert hatte.
Es begreift sich, dafs gute Wirte unter den Grundherren dies Ende mit
Schrecken schon seit verhältnismäfsig früher Zeit voraussahen. Demgemäfs
fehlt es nicht an Versuchen einer Reaktion. Hierhin gehört die Abwälzung
der staatlichen, ursprünglich auf den Gehöfern ruhenden, aber vom Grund-
herrn vielfach übernommenen Lasten wieder auf die Schultern der Gehöfer
schon in spätkarolingischer Zeit^; hierher die Zinssteigerungen durch Ver-
gröfsenmg der grundherrlichen Mafse und Gewichte*^; hierher auch die vielen
Bedrückungen der Gehöfer im 10. und 11. Jh. ^ welche zumeist auf Lasten-
steigerung hinausliefen. Systematischer noch war das namentlich unter den
Staufern beliebte Mittel der Einführung einer grundherrlichen Bede^. Diese
Mittel halfen freilich sämtlich nicht auf die Dauer. Die Staatslasten, vielfach
aus Fronden l)estehend, degenerierten^; die Mals- und Gewichtskontrolle wurde
1) Bd. 2, 158.
2) Vgl. Bd. 2, 400 ff., s. auch S. 381.
^) Im früheren Mittelalter wurde übrigens noch wenig abgelöst, s. oben S. 795 f.
Dagegen liaben schon die späteren Tradd. Kupertsb. fast durchweg Geldzinse.
^) S. oben S. 620 iF. Auch diese Entwicklung wiederholt sich später teilweis im Erb-
pacht- und Erbzinsverhältnis. So erscheint z. B. der Erbzins auf den Schaifgotschischen
Gütern Anfang des 18. Jhs. gegenüber der Pacht äufserst niedrig bemessen; Heisig S. 54.
•^) Darüber weiter unten in Abschnitt VTI, Teil 1.
«) S. Bd. 2, 510.
^) Waitz, Vfg. 5, 266 ff.
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 864 —
dem Grundherrn genommen und zum Bestandteil der Hofweisung entwickelt ^ ;
die Bedrückungen riefen Aufstände hervor^; die Bede wurde im Laufe des
13. Jhs. meist geschlossen^.
Es blieb dabei: in späterer Stauferzeit waren die Grundherren auch
nicht entfernt mehr im Vollgenufs der ihnen aus gehöferschaftlichem Boden
ursprünglich reservierten Gewinnquote.
Aber noch mehr: die Grundlage dieser Leistungen, das alte gehöfer-
schaftliche Vollgut, war jetzt meist verschwunden, verteilt, verzettelt. Agrarisch
war die Basis der gehöferschaftlichen Ländereien absolut dieselbe, wie die der
Markgenossenschaft; damit galt das Schicksal der Hufenverfassung auch für
das ausgethane grundhörige Land*; wie auf den freien, so entwickelte sich
auf den gehöferschaftlichen Hufen seit der Einführung voller Vererblichkeit
und Übertragungsfähigkeit des Grundbesitzes, also seit spätestens dem Ende
des 6. Jhs., der individuelle Wettbewerb mit seinen zersetzenden Wirkungen
für die alten einst staatlich geschaffenen, später staatlich aufrecht erhaltenen
Einheiten. Die Folgen werden, nach einer Periode wohl meistens vermiedener
Realteilung ^, seit der Karolingerzeit überall sichtbar, die Hufenzersplitterung
beginnt, und seit Mitte des 12. Jhs. etwa ist sie bis zum vollen Verfall der
Hufenverfassung fortgeschritten^. Damit war der grundherrschaftlichen Lasten-
veranlagung die Recheneinheit entzogen. Null werden zwar neue Veranlagungs-
einheiten entwickelt, der Pflug, der Morgen^, kleinere Gutsformen ^; auch
sucht man durch Auffüllung der alten Hufen mittelst Beundeland^ die
Zersplitterung teilweis aufzuheben oder wenigstens zu maskieren. Aber diese
Mafsregeln haben nur halben Erfolg. Die Zerstückelung des Grundbesitzes
1) S. Bd. 2, 488.
2) S. z. B. Ann. Egmond. z. J. 1103: plurimi de comitatu [Holland] et maxime rustici,
qiü se nimis opprimi dolebant, spe libertatis inaniter accensi consilium [pugnandi] inierunt.
Vgl. auch Waitz, Vfg. 5, 269, und Bonvalot S. 68—69.
3) S. oben S. 617.
*) S. oben S. 376.
5) S. oben S. 642.
^) S. oben S. 368 ff. Bezeichnend speziell für die Grundherrschaften ist, dafs um 1200
zum letztenmal das karolingische Urbarschema vorkommt, welches die Veranlagung auf die
Hufe als Normalgut basierte, vgl. üWincheringen, MR. ÜB. 2, 363, um 1200: quilibet man-
sionarius tenetur solvere partem prenominati iuris iuxta portionem sue possessionis; quilibet
unius mansi possessor debet u. s. w., folgt Beschreibung der persönlichen Dienste.
'^) S. u. a. oben S. 371 f.; speziell S. 371 Note 3.
^) S. oben S. 375.
^) S. u. a. oben S. 380. Diese Auffüllung ergiebt sich für das frühere Mittelalter,
abgesehen von den Nachweisen, welche im ersten Teile dieses Bds. erbracht sind, nunmehr
auch noch aus der Erscheinung, dafs das eigentliche Salland des früheren Mittelalters sich
durch Jahrhunderte hin gleich bleibt, indem der sich stetig mehrende Überschufs der Beunde-
ländereien in den Kreis der dienenden Hufen übergeht, s. oben S. 743 und 758.
— gß5 — Umwälzung d. Wirtschaftsverfassung.]
gieift immer tiefer S und ihre Uiiaufhaltsamkeit wird von den Grundherren
durch Zuhissuni»- un(^ Entwicklung des Institutes des Durzinses und der Haupt-
mannschaft anerkannt^. Die Folge war eine unendliche Zersplitterung der
Zinse^ und damit ihr vielfacher Verlust*, der durch die Zunahme einiger mit
der Zerteilung vervielfältigten Lasten, z. B. der Kurmeden, wohl kaum aus-
geglichen wurde ^.
Natürlich mufsten die Konsequenzen dieser Zersplitterung für die Be-
wahrung der persönlichen Dienste, der Fronden, seitens der Gehöfer noch viel
verderblicher sein. In der That finden sich schon seit dem Schlufs des 11. Jhs.
vereinzelt Spuren von Nachlafs bezw. Verlust derartiger Fronden^, und im
SMaximiner Urbar aus dem Schlüsse des 12. Jhs. ergiebt sich ein Posten de
redemptione arantium^, wie denn auch grofse Fronhöfe in auffälliger Weise
von Frondiensten entblöfst sind^. Seit dem Ende des 13. Jhs. aber sind
Ablösungen der Fronden in Geld etwas durchaus Gewöhnliches^.
^) Vgl. dazu als Specimina Bd. 2, 206 No. 3; 210 y- 215 No. 8. Die *Census in
Detzme anno xlv^, Rotulus von 12^/2 X! 47 cm in Koblenz St. A. , zu SMaximin gehörend,
beginnen : anno domini m^ ccc^ xlquinto feria sexta post Andree facta est innovatio nominum
debentium census in Detzme , qui dicuntur hufzinse , mediantibus scabinis et communitate
ibidem. S. femer Bd. 3, 647 Note 1; Bd. 2, 224 k; 231 ß.
2) S. oben S. 650 f.
^) Vgl. als bezeichnend WBirresbom, G. 2, 525: weist der scheffen dem herrn von
Prüm zu den ostern ein hobsei, und ist gelegt uf iede vierteil lants 2^/2 ei; und wannie ein
gehofner schuldigh ist 2V2 eier und wil nit drei ganzer eier geben, so sol er das dritte ei
auf seine schwel legen und mit einem messer enzwei hawen , feit das meist stuck binnen die
schwel, so ist er dem herrn umb eine boeß erfallen, fält aber das meiste stuck vor die thur,
so ist der gehofner los.
*) S. u. a. UStift 1322—23, S. 386, 379, cit. oben S. 369 im Text und Bd. 2, 370
Note 3. Von Interesse ist auch noch die Stelle des *WLintgen im USMax. 1484: und sie
haen auch fort gewisten, alle diejene, die grontzinse dem obgenanten herren apt und sime
gotshus jars schuldich sint, sullent kommen in die neheste wissunge, die noch dem jarge-
dinge noch der heiliger drier koning dag feilet, ire zins berechenen vor gericht mit den
boissen. und were sache dass einich zinse verloren wurden, die man nit finden künde, so
sal man demselben von sime willesteine an messen und huisongen hoefsteide garten wiesen
feit dreschen und all sine erbe doselbst. und also mannigen morgen man in der maessen
und erbschaft findet, also manichen penning Lutzenburger münzen sal er geben.
5) S. oben S. 649.
6) Vgl. aufser Guden. CD. 1, 382, 1074, cit. unten S. 872 Note 2, vor allem Hanauer Const. 51,
Maursmunster, c. 1117: abbas Adelo . . pro incuria, pro torpore ac desidia curie servientium,
hominum videlicet ut dicebantur dominicalium , triduanum commutavit servitium ea con-
ditione . ., ut quantum in censu, tantum pro servitio redderetur, sicque tam illorum pudori
seu inutilitati, quam nostre consuleretur sumptuositati. Vielleicht deutet auf den Inhalt des
Texies oben auch schon das Fehlen spezifizierter Dienste in der zweiten Beschreibung des
Hofes Losheim im UlMettlach, s. Bd. 2, 107.
'') USMax. S. 453, Riibenach.
8) Bd. 2, 209 No. 4.
^) Vgl. z. B. ULuxemburg S. 376, 3: en mait pour les kerves [corvadae] de cherues,
si y at 13 cherues, montent descendent, si vaut chascune cherae 2 s., le gros pour 16 d. ;
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 866 —
Viel drastischer freilich als vereinzelte unmittelbare Nachrichten und
Vorgänge beweist das Schicksal der grundherrlichen Fronhofsverwaltung und
vor allem das Schicksal des Landbestandes der Fronhöfe den allmähligen
Verlust einer grofsen Masse im früheren Mittelalter konstituierter persönlicher
Dienste bis zum Beginn des 13. Jhs.
Von hervorragendem Interesse ist hier besonders das Schicksal des
Beundeackerbaues. Von der Auflösung der Beunden ist früher schon mehr-
fach die Rede gewesen^; hier wird es genügen, die in anderem Zusammen-
hang erörterten Erscheinungen ins Gedächtnis zurückzurufen und mit einer
Anzahl neuer Thatsachen in Verbindung zu bringen. Da ergiebt sich, dafs der
Beundenacker den Fronhöfen seit dem Anfang des 12. Jhs. in immer steigen-
dem Mafse entfremdet wurde bis zu fast völligem Verschwinden grundherrlichen
Eigenbaues in den Beunden am Schlufs des Mittelalters ^. Diese Entfremdung ging
in den mannigfachsten Modalitäten vor sich; neben der Hingabe im ganzen
kommt Parzellierung und Aufteilung im einzelnen ^ vor, und bei Aufteilung an
einzelne Nutzniefser waren alle Arten der Leihe, zu Erbpacht und Zeitpacht,
zu festem Nutzungsschilling und Teilbau besonders beliebt*. Wie sich inner-
halb dieser Entwicklung neben so manchen anderen Formen auch das be-
somme 26 s. — Item doit en awost de kerve chascuns feus 4 d., si montent et descendent;
valent somme 6 s. So noch oft im ULuxemburg. *Mayener Kellnereirechn. 1344: messoribiis
curie domini in Maien nihil hoc anno, quia depactata ftiit.
1) S. namentlich oben S. 418 if. , auch S. 772, sowie in verwandter Beziehung S. 753
und 756 f.
2) S. oben S. 438, dazu vielleicht MR. ÜB. 1, 393, (1097), wo statt mercennarii man-
sionarii zu lesen, femer MR. ÜB. 2, 95, 1189; *USteinfeld Bl. 88 Ij, Rockendorp: V2 morgen
bendes, V4 lants zinsen 40 d.; in Engelgau sind 3 Benden mit 3 Empfängern (= Pächtern).
Nur einmal begegnet (Bl. 106^, Hinterwilre) ein eigener bende unverleint. Die Schaff-
gotschische Herrschaft bewirtschaftete noch um 1715 nur wenig Land selbst; sogar dem
Gesinde wurde Ackerland und Vieh zur Nutzniefsung an Lohnes Statt überlassen; s. Heisig
S. 54, dazu oben S. 438.
3) S. oben S. 440, auch S. 759; dazu Feoda SMax. Detzem S. 470; UStift S. 420,
Manderscheid : habet archiepiscopus 2 hattas, de quibus alique partes hominibus advenientibus
concesse sunt, videlicet aree et orti, unde in censu . . solvuntur . . 11 d. S. ferner Bd. 2,
223 d; 227 Z. 6 v. u.
*) S. oben S. 438 ff. ; Bd. 2, 226 ; für Zins- und Leihverhältnisse zu festem Nutzungs-
schilling MR. ÜB. 2, 40, 1140; *Litterae de croada hospitalis sanctae Elisabethae prope
Longuich concessa anno 1295, Arch. s. Max. 8, 210 ff.; *Locatio croadae in Wasserluesch
durans ad 20 annos a dato praesentium, anno domini 1472, a. a. 0. Bd. 13, 1211 ff.;
♦Descriptio bonorum in Wellen 1495, a. a. 0. Bd. 13, 1262 ff.; WMettlach 1499 § 37. —
Zum Teilbau vgl. oben S. 420 und 439 über den Ausdruck Messe, dazu etwa noch UStift
S. 398, 399, 408, und aufser WHeisdorf 1606 § 9 ff. das *Urbarbuch von SElisabeth 1435,
SWalpurgis: man hait verluhen Peter Mongens son von Kenne . . unser felde zu Kenne in
den drien floren nun jare lang alle jare von dem körn halbscheit, ußgescheiden daz ein feit,
daz da helt 3 morgen, [daz git daz drittelle], und von der even von allen felden daz drit-
teil . . . auch salle Peter vorg. alle unse wesen zu Kenne gelegen han in daz bestentenische,
ußgescheiden [2 Wiesen].
— 8ß7 — Umwälzung d. Wiitscliaftsverfassung.]
sondere Rechtsveihältnis der modernen Gehöferschaft ausbilden konnte, ist schon
frülier jiezeigt worden ^
Aber nicht blol's die Ackerbeiinden wurden dem grundherrlichen Betriebe
auf diese Weise entfremdet; auch für Weinberge^ und Wiesen^ im Beunden-
verhältnis wie für den WakH wiederholen sich im wesentlichen, wenn auch
nicht gleich ausgedehnt, dieselben Vorgänge. Ja gerade im Wald erhält die
Umfonnung des Betriebes dadurch noch ein erhöhtes Interesse, dafs die neuen
Leiheformen hier wie auch aufserhalb des grundherrlichen Nexus zum Ausbau
von Rottland ^ in Schiflfelkultur ^ und zu regulärem Ausbau^ in Wiese und
Weinberg benutzt wurden.
Indes die Bewegung beschränkte sich überhaupt nicht auf Beundeland
oder beundefähige Allmende : sie griff ebenso in die eigentlichen Salländereien
der Fronhöfe ein^. Nicht nur verfrontes Land (terra absa) wurde zu freierer
Nutzung ausgethan^, auch das alte und eigentliche Hufensalland des Fronhofs
wurde auf diese Weise behandelt und jede Einzelwirtschaft damit ganz oder
teilweise zerstört ^^. Bei solcher Verleihung des Landes blieb natürlich nur
die Fronhofsarea mit ihren Gebäuden übrig, und auch sie wird bisweilen noch
verliehen ^^
Was sollten bei solcher Auflöung noch losere Fronhofspertinenzen , wie
^) S. oben namentlich S. 453.
'^) MR. ÜB. 1, 652, 1168; Feoda SMax. S. 470, Detzem; MR. ÜB. 3, 53, 1216.
3) Vgl. USMax. 1484 Bl. 2, WBisingen, cit. oben S. 447 Note 5; WWeisskirchen 1493,
Arch. Maximin. 1, 96, cit. oben S. 530 Note 5; *Locatio prati domini in Stronssbach apud
Meirait, 1512, Arch. Maximin. 6, 511.
4) MR. ÜB. 1, 640, c. 1163; Hennes ÜB. 1, 369, 1305; USMax. 1484, Bl. 86», Kor-
lingen, cit. oben S. 458 Note 2.
'") MR. ÜB. 3, 504, 1234. Genaueres darüber später.
6) S. oben S. 456 ff., *Arch. Maximin. 8, 42, Longuich; WKenn 1490, G. 2, 312.
') UStift S. 399, Pallast; Bd. 3 No. 211, 1382.
8) MR. ÜB. 1, 386, 1092.
») S. oben S. 750, auch Ennen, Qu. 2, 93, 84, 1224.
^^) Ann. Rod., Ernst S. 55, 1144: bei Nortbech tres mansi terre illius [so oft in Ann.
Rod. statt der urspr. konkreten Bezeichnung] mensure . . . terra . . ex parte aratro subiecta
et ex parte cultoribus est disposita, unde ipsi censualia solvunt debita. MR. ÜB. 2, 95,
1189: die Abtei Siegburg de omni terra nostra sive salica sive non salica, que continetur
infra territorium parrochie eiusdem vill^ [Güls] tam proprio sumptu et proprio nostro labore
culta sive in posterum colenda, quam de ea, quam aliis colendam distribuimus vel adhuc
distribuemus, totam decimam (ecclesie beati Servatii in Traiecto) recognoscimus.
") UStift 412, Andernach: archiepiscopus habet curiam in A., quam Lenherius exposuit
hominibus pro censu. Es handelt sich zunächst um das Hofgebäude, aber auch das Acker-
land ist zerschlagen. Der Zins bringt für das Haus 11s. 9 d. Colon., für den Acker 17 s. 9 d.
Colon. Dazu eine Einnahme aus der Bede von 15 s. 5V4 d. Preterea attinent curie archi-
episcopi ibidem 40 iurnales, quarum seminantur uno anno 15, altero 25, preterea sunt ibi
agri, qui cum avena seminantur.
[Wirtschaft d. Grofsgmndbes. — 868 —
Fischereien oder Mühlen nützen? Auch sie wurden verliehen ^ Und was die
SpezialVerwaltungen, die Fischämter, grundherrlichen Müllereien und Förstereien?
Sie wurden aufgelöst^.
So konnte ein Fronhof völlig dismeml)riert werden, unterlag er der
vollen Einwirkung dieses mit der 1. Hälfte des 12. Jhs. leise, mit der 2. Hälfte
des 12. Jhs. stärker einsetzenden Entwicklungszuges ; höchstens blieb von ihm
ein trauriger Rest einstiger Bedeutung übrig. Das spätere Mittelalter, in
welchem die eben geschilderte Entwicklung sich immer allseitiger durchsetzte,
zeigt daher neben ziemlich intakt gebliebenen Fronhöfen eine grofse Anzahl solcher
zerpflückter und zerzauster Fronhöfe, welche wirtschaftlich ohne gröfsere Bedeu-
tung, ja nahezu unproduktiv sind^.
Es versteht sich, dafs die Bewegung zur Auflösung des grundherrlichen
Nexus und zur Ausbildung freierer Landnutzungsformen eine gewisse Gärung
innerhalb der Fronhofgenossenschaften mit sich brachte. Die Gärung mufste
um so bedeutender sein, als der Beginn der geschilderten Vorgänge im 12.
und 13. Jh. lag, also in der Epoche letzten Landesausbaues, in welcher die
1) WNalbacher Thal 1532, G. 2, 26; WMeddersheim 1514 § 13, cit. oben S. 642,
Note 6.
•^) S. oben S. 496.
^) Wie klein man sich schon im Beginn des 14. Jhs. einen Hof vorstellen konnte,
zeigt Goerz, Regg. der Erzb. z. J, 1317 Okt. 22: der Erzbischof giebt dem Domkapitel eine
Hofstatt zu Osburg und 40 Ib. kleine Turnosen zum Bau eines Hauses für einen Hofmann,
der gleiche Rechte wie die dortigen Einwohner an der Allmende haben soll. S. ferner Cod.
Salm. 139, 1320: Friedrich von Malberg trägt an das Erzstift zu Lehen auf curiam in Bur-
scheid prope Kilburch, de qua singulis annis mihi proveniunt 16 mir. partim siliginis et
partim avene, item colonum in eadem, qui mihi singulis annis servit de uno porco 20 s.
Trevirensium ; item lacobum de Censcheid hominem meum, qui mihi dat singulis annis 20 s.
Trevirenses, mir. siliginis et mir. avene . . et ultra ambo ad voluntatem meam et heredes
dictorum hominum et bona eorum cum omnibus iurisdictionibus, iuribus, dominus, redditibus
et aliis quibuscunque ad predicta pertinentibus , que omnia pleno iure et allodialiter ad me
pertinent. *Bald. Kesselst. S. 178, 1324: domum seu curiam cum orto sitas apud capellam
Wich prope Mailberg necnon 20 iugera terre arabilis sita circa villam Wich et centum iugera
tam silvarum quam camporum sita in loco dicto Eschedelle prope Wich, item tres mansiones
habitabiles in Wich, in quibus nunc homines commorantur, de quibus tribus mansionibus
specialiter cedunt annuatim in feste beati Martini hiemalis duodecim capones et sex dies
servitii dicti vronedage tempore messis requirendi una cum iurisdictione iure et pertinentiis
eiusdem curie universis. Aus dem 15. Jh. vgl. aufser Bd. 3 No. 288, 1414, namentlich die
Nachrichten im *Maximiner Urbar von 1484, zunächst Bl. 18 *: habet dominus in Monsterappel
curtem suam cum suis attinentiis, que annue locatur pro 6 vel 7 mir. siliginis et habet ab
antiquo 27 iurnalia agrorum. Femer *ebd.: curtis domini in Winterbora locata est annue
cum suis attinentiis pro 8 mir. siliginis . . . Dann *üSMax. 1484 Bl. 21 1; cui-t(is) cum
attinentiis scilicet cum 36 iumalibus agrorum et 2 pratis (2 plaustrorum) , locata pro 6 Ib.
hl. et 8 am. vini; *ebd. Bl. 85 ^ betragen die Einnahmen im Hofe Tharforst 3V2 mir. silig.
und 13^/2 mir. avene, davon kommen nach Abzug der Verwaltungskosten von Villicus und Scabini
an SMaximin 3 mir. 2 ferc. silig. und 6 mir. avene. Den vollen Ruin der alten Hofverfassung
ergiebt endlich *USMax. 1484 Bl. 49^, Oberdonwen: 5 ferc. solvuntur ex hereditate dicta im
Spedel, et fuit quondam curtis.
— 869 — UmwäbAUig d. Wirtscliaftsverfassung.]
Arbeitskräfte der laiidarbeitenden Klassen zweifellos sehr gesucht waren ^ und
in der Zeit des ersten städtischen Aufschwunges, welcher die Landleute massen-
haft nach den neuen Stätten des Handels und Gewerbfleifses zog^, sowie end-
lich in der Zeit jener grofsen Besiedlung des Ostens, welche die deutschen
Volksniassen mächtig in die unteren Donaugegenden und in das überelbische
Gebiet hinaustrieb. Diesen Lockungen städtischer Freiheit^ und kolonisatorischer
Wiitschaftsselbständigkeit im Osten mag damals eine beträchtliche Anzahl
grundhöriger Bauern gefolgt sein ; die Quellen haben für den Vorgang geradezu
stereotype Ausdrücke wie fugam dare oder recedere ausgemünzt*. Zweifellos
1) S. oben «. 137.
=^) Was auch schon kleinere Städte um diese Zeit neuen Ankömmlingen boten, mögen
die Beispiele von Münstereifel und Dieburg zeigen; vgl. MR. ÜB. 2, 171, 1197, für Münster-
eifel: ut nullus pugil precio conductus nee aliquis civium cum cive nisi de mortiferis vel
manifestis vulneribus monomachiam ingrediatur; mancipia, quae in prephata villa anni spa-
tium compleverint, ad extera placita nee veniant nee citentur; domno suo annuatim et in
raorte sua debitam persolvant iustitiam; nullus iudicum de aliqua alicuius rei emptione vel
mensura presumat iudicare excepto centurione cum scabinis, nisi forte ad eum deferatur
propter alicuius opportunitatem. Für Dieburg (neugegründet am Castrum Dieburg bei Darm-
stadt) s. die Freiheit im Lehnsbuch Werners II. v. Boland S. 16 — 17: tali vero libertate
gaudet prefata civitas, ut omnis advena, qui ibidem habitaverit per annum et diem nullo
reclamante et asseverante, se habere dominium in illo, nulli tenetur ulterius servire, nisi
dominis eiusdem loci, item quicunque duxerit uxorem in eadem civitate et ibi habitaverit,
reputandi sunt paris conditionis. item quicunque ibi decesserit, heredes sui non possunt
cogi ad divisionem mobilium, que vulgo dicitur buteil, nee tenentur id dare, quod dicitur
hererecht. item omnes illic habitantes warandiam liabent in marcha communi, qui vulgo
dicuntm* sint werhaft. item quelibet area in eadem civitate in festo sancti Blasii [Febr. 3j
nomine census solvit 6 d. hunc censum dominus Henricus burgensibus usque ad consum-
mationem munitionis civitatis indulsit. Zur Datierung s. Sauer a. a. 0. S. 50 — 53. Aus
späterer Zeit vgl. noch Honth. Hist. 3, 243, 1609, für Bernkastei. Doch liegen die Dinge
nicht stets so günstig, s. Bd. 3, 82, 13, 1280.
3) Vgl. u. a. *Andernach. Schreinsr. No. 35, G. 1449, um 1220: ego S. C. . . me
uxorem, filios et filias omnesque successores meos ab iniusta exemi Servitute, et me et filios
et successores meos ecclesie beate Marie applicui sub tali conditione, ut d. annuatim ad
emendam ceram altari eiusdem ecclesie persolvam. Ähnlich *ebd. No. 36, G. 1449, um 1220:
ego E. de Rengsdorf . . a servitio mei domini, videlicet burggravii in Rinhecke [so statt
durchgestr. Hamersteinensis] me et filium meum G. exemi, et me ecclesie beate Marie una
cum ipso contuli, censum dimidii talenti cere, tantumque mens filius illuc annuatim soluturi.
*) Vgl. MR. ÜB. 2, 81, 1186: Busendorf verkauft ein Allodium in Ramespach an
Wadgassen, quod . . timi propter raritatem incolentium, tum propter diversos^ contrarius
eventus minus utile fiierat, für 28 talenta. MR. ÜB. 3, 462, 1232, Wadgassen tritt an den
Grafen von BHeskastel einigen Besitz, u. a. den in Berge ab : de hominibus autem de Berge^
qui relicta hereditate sua recesserunt, ita statutum fuit, ut si ad hereditatem suam apud
Berge sine omni coactione redire voluerint libera voluntate, proprii erunt comitis et heredum
suonim, sicut fuerunt ecclesie (Wadegozingensis). S. femer die äufserst bezeichnenden Nach-
richten Bd. 3, 81, 5, 1280: 85, 26, 1280; 145, 20, 1326, sowie *Bald. Kesselst. S. 589, 1327
April 3: ego Walterus de Hentre nunc scultetus in Sarburg recognoso publice per presentes^
quod ego voluntarie non coactus promisi . . (Baldewino), me permansurum iugiter cum per-
sona rebus et bonis meis universis tarn mobilibus quam immobilibus apud eundem dominum
[Wirtschaft d. Grofsgmndbes. — 870 —
wurde a])er die Entblöfsung des platten Landes von tüchtigen Wirtschafts-
kräften durch die Auflösung der alten gehöferschaftlichen Grundlagen sehr
begünstigi;; und zweifellos wirkte eben diese Entblöfsung auf die zurück-
bleibenden Gehöfer wiederum im Sinne starker Verselbständigxing.
In der That trägt der Bauer um die Wende des 12. und 13. Jhs., trotz
mannigfachen Unglücks namentlich infolge kriegerischer Verwüstungen, sein
Haupt so hoch, wie bisher nie im Verlauf der deutschen Kaiserzeit. Fehlt
auch an der Mosel eine so detaillierte Überlieferung über die Wohlhäbigkeit des
Bauernstandes, wie sie für die Gegend des Siebengebirges in den Schilderungen
des Cesarius von Heisterbach, für Südostdeutschland in den Dichtungen Neit-
haits von Reuental vorliegt, so lassen doch die allgemeinen wirtschaftlichen
Grundlagen wie eine Anzahl von Symptomen keinen Zweifel darüber, dafs es
auch an der Mosel hoch herging, dafs auch die Eifel Figuren in der Art
Meier Helmbrechts erzeugt haben wird. Schon früh wird vereinzelt über den
steifen Nacken der Bauern geklagt^ und in unserem Gebiete wie über dessen
Grenzen hinaus die Bereitwilligkeit und der Fleifs der Landleute für den
Herrendienst in Zweifel gezogen^. Dann folgen positive Eingriffe seitens der
Grundhörigen. Jede Bevorzugung eines einzelnen Hörigen wird von der ge-
samten Genossenschaft eifersüchtig verfolgt und thunlichst verhindert^, die
Zinsweigerungen und Zinsrückstände werden immer allgemeiner *, und hier und
archiepiscopum et . . abbatem sancti Mathie Treverensis, quorum amborum siim homo ratione
bonorum meorum, que ab ipsis habeo, et quod non recedam seu divertam me ab ipsis nee
me nee res seu bona mea prenotata transferam ad aliquem locum libertatum recedendi ab
eisdem dominis meis causa ullo unquam tempore in futurum, in cuius rei testimonium etc.
Für später vgl. man Bd. 3, 498—499, 14. Jh. 2. H., und Hochgerichtsw. Blankenheim, G. 2,
584-5, (1582).
1) Novill. Honth. Prodr. S. 1014, cit. oben S. 375 Note 1, nach MR. ÜB. 1, 332, 1042—47.
2) Guden. CD. 1, 382, 1074, Eibingen-Rüdesheim, cit. unten S. 872 Note 2; Hanauer
Const. 51, Maursmünster, c. 1117 cit. oben S. 865 Note 6.
^) Man vgl. die nach vielen Richtungen lehrreiche Urkunde des *St. A. Düsseldorf, Pant.
Or. 26, 1181, in der Abt Heinrich von SPantaleon beurkundet, quod antecessor noster abbas
Wichmannus pro instanti utilitate et frequenti familiarium suorum petitione consul(tus) quan-
dam Luchardam in curtim nostram Sulpeze ad eoram ius, qui planum debitum solvunt, per-
tinentem ad censum duorum d. annuatim persolvendum et quicquid cerarii iuris est ante
mortem et post mortem custodi consignandum [promovit]. cum autem procedente tempore
sub nostra Providentia familia curtis inconsulte et minus caute hoc factum proclamaret et
dampnum ecclesie in tali facto affirmaret, consilio ipsius familie et fidelium nostrorum et
per nosti'um consensum predicta L. in recompensationem detrimenti capitalis census iugerum
1 sue proprietatis sine ullius reclamatione in proprietate semper possidendum curti tradidit
et confirmavit. ne ergo aliquis de familia eiusdem curtis posthac eam publica accusatione
ad iniustam exactionem devocet, coram villico et ministeralibus omnique familia interdiximus
et interdictum hoc banno nostro confirmavimus , per nomen Domini obtestantes et anathe-
matis vinculo obligantes illos, qui haue confirmationem et iustitiam ei infringere ausi fuerint.
*) MR. ÜB. 1, 556, ca. 1150; *USPantaleon-Köln, ca. 1200, Bl. 38b (Hs. Berlin kgl.
Bibl. Cod. Bomss. 234): in Euskerchen solvebantur olim 72 mir. [tritici]; sed propter guerras
— 871 — Umwälzung d. Wirtschaf'tsverfassung.]
da suclit man ueratlezu gTundhorrliches Ei.uentuiii an sich zu reifsen. So er-
zälilt z. B. eine Urkunde vom J. 1150 über zwei verbrüderte Bauern der
Grundherrschaft Grois-SMartin-Köln zu Winningen an der Mosel, sie seien
in familia ecclesie (sancti Martini) generosiores eiusdemque prestantiores atque
fortiores gewesen, unde . . nimium de se presumentes partes quasdam vinearum
ad nos pertinentiuni aliquantisper pertinaciter occupaverant, non hominii ratione
neque annuum inde censum persolventes, sed quasi proprias eas sibi vendi-
cantes. Dagegen gehen nun die Mönche von Grofs - SMartin gerichtlich vor,
aber gleichwohl behalten die Brüder die Weinberge, die A])tei mufs sich
schliefslich bei einem magern Vergleiche beruhigend
Was w^ar zur Besserung der verfahrenen Zustände zu thun, w^elche
sich aus diesen Symptomen ergeben?
In Frankreich, w^o eine verwandte Entwicklung um ein bis zwei Genera-
tionen früher einsetzte, entnahm man aus derselben schon frühzeitig die Auf-
forderung zu einer umfassenden Neuordnung der ländlich-bäuerlichen Verhält-
nisse. Ihr vollendeter Ausdruck ist die Loi de Beaumont ; sie wurde ohne jedes
zwingende Drängen seitens der Bevölkerung durch die Grundherren eingeführt ^,
und noch spät war man sich der fortdauernden Gründe ihrer Einführung wohl
bewufst. So heifst es in der der Loi de Beaumont nachgebildeten Freiheits-
karte für Montquentin und Couvreux vom Jahre 1475: les corps des hommes
et des femmes d'iceulx villaiges . . estaient et sont de condition serville et
formariage. Aber nun giebt Jehan de Ville, seigneur des dits lieux, ihnen die
Freiheit, sachant certainement, que ä ceste cause par ci-devant, et encore ä
präsent, les plusieurs des dits hommes et femmes se sont absentes et absentent
des dits lieux et en son ales et vont en estraignes marchiez, ä l'occasion de
de laquelle chose il y a maintenant en iceulx villaiges paurete de peuple,
par quoi ä grand peine se peullent faire les mariaiges d'un ä Faultre pour
les proximites de lignaige qui y sont; et aussi que ä ceste cause les edifices
d'iceulx lieux, ensemble les heritaiges, demeurent vagues et cheent en ruynes,
qui est mon tres grand dommaige^.
multo tempore ibidem durantes et alia infortunia de agris desertis et incultis depererant
nobis de dictis mir. quolibet anno 17 mir., prout scultetus noster ibidem se exhibet monstra-
turum. MR. ÜB. 3,361, 1228; *Chart. Himmerod. Trier Stadtbibl. 1259, MR. Reg. 3
No. 1535: eine seit 6 Jahren nicht entrichtete Weinrente wird von Himmerode vor dem
Propst von Pfalzel als päpstlichem Delegat eingeklagt. S. ferner Bd. 3, 30, 17, 1264, und
*ULehmen Hs. Koblenz CXI Bl. 44»: im Burgener Hof sollen jährlich 2 am. una snelle
Wein einkommen. 1338 debitum vini deficientis . . fuit 1 ama 9 snelle preter 6 geltas . .,
que circa 6 annos deficiebant. Charakteristisch ist auch Hennes 1 , 493 , 1309 ? : auf An-
regung des Koblenzer Deutschordenshauses befiehlt Papst Klemens dem Scholaster von
Wetzlar, dafs er die, welche in der Diöcese Trier dem Deutschen Haus von Koblenz zins-
pflichtig sind, zur Zahlung anhalte. Ähnlich Hennes 1, 494, 1319.
1) Ennen, Qu. 1, 529, 1150.
2) Bonvalot S. 276 f.
3) Bonvalot S. 281.
[Wirtschaft d. Grofsgrimdbes. — 872 —
Anders verfuhr man in Deutschland. Hier wurde die Politik des Zwangs
und der kleinen Mittel angewendet: man suchte die Freizügigkeit der grund-
hörigen Bauern zu verhindern ^ und man entschlofs sich zu kleinen Erleichte-
rungen durch Zinsnachlässe ^ und Übergabe der Beunden in den Eigenbau
1) Die Tendenz zeigt schon MR. ÜB. 3, 300, 1226: ein Höriger wird dem Trierer
Domkapitel zugesprochen seitens des Trierer Officialats. Cum Hermannus miles de Wolme-
rode Gilbertum de Pünderiche, quem capitulum Treverense hominem suum esse dicebat et in
possessione sua tenuerat, annis multis ad villara suam de Wolmerode diceret attinere, adeo,
ut, si ab illa diverteret, ipsum revocandi ius haberet, eundem propter hoc captivasset, no&
tam capitulo quam ipsi H. diem constituimus litigandi et probandi de iure suo. Den Ab-
schlufs zeigt Honth. Hist. 2, 170, 1346, Karl IV. für Trier: inhibemus, ne homines seu
subditi dicti archiepiscopi suorumque successoriun utriusque sexus, quocunque genere servi-
tutis vel conditionis ipsis adstricti, vel pueri eorum in nostris seu ipsorum aut quorumlibet
aliorum civitatibus seu oppidis absque pretactorum archiepiscoporum licentia expressa reci-
piantur vel quomodolibet admittantur: sed si quos taliter recipi contigerit vel admitti, huius-
modi receptionem seu admissionem cassamus et irritamus . . volentes, ut taliter receptos vel
admissos infra annum ipsi archiepiscopi in statum pristinmn sine cuiusquam contradictioue
valeant revocare. Vgl. auch das W. des Königsreichs bei Horchweiler 1550, G. 2, 40:
wan einer, der uf dem königreich begutet were, etwas verkauft und hinder andere hern zöge,
was der m. g. h. verfallen were? Er sie m. gn. h. ein besthaupt, dem Schultheißen die lant-
losung, nemlich 3 alb. 3 d. und den hubern 1 sester wein, thut 3 maßen, verfallen.
2) Guden. CD. 1, 382, 1074, Eibingen-Rüdesheim : ut etiam eundem populum nostrum magis
benivolum et promptum ad excolendam terram illam haberemus, indulsimus eis, ut in campo
nulla in eos fieret angaria. Hanauer Const. 51, Maursmünster c. 1117, cit. oben S. 865 Note 6;
Westd. Zs. Bd. 3 Korrbl. No. 122, 1198, Propst Gebuin für die Censiten zu Mengerscheid :
misericordia commoti censitic[i]is ecclesie nostre in villa, que vocatur Mengeresrod, et in
aliis huic adiacentibus hanc gratiam concessimus per presentes, ut unusquisque villanus, qui
omni anno solvere debuerat 15 d., dabit 10 super altare sancti Christophori , et unaqueque
femina persolvat 5; et sie liberi sint imposterum ab omnibus prestationibus et immunes,
servitiis in his exceptis. si quis autem eorum berede superstite mortuus fuerit, dabit ecclesie
nostre predicte Optimum caput pecudis sui, et mulier optima vestis [!], sicut exactum est ab
antiquo. Ebd. No. 123, aus Düsseldorf St. A. Pant. Or. 30, 1199: Abt V^aldever von
SPantaleon beurkundet, quod, dum quidam pauperum de famiha ecclesie nostre Rülhove
pertinentes frequenti nos proclamatione merendo pulsarent, ut a iure plenarii debiti eos
absolverem, quia tanta sepe violentia conprimerentur, ut nonnulli vacuas, quas tenebant,
possessiunculas reliquentes patriis e sedibus migrarent, . . consensu comitis Adolfi advocati
eiusdem curtis subadvocati Rülandi . . ista familia, quam a iure plenarii debiti absolvimus,
hoc deinceps iure utatur, videlicet ut omni anno in festo sancti Pantaleonis censum 2 d. in
curtim villico persolvat, pro licentia vero nubendi vir sive mulier 6 d. conferant, cum cetera
tarnen familia eiusdem curtis semel in anno, videlicet 4» feria post octavam epiphanie ad-
vocaticium placitum possideat. cum vero aliquis inter eos vita decesserit, si vir fuerit,
equum vel melius iumentum quod habuerit, si femina, melius quod propriis manibus filaverit
et texuerit positis super eandem vestem 2 d. consignet. ad hoc ius exigendum et suscipien-
dum magistros unaqueque cognatio eiusdem familie inter se eligant, qui censum supradictum
statuto tempore et ius de mortuis sicut dictum est, quotiescumque provenerit, villico deferant
et 2 d. , qui super vestem ponuntur, in ius suum vertant. si quis autem ex eis predictiun
censum 3 annis supersederit, ius pretitulatum , quod eis pro misericordia . . concessimus,
amittat. . . . visum est . . nostrorum fidelium sapientioribus , nullam ipsius curtis utilitatem
hoc modo decurtatam, sed potius augmentatam, dum . . femina, que antea nihil penitus
solvebat, deinceps . . censum 2 d. annuatim persolvat.
— 873 — Umwälzung d. Wirtschaftsverfassung.]
der Geliöfer^ Natürlich olme Erfolg: der freie Zug wurde von den Gehöfern
dennoch im späteren Mittelalter vielfach erreicht, die Zinserleichterungen
blieben vereinzelt und darum wirkungslos, die Beundenübergabe war schon
viel zu selbstverständlich, um ])esonderen Eindruck zu machen. So wurden
die gnuidhörigen Verhältnisse, nachdem sie unter dem Verfall der alten grund-
herrlichen Wirtschaftsverwaltung im 12. und 13. Jh. ins Schwanken geraten
waren, nicht von neuem allgemein geregelt; sie blieben vielmehr ihrer ganz
speziellen und einzeln lokalisierten Entwicklung iiberlassen, für welche sich
nur ein stets weitergreifendes Streben zur Aufhebung des grundhörigen Nexus
im Sinne der Kreierung freierer Landnutzungsformen als Grundrichtung an-
geben läfst^.
Diese Bestrebungen versprachen aber um so eher Erfolg, als sie inner-
halb der Fronhofsverwaltung kaum noch ernsteren Widerstand zu überwinden
hatten. Namentlich war hier der Meier, bisher der kräftigste Beamtentypus
des GrofsgTundbesitzes, nunmehr in Bedeutung und Ausdehnung seiner Funk-
tionen sehr zurückgegangen. Schon die Umwandlung des Meieramtes in lehns-
rechtliches oder erbliches Eigen, wie sie in der 1. H. des 12. Jhs. bereits
gedroht hatte, in der 2. H. dieses Jhs. aber meist zur Wirklichkeit geworden
war^, mufste eine beträchtliche Erschlaffung der Fronhofsverwaltung zur
Folge haben: wie sollte sich der Lehnmeier oder Erbmeier um mehr als
seine Interessen, d. h. seine Einnahmen im Fronhof kümmern? Aiifserdem
aber schmmpften die Funktionen des Meiers auch aus anderen Anlässen fast
ausschliel'slich zur Renten- und Zinsrezeptur zusammen. Bisher hatte der
Meier sich an der Gerichtsverwaltung im Fronhof lebhaft beteiligt; jetzt trat
eine Abzweigung dieser Thätigkeit ein, sie wurde einem besonderen Beamten,
dem Schultheifs. übertragen*. Ferner hatte die Eigenwirtschaft im Fronhof,
soweit sie sich auf Beundenkultur stützte, mit der Entfremdung dieser aus
dem Fronhofsbetrieb aufgehört, die Fronden waren in Geld konvertiert, alle
sonstigen Dienste ebenfalls abgelöst oder verfallen-^. Unter diesen Umständen
blieb dem Meier nur die Einnahme der noch bestehenden Zinse und Pachte,
sowie die Vornahme der zu diesem Zwecke etwa nötig werdenden Verpachtungen
übrig ^. Und auch in dieser beschränkten Thätigkeit wurde er nicht voll be-
^) Lac. ÜB. 1, 367, 1149: der Abt von Brauweiler verteilt das Salland des verwüsteten
Hofes Kaifenheim unter die Hofeshörigen, ne tantis malis exacerbati effugarentur et predia
ecclesie horum recessu vastarentur.
2) Genauer wird über diese Fragen sehr bald noch in diesem Teil zu handeln sein.
3) S. oben S. 771.
*) S. darüber oben S. 772 und weiter unten Abschnitt VII Teil 1.
^) S. oben S. 451.
^) Vgl. *Arch. Maximin. 8, 42, Longuich: silvae dictae raedsfloir und raedbusche, dant
quintam garbam, semper lucrari debent in 11^ anno, locantur per villicum; WKenn 1490,
G. 2, 312; WWeifskirchen 1493, Arch. Maximin. 1, 96, cit. S. 530 Note 5, und dazuUSMax.
1484 Bl. 2, WBisingen, cit. oben S. 447 Note 5.
Lam p recht, Deutsches Wirtschaftsleten. I. 56
[Wirtschaft d. Grofsgmndbes. — 874 —
lassen; schon früh vertraute man die Erhebung bestimmter Zinse anderen
Beamten, den Baumeistern, Windelboten, Zinsmeistern an^
Wie der Vorstand der Fronhofs Verwaltung, so ging aber auch das Per-
sonal der Zentralstelle seinen alten Funktionen allmählich verloren. Es wird
später teilweis noch genauer zu untersuchen sein, wie die Ministerialität zum
Er])beamtentum, das geistliche Beamtentum zum Sinekurensystem im Pensionar-
verhältnis entartete: schon diese grofse Kevolution genügte, die stets geringe
Tliätigkeit der Zentralverwaltung in wesentlichen Punkten völlig lahm zu legen.
Gleichwohl würde der Verfall der alten Wirtschaf tsverfassung des Grofs-
grundbesitzes schwerlich mit der aufserordentlichen Schnelligkeit eingetreten
sein, welche den Umschwung am Schlufs der staufischen Epoche kennzeichnet,
wäre nicht noch eine Anzahl von Erscheinungen hinzugekonnnen, welche das
Verhältnis des Grundherrn zu den Lokalverwaltungen im höchsten Grade zu
lockern geeignet waren. Es handelt sich hier im wesentlichen um die rapide
Ausdehnung des Anweisungssystems im 13. Jh. mit der Konsequenz nunmehr
völliger Umgestaltung des Fronhofs und seiner hörigen Güter zum blofsen
Rentensubstrat, und um die durch Veräufserung und Verlehnung verursachte
Verstünnnelung der alten Verwaltungszusammenliänge.
Was zunächst die Veräufserung ganzer Höfe lietrifft, so ist sie in älterer
Zeit, abgesehen von Schenkungen an die Kirche, selten, obwohl schon im
11. Jh. Beispiele für die Ersclieinung nicht fehlen, dafs Grundherrschaften
nicht mehr imstande sind, in entfernter liegenden Fronhöfen einen genügenden
Einflufs ihrer W^irtschaftsverwaltung geltend zu machen und darum solchen
Besitz veräufsern^. Aber geradezu erschreckend mehren sich diese Fälle mit
dem Beginn des 13. Jhs., namentlich veräufsert ein nicht unbedeutender Bruch-
teil der vielen fremden geistlichen Grundherrschaften an der Mosel ^ seit
dieser Zeit seinen Besitz aus dem offen ausgesprochenen Grunde, weil er
keinen Nutzen mehr bringe. So tauscht SSimeon - Trier im J. 1209 curtim
quandam, que dicitur Gladebach, . . sibi minus utilem, utpote ab eadem ecclesia
remotam mit näher gelegenem Besitz^, 1223 verkauft Burtscheid einen Hof
ij S. u. a. Lac. ÜB. 1, 367, 1149, cit. oben S. 450 im Text.
2) Maitene Coli. 2, 56, 1035: der Hof Vallendar gehört zu SMartin-Metz. Der
Abt von SMartin, cum a loco longe aberat, . . nullum servitium, nulluni poterat
habere respectum. Die curtis, quae plus 30 mansis constabat, giebt nur noch jährlich 8 s.
Zins, und auch diese Summe wird bestritten. Klage beim Kaiser hilft nicht. Schliefslich
Tausch mit Stabloer Besitzungen, welche näher liegen. Sudendorf, Registr. 2, 19, 1070 — 1073:
predium, quod ego [Hezil von Hildesheim] et canonici mei vicinum Reno possedimus, ita
nobis est alienatum, ut nee eiusdem predii colonus quisquam ad nos venire nee nos ilhic
quenquam audeamus dirigere. non enim te latuit, canonicorum meorum legatos innocen-
tissime ibi in priori anno coecatos. insuper preposito de [Name fehlt] , qui predium meae
ecclesiae sibi usurpavit, qui colonos meosi in vinculis maceravit . . . Zum königlichen Besitz
s. G. ep. Vird. cont. 2, MGSS. 4, 46.
3) S. oben S. 133 Note 3.
*) Honth. Hist. 1, 647, 1209.
— 875 — Umwälzung d. Wirtschaftsverfassung.]
ZU Kostlieim, qiiia ad culturani et provisioiieiu eins sine iniiltis expensis ac
laboiibiis, viaiuiü qiioque periculis, opeiam impeiidere iioii potuimus efficaceiu ^ ;
iiiul aus ähnlichen Motiv(^n veiäursein, neben vielen anderen Fällen ^, SKunibert-
Köln 1253 seine Mosel.uüter^, SSeverin-Köln 1257 seinen Zeltinger Besitz '^,
STrond 1264 seine Höfe an Khein und MoseP\ SApern-Toul 1266 seine Gütc^r
zu Erden und Kliisserath *', Corbie* 1309 seine Höfe an Maas und Rh(nn^.
Nicht minder störend wie diese grofsen Verkäufe niufsten aber kleine
Veräufserungen aus einzelnen Fronhöfen wirken; verwirrten jene den Gang
der Zentralverwaltung, so diese die Verwaltungspraxis der Lokalstellen. Der-
artige Veräufserungen kommen allerdings im ganzen selten vor^; so unwirt-
schaftliche Mafsregeln, wie sie etwa Dietrich I. von Metz um 970 traf — in
singulis curtibus mansum unum usibus suis subtraxit atque aecclesiae sancti
Vincentii superadidit ^ — gehören entschieden zu den Ausnahmen ^^. Indes zeigen
doch hier auch die wenigen Fälle, wie rücksichtslos man sich unter Umständen
gegen den regulären Betrieb der Fronhofsverwaltung verging.
Zudem aber waren Besitzentfremdungen aus dem Fronhofsbestand unend-
lich viel häufiger, als die Veräufserungen dies ahnen lassen; denn sie fanden
in anderer Form, in prekarischer und namentlich in Lehnsvergabung statt ^^
Wie aufserordentlich gewöhnlich speziell das System der Lehnsvergabung im
Mittelalter der deutschen Kaiserzeit war, ergiebt sich schon aus der That-
sache, dafs die Lehnsregister geradezu den Abschnitten der Urbare konform
angelegt werden^-: und wo wir in dieser Zeit einmal eine Hof beschreibung unter
gleichzeitiger Angabe der verlehnten Pertinenzen finden, da zeigt sich ein ab-
1) Joannis 2, 529, 1223.
2) Vgl. dazu die oben S. 133 Note 3 angef. Litteratur.
3) Bd. 3, 28 Note 3.
*) Bd. 3, 28 Note 4.
5) Bd. 3, 24 ff. '
6) Toepfer 1, 37, 1266.
7) Bd. 3, 34 Note 2 ; s. auch Bd. 3, 223 No. n.
8} S. oben S. 843, dazu MR. ÜB. 3, 675, 1240; *Repertor. von SFlorin Koblenz St. A.
1243, s. MR. Reg. 3 No. 366 (Tausch einer zum Hofe Wirges gehörigen Landishove gegen
ein Allod Heinrichs von Isenburg); Cod. Salm. 118, 1307.
») V. Deod. I. Mett. c. 15.
1^) Doch s. auch MR. ÜB. 1, 224. 973 (Fälschung), obwohl es sich hier vermutlich
nicht um direkte Vergabung, sondern Anweisung einer Ertragsquote handelt.
") Precariare und inbeneficiare (infeodare) wird als mit alienare identisch oder verwandt
zusammengestellt, s. MR. ÜB. 1, 104, 871; 105, 866; 110, 868; Cod. Udalr. 4, Urk. Ludwigs
des Kindes 900—911; MR. ÜB. 1, 268, 993; 537, c. 1145, und 616, 1159; Cardauns, Rhein.
Urkk. 10, S. 354, 1061; Bd. 3, 177, 13, 1340. S. zum folgenden auch Nitzsch, D. Gesch. 2, 106 f.
^2) S. Bd. 2, 116. Andererseits wurden vom Lehnbesitz Urbare bei den Lehnherren
aufbewahrt, s. aufser Toepfer 1, 156, 1314 auch *Dominic. S. 119, 1312: Erzbischof Balduin
belehnt Dietrich von Runkel zu Rom mit gewissem Lehenbesitz unter der Bedingung, dafs
D. 6 Monate nach seiner Heindiehr ein genaues Verzeichnis der Lehenstiicke einreiche; vgl.
dazu Friedensburg, Beitr. zu den Regesten des Erzb. Balduin 1311—1313 No. 20, Westd.
Zs. 3, 301.
56*
[Wirtschaft d. Grofsgi'imdbes. — 876 —
schreckendes Bild der Verwüstung ursprünglichen Besitzes \ ja der Fall kommt
vor, dal's ein Hof unter der Last der Verlehnungen geradezu zu Grunde ge-
gangen ist^.
Und gegen diese Verlehnungen wurden keinerlei Mafsregeln der Abwehr
ergriffen. Es kommt allerdings vor, dafs einzelne Lehen zurückgekauft werden^
oder heimfallen, im ganzen und grofsen aber war verlehnter Besitz wirt-
schaftlich verloren^. Lu früheren Mittelalter finden sich dabei wohl wirt-
^) MR. ÜB. 3, 3, 1213, Heinrich von Isenburg schenkt ein Allod an Laach: ego vero
allodium meum, quod a progenitoribus meis in Crufte possedi . . eidem ecclesie contuli cum
omni iure, quod in illo habui. pertinent autem ad dictum allodium bona, que Godefridus et
Wichardus de Andernaco a me tenebant in beneficio, et ea que Nicolaus Godefridus et
frater eins Cunradus, Henricus et frater eins Rudolfus, Ricwinus, Mauricius, Engelbertus
Chus et Henricus de Rospe a me possidebant. quia vero ista, que facta sunt, maxima egent
cautela firmitatis, ne ecclesia Lacensis in aliquo in posterum molestetur, consultum mihi
videbatur, ut in propria persona in eandem ecclesiam venirem, et convocatis eisdem militibus
a me inbeneiiciatis predictis abrenuntiavi bonis, quod iam uxor mea Irmingardis et filius
mens Henricus et universi liberi nostri communicata manu et pari voto antea fecerant; et
idem prefati milites beneficium, quod a me habuerunt, ab abbate receperunt et ei hominium
fecerunt eo iure, quo debuerunt. Vgl. auch MR. ÜB. 1, 314, 1041: Heinricus comes . .
curtem Efteraacum sancti Clementis Willibrordi , quam beneficii nomine visus est habere . .
post obitum sui . . reddere . . conlaudavit . . et quicquid inde specialiter habuit ad suum
seiTitium, his exceptis, quae milites sui habent in beneficium. Wie sehr die Verlehnung dem
wirtschaftlichen Fortschritt schaden konnte, zeigt *Düsseld. St. A. Pant. No. 29, 1195 bis
1197: Abt Waldewer von SPantaleon hat fiindum quendam . ., qui Hart cognominatur,
coniunctum cenobio sororum de Küningistorp. . . . cum esset appcnditium cuiusdam beneficii
ab abbate inbeneficiati, propter suam sterilitatem 300 annis et amplius incultus iacuit . . .
cum igitur ipsa possessio in manu abbatis libera redisset, ut potuisset eam libere confeiTe
(ui vellet, prefati monasterii sanctimonialibus . . eam tradidit ... in ipso igitur loco . .
consilio eorum, qui rebus earum disponendis presunt, magno labore et impensis collocare
vineam instituenmt.
2) Feod. SMax. S. 468, Straze; ebenso in Dumeldinge.
^) Namentlich in der 2. H. des 12. Jhs. , kurz vor ihrem wirtschaftlichen Verfall,
scheinen die Grundherrschaften in dieser Hinsicht nochmals Anstrengungen gemacht zu
haben; vgl. *Düsseld. St. A. Pant. No. 18, Cop. C. I, 1152: Wolbero abbas sancti Pantaleonis
quandam possessionem ecclesie, quam quidam homines nostri in beneficiis habebant, ab eis
data pecunia redemi, videlicet in Süstele mansum 1, qui solvit 16 s. Lac. ÜB. 1, 430, 1168,
Urkunde des Verw^alters des Gladbacher Hofs in Remagen : bina nihilominus beneficia in Vene
a duobus hominibus Adalberto videlicet atque Arnoldo pro mr. quatuor et fertone redemi ; quae,
quia modicum solvebant censum, sub aratri nostri cultura redegi. Namentlich vgl. aber Cardauns
Rh. Urkk. 21, S. 367, 1187: episcopos omnesque ecclesiastici ordinis personas a suis hominibus
ea, que ab ipsis habent beneficia, per pecunie commutationem redimere vide(a)mus, et suis
ecclesiis sub anathematis obligatione conferre.
*) Nur in frühester Zeit läfst er sich aus wirtschaftlichen Gründen noch anders dis-
ponieren, mehren oder mindern, vgl. MR. ÜB. 1, 108, 867, wo der Herr von 2 Beneficien in
Büllesheim nö. Euskirchen je 1 bunuarium (Morgen) wegnimmt zum Austausch. Eine
freie Verfügung über das Gesamtbeneficium findet sich in unserer Gegend noch unter
K. Lothar IL, MR. ÜB. 1, 108, 867. Zur wirtschaftlichen Seite in späterer Zeit dagegen vgl.
Toepfer 1, 156, 1314: wir Jofret herre von Forpach ton kont . ., dat alsulich len, dat her
Boemunt der voigt von Hunolstein von ons hait in dem dorf zu Birkenveit, dat derselber
— 877 — Umwälzung d. Wirtschaftsverfassung.]
schaftliche und pseudowirtschaftliche Gei>enleistungeu in Form eines Zinses
oder sonstweicher Rekoi>nition \ allein sie üehen seit der Stauferzeit mit der
vollen Ausbilduni»- des Unterschiedes zwischen l)äuerlichem , dienstlichem und
freiem Lehen für die grofsen hier in Betracht kommenden Lehen verloren.
Allerdings sollten eigentlich nur die freien Lehen von wirtschaftlichen Leistungen
vollständig entbunden sein; in Wahrheit Ovaren es aber, wie es Scheckmans
Lehenspiegel zeigt, wenigstens am Schlüsse des Mittelalters, auch die Dienst-
lehen: feudum Eschiingensium bifariam dividitur . . in liberale et ministeriale,
sed solo nomine, sagt Scheckman *a. a. 0. 0 2, und ähnliche Äufserungen
wiederholen sich an vielen Stellen.
Dazu kam, dafs Wiederverleihung eines Lohns zu Lehen nnt wenigen
Ausnahmen^ gestattet wurde ^, ja sogar zu Zins im Sinne grundhöriger Bindung
nicht ausgeschlossen blieb *. Das sind Vorgänge, welche die Ausscheidung des
Lehngiites aus dem ursprünglichen Nexus der lehnsherrlichen Wirtschaftsverw^al-
tung zu einer endgültigen und unabänderlichen machen mufsten. Ja noch mehr :
in vielen Fällen wairde schliefslich der Lehnsnexus überhaupt gebrochen oder
wenigstens bis zur Unkenntlichkeit verdunkelt. Sieht man von nicht allzu-
selten vorkommenden lehnsherrlichen Verzichten auf verlohntes Gut ab^, so
Bo. der voigt vorg. datselbe len mach verzeichen und sinen notz damitte schaffen, alse mit
sime eigeme; und dat ist mit onserm guten willen und verhencniße.
1) Ich habe hier auf die diesen Untersuchungen im ganzen fernliegende Entwicklung
des Lehnswesens an der Mosel nur nach einigen Seiten hin nebenher einzugehen. Man vgl. auch
ßd. 3 Wortr. u. d. WW. homagium, ligium. manlehen f., relevare fP. Zu wirtschaftlichen
oder halbwirtschaftlichen Äquivalenten bei Beneficium bzw. Lehen s. UPrüm No. 31 ; MR. ÜB.
1, 383, 1085 (pro investiture respectu jährlich 3 d.); MR. ÜB. 2, 292, 1190—1212.
2) S. z. B. Honth. Hist. 2, 113, 1329.
^) Ein treffendes Bild der infolgedessen eintretenden Zustände zeigt Honth. Hist. 2,
113, 1327, Urkunde des Trierer Bürgers Johann von Oeren: descendunt in feodum a prefata
ecclesia Trevirensi mei lohannis predicti homines seu fideles subnominati cum eorum bonis
subscriptis, que ipsi ulterius a me in feodum tenent, videlicet Ludewicus de Detzme et
Rodolfus dictus Isele cum eorum bonis in villa Poilrait et eins confiniis situatis ; Nicolaus de
Mulenbach cum tertia parte decime in Reinsfelt, lacobus iunior scabinus Trevirensis cum iure
patronatus ecclesie in Tumbe et decima ibidem, Henkinus de Perle cum quibusdam redditibus
vini in kose iuxta locum dictum Wizewacke, Ar. Wolf scabinus Trevirensis cum quibusdam
vineis in monte prope Curvaciam, Hennekinus de Metis civis Trevirensis cum quibusdam
bonis in Numagio, Henrico de Alto-amore cum domo sua inter turres in Brücken extra
Trevirim, que fuit quondam Brunonis de Ove.
*) Lac. ÜB. 2, 178, 1231: ego Domin filius Hermanni de Ditbach vineam meam in
Crucebach, quam possedi de domino Wernero de Walbach ratione hominii, ex consensu
eiusdem Wemeri et Hennanni fratris sui contuli in curtem agri sancti Petri in perpetuum
possideri ea conditione, ut fi-ater, quicumque eidem curti prefuerit, mr. unam michi et
successoribus meis post me persolvat annuatim in die sancti Martini.
•^) Hennes ÜB. 2, 282, 1283: Lodowicus filius quondam domini Petri dicti de Ponte
militis notum facio, quod super homagium mihi factum a viro honesto lacobo de Orrio sca-
bino Treverensi ratione bonoriun quorundam sitorum apud Wilre, que fuerunt allodium
antecessorum meorum et meum et que quondam dominus Carolus pater eins a predicto
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 878 —
iiuirste es hier vor allem darauf ankommen, die Investitur beim Lehnswechsel
in Vergessenheit zu bringen. Versuche in dieser Richtung begegnen schon am
Schlüsse des 13. Jhs. So mufs z. B. König Adolf für den Reichsbezirk
Kochem zu Gunsten des Trierer Erzbischofs festsetzen: si qui vasalli vel
tideles ecclesie tue infra terminum a iure statutum neglexerunt aut neglex-
erint contumaciter a te vel tuis successoribus investituram feudorum suorum,
que tenent ab ecclesia Treverensi, sicut consuetum est, recipere, et propter
hoc de iure perdiderunt aut perdiderint ipsa feuda: super hiis tibi et tuis
successoribus exhil)ebimus iustitie complementum, et ad recuperationem talium
bonorum, si necesse fuerit et requisiti fuerimus, vobis promittimus regali
potentia assistere et te et tuos successores ipsis recuperatis in eorum possessione
pacifica d elendere et tueri. Wenn aber die Umgehung der Investitur sogar
gegenüber dem Erzstift aussichtsvoll war, wie mufs man dann gegenüber den
Abteien und kleinen Grundherrschaften verfahi'en sein ! Der Maximiner Mönch
Scheckman beginnt gegen Ende seines Lehnspiegels die genaue Unteisuchung
von sieben grofsen Lehen mit folgenden Worten : quae sequuntur feuda, quam
plurium annorum decursu non fuere suscepta eoque circa annotationem et
signaturam literariam captarunt minume ; annotanda tamen veniunt, quo dinos-
catur liquide, et quid a presente monasterio profluxerit, et quos antiquos ob-
ligates liabeat et habere debeat feuditarios, a memoria neutiquam recedat:
verum que sequuntur, ex vetustis et cum primis probatis scedis et monimentis
eruta sunt. Und die Einleitung zu einer der nun folgenden Erörterungen
lautet: dux Bavariae, palatinus Rheni, comes Spainheimensis, tenet feudum in
Grewilre; quod magis occupare quam possidere videtur: mortuo eins quopiam
vasallo illud sibi vendicasse et eatenus habitum, nullatenus tamen receptum
nee confessum: huius feudi possessor olim fuit Henricus de Grewilre. Was
hier im Einzelfall, aber in Scheckmans Lehnsspiegel unter gewissen Modi-
fikationen oft genug Aviederholt auftritt, das war gewifs auch in anderen geist-
lichen Grundherrschaften seit langer Zeit beklagenswerte Sitte. Da war es
nur einfache Konsequenz, wenn die Beliehenen auch das Zustimmungsrecht
der Lehnsherren bei Verpfändung und Veräufserung des Lehngutes teilweise
schon selu' früh zu unterdrücken wufsten. Wie schwankend man in dieser
Hinsicht bis zum Schlufs des Mittelalters sogar schon in der Theorie geworden
war, zeigen die Auseinandersetzungen Scheckmans in der Einleitung zu seinem
Speculum feudale : vasallus non potest vendere feudum sine voluntate domini ;
et dum vendit, debet rogare dominum suum, ut ab eo recipiat et alterum
emptorem infeodet et investiat. quod si dominus denegat et eum exorare non
doiiiino Petio patre meo et ipse lacobus a me in feodo tenuerimt et habuerimt, renuntio
et eifestuco volens et consentiens, ut ipse la. et sui successores exnunc dictis bonis tamquam
bonis eorum allodialibus utantur et fruantur sine mea contradictione et reclamatione et cum
eis disponant, prout eis visum fuerit expedire. Derartige Verzichte, welche wohl schwerlich
olnie ZahUuig einer Verzichtleistungssumme erfolgten, sind auch sonst in dieser Zeit nicht
selten und weisen meist auf den Verfall des kleineren Adels hin.
— 879 — Umwälzung d. Wirtscliaftsverfassung.]
potest, det emptori alia ])ona eciuivaleiitia pro tali feiulo vendito . . et sie
vasallus posset alii in foodiiiii (]are siiiiin feodum etiain iiivito domiiio, veiiim-
taiiien requisito ac re(iuireiido . . feoduiu ab ecck^sia obteiituin iioii p()[test|
vendi sine consensu eccU^siasticanmi peisonarum. In Wirklichkeit war man
indes über diese theoretischen Feststellungen Scheckmans schon scnt dem
Schlüsse des 13. Jhs. vielfach hinweggegangen. Während noch um die Mitte
des 13. Jhs. der Konsens der Lehnherren bei Veräuiserung und Verpfändung
der Regel nach eingeholt wird^, mufs schon im J. 1273 König Rudolf im
Interesse von SMaximin verbieten, ne quis l)ona i)0ssi(lens, unde praedicto
monasterio homagium iieri est consuetum, ipsa bona vendere valeat vel pignori
obligare, nisi abbatis ad hoc accedente consensu et licentia specialis. Und
seitdem wiederholen sich analoge Bestimmungen mit mehr oder weniger Aus-
führlichkeit bis über das Mittelalter hinaus^: meist ohne Erfolg: noch um
1630 führt die *Summa gravaminum Prumiensium* als einen Hauptbeschwerde-
punkt multorum feudorum distractio auf.
Diese mit der 2. H. des 13. Jhs. auftretende Zersetzung des Lehnsnexus
war nun aber nicht ohne wirtschaftlichen Hintergrund; bis zu dieser Zeit
spätestens hatten sich die Grundherren durch Jahrhunderte fortdauernde Ver-
gabung ihrer Besitzungen in Lehnsweise soweit ruiniert, dafs weitere Ver-
lehungen in gleich umfangreicher Weise wie bisher nicht stattfinden konnten;
es blieb also den vorwärts strebenden Beliehenen nichts übrig, als ihre bis-
herigen Erfolge durch Usurpation besseren Rechtes wenigstens in jeder Hinsicht
zu festigen. Und so stellt sich denn die Bewegung auf Allodifizierung der Lehen
seit der 2. H. des 13. Jhs. vor allem auch als ein Symptom des im wesentlichen er-
reichten Abschlusses der grundherrlichen Lehnsvergabungen aus Fronhofsbesitz dar.
In der That braucht man nur auf die Geschichte der Lehnsvergabung im
früheren Mittelalter einen Blick zu werfen, um die Folgerichtigkeit dieser Vor-
gänge zu erkennen. Sieht man dabei von den grofsen Lehen ab, wie sie
Grafen und Fürsten erteilt wurden — verspricht doch im J. 1097 Erzbischof
Egilbert von Trier einem Grafen 600 Hufen auf einmal, sobald sie ledig
würden^ — so sind es vor allem die Dienstlehen, welche die Grofsgrundherr-
schaften ruiniert haben. Schon früher ist betont worden ®, wie gerade auf dem
Gebiete ursprünglich meist unfreier Begleit- und Kriegsmannschaft vom kirch-
1) S. z. B. MR. ÜB. 3, 1361, 1256, wo freilich schon eine Neigung zum Umgehen des-
tielben konstatiert werden kann.
2) Honth. Eist. 1, 801, 1273.
^) Stat. synod. 1310 c. 102, Blattau 1, 124: ne quis feuda, retrofeuda, iura vel alia
bona, quae ab ecclesiis habet, alienet sine praelatorum licentia et consensu. S. ferner aus
später Zeit Scotti, Chur-Trier 1, 661, 1677.
*) Hs. Koblenz St. A. G. 4 fol. Bl. 21a.
5) MR. ÜB. 1, 394, 1097; s. auch Lambert z. J. 1069, MGSS. 5, 174, 3o; MR. ÜB.
1, 551, c. 1148; 2, 139, 1195. Vgl. auch Waitz, Vfg. 6, 78-80; Baumann, Gesch. des All-
gäus 1, 484.
ö) S. oben S. 851.
[Wirtschaft cl. Grofsgmndbes. — 880 —
liehen wie weltlichen Adel naturalwirtschaftlicher Epochen der gröfste Luxus
entfaltet wird; in unserem Mittelalter haben diese Dienstgefolge geradezu
die Fruchtböden gebildet, auf denen in der Stauferzeit eine neue Stände-
bildung der Nation reifte. Zu dem Luxusbedürfnis der Epoche traten ferner
staatliche Anforderungen, welche den Grundherrn zur Stellung einer be-
stimmten Kriegsmacht verpflichteten; so hatte z.B. der Abt von Moyenmoutier
um 870 eine Truppe von 30 Loricati in Kriegsbereitschaft zu haltend
Natürlich wurde diese Verpflichtung unter dem Einflufs des vorhandenen Luxus-
bedürfnisses bald zu einem gern betriebenen Sport; sobald die Grundherr-
schaften im 10. Jh. und in der 1. H. des 11. Jhs. ihre wirtschaftliche Blüte-
zeit erreicht hatten, wetteiferte man im Besitz hervorragender Kriegsmann-
schaften ; überall wird von den militiae der einzelnen Grundherren gesprochen ^,
und Liudprand^ erzählt mit besonderer Freude von einem Grafen: praedives
erat, cuius nniltitudo militum regis aciem condecorabat.
Die Ausstattung dieser Dienstmannschaften mag hier und da wohl mit
flüssigen Mitteln stattgefunden haben*; das Gewöhnliche aber war die Ver-
leihung eines kleineren Lehens von einigen Hufen. Diese Dienstlehen sind
anfangs nicht erblich: noch am Schlüsse des 10. Jhs. wird beim Tode eines
Bischofs eine vollständig neue Vergabung durch seinen Nachfolger befürchtet ^ :
vor allem aber trat bei jedem gewaltsamen Wechsel in der Leitung der Grund-
heiTSchaft für die Dienstmannen das Risiko ein, die wirtschaftliche Grundlage
ihrer Existenz zu verlieren^. Gerade diese prekäre Lage mufste die Dienst-
niannen kühn und verwegen machen; geschlossen, als Genossenschaft, be-
haupteten sie das Recht des Besitzes und setzten es auch gegen den Willen
des Grundherrn durch. So namentlich in den geistlichen Grundherrschaften ^
Hier wird schon in der 2. H. des 10. Jhs. die Klage gehört, dafs alle Ein-
nahmen des Grofsgrundbesitzes im Interesse der Dienstmannen festgelegt
seien ^ ; und jedes frei werdende Gut unterliegt sehr bald der Gefahr, sofort an
sie verteilt zu werden^. Die Dienstmannen werden daher seit dieser Zeit
zur unentbehrlichen Last, sie vornehmlich bilden den kleineren oder
o-röfseren Hof der Gmndherren^^. Ihre Schädlichkeit für den materiellen Be-
1) Chron. Median! mon. c. 5, MGSS. 4, 89.
2) 8. beispielsweise G. abb. Lob. c. 25; MGSS. 4, 66, 22, 954.
3) Antap. 4, 27.
*) Darauf läfst vielleicht Richer 1, 36 schliefsen.
■') Mir. s. Mansueti c. 17.
6) Flod. z. J. 939, MGSS. 3, 386, u; V. Bald. Leod. c. 21.
^) S. z. B. G. ep. Leod. 2, 24, MGSS. 7, 202, 4o.
8) MR. ÜB. 1, 254, 980; 256, 981.
9) MR. ÜB. 1, 394, 1097.
^0) Charakteristisch ist V. Bald. Leod. c. 22 (1009—18): ad regendum oppidum, ad
castri defensionem oportere pluriimim laborare, vigilias ordinäre, stipendia militibus larga
manu erogare. S. auch Exe. de lib. de inst. Hersf., MGSS. 5, 140, le ff.
— 881 — Umwälzung d. Wirtschaftsverfassung.]
stand der GruiidlieiTseliaften wird seit Mitte des 11. Jhs. wohl eingesehen^;
und zalilreiohe Beispiele, wie sie namentlich Lambert für die 2. H. des
11. Jhs. überlii^fert hat, zeigen schon den Übernuit dieser alten unfreien Ge-
folge-. Allein eine volle Klage iiber unabweislichen Verfall ertönt doch erst
mit dem 12. Jh. ; erst mit der Mitte dieses Jhs. findet sich, wenigsteris von
Seiten der kirchlichen Grundherrschaften, der Gedanke ausgesprochen, die
Verleihung weiteren Grundbesitzes in der bisherigen Weise sei ein Verbrechen^.
In der That hatten sich etwa bis zu dieser Zeit vornehndich die Bischöfe
durch neue Vergabung aus Klostergut geholfen '^; jetzt versagte auch dieser
Quell, und es blieb nichts übrig, als die Unmöglichkeit einzugestehen, dafs
auf dem alten Wege weiter zu gelangen sei^.
*) Lac. ÜB. 1, 132, 203, 1064 — 6, für Siegburg: abbas preter famulos aecclesiae nuUam
militiam maiorem assumat, sed liorum obsequio res sibi commissas intus et extra disponat.
'') Vgl. Lambert z. J. 1063, MGSS. 5, 164, 42; z. J. 1075, a. a. 0. 183, 29; 220, 47;
222, 29; 230, 13, 40 ; z. J. 1076, a. a. 0. 252, 46; s. auch Ann. Hildesh. z. J. 1103, und Lac.
ÜB. 1, 181, 279, 1116, um 1100: possessiones ecclesie [Gladbacensis] in manus extraneas
devenisse et minorari cottidie. Vgl. auch aus etwas späterer Zeit G. Godefr. (1124 — 1127),
MGSS. 8, 202: porro paucis adhuc innotuerat, quod episcopatmn pretio comparaverat, ciun
ecce insurrexerunt in eum ex equestri ordine viri iniqui exigentes, dari sibi promissa bene-
ficia, mercedem videlicet favoris, quoniam ipsi eum magis favore suo quam ecclesiastica
electione constituissent. quibus cum ille plurima episcopalium redituum concederet, nee
tamen satis eis ad placitum impertiret, calumpniato eo abscedebant, et aliqui ex eis in eius
iniuriam castra instituebant, alii predationes alii concremationes exercebant, adeo ut nostris
quoque temporibus, sicut antiquitus factas legimus, devastationes huius Traebericae civitatis
deploremus.
^) MR. ÜB. 1, 537, 1145 ca., Urkunde Erzbischof Alberos: non parvum crimen iudicamus
ecclesiastica bona spargere vel vendere vel infeodare. MR. ÜB. 1, 616, 1159, Urkunde Erz-
bischof Hillins: sicut non parvum crimen iudicamus ecclesiastica bona spargere vel vendere
vel infeodare, ita nichilominus magni pretii dicimus illos, qui sparsa recolligunt, qui inaniter
infeodata labore suo iterum in usus fratrum reformare satagunt. S. dazu auch Ennen, Qu. 1,
536, 63, 1152.
*) G. ep. Leod. 2, 34; Chron. Gladbac. c. 17, MGSS. 4, 77; G. Trev. 30, MGSS. 8,
171, 1008: Heinricus autem Imperator Meingaudo episcopatum dedit, preposito ecclesiae
Mogontinae; qui cum pararet potentiae Adelberonis resistere, 80 mansos de rebus sancti
Martini Ravengero de Madelberch et Udelberto de Stalle in beneficium dedit, nee tamen
praevaluit; vgl. dazu das von Kraus edierte Verzeichnis, Bonner JBß. 44, 168 ff. S. ferner
G. Trev. 31, MGSS. 8, 172: Erzbischof Poppo 60 monialium praebendas militibus in bene-
ficium distribuit.
^) Zur nunmehr erreichten Höhe der Verlehnungen vgl. im Libellus de lib. eccl. Epternac.
MGSS. 23, 69 — 70, 1192 die Aufzählung der Echternacher Lehen in der näheren Umgebung
des Klosters: in primis dompnus Arnoldus de Castro Rupis habet beneficium vexillarii, et
Cuono frater eius de Belpere habet de prefatis bonis, Walterus de Wilz et de Beifurt, Wal-
terus nepos eius de Mesenburg, Tidericus et Becelinus frater eius de Vischebach, Anseimus
de Kavelre, Tidericus de Septem-fontibus, Wezel de Zolvera et frater eius Robertus de Bir-
tinga, Isenbardus de Holvels castrum de Theodonisvilla cum beneficio, Arnoldus de Rode-
machra, quod castrum est in proprietate ecclesie, Heicnga, Hettinga, Pris, Atelpelth, Hassele ;
Daniel de Ronvels. Johannes de Wilra et de Burscheth, Godefridus de Asch et Henricus de
[Wirtschaft d. Grofsgmiidbes. — 882 —
Doch fand man auch jetzt, spätestens seit dem Beginn des 13. Jhs.,
wieder ein Hilfsmittel, welches freilich die grundherrliche Wirtschaftsverwaltung
in noch viel empfindlicherer Weise lahm legen mufste. Während hei der bis-
herigen Art der Vergabung die Beliehenen ohne weiteres in den vollen Ge-
nufs und Besitz eines Teiles des grofsgrundherrlichen Eigentums gelangt waren,
also in einer Form dotiert worden waren, welche die späteren Bestrebungen zur
Allodifizierung dieser Lehen ganz aufserordentlich begünstigen mufste, wurde
jetzt eine neue Art der Dotierung im Anweisungssystem durchgeführte Dies
Anweisungssystem nahm eine doppelte Form an. Entweder gab der Grund-
herr als zukünftiger Lehnherr dem zu gewinnenden Vasallen Geld zum Ankauf
eines Lehens, welches nunmehr dem Grundherrn aufzutragen war, oder aber
er wies ihm statt der Geldsumme die Zinsen derselben in Einkünften seiner
Grundherrschaft an.
Harn fi'ater eins et Uoseldinga ; domnus Brunicho de Malberch et domnus Rudolphus castmm
Bettinga, quod tenet domnus Brunicho; Theofridus de Schonevels Herbrandus de Valken-
stein, quod est in fundo ecclesie, Walterus et Cuono de Ruolant, Uodo de Asch, Wiricus de
Schindice, Walterus de Berge, Tidericus de Manderscheit, quod cum altero vicino est in fimdo
ecclesie, Tidericus de Bruoche. summa castellorum est plus quam 30 absque Lutzelburch.
ipsi autem castellani tenent maxima beneficia de bonis illis que, sicut prediximus, a regibus
quondam et ducibus, comitibus ceterisque nobilibus sancto Willibrordo et ecclesie Epter-
nacensi collata fuerunt, et postea propter incursionem Nortmannorum reprimendam ab Arnoldo
imperatore pro supplendo scuto regio et comitatu LuzelbifTgensi augendo regno delegata
fuerunt. [perpendat itaque discretio imperialis maiestatis, quäle sibi consilium dederunt, qui
talem dignitatem a regno et a tam nobilibus heredibus sequestrare voluerunt.j hec vero
predicta sunt tantum de Epternacensi ecclesia. ceterum alia multa maiora sunt ad comitatum
pertinentia, preter hoc quod comes est advocatus summus in oppido Epternacensi et in
Omnibus villis, que pertinent ad proprietatem probende nostre, sive in episcopio Trevirensi
sive in Metensi, in quibus habet 777 mansos, de quibus inbeneficiati sunt plurimi nostre
terre nobiles. S. dazu die Angabe in Bd. 2, 226. Für das Trierer Erzstift s. ferner
MR. DB. 2, 166, 1197: Verzeichnis der Lehen, welche Pfalzgraf Heinrich dem Erzstift
resignierte, und Honth. Hist. 3, 190 f., 1599: Verzeichnis der vom Erzstift belehnten Grafen,
Freien und Herren, auf über 5 Foliospalten. Für SMaximin vgl. man die Feoda sancti
Maximini, ed. MR. ÜB. 2, 467 f., ferner die Angaben Bd. 2, 226. Aufserdem sind
noch zu nennen *Münstermaifeld , Hs. Koblenz St. A. CXJa Bl. 17* f., cit. unten S. 884
Note 4 (auf S. 885), Lehnhof des Propstes von ca. 1350, und Geschlechtsregister Isenburg
U.S.W. Urkk. S. 218, Zeit?, Verzeichnis der Aktivlehen des hochgräfl. Hauses Wied.
^) Anweisungen auf grundherrlichen Besitz, auch von dauernder Natur, kommen frei-
lich schon sehr früh vor, doch sind sie bis zum 13. Jh. immer Ausnahmen; vgl. MR. ÜB. 1,
244, 973 (falsche Urk.): Erzbischof Dietrich fretus . . exemplo quorundam predecessorum
meorum, qui . . quintas partes in aliquibus episcopii curiis . . quibusdam largiti sunt eccle-
siis, schenkt an SMaria ad martyres in Ehrang quintum . . manipulum de croadis et iugeribus
ibidem, de silva quintam arborem, de porcis in silva pascentibus quintum quoque d., de venna
etiam quintam piscem. Lac. ÜB. 1, 141, 217, 1073: Erzbischof Anno von Köln capellano
nostro H-o . . parvum beneficium, censum . . duarum Ib. Coloniensis monete et 6 porcos
in Kempeno singulis annis usque in finem vite sue tradidimus. MR. ÜB. 1, 374, 1074: der
Erzbischof von Mainz schenkt ex bonis nostris ad 30 Ib., 10 de curte Sobernheim, 10 de
curte Ulmena, 10 in provincia Hessun dicta.
— gg3 — Umwälzung d. Wirtschaftsverfassiuig.]
Fassen wir zunächst den letzteren Fall ins Auge, so behielt der
Grundherr hier das Substrat der Ix^stinnnten Einnahme, welche er verlieh,
in Besitz und Verwaltunt»' ; dem Beliehenen stand nur die Abhebung der
Einnahme sell)st zu. Diese Art der Anw^eisung würde einen sehr wesentlichen
Fortschritt eingeleitet haben, wären die Beliehenen nur durchweg für Erhebung
ihrer Einnahme auf eine einzige Kasse, die Zentralkasse, angewiesen worden.
Allein dem stand das ganze Wesen der naturalwirtschaftlichen Finanzgel)arung'
entgegen: die Einnahmen wurden fast durchweg auf die einzelnen Fronhofs-
verwaltungen angewiesen und damit eine neue Bresche in die alte Einheit
der Fronhofsverwaltung gelegt.
Auch bei der zweiten Art der Anweisung wurde meist eine Fronhofs-
verwaltung, wenn auch nicht die des Grundherrn, gestört. Auch hier be-
stand nämlich das Lehen doch meist aus Renteneinkünften von bestimmter
Höhe, welche der Vasall entweder auf seinem Grund und Boden spezialisierend
anwies oder an fremdem Grundbesitz erwarbt
Lehnsaufträge l^eider Arten finden sich nun in unserer Gegend zuerst
im Urbar der Rheingrafen aus dem Anfang des 13. Jhs.^; wenig später sind
sie im Westen des Moselgebietes, in Lothringen und Luxemburg, schon ganz
bekannt und verbreitet^; seit etwa 1220 dringen sie vereinzelt an der Mosel
^) Vgl. vorläufig Bd. 3, 101, 5, 1293, für weitere Belege beider Fälle vgl. die näch-
sten Noten.
'^) Vgl. URheingrafen 13. Jh. Anf. : domino B. et filio suo G. de Eberbacli dedit
ringravius 30 mr., et econtrario ipsi assignabunt ringravio de predio suo aut beneficio tan-
tum, quod solvet annuatim 60 mir. siliginis; et hoc a ringravio in beneficio possidebunt.
Ähnlich ebd.: Cuono de Katzenelebogen comparabit predium valens 85 mr., quas sibi dedit
W. ringravius, et hoc ab ipso ringravio in feudo recipiet, ita quod assessor sit et castrensis
in Rinberc, et quod sit suum castrense beneficium insuper. dedit eidem C. ringravius
15 mr. , pro quibus predium comparabit, quod a ringravio in feudo possidebit. Später wird
der Ausdruck kürzer, z. B. : dedit ringravius Tb de M. 25 mr., ut inde suus sit castrensis.
In dieser Weise erwirbt nun der Rheingraf Lehnleute, wohl fast durchweg Burglehnleute, für
305 mr., in 15 Parteien, deren Briefe je einer auf 6 und auf 12 mr., 5 auf 15 mr., 3 auf 20 mr.,
2 auf 25 mr. , 2 auf 30 mr., 1 auf 42 mr. lauten. Bei solchen Burglehen konnte es dann
wohl auch Lehen auf Zeit geben, vgl. Lehnbuch Werners IL v. Boland S. 26: Besitz, inde
inbeneficiavi Conradum de sancto Albino, quamdiu castellanus erit in Hoenvels. Mit solchen
Zeitlehen war dann die vollkommenste Auflösung der alten Entwicklung erreicht, nach
welchen das Lehen, ursprünglich als Gehalt oder Besoldung gedacht, zu wirtschaftlich freiem
Erbbesitz geworden war; wie denn überhaupt das Anweisungssystem und der Lehnsauftrag
eine neue Ausgestaltung des Lehnswesens herbeiführen, in welchen sich dieses der mit der
Stauferzeit auftretenden Forderung freien Beamtentums thunlichst konform gestaltet. S.
darüber weiteres unten Abschnitt VIII.
3) S. Bertholet 4, P. justif. 52, 1223, vgl. MR. ÜB. 3, 121, 1220: Revers Heinrichs
von Dann, dafs der Graf von Luxemburg und Gemahlin marescalciam comitie Lucelburgensis
mihi et haeredibus meis in feodo et hominio contulerunt in perpetuum possidendam . . cum
100 Ib. Melensibus. MR. ÜB. 3, 480, 1233, Urkunde des Grafen von Blieskastel: E. comi-
tissa de Luccenburg bene persolvit michi 300 Ib., quas ipsa dedit et debuit michi pro castro
meo de Schovenberch et pto 2 curtibus meis, quas ab ipsa domina mea predicta in feodum
recepi. *Chartul. Metz, 1245 Juli 26, MR. Reg. 3 No. 438: Lehnsauftragung von Wirich
[Wirtschaft d. Grofsgmndbes. — 884 —
selbst vor^ um 1260 endlich sind sie von der erzstiftisch-Trierer Giiind-
heiTSchaft völlig aufgenommen^ und erhalten von nun ab überhaupt eine
aufserordentliche Verbreitung^: fast alle Dienstreverse des 14. Jhs. weisen
Lehnsauftragungen zu irgend einem Zwecke, im Sinne eines Gehaltes,
zur Kaution u. s. w. auf*. Bedenkt man nun, dafs, seltene Ausnahmen ab-
von Dann an Metz. *Chartul. Metz, 1251, MR. Reg. 3 No. 902: Alexander von Dicke wird
für 100 Ib. Metzer d. Dienstmann. Bachmann Pfalz-Zweibr. Staatsrecht S. 157, 1252: Graf
Heinrich von Yeldenz lothringischer Lehensmann für 500 Ib. d. , welche er zu Lehen erhält
(also 50 Ib. d. Revenuen).
1) Vgl. zuerst MR. ÜB. 3, 90, c. 1220: contulit . . mr. in redditibus in villa, que
dicitur Clütterde ... 42 d. perpetuo in villa, quae dicitur Rode; MR. ÜB. 3, 497, 1233:
Dietrich und Wilhelm von Schwarzenberg belehnen Ortlieb von Mettenich mit 35 Ib. Trevir.
Geldrenten. Interessant ist auch die vermutlich auf eine Lehnsanweisung gehende Urkunde
MR. ÜB. 3, 1326, 1255: ego Alheidis de Spanheim et de Eberstein notum facimus universis
hoc scriptum inspecturis, quod de bonis omnibus in Clereva, que habui a domino G. bone
memorie comite de Sjjanheim, non habui redditum nisi decem et octo Ib. Treverensis
monete, et sepius minus quam plus habui infra pensionem nominatam. in huius rei testi-
monium presentem litteram nostro sigillo fecimus roborari. Datum in Stauph anno do-
mini 1255.
2) Vgl. Honth. Hist. 1, 756, 1263: Wildgraf Emicbo wird fiir 200 Ib. Treverenses
Trierer Lehnsmann, dafür sollen bona assigniert werden, que . . cum omni sua posteritate
in feodo castrensi teuere debebit. Honth. Hist. 1, 760, 1263, Urkunde Erzbischof Heinrichs:
nos (Gerardum de Urlei) in nostrum castrensem recepimus apud Novum castrum, propter
quod sibi dabimus infra anni presentis spatium octoginta Ib. Trevirensium d.; ubi nobis et
nostris successoribus residentiam faciet continuam et personalem, cum autem sibi assigna-
verimus pecuniam supradictam, de suo nobis allodio ad estimationem dicte pecunie bona equi-
valentia resignabit, que a nobis ipse et sui heredes pro castrensi feodo recipient et tenebunt.
si vero usque ad anni presentis terminum non persolverimus eidem pecuniam supradictam,
arbitrati sumus et volumus, ut ad predicta bona cum usufructu respectum habeat et ea teneat,
donec sibi fuerit satisfactum. Honth. Hist. 1, 811, 1279: Jofrid Herr von Bertringen erhält
vom Erzbischof 150 Ib. d. Treverensium pro homagio perpetuo. Infolgedessen domino
nostro archiepiscopo et ecclesie sue Trevirensi resignavimus et resignamus atque assignamus
de consensu et bona voluntate lofridi filii nostri quindecim Ib. d. Trevirensium perpetuorum
reddituum in bonis nostris allodialibus apud Griveldingen, ipsos redditus quindecim Ib. con-
stituentes nos dicti domini nostri archiepiscopi et ecclesie sue Trevirensis nomine possidere,
ac ipsos redditus ab eodem domino nostro archiepiscopo in feodum recepimus et recipimus.
Honth. Hist. 1, S. 818, 1283, Urkunde Embrichos von Lewenstein: curiam meam in Mane-
wilre . . resigno venerabili domino meo archiepiscopo Trevirensi et ecclesie sue, ita videlicet,
quod omnia bona predicta ego et heredes mei titulo feodali habere dinoscimur, pro sexa-
ginta mr. Aquensium d. legalium. nihilominus quod si ego predictus Embricho decedo,
Loderadis uxor mea supradicta possidebit in bonis prehabitis diebus vite sue pacifice et
quiete, quia bona prefata sunt allodialia.
3) Vgl. noch Bd. 3, 58, n, 1269; Honth. Hist. 1, 789, 1269; Arch. Clervaux
No. 33, 1280.
*) S. Bd. 3, No. 78-80, 1300-1301; *0r. vom 25. Juni 1301, Koblenz St. A. Erz-
stift Trier Staatsarchiv; Honth. Hist. 2, 19, 1303 u. a. m. Zur Ausbildung um die Mitte des
14. Jhs. vgl. *UMünstermaifeld, Hs. Koblenz CXI^ Bl. 35 a, 1348: Propst Elias empfängt
Johann Herrn zu Elz bit dienste eiden und hulden, als zu ledicher manschaf von rechte ge-
hurich is , und giebt ihm darum zu rechtem lehene alrejerlichs . . uz unsem hove und gülden
— 8g5 — Umwälzung d. Wirtschaftsverfassung.]
gerechnet ^ , die Anweisung der Lehnseinkünfte wie in der ersten so auch in
der zweiten Form nicht auf eine ZentralsteHe , sondern auf die Fronhöfe
direkt stattfand - , so begreift es sich, wie sehr dieses System, ganz abgesehen
von einer endgültigen Ruinierung der grundherrlichen Vermögensbestände^,
vor allem auch zur Lockerung der Fronhofsverwaltung und zum Verfall
der Verbindungen zwischen Zentralstelle und Lokalverwaltung beitragen
nmfste.
Natürlich war die volle Entwicklung dieses ganzen Anweisungssystems
unter besonderer Betonung des Lehnsauftrags nur möglich, wenn der Fronhof
spätestens seit dem 14. Jh. hauptsächlich nur noch als Substrat von Renten
erschien ; zugleich alier mufste das Anweisungssystem eben diese Umgestaltung
zu Munster in der stat zien kleine gl. oder dat wert darvur, ablösbar mit 100 kl. gl. zu
welcher zit dat die losunge geschiege, so sal he uns und unsen nakomelingin . . wail bewisen
zien kl. gl. geldis und guldin uf sin eigin, da si wail bewist sin na des landis gewanheit
urkimde des gerichtis und der scheifenen binnen deme gemirke, und sal davor dat bewiste
lehen von uns . . halden und verdienen, als lehens recht und gewanheit is. Johann huldet
dann (*UMünstermaifeld, Hs. Koblenz CXI^ Bl. 35», 1348) getruwe und holt zu sin, sin
bestis zu werven und sin argistis zu wenden na miner maicht, und dat lehen zu verdienen,
als lehen recht is und gewanheit. Im Sinne dieser Verpflichtung und Lehnsauftragimg hat
nun der Propst von Münstermaifeld um 1350 folgenden Lehnhof, vgl. *UMünstermaifeld, Hs.
Koblenz St. A. CXIa BL17 a f.: Werner Vrie von Treis: Vogtei Salmerohr; Walter von Treis:
Vogtei Valwig; Paul von Eich: Zehnten und sonst Erträge; Dietrich von Elz: 12 mir. sili-
ginis; Johann von Elz (s. oben): 10 Ib. hl.; Johann von Polch: 18 mir. avene; Arnold
Herinc: 6 Ib. hl.; Gerlach von Halle: Salgut in Polch; Johann von Owilre: 4 mr. ; Bar-
tholomeus scabinus Treverensis: 10 Ib. hl.; Thilman von Rodemacher: 10 aurei regales:
Colin von Wittlich: 6 Ib. hl.; Werner Süze: 6 Ib. hl; Colin von Senheim: 5 Ib. hl.; Her-
mann Schepe: Land; Johann Marschalc scheffe: 2 mr.; Friedrich von Dieffenbach armiger:
Land; Th. Walteri Heinzelin scheffe: Land, 1 mr.; Th. Multorlin: Land; Heinrich von
Sternemberg: 12 Ib. 10 s. hl.
^) URheingrafen : der Rheingraf hat de abbate de Volde 10 talenta in beneficio, quo-
cumque loco vac[a]verint; ebenso a comite de Liningen 20 talenta.
'^) MR. ÜB. 3, 316, 1227 : Adelin von Meisenburg schenkt zu Wolfsfeld (Kr. Bitburg)
an Himmerode quinque s. Treverensis monete, recipiendos in censu meo de Volvisfelt a
villico meo eiusdem loci et solvendos in festo Andree, ea tamen conditione adiecta, quod si
mihi vel heredibus meis placuerit illum censum rehabere, centum s. dicte monete eidem.
cenobio exsolventur. et extunc erit dictus census Über et ab ipso cenobio exemptus. Cod.
Salm. No. 66, 1275: Hanricus comes de Salmis notum facimus, quod contulimus Hermanno
de Lusenich quadraginta Ib. Treverensium legalium in homagio, et pro dictis 40 Ib.
sibi presignavimus in curte de Drogena 15 mir. siliginis et 10 mir. avene annuatim a nostro
officiali percipienda, donee sibi de premissis 40 Ib. fecerimus plenariam solutionem. facta
autem solutione predictus Hermannus tenetiu- predictas 40 Ib. supra aliqua bona ponere et
ipsa bona tenentur ipse et sui heredes a nobis et nostris heredibus in homagio habere.
^) Die *Distributa mon. s. Maximini annue pro pensionibus et feodalibus 15. Jh.
4. Viertel im Urbarcodex von 1484 ergeben folgende Schuldenlast der Abtei. Es sind an
stehenden Jahresbeträgen zu zahlen 110 fl. 19 alb., 2 s. Trev., 1 Ib. 5 s. hl. an 31 Parteien;.
31 V2 mir. grani an 9 Parteien; 152V2 mir. siliginis an 12 Parteien; 299 mir. avene an 16 Par-
teien; 30^/2 am. vini an 8 Parteien; 1 tal. cere an 1 Partei. Dazu Landeslasten in der Höhe
von 23 fl. 13 alb. für eine Subsidie.
[Wirtschaft d. Grofsgiiindbes. — 886 —
des Fronhofs und seiner Dependenzen zu einem vom Gesichtspunkte des
Gmndherrn aus weiter nichts als Renten tragenden Institut bedeutsam fördern.
Nun kommen allerdings schon am Schlufs des früheren Mittelalters kleine
Privatvermögen vor, welche im wesentlichen aus Renten bestehend Aber da-
neben blieb doch der Charakter der grofsgrundherrlichen Höfe als besonderer
Wirtschaftsinstitute schon wegen des Eigenbetriebs und Beundenbaues noch
erhalten. Ganz anders werden dagegen diese Höfe im 14. Jh., ja ab und zu
schon in der 2. H. des 13. Jhs. angesehen, nachdem die Eigenwirtschaft zum
guten Teil zerstört, das Anweisungssystem aufgekommen war. In einer
Urkunde des *Bald. Kesselst. S. 194, vom Jahre 1326, veräufsert jemand
annuos redditus unius porci valoris 30 d. Treverensium , duorum anserum,
duoruni pullorum, quos habemus in villa Einwilre; item in villa dicta zum
Bule redditus annuos duorum porcorum; item in Burfeld redditus annuos
unius porci et unius mutonis, decem et octo d. Treverensium et 30 ovorum,
necnon bona ipsa, de quibus nobis dicti redditus solvuntur ad presens sita in
predictis villis et earum confiniis et quicquid ibidem habenms, que quidem
bona cum hondnibus ea tenentibus a nobis ad nos pertinere dinoscuntur, cum
iurisdictione alta et bassa. Hier ist kein Zweifel: der Grundbesitz erscheint
nur noch als Rentensubstrat; die alte Wirtschaftsverfassung ist vergessen.
Das ist nun aber ganz allgemein der Fall. Wie die kleineren Vermögen
schon in früherer Zeit, so existieren jetzt auch die grofsen Grundvermögen nur
noch als Konglomerat von Landbesitz und Rentenbesitz unter starkem Überwiegen
des letzteren. Und der Rentenbesitz vergröfsert sich noch von Tag zu Tag;
Zinse und Abgaben werden auf alle nur denkbaren Substrate gelegt^. Unter
den Urbaraufzeichnungen zeigen schon die Angaben über die Dotierung des
SElisabethhospitals zu Trier vom Jahre 1256^ ziemlich deutlich den neuen
Charakter des Grofsgrundbesitzes ; kräftig bringt ihn für das Moselland zuerst
das *Urbar des Deutschordenshauses zu Saarburg vom 18. Dez. 1301 zum
Ausdruck*. Nicht minder bezeichnend ist in dieser Hinsicht eine kleine *Auf-
1) Vgl. aufser MR. ÜB. 3, 247, 1227 als besonders früh und sehr bezeichnend MR. ÜB. 1.
456, 1127: der Priester Johann, Canonicus von SMarien, schenkt folgende Güter an Oeren:
1) Ertrag von 2 mir. Trierisch, zu zahlen von Dudeldorf, lastend auf folgenden Dudeldorfer
Fluren: Regenacker 2 iurnal., Medenhof 2 iurn., Liezheim 2 iurn., Hazenaker 1 iurn., lugum
Ugonis Vk iurn., Lancwis 1 iurn., Limo 1 iurn., Lendeburno ^,'2 iurn. 2) Ertrag von 6 situlae
Wein aus Schleich bei Mehring, ruhend auf domus et torcular und einer 01k im Dorfe,
ferner in medio montis 3 scabella, 8 trile cum uno scabello, 6 trile cum uno scabello,
2 scabella , und in Ensch (an der Mosel unterhalb Schleich) 2 scabella. 3) Ertrag von 6 s. d.
aus Monzel (bei Dusemond, aber nicht an der Mosel), ruhend auf 5 partes vinearum, in
Rüvereit 1 und 4 in medio montis.
2) Bisweilen auf eigentlich für dauernde Zinse unmögliche, vgl. Rhenser deutsche
Heberolle 14. Jh. 1. H. : Herbort 6 penninge ei^iche up den grozin nusboim in dem
bumgarten.
3) MR. ÜB. 3, 1376, 1256.
*) Bemht im St. A. Koblenz, Pgt. zu 15 x 26 cm; vgl. Bd. 2, 726 Note 1. Vgl.
auch noch Bd. 2, 214; Bd. 3, No. 299, 1340; sowie eine vermutlich der 1. H. des 14. Jhs.
— 887 — Umwälzung d. Wirtschaftsverfassung.]
Zählung der rertiiienzeii eines Hofes in Kellenbacli vom J. 1324*; zu ihm ge-
hören in Staufinbacli 15 s. hl. 1 mir. siliuinis et 1 mir. avene; in Kellinbacli
bona dieta Lanirs, que solvunt 17 s. cum dimidio hl., et bona molendinarie, que
solvunt 12 s. hl., et bona Thielomanni, que solvunt 12 hl., necnon bona Cun-
radi dicti Mumoldin, que solvunt 17 s. hl. cum dimidio et 1 mir. siliginis;
item in Kuningisawe 4 mir. sigilinis de molendino ac bona Godefridi de
Keinen, que solvunt 14 d. Colonienses et 1 mir. avene, et bona Theodorici
dicti Vaner, (jue solvunt 14 d. Colonienses et 1 mir. avene, necnon bona
lohannis dicti Kur, que solvunt 3 s. hl. Natürlich nahm dieser Renten-
charakter des alten Grofsgrundbesitzes immer mehr zu; im *USteinfeld von
c. 1500 erscheint Bl. 30a ein Abschnitt mit der Aufschrift: Dit is sulche art-
land benden husche ind veld, zeinden und zins gehoerende in unsen kaiser-
vrien hof ind guet zu Walburen — und es folgt die Beschreibung der auf
15 Teilgütern lastenden Zinsen von 18 s. 9 d., 15^2 Hühnern^ und 13 Diensttagen.
Es braucht kaum betont zu werden, dafs es bei solcher Ausbildung der
alten Grundherrschaft ganz gleichgültig war, ob ein Hof im Eigentum 6ines
oder mehrerer Herren ])liel); höchstens hatte man in letzterem Falle mehrere
Meier zu halten^. In der That treten nun, ähnlich wie bei den stark renten-
belasteten Häusern der Städte seit dem 12. und 13. Jh."^ die verwickeltsten
Eigentumsverhältnisse auf, sobald nur erst — seit Beginn des 14. Jhs. — der
Rentencharakter der Fronhöfe feststeht. Bona curtis de Wolkringen bemerkt
das UMarienthal vom J. 1317 auf S. 333, dividuntur in 2 partes, quarum
unam parteni recipiunt domini Arlunenses, aliam partem domini de Wolkringen ;
que pars dominorum Arlunensium dividitur in 7 partes, in quibus 7 partibus
domine de Valle habent Vi 2. alia medietas dividitur in 2 partes, quarum
Th. de Celobrio recipit unam partem, alia pars dividitur in 8 partes, quamm
domine de Valle recipiunt precipue 3 partes, et sie remanent 5, que 5 partes
zuzuweisende *Stelle des Bakl. Kesselst. S. 307, deren Datum ich anzumerken vergessen hahe :
uos Burghardus Johannes et Ulricus fratres domini de Vinstinga . . pro 800 Ib. hl. . .
[domino Baldewino] supraportamus et resignamus . . bona nostra allodialia seu propria infra-
scripta cum eorum iuribus iurisdictionibus dominus et pertinentiis universis, videlicet villam
Luderingen, de qua cedunt annuatim redditus subnotati: scilicet septem Ib. Metensium d.
nomine precarie; item septem s. quatuor d. Metenses nomine census; item nemora sive terre
dieta daz Kamerholz der Vorst et Mertinsbüsch, de quibus cedunt ad quartum annum sex Ib.
Metensium d. ; item vivarium nostrum ibidem, de quo ad [S. 308] tertium annum cedunt
triginta Ib. Metenses; item decimam nostram ibidem annuatim sexaginta som. partim grani
et partim avene mensure Sarepontensis u. s. w.
1) *Bald. Kesselst. S. 171, 1324.
2) Zu Hiihnerteilen vgl. Rhenser deutsche Heberolle 14. Jh. 1. H.: pueri Johanis Ekardi
2 hunre ain ein dritteil eins hunis van eime wikarde uf deme Sigen.
^) CRM. 2, 281, 1077: curtis in Kärlich cum . . nemoribus . . pratis pascuis pisca-
tionibus villicationibus censibus vineis agris cultis et incultis . . .
*) Vgl. Ennen, Qu. 2, 185— 6, 186, 1238: Jemand erbt tertiam partem tertie partis sexte-
decime partis [= ^lui] unius mense opposite domui sanctorum apostolorum; s. auch Ennen,
Qu. 2, 227, 223, 1242.
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 888 —
dividuntur in diias partes, quaniin unam parteiii recipiunt illi de Satenheim,
aliaiii paitem dividunt domine Vallis et domine de Diffirdingen per medium.
War der Rentencharakter in dieser Weise durchgedrungen, so war es
nur ein Schritt zu neuer Klärung der Eigentumsverhältnisse, wenn man nun-
mehr wirtschaftlich den Hauptwert nicht mehr auf das Rentensubstrat, sondern
auf die Rente selbst legte. Der Grund und Boden, auf dem die Rente ruhte,
wurde damit gleichgültig, soweit nur der Rentenbezug gesichert blieb ; er wurde
eventuell mit anderem vertauscht, er war keine spezifische wirtschaftliche
Gröfse mehr, er war fungibel ^
Das ist das Ende des Verfalls, dessen Anfänge schon seit dem Schlüsse
des 12. Jhs. auf den Grofsgrundbesitz und seine alte Wirtschaftsverfassung
hereingebrochen waren: ein Jahrhundert später ist diese Wirtschaftsverfassung
bis in ihre tiefsten Grundlagen hinein erschüttert, ihr Eigenbetrieb in weit-
reichender Weise zerstört und ihr Verwaltungsapparat in Bruchteile aufgelöst,
welche, vereinzelt und aufser aller Verbindung mit einander, nicht mehr in
der alten Weise funktionieren können. Die übrig gebliebenen Ruinen aber
bilden ein wüstes Konglomerat verschiedenartiger Werte, deren wirtschaftliche
Ausnutzung nur in der Weise erfolgen kann, dafs sie durch Überspannung
mit einem ausgedehnten Rentensystem auf einen gemeinsamen Nenner ge-
bracht werden.
Und doch treten in diesem Chaos schon seit früher Stauferzeit die An-
zeichen einer neuen zeitgemäfsen Organisation zu Tage. Die alte Grund-
herrschaft war wesentlich mit durch Empfang bezw. Übertragung von Grund-
stücken seitens Freier in irgend einer anfangs freieren Leiheform gebildet
worden; diese freieren Landnutzungsformen hatten dann aber in dem System
1) Vgl. aufser MR. ÜB. 3, 1049, 1250 und 1192, 1253, namentlich MR. ÜB. 3, 472, 1232:
Heinricus et Marquardus dicti comites de Solmese notum esse volumus, quod cum Erwinus
miles de Garvenheim teneret a nobis in feodo mansum terre arahilis, qui situs est in villa
que vocatur Biela, 15 s. Wetflarienses solventem, convenit nobiscum, ^^uatinus eundem man-
sum ipsi in proprietatem donaremus, receptis loco eins aliis bonis ab eodem, videlicet in
Nuwenkirgen 10 s. in Banevalde 6 s. solventibus cum anseribus et pullis. cuius annuentes
petitioni eundem mansum mutuavimus prefato Erwino pro bonis supradictis, recognoscentes ei
ius proprietatis illius atque dominium; et receptis prefatis bonis eisdem rursus infeodavimus
praefatum E. ac filium eiusdem dictum similiter Erwinum ad idem ius, quo antea mansum a
nobis tenuerunt, pro quo uterque homines nostri sunt eifecti. Hennes ÜB. 1, 227, 1273:
eine vinea zwischen Pfaffendorf und Ehrenbreitstein, que solvit 5 s. censuum annuatim, quos
census a nobis tenebat in feudo A. de Kain et noster homo extitit de eisdem. Diese Zinse
werden vom Lehnherrn verkauft tali interposita conditione, quod dictus A. alia bona sua
allodiala sita in superiori Engers, videlicet partem vinee et quatuor iugera terre arabilis,
nobis loco dicte vinee assignavit et eadem bona a nobis recepit in feudo sicut a nobis tene-
bat vineam memoratam. Hennes 1, 488, 1293: Ernst von Burgensheim Ritter und Adelheid
sein Gemahl gestatten, dafs Heinrich Brange zu Burgensheim die Güter, die er von ihnen
zu Lehen hat, dem Deutschen Haus von Koblenz verkaufe und sich für andere Güter ihnen
lehnspflichtig erkläre. *USElisab. Hosp. Bl. 39^ : H. S. et M. contulerunt 12 d. ex vinea
sua apud Trimelet . . Zusatz: E. P. tenet; quem censum posuit super bona sua, quae habet
iuxta vineam hospitalis in Silva episcopi.
— 889 — Uiiiwiil/ung d. Wirtschaftsverfassung.]
gruiulhüiiger Bodennutzung ein gemeinsames Grab gefunden. Jetzt, da die
Grundfesten des alten Wirtscliaftsorganismus zu scliwanken beginnen, tritt
auch der Charakter ihrer ursprimglichen Anlage wieder zu Tage: die grund-
hörigen Landnutzungsformen lösen sieh teil weis auf und an ihrer Stelle er-
wachsen, analog den Vorgängen in der Entstehungszeit des Grofsgrundbesitzes,
wiederum freiere Arten des Landbesitzes, die Zins- und Pachtformen ^
^) Die ersten Verträge auf freiere Bodennutzung (Zins- und Pachtverträge) finden sich,
aufser den Rupertsberger Akten hauptsächlich in Bd. 3 No. 1, — die im MR. ÜB. 1, 342
z. J. 1055 gedr. Urkunde gehört in d. J. 1235 JuH 6, vgl. Goerz MR. Reg. 2, 2164, auch
die Urkunde MR. ÜB. 1, 386, 1092 gehört noch nicht hierher, da sie nur die Auflösung
alter grimdhöriger Verhältnisse zu Gunsten freierer, aber doch noch grundhöriger Verhältnisse
zeigt — : MR. ÜB. 1, 424, 1112; 431, 1115; 432, 1115; 449, 1122; 455, 1126 (zum ersten-
mal das Wort pactum; das Wort pactio im Sinne von Vertrag einfach, nicht von Pacht-
vertrag, auch schon MR. Uß. 1, 612, 1158); 474, nach 1134; 477, 1134; Joannis Res Mog. 2,
747, 1135; MR. ÜB. 1, 481, 1135; 484, 1136; 486, 1136; MR. ÜB. 2, 40, 1140; 43, 1149;
MR. ÜB. 1, 568, 1152; 573, 1153; 594, 1155; 614, c. 1158; 618, c. 1160; 630, 1161; Ann.
d. bist. Ver. f. d. Niederrh. 23, 265, 1162; MR. ÜB. 1, 640, c.1163; 644, c. 1163; Scheid, Or.
Guelf. 3, 594, 1165; MR. ÜB. 1, 645, c. 1165 (in Goerz MR. Reg. 2, 533 zu ca. 1185 ge-
zogen); 647, 1166; *Kop. Valendr. Bl. 23, reg. Goerz MR. Reg. 2, 263, c. 1167; MR. ÜB.
1, 652, 1168; MR. ÜB. 2, 2*, 1169; Stücke der Andernacher Schreinsrolle cit. Goerz MR.
Reg. 2, 336, 337, 342, 344, 346, 1173 f.; MR. ÜB. 2, *36, 1179; *37, 1169—79; *42, 1181;
*43, 1181; 45*, 1181; 49*, 1181; 63, 1169—83; *Kop. SMartin-Trier Bl. 144, Bezirksarch.
Metz, reg. Goerz MR. Reg. 2, 509, 1184; MR. ÜB. 2, 71, 1185; 82, 1186; 83, 1186; 90,
1187; 99 und 100, 1164-1189 (in Goerz MR. Reg. 2, 531 zu ca. 1185 gezogen); 126, 1192;
137, 1194; 170, 1197; 174, 1198; 177, 1199; 186, 1187—1200 (in Goerz MR. Reg. 2, 62G
zu c. 1190 gezogen); Erhard Cod. Westf. 2, 514, 1190—1205; Stücke der Andernacher
Schreinsrolle cit. Goerz MR. Reg. 2, 860, 864, c. 1200; Schlufs des UMettlach, ca. 1200;
CRM. 1, 492, c. 1200 (so Goerz MR. Reg. 2, 882); MR. ÜB. 2, 182, 1200; 196, 1171-1201 (in
Goerz MR. Reg. 2, 528 zu ca. 1185 gezogen); 215, 1203; *0r. Koblenz c. 1205, reg. Goerz,
MR. Reg. 2, 992; MR. ÜB. 2, 225, 1206; 239, 1208; 244, 1209; 246, 1209; 250, 1209; Mone's
Zs. 19, 420, 1209; Lac. ÜB. 2, 33, 1210; MR. ÜB. 2, 259, 1210; 268, 1192—1210; 272,
1198—1210 (in Goerz MR. Reg. 2, 1033 auf 1207 gezogen); 274, 1211; MR. ÜB. 3, 21^
1214; 22, 1214; 28, 1214; 32, 1215; 40, 1215; Stücke der Andernacher Schreinsrolle cit
Goerz MR. Reg. 2, 1243, 1248, c. 1215; Kremer Or. Nass. 2, 258, 1215; *0r. Koblenz 1216,
cit. Goerz MR. Reg. 2, 1301; MR. ÜB. 3, 55, 1216; Stücke der Andernacher Schreinsrolle^
cit. Goerz MR. Reg. 2, 1311, zu 1217; Picks Monatsschr. 1877, 265, 1217; MR. ÜB. 3, 67,
1217; 71, 1217; *Bald. Kesselst. Trier 1218, cit. Goerz MR. Reg. 2, 1396; MR. Uß. 3, 139'
1220; 147, 1220; Stücke der Andernacher Schreinsrolle, cit. Goerz MR. Reg. 2, 1451, 1452,
1454, c. 1220; MR. Uß. 3, (156, c. 1220; 174, 1221); 218, 223; 1237, 1224; 249, 1225;
253, 1225; 267, c. 1225; Ann. d. bist. Ver. f. d. Niederrh. 23, 266, 1225; Guden. CD. 5, 3,
1225; Stücke der Andernacher Scbreinsrolle , cit. Goerz MR. Reg. 2, 1689, 1690, c. 1225;
MR. Uß. 3, (296, 1226); 309, 1227; 312, 1227; 324, 1227; 347, 1228; Stücke der Ander-
nacher Schreinsrolle, cit. Goerz MR. Reg. 2, 1890, 1892, 1228; Goerz MR. Reg. 2, 1924,
1229; MR. Uß. 3, 395, 1230; 409, 1230; 410, 1230; 419, c. 1230; 445, 1231: Lac. Uß. 2,
178, 1231; Miraeus 4, 542, 1232; MR. Uß. 3, 460, 1232; 461, 1232: 481, 1233; 483, 1233;
485, 1233; 489, 1233; 504, 1234; 514, 1234; 535, 1235; 541, 1235; 543, 1235; *Kop. Milten-
berg, jetzt München, 1235 Mz. 30, reg. Goerz MR. Reg. 2, 2147; MR. Uß. 3, 566, 1236;
577, 1236; 590, 1237; (600, 1237); 608, 1237; 633, 1238; 646, 1239-40; 667, 1239; 676,
1240; 731, 1241; 734, c. 1241; 743, 1242; 760, 1242; 783, 1243; 807, 1244;" 814, 1245; 847,
La mp recht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 57
[Wirtschaft cl. Grofsgrimdbes. — 890 —
Schon oben ist auf diesen Entwicklungsgang für die hofhörigen Güter
hingewiesen worden. Aber die Bewegung griff weiter. Sehen wir von der
Zentralstelle ab, deren Umformung in anderem Zusammenhang zu besprechen
ist, so unterlagen auch die Fronhöfe oder jetzt richtiger gesagt, die Meierämter
oder Fronhofsrezepturen gar bald der Einwirkung freierer Leiheformen \ Und
so kann man es ganz generell aussprechen, dafs es nach dem Verfall der
alten Wirtschaftsverfassung in der späteren Stauferzeit die soeben aufkommen-
den freieren Leiheformen gewesen sind, welche die Neubildung einer grund-
herrlichen Wirtschaftsverfassung vorbereiteten und ermöglichten ^
1246: 849, 1246; 881, 1246; 882, 1246; 895, 1246; 899, 1247; 922, 1247; 930, 1247; 931,
1248; 963, 1248; 1046, 1250; 1059, 1250; 1065, 1250; 1065, 1250; 1076, 1250; 1081, 1250;
1087, c. 1250; 1092, 1251; 1114, 1251; 1127, 1251; 1138, 1252; 1142, 1252; Guden. CD. 5, 23,
1253; MR. ÜB. 3, 1201, 1253; Guden. CD. 5, 26, 1253; MR. ÜB. 3, 1217, 1253 (Reg.); 1219,
1253; 1249, 1254; 1291, 1255; 1294, 1255; 1300, 1255; :1304, 1255; 1304, 1255; 1307, 1255
(Reg.); 1309, 1255; 1330, c. 1255; 1339, 1256; 1477, 1259; 1485, 1259.
1) S. schon oben S. 773 f. Die frühesten Fälle in unserer Gegend finden sich
wohl schon MR. ÜB. 1, 431, 1115, vgl. 474, nach 1134; dann 449, 1122; 477, 1134; 618,
c. 1160; 2, 2*, 1169; (45*, 1181; Goerz MR. Reg. 2, 509, 1184); USMax. S. 455, Wöll-
stein 8i; MR. ÜB. 3, 32, 1215; 324, 1227; 347, 1228; 410, 1230; 514, 1234; 566, 1236;
743, 1242; 1065, 1250; 1087, c. 1250; 1142, 1252. Mit dem Beginn des 14. Jhs. finden sich
schon Grundherrschaften, in welchen Verpachtung durchaus die Regel ist, so namentlich im
Westen unseres Gebietes, vgl. Lager, Gesch. der Abtei Mettlach S. 189 — 195 und dazu unten
Bd. 2, 731—732; ferner UMarienthal 1321, dazu unten die Tabellen auf S. 936 f.; vgl. auch
Loersch, Ingelheimer Oberhof S. LVIIT. — Auch einzelne selbständige Hofpertinenzen werden
gleich zahlreich und gleich früh verpachtet, s. fiir Mühlen MR. ÜB. 1, 424, 1112; Ennen,
Qu. 1, 547, 71, 1158; Ann. d. bist. Ver. f. d. Niederrh. 23, 265, 1162; Cart. Orval 73, 1178;
MR. ÜB. 2, 49*, 1181; 90, 1187; 215, 1203; 274, 1211; 3, 28, 1214; 71, 1217; 461, 1232;
847,1246; 931,1248; 1059,1250; 1092,1251; 1127,1251; 1309,1255. Zur Fischerei
s. MR. ÜB. 3, 296, 1226; zur Münze MR. ÜB. 3, 600, 1237.
2) Zur zeitlichen Verteilung der Entwicklung freierer Landnutzungsformen beachte
man folgende Ziffern. Es ergeben sich für die gesamte Überlieferung der RGBB. Trier und
Koblenz an einschlägigen Urkunden:
1100—1125 5 1175-1200 34
1120—1150 8 1200—1225 35
1150—1175 9 1225—1250 80
1250—1273 119.
Von 1273 ab läfst sich die gesamte urkundliche Überlieferung nicht mehr voll übersehen;
geht man auf einzelne Institute zurück, so liegt die Überlieferung für das Kloster Mettlach
und das Erzstift in den betr. Regestensammlungen von Lager und Goerz vollständig vor.
Hier ergeben sich an einschlägigen Urkunden:
Jahre
Lager
Goerz
Jahre
Lager
Goerz
1300—1325
11
3
1400—1425
2
36
1325—1350
8
5
1425-1450
1
5
1350—1375
6
24
1450—1475
—
29
1375—1400
9
39
1475—1500
50
58.
Dazu für Mettlach 1225—50 : 2; 1250—75 : 0; 1275—1300 : 4. Diese Angaben sind nun
für die JJ. 1425—50 bei dem Erzstift notorisch, aber doch wohl auch bei der Abtei Mettlach
— 391 — Umwälzung d. Wirtschaftsverfassiing.]
Zum Verständnis der rechtlichen und wirtschaftlichen Entstehung»' dieser
freieren Leihefornien ist es aber nötig, weiterhin auf die früheren Ausbildungen
der Landleihe innerhalb der deutschen Entwicklung zurückzugreifen. Wir
finden hier in nierowingischer bezw\ karolingischer Zeit, abgesehen von ge-
ringen Resten des römischen Precariums und hier aufser Betracht bleibenden
Umgestaltungen des römischen Kolonats, namentlich die Formen der Precaria
und des Beneficiums^ Diese Formen stehen insofern im Verhältnis zu ein-
ander, als sich von der Precaria data, von welcher Roth, Feud. 149, Beispiele
auch nur bis in den Anfang des 9. Jhs. nachweisen kann, in unseren Gegen-
den nur 6in, noch dazu nicht ganz sicheres Beispiel aus dem J. 636 im
Grimonischen Testament findet; im übrigen steht an Stelle der Precaria data
das Beneficium. Wir haben es also in Wirklichkeit nur mit der Precaria
remuneratoria, der Precaria oblata und dem Beneficium als frühzeitigen Land-
leiheformen zu thun.
Sehen wir da vorläufig vom Beneficium ab, so kommen zunächst die Pre-
caria remuneratoria und die Precaria oblata in Betracht. Beide unterscheiden
sich liekanntlich so, dafs die oblata den Nutzgenufs eines dem Leiheherrn
vom Beliehenen geschenkten Gutes ohne weiteren Entgelt der Leiheherren, die
remuneratoria einen solchen Nutzgenufs unter gleichzeitiger Einräumung eines
Niefsbrauchrechtes an einem meist gleich hochbew^rteten Gute des Leihe-
herrn umfafst. Von beiden Nutzungsformen ist die bei weitem frühere in
unserer Gegend die oblata ; sie tritt schon seit Mitte des 8. Jhs. auf, während
die remuneratorischen Prekareien erst nach der Mitte des 9. Jhs. einsetzen ^. Und
für 1425 — 1475 unvollständig. Es ergiebt sich im ganzen aus ihnen ein erstes Anschwellen
der Pachtentwicklung seit dem letzten Viertel des 12. Jhs., und weitere besonders bemerk-
liche Zunahmen mit dem zweiten Viertel des 13. und dem letzten Viertel des 15. Jhs.
1) Zum folgenden vgl. u. a. Regino Caus. synod. 1, 374—380, S. 171 f. ed. Wassersch-
ieben; Bodmann, Piheing. Altert. 2, 768; Roth, Feud. S. 145 f., 194 f.; v. Maurer, Fronli.
1, 275 f., 316, 347, 360 f.; v. Inama, Wirtschaftsg. 1, 123; Waitz, Vfg. 6, 4-6, auch 5, 274
und 6, 26 f., 30.
2) Ich gebe hier sofort eine Gesamtübersicht der in unserer Gegend für beide Leilie-
foniien zu Gebote stehenden Urkunden. Es finden sich remuneratorische PreMreien MR. ÜB. 2,
26, 862—868; 1, 105, 866; 2, 28, 866, 867; 1, 118, 880; 119, 881; 120, 886; 154, 909; 158, 915
bis 923; 163, 923; 164, 924; 165, 926; 170, 929; 173, 936; 174, c. 938; 180, 943; 199,955;
219, 964; 220, 964; 228, 967; 235, 971 ; 245, 975; 251, 978; 273, 996 ; 276, 1000; Lac. ÜB. 1, 87,
140, 1003; MR. ÜB. 1, 315, 1041; 324, c. 1045; 337, 1052; 338, 1052; Lac. ÜB. 1, 159—60,
247, 1093; MR. ÜB. 1, 396, c. 1098; 431, 1115 in Verbindung mit 474, 1134; 654, vor 1169;
*Düsseld. St. A. SSeverin Or. 4 Cop. Bl. 9, 1166—1182; 419, c. 1230; Ann. d. hist. V. f. d.
NiedeiTh. 43, 72, 1247; *Andemach. Schreinsk. No. 85, G. 3, 1352, 1256; (*Chart. SArnual,
Koblenz St. A. 1259, MR. Reg. 3, 1551); Precariae ohlatae MR. ÜB. 1, 14, 762—804; 19,
765; 21, 767: 23, 772; 30, 777: 33, 786; Lac. ÜB. 1, 9, 14, 799; MR. ÜB. 2, 20, 832; 21,
835; Lac. ÜB. 1, 27, 60, 845; MR. ÜB. 2, 27, 864-65; 1, 110, 868; ferner 205, 959; 206,
960; 212, 963; 268, 993; 269, 993; 272, 993—996; 2, 32, 10. Jh. 1. H.; Cardauns, Rhein.
Urkk. 12, S. 357, 1095—9; Ennen, Qu. 1, 504-5, 42, 1099-1131; MR. ÜB. 1, 569, 1152;
2, 101, 1173—1189; (71, 1185); 3,445, 1231; 513, 1234; 944, 1248; 1151, 1252; 1175, 1252;
57*
[Wirtschaft d. Grofsgrandbes. — 892 —
diese Thatsache ist nicht etwa auf die eigentümliche Praxis irgend eines be-
sonderen Wirtschaftsinstitutes zurückzuführen \ sondern es liegt eine allgemeine
Erscheinung vor. Dieser Umstand nötigt uns, von der Precaria oblata^ aus
Charakter und Geschichte beider Formen klarzulegen. Doch wird es dabei
möglich sein, eine Anzahl für beide Formen analog und aus gemeinsamer
Wurzel entwickelter Erfordernisse auch gemeinsam zu besprechen.
Beide Prekareien erweisen sich da zunächst als Verleihungsformen auf
Lebenszeit des Beliehenern das ist ursprünglich die Regel. Freilich wird die
Regel bei der oblata schon seit Ende des 9. Jhs. , bei der remuneratoria seit
spätestens der Mitte des 10. Jhs. nur noch in Ausnahmefällen beibehalten^.
Vielmehr beginnt schon sehr früh bei der oblata, etwas später bei der remuneratoria
die Ausdehnung der Beleihung auf die Frau des Prekaristen * ; ihr folgt dann
eine solche auf die zweite Generation überhaupt^, ja sogar auf noch weitere
Erben '^. Indes macht die oblata diese Bewegung doch nur spärlich und wider-
1176, 1252; 1252, 1254; *Andernach. Schreinsk. No. 169, 13. Jh. 2. H.; Bd. 3, 56, 1269;
Hennes ÜB. 2, 242, 1276; Cod. Lac. 88, 1280. Endhch bemerke man noch eine Proprietas
auf 1 Generation Lac. ÜB. 1, 46, 85, 910, und eine Proprietas auf 2 Generationen MR. ÜB.
1, 94, 859.
1) Die Prekareien verteilen sich nach zeitlicher Anordnung folgendermafsen auf die ein-
zelnen Institute: Prüm MR. ÜB. 1, 14, 762—804; 19, 765; 21, 767; 23, 772; 30, c. 777;
33, 786; 105, 866; 110, 868; 118, 880; 119, 881; 120, 886; 137, 895; 180, 943; 186, 948;
190, 945—50; 219, 964; 235, 971; 291, 1016; — JEchternach MR. ÜB. 2, 20, 832; 21, 833;
26, 861—3; 27, 864—5; 28, 866—67; 32, 10. Jh. 1. H.; — SMaximin MR. ÜB. 1, 153,
909; 154, 909; 163, 917—923; 163, 923; 165, 926; 170, 929; 205, 959; 206, 960; 212, 963;
245, 975; 251, 978; 268, 993; 269, 993; 272, 993—6; 273, 996; 450, 1123; — Erzstift MR.
ÜB. 1, 158, 925-6; 164, 924; 169, 928; 173, 936; 174, 938; 199, 955; 220, 964; 324,
c. 1045; 338, 1052; — Domkapitel MR. ÜB. 1, 228, 967; 305, c. 1030; 315, 1041; 461,
1128; 2, 221, 1204; 3, 445, 1231; — SMaria-aä-maHyres MR. ÜB. 1, 276, 1000; 3, 437,
1231; — SSimeon MR. ÜB. 1, 341, 1053; 2, 71, 1185; 3, 86, 1218; — Lauch MR. ÜB. 1,
536, 1145; 644, c. 1163; 3, 1287, 1253; — Bommersdorf MR. ÜB. 8, 785, 1243.
2) Dieselbe heifst in den Quellen natürlich stets nur precaria. Einmal, MR. ÜB. 1,
110, 868, findet sich donatio et jDrecaria als fV <^ta övolv.
3) S. für die Precaria oblata z. B. MR. ÜB. 1, 23, 772; 2, 20, 832; 21, 833; für die
Precaria remuneratoria MR. ÜB. 1, 105, 866; 118, 880; 119, 881; 120, 886; 169, 928; 219, 964;
228, 967; 245, 975; 278, 996; 315, 1041. Dabei ist in den zuletzt genannten Fällen der
Prekarist im J. 967 und 975 ein Geistlicher, im J. 996 und 1041 eine verwitwete Person.
4) Für die oblata s. Lac. ÜB. 1, 9, 14, 799; MR. ÜB. 1, 268, 993; Ennen, Qu. 1,
504—5, 42, 1099—1131; MR. ÜB. 3, 513, 1234; 785, 1243; zur remuneratoria s. unten S. 893
Note 1. Besondere Fälle bei der oblata sind MR. ÜB. 1, 19, 765 (der Schenkgeber tritt ins
Kloster, seine Kinder werden Prekaristen) und ähnlich für die Frau Lac. ÜB. 1, 27, 60, 845.
'•) Für die oblata s. MR. ÜB. 1, 14, 762—804; zur remuneratoria S. 893 Note 2.
^) Hierher gehören von der oblata nur die beiden folgenden Urkunden, welche einen
bei der oblata seltenen Übergang in Erbpachtverhältnisse indizieren und offenbar schon unter
Einwirkung der Erbleihe stehen: MR. ÜB. 1, 644, c. 1163: Magareta von Ebernach schenkt
an Laach Allod, behält die Nutzung gegen Zins von 12 d. jährlich: M. et filius eins L de
cetero iarndicta predia possidebunt censualia; . . liberi quoque I., si quos habuerit, similiter
possessionis huius investitm^am de manu abbatis . . accipiant . . . si autem I. decesserit
— 893 — Umwälzung d. Wirtscliaftsverfassung. |
willig mit ; sie bewährt auch hier ihre überwiegende Bedeutung als Schenkung
von Todes wegen bezw. Leibzuchtvertrag, von der bald zu sprechen sein wird.
Um so energischer macht sich bei der remuneratoria die Verlängerung der Leih(^-
frist geltend. Schon seit der Mitte des 10. Jhs. ist hier die blofse Verleihung
zugleich an den überlebenden Teil der prekaristischen Ehegatten eine meist
auf besonderen Gründen beruhende Konzession des Beliehenen an den Leih-
herrn ^ ; für gewöhnlich erfolgt die Beleihung mindestens auf noch eine weitere
Generation, wobei der Erbe meist genau bezeichnet wird^. Doch auch hier-
bei begnügt man sich nicht; seit den dreilsiger Jahren des 10. Jhs. finden sich
vereinzelt Fälle, wo. die ganze zweite Generation in mehreren Erben successive
erbt^, ja ein Fall von drei Generationen konnnt vor*. Da kann man sich
denn nicht wundern, wenn im 12. Jh. der Übergang zu voller Erbleihe erst
angebahnt^, dann voll erreicht wird^.
absque berede, scilicet legitima prole, vel postera eius generatio legitime descendens ab eo
obierit absque liberis, . . predia revertentur ex integro in potestatem Lacensis cenobii,
reservato tamen usufructuario uxori, quamdiu vixerit,- si forte moriens heres uxorem super-
stitem reliquerit. ME. ÜB. 2, 71, 1185: Jemand schenkt an Eberbach einen Weinberg,
vineam . . ab ecclesia hereditario iure possidendam suscepit sub censu 2 s. Coloniensium in
vigilia omnium sanctorum annuatim solvendorum hoc condicto, ut quicunque censum pre-
scriptum in predicto termino solvere tardaverit, in penam negligentie in spatio 8 dierum
sequentium censum duplicabit. si vero et hoc tempus pretergressus fuerit, sine ulla litis
contestatione usus vinee ecclesie sancti Simeonis cedet, et heredes suo iure privabuntur:
hanc enim legem pene vir prenominatus nitro in se et in suos accepit heredes.
1) Vgl. MR. ÜB. 1, 180, 943; 235, 971; 251, 978; 276, 1000; 324, c. 1045; 3, 419,
c. 1230. Höchst sonderbar ist MR. ÜB. 1, 186, c. 948 : Prekarei (remuneratorische) des homo
ingenuus Arnulfus und seiner Frau Alurada wie der Kinder Frithelind und Kunegund. Sie
tragen ihrerseits ihren ganzen Besitz und sich selbst an das Kloster Prüm auf. Post mortem
vero viri Aniulfi , si superstes fuerit eius uxor, copuletur homini sancti Salvatoris, quem pari
consensu eligerimus, teneantque precariam cum alodo, donec illa vixerit, sed deserviat eam
maritus solito servitio. predicti vero infantes iHorum similiter sancti Salvatoris coniungantur
hominibus, quibus nos voluerimus, habeantque alodum prefatorum parentum suorum in bene-
ficio, servientes convenienter pro illo, redeatque precaria in potestatem iamdicti senioris
nostri sancti Salvatoris. si vero vel mater illorum infantum seu ipsi infantes voluntarie sive
inviti extraneis fuerint desponsate viris, noverint se nee precariam nee alodum habituros.
2) In der Wahl der ersten Generation bleibt er MR. ÜB. 1, 158, 915—26; genau be-
zeichnet ist er MR. ÜB. 1, 154, 909; 163, 923; 164, 924; 165, 926; 170, 929; 199, 955;
220, 964.
3) MR. ÜB. 1, 173, 936; 338, 1052.
^) MR. ÜB. 1, 174, c. 938. Das w^äre also ein Fall der französischen Manusfirma,
s. Lamprecht, Beitr. S. 59 ff.
5) S. z. B. MR. ÜB. 1, 461, 1128; doch liegt hier vielleicht Beneficium vor.
6) S. *Düsseld. St. A. SSeverin Or. 4 Cop. Bl. 9, 1166-1182: Wizlewe de Elenze,
cum ecclesia sancti Severini 8 vineolas circa predictam villam iacentes haberet, ipse quoque
duas de allodio suo vineas . . eidem prefate ecclesie precario iure contulit et easdem vineas
omnes, 10 videlicet, in unam annui census summam computatas sibi et posteris suis here-
ditario iure a fratribus suscepit, ea videlicet conditione, ut singulis annis tempore autiunpni
4 am. vini fratribus inde persolveret, sed ecclesia de vino eodem vehendo naulum redderet
et de navi usque in cellarium dominorum idem vinum sua expensa deferri faceret.
[Wirtschaft cl. Grofsgrundbes. — 894 —
Nach Ablauf der Leihefrist fiel natürlich bei beiden Formen das preka-
rische Gut an den Leiheherrn heim. Um diesen Heimfall zu sichern, war in
ältester Zeit eine Erneuemng wenigstens der oblata von fünf zu fünf Jahren
vorgeschrieben; doch wird dieser Vorschrift in unserer Gegend nur im 8. Jh.
und nur zu dem Zwecke Erwähnung gethan, um sie aufser Kraft zu
setzen^. Beim Heimfall selbst hatte man infolge der ungemein raschen Aus-
bildung gewohnheitsrechtlichen Eigentums während des frülieren Mittelalters
zumeist Schwierigkeiten zu befürchten; darum wurden zu seiner Aufrecht-
erhaltung liesonders strenge Bestimmungen getroffen. Zunächst schlofs man
ganz allgemein die richterliche Interzession aus; es brauchte ferner keine
formelle Übergabe stattzufinden, der Leihherr nahm ohne weiteres das
heimgefallene Gut an sich; endlich kam man zur Festsetzung besonderer
Strafen gegen jeden, welcher den Heimfall hindern würde, und beschwor
den Zorn des Himmels über jede Vertragsverletzung herab ^. Gleichwohl
mögen beim Heimfall vielfache Unordnungen vorgekommen sein^, von
1 MR. ÜB. 1, 21, 707: hanc aiitem precariam non sit necesse de quinquennium in
quinqueunium renovandi. Ebenso MR. ÜB. 1, 23, 772; 33, 787.
2) MR. ÜB. 1, 21, 767: post meum discessum, vel quandocunque vobis placuerit [! vgl.
die zweitfolgende Urkunde], cum omnes res immelioratas vel exquisitas . . absque ullius-
expectata traditione recipere faciatis perpetualiter possidendum. MR. ÜB. 1, 30, 777: post
meum quoque decessum ipsas res emelioratas (monaclii) absque ullius iudicis consignatione
vel expectata traditione recipere faciant. MR. ÜB. 1, 33, 787 dem Sinne nach wie 1, 21,
doch im Beginn: post meum quoque discessum, quando quidem domnus voluerit evenerit,
ipsas res etc. MR. ÜB. 2, 26, 862—863, wie auch 2, 28, 866—67 lautet die Formel für
den Verletzer nur : imprimis iram dei omnij)otentis incurrat (et omnium sanctorum). S. femer
MR. ÜB. 1, 118, 850: post tuum quoque ex hac luce discessum res memoratas una cum
omni superposito absque ullius iudicis contradictione vel consignatione heredum tuorum in
nostram faciamus revocari potestatem et dominationem. MR. ÜB. 1, 154, 909: si quis vero . .
hanc precariam violare temptaverit, inprimis iram dei et sancti Maximini incurrat et ad
erarium regis 5 Ib. auri coactus exsolvat. Ganz ähnlich, auch für SMaximin, MR. üB. 1,
170, 929, vgl. auch 180, 943. MR. ÜB. 1, 219, 964: der Zuwiderhandelnde legalibus sen-
tentiis subiaceat, et, quod repetit, non evindicet, sed insuper 10 auri Ib. coactus exsolvat.
Eigentümlich ist MR. ÜB. 1, 273, 996: wenn ein Verwandter der Prekaristin den Vertrag
anficht, diese legibus coacta aut presentis articulationem traditionis sanctiat, aut in eodem
comitatu tantundem, vel sicut moris est, in proximo duplum, in tertio triplum restituat, aut
advocatus noster [des Prekareiherrn SMaximin] , quia hec omnia gessimus eins consilio et
instinctu, si negligens exactor exstiterit prefate traditionis vel retributionis, ne advocati negli-
gentia feriatur, detrimentum monasterii de suo componat.
^) MR. ÜB. 1, 305, c. 1033, Urkunde Erzbischof Poppos : ex quadam meorum fidelium
relatu mihi revelabatur verissimeque dicebatur, plurima infra extraque vallem Trevericam
predia iacere, que si tantum ins et legem voluissem sequi et implere, iuste sine ullius con-
tradictionis impedimento mee ditioni potuissem subiugare. idcirco quia quedam ex sancti
Petri meoiTimque predecessorum thesauro olim emerentur ipsorumque potestat^ quedam
manticiparentur, atque non propter aliud hec predia eorumque censum tamdiu esse sublatum,
nisi propter incuriositatem inquisitorum oblivionemque dominorum, quod ut ex communi voce
senum et iuvenum percepi, statim in Rorici advocati placito super hec exclamavi. Geht wohl
auf Prekareien. Eine wird wirklich revindiziert. S. auch MR. ÜB. 1, 450, 1123.
— g95 — Umwälzung d. Wirtschaftsverfassung.]
re^iiläreiii Heiinfall erzählt die urkundliche Überlieferung unserer Gegend nur
einmal ^
Während der Dauer der Prekarei sollte das prekarische Gut wohl ge-
halten werden; es sollte gebessert an den Leihherrn heimfallen. Demgemäfs
war Verschlechterung, Verminderung und teilweise Veräufserung verboten;
im übrigen war die Dispositionsfreiheit der Beliehenen gewahrt, sie scheint
sich sogar bis auf Untervergabung erstreckt zu haben ^.
Als Nutzungsentgelt oder zur Rekognition zalilte der Prekarist der remune-
ratoria me der oblata einen Zins. Doch wird der Zins bei der remuneratoria bis-
weilen nicht genannt^, und wo er vorhanden ist, scheint er bei dieser Form
schwerlich über eine blofse Rekognition hinausgegangen zu sein*. Anders bei
der oblata; hier [finden sich bisweilen beträchtlichere Zinsleistungen ^\ wenn
freilich auch hier Rekognitionszinse das Gewöhnliche sind^. Der Zins mufste
jährlich an einem bestin unten Termine, meist zu Martini, gezahlt werden ; bei
Zinssäumnis war mindestens Zahlversprechen, häufig auch eine Konventional-
strafe zu leisten. Eine Entziehung des Prekareigutes infolge von Zinssäumnis war
dagegen nicht zulässig^.
Speziell auf dem Gebiete der Zinszahlung bezw. sonstiger Festsetzung
jährlicher Leistungen entwickelt sich nun die oblata in gesonderter Weise
^) MR. ÜB. 1, 396, c. 1198: clomina I. de Salmana prediis suis nobiscum precarie
commutatis die sua mortem obiit, et summa prediorum suorum cum omni integritate sancto
Petro tradita in nostram episcopalem potestatem concessit.
2) MR. ÜB. 1, 21, 767: ipsas res, dum advivo, non perdam, et nihil exinde penitus de
(puilibet rem alienandi et minuandi pontificium [!] habere non debeam. Ähnlich MR. ÜB. 1,
30, 777. Vgl. ferner MR. ÜB. 1, 173, 923: cum omni libertate atque securitate illarum
rerum omnimodis usibus secundum propriam dispositionem potiantur. MR. ÜB. 1, 431, 1115:
Erzbischof Bruno giebt predium quoddam, quod habui in Liemena, an das Domkapitel hac
ratione ac lege, ut quotannis vite mee in die ordinationis mee . . caritatem refectionis inde
accipiant. Aus MR. IIB. 1, 474, nach 1134, sowie 557, 1150 ergiebt sich, dafs Bruno dies
Gut precaria quadam acquisivit de domina Mageda fideli laica.
3) Bei der oblata fehlt der Zins wohl nur MR. ÜB. 3, 513, 1234, ohne dafs eine
Gegenleistung des Leihherrn genannt wäre. Über letztere s. bald unten S. 896.
*) Zum Zins bei der remuneratoria vgl. MR. ÜB. 1, 106, 867; 220, 964.
5) MR. ÜB. 1, 21, 767; 110, 868; 569, 1152.
6) MR. ÜB. 1, 14, 762—804; 23, 772; Cardauns Rh. Urkk. 12, S. 357, 1095—9, Brau-
weiler: quidam miles nomine A. dedit sancto N-o pro sua et uxoris sue sepultura 15 morgos
et possessiunculam ; pro hiis reddit per singulos quatuor d., quia ad vitam suam eos recepit;
MR. ÜB. 3, 445, 1231; 1151, 1252.
'^) MR. ÜB. 1, 21, 767: si de isto censu tardus aut negligens apparuero, fidem exinde
faciam et ipsum censum solvam; MR. ÜB. 1, 30, 777: et si de ipso censo negligens aut
tardus apparuero, cum fide facta pro censo solvere faciam et de ipsas res expoliatus, quamdiu
advivo, esse non debeam; MR. ÜB. 1, 105, 866: quodsi de hoc censu tarda aut negligens
apparueris, legis compositionem exinde facias, et ipsas res minime perdas. Ebenso MR. ÜB.
1, 118, 880. S. ferner G. ep. Camerac. 1, 54, MGSS. 7, 421, 874—5: et si de ipso censu
tardi aut negligentes apparuerimus, fidem inde faciamus, et contra supradictam Dei ecclesiam
hoc componamus. Die Konventionalstrafe beträgt 10 Ib. Gold 30 pondo Silber.
[Wirtschaft d. Grofsgrimdbes. — 896 —
weiter ^ Dabei verliert sich freilich der Name Precaria bei den Rechts-
geschäften, welche ihrer Fortentwicklung angehören, seit der Mitte des 10. Jhs.^,
nachdem vorher ein beständiges Abnehmen der alten Fonn bis zum zeitweiligen
völligen Aussetzen stattgefunden hatte ^. Gleichwohl kann man die im fol-
genden beschriebenen Nutzungsformen als Fortsetzungen oder Ausläufer der
oblata ansehen. Der alte Vertrag der oblata wird nämlich jetzt nur noch
entschiedener zu dem, was er schon stets gewesen, zur bedingten Schen-
kung von Todes wegen. Das zeigt sich vor allem in der Ausgestaltung
der Bedingungen, welche der Schenkgeber, der als Beliehener erscheint,
seinerseits aufstellte. Hier ist es ' das Gewöhnlichste , dafs ein Zins nun-
mehr nicht vom Beliehenen, sondern vielmehr vom Leihherrn gegeben
wird; und dieser Zins, nur sehr selten Rekognitionszins, nimmt häufig genug
Höhen an, welche das Ganze als Vertrag im Sinne der Leibzucht oder geradezu
als Leibgeding erscheinen lassen *. Damit nicht genug : seit dem letzten Viertel
1) Nur selten finden sich bei der remuneratoria Fälle, welche den im folgenden besprochenen
Erscheinungen bei der oblata entsprechen; vgl. aufser MR. ÜB. 1, 173, 996 noch Lacombl.
ÜB. 1, 120, 188, 1032: der vir nobilis F. u. s. Frau W. schenken ihren Besitz in 2 Marken
der Abtei Werden. Der Abt nimmt sie in fraternitatem und giebt ihnen cuncta que tradi-
derant . . dupliciter iure precario zurück ... (es ist viel, was er zugiebt, ca. 12 Mausen)
statuens eis insuper quotannis ex sua parte dari duas Ib. d. Frisie monete (in Werden!)
et 8 eminas vini. uxori vero . . . si diutius (marito) vixerit, totius pactionis huius
medietatem usque ad finem vite sue concessit; et si illis ab ullo successorum eins
aliquid de his imminuatur, sive vir sive femina supervixerit , sua recipiendi libera potestate
utatur. Lac. ÜB. 1, 159—60, 247, 1031: reicher Edler — söhnelos — schenkt an Werden;
cuius bona voluntate dilectati tarn ego [abbas] quam omnes fratres mei eum in plenam
societatem tam corporaliter , quam spiritualiter data prebenda suscepimus, et pecunie pluri-
mum, quod suis tunc necessitatibus pernecessarium fuit, gratanter contulimus. Dann giebt
man ihm noch eine Prekarei, für sich, s. Frau u. s. einzige Tochter, unter der Bedingung, dafs
nach der dreier Tode ihr Besitz an Werden fallen soll. MR. ÜB. 3, 419, c. 1230: W. de
Lisura cum uxore sua I. communionem nostre fraternitatis accipiens quatuor vineas ecclesie
[SMaria ad mart.] contulit, et curtem nostram in (Lisura) . . cum appenditiis suis colendam
et inhabitandam accepit. sciendum autem, quod si post mortem alterius alteri superesse
contigerit, superstes bona defuncti sine contradictione obtinebit, sed sine consensu nostro
matrimonium non presiimet. ambobus autem defimctis bona eorum ad ecclesiam nostram in
perpetuum pertinebunt.
2) ;5un^ erstenmal fehlt er MR. ÜB. 2, 27, 864—5, sonst ist er vor MR. ÜB. 1, 205,
959 stets vorhanden, setzt aber seit dieser Urkunde völlig aus. Dafs gleichwohl eine Fort-
setzung der alten oblata vorliegt, mag schon MR. ÜB. 1, 205, 959 beweisen : Jemand schenkt,
empfängt zurück non proprium, sed beneficiarium . . ea tamen ratione, ut eundem censum,
quem ab illius abbate cenobii . . iniunctum ibidem ad praesens persolvimus, usque ad obitum
nostrum omni anno . . persolvamus.
3) S. unten S. 897 Note 2 die Tabelle.
*) Vgl. MR. ÜB. 2, 32, 10. Jh. 1. H.; 1, 292, 993—996; Lac. ÜB. 1, 112, 181, 1045;
MR. ÜB. 1, 341, 1053; Lac. ÜB. 1, 146, 225, 1073-75; MR. ÜB. 1, 654, vor 1169; 2, 48,
1120— 1169 (pactum dandi vini genannt); Ennen, Qu. 1, 561, 78, 1169; 572, 87, 1176.
Höchst eigentlünlich ist Bd. 3, 56, 1269, wo der halbe Ertrag als Zins seitens des Leih-
herrn stipuliert wird. Eine klassische Form der alten Precaria oblata dagegen bietet dann
— 897
Umwälzung d. Wirtschaftsverfassung.]
des 12. Jhs. wird es in formeller Anlehnung vernmtlicli an die Ausbildung"
der Preearia remuneratoria auf melu'ere Generationen gewöhnlieh, derartige Leib-
gedinge sogar auf weitere Nutzniefser, als nur den Erstbeliehenen zu er-
streckend Natürlich verliert die oblata mit diesen Vorgängen endgültig ihre
von jeher geringe Bedeutung als Landnutzungsform; sie wird zur blofsen
Verkehrsobligation, welche unter die Kategorie der Leibrentenverträge gehört.
Aber hatte de.nn die andere Form der Prekarei, die Preearia remuneratoria
mittlerweile irgend eine weitere Wichtigkeit als Landleihevertrag erhalten?
Sehen wir davon ab, dafs die remuneratoria seit Schlufs des 10. Jhs. anfing,
seltener zu werden^, dafs auch hier, blieb gleich das Institut im wesentlichen
noch MR. ÜB. 3, 1175, 1252: Jemand schenkt an Himmerode ein Gut, ius dominii et
proprietatis earundem rerum in ipsum monasterium transferens, usumfructum vero ipsarum
rerum mihi quoad vixero reservans, quo defuncto ipse usufructus ad dictum monasterium
transibit libere et absolute, ego etiam in recognitione premissorum promisi . ., annuatim
quoad vixero 12 d. Colonienses me in festo beati Martini soluturum.
1) Vgl. MR. ÜB. 2, 15, 1172; MR. ÜB. 3, 445, 1231: ein Priester E. schenkt an
Himmerode einen 86 Ib. Trever. werten Weinberg ita, quod ipse E., quamdiu vixerit vel
quamdiu voluerit esse in seculo, teneat et colat eandem vineam concessione abbatis . .
daturus ex eadem vinea pro recognitione singulis annis 2 am. vini . . et post ipsius mortem
vel si deo dante seculo renuntiaverit, tunc eandem vineam absque contradictione cuiusquam
monasterium assumet sibi et perpetuo possidebit. sane ipso de hac vita vel seculo migrante
abbas et conventus duas personas, pro quibus ipse rogavit, mulierem scilicet quandam et
üliam suam, quamdiu vixerint, procurabunt hoc modo, quod dabunt eis annuatim 8 mir.
siliginis et V2 mir. leguminis et quart. de pultibus [ ! 1. pulmentis] et utrique tunicam et duos
calceos. si una earum mortua fuerit, quicquid ei de hiis competebat, mortuum erit; utraque
mortua totum hoc donum mortuum erit. MR. ÜB. 3, 785, 1243 : H. von Engers und Frau
schenken terram arabilem an Kloster Wülfersberg iure proprietatis possidendam et colendam
sub annua pensione 4 mir. siliginis, quam dicta ecclesia persolvet eis, quamdiu vixerint, sub tali
conditione, quod si predictus H. decesserit et relicta eins C. in continentia viduali permanserit,
de predictis 4 mir. 2 solummodo ab ecclesia recipiat annuatim. si vero contraxerit [ ! 1. contra-
ierit], sciat se prorsus a bonis illis alienatam, nee in aliquo tenebitur ei ecclesia respondere.
MR. ÜB. 3, 944, 1248: ein Kölner Bürger und seine Frau schenken an Sayn Geld, wofür
das Kloster einen Weinberg kauft. Hiervon wird es den Eheleuten 4 am. Wein geben
singulis annis, quamdiu vixerint. post mortem vero unius 2 ame remanebunt ecclesie, de
quibus defuncti memoria peragetur; et superstiti tantum [so zu lesen] 2 ame, quamdiu
vixerit, persolventur. post mortem autem utriusque ecclesia erit libera a tali pacto et
pensione; et pro tali beneficio memoria defimctorum agetur debita devotione. S. ferner noch
MR. ÜB. 3, 1176, 1252; 1276, 1280.
Zahl der Verträge.
8. Jh.
2.H.
9. Jh.
l.H.
9. Jh.
2.H.
10. Jh. 10. Jh.
l.H. i 2.H.
1
ll.Jh.
l.H.
ll.Jh.
2.H.
12. Jh.
l.H.
12. Jh.
2.H.
13. Jh.
l.H.
Preearia oblata 7
3
2
7
—
1
1
3
2
Precar. remuneratoria
—
—
6
9
8
4
3
1
2
2
Zur Aufstellung s. oben S. 891 Note 2.
[Wirtschaft d. Grofsgrimdbes. — 898 —
erhalten \ doch der Name spätestens mit dem Schlufs des 12. Jhs. unver-
ständlich geworden ist^, so war diese Precaria auch sonst nicht geeignet,
als wirtschaftliche Landnutzungsform weitere Bedeutung zu erlangen. Ihre
Aufrechterhaltung lag, wenigstens in späterer Zeit, wesentlich im Interesse der
Leiheherren; sie war zu einer Form des Grunderwerbs geworden für solche
Güter, welche man ohne weiteres im freien Kauf zu erwerben nicht die Kraft
hatte ^. Kann man von diesem Gesichtspunkte aus schon die Precaria oblata in
der letzten Fassung des Leibgedinges für einen Vertrag ansehen, welcher es
erlaubte, unter längeren Abzahlungsterminen gxöfsere Erwerbungen zu machen,
so gilt das noch viel mehr und von Anfang an von der Precaria remuneratoria,
in welcher die Nutzung des vom Leiheherrn eingebrachten Grundstückes so zu
sagen ein Amortisationskapital für den Erwerb des seitens des Beliehenen
zugeschossenen Grundstückes vorstellte. Dieser Bedeutung entsprechend kommt
nun auch die Precaria simplex nur selten und nur in früher Zeit als einfache
Landnutzungsform im Sinne eines Pachtvertrages vor ^ ; meist dagegen gehören
1) Man vgl. die schöne Form noch ^Andernach. Schreinsr. No. 85, G. 1352, 1256:
ein Ehepaar überträgt sein Haus an SMarien-Andernach ea conditione, ut domum memorate
ecclesie dicte domui contiguam, quamdiu vixerint, simul possideant, et de illis ambabus
domibus dimitiam mr. memorato conventui solvant censualiter annuatim. post mortem vero
ipsorum predicte domus ad monasterium absohite revertentm\
2) Noch in der 1. H. des 11. Jhs. gilt die Precaria (Prestaria) als gewöhnliches Rechts-
geschäft, vgl. MR. ÜB. 1, 306, 1035: als Rechtsgeschäfte an Grund und Boden werden ge-
nannt donum, prestaria, concambium ; und MR. ÜB. 1, 319, 1042: potestas tenendi
tradendi vendendi commutandi praecariandi vel quicquid sibimet placuerit inde faciendi. Da-
gegen kennt Cardauns, Rhein. Urkk. 10, S. 354, 1061 als Rechtsgeschäfte dieser Art nur
vendere, commutare und inbeneficiare. Precaria bedeutet seit Schlufs des 12. Jhs. schon
Bede, s. MR. ÜB. 1, 102, 1190 (auch Honth. Hist. 2, 97, 1318); precator curtis ist um 1200
ein Hofpächter, s. MR. ÜB. 2, Nachtr. 9, cit. oben S. 578 Note 1; und ins precarium ist
um 1300 Bederecht, s. Bd. 3, 108, 24, 1301.
3) So sehr deutlich Lac. ÜB. 1, 123—4, 192, 1057. Man vgl. ferner Ennen, Qu. 1,
467, 13, 965: praedium . . per precarium nostrae ecclesiae [Erzstift Köln] acquisitum,
MR. ÜB. 1, 291, 1016: der Abt von Prüm stattet die Kollegiatkirche zu Prüm aus ex
proprietatibus, quas ipse iure praecario acquisivit absque omni monachorum sibi subditorum
detrimento. MR. ÜB. 1, 324, ca. 1045, Urkunde Erzbischof Poppos: existimavi, ut vel
multum felicitatis anim^ mee inde adtraherem, si quod non habui nee in proprietate sancti
Petri inveneram, qualicumque modo meis bonis possem adquirere, unde in primis episcopalis
sedis predia augerentur et cum quibus augmentis cetera monasteria suis necessitatibus postea
melius sublevarentur . . macht Prekarei. MR. ÜB. 1, 337, 1052: basilicam (in Polch), quam
per precariam ac iuris mei residuo necnon et proprio censu adquisieram [Erzbischof Eber-
hard]. S. auch MR. ÜB. 1, 273, 996, remuneratorische Precaria, bewilligt dm'ch die Prekarei-
herren, die Mönche von SMaximin: utilitatibus monasterii nostri successorumque nostrorum
consulentes detrimentumque penurie nostre pre illorum commoditate parvi pendentes.
*) Vgl. UPrüm No. 104, Gemmerich; Cardauns, Rhein. Urkk. 3, 344, 948, s. auch
Roth, Feud. S. 140. Man kann hierher auch ziehen MR. ÜB. 1, 14, 762—804 : ad excolendum
vel collaborandum usualiter, ähnlich a. a. 0. 21, 767. Wenn die Güter seit 12. Jh. Mitte im
allgemeinen kleiner werden, so liegt das vielmehr im Verfall des Instituts, als in einer
segenbringenden Abänderung seiner Anwendung begründet. Übrigens konnte auch Fahrhabe
neben Grundeigen in Prekarei gegeben werden, vgl. MR. ÜB. 2, 20, 832.
— g99 — Umwälzung d. Wirtscliaftsverfassung.]
Abschlüsse in ihr nur den besser situierten Schichten, nicht armen Pächtern,
an\ und sie wird zu Transaktionen verwendet, in denen es sich nicht um
kleinere Leihegrund stücke, sondern um j>anze Höfe, ja Kirchen, Klöster und
Grundherrschaften handelt ^. So bildet sie im eigentlichen Mittelalter nur eine
korrelate Leiheform zum höheren Lehnsvertrag ^ und wird wirtschaftlich nur
vereinzelt, etwa zur Einbringung eines Inventars bei Verpachtungen u. dgl.,
])enutzt'*.
Also sind es nicht die prekarischen Leiheformen gewesen, welche die
p]ntwicklung erblicher und zeitlicher Pachten in der Stauferzeit vorbereiteten;
höchstens liefse sich in der Ausdehnung der Leihefristen in ihnen auf zwei
oder drei Generationen ein Moment erblicken, von welchem die Annahme
gelten könnte, es habe der Erbpacht vorgearbeitet.
Wir können daher, soweit nicht etwa gar eine voraussetzungslose und
spontane Entwicklung des 12. und 13. Jhs. vorliegt, eine Vorbereitung der
späteren freieren Pachtformen nach dem, was auf Seite 891 auseinandergesetzt
ist, zunächst nur noch im Beneficium der karolingischen Zeit suchen.
Indes bereits in karolingischer Zeit kam neben dem Beneficium doch
noch eine andere Form der Landnutzung auf, welche weder als prekarisch
noch als benefizi arisch gelten kann, sondern im Gegensatz zu diesen
fiTien Foraien als spezifisch grundhörige Landnutzungsart bezeichnet werden
mufs. Gewifs waren die freien Hintersassen ursprünglich auf dem Wege
freien Vertrages, sei es durch Precaria, Beneficium oder auch durch ein-
fache Kommendation, in die Grundherrschaft gelangt; nunmehr aber, bei
1) Vgl. z. B. MR. ÜB. 1, 186, c. 948; 219, 964.
2) S. MR. ÜB. 1, 105, 866; 118, 880; 119, 881; 120, 886; G. ep. Camerac. 1, 54,
MGSS. 7, 420—21, 874—5; Sigeh. Mir. Cap. 2, § 17; MR. ÜB. 1, 137, 895; 169, 928;
V. Ger. Tüll. 21; Chron. s. Mich. Vird. 8, MGSS. 4, 81, c. 960; MR. ÜB. 1, 838, 1052.
Vgl. auch Roth, Feud. S. 139-40.
3) Bisweilen steht sie geradezu für diesen, vgl. MR. ÜB. 1, 338, 1052: die Söhne des
Grafen Walram von Arlo sollen die erzstiftischen Güter in Igel und Korrig bis in linem vite
haben und davon als servitium leisten 40 scutatos ex ista parte Alpium; et si iter episcopi
vel regia expeditio ultra Alpes fuerit, 20 mittat. Die Verleihung ist prekarisch. S. auch
V. loh. Gorz. c. 110. Zum Übergehen in Lehnsformen vgl. aufser MR. ÜB. 1, 450, 1123
namentlich MR. ÜB. 1, 536, 1145: ein Priester H. schenkt an Laach; auf sein Bitten wird
der geschenkte Besitz duobus fratribus [donatoris] et unius uxori in feodum hereditarium
legitime delegiert (delegatum), unter jährlichem Martinszins von 2 s. si alteruter horum
fratrum . . feodum suum vendere vellet, ut primum fratri suo, deinde sanctimonachis emptum
preberet atque pro maiori, quam pro 6 mr. argenti, nullatenus mutuaret. Von den Brüdern
ist einer Kleriker, der andere Laie. Stirbt der erste, so soll der Laie erben, stirbt der zweite,
so dessen Kinder. Hat er keine Kinder, so erbt die Frau, nullam habens potestatem id
vendendi aliasve stabiliendi solummodo ad iinem vite sue eo frueretur. Erbt der Kleriker
alles, so soll er so verfügen, ut ecclesia horum proprietate bonorum niülatenus unquam careret.
^) S. Korth in Ann. d. bist. Ver. f. d. Niederrhein Heft 44, 72, 1247, und auch
*Chartular von SArnual Koblenz St. A. 1259, MR. Reg. 3 No. 1551: Konstituierung einer
Erbpacht gegen Zins von 1 mr. Silber zu Westhofen bei Worms, zu deren Gütern die
Pächter 3 Morgen Eigenland zul)ringen.
[Wirtschaft d. Grofsgrimdbes. — 900 —
längerer Dauer ihres Aufenthaltes innerhalb der Grundherrschaft, gestaltete
sich ihr Eechtsverhältnis doch wesentlich um. Durch die ständige Berührung
mit den hörigen und unfreien Zuständen des ältesten grundherrlichen Bestandes
gewann das anfangs dem gemeinen Recht angehörende Verhältnis zum Grund-
herrn besondere Formen ; der Einflufs der grundherrlichen Gewalt durchdrang es
und verlieh ihm den besonderen Charakter grundhöriger Landnutzungsform. So
hätten sich denn sehr wohl innerhalb der Grundherrschaft volle, nur grundherrlich
gestaltete Analoga des Beneficiums und der Precaria ausbilden können. Wenn
das nicht geschah, wenn vielmehr die grundhörige Landnutzungsform in sich
geschlossen in einen einfachen Gegensatz zu den freien, gemeinrechtlichen
Formen des Beneficiums und der Precaria trat, so ist der Grund in der be-
sonderen Einwirkung der hörigen und unfreien Verhältnisse auf die Land-
nutzungsart der freien Hintersassen zu suchen, so wie dieselbe unter dem
gi^olsgrundherrlichen Bestreben einheitlicher Wirtschaftsorganisation statthatte.
Die Tendenz der Unifikation aller Landnutzungsformen innerhalb derselben
Fronhofsverwaltung, welche sich im 9. Jh., vor voller Ausbildung der Hof-
genossenschaft mit ihrem materiellen Weisungsrecht, noch ganz anders wie
später geltend machen konnte, führte dazu, die Landnutzungsverhältnisse der
freien Hintersassen und des alten hörig-unfreien Grundstocks der Grundherr-
schaft gegenseitig anzunähern und zu verschmelzen. Dieser Prozefs war schon
am Ende des 9. Jhs. und seitdem für das ganze frühere Mittelalter soweit
abgeschlossen, dafs den freien Landnutzungsformen der Precaria und des
Beneficiums nur 6ine gemeine Form grundhöriger Landnutzung gegenüber-
gestellt werden^ konnte.
So stellt sich denn das Problem, in welcher Weise die wirtschaftlich
freieren Landnutzungsformen der Stauferzeit vorbereitet worden sind, nach
Abweisung von gröfseren Einwirkungen der Precaria nunmehr dahin, dafs die-
selben entweder in dem Beneficium bezw. dessen späteren Entwicklungsformen
oder aber auch in der grundhörigen Landnutzung und deren Abwandlung Vor-
läufer gefunden haben können. Beide Alternativen sind nach einander zu
betrachten; für beide werden sich in der That Anknüpfungspunkte nach den
freien Landnutzungsformen späterer Zeit hin ergeben^.
Zunächst vom Beneficium. Abzusehen ist hier natürlich vom hohen
Lehen späterer Zeit: mit diesem als einer politischen Bildungsfonn der Karo-
^) Noch nicht ausgeglichen erscheinen die Gegensätze am Schhifs des 8. Jhs., s. Lac.
ÜB. 1, 3, 4, 794: an Werden schenkt jemand totam terram illam, quam L. litus meus
incolebat et proserviebat, et unum agrum, quem H. ingenuus homo in meo beneficio ante
habuit. Dagegen s. aus später Kaiserzeit MR. ÜB. 3, 145, 1220: Kornelimünster verkauft
an Kloster Sayn sein Allod zu Urmitz salvo iure hereditarionim et exceptis hominibus in-
feodatis. Hier sind unter hereditarii die gesamten Grundhörigen verstanden. S. auch noch
Bd. 3, 82, 40, 1280.
2) Möglich, wenn auch für die Moselgegenden unwahrscheinlich und quellenmäfsig nicht
zu belegen, ist eine dritte Art der Anknüpfung, nämlich diejenige an die freieren Nutzungs-
foiTTion der städtischen Entwicklung des 11. imd 12. Jhs.
— 901 — Umwälzung d. Wirtscliaftsverfassung.]
linger- und tVülien deutschen Kaiseizeit liaben wir hier nichts zu schaffen,
wenn es auch freilich seit dem 12. Jh. ins Wirtschaftliche herabsinkt. Es
handelt sich hier viehnehr nur um Zinslehen — aufserdem um ministerialisches
Lehen aus Gründen, deren Stichhaltigkeit aus der folgenden Darstellung bald
erhellen wird.
Was zunächst die formale Entwicklung beider Arten angeht, so folgt
dieselbe mutatis nmtandis der Entwicklung des politischen Lehens ; namentlich
ist allmählich eintretende Erblichkeit, wenn auch nicht für alle Fälle, zu
konstatierend
Das Zinslehen mit seiner ursprünglichen Bindung an das Leben des
Leiheherrn wie des Beliehenen sowie mit seinem Einziehungszwang bei Deterio-
ration, Zinssäumnis und Ableugnung des benefiziarischen Verhältnisses ist schon
seit dem 8. Jh. allseitig ausgebildet und hält sich in dieser Form, unter Zu-
sicherung lebenslänglichen oder erblichen Niefsbrauches , das ganze frühere
Mittelalter hindurch. Nur kommt es sehr spärlich vor, wird meist nur für
kleine Nutzungsobjekte angewendet, hält sich späterhin von Abschwenkungen
in grundhörige Verhältnisse nicht immer frei, und erscheint somit vornehmlich
als eine seltene Xutzungsform der unteren Klassen, als benelicium lazgüt oder
feoduni servile^. Doch leuchtet ein, dafs das Zinslehen, soweit es nicht
1) Benetiziarische Form auf Lebenszeit Lac. ÜB. 1, 117, 186, 1051; für Mann und
Frau MR. ÜB. 1, 374, 1074; ferner ME. ÜB. 2, Nachtr. 4, S. 336, um 1200: Theodericus de
Kerpena omnibus hoc scriptum inspecturis notum vobis esse volumus, quod nos feodum, quod
dominus Winemarus de Manderscheit tenet a nobis, concessimus domine Hildegardi uxori
eins, si dictus W. maritus eins ante ipsam obierit, per dies vite ipsius tenendum. Weiter
geht MR. ÜB. 1, 450, 1123: der Abt von SMaximin beklagt sich über Wegnahme seines
Mannes (homo suus) Anselm von Mollesberch cum beneficio suo, quod avus illius a
Poppone abbate per precariam sibi suisque acquisivit heredibus. SMaximin erhält es zurück
unter dem Beding, iit A. et iilius eins H. benehcium idem ab . . abbatibus amodo pacifice et
quiete possideant et beneficiario ab eis iure deserviant. si autem ipsi sine heredibus
defuncti fuerint, tunc eadem bona beato Maximino libere et integerrime redeant. S. ferner
*Düsseld. St. A. Pant. Or. No. 13, 1145: ego Hecelo civis Coloniensis beneficium meum, quod
ab ecclesia beati Pantaleonis ex paterna possessione possederam, accepto pretio eidem ecclesie
reddideram, rursumque a manu domini Gerhardi abbatis eiusdem loci recepi ea conditione,
ut quamdiu advixero, annuatim censiun 10 s. et mo. tritici atque 2 cappones in festo sancti
Martini villico de Sulzege persolvam. post mortem vero meam uxor mea ipsum beneficium
susceptura 10 s. dabit, insuper et censum prescriptum. si autem ipsa obierit, aut ego aut
quicumque heredum meorum ipsum beneficium sub eadem conditione optinebimus.
2) Zui' Verbreitung s. wohl schon Lac. ÜB. 1, 3, 4, 794, cit. oben S. 900 Note 1^
fenier MR. ÜB. 1, 89, 855; 93, 856; 104, 871; Lac. ÜB. 1, 44, 82, 902; Chron. s. Mich.
Vird. c. 8, MGSS. 4, 81, c. 960; — aus späterer Zeit Ennen, Qu. 1, 587, 96, 1183; üStift
421, Altrich. Von besonderem Interesse sind Ennen, Qu. 1, 572, 87, 1176: ein Bürger von
Köln war von SUrsula-Köln beneficiatus . . bonis feodalibus et bonis censualibus, que vulgo
lengüt et lazgüt dicuntur. MR. ÜB. 2, 127, 1192, Grundherr Laach, Hof Heimbach und Ben-
dorf: si aliquod beneficium, quod lazgüt dicitur, vacare contingat, abbas liberam potestatem
habeat [gegenüber dem Vogt] illud locandi, cuicumque suo placuerit arbitrio; USMax.
S. 441, Kenn 8d: est ibi feodum servile 1^/2, que solvunt villico 9 d. Lehnsbuch
V. Boland, 13. Jh. Mitte, S. 44: L de D. habet 11 feoda in villa (Dill und Rödern
[Wirtschaft d. Grofsgmndbes. — 902 —
griiiidliörig beeinflufst war, ohne weiteres in Erbpacht übergehen konnte, ja dafs
die Unterschiede zwischen beiden Instituten fliefsende sind^ Im Zinslehen
lag also unmittelbar eine Einrichtung vor, deren Anwendung — nun in der
Form der Erbpacht — eine gesteigerte sein muTste, sobald der alte grund-
hörige Verwaltungsnexus sich überall zu lösen begann; ein Samenkorn, das
hundertfältige Frucht tragen mufste, sobald mit der Verwitterung der bisher
übermächtigen Institutionen grundherrlicher Wirtschaftsverwaltung ein günstiger
Boden für seine Entwicklung geschaffen war.
In hohem Grade eigentümlich auf die Lockerung dieser alten Institu-
tionen selbst, unter gleichzeitiger Erzeugung einer freieren Nutzungsform,
wirkte aber namentlich das ministerialische Lehen. In karolingischer Zeit
konnten die Ministerialen mit Benefizien ausgestattet sein; als häufiger vor-
konmiend denkt sich das Cap. de villis c. 10 dies Verhältnis namentlich bei
dem Meier. Später, in der deutschen Kaiserzeit, ist die Ausstattung der
Ministerialen mit Lehen ganz allgemein^; man spricht geradezu von Dienst-
lehen ^. Nun wurde al)er die Gruppenbildung der Ministerialen für diese Be-
gabung meist ziemlich weit gefafst; innerhalb der Grundherrschaft des Erz-
stiftes Trier finden sich z. B. um die Mitte des IL Jhs. als ministerialisch
belehnt Jäger und Fischer, Zimmerer, Maurer, Baumeister und Steinmetzen*, und
schon im 7. Jh. begegnet ein Müller innerhalb eines Grofsgrundbesitzes, welcher
in einer dem späteren Lehen analogen Weise l)ehandelt wird ^. Auch die Vertreter
der besseren Anbauarten zog man noch in diesen Kreis hinein, so namentlich
bei Kirchberg, Kr. Simmern). MPi. ÜB. 3, 1067, 1250: quatuor bona, que vulgo lein nim-
cupantur, curtis (Rommersdorfiensis) site in Wintere. S. ferner die lehrreiche Urkunde Bd. 3
No. 96, 1319. Von Interesse ist auch WRommersheim 1298, G. 2, 520: oef einich lienman
eins abts empfienge guit wieder einen lienberichen man umb einen zins, dae sal und mach
ein abth mit dem man brechen und buessen, gleich anderen seinen mannen.
^) Man vgl. MR. ÜB. 1, 461, 1128: A. sancte dei ecclesie devotus et fidelis amicus
[wohl ein Freier] erhält vom Domstift possessiunculam meam et curtilem, in qua habito, in
Euren, hereditario iura, nach vorhergegangenem Streit, et ego et proles mea. predictam
curtilem suscepimus in capitulo sancti Petri, presentibus et annuentibus fratribus, coram
ministris fratrum et melioribus Urie civibus. Erblehen oder Erbpacht?
2) Vgl. beispielsweise MR. ÜB. 2, 99, 1164—1189; 8, 86, 1218.
3) Vgl. Erhard, CD. bist. Westf. 2, No. 276, 1150.
*) MR. ÜB. 1, 338, 1052, s. auch hierher gehörig Lehnsbuch AVerners II. v. Boland
S. 31 : hü sunt proprii homines mei a meo predio inbeneficiati. G. de M. habet de me 2
mansos in M. et inde Bolandie castelianus est. U. de B. habet predium . . et inde Bolandie
sessor est. Andere Inbeneiiciaten sind sagittarius coquus sessor castelianus.
^) ]MR. ÜB. 1, 6, 6, 686: molendinos meos 4 sitos super Cmnam [Bach La Cmne, fl.
bei Longuion in den Chiers] fluveolum, quos ad presens E. molinarius tenet, vel qui
tunc tempore molinarius fuerit, cum familia. Später treten dann für die Mühlen meist Pacht-
verhältnisse ein, vgl. oben S. 890 Note 1, besonders Ennen, Qu. 1, 547, 71, 1158, und MR. ÜB.
2, 49*, 1181.
— 903 — Umwälzung d. Wirtscliaftsverfassung.]
die Weinhaueni ^ liatteii sie doch in inorowiniiisclier Zeit noch eine den Arti-
Hces, den Handwerkern, analoge Stellung im groisgrundherrlichen Betriebe-.
Indem man aber die Weinbauern ministerialisch belehnte und sie so
von den übrigen Bauern innerhalb der Grundherrschaft unterschied, schuf man
zugleich für eine mit fortschreitender Kultur immer weiter um sich greifende
Klasse der landarbeitenden Bevölkerung ein eigenes Recht und eine bevor-
zugte Stellung. Die übrigen Ministerialenämter und -Stellungen waren nicht
zahlreich oder sonderten sich, soweit sie zahlreich waren — so die Klasse der
einfachen minist erialischen Krieger — vom wirtschaftlichen Lehen ab: hier
aber, im Weinlehenbau, waren nun umfangreiche Gruppen besser situierter
und bevorrechteter Bauern entstanden, welche sich überall lokal für sich
organisierten und deren freiere Stellung den Rechts- und Wirtschaftswünschen
der gemeinen Grundhörigen als erstrebenswertes Ideal erscheinen mufste^.
Nach alledem kann man die Wingertbauerschaft geradezu als ein Mittel-
glied zwischen höherer Ministerialität und Hofgenossenschaft, als die Aristokratie
der grundhörigen Bevölkerung bezeichnen. Als solche treten sie schon in den
ältesten Quellen bis zum 9. Jh. hin auf, wenn es auch nicht möglich ist, für
diese Zeit schon den Bestand einer besonderen Verfassung der Weinlehen
quellenmäfsig sicher zu erweisen*. Und in der That lag in ältester Zeit ge-
wifs_ mehrfach ein Hindernis für den eigentümlichen Ausbau dieser Verfassung
darin, dafs sich die richtern, meistens die Substrate der Weinlehen, noch nicht
von der an ihrem Ausbau l)eschäftigten grundhörigen Hufe getrennt hatten,
mithin der gemeinen grundherrlichen Behandlung dieser und ihres Inhabers
noch mit unterlagen^. Später dagegen, abgesehen von einzelnen viel früheren
Beispielen generell wohl spätestens im Verlauf des 11. Jhs. , als die Pichtern
1) Vgl. noch MR. ÜB. 1, 335, 1051 (Fälschung).
2) S. oben S. 16.
^) Man vgl. nur die Stellung eines solchen Wingertlehnsmannes in der Urkunde des
MR. ÜB. 1, 647. 1166: quidam familiaris noster [des Münstermaifelder Stifts] R. de Meirla
[Merl] veniens ad nos pro quihusdam beneficiis suis ad ecclesiam nostram pertinentibus
[petivit] . . , quatinus ea, que certa eatenus habuerat, certissima et inconvulsa scripto quoque
nostro confirmata permanerent . . . itaque vineam in Brüle sitam, quam ipse ecclesie nostre
ante contulerat, cum duobus integris feodis . . sub eodem iure, quo ceteri eiusdem curie
homines sua beneficia possident, feodali videlicet iure sibi successoribusque suis habenda
concessimus. domum vero nostram ibidem in (Merl) sitam cum curia et ortulo adiacente
cum omni utilitate eorum hac determinatione ei assignavimus, quatinus collectas advocatorum,
quas ibidem vulgari nomine guwerf vocant, exinde persolvat, torcular preparet et cellarium
hospitibus fratribus et nuntiis nostris fideliter exhilieat. hoc quoque annectendum censuimus,
quod nee duobus nee pluribus posteritatis sue heredibus prenominata beneficia vel suscipienda
vel aliqua industria dispertienda concedemus. S. auch MR. ÜB. 3, 1265, 1254.
*) Vgl. oben S. 16, ferner Honth. Hist. 1, 91, 698, cit. oben S. 411 Note 6; Würth-
Paquet, Table d'Echternach 1, 46; MR. ÜB. 1, 64, 836; 118, 880.
■5) Vgl. hierzu und zum folgenden oben S. 411—412, auch Bd. 2, 73 f., 75, 215 No. 8.
Zur vollen wirtschaftlichen Ausgestaltung des Weingutes s. oben S. 580, sowie Bd. 3 Wortr.
u. d. W. manewerc.
[Wirtschaft d. Grofsgmndbes. — 904 —
sich von den Miitteiiuifen getrennt hatten und selbständige Weingüter bildeten^
bestand diese Schwierigkeit nicht mehr.
Doch läl'st sich in einzehien Fällen der alte Zusammenhang der späteren
Wingertslehenverfassung mit der grundhörigen Gemeinverfassung, die Herkunft
des Pichterlehenbrauchs aus der Grundhörigkeit der Mutterhufe noch sehr
wohl verfolgen. So wird z. B. bei einer Neurodung von Weinbergen durch
Wingertlehnleute innerhalb der Grundherrschaft SMaria - ad - martyres - Trier
seitens des Abtes des Klosters gegenüber den Lehnleuten festgesetzt: in ipsa
beati Martini festivitatis die tres am. vini mihi meoque in posterum successori
persolvant et easdem die eadeni in Velreche quocunque modo deferant. quod-
si ibidem conveniente familia mea vinum acceptabile probabitur, rata et in-
dissolubili conventione fruantur; si vero aliqua inter utramque partem contro-
versia oritur et detractionis causa vinum fortassis inreprobabile reprobabitur,
duos superioris proxime et totidem inferioris ville vires iudices sibi constituant
et eorum super hac re deliberationem ratam teneant. preterea si pro qualitate
temporis a Novimagio usque Diedenhoven ama vini quinque s. carior habe-
bitur, tres ame 15 s. a debitoribus supradictis redimantur, sin autem, non
aliud quam vinum persolvant, quod habitantes Velreche sub banno vendendum
accipiant. si vero suo tempore omnis hec non servabitur conventio, libera
ecclesiae restituatur possessio ^ Hier wird also die Zinszahlung der Wingert-
lehnleute in erster Instanz noch unter die Kontrolle eines abteilichen Fron-
hofes gebracht: eine Ingerenz allgemein grundhöriger Verhältnisse, welche
sonst bei der Weinlehenverfassung der Regel nach vermieden wird^.
Vielmehr ist eben die thunlichst weitgehende Trennung von den sonstigen
gemeinen grundhörigen Kontrolleinstituten die Grundlage aller Selbständigkeit
der Weinlehngüter. So wird z. B. meistens die Zahl der gemeinen Hofdinge,
welche die Lehnleute zu besuchen haben, auf eins beschränkt^; wo eine
Fronhofsvogtei besteht, sucht man die Lehnleute von ihr zu befreien*; und
1) MR. ÜB. 1, 432, 1115.
2) Verwandte Fälle, wie den oben angeführten, bietet noch Bd. 3, 30, so, 1263; 67, 33,
1275; 93, 3, 1287. S. auch WLonguich 1408 § 16, cit. oben S. 575 Note 6.
3) MR. ÜB. 2, 40, 1140.
*) Vgl. dazu die lehrreiche Urkunde MR. ÜB. 3, 67, 1217: cum dominus Wilhelmus
abbas sancti Martini Trevirensis silvam quandam . . vinearum cultoribus pro censu deter-
minato ad propagandas vineas sapienter exposuisset, Matheus de Ponte miles eosdem
vinearum cultores graviter incepit molestare et, acsi homines sui essent, iura advocatie et
exactiones violenter extorquere, cum tamen ipsi silvam eandem censualiter et secundum ius
civile ab abbate suscepissent. hac igitur iniuria domno Richardo predicti abbatis successori
ab eisdem vinearum cultoribus relata, ipse abbas Matheum de Ponte militem coram nobis in
iudicio convenit, causam, cur homines ecclesie beati Martini de silva predicta censuales
iniuste vexaret, diligenter requirens. ipse vero Matheus eandem silvam ad villam Irsch per-
tinere respondebat Der Wald wird dem Ritter und seinen angeblichen Gewährleuten
abgesprochen, er verzichtet zu Merzig vor dem Erzbischof. Darauf geht der Abt nach Trier
und setzt alles den predictis vinearum cultoribus auseinander. Ipsi igitur vinearum cultores,
. — 905 — Uinwälzung d. Wirtschaftsvedassung.]
häufig genug beruht der Zusaninienhang mit der sonstigen Fronhofsverfassung
nur auf der Thatsache, dafs der Fronhofsnieier zugleich dem besonderen Bau-
ding der Wingertslehnleute vorsitzt. So bei Bingener Weinlehngütern ; hier
ist der Meier von u. h. wegen ein riechter über das manwerke ; davon gebeut
u. h. ime in dem hierbst ein ame wins in dem hoif^
Ja meist wird nicht einmal dieser Zusammenhang gewahrt: die Lehn-
winzer schliefsen sich, wie bald genauer zu zeigen sein wird, zu einer völlig
für sich stehenden Anbaugenossenschaft ab, welche ohne die Vermittlung der
Fronhofsverfassung in direktem Verkehr mit dem Grundherrn steht. Darum
erklärt das WBingen, wohl vom Jahre 1425, sofort in § 1, die Mannwerke
(Lehen wingerte) seien geheißen manwerke umbe des willen, were die hait, die
sint davon unser heren man und auch ine verbuntlich, als ein man sinen
heren plichtig ist. Infolge dieser durchgehenden genossenschaftlichen Abson-
derung treten natürlich an die Stelle der Meier anderweitige, meist nur zeit-
weise und kommissarisch funktionierende Vermittler zwischen dem Grund-
herrn und der Genossenschaft, wie es MR. ÜB. 2, 40, 1140 heifst: cultores
vinearum legato abbatis, non villico compositionem faciant pro delicto^. Der-
artige Vermittler heifsen meist Vininuntii oder Vindemiatores , zu deutsch
Windelboten ^; es sind vornehme Herren, bei den geistlichen Instituten meist
die Pröpste oder Kellner oder auch hervorragende Schultheifsen ^, in den welt-
qiiatenus firmius observarentur , que gesta fuerant, ut rursiim coram scabinis et civibus aliis,
quorum subarata sunt nomina, silvam predictam publice resignarent, ab iisdem tribus viris
uno ore postulaverunt. illi ergo petitioni eorum satisfacientes , coram sculteto scabinis et
civibus Trevirensibus rursus eodem modo, quo prius, unanimiter resignaverunt et quicquid
iiu'is in ea se habere dixerant coram cunctis efestucaverunt.
1) WBingen 1425 (?) § 16. Dies Bingener Weistum, wie ein paar Notizen aus dem
WEllenz 15. Jhs. und anderen Stücken dieser Zeit seien hier zu viel früheren Zeiten
angeführt, da sie noch ganz den alten Zustand der Wingertslehnverhältnisse erkennen lassen.
Im übrigen liegt uns hier die allerdings sehr lohnende Aufgabe, die Entwicklung des Wingerts-
lehens noch über die Stauferzeit hinaus eingehend zu verfolgen, fern; nur noch einzelne be-
sonders bezeichnende urkundliche Nachrichten des späteren Mittelalters sollen herangezogen
werden. Für eine genauere Schilderung würden von Weistümern namentlich in Betracht
kommen die soeben genannten WBingen 1425 (?), G. 4, 590 f.; WEllenz 15. Jhs., G. 6, 533 f.;
ferner WWolf 15. Jhs., G. 2, 815 f.; WRhens, G. 6, 485 f.; WChür 1514; WMüstert 1529;
Trierer Hofw. 1555, G. 2, 283; WÜrzig 1565; WEllenz 1644; Scotti, Chur-Trier 1, 643, 1655;
WBendorf 1671; WFraishof bei Ürzig 1686, G. 2, 368; WBremm 1727, G. 2, 806; WKröv,
G. 2, 383; WLehmen, G. 2, 464; WMallendar, G. 1, 611; WNiederemst, G. 3, 807; WPün-
derich, G. 2, 403; WRuwer, G. 2, 298.
2) Vgl. auch Ennen, Qu. 2, 98, 89, 1225; MR. ÜB. 3, 633, 1238, wo aufser dem
Nuntius auch der Grundherr einmal jährlich erscheint; Bd. 3, 31, 25, 1263 (gleichberechtigt
der curtilanus).
3) S. USMax. 466; Ges. von Prüm zu UPrüm S. 180 Note B, cit. unten S. 910 Note 11
(auf S. 911); Bd. 3 Wortr. u. d. W. Windilbode. Das Wort ist vermutlich Übersetzung von
nuntius vindemiaram.
*) Vgl. MR. ÜB. 1, 652, 1168 (eine Urkunde, auf welche noch öfter im folgenden
Bezug genommen wird): Ludwig Abt von SMatheis bekennt, quod . . salicam terram
Lampreclit, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 58
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 906 —
liehen Gnmdherrschaften anfangs höherstehende Schultheifsen , später inner-
halb der Territorialverwaltimg Amtleute und Kellnert Sie kommen meist
zur Herbstzeit, häufig an den Ufern von Mosel und Rhein zu Schiffe, um zu-
gleich die fälligen Zinse mitzunehmen: so erscheint z. B. zur Zeit der Wein-
lese ein Kölner Domherr als dominus windilbodus zu Schiffe in Erpel ^.
Allein neben dem kommissarischen Vertreter der Grundherrschaft hatten
die Wingertslehngenossenschaften da, wo sie aul'ser jeder engeren Berührung
mit der Fronhofsverfassung standen, vielfach noch einen dauernden Beamten
und zugleich meist Genossen in ihrer Mitte. Es ist ein dem Meier korrelater
Beamter, nicht selten unter dem Namen Baumeister; wie der Meier den
Fronhof, so baut er meist ein Stück Weinberg in direkter Nutzung für den
Herrn und führt von des Lehnsherren wegen die Aufsicht über die Genossen-
schaft^. Unter ihm oder unter sonstigen Beamten der Genossenschaft finden
sich dann noch hier und da Subalterne und Diener, Kelterknechte und Wein-
einnehmer, welche bisweilen auch die Bezeichnung Windelboten führen*.
nostram . . duobiis iTisticis de familia nostra B. et R. . . hereditario iure concesserim ea
conditione, ut vineas in ea plantent et colant, et a presenti anno et deinceps, quicquid inde
provenerit, ad torcular nostrum deferant et ibi sine aliqua exactione exprimant, dimidietatem
qiioque fructus ecclesie fideliter representent et de reliqua parte decimas suas persolvant.
proxima vero septimana post festum sancti lohannis baptiste nimtii abbatis vel prepositiis
ecclesie aiit cellerarius sive scultetus lustrabiint vineas, si bene ciüte plantate et stercorate
sunt; et in cuiuscunque hereditate ista deesse perspexerint, aut legitimam emendationem
faciat aut hereditate sua privabitur. similiter autem circa festum sancti Remigii, quando vineis
custodie adhibentur, predicti nuntii abbatis et ecclesie lustrabunt vineas, si bene custodite
sunt; et si aliquem defectum ex negligentia vineis inesse iudicaverint, aut legitime emendabunt
aut hereditate sua privabuntur. si autem, quod absit, egestate coacti vineas suas transactis
9 annis vendere voluerint, veniant ad abbatem et ad ecclesiam et vel recipiant, que ab abbate
offeruntur, aut per manum ipsius et consilium fratrum in tali loco ponant, ubi ecclesia nullum
detrimentum patiatur. Das Ganze wird pactio genannt.
1) Bd. 3, 513, 23, c. 1320; 525, 9, 1325; WBingen 1425 (?) § 5; Bd. 3 No. 254, 1472;
WOberheimbach 15. Jhs., cit. oben S. 576 Note 3.
2) WErpel 1383 § 5 f.
^) S. MR. ÜB. 3, 53, 1216: in (Mallendar) curtis honesta cum molandino et ibidem
30 iugera vinearum et amplius, quorum 10 de expensis [ipsius possessoris] excoluntur, a reli-
quis vero, que colonis sunt concessa, portiones, prout compromissum est, cum totali decima . .
persolvuntur. S. feiner UPrüm S. 180 Note B des Cesarius von Prüm; WBacharach, G. 2,
222: ouch haut u. h. buwemeister reicht, vy^anne u. h. herbst is ind anegeit, so suUent si in
u. h. sal gehn ind sinen herbst indoin, ind sullent riden uf daz velt und besehn, daz ieme
reicht geschehe; ind davon gift man in ein sum. habern. ind sal der buwemeister sime wibe
heim senden eine zweimaiß wins, zwei breit ind zwe schußelen mit spisen, daz ist sin reicht.
Vgl. auch Bd. 3 No. 301, c. 1320.
*) WOberheimbach 15. Jh.: sal ein underschulteiße , wan man unsers herren dritteil
leset, in das feit gen und helfen deilen, darumbe sal ein schulteiß mit sime stabe und
hünde in dem hofe eßen, und alle abent soliche rüwe verhorn von den schützen' mit
biwesens der burgermeister , und furter in unsers herren hof gan und laßen fragen die
Windelbodden und kelterknecht; die sollent unserm herren gelobt und gesworn hain. und
werez das einer adir me soliche zenden adir deil nit hette geben, dem sal der schulteiße
— 907 — Umwälzung d. Wirtschaftsveifassung.]
Innerhalb dieses im Einzelfalle sehr verschieden ausgebildeten Beamten-
apparats i)ulsierte nun das kräftig und eigenartig ausgebildete Rechts- und
Wirtschaftsleben der Genossenschaft. Schon die Konstitution des Lehnsver-
hältnisses, wie sie durch Empfängnis und Huldigung gegenüber dem Herrn
vor sich ging\ zeigt da, wo wir sie, wie meist im Falle neuen Anbaues,
noch in ihrer Entstehung beobachten können, besondere und sichere Formen.
Die Weinberge bezw. das in Weinbergen auszubauende Land wird den Lehn-
leuten erblich zu voller Nutzung und gegen einen bestimmten Zins verliehen ^ ;
meist besteht derselbe in einer Teilbauquote ^. Sind die Weinberge noch nicht
gebaut, so tritt zunächst auf eine Reihe von Jahren, bis zu 8 Jahren hinauf.
Zinsfreiheit ein*, wie denn auch innerhalb des Lehnsverhältnisses bei bedeu-
mit recht nahegen, und die einunge ist der gemeinde, als von alders, der da hait gelesen
ußenwendig des bannes. S. auch Bd. 3, No. 301, c. 1320.
1) MR. ÜB. 2, 43, 1149; W. im Hamme 1339, G. 2, 25; *ULelimen, Hs. Koblenz
St. A. CXIa, Bl. 38 iJ, c. 1340; *U. des Propstes Elias von Münstermaifeld , Rechte der
SFloriner Weinlehenleute zu Braubach, Hs. Koblenz St. A. CXI», Bl. 33 *: notandum quod
quandocunque bona quecunque aut qualiacunque supradicta per mortem aut alias vacare
contigerit, tunc unusquisque recipiens dicta bona tenebitur facere fidelitatem domino et pen-
sionario prebende de eisdem et solvet officiato domini pensionarii eorundem bonorum 6 d.
Brabantinos pro iiure dicto intfenkeniz.
2) Darüber, dafs der Zms nötig, s. MR. ÜB. 2, 43, 1149.
3) Hierüber Genaueres unten S. 909 f. Zunächst vgl. MR. ÜB. 1, 342, 1235 (nicht
1055, s. Goerz MR. Reg. 2, 2164), kapitularischer Lehenbrief von SSimeon für Weinbergs-
anlage: notum facimus, quod campum in Münster iam vitibus plantatum, per quem panis
siligineus servientibus congregantibus vina dominorum sancti Simeonis Treverensis ibidem
per autumpnum amministrabatur, eundem campum sub debita cultura vinearum indulsimus
H. C. A. 0. L. I. D. D. hereditario iure colendum, hac conditione videlicet interposita,
quod medietatem vini nobis ex eodem campo provenientis in suis expensis presentabunt.
*) Vgl. aufser der auf S. 905 Note 4 gedr. Urkunde MR. ÜB. 1, 652, 1168 die später noch
mehrfach in Betracht kommende und deshalb hier sofort völlig zum Abdruck gebrachte Ur-
kunde im MR. ÜB. 1, 386, 1092: ego Poppo sancti Simeonis quartus prepositus notificari
omnium fidelium Industrie volui, terram dominicalem in curte Hoinga non multum usque ad
mea tempora utilem ad qualem utilitatem converterim. nam praeter ea, que inveni ab
antecessore meo Burchardo instituta, qui 7 iugera dedit ad vineas ponendas medietatem vini
fratribus redditura, feci, ut iugera octo vitilius instituerentur, ea videlicet conditione, ut post
primos 8 annos medietas ibidem crescentis vini in tempus reliquum ad fratres rediret; item
alia totidem id est 8 iugera dedi, ut singulis annis 8 s. inde solverentur fratribus. reliquam
etiam omnem dominicalem terram statui singulis annis pro 3 Ib. et 2 s. , curtim etiam stabu-
lariam pro censu 2 s. susceperunt Engelbertus et Hetzel. Hetzel etiam susceperat a prede-
cessore meo Burchardo dimidiam hubam ad censum 3 s. quod totum primum cum [1. coram]
advocato ipsius boni Gerlach et cum [coram] prudentioribus et fidelioribus eiusdem familie viris
denarratum, deinde in conspectu totius familie collaudatum, apud Treverim tandem in monasterio
ipsius sancti Simeonis, cuius hec terra est, et in presentia fratrum ibidem deo et sancto Simeoni
famulantium definitum et corroboratum est, ne quis successorum meorum vel aliqua mundana
potestas rem consilio ordinatam infringere posset, sed ut stabiliter permaneret a generatione
in generationem.
58*
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. . _ 908 —
tenden Meliorationen Zinsnachlässe die Kegel sind^ Über das Lehngut er-
hält der Winzer nur nach einer ältesten Nachricht scheinbar unbeschränkte
Verfügungsfreiheit ^ ; nach allen sonstigen Nachrichten ist ihm nur der Verkauf
gestattet, die Belastung durch Eentbegebung und Verpfändung dagegen ver-
boten. Mit Recht sieht das WBingen § 9 diese Stellung des Weingutes
geradezu als privilegiert an: ein iglicher manwerke sal also fri sin, das nie-
mant die vorsetzen oder vorpfennen sal vor kein scholt, dan er mag das wolle
verkeufen, in maißen als obg. stet. Beim Verkauf aber bestand zumeist ein
Vorkaufsrecht des Lehnsherrn, und bei Verzicht auf dessen Ausübung blieb
die Zustimmung des Lehnsherrn zu anderweitigem Verkauf erforderlich^.
Natürlich stand das WeingTit auch nach Verkauf noch im alten Lehnsnexus:
wan ein manwerker sin manwerk verkeufen wil, so sal derselbe, de das also
kauft halt, das also entphangen und ofnemen vor dem meier als vor einem
riechter, vor dem keiner in dem hoif und vor zwein manwerkern . . und
soliche ofgabe sol vor den vorgenanten vorbot werden, der bodwin ist 4 s. hl.
Dem beschränkten Verfügungsrechte der Lehnsbauern stand ein unbeschränktes
Veräufserungsrecht des Lehnsherrn in der Weise gegenüber, dafs derselbe
einzelne Weingüter nebst ihrem Lehnsinhaber aus der Lehnsgenossenschaft
heraus vergeben konnte*.
1) *U. des Propstes Elias von Münstermaifeld, Rechte der SFloriner Weinlehnleute zu
Braubach, Hs. Koblenz St. A., Bl. 33 *: habent ex gratia omnes inquilini predicti usque ad
vohmtatem domini prebende, quod quicunque aliquam vineam, quam ab ipso domino prebende
tenuerit pro media parte, fimo emendaverit infra festum penthecostes quolibet anno, ille
recipit crementum illius vinee, quam sie fimo emendavit, totum illius anni et non ultra, et
deinde medietatem prout est consuetum; quam quidem emendationem iudicabunt et videbunt
suo iuramento duo inquilini viciniores dicto emendanti fimo vineas huiusmodi, ut est
prenarratum.
2) MR. ÜB. 1, 198, 952, ältestes Weinlehen: Erzbischof Rotbert wird gebeten, ut
cuidam villico (des Domkapitels) vocabulo Widoni cum suis paribus aliquid iuris nostri
renmi in proprietatem largiremur. Er giebt an Wido cum suis sodalibus in marca et villa
Villere an verschiedenen Stellen der Flur terram indominicatam ad vineas plantandas.
postquam autem constructe erunt, antedictus Wido cum suis sodalibus nobis et successoribus
nostris omni anno ad festivitatem sancti Martini ex eisdem vineis 4 situlas vini persolvent,
sub ea nimirum ratione, ut ab hac die ipsi et posteri suorum more hereditario habeant
potestatem deinceps tenendi donandi commutandi vendendi et quicquid voluerint faciendi.
Das Ganze wird donatio genannt. Doch ist hier wohl nur an Veräufserung innerhalb der
Genossenschaft gedacht. Immerhin ist auch in diesem Falle die Freiheit aufsergewöhnlich
grofs: sollte sie vielleicht nur auf einer Kanzleifloskel (potestas . . faciendi) beruhen, welche
dem Schreiber der Urkunde so geläufig war, dafs er sie unpassend anbrachte?
3) MR. ÜB. 1, 652, 1168, cit. S. 905 Note 4; Ennen, Qu. 2, 98, 89, 1225; Bd. 3, 60, so,
1271. Der Fall eines Kaufes seitens der Herren liegt MR. ÜB. 2, 82, 1186 vor: H. custos
von SMaria-ad-martyres vineas a rusticis quibusdam, videlicet H. D. H. , qui easdem vineas
iure hereditario a nobis receperant, . . comparavit. Das Kloster vineas a prememoratis rusticis
in manus nostros resignatas . . officio custodie . . deputavi[t]. Die Weinberge lagen nach
MR. ÜB. 2, 83, 1186 in croada . . ecclesie censuali iure vinicolis locata; und zwar hatten
H. ein diumale, D. und H. je V2 diurnale.
4) Vgl. z. B. MR. ÜB. 1, 486, 1136.
— 909 — Umwälzung d. Wirtscliaftsverfassung.]
Wie diese Bestimmungen über VeräuTserung, so ergeben sich auch die-
jenigen über Vererbung vorwiegend nur als partikulare Ausbildung der
Satzungen des gemeinen Lehnrechts. Im allgemeinen bestand für die Ver-
erbung, im Gegensatz zu den grundhöriger Nutzung unterworfenen Landgütern ^
Anerbenrecht, als Erbfolge 6ines nächsten Erben in das ungeteilte Erl)e";
dabei kam es bisweilen vor, dafs Majorat herrschte oder stipuliert wurde ^,
oder dafs der Lehnslierr sich vorbehielt, aus den nächsten Erben den ihm
passendsten als Anerben auszuwählen*. Aufserdem wurden wohl nicht selten
auch die Weiber successionsfähig. So im WBingen 1425? § 3: ob ein man-
werker, maus- ader frauwenpersone , abginge von toits wegen und keine
erben hette, so salt solich manwerke u. h. verfallen sein, als ander manlehen.
und ein amptman ader u. h. keiner in dem hoif sal und mag das vorter ver-
üben, weme sie wollent, ane allen intrag. Gegenüber diesen Fällen einheit-
licher Erbfolge ist nun die Möglichkeit der Succession mehrerer Erben unter
Teilung des Weingutes nur spät und selten entwickelt ^ : offenbar griff sie erst
um sich, als eine Deterioration des Lehnbegriffes, wie allgemein^, so auch im
Weinlehenverhältnis eingetreten war.
Der Zins, w^elcher für die Weinbergsnutzung gegeben wurde, war fast
durchweg im Sinne des Teilbaues festgesetzt^; es kommen Quoten von Zwei-
1) S. oben S. 648, 65L
2) Ein klassisches Beispiel bietet MR. ÜB. 2, 40, 1140, der Abt von SMartin-Köln
für die Gehöfer in Winningen: dominicalem terram, que legali verbo seleguet appellatur,
possidentibus hereditario iure sie concessimus, ut post decessum abbatis successor eins illis
auferre nequeat, et doniim semel collatum immutabile pemianeat. possessor quippe bona sua
quiete teneat, quo defuncto proximus heres absque contradictione succedens prius curie satis-
faciat et deinde eadem bona cum pace firma et omni gratia habeat.
^) MR. ÜB. 2, 101, 1173—1189: quas vineas [in Trier] per successores heredum . .
maiores natu illius pärentele in Providentia semper habebunt et colent et statutam pensionem
inde annuatim persolvent. Es ist ein unseren Betrachtungen schon zum guten Teile fem:
liegender Ausnahmefall , um eine Stiftung aufrecht zu erhalten. Erfüllen die Erben zur
Stiftimg gehörige Bedingungen nicht, si moniti . . incorrigibiles apparuerint, liceat cognatis
duos alios idoneos viros de eadem cognatione eligere.
*) Vgl. die auch sonst wegen ihrer detaillierten Angaben interessante Urkunde im MR.
ÜB. 3, 633, 1238, auch ebd. 667, 1239.
5) S. oben S. 652 Note 4.
6) S. oben S. 648—649.
^) Charakteristisch für die regelmäfsige Existenz des Teilbaues bei Weinlehen ist die
Fordemng des WBingen 1425? § 3 für nicht in Teilbau liegende Weinlehen: man sal die
[manwerke] auch alle jare besehen und damit halden, als ob is theilegudere weren. Zins
findet sich z. B. in den Bd. 2, 211 d verzeichneten Stücken. Im übrigen s. auch oben S. 582,
sowie Lamprecht in Conrads Jahrbb. N. F. 11, 343. Noch heutzutage herrscht an Mosel
und Rhein vielfach Weinteilbau, zu etwas früherer Zeit vgl. Beck, 1, 255, 258; v. Schwerz
S. 174.
[Wirtschaft d. Grofsgiundbes. — 910 —
drittel, der Hälfte^, eines Drittels^, Viertels*, Fünftels^, Siebentels^, ja
nur Zehntels^ vor. Dabei fiel der Zehnt wenigstens im Falle des Halfen-
baiies auf die Ertragsseite des Lehnsbauern ^. Die Ausscheidung der lehns-
herrlichen Quote erfolgte entweder so, dafs das Weinland realiter geteilt
und der Ertrag eines bestimmten Teiles dem Herrn zugewiesen wurde ^, oder
bei weitem gewöhnlicher so, dafs der Herr zum Herbst einen Einnehmer
sandte, welcher vom Ertrag des gesamten Weinlandes die lehnsherrliche Quote
abhob. Indes begnügte man sich da, wo Teilbau eingeführt war, längst nicht
in allen Fällen mit dem quotalen Zins. Neben demselben waren die Lehn-
leute vielmehr zu vielfachen anderen Zinsen und Leistungen verpflichtet, bald
zu Fronden ^^, bald zu kleineren Abgaben an die lehnsherrlichen Beamten ^\
1) MR. ÜB. 1, 568, 1152: Weinberge zu Chür, bisher zu zweidrittel Trauben aus-
gegeben, werden nun an den Meier H. gegeben : H. hereditario iure, quamdiu ipse viveret, ad
dimidiam partem ipsam [vineam] fideliter colendam suscepit, ita tarnen, quod post mortem
ipsius nuUum alium, quam fratres et ecclesiam nostram [Domkapitel] heredem inde sub-
stitueret. Hier waren also zweidrittel offenbar zu viel gewesen. S. auch Cesarius zu UPrüm
S. 157 Note 2, und S. 180 Note B.
2) S. MR. ÜB. 1, 386, 1092, schon cit. S. 907 Note 4, eine der frühesten sicheren Stellen
über den wohl zweifellos aus Frankreich zu uns gedrungenen Teilbau (vgl. Lamprecht, Bei-
träge S. 61 ff.). Vgl. ferner beispielsweise CRM. 1, 277, 1143, Bodendorf; 4 partes vinearum
similiter empte, solventes dimidium vini; MR. ÜB, 1, 568, 1152, cit. oben Note 1; USMax.
S. 432, Liesch 9c : ultra Mosellam petitura, ad quam pertinent 4 iug. terre, solvens medium
vinum; UKarden 11. — 12. Jh.: das Stift hat zu Müden vineas in diversis locis positas, que
ad medietatem coluntur, ebenso in Pommern; s. auch UStift 399, Pallast, cit. oben S. 413
Note 2; Bd. 3, 32, is, 1263; 134, 4o, 1325; 513, n, c. 1320; 514, le, c. 1320; s. auch Bd. 3
Wortr. u. d. WW. halbscheit, halbeteil, media pars, medium vinum.
3) *Trier Stadtbibl. 1661 Bl. 96 ^ 12. Jh.; USMax. S. 441, Longuich 8d: vinee . .
solvunt dimidium vinum ... 12 vinelle, que tertium solvunt; USMax. S. 443, Detzem 8d:
habemus et ibi vineas, que solvunt medietatem; habemus ibi vineas, que solvunt tertiam
partem. Ebenso in Longuich 8d, USMax. S. 441. Vgl. auch Bd. 3 Wortr. u. d. WW. drube
und tertia pars.
*) *Chart. SSimeon, Trier Stadtbibl. 1611, Schmutzblatt des vorderen Deckels, um
1300; Bd. 3 Wortr. u. d. WW. drube, quarta pars, virdeil.
•^) USMax. S. 466—7; Bd. 3 Wortr. u. d. W. fünfte teil.
^) USMax. S. 444, Pölich 8d: Weinberge mit Teilbau: septima, quinta, tertia pars.
') WLonguich 1408 § 16, cit. oben S. 575 Note 6 .
^) Ann. d. bist. V. 9 — 10, 255, 1163: Karden hat in Ellenz vineas . . in 7 colonoruin
beneficia distributas, de quibus vineis agricole tantum de sua portione decimas dare solebant,
fratres vero de sua parte dare negabant [an Kloster Steinfeld]; s. ferner MR. ÜB. 1, 652,
1168, cit. S. 905 Note 4; USMax. S. 466—7.
®) USMax. S. 441, Longuich 8d: habet quilibet [mansus] petituram, de qua habemus
7 partes et mansionarius 3 [so zu lesen] . . . habemus et mansum, de cuius petitura solvit
mansionarius 2 partes, de sua tertia dat amam pro censu.
1«) S. Cesarius zu UPrüm S. 180 Note B, cit. unten Note 11; Bd. 3, 31, 22, 1263.
^^) USMax. S. 466 — 467, 20 Petiturae: solvit petitura scolteto sit. vini, vininuntio duo
sext, custodi vinearum tria sext., bedello 1 sext. ; dimidium vinum dant ecclesie nostre; et
de sua medietate decimam dant. — Sunt ibi vinee salice, que dant quintum sext. sine
decima. — Solvit petitura custodi ecclesie d. in die sancti Simeonis, sin autem, in autumpna
— 91 1 — Umwälzung d. Wirtschaftsverfassung.]
bald iiucli zu grölsereii Zinsen im Sinne wirklichen Nutzungsentgeltes ^ Für
fli(^ Festsetzung der letzteren konnte nun ein doi)pelter Weg eingeschlagen
werden: entweder man erhob den Zins vom Gesamtertrage des Weinlehens
vorweg und schritt dann zur Abhebung der lehnsherrlichen Teilbauquote vom
verbleibenden Rest^, oder aber man hob zuerst die Teilbauquote ab und ver-
pflichtete den Lehnsbauer zur Zahlung der sonstigen Zinslasten von der ihm
verbleibenden Quote ^. Beide Systeme finden sich gleichmäfsig in der staufi-
schen Periode ausgebildet. Das ältere von ihnen ist wohl das letztere; es
läfst sich bis zum 11. Jh. hinauf verfolgen* und ist zudem das unpraktischere,
wenn auch anscheinend lukrativere. Im ersten Falle war es nämlich auch bei
geringem Herbst fast absolut sicher, dafs der Lehnbauer seine Zinse leisten
sext. vini in torcular. S. auch Cesarius zu UPrüm S. 180 Note B, eine Stelle, welche be-
sonders ausführlich ist: in Arwilre habemus modo tantum 7 feoda parva; quodlibet illorum
solvit am. vini et colit picturam 1, ubi nos duas partes percipimus; et pro tunna solvit 8 d.,
qui appellantm' waspennege. preterea solvit, ut puto, 2 d., qui appellantur hervestret.
preterea solvit 2 d. ad tectum domus reparandum. solvit etiam sumb. avene et pullum.
inter illa 7 feoda debent bene colere vineam salicam, que sita est in monte iuxta villam;
solvunt etiam fimum ad eandem vineam. minister noster ibidem, qui bomester appellatur,
tenetur de officio suo eandem vineam plantare, quod nos appellamus profen. preterea sol-
vuntur ibi et census alii de quibusdam vineis. summam istorum denariorum recipit vinde-
miator, quem transmittitis vinum vestrum ibidem colligere: que summa ascendit ad 7 s. vel
circa hoc ; qui denarii vel dabuntur pro vasis vel vobis reddentur. Daneben noch ein Villicus.
Cesarius fügt hinzu: denarios illos, qui hervestret appellantur, vult vindemiarius vester pro
suo iiu'e habere, et alios denarios, qui pertinent ad tectum domus reficiendum, ille, qui
moratur in domo.
^) USMax. S. 451, Moertz 5g: habet quisque [mansus] petituram, de qua habemus
4 situlas in censu, et dimidiam portionem vini pro fundo; Bd. 3, 31, 37, 1263.
2) USMax. S. 461, Issel 8d: habet mansus petituram, que solvit quatuor situlas in-
primis; de reliquo nos 2 partes, mansionarius tertiam. Dabei wird der zwischen Lehens-
herren und Lehensbauern zur Teilung kommende Ertrag commune genannt, vgl. aufser USMax.
S. 441 Longuich und S. 444 Pölich, sowie Bd. 3, 513, 21, 1320 besonders USMax. S. 443
Detzem 8d, 20 Petiture: solvit petitura in autumpno de proprio 7 emeros [situlas 1 Red. 2]
vini; item 1 emerum de proprio, qui vulgo wisungemer vocatur; solvit etiam 1 de communi
scolteto nostro, qui vocatur stockemer. . . . soluto censu omni, quicquid de petitura super-
creverit, medietatem dat vininuntio nostro.
^) Zur Veranschaulichung vgl. die teilweis schon oben S. 414 citierte Stelle des
Cesarius zu UPrüm S. 157, Note 2, Mehring: mansionarii, qui tenent feoda nostra, tenentur
picturas illis feodis assignatas bene et optime colere, et in vindemia debent eas colligere et
ad calcatorium nostrum deducere et ibidem in nostro torculari vinum elicere. et duas partes
de vino, quod inde provenit, debemus percipere; de tertia autem parte residua mansionarii
censum nostrum et prepositis nostris iura sua debent persolvere; et si aliquid defuerit eis,
quod non possint iura sua plene persolvere, quod tamen raro contingit, de vino aliarum
vinearum suarum debent defectum illum supplere; et si superhabundaverit de pictura predicta,
sibi possunt reservare. si autem ipsi ista et alia iura nostra non fideliter peregerint, domnus
abbas vel qui locum eins tenet, feoda eorum usque ad condignam satisfactionem debet
absare, id est wronen. Jedes feodum des oberen Hofes zahlt 15 mo. Wein, des unteren Hofes
13 mo. in censu.
4) S. oben S. 415, auch wohl S. 414 Note 1.
[Wirtschaft d. Grofsgrimdbes. — 912 —
konnte, und bei reichlicherem Herbst fiel zudem eine recht erkleckliche Teil-
bauquote ab; im zweiten Falle dagegen war die Lieferung der Zinse bei
kleinem Herbst unsicher. Hiergegen suchte man nun allerdings Vorkehrung
zu treffen durch Herstellung des Systems der Sonderungen , von dem schon
oben S. 414 f. ausführlich die Rede gewesen ist: man forderte vom Weinbauer
neben seinem Lehen eine Kaution in Land, an dessen Ertrag man sich bei
mangelndem Zinsergebnis des Lehens zu halten vermochte. Wer es sache,
sagt das WBingen 1425? § 10, das ein man werk eins jars ader mehe nit
so viele wins getragen het, das der manwerker den zins davon gereichen
niocht, so sal und muß derselbe manwerker in ander sin gTide grifen und den
zins usrichten. Die für diesen Zweck nötigen Güter aber waren schon von
alters her genau bestimmt, und über ihr Vorhandensein wird von der Wein-
lehngenossenschaft Rechenschaft gefordert. So wird z. B. nach WEllenz § 4
auf dem Bauding ausdrücklich gefragt, ob der Herr geschädigt sei mit scheiden
der lein van den sünderen, of der sünderen van den leiman. Gerade diese
Ausbildung der Sonderungen beim Weinlehen bietet nun ein besonderes Inter-
esse ; täuscht nicht alles, so ist sie vorbildlich gewesen für die Ausbildung der
Landkautionen unter dem Titel des Unterpfands oder Angriffs bei den freieren
Pachtformen der Stauferzeit ^ ; war ja doch in der That mit der Beiordnung
einer Landkaution zum Weinlehen schon in der charakteristischen Bezeichnung
Sonderung die Forderung ausgesprochen, dafs der Weinlehnmann zugleich recht-
lich wie wirtschaftlich auch aufserhalb des Lehnsnexus eine freie Position
haben müsse.
Wie in der Entwicklung der Zinsverhältnisse, so zeigen sich auch in
den Bestimmungen über Heimfall ganz die Eigentümlichkeiten des wirt-
schaftlichen Lehens. Während hier nämlich zunächst die bekanntesten Lehns-
vergehen, w^elche Heimfall des Lehens bewirken, mutatis mutandis sämt-
lich erscheinen — Treulosigkeit als Betrug ^, Versäumen der Hofgerichtspflicht
^) Vgl. vorläufig *USElisab. Hosp. Bl. 29 a, Mötsch: filiiis quondam Wolmari presby-
teri de Memche recepit dictam vineam haereditario iure cum omni iure et onere pro dimidia
ama vini annui census primitus calcati praesente mmtio hospitalis; et super hoc univit et
applicavit dictae vineae vineam suam, quae sita est in Leigeth, in banno villae de Merricke
eo nomine, quod vulgariter dicitur anegreth, ut securius dictus census persolvatur. super hoc
habetur Privilegium.
2) MR. ÜB. 1, 486, 1136: Jemand schenkt 13 particule Weinberg zu Minheim an das
Domkapitel. 0. vero de Minhem, qui easdem vineas hactenus studiose ac fideliter operatus est,
opus illud tanquam hereditario iure tenebit, nisi forte vel paupertatis necessitate vel negli-
gentia presumptione easdem vineas in solitudinem redigi permittat, vel fraude convictus.
MR. ÜB. 1, 484, 1136: der Dompropst bezeugt, qualiter vineam unam salic§ terre, quod
vulgo dicitur manuwerc, in villa Curha [Chtir] vocata incultam et fere ad nichilum redactam . .
cuidam homini eiusdem curi§ R. videlicet suisque heredibus colendam concessimus et manu
propria tradidimus, ea scilicet ratione, ut diligenter eam colant et fratribus dimidiam partem
vini tribuant, dimidia parte sibi retenta, et ne cuiquam preposito vel canonico, qui fuerit
predicte vill§ procurator, eandem vineam illis auferre liceat, nisi vel solitudinis vel fraudis
convincantur et iudicio parium suorum ab hac hereditate alienentur.
— 913 — Umwälzung d. Wirtschaftsverfassung.]
als Ungehorsam gegen das lehnsherrliche Aufgel)ot zum Bauding \ endlich
Bestreitung der Lehnsqualität als Weigerung des Empfängnisses " — , so sind auf
der anderen Seite noch zwei wirtschaftliche Voraussetzungen für die Bei-
behaltung des Lehnsbestandes stets scharf ausgesprochen. Es ist das einmal
die regelmälsige Zahlung des Zinses^, dann aber eine fortgesetzt gute Kultur.
Namentlich die letztere Bedingung wird in den Urkunden stets genau formu-
liert und in Detailbestinunungen häufig näher erläutert, Verstöfse gegen sie
werden in den ersten Fällen meist gering, schliefslich aber bei ausbleibender
Besserung mit Verlust des Lehens bestraft*. Doch mag man hierbei ganz
allgemein milde vorgegangen sein, denn im ganzen waren die Lehnsherren
jedem Wechsel der Anbauer abgeneigt^. Zudem aber richteten die Lehns-
bauern über derartige Vergehen selbst^. Denn wie die Gehöfer und die
höheren Dienstmannen, so waren auch die Weinlehnleute in einer besonderen
Genossenschaft organisiert ; dem Hofrecht und Dienstrecht entsprach ein Wein-
^) WBingen 1425? § 14: wer es das ein amptman oder ein keiner von u. h. wegen
<:len manwerker bedorfen weren mit ine zu rieden oder zu fragen das manwerke antreffende,
so sollent ader mogent sie die manwerker in der hoif verboden . . , alsdan sollent die man-
werker gehorsam sin, bi einer pene des manwerks.
2) WBingen 1425? § 8: wer sein Mannwerk nicht richtig empfangen will, so mag ein
keiner von u. h. wegen den ader die manwerke nemen und die vorlihen ader vorkeufen,
weme er wille.
3) MR. ÜB. 1, 432, 1115.
*) MR. ÜB. 1, 484, 1136; 486, 1136, cit. oben S. 912 Note 2; ferner Bd. 3, 515, 19, c. 1325;
WEllenz § 8 : of in des hoefs wingartlengueder einiche boem, widen of anders gewaß unstunt,
dat dem wingart schedlich were, sal der herrn hofman dem lehenman einmail verkundigen,
(dat er) sulches abstelle ; wanne des das dan nit gescheie , wißen wir den herrn of seinen
bevelhaber die ax in die band; sei mögen den schaden also keren und sulches afhauwen
sunder wederred. Bei gröfseren Fehlern Heimfall. WBurgen an der Mosel 1484, § 12:
welche main ein erbe hait ungebuwet, derseloe man mag sulche erbe ungebuwet laissen
ligen das eirste jare ungeboißt, das zweite jar sal er anheben zuzobuwen das erbe, und
das dritte jare sal er usbuwen. is it sach das er des neit doet, so is er boißvellich; und
solche boiß ist diese: mine herre vurb. sal mit dem lehenman deilen, und des armen maus
deile inne eine faß schoden und sulche armen maus teile an den buweldigen wingart und
erbe legen, up das der arme man neit enterbt werde. WKapellen 1489: so einiche lenunge bi
im geschee und nit gehalden werde na lüde der verkallunge, habe derselbe lehenherre ader
sin nakoemen die macht, dasz er zwene ußer den benanten gesworenen ader iren nakoeme-
lingen gesworenen nemen mach und die gude, er verlenet hait, besehen laissen. werde dan
durch dieselben erkant, daß einich bruicht in den benanten verlenten guden si, so sulle der
lehenman ader bestender, an dem sulche brucht fonden wiurde, in dem ersten jair als die
geschit wer und begangen wurde, verfallen sin in ein boiß eins gl.; wurde er dama zum
zweiten maele bruichich fonden, sal er die schare das jaire uf denselben gelenten guden
verloiren hain. wirt derselbe auch dar zum dritten maele bruichich fonden, sal derselbe
alsdan schare und erbschaft verloren hain. Zum Bau s. auch oben S. 576 f.
5) MR. ÜB. 3, 1046, 1250.
6) S. zunächst MR. ÜB. 1, 484, 1136, cit. oben S. 912 Note 2: Entfernung der Lehnleute
bei schlechtem Bau iudicio parium suorum.
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 914 —
baurecht, wenn es auch nicht so weitgehend wie diese in der Richtung auf
ein Gesamtkorrelat zum gemeinen Recht entwickelt war.
Als Weinhaugenossenschaft waren die Lehnleute vor allem zur Weisung
und Aufrechterhaltung ihres Rechtes befugt; wie es die STronder Be-
schreibung vom J. 1263, unten Bd. 3, 31, 23, vom Gesichtspunkte des Herrn
aus kurz und sicher ausdrückt: tenentur sub fidelitate prestita conservare et
dicere iura ecclesie sancti Trudonis^ Dies Recht aber war nach der eben
schon gegebenen Übersicht Lehn- und Baurecht ; es umfafste das rechtliche Ver-
hältnis zum Herrn und das wirtschaftliche zum Lehnssubstrat. In letzterer Hin-
sicht bildete die Genossenschaft einmal, entsprechend der gemeinsamen Verpflich-
tung zur Eintreibung des Zinses von den einzelnen Genossen, eine Zinsgenossen-
schaft, welche sich für Kelterhaus und andere gemeinsame Einrichtungen wohl
gar zur Produktionsgenossenschaft erweitern konnte^; auf der anderen Seite
wurde sie ihrer Revisionspflicht über den guten Bau der Genossen durch Aus-
1) S. auch Bd. 3, 514, 2, c. 1320; W. im Hamme 1339, G. 2, 85: so hait imse her
winwais inme Hamme, darzu horent gehiüte leinkide, die dat reght allerjairlies wisint iif den
eit. *U. des Propstes Elias, Hs. Koblenz CXI», Bl. 52 b, um 1340, Rechte der SFloriner
Weinlehenleute zu Braubach; die SFloriner Präbende Braubach war in den Händen des
Propstes Elias: est etiam sciendum, quod quolibet anno ante vindemias immediate ante
collectionem vinearum die dominica per scultetum ex parte domini prebende pretacte pro
tempore existentis inquilinis pertinentibus ad vineas prenotatas ac aliis, quorum interest,
prefigenda ad voluntatem ipsius sculteti, prout melius viderit expedire, servatur unum placitum
dictum dink, in quo omnes et singuli male vineas, quas tenent a domino prebende, colentes
accusantur; et qui usque Walpurgis vineas huiusmodi non procurasset ut dicitur gerürt unde
gesticket, et usque lohannis baptiste non fodisset, et super hoc accusatus fuerit, solvet pro
emenda 20 d. leves.
2) MR. ÜB. 3, 1265, 1254: frater Conradus, preceptor domus Teutonice in Lotoringia,
cum fratre Friderico de Dille et aliis fratribus eiusdem ordinis concordiam fecerunt cum
hominibus feodatis apud Ratiche bonorum et possessionum quondam pertinentium ad mona-
sterium de Gladebach super 42 mir. siliginis et avene, in quibus domus Teutonica dictis
feodatis tenebatur annuatim, et 28 am. vini, in quibus dicti feodati annuatim domui Teuto-
nice tenebantur. in hunc modum pacem fecerunt dicte domus et ordinis fratres , quod ipsi
feodati perpetuo renuntiaverunt predictis 42 mir. siliginis et avene, nullam actionem in
posterum habituri super dicta annona contra domum Teutonicam vel fratres eiusdem ordinis.
et cum feodati de Ratiche teneantur annuatim fratribus domus Teutonice in 28 am. vini, in
compensationem annone supradicte dicti feodati de ipso 14 am. retinebunt, daturi in per-
petuum domui annuatim per omnia 14 amas. et sie omnia iura, que debebantur fratribus a
feodatis et feodatis a fratribus domus Teutonice, hinc inde cessabunt, nee aliqua inter partes
de cetero questio orietur. item feodati convenient in feste beati lohannis baptiste in curte apud
Ratiche et accusabunt negligentias culture vinearum, et negligentes subiacebunt satisfactioni
sollte, et fratres dabimt feodatis sit. vini et 6 panes. Toepfer 2, 129, 1403: Ailf von
Basenheim und seine Hausfrau Anna erklären, daß sie wegen der Pfandschaft, die sie zu
Kues von der edlen Frau Else von Beumburg, Vögtin zu Hunolstein, haben, nicht an ge-
nannte Frau Else, sondern an die Lehenleute Ansprüche haben sollen, wenn das Kelterhaus
zu bauen ist und Weingärten ungebaut bleiben.
— 915 — Umwälzung d. Wirtschaftsverfassung.]
bildung eines besonderen Baudinjies j^ereclit^ In ihm wurden dann alle
Nachlässigkeiten der Kultur gerügt, und bei dauerndem Ungehorsam des ein-
zelnen Genossen wurde l)is zur Entfernung desselben aus der Genossenschaft
unter Entziehung des Lehens geschritten ^. Als Vorbereitung zum Bauding liefen
neben demselben wohl auch noch Einzelrevisionen der Weinberge her seitens
besonderer Kommissionen der Genossenschaft, welche zumeist aus den Wein-
bergsnachbarn und dem herrschaftlichen Genossenschaftsvorstand, dem Bau-
meister oder wie er sonst hiefs, gebildet wurden^.
Übersieht man Konstruktion und Eigenart der Weinlehengenossen-
schaften, wie sie in den soeben dargestellten Hauptzügen spätestens mit dem
11. Jh. völlig ausgebildet wurden, so läfst sich nicht leugnen, dafs in ihnen
für die bevorzugte Kultur des Weinbaues eine Organisation geschaffen war, in
der sich, bei aller Analogie mit den grundhörigen Verhältnissen*, ein freieres
Wesen Bahn gebrochen hatte. Auch seit der vollen Trennung der Zins- und
Dienstlehen von den hohen Lehen, welche seit etwa dem 10. Jh. eintrat, war
dies Wesen nicht beseitigt worden, es wurde im Gegenteil weiter entwickelt und
nahm bei seiner weiteren Ausbildung einen Zug an, der es aus dem Lehns-,
nexus, im Einzelfall bald mehr oder minder, herausführte und hinüberleitete
zur Form freier Erl^pacht.
Schon die Möglichkeit des Aufkommens der Sonderungen während des
11. Jhs. ist ein l)eachtenswertes Symptom in dieser Kichtung: die Lehnsleute
waren jetzt nicht mehr allseitig dem lehnsherrlichen Nexus unterworfen; sie
besafsen Land aufserhalb desselben, und der Lehnsherr erkannte diesen Besitz
an, ja nutzte seine Existenz in einem neuen Vertragsverhältnis aus. Damit
nicht genug. Bald beginnt die Zeit, in welcher die Lehnsleute heredes, d. h.
Erbpäehter, heifsen^, sie haben als feodales das Weinland feodali ac heredi-
tario iure^; und es tritt eine Verquickung lehnsrechtlicher und landrecht-
1) So namenüicli WBingen 1425? § 11—12, 14 über das eigene Gericht der Mann-
werker, einmal jährlich Bauding. Vgl. ferner Bd. 3, 515, 9 f., c. 1325; *ULehmen, Hs.
Koblenz St. A. CXIa, Bl. 38 b.
2) WEllenz § 11: nach gewissen Vergehen werden Bußen bezahlt; wanne dat veracht
wird, mach der herr na weißdumb seiner geschworen und lenleute sein hant an dasselbige
gut [des Zuwiderhandelnden] schlaen und anderen verlaessen sonder einich rechter widerred.
3) S. z. B. oben S. 577 Note 3 f. Eigentümlich ist MR. ÜB. 3, 86, 1218: SSimeon
giebt vineam diu neglectam I. ministeriali nostro in officio pistoris iure hereditario tenendam
et fideliter colendam, hoc pacto, ut 10 annis primis tertiam partem vini fratribus cum suis
expensis persolvet, omnibus annis sequentibus dimidietatem. quicunque erit sui officii heres,
similiter eodem iure eandem vineam possidebit , . . primo anno 40 carr. fimi imponet, sin-
gulis annis sequentibus 20. in festo beati lohannis baptiste cultura vinee a ministerialibus
curiose considerabitur , ut si quid in cultura debita fuerit neglectum, per officium ecclesie
reconpensetur.
*) Es kommen deshalb bei Weinlehen bisweilen sogar ursprünglich grundhörige Lasten
vor, z. B. die Kurmede WEllenz § 5.
'-) MR. ÜB. 2, 43, 1149.
^) S. Bd. 3, 60, 3ö, 1271, s. auch Wortr. u. d. WW. colonus und possessor. Für
[Wirtschaft d. Grofsgrimdbes. — 916 —
lieber Anschauungen ein , in welcher bald das Übergewicht auf die land-
rechtliche Seite fällt. Eine Urkunde von 1217^ drückt das klassisch aus,
wenn sie das Empfängnis von Weinlehen als censualiter et secundum ius
civile geschehen bezeichnet. Zeigt diese Urkunde vom Beginn des 13. Jhs.
den Bruch vollzogen, so liegen die Anfänge hierzu schon fast ein Jahrhundert
früher. Fast schon während des ganzen 12. Jhs. lassen sich Weinbergsver-
gebungen im alten Lehnsnexus zu Erbpacht oder Erbzins, und keineswegs
blofs an Ministerialen, beobachten^, ja es giebt wenige überhaupt von Wein-
bergsleihe sprechende Urkunden dieser Zeit, in denen nicht Anklänge an Erb-
pacht zu finden sind. Aber man ging weiter. Seit Schlufs der ersten Hälfte
des Ma.s kam es vor, dafs an die Stelle der Erbpacht Zeitpacht im Verhältnis
später vgl. *USMax. 1484 Bl. 76 a, Kaimt: feodales . . qui et dicimtur lehenlude, qui habent
hereditates a domino seil monasterio nostro. Wßiirgen 1484, § 12, cit. oben S. 913 Note 4,
heifst das Lehengut Erbe, der Weinbauer dagegen noch Lehenmann; WKapellen 1489, eben-
falls S. 913 Note 4 citiert, ist von lehenman ader bestender die Rede.
1) S. oben S. 904 Note 4.
2) Zur Verleihung an Ministerialen s., oben S. 915 Note 3 citiert, MR. ÜB. 3, 86, 1218.
Im übrigen vgl. MR. ÜB. 2,82, 1186, SMaria-ad-martyres Trier : H. custos monasterii nostri
vineas quasdam . . a rusticis quibusdam, videlicet H. D. H., qui easdem vineas iure heredi-
tario a nobis receperant, suo studio et suis rebus nostro monasterio comparavit . . . a
prememoratis rusticis in manus (abbatis) resignatas. Nach MR. ÜB. 2, 83, 1186 lagen die
Weinberge in croada nostre ecclesie [zu Trier] censuali iure vinicolis locata, und zwar
hatten H. 1 diurnale, D. und H. 1/2 diurnale. MR. ÜB. 3, 633, 1238: Weinberg zu Euren
vom Domkapitel auf Halbscheit vererbpachtet talibus conditionibus , quod infra primum
quinquennium vineam totaliter fimabunt ac singulis annis sequentibus 25 carr. fimi inponent
sub bono testimonio. in fossis autem faciendis ac propaginibus inserendis tantum, quantum
necessitas exegerit, ipsam vineam meliorabunt. tenentur preterea vineam colligere ac vinum
ante nostrum cellarium deducere cum suis expensis. nuntio, qui talibus exequendis Interesse
fuerit destinatus, quamdiu apud ipsos est, in expensis eorum etiam providebunt. provisor
refectorii singulis annis exeunte maio vineam visitabit, quam si debito modo cultam non
invenerit, . . per alium excoli procurabit. si H. et uxorem eins [die Beständer] decedere
contigerit, provisor refectorii unum filiorum aut generum eomm, quem magis expedire viderit
ecclesie, in vinee culturam ac possessionem mittet conditionibus prenotatis. Ganz ähnlich
MR. ÜB. 3, 667, 1239, Kues. Aus späterer Zeit vgl. *USMax. 1484, Bl. 76 a: 11 Stücke
Wingert zu Kaimt divise sunt in tres partes et locate an 3 Leute pro medietate crementi
anno 1484, et tenentur etiam venire ad iudicium . . cimi aliis feodalibus [den Wingertslehn-
leuten]. Im J. 1495 sind andere Wingerte in 4 Teilen an 4 feodales locate zu Halfenbau.
Vgl. auch aufser WGodesberg 1577, G. 2, 659, *Arch. SMax. 13, 1261, Memoriale über des
gotteshaus guter zue Wehlen bei Gräfenmacheren, 1490: sciendum quod habemus in Wehlen
Septem iurnalia vinearum, quae anno (1490) pro parte deserta et inculta erant, quae etiam
erant hereditas hominum ibidem pro tertia parte uvarum. et quia illo tempore propter infer-
tilitatem annorum iacebant inculta et vacua, nobis omnino nichil deservientia, locavit eadem
dominus Otto abbas incolis praedictae villae pro quarta parte uvarum, sie tamen quod haberent
quatuor annos immediate sequentes a quarta parte liberos, videlicet usque Bartholomaei
festum exclusive anni xciiii, et infra illud tempus deberent perfecte et ad integrum replan-
tare et excolere easdem; et nobis anno xcvi censum seu quartam partem botrorum etiam
exsolvere et deinceps.
— 917 — Umwiilzimg d. Wirtschaftsverfassung.]
der Lehiisgenossensehaft gesetzt wurde ^ ; von hier aus war es zur völlig freien
Behandlung der Leihe nur noch ein Schritt^. Natürlich lockerte sich mit
dieser Abschwächung der alten wirtschaftlichen Gebundenheit auch der Lehns-
nexus; die Weinbauern galten daher späterhin, soweit sich nicht lokal alte
Verhältnisse hielten, als völlig frei^.
Indes in vielen Fällen, und teilweise schon recht früh, wurde direkt und
sofort das genossenschaftliche Band der alten Einrichtung gesprengt. Wie es
scheint, geschah das im Anfange sogar recht radikal in der Weise, dafs man
beim neuen Austhuen von Weinbergen nicht blofs vom genossenschaftlichen,
sondern auch vom erblichen Verhältnis abging*. Aber diese Anwandlungen
wurden doch bald überwunden; in Wahrheit und auf die Dauer gestaltete
sich ein freies und individuales Erbpachtverhältnis aus; dasselbe war schon
um die Glitte des 13. Jhs. so verbreitet, dafs die Lehnsgenossenschaften
ihm gegenüber als veraltet zu erscheinen anfangen^. Doch läfst sich nicht
verkennen, dafs diesem Erbpachtverhältnis anfangs ein so festes Siche-
rungsmittel fiir den Herrn fehlte, wie es in dem Bauding der Lehns-
genossenschaften gegeben war^: darum sehen wir in früher Zeit überwiegend
1) Bd. 3, 32, 21, 1263; 132, is, 1325.
2) Vgl. zu dieser weiteren Entwicklung, welche namentlich gegen Schlufs des Mittel-
alters Fortschritte, macht, Bd. 3 No. 250, 1470; No. 254, 1472; No. 272, 1497; Bd. 2,
228, 1579.
^) Trithem. Chiron, Sponh. 1483 sagt von sich: fuit oriundus parentibus honestis,
mediocris fortune, liberis tamen . . , quibus vinicultura vitae necessaria ministrabat. S. auch
WWaltrach, G. 3, 795, cit. oben S. 515 Note 5.
*) MR. ÜB. 1, 568, 1152: der Dompropst ex communi consilio fratrum nostrorum
cuidam fideli laico nomine H. villico nostro apud Curei vineam quandam ibidem iuxta domum
nostram, quam olka vulgariter appellant, ad dimidiam partem commisimus. siquidem due
partes fructuum inde quotannis fratribus provenire solebant, donec eiusdem vinee cultores, sive
per negligentiam sive propter eorum inopiam nescimus, eam pene ad nichilum deduxerant,
unde prefatus H. et nunc et in posterum fratribus in eadem vinea consulere volens heredi-
tario iure, quamdiu ipse viveret, ad dimidiam partem ipsam fideliter colendam suscepit, ita
tamen, quod post mortem ipsius nullum alium quam fratres et ecclesiam nostram heredem
inde substitueret, sive villicus fratrum sive non ipse foret.
°) Lehnsbuch v. Boland 13. Jh. Mitte S. 43: in Waldlaub ersheim vinee, que vocantur
Vinee feodales. Der Gebrauch als Eigenname spricht für Veraltung des Institutes.
^) Vgl. MR. ÜB. 2, 99, 1164—1189: Albertus als cottidianus ministerialis ecclesie
[sancti Eucharii] genannt. Predictus enim Albertus quandam partem terre a nobis tenuit et
tenet, que ad beneficium cottidiani servitii sui spectabat, sitam iuxta vineam nostram ad
sanctum Albanum. quam Marquardus a tempore antecessorum iamdicti Alberti iure, quo
inter se convenerant, se tenuisse dicebat, et per hoc eum ab utilitate eiusdem teiTC aliquan-
tulum removere conatus est. cum igitur ex hoc inter eos questio orta esset, tandem cum ad
audientiam nostram [abbatis sancti Eucharii] pervenisset, sub hac forma eos convenire
fecimus, utriusque tamen assensu: ut videlicet Marquardus eandem terram ab Alberto teneat
iure colendi et dimidietatem fructuum exinde provenientium ei fideliter assignare studeat,
dimidietatem etiam totius iuris inde persolvendi sine contradictione persolvat. et ut fidelius
et diligentius eandem terram in vineam excolat, quinque annos ei ad subsidium laboris sui
constituit, ne aliquid ab eo exigat Albertus postea ex integro suam percepturus dimidietatem;
[Wirtschaft d. Grofsgmndbes. — 918 —
geistliche Institute, weil an sich zahlungskräftig und leistungssicher, im Genul's
freier Weinbergserbpachten ^ , bis mit der Ausbildung des Angriffs in der
freien Erbpacht, entsprechend der Sonderung im Weinlehen, ein Mittel ge-
funden wurde, die Segnungen der freien Weinerbpacht jedem nur einigermafsen
bemittelten Landwirt zu teil werden zu lassen.
Bevor aber dieser Zeitpunkt eintrat, ja bevor sich überhaupt die freie
Weinpacht aus dem Weinlehen entwickelte, hatte das Wingertlehnsystem schon
eine über den Weinbau hinausragende beachtenswerte Analogie gefunden.
Vergegenwärtigen wir uns, wie sehr zur Ausgestaltung der freieren Wein-
bergsnutzung neben den besonderen Erfordernissen der Weinkultur der gerade
für diese Nutzung althergebrachte Teilbau beigetragen hatte, so kann es nicht
post mortem autem Marquardi Sibodo privignus eins eodem iure quo ipse predictam vineam
tenebit. MR. ÜB. 2, 100, 1189, SMatheis: domimi et vineam cuidam . . E. hereditario iure
a nobis tenendam conc(essimus) . ., ita videlicet, ut singulis annis de domo 6 d. persolveret,
vineam autem coleret et dimidietatem ecclesie presentaret. Das Ganze heifst pactum. MR.
ÜB. 2, 221, 1204: das Domkapitel giebt Elmenrico civi Treverensi quandam terram incultam
. . ad vineam plantandam et excolendam et suis post eum heredibus iure hereditario haben-
dam sub annuali censu, unter dem Beding, quod annuatim usque ad quatuor annos . . E. . .
5 s. in festo beati Martini super memorata terra . . reddere tenetur; in quinto vero anno et
deinceps a prefato cive sive suo berede ama una vini cum claustrali censura super eadem
terra . . annuatim reddetur, aut, si vinum defecerit, 10 s. . . solventur . . . pretaxata here-
ditas non in pku'es heredes dividetur, sed integra a sola persona memoratus census persol-
vetur. insuper si . . E. sive suus heres . . hereditatem sibi alienare et vendere volet, hoc
primum ecclesie nostre evidenter denuntiabit, et si . . inter fratres capituli nostri emptorem
(non) invenerit, cuicunque alii volet vendendi liberam potestatem habebit. MR. ÜB. 3, 667,
1239 : das Trierer Domkapitel giebt W. de Chovese ac suis heredibus pro medietate colendas
hereditario iure . . vineas . . tali conditione apposita, quod si vineas . . debito modo non
coluerit ac singulis annis ad minus quinquaginta fossas non fecerit plantulas inserendo ac
limum necessarium imponendo, sine contradictione . . earundem possessione privetur. tempore
autem vindemiaram nuntios nostros pascet honorifice, quoad totum vinum fuerit invasatum.
insuper . . vineas vindemiabit, uvas calcabit et premet, et vinum ad navem presentabit ipsius
laboribus et expensis. S. auch noch Andernach. Schreinsr. No. 142, G. 1892, um 1228, cit.
oben S. 416 Note 5.
1) MR. ÜB. 1, 653, 1168, Erzbischof Hillin giebt an SMartin-Trier : terram nostram
salicam, que est inter Welme et Sälen [Schatzgraben] et que est inter (Graach) et (Zeltingen)
in monte cum arbusto adiacenti prenominate ecclesie et fratribus perpetuo iure possidendam
tradidimus sub tali nihilominus conditione, ut pro hac terra sculteto in Grache singulis
annis amam vini persolvant. CRM. 1, 242, 1197: SSeverin-Köln verleiht an Kloster Alten-
berge Weinberge und Wald bei Rhens, quatinus predicti fratres vineas ipsorimi in latere
montis eiusdem iacentes ea diligentia et sollicitudine , sicut proprias vineas, ita et istas
suis laboribus et expensis colere et plantare coUigere et vina exprimere et vino expresso
universam decimam primo et postmodum medietatem vini residui et duas amas eiusdem vini
sue medietatis de silva singulis annis nuntio ecclesie sancti Severini ibidem in torculari
assignare teneantur. item in aliis locis montis predicti ad hoc aptis vineas alias plantare,
unde 9 annis primis decimas eidem tantum et fructus alios inde provenientes pro laboribus
suis sibi reseiTare, et post hec ecclesie sancti Severini de ipsis sicut de aliis vineis supra-
dictis respondere et de agricultura tantummodo decimas annone dare teneantur. S. auch
Honth. ffist. 1, 64 f., 1209.
— 919 — Umwälzung d. Wirtschaftsverfassung.]
wunder nehiiien, dafs eben dieser Teilhau aucli für andere Kulturen leicht
zur Entwicklung freierer Nutzungsarten führte.
Nun kam aber der Teilbau an der Mosel schon in der ersten Hälfte des
Mittelalters auch für einfache Ackerkulturen vor, ja gerade für extensiven An-
bau hatte er sich aus dem Medem, dem Ausdruck des königlichen Boden-
regals, schon im 11. Jh. voll entfaltete Eine weitere Verbreitung erlangte
das Teilbausystem dann mit der Aufteilung der Beunden ^eit der Stauferzeit ^ :
so dafs es an Teilnutzungen auf einfach landwirtschaftlichem Gebiete keines-
wegs mangelte^, wie sich denn der Teilbau auf diesem Felde sogar bis in
die Gegenwart hinein erhalten hat*.
Beide Formen des Ackerteilbaues aber, auf Rottland wie auf Beunde,
waren fast ausschliefslich grundherrlich gebunden ^. Dies Verhältnis bestimmte
natürlich auch ihre genauere Durchbildung. Auf der einen Seite die Grund-
hörigkeit — auf der anderen die freiere Nutzungsart, welche auch da ver-
blieb, wo man von Teilbauquoten schliefslich zu Zinszahlungen übergingt, und,
namentlich bei Bottland, das eigennützige Interesse des Herrn, überhaupt
einen Grundzins, und zwar in erster Linie von der haftungsfähigen ihm unter-
gebenen Gehöferschaft zu gewinnen^: diese beiden Gegensätze waren zu ver-
mitteln. Sie wurden vermittelt, indem die Gehöferschaften oder Teile der-
selben für den Teilbau auf Rottland und Beunde in der Form freierer Zins-
genossenschaften, fast ganz entsprechend den Weinlehngenossenschaften, orga-
nisiert wurden : also für die Zinszahlung Lösung vom Meier, für die Baurügen
Lösung aus dem grundhörigen Ding, und dafür Stellung der Zinszahlung unter
einen besonderen Boten und Schaffung eines besonderen Baudings ^. Sind das
die neuen Formen der Genossenschaft da, wo sie in ausgeprägtester Form
1) S. oben S. 107 f., 112, 392, 475, 514.
2) S. oben S. 420, 439.
^) Es kommen sogar Medemhufen vor, s. CJSMax. S. 440 Kenn, S. 441 Longuich.
*) Beck 1, 255, 258 für die Kreise Bitburg und Wittlich. Champart herrscht nach
mündlichen Erkundigungen in Luxemburg nicht im Grofsherzogtum Luxemburg, wohl aber
zwischen Metz und Diedenhofen. Zur Halfenwirtschaft in Baden s. Küster S. 44.
^) Das ist für die Beunden selbstverständlich; für das Rottland und den Medem
s. oben S. 394.
^) S. z. B. WWallersheim , G. 2, 538: weisen die scheffen im dorf Walmischheim
32 viertel laut, und wird den herrn im closter von iedem viertel geben und geliebert 4 sester
korns; und auf ieden sester korns gibt man 18 hl. brenngelds, wie es zu Prümb gäng und
gebe ist, und wein und brot damit bezahlen.
'^) S. oben S. 136, 394, 457 ; WLonguich 1408, cit. oben S. 456 im Text.
8) S. vor allem Lac. ÜB. 1, 367, 1149, cit. oben S. 450 im Text; ferner AVLonguich
1408, cit. oben S. 456 im Text, und Ennen, Qu. 1, 519, 54, 1145: Abt Wilhelm von SMartin
übergiebt zu Esch jjartem silv§, que adiacet eidem vill§, id est unum mansum et viginti
quatuor iugera, hominibus predict? vill§ sub annuali censu, nachdem sie ihm 25 mr. Angeld
gegeben haben, qui census triginta s. et unius et novem d. et oboli habetur, et in festivitate
sancte Walburgis singulis annis ab hominibus, qui pr?dictam silvam tenent, ecclesi? beati
Martini reddetur .... tali pacto, . . ut si aliqui ex rusticis ceneum silve, quem debent, sub
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. _ 920 —
vorkoiniiit, so dafs hier mit vollem Recht in Analogie zur Weinbaugenossen-
schaft von Lehen gesprochen werden kann^ so bleiben doch, wie es scheint,
stets ursprünglich persönlich-hörige Lasten, wie z. B. die Kurmede, bestehen ^,
und die Sicherung der Zinszahlung erfolgt wohl nur höchst selten durch An-
griffsland, entsprechend der Sonderung des Weinlehens ^, meist dagegen durch
predicto termino non persolvant, non solum, quod tenent in eadam silva, sed qiiicquid de
iiu'e beati Martini habere videntur, amittant.
1) Man vgl. schon MR. ÜB. 1, 287, 1008—1016: Erzbischof Megingaud schenkt an
Miinstereifel predium meum . . in pago Meinveit in villis . . Cutenheim, Mertelacha, Alkena,
ad mansos 8 et vinearum carr. vini 7 . . . . mancipia virilis sexus solvent 12 d., femine
vero 6. preterea novem feodorum quodlibet solvet 24 d. , preter nonum, quod pertinet ad
fabrile opus, persolvet 12 d. in die sancti Martini possessores feodorum convenient et persol-
vent 12 d., mancipia vero similiter; de quibus denariis scoltetus reddet eisdem vinum 2 s.
iterum feodorum possessores in octava sancti Martini censum suum persolvent, mancipia vero
in die sancti Andree; preterea 7 arearum censuale debitum persolvetur in octava sancti
Martini, de quarum duabus dabuntur 2 s., de 4 duo s., de septima 4 d., et de singulis harum
arearum singule dabuntur galline in capite ieiunii. restat area una in duas partes divisa,
que solvet 10 d. et nichil aliud, nisi, dum possessor huius obierit, optima victima accipietur,
que in domo illius invenietur. item qui feoda habent, in die sancti Stephani dabunt 28 d.
ad dominorum suorum visitationem. item secunda feria post epiphaniam domini singuli
dabunt singulos d. ad servitium advocati. item secunda feria post octavam sancte pasce ad ser-
vitium advocati scoltetus dabit panem unius mir. spelte et victimam vivam, 12 d. et situlam
vini et duas situlas cerevisie et mir. avene, quod servitium scoltetus partietur cum 7 scabinis
et servo suo. cum advocatis secunda feria sancti lohannis similiter faciet, excepta avena,
quam si scoltetus dare renuerit, advocatus de segete foris habunde accipiet. item in messe
feodorum possessores metent segetes dominorum, et prima die dabitur eis ovis viva 12 d.,
postea vero panis et pisa amministrabuntur eis sicut ceteris messoribus. qui vero possident
areas, singuli die una metent cum illis, excepto possessore illius aree, que solvit quatuor d.
preterea qui feoda tenent dominorum, annonam triturare tenentur, et si dominis placuerit,
Monasterium sive Andernacum deferre debent. S. ferner MR. ÜB. 2, 38*, 1179: ego Cun-
radus dei gratia vocatus abbas de Lacu nichil ferens elongari a me de bonis domus meae
quasdam possessiones censuales, quae feoda vocantur, ad curtem meam et fratrum meorum,
quae est in Bettendorph et in Heimbach, pertinentes ab hominibus aecclesiae meae, qui eas
censualiter de manu mea possidebant, congruo dato precio redemi et potestati meae et usibus
fi-atriun meorum libere tamquam agros salicae terrae subegi. advocatum vero predictae
curtis scilicet Gerlacum de Isenburch, qui adversum nos reclamabat pro iure precariarum
suarum, quas de prefatis possessionibus accipiebat, datis 6 mr. compescui ab omni querela,
quam contra nos pretendebat, ita ut possessiones illas a iure suo esse liberas et tamquam
salicam terram a nobis possidendas coram familia nostra et scabinionibus ediceret bannoque
eos obstringeret, ne de caetero aliqua in placito fieret de illis accusatio. Aus späterer Zeit
vgl. man *Gotha Bibl. Lib. aur. Epternac. Bl. 136a f., Lehenguder, die die scheffen von
Emzen m. h. und dem gotzhuse [Echternach] zugewiset und begangen haut of sanct Michels
dag anno (1451). Die Lehen sind einzelne Felder und sind lehen vermitz drißigiste, so z. B.
2 Morgen, oder 1 Wiese git drißigen, 2 morgen . . wisen sint lehen vermitz drissigen, am
größten wol 1 wise und feit . . haldent 5 morgen-, meist nur 1 Morgen, oft weniger
bis zu 1 Quartale.
2) Lac. ÜB. 1, 367, 1149, oben S. 450. Doch kommen solche Lasten ja auch beim
Weinlehen vor, oben S. 915 Note 4.
^) S. die eigentümliche Urkunde des MR. ÜB. 3, 312, 1227: Streit zwischen homines
von Wasserbillig [es sind Landzinsleute auf alter Beunde bezw. altem Lehnland] und deren
— 921 — Umwälzung d. Wirtschaftsverfassung. J
Rekurs auf den sonstigen j^^rundhörigen Besitz der Lehnsleute. So erwächst
die Form dieser Landlehen, ausgehend von Teilbau und Rottkultur — denn
auch die Beunden führen ja schliefslich auf grundhörige Rodung zurück — ,
angelehnt an die Entwicklung der Nutzungsfornien der Weinkultur, doch
schliefslich nicht zu jener Selbständigkeit, welche den Weinlehen von vorn-
herein infolge des besseren persönlichen Rechtes ihrer Besitzer innewohnte.
Demgeniäfs führt denn auch die Weiterentwicklung dieser Form im Sinne
freier Pacht zu geringeren und schwankenderen Ergebnissen, als die Durch-
bildung des Weinleliens. Zw\ir setzt sich zuweilen auch hier das Lehnsver-
hältnis der Bauern in ein Erbpachtverhältnis um^; in früherer Zeit entwickelt
sich vielleicht auch hier und da gar eine Zeitpacht auf diesem Boden ^; im
ganzen aber knüpfen freiere Landnutzungen hier fast nur in dör Weise an,
dafs gröfsere geistliche Institute in Erbpacht von Wald- und Rottland eintreten^.
Die Analogiebildung der Ackerlehn- zur Weinberglehngenossenschaft leitet
nun schon in die grundhörigen Verhältnisse hinüber : sie zeigt die Möglichkeit an,
innerhalb welcher eine Landnutzungsform aus dem unteren Kreise des Hof-
rechtes in die höhere Zone des Dienstrechtes emporzuwachsen versuchte. Eben
dieses Wesen der Ackerlehngenossenschaft ladet nunmehr dazu ein, die grund-
hörige Landnutzung selbst auf die Möglichkeiten hin zu untersuchen, welche
etwa die Ausbildung freierer Landnutzungen aus ihr heraus gestatteten. Eine
solche Untersuchung wird jetzt nach Feststellung dessen, was Prekarei, Zins- und
Dienstlehen in dieser Richtung geleistet, um vieles leichter sein : wenn Prekarei
und Zinslehen hier wenig von Bedeutung waren, wenn das Dienstlehen in
Vogt mit der Abtei SMaximin wegen der jälirliclien Zinszahlung. Es wird ausgemacht, dafs
die Leute statt der bisherigen 9 can\ nur 5 zahlen sollen, residuas quatuor vel soluturi vel
pro ipsis terram indominicatam , que vulgo dicitur wonede, vel terram feodalem ostensuri,
welches Land SMaximin in Kegie oder Leihe nutzen kann. Si vero [aliquis] terram indo-
minicatam demonstraverit [et censum neglexerit: so zu ergänzen], non tantum ipsa terra
demonstrata, sed et quicquid censuale tenet ab ecclesia ille, qui censum solvere neglexerit,
sive sit terra arabilis ortus domus vel pratum, obstrictum erit ecclesie eo iure indomini-
cationis, quo et terra demonstrata. et si aliquis terram dominicatam sibi titulo pignoris
vendicabit, vel censum solvet ex toto, vel terram ipsam dimittat ipsius ecclesie ordinationi.
ad terram autem feodalem sive indominicatam sepedicti homines nuUatenus manus extendent
absque consensu ecclesie, si secus presumpserint , a dicto advocato suo, cum ab ecclesia
requisit(i) fueri[n]t, exhibendi. hec autem et ipsi homines observabunt, et advocatus ipse
observari faciet, alioquin hanc penam sibi acceptarunt, quod sint ipso facto excommuni-
cationis vinculo innodati, et non tantum advocatus, sed et ipsius successores.
1) WGondenbret, G. 2, 539.
-) UStift 398, Irsch, 9 atte: una consessa est ad medietatem colenda, sed poterit
revocari. quando voluerit archiepiscopus ; de reliquis 8 recipit archiepiscopus quintam et
decimam partem. omnes iste hatte continent in se circa 100 iurnalia.
^) S. aufser MR. ÜB. 1, 39*, 1180 noch als Beispiel kleinerer Pacht von Laienseite
UlMettlach No. XXI, 13. Jh. Mitte, cit. oben S. 107 Note 1.
L amprecht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 59
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 922 —
der besonderen Form des Weinlehens nur zur Befreiung der feineren Land-
nutzungen ^ führte, so mufs sich das Gros aller späteren freien Landnutzungen
eben aus dem grundhörigen Nutzungsverhältnis bezw. aus der Zerstörung der
Fronhofs Verwaltung heraus entwickelt haben.
Inwiefern das für die Fronliöfe selbst durch Einführung der Verpach-
tung der Meierämter in vollendetem Mafse der Fall war, haben wir schon
gesehen; hier wird es nur noch darauf ankommen, die Kolle zu unter-
suchen, welche die gemeine grundhörige Landnutzung bei der Entwicklung
der Pachtformen gespielt hat.
Die grundhörige Nutzung ist nun zunächt mindestens seit der deutschen
Kaiserzeit eine erbliche : schon am Schlüsse des 0. Jhs. steht das so fest, dals
die Rechtsqualität des Gehöfers im Einzelfalle sogar die Leistungen des Gutes
zu modifizieren imstande ist^; und seit spätestens dem Beginn des 12. Jhs.
werden schon die Allmendehörigen den Gehöfern als manentes absque here-
ditario iure entgegengesetzt^. Aber die erbliche Nutzung ist an den Grund-
herren in Dingpflicht und Zinspflicht gebunden ; darum schildert eine Urkunde
von 1150 pflichtvergessene Grundhörige mit den Worten: nimium de se pre-
sumentes partes quasdam vinearum . . occupaverant, non hominii ratione, neque
annuum censum inde persolventes*. Von der Eigenart beider Pflichten wird
auch später noch die Rede sein^; hier nur die Bemerkung, einmal, dafs die
Zinspflieht anfangs gerade für die Grundhörigkeit als so charakteristisch ange-
sehen wurde, dafs man noch bis in das 11. Jh. hinein Güter, welche in einen
Fronhof zinsten, ohne weiteres auch als grundhörig ansprach*', und ferner, dafs zu
den zinspflichtigen Leistungen nach der Anschauung spätestens der Stauferzeit
1) Vor allem natürlicli des Weinbaues. Indes es gilt doch auch für sonstige feinere
Kulturen, z. B. die Gartenkultur, s. Bd. 2, 217 C-
2) UPrüm No. 4: tenet 0. mansa 3, que similiter ut superiores [serviles] omnes ser-
vire debent: so der urspr. Text, dafür jetzt: que similiter servire debuissent, sicut superiores.
S. auch MR. ÜB. 1, 393, (1097), cit. unten S. 928 Note 4.
^) Ann. Rod., Ernst S. 12, um 1110: das Kloster erhält zu Gisenhofen bei Ahrweiler
die octava pars avene, quam gens ibidem manens absque hereditario iure solvit domino pro
usu silve eiusdem ville. S. ferner noch Lac. ÜB. 1, 865, 1149, und zur späteren Konstruktion
der Erblichkeit vorläufig WNeumünster 1429, G. 2, 33: stürbe ein lehenman aen libeserben,
hait der scheffen gewiset, das di nehesten erben darnach sich des gudes underziehen sollen
bis an das zehende glit, und das gut auch hinder der herrschaft oder den lehenherrn lassen;
wolden sie aber das gut hinder andere herren füren, das sol die herschaft weren und nit
gestaden; were aber kein erbe bis an das zehende geliet, so sal das gut der herrschaft ge-
fallen sin. S. auch WAhn 1626 § 11.
*) Ennen, Qu. 1, 529—30, 60, 1150.
^) S. Abschnitt VII Teil 1 und Teil 3. Zur Dingpflicht vgl. vorläufig Bd. 3, 523 d.
^) Lac. ÜB. 1, 98, 158, 1021 : von einer halben Hufe solvitur et villico in Rodinkirche
mir. avene, quod per h(?c non dubitetur, praedictam terram ad eiusdem villae curiam per-
tinere, ac eam tenentes [in unserem Fall SMartin-Köln] omnis iuris debitores ibidem esse.
— 923 — Umwälzung cl. Wirtschaftsveifassung.]
auch Empfängnis (Beständnis, Vorhuie) und Kurniede gehörton ^ Aul'serdem
geliörten in den Bereich der Zinspflicht natürlich die verschiedensten Al)gaben
und LiMstungen, so vor allem die Fronden. Dieser ganze Bereich der Zins-
pflicht wurde nun, wie auch derjenige der Dingpflicht ^, rein dinglich gefafst^;
seine Leistung war also für den Vollfreien keineswegs unuiöglich, wenn auch in
frühester Zeit immerhin ungewöhnlich"^. Der Gedanke aber, dafs grundhörige
1) Darüber vgl. weiter unten, s. auch *USMax. 1484 Bl. 6^, und Bd. 3 Wortr. u. d,
VV. värhure.
2) Schannat, Hist. Wormat. 2, 79, 1158: Hillin vertauscht an Worms die curtis cen-
sualis Parthenheim, wohin von 19 mansi tune temporis [in] annuis redditibus 12 Ib. Moguntinae
monetae gezahlt wurde; insuper tradidi eis in proprietatem aream unam ex mea dominicali
curia decisam, in qua secundum iustitiam meae curiae placitare cum rusticis possem, si
annuos redditus certis temporibus persolvere negligerent, vel si forte in aliis transgressionibus
inobedientes ad satisfactionem forent.
^) Natürlich fielen aus dieser Zinspfliclit die Personalleistungen der ursprünglich
unfreien Gehöfer heraus. Diese letzteren sind wohl mit servitium servile gemeint in MI».
ÜB. 1, 268, 993: Graf Sigfried schenkt an SMaximin mansum Nevelungi et eins coniugis
Rozele successorumque suorum . . ita duntaxat, ut idem N. vel successores eius omni anno
5 s. probate monete persolvant ex eodem manso, ab omni deinceps servili servitio liberi [so
zu lesen].
*) Den ältesten hierher gehörigen mit Prekarei kombinierten Fall bietet MR. ÜB. 1,
393, (1097): Arnulfus [Dompropst] schenkt an den SMarienaltar im Dom in Bombogen
mansum unum . . per manum advocati sui . . , cuius reditus quantuscunque singulis annis in
die obitus sui fratribus memoriam eius agentibus dispensari possit. placuit cuidam Evezoni,
ut eundem mansum sibi locari exoraret et eo iure, quo mercennarii [1. mansionarii] dominicalem
terram excolendam possidere queunt, in firmam hereditatem sibi filiisque suis ceterisque sibi per
cognationem succedentibus reciperet, eo scilicet pacto, ut ad susceptum mansum de suo
patrimonio tantum adderet, unde reditus predicti mansi usque ad carr. vini publicae Treve-
rensis mensurae augeri posset; quod ipsemet per singulos annos in feste beati Martini ad
ripam Mosellae iuxta horrea in anniversario predicti domni Arnulfi iuter fratres dividendum
presentare debet. Seit Mitte des 13. Jhs. schvvindet dann die Scheu, vgl. Guden. CD. 2,
948—949, 1249: Gerhard von Sinzig giebt an Schillingskapellen eine Hufe zu einem Jahres-
zins von 4 s. Colon, in die curtis Sechine. preterea statuimus, quod si possessorem dicti
mansus et bonorum eidem attinentibus medio temi)ore mori contigerit, quicumque etiam fuerit
pro tempore, prefata ecclesia de predicto manso nobis aut nostris heredibus de curmeda
persolvet quatuor s. Coloniensium d. insuper taliter est ordinatum, quod dictus mansus cum
aliis bonis ipsi attinentibus recipi debent de manu nostra seu ab heredum nostrorum, ita
quod receptor persolvet nobis . . . quatuor s. d. Coloniensium ratione iuris, quod vulgariter
gewerve appellatur. et . . onmibus adimpletis ipsa ecclesia vel possessor mansus predicti
nichil aliud alicui de prefato manso solvere vel facere tenebuntur et ab omni iure alio inde
faciendo nobis aut nostris heredibus est libera et quitata. Im *USElisab. Hosp. Bl. 51 a. f.
finden sich dann schon Zinsverpflichtungen des Hospitals fast nur noch im grundhörigen
Sinne, freilich meist an andere geistliche Institute. Weiterhin s. Bd. 3, 30, 20, 1264; 82, le,
1280; *UMünstermaifeld Hs. Koblenz CXI^ Bl. 57^, 1347: der vleismetzer Kuzechin und
seine Frau pachten von der Propstei ein Teil des dirgartens bi der santkulen vur Pulicher
porte für 8 mr. 4 s. bit intfenkenissen vurhuren und zu dinge ze gain uf sente Endreis dach
davon, als waitscharinrecht schuldich ze doin ist. Cart. Clairefontaine 180, 1378: ich Huwart
van Elter, here zu Stiq)inich, proist in der zit zu Arie, doin kunt . . , so wie vur mich commen
ist geveirdich Hennekin Claes son van Beckirch, unde halt bekant mutwillich, das er lang
59*
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 924 —
Landnutzuiig ohne weiteres und an sich, in unerbittlicher Konsequenz, unfrei
mache, blieb dem ganzen Mittelalter fern^; erst nach der Rezeption des
römischen Rechtes und infolge der vollen Entwicklung territorial-ständischer
Rechte bildete sich die Auffassung aus, dafs die Leistung von grundhörigen Lasten
— oder was nun dasselbe ist — von Reallasten den Privilegien voller Frei-
heit zuwiderlaufe ^.
In welcher Weise konnten nun diese gebundenen grundhörigen Verhält-
nisse einer Lösung im Sinne freier Erbpacht^ entgegengeführt werden?
zit gewest ist iinde noch ist gesworen scheifen imde gehuetman miiier frauwen der eptissen
van Bartenburg [Clairefontaine] unde hirs goitzhuess iinde convent, unde hait auch gelouft,
hir man zu verblieben erflich unde umerme, war ader hinder was hern ader friheiden her
wanende were, und were up der frauwen god ader vudie ader uf was guetz ader fodie here
wanende wurde ader wanende were, den vurg. frauwen eptissen unde convent zu dienst zu
sitzen van zinsen van renten van scheifen van beden van foren unde van allen anderen
dienst, wie ferre ein ander hir man van deme dorf unde hove van Beckirche hin zu dienst
unde zu alle saichen sese, nast siner macht unde bescheideneit : unde dat hait he gelouft
mit truwen in eidestat, unde mit verbuntenisse alle sins gudes mubels unde erbs, usgedain
alle argelist unde geverde.
1) Also auch Fronden haben nicht Unfreiheit zur Folge, vgl. *USMax. 1484 Bl. l-^:
ein Haus in Trier, que modo locata est termino nativitatis Marie . . pro 8 fl. et uno die
dominicali teutonice ein fronedag; freie Pacht. *USMax. 1484 Bl. 3 f.: Verpachtimg von
Gärten in Trier auf 9—13 Jahre; meist um Geld und 1—3 Frontage, allenfalls noch einige
Quart Ol. *USMax. 1484 Bl. 27 ^ : das Fährhaus zu Hausen an der Saar nebst einem Fisch-
wehi* solet locari annue . . pro 4 fl. 4 caponibus et 6 diebus dominicalibus , teutonice sex
fronedage.
2) Honth. Hist. 3, 767, 1675, Kurfürst Karl Kaspar erteilt einigen Gütern Adelsfreiheit :
ertheilen diese adeliche freiheit auch hiemit und in kraft dieses, wie es von rechtswegen am
bestandigsten geschehen könte oder mögte, also und dergestalt, daß die jetzvermelde guter
von nuhn ahn zu ewigen zeiten anderen in unserem erzstift befindlichen adelichen güteren
gleich gehalten, von allen gemeinen bürgerlichen beschwerden ganz und zumahlen befreiet
sein und bleiben, und zu einigen real-oneribus vors künftig unter keinem praetext oder vor-
want, der habe nahmen wie er wolle, wieder gezogen werden sollen.
^) Die Frage, ob nicht eine freiheitlichere Rekonstruktion der alten grundherrlichen
Verhältnisse im Sinne der neuen wirtschaftlichen Entwicklung möglich sei, wurde, so viel ich
sehe, an der Mosel zur Stauferzeit nur selten aufgeworfen. Für unsere Gegenden vgl.
namentlich MR. ÜB. 3, 930, 1247, Urkunde Dietrichs von Isenburg: bona nostra in (Münders-
bach), que dicuntur antiqua hereditas, concessimus hominibus dicte ville et omnibus posteris
suis hereditarie in perpetuum possidenda, ita quod de quolibet iugero solvant festo Gertnidis
1 ob., et in medio iunio 1 d. Coloniensis monete . . . item de silva beate Marie virginis
dabunt quartum manipulum de quolibet iugero et decimam; et seminabunt agros illos tribus
annis, et quarto anno vacabunt; et si quis eorum reliquerit aliquem agrum vacare eo anno,
quo esset seminandus, nobis tantum solvet, quantum si seminasset; et ducent nobis annonam
illam infra dimidium miliare, quocunque voluerimus. item de pratis solvent de quolibet
iugero 2 d. item dabunt pro hospitio et petitione nostra 30 s. Colonienses proxima domi-
nica post festum Remigii. item quicumque possidet bona nostra in villa supradicta, dabit
nobis pullum unum annuatim in depositione carnium. et omnes possessores bonorum nostrorum
venient tribus vicibus in anno ad curiam nostram ibidem sitam accusaturi, si aliquem de-
fectum habeamus bonorum nostrorum, vel si aliquis eorum alteri iniurietur, ut inde secundum
— 925 — Umwälzung d. Wirtschaftsverfassiing.]
Die Erblichkeit mufste natürlich bestehen bleiben, ebenso brauchte die
Zinspflicht nicht angetastet zu werden — notwendig war dagegen die Auf-
helmng der Dingpflicht. In der That liegt hier der Kern der Lösung: er tritt
beispielsweise zu Tage, wenn späterhin im WBech § 19 gewlesen wird, der
Abt von Echternach solle die underthanen des Hofes zu Bech vorniitz kirniet
[Kurmede] und zins — also unter Wegfall der Dingpflicht — für freie leut
halten ; er lälst sich auch nicht verkennen, wenn zum Beweis allseitiger Grund-
hörigkeit im *WGostingen (USMaXo 1484 Bl. 47^) über das Jahrgeding be-
merkt wird : tenentur omnes adesse , . . quicunque habent hereditatem vel
hereditates in banno de G., tam viri quam etiam nmlieres^
Die Lösung aus der Dingpflicht und damit die Stellung der bisher giimd-
hörigen Nutzung unter gemeines Recht ^ erfolgte nun aber unter gleichzeitiger
sehr verschiedenartiger Ausgestaltung der bislang vorhandenen Zinspflicht:
unter dem Einflüsse dieses sekundären Momentes entwickeln sich daher ver-
schiedene Stadien der nun eingeführten freieren Landnutzung. Entweder
nämlich bleiben noch Reste solcher Zinsleistungen übrig, welche bisher als
ausschliefslich grundhörig gegolten haben, wie namentlich Kurmede und
Empfängnis, oder aber diese Reste gehen verloren und es wird nur eine an
sich charakterlose Zinsleistung statuiert. Nach diesem Unterschiede wird man
vielleicht — will man diesen Gegensatz überhaupt einführen — von Erbzins-
verhältnissen einerseits, Erbpachtverhältnissen andererseits als den nach Auf-
hebung der Dingpflicht entstehenden freieren Nutzungsformen sprechen dürfen^.
quod ius exigit iuclicemus. item si aliquis possidentmm bona nostra decesserit, liberi sui
vel alii beredes sui venient ad nos vel ad officiales nostros, et nos concedemus eis bona sui
predecessoris. et quicunque recipit bona, dabit nobis tantum in antecessu, quod vorhure
nuncupatur, quantum in censu receptorum bonorum; sed de campis, unde solvunt annonam,
non dabunt antecessum.
^) Vgl. noch WFlofsbach 1529, G. 6, 573: die Lehnleute von Springiersbach weisen,
das Kruderß und Barten luede hoef, buiszent dem dort' Floeßbach gelegen, unser herren
von Sprenkersbach gronteigen ist und kein lehen oder entfenklich goet ist, als unser goeder
sin, auch kein erbgoeder sin, auch kein gemeinschaft mit uns hain; und hain nie gehoert
noch gesehen, daß der genant hoef zu Floeßbach ain einiken menschen geerbt si, och nie
verkauft noch verdeilt, als ander unsere erbe und lehengoeder, sonder allezit bestaunen vor
einen genanten paecht oder zins ain unsermen wirdigen herren von Sprenkersbach.
2) *Tradd. Rupertsberg. 13. Jh. 1. H.: isti sunt census, quos dabimus singulis annis
in imiverso de bonis nostris omnibus, que habemus apud Budinsheim tam de bonis domini
Lufridi et domini Regelindis, quam de bonis Dietwini civis Pinguensis: quatuor mir. siliginis,
Septem virinzalen avene, triginta quart. hunnici vini, Septem uncias levium d. sie est
computatum determinatum et diffinitum in dem dinge apud Budinsheim mediante . . nostro
preposito. V^gl. auch UEupertsberg S. 379: ein Allodium in Wilre gehört Rupertsberg, es
enthält : a) iuniales, de quibus censiun non solvimus, quia ad proprietatem nostram respiciunt,
b) iomales, de quibus censum sine placido [!] persolvimus. Vgl. zimi letzteren S. 380:
H. de G. et uxor eins A. dabunt nobis ad censum in festo sancti Martini 20 d., si negle-
xerint, oportet eos persolvere postea. herumbe so sal er zu dinge nit gan ze Rode.
3j Freilich liegt dieser Unterscheidung keineswegs etwa ein sicherer Sprachgebrauch
der Urkunden zu Grunde: in den Quellen gehen die Ausdrücke Pacht und Zins wie Erb-
[Wirtscliaft d. Grofsgrundbes. — 926 —
Von ihnen können nun die Erbzinsverhältnisse wieder im wesentlichen
in dreierlei Weise charakterisiert sein, durch Kurmede und Empfängnis \ oder
durch blofse Kurmede^, oder durch blofses Empfängnis^.
Fehlt eins dieser Momente, so stehen wir schon auf dem Gebiete reiner
pac'ht und Eibzins bunt durcheinander. So spricht z. B. Cod. dipl. Rommersd. No. 47, 1335,
von einer pensio annua seu census. S. auch ME. ÜB. 8, 1470, 1258, cit. unten Note 8.
1) Ennen, Qu. 1, 574 — 575, 87, 1176, C. verkauft einen Mansus tur 10 mr. an SUrsula-
Köhi: mansum eundem ab ecclesia sub iure censuali recepit, ita videlicet, ut quolibet anno
in festivitate beati Martini 10 s. ecclesie solvat. quo defuncto optimus equus ipsius, vel si non
habet equum, 10 s. pro eo quod dicitur curemeide dabuntur ecclesie, et ita uxor eins per
annum et dieni idem bonum sicut antea possidebit, et si ulterius habere vohierit, 10 s. pro
eo, quod vorehüre vocatur, ecclesie persolvet, et huic iuri ceteri heredes subiacebunt in per-
petuum. si vero uxor predicti C -i alii viro nubere et eum in illud bonum introducere
voluerit, hoc ei non sine abbatisse et congregationis concessione licebit. quodsi iilios ex eo
genuerit, ad illos nichil de predicta hereditate pertinebit, sed ad filium vel filiam sepedicti
C.-i devolvetur. Ennen, Qu. 1, 608, 111, 1197: die Abtei Kamp erhält von 2 Stiftsherren
zu Köln domum unam in Rodhe [Rath Kreis Bergheim] et arearn cum silve communione et
30 iugera legitime possessioni illorum attinentia lege et iure censuali excolenda . . . jährlicher
Zins 5 s. pro debito, quod kurmeidhe dicitur, quod non nisi defuncto vel succedente novo
abbate provenire debuerat, per singulos annos ut 1 s. ex consensu partium predictis 5 s.
superaddant. Bei Abschlufs des Vertrags zahlt die Abtei Kamp 5 mr. ce vürehurin an
die Stiftsherren.
2) Lac. ÜB. 1, 437, 1170, und neuerdings Korth, Ann. d. bist. Ver. 44, 68: Kloster
Diinwald empfängt von SKunibert - Köln terram arabilem in RIndorp 26 iornalium . . hoc
pacto, ut annuatim in festo beati Martini aecclesiae nostrae 3 s. Id. Coloniensis monetae,
mir. avenae et duos pullos persolvat et ita iure perpetuo possideat. convenit etiam inter
nos, ut in obitu cuiuslibet prepositi Steinveldensis, ad quem prefatae aecclesiae in Dünewalt
cura spectare dinoscitur, pro eo quod vulgo dicitur curmeide 3 s. preter predictum censum
aecclesiae nostrae ab eadem aecclesia persolvantur. Hennes ÜB. 2, 210, 1271, Erbpacht betr.
die Deutschordensbrüder zu Siersdorf: fratres predicte domus de Serstorp singulis annis in
die palmarum nobis A. militi et nostris heredibus decem et octo d. Aquenses de predictis
bonis de Bettendorp perpetualiter persolvent ; nos vero porrigemus predicta bona fratri eorum
ordinis, quemcunque petierint; fratre vero predicto decedente, qui bona receperat a nobis
memorata, fratres de Sersdorp solvent nobis ratione mortis illius decem et octo d. Aquenses
in quoddam ins, quod vulgariter dicitur durcins [?], et nos alteri fratri eorum ordinis predicta
bona porrigemus. Vgl. auch Lac. ÜB. 2, 387, 1252.
3) Ennen, Qu. 1, 582—3, 94, 1180: Erzbischof Philipp von Köln überläfst universitati
civium hereditario iure Häuser am Altmarkt, ut scilicet nobis debitum censum et vorhuram
de his, sicut de ceteris areis, persolvant. Cod. Francof. S. 17, 1180, Friedrich L regelt die
Grundzinsverhältnisse der Wetzlarer Hofstätten: quivis (civium) de area sua annuatim 4 d.
domino, a quo tenet, pro censu persolvat . , ])ost mortem vero ipsorum filii vel proximi
heredes eorum, vel ad quos forte transferre voluerint, 12 d. ad manus persolvant . . . si vero
quispiam vivens aream suam vendere voluerit, emptor eodem iure, quo et heres, potiatur.
MR. ÜB. 3, 1470, 1258: Güter zu Kestert, gehörig Guda, Witwe des Konrad Beyer von
Boppard; et hec sunt nomina heredum censualium dictorum bonorum, qui dictum censum
de bonis subscriptis hereditario iure singulis annis in festo beati Martini solvere tenentur . .
[et possessore] defuncto ab . . successore eiusdem bona . . cum iure, quod dicitur vur-
hure, recipere tenentur: Albero et Demudis etc.
— 927 — Umwälzung d. Wiitscluifts Verfassung.]
Erbpacht, und die volle Nutzungsfreiheit nach gemeinem Rechte ohne die ge-
ringste Spur ursprünglicher Grundhörigkeit ist erreicht. Es begreift sich, dafs
man diesen Übergang wohl zu schätzen wulste. In den vielen Urkunden über
Erbzinsverhältnisse, welche die Andernacher Schreinsrolle für die Zeit von
etwa 1220 bis 1250 aufweist, wird es wiederholt besonders betont, dafs die
Verleihung absque vürhure oder sine precio , quod dicitur vorhure erfolge ^ ;
in den ältesten Ül)ergangsurkunden aus der Mitte des 12. Jhs. wie noch in
der letzten Zeit des Mittelalters wird die Veränderung gleichmäfsig als Be-
freiung aufgefafst^; ja die Berechtigung zu ihrer Forderung wird bestimmten
Inhabern grundhöriger Güter Avohl gar als Privilegium verliehen^. Die Fälle
aber, in denen dieser Fortschritt noch heute festgestellt werden kann, sind
trotz der für diese Dinge ungünstigen Überlieferung zahlreich genug, um tiber
die weite Verbreitung des Vorgangs keinen Zweifel übrig zu lassen*.
1) *Andeinach. Schreinsr. No. 40, G. 2, 1451, c. 1220; 56, G. 3, 202, 1241; 57, G. 8,
203, c. 1250. S. auch Bd. 2, 610.
2) S. Ann. Rod., Ernst S. 61, 1147: emit abbas mansum censuale ab Udelrico quodam,
qui habitavit Colonie, tali videlicet conventione, ut reddito inde solo censu über sit ab omni
exactione ; nam prepositus Bruno tali iure assignavit eum huic ecciesie. (mansus iste proprius
est ecciesie sancti Gereonis Colonie) et est situs inter Mercstein et Strevelo ad dexteram eius
vie, que de Mercstein ducit Strevelo; et solvit 4 s. preter 2 d. Coloniensis monete. ad hunc
mansimi pertinent curtes due, que apud Mercstein sunt site, quarum altera 12 d. et altera
solvit 16 (Rodensi) ecciesie. MR. ÜB. 1, 659, c. 1169: census 3 s. et mir. avene, quem
censum solebant fratres [Himmerodenses] singulis annis Theoderico (de Broch) dare pro manso
Bovonis, ut liberum eum tenerent ab omni iure advocatie et placitationis et omnimoda
exactione. *USMax. 1484, Bl. 18»: de quadum curia libertata in Munsterappel perpetuo
censu 14 s.
^) CRM. 2, 262, 1274: Rudolphus . . dilecto fideli suo officiato seu sculteto Bupar-
diensi . . fidelium nostrorum Bupardiensium civium supplicationibus liberaliter inclinati
eisdem . . duximus concedendum, quod nullus suorum concivium habens extra civitatem
eandem dominum sive dominos, cui seu quibus in censu annuo teneatur, ab ipsis dominis ad
quodcunque servitium aliud, quam ad censum debitum exsolvendum compelli de cetero
debeat aut artari, fidelitati tue districte precipiendo mandantes, ne quempiam civium pre-
dictorum permittas ab liuiusmodi dominis preter censum eundem, ad cuius Solutionen! de iure
tenetur, alicuius exactionis seu molestationis impositione gravari.
*) Man vgl. aufser Lac. ÜB. 1, 365, 1149; 2, 33, 1210; *Abschr. Koblenz StA. 1218
(Goerz MR. Reg. 2, 1355, dazu 1363 und 1436); Cod. Salm. 118, 1307; Arch. Clervaux 110,
1320, beispielsweise Ennen, Qu. 2, 3, 2, 1200 : Propst und Konvent von SKunibert übertragen
an das Kloster Weiher das bonum Nantwardishüve [Kobbenhof bei Mettmann] unter dem Be-
ding, dafs der Konvent des Klosters Weiher an SKunibert Vh s. zahle, aufserdem 1 mir.
Hafer und 2 Hühner; sicque ab omni iure, quod vulgo dicitur dincsüche et cormede, ab
omni quoque onere, quod de liuiusmodi bonis emergere solet, liber permanens iamdictum
bonum perpetua pace possideat. Hennes ÜB. 1, 313, 1288, SMatheis-Trier verzichtet auf
seine Rechte an den vom Custos Heinrich von Karden an das Koblenzer Deutschordenshaus
verkauften Gütern zu Polch, doch nicht auf den Zins: eifestucantes super quodam iure, quod
nobis in dictis bonis competebat, quod vulgariter dicitur nidirval, et super alio iure, quod
dicitur zu ringe unde zu dinge, salvis tamen censibus, qui nobis in dictis bonis competebant
ab antiquo et adhuc competunt ac imperpetuum iure hereditario nobis cedere tenentur. Cod.
[Wirtschaft cl. Grofsgrundbes. — 928 —
Aber ziemlich früh ging man noch weiter: man kam zur Ablösung
jeder Zinspflicht und damit zur völligen Allodifizierung grundhöriger Güter.
Dabei bleibt es sich wohl gleichgültig, ob in den Allodifikationsurkunden nel)st
der Ablösung der Zinspflicht zugleich die Ablösung der Dingpflicht betont ist ;
ohne Zweifel kam Dingpflicht ohne Zinspflicht nur äufserst selten, vermutlich
nie vor. Übrigens fehlt eine besondere Erwähnung über die Ablösung der
Dingpflicht nur in den ältesten noch der ersten Hälfte des 13. Jhs. angehörenden
Urkunden*; seit den sechziger Jahren dieses Jhs. ist sie stets ausdrücklich
vorhanden ^.
Man versteht es ohne weiteres, wie die soeben geschilderte Entwicklung,
Lac. 112, 1298: zwei Weinberge in Leudesdorf pertinent ad certum allodium curtis . .
abbatisse et conventus ecclesie Hervurdensis site in Ludenstorf, et sunt certa hereditas res
et possessio . . monasterii Lacensis . . , de quibus etiam vineis dicti domini tenentur singulis
annis in perpetuum dare et assignare unum d. officiato curtis predicti in festo beati Martini,
et ex hoc sepedicti domini ab omni iure, quod hoverecht vulgariter appellatur, erunt penitus
absohiti; nee astricti sunt nee erunt nee tenebuntur ullo placito, quod in dieta curte unquam
teneri contigerit, interesse. Hennes ÜB. 1, 383, 1310: nos Lutherus nobilis dominus in
Grenszohe . . cupimus fore notum, quod cum commendator et fratres domus Teutoniee in
Confluentia emissent pratum situm in der Hurilbag erga Henricum dictum Vlege et eins
uxorem legitimam, quod ad nostram curtim vel curiam in Grundishusin dicebatur pertinere, unde
predictis commendatori et fratribus talem concedimus libertatem, videlicet quod dictum pratum
sit liberum exemptum et sokitum penitus a curti vel curia nostra predieta, ita videlicet quod
predicti commendator et fratres pratum supradictum a nobis et a nostris heredibus teneant
hereditarie imperpetuum annuatim pro duobus d. Hennes ÜB. 1, 389, 1313: nos Lutherus
dominus de Isenburch presentibus reeognoseimus, quod cum Henricus dietus Vlige vendidisset
ac tradidisset viris religiosis . . commendatori et fratribus domus Theutonice in Confluentia tanquam
allodium quoddam pratum dictum in der Huribach, tandem compertum exstitit, dictum pratum
non fore allodium, sed ad curtem nostram Grunzhusen pertinere, et sie in hoc dictos religiosos
fore circumventos. verum cum ipsos religiosos prosequamur favore et gratia speciaii, eis in
hoc deferre volentes ipsis reeipientibus idem pratum neenon aliud pratum predicto prato
adiacens seu continuum, quod iidem religiosi comparaverunt seu permutaverunt cum lacobo
dieto Bappe, concessimus et concedimus pro tribus d. videlicet duobus d. de primo prato et de prato
lacobi uno d. monete ibidem currentis nomine annui census nobis solvendis singulis annis in festo
beati Martini hiemalis de pratis predictis absolventes eosdem in hiis scriptis liberaliter et
omnino ab omnibus honeribus diete curtis, et ut ad alia iura dicte curtis seu placita preterquam
ad dictum censum minime teneantur.
1) S. MR. ÜB. 3, 504, 1234, ein Zins von 48 d. und V2 mir. frumenti zu Merseh ab-
gelöst mit 14 Ib. Treverenses: plus utilitatis percepimus ex 14 Ib. simul persolutis [es wurde
Land dafür gekauft], quam ex censibus dictis singulis annis solvendis fuissemus habitui'i.
* Andernach. Schreinsr. No. 82, G. 760, um 1250?: B. relicta domini Th. N. dedit fratribus
ordinis predieatorum in Confluentia pro redimenda area sua, que censualis est, mr. censuum
in perpetuum et 2 d. et 2 pullos.
2) Vgl. hauptsächlich Lac. ÜB. 2, 569, 1266, Urkunde des Bitters Goswin von Alfter
und seiner Frau: nos annuam pensionem Septem s. solvendam in festo beati Martini et iura,
que vulgariter voeantur ce rinc et dinc , curmedam , gewerf et quelibet alia iura , que fratres
domus hospitalis sancti lohannis baptiste lerosolimitani nobis solvere et prestare consueverunt
in curtim nostram in Entinnich de uno beneficio sito in Onsdorp, quod lein vocatur, ciun
suis attinentiis ubicunque sitis, ipsis fratribus vendidimus et iura ipsa eis plenarie remisimus
— 929 — Umwälzung d. Wirtschaftsverfassung.]
wie sie vor der IMitte des 12. Jhs. begann und schon ein Jahrliiindert später
in einzelnen Fällen bis zur vollen Allodifikation grundhöriger Güter geführt
hat, notwendig zur Klärung der Verhältnisse auch bei den dauernd in grund-
hörigem Nexus verharrenden Gütern führen mufste. Eine Reformation der
grundhörigen Pflichten gemäfs den veränderten wirtschaftlichen Zuständen war
während der Stauferzeit in Deutschland wohl nur sehr sporadisch versucht
worden, während das Betreten dieses Weges im benachbarten Frankreich
schon im 12. Jh. zu der glänzenden Entfaltung der Loi de Beaumont geführt
hatte: jetzt nun, im späteren Mittelalter, wies auch in unseren Gegenden die
auf dem Wege der Auflösung zu freier Erbpacht vollzogene systematische
Scheidung der einzelnen Rechtsgrundlagen innerhalb des grundhörigen Nexus
darauf hin, eine Klärung der altfränkischen, längst verrotteten Grundhörig-
keitspflichten vorzunehmen. In welcher Weise diese Klärung erfolgte, mag
eine dem WBarweiler entnommene Schilderung des *USMax. Bl. 8P vom
J. 1484 erweisen. Hier erzählt der SMaximiner Kellner: habemus (in Bar-
weiler) 54 feodalia, teutonice secundum iudicium scabinorum ibidem lehen-
guder. et prestat nobis unumquodque 4V2 hl., unum pullum et V/2 sum.
avene, facit simul 20^/2 alb. 54 pullos et IOV2 mir. avene. et tenentur pre-
dicta solvere in die sancti Martini sub pena ad dictum scabinorum. item
unusquisque lenman vel nuilier, qui fuerint possessores prescriptorum lehen,
quando moriuntur, tunc tenentur unum ins capitale de unoquoque lehen,
quotquot possederint, sive fuerit vir vel vidua mulier. item sal man das
pro 20 mr. Coloniensium cl. nobis numeratis et plenarie persolutis; et hec acta sunt in curte
nostra predicta coram hominibus ipsius curtis, qui vulgariter higen vocantur. Lac. ÜB. 2,
619, 1271: Graf Dietrich von Kleve remittimus et conferimus capitulo Coloniensi omne ius,
quod habuimus et habemus in 30 iurnalibus et area sitis apud Morendorp, ita quod merum
sint allodium ipsius capituli nee aliquis de cetero incola nostrum iudicium, quod gedinge [1. ze
dinge] et ringe dicitur, adire et requirere teneatur. Lac. ÜB. 2, 661, 1274, Urkunde Dietrichs
von Hackenbroich : cum viri religiös! abbas et conventus monasterii Campensis iam dudum
tenuerint a nobis ad quatuor manus et quatuor curmedas quedam bona ad curtem nostram
de Rode pertinentia, de quibus annuatim pensionem 20 s. Coloniensis monete et 16 pullorum
solvere consueverunt, nos proprietatem et dominium eorundem bonorum cum curmedis pen-
sionibus et omnibus iuribus ad eadem bona pertinentibus . . . per contractum venditionis
transtulimus in eosdem abbatem et conventum datis nobis pro eodem contractu 36 mr.
Angliensium d. . . . , et quia ab hoc die in antea eorundem bonorum proprietas et dominium
est et erit ipsorum abbatis et conventus ratione ipsorum bonorum, ad nullum iudiciale forum
hiemannorum aut hominum nostrorum in Rode ipsi vel fratres eorum deinceps erunt aliqua-
tenus obligati. Goerz Reg. der Erzb. 1305 Febr. 3: Erzbischof Diether verleiht dem Trierer
Katharinenkloster die Weideberechtigung zu Moierschet, Revern, Waltrach usw. und befi'eit
es von den Gedingen daselbst. C. dipl. Rommersdorf. 43, 1329: eine area gehört zum Hof
in Solms; dictam vero aream absolvimus ab omni onere seu iure, quibus in curia nostra de
Solmisse fuerat obligata vel ligata, proclamantes ipsam in hiis scriptis de cetero liberam,
solutam, propriam, nee ad dictam curiam amplius pertinere. insuper etiam de gratia special!
tres ob. debitales annis singulis remittimus, quos dicta area in curiam prefatam solvere tene-
batur. Hier geht die zuerst betonte Freiheit sicher auf die Dingpflicht. Aus späterer Zeit
vgl. voraehmlich Arch. Clervaux No. 193, 1336; 314, 1353; CRM. 3, 520, 1370.
[Wirtschaft d. Grofsgruudbes. — 930 —
also verstaen, also inaniche lehen als einer besitzte, es sie man ader fraue,
wanne sie sterbent, sullent sie alsdan och also nianiche bestehaufter ader
kurnmet schuldich sin dem apt zu sent Maximin zu geben und sime scholtis zu
Barwiler hantrechen, das beste nach eime, nach erkentenis der scheffen. item
ein iclicher lehenman ader fraue sal und ist schuldich sin lehen zu entphaen,
also vil er der hait un ime zostent, van eins vorg. apts scholtissen ader
amptman zu Barwiler, wanne er das kurmoit ader bestehauft bezalt. und da-
van ist er auch schuldich dem voigt un den scheffen zusamen ein vertel wins
nach erkentenis der scheffen. item si aliquis prescriptorum feodalium seu
mansionariorum recederet et dimitteret suum lehenguit incultum, sie quod non
solverentur census de eisdem bonis dqmino abbati, tunc erunt eadem bona
in manu abbatis, donec singulos census solvat secundum iudicium scabinorum;
et potest scultetus domini abbatis de eisdem bonis disponere ad utilitatem ab-
batis, donec solvantur census. Diese Schilderung, welcher eine Reihe inhalt-
lich verwandter Aufzeichnungen zur Seite tritt \ zeigt, wie die Hauptmomente
der Grundhörigkeit nunmehr infolge der bald mehr bald minder radikalen
Abschwenkung so vieler grundhörigen Landnutzungen zur Erbpacht klar er-
kannt wurden, und wie man nun auf diese Erkenntnis hin in die verrotteten
Verhältnisse der alten Grundhörigkeit reformatorisch eingriff; es sind genau
die beim Übergang zur Erbpacht hervortretenden Momente: Zinspflicht in
einem Abgabenkomplex Kurmede und Empfängnis, sowie Gerichtspflicht: auf
welche hier eine einfachere und zugleich würdigere Grundhörigkeit begründet
erscheint.
Aber die Hauptwirkung, welche dem Auflösungsprozefs der alten Grund-
hörigkeit während der Stauferzeit zugeschrieben werden mufs, ist doch keines-
wegs in einer immerhin vereinzelt bleibenden Neuordnung grundhöriger Ver-
hältnisse im späteren Mittelalter zu suchen ; sie geht vielmehr auf die Ausbildung
freier Landnutzungsformen seit eben auch der Stauferzeit. Hatte die Prekarei
und das Zinslehen auf diese Ausbildung nur geringen, das Dienstlehen nur
1) S. oben S. 924 Note 3.
2) S. schon Cod. Salm. S. 37 Note 1, 1276: curiam de Hunoldesteine cum omnibus
appenditiis, videlicet cum hominibus in curia morantibus et eorum heredibus, et cum quatuor
aghtis et duos homines nostros cum bonis liberis eorum, que a nobis tenent. Vgl. ferner
Bd. 3, 140, 23, 1325; W. des Hofes Merchem bei Esch 1518, G. 2, 584: weist der geschworen
zwölf kürmudiger lehen, und gibt jedes lehen des jars dem lehenherrn 7 alb. , ein half
hundert eier und ein hoen ; und so dick der empfengliche man stirbt, den herren ein kurmuth,
nemblich den geschlitten fuiß, die best nach dem ersten bis zu dem dreistemplichen stoil zu,
so kein quick vorhanden. Sicher in diesen Zusammenhang gehören auch die Bd. 2, 231 f.
verzeichneten Steinfelder Erben, sowie vermutlich auch Lehen, welche *Scheckman am
Schlüsse seines Leimsspiegels mit folgenden Worten schildert: sunt preterea compluria alia
feoda, quorum homines seu fideles dumtaxat homagium, non literas prestant: qui signaturam
aliam habent; atque item homines fideles, qui feoda gestaut quinlibrata vulgariter funfpundich
lehen et feoda dicta canina vulgariter hontslehen, commorantes sub districtu cellerarie de
Valle, atque feoda ibidem sita : de quibus non hie sed alibi disseritur. S. auch Bd. 3 Wortr.
u. d. WW. feodalis, feodati, feodum, lehen ; sowie Landau Territ. S. 12.
— 931 — Umwälzung (1. Wirtschaftsverfassuiig.]
materiell e^ng begrenzten EinHuis, so ist es die Auflösung der grundhörigen
Nutzungen gewesen, welclun" teilw(MS die Form und ganz überwiegend das in-
haltliiiie Substrat für die seit der Stauferzeit immer massenhafter auftretenden
rächten verdankt Avard^
Freilieh fehlte es nebenher nicht an Gelegenheit, auch auf andere Weise
freie Pachtformen zur Ausbildung zu bringen. Schon die Entwicklung neuer
Wirtschaftsformen in den Städten des 12. Jhs., der hier besonders rasch unter
Benutzung alter Leihearten vollzogene Übergang zu mobileren Fonnen lang-
fristigen Kredites ^, die Einwirkung dieses Umschwunges wie der geld wirtschaft-
lichen Revolution überhaupt, nmfsten auch auf dem platten Lande wenigstens
seit Mitte des 13. Jhs. die Aufnahme freierer Landnutzungsformen l)egünstigen^.
Dazu fehlte es nicht an eigenständigen Entwicklungen des platten Landes
selbst, welche zu völlig freier Pacht hindrängten. Es gab auf dem Lande
Nutzungswerte, welche sich ihrer Natur nach nicht in einen grundhörigen
Nexus bringen liefsen, und es gab weiterhin schon grundhörig gefalste
Nutzungen, auf deren w^eitere Verleihung man bei dem Verfall der Fronhofs-
verfassung Wert zu legen begann. Beide Arten von Nutzungen mufsten ganz
notwendig zur freien Pacht führen. Um mit der letzten Kategorie zu be-
ginnen, so war es selbstverständlich, dafs Meierämter, wenn überhaupt ver-
pachtet, so frei verpachtet werden mufsten*. Dasselbe gilt von allen anderen
selbständigen grundherrlichen Verwaltungen, Mühlen^, Fischereien^ u. s. w.
^) Natürlich dauern neben den Pachten doch auch die alten Leihformen des Lehens
noch immer, wenn auch auf wirtschaftlichem Gebiete sehr abgeschwächt fort; vgl. MR. ÜB.
8, 341, 1228: Heinrich VII. vererblehnt in rectum feudum ein Haus in Boppard an Dietrich
aurifaber de Colonia. S. ferner Bd. 3, No. 113, 1325; *Bald. Kesselst. S. 375, 1343, gewöhn-
liches Feudum Wilhelmi Blasen : bona in Guntravia videlicet vineas ad vitam suam et matris
sue. *Bald. Kesselst. S. 427, 1349: ich Henrich von Clotten burgreve zu Cochem be-
kennen . ., daz . . her Baldewin erzbischof zu Triere mir von sinen gnaden gelüwen hat zu
rechtem manlehen sine hovestad und hüs gelegen in der stad zu Cochem . . mir und minen
rechten lehenserben na mir ewiglichen zu besitzen zu bruchene . .; und sullen darüber ich
und mine vorgen. erben unseren vorgen. herren . . allerjerliches eine mark penninge Cochemer
werunge, als da zu ziden genge und gebe ist, ewelicher und erflicher zinse davon geben und
bezalen alle jar uf sente Mertins dag in dem winther. Weiter s. Bd. 3 No. 221, 1398;
No. 255, 1473; schliefslich *Scheckman Spec. feud. C2: in Mamer hat Jemand zu Lehen
mansum terre arabilis, octo etiam advocatias tam in domibus quam areolis, in quibus etiam
villicationem iudiciumque tenet feuditarius et paenas seu mulctas curtales seu areales non
criminales levat . . . item potest pecora sua et greges suos seorsum a communitate de M.
ducere ad pascua.
2) S. Bd. 2, 608 ff.
3) Doch s. oben S. 900 Note 2.
*) S. oben S. 890 Note 1.
^) Zur Verzinsung bzw. Verpachtung von Mühlen vgl. MR. ÜB. 1, 424, 1112; Ennen,
Qu. 1, 547, 71, 1158; Ann. d. bist. Ver. f. d. Niederrh. 23, 265, 1162; Cart. Orval. 73, 1178;
MR.ÜB. 2,49*, 1181; 90,1187; 2,215,1203; 274,1211; 3,28, 1214; 71, 1217; 461, 1232; 847,
1246; 931, 1248; 1059, 1250; 1092, 1251; 1127, 1251; 1309, 1255.
«) S. z. B. MR. ÜB. 3, 296, 1226.
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 932
Aus der ersten Kategorie al)er seien hier nur zwei späterhin weitverbreitete
Pachtohjekte genannt, die Zehnte und die markgenössischen Alhnendelände-
reien. Auf beide war natürlich eine gebundene Nutzungsform nicht anwend-
bar; weder der Zehntherr noch die Markgenossenschaft konnte als solche
Grundherr oder eine dem ähnliche Macht sein.
Von beiden Entwicklungen, der Zehntpacht und der Allmendepacht,
bietet aber besonders wieder die Zehntpacht ein weiteres Interesse, das hier
um so mehr zur Geltung gebracht werden darf, als seine Erörterung zugleich
zu der bald aufzuwerfenden Frage nach dem Synchronismus der Erb-, Vital-
und Zeitpacht hinüberleitet ^
Schon in der Form vollen Lohns wird die Zehntleihe ])ezeichnend ^enug
durchaus wirtschaftlich gefafst; Lac. ÜB. 1, 130, 202 erwähnt zum J. 1064
eine decimatio in Zülpich, que in beneficio fuerat Sicconis comitis pro 10 libris.
Bei einer solchen Auffassung schon im 11. Jh. könnte man einen baldigen Über-
gang zur Zeitpacht schon wegen der aufserordentlich schwankenden Höhe der
Zehnterträge wohl erwarten. Indes er tritt nach Ausweis der vorliegenden
schriftlichen Überlieferung doch im 12. Jh. noch nicht ein. Vielmehr ergeben
die Urkunden in diesem Jh. nur eine Bewegung auf Vererbpachtung der Zehnte
an die Zehntpfiichtigen, also einen Vorgang, der mit einer blofsen Fixierung der
Zehnterträge vielfach identisch ist^. Bei steigender Grundrente und nament-
lich bei wachsendem Ausbau lag diese Bewegung vor allem im Interesse der
Zehntpflichtigen ; erst spät, in den siebenziger Jahren des 12. Jhs., bringen
die Zehntherren an ihr die Korrektur an, dafs der Pachtzins proportional
dem vermehrten Bauland wachsen solle ^. Allein nachdem die Vererbpachtung
1) Zur Allmendepacht vgl. oben S. 124 und 294, speciell S. 294 Note 3; ferner MR.
ÜB. 2, 174, 1198, cit. oben S. 422 im Text; MR. ÜB. 3, 734, c. 1240, cit. oben S. 279
Note 1; Guden. CD. 2, 958, 1274, cit. oben S. 279 im Text; Hennes ÜB. 1, 237, 1274:
scultetus milites scabini ac universitas opidi Confluentini unanimi consensu viris religiosis . . .
commendatori et fratribus domus sancte Marie Theutonicorum in Confluentia nemus agros et
vineas dictas Nuelende sitas iuxta Leie sub semita, que dicitur Crainpat, usque ad viam, que
dicitur Vipat, pro annuo censu videlicet 12 d. Coloniensium, et vineam sitam in monte iuxta
Capellin sub vineis heredum Reimboldi militis de Sterrinberch pro tribus d. dicte monete
iure hereditario concessimus perpetuo possidendas. Ferner vgl. noch CRM. 3, 24, 1305, cit.
oben S. 388 im Text; und Bd. 3, 286 !>, 1471. — Zur Zehntverpaclitung vgl. Lac. ÜB. 1,
130, 202, 1064; MR. ÜB. 1, 455, 1126; 573, 1153; MR. ÜB. 1, 614, 1158; 630, 1161; 2,
22*, 1174; 36*, 1179; 37*, 1169-79; 42*, 43*, 1181; 179, 1199; 3, 249, 1225; 590, 1237;
1114, 1251; 1219, 1253; 1249, 1254; 1304, 1255. Ein Prozess, wo ein Privatmann einem
andern den Zehnten verpachtet hat, bei I^oersch, Ingelh. Oberhof No. 380, S. 444.
2) Vgl. MR. ÜB. 1, 455, 1126, Urkunde Richwins: R. scolasticus [des Domkapitels]
michi et Adelheidi uxori meg et proli nostr? in ?ternum hereditario iur? possidendum [pratum
in Roser (Röser bei Esch a. d. Alzig) tradidit] . . . eodem pacto suis et meis successoribus
firmiter in perpetuum observando ea conditione concessit, ut quotannis in natali domini in
festo sancti Stephani 2 s. in censum et 3 d. pro feni decima persolvamus. S. femer MR. ÜB.
1, 573, 1153; 604, 1157; 612, 1158; 630, 1161. S. auch oben S. 616.
'"^) MR. ÜB. 2, 22*, 1174; 37*, 1169—79; 36*, 1179: si autem processu temporis
possessio fratrum in predicta parrochia augmentatur, et pactum decimanun secundum con-
siderationem rationis augeatur. Vgl. auch noch MR. ÜB. 2, 42*, 43*, 1181.
— 933 — Umwälzung d. Wirtschaftsverfassuiig.]
der Zehiitloistungon bis gegen Sclilufs des Jlis. lel)haft betrieben worden war\
sahen die Zehntlierren doch, soweit der direkte urknndliche Nachweis reicht,
ihren ^'orteil vielmehr in der Zeitverpachtung; und so l)eginnt denn nun-
mehr vom Anfang des 13. Jhs. ab ^ eine Folge von Zeitpachtverträgen, welche
schlielslich in die Aufstellung förmlicher Paclitordnungen gegen Schlufs des
Mittelalters ausläuft^. Das System wird schon im Beginn dieser neuen Epoche
in den Iura prepositi sancti Castoris Confluentini um 1200 klassisch geschildert:
solet fieri, ut (decimae sancti Castoris) certa suli pensione apud aliquos pro-
bat^ fidei vires quandoque locantur, quam pactum usualiter vocamus, pacta-
rium vero eum, qui certam sunnnam certo tempore de connnisso se redditurum
paciscitur. quotienscumque autem hoc fieri oportet, talis servandus est ordo,
ut primo pactarius a fratril)us, cui credere secure possint, queratur, et ab
eisdeni smnma pacti iuxta estimationem competentem denominetur, deinde
a manu prepositi hec pactio illi confirmetur, si is ad tempus vite
ipsius prepositi stabiliendus est, sicut de qui1)usdum tantum decimis usus
habet antiquitatis. ubi vero annualis fit mutatio vel paucorum annorum certus
statuitur terminus, ibi respectus ad prelatum non habetur, set fratres tantum
ad hoc perfciendum sufficere debent*.
Man sieht: nach unseren Quellen entwickelt sich in der Geschichte der
Zehntpacht, trotz voll vorhandener Möglichkeit, die Zeitpacht doch nicht in
ältester Zeit ; ihr geht eine Epoche der Erbpacht voran ; erst mit dem Beginn
des 13. Jhs. zeigt sich das System der Vital- und Zeitpacht quellenmäfsig
belegt, aber auch sofort in jeder Beziehung fertig ausgebildet.
Ist nun dieser Entwicklungsgang, wie ihn eine strikte Interpretation der
vorliegenden Quellenkomplexe ergiebt, in Wirklichkeit denkbar? Wird die
erste urkundliche Angabe über eine neue Landnutzungsform so ausführlich
lauten, so reiche Erfahrung atmen, wie oben die Notiz über die Zehntver-
pachtung von SCastor?
Es wäre eine Ausnahme, für deren Glaubhaftigkeit besondere Beweis-
1) MR. ÜB. 2, 65, 1184, Papst Lucius III. für Himmerode betreffs der vielen Zehnten-
konvertierimgen : decimales censuum pactiones a Trevirorum archiepiscopis Alberone Hillino
Amoldo vobis rationabiliter confimiatas archidiaconorum et pastonim, qui timc temporis
Ulis ecclesiis prefiierunt, communi et voluntario assensu sicut canonice facte sunt, ratas
habemus.
2) Eine etwas freiere Regung schon MR. ÜB. 1, 614, c. 1158, Zehnt, bisher in bene-
ficium, nun an die Lehnberechtigten zu Vitalpacht gegeben (concessa possidenda, dum
advixerint) pacto huius conventionis : singulis annis 5 garbas et 3 vini sext. pro iiu'is sui
comprobatione . . solvent. Das ist aber doch mehr ein Rekognitionszins, als eine Pachtsumme.
3) S. Bd. 3 No. 306 und 307.
*) MR. ÜB. 2, 359—360; vgl. auch a. a. 0. 3, 249, 1225, sowie oben S. 614 Note 4.
Aus späterer Zeit s. z. B. *üSMax. 1484, Bl. 82 a, WBarweiler: in Barwiler habemus duas
partes decimaram, que secundum sub et supra solent locari pro 40 mir. plus vel minus,
tertia pars siliginis et due partes avene. item in Wisemscheit et Budler habemus etiam
duas partes decimarum, que etiam secundum sub et supra solent locari pro 40 mir. plus vel
minus. S. ferner *USMax. 1484 Bl. 52 a, WOsperen; sowie Bd. 2, 225 L
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 934 —
mittel zur Verfügung stehen müfsten. Solche Beweismittel fehlen aber;
ja ganz im Gegenteil giebt es eine Reihe von Symptomen, welche auf eine
schon viel frühere Existenz der Zeitpacht hinweisen. Die Zehnterbpacht stirlit
nach urkundlichem Zeugnis schon vor der Mitte des 13. Jhs. aus\ ferner werden in
den ersten zwanzig Jahren des 13. Jhs. zahlreiche Zehnterbpachtungen durch Al)-
kauf aufgelöst ^ ; endlich beginnt seit etwa 1240 eine Bewegung zur Zehntver-
koppelung^, deren Durchführung jede Er1)pacht ausschliefsen mufste. So kann
man mit Sicherheit behaupten, dal's Zehnterbpacht spätestens seit der Mitte des
13. Jhs. selten geworden sein mul's, dais also Zeitpacht in umfassender Weise an
ihre Stelle getreten sein wird. Aber finden wir diesen Vorgang quellenmäfsig
belegt? Keineswegs. Nur nebenher in zufälligen Erwähnungen oder in konsti-
tutiven Ordnungen ist von Zeitpacht am Zehnt die Rede *. Kurz, das Quellen-
1) S. noch MR. ÜB. 2, 250, 1209; 263, 1210; Goeiz MR. Reg. 2, 1924, 1229; auch
oben S. 616 Note 4.
2) MR. ÜB. 2, 263, 1210: decanus Monasteriensis G., cum decimam quandam in villa
Nuenheim ecclesie Monasteriensi attinentem a laicis quibusdam quasi hereditarie sub certa
tarnen pensione detentam propria pecunia sua non sine gravi et multa difficultate a potestate
et manu laicali liberasset . . Picks Monatsschr. 3, 265, 1217: Vergleich zwischen Gerresheim
und Ritter Ludwig von Linz betr. die Pacht des Linzer Korn- und Weinzehnten. Miles
pretaxatus . . recognoscit, . . se nihil iuris in aliqua decima vini in Linse habere, sed
universam, que et fuit et est et futura erit, integraliter conventui cedere debere. recognoscit
et idem miles in decima annone, de qua 26 mir. tritici annuatim sepedicto conventui solvit
et solvet quoad vixerit, . . nulluni heredem suorum id iuris post eins obitum habiturum,
coram omnibus insuper professus, quod, quando tempore statuto et more debito pensionem
hanc, prout teneretur, non persolveret, se ipsum per hoc eins procuratione privaret. MR. ÜB.
3, 92, 1218, Vergleich zwischen Himmerode und dem Pfarrer zu Metternich wegen des
Metternicher Zehnten: dicentibus hoc et cum sacramento protestantibus scabinis synodalibus
et rusticis omnibus, qui hec diligentius et discretius examinaverunt , quod ista recompensatio
pro parte plebani potior esset, quam proventus decimarum. quia vero ista commutatio bene
et rationabiliter ordinata est et de assensu meo et approbatione multorum bonorum virorum
tam militum quam scabinorum synodalium et rusticorum totius ville de Mettricha processit
ad effectum . . . Quix Cod. Aqu. 2, 132, 1222: cum Tiricus Dunrestein de Sintzge decimas
seu alia bona (ecclesie Aquensis) . . dinoscitur in perpetuum pactum vindicare, tandem
errorem suum recognoscens . . omni actioni, quam sibi [de] dicto pacto competere dicebat,
(renuntiavit). Vgl. dazu die grofse Urkunde bei (^uix 1, 104, 1227.
3) S. oben S. 383.
*) Bd. 3, 10, 32, 1235; MR. ÜB. 3, 697, 1241/42: der Graf von Virneburg hat die
Korntransporte des Stiftes Karden geschädigt. Eine Konmiission wird eingesetzt investigaturi
a pactariis nostris in quibuscunque locis commorantibus , prestito etiam ab eisdem pactariis
corporali iuramento de veritate dicenda, omni cavillatione et dolo excluso, quantum comes
sive eins nuntii ab eisdem receperint de ablatis. quecunque vero dicti pactarii sub iura-
mento ab eis prestito confessi fuerint, comitem vel suos nuntios nobis abstulisse, hec dicte
quatuor persone L. E, G. et S. in quatuor sacris diebus pasche convenientes dictis quatuor
fideiussoribus comitis intimabunt. Arch. Clervaux 36, 1286: Johann Herr von Weiler zum
Thunn schenkt jemand 15 mir. vom Zehnten zu Bitburg unter dem Versprechen, quod
quandocumque dictam decimam nos aut nostros nuntios locare contigerit, quod pensionarios
ipsius decime singulis annis dictis coniugibus ac in posterum eorum lieredibus respondere
— 935 — llinwälzung d. Wirtschaftsverfassung.]
verliältiiis ist dasselbe, wie fiir den Schluls des 12. Jlis. — und doch besteht
dit^ Zeiti)acht.
Die Erklärung dieser Erscheinung ergiebt sich ohne weiteres aus dem
Charakter unserer urkundlichen Überlieferung, tlberliefert ist uns aus dem
gesamten Aktenmaterial des früheren Mittelalters systematisch nur das, was
für die spätere Generation noch Aufbewahrungswert besal's, nicht aber das
Aktenmaterial für zeitlich eng begrenzte Interessen: es fehlen uns also, um
den technischen Ausdruck des Mittelalters anzuwenden, die Temporalien^
Zu den Temporalien gehören aber auch die Zehntzeitpachten.
Natürlich gilt dies Überlieferungsverhältnis nicht blofs für die Zehnt-
zeitpachten, sondern für die Zeitpachten überhaupt. Auch sie sind in der ge-
wöhnlichen IJberlieferung so gut wie nicht vertreten: von 168 Pachtkontrakten,
w^elche der dritte Bd. der Mittelrheinischen Regesten in der gesamten urkund-
lichen Überlieferung der Jahre 1237—1273 verzeichnet, betreuen 155 Erb-
pachten, 9 Vitalpachten und nur 4 Zeitpachten.
Aber auch hier läfst sich noch, abgesehen von der Analogie der Zehnt-
zeitpachten, der selbständige Beweis mit Sicherheit erbringen, dafs die Über-
lieferung das wahre Verhältnis von Erbpacht zu Vital- und Zeitpacht auch
nicht entfernt richtig wiedergiebt. Unter gleichzeitiger Einführung schrift-
licher Verzeichnisse für die Akte freiwilliger Gerichtsbarkeit bestinnnt Erz-
bischof Philipp von Köln im J. 1173 für Andernach, nulluni allodium dari vel
delegari debere vel posse et corani testibus aliis, nisi coram iudice et coram
scabinis^: jede Ül)ertragung und Erbpacht^ war also zu verzeichnen, die Zeit-
pacht dagegen nicht. Dieser Standpunkt ist auch derjenige der generellen Ur-
kundenkopiare — sie verzeichnen nur Perpetualien, nicht Temporalien ; und eben
sie wie die nach gleichem Grundsatz gebildeten Archive bilden ja den Grund-
stock unserer urkundlichen Überlieferung.
So mufs man denn dieser geschlossenen Masse urkundlicher Tradition
gegenüber das w^enige aufsuchen, was uns aus der Zeit vor dem 15. Jh. an
originalen Verwaltungsakten des platten Landes erhalten ist, wenn man zu
einer sicheren Erörterung der Frage nach der Priorität der Erb-, Vital- oder
Zeitpacht gelangen will. Eigentliche Pachtakten, Beständnisbücher u. dgl.
faciemus singulis annis de quiiidecim mir. antedictis et cavere idonee de solutione
earumdem.
1) S. Bd. 2, 687.
2) S. oben S. 631 Note 1. Anders freilich, scheint es, die Mainzer Richter. Sie
notieren nach MPi. ÜB. 2, 49*, 1181 ea, quf in nostra presentia vel venditione transferimtiir
vel locatione condiiciintur seii in enphitheosim, qiii contractus inter venditionem et locationem
medius consistit, rationabiliter conceduntur, precipue inter domos religiosas et loca divino
obsequio maneipata. Doch liegt hier wohl fremde Rechtsanschaiuing vor.
3) Über delegare vererbpachten s. MR. ÜB. 1, 536, 1145, cit. oben S. 899 Note 3;
mid unten S. 938, Note 4, S. 944 Note 1. Die Andernacher Schreinsrolle verzeichnet in
der That nur Erbpachten, nicht Zeitpachten.
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes.
— 936 —
helfen hier nichts, sie gehen nur selten über das 15. Jh. hinaus zurück K So
nehmen wir zunächst eine Quelle genereller Art zu Hilfe, die Trierer erz-
stiftischen Kopiare^, welche teil weis auch Verwaltungssachen erhalten, und
deren Stoff in Goerz' Regesten der Erzbischöfe repertorisiert ist. Hier er-
giebt sich an Pachtkontrakten folgende Höhe:
Absokite Höhe
Zeit ! Erbpacht ! Vitalpacht Zeitpacht
Insgemein
Prozentuale Höhe
Erbpacht
Vitalpacht
Zeitpacht
1300-
-1325
2
1326-
-1350
2
1351-
-1375
16
1376-
-1400
25
1401-
-1425
12
1426-
-1450
2
1451-
-1475
21
1476-
-1500
40
1
6
8
14
2
2
1
1
2
3
6
10
1
6
17
3
5
25
39
36
5
29
58
66,6
—
33,3
40
20
40
64
24
12
64,1
20,5
15,4
33,3
39
27,7
40
40
20
74,4
6,8
18,8
69
1,7
29,3
Die prozentuale Höhe der Vital- und Zeitpachten überragt hier ihre aus
sonstigen Quellen bekannte relative Anzahl in dieser Zeit um ein ganz Be-
deutendes^.
Aber das Glück will es, dafs wir auch noch für das 13. Jh. uns wenigstens
an einem Punkte eine Vorstellung vom numerischen Verhältnis der einzelnen
Pachtarten machen können. Für diese Zeit sind nämlich die bisher unbekannten
Pachtverwaltungsakten des Klosters Rupertsberg unten in Bd. 3 Nr. 2 zum
Abdnick gebracht worden. Hier ergeben sich für die Jahre
1) S. z. B. Bd. 2, 698.
2) S. Bd. 2, 682 ff.
^) Das kann mit Sicherheit nach dem Gesamteindruck der Überlieferung behauptet
werden. Man vgl. übrigens speziell auch für die älteste Zeit an Zeitpachten MR. ÜB. 1, 613
c. 1160; *Abschr. Miltenberg, jetzt München, 1235, vgl. Goerz MR. Reg. 2, 2147; Remling
Speier. ÜB. 211, 1237 [Münze]; MR. ÜB. 3, 1015, 1249; Westd. Zs. Bd. 2 Kon^bl. 219, 1299
Hennes ÜB. 2, 382, 1308; *Dipl. Prumiense Bl. 136», 1325; Bd. 3, 149, 12, 1330; *UMünster
maifeld Hs. Koblenz St. A. CXl\ Bl. 41 b, 1335; 42, 1335; Guden. CD. 2, 1087, 1344
*UMünsterraaifeld Bl. 38 1, 1348; Arch. Clervaux 362, 1358; *Dipl. Prumiense Bl. 119 ^
1372 usw. — an Vitalpachten MR. ÜB. 1, 449, 1122; *Bald. Kesselst. 1218, Goerz MR. Reg
2, 1396; MR. ÜB. 3, 173, 1221; 347, 1228; *Chart. Trier Stadtbibl. 1242, s. Lager Mettlach
298; Ennen, Qu. 2, 235, 232, 1243; *Andernach. Schreinsr. No. 158, G. 750, 1249; *Düssel-
dorf St. A. Pant. Or. 57, 1260; Guden. CD. 5, 62, 1272; Kremer Ardenn. Geschl. Cod. dipl.
S. 367, 1278; Bd. 3, 76—77, 1278; 78—79, 1279; Bd. 3, No. 88, 1309; *Trad. Rupertsb.
Bl. 42^ 1313; Bd. 3, 121 f., 1321; 125 f., 1321; 228, 1356; *Koblenz St. A. MC. Hb,
Bl. 150 b und hieraus MC. III Bl. 229^—230», 1376; *Arch. Maximin. 5, 1240, 1381 usw.
937 — riiiwiUziiiig il. Wirtscliaftöverlassiing.
1195 — 1323 i Erbpachten | Vjtalpachten Zeitpachteii
Absolut
12
27
Prozentual
26,6
13,4
60
Dem stehen in der gemeinen Überlieferung (Goerz, Regesten Bd. 3) gegenüber
1137 — 1273 Erbpachten
Vitalpachten
Zeitpachten
Absolut
155
9
4
Prozentual
92,3
5,4
2,3
Diesen Ziffern ist nichts zuzusetzen; sie zeigen, wie aulserordentlieh ungleich
unsere Tradition zur Geschichte der Pachtfornien ist: in der That werden
Zeitpachten in der gemeinen Überlieferung meist nur zufällig und nebenher
oder in konstitutiven Dokumenten genannt : die sclion fiir die Zehntzeitpachten
beobachtete Erscheinung ist eine allgemeine ^
Wie aber soll man sich nun bei dieser Lage der Tradition das nume-
rische und chronologische Verhältnis der einzelnen Tachtformen in ihrer Ent-
stehungszeit, im 12. Jh., denken?
Geben wir von vornherein zu, dafs eine weite Verbreitung der Zeit-
l)acht in dieser Zeit vorhanden gewesen sein kann, auch wenn si(^ urkundlich
nicht bezeugt ist, so werden wir unsere Anschauungen im ganzen mehr nach
allgemeinen Erwägungen, als nach dem Stande des Quellenmaterials zu
bilden haben.
Da unterliegt es zunächst keinem Zweifel, dafs das Emporkommen jeder
freieren Nutzungsform, welcher Art sie auch immer sein mochte, von den
besseren Klassen der ländlichen Bevölkerung mit Freude begrüfst worden sein
wird^. Innerhalb der möglichen Nutzungsformen aber mufsten die Grund-
herren bei richtig verstandenem Interesse die Zeitpacht vorziehen; sie setzte
sie in andauernden Mitgenufs der rapide steigenden Grundrente, deren sie
^) 8. noch MF. IIB. 3, 1015, 1249: de vineis nieis in Leidesdorf . ., quas E. militi et
S. dicto H. concessi ad decem annos pro medietate colendas; *U8Elisab. Hosp. Bl. 31^:
de arboribus nucuni domni abbatis, quando nuces locantur . .; *Ba]d. Kesselst. S. 299, 1338:
ouch verpechtet man den win alda umbe siben fuder oder unibe echte, als iz gerächt an dem
jare; AVErjjel 1388, cit. oben S. 289, Note 1.
-) S. die Arengen in den Urkk. des Domkapitels MB. ÜB. 1, 455, 1126: exultate iusti
in domino, rectos decet collaudatio; MB. ÜB. 1, 481, 1135: gustate et videte, quam suavis
est dominus; beatus vir, qui sperat in eo: cuius rei ego [der Pächter] argumentum sum.
Lamprecbt, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 60
I Wirtschaft d. Grorsgruudbes. — 938 —
iniierliall) des gTiiiidliöi'igen Nexus naliezu verlustig* gegangen waren ^ Aber
schon eben dieser Umstand niulste die arbeitenden Klassen, so sehr für
sie wirtschaftlii'lie Freiheit wünschenswert war, doch dem System der Erbpacht
besonders geneigt machen. Für die Erbi)acht sprachen aber anlserdem noch
weitere und durchschlagendere Gründe. Zunächst ein mehr formaler: die
alten Nutzungssysteme der Prekarei wie der (irundhörigkeit standen an sich
der Erbpacht näher und l()sten sich deshalb in dieselbe leichter auf, als in
Zeitpacht ^. Dann aber auch hervorragend materielle: bei der Zeiti)acht war
es anfangs sehr schwer, kapitalkräftige Pächter zu finden und wirksame Vor-
kehrungen für den Heimfall des Pachtgutes nach Ablauf der Pachtfrist zu treffen ;
diese Schwierigkeiten fielen bei der Erbpacht teilweise oder ganz hinweg.
So mögen sich denn die Gründe für Erbpacht und Zeitpacht — sehen
wir von der zwischen beiden stehenden, weniger stark vertretenen und daher
tur die vorliegende Kontroverse ziendich indifterenten Vitalpacht ab — so
ziendich die Wage gehalten haben; und demgemäfs wird anzunehmen sein,
dafs Zeitpacht und Erbpacht schon im 12. Jh. nahezu gleich verbreitet waren,
mag auch die Erbpacht wegen ihrer durch Prekarei und Grundhörigkeit besser
vorbereiteten Entwicklungsbasis etwas früher als die Zeitpacht entstanden sein"^
Wie w^urden aber alle drei Systeme der Erb-, Vital- und Zeitpacht nun-
mehr im Laufe des 12. bis 15. Jhs. völlig ausgebildet? Es versteht sich, dafs
wir, weil in der Beantwortung dieser Frage vom vorhandenen iNIaterial ab-
hängig, die Hauptlinien der Erörterung hier am besten auf die Erbpacht '^ pro-
jizieren, zumal ihr die Vitalpacht in vielen Bestinnnungen sehr nahe steht.
Ist aber die Erbpacht untersucht, so wird es leicht sein, die Unterschiede von
Mtal- und Zeitpacht ihr gegenülier hervorzuheben.
Innerhall) des Erbpachtsystems zunächst einiges über den Pachtantritt
und das ndt demselben eingegangene rechtliche Verhältnis. Das erste, was
hier zu regeln war, war natürlich die Erbfolgeordnung. Nur äufserst selten
1) S. oben S. 622.
^) S. oben S. 892 Note 6; S. 898 Note 5 und 6.
^) Über die quantitative Ausbreitung der Pachten in früher Zeit sich ein exaktes
Bikl zu machon, ist natürlich unmöglich ; Beiträge zu einer Lösung des Problems liefert oben
S. 890 Note 2. Der allgemeine Eindruck, den man erhält, spricht für eine weitgehende Ver-
breitung der Pachten schon im 13. Jh. Auf dem Maifeld war vor der frz. Revolution ^U des
Bodens in Zeitpacht ausgethan und nur V4 Eigentum, s. von Schwerz S. 222.
*) Der älteste Ausdruck flu- Erbpacht ist delegatio, vgl. MR. ÜB. 1, 424, 1112, cit.
unten S. 944 Note 1, dazu oben S. 899 Note 3, S. 935 Note 3 und den zugehörigen
Text. Die wirklich durchschlagende und bis späthin dauernde Bezeichnung wird indes
ins hereditarium, vgl. MR. ÜB. 1, 474, nach 1134; 2, 90, 1187; Rupertsberger Akten
Bd. 3 No. 2; *Andernach. Schreinsr. No. 104, G. 1248, 1215; MR. ÜB. 3, 437, 1231;
Lehnsbuch Werners von Boland S. 36 usw., daneben ins (Mnphiteoticum MR. ÜB. 2, 49*,
1181; *Arch. Maximin. 13, 558, 1385, auch wohl ins censuale, ein Ausdruck, welcher
in MR. ÜB. 2, 141, 1220 mit ins emphiteoticum wechselt. Nur eine Variation von
ins hereditarium oder emphiteoticum ist auch das in einer Pfalzeier Urkunde von 1277,
*USMax. 1484 Bl. 101, und Bd. 3, 156, 24, 1333 gebrauchte perpetua emphiteosis, wie
— ("139 — Cinwal/iuin; (1. Wirt.scliartsvcTtUssiiiig.J
voniiU'liläsfsigtor (hiiiulsatz für sie ist, (hils das Krbiifut unteilbar sei; nur ein
(lies der Ausdruck einer Urkunde in den Ann. d. bist. Ver. f. d. Niederrh. 44, 84, 1862
zeigt: in empliydosim perpetuani , id est iure liereditario. Audi possessio in eternuni
possessio et usus perpetuus, iure liereditario in perpetuum possessio, tenere et habere per-
petue et liereditarie ist statt ins liereditariuin beliebt, s. MR. IIB. 1, 481, 1135; 2, 45*, 1181;
8, 487, 1231; Ikl 3, 56, n, 1269; llennes U13. 1, 218, 1271; *I)ipl. Prumiense lil. 58s 1844;
es wird aber in der Verbindung possidere pro censu wohl aucli für Zeitiiacht gebraucht,
s. Bd. 8, 64, 21, 1273. In gleicher Weise wie ius hereditariuni und die anschliefsenden Aus-
drücke kommt auch hereditas vor, so zuerst MB. IIB. 1, 431, 1115; 477, 1134; 2, 45*, 1181.
Hiernach heifseii die Erbpächter heiedes: MB. ÜB. 1, 474, nach 1134; 477, 1184 — doch
ist noch in der Urkunde MR. ÜB. 1, 618, c. 1160 heres mit Gehöfer identisch. Sehr charak-
teristisch ist die schon früh eintretende Steigerung von hereditas zu hereditas firma, per-
jietua, vgl. MB. ÜB. 1, 431, 1115; *Andernach. Schreinsr., G. 787, 1198—97: diese Steigerung
führt bald dahin, dafs das Wort firma selbst substantivisch als Pacht gebraucht wird, in
unserem Gebiete zuerst CRM. 2, 166, 1255: ad firmam susceperunt (bona) . . in perpetuum
iure hereditario possidenda; ferner *Arch. Maximin. 12, 514, 1291: perpetuo concedimus ad
lirinam ; auch Bd. 3, 99, 23, 1291 : dare ad firmam sive ad censam. Wie diese Beispiele be-
weisen, steht hier firma einfach für Pacht, nicht für Erbpacht; in der That findet sich denn
llennes ÜB. 2, 382, 1308 eine firma auf 6 Jahre und *Dipl. Prumiense Bl. 136 a , 1815 eine
solche auf 12 Jahre. Vgl. auch Stat. synod. 1310, c. 69, Blattau 1, 102: cupientes hospita-
litatem in ecclesiis observari interdieimus , ut nullus ecclesias ad censum vel ad firmam det
et concedat seu fructus eius obliget absque nostra et episcoporum loci licentia speciali; sed
et si quis ex aliqua rationabili causa ad censum seu ad firmam dandi liceiitiam a nobis seu
ejjiscopo loci obtinuerit, non tarnen alicui saeculari personae officium aliquod in quocunque
saeculari regimine gerenti adcensare obligare seu ad firmam dare praesumat. Statt censum
ist hier wohl censam zu lesen; wird doch von dem hier vorkommenden Wort adcensare
sogar der Ausdruck ascensa im Sinne von firma gebildet, vgl. Guden. CD. 2, 1087, 1344;
Bd. 3 Wortr. u. d. W. acens; und *I)ipl. Prumiense Bl. 142», 1354: recipere ad legitimam
firmam seu accensam scutumque seu terminum triginta annoruin. Gegenüber diesen vielfachen
Ijezeichnungen gewannt das Wort pactum pacht in lateinischer wie deutscher Form an der
Mosel erst sehr spät typische Bedeutung; lange bleibt es, wenn es auch für Pacht gebraucht
wird (z. B. MR. ÜB. 1, 455, 1126) doch im ganzen indifferent; es kann in früherer Zeit auch
auf Prekarei gehen — so heifst z. B. MR. ÜB. 1, 169, 926 eine Prekarei convenientia et
l)actum — , und es wird noch spät auch für Gehalt angewendet, vgl. Bd. 3, 179, 21, 1340;
193, 9, 1345. Die idteste deutsche Bezeichnung für Erbpacht ist demgegenüber ervescaf,
MR. ÜB. 2, 49*, 1181, und ervelien, *Andernacli. Schreinsr., G. 787, 1193—97. — Die
Pachtsunnne selbst heifst pensio — doch heifst auch schon MR. ÜB. 1, 106, 867 der Zins
einer einfachen Prekarei pensio (die Stelle ist zu lesen sub annuali pensione, que plenius
usw.) — vgl. Lac. Archiv 3, 139, 1222, cit. Bd. 2, 674 Note 2; Hennes ÜB. 2, 361, 1302.
t'reilich geht das M'ort pensio recht bald auch in die Bedeutung von Pachtverhältnis über,
s. Ennen, Qu. 2, 180, 179, 1238; Bd. 3, 99, 25, 1291; und demgemäfs finden sich dann
späterhin Ausdrücke wie annua et perpetua pensio, s. Guden. CD. 2, 1010, 1314; s. auch
llennes ÜB. 2, 395, 1315, w^o die Acker eines Gemeindemitglieds von Erpel pensionarie vel
alio quocumque iure [ab aliis] dependent; [und *Dipl. Prumiense Bl. 136*, 1315: pro nol>is
et nostris heredibus recepimus ad pensionem sive ad firmam. — Das Eingehen des Pacht-
kontrakts wird mit libere conducere bezeichnet, s. *Andernach. Schreinsr. No. 129, G. 1888,
1228; No. 133, G. 1890, 1228. Dem entspricht dann ein exponere libere et locare sub
annua pensione, s. Bd. 3, 221, 17, c. 1350. Deutsche Ausdrücke für Vererbpachtung bieten
Cart. Clairefontaine 211, zum J. 1446: verzinsen und laessen zu gronde und zu erbe zu
ewigen dagen durch imerme; und ähnlich Bd. 3, 284, 34, 1471: lihen zu ewigen tagen
unwidderuflich. — Bisweilen erscheint endlich dos Eingehen des Erbpachtvertrags geraden-
60*
[Wirtschaft d. (irnrsgrundbes. — 940 —
Erbe wird zur Nachfolge zugelassen ^ Innerhall) dieser Schranke war dann
die Erbfolge so geordnet, dais zumeist nur die direkten Deszendenten erb-
fähig waren, bei Ehegatten wold meist unter Zulassung einer Leibzucht für
den iiberlebenden TeiP. Dabei war in den strengsten Fällen die Succession
aufserdem auf Männer beschränkt^; bei milderer Auffassung wurden auch
Weiber zugelassen^. Indes konnnen doch auch Fälle vor, wo man sich über-
haupt nicht an die direkte Deszendenz bindet und Männer und Weiber inner-
halb dieser weiteren Fassung dann gleichmäfsig zuläfst'"^. Unter den in
wegs als Kauf; so lieifst es Bd. 3, 248, 24, 1382, ein Erbpaclithcir habe dem Eibpächter vur
sich .und sine erben erfliche . . von kaufs wegen geluwen. Besonders bezeichnend ist in
dieser Hinsicht *Koblenz St. A. MC. VII Bl. 335 a— 335 1»^ No. 996, 1482. Zur Bedeutung
dieser Auffassung s. weiter unten S. 954 Note 8.
^) MB. ÜB. 1, 474, nach 1134: illud etiani su])eraddidimus, ut non duo vel tres, sed
unus tantuni de heredibus illoruni hanc semper liereditateni haberet et omnia prenominata
sine contradictione perageret. MB. ÜB. 3, 514, 1234, Vererbpachtung des Kardener Hofes
'/AI Treis, ea conditione, ut si liberos genuerint, predicte aree hereditas non inter eos scin-
datur, sed tantuni ad unum heredem devolvatur hereditarie possidenda. Bd. 3, 7, le, 1272:
AVeinberge in Erbi)acht, ita tarnen, quod dicte vinee apud unum heredum suorum maneant
indivise. S. ferner noch Hennes IIB. 1, 232, 1274; *Arch. Maximin. 8, 209, 1292; Ann. d.
bist. Ver. f. d. Niederrli. 44, 86, 1369. — Von zwei Erben sprechen nur MR. ÜB. 2, 90,
1187, und *Arch. Maximin. 8, 707, 1491: Verpachtung des Simmerner Hofes auf unser und
unserer iklicher ehelicher wernkliger kinder leben lang und nit langer, also dass wir und
unser ehelig kinder vurgen. denselben egen. hof erbschaft und ander recht darzu gehorigh
nit weiter theilen suUen noch mögen, dan in zwo theilen; und die obgen. herren ader ihre
nakommen sullent auch die fierde us nit mehr dan zwene hoefmener hain, des hofs recht
ihn jairs und zu aller zit zu doin und vernuegen nach lüde unsers bestentnisbriefs , wir uf
dies erwe bestentsziehl und vertragh van den obgen. herren hain, als klärlichen hernage-
schrieben volget.
^) MR. ÜB. 3, 514, 1234. Vererbpachtung des Kardener Hofes zu Treis an Petrus und
•lustina: si vero, (piod absit, predictos Petrum et lustinam uxorem eins absque liberis uni-
verse carnis viam ingredi contigerit, temporibus vite sue eiusdem aree gaudebit possessione,
ita quod non habebit potestatem eam propter alios heredes ab ecclesia alienandi, sed post
mortem suam absoluta et libera cum edificiis ad ecclesiam revolvatur.
^) Bd. 3, 6, 6, 1270: concessimus M. . . et suis pueris et eorundem puerorum pueris
et ceteris talibus ipsorum heredibus et non aliis. Mit pueri werden hier doch wohl nur
männliche Deszendenten bezeichnet.
*) MR. ÜB. 1, 431, 1115: Erzbischof Bruno giebt an das Domkapitel ein Gut zu
Lehmen, um seine Memorie davon feiern zu lassen, ministrante et procurante hanc predicte
celebrationem memorie Rudolfo prius meo, modo autem sancti l'etri ministro et eius uxore,
si superstes ftierit; cui in hereditatem firmam prefatum bonum concedi rogavi hanc inter-
nectens conditionem, ut unum tantum ex filiis vel filiabus suis, si filii desunt, in hoc bono
heredem constituant, qui simili modo unum tantum ex filiis vel filiabus suis heredem relin-
(piat, ceteris sibi per cognationem succedentibus eadem lege firmiter designata.
^) MR. ÜB. 1, 481, 1135: predium, quod in Vria habuisse hereditario iure cognoscun-
t[ur] presbiter B. et V. pater eius . . ego Vj. cum uxore mea B. et tilia mea H. suscepi . .
a legato . . E. [dem domkapitularischen Nuntius] . . in eternum nol)is et posteris nostris in
genere vel ])ropinquis in cognatione possidendum luu- conditione, ut quotannis ..3s. et
6 d. . . persolvamus. S. aucli Bd. 3, 142, 23, 1325.
— 941 — Unnvälzung d. Wiitscliaftsveifassung. J
tileiclK^i" W(MS(^ KrhbercH-htij^ten wurde aber der P^rbe l)estiiHint entweder (iurch
Wahl <les Kiblassers', odei- es war Majorat- oder aiicli Juiiiorat^ vertrags-
inäisig festgesetzt.
Bei Antritt der Pacht im Krbfall war bisweilen, in noch nicht ganz
freien Pachten'^, ein Empfängnis zu zahlen"", und wo diese Abgabe bestand,
der Erbi)ächter aber eine juristische Person war, da nuil'ste natürlich tMU
l)estimmt(^s Individuum, meist ein Mitglied der pachtenden Institutsgenossen-
schaft, als Träger der Pacht l)ezeichnet werden, um von Zeit zu Z(Mt den
Krbfall herbeizuführen *'.
I )ie L()sung des Pachtverhältnisses lag nur selten und nur laut besonderer
Abmachung in der Hand des Herrn ^; dagegen hatte der Pächter die Frei-
1) MK. ÜB. 1, 477, 1134: das von Erzbischof Bruno (f 1124) geschenkte Gut zu Lehmen
Kadulfo [so zu lesen] iideli viro hac ratione in hereditateni concessimus , ut (^uotannis in
epiphania doniini 3 mr. probati argenti . . persolvat, adducturus quandoque in capituluni
fVatrum, quem elegerit sibi successorem, idem bonum predicta lege . . suscepturum.
2) Bd. 3, 6, 1270 : bona vero nullo modo dividentur, sed senior puer ipsa bona a nobis
recipiet et nobis cavebit et satisfaciet de pensione [der Pacht]. *Arcli. Maximin. 12, 514, 1291 :
Erbverpachtung des Hofes Jammais, ita tarnen, quod unus haeredum dictorum coniugum, vide-
licet senior filius, vel ßlia filio non exstante, bona sie eis data et concessa solus teneat vel
possideat; nee dividi valeant inter pku'es haeredes eorundem.
3) S. Bd. 3, 121, 33, 1321.
*) Bei ganz freien fehlt es, vgl. aufser oben S. 926 t. noch *Andernach. Schreinsr.
No. 155, G. 747, 1249: ein Haus in vico piscatorum iure hereditario empfangen, sub tali
conditione, quod singulis annis persolvat 10 s. d. ; et absoluta debet esse a iure, quod dicitnr
vurhure: et illud ins servabitur suis heredibus. Hennes ÜB. 1, 232, 1274, Erbpacht: adiectnm
est etiam in contractu et iirma promissione vallatum, quod bona predicta inter heredes non
dividantur, et quotienscunque necesse fuerit, novus successor vel heres in renovatione censum,
qui vulgo vurhure dicitur, non persolvet.
•^) Ann. d. bist. Ver. f. d. Niederrh. 23, 265, 1162: eine Mülüe verpachtet an H., ut,
quando vel ab eo seu ab nlio heredum eins morte intercedente idem molendinum vacaverit,
quemadmodum ipse, ita et universi heredes eins 12 d. Coloniensis monete pro nova in ipsa
molendini susceptione dare deberent. * Andernach. Schreinsr. No. 13, G. 346, 1173 bis
1190: 3 curtes geben zusanmien ^k mr. Erbpacht; wenn der Erbpächter stirbt, heredes sui
dimidiam mr. dent pro exquisitione et semper teneant; *Dipl. Prumiense Bl. 143 a, 1281:
quodsi filius aut filia seu aftinior fuerit heres dictorum bonorum, nobis pro iure nostro, quod
in vulgari dicitur herghewede, persolvet Ib. bonorum et legalium Arnhemensium d., et sie
bona in hereditate possidebit. In der ersten dieser Nachrichten kann man schon die Andeu-
tung eines Übergangs zu dem Institut des Erbbestandgeldes in den Worten quemadmodum
ot ipse erblicken wollen ; doch ist die Summe zu niedrig. S. weiteres unten S. 954 Note 8.
^) Diese Person galt aber überhaupt ganz allgemein als Träger aller Pachtverpflich-
tungen, vgl. *Andernach. Schreinsr. No. 58, G. 204, 1241: Kloster Rosendal kauft in Erb-
])acht in Andernach einen Weinberg, et ecclesia solvet annuatim . . 3 s. et 2 pullos et
2 denariatas vini, si secum i)ibere volunt, vel unam, si nolunt; et ecclesia instituit fratrem V.,
qni de dicta vinea faciet iustitiam, et post eum alium instituet. S. auch Ennen, Qu. 2, 93?
84, 1224; Ann. d. bist. Yer. f. d. Niederrh. 44, 73, 1252; 75, 1257.
') *l)ipl. Pnimieuse Bl. LSbf.^ 1456.
[Wirtsrhaft d. Grofsgrundbos. — 042 — ■
lieit (los Eüekti'ittes ^ In Wirklichkeit kommen nicht selten Lösuniien von
Erbpachten unter Verzicht des Pächters gegen Zahlung vor-.
Das Verffigungsrecht des Erbpächters innerhall) des Pachtveihältnisses
war fest begrenzt. Verpfändung, Versetzung, Vertc^ilung, I^elastung, After-
verpachtung ^, wie auch Vertauschung* und Veräulserung *"' waren nur unter
Zustinunung des Pachtherrn zulässig.
^) *Andernadi. Schreinsr. No. 4, G. 337, 1173-1190: R. et G. et M. et filio et filii
Berte Trimize habueriint curiam de sancta Maria huins sancto eoiigiegationis [SMarien-Ander-
nach], que censum solvebat 12 d. hoc placuit istis, videlicot I». et uxori siie G. et ]\r. , iit
ahalienarent se spontanea voluntate ; et secundiim enndem censum doniini et fratres con-
cesserunt G. et C. et iixori siie G. et posteris eius in perpetiium. *Andernach. Schreinsr.
Xo. 49. G. 1791 , um 1226 : T. de sancto Martino recepi a domino IL G. et ab nxore sua E.
2 partes vinee sitas in monte sancti Martini iure ereditario possidenda.s, ut inde tamen per-
solverem 3 s. et dimidium et 2 pullos et vini denariatam annuatim. ego vero predicto H. et
uxori sue partem, quam in predicta vinea habui, restitui ereditatis ratione integrahter
resignando. ille vero H. et uxor sua ecclesie contulerunt sancte Marie predictas partes vinee,
ut codem iure, quo ego T. possederam, possiderent. Ledeburs Archiv 2, 316, 1245 : Heinrich
Kanonich zu Essen procurator . . abbatissae et conventus (Essendiensis) recepi a G. villico in
Brisiche resignationem bonorum, que habuit in Brisiche sub annua pensione 34 d. . ., et cum
omni perceptione libere ad ecclesiam prefatam redibunt.
2) S. aufser MR. ÜB. 2, 49*, 1181, noch CRM. 2, 206, 1264, zwei Mühlen zwischen
Sayn und Engers an Laach vererbpachtet: duo molendina ipsi abbas et conventus a nobis
in annua pensione pro triginta mir. siliginis iure hereditario tenuerunt. convenimus in hunc
raodum de nostra bona et spontanea voluntate, quod nos persolutis nobis viginti quinque mr.
Coloniensium d. legalium ab ipsis abbate et conventu predicta recipiemus et rehabebimus
molendina et dicti abbas et conventus a solutione predicte pensionis triginta mir. siliginis
absoluti a nobis et nostris coheredibus et liberi in perpetuum remanebunt. Cod. Lac. 71, 1268:
Sifridus filius LiUdowici molendinarii de Glense habuit vineam quandam a dominis Lacensis
ecclesie sitam iuxta molendinum Glense pro censu 18 d. et unius pulli iure hereditario.
tandem idem Sifridus et Sophia uxor eius habito consilio de communi consensu ipsam vineam
pro 18 s. Coloniensium [d.] exposuerunt dominis ecclesie antedicte, hoc adiecto, quod si
predictus Sifridus et uxor sua eandem vineam redimere voluerint, ipse pro summa predicta
eam et nullus alius redimat preter eum. si autem eisdem placuerit vendere [et] eandem,
domini ecclesie predicte dare debent prefatis S. et uxori eius 4 s. Colonienses, et tunc ipsa
vinea libere cedet in manus dominorum ecclesie supradicte.
3) ]\m. ÜB. 1, 645, c. 1165: ein Colonus S. hat von SMartin-Trier seit der Zeit Abt
Gottfrieds (1154 — 1163) inAViltingen praedia domorum ortorum agrorum pratorumque ab omni
advocationis iure libera iure dimidietatis excolenda, ferner ist er heres possessionis domus
[d. h. der Hofarea] pro 3 d. census, et unius prati 4 d. censu. Er verleiht nun einen Teil
des Landes sine legitimi traditoris dono (d. h. ohne Zustimmung des Klosters) zu Zins (cen-
sualem statuit). Deshalb wird er beim Kloster angeklagt, quasi dissipasset res ecclesie, et
contra fidem iuratam egisse, ac propterea iure se de his et aliis bonis ecclesie exhereditasse.
Da aber durch die Verleihung eine Melioration des Gutes herbeigeführt war, so verzeiht ihm
das Kloster, ja, da er ein sehr eifriger Kolon war, giebt es ihm noch plus quam 40 s. de
rebus ecclesie transitoriis , um das Gut besser in stand zu bringen. S. ferner noch Bd. 3,
Xo. 88, 1.S09; S. 244, lo, 1378.
-*) MR. ÜB. 2, 137, 1194: E. clericus filius H. in Albicho hat quedam bona [censualiaj,
(juoruiii pro])rietas ecclesie . . sancti Albani- in Maguntia pertinuit, in villa Bermersheim
') Xote 5 s. auf S. 943.
— 043 — T^mAvitknn«; d. WirtRchnftsvoifassnns'.l
A1)(M' iuu'h der Paclithen- war in scMiior Verfü.aiinp: fiber das Pachtmit
nicht frei; der Grundsatz, dals Kauf Miete niclit l)riclit, wurde schon im
Kl. Jh. auch auf pji)i)aclit zur Anwendung" .gebracht ^
Für den Bestand des Pachtverliältnisses selbst war das wirtscliaftlicli
konstitutive Element dc^r Pachtzins (Kanon); und uern betont man in ältester
lun'oditario iure ad i])sum dovoluta. Kr will sie mit einem ITof von 69 Morgen des Klosters
Ihipertsberg vertauschen. SAlhan giebt den Tausch zu hoc ordine, ut . . E. iamdictani
curtim et iugera hereditarie possideret mit dem alten Zins von 4 unciae 10 d. Vgl. audi
MR. ÜB. 3, 1192, 1253: ministerialis llichardus miles de Palatio interveniente consensu
Clementie uxoris sue et liberorum snorum 2 s. censuales, quos debebat annuatim solvero
dilectis tiliis capitulo Treverensi de pratis prope Wilre iure hereditario ad ipsum spectantibus
in monte sitis, transtulit et assignavit solvendos annis singulis in festo apostolorum Petri et
Pauli de prato ad ipsum similiter iure hereditario spectante sito su]ipr Oleviani ante Rubeum
montem. et hoc a dicto capitulo est concorditer acce])tatum.
-') Zu S. 942. MR. ÜB. 2, 170, 1197 : ein Mann (quidam vir) L. hat Güter vom Kölner Dom-
propst zu Beiden, sub tali forma, ut quolibet anno 44 d. et 6 sund). avene et 3 })ullos inde michi
solveret. L. bittet, der Propst möge die Güter an Laach übertragen in hunc modum, ut
quicumque ibidem camerarius existeret, predicta bona ad usus suos inperpetuum haberet, et
ea iura, que alia bona istis similia ibi persolvunt, deinceps michi [dem Domproi)st] persol-
veret. Der Propst giebt das zu, bona ista Leone resignante. Vgl. ferner Guden. CD. 2, 42,
1224; Ennen, Qu. 2, 252, 250, 1246; CRM. 2, 232, 1268; *Koblenz St. A. MC. III^', Bl. 84 ^s
Xo. 181, 1412, reg. Goerz Regg. der Erzb. S, 136: AVir Wernher etc. dun kunt: als wir vur
langen vergangen ziden Wigande von Esch unserni camerknechtc und Greten siner elichen
huisfrauwen und Iren erben eine unsere hofestad uf dem marte bi unserem hofe gelegen . .
geluwen und verschrieben han, uns unsern nakomen und stifte einen jerlichen zins davon zu
geben mit namen fünf Schillinge Trierescher w^erunge na Inhalt solichs briefs, den wir dem
vorgen. Wigande Greten und Iren erben darüber han gegeben, und dieselben Wigand Grete
und ire erben Elsen von Brandenburg und iren erben suliche hofestad und gehuse mit
sulicher friheid, als wir sie Wigande Greten und iren erben verschrieben han, itzund ver-
kauft haut: so bekennen wir uffenlich an diesem brieve vur uns unsere nakomen und stift
von Triere, daz wir unsern guden willen und verhengniß zu dem kaufe getan und gegeben
han, dun und geben Urkunde disz briefs, beheltlich doch uns unsern nakomen und stifte
unsers grontzinses an den vurg. hofestad und gehuse. — Die Zustimmung wird nicht erwähnt
*Andernach. Schreinsi'. No. 50, G. 1791, um 1226: ego T. receperam a domino H. de Brule
partem vineo sitam in monte sancti Martini ereditario iure, ut inde persolverem 15 d. et
denariatam vini. ego vero prodictam partem vinec contuli ecclesie sancte Marie eodem iure
possidendam.
^) CRM. 2, 166, 1255, Urkunde des Grafen Simon von Sponheim: statim ut ad noti-
tiam abbatis et conventus de Ebirbach ])ervenit, abbatem et conventum monachorum de
Spanheim nobis omnia bona sua in Dadenburen proprietatis titulo vendidisse, ipsi reclama-
verunt eo quod eadem bona iam antea a prefatis abbate videlicet et conventu de Spanheim
ad firmam susceperunt Ib. scilicet Treverensis monete et 4 mir. parvorum caseorum in per-
petuum iure hereditario possidenda. unde etiam prefatos abbatem et conventum de Span-
heim in causam traxerunt coram iudicio spirituali et pro se sententiam acceperunt, vendi-
tionem nobis factam decerni irritam et inanem, contractum vero inter memoratos abbates et
conventus celebratum in quaslibet futuras generationes debere stabilem jiermanere. nos tamen
licet contra iustitiam prefata bona aliquamdiu nostris usibus usurpassenuis , tandem eisdem
bonis penitus renuntiavimus et ea de consensu abbatis et conventus de Spanheim fratribus
de Ebirbach acceptis ab ipsis 16 talentis Treverensis monete cum omni sua tradidimus inte-
giitate utilitatibus eorundem perpetuo deservienda exclusa qualibet pensione.
[Wirtschaft d. Grofsgmndbes.
944
Zeit, dals iiiii' eben er vorhanden sei, jede an Grundhörigkeit erinnernde
Dienstbarkeit dagegen fehlet Freilicli tritt nicht in allen Fällen sofort mit
Pachtantritt auch die Zahlung eines Pachtschillings ein; bei Pachten, welche
starke Meliorationen oder gar wohl erst Urbarung voraussetzten, fehlte
der Pachtschilling auf eine Reihe von Anfangsjahren oder wurde wenigstens
bedeutend ermäfsigt-. Der Pachtschilling selbst wurde nun entweder als Teil-
bauquote von einer Hälfte bis zu einem Sechstel^ — ja bei besonderen
Pachtarten, z. B. der Schieferbruchpacht bis zu einem Zehntel oder Zwölftel
— erhoben : in diesem Falle bedurfte es noch besonderer Bestimmungen über die
1) MR. ÜB. 1, 424, 1112: Richard Propst von SMarien-Mainz giebt (tradit) an Disi-
l)odenberg ortum cuiti sue in Odernheim contignum . . inre . . hereditario, ea scilicet con-
ditione. quatenus singulis annis 10 s. tributum solventes deinceps prorsus ab omni alia inris
coaetione existant immnnes. Ferner erwirbt Disibodenberg eodem die eodemqne momento
von Richard durch Tausch curtile quoddam . . ad molendinum construendum; dein, ut et
idem concamhium ratum inconvulsumque permanere posset, nee quisquam aut alvei meatu
aut qualibet caliida proclamatione id confringere valeret, ad curiam . . prepositi annuatini
mir. 1 triticeum statuere tradendum. Beide Geschäfte heifsen delegatio. Im letzteren Fall
bleibt wohl die Mühle, um rechtlichen Schutz zu haben, in Hofhörigkeit.
2) MR. ÜB. 1, 594, 1155: Abt F. von Laach giebt an Rüthart de Adenhagen
possessionem . . in Folcholderoth liberam a redditione census ab hoc anno . . 1155 usque in
sex annos, nichil inde census persolvendo. expletis autem pred. sex annis solvet 15 d. sin-
gulis annis in festivitate sancti Martini, et quicumque posterorum eins post obitum ipsius
haue possessionem hereditario iure obtinuerit , eundem censum eodem ' reddet tempore. MR .
ÜB. 1, 640, c. 1163, Wald in Erbpacht: nemus autem . . huiusmodi census debito predictis
heredibus annualiter solvat: in die . . sancti Remigii per priores 5 huius pactionis annos . .
anforam [= Eimer] vini . . ministrabit, sequentibus vero annis omnibus . . anforam in . .
mensuram, que vulgariter bürden vocatur, eisdem rusticis eorumque filiorum filiis . . dupli-
cabit. In den Akten von Rupertsberg (Bd. 3 No. 2) finden sich für vererbpachtetc Wein-
berge folgende variierende Pachtschillinge:
Zeit
Erste Periode
Zinshöhe
Zweite Periode
Zinshöhe
1202
3 Jahre
Drittel
Halbteil
1202
3 „
—
Halbteil
1203
6 „
20 d.
2 s.
1214
24 „
1 s.
2 s.
1260
2 „
1/2 mr.
8 s.
3) MR. FB. 3, 416, c. 1230; 452, 1232; 514, 1234; Bd. 3, 7, 1, 1270; Toepfer 1, 196,
1343: Bd. 3, 241, 33, 1374; Stat. s. Paulin. 1500 Blattau, 1, 52: SPaulin hat zu Trier an
das Domkapitel und andere Leute Weinberge zu Vo und Vr, (letzteres heifst modena) vor-
liehen. FAn Übergang von Teilbau zu gemeinem Pachtzins Bd. 3, 156, 22, 1333.
-») Bd. 3, 258, 17, 1408; *Hs. Trier Stadtbild. 2099 Pp., 15. ,Ih. Ende, Bl. 3^, glaufs
roclit un knien gewanheit: locatio vor 3 schedel leien. und den zinden van allen loion.
,S. auch Ann. d. bist. Vor. f. d. Niederrh. 44, 83, 1344.
— 945 — Uinwälznnji- d. AVirtschaftsverfassung.]
Kiliebuiigsai't der Qiiotr ^ Oder aber der Kanon bestand in einem völlig* fest-
gelegten Zins. Dieser Zins war höchst selten blol'ser (leldzins; meist ])estand
er in überwiegender Ausdehnung aus Naturali)r()dukten -, welche der Pächter
auf eigene Rechnung und (iefahr in vertragsmäfsig festgesetzter Weise an b(^-
stinnnte Abnalimestellen zu liefern hatte ^. Neben der Xaturalpacht wurden
dann wold auch noch gewisse Dienstptlichten im landwirtschaftlichen Betrie^b
und namentlich die HerbergspÜicht für den Pachtherrn l)ezw. dessen Beauf-
tragten festgestellt'^: sie bilden als von Jahr zu Jahr ziendich gleichblei])end(^
Lasten eine besondere Wirtschaftsform des Kanons.
Darauf, dafs das Erhebungsrecht des Kanons im Vermögen des Pacht-
herrn verblieb, kam es für den Bestand des Vertragsverhältnisses zwischen
Pachtherrn und p]rbpächter nicht an; der Heri- konnte den Kanon wie jede
andere Erbrente veräufsern, vorausgesetzt dafs die Veräufserung dem Erb-
pächter nicht zum Nachteil gereichtet
^) Vgl. z. B. Hennes ÜB. 1, 333, 1197: Vertrag zwischen einem Biirger und dem
1 )eutscliordenshause zu Koblenz, quod tempore vindemiarum vineam, quam tenemus ab ipsis
pi'o tertia parte fructuum, . . nullatenus vindemiabimus nee eins vindemiam eolligere possunuis,
nisi eis ad hoc vocatis. et eandem vineam vindemiando implebimus de eadem tres et tres
corbes sive lelos, et inter quoslibet tres nuntius eorundem commendatoris et fratrum eliget,
([uem voluerit, et illos corbes seu lelos taliter electos ab ipsorum nuntio deportari faciemus
cum vindemia in eo existente usque in viam publicam in ii)sorum dolea sive cupas nostris
periculo laboribus et expensis, quia sie inter nos actum est pariter et conventum.
2) Vgl. z. B. Kremer, Or. Nass. 2, 132, 1215; Bd. 3, ß, 12, 1270; Bd. 3, 190, 20, 1344.
^) Lac. ÜB. 2, 548, 1264: SSeverin in Köhi verpachtet novale sine decima in villa
Urre, quod novale quondam Camervorst dicebatur, cum jnscina adiacente et uno iurnale dicte
piscine adiacente, pro undecim mir. tritici Coloniensis mensure ipsis decano et capitulo
singulis annis in perpetuum in festo beati Bemigii ipsius Conradi seu successorum suorum
expensis et periculo in granarium ipsorum in Coloniam assignandis; Ann. d. bist. Ver. f. d.
NiedeiTh. 44, 75, 1257; *Arch. Maximin. 8, 209, 1292: in autumno etiam dictus Ludovicus
et sui haeredes vindemias dictarum vineariun ad torcular, quod nuntio hospitalis expedit.
deportabunt, et omnia iura onera census et servitia cuicumque debeantur inde persolvent.
S. femer Bd. 3, 121, ^i, 1321; 195, u, 1346.
*) Ann. d. bist. Ver. f. d. Niederrh. 44, 74, 1252; Bd. 3, 126, 29, 1321; *üSMax.
1484 Bl. 101 a f., 1491. Verpachtung des Hofes zu Dahlem, § 6: auch sal derselbe hoveman
uns oder unsern dieneren, so dik des noit geburen wirt, umb des gotshuises gescheft dar
kommen wurden, alle zit hierbrichen stallonge und ruwefoeder geben, als das erlich und
gewoenlich ist. *Arch. Maximin. 12, 712, 1491. Verpachtung des Simmerner Hofes; vort ist
beretten, daß wir bestender und unsere kinder vorg. den obgen. herren ihren nakommen und
gotteshuse ihren winzehenden mit gutem fliß sonder sumenis getrewligh jairs zu aller zit
inführen sollen, und ihre diener gütliche entpfaen behalten und gehorsame sin sollen naist
unserem fS. 711] besten vermögen, schläfunge Hecht und feur geben, ihren pferden stalhmg
und rauwfutter geben sonder intragh und wiederredc; in keine wise. . . Item ist auch beredt,
waner die obgen. herren ihre knecht und diener zu herbst bi uns bestenderen zehren, sullen
wir sie zimblichen iglich imtze oder mahlzeit reichen; und das sullen sie alsdan bezahlen,
abe aber wir bestender sie zu hohe und deure rechenen wollen, so mögen sie zehren, wo sie
willen und ihn gelegen ist.
"') Bd. 3, 6, 25, 1270: die Pachtherren pensionem [Erbpachtzins] a nobis alienare
possumus, ita, quod ex hoc heredibus nulluni preiudicium generetur.
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes.
— 946 —
Über die Frage, wer das Pachtungsinventar stellte, wie die Abrechnung
in dieser Hinsicht stattfand, auf welche Weise für Ergänzung gesorgt ward
und andere hierher gehörige Dinge geben die Quellen nur spärliche Auskunft.
Abgesehen von einer Spur im 13. Jh., welche für Stellung des Inventars
seitens des Pachtherrn spricht ^ liegt nur eine ausführliche Übersicht über
das Inventar der Pachthöfe des Luxemburger Priorats Marienthal vor^ Hier
ergeben sich um den Himmelfahrtstag des Jahres 1321 als vom Pachtherrn
gestellt :
Orreuni
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land, Morgen
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ci
1
Valor
Locator
11). s. d.
Theonisvilla
Ileimscheit
Norcingen
hixta Keuswalt
Yorlingen
Elvingen
Betkirchen
71
88
57
933!
51
121
88*
64V2
12
97
— ■
—
5
2, 2 equae
3
4
1
1, 1 equa
1
8
7
12
154
21
'
5
7
5
—
—
—
11
6
12
4
22
443
46
30^
2
2
1
—
—
—
4
2
2
—
5
—
4
2
2
—
5
—
65 11 öMetenses
15 8- „
60
Turonenses
?
?
?
9
Martinns
Dominus Thi-
lemannus ■'
Bartholomeus
lehenninus
Gelemannns
. . . opilio
Aulser dem Inventar beim Pachtantritt scheinen den Pächtern bisweilen aber
auch regelmäfsige Jahresvorschüsse in Geld geliefert worden zu sein, welche
dann im Herbst in Naturallieferungen wieder abgezahlt wurden^.
^) MR. ÜB. 3, 347, 1228: Erzbischof Dietrich pachtet von Himmerode curiam fratriim
de Hemmenrode nomine Wintirbach cum omnibus appenditiis suis, videlicet agris, pratis,
nnmoribus , ortis, piscatione, diebus vite nostre possidendam, tali mediante pacto, quod
annuatim dabimus de ipsa curia in pensione quinquaginta mir. siliginis dictis fratribus do
Tlommenrode; ipsi vero quatuor conversis, quos habebinuis in curia, et novem ibidem servis
calciamenta annuatim ministrabunt et eisdem conversis vestimenta; nos vero eandem curiam
secundum disciplinam ordinis, prout hactenus stetit, teneri facienuis. recepimus sane in ipsa
curia 28 boves et 20 Capros.
2) Im UMarienthal unter dem Titel De capitalibus orreorum dominarum prioratus
Marienthal. Dabei sind Kolumne 2 und 3 der obigen Tabelle aus dem gesamten IJrbnr
ii. a. 0. S. 310 ff. ergänzt. Leider konnten diese Angaben oben in Abschnitt Y noch nicht
verwertet werden.
3) Darunter 30 Morgen vroinde (Schiffelland).
*) Darunter 60 iugera raro colenda.
■') Ist der Kaplan des Priorats, der Aufzeichner des ürbars von 1817.
") S. Ann. d. bist. Ver. f. d. Xiodonh. 44, 87, 1883.
— 947 — Umwäl/uno; d, Wirtsrliaftsvorfassung.]
Kino bosoiiden^ K()iii])likati()ii (Eitstand Ixm i>Töls(n-oii Pachtuii^on (ladurch,
(lals diese meist alte gTiindbenliche Höfe umfaisteii , deren r)eti'iel) ursprüng-
lich mit einem Meieramt verbunden war. Hier war es natürlioli das Ein-
fachste, mit dem Gut zugleich das Meieramt zu verpachten. Docli wurde
dieser Modus in älterer Zeit, als man eben erst die Meierämter aus d(Mn erb-
lichen Besitz der alten Ministerialengeschlechter mit Mühe losgerissen hatte,
begreiflicherweise nicht gerade vorgezogen; erst mit dem Ende des 13. Jhs.
tritt er in aller Vollendung hervor. Doch blieb auch späterhin die besondere Ver-
l)achtung der grundhörigen Zinse beliebte Hierbei wurde dem Pächter zur be-
sonderen Pflicht gemacht, keine neuen Lasten aufzulegen^'; auch mufste er, wenig-
stens in späterer Zeit, den Pachtherrn über die Höhe der jährlichen Zinserträge
fortlaufend durch schriftliche Buchung der Einnahmen unterrichten '\ Diese blofse
Verpachtung der Zinseinnahmen sollte natürlich verhindern, dafs mit den vollen
Funktionen des Meiers auch die richterliche Thätigkeit im Fronhof an den Pächter
überging; gerade über diesen Punkt enthält z. B. ein Pachtkontrakt vom J. 1344
in Bd. 3, 190 § 6 nicht mifszuverstehende Anordnungen. Indes war diese
Trennung von Gerichtsbarkeit und Zinserhebung bei dem Rechtscharakter der
Zinse nur schwer durchführbar ; vielfach kam man doch wieder darauf zurück,
mit den Zinsen auch die Gerichtshaltung im Fronhof zu verpachten'^. Am
günstigsten für beide Teile, Pachtherrn wie Pächter, gestaltete sich die Lage
1) S. Bd. 2, 225.
2) MR. ÜB, 3, 1051, 1250: homines autem bonis talibiis attinentes non tenebimus artiiis
noc in bona ipsorum exactiones faciemns aliquatenus graviores, quam facere consuevit ipsa
comitissa post mortem sui mariti. S. auch *Dipl. Prumiense Bl. 143» f., 1281: non licebit
ois noc debent scu poterunt de bonis ad dictam curtem nostram spectantibus preter oa, quo
iam possident, sibi deinceps aliqua comparare vel aliquo modo seu titulo attrahere vel ven-
dicare, ac etiam census pacta et omnia alia iura, quocumque nomine censeantur, que percipere
consuevimus ante presentem concessionem feodalem seu habere debuimus aut habemus in
dictis bonis, que iam tenent et possident in feodo eis concessa seu ratione eorundem bonorum,
nobis reservamus, que dicti viri aut eorum heredes seu quilibet eorum uno termino singulis
annis, videlicet die beati Martini hiemalis, integraliter nobis seu nostro officiato in dicta
curte presentabunt et persoWent pro qualitate et quantitate dictorum ab ipsis possessorum.
quodsi de dictis bonis aliquis predictorum pkn-a habuerit, de iuribus pku'ium bonorum
nobis aut nostro officiato satisfaciet modo prenotato.
^) *Arch. Maximin. 12, 643, 1519: condictum et acceptatum extitit, quod durante ter-
mino locationis seu arrendae praelibatae iidem domini Joannes Rotary et Joannes Schey
a.rrendarii singulis annis de locatione et receptione singulorum fructuum et aliorum iurium
annue ad causam dicti liospitalis monasterio cedentium dabunt et praesentabunt rogistrum,
in quo omnia cuiuslibet anni recepta registrata reperientur, ut successores so eo melius in-
formare dictosque fi'uctus et proventus in esse conservare valeant.
'*) Vgl. *US^Iax. 1484 Bl. 101 a, 1495: auch sullent si unser grontzense vurg. alle jaire
heben, mit gericht zu rechenen, uf das dieselbe nit verloren noch vergenclich werden; und
abo dersolber zins einich itzont nit gankperich Avoron, snl der bostondor vurbrengen und
mit unser hulf erdedingen und gankperich machen.
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 948 —
immer noch da, wo der Pächter nur einen Teil der grundherrlichen Bezüjxe
(Mnes Fronhofs in Pacht erhielt; hier wurde wohl ausgemacht, dafs Streitig-
keiten zwischen Gmndhörigen und Pächter in erster Instanz vor dem Ding
des Fronhofes selbst, in zweiter vor dem Grundheirn zur Entscheidung ge-
langen sollten ^
Wie die grundherrlichen Verhältnisse, so erforderten aber auch Bau und
Betrieb wie Lastenzahlung vom Pachtgute besondere vertragsmäfsige Regelung.
Was zunächst die Leistung der auf dem Pachtgut ruhenden Steuern und
Ilenten angeht, so wurde dieselbe regelmäfsig dem Pächter zugeschoben; so
schon in früher Zeit der Hofzins und die Steuer in den Städten, z. B. in
Köln^, in späterer Zeit aber auch alle Pventen auf dem platten Lande ^. In
gleicher Weise übernahm der Pächter alle sonstigen Verbindlichkeiten, Fronden"^,
etwa auf dem Gute ruhende Zuchtviehhaltung, kirchliche Lasten ''^, gerichtliche
Leistungen*^ w. dgl.
1) MR. ÜB. 1, 618, c. 1160: das Trierer Domkapitel bekennt, dafs 2 Domherren, IT.
und M., von ilim erbeten haben die Besitzung' zu Uringen und Winteringen, que spectat in
curiam nostram de Perle, sibi colendam, unter dem Beding, ut omni anno in octavis pasche
20 s. d. nobis inde Treveri i)ersolvant. Sie orlialten das Gut eodem iure , quo nos . .
possidemus . . scilicet, ut quicunque de heredibus illius torre ad eos venerit, (jui censum et
debita iura sua eis persolvere vohierit, hereditatem suam de manu eorum gratis et sine onmi
spe precii suscipiat. ([uodsi inter sepedictos fratres et inter homines illius curie controversia
vel contentio aliqua i'uerit oborta, totum hoc ad curiam de Perle referatur et coram fratre,
qui obedientiam tenuerit, placitetur et dirimatur, sin autem, ante nostram presentiam causa
deferatur. tria quoque generalia placita per singulos annos ibidem prosequantur. et si pro
aliquo gravamine in causam ducti fuerint, compositio, que inde sequitur, nee ad obedientiarium
nee ad villicum, sed ad solos pred. fratres [Domkapitel] respiciat.
2) Enuen, Qu. 2, 67-68, 56, 1217; 180, 179, 1238; 246, 245, 1245; 292, 290, 1249.
^) Gart. Glairefontaine 81 , 1287 : et doi encore pour elles et en nom d'elles paier
chascon an ä toujours dous oes [oies?] seix biches d'avaine et nuef chalonges, qu' elles doient
chascon an de cens de tout ce qu'elles tiennent ou ban et ou iinage de Maxenchey de Tur-
penges et des Thielenges en champ en preit. S. ferner Bd. 3, 190, 33, 1344, ferner *Arch.
Maximin. 6, 301, 1347: die Erbpächter übernehmen vineam cum onere quindecim s. et trium
d. perpetuorum censuum a nobis et nostris haeredibus aut successoribus iure haereditario
in perpetuam emphiteosim tenendam et possidendam; quorum quideni censuum nos antedicti
coniuges et nostri in posterum haeredes et successores honestis viris dominis ecclesiae
beatae Mariae virginis in Palatiolo tredecim s. et tres d. certis temporibus dictum hospitale
in his exonerando poenitus ac ii)si hospitali beatae Elisabeth duos s. in festo eiusdem annis
singulis solvere tenemur atque debemus ex vinea antedicta.
*) Bd. 3, 285, 12, 1471.
•'"') *Arch. Maximin. 12, 707, 1491: fort sollen wir bestender und unser vurgen. ehelige
wernclige kinder alle jair zu noitturft der gemeinen dasebst faesel- ader zuchtviehe stellen
halten und versorgen, nemlichen fahren und berren, na erkentenis der sentscheffen daselbst
sonder klage, auch suUen wir bestender ader unser kinder unseren ziele us ein iglich jaii-
halb die ampel, vur dem heiligen sacrament birrende ist, in gutem gelicht halten na altem
herkommen vermitz des gotshuiss kleinen zehenden, in dem dorf zu Siemeren und anderen
dörferen darzu gehörigh jairs fallen und dienen halt.
''j ^Arch. Maximin. 12, 709, 1491: auch sollen wir und unsere eheligh kinder vurgen.
— 940 — Umwälzung d. Wirtschaftsverfassung.]
Weniger einfach war die vortragsinäfsi^e Festsetzung der lUuiverhind-
liclikeitc^n. Der Landesbrauch läuft liiei' schon früli auf Instandlialtung bezw.
landesül)]iche Resseruni»" seitens des Tächters hinaus^; da1)ei wurden iU)(*r
lievorsteliende gröfseie Bauten meist kontraktliche Sonderbestinnnungen y^o-
troft'en-. Für spätere, im Vertrage nicht ])esonders vorgesehene Bauten wurd(*
meist eine Beitragspflicht des Pachtherrn stipuliert^; bisweilen findet sich
für diesen Fall auch der Gedanke durchg(^führt, einen dritten TJn])art(Mischen
über Notw^endigkeit und Kostenverteilung des Neubaues bestinunen oder raten
zu lassen^. Fand endlich ein Heimfall der Pachtung statt, so sollten alle
alle jähr den scheffen ihre essen, und Ostereier geben nach alter ubunge und gewonheit
den [S. 710] sentherren und den sentscheffen , und vurt usrichten alles dasjene, von dem
vurg. froenhof gebührt uszurichten. *üSMax. 1484, Bl. 101 ^i, 1495, i^ 4: auch siillent si un-
sern meigern gerichten und boeden zu Dailheim zu aller zit ire essen und recht gelten, und
vort alle dasjene usrichten, van den hove gehurt nach alder gewainheit, sunder unsern
schaden.
M MR. ÜB. 1. 474, nach 1134: hoc [j^redium] . . ({uia remotuni a nobis erat nee in
eo, sicut nobis videbatur, ad commoditatem fratrum per nosmetipsos utiliter laborare i)otuimus,
liereditario iure concessimus Wolvechino et filio eins Lamberto hac ratione, ut in domo ad
idem allodium pertinente manerent et eam, ne vasta fieret, caute procurarent; Ann. d.
bist. Ver. f. d. Niederrh. 23, 265. 1162: constructionem quoque molendini de suo provideat.
S. auch Bd. 3. 120, n, 1321.
2) 8o z. B. für ein Salzgut MB. ÜB. 3, 173, 1221. Ym einfache Landgüter vgl. *Arch.
Maximin. 8. 210, 1295: Vererbi)achtung istis conditionibus adhibitis, quod dictus Petrus infra
festum l)eati loannis baptistae proxime venturum unam domum supra dicta croada aedificabit
ac ipsam inhabitahit. S. ferner aufser Bd. 3, 195, i5, 1346, auch oben S. 545, sowie *Koblenz
St. A. MC. IIb Bl. 150b No. 514, und hieraus MC. III Bl. 229^-230* No. 634, reg.
Goerz Reg. der Erzb. S. 111. 1376: auch sullen die vorg. Gobel und Karisme an dem egen.
höbe und sime gehiise, wo si iz alrebest bedürfen, binnen zwein jaren nest von datuni dises
briefs naeinander volgende vierzig mr. brabantisch mit guder küntschaft verbuwen, und
sallen den hof und sine zugehore alle zit in guden und besseren buwe, dan sie itzunt sint,
halten; und wo sie des nit deden und auch die vorg. vierzig mr. als vorgeschr. ist nit
verbuweten, so sal der egen. hof mit sime zugehore an uns und unsern stift lediglich sin
wider ervallen, uzgescheiden alle argelist und geverde. *USMax. 1484 Bl. 101», 1495: Ver-
pachtung des Hofes Dahlem, alsoe daß die zwei [Pächter] sullen den vurg. hof huwen, nemlich
die rinkmure uf das aide fundament, zu wissen die port ain dem born ufbuAven, und be-
sloissich machen van der porten lantz dem wier, den si auch in einem gueden buwe stellen
und halden sullen, uf den nedersten ort van demselben bis wider die schuremure. item
obent der poiten van dem born sullen si ein stal buwen ader die rinkmure ganz erdorch
bis weder die huismure,und die mure sal anderhalf done howe sin, mit gueder kalchspisen gemacht,
vort sal derselbe hoveman und sin ewif und das kint vurg. huser schüren und stallonge, die eg.
muren und porten, auch wiesen und feit in gueden ufrichtigen buwe stellen binnent diesen
nesten ses jaren, und vortain ire lebtage lank in gueden buwe halden und laissen.
^) So wenigstens auf dem platten Lande, vgl. Ann. d. bist. Ver. f. d. Niederrh. 44,
86, 1369. Anders in Köln, s. Ennen, Qu. 2, 38—39, 33, 1206—11; 115, 106, 1227; 140,
143. 1234.
^) *Arch. Maximin. 12, 643, 1519: pro durante arrenda sive termino locationis huius-
modi si aliquod aedificium de necessitate vel iure veniret exigendum seu reformandum, illud
domini praedicti loannes Rotary et loannes Scliey arrendarii expensis domini abbatis ])ro
[Wirtschult d. Grofsgruiulbes. — 950 —
Bauten im .läiidliclieu und gewöhnlidien' Zustand übergeben werden ^ ; die vor-
genonunenen Meliorationen fielen dabei wohl meist ohne Entschädigung des
Pächters an den Pachtherrn ^.
Ein groiser Teil dieser Bestimnnmgen gilt auch für den landwirtschaft-
lichen Betrieb der Pachtgüter ^. So sind besonders die Festsetzungen über
den Heimfall nahezu identisch^; annähernd gleich fornmliert ist aber
auch die Forderung gewöhnlichen landesüblichen Baues ^, und ebenso pflegen
fiir besondere Verbesserungen des Betriebes Spezialabmacliungen getroffen zu
werden*^. Dabei laufen dann mehr oder minder regelmäisig einzelne lehr-
tempore de scitu consilio et scientia synodaliuin ecclesiarum praefatariim erigerc et restau-
laie debebunt et tempore congruente de bis legalem facere calculum et rationem.
1) So *Koblenz St. A. MC. VII ,B1. 311i>-312a, No. 899, Goerz Kegg. der Eizb.
S. 243, 1476; vgl. auch Bd. 3, 245, 24 f., 1379.
'^) *UKupertsberg Bl. 18 a, nach 1237: quicquid . . siimptu meo in edificiis et aliis
(luibuslibet rebus in ipsa curti fecero, nullus heredum meorum heieditario iure sibi usuri)et,
sed ad necessitatem et utilitatem dominarum, quarum gratia ipsam possideo, integre et proprie
l»ertineat. *Andernach. Schreinsr. No. 158, G. 750, 1249: Vitalpacht einer curia für 3^^ nu'.
liückfall ohne Meliorationsentschädigung. S. auch Bd. 3, 6, 21, 1270.
^) Daher denn auch Bestimmungen über Bau- und Betriebsverbindlichkeiten unter-
einander verquickt vorkommen, s. *Arch. Maximin. 12, 707, 1491 : auch sollen wir bestender
und unser ehelich wernkliche kinder vurgen. den obgen. froenhofe zu Siemercn bauwen,
bessern, mit gedäche mueren thuerren und porten und zäunen ufrichtigh stellen und halten.
die äcker garten wingarten wiesen feit und ander erbschaft zu dem dickg. hofe gehörigh,
die wir ihnvermitz dies gewürdige newe bestentnisse erklerten innehain, mit aller guter
zeitiger arbeit uf unseren kosten und lohne getrewlichen hanthaben besseren und bauwen :
sullen auch nach usgangs unsers bestentniß die in gutem ufrichtigem bauw den obgen. herren
und gotteshuse laissen.
*) S. z. B. Ann. d. bist. Ver. f. d. Niederrh. 44, 86, 1369.
5) Vgl. z.B. Bd. 3, 241, 34, 1374; *USMax. 1484, Bl. 101a, 1495, § 7: die bestender
obg. sullent auch alle die donge und besseronge alle jaire in die hovefelt foeren, und des-
selben hoefs mit sime zubehoere genießen und gebruchen als das lentlich und gewainlich ist.
^) Ann. d. bist. Ver. für den Niederrh. 44, 81, 1334: quam quidem partem terre Iler-
mannus et lacobus eins filius predicti medio tempore fimabunt et merlabunt suis laboribus et
expensis, ut consuetum est, infra quatuor annos continuos a data presentium computando,
talibus conditionibus et penis adiectis in premissis, si (in) solutione dictorum duorum mal-
drorum siliginis in aliquo anno in dicto termino, quamdiu vixerint seu alter eorum vixerit,
defecerint aut ipsam partem terre infra quatuor annos non fimaverint nee merlaverint, quod
extunc ipsa pars terre, sicut ibi iacet, cum salicibus ad nos libere devolvetur et absolute
pleno iure. S. ferner für Weinberge MR. ÜB. 3, 1291, 1255, cit. oben S. 578 Note 6 (auf
S. 579); Bd. 3, 78, 2, 1278; Bd. 3, 195, 'jo, 1346; Ann. d. bist. Ver. f. d. Niederrh. 44, 88,
1379. Von Interesse ist auch ein ^Pachtkontrakt für 4 Weinberge von 1382, Tradd. Kupertsb.
Bl. 70»: es wird ausgemacht, dafs die Pächter niht enmogen noch ensullent keinen
buhe uf den vier stucken machin, weder mit widen setzen oder ander boiime noch mit ge-
zimmerte noch mit keinerlei bube, iz si mit graben zu der Nahe zu oder mit roden.
— 951 — Uinwäl/iiiig (l. Wirtschaftsverfassung.]
ieicli(^ technisc'lio KinzellieitiMi mit unter, so das Verbot der Wald vorwüstuii^ ',
das Verbot der Duiigausfuhr^ u. a. in.
Nicht minder entwickelt wie die Heimeln über Bau- und IJetriebsverbind-
]ichkeit(ui waren sehr bald die Bestinnnungen über eventuellen Nachlals des
Pachtzinses. Sieht man vom Zinsausfall grundhörij>er Hufen bei Pachten ab,
welche zur Einsamndung grundherrlicher Revenuen verpflichteten, so bezogen
sich die Fälle, welche einen Nachlafs begründeten, in erster Linie auf die
Verwüstung des Anl)aues'^ durch Menschen (im Krieg) oder Naturereignisse
(im Hagel): Hagel und Heereskraft, Hail und Hier sind die Anlässe, auf
welche am ehesten und sichersten Zinsnachlafs erfolgte*. Später konnnen
dann, unter gelegentlicher Ablehnung der genannten wie mancher anderer
Gründe^, noch Mifswachs und Brand des Pachthofes ohne Verschulden des
Pächters hinzu ^; doch machte der letztere Anlafs begreiflicherweise noch an-
dere Mafsregeln als blofse Zinsnachlässe erforderlich'. Zur Feststellung eines
^) *Arch. Maxiiniii. 12, 707, 1491: wir bostender und unser nakommen kinder vurgen.
sullen auch nit macht haben cinigh holz in der ohgen. unser hei'ren zu sant Maximin husche
zu hauwen, dan alleine zu noitturft ihres gotteshuses hoefe zu Siemeren zu hauwen. hJ. auch
Bd. 3, 126, 23, 1321.
-') S. Bd. 3, 126, -'7, 1321; 190, is, 1344; 195, 24, 1346; USMax. 1484, Bl. 101 ^ 1495,
§ 7, cit. oben S. 950 Note 5. Man vgl. dazu auch die Notiz S. 559 Note 7 (auf S. 560) über
Dunglieferung seitens der Pächter.
^) Vgl. MR. ÜB. 2, 24, 1169: G. de Civele de quibusdam hominibus et honis, que
sunt circa (Lechenich). 15 s. Goloniensis monete [sancto Maximino] . . singulis annis solvere
dehebat; et quod reliquuni erat de eisdem bonis, . . in feodo tenebat. . . de pacto . . iani
per tres annos nichil fratribus persolverat, affirmans, quod hanc summam pacti de illis bonis
l)ersolvere non posset tum propter inopiam hominum, tum etiam propter terre devastationem.
*) MR. ÜB. 3, 692, 1240 findet sich die exceptio grandinis et exercitus zum ersten-
mal, aber nicht bei einem Pachtkontrakt. Vgl. auch Bd. 3 Wortr. u. d. W. hail und hier.
'^) Aufser Ennen, Qu. 2, 125, 120, 1230, vgl. besonders Lac. ÜB. 2, 821, 1286:
30 iurnales puri allodii zu Pingsheim in diversis petiis vererbpachtet für 8 mir. tritici. de
cuius pensionis prestatione non excusabunt nos neque successores nostros sterilitas nee
tempestas nee communis guerra vel specialis, nee aliquis omnino casus fortuitus, neque con-
tributio facienda per nos ratione 30 iurnalium predictorum ad reparationem ecclesie sive
putei vel alicuius rei, que geburrecht dicitur,
«) S. Bd. 3, 125, 21, 1321; *0r. Koblenz St. A. Ochtendung No. 18, 1379: were auch
Sache daz einichs jairs kuntlicli missewaz queme, des got nid wfille, so sullen wir und unser
nakomen eirzbischove zu Trier alsdan Johanne Kathrinen und iren rechten erben vorg. den
pacht des jairs halb laizzen staen biz an daz neste zukomende jair, ie ein mir. korns vor
ein mir. korns zu bezalen, und sullen Johan und Kathrine und ire erben alsdan ^ daz ver-
standen deil mit dem andern ganzem pachte des jairs bezalen.
^) 8. Bd. 3, 191, 19, 1344: 195, 26, 1346; *Arch. Maximin. 12, 711, 1491: were saclie
daß durch unserer bestenderer oder kinderen versumnis oder mißbruchunge der obgen. hof
ein theil oder zumahl verbranten oder abgebrochen würde, da got vor sei, so sollen wir
densell)en hof uf unseren kosten wieder uf hauwen und ufrüsten sonder zuthuen noch schaden
obgen. unser lierren und gotteshußes oder ihren nachkommen, gescheghe es aber sonst der
obgen. herren oder fS. 712] lantfenden halben, so sullen die obgenielte herren den ufbauwen
und rüsten, darzu sin wir ihn verbunden und schüldigh zu dienen mit unseren fuhren zu
[Wirtsehalt d. Giofsgnimlbes. — 952 —
Zinsnachlars beiivündenden Ereignisses trat, wenn dieselbe nicht von Gerichts-
personen übernonmien wanU, iicwöhnlich eine gemischte Kommission zu-
sannnen, zu welcher Pächter und Pachtherr gleichviel Mitglieder stellten;
der Ausspruch derselben war für beide Teile bindend ^.
Aber in welcher Weise wurde denn überhaupt die Aufrechterhaltung des
gesamten Pachtvertrages verbürgt? Welche Einrichtungen bestanden zur
sicheren Beitreibung des Pachtschillings und zur Durchführung der auf Bau
und Bewirtschaftung bezüglichen Bestimmungen?
Anfangs wurde in dieser Hinsicht bei jeder Kontravention überhaupt sofortiger
Ersatz nebst Bufse oder Heimfall der Pachtung vertragsmäfsig vereinbart^;
doin zu aller zit und noitturft sonder intragh oder wiederrede in keinerlei wise. Ganz älm-
lich *üSMax. 1484, Bl. 101 a, 1495, § 8: abe sache were, da got vur si, daß derselbe lioef
unsenthalben verbranten wurde oder lantskriechs halben, soe sullent die hovelude die foeren
doin und wir sullent den vort buwen. wurt er aber dorch irer side gesinde oder versumenis
halbe verbrant, so sullen sie in buwen sunder unsern schaden. S. auch noch im *Cod.
Ilimmerod. BI. 67 ^ — 68«^, 14. Jh. 2. H. , einen Brandbettelbrief fiir einen abgebrannten Hof
bei Speier.
1) S. Bd. 3, 195, 29, 1346.
2) *0r. Koblenz St. A. Ochtendung No. 18, 1379: vort were sache daz einich hagol
oder her queme oder brand von unsern wegen geschege , daz dem hove vorges. zu schaden
(jueme, so sullen wir unser frunde zwene von unsern wegen und Johan Kathrine und ire
erben irer frunde zw^ene von iren wegin darbt schicken, und wes uns die frunde dan von
beiden siten besahent zu liden alz von dem schaden, des sullen wir gefulglich sin von
beiden siten.
3) MR. ÜB. 1, 431, 1115, Erbpacht, Rudolf Erbpächter: quodsi predictus Rudolfus
vel eius heres . . alicuius negligentie in annua memoria notabilis fuerit, aut emendatione
digna restituat neglecta, aut frntres, cui voluerint, committant. MR. IIB. 1, 477, 1134: census,
(quem) si ipse R. vel eius quilibet per successionem heres constitutus [so zu lesen]
neglexerit, aut emendatione condigna restituat neglecta, aut dominus prepositus consensu
fratrum cui voluerit committnt. Ann. d. bist. Yer. f. d. Niederrh. 23, 265, 1162: insuper hi
festo sancti Martini annuatim 5 mir. puri siliginis in curia nostra Rimago persolvet; et si
ipsa die non persolverit, emendationi et dampno subiacebit, et si temerarius effectus fuerit,
ipsius molendini ])ossessione carebit. *Düsseld. St. A. Pant. No. 18, Cop. C. 1, 1152, Abt
Wolbero von SPantaleoii vergiebt eine freigewordene Hufe, welche 16 s. zinsen soll: hunc
predictum censum hoc modo constitui, videlicet ut singulis annis 10 s. prior in medio
martio ad anniversarium nostrum suscipiat, ceteri autem 6 s. ad anniversarium predecessoris
nostri G. abbatis pertineant. hanc possessionem cuidam Gozwino hereditario iure consilio
aliquorum nostrorum condonavimus ea videlicet ratione, quodsi predictum censum annuatim
non potuerint [!] aut noluerint persolvere, careant; et prior cum consilio fratrum quicquid
ei Visum fuerit peragat. et quia libera est possessio, liberum eum esse ab omni iure
advocati decernimus. Aus viel späterer Zeit s. noch *Arch. Maximin. 12, 707, 1491 : uf daß
den obgen. herren und gotteshus dies bestentnus, wie vur erklärten sthet, desto baß veste
und stede gehalten werde, so hain wir eludc bestender vur uns und unser nakommen eheligh
kinder vurgen. willkuhr uf uns genohmmcn und in kraft dieser unser verschriebunge uf uns
nehmen, abe sache were, da got vor si, Mir oder unsere nakommen in lieberunge weins gelts
und andei- gerechtigkeit und bürden zu tragen, wie die hievur klärlich erzalt sin, nit hielden
iiit usrichten noch endeden, das schinbar winde, so daß unser herren abt und convent des
schaden geleden betten litten oder liden wtirden, sullen wir ganz und zumnil abelegen sonder
— 053 — Uinwälziinp; d. Wirtscliaftsverfassung. |
liiu'listens, (lals man die Koiistati(M'uii<i- dor Kontravention selbst nnbeteiliiiten
Dritten iiberliers^ nnd anlserdeni znr (l(Mm^tluiung etwa (>ine bestimmte Frist
festsetzte. Diese Frist konnte dann von 14, ja vielleicht nur 8 'J^agen bis zu
Jahr nnd 'J'aii" sehwanken-. All(Mn bald scliob man doch Konvc^ntionalstrafen
(Mn^, t'iir deren Zahlunü" natürlich ebenfalls bestinunte Fristen ])estanden; erst
wenn diese nicht ein.üehalten wurden, fand I leimfall statt '*. In den allc^r-
meisten Fällen Avar dei- Heinifall dann völlig unwiderruflich "', und dem Pächter
wiodeiTPclon. und nitdestamin wir'ziüclis bestantnili iif ein newes angangen liain, genzlichen
und /.tnnail ('nti)fallen beraubet und erwist sin, auch unser bestantnisbrief, wir von den
obgen. unseren herren hain, sal ganz kraftloß und von unwerth vortahn mehr sin.
') Vgl. z. B. Ann. d. bist. Ver. f. d. Niederrh. 44, 86-87, 13G9: vort is gevurwert,
dat der vurg. convent na diesen drin jaeren, die an sullen gain up datuni diss breifs, alle
jaere ere boden moegen senden zo Broel ind nemen zwene scheffen of dri ind nioegent die
wingart vurg. beleiden ind besien : vindet man dan, dat wir elude ind unse erven die wingart
neit gebuwet enhain, as erfs recht is, so sullen wir ind unse erven unse snidemetze recht zo
herfste nemen ind sullen den vurg. hof ind erve rumen ind sullen uiszvaren sonder eincher-
kunne widderrede unser of unser erven of iemantz van unsen wegen, also dat wir gein recht
an deme vurg. hoife me behalden ensuUen.
2) S. MB. ÜB. 2, 2*, 1169: Erbpacht wird auf 9 s. ermäfsigt: quodsi tempore statuto
hoc pactum ipse vel sui heredes solvere neglexerint, ad primum pactum, id est 15 s. Colo-
nienses persolvendos cogantur, et nisi infra spatium unius anni resipiscant, omni suo iure
privabuntur. 8. ferner Cart. Orval 73, 1178; MR. ÜB. 2, 49*, 1181: R. de Pinguia miles
und sein Sohn verzichten gegen Zahlung von 120 mr. auf das ins enphiteoticum oder die
ervescaf an einer Mühle von SAlban-Mainz. Dieselbe wird darauf sub eodem iure et ])acto
an Rupertsberg in enphiteosim, quod vulgari vocabulo ervischaf nuncupatur, perpetualiter
gegeben, ita videlicet, ut singulis annis in festo sancti Martini prenominato (monasterio)
25 mir. siliginis Maguntine mensure persolvant Maguntie; et si aliquo impedimento super-
veniente hoc adimplere non possunt, in vigilia nativitatis domini, que festum illud subsequitur,
omni occasione postposita prefatam annonam cum integritate persolvant. si autem hoc aliquo modo
neglexerint, de cetero nichil sibi iuris in ipso moleiidino vendicare possunt, sed ad potestatem et
usum cum omni redibit integritate. Dazu s. noch Ennen, Qu. 2, 146, 143, 1234; 286, 283, 1249.
^) Besonders deutlich läfst sich der tJbergang bei den Kölner Zinshäusern verfolgen;
vgl. z. B. Ennen, Qu. 2, 293, 291, 1249.
*) Vgl. u. a. MR. ÜB. 2, 90, 1187, Münstermaifeld: R. Cani [Ritter] silvam sancti
Martini et terram attinentem et dimidiam partem molendini in eodem predio constituti here-
ditario iure concessimus, unde quolibet anno 16 mir. spelte claustralis mensure in festo sancti
Remigii absque onnii laboris recompensatione persolvere tenetur; si vero in prefata die non
persolverit, summa 20 d. levis nionete excessus sui negligentiam emendet; et si ad 15 dies in
eadem temeritate perstiterit [so zu lesen] , totidem persolvat , et sie deinceps , quoadusque
satisfactionem plenariam de debito optulerit. *Arch. Maximin. 12, 514, 1291: et si, quod
absit, dicti coniuges, vel unus haeredum ipsorum, qui bona praedicta tenerent, deficerent in
solutione dicti census, termino praenotato tenebuntur provisori hospitalis praedicti, qui pro
tempore fuerit, singulis annis quibus cessarent poenae et Interesse nomine in viginti s. for-
tiiun, et pro expensis dicti provisoris seu eins nuntii qualibet die, qua neglexerint solvere
dictum, censuin, in duodecim d. fortium. Eine eigentümliche Art, den Pächter zu strafen, das
sog. Geldnehmen auf Schaden, bietet Bd. 3, 122, s, 1321 ; s. dazu Stobbe, Juden in Deutsch-
land S. 114 ff. Vgl. auch noch Bd. 3, 142, 33, 1325.
^) MR. ÜB. 3, 514, 1234 : si dictas vineas negligenter coluerint, in potestate nostra erit
[(\ns] sine contradictione ab eisdem alienandi. A^gl. ferner Bd. 3, 7, 4, 1270. Charakteristisch
Lam procli t. Doutsclies Wirtschaftsleben. I. 61
[Wirtschaft d. rtrofsgrimdhes. — 954 —
fielen die Kosten desselben zii^; ich kenne nur einen Fall, in welchem an
Stelle des Heinifalls Sequestration tritt, welche bis zu völliger Befriedigung-
der Ansprüche des Fach therm an den Pächter andauert^. Xatürlicli schlofs das
Heimfallsrecht jeden Widerspruch, sowie alle etwa gericlitlich g-eltend zu machenden
Rechtseinwände aus^; die Pachtung sollte ipso facto ^, sine strepitu iudicii'^, wie
sich die Urkunden ausdrücken, an den Pachtherrn zurückfallen; nur äufserst
selten ist von einem Eingreifen des Gerichtes die Rede^'.
Es begreift sich, dafs so rigorose und doch auf der anderen Seite gewifs
häufig so wirkungslose Bestimmungen auf die Dauer nicht genügen konnten.
Man suchte also andere Sicherheiten auf. Eine ist zunächst im Erbbestand-
geld, wie es sich vernmtlich schon sehr früh aus der Vorhure oder dem Em-
pfängnis beim Pachtantritt entwickelte ^ , gegeben ^ : nach Zahlung des Erb-
ist auch der Ausdruck libere (et absokite) reverti, s. Ami. d. hist. Ver. f. d. Niederrh. 44,
75, 1257 : quod si alteruiu istorum non fieret, quod absit, predictarum vinearum partes prefate
ad nostrum monasterium Doenwalt libere revertentur, et nos intromittenius auctoritate propria
de eisdem, et erunt ab omni obligatioiie libere et solute et in nostram possessionem recident
cum edificiis suprapositis et culturis. MR. ÜB. 3, 375, 1229: agros prefatos sibi iure hereditario con-
cessimus possidendos, ita quod ipse exnunc singulis annis imperpetuum ecclesie nostre })ersolvet
am. parvam vini tempore vindemiarum ; quodsi forte ipse vel sui successores in solutione vini
fuerint negligentes, agri sepedicti ad nostram ecclesiam libere et absolute sine contradictioue
qualibet revertentur. Vgl. auch noch Bd. 3, 5, 36, 1257; 7, i7, 1272.
1) Bd. 3, 143, 6, 1325.
2) Bd. 3, 143, 3, 1325.
^) *Arch. Maximin. 12, 514, 1291: renuntiantes in hoc omni privilegio dotis seu dona-
tionis propter nuptias beneficio restitutionis in integrum omnique iuri et consuetudini, per
quae praedictum contractum infringere possemus vel aliquatenus contraire. *Arch. Maximin.
6, 302, 1347: renuntiamus insuper expresse per praesentes exceptioni mali doli, actioni in
factum ob causam et sine causa, conditionibus rei aliter gestae quam scriptae ; et ego Wizela
praedicta specialiter renuntio omni privilegio dotis seu donationis propter nuptias. Ähnlich
Bd. 3, 122, 24, 1321 ; 127, is, 1321 ; 143, 32, 1325. Diese Fälle können, obwohl teilweis auf
Schreiberfloskeln beruhend, immerhin als Beweis angeführt werden.
*) S. Bd. 3, 18, 21, 1260; 157, 2, 1333.
^) *Arch. Maximin. 12, 541, 1291: Ileimfall sine strepitu iudicii; ebenso Bd. 3, 10, 4,
1309. Bd. 3, 122, n. 1.821: Heimfall absque invocatione iudicii secularis vel spiritualis.
S. auch Bd. 3 , 126 , 37, 1321 , und die bezeichnende Kumulation Ann. d. hist. Ver. f. d.
Niederrh. 44, 85, 1362 : (bona pactata) ad ipsas libere devolventur contradictione qualibet non
obstante iuris canonici vel civilis, omnibus etiam exceptionibus et defensionibus doli mali,
privilegiorum, quibus renuntiamus in hiis scriptis, oxclusis penitus et amotis.
«) Ich kenne nur zwei Stellen, aufser Bd. 3, 244, 15, 1379 noch MR. ÜB. 1, 474, nach
1134: si vero per incuriam illorum [Erbpächter] vel domus vel vinee vel agri devastarentur
nee studiose percolerentur, a nuntio fratrum in causam inde ducti, si emendare nollent, here-
ditatem suam legittimo iure perderent.
'') Hennes ÜB. 1, 282, 1282: der Deutschorden in Koblenz verpachtet Vs Haus Mech-
tildi suisque liberis et heredibus iure hereditario possidendam imi)erpetuum et habendam i)ro
censu annuo sex s. usualis monete in festo beati Martini hiemalis nobis singulis annis im])er-
petuum persolvendo; receptis tamen prius ab ipsa M. in pecunia numerata tradita nobis et
assignata dnabus iiu'. monete predicte nomine cuiusdam iuris, cpiod vorhure vulgaritei-
apj)ellatnr.
^) Zur Entwicklung des Erbbestandgeldes s. olien S. 938 Note 4 Schlufs und S. 941 Note 5,
— 055 — Tlnnviilzung d. Wirtscliaftsverf'assung.]
])estaii<l.U('l(l(^s liatte der Pächter ja /w(Mfellos ein besonderes Interesse daran,
im durchaus zweifellosen liesitz der Pachtunir zu bleiben, dies Interesse war
aber nur durch pünktliclK^ Kanonzahluni»- an den rachtluMin zu befriedigen.
Indes man griff weiter. Hatte man die (iefahren des weltlichen Gerichts
v(M"mieden, so benutzten die kirchlichen Institute um so lic^ber die Strafmitt(^l
der geistlichen Disziplin: auf Tachtkontraventionen wurd(^ die Exkonniumi-
kation als Strafe gesetzte Nur eine Nachbildung dieser Mafsregel ist es
wohl, wenn man dem Landesherrn als Vogt aufserhalb des gewöhnlichen
liechtsganges eine Sondergewalt zur Aufrechterhaltung eines l)estinnnten J\acht-
kontraktes iibertrug -.
Aber diese Mittel waren nicht allseitig zugänglich; die Exkomnmnikation
war zudem eine sehr zweischneidige Mafsregel und verlor gegen Ende des
Mittelalters immer mehr an Furchtbarkeit und zwingender Kraft. Wirklich
sicher stellen konnte man sich, wollte man das direkte p]inschreiten des
Richters vermeiden, doch nur anf rein materiellem Wege, also durch
Kaution, d. h. im mittelalterlichen Rechtssinne durch Pfandsatzung^. Das ist
aufserdem Ennen, Qu. 1, 547, 71, 1158; Arcli. Clervaux315, 1353: Giiebles Goch et Gillet d'Orvas,
ochevins de Liixembonrg, constatent que Elze, fille de fen Buesaffe, tient h cens hereditaire
de Jean de ^Nlenstorf, eclievin a LiixemLoiirg , une maison et dependances, seant devant le
niief ospital en Schelmergas, pour un loyer de 20 s., et un piix une fois paj-e de 10 fl. d'or
de Florence, cinq a Schadeborch phis prochain venant et cinci a nauweil et apres ensuwant;
Bd. 3, 248, 24, 1382; auch *Kol)lenz St. A. MC. VIT Bl. 335 ^-335^, No. 996, reg. Goerz
Beg. der Erzb. S. 254, 1482: Wir Johan etc. tun kunt . ., das wir unserm kehier zu ^^'esel
und lieben getruwen Niclais Loirbechere von besundern unsern gnaden, auch umb getruwer
flissiger dienste willen, so der benant unser keiner in zukunftigen ziten zu tlmnde willig ist,
einen unsern Avingarten, glien Cube in Weseler marken gelegen ist und des benanten unsers
kelners vater von einie genant Pletzen an uns und unsern stifte braicbt liait (des tirnigenoissen
sint oben zu Gewer Bacherachs und undon zu Be'bel Spuelers), inie und sinen erben erblich
und ewiclicli frei und ledig, in maissen wir denselben ingehabt, verkauft und gelaissen hain
umb eine somme gelts. die er uns auch vur datum dis brieves gutlicb vernuget liait. doch
hain wir uns [Bl. SSo^'J unsern nakommen und stifte uf dem benanten wingarten einen
schillink Wesaler werunge jerlicben und ewigen zinses usbehalten, den der benant unser
keiner und sine (n-ben zu ewigen tagen alle jaires uf sant Mertins tag in wintlier umbefangen
in unser kelnerie zu Wesel eime unserm keiner zu ziten schuldig sin sollent zu hantreichen
und zu liebern, ane intrag ader weigerunge in eincherhande wise.
1) Ennen, Qu. 2, 115, 106, 1227. Vgl. MB. ÜB. 3, 375, 1229: W. miles in Confluentia
et sui coheredes a morte patris sui haben de quibusdam agris des Aachener Liebfrauenstiftes
jährlich tempore vindemiarum 1 kl. Ohm Wein zu zinsen. Es ist lange nicht geschehen ;
W. wird exkommuniziert, stellt sich.
2) *Arcli. Maximin. 12, 514, 1291 : die Erbpäcbter sind einverstanden, quod officialis
curiae Trevirensis censura ecclesiastica et nobilis vir dominus comes JiUtzelenburgensis, qui
pro tempore fuerit, brachio saeculari de piano et sine strepitu iudicii ad Observationen!
onmium praemissorum nos et haeredes nostros homines dicti domini communiter compellant,
(juando et quotiens ex parte provisoris hospitalis praedicti seu eins nuntii su])er hoc fuerint
requisiti.
^•) Ganz singuläi' und dem ganzen Verfahren nach auch nur in Ausnahmefällen an-
\vendl)nr ist MR. TTB. 3. 1051, 1250. Vertrag zwischen Mechtild Gi-äfm von Sayn und dem
61* '
[Wirtschaft d. Grofsgrimdbes. — 956 —
in der Tliat der Weg, welcher schon im 12. Jh. vereinzelt, später innner all-
seitiger betreten wurdet Sehen wir von einem vereinzelten Fall des 14. Jhs.
Erzstift Köln: si ipsa coinitissa bona sua nobis ad pensionem certnm dare vohierit, nos
oadem ubicunque sunt sita recipiemus in pensione et de iiistis nostris redditibus, quos infra
Coloniam habenuis, tantumdeni eideni assignabimus. item i)roniittimiis defendere P^rnestuni
virum nobilem de Virnemburg contra onines iniuriatores super bonis ipsi a dicta comitissa
in pensione concessis. ceteri vero pensionarii comitisse prefate si debitas ipsi non ])ersol-
verint pensiones, ut tenentur, nos contra tales erimus ipsi comitisse iustus iudex et paratus.
item comitissa i)ensionarios suos non absolvet nee induciabit sine nostro consilio et
consensu.
1) Vgl. hierzu wie zum folgenden MR. ÜB. 1, 556, ca. 1150: der Dompropst Arnolf
hatte einen mansus bei Bombogen an das Kapitel geschenkt, hoc tenore, ut inde quotannis
carr. demerati vini in littore Treverensi persolveretur . . . hunc igitur mansum quidam
Albertus tenens per multos annos prefatum redditum sine querela persolvit, donec crescen-
tibus ab omni parte malis et agriculture et [!] cultores tepescere ceperunt et ille, qui debebat,
per aliquod tempus plenarie non dedit. cum autem ad persolvendum compelleretur, in hunc
tandem modum cum eo convenimus, ut uno anno ei debitum censum omnino remitteremus.
et ipse de allodio slio vineam quandam apud Urcicham predicto mansui superaddidit,
quatenus deinceps sine contradictione ins debitum in festo beati Martini ab ipso et filio eins
persolveretur; quod si tempore statuto non dederint et commoniti a fratre, qui haue obe-
dientiam habebit, infra quadraginta dies non correxerit, et prefato manso et allodio, quod
superaddiderunt, omnino priventur. URupertsberg S. 389 ; W. de Monte dabit de domo et de
orto 5 s. et 4 capunos, si non dabit, so hat er zu underpande gesatzt */2 iug. vinec.
S. ferner aufser Lac. ÜB. 2, 33, 1210 auch Lac. ÜB. 2, 548, 1264 : convenit etiam inter dictos
decanum et capitulum et ipsum Conradum, quod ipse Conradus de consensu heredum suorum
annexit et astrixit sepedictis decano et capitulo ad dicta bona unum mansum suum, qui
theutonice dicitur hove, situm apud villam Urre, in curtim ipsorum Sunrisdorp pertinentem,
ut eo in solutione dictorum 11 mir. tritici sint securiores. item ipse Conradus vel sui here-
des sive successores sui non vendent alicui predicta bona nee mansum nee obligabunt nee
aliquo modo alienabunt nee divident inter se heredes, sed unus heredum ipsa bona cum
manso solus integre possidebit. et liec a quolibet berede vel successore, cui dicta bona cum
manso ipse . . decanus et capitulum duxerint concedenda, in perpetuum observabuntur.
Hennes ÜB. 1, 232, 1274: das Koblenzer Deutschordenshaus domos quasdam hereditario iure
sub annuo censu, videlicet octodecim s. Coloniensium bonorum et legalium in festo circum-
cisionis domini singulis annis persolvendorum, locavimus sive concessimus perpetuo possi-
dendas. dictus quoque G. pro securitate solutionis faciende quandam vineam suam, que
Haimbuche dicitur, nobis titulo pignoris obhgavit, ita videlicet (piod si quando cessatum
fuerit in solutione pensionis predicte quocunque modo, tam de fructibus eiusdem vinee quam
domibus et areis supradictis pensionem nostram recipiemus et tamdiu retinebimus, quousque
nobis plenarie fuerit satisfactum. *Arch. Maximin. 12, 514, 1291 : die Erbpächter versprechen
bona fide pro nobis et haeredibus nostris, nos soluturos censum praedictum termino ad hoc
praefixo cum poena et expensis praetactis. si in solutione census praefati cessaverimus , ut
est dictum, nosque propter hoc haeredes nostros successores in dictis bonis praedicta omnia
ac etiam bona nostra onuiia mobilia et immobilia, quae habenuis vel habituri sumus in villa
de Jamals et confinio eins, etiamsi novam villam ibidem fieri contingat, pro censu poena et
expensis praedictis provisori hospitalis praedicti, qui est et erit, titulo pignoris specialiter
oblignmus. *Arch. Maximin. 6, 301, 1347: ad maiorem autem certitudinem tam solutionis
censuum (piam observantiae ceterorum praemissorum, nos llennekinus et Wizela coniuges
antefati jjrnodicto domino ^^'irico i)rovisori suo et dicti hos])italis nomine constituinuis et
obliga\imus constituimus et obligamus per praesentes domum sitam inter stratam et domum
— <)57 — UniwiUziiiig (I. Wirtsdiaftsverfassuns.]
al), wo /eitwoiliiiv Kaution auftritt', so war (li(^ riandsatzun^" stets eiuo
(lauernde, die ^aiize Paclitzeit umfassende. Als riand wurde in ältester Zeit
durchaus rej^elniäfsig- lastenfreier Grundbesitz, welcher detailliert verzeichnet
wird^, gerichtlich aufgetragen; erst seit dem 14 Jh. wird auch Rente oder
iiostrani sitani in der Lein, qnam inhabitanius , titiüo communi pignoris et hypothecae,
ai-bitrantes sponte i)er praesentes, quodsi nos aiit nostri haeredes aiit in posternm successores
in solutionc dictonim censnuni in toto vel in parte ant in vineae cnltura ut i)raeniissuni est
negligentes fnerinms aut fuerint vel remissi, quod extunc provisor antedictus aut eins
successor dit'ti hospitalis provisor ])ro tempore ad vineani [S. 302] et hortnni praedictos
manus apponere poterit ac se de eisdem introraittere poenitus, donec de universis negiectis
et non solntis per nos ant dictac vineae possessores fnerit plenarie satisfactum. *USMax.
1484, Bl. 101a. 1495, § 9: herüber snllent die vnrg. bestender nns alle jair iif sent Brictius
tag, als ander zense im hove fellicb sint, geben dri gl. dru mir. rocken dm mir. even
Lutzenburger weronge, zu sent Maximin obg. in unser gotsliuis leberen und vernugen sunder
keinen langen verzoch indracb ader wedersprache, mit verbuntenis zwen und drissicb gl.
verwilkort uf iren gutern zu Ellingen im hove van Moendorf, nach uswisonge desselben
briefs, wir van in davon innehain versiegelt dorch ein richter van Moendorf.
n Bd. 3, 126, 34, 1321.
2) S. z. B. Ann. d. bist. Ver. f. d. Niederrb. 44, 85, 1362: et ut ipsis religiosis
personis magistre et conventui monasterii in Doenwalt in premissis et quolibet premissorum
niiigis cautum existat, obligavimus titulo ypothece et concorditer obligamus per presentes
unam nostram iurnalem vinearum nostrarum sitam in territorio ville Niedehamerstein,
videlicet unum dimidium iurnalem in loco dicto Metzindal iuxta vineas dictarum religiosarum
personarum, item unum dimidium iurnalem in loco dicto up der Drenkin prope vineas
dominorum de Loco sancte Marie in bunc modum, quod si predictam pensionem Septem am.
vini per neutrum modorum predictorum persolvere neglexerimus congruis temporibus sepe-
dictis, extunc prenotate vinee per nos, ut premittitur, conducte necnon vinee titulo pignoris
ypothece obligate una cum pensione subtracta cadent in commissum. *0r. Koblenz St. A.
Oclitendung Xo. 18, Goerz Regg. der Erzb. S. 118, 1379: und umb daz wir und unser
nakomen der korngulte vorg. sicher sin, so haut uns unsern nakomen und stifte dieselben
Johan und Kathrine vor sich und ire erben zu rechtem unterpande gesast und gelacht sieben
und zwenzich moi'gen ackerlanz und anderhalben morgen wingarten gelegen in Oichtendinger
geriechte mit namen als herna volget beschreben : mit dem eirsten einen morgen ackerlantz
gelegen hinder Lo uf Wilhem von Sintzige, item zwene morgen uf Hongersberge uf den
Duetsschenherren über Poelcher weg, item einen halben morgen gelegen dabi uf eime unserm
stucke, item einen halben morgen under Poelcher wege under eime stucke der vicarien zu
Üichtendink, it(>m zwene morgen an Poelcher wege gelegen uf eime unserm stücke, item einen
morgen über den Eligendal under den Duetschenherren , item einen morgen uf Staffeln under
Peter Johans bruder vorges., item fonf virtil oben und dru virtil under unserm stucke gelegen
daselbes, item drittenhalben morgen in Breitacker under Roitzer pade uf Boeissen, item einen
halben morgen uf Perrich uf Boessen, item zwene morgen über Roitzer päd under und über
Peter Schefer, item einen halben morgen an Covelentzer wiege an Stilen under den Duetzschen-
lierren, item einen halben morgen an Kethger wege uf eime unserm stucke, item einen
morgen uf Altdreiss under den Duetschenherren, item einen morgen daselbes under Henrich
Winter, item dri morgen daselbes under Hermanne Bartues, item anderhalben morgen in
Widenfelt uf Henrich Winter, item anderhalben morgen daselbes und rurent uf Wannen ober
und under eime unserm stucke, item dru virtil wingarten an dem berge gelegen bi Peter
Johans bruder vurg. , item dru virtil wingarten gelegen under Jacob Sekilbüge: — also ob
Johan Kathrine oder ire erben vurg. einichen jairs sumich worden an bezalen der vorg.
[\\'irtsi-hiilt (l. Chüfsgriiiulbes. — 958 —
Land in Rentenweise als rfan(lo])jekt zugelassen ^ Dabei blieb die Nutzung'
des Piandgutes, oder wie es auch genannt wird, des Supplenientuni oder der
Beilage, der IJegel nach dem Päcbter. Auch fällt das Tfandgut mit dem
Heimfall der Pachtung regelmäfsig dem Pachtherrn im Sinne der jüngeren
Satzung mit zu: so ersetzte die Setzung eines Pfandgutes wohl zugleich die
Einzahlung eines Erbbestandgeldes ^.
Di(^ bisher geschilderten Vorsichtsmafsregeln wurden nun aber nicht
selten kunmliert^. ja es wurde ihnen Avohl noch gar das direkt \md persön-
lich in den Pachtvertrag eingeführte Versprechen des Pächters hinzugefügt,
den Kontrakt aufs unverbrüchlichste halten zu wollen ^ : ein sicheres Zeiclien
dafür, dafs mit all den genannten Mafsnahmen die volle Sicherheit des Pacht-
herrn gleichwohl nicht erreicht war. In der That grübelte man stets nacli
neuen Verbürgungen, ihre Feststellung machte geradezu ein Hauptgeschäft bei
Abschlufs eines Pachtvertrages aus"^; und wir werden bald sehen, wie gerade
das Unbeiriedigende der Individualbürgschaft auf diesem Gebiete in einer An-
zahl von Fällen einer bemerkenswerten genossenschaftlichen Durchbildung (k»s
Pachtwesens mit zum Durchbruch verholten hat*'.
Jetzt aber ist es zunächst an der Zeit, das Verhältnis des Vital- und
Zeitpachtvertrages zu der eben charakterisierten Entwicklung der Erbpacht
festzustellen.
x\m nächsten schliefst sich an die Erbpacht die Vitalpacht an, nahe ge-
nug, um die vertragsmäfsigen Einzelbestimmungen mit denen dei' Erbpacht,
soweit ein Parallelisnuis überhaupt besteht, fast völlig identisch erscheinen zu
korngulte in der maessen, alz vor ist begriffen, so suUen Johan Kathrine oder ire erben
alsdan die erbeschaft an dem egen. unserni liove lian verloren und suUeiit uns unscnii
nakomen und stifte die sieben und zwenzicli morgen ackerlantz und di anderlialb morge
wingarten ledigliclie sin ervallen.
1) Bd. 3, No. 2 V, 1323; 195, so, 1346.
2) Bd. 3, 6, 16, 1270; 191, § 7, 1344. An sich natürlich ist dieser Mitheimfall in der
Bestimmung des *USMax. 1484, Bl. 101a, 1495, § 10: were sache dass dieselbe bestenderin
einchen Sachen vurg. buwe ader bezailonge und indrengongen der grontzensen sumicli ader
bruchlich funden wurden, doa sullent si irs vurg. bestentenis und auch der bilaegen uns
unsen gotshuis und unsen nacomen los ledich zugefallen und si irs bestentenis ledich sin.
■^) So z. B. *Arch. Maximin. 12, 514, 1291.
*) Vgl. u. a. *Arch. Maximin. 8, 210, 1295: ego [pactarius] . . coniiteor per prae-
sentes, me dicta bona superius expressa a dicto provisore pro anno censu praedicto solvendo
sub modis et conditionibus onniibus prnedictis iure haereditario recepisse; et promitto per
praesentes pro me et haeredil)us meis onniin praemissa et singula inviolabiliter observare.
S. auch Bd. 3, 122, i4, 1321.
•'^) Guden. CD. 2, 1087, 1344 : das Kloster Stablo schickt zwei Mönche mit der Voll-
macht ad ipsam curiam nostram de llemago cum suis appenditiis alicui honeste ])crsone ad
lirmam seu accensam usque ad certum temj)oris spatium, prout nostris dictis i)r()curatoribus
videbitur expedire, dandum et locandum, et ad recipiendum bonam securitatem et obligationem
idoneam super Iniiusmodi accensa et etiam, si o])us fuerit, quascunque litteras et instrumenta
fieri petendum.
«) S. unten S. 973 ff.
__ (J59 — Umw;U/LiH}^- d. WiilhclialLsvL'i'fiisbiiiig. |
lassen: su dals die Mtalpacliturkuiideii in dieser llinsiclit sdion l)oi der Kr-
örterung" der Krl)i)acht mit zu Kate ^ezo^en werden konnten. Ein Unter-
schied niaclit si(*li dagegen in der wirtseliaftlichen Benutzung dw Vitalpaclit
geltend. Die pji)i)aeht wird von Anfang an auf die verschiedensten Pacht-
substrate gleichniäfsig angewendet ^ , die Vitalpacht kommt nur für einige
Zwecke zu häufigerem Gebrauch^.
So vornehmlich im äufsersten Osten unseres Gebietes zu Kolonisations-
zwecken ; hier ist die Landsiedelleihe die bei weitem gebräuchlichste Form der
Vitalpacht ^. Freilich dringt diese Form kaum über den Rhein bis zur Mosel '^.
1) So in (1(^11 ältesten Urkunden auf einen Garten (MR. ÜB. 1, 424, 1112), Höfe
Ca. a. 0. 1, 431. 1115; 474, 1134; 2, 2% 1169), Wald zum Anbau (a. a. 0. 1, 432, 1115),
Wiesen (a. a. 0. 1, 455, 1126), Landgiiter (a. a. 0. 1, 594, 1155; 618, c. 1160; 645, c. 1165;
2, 45*, 1181), Mühlen (a. a. 0. 1, 640, c. 1163; 90, 1187); Weinberge und Äcker (a. a. 0.
1, 63, 1169-83; 71, 1185); Teiche (a. a. 0. 2, 11?6, 192).
'^) Wenigstens wenn man von den Pachten an Geistliche absieht, für welche Erbpacht
selbstverständlich ausgeschlossen war, mithin alle sonst auf dem Wege der Erbpacht befrie-
digten Bedürfnisse mit der Zeitpacht zufallen mufsten.
3) Zur Landsiedelleihe vgl. neuerdings vor allem Arnold, Ansiedhmgen S. 573 f.; zu
ilen sonstigen Kolonisationspachten s. man u. a. Hasenöhrl, Österreich. Landrecht 88 if.,
Mitt. d. bist. Instituts 4, 431; Haeusler 1, S. 68 ff., 81 if., 284 f.; zur Kolonisation unter Erb-
zins auch Waitz, Vfg. 5, 274, 283 f.; und über die bairischcn Urbarsieute (Erbpächter
15. Jhs.) Lerchenfeld, die alten bair. landständ. Freiheiten S. 399; Fr. Seb. Kraysser, llepert.
iuris Bavar. 1671; und ,Gemeiner Urbarsbrauch' (s. a.). Über die Anlässe zu freierer Aus-
baunutzung s. auch oben S. 137. — Einen lehrreichen Fall zur Landsiedelleihe an der Lahn
bringt MB. ÜB. 3, 754, 1242: Gerhard von Eschborn schenkt an das Stift zu Wetzlar
einen mansus zu Wehrdorf, ita ut . . a colono ipsum mansum excolente, quamdiu vixerit,
servitium, quod inde michi fecit, recipiant debitum et consuetum, et eo mortuo eundem
mansum ad ius coloni locandum ab instant! die inantea liberam et plenam habeant
potestatem.
^) Der einzige vermutlich hierher zu ziehende Fall früherer Zeit ist CRM. 2, 180,
1258, cit. oben S. 129 Note 3. Innerhalb der Bheinischen Landrechte handelt nur das
Solmser Landr., v. d. Nahmer S. 13 f., Index S. 1315, über Landsiedelleihe. Im übrigen bestehen
an der Mosel (wie auch am Niederrhein, vgl. Lac. ÜB. 2, 957, 1295) seit dem 13. Jh., soweit
idierhaupt noch ausgebaut wird, ganz andere, in sich zu keinem festen und einheitlichen
System entwickelte Leiheformen. So z. B. in Erbpacht MR. ÜB. 3, 895, 1246: SMartin-
Trier giebt an einen Trierer Bürger montem Hart . . excolendum et possidendum . . iure
hereditario . . pro 3 Ib. Treverensibus. Vür die richtige Zahlung der 3 Ib. bürgt die Ver-
pfändung von 3 Häusern des Bürgers. Item si edificia et culture predicti montis per negli-
gentiam (pactarii) . . adeo deperirent, ut census predictus ex proventibus eiusdem montis non
posset persolvi, ordinabit ecclesia pro sua voluntate de monte predicto perceptura nihilominus
35 s. censuum ex domo (pactarii). Das war eine Form, welche natürlich nur für kapital-
reiche Pächter anwendbar war, nicht aber für arme Schlucker, welche Land zur Siedelung
begehrten; ihr Charakter bietet zugleich einen weiteren Beleg zu den vielen im Laufe
dieser Untersuchung schon geltend gemachten Gründen für die Thatsache, dafs der Ausbau
an der Mosel mit Beginn des 13. Jhs. schon im wesentlichen abgeschlossen war. Für
spätere Zeit zeigen das auch Kontrakte Avie die *USMax. 1484 Bl. 101 1^ abschriftlich
erlialtene Locatio curtis in Biverbach Alderhof, 1406 April 10: Ich Johan Besseler van
Prumia und Grefe min elige huisfrauwc don kont und bekennen öffentlich in diesem brieve
[Wirtsclial't d. Grors^i'undbos. — 960 —
Und auch an ilirein alten Standort, an der Lahn, entartet sie. Schon uiii die
Mitte des 13. Jhs. beoinnt hier ihre Ausweitung zur Erbi)aclit\ ein Schicksal,
vor uns und unser beider kinde, wir itzont niitein liain und bernamails mitein gewinnen,
daß wir semtlicli uns aller lebdage us und unser je einer nach des andern dode und nit
lenger bestanden bain und bestaen in craft dies briefs und) die erwirdigen in gode bern
Anthonis zu sent Maxiniin und bern Winant zu Ecbternachen van goits gnaden epte und m)
convent ein ire gemein erbscbaft und buscbe in der Biverbacb genante, wie die dan van
alder bis dis zit zo dem vorg. goitsbus gemein und ungedeilt geboirt bait, mit allen Iren
friheiden begrif und zugeboir in maisen bernacb gescreven: § 1. Zu wissen daß wir bestenter
vorg. van stont ain und forter zu allen ziden, als lange das bestentenis wert, die vorg. buscbe
und erbscbaft getiuwelicb sullen hueten mit unsern gesworen eiden und darenus kein bolz
verkaufen geben ader verwenden nocb sulcbs van nienian laissen gescben in kein wise; und
darum!) welcberleie pender wir daruf begrifen der mögen wir geniesen mit recht, also viel
und wenich wir können, und sulcben nutz davon sonder der eg. heren schaden uns behalden.
§ 2. Yorter mebe ist beret, daß wir die erbscbaft sullen bueden, daß sie nit versmelt enwerde,
al marken of unsern kosten doin setzen und begenkenis daruf doin, als dicke des noit ist
und geruet wirt; und die ruhen abedoin nach der scheffen wistomp zo Kenne, an den vorg.
bern schaden zu doin. und darumb was uns daruf gelieft zu roiden oder das niet buscbe
enist noch busch werden mach, mit dem ploicli zu gewinnen, ader wiesen daruf zu macheu
ader zu verüben und den noiz davan zo nemen, mögen wir doin und ist der gemelter herrn
gueder wille. § 3. Vorter me ist beret und clerlichen underscheit, gereden auch und geloben
in craft dis briefs. daß wir van stont ain ein redelich wanhus uf die vorg. erbscbaft buwen
und sulchs binnent zweien jaren nestkoment vollenfueren und das inwainen sullen; und nach
usgank dis bestentenis den vurg. bern uns goitzhusern los und ledich wail gebuwet laisen.
und sullen darzu aljerlichs zu sent Remeis misse ader 14 dage darnach ungeverlich ein
mir. dürren schonen goiden korns lieberen und wail bezailen, und darzu ein half hondert
eier, das ist nementlich irer iclichen ein halb mir. und 25 eier, und iclichen das sin fueren
und libern, als das van alder herkomen und gewenlich ist. § 4. Vorter bain wir bestender
vorg. besunder geret gereden und geloben in craft dis briefs, al ungeverde indrach hindernis
und onwille, uns of der vorg. erbscbaft gesehen nuiecht, is were an beschutenis der pende
ader ander onwille, soe welcberleie der were, sonder der vorg. bern und goitsbusern zudoin
schaiden und moidsel abezudragen und mit unsern kost und arbeit zu bessern of allen den
enden und steden, sich das gebuert, ain alein den gront zu vertedingen: da sullent si uns
bestendich sin den zu verantworten. — AI vorg. ])uncten und artikel und iclichen besunder
bain wir bestender vorg. den eg. hern imd iren goitsbusern mit unsen eiden und truwen
sonder indrach ofrechtich geloipt zu halden, darwider nit zo doin noch schaffen, gedain
werde, in kein wise. und weret sache daß wir in einchen vorg. puncte sumich wurden, is
w^ere einer [BJ. l()2(^j ader me, und besonder dergener, die die erbscbaft zer zit inhette,
jair und dach in dem banne were, alsdan sal dis bestentenis abesin und kein macht me
hain, und alle buwe darof gedain were frilie ledich und los zo iren henden stain, und sullen
noch enmogen uns nit me mit irem brefen behelfen noch den forter in ander hende stellen,
umb si damede anzoveitigen in kein wis anders dan mit geistlichen recht of enden und
steden, sich das geburt, und das forter doin in allen den sachen, dae wir nit ansprachen
muechten erlaissen.
^) S. MR. ÜB. 3, 1462, 1258: nos Heinricus senior comes, 11. et M. nati sui de Sol-
misse, teuere presentium protestantes notum esse cupinms universis tam presentibus quam
futuris, quod decano et cai)itulo Wetflariensis ecclesie ex parte una et Alberone colono
i])sorum de Mulnheim ex altera super quibusdam bonis ibidem sitis coram nobis civiliter
disceptantibus , cum idem A. se in dictis bonis ius hereditarium affirmaret habere, dicti
— Oßl — Uinwälziiiig (l. Wii'tscluit'tsvcrrassuiijf. I
(las allerdiujis dem fast aller Vitalpachteii entspriclit ^ ; ^.ie wird ferner iiiclit
mehr blofs auf Ausbau, sondern auch auf Bess(u-unj>' sclion fertig gestellter
Siedelungen angewendet-; und sie geht schliefslich als allgemeine Vitalpacht-
form auf Verhältnisse und Pachtungen jeder Art iilxn^^.
Länger hielten sich besondere Ausgestaltungen der Vitalpacht — >venn
sie freilich auch hier leicht in Erbpacht übergingen — in zwei anderen Ver-
hältnissen, welche beide an der Mosel und am Rhein völlig heimisch und bei
weitem mehr als die Landsiedelleihe verbreitet sind. Es sind das der Villi-
kationsvertrag und die nalfeni)acht.
Der Villikations vertrag, wie er vornehndich mit kirchlich-grundherrlichen
Instituten für ganze Fronhöfe, bisweilen auch für Sonderbetriebe der grund-
herrlichen Verwaltung* abgeschlossen wurde, charakterisiert sich als eine
spezifische Entwicklung der Vitalpacht für die tT])ernahme von Meierämtern
seitens hervorragender Adliger, welche den FronlH)fsl)esitzungen zugleich Schutz
gegen gerichtliche und aufsergerichtliche Angriffe zu leisten imstande waren ''^.
deeiinus et capituluni suuiii in possessione proprietatis bonomni eorundem coram iudicilms et
scabinis ad nostra iudicia dei)utatis secundiim sententiam tain per milites quam ])lel)eios
latam plenissime convicemnt, ])iobaiites, prefatum A. l)Oiia memoiata noii iiisi iure colonario
possedisse; unde nos eadeni bona sub protectione nostra auctoritate iudiciaria ponentes,
dictos decanum et cai)itulum in possessionem ipsorum niitti fecimus corporaleni.
') Vgl. z. B. Bd. 3, 7, 32, 1273: bei Manusiirma wird nach dem Tode des Mannes fin-
den I'bergang an dessen F'rau bezw. den dritten Erben ein manufidelis sive procurator
bezeiclmet.
''^) Guden. CD. 5, 62, 1272, Urkunde des Kapitels von Wetzlar: fatemur, (piod Methildi
relicte Wigandi de Xuvern niansum nostrum, quem Gisilbertus Emezo una cum uxore sua
quandoque iure mansionario possedit, concessimus unaniniiter sub annuo censu pro mr. vide-
licet et appenditiis , solido scilicet vecturali et aliis quibusdam censibus minutis , quos idem
G. et uxor sua noscuntur suis temporibus persolvisse; hoc tamen adiecto, quod nobis annis
singulis in festo beati Michahelis solvet 4 mir. tritici sub niensura civitatis Wetslariensis et
meliorabit agros eiusdem mansi in stercorando eosdeni hdeliter, ut promisit; preterea tem-
pore sue decessionis equus nielior mansum eundem excolens nobis pro optimali sive pro
meliori capite porrigetur, et bona eadem ad nostram ecclesiam libere et sine contradictione
(luorumlibet revertentur.
3) MR. ÜB. 3, 1060, 1250, das Stift Wetzlar verleiht an Bitter Damar: duos mansos
in Garbinheim cum omni iure in Waltgermeze, medietatem curie, mansum in Mulnheim,
novalia ibidem bona in Nuvern et in Stendorf macellum et agrum in campis nostris, quem
contulit Gerbertus pro 5 s., iure colonario [ei] concessimus in perpetuum possidenda, ut inde
censum solitum statutis terminis ecclesie nostre persolvat.
-*) Hierzu vgl. MR. ÜB. 3, 173, 1221: ego Simon dominus Joinville . . notum
facio . . , quod lohannes dictus abbas et capitulum Mediolacense contulerunt miclii fontem
salis situm in orto hosi)italis Mediolacensis, tempore vite mee, ad omnem usum. et sciendum
est, quod ad edificandum dictum fontem ad salivandum ego de terra circa fontem ad omne
fontis edificium mihi sumam largitatem, de nemoribus dictorum abbatis et capituli nichil
capiam, nisi per ipsorum voluntatem. ad hec etiam volumus innotescere, quod post decessum
meuni memoratus fons cum omni suo ediiicio libere et pacifice ad eos et eorum ecclesiam
revertetur, et heredes et successores mei in dicto fönte nichil poterunt reclamare.
''') Für weitere Motive vgl. auch noch *Arcli. Maximin. 12, 043, 1519: (scimus), hospi-
tale supradictum in suis redditibus proventibus et emolumentis ex locis et villis Briies Cloe
[Wirtsclial't d. (iiufsj^ruiRlbes. 0G2
Dem Pächter fällt damit nicht selten für seine Person nur eine pseiidovogtei-
liche Stellung zu; er hat (inen besonderen Beamten als Meier unter sich,
welcher im Fronhofe sitzt und die niederen Funktionen . der Fronhofsverwal-
tung unter Abhängigkeit vom Pächter versieht ^ Wo derartige Villikations-
pachten sich zu voller Erblichkeit entwickelten, konnte die Stellung des
Pächters naturgemäfs in die des Vogtes übergehen; doch wissen wenigstens
einige kirchliche Institute auf diesem Gebiete den Charakter der Vitalpaclit
noch lange aufrecht zu erhalten-.
Dem Villikationsvertrag gegenüber bot die Halfenpacht den Modus, in
welchem man gröfsere Höfe, oft auch alte Fronhöfe, vornehmlich an Pächter
niedrigeren Standes, freie Bauern und Bürger, auf Lebenszeit auslieh; nur
selten kommen neben ihr in meist besonders begründeten Ausnahmen Vital-
pachten gegen festen Zins und nicht auf Teilbau vor^. Die Form ist schon
um die Mitte des 13. Jhs. völlig entwickelt; in einer Dünwalder Urkunde von
1247 ist schon von dem nomen et ins semicolarum als allgemein bekannter
Institution die Rede^. Natürlich zeigte auch diese Form sehr bald die Ten-
denz zur Erblichkeit; zunächst dehnte man sie auf beide Ehegatten und auch
auf den nächsten Deszendenten derselben aus ' : damit war die Erbpacht ein-
geleitet. Indes haben die Pachtherren gegen diese Entwicklung anfangs
wenigstens kräftig reagiert: man stellte der Halfenvitali)acht eine andere
Xutzungsform in Teilbau gegenüber, welche wohl gar auf beliebige Wider-
ruf lichkeit *^ oder wenigstens auf Zeitpacht in bestimmten Grenzen hinauslieft.
Villecloy Flesseuey Hans et Schiney conunque limitibus aiiiiue cetlentibus et übveiiieiitibus
tum ob locomm tum ob idiomatis distantiam et incommoditatein hucusque uon exigua per-
pt'«sum fuisse detrimenta. eupientes igitur pauperum coiisolationi ac mouasterii et hospitalis
l)raedictorum illiusque bonorum et redituum recuperationi et conservationi attentius providere,
verj)acliten sie, non coacti circumventi aut aliqua fraude seducti.
^) Vgl. die Urkunden *Chart. Trier Stadtbibl. 1242, s. Lager Mettlach S. 298; *Diisseid.
St. A. Pant. Or. 57, 1260-, Guden. CD. 2, 1020, 1322. Schöne Beispiele, aber konfus be-
nutzt, bringt auch Landau, Salgut S. 211 f.
^) So z. B. Band)erg für Hönningen und Irlidi gegenüber den Burggrafen von Ilammcr-
stein, vgl. CRM. 2, 191, 1262; 3, 559, 1876; 4, 20, 1406.
■'} S. z. B. Bd. 3 No. 209, 1379; 215, 1389.
^) Aun. d. bist. Ver. f. d. Niederrb. 44, 72; vgl. auch MR. ÜB. 3, 1021, 1249. Aus
spaterer Zeit s. als vermutlicb auch bierber gebörig Bd. 3, No. 62, 1279, ferner Ann. d. bist.
Ver. f. d. Niederrb. 44, 90, 1438; aucb *Pars I des Diplomatarium llimmenrodense, Trier
Stadtbibl. 1717 Bl. 115^— 117^ von 1553: isti sunt agri et vinee ac bona nostra spectantia
ad curtem nostram in Vren, que fuerunt locata dem Sinningben de Vren ad dies vite
sue usw.
''^) Vgl. z. B. *USMax. 1484 Bl. 101 a, 1495: l>äcbt('r auf 2 Generationen.
«) *0r. Koblenz. St. A. c. 1205, MR. Reg. 2 No. 992.
') Für die cigentümliclien in diesem Fall ausgebildeten P'ormen s. Hennes ÜB. 1, 460,
1347: W. packtet vom J)eutscliord(!nsbaus dessen Hof zu Lonnicb auf 4 Jidire, mit alsulcben
vorwürfen, dat si mir suUent geben liailben samen, und sullent balben snit don; unde icli
sal in balden einen lierren unde einen knecht mit einem perde in niiner kost, biz der vor-
slach uzkomit, umbe 2 mir. kornis, unde ir drescliere ie den man umbe 1 sum. kornis zu der
003 — rinwälziuig d. Wirtscliaftsverfassung.]
I)i(^sor (ie'^vii/iiii licls siHi iiiu so oIkm' (lurclifiilinMi, als sich <>oi'a(le für
llolparlitinii^on iiohcii dvr Vitali)aclit sclioii läiiiist die Zc^itpaclit Baliii iic-
broi'lu^ii liatte^ Das Paditverbältuis daiiorte in {liesoui Falle meist 9 bis
40 Jabie '' ; nur äiiiserst selten ging man unter die Mininialdauer von 9 Jahren,
wüchcn, voir uiule na, also lange si es bedurfent. oucli salicli hi haildcn zu der sonici-
friiclit seis menschen, ilichen unibe ein sum. koinis zu der wochen, den sollent sie Ionen,
unde ich sal antwuiten al ire frucht zu C^ovelenze unde sal in dun zwo woren in der gegcn-
nothe, wanne sies an mich gesinnen. ouch sal icli ir laut avoI gewinnen unde huwelicli
haildiMi, unde gein laut me gewinnen, dan dat ir. vortme wat cinse unde hede of den bot
gevellit, dat sal ich bezalen. were ouch sache dat ich geinen schaden oder verlust bette van
imanne, des di vorg. lierren zu dagen wolden komen, des ensal ich ingeine vorderunge
hain. unde di werclude, di sie zu mir sendint muren dach unde wende zu machen unde den
hoif in buunge zu haildene, den solent si Ionen, unde ich sal si hailden an miner kost unde
in opperen mit ndnem gesinde. unde of si es noit gewinnen, nuwen hou zu machene, da sal
ich mine vore zu doin. *UMünstermaifeld Hs. Koblenz ('Xlb Bl. 38^, 1348: Wir Elias
proist . . pechter des hoifs zu Kerne han geluwin unsen hof daselfs H. Conen sone vier jar
naeinander, die angient uf unser frouwen lichtmissen . . fizgenomen dat mirgelstucke bi Rovc-r
gelegen von 16 Ib. morgen , nmh halven nutz alrejerlichs , und sal uns den sein und
vursnieden und alle kust darzu dun den ern durch und unserm gesinde als lange, als de wert,
und wanne dat de ern uz is und die vroicht in die schüre kumpt und dreschen begint, so
solen wir ime ie zu der wechen ein sumber korns geven, als lange dat dreschen wert, und
sal he uns den hof buwelich halden und daruife wanen und dat stro brechen, als gewonlich
is. und sol uns unse deil \roichte vuren alrejerlichs zu Munster uf unse huis oder uf die
Mosel, da id uns even kumpt; und sal uns geven alrejerlichs 1 mr. Brabentisch uf sente
Mertins dach zu wisungen. und solen wir selve unsen dienst don und die zinse heven.
Aufserdem vgl. Bd. 3, Xo. 194, 1356; 245, 1466. — Abweichungen von dieser Form bringen
CRM. 4, 350, 1479: Erzbischof Johann von Trier bewilligt einem Bürger zu Engers
die Anlegung eines Salmenfanges auf dem Rheine, zwischen dem Saynbach und dem Turme
zu Engers, auf 40 Jahre, gegen die Abgabe 'des fünften gefangenen Salmen; und *Arch.
Maximin. 1, 976, 1489: darzu suUent die vorg. bestander hain den garten bi der Boeder
brücken half mit den nüssen und oifze, darinne wieste. und vermitze das sie unser deil alle
jähr zur zeit irren und duengen, behueden, bestuppen und befrieden na noitdorft.
^) Zeitverpachtungen grofser Höfe s. Goerz MR. Reg. 2, 2147, 1235; Westd.
Zs. Bd. 2 Korrbl. 219, 1299; Hennes ÜB. 2, 382, 1308; *Dipl. Brumiense Bl. 136 a, 1315;
Bd. 3, 149, 12, 1330; *UMünstermaifeld Hs. Koblenz St. A. CXI^, Bl. 42 a, 1835; Guden. CD.
2, 1087, 1344: *U3Iünstermaifeld Bl. 38 b, 1348: Arch. Clervaux 362, 1368; *Dipl. Prumicnse
Bl. 119 t, 1372; *Arch. Maxhnin. 5, 1240, 1381; Guden. CD. 2, 1339, 1466; Bd. 3 No. 245,
1466; *Koblenz St. A. MC. VIII Bl. 96 b, 1466; *Arch. Maximin. 1, 975, 1489; 13, 1261—62,
1490; *Boos, pAifalia 3, 57, 1496. Hierzu vgl. an Vitalvcrpachtungen grofser Höfe *Chart.
Trier tStadtbibl. 1242, s. Lager Mettlach 298 : xinn. d. bist. Ver. f. d. Xiederrh. 44, 72, 1247 :
♦Düsseldorf St. A. Pant. Or. 57, 1260; Bd. 3, 78—79, 1279; (121 f., 1321); 125 f., 1321:
ri90 f., 1344); (195 f., 1346); *Koblenz St. A. MC. 11^ Bl. 150 1, und hieraus MC. HI
Bl. 229b— 230a, 1376; (Bd. 3, 244 f., 1379); (254, 1389); (262, 1414); (*USMax. 1484
Bl. 101a, 1495). —Guden. CD. 2, 1339, 1466 findet sich gar Verleihung von Schlössern in
Z(!iti)acht: quod Carsilius et Wernerus de Pallant conduxerint ad sexennium Drimborn et
llistart castra cum bonis in Norvenich, Merzenich, Bure, Ersem, p]ckersem et Sevenich ab
Alheide. vidua Wilhelmi Vlatteni.
-) So finden sich in den Rupertsberger Akten (Bd. 3 No. 2) 7 llofzeitpachten von 20
und 24 Jahren, daneben nur noch eine von 6 Jahren, und in den Mittelrh. Regg. Bd. 3,
[Wirtschaft il. Grofsgruiidbes. — 964 - —
etwa bis zu G Jahren lierab^ Durch diese hm^e Dauer unterschied sich die
Ilofzeitpacht immerhin von anderen Zeitpaclitungen, z. B. von den Münz- und
Zollpachtunuen, welche höchstens 1 bis 6 Jahre umfal'sten - , ferner von den
kleineren Ackerpachtungen, welche von 5 bis zu höchstens 30 Jahren an-
stiegen'*^, und von den jährlich zu erneuernden Pachtungen an Wiesen, Zehnten,
Fischereien u. dgi. '^.
sowie den Kegg. der Erzb. iinden sich verwandte Zeitpachten zu Jahren: 9 Goerz Rcgg.
der Erzb. 1356 Mz. 27; W MR. Reg. 3, 718, 1249; *ÜMünstermaifekl Hs. Koblenz CXI^'
Bl. 42 a, 1335; Goerz Regg. der Erzb. 1476 Apr. 20; 12 Goerz Regg. der Erzb. 1895
Dez. 4; 15 Goerz Regg. der Erzb. 1452 Juli 8; 16 Goerz Regg. der Erzb. 1448 Mai 5;
20 MR. Reg. 3, 805, 1250; Goerz Regg. der Erzb. 1486 Dez. 24; 1487 Dez. 21; 24 Goerz
Regg. der Erzb. 1466 Febr. 3; 1489 Febr. 2; 1492 Novbr. 16; 25 Goerz Regg. der Erzb.
1488 Mz. 11; 1493 Mai 14; *USMax. 1484, Bl. 76 a, 1495; Goerz 1497 Novbr. 12; 31 Goerz
Regg. der Erzb. 1470 Jan. 26; 1482 Juli 8; 32 Goerz Regg. der Erzb. 1488 Febr. 4;
34 Goerz Regg. der Erzb. 1496 Febr. 22; 40 Goerz Regg. der Erzb. 1463 Okt. 26; 1466
Febr. 2; 1477 Juni 6; 1479 Okt. 24; 41 Goerz Regg. der Erzb. 1494 Novbr. 17.
^) So in dem einen schon S. 963 Note 2 erwähnten Rupertsberger Fall, vgl. auch noch
Ilennes ÜB. 2, 382, 1308: Ritter Kuno von Binsfeld pachtet auf 6 Jahre (ad firmam recepi)
die Gtiter der Abtei Nivelles zu Binsfeld, Ödingen, Unkelbach, Sprendlingen und Bingen.
-) Derartige Pachtungen beispielsweise zu Jahren: 1 Goerz Regg. der Erzb. 1409
Apr. 17 (Mimze); 2 Goerz Regg. der Erzb. 1366 Jan. 15 (Zoll zu Trier), so auch 1372
Dez. 27; 1382 Apr. 7; 1408 Nov. 12 (Münze); 3 Goerz Regg. der Erzb. 1401 Mai 1 (Zoll zu
Kochern); 4 Goerz Regg. der Erzb. 1408 Nov. 12 (Münze); 5 Goerz Regg. der Erzb. 1408
Apr. 3 (Moselzoll zu Koblenz); 6 Goerz Regg. der Erzb. 1343 Juni 23; 1384 Juni 30
(Moselzoll zu Koblenz). Für 4 Jahre vgl. Remling, Speier. ÜB. 211, 1237, cit. unten Bd. 2,
363 Note 1.
3) So in den Akten von Rupertsberg (Bd. 3 No. 2) Jahre 5 1256; 6 c. 1220 (g);
8 1195 4 Fälle, c. 1270 6 Fälle; 9 1195; 11 1195 2 Fälle; 12 1202, 1204: 20 1210;
30 1224.
*) S. oben S. 614; vgl. ferner unten Bd. 2, 221; USMax. 1484 Bl. 2, WBisingen, cit.
oben S. 447 Note 5; WWeifskirchen 1493, Arch. Maximin. 1, 96, cit. oben S. 530 Note 5;
Bd. 3 No. 306 und 307; *USMax. 1484 Bl. 52 a, WOsperen: decima in Osperen solet locari
annue secundum sub et supra plus vel minus pro 56 miitten, medium siliginis et avene, bot-
est ie die site 28 mutten cum iuribus suis, scilicet 10 talenta cere, unum fl. et dimidium i)ro
vinicopio dicto budelgelt. item adhuc 11 mutten siliginis, que recipit granarius pro suo
labore seu mercede. item in ai)positione 12 gr. vor nass winkauf; et in augmentatione de
uno quoque mo. , quod augmentatur, unum gi-. , quem exponit granarius, quos tenentur deci-
matores eidem restituere una cum aliis vinicopiis et omnibus suprascriptis : tenentur omnia
solvere, qui retinent decimas. item respiciat granarius ante omnia, quod habcat fideiussores
bonos et optimos et certos. WNalbacher Thal 1582, G. 2, 26: weisen sie, daß der leh(!n-
herrn meier in wegen derselben die fischerei von sanct Remigius tag an bis zu oestern und
nit lenger, und das so duir oder wolfeil er kan , verleihen mag; doch mit vorbehält eim
iedern huisman im tael seßhaftig bei dem fischer ongeengt oder geirret, mit zerbelen oder
mit garren, so fer er gewaden kan, zu fischen, und achter oestern bis zu sanct Remigius
tag möge ein ieder inwoner des tals in dem wasser der Bremts fischen; und von dem gelt
der verleihtuig haben die gruntherrn zwoe theil; und der vogt die dritteil. Von diesen ver-
steigerungsartigen Pachten ist im folgenden nicht weiter die Rede. Vgl. auch Bd. 3, 813
Note 1 imd dazu den Text.
— 965 — Umwälzunö; d. Wirtscliaftsveifassung. |
Mit der Zeitdauer ist sclioii die hezeichneiidste Kii^eiiart der Zeitpacht
.reoeiiüber den anderen Paclitfornien umschrieben ^ Es lie.i>t in der Natur der
Sache, dal's sich diese Eigenart auch sonst nocli in einer Anzahl von Syni-
))tonien niederschlägt, in welchen sich die Zeitpacht von der Erb- und Vitalpacht
merklich untersclieidet ^
Hierhin gehört es schon, wenn beim Pachtantritt ^ jede besondere Zahlung
im Sinne eines Erbbestandgeldes oder dgl. wegfällt, höchstens die Pränumerando-
abtragung der (n-sten Jahrespacht wird ausbedungen ^. Auch in dem Rechts-
vcn'hältnis des Pächters tritt gegenüber der Erb])acht, deren Grundsätze im
allgemeinen gelten'^, noch die Bestinnnung hinzu, dal's bei dem Tode des
Pächters während der Pachtzeit dessen Erbe in den Vertrag unter Kontrakts-
ei'neuerung einzutreten habe^.
^) Über moderne Moselzeitpacht s. v. Schwerz S. 173—76.
-) Diese Symptome bilden sich, trotz des variablen Charakters der Zeitpacht, doch
ziemlich fest heraus, namentlich auf Grund des Umstandes, dafs die einmal für eine be-
stinmite Pachtung vorhandenen Vertragsbestinnnungen bei neuen Kontrakten der Regel nach
bcnbehalten bezw. weitergebihlet wurden. Auch blieben häufig dieselben Familien mehrere
Pachtperioden hindurch im Besitz der gleichen Pachtung. Vgl. *Koblenz St. A. MC. VIII
P.l. 96 t» No. 286, reg. Goerz Kegg. der Erzb. S. 223, 1466: Wir Johan etc. tun kunt . ., das
wir Simon und sinen erben unsern und unsers Stifts hoif zu Oichtendunk vierzig jar lank
datum dieses brieves nechtsvolgende verluwen haben und verlihen ime den vur uns und
unsere nakomene und stift in craft dieß brieves mit allen und iglichen feldern wiesen
eckem wingarten zensen gulten fruchten und friheiten in denselben hoif gehörig und vurt
allem anderm sinem zugehorunge, in aller maissen und wie andere unserer vurfaren und stifts
hoifslude daselbs vur ime den genanten unsern hoif ingehabt, des genessen und gebruichen
haint ungeverHch. *Koblenz St. A. MC. VIII Bl. 178 a No. 527, reg. Goerz Regg. der Erzb.
S. 243 u. S. 261 : Item hait unser gnediger herre Niclaisen Lairbecher dem alten zu Wesel
und sinen erben die wiese unden an Webeisheim gelegen in der Steige zehen jair lank
geluwen vur vier Pxhinsche gl. uf sant Mertins tag davon zu geben, des datum stet zu
Erembreitstein des xxten tages im aprile anno domini MoccccoLXvito . Dazu am Bande:
Diese gnade ist siner huisfrauwen Retterin fanf jare erstreckt vermitz dieselben vier Bhin-
schen gl. anno domini MoccccLXXXo quinto circa festum Michaelis. Vgl. auch *Arch.
Maximin. 13, 1262, 1495.
^) Das Datum desselben variiert sehr, ein bestimmter Tag als Termin für Pachtanzug
existiert nicht. Beispielsweise beginnt die Pacht Johanni *Dipl. Prumiense Bl. 136 «i, 1315;
Philippus und Jacobus *Dipl. Prumiense Bl. 119^, 1372; Bemigii *Arch. Maximin. 13, 1211,
1472; Lichtmefs *Arch. Maximin. 1, 975, 1489; Brictius *Arch. Maximin. 6, 511, 1512.
*) *Dipl. Prumiense Bl. 136», 1315: tenebimus et possidebimus dictam curtem cum
suis appenditiis et iuribus, ut superius est prenotatum, . . a festo beati lohannis bai)tiste . .
ad 12 annos proxime et immediate subsequentes pro 80 mr. Coloniensium bonorum et
legaliimi quolibet anno solvendorum, de quibus iam de primo anno 80 mr. a nobis dictis
religiosis sunt persolute.
•''') S. z. B. *Arch. Maximin. 13, 1211, 1472: dabi ist mit besprochen, das wir be-
stender obg. nit mögen noch sollen macht han, die vorg. erbschaft forter in andere band zu
verliehen zu verwenden zu verpfänden zu beschweren oder zu theilen noch andere leut
lassen gebrauchen, es sei dan mit des eg. unseres herren des abts wissen und willen.
^) *I)ii)l. Prumiense Bl. 137», 1315: si vero nos niedio tempore de hac vita migrare
contingeret, heres noster, qui nobis in pensione dictorum bonorum quoad residuum dictorum
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. _ 966 —
Die Zahluiiii" des raclitzinses ist im wesentliclien dersell)en Kegeluiiii'
wie bei der Erb- und Yital])aebt unterworfen, nanientlicli ist auch hier Al)-
li(^feruni^- des rachtsehillin.us auf Gefahr und Kosten des l^äcliters das Gewöhn-
bche\ Ebenso sind die Bestandteile des Paehtzinses dieselben, bald aliquote
Teile des Ertrages^, bald Geld, recht spät auch noch überwiegend Naturalien^,
sowie Dienste und Eronden'^. Eigentiunlicher dagegen sind die in älterer
12 nnnorum vellet et de iure deberet suceedere , infra dimidium annum a tempore nostri
ohitus renovare tenebitur predictas conditiones et tideiussores. et siiiiiliter facere tenebitnr
dictn Ricbalda uxor mea nie predicto Wilhehno defuncto, alioqiiin ipsa uxor mea et heredes
nostri cadent a pensione dicte curtis et bonorum ipsius ac a conditionibus predictis.
^) Vgl. z. B. *Arcb. Maximin. 5, 1240, 1381, vor allem aber *Di])l. Prumiense
1)1. 119^ f., 1372: der Pastor Jobann von Remich pachtet den Prümer Hof zu. Remich umb
einen jeirlichen paclit, zo wissende 38 mir. gueden wisses ind 5 amen wins des besten ge-
wazzes uis iren wingarden in iere vali zo leverende , ind 1 punt Treisscher penninge guedcr
ind geber zo weren zo leveren zo antworten ind zo bezalen alle jaire uf sent Katherinen
dach der hilligen junffrauwen uf mine coste arbeit ind verluist zo Trieren an die muire mit
alsulcher maissen, als zu Trieren genge ind geve ist. were is saelie daz is regente, hagelte,
snite ader ander ungeweder were, als ich mine pechte soilde weren, so sal min schif ind
min veire verüben halen mit dem vurg. guede also lange, bis sich das wedder gesetzet ind
man die fruchte reine mach intjdiain ind uismeissen, ouch up minen vreisen arbeit ind coste.
wan ich die vurg. ])echte brengen an die nuieren zo Triere in guedene reinem wedder, so
soillen si die vruchte zostunt [BJ. 120"' ] intphain ind soelen mich damede neit hinderen, were
ouch Sache daz ich die vurg. pechte uf die vurg. zit, alz ich si bezalen sal zo Trieren, neit
enborte ind die vurg. herren ader iere geweidige boeden daruf legen zo warten , welcher-
hande coste daz si verzerten, die bin ich in schuldig alre zo legen, were ouch sache daz
ich zu Trieren queme mit der vurg. minre pensien, in die vorg. herren noch iere boden neit
da enweren die pensie zo intphainde, welcherhande coste, die ich ader mine boden danneabe
leden, die soelen mir die heiTen abelegcn, als ducke, als des noit gescheit.
2) S. aufser Bd. 3 No. 2, wo sich Halb-, Drittel-, Yiertehallxn-- und Viertelbau findet,
auch *Trad. Rupertsb. Bl. 42 i>, 1313: Verpachtung eines Weinbergs ad spatium 12 annorum
])ro dimidietate incrementi, ähnlich von 3 Weinbergen ad spatium 20 annorum zur Half-
winnung, et in primis 6 annis debent meliorari, quod vulgariter dicitur roden.
^) Boos Eufalia 3, 57, 1496 wird der Steinfelder Hof Reipach auf 40 Jahre um 40 mir.
guter reiner even verpachtet. Er wird dann (a. a. 0. S. 62) 1614 wieder verpachtet auf
12 Jahre um 123 kurrenter gl. (zu 24 Kölnischen alb.), ein fettes Schwein 7 Thlr. wert, ein
fettes Kalb, einen schlechten Thaler, zwei Kapaunen und zM'ei Fahrten zum Holen von
16 mir. von Zülpich Bessenich oder Hönigkirchen.
■*) *Arch. Maximin. 13, 1211, 1472: . . bestanden hau und bestehen in kraft dieses
luiefs zwanzig iahr lang nechst nacheinander folgende und nit langer, die auf iahr und tag
dato dieses briefs angehen sollen; alle iahrs umb fünf mir. und ein halbes guitz dürren
ufrichtigen und genehmen korns Trierscher massen dem ehgenanten unserm lieben herren
und seinem gotteshaus uf sant Rcmiigius tag sonder einigen langen verzug in das vorg.
closter zu sanct Maximin in einer summen davon liefern geben und wol bezahlen sollen ; und
darzu auch alle iahrs drei fouder dunger zu des obg. unseres herren oder seines Werk-
meisters gesinnen vor des ehg. gotteshauses Weingarten zu Egel liefern sollen, oder acht
weilipennig darvon bezahlen und vergnügen in das vorg. closter. *Arch. Maximin. 1, 976,
1489: item sullent sie auch alle Jahr hoelen in unserem hof solche donge, uns verlift, über
unser garten und nottiirffige pletzer zu düngen und dieselbe mit der irren in unser vorg. velt
führen. *l'St('inicld . PI. 12.")'>: unse moelen zu AVer mach men eine jaerzaele froemen
0G7
TTmwälzuna" d. Wirtschaftsverfnssiino:.
Zeit liäiitiii' vorkoiuHHMKleii KiiH)hiiii,uoii dos rachtsdiilliuus iiacli oin- bis aolit-
jrihn.i2:er Paolitdauor ' ; si(^ voistolioii sieli teilwois wolil als Ziiisnaclilässe im
\'oriiioi(ii mit der späteren liölicM-on Paelitsumme, wie sie /um Zwecke^ d(^r
Bessenm.a' festgesetzt wurden^, teihveis luaii" (^s aiicli Ixm dem aiifänmiicheii
Maiiiix^l eines lvai)ita]kräftiiien riuiiterstandes von Vorteil j^ewesen sein, die
Krliebunir der iresamten auf die ganze Pachtzeit fallenden Pachtsumme so zu
verteilen, dal's in den ersten Jahren weniaer, in den späteren mehr als die
durehschnittliche Teilsumme eines Jahres gefordert wurde.
Ziemlich der Erbpacht identisch verläuft dann wieder die Behandlung
des Pächters als Erhebeis etw-aiger grundherilicher Pechte des l*achtherrn'\
sowie seine Verpflichtung zur Leistung aller auf dem Pachtgut ruhenden
Lasten ^.
luden verlenen vur einen benoemhden pacht van körn, vart zoe Steinveit, anderen deinst, ind
bouwe der nioelen, ind vriem geniat unser kelrien zoe Wer.
^) So finden sich Bd. 3 Xo. 2 (Rupertsberg) folgende Fälle:
Pachtobjekt
Zeit
Erste Periode
Zinshöhe
Spätere Periode
Zinshöhe
Wiese
Haus
Weinberg
Häuser u. Weinberg
1195
1203
1204
1256
8 Jahre
1 Jahr
5 Jahre
1 Jahr
4 mr.
Drittel
4 s. 2 cappones
3 Jahre
23 „
4 „
1^/2 nn\
20 d.
Halbteil
5 unciae
S. auch *Abschr. Miltenberg 1235, vgl. Goerz MR. Reg. 2 No. 2147: das Speierer Dom-
kapit(4 verpachtet den Hof Kreuznach mit allem Zubehör auf 20 Jahre für jährlich 27 Ib. d.,
sowie nach dem folgenden Jahre noch 110 mir. Korn und 55 mir. Weizen jährlich.
2) S. oben S. 428 Note 3.
^) Von interessanteren Nachrichten vgl. *Dipl. Prumiense Bl. 136a, 1315: religiosorum
iura et bona ad dictam curtem pertinentia distracta deperdita seu alienata ad proprietatem
ipsorum prout possinms bona fide revocare debemus, et iura sua contra omnes defendere et
conservare nostris expensis et labore. *I)ipl. Prumiense Bl. 120 a^ 1372: were ouch sache
daz die 6 mir. roggen, die alle jaire vallen uis deme hoeve zu Buch, mir neit werden
enmoichten uiz deme vurg. hove, so soelen mir die herren von Prume die vurg. 6 mir. alh^
jaire abeslain van der vurg. [pachtjsummen 38 mir. weizzes.
*) S. *I)ipl. Prumiense Bl. 120a, 1372; *Arch. Maximin. 5, 1240, 1381; 13, 1211,
1472; ferner *Arch. Maximin. 13, 1261 — 1262, Memorial über Wehlen, 1490: circa festum
Martini locavit sive in locata recepit Paulus villicus in Wellen omnia iura monasterii
nostri in Wellen prope Macheren ad 18 annos incipiendo Martini anno 90, singulis annis
I)ro uno mir. siliginis et uno ndr. avenae (S. 1262J mensurae Trevirensis deliberandae nobis
ad monasterium sancti Maximini circa festum Martini, et una ahma vini deliberanda ad tor-
cular nostrum in ^larthert tem])ore vindemiae. expediet etiam idem Paulus onmia onera
nostra ibidem, videlicet dabit domicello Arnoldo de Rupe unam ahmam vini et capellano
capellae seu altaris sanctae Mariae in Sarburgh etiam unam ahmam vini, quam non tenetur
remotius deliberare, quam in villa de Wellen, villicus dominorum ex parte eorum tenetur
[Wirtschaft d. Grorsgrundbes. — 968 —
Materiell vielfach ahweichend dagegen sind die Bau- und Betriebsver-
bindliohkeiten ausgestaltet. Ist hier auch der Hauptsatz beibehalten, dais das
Pachtgut mindestens im alten Zustande, meist aber melioriert gehalten wei'den
und heimfallen müsse \ so lag es doch andererseits nahe, über Bau und Be-
trieb genauere Bestimmungen, wie im Erbpachtsfall, zu treffen. Der Erb-
])ächter verwächst mit dem Gute: er wird von vornherein sein Möglichstes
thun, um es zu hohen Erträgen zu bringen; die Dauer des Pachtverhältnisses
ist zudem zu lang, um über den Betrieb mehr als generelle Bestinnnungen
zu treffen. Der Zeitpächter dagegen ist mehr oder minder landfahrend und
Üügge; die Möghchkeit liegt vor, dafs er Raubbau treibe; und man kann
diese Eventualität durch genaue Yertragsbestinunungen über den Betrieb ver-
liindern. So erklärt es sich denn ohne weiteres, wenn wir in den Zeitpachtver-
trägen recht weitgehende Festsetzungen über die landwirtschaftliche Behand-
lung des Pachtgutes finden-. Aber auch für die Bauten bedurfte es anderer
otiam scabinis ibidem omni anno cuilibet unam garbam siHginis vel unam erf siliginis, et
mediantibus iis tenentur scabini ibidem noliis omnia iura et omnes hereditates praeservaro,
ne ahquid ex eis amittatur seu diminuatur. *Arch. Maximin. 1, 274, 1587: darbenebent ist
auch hierin l)ethedingt und al)geredt, daß der beständer bei wehrender dieser bestäntnus alle
dasjenig, so wir und unser gotteshauß von wegen obg. zehenden renthen und gulten, auch
das orths habender gruntgerechtigkeiten zu thun und zu tragen von recht und gewohnheit
wegen wie von alters schuldigh seind, es seie ahn kirchenbäuwe und underhaltungh derselben,
auch scheffenes?on und gerichtskosten , nichst usgenonimen, ohn(> unserem zuthun oder
ergänzungh der obg. 375 gl. [Pachtzins] uf sich nomen tragen vollenziehen und er-
legen (solle).
1) Vgl. aufser Bd. 3, 8, la, c. 1281 und 278, s?, 1466 auch *Dipl. Prumiense Bl. 136 a,
1315: aream dicti curtis de Linghe cum suis edificiis ad eam pertinentibus edificabimus et
edificatam conservabimus nostris expensis, agrosque dictorum religiosorum ad dictam curtem
pertinentes utiliter excolemus et excultos dimittemus, ita, quod in tine dictorum 12 annorum
dicta curtis adeo bene edificata et agri exculti adeo bene vel melius inveniantur, quam
Iherint, cum ipsam curtem intravimus pro pensione predicta, et hoc ad testimonium scabi-
norum dicte curtis de Linghe. *Dipl. Prumiense Bl. 120», 1372: ouch sal ich den vurg. hof
mit alle sime zugehoere ind sunderlichen die müelen in gueder bescheidender ind gewoen-
lieber buwongen halden, ind wanne die vurg. 12 jaire uis sint, die vorg. muelen in gueder
buwongen laizzen mit allen sachen. *Koblenz St. A. MC. VIII Bl. 96^, Goerz Ilegg. der
Erzb. S. 223, 1466: das der vurg. Simon und nach ime sine erben denselben unsern hoif
mitsampt husunge schüren und schaifstellen in gudem gewonlichen reddelichem buwe und
gedeche halden, das er deshalb nit vergenklich werde, und auch die fehle zu dem hoefe ge-
hoerig zu den rechten ziten und erten eren, als sich gehurt und gewonlich ist.
2) In dieser Richtung seien angeführt Bd. 3, 6, 2s, c. 1270; 8, o, c. 1281; Westd.
Zs. Bd. 2, Korrbl. No. 219, 1299, Hofpacht auf 24 Jahre: scamna bladi ad utilitatem
agromm dicte cuitis aliunde non deducam , set in ipsis agris remanebunt pro melioratione
eorundem; et ... de melioratione agrorum predictorum nee per me nee per alios aliquid
requiretur, hac apposita conditione, quod ego Ilenricus in parte agrorum videlicet quatuor
iurnalibus et non pluvi])us singulis annis si voluero sandicem potero seminare, et quatuor
alios iurnales dictorum agrorum melioiabo singulis annis. (piod vulgariter mirgillin appellatnr,
in recompensationem dictonim (juatuor iunialium cum sandice seminatorum. *Arch. Maxiniin.
13. 1211. 1472. Pacht auf 20 .lahre: das wir die vorg. erbschaft mit guetem wissen und willen
— 969 — Umwälzung tl. Wirtscliaftsverfassung.]
Bestimmimgen wie l)eiin Erbpachtverhältnis: dem Pächter konnte bei einer
Pachtdauer von liöchstens 40 Jahren nicht mehr als Instandhaltung der Ge-
bäude zugenuitet werden; gröfsere Baulasten mulste entweder der Pachtherr
tragen, oder ihre Übernahme wurde dem Pächter vergiitet^
Merkwürdig ist es ferner, dafs auch die Möglichkeit des Zinsnachlasses
in der Zeitpacht anders geordnet wird, wie in der Erbpacht, wenigstens finden
sich neben Vereinbarungen, welche an die Erbpacht anklingen ^ auch ganz
andere Festsetzungen, deren Tendenz auf die Belastung des Pächters mit
einem verhältnismäfsig sehr starken Risiko hinausläuft^.
Vor allem aber weicht von der Erbpacht ein Teil derjenigen Bestim-
mungen ab, welche die sichere Bewahrung des Pachtverhältnisses seitens des
Pächters verbürgen sollen. In der That liegt hier eine besondere Schwierig-
keit gegenüber der Erbpacht vor. War bei letzterer der Kanon von Anfang
unseres lierren des abts obg. inhan, dieselbe erbschaft zu zweien malen aus und aus düngen
und misten sollen, als das lands gewohnheit ist. *Arcli. Maximin. 1, 976, 1489: vortme sollen
die vorg. beständer alle jähr die velt und wiesen van graben, Stacken, dongen und. gestüppe
in gudem ufrichtigen buwe halden und zu ende ihrer irrungen ligen lassen, item darzu
sulleiÄ sie alzit mit raede unser ambtlüede van doedem holz in unseren büsche, zu dem
mindsten schaden, zu nottorft der vorg. pletzer zu bestoppen hawen und hoelen sonder
intrag. Vgl. hierzu die aus demselben Pachtvertrag oben S. 580 Note 4 gedruckte Bestim-
mung. *Arch. Maxyiiin. 6, 511, 1512: idem pratumjbene colat, nihil minuat vel augmentet
sine rationali causa, atque spinas, dumos, arbores nocivas extirpet, desecet, et in meliorem
culturam reddat. — Vereinzelt ist *Arch. Maximin. 13, 1212, 1472: were sach das sichs
gebührt einige marke an der vorg. erbschaft zu setzen, sollen wir bestender ehg. unserm
hemi dem abt zuvoran verkündigen, seine diener darbei zu senden, und was kost darauf
geht, sollen wir bestender obg. sonder des ehg. unseres herren des abts und seines gottes-
haus schaden vergnügen und bezahlen.
1) Vgl. Bd. 3, 5, 17, c. 1224; 5, 24, 1256; No. 219, 1395. Eine radikale Lösung bietet
Westd. Zs. Bd. 2 Korrbl. No. 219, 1299: dictam curtim in bono cultu conservabo et eam, ut
melius potero, edificari procurabo, que edificia infra sepes dicte curtis post lapsum dictorum
annorum michi cedent, ita quod cum hiis meam facere potero liberam voluntatem.
2) Vgl. aufser Bd. 3, 279, i, 1466 auch *Dipl. Prumiense Bl. 120 a, 1372: weres ouch
Sache daz die vingisguet einches jaires bekümmert woirden von deme herzogen van Brabant
ind van Lutzenbergh sinen amptluden ader van der vurg. herren wegen, ind ich davan
kuntlichen schaden lede, den schaden soelen mir die herren in deme jaire abelegen, als verre
als ich den schaden gewisen kan kuntlichen. welliche zit daz die vorg. guete bekümmert
woirten, ind ich mine boeten na den herren sente, die vurg. guete zu verantwerden zu
Remeche zu Lutzenborgh oder anderswa, so; bin ich in oder eren boeden iere coste schuldich
zo doin, alz ducke, als des noit geburt.
3) *Dipl. Prumiense Bl. 136 a, 1315: quam pensionem 80 mr. predictarum undecim
annoriun subsequentium tenemur solvere et presentare apud Prumiam nostris periculis et
expensis ad duos terminos anni cuiuslibet, videlicet in festo omnium sanctorum medietatem
et in festo beati Servatii in maio subsequenti aliam medietatem, non obstante, si bona
mobilia vel immobilia dicte curtis et proventuum in parte vel in toto incendio tempestate
vel sterilitate deperirent, quod absit, sive raperentur distraherentur seu arestarentur ab
aliquibus , omnia dampna et pericula , que per dictos 12 annos circa dictam curtem et eius
bona et redditus sive proventus emergere possunt in nos recipiendo per presentes.
L amp recht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 62
[Wirtschaft d. Grofsgrundbes. — 970 —
an schon relativ niedrig bemessen oder verlor er wenigstens bald bei steigen-
der Grundrente den Charakter eines vollen Äquivalentes für die Pachtnutzung,
so dafs der Erbpächter ein besonderes Interesse daran haben niufste, durch
prompte Zahlung des geringen Kanons sich im Genufs der Pachtung zu er-
halten, so lagen solche Gründe für den Zeitpächter nicht vor^ Hier mufste
also aufser den alten Mitteln der einfachen Heimfallsbestimmung ^ , der
Kautionsstellung^, der Exkommunikationszulassung* u. a. m. eine noch festere
Garantie erwünscht sein. Eine solche wurde in der Verbürgung rechtzeitiger
Pachtzahlung durch vier bis acht vom Pächter zu stellende Bürgen gefunden.
Schon im 13. Jh. wird dies Mittel gern angewendet ^ ; die Bürgen haften solidarisch ^
1) Daher man denn bei Zeitpachten in der That nicht selten urkundlich Schwierig-
keiten begegnet, vgl. *Koblenz St. A. MC. VIII Bl. 96 ^ No. 286, reg. Goerz Reg. der Erzb.
S. 223, 1466: vurt als des vurgen. Simons stiefvader unsers stifts hoifman zu Oichtendunk ge-
west und under im von afterstengem paichte schuldigh bliben ist druhundert nur. koms,
so hain wir an der egemelten sommen abegelaissen fünfzig mh\ korns, die wir ime dan
geben hain zu volleist, uf das er unsern hoef zu Oichtendunk mit buwe destabaß ufgerusten
und gehanthaben muge, also das die some, der vurg. Simont uns schuldich blieft, noch
drithalb hundert mir. ist, derselben somme unser keiner zu Munster auch zwölf mir. ent-
fangen halt, da sin wir mit dem vurg. Simont vertragen, das er und sine erben hiafiirter
alle jares zu und mit den obengen. fünf und fünfzig mir. korns paichtes liebern sullent zehen
mir. korns in abslag der vurgemelten sommen mit namen drithalbhundert mir. korns, als
lange und bis dieselbe leste somme ganz bezalt wirdet. und so das alsp geschehen und die
somme ganz usgeracht ist, so sollent darafter der vurg. Simon und sine erben uns unsere
nakomene und stift nit nie dan die fünf und fünfzig mir. jerlichen paechtes pflichtig sin zu
geben, als obgemelt stet.
2) *Arch. Maximin. 13, 1211, 1472: were sache das wir hostender die vorg. oder unser
nachkommen helder dieses bestentnus an der bezahlung einigen oder mehr punten vorg.
säumig funden wurden, das nit^sein sal, alsdan sollen wir dieses bestendnus und aller ge-
rechtigkeit wir zu der vurg. erbschaft haben verfallen sein und uns auch darnach keines
rechtes mehr darzu vennessen, auch dieser und alle andere brief hirüber gemacht kraftlos
und vernichtigt sein, ausgeschieden alle arglist und gefarde.
3) Vgl. die Urkunde im *Dipl. Prumiense Bl. 142» f., 1354 Novbr. 5.
*) *Dii)l. Prumiense Bl. 137», 1315: que omnia et singula nos coniuges memorati coram
venerabili viro officiali curie Coloniensis propter hoc constituti recognoscimus esse vera et
ad Observationen! eorundem nos teneri; et volumus et acceptamus, quod idem offi Cialis vel
quicumque eins successor nos et quemlibet nostrum ad observationem omnium premissorum.
si necesse fuerit, per excommunicationis sententiam monitione septem dierum premissa com-
pellere possit et artare.
^) Vgl. aufser Bd. 3, is, c. 1281 schon *Kop. Miltenberg, jetzt München, reg. Goerz.
MR. Reg. 2, 2147, 1235 März 30: das Speierer Domkapitel verpachtet dem Emicho von
Kreuznach seinen Hof zu Kreuznach auf zwanzig Jahre gegen jährlich 20 Ib. d., sowie nach
dem folgenden Jahre noch 10 mir. Korn und 55 mir. Weizen jährlich, wofür derselbe 4 Bürger
von Bingen und 2 von Kreuznach als Bürgen stellt.
^) Am anschaulichsten erhellt das ganze System aus *Dipl. Prumiense Bl. 136^, 1315:
die Pächter setzen 6 Bürgen, tali conditione, quod si aliquo dictorum terminorum non
presentaremus dictis religiosis apud Pramiam dictam pensionem, dicti religiosi elapso termino
ipsam pecuniam dicte pensionis poterunt, quandocunque voluerint, accipere ad usuram et
adire potemnt et requirere dictos fideiussores et redditores suos ; et quemcunque predictonim
— 971 — Umwälzung d. Wirtschafts Verfassung.]
l)isweileii verpflichten sie sich auch zum Einlagert Seit der ersten Hälfte
des 14. Jhs.
wöhnlicli -. —
des 14. Jhs. ist dann die Mal'sregel durchaus ausgebildet und ganz ge-
fideiussorum et redditorum adierint sive requisierint, tot et taha simul tenebitur ipsis rehgiosis
dare pignora, de quibus satisfieri possit ipsis religiosis tarn de principaH debito quam de
usura dampnis et interesse; de quibus simplici verbo ii)sius abbatis sive nuntii sui absque
iuramento credetur, nee excusare se poterit ahquis dictorum fideiussorum et redditorum pro
eo, quod dicti rehgiosi non adierunt seu requisierunt principalem debitorem vel alios con-
fideiussores suos. si vero infi'a mensem post aHquem dictonim terminorum pro rata ipsius
tennini sive terminorum eisdem religiosis de ipsa pensione cum dampnis et custibus, ut pre-
dictum est, non fuerit a nobis integraliter satisfactum, extunc nos et nostri lieredes a i)en-
sione ipsius curtis et bonorum eins et ab omni iure, quod in ipsis habuimus, cademus, et
dicta curtis cum suis appenditiis et attinentiis universis ad eosdem religiosos libere revertetur ;
et poterunt dicti religiosi de ipsa curte et bonis suis amodo suum facere commodum et
utilitatem nostra contradictione non obstante. et nichilominus dicti fideiussores et redditores
et quilibet ipsorum in solide remanebunt obligati tam pro pensione preterita non soluta et
predictis conditionibus non servatis dampnis custibus exercitis , quam etiam pro minutis
dampnis et interesse, si post mensem a termino debite pensionis non sohlte elapsum vel etiam
si post 12 annos memoratos occuparemus curtem et bona ipsorum religiosorum. adiectum
est etiam, quod si aliquis vel aliqui dictorum fideiussorum [Bl. 137 (^J et redditorum decederent
sive decederet, nos in locum defuncti sive defunctorum alium seu alios eque securos ipsis
religiosis constituere debemus et promittimus infra duos menses a requisitione et monitione
dictorum religiosorum Nos [die Bürgen] et quilibet nostrum in solidum modo et
forma ])rescriptis pro Willelmo milite et Richalda eins coniuge supradictis erga sepedictos
religiosos fideiussores et redditores nos constituimus fide prestita corporali ad premissa nos
obligantes, et volumus et arbitramur, quod monitione quindecim dierum premissa exartari
possimus a quocumque iudice ecclesiastico ordinario vel delegato, si rebelles essemus seu
remissi in observatione premissorum, et nichilominus tam nos prefati coniuges quam nos
fideiussores et redditores prenominati dictis religiosis obligamus omnia bona nostra tam mo-
bilia quam immobilia ita, quod ad eas cursum habeant capiendo seu arestando ea, ubicumque
potuerint et voluerint, sine nostra contradictione et offensa, donec ipsis religiosis, ut pre-
dictum est, tam de principali quam de dampnis custibus et interesse plenarie fuerit satisfactum.
1) S. Westd. Zs. Bd. 2 Korrbl. No. 219, 1299; und *Dipl. Prumiense Bl. 120 a, 1372:
zo mirre sicherheide alle vurs. Sachen han ich den vurg. herren und nakomen convents
guede sicher bürgen gesatten ind setzen in desme brieve, ind ieren eiclichen vur al schulder
ind bürge zu sinde, zu wissende [6 Bürgen]; ind dieselben mine bürgen, of ich in der
bezalongen sumich wurde in der zit als vur beschrieben ist, des neit sin ensal, daz si den
vorg. herren ind nakomen irs gotzhuises zu Prume genoich doin soelen, wan daz si van in
gemant werden, ir ieclich als vur sich eidelich ain eincherhande hindernisse ader verzoch;
ind sullen na manunge derselwer herren ir eiclich zostunt einen knecht ind ein pert
schicken in eine irbor herberge zu Trieren in die stat dar in daz si gewiset werden van den
vurg. heiTen ader nakomen ires gotshuses alda zu bestende na der stede gewoinheide zo
Trieren, bis uf die zit, daz den vurg. herren genzlich ind zomaile genuche ist geschiet van
heubtguede ind van costen, of si coste ader schaden daivan heten. weres ouch sache daz
miner bürgen vurg. binnen desen vurg. zit einer ader me stürben, so sal ich einen also gueden
bürgen wedder satzen in des stat, der verfaren ist, ind daz also ducke, als des noit geburt,
binnen eins maindes frist, so wan ich van den vurg. herren gemaent werden, dieselben
mine bürgen ich in gueden tniwen gelobet hain ind geloben in desme brieve van deser burge-
schaf zu inthebende ind schadeloiß [zu] machende, of si schaden leden.
2) *UMünstermaifeld Hs. CXI^, Bl. 41 b, 1335: Verpachtung der Mühle in Salmerohr auf
62*
[Wirtschaft cl. Grofsgrimdbes. — 972 —
Jetzt übersehen wir das Wesen der freien Paehtfornien des Mittelalters
völlig. Seit Beginn des 12. Jhs. fangen sie an, sich aus einem Chaos von
Einzelversuchen freierer Landnutzung, aus den in Gärung geratenen Bil-
dungen der alten grundherrlichen Wirtschaftsverwaltung herauszuschälen; seit
dem Schlufs spätestens der Stauferzeit sind sie abgeklärt, zu neuen festen
Formen erwachsen und schon weithin verbreitet. Aber ihre Hauptwirkung
beginnt erst mit der zweiten Hälfte des Mittelalters. Jetzt, nach erlangter
Sicherheit der juristischen Durchbildung, unter dem vollen Verfall der alten
Grundherrschaft, unter Begünstigung aller durch die Entstehung der städtischen
Geldwirtschaft zu gesteigerter Thätigkeit ja schon zu hastendem Erwerb ent-
wickelter Wirtschaftsfaktoren, modern nach materiellem Gehalt wie freiheit-
licher Form, beginnen sie die ländlichen Eigentums- und Nutzungsverhältnisse
allseitig zu durchdringen. Meist haben sie bei diesem Vordringen direkten
Erfolg: überall erblüht die freie Pachtung und auf Grund derselben die all-
mähliche soziale Umbildung der hörigen Klassen zu freierem Dasein. Aber
auch wo sie nur mittelbar, durch ihre blofse Existenz und ihr kraftvolles
Eindringen in der Nachbarschaft auf die alten grundhörigen Verhältnisse Ein-
flufs gewinnen, bewirken sie doch eine Klärung derselben, eine Fixierung und
oft Erleichterung der Lasten, eine gi'öfsere Durchsichtigkeit der Rechnungs-
lagen und der rechtlichen Zuständigkeiten und damit eine erhöhte Selbständig-
keit auch der grundhörig bleibenden Klassen.
War die grundherrliche Wirtschaftsverwaltung des früheren Mittelalters
in der ersten Hälfte der Stauferzeit zunächst in ihrem administrativen Orga-
nismus unheilbar erkrankt, hatten sich die Beziehungen der Lokalverwaltungen
zur Zentralstelle in sich gelockert, war die Organisation der Fronhofsverwaltung
wie der Zentralverwaltung unter dem Schwinden eines rationellen Beamten-
tums in sich zusammengesunken: jetzt wurde im Eindringen der freien Pachten
auch die Grundlage des ganzen Aufbaues, die Hörigkeit, zerfressen, ganz ab-
gesehen von der Zerstörung auch der Verwaltungsorganisation durch Verpach-
tung der Meierämter.
Gegen diese schleichenden Übel verstanden sich die meisten Grundherr-
schaften zu keiner wesentlichen Reaktion. Sie waren ratlos. Die kleinen
Grundherren gerieten darüber an den Rand des Abgrundes, bis sie sich, viel
später, zur Aufnahme der Eigenwirtschaft auf den gebliebenen Trümmern ent-
schlossen. So entstehen in der Regie des niederen Adels die ersten wirk-
lichen Grofsgüter an der Mosel im Laufe des 16. und 17. Jhs.
Anders verfuhren die gröfsten Grundherrschaften. Für sie war, wie wir
später sehen werden, die Wirtschaftsverwaltung schon seit dem Beginn der
Stauferzeit kein fiir sich funktionierender Organismus mehr, sondern nur
Mittel zum Zwecke. Für sie galt es, die alte grundherrliche Verwaltung zur
30 Jahre; dafür Bürgen gestellt more honoriim fideiussorum. S. auch *Arch. Maximin. 1,
975 f., Locatio ciirtis in Besch, 1489.
— 973 — Umwälzung d. Wirtscliaftsverfassimg.]
Territoiialverwaltung, die Gnmdherrschaft zum Staat, die Grundherrlichkeit
zur Landesgewalt auszurecken. In diesem Bestreben verwandten sie auch
die Bewegung auf freie Landnutzung auf ihre Art; es wird später davon die
Rede sein.
Und die mittleren Grundherrschaften? Sie versuchten der Mehrzahl nach,
und namentlich wohl auf geistlicher Seite, zu bleiben, was sie waren: d. h.
sie gingen unter innner stärkerem Eindringen der Pachtungen in die alten
grundhörigen Verhältnisse einem langsamen aber unwiderruflichen Verfall
entgegen. Geschützt durch die Entwicklung ständischer Rechte, deren Aus-
nutzung ihnen Anerkennung, ja Begünstigiuig durch den neuen Territorial-
staat verschaffte, schleppten sie ein ödes Dasein hin, bis der erste Hauch der
französischen Revolution sie zu Boden ^varf.
Doch wurde noch im Mittelalter, wenigstens sporadisch, der Versuch
einer neuen Organisation der alten grundherrschaftlichen Trümmer unter An-
erkennung und Benutzung der Pachtentwicklung gemacht, der lehrreich genug
ist, um hier unsere Aufmerksamkeit noch zu fesseln.
Er knüpft sich an die grundherrliche Verwaltung der Stifter ^ In den
^) Es ist im folgenden auf die Stiftsverwaltung nur soweit einzugehen, als deren Ver-
ständnis für die Lösung der im Texte gestellten Fragen in Betracht kommt. Im anderen
Falle würden die äufserst reichen Quellen es gestatten, ein viel detaillierteres Bild gerade
dieser Verwaltung zu entwerfen. Und da die Quellen speziell für die Stiftsverwaltung infolge
•der im Laufe des 12. und 13. Jhs. erfolgenden Vermögensteilungen auch sonst • — namentlich
auch am Niederrhein — ganz besonders reichlich fliefsen, so wäre es eine an sich sehr dank-
bare Aufgabe, an der Hand und unter zentraler Verwendung eben dieser Überlieferung ein-
mal die gesamte Wirtschaft des 12. und 13. Jhs. zu übersehen. An der Mosel kämen für
einen derartigen Zweck besonders in Betracht Trierer Domkaintel: (aufser Bd. 3, 23 Note 1)
Blattau 1, 11, 1215; MR. ÜB. 3, 263, c. 1225; 867, 1246; 868, 1246; 902, 1247; 987, 1249;
998, 1249; 1062, 1250; 1110, 1251; 1119, 1251; 1161, 1252; 1162, 1252; 1203, 1253; 1215,
1253; 1333, 1256; 1345, 1256; 1366, 1256; 1468, 1258. Dazu vgl. Bd. 3 Namenregister u.
d. W. Trier Domkapitel. . SSimeon - Trier : MR. ÜB. 1, 585, 1155, s. No. 586 und 587;
2, 256, 1180—1209; 3, 193, 1223; 691, 1240; 1508, 1259; *0r. Koblenz St. A. Stift SSimeon
1261 Juli 23, reg. MR. Regg. 3, 1712. SPauIin-Trier : MR. ÜB. 3, 1117, 1251; 1124, 1251;
1276, 1254. SArnual-Metz: MR. ÜB. 2, 64, 1183. SMaria-Prüm : MR. ÜB. 2, 178, 1199.
Münstermaifeld : MR. ÜB. 2, 152, 1196 u.a.m., s. unten S. 980 if., auch Bd. 3 Namenregister
u. d. W. Münstermaifeld. Münstereifel : MR. ÜB. 2, 45, 1145. SCastor-Karclen: MR. ÜB. 2, 57,
1183; 79, 1186; dazu Bd. 3 Namenregister u. d. W. Karden. SCastor-Kohlenz : MR. ÜB. 3, 101,
1219; 171, 1221; 1250, 1254; 1449, 1258; 1504, 1259. SFlorin-Kohlenz:' MR. ÜB. 2, 118,
1191; 3, 320, 1227; 447, 1233; 779, 1243; 831, 1245; 993, 1249; 1015, 1249; 1041, 1250;
1063, 1250; CRM. 2, 205, 1264. Beatusberg: CRM. 3, 67, 1315. SMartin-Boppard : MR.
ÜB. 2, 114, 1191. SMaria-Obencesel: Honth. Hist. 2, 129 f., 1338. Wetzlar: MR. ÜB. 3,
649, 1239; 997, 1249; 1039, 1250; 1476, 1259. Für die späteren Zeiten, nach 1260, vgl.
auch ganz generell die Stat. provinc. von Blattau, speziell mache ich aufmerksam auf dom-
kapitular. Statuten von 1451, Blattau 1, 322, Abschnitte de collationibus et fructibus praeben-
darum et perceptionibus earundem und circa conservationem curiarum et iurium capituli;
und auf Stat. s. Castor. 1451 , Blattau 1 , 374 f. , Abschnitte de collationibus beneficiorum et
ad illomm possessionem admissionibus ; de fructibus et proventibus praebendarum vicariarum
et quotidianarum distributionum canonicalium et communium, ac perceptione et divisione
[Wirtschaft cl. Grofsgi'imdbes. — 974 —
Stiftern tindet sich von jeher auch unter der — vielfach übrigens erst spät
durchgeführten^ — Chrodegangischen Reform kein gemeinsames Leben im
Sinne des klösterlichen Lebens. Vielmehr besteht neben gemeinsamer Lebens-
weise , namentlich am Tisch, eine bald mehr bald minder weitgehende separate
Lebensführung; wie es eine Kard euer Urkunde von 1136 ausdrückt: institutio
. . canonice vite . . concedit et propria et privata habere et singulis mansionibus
mauere^. Demgemäfs teilt sich das Stiftsvermögen, dessen Genufs ganz ent-
sprechend dem naturalwirtsehaftlichen Anweisungssystem geregelt wird, vorerst
in zwei Hauptmassen^, in eine Masse, welche auf die separate Lebensführung im
System der Praebendae sine mensa verwendet wird *, und in eine solche, welche
zunächst gemeinsam bleibt. Allein die letztere Masse zerfällt nun doch wieder
in zwei Teile. Neben den einfachen Präbenden bestehen und erfordern näm-
lich noch besondere Besoldung die einzelnen Stiftsämter, die Celleraria,
Elemosinaria u. a. m. Ja einzelne dieser Ämter, so vor allem die Propstei,
mehrfach aber auch die Dechanei, treten so sehr aus dem gemeinsamen Leben
heraus, dafs der Vermögensstock für ihre Besoldung völlig für sich steht und
allem anderen Stiftsvermögen entgegengesetzt wird^. Demgemäfs zerfällt,
eoimidem; de conservatione possessioniim allodiorum curiarum habitationum redituum et cen-
suum praebendarum vicariarum et praesentiarum.
^) G. Trev. 29, MGSS. 8, 168, 956: post Rutpertum Heinricus ecclesiae praefuit; qui
reguläres officinas et claustrum circa maiorem ecclesiam construxit et vigorem regularis con-
versationis ibidem exercere decrevit, forum in loco quo nunc esse videtur instituit. Vgl.
auch G. ep. Leod. 2, 67; V. Burgh. 16; Cod. Udalr. 24, promulg. can. syn. Const. 1063? —
Im SFlorin-Koblenz findet 1217 Rückkehr zu gemeinsamem Leben statt, vgl. MR. ÜB. 3, 63,
1217. Im allgemeinen beginnt dagegen die erneute Aufhebung des gemeinsamen Lebens be-
kanntlich kurz nach Mitte des 12. Jhs., so in Köln 1164, s. Binterim, Deutsche National-
konzile 3, 509; in Freising 1158, vgl. Mansi 21, 859.
2) S. oben S. 291 Note 3.
^) Hierzu wie zum folgenden s. aufser S. 973 Note 1 vornehmlich auch Ennen, Qu.
2, 77, 61, 1219; 157—159, 157, 1236 oder 1237; 164, 161, 1236; 233, 230, 1243. Sehr lehr-
reich sind auch die Iura prepositi sancti Castoris Confluentini im MR. ÜB. 2, 355.
*) Vgl. beispielsweise Stat. s. Paulin. 1500, Blattau 2, 50: sicut viginti quinque prae-
bendae in ecclesia nostra existunt, sie imprimis principali divisione fructus dividantur in
viginti quinque partes, ita quod cuilibet praebendae una portio de viginti quinque portionibus
partitis debetur, cum omnes et singuli canonici resederint, exceptis capellanis domini nostri
gratiosissimi Trevirensis et canonicis in studio generali existentibus, qui suas praedictas partes
in absentia percipiunt. aliae omnium et singulorum absentium et non residentium portiones
accrescere debent aliis canonicis actu residentibus ac inter ipsos aequaliter dividi debent.
•^) Lehrreich in dieser Richtung ist besonders Honth. Hist. 2, 21, 1303, in Oberwesel
ein Kollegiatstift gegründet: prepositura, decanatus et 5 praebendae habentes certos et com-
munes redditus distiuctos a redditibus praepositurae et decanatus . . . canonicos . . prepositus
in temporalibus investiet, decanus vero in spiritualibus, prout alias est consuetum. Trennung des
propsteilichen Vennögens schon Lac. ÜB. 1, 111, 179, 1043; s. auch MR. ÜB. 1, 585, 1155;
*I)üsseld. St. A. Georgsstift Or. 3, 1171 : Bruno, Propst des Domes und von SGeorg, kommt
mit dem Georgsstifte überein, dafs er von der Verwaltung und Beschaffung der Stiftsstipendien
an Wein, Kornfrucht, Geld usw. enthoben werden und für sich ganz bestimmte Einkünfte
erhalten solle; alle übrigen P]inkünfte verbleiben dem Stiftskapitel.
— 975 — Umwälzung d. Wirtscliaftsverfassung.]
iiiögen nun Dechanei und Propstei gänzlicli exenit sein oder nicht, die nicht
auf rräbenden verwendete Verniögensmasse wieder in zwei Teile , einen der
Ämterbesoldung gewidmeten und einen nun endgültig gemeinsam bleibenden
Teil, einen gemeinsamen Grundstock.
Traten nun alle Vermögensteile aul'ser dem gemeinsamen Grundstock
den Prinzipien frühmittelalterlicher Finanzgebarung entsprechend in die Ver-
waltung der Nutzniefser\ so fragt es sich, wie denn der gemeinsame Grund-
stock verwaltet wurde — mit dieser Frage gelangen wir zum speziellen Aus-
gangspunkte der Erscheinung, welche wir in dem hier gegebenen Zusannnen-
hange näher verfolgen wollen.
Über die Verwaltung des Grundstockes, welcher wie die übrige Stifts-
herrschaft aus Fronhöfen, Zehnten, Mühlen u. dgl. bestand, disponierte das
Kapitel gemeinsam^, und zwar so, dafs die einzelnen Stücke der Grundherr-
schaft, ein Hof, ein Zehnt, eine Mühle, nach Wahl des Kapitels jedesmal je
einem Stiftsherrn zur Administration unterstellt wurden^. Die Übertragung
der Verwaltung an den Stiftsherrn, welche im Sinne einer Pacht gedacht
war'^, fand dann namens des Kapitels durch den Propst^ oder den Dechant^
oder Propst und Dechant statte Die einzelnen derartiger Sonderverwaltung
unterstellten Stücke der Grundherrschaft hiefsen Obedientien ^, Pensionen ^ oder
Namae^^, die Verwaltung procuratio oder administratio ^ \ die verwaltenden
1) Charakteristisch sind aufser MR. ÜB. 2, 87, 1187 besonders MR. ÜB. 2, 141, 1195:
König Heinrich VI. bestätigt SSimeon die bona ad iisum elemosinariorum sive ad quodcunque
officium eiusdem ecclesie spectantia, ubicumque sint sita; und MR. ÜB. 3, 5, 1213: in par-
rochia Confluentina, scilicet in maiori et minori Confluentia Wissa et Capeila, [prepositus
sancti Castoris] speciales percepit decimas tarn in agris quam in vineis, de quibus canonici
nichil perceperunt. canonici vero speciales perceperunt decimas de terra salica. Das giebt
2u vielen Konfussionen Anlafs, so dafs eine Regelung nötig wird.
2) MR. ÜB. 1, 376, 1078: Erzbischof Udo schenkt an das Domkapitel Allod, ut illud,
quocunque modo vellent, ipsi inter se communi consilio amministrarent, permisi, ad quam-
cumque ipsorum utilitatem ipsum convertere vellent.
^) MR. ÜB. 1, 392, 1097, Propst Poppo von SSimeon schenkt sein Erbteil an das
Stift: quicquid est faciendum vel disponendum [darüber], per unum de fratribus . ., quem ad
hoc elegerint, totum ordinetur et in usus ipsorum fideliter conservetur.
*) *Bald. Kesselst. 1218, cit. Goerz MR. Reg. 2, 1396: Konrad Propst, Wilhelm
Dechant und ganzes Domkapitel zu Trier verpachten ihren Hof zu Sprendlingen gegen einen
bestimmten Jahreszins an ihren Mitcanonicus, den Archidiacon Arnold, auf dessen Lebenszeit.
•5) ]Vm. ÜB. 2, Nachtr. 2, 1192—1200: die Höfe von SSimeon werden einzelnen
Stiftsherren vom Propst in administratio gegeben; diese ernennen dann den Meier.
6) Lac. ÜB. 1, 173, 26§, 1106.
^) MR. ÜB. 1, 477, 1134.
8) Vgl. aus früher Zeit Ennen, Qu. 1, 506, 45, 1110.
^) Bd. 3 Wortr. u. d. W. pensio passim.
^^) Stat. Wetzlar. 1433, Blattau 1, 261: aliquae namae seu pensiones (canonicorum).
11) Ennen, Qu. 1, 506, 45, 1100; MR. ÜB. 2, Nachtr. 2, 1192—1200.
[Wirtschaft d. Grofsgmndbes. — 976 —
Stiftsherreii prociiratores \ pensionarii ^, provisores ^, Pensionarienherren *. Als
Pensionär hatte der einzelne Stiftsherr die gesamte Aufsicht über die Obedienz,
er setzte alle Beamte, Meier, Kolonen, Müller u. s. w. ein^; er vertrat die
Obedienz nach aufsen und gegenüber dem Vogt^, er erhob die Einnahmen
und legte über dieselben Rechnung ^ Dafür stand ihm der Genufs der Ein-
nahmen zu bis auf eine bestimmte ziemlich hoch bemessene Pachtsumme, die
Pensio, welche er an die gemeine Kasse des Stiftes abzuführen hatte ^. Zur
1) Enuen, Qu. 1, 506, 45, 1110; MR. ÜB. 3, 484, 1136.
2) Bd. 3 Wortr. u. d. W. pensionariiis.
3) Honth. Hist. 1, 820 — 822, 1287 wechseln die Ausdrücke pensionarius mid provisor
für einen Stiftsherrn.
*) WSchillingen 1526 § 2.
^) MR. ÜB. 2, 45, 1155: die Stiftsherren von Münstereifel haben Rechte in constituendis
pastoribus in ecclesiis eorum et in villicis suis locandis et decimis et his, qui trecensum
quemlibet annualem ad prebendam fratrum spectantem reddunt. Vgl. auch MR. ÜB. 2,
Nachtr. 2, 1192—1200.
^) Lac. ÜB. 2, 13, 1204 : fratres itaque predictas ecclesias tenentes domino archiepiscopo
Coloniensi et archidiacono necnon et advocatis, que de ipsis ecclesiis sui iuris esse videntur,
similiter persolvere debent. S. dazu unten Note 8.
^) *Abschr. von 1714 Koblenz St. A. 1255, MR. Reg. 3 No. 1177: A. Archidiacon und
Propst von SPaulin beurkundet seinem Stiftskapitel, wieviel er jährlich an Zinsen demselben
aus dessen Höfen in Messenich und Enche, aus dem Dorfe Grimelrot und aus dem untern
AVeiher, welche ihm das Kapitel als Pension überwiesen, zu reichen schuldig sei. Stat.
s. Paulin. 1500, Biattau 2, 52: statuimus et ordinamus, quod omnes et singuli canonici ecclesiae
nostrae residentes habentes pensiones, hoc est ipsis certa loca designata ad exigendum
sublevandum et recipiendum fructus a colonis conductoribus decimatoribus et aliis debitoribus,
receperint et ipsis praesentati fuerint, tunc antequam quicquam de his per se deponant, illi
vel Ulis aliis concanonicis, qui a cellerario nostro ab ipsis recipere ordinati fuerint, imprimis
solutionem facient mox et in continenti, et quod superfuerit apud et penes se reponere salva
computatione desuper postea facienda. Vgl. auch Stat. Wetzlar. 1433, Biattau 1, 265 : damnis
et periculis, quae dictae ecclesiae nostrae eiusque personis ex negligentia praedecessorum
nostrorum hactenus proveiierunt, deinceps succurrere cupientes [ordinamus], ut singuli praelati
canonici et vicarii eiusdem ecclesiae perpetuis futuris temporibus de septennio in septennium,
sexta videlicet feria quatuor temporum post exaltationis sanctae crucis, teneantur praesentare
decano et capitulo in scriptis omnes et singulos fructus reditus et proventus eiusdem ratione
praelaturarum praebendarum et vicariarum suarum cedentes, necnon nomina et cognomina
colonorum terrarum et bonorum, a quibus illos percipiant. contrarium faciens periurii poena
puniatur , et scripturae huiusmodi usque ad aliud septennium diligenter custodiantur. Ver-
wandt ist Stat. s. Castor. 1451 § 21 u. 22, Biattau 1, 341.
«) Lac. ÜB. 2, 13, 1204, betreffend die Pfarren von SKunibert-Köln zu Nettesheim
und Heimerzheim : Theodericus prepositus ecclesiae sancti Kuniberti vel quicunque in eadem
ecclesia prepositus post ipsum futurus ecclesiam, si quam ex his predictis vacare contigerit, uni
de fratribus sancti Kuniberti conferre debet simul cum curti eidem ecclesie attinente; qui
frater omnia, que domino preposito et suo villico de curti eiusdem ecclesiae villicationis modo
vel iure ante provenire cpnsueverant, cum omni integritate percipiet et conventui sancti
Kuniberti annuam pensionem talem amministrabit de Xezzensheim, scilicet qui hanc ecclesiam
cum cui-ti attinente tenuerit, 180 mir. tritici et 2 mir. pise, 8 mr. et 6 d. cum pullis et
caseis et ceteris minutis inde reddendis; de Hemersheim vero, qui hanc cum sua curti
— 977 — Umwälzung d. Wirtschaftsverfassung.]
Verteilung der freigewordenen Obedienzien wie zur Kontrolle der Admini-
stration fand endlich jährlich ein besonderes Kapitel statte
Dies Verwaltungssysteni hält sich nun mit geringen Veränderungen ^ das
ganze spätere Mittelalter hindurch und reicht in seinen Anfängen bis in den
Schlufs des 11. Jhs. hinauf. Entkleidet man es seines besonderen geistlichen
Charakters, so ergiebt sich folgendes. Es sind hier bedeutende Teile grofser
Herrschaften, welche an sich schon ganz beachtenswerte Grundherrschaften
bilden, in einzelne lokale Bezirke zerlegt; diese Bezirke haben ihr altes Be-
amtentum, die Meier u. dgl., behalten. Aber über diesen Beamten und Be-
zirken stellen einzelne Oberaufseher in Pachtweise, welche zusammen ein
Kollegium, eine Pachtgenossenschaft bilden: in der Pachtgenossenschaft ist
also eine neue Einheit der grundherrlichen Verwaltung gefunden.
In der That wurden die stiftischen Pachtgenossenschaften straff eben
im zentralistischen Sinne organisiert: die Möglichkeit hierzu war ja aufs beste
in dem Umstand gegeben, dafs alle Pächter zugleich Mitglieder einer geist-
lichen Genossenschaft waren. Ausgebildet liegt diese neue zentralistische Ord-
nung vor in einer Anzahl von Pensionsstatuten, welche schüchtern mit
der Mitte des 13. Jhs. beginnen, seit dem 14. Jh. aber eine immer gTöfsere
Mannigfaltigkeit und Ausführlichkeit aufweisen. Aus der früheren Zeit seien
von der Mosel namentlich die Statute von SFlorin - Koblenz vom J. 1245^,
liabuerit, 150 mir. tritici et 2 mir. pise, 6 mr. et 8 s. cum pullis et caseis et ceteris minutls,
•que aliis in locis plenius expressa inveniuntur. MR. ÜB. 3, No. 831, 1245: SFlorin regelt
mit seinen Pächtern die Einlieferung der Pachte aus seinen Gütern zu Kärlich, Mühlheim,
Mendig, Mayen und Flacht. *UMoselkern, Hs. Koblenz CXIa BL 47 b— 48 a, um 1340:
Propst Elias von Münstermaifeld hat als pensionarius des SPauliner Hofes zu Moselkern
jährlich an das Stift SPaulin zu liefern: 6 Ib. d. Treverensium in festo omnium sanctorum
et 6 in purificatione sequenti, videlicet 3 Ib. cellerario et 3 elemosinario. item 12 Ib. in
festo sancti lohannis baptiste j^redicte monete, et 12 Ib. cere circa Martini. Dazu eine Reihe
anderer Abgaben, in Summa 18 mir. siliginis, 2 mir. ordei, 18 Ib. Treverenses, 9 s. Mona-
sterienses, 12 Ib. cere.
1) S. schon MR. ÜB. 2, 28*, 1187, vor allem aber MR. ÜB. 3, 320, 1227: in SFlorin-
Koblenz omni feria 6 a ante festum sancti lohannis baptiste . . tractandum est de cellerariis et
magistro refectorii, . . postmodum . . de pactis vindemiis seu obedientiis assignandis; Bd. 3
No. 57, 1277; No. 66, 1282, und dazu Bd. 3, 213 No. 5. S. auch Bd. 3 No. 69 und 70, 1287.
2) S. z. B. Stat. Wetzlar. 1433, Blattau 1, 261: volumus et ordinamus, quod postquam
aliquae namae seu pensiones vacaverint, quod illae colligantur per nostrum officiatum et inter
canonicos capitulares residentes distribuantur tamdiu, quam omnes namae et pensiones vacent,
et tunc perpetuis temporibus colligantur per nostrum officiatum et singulis canonicis capitu-
laribus residentibus distribuantur.
^) MR. ÜB. 3, 831, 1245: wenn die Pensionarstiftsherren von SFlorin-Koblenz nicht
richtig zahlen , intrabunt septa ecclesie et claustri nostri , inde nunquam nisi de beneplacito
et voluntate capituli exituri, quin nomine pene pignora, que capitulum exponet tam pro
siHgine quam pro tritico ad administrationem totius medii temporis sufficiente, cum sorte
redemerint et usuris. ad hec, si per mensem in solutione cessaverint, pro quolibet mense
cessationis solvent talentum d. Treverensium; salvis tamen eisdem pactariis per omnia con-
suetudine et constitutionibus circa pericula et vim maiorem in iure expressis. adiectum est
[Wirtschaft d. Grofsgrimdbes. — 978 —
von SSimeon-Trier vom J. 1259^ und des Trierer Domstifts vom J. 1282 ^
genannt.
Der Inlialt dieser Statute verläuft natürlich entsprechend der Spezial-
ausbildung materieller Bestimmungen, welche wir bei den freien Pachten schon
kennen gelernt haben. Yor allem also handelte es sich, neben der Sicherung
guten Anbaues und würdiger Behandlung der Obedienz, um eine wirksame
Garantie für die Sicherheit der jährlich an das Kapitel zu leistenden Pensions-
zahlung. Diese Garantie wurde anfangs, sehr natürlich bei der Möglichkeit
disziplinarischer Behandlung, vornehmlich in einer Personalstrafe gefunden:
der zahlungssäumige Pensionär wurde zum Einlager in dem geschlossenen
Räume des Stiftsklosters auf einige Wochen verurteilt. Aber nebenher suchte
man doch vor allem baldigen Ersatz für die infolge des Zahlungsverlustes
gestöiten Einnahmen des Kapitels. Man fand ihn, indem man die persön-
lichen, die Präbendeeinnahmen des Pensionars für richtige Zahlung der Pensio
haftbar machte. Und da die Höhe dieser Präbende bei dem bedeutenden Um-
fang der Pensionszahlung häufig nicht genügende Garantie bieten mochte, so
that man noch einen weiteren Schritt: man führte die gegenseitige Bürgschaft
der Pensionare ein. Die Mafsregel ist deutlich wahrnehmbar namentlich im
Trierer Domstift durchgeführt^. Jeder Pensionär hat einige Mitstiftsherren als
Bürgen für seine rechtzeitige Zahlung zu stellen, und die Bürgschaft wird wirk-
sam, sobald der Pensionär nach vierzehntägigem Einlager nicht zahlt.
etiam, quod quocunque tempore cellerarius predictus a quocunque pactario sibi dixerit satis-
factum, extunc ipse pro eodem pactario ecclesie [so zu lesen] respondebit, pactario per
omnia absoluto. canonici vero, quos pactarii pro se delegare poterunt ad intrandum, erunt
de ecclesia nostra et in subdiaconatus vel supra [?] ordinibiis constituti.
1) *Trier Stadtbibl. Ifde. No. 1611 Bl. 4^, schlecht publ. MR. ÜB. 3, 1090, 1259;
nos decanus totumque capituluni ecclesie sancti Simeonis Treverensis statuimus, ut hec sit
lex omniiim . . pensionariorum : In termino statuto debitam pensionem persolvant vel ad
claustrum iacebimt eo modo, quo hactenus iacuerunt, per quindenam, ita quod portas ante
gradus non egrediantur. et si infra quindenam iacentes taliter non persolvant, extunc eorum
prebende, et si ille non sufficiant, fideiussorum usque ad summam debiti per capitulum
vendantur per unum annum tantum; nee ab hac solutione pensionum aliquis eos excusabit
nisi tria dampna legalia, grando videlicet, guerra communis, quod dicitur lanthere, et incen-
dium generale, item violentia per dominum archiepiscopum nostrum vel per suos seu propter
eum commissa, dum tamen pensionarius non sit necligens in tali violentia persequenda. et
si forte occasione capituli dampnum aliquod pensionariis inferatur, de quo capitulum
rationabiliter culpari possit, hoc eos similiter excusabit. nee pensionarii poterunt pensiones
suas ante teraiiniun resignare nee Interim eos capitulum poterit amovere. si quis vero pen-
sionarius negligens fuerit in cultura et bonorum sibi commissorum debita conservatione,
capitulo hanc necgligentiam supplebit et emendabit de fructibus prebende sue. et si unum
fideiussorum decedere contingat, pensionarius alium. substituet infra quindenam; nee poterunt
fideiussores renuntiare fideiussioni vel eximere se ab ea, donee saltim semel eins pretextu
fuerint dampnificati. In cuius rei testimonium sigillum nostrum commmie presentibus est
appensum. Actum et datum [in vigilia nativitatis domini] anno domini MoccoLonono.
2) Bd. 3 No. 66, 1282; Nachtrag in No. 192, 1354.
3) Bd. 3 No. 57, 1277; 66, 1282; 67, 1284.
— 979 — Umwälzung d. Wirtschaftsverfassuiig.]
War nun die genossenschaftliche Konstruktion schon für die Garantie
rechtzeitiger Pensionszahlung so aufserordentlich brauchbar, so lag es sehr
nahe, auf eben diesem Boden genossenschaftlichen Zusammenhanges und
freundschaftlichen Vertrauens auch die böse Frage der Pensionsnachlässe bei
aulserordentlichen Schädigungen der Pachtung im Geiste gegenseitiger Liebe
und unter Offenhaltung gegenseitigen Entgegenkommens im Einzelfall um-
fassend zu ordnen. In der That liegt auf eben diesem Gebiete eines der
gröfsten Verdienste der Pensionsgenossenschaften; hier zum erstenmal tritt
auf landwirtschaftlichem Gebiete der Grundsatz gegenseitiger Versicherung,
wenn auch noch korporativ gebunden, auf.
Anfänge in dieser Richtung finden sich schon in den genannten Statuten
aus der Moselgegend; Versicherungen gegen Hagel und Krieg, Brand und
Gewalt werden andeutungsweise erwähnt, und in der domkapitul arischen Ver-
ordnung findet sich schon die Bestimmung, dafs im Fall eines Angriffes auf
die Obedienz das gesamte Kapitel dem Pensionär bei Beschreitung des Rechts-
weges zur Seite stehen solle, falls es sich um den Fundus der Obedienz
handele. Umfassend ausgebildet ist aber das Versicherungssystem erst in
einem sehr bemerkenswerten Statut des Stiftes SGereon-Köln vom J. 1316,
welches fast nur hierher gehörige Festsetzungen enthält ^ Es werden hier im
allgemeinen fünf Arten grober Betriebsstörung unterschieden, kriegerische
Verwüstung, Hagel, Brand, Mifswachs und Pfändung. Für die beiden ersten
Fälle (für die kriegerische Verwüstung nur, falls sie vor den 1. Oktober des
Betriebsjahres fällt) verpflichtet sich das Kapitel zum Nachlafs höchstens der
halben Pensionssumme; für Brand vor dem 1. Oktober wird festgesetzt, dafs
der unversehrte Ertragsrest des Jahres nach Abzug der Anbaukosten an das
Kapitel fallen solle, wogegen dieses sich zur Bestreitung der Hälfte der nötig
werdenden Baukosten verpflichtet; bei mäfsigem Mifswachs aber wird ein-
jähriges Zahlungsmoratorium bewilligt, während die Behandlung von völligem
Mifswachs besonderer Vereinbarung vorbehalten bleibt. Besonders lehrreich
sind endlich die Bestimmungen bei Pfändung von Obedienzbesitz. Auch hier
wird, wie in dem Statut des Trierer Domstiftes, zwischen Fundus und Revenuen
unterschieden ; im Fall der Pfändung des Fundus legt das Stift sich ins Mittel,
falls der Pfandnehmer gerichtlichen Austrag annimmt, bei Pfändung der Re-
venuen dagegen erhält der Pensionär nur ein Moratorium für seine Pensions-
zahlung von speziell festzusetzender Dauer. Um Pfändung solchen Obedienz-
gutes endlich, welches der Pensionär unterverliehen hat, ist das Kapitel aus-
drücklich willens sich nicht zu bekümmern.
Soviel über die Entwicklung der stiftischen Pensionargenossenschaften.
Aber blieb diese Entwicklung nur auf die Stifter und Stiftsherren beschränkt?
Die Stifter hatten, durch die Behandlung des gemeinsamen Grundstocks der
Stiftsherrschaft im Obedienzensystem von vornherein auf freiere Landnutzungs-
^) S. unten den Anhang S. 985 f. Über völlig andere Dinge handeln nur § 6 (Einlager)
und § 7 (Verbot des Waidbaues).
[Wirtschaft d. Grofsgmndbes. — 980 —
formen aufmerksam gemacht, den Pachten schon besonders früh ganz all-
gemeinen Einlafs in ihre Herrschaften gewährte fand sich nun unter allen
vorhandenen Pachtformen keine einzige, welche, den Obedienzen entsprechend
ausgebildet, mit diesen hätte verschmelzen können?
Sie fand sich im ritterlichen Villikationsvertrag 2. Eben dieser Vertrag
war genau wie die Obedienz konstruiert: pachtweise Oberaufsicht über einen
Fronhof unter Belassung der Unterbeamten des Hofes, des Meiers, Müllers usw.
So verschmelzen denn die Villikationspachten allerdings mit den Obedienzen
auf der einheitlichen Grundlage öiner Pachtgenossenschaft.
An der Mosel können wir diese weitere Ausbildung nur an 6inem Bei-
spiel, hier aber auch in ganz hervorragender Weise studieren^. Das Material
bieten die zahlreichen Akten des Stifts Münstermaifeld, deren wichtigste Stücke
unten in Bd. 3 S. 509 f. veröffentlicht sind^; gehören sie erst dem 14. Jh. an,
1) Vgl. für das Stift SMarien-Mainz MR. ÜB. 1, 424, 1112; für das Trierer Domstift
MR. ÜB. 1, 431, 1115; 449, 1122; 455, 1126; 477, 1134; 474, 1134; 481, 1135; 484, 1136;
486, 1136; 568, 1152; 618, c. 1160 usw.
2) S. oben S. 961 f.
^) Im einzeln vgl. für Ausleihung im Pensionssystem aufserhalb des Stiftes MR. ÜB.
2, 63, 1169—83: das Domkapitel giebt an Himmerode Weinberge sub eadem pensione, qua
W. bone memorie concanonicus et cellerarius noster a nobis tenuit, videlicet 3 sitularum
vini, et campum unmn puteo et ulmo adiacentem, quem fratres in vineam excoluerunt, sub
censu 8 d. imperpetuum. hec autem pensio denariorum in festo sancti Martini illi, qui
preest elemosinarum officio, annuatim solvenda est, vinum vero statim post vindemias. MR.
ÜB. 2, 98, 1189, Urkunde des Priors in Vallendar: Bertoldus miles de Kobruna ius advo-
cationis et villicationis suae, quam ipse suique antecessores iure hereditario super curti
nostra, que est in Lunnecho, possederat, aecclesiae nostrae Valendrensi cum vinea, que est
in sinistro latere viae, qua descenditur Kobrunam, publice absque alicuius vel aliquorum
heredum suorum contradictione pretio 4 mr. Coloniensis monetae vendidit: videlicet hac con-
ventione, ut dictus B. et heredes sui iure hereditario vineae prefatae possessores existerent,
sie vero, ut nee eam venderent nee apud aliquem pro pignore collocarent; si autem facultatis
defectu seu sui possessoris exilio inculta permaneret, in aecclesiae Yalendrensis rediret
possessionem. veruntamen ne predictus B. et heredes sui minus iusto dicte curtis nostrae
utilitate fruerentur, annuali iure nomine census dicto B. vel heredibus suis prenominata
curtis 18 nummos monetae Coloniensis reddere tenetur. — Freilich hatte man solche Pen-
sionarverleihungen an Auswärtige nicht besonders gern, vgl. MR. ÜB. 2, 256, 1180—1209:
der Stiftsherr E. von SSimeon verspricht bei Annahme der Pfarrei Mosbach, quod de eadem
ecclesia nulli hominum quicquam infeodaret et quod eandem ecclesiam nulli militi in pen-
sione tenendam traderet. Quix Cod. Aqu. 1, 50, 1192, Urkunde K. Heinrichs VI.: cum.,
frater noster Philippus Aquensis prepositus curiam beate Marie Aquensis in Sintzge in pote-
statem suam receperat et quiete possederat, Wilhelmus et Volkoldus de Sintzge occasione
villicationis, quam pater eorum et ipsi in curia illa aliquando habuerunt, eam gi-avare et sibi
attrahere temptabant. Der Kaiser macht aus, quod . . predictis W. et V. ad necessitatis
eonim sublevamen medietatem vini presentis tunc anni de eadem curia provenientis [fratres
Aquenses] benigne dederunt, qua de causa W. et V. in presentia nostra omni iuri, quod in
curia illa haberent . . omnimodis renuntiaverunt. Zugleich bestimmt der Kaiser, quod nee
(fratres) nee prepositus ipsorum eandem curiam alicui unquam laice persone in pacto
committant.
*) S. auch Bd. 2, 215 No. 7.
— 981 — Umwälzung d. Wirtschaftsverfassung.]
SO läi'st sich doch aus früheren gelegentlichen Erwähnungen die allgemeine
Geltung der aus ihnen erhellenden Verhältnisse um einige Generationen weiter
zurück datierend
Hier finden sich nun die Stiftsbesitzungen, Fronhöfe, Zehnte u. dgl. an
eine Anzahl von Pächtern verteilt, welche pactarii oder pensionarii, zu deutsch
gesw^orene oder gehulte pechter heifsen. Diese Pächter gehören teils dem
geistlichen Stande an und sind dann ganz überwiegend Münstermaifelder
Stiftsherren, oder sie sind Laien, und zwar, wenigstens in späterer Zeit, aus-
schlielslich Adlige^. Unter beiden Kategorieen stehen für den eigentlichen
Wirtschaftsbetrieb Halfwinner als Unterpächter ^.
1) S. MR. ÜB. 2, 152, 1196: die Kanoniche von Münstermaifeld klagen beim Erz-
bischof de iniuria sibi a quibusdam eorum prepositis illata . . de curia in Cundeze et de curia
de Rore et de annona de Mertelache et de aveua, quam pactarii reddunt preposito annuatim,
in cjuibus . . fuerant spoliati. Der Erzbischof entscheidet, quod vinum de curia in Cundeze
in cellarium fratrum singulis annis totaliter deducetur et inter omnes fratres equaliter divi-
detiu', ita quidem, quod de eodem cellario fratrum habebit 6 carr. claustralis mensure vel
statutam redemptionem prepositus annuatim. S. auch MR. ÜB. 3, 483, 1233, wo von einem
Zehnten in Polch die Rede ist, quam L. miles de Folge quandoque in pensione ab ecclesia
(Mtinstermaifeld) tenuerat, et eidem L. per sententiam suorum compensionariorum postmodum
fuerat abiudicata; dazu MR. ÜB. 3, 457, 1232. Endlich gehört hierher CRM. 2, 294, 1279,
cit. oben S. 610 Note 1. — Aus der Zeit vor 1196 ist vielleicht hierher schon zu ziehen
MR. ÜB. 2, 90, 1187: R. Dechant und das Kapitel von Münstermaifeld Radulfo Cani silvam
sancti Martini et terram attinentem et dimidiam partem molendini in eodem predio constituti
concessimus, unde quolibet anno 16 mir. spelte claustralis mensure in festo sancti Remigii
absque omni laboris compensatione persolvere tenetur. si vero in prefata die non persolverit,
summa 20 d. levis monete excessus sui necligentiam emendet; et si ad 15 dies in eadem
temeritate perstiterit, totidem persolvat, et sie deinceps, quoadusque satisfactionem plenariam
de debito optulerit. nobis autem et successoribus nostris in posterum precaventes statuimus,
quod mortuo R. tantum duo heredes sui simul 3i, et non plures, succederent, et tantum duo
pariter possiderent. decrevimus etiam, quod absque omni mercedis inpensione feodum suum
suscipere deberent.
2) S. zum letzteren Punkte Bd. 3, 525, ss.
^) Vgl. *ÜLehmen, Hs. Koblenz CXIa Bl. dS^: der Stellvertreter eines vornehmen Pen-
sionarius im Pensionsgut heifst incola. Zum Verständnis dieses Wortes s. *ULehmen, Hs.
Koblenz CXI» Bl. 38 a, 1336: Propst Elias von Münstermaifeld als pensionarius desSSimeoner
Hofes in Lehmen concessimus et locavimus (eandem curtim) ad dies vite nostre an X. I.
conditione tali, quod predictam nostram curtim tenebunt singulis annis in debita cultura et
procurationibus debitis et consuetis . . et dabunt nobis dimidietatem crementi de vinea ipsi
curie adiacenti . . de campis super montem . . 5 mir. siliginis. . . habebunt etiam dicti incole
[so heifst der Pächter] quartam partem advocatie nostre ibidem . . . Reliqua omnia bona et
iura dicte curtis cum suis contingentibus, de quibus supra non fit mentio, nobis et ordinationi
nostre penitus reservamus. . . . Est etiam nobis salvum, quod si in futuro dictam curtim ac
eins possessionem pro nostro commodo et nostra utilitate colere per nos ipsos seu familiam
nostram vellemus et gubernare, extunc dicti incole cedere nobis debebunt. *UMoselkeni, Hs.
Koblenz CXI a Bl. 48 a , 1338 : Propst Elias von Münstermaifeld verpachtet seine SPauliner
Pension Moselkem auf 4 Jahre more et iure agricolarum communium . . pro medietate
fructuum . . et dabit [incola] dictis annis 1 mr. pagamenti Monasteriensis ad curialitatem,
[Wirtschaft d. Grofsgrimclbes. — 982 —
Alle Pächter zusammen liilden ohne Unterschied des Standes eine
gleichartig konstruierte Pachtgenossenschaft; nur dafs die Laienpächter ver-
mutlich durchweg eine Kaution in Land für solche Fälle zu stellen hatten, in
welchen sich die Genossenschaft bei den geistlichen Pächtern an die Prä-
bende hielte Die Genossenschaft hielt jährlich 2 Dinge und 2 geschwo-
rene Montage ab, sie lagen auf dem 12. November dem 1. Dezember
sowie auf den Montagen nach Weihnacht und Ostern und waren in erster
Linie zur Abnahme der Pachtrevenüen durch das Kapitel bestimmt. Aufser-
dem aber wiesen die Pächter an den Dingtagen , und vornehmlich am Haupt-
dingtag, dem 1. Dezember, das Recht der Pachtgenossenschaft und des
Stiftes als des Pachtherrn und wandten dasselbe auf etwaige Vergehen
innerhalb der Genossenschaft an. Die Hauptfälle waren hier Versäumnis
der Dingpflicht und Säumnis in der Pachtzahlung: in beiden konnte nach
einjähriger Frist auf Aburteilung der Pachtung erkannt werden^. War
den Pächtern das Recht nicht lauter oder wurde vom Pachtherrn eine Weisung
gefordert, so wurde das Urteil jedesmal durch zwei Pächter, einen Laien und
einen Kleriker, gefunden; konnten die beiden sich nicht einigen, so entschied
die gesamte Genossenschaft mit Stimmenmehrheit. Ln Ding waren aufser den
Pächtern auch Propst und Kapitel anwesend; der Propst bezw. sein Schult-
que dicitur wisonge, quolibet anno, et mansionem personalem cum suis pecoribus et familia
in dicta curte faciet.
1) Vgl. aufser Bd. 3, 526, 33, 1438 auch *UMünstermaifeld, Hs. Koblenz CXIa Bl. 48 a,
1345: notandum, quod anno domini ccCmoXLVto die dominica proxima post Gertrudis
Johannes dictus Grimminch senior una cum suis coUegis advocatis in Mertlacho coram
testibus subsequentibus in ludorio ante atrium ecclesie, ubi iuri seculari consuetum est
presideri, confessus est vice et nomine sui et suorum collegarum advocatorum, quod Sebertus
de Colche cum uxore sua tunc vivente in iudicio predicto coram eis et in eodem loco alias
constituti unanimiter ore et calamo manu communicata curiam suam allodialem cum suis
pertinentiis et adiacentiis sitam infra villam de Mertillacho liberam et ab omni onere ab-
solutam honorabili viro domino Elie preposito Monasteriensi et suo mandatario necnon prepo-
siture Monasteriensi supraportaverunt et in ipsum et suam preposituram transtulerunt , per-
petualiter ipsam annectentes et alligantes pacto in Colche ipsius Seberti et de cetero indivisi-
bilem ad peniianendum , conditione tali, quod si predictus Sebertus et sui heredes in
posterum negligentes inventi fuerint in solutionibus et iuribus quibuscunque ipsius pacti de
Colche et convicti per iudicium et sententiam pactariorum ecclesie Monasteriensis , extunc
ipsum pactum una cum curia et suis attinentiis predictis sibi adiunctis et annexis ut premit-
titur pene iudiciali indivise subiacebunt, contradictione qualicunque non obstante. Actimi
presentibus Johanne Grimminch predicto et Petro dicto Kuninch advocatis, Henrico dicto
Poilcher armigero, Henrico de Keirche , Johanne Grimminch iuniore, Jlenrico von der Gassin,
Seberto filio Grimminch, Everhardo nato Henrici de Iveirche, JJonuldo claudicante, Conrado
plebano Monasteriensi, Conrado in aula, Theoderico pastore ibidem, Johanne Swaif, Thil-
manno Benigne et Johanne Marschalco scabinis Monasteriensibus, et pluribus aliis fidedignis
testibus ad premissa vocatis et rogatis. Quibus sie actis et confessis per advocatos predictos
in iudicio et in eodem loco dominus Elias prepositus predictus ibidem presentialiter con-
stitutus dedit advocatis et iuratis ville ipsius suos denarios testimoniales super eo.
^) Über die vorhergehenden geringeren Strafen s. Bd. 3, 520, 2 f.; 526, 14 f.
— 983 — irniwälzung d. Wirtschaftsverfassung.]
licils hatte den ^^orsitz und den Gericlitsvollzug , er ernannte deshalb auch
den Fronboten der Genossenschaft.
Die einzelnen Pachtungen selbst standen unter Aufsicht des Propstes;
wem sie zu eigen gehörten und denigemäfs lieinifielen, dem Propst oder dem
Kapitel, erschien strittig und bliel) unentschieden; jedenfalls zinsten die Pach-
tungen gleichmäfsig der Propstei wie dem Reventer und Keller des Kapitels.
An diesen Pachtungen hatten nun die geistlichen Pächter vermutlich
lebenslängliche, die Laienpächter dagegen erbliche Nutzung. Dabei sind die
Laienpachten im Sinne des Lehnrechtes beschränkt, also namentlich nur unteil-
bar an direkte männliche Deszendenten vererblich; sie heifsen darum auch
geradezu Pachtlehen ^ Doch war es jedem Laienpächter gestattet, seine Pach-
tung für die eigene Lebenszeit zu versplissen 2. Bei Handwechsel wie bei
Thronfall mufste das Lehen von neuem empfangen werden. Es geschah das
vor dem Propst in Gegenwart von mindestens zwei bis drei oder besser von
allen Pächtern, welche das Erbfolgerecht des Mutenden wiesen; zugleich
wurde ein Hergewede gezahlt. Fiel ein Pachtlehen heim, so verfügte der
Propst nach den Nachrichten der früheren Zeit unter Beirat des Kapitels frei ;
später scheint sich der Einflufs der Pachtgenossenschaft immer stärker geltend
gemacht zu haben ^.
Und in der letzteren Richtung entwickelte sich denn überhaupt diese
eigentümliche genossenschaftliche Ersatzform der alten grundherrschaftlichen
Zentral Verwaltung weiter: die Ausschliefslichkeit des Adels unter den Laien-
pächtern wurde durchgesetzt, das Kapitel als solches wurde von jedem Einflufs
auf die Verwaltung immer mehr abgedrängt*, die Stellung der Pächter, soweit
sie nicht Stiftsherren waren, ward eine immer selbständigere. So erfüllte
denn auch diese unter dem Einflufs der Pachtentwicklung vollzogene korpo-
rative Umformung der grundherrschaftlichen Zentralverwaltung die Erwartungen
nicht, welche man für eine zeitgemäfse Umbildung der Wirtschaftsorganisation
an sie etwa hätte knüpfen können. Sie blieb vereinzelt, obwohl sie in den
Klöstern des späteren Mittelalters mit ihrem teil weis weit durchgebildeten
Präbendensystem ^ hätte Anwendung finden können; und wo sie bestand,
1) S. Bd. 3, 526, 12.
2) S. Bd. 3, 526, 30.
3) *Koblenz St. A. Hs. CXI^ Bi. 45, 1337: si ac quotienscimque aliqua pacta ad
dictam ecclesiam Monasteriensem spectantia vacare contigerit, pacta liuiusmodi vacantia
debebit idem prepositus locare sive coiicedere fidedignis personis. prout sententia reliquorum
dicte Monasteriensis ecclesie pactariorum dictaverit.
*) Das zeigen die *Consuet. Mon. Meinef. Bl. 6^ und 7» in dem Liber iurium et
redituum eccl. coli. Mon. in Meinefelt, Koblenz St. A.
^) Das Aufkommen des Piäbendesystems in den spätmittelalterlichen Klöstern und die
damit zusammenhängenden Entwicklungen — Lostrennung des Abtsgehaltes, Privateigentum
und Piesidenzlosigkeit der Mönche — können hier nicht zur Darstellung gebracht werden.
Man vgl. aufser Back, Ravengiersburg 1 S. 47, für die einzelnen Stadien Chron. Median,
mon. 6, MGSS. 4, 89; MR. ÜB. 1, 475, 1132; UlMettlach No. X 12. Jh. Mitte; — MR. ÜB. 3,
[Wirtschaft d. Grofsgmndbes. — 984 —
wirkte sie nicht befruchtend und verbindend, sondern doch schliefslich in ihrer
Verknöcherung brechend und lösend.
Auch diese Entwicklung lehrt es: die wirtschaftliche Blüte der alten
Grundherrschaft war mit dem Ausgang des 12. Jhs. unwiederbringlich dahin.
Um so mehr aber mufste seit dieser Zeit das rechtliche Moment in der Grund-
herrschaft, die Grundherrlichkeit, in den Vordergrund treten.
1204, 1253; Novillan. c. 51; Honth. Hist. 2, 213, 1361; 215, 1361; WBockenau 1487, G. 6,
501 Note 1; — MR. ÜB. 2, 49, 1129—1169; 3, 161, c. 1220; G. Trev. c. 130, um 1260;
Bd. 3, No. 72, 1291; No. 118, 1329; *0r. Koblenz St. A. Rep. Prüm No. 55, 1332 Juni 28;
♦Koblenz St. A. MC. 11^ Bl. 104a— 104^, reg. Goerz Regg. der Erzb. S. 100—101, 1367
Febr. 11; *Dipl. Prumiense Blöö^f., 1383 Aug. 17; — Stat. synod. 1227 c. 13, Blattau 1,28;
Stat. sjTiod. 1238 c. 39, 40, Blattau 1, 42; Hs. der Trierer Stadtbibl. 1253 (SMaximin) gedr.
Wyttenbach-MüUer 2 Animadv. S. 14, 1338, Reformstatut Balduins für die Benedictiner;
Stat. synod. 1310, c. 38, Blattau 1, 89; — *Dipl. Prumiense Bl. 116^ f., 1365 Sept. 20.
A 11 h a n g.
JEntwurf einer Vencaltungsorclnung für die Obedientien von SGereon in Köln. 1316 Juni 21.
Hs. des Kirchenarclms SGereon- Köln, # Pgt. wifoliiert, Anfang 14 Jhs.
In nomine domini amen. Nos Arnoldus de Bürne dei gratia decanus, Heinricus de
Erperode choriepiscopus, Heinricus de ßucstel thesaurarius, Johannes de Stailburg et Harpernus
presbiteri, Wilhebnus de Aldenhoven et Theodericus de Oitginbach subdiaconus canonici
ecclesie sancti Gereonis Coloniensis notum esse vokimus universis presentia visuiis et
audituris :
Quod cum dilecti in Christo capitukun et collegium ecclesie predicte de consensu
nostro decani predicti in nos compromittendum duxerint et compromiserint , ut circa casus
fortuitos^ videlicet gi*andinis exercitus^ et incendii, lesiones et alia dampna et incommoda
circa sterilitates vini et bladi canonicis nostris pensionariis ^ in communibus bonis eorum et
nostris contigentes et contingentia necnon super arrestationibus et pignorationibus in curtibus
et bonis capituli nostri seu colonorum* earundem curtium, quid fieri et perpetuo observari
debeat, ordinemus et declaremus circa huiusmodi, que fuerint declaranda: nos diversis col-
lationibus et tractatibus super hoc habitis ordinamus et pronuntiamus:
1. Quod si tempestas grandinis evenerit nostris obedientiariis '^, qui alias pensiones^
vel census non habent in agriculturis vineis seu in decimis, tunc illo anno capitulum susti-
nebit medietatem dampni sie facti et probati per iuratos curie, si sunt, alioquin per fidedignos
parochianos; et aliam medietatem ipsius dampni sustinebit obedientiarius. si autem obedien-
tiarius alias pensiones vel census habuerit in eandem obedientiam '^ expectantes, tunc pen-
sionarius, illo anno dampni quota pars de pensione obedientie sue^, utpote secunda tertia aut
alia, [Bl. l^^J^ capitulo ei remissa fuerit ratione grandinis, totam et similem numero partem
eodem anno restituet capitulo de aliis redditibus eiusdem obedientie, quos grando ledere non
potuit. si autem pensionarius hoc sustinere noluerit, dimittet illo anno capitulo bona sua,
sed pecudes et pecora sua ipse sine dampno capituli sui et absque dolo et fraude ibidem
pascet, et propterea habebit et retinebit stramina paleas et emergentias; et ideo nichilominus
acquiret et requiret isti capitulo illo anno census suos et pensiones pro viribus suis bona
fide suis laboribus et expensis.
2. Item volumus et ordinamus, quod si hostile incendium coUecta vastaverit, dum-
modo pensionarius non sit in culpa, si de pensione debita capitulo satisfacere non poterit,
^) Alte Übersetzung abschriftlich im Besitz von Herrn Prof. Loersch in Bonn ungevelle.
2) hail hier.
^) peiter.
*) halfwinne.
5) petere.
6) peithe.
') paith.
^) van dem paithe sinre obediencien.
Lamprecht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 63
[Wirtschaft d. Grofsgi'undbes. — 986 —
tunc deductib expensis necessariis residuum fide data det capitulo; et si obedientiam retinere
voluerit, solvat partem mediam expensarum circa edificia construenda.
3. Item voliimus et ordinamus, quod si clades bellica ^ rapuerit violenter bona et res
ecclesie, quod observetur in eo casu secimdum quod servatur in diffinitione articuli de
grandine.
4. Item volumus et ordinamus, quod si post festmn sancti Remigii contingant hü
casus, hostile incendium et clades bellica, capitulo nichil depereat de pensione bladi; sed si
de bonis percipiendis alia servitia solvere pensionarius non potest, remittatur ei ad suam
conscientiam.
0. Item volumus et ordinamus, quod si obedientiarius solummodo nudas pensiones^
vini vel bladi habuerit et nimia sterilitas acciderit, quod solventes istas pensiones nullo modo
solvere valeant [JBl 2^^] , pensionarius habebit inducias usque ad annum futurum et tunc
satisfaciat, nisi similis vel maior redeat sterilitas, et tunc dabit fidem, quod nichil sibi de
dicta obedientia obtinebit deductis expensis, nisi primo capitulo satisfecerit de debitis, in
quibus sic^ tenetur.
6'. Item ordinamus et dicimus, quod de cetero nostri concanonici intrantes ambitum
pro pena Bunnensi^ a crastino beati Gereonis^ iaceant^ usque sexto idus novembris; et nisi
Interim satisfecerint, extunc vacet iacentis officium, pro quo iacet. sed capitulum et presentes
canonici in civitate poterunt induciare intraturum et non iacentem, si videbitur equum et
honestiun'^.
7. Item volumus et ordinamus, quod nullus canonicorum nostrorum sandicem semi-
nabit nee seminare permittet in agris ecclesie nostre; et si secus fecerit, dabit capitulo de
quolibet iurnali unam marcam; alioquin super hoc monitus ex parte capituli intrabit ambi-
tum, donec satisfecerit secundum penam ad hoc statutam.
8. Item volumus et ordinamus, quod si sterilitas maxima evenerit, decanus et secun-
dum introitus seniores sacerdos diaconus et subdiaconus more capituli vocati poterunt con-
cordare cum pensionario vel maior pars eomm super huiusmodi dampno, sed si unus istorum
vel aliqui fuerint illo anno pensionarii ita quod eos tangat negotium , tunc cedet vel cedent
a tractatu^, et alius eiusdem ordinis superior intrabit illa vice locum cedentis ad tractandum;
et si concordare non poterint, tunc talis pensionarius dimittet illo anno obedientiam, sicut in
casu gi'andinis superius est expressum.
.9. Item volumus et ordinamus, quod si aliquis pensionarius noster fuerit pignoratus
super ecclesiam nostram vel e converso, et pignorans voluerit recipere cum [Bl. 2^] eifectu
iustitiam coram iudice nostro competente, tunc capitulum relevabit^ pensionarium a dampnis
et e converso pensionarius capitulum in consimili casu. sed si pignorans iustitiam non
receperit predicto modo, tunc quelibet pars defendet se et pro rebus suis recuperandis prout
melius poterit laborabit.
10. Item volumus et ordinamus, quod si ante tempus solutionis censuum vel pen-
sionum^*^ prohibitio vel arrestatio alicuius domini terre pensionarium impediat, nomine ecclesie
detur sibi per quatuor superius nominatos tantum tempus secundum distantiam locorum et
temperiem aeris, quod commode possit ducere bladum suum.
') urluche.
2) blois paithe.
3) Ob für sibi? sc. capitulo.
*) pine van Bunne.
5) Oli. 11.
'•) Hs. iaceat.
'') gereit ind erlig.
'') äedingen.
9) intbeven.
^0) cinse inde peithe.
— 987 — Anhang.]
11. Item volumus et ordinamus, quod obedientiarii nostri efficient, quod pensionarii
vel coloni ^ de cetero ab eis instituendi intrabunt et assecurabunt, se nichil petituros nee de
iure posse petere a capitulo nostio ratione alicuius iniurie, si qua eis fieret propter eccle-
siam nosti'am aut aliquem canonicorum nostromm.
12. Item volumus et ordinamus, quod si aliquem canonicorum nostrorum propter
aliquem casum predictorum obedientiam dimittere contingit, ipse fide data adiuvabit et pro-
movebit ecclesiam et capitulum nostrum pro posse et nosse in omnibus factis suis.
13. Item volumus et ordinamus, quod quicumque canonicorum nostrorum receperit
obedientiam a capitulo nostro, servabit eam ad minus per tres annos; et si postea eam
dimittere voluerit, hoc faciet infra festa sancti Martini hiemalis et natalis domini, nisi
[Bl. 3 « y forte aliqua causa nimium urgente ad secus faciendum cogetur : tunc omni tempore
poterit resignare.
14. Item sciendum est, quod prelati nostri, scilicet prepositus decanus et scolasticus,
non habebunt aliquas obedientias nostras. et si qui canonicorum nostrorum prelati effician-
tiu", ita quod prebenda eorum per vicarium deserviatur^, extunc obedientie, quas a nobis
habuerunt, statim habita confirmatione eo tempore vacabunt, et capitulum nostrum de eis
faciet et ordinabit, prout videbitur expedire.
15. Ceteros vero articulos in prefata ordinatione et pena Bunnensi contentos volu-
nms in suo robore permanere, et observare eandem penam contra transgredientes et non
observantes huiusmodi ordinationem nostram. et quia non sine magno labore et discussione
prefatas ordinationes collegimus, volumus et ordinamus, quod si quid dubii vel ambiguitatis
circa premissa forsitan ermerserit in futurum nostra^ declaratione et interpretatione, quam
nobis et cuilibet nostrum, qui vixerimus, reservamus, stetur et obediatur.
16. Preterea volumus et ordinamus , quod prefate nostre ordinationes redigantur ex
nomine decani et totius capituli in publicum instrumentum , et sigillo maiori eiusdem nostre
ecclesie sigilletur et roboretur tamquam perpetue duraturum.
In cuius ordinationis et pronuntiationis nostre testimonium et firmitatem nos ordi-
natores predicti sigilla nostra presentibus duximus apponenda.
Datum actum et pronuntiatum feria secunda ante festum nativitatis beati lohannis
baptiste, anno domini mocccmo sexto decimo.
^) halfwinne.
2) verdeinen.
3) Hs. nostre.
63*
1
VII.
Grundherrlichkeit und Vogtei als Formen
halbstaatlicher Gewalt und Fermente
sozialer Schichtung.
1. Die Grundherrliclikeit.
Mit dem vollen Eintritt der Stauferzeit war der Verfall der alten grund-
herrsehaftlichen Wirtschaftsorganisation entschieden. Aber damit mit nichten
der Verfall der GrundheiTSchaft selbst. Hatte sie bislang vornehmlich in Be-
tonung ihrer wirtschaftlichen Seite in die allgemeine Entwicklung eingegriffen,
so begann sie nunmehr die rechtliche Seite ihres Daseins mehr und mehr zu
entfalten. Mit dem Schlüsse der Stauferzeit zerfiel die alte Reichsverfassung;
damit fand die Expansionskraft der unteren politischen Kreise in Stadt und
Territoiium wie in der Grundherrschaft nicht mehr das bisher gewohnte Mafs
gegenwirkender Kraft auf dem Gebiete der allgemeinen staatlichen Entwicklung,
und sie machte sich daher mächtig im vollen Auswirken pseudostaatlicher Bil-
dungen geltend.
Um zum Betreten dieses Weges fähig zu sein, mul'ste die Grundherr-
schaft aber einen Kern rechtlicher Bedeutung besitzen : vermochte sie nunmehr
im günstigsten Falle bis zum Territoiium anzuschwellen, so mufste ihrem
innersten Wesen eine bestimmte Disposition zur Aufsaugung und Assimilation
staatlicher Rechte eignen.
Worin bestand diese Disposition?
Es ist leichter zu sagen, worin sie nicht bestand. Sie bestand nicht in
vogteilichen Rechten: denn diese treten vielfach zur Grundherrlichkeit in
geraden Gegensatz, und wo wir sie seitens hervorragender Grundherren später
erworben sehen, da bilden sie ein besonderes Moment für die Entwicklung
der Landesgewalt, welches zur Grundherrlichkeit hinzutritt und deshalb weiter
unten, im zweiten Teil dieses Abschnittes, eine gesonderte Betrachtung finden
wird. Sie bestand ferner nicht in den Rechten, welche mit der Innnunität
verliehen werden, denn es giebt viele vollausgebildete Grundherrschaften ohne
Immunität. Und endlich bestand sie nicht in Dispositionsrechten im Sinne der
markgenössischen Autonomie, denn Grundherrlichkeit kann sehr wohl ohne
Allmendeol)ereigentum und seine Konsequenzen bestehen. Freilich, so wenig
die Grund herrlichkeit Allmendeobereigentum oder Immunität erfordert, so sehr
[Grimdheniichkeit und Vogtei. — 992 —
wird sie durch dieselben gehoben: Allniendeobereigentuni und Immunität sind
kostbare Zugaben jeder späteren wahrhaft bedeutenden Grundherrschaft, sie
runden deren Charakter ab, und ihre Erörterung in diesem Sinne wird uns
noch in diesem Teile des vorliegenden Abschnittes genauer beschäftigen.
Hat man auf der einen Seite Immunität und Allmendeobereigentum für
die Entwicklung der Grundherrlichkeit mehr oder minder unmittelbar verant-
wortlich machen wollen, so ist man andererseits für ihre Erklärung sogar bis
auf Cäsar und Tacitus zurückgegangen. Mit gleich ungünstigem Erfolge. Denn
daran besteht kein Zweifel: die Grundherrlichkeit des späteren Mittelalters
ist ein Produkt der späteren Karolinger- und frühesten Kaiserzeit: und eben
darum ist ihre Bildung nur aus damals vorhandenen Prämissen zu erklären^»
Die grundherrschaftliche Bevölkerung dieser Zeit setzte sich aus zwei in-
einander verschmelzenden Klassen zusammen, einstigen Unfreien bzw. Minder-
freien und einstigen Vollfreien ^. Sehen wir von den vielfach erst aus der
Klasse der Unfreien liervorgegangenen und numerisch wenigstens im Mosel-
lande ursprünglich unbedeutenden Minderfreien ab, so waren die Unfreien
einst völlig als Sachwerte behandelt worden; das Verhältnis der Herrschaft
zu ihnen hatte nicht in der Giiindherrlichkeit, sondern im Eigentum seinen
rechtlichen Ausdruck gefunden. Allein schon früh waren Übergänge zu einem
l^ersonenrecht der Unfreien eingetreten, welche dem Herrn nicht mehr die
volle sachenrechtliche Herrschaft über den Unfreien gestatteten; und die Un-
freien hatten zugleich ein gewisses Recht zur Einwirkung auf das in ihre
Hand gegebene herrschaftliche Gut gewonnen, welches die Ausübung des
herrschaftlichen Eigentumsrechtes abschwächte^. So wurden die Unfreien zu
(Trundholden, zu Menschen im Sinne Rechtens, und das Eigentum des Herrn
an ihnen und ihrem Besitz setzte sich zur Vertretungsgewalt vor Gericht an
den Personen, zum Obereigentum an den von den Personen besessenen Gütern
um. In diesem Punkte aber traf sich die Ausgestaltung der Verhältnisse
der ehemaligen Unfreien in der Grundherrschaft mit der Entwicklung der Lage
aller ehemals Freien in eben dieser Grundherrschaft. Freie waren auf dem
Wege der Prekarei oder des Beneficiums oder auch durch Kommendation*
^) Landau, namentlich in seiner Arbeit über das Salgut S. 85 ff., sucht die Wurzeln
der Grundherrliclikeit schon im urzeitlichen Freistaat und findet sie in Tac. Germ. 26;
neben seiner Theorie steht die v. Maiu-ersche Immunitätenlehre (kurze Darstellung bei
V. Maurer, Einl. S. 137—138). Für beide Anschauungen bedarf es einer ausführlichen
Widerlegung nicht mehr. Eine allseitige und wohl abgeschlossene Vorstellung über die
Bildung der Grundherrlichkeit hat erst Heusler im ersten Bande seiner Institutionen des
deutschen Privatrechts begründet.
-) Darüber Genaueres in Teil 3 dieses Abschnittes.
^) S. oben S. 53 f. und auch unten in Teil 3.
^) Zum Beleg vgl. vorläufig aus später Zeit die oft zitierte Stelle der Acta fand.
Murens., Hergott 1, 324, fi'ühe Kaiserzeit: aestimantes autem quidam liberi homines, qui in
ipso vico erant, benignum et dementem illum [praepotentem] fore, praedia sua sub censu
legitimo illi contradiderunt ea conditione, ut sub mundiburdio et defensione illius semper tuti
_ 993 — l^ie GmndheiTlichkeit.]
in ursprünglich privaticelitliche Beziehungen zum Grundheirn getreten. Diese
privatreehtlichen Beziehungen hatten sich allmählich und bis zum Schlüsse
der Karolingerzeit in einem Grade erweitert, dafs die Freien nunmehr den zu
Grundliolden gewordenen Unfreien nahezu oder völlig gleichstanden ^ : und
so bestand auch hier Vertretungsgewalt vor Gericht und Obereigentum als
Grundlage des Verhältnisses zwischen Grundherrn und Grundholden.
Vertretungsgewalt vor Gericht und Obereigentum sind damit die Basis
der Gnmdherrlichkeit, wie sie etwa seit Beginn des 10. Jhs. in jedem Fron-
hof vorliegt ^ ; unter ihrem Einwirken verschmelzen die Verhältnisse der unfreien,
minderfreien und vollfreien Bevölkerung der karolingischen Grundherrschaft nun-
mehr völlig zur Grundhörigkeit des eigentlichen Mittelalters : aus ihrer Ausgestal-
tung zu besonderen Institutionen erwächst die spezifisch grundherrliche Verfassung.
Dieser letztere Punkt hat uns im folgenden besonders zu beschäftigen.
Die Vertretungsgewalt vor Gericht gliederte sich unter der Einwirkung
des Obereigentums in doppelte Funktionen. Infolge des herrschaftlichen Ober-
(Mgentums nämlich lag alles Vennögen der Grundholden innerhalb des Macht-
bereichs des Gnmdherrn, jeglicher Rechtsverkehr der Grundholden in Ver-
mögensobjekten — mindestens soweit diese den Grund und Boden betrafen —
bedurfte also der Zustimmung des Grundherrn und bewegte sich innerhalb
der Grundherrschaft ^. Anders bei Delikten; hier lag eine solche Bindung
valerent esse. S. dazu v. Inama, Grofsgmndh. S. 63. Zu den votivi homines der Karolinger-
zeit s. neuerdings Fustel de Coulanges in der Kevue hist. 23, 15 Note 7.
') Über den hier vorliegenden Entwicklungsprozefs vgl. unten Teil 3 dieses Abschnittes.
2) Auch für die kleinsten Fronhöfe, vgl. z. B. Cod. Salm. S. 96 Note I, 1324. Erst
seit dem 14. Jh. kommen ganz vereinzelt gröfsere Besitzungen im Sinne von Fronhöfen vor,
welchen eine Masse von Benteneinnahmen zugewiesen ist, ohne dafs sich Grundherrlichkeit
findet, s. z. B., aufser Bd. 3, 507 c, 1349, *Bald. Kesselst. S. 335, 1341: hof zu Veien gelegen
bi unser vorg. bürg Veienauwe und bi Zivele bi Münster in Eiflen mit 47 morgen ackers,
die da kom dragen, und 16 morgen ] wiesen, 6 s. und 6 cappunen geldes und mit velden
walieni und weiden und waz anders zu dem egen. hove höret. Hierher gehört es wohl auch,
wenn Haussen, Abh. 2, 472, erzählt, der Bischof von Schleswig habe in Stapelholm (Nord-
friesland) nicht unbeträchtliche Besitzungen gehabt, die nicht in Gutshöfen, sondern in der
GrundheiTlichkeit über zinspflichtige Bauern, Lausten (Fästebauern , Lassiten, Meier) be-
standen, übrigens ohne Jurisdiktion über dieselben. Mit der Zeit seien dann diese Lausten
in Eigentümer verwandelt worden.
3) Aufser Ed. Pist. 864, c. 30, MGLL. 1, 495-6 vgl. Cap. miss. 803, c. 10, Boretius
S. 115: ut nee colonus nee fiscalinus foras mitio possint aliubi traditiones facere. Mitium
ist territorium vel villa, in quibus habitant. S. dazu aus spätester Zeit *WLonguich 1408,
Arch. Maximin. 8, 31, § 6 : iudicavenmt iidem scabini, quod super nullis bonis mansionalibus
in banno Longuich sitis debet alibi placitari, quam ibidem in Longuich in curte domini
abbatis sancti Maximini coram 4 scabinis ibidem. *WHagelsdorf, Arch. Maximin. 6, 347,
§ 5: wisent die scheffen mit ihren eiden dorch ein recht, dass was von der erbschaft und
hoife imd hoif luden zu Hacheldorf vurg. dingis und dedingis entsteit, das man mit gericht
ustragen sal, das sol sich vor des egen. herren meier und gericht ustragen. Daher denn
grundhöriges Gut geradezu als dingliches Gut bezeichnet wird, d. h. als Land, dessen
Inhaber verpflichtet ist, das Ding des Grundherrn zu besuchen, vgl. *ULehmen, Hs. Koblenz
[Grimdlierrlichkeit und Yogtei. — 994 — ■
nicht vor. Demgemäfs macht sich die Vertretungsgewalt, oder richtiger gesagt
die Vertretungsgewalt unter dem Einflufs des Obereigentums, d. h. die Grundherr-
lichkeit, geltend einmal nach aufsen hin in gerichtlicher Vertretung der Grund-
holden bei Delikten, dann aber innerhalb der Grundherrschaft in der Her-
stellung von Einrichtungen für den Vermögensverkehr der Grundholden, d. h.
in der Schaffung gTundherrlicher Gerichte.
Nötigung zur Begründung eines grundherrschaftlichen Gerichtswesens zu-
nächst für den Immobiliarverkehr und zur Entwicklung eines besonderen
Rechtes für diesen Verkehr und dieses Gerichtswesen, das ist also die hervor-
ragendste positive Leistung der Grundherrlichkeit für die Aus1)ildung der Grund-
herrschaft ^
Die Ausgestaltung des gnmdherrschaftlichen Gerichtswesens aber schlofs
sich an die Wirtschaftsorganisation der Grundherrschaft und damit vor allem
an deren hervorragendste Bildung, den Fronhof, an. Jeder Fronhof zugleich
eine Gerichtsstätte, die Gehöfer zugleich Gerichtsgenossen, der Meier zugleich
Richter: das ist die einfache Verbindung zwischen Gerichts- und Wirtschafts-
verfassung, welche wir überall hergestellt sehen.
Und natürlich genug, dafs in der Gerichtsverfassung selbst wie in der
Durchbildung des besonderen materiellen Rechtes für die Grundholden bald neben
rechtlichen Gesichtspunkten auch wirtschaftliche Forderungen bevorzugten Aus-
druck fanden. Schon die gewöhnlichste Bezeichnung des einfachen Fronhofdinges,
wie es unter dem Schutze des Grundherrn stand ^, als Bauding ^ ist für diese
Verquickung charakteristisch. In Wahrheit beschränkte sich die Thätigkeit des
Baudinges keineswegs auf seine aus der Regelung des Vermögensverkehrs und
der grundherrlichen Rechte sich ergebenden Obliegenheiten; es wies nicht
blofs die Zugehörigkeit der grundholden Personen, wie sie sich in der Hul-
digimg aussprach, zur Hofgenossenschaft ^, es regelte nicht nur die Zugehörig-
keit und das Schicksal des grundherrschaftlichen Grundes und Bodens durch die
Forderung des Empfängnisses '^ und die Beurkundung aller freiwilligen Ge-
CXIa Bl. 33 1^; dazu auch noch Ennen, Qu. 2, 169—170, 167, 1237, cit. unten Bd. 2, 632
Note 3.
1) Vgl. dazu u. a. xMK. ÜB. 1, 286, 965—75.
2) WAndernach 1500 § 61, G. 6, 649, cit. unten Bd. 2, 648 Note 2.
^) So z. B. schon MR. ÜB. 1, 345, angeblich 1056. Nur ganz ausnahmsweise hat
Bauding eine andere, dann aber abgeleitete Bedeutung, vgl. WMayen, G. 2, 482.
*) S. z. B. Bd. 3, 496, 15 f., c. 1325.
''} CRM. 2, 208, 1264; AVTholey 1450, G. 3, 758: daß keiner kein hoifgut unent-
pfenglich fülii'en solle noch daruf gehen oder stehen, er habe es dan empfangen von deme
es sich gebuirt; und were es daß einicher das hoifgut unentpfenglich fuirte daruf gienge
oder stunde, . . verbreche er einen frevel, d. i. 5 s. und den scheffen ein sester weins.
WHeimbach 1601 oder 1602: die hofer musten l)ei ihren eiden wisen, was jeder hofsgut habe,
und da einer sich dessen nit ercleren oder verleugnen wolt, haben vogd schultes und scheffen
alle desselbigen gueter hofsgut zu achten und das closter nach sich zu nehmen. Im übrigen
vgl. schon oben S. 646 und unten Teil 3 dieses Abschnittes.
— 995 — I^ie GrimdheiTlichkeit.]
nchtsliandluiigen im Vermögensverkehr ' — es erkannte auch über die Bewirt-
schaftung und den Anbau der gehöferschaftlichen Güter ^ und wies die Zins-
rechte des Grundherrn^.
In dieser Verquickung nun, als Wirtschaftsgericht der Gehöferschaft "^
und als Untergericht für die dem Fronhof zugehörigen Genossen in Verniögens-
sachen und allen bürgerlichen Sachen überhaupt^, hat sich das grundherrliche
V) S. UlMettlach No. II, 1095, Fitten 11c; C. dipl. Rommersd. 58, 1357: Floreffe und
Rommersdoi'f ernennen zu einem Verkauf in Horchheim procuratores et nuntios speciales [je
einen], et quemlibet eorum in solidum, ad comparendum coram villico et scabinis predictis
et aliis iudicibus, a quibus dicta bona seu eorum curia moventur et descendunt, dictosque
ementes ibidem investiendum et adheredandmii nomine nostro ipsaque bona werpiendum
effestucandum et eisdem renuntiandum ore et calamo, secundum usuni et consuetudinem dicte
ville seu curie et iudicum predictorum. Aus später Zeit vgl. u. a. WHeimbach 1601 oder
1602; WNeumünster, G. 2, 34. Daher denn auch das Auflassungs- und Grundbuchwesen und
Verwandtes sich fiir die Grundholden im Hofding entfaltet und vom Hofherrn eingeführt
wird; vgl. die Andernacher Schreinsrolle ed. Hoeniger, ferner ME. ÜB. 3, 61, 1216; 78, 1217;
164, c. 1220; CRM. 3, 138, 1325.
2) Lac. ÜB. 1, 118, 186, 1051; WBendorf 1671: uf nicht ieder hoeber schuldich sei
bei seinem getanen ait anzuzeigen , da gebrech und abbruch an des hoibs guetem gesehen, es
were an reinen an steinen oder misbauwe . .? Die Schöffen bejahen das. Der Laacher Herr
kommt auch jedes Jahr zur Besichtigung des Klostererbes und zwar Donnerstag nach Johanni;
das ist auch ein Dingtag.
^) MR. ÜB. 1, 541, 1146: ego Sigerus dei gratia abbas sancti Maximini . . notum facio,
quod in villa, que dicitur Longuich, veniens ad placitandum resedi. placito itaque legittime
imbannito cum acta agendaque tractarem et retractarem, inter cetera, que dicebantur, Arnol-
dus de Lacu tunc temporis custos ecclesie sancti Maximini querimoniam fecit de rusticis pre-
fate ville, quod luminarios emeros ex annuali debito non solvissent. rustici quoque commu-
nicato secum consilio iniqua cavillatione nitebantur se defendere dicentes, luminarios emeros
se non debere nisi tantum duos d. ab unoquoque in festo sancti Remigii. sed causa a
ministerialibus et rusticis, qui aderant, subtillus exquisita, luminarios emeros ex antiquitate
se debere convicti sunt in tantum, ut et custodi predictos emeros recognoscerent, et Rudolpho
de Chenna tunc scultetio emendationem facerent et de cetero se posterosque suos in perpe-
tuum reddituros promitterent. Actum est hoc anno MCXLVi. indictione viii. viii. kalendas
decembres post festum sancti Martini. Ego Sigerus testis sum. Rodulphus scultetius. Sifi'idus
de Macena. Henricus de Riola. Cuono de Bruwillario. De rusticis: V^^alter villicus, Luzo,
Otto, Wiricus, Rudierus, Wezelo. S. ferner *USMax. 1484, WNospelt: wiset der scheffen
dri jaergedinge; den ersten sant Endris dag dem gotshus sine zinse völlig, in der wochen
darvur deit mins heren meiger gebieden, dass ieder man sine zins stelle und lieber uf sant
Endris dag, und wer si dan nit Hebert, der sulle sie den andern dag vermitz der buese zu
Lutzenburg uf mins heren spicher lieberen; und was zu Nospelt geliebert wirt, mois min
here da holen laisen. Vgl. endlich auch WMarodt 1606, G. 1, 841, cit. unten Bd. 2, 648
Note 3.
*) Hierüber s. schon oben S. 764 f.
•^) Das ist die spätere Erweiterung, wie sie sich schon früh vorbereitet ; s. MR. ÜB. 1,
310, 1038; 345, (1056); USMax. S. 461, Issel; MR. ÜB. 3, 382, 1229; Kremer, Ardenn.
Geschl. CD. S. 462, 1346; Pellenzw. 14. Jh. § 4, G. 6, 622, cit. unten Bd. 2, 655 Note 5;
Honth. Hist. 2, 433, 1458; WDaun 1466, G. 2, 607, cit. oben S. 194 im Text; SMatheisw.
Trittenheim, G. 2, 324. Vgl. auch unten am Schlufs dieses Teiles.
[Gmndlierrliclikeit imd Vogtei. — 996 —
Baudini; in vielen Fällen das ganze Mittelalter hindurch erhalten, als einfachste
und logisch völlig konsequente Ausgestaltung der aus alter Gerichtsgewalt und
altem Obereigentuni entwickelten Grund herrlichkeit.
Allein schon sehr früh wurden der einfachen Grundherrlichkeit weitere
Rechts- und Herrschaftsnioniente zugeführt, welche ihr in der iiherwiegen-
den Zahl aller späteren konkret vorliegenden Fälle eine weitaus gröfsere Be-
deutung gaben.
Zunächst wurden niarkgenossenschaftliche Rechte in sie einbezogen. Schon
oben S. 695 ff. ist erörtert worden, wie es die Grundherren etappenweise, bald
früher, bald später, zur vollen Entwicklung eines Obereigentunis an den Allmenden
derjenigen Marken brachten, in welchen Fronhöfe von ihnen gelegen waren.
Nun war zwar der Erwerb eines solchen Obereigentums keineswegs ganz all-
gemein oder etwa gar für den Begriff der Grundherrlichkeit zwingend und
erforderlich ^ — vielmehr gab es noch im spätesten Mittelalter Fronhöfe genug
ohne Allmendeobereigentum ^ — , indes dieser Erwerb war doch schon bis zum
12. Jh. weitreichend durchgeführt^. Und auf dieser Basis entwickelte sich
nun ein besonderes grundherrliches Allmenderecht, dessen Ausgestaltung bis
zum Schlüsse des 13. Jhs. im wesentlichen abgeschlossen wurde*.
Die Würdigung dieses Allmenderechtes verursacht uns im jetzigen Stadium
unserer Erörterungen keinerlei Schwierigkeiten, haben wir seiner doch schon
im ersten Teile unserer Untersuchungen nur zu oft gedenken müssen, da
die hauptsächlich der zweiten Hälfte des Mittelalters angehörenden Quellen
des autonomen Markrechtes von seinen Wucherungen völlig durchwachsen sind.
Jetzt wird es daher nur darauf ankonnnen, die disieeta membra früherer
^) Dies oder nahezu dies nimmt aber v. Inama an; Grofsgrimdh. S. 65 spricht er
geradezu von einer Umwandlung der Markgenossenschaft in eine Hofgenossenschaft im 9. Jh.,
die letztere habe die alte Markgenossenschaft ersetzt und aus sich dann das spätere Mark-
genossentum ausgebildet (a. a. 0. S. 78, 101, 109). Damit wird also nach v. Inama die
Markgenossenschaft zum integrierenden Bestandteil der Hofverfassung im 9. Jh.
2) Ich führe hier noch, als Entgegnung auf die in Note 1 gekennzeichneten Anschauungen
V. Inamas, an Bertholet 3, P. justif. 36, 1080: an Münster-Luxemburg schenkt man raansum
unum indominicatum et 4 vestitos . . cum omnibus usibus suis . . etiam 4 familias, et in
Silva praesenti, quae dicitur Andevenna, necnon Santweileriana silva, quaecumque loco fuerint
necessaria sive in pascendis porcis et aliis animalibus et ligna et materiam ; ferner die aufser-
ordentlich lehrreiche Urkunde MR. ÜB. 2, 102, 1190, und Hennes ÜB. 2, 334, 1297: curia in
Nothausen bei Koblenz cum omnibus suis edificiis pertinentiis et iuribus, 130 iurnales terre
arabilis iacentes in campis et terminis eiusdem ville, 2V2 iura secandi in nemore, que
dicuntur vulgariter durtehalve holszgewalt; Bald. Kesselst. S. 236, 1331, cit. oben S. 275
Note 3; Bald. Kesselst. S. 385, 1346, cit. oben S. 367 Note 6; Cod. Lac. 247, 1443; Echter-
nacher Kellnereiw. 16. Jhs. § 9, cit. oben 8. 275 Note 3.
^) S. aufser oben S. 696 noch MR. ÜB. 1, 95, 860; der Ausdruck bannus fiir Allmende-
obereigentum schon MR. ÜB. 1, 249, 976; 274, 997.
*) S. oben S. 696.
— 997 — I^if" GruiKllierrlichkoit.]
gelegentlicher Ausfühningeii zu vereinigen und durch weitere Darlegungen zur
Ausfüllung der noch übrigen Lücken zu ergänzend
So zunächst auf dem Boden der eigentlichen Agrarverfassung. Hier ge-
statteten die Grundherren als Allniendeobereigentünier ihrem Meier vor allem
gern einige Exemtionen von den agrarischen Jahresfestsetzungen, welche ent-
weder sie selbst oder die Markgenossen trafen ^ : er hatte für das Fronhofsland
den Vorschnitt bei Heu- und Körnerernte sowie die Vorlese im Weinberg^,
und nicht selten mag es ihm auch wohl gestattet gewesen sein, anderen Mark-
genossen die gleiche Exemtion gegen eine Zahlung zu bewilligen*. Weit be-
deutender als diese Vorzüge w^aren indes für den Grundherrn die Vorteile,
welche er der markgenössischen AUmendenutzung gegenüber in gröfserem oder
geringerem Umfang geltend zu machen wufste. So für die Weide : er hielt gröfser(^
Herden, namentlich Schafherden, als seine blofse Hufenberechtigiuig eigentlich ge-
stattete ^ ; er liefs diese Herden von Sonderhirten weiden ^ ; und er verlieh das
Recht vermehrter Weidenutzung auch an andere '^. Nicht minder für die
Waldnutzung: hier beanspruchte der Grundherr ein besonders ausgedehntes
Beholzigungsrecht ^ , er trieb mehr Schweine in den Wald als andere Mark-
genossen und nahm wohl gar das Recht der Schweinemastverleihung für sich
allein in Beschlag^, er erreichte endlich nicht selten das ausschliefsliche Recht
^) Man vgl. im allgemeinen auch oben S. 482 f., sowie v. Maurer, Dorfv. 1, 221 f. und
Fronh. 1, 389 f.
2) S. unten Citat 2 in Note 4 und WKlotten 1446, G. 2, 443, cit. oben S. 582 im Text.
3) S. oben S. 427, ferner MR. ÜB. 3, 119, 1220, Kobern: Gerlach von Kobern am.
vini pro bannito vino, videlicet quod singulis annis ante communitatem totius ville vinde-
miaret, pro omni iure suo, quod in predicta curia debite vel indebite habere debuit,
acceptavit; Bd. 2, 216 J, 1340; *Bald. Kesselst. S. 430, Beschwerdepunkte Balduins
gegen die Stadt Trier 1351, § 37: item haut sie uns dicke gehindert an unserai rechte, daz
wir han daran, daz wir die läse setzen und daz war zwene dage daz vorlesen han, e man
gemeinlichen lese zu Triere. WKenn 14. Jh. 2. H. § 2, G. 6, 545, cit. oben S. 335 Note 4 ;
WMüstert bei Pisport 1529 § 1, cit. oben S. 582 Note 4; WOberdonwen 1542 § 27: der
Grundherr hat einen Tag Vorschnitt in seinem brole wesen und achten, und die Nachbaren
[Gemeinleute] darnach. Ähnlich WBech bei Echternach § 13.
*) In der Rhenser Rechnung Bd. 3 No. 285, 1277—1291, ist wiederholt Erlös von denen
verzeichnet, qui prius colligunt vina sua de licentia officiati. Im selben Sinne kennt die
*Koblenzer Kellnereirechnung 1432—33 Bl. 4» prelectura.
5) S. oben S. 537 f., im einzelnen noch MR. ÜB. 3, 352, 1228, cit. oben S. 295 Note 1 ;
Bd. 2, 216.1, 1340; Scotti, Chur-Trier 1, 271, cit. oben S. 522 im Text. Über Weidevorrechte
der Grundherren vgl. auch noch v. Maurer, Dorfv. 1, 253.
«) S. oben S. 524.
') S. oben S. 527.
8) S. oben S. 286, auch WHunsdorf 1607 § 3, cit. oben S. 489 Note 2.
^) S. oben S. 523. Zu der Frage, inwiefern hier zugleich das Bodenregal wirksam
wird, vgl. namentlich oben S. 492. Übrigens werden die Demeinnahmen nicht selten zwischen
Grimdherren und Markgemeinde geteilt, s. *WOberemmel 1373, Arch. Maximin. 4, 568: die
gemeinde hat den ackerschatz und den deme in dem walde halb, und der Herr, Abt von
SMaximin, halb; fast ebenso WDahlheim bei Remich 1472 § 8.
[Grimdherrlichkeit und Vogtei. — 998 —
des Bieuenfanges, der Zeidelweide und der Jagd. Das gilt aber auch für die
Fischerei und die sonstige Nutzung des Wassers bezw. der Wasserkraft, auch
sie ging häufig in die alleinige Hand des Grundherrn über^ Da begreift es
sich, dafs der Grundherr es auch bis zum Kecht voller Einweisung Fremder
in die gesamte Allmendenutzmig bringen konnte^.
Weniger umfassend, als die Eingriffe in die herkömmlichen Mark-
nutzungen, gestaltete sich die Verfügungsfreiheit des Grundherrn über den
Allmendeboden aus^. Zwar standen seinen persönlichen Bedürfnissen an Mark-
boden wohl nur selten Hindernisse entgegen ; was er an Land zur Auffüllung ent-
werteter Hufen *, für die Anlage von Beunden und Brühlen ^ wie für die Her-
stellung besonderer Kammerforste und Hofgenossenschaftswaldungen ^ brauchte,
blieb ihm ohne weiteres zur Verfügung, und die für diese Zwecke über-
nonnn^^nen Ländereien wurden zudem noch der Anwendung der mark-
genössischen Verfassung entzogen. Dagegen konnte der Grundherr Aveiterhin,
zu Gunsten Fremder, über den Fundus der Allmende ohne Zustimmung der
Markgemeinde wohl kaum disponieren, nur für Edelmärkerschaften scheint
ein freieres Verfügungsrecht bestanden zu haben ^. Zudem aber war eine
1) Zum Bienenfaiig s. oben S. 504, ferner WAmel 1472 § 18, und v. Maurer, Einl.
S. 121 f., Dorfv. 1, 279. Zur Jagd und Fischerei s. oben S. 283 f., 485 f.; WBesch 1541
§ 4; WAIlendorf und Haselbach 1559; Bodmann, Rheingau 1, 284; v. Maurer, Dorfv. 1, 271;
zum Fischfang speziell Cod. Salm. 347, 1473; WMettlach 1499 § 21; Hanauer, Paysans S. 52.
S. auch noch oben S. 529 Note 1 und 2 passim.
-) MR. ÜB. 1, 523, 1141: .die Grälin dementia von Gleiherg schenkt in ihrem Allod
circa 30 mansos . . , ut [fratres] cum omnibus usibus illud quiete possideant, ligna quoque in
proxima silva Wiskerwalt tam ad comburendum quam ad ediiicia sumant; porci et animalia
cetera eorum in eadem silva pascua sine omni pretio habeant; CRM. 2, 194, 1262,
K. Wilhelm für Marienberg bei Boppard: ovibus et ceteris ipsorum animalibus in omni loco
dominationis et ditionis nostre ad pastum in communibus pascuis evagationem liberam indul-
gemus; Bd. 3, No. 262, 1482. Vielleicht gehört hierher auch MR. ÜB. 3, 656, 1239:
Theodericus . . Trevirorum archiepiscopus ad sustentationem sanctimonialium in monte sancti
Martini prope Treverim deo militantium concessimus, ut earum nuntii in silvis nostris apud
Ozburch et in aliis silvis adiacentibus ad necessitates suas ligna non fructifera incidant et
inde singulis annis sicut alii rustici circummanentes iura consueta nostro nuntio ad hec
recipienda deputato persolvant. Doch s. MR. ÜB. 2, 11*, 1171, cit. oben S. 525 Note 5.
Vgl. auch V. Maurer, Dorfv. 1, 217.
3) Vgl. dazu V. Maurer, Dorfv. 1, 223.
*) S. oben S. 661.
'-) S. oben S. 335, 425 ff., 447.
6) S. oben S. 481, dazu noch MR. ÜB. 1, 496, 1138; *Trier Stadtbibl. No. 1723
S. 25: Echtemacher Besitz in Bidorf, u. a. iuxta librum scabinalem aliquae silvae signanter
et seorsius ad dominum abbatem, aliae coniunctim; WTholey 1450, G. 3, 765; WAmel 1472
§ 14; WMettlach 1499 § 36; WMandern 1537; WGostingen und Kanach 1539 § 25; WOber-
donwen 1542 § 14; WKehlen 1542 § 14; WCessingen 1568 § 2; WNeumünster, G. 2, 35;
Bd. 3 Wortr. u. d. W. kamervorst. Zu den Gehöferschaftswaldungen speziell s. oben S. 446.
') S. aufser der oben S. 279 citierten Urkunde bei Guden. CD. 2, 958, 1274 auch
MR. ÜB. 2, 223, 1206 : domini ville de Metricha, videlicet Henricus comes de Seine et frater
eins Everhardus, Robertus comes de Nassowe et nepos suus Walerammus, Anseimus de
— 999 — r)ic Oiundherrlichkeit.]
Veräiirseninji- des Fundus, welche die bisher geübte Alhiiendenutzung dauernd
und fühlbar beeinträchtigt hätte, an sich nur schwer denkbar. Dagegen konnte
der Grundherr Teile der Allmende verpachten ^ , wogegen es der Mark-
genieinde wie es scheint fast stets ohne ])eson(lere Zustimmung des Obereigen-
tümers ^ fi'ei stand, an der Allmende Besserungen vorzunehmen^.
Nun hatte aber die Markgemeinde den Verfassungsrahmen nicht })lofs
für die Regelung der landwirtschaftlichen Thätigkeit der Markgenossen ab-
gegeben, sie hatte nicht minder auch die Gewerks- und Verkehrsinteressen
der Mark geordnet*. Gerade in diesem I*unkte entwickelte sich jetzt das
Obereigentum der Grundherren besonders kräftig.
So vor allem auf dem Gebiete industrieller Thätigkeit, soweit diese
gröfseres Einrichtungskapital erforderte, als es der einzelne Markgenosse auf-
bringen konnte, und soweit sie demgemäfs auch besonders hohen Gewinn ver-
hiefs. Im Mittelpunkt der grundherrlichen Einrichtungen auf Grund von
Allmendeobereigentum steht hier die Mühle. Bereits früher ist ausgeführt
worden^, wie Mlihlenanlagen, neben ihrer gewöhnlichen Begründung durch
die Markgenossenschaften, doch auch früh schon von einzelnen besonders
kapitalkräftigen Privaten ausgeführt wurden*^: damit war ein Anstols für die
Grundherren gegeben, sich dieser Industrie zu bemächtigen und sie auf der
Basis der AUmendeherrschaft zu monopolisieren. Schon im 9. und 10. Jh.
finden sich dementsprechend grundherrliche Bannmühlen ^ mit dem alleinigen
Recht des Mahlens in einer bestimmten Mark und dem korrekten Verbote
des Mehl verkauf es ^. An dieses Erscheinen der Bannmühlen knüpfen sich
dann eine grofse Reihe von Einzelbestimmungen, ja von vollen Mühlenweis-
Molvesberg, Salomena nobilis et devota matrona cum filia sua Mathildi et genero sao Kudolfo
Palatino comite de Thuingen, Hermannus etiam miles eiusdem loci indigena, rusticorum
qiioque tota commimio, qui. hereditate possidebant usuaria", omnes isti unanimi voluntate et
pari consensu, sicut quemlibet pro parte sue proprietatis et hereditatis contingebat, terram
quandam iacentem in siio territorio super ripam Moselle in loco, qui vocatur Rore, mona-
sterio de Hemraenrode in elemosinam contulerunt tarn a decima quam a cuiuslibet servitutis
debito liberam et prorsus absolutam. eandem autem terram tunc pene desertam et ab anti-
quo semper incultam predicti fratres suis manibus et sumptibus excoluerunt et in ea vineam
plantavenint, quae extenditur per descensum Moselle usque ad terminos Minoris-Confluentie.
1) S. oben S. 388, 390.
2) S. Bd. 3, 286b, 1471, auch v. Maurer, Dorfv. 1. 301, über das Kecht des Grund-
herrn, in der Allmende das Roden zu verbieten.
3) S. oben S. 298.
*) S. oben S. 282 f.
">) S. oben S. 584 f.
^) Das betont mit Recht v. Inama, Grofsgrundh. S. 21.
') MR. ÜB. 1, 105, 866; 249, 976.
«) Zum letzteren Punkt s. aus später Zeit WZozenheim, G. 2, 160: wer es sach daß
ein frembder müller in den ban füre und begrif in der müller, so mag er das mehl nehmen
und den sack laßen, da er die erd rört, und dem schiütheissen die für liefern.
[Gmndherrlichkeit und Vogtei. — 1000 —
tüinern um so mehr\ als seit spätestens dem 13. Jh. die Baimmiihle — wie
auch der Bannbackofen — als ein durchaus sicheres Zubehör jeder zu
Allmendeobereigentum entwickelten Grundherrlichkeit gilt^. Es ist liier
1) Vgl. u. a. das Andernacher Mühlenrecht von 1498, G. 2, 628, und ein besonderes
Mühlenw. zu Hönningen 1567, G. 2, 582 f. — Im übrigen s. MR. ÜB. 2, 7*, 1171 eine
Münstereifeler Müblenordnung, vgl. dazu die zwei folgenden Urkk. und MR. ÜB. 2, 14*, 1172,
sowie 215, 1203. S. ferner MR. ÜB. 3, 141, 1220: Rechte der Klostermühlen bei Boppard;
USMax. S. 431, Mertert; S. 437, Mersch; S. 438, Ohlingen; Bd. 3 No. 117, 1328; zur Ober-
lahnsteiner Bannmühle 1439 ff. Rhenus 1, 97; 2, 54 ff. ; und aus späteren Weistümern:
WLiesdorf 1458, G. 2, 15; WSponheim 1488 § 8—11, G. 6, 496; WHargesheim 1505, G. 2,
163; WOberelbert 1507 § 1, G. 1, 608; WWendelsheim 1527 § 8 ff., G. 6, 508-510;
WNalbacher Thal 1532, G. 2, 24; WIgel 1537 § 12; WLenningen 1560 § 6, Hardt S. 427
bis 430; WFels 1574, Hardt S. 250—51; WAspelt 1585 § 4 ff., Hardt S. 37—38; WHoller
1589 § 20—21; WBerburg 1595 § 1; WBenrather Hof 1599; WAltwies 1693 § 11; WHel-
lingen 1716 § 14, Hardt S. 332; WGuttenberg § 8—9, G. 4, 725; WKreuznach, G. 2, 150
bis 151. Im übrigen s. auch noch Waitz, Vfg. 8, 275 f.; v. Maurer, Markenvf. S. 184;
Bd. 3 Wortr. u. d. WW. molendinarius ff., moture, multer. Von imedierten Quellen sei hier
angeführt *ÜSMax. 1484, WLintgen 1484 § 9 ff.: si haint auch gewisten, dass die muelen
sollent in gebuwes gehalten werden von dem obg. herrn apt, und die gemeine darine geben-
net zo malen und verbuntlich sint, und dass man von dem malder zo molter geben sal zwei
vas korns, des ses ein Viander sester doent, und darzo ein vas graen melts; bete er mehe,
so darf er doch nit me graen melts geben dan ein vas, hette er minner, so sal er auch
minner graen melts geben ungeverlichen, des sal der mulner den luden! darstellen siner und
wenne, und den luden mit iren secken uf helfen. § 10: Item von der frucht, die man
ufmisset, welcherleie die were, die man nennet ruwefrucht, sal der mulner zo molter heben
von iklichem malder der vorg. vas vier, und das man von der selber ruwer fruicht zu broide
meilt, sal der mulner auch sine graen meil von heben, als vurg. steit. § 11 : Item als man
evenmeil macht, so sal der mulner von ses fassen ein vas zu multer nemen und noch gebure
min oder mehe, darnoch ime fiiiicht braicht wurde, evenmeil zu machen. § 12: Item als
einer kern macht oder runt, so sal der mulner von dem malder kern haben vier vas kern;
und wülde der man is malen, so sal der mulner eme das malen vermitz die selbe vier vas
un sine graen meil, der noch der fruicht were. § 13: Item füre der man mit dem kern so
feme von der muelen, dass er den mulentrippel nit enhoret, und queme wiederumb un wulde
sine kern genialen han, so sal er zwei vas anderwerbe zu molter geben von iklichem malder,
oder darnoch der frucht ist oder were. § 14: Item were sach das die muelen gebrochen
were und nit gemalen enkunde, so sal ein iklicher macht hain drie sester frucht uf einer
ander muelen zu malen, do es ime gelegen ist. und obe die muele nit gemacht enwere, als
er mit sime gesinde die drie sester broits geessen oder verdaue hette, so mach der man
aber eins drie sester in glicher maissen enwech malen, bis die muelen zu maelen gemacht
ist. und were sach als des obg. herren apts muelen ganz und zu maelen bereit ist, dass
imants enwech muele in anderen mulen, so sal derselbe dem mulner sin molter geben und
dem herren apt sine bois, und den scheffen iren mogentlichen kost, alles noch erkentenis der
scheffen vurg. und dede ein scheffen das, so sal er dobel bois molter und kost geben.
2) S. oben S. 135, ferner WBiiTesborn, G. 2, 526, cit. oben S. 118 Note 2; speziell
für Bannöfen MR. ÜB. 2, 264, 1210, Urkunde des Abts von Prüm: furnos meos bannales
per antecessorum nostronim negligentiam deletos laboris meis et expensis reedificavi et
ceteros furnos in nostra villa non iure ab hominibus habitos iustitia dictante penitus destruxi.
Im ULuxemburg kehren die Einnahmen für Bannöfen und Bannmühlen fast bei jedem Orte
regelmäfsig wieder. Keine Banneinrichtungen, besonders keine Bannmühle und kein Bann-
ofen finden sich späterhin in WEttelbrück 1492 § 11, WNiederdreis 1622.
— 1001 — l^i^ Gruncllierrlichkeit.]
natürlich nicht möglich, die Einzelheiten in der Ausbildung dieses grundherr-
lichen Mtihlenrechtes darzustellen, obwohl ihre genaue Untersuchung für
das intime Verständnis der mittelalterlichen Grundherrschaft ganz besonders
lohnend ist; es sei nur erwähnt, dafs neben Bestimmungen über die be-
sondere altbegründete Freiheit der Mühlen^ noch Festsetzungen über die
Pflichten des Müllers^, die Abgrenzung der Mühlbannpflichtigen ^, die Reihen-
folge der zum ]\Iahlen Zugelassenen*, die Strafen bei Bannkontravention '\
^) S. aufser WLenningen 1560 § 7 namentlich WHeidenburg 1570, G. 2, 320: weisen
die schaffen eine freie hanmüle und weisen die also frei, whan ein mensch das leben ver-
macht hette, sol er drei tagh und sechs wochen darin frei sein; kunne er drei schritt darfur
khommen und abermal darin, sol er abermal so lang frei sein ; und weisen derselbigen mülen
eine fi'eie fischerei zu, sovern als der mülen gepiet mit dem diech oben und unden gehet.
Von Interesse ist auch WUlflingen 1575 § 27: die mülen sol nicht änderst dan mit einer
hulzner klenschen [Klinke] oder wirvelen gespart werden, dasz der hobsman mit seinem sack
under den dag [Dach] kommen künde. WPellingen, G. 2, 115: erstrecken derselben heuser
und mühlen eder sich so weit, als ein nachbar dem andern fried zu tun schuldig ist, und dero
zeun reichen.
2) Ann. Rod., Ernst S. 26, 1122: molendinum hoc eins proprium et fratrum erat
suorum decem et octo s. singulis annis solvens eis ea videlicet ratione, ut molendinarius ex
suo molares provideat et edificia construat et predictum tamen censum domino reddat.
S. auch Ces. Heisterb. Dial. mai. 2, 7. Aus späterer Zeit vgl. WKoenen 1508, G. 2, 86,
und namentlich WSchweich 1517, G. 2, 308: erkent der scheffen meinem hern zu Prume zu
Schweich einer freier banmölle, die also stet, sol han zwen trinnen weiß und rocken, und
sol molen geleich nach seinem wert und davon molter heben von 32 mir. ein mir.; und sol
der muler darzu haben sein fassung von dem mir. bis zu der viertzelen. und darnach sol
derselbig muler haben ein knecht, der dragen sol 6 viertzelen korens in die mul und 6 viert-
zelen mels aus der mulen auf das pfert; darzu sol er haben ein hont und katz, ein hon und
ein hain, das sol sein vihe sein.
3) Gart. Orval 552, 1291 : Ludwig V. Graf von Chiny verkauft an Orval für 200 Ib. de
noirs Tournois sein Mühlenbannrecht in Villj en teil meniere, que les gens devantdites
doient desorenavant moiuTe et mouture paier par ban a moulin de Praele, qui est ceas
d'Orval. et ä ce faire les devons nos contreindre et nos et nostre hoir et en promettons
et en devons ceas d'Orval faire ensi joir et ausi user ä tous jours mais. et s'ilh avenoit que
aucuns de nos gens devantdis alaist mourre ailhours, cilh d'Orval deveroient avoir lour mou-
ture ausi bien com ilh eussent moulut ä lor moulin de Praele, se apparente et manifeste
defaute dou moulin n'estoit et li amende en servit nostre et nos hoirs. *UMünstermaifeld
Hs. Koblenz CXP Bl. 58'^: (hi), qui non molunt ad molendinum dominorum pensionariorum
in Nailbach. Es sind 22 aus Betscheit, 10 aus Kirperch, 24 aus Bullistorph, 5 aus Inferius
Loseme. Zu Schwierigkeiten in diesem Punkte vgl. u. a. Bd. 3, 82 § 8, 1280.
*) WKillburg § 5, G. 6, 573: der müler sol mahlen dem herren zuvoirain, darnach
den Wirten, ob frembt leut über feld quemen, dasz sie brod bei in foinden, darnach burg-
leuten und bürgeren, so wie sie zo der muhlen bringen.
•5) *WLintgen 1320, Arch. Maximin. 7, 733, § 5: dicti dominus abbas et conventus
habent ibidem duo molendina, in quibus omnia praeparamenta debent esse, et homines intra
limites dicti banni residentes tenentur molere ad dicta molendina, et si aliquis hoc non
faceret, quotiens infringeret, totiens tenetur ad emendam trium s. cum dimidio, et tenebitur
ad huiusmodi emolimentum, qui alibi moluit. Kremer Ardenn. Geschl. C. dipl. S. 423, 1321,
Freiheitsbrief für Saarbrücken: so wer geruget wurde, das er das nit endede, der ist uns zu
Lamprecht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 64
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1002 —
die Höhe der Molter^ u. a. m. eine grofse Rolle spielen. Dabei ist
gerade das Mühlenbannrecht besonders zwingend, nur selten kommen Be-
freiungen vor^, und höchstens der Übergang des Bannrechts in die Ver-
waltung der Markgemeinde gegen Zahlung eines Jahreszinses wird gestattet^.
Dem Mühlenbannrecht sind eine ganze Anzahl anderer Bannrechte nach-
gebildet, so der Brauhausbann "^ und vor allem weit und früh verbreitet der
Backofenbann "^ , ferner Banne für Keltern^, für Kalköfen, Steinbrüche und
LeiengTuben^.
besserimgen sculdicli drisich peninge von ieder verte, ob er mach sich des intreden bit sime
eide. wirt [er] vonden in vrisscher dede anderswa malende oder backende, der hat verloren körn
unn broth unn beßeret oiich darzu drisich peninge. *WOberemmel 1373 , Arch. Maximin.
4, 570, § 7: auch weisen wir unserm herrn dem abt zu Emmelde eine banmühle, die sol er
thuen gut und genge halten, dass sie wol malen möge; und welcher zu Emmelde dan
anderswo führe mahlen, der hette verbrochen u. herrn dem abt obg. sechsig s. und drei
helling Trierisch pagaments.
1) WMondorf 1594 § 33; WBerburg 16. Jhs. § 6; WBollendorf 1606 § 2.
2) Berg. Landr. 50, Lac. Arch. 1, 99, 13. Jh.: der ridderschaft lehenluit, die up
iren lehenguideren wohnen, die ensullen up geine dwankmoelen bedwungen sin, sie mögen
up der ridderschaft moelen malen laissen. S. auch Bd. 3, No. 173, 1347.
^) WLangenlonsheim , G. 2, 154: es hat die gemeind ein miihel alhie, das sol ein
mühel sein und pleiben, davon gibt die gemein u. gn. h. 10 mir. körn; derowegen wisen
wier, das wier seint verbaut in unserer mühlen zue mahlen; und wer es sach das einer aus-
mühle freventlich, da weisen wier den herren zue die fuhr, und dem müller die frucht oder
das mehl. und wer es sach das einen bedeucht, daß ihme der müller zue wenig gebte, so
sol der müller das mel messen; und wer es sach daß der arm[man] in seinem vermögen nit
hette, so mag der armman sich an die fuhr halten mit recht.
*) S. oben S. 586.
5) S. oben S. 586 f. Vgl. ferner Cod. Lac. 114, 1298: Gerlach von Bell volebat et
asserit, hoc sibi ius competere pleno iure, quod omnes et singuli universitatis ville de Belle
in suo pistrino sito in Belle et furno eins et nusquam alibi pistare et coquere teneantur et
debeant panes suos, emolumenta ipsi exinde solida persolventes. Doch werden hiervon die
Mönche von Laach ausgenommen: homines dictis abbati et conventui attinentes et alii, qui
vellent, in fumo et pistrino dictorum religiosorum virorum deberent et possent pistare et
coquere panes suos; et quod hoc prefatus Gerlacus impedire de iure non posset, et inhibere
nisi suis hominibus non deberet. UMarienthal 1317 S. 320: furnum bannale . . in . . villa
de Outringen . . potest valere secundum communem estimationem 6 Ib. (Metenses). WArnual
1417, G. 2, 22 : dasz die gemeinde nit macht habe, einen l)ecker zu pfenden in dem backhus
mit gewalt, aber finde man ine vor der thure, so mag man in pfenden. WPrüm 1640, G. 3,
834 — 5: darzu weist der scheffen m. gn. h. ein gebeut backhaus; so wanehe ein man mehl
hat, der sol bei eine oberste backhausmagt gehen und eine moel heischen, die sol die magt
ihme bringen, ob sach were daß der man nit vil het, daß er den ofen [nit] fült, oder het nit
mehr dan ein sester, darnach sol er holz geben, daß er sein brot gebacken könnte, und
davon denselben lohn, wie sie den vom sester heben, so nun iemant seinen damp gemacht
het, es sei weiß oder rocken, so sol die backesmagt dem man zu gebürlicher zeit seinen
deich bereiten, es weist auch der scheffen, daß ein becker und zwo backesmägte da sein,
sollen von iedenn ofen vol heben acht brot, welcher eins sol 8 hl. werth sein, die frucht
sei teuer oder wolfeil; der sol m. gn. h. 2 und der becker 2 und iede magt 2 haben. Vgl.
ferner *Arch. Maximin. 11, 1123, aus einem Briefe von 1681 an Abt Alexander Henn über
0) und ') Noten 6 und 7 s. auf S. 1003.
1003 — I>ie Grunclherrlichkeit.]
Und neben diesen auf Grund des Alhnendeobereigentums entwickelten in-
dustriellen Rechten steht ein ganzes System von Verkehrsvorteilen und Mono-
polen, das aus der Wurzel des alten niarkgenössischen Rechtes der Verkehrs-
leitung herausgebildet ist. So zunächst die Sorge für die Herstellung und
Erhaltung der Fähren und Ponten — und damit die lukrative P'rhebung der
Überfahrtsgelder ^ ; ferner die Erhaltungspflicht der niarkgenössischen Strafsen —
und damit die Erhebung von Grundzöllen ^. Ferner die Kontrolle von Mais
und Gewicht, die damit verbundene Aufstellung öffentlicher Mefsgeräte und
Wagen, deren Gebrauch nicht kostenfrei aber obligatorisch w^ar^ — und
hieraus schliefslich entwickelt die Thatsache grundherrlicher Markthaltung*.
den Bannofen zu Rübenach: berichte hingegen diensüichen von hundert und mehr jähren
allhie zu Rievenach hergebracht zu sem, daß alle dies orts ingesessene, sie seien gefreite
oder ungefreite hofleute mühler oder bürgere, ohne underscheid gebannet und schuldigh sein
in hiesigem Eltzischem backhaus ier brod zu backen, dieweilen aber Franz Weller, ein
eigensinniger trutzkopf, sich daselbst uf herrn P. Gerharden, dem auch bei seiner bald ver-
hoifender herabkunft ein glässlein wein auf Ew. Hochw. gesundheit danksaglichen zutrinken
werde, zu viel verlassent, diese Schuldigkeit zu entsprechen, nit einen kleinen ofen umb
allein obs darein zu trücknen, wie er Ew. Hochw. mit höchster Unwahrheit berichtet, sondern
ohngeacht durch mich, meine eheliebste selbsten und andere gütlichen davon abgemahnt
worden, mir zu trutz einen foniial backofen dergestalt, daß jedesmal ein halb malter brod in
demselben hette backen können, aufbauwen zu lassen sich de facto understanden usw.
Im übrigen vgl. man noch für das Detail *Dipl. Prumiense Bl. 101» f., 1376 Okt. 9: Abt
Dietrich von Prüm verkauft das Prümer Backhaus unter Vorbehalt des Wiederkaufs-, Bd. 3,
No. 252, 1471; WSponheim 1488 §12 f.; WWindesheim 1552 Schlufs, G. 2, 167; WBeaufort
1557 § 12 f., Hardt S. 64; WFels 1574, Hardt S. 250—51; WMondorf 1594 § 34; WBer-
bm^g 1595 § 8 f.; WSchönfels 1682 § 37; WGuttenberg § 8 u. 9, G. 4, 725; WKreuznach,
G. 2, 150—52; WSchoeneck, G. 2, 562—63; Bd. 3 Wortr. u. d. WW. backhuis und fornaces.
S. auch V. Maurer, Dorfv. 1, 318 ; Fronh. 1, 125.
6) S. oben S. 581 und ferner WKoerigsmacher 1273 § 1, Hardt S. 404: WBern-
kastel usw. 1315, G. 2, 354: dat kelterhus ist also fri, das wer dainne wonet, der engilt
noch bede noch schetzonge noch ensal nimant den andern dainne bekommern noch fain vur
keine stucke. WIrsch 1497, G. 2, 297: kelterrecht, zu wißen mit namen von iekliger aimen
vier zinsfas als von alters und also vortan uf und nieder, deshalb der egenante apt und sein
gotzhaus dasselbe kelterhaus mit seine zubehoire allein in bauwe halden. S. auch WLen-
ningen 1560 § 8.
"') S. oben S. 588, auch UStift S. 422, Altrich: quivis hominum de banno istius curie
dabit a natali usque ad capud ieiunii d. et in martio 3 ob. pro calcis redemptione.
1) S. unten Bd. 2, 245 f., auch Lac. ÜB. 1, 95, 153, 1019; MR. ÜB. 3, 915, 1247.
2) S. unten Bd. 2, 271 f.
'^) S. oben S. 303, auch Bd. 2, 483; ferner MR. ÜB. 3, 1491, 1259: quicunque ultra
id, quod scultetus scabini et iurati de quocunque etiam sie statuerunt, falsam mensuram
dederit, 60 s. Trevirenses invadiabit. WNeumagen 1315, cit. oben S. 173 Note 1; Saar-
brückener Recht 1321, G. 2, 4: wir behalten alle maße und gewichte, also wir bisher
gehalten hau; und han ein fronwaghe gemacht und gebieden, das man wol darzu wiege, und
was man darzu wiegen sol und mag, der keufer und der verkeufer sollent gemeine gelden
das gewichte von der wahgen, wollen ein ort, von dem zentener einen d. , was man wieget;
der die wage halt, sol nit nemen under einer wagen wollen noch under 25 Ib. der mit einer
*) Note 4 s. S. 1004.
64*
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1004 —
Waren nun aber alle die bisher geschilderten Verkehrseinrichtimgen
wenn auch für den Grundherrn recht gewinnbringend so doch wesentlich im
Sinne der alten niarkgenössischen Verkehrspolitik durchgebildet, so stellten
die Grundherren neben diese Ausbildung fernerhin schon früh die For-
denmg bestimmter Monopole in dem Sinne, dafs die Grundholden in der
Mark zur faktischen Durchfühmng des giimdherrlichen Alleinverkaufs ver-
pflichtet wurden. Hierher gehört schon das Salzmonopol der Abtei Prüm im
9. Jli.\ vor allem aber das bald ganz allgemein, wenn auch in sehr verschie-
dener Ausdehnung und unter wechselnden Formen entwickelte Weinzapf-
monopol ^, welches die Beaufsichtigimg der Herbergen, des Fremdenverkehrs
andern wagen wieget, der ist uns die lioeste büße entfallen; wer es anderswo wiegen dede,
wird er begi'iffen, er halt das gewiegede gut verloren oder den wert. Vgl. auch WTlioley
1450, G. 3^757; WHoller 1589 § 14 u. 15.
4) S. dazu unten Bd. 2, 257 f., 260 f.
1) Vinum et salem vendere, UPrüm Bl. 9^^ erklärt Bl. 10 a.
-) S. dazu oben S. 303. Vgl. ferner für das Detail UStift S. 426, Mimstermaifeld :
banniun vendendi viniun habet villicus Monasterii 15 dies ante festum sancti Martini, 15 dies
inter natale domini et festum purificationis sancte Marie et 15 dies inter pascha et rogationes;
et bonum vinum vendi faciet. et si bonum fuerit, carius uno levi d. vendi faciet quartale,
quam reliquum vendatur. MR. ÜB. 3, 1491, 1259: quocunque tempore anni voluerimus,
l)reter nundinas annuales, 5 karr, vini, quod dicitiu' banwin, Kirchperg ponemus ad venden-
diun, sext. tali venditione dantes, quali melius vinum venditui', ita tamen quod diebus septem
pei"ficiatm\ quicmique vero infi-a venditionem dicti vini vina sua vendere presumserit, talen-
tum d. Trevirensium dare tenetur. ^\^Ierzig 1529, G. 2, 59: weiset der scheffen den ban-
wein zu Merzich alles zu sieben jaren, geht uf sanct Walpurgen abent an und weret bis uf
halb hrachmont, gepürt beiden fürsten zum halben, und welcher den banwein halt oder
schenkt, der halt die freiheit zu fischen zu jagen voglen brotbacken imd metzlen, wes er zu
seiner wirtschaf benötiget ist, und nit weither, es sol auch ein ieglicher inwhoner schultich
sein umb ein recht ein maß weins bei ime ze holen, es were dan sach das der wein ze
deuwer were und nit betzalen kunt; und welicher das nit thet, so het der wirt macht, ime
ein maß weins zum hünerloch inzeschöden, und most sie ime bezalen. WRansbach 1532,
G. 2, 36 — 37 : weiset der scheffen, das m. h. der apt von Hornbach jahrs ein stuck banweins
alhie zu legen. habe, der uf s. gn. eigenthumb gewachsen imd nit sawr oder faul sei; darvon
[sol] ein ieder, der an des heiligen sanct Primans gut theil hat, drinken. ob auch einer oder
me solchen weins nit drinken wolten, der oder dieselben sein die büß verfallen, derselb wein
sol acht tag vor dem heiligen Christag gelegt und 8 tage darnach iede maß eins heilers
dewerer, dan sonst der wirt gibt, geben; dozwischen sonst kein wirt derents keinen wein
ufthun oder schenken; und sal der scheffen das stück banweins demihenen, der am lengsten
alhie in der ehe zu haus gesessen, vorerzelter gestalt auszuschenken heimlegen; wolt aber
derselb nit schenken, alsdan sol der scheffen solchen wein eim wirt daselbst liefern, der ine
ausschenk und das gelt dem meier uberantwort; davon geburt dem, so den wein verschenkt,
drei alb. und dem scheffen zwen alb. WZedingen 1534, G. 2, 45: so einer wein verschenkt
und ime nit were ufgetan, so were er, so oft er den hauen uftut, den herra 7 s. [schuldig].
WSMatheis 1604, G. 2, 285: weisen wir, daß kein underthan macht habe auswendig der
vogteien wein zu kaufen, darbinnen zu führen noch zu verzapfen, ohne erlaubnus unsers
herm; erkennen aber, daß ein underthan macht habe, sein äigen wachstumb binnent dem
bezirk zu verzapfen ohne ungelt; wan [er] aber vor sant Martins tagh einen wusch ausstechen
wurde, von dem wusch ein raderhl. zu geben schuldig; sol auch bei der boeß den gesten
— 1005 I>ie GrundheiTlichkeit.]
und der öfifeiitlichen Lustbarkeiten, späterhin bis in das geringste Detail, nach
sich zog^ Und entsprecliend dem Salz- und Weinverkaufsmonopol, wenn
auch nicht so absolut, wurde auch der übrige Verkehr geregelt. Von allem
feilen Kauf wurden entweder direkt oder indirekt, etwa durch Besteuerung
der Verkaufsstände, Abgaben erhoben; ein volles System der Verkehrs-
belastung wurde allseitig ausgelnldet ^.
Erwägt man nun, dafs der Grundherr, welclier als Allmendeobereigen-
tümer diese Rechte mehr oder minder weitgehend entwickelt hatte, meistens
weiters nichst dan wein und brot ufsetzen. Erblehnbr. Wilz 1631 § 42: die gerechtigkeit
des banweins in der ganzen grafschaft AV., so uf pfingstabent angehet und 6 wochen und
3 tag wehret, in welcher wehrender zeit niemand zulässich einiches gedrenk zu verzapfen,
nur allein diejenige, so es von einem grafen zu W. bestanden. WBirresborn, G. 2, 528:
weist der scheffen dem heiTn ein banwein zu legen in den liof hier zwuschent ostera und
pfingsten, zwei jar dem hem von Prüm und das dritte jar dem vogt; und wanie der wein
liegt 6 Wochen und 3 tagh, und nit ausgezapt, und welcher gehofner nit einen halben sester
getnmken, so sol der herr dem gehöfiier einen sester auf seinen tagh schütten, lauf der wein
zu dahl, so ist er den wein schuldigh zu bezalen, fleust er zu berg, so sal der gehofner
ihnen nit bezahlen, und sal der her den wein [vor der Hochzeit] hinweghfuhi^en , daß er das
hochzeit nit erschrecke. Dem Sinne nach identisch WBüdesheim, G. 2 545. WKöllerthal,
G. 2, 19: dem Wirt, der den Bannwein schenkt, ist man schuldig von dem zehenden
1/2 mir. rocken, uf das er den luden sol geben nickenbroit zu essen, so sie zu dem wine
komen. und auch ein bäume sol man ime geben im forste, das ei denselben luden ein füre
mache. Vgl. ferner noch Goerz Regg. der Erzb. z. J. 1319 Juli 14; Bd. 3, No. 200, 1364;
Oberlahnst. Kellnr. 1444, Rhenus S. 70: vom schultheissen zu Dussenauw 20 gl., die er us
dem banwiu geloist halt; WTholey 1450, G. 3, 757; Ann. d. bist. Ver. f. d. Niederrh. 44,
97, 1472; WEchtemach 15. Jh. § 14 u. 15, Hardt S. 176; WMeddersheim 1514 § 3, G. 4,
722—23; WSchweich 1517, G. 2, 309; WMerzig 1529 § 13, G. 6, 427; WIgel 1537 § 9;
WOberdonwen 1542 § 24 f., Hardt S. 567; WXeunkirchen und Wallen 1551 § 12; WHoller
1589 § 14 und 15; WBerburg 16. Jhs. § 22 ff., Hardt S. 72; WAhn 1626 § 12; WHotten-
bach, G. 2, 131; AV.Johannisberg § 6; AMlhers § 4; Bd. 8 Wortr. u. d. W. banvin. S. auch
Waitz, Vfg. 8, 275 f.
1) Vgl. WLiesdorf 1458, G. 2, 16; WRemich 1462 § 44; WBettembiu'g 1594 § 60;
WHerbizheim § 4, G. 2, 22; s. auch oben S. 259.
2) Saarbrückener Recht 1321, G. 2, 4: das wir mogent machen banmülen und banofen
und alle leihebenke zu broide, zu fleische, zu fischen, zu wahse, zu salze, zu stale, zu aller-
leie kauf und krame zu machen. Daneben auch noch Bannwein. WAmel 1472 § 7 : gewiesen,
dat kein man binnent dem hoef wein zapfen ensol noch broit backen und veilen kauf zu
geben noch verkaufen, der scheffen en- [Hardt: er] hef dat eirst gesät, als sie dat von ihren
vuraldern gehoirt und behalten hant. und kein main ensal auch mit keinen maszen wein
inkaufen binnen dem hoif, er sei geistlich oder wertlich, der scheffen en- [Hardt: er] hef sie
erst geseiet. Lehrreich ist der Übergang vom Weinzapfmonopol zur Weinbesteuerung in
A\\Liesdorf 1458, G. 2, 17: weiset der scheffen, daß ein abt vor jaren macht habe gehabt
zweimal zu ieglichem jare banwein zu schenken in dem ban und bezirk, und were des nit
sein theil holt, demselbigen schicket man sein theil heime. das habe ein abt als ihi-er rechter
heiT abgestalt und ein ungeld gemacht umb des besten nutzen willen und habe das auch
macht, und darumb wer da wein schenkt in dem ban, der sei schuldig das ungeld zu geben
und den wein laßen ufthuen den scheffen, und ine auch ir recht davon geben sol, ein maß
weins, als dick sich gebürt. Vgl. hierzu auch den Wiltzer Erblehenbrief von 1631 § 12,
Hardt S. 736; und Goerz Regg. der Erzb. z. J. 1319 Juli 14.
[Grimdherrlichkeit und Vogtei. — 1006 —
zu<ileicli Kireheiipatron der Maikgemeinde war*, also einen bedeutenden Ein-
fliifs auf die im Mittelalter viel tiefer als heute in das Gemeindeleben ein-
greifende geistliche Verwaltung besafs^, so wird man der Beantwortung der
Frage, inwiefern sich denn unter so lastenden Obereigentumsrechten die mark-
genössische Autonomie erhielt, trotz aller Zähigkeit alter markgenössischer
Erinnerungen^ mit nicht eben hohen Erwartungen für die gemeine Freiheit
entgegensehen.
Das entscheidende Kennzeichen in dieser Hinsicht ist in der Alternative
gegeben, ob sich das alte markgenössische Beamtentum -— vor allem der Zender,
ferner aber auch die Subalternen, Feldschützen, Förster u. a. m. — neben
dem Allmendeobereigentum frei und selbständig erhielt oder nicht. Nun giebt
es allerdings Fälle, in welchen die ursprüngliche markgenössische Beamtenver-
fassung auch unter Allmendeobereigentum fast ganz unverändert blieb * ; nament-
lich geschah das da, wo sie durch eine wohlentwickelte Markvogtei geschützt
wurde ^. Indes das war doch Ausnahme. Das Gewöhnliche war vielmehr,
dafs mit dem Beamtenapparat der Markgemeinde Veränderungen vor sich
gingen, deren Ausgestaltung alle Nuancen von blofs leise grundherrlicher Ein-
wirkung bis zu totaler Einverleibung der Markämter in die grundherrliche
Verfassung oder auch bis zu völliger Zerstörung der Markämter durchläuft^.
Am mildesten zeigte sich der grundherrliche Einflufs da, wo es nur zur
einträchtigen beiderseits fest verbürgten Kooperation zwischen grundherrlichen
und markgenössischen Beamten kam^. Es geschah das anfänglich in der
Form, dafs die Markbeamten, wie bisher von der Gemeinde gewählt, dem
Grundherrn, oft mit Bezug auf besondere Funktionen im Interesse desselben,
neben der Gemeinde her nochmals huldeten^. Später kam man dann wohl
1) S. dazu oben S. 118, 119, 240, auch Bd. 2, 212 t.
2) Einen Begriff in dieser Hinsicht giebt die *Aufzeichnung über Diedenhofen aus dem
Ende 15. Jhs. im Arch. Maximin. 2, 280.
3) S. oben S. 287.
4) S. z. B. Bd. 3, 47, 36, 1265; wohl auch *Arch. Maximin. 5, 1041, Urbar von Fell
1512, cit. unten Bd. 2, 640 Note 3. Zum folgenden vgl. auch v. Maurer, Dorfv. 2, 35 f.,
41 f., 59 f., 83, 106, über die Markbeamten in grundherrlichen Gemeinden. Zur Bildung
eines Geschworenen-Kollegs neben dem herrschaftlichen Beamten in grundherrlichen Dorf-
markgemeinden s. V. Maurer, Dorfv. 2, 73, auch oben S. 320 f.
^) Darüber später in Teil 2 dieses Abschnittes.
^) S. dazu schon oben S. 311.
'') S. z. B. das WMerzig vom J. 1429 § 2, hier steht neben ausgebildeter Grund- und
Vogtherrschaft doch noch der Zender und die Gemeinde. Dem Jahrgeding wird noch Bann
und Friede geboten wegen der Grund- und Vogtherren und wegen des Zenders. Der Zender
mit der Gemeinde hat noch einen Bezug zum alten Gemeinwald (jetzt grundherrlichen Forst),
die ,Nachbarn' haben darauf gegen Dem den Acker, und die Rechte dieses Waldes werden
von den Schöffen unter Ingerenz des Zenders gewiesen: s. auch WMerzig 1545, G. 6, 430.
Vgl. ferner WTholey 1450, G. 3, 762, cit. oben S. 220 Note 2; WMesenich 1507 § 5, G. 6,
543, cit. oben S. 468 Note 5.
«) S. z. B. WKlotten 1446, G. 2, 443, cit. oben S. 582 im Text; WGutenberg 1498,
G. 2, 164: auch sol man hieher setzen einen heimburger, der sol auch den herren und der
— 1007 — Die Grundhen-lichkeit. I
auch /Aw genieinsairieii p]insetzunj>- der Markl)eanit('ii nach vorlKT^egan^ener
gegenseitiger Verständigung ^ Schon stärker zum Vorteil des Grundherrn schlug
es aus, w(Min zwischen Wahl und Bestätigung getrennt wurde. In diesem
Falle war es das Einfachste, dal's die Markgemeinde wählte, worauf der Heir
bestätigte und einsetzte^; verwickelter und dem Markherrn günstiger war ein
anderer Modus, nach welchem die Markgenossen eine bestimmte Anzahl von
Kandidaten für die Markämter zu präsentieren hatten, aus denen der Herr
ihm passende Personen auswählte und einsetzte^. Von diesem Punkte war es
gemein gehorsam sein, betten sie etlicli ehren zu werben, die herren oder die gemein, die
sol er werben in tags frist, so sol ihme der laßen, der ihnen hat ausgeschickt, auch sol er
lü'heben einem hirten seine prummen, davon sollen ihm 2 kühe frei sein, auch sol ein heim-
lierger unsern herren uf heben die leibbeth, davon gibt man ihm ein Ib. hl., auch sol er wein
ti'agen zue lieb und zue leid, darumb sol er ihrten frei sein, auch sol man heut setzen
2 schützen, die sollen hueten den herren und der gemein ihres guts, und sollen auch hueten
den herren von Erbach ilirer wiesen, davon sol man ihnen geben 2 s. hl. ; und was sie ihnen
hueten in der gemark, da sol man ihnen geben von dem morgen ein s.; und da sol man
auch geben alle sontag den schützen ein imbs von sant Walpurgentag an bis sant Margreten-
tag. Eigentümlich ist Bd. 3, 93, i, 1287.
^) MR. ÜB. 1, 578, ca. 1154: in villa (sancti Mathiae) nullus conturio absque eiusdem
loci abbatis fratrumve consensu ac legali familie olectione preficiatur. Ähnlich schon angebl.
1038, MR. IIB. 1, 310. WBubenheim 1387, G. 3, 323— 4: dat dieselben eg. dreu gotzheuser
sulden haven alle jähr na sente Mertins mißen des nesten sontags zu setzen einen heim-
burgen, dan sal man eine klocken leuden zuerst, unt die gemeine die sal sich samenen , unt
mit rade unt gehukeniße der druer goitsheuser scheffenen sollen si den kießen uf dat beste.
und geviele it einichem goitshause under drin, dat it nit dar geschicken enkunde umbe rede-
licher Sachen willen einen mumper, die ander zwei havent wal vollen macht zu setzen einen
heimburgen, doch mit rade der gemeinden . . . unt als der gekoren ist, so sollen die vorg.
dreu gotsheuser einen schützen setzen na irem willen, doch bit rade eins heimburgen und
gemein, der nit van irem brode und kleidern onsi und ein birve man us dem dorf si.
2) Würdtwein Nova subs. 10, 70, 1178, Elsafs: eadem quippe officia [heimburgium et
banwartiun] debet villicus abbatisse perpetuo iure illis hominibus concedere, quos electio
villanorum ad hec convenientes et providos deliberaverit, et si velint predicta officia annuatim
permutare, illis licebit. WObermendig 1452 § 13, G. 6, 645: wel zit des heimburgen jair
uis were, so sal die gemein zu Overmendich einen andern kuesen, und niman ensal dabi sin
von der eg. hern wegen, und der aide heimburger sal den nigen foiren zu der hern scholtes
und sprechen: »siet, dis sal uns heimburgen sin dis jair«. so sal dan der nige dem schol-
teßen einen eit thun, den vorg. hern dechen und capitel sent Florins kirchen und der gemein
truwe zu sin. WSchengen 1624 § 53 u. 56: daß die herren von S. haupt und über einige
man in der gemeinen seien . . . daß die gemein kein zentner noch hirten ohne verwilligung
der heiTen oder ihrer amptleuten oder richter anzunehmen nicht mächtig.
^) MR. ÜB. 3, 773, 1243 : cum questio verteretur inter abbatem sancte Marie ad martyres
et universitatem de Schleich de centurione constituendo in eadem villa, in arbitros pro bono
pacis est compromissum et in hunc modum diffinitum, quod universitas predicta eliget tres
homines probatos et fidedignos et ipsos abbati presentabunt, et quemcunque ex ipsis abbas
elegerit, ipsum universitati preficiat in centuriohem. si autem procedente tempore centurio
ab abbate constitutus non bene administraverit aut reprehensibilis inventus fuerit, per volun-
tatem abbatis amovebitur. illo amoto predicta universitas tres homines iterum eliget sicut
prius etc. *\VBreisig 1363, Kindl. 123, 25, Münster St. A.: vort haint die merkere von u.
[Gmndherrliclikeit und Vogtei. — 1008 —
dann nicht mehr weit bis zur Ernennung der Beamten seitens des Allmende-
herrn unter blofsem Beirat der Markgemeinde ^ oder wohl auch ohne
diesen.
Die eben geschilderten Übergangsstadien sind natürlich nicht die ein-
zigen gewesen, welche vorkamen 2; auch sind sie weder überall und strikt
aufeinanderfolgend nachw^eisbar , noch treten sie stets zu gleicher Zeit auf.
Im ganzen aber beginnt eine Bewegung in ihrem Sinne doch schon sehr früh;
bereits in karolingischer Zeit sind völlig grundherrliche Zender nachweisbar^,
und mit dem Beginn des späteren Mittelalters war wohl die bei weitem über-
wiegende Zahl aller Zender grundherrlich*. Wieweit sich nun aber auch die
Einwirkung des Grundherrn auf die Wahl und Ernennung der alten Mark-
beamten innerhalb der geschilderten Entwicklung erstreckt haben mag: ge-
meinsam ist allen diesen Fällen, dafs die Markverwaltung, wenn auch grund-
herrlich gew^orden, thatsächlich bestehen bleibt. Es funktionieren also —
abgesehen von dem wegen des periodischen Wechsels im Zenderamt im ganzen
seltenen Falle, dafs das Meieramt mit dem Zenderamt verbunden wird — ■
ursprünglich-grundherrliche und grundherrlich-markgenössische Beamte neben-
frawen vors, zu recht, dat sie mögen setzen ihren clockener, ihren richter, sechs schützen
und ihren bur [im *W. von 1416? Kindl. 122, 203 ,veir'; im W. von 1442 Kindl. 122, 249
,veiTe' (Fährmann)] des mitwochs na sent Hertens tagh; us den 6 schützen sol unser frawen
ambtman zwen kiesen, die ihm eben kommen; die sollen ihme halden mit dem eit, den si
den merkern gedain haint, u. frawen ihr eigen zu bewahren.
1) S. schon oben S. 1007 Note 1 zweites Citat, ferner WBeringen 1488, G. 2, 64: wanne
man noit hab einen boten zu machen, sal man voran driwerb roifen, ab imant si, der bot-
schaften begere, der sult sich offenbaren und kont tun; und denselbigen sult ein abt gemelt
[von Metlach] mit raet der scheffen und gericht machen.
2) So scheint es z. B. aufserdem vorgekommen zu sein, dafs man die markgenössischen
Beamten verdoppelte und nun für den einen Wahl durch die Gemeinde beibehielt, während
der andere vom Herrn gesetzt wurde; s. oben S. 315 Note 3.
^) Vgl. Sohm K. u. Gervf. S. 253 f., im allgemeinen s. auch oben S. 318.
*) Als bezeichnend vgl. für die erste Hälfte des Ma.s Lac. ÜB. 1, 139, 1003; für die
zweite Hälfte des Ma.s I^andau, Salgut S. 200, 1326. Wie weit die giiindherrlichen Zendereien
verbreitet waren, ergiebt sich z. B. aus der Einzelschilderung der Verhältnisse in den alten
Hundertschaften an der Ruwer und um Bernkastei, oben S. 200 ff., 170 ff., zu denen man
hier speziell vergleichen wolle WBernkastel 1315, G. 2, 355: dis ist das recht mins hern von
Trier in dem hofe von Drone. von erste an mag er setzen einen zentener, einen buddel und
einen furster; den zentener mag er machen wo er wilt, oben in dem lande oder niden in
deme lande den allerrichesten man, den furster und den buddel von eime mittein manne.
Ähnlich für Winterich WBernkastel usw. 1358?, G. 2, 358. Im übrigen s. zur durchgängigen
Erhaltung der Zender in gmndheniichen Verhältnissen noch Bd. 3, 523 c, 1346, auch WAlt-
wies 1693 § 3. Später sank dann das Zenderamt völlig zum territorialen Amt herab, s. Bd. 3
No. 268, 1495. — Nicht zum geringsten trug die Schuld an dieser raschen und allseitigen
Absorption der Markämter durch die Gmndherrschaften der Umstand, dafs diese Ämter von
den Markgenossen als Last angesehen wurden, der man sich gern entzog. Vgl. z. B. Bd. 3
No. 174, 1347; No. 265, 1490; s. auch v. Maurer, Dorfv. 2, 44 f.
_ 1009 — Die GrimclheiTlichkeit.]
oinaiider. So z. B. in Saarbrücken und SJohann. Hier wählen nach dem
Freiheitsbrief vom J. 1321 die Bürger jährlich acht Männer, deren einen der
Graf zum I\leier, einen zum Heimburgen, sechs zu Scliöffen macht: die scheffen
sollent helfen dem meiger alle dedinge halten ; der liemburge sol den burgern
und burgerinnen verdragen und dem, was ine anehoret^ Natürlich war es
dabei denkbar, dafs doch zwischen den Zuständigkeiten der beiden Beamten-
kategorieen dieser oder jener Austausch stattfand; der Meier konnte z. B.
seine Fronhofsgerichtsbarkeit durch die Markgerichts])arkeit des Zenders er-
weitern, oder der Zender wurde zugleich Schultheifs, also Fronhofsrichter,
während der Meier zum blofsen Wirtschaftsverwalter herabsank.
Allein die Markämter blieben keineswegs überall, wenn auch als grund-
herrliche Beamtungen erhalten; in vielen Marken wurden sie überhaupt ver-
drängt oder erhielten sich nur in kläglicher Verschrumpfung ^. In diesen
Fällen konnten nun entweder für spezifische Ausbildungen des Allmende-
obereigentums, z. B. für Rottland auf AUmendeboden, besondere neue, natür-
lich markherrliche Ämter geschaffen werden^, oder aber man übertmg die
bisherigen regelmäfsigen Funktionen der Markbeamten auf den bestehenden
gnmdheiTlichen Yerwaltungsapparat, also vornehmlich auf den Meier. Dabei
wurde wohl hier und da der alten Gemeindeautonomie noch durch einige
Übergangsbestimmungen Rechnung getragen, indem man z. B. einen Wider-
spmch der Markgenossen gegen Anordnungen des grundherrlichen Beamten im
^) Vgl. auch WSIngbert 1535, G. 2, 55: ob iemands fremcls oder heimsche mit eim
zu thim [hab] iimb erbtheil oder schult, was des were, wo sol er recht ansuechen oder bi weme ?
weist der scheffen mit recht: er sul suechen umb schult den hunnen, umb eigen und erbe
den meier von wegen der banneherrn. Interessant ist auch WSerrig Irsch und Beurig
16. Jhs., G. 6, 442, wo der Zender neben dem herrschaftlichen Meier, diesem teilweis bei-
geordnet, teilweis untergeordnet erscheint.
2) S. oben S. 233 f., 261. Nach Hennes ÜB. 1, 430, 1323 scheint die Gemeinde
Kobern keinen Zender mehr zu haben; es verpachten Gemeindeland scholteze, der vait, die
scheifene und die gemeinde. Dagegen verleihen Hennes ÜB. 1, 436, 1329 schultheisse vogit
scheffen der heinburge und die gemeinde zu Ofterding, vgl. Hennes ÜB. 1, 467, 1356: rittere
van Andemache und die andern erben zu Ochtending, R. . . heimburge und die gemeinde
samencliche. In Igel gab es Freigüter, welche frei waren von Herrenzinsen und nur im Fall
des Erbantrittes V2 Rthlr. Successionsgebühr gaben. Sie hiefsen Königsgüter, der Vorstand
Königsmeier. Dieser Königsmeier war in Wirklichkeit der alte Zender, wie aus WIgel
1537 § 9 hervorgeht, wo er noch gewerbepolizeiliche Funktionen hat.
3) Vgl. dazu oben S. 455 f. und WKenn 1490, G. 2, 312: wisent die scheffen und
huber miteinander dem vurgn. hern dem abt sieben rodenflöre, die sal des hern meier in
des hern wegen usligen zu der fonfter garben, die sullen mime hern werden und nimans me,
und wanne der meier si enwegh lihen sal, so sal er si den hobern zu eirste bieden vur
andern luden. . . wisent die scheffen, das des hern meiger einen fürster machen sal über
die sehen rodenflöre, über alle ander husche und flore, die den hobern zuhorent, des hern
recht zu warden und zu hueden; und darumme ist iclicher roder schuldich von sime Zu-
behöre dem boden eine garbe zu geben zu loin. und was Sachen uf dem floire entstünden,
da boissen von schinent, die weren des hern allein und niemans me.
[Grundlieirliclikeit und Vogtei. — 1010 —
Notfall de facto zlüiel's^ im ganzen aber gelangte man sehr bald zur unver-
brüchlichen Geltung aller von grundherrlichen Beamten ausgehenden Mark-
anordnungen ^.
Wie der Grundherr aber als Markherr das alte Markbeamtentum grund-
herrlich machte oder in der grundherrschaftlichen Verwaltung auflöste, so ab-
sorbierte seine Verwaltung auch die markgenössische Finanzverwaltung und das
markgenössische Besteuerungsrecht. Während der Grundherr sich der geringen
Leistungen, welche die Markgemeinde einst als Genossenschaft für das gemeine
Wohl der Genossen ausgebildet hatte, so namentlich der Zuchtviehhaltung, ohne
viele Schwierigkeiten unterzogt, rifs er zugleich die direkten Einnahmen der-
selben völlig oder wenigstens zum Teil an sich * und setzte sich in den Genufs
der markgenössischen Steuer- und Frondienstkräfte '\
Natürlich mufste sich unter der Einwirkung dieser Vorgänge die Stellung
des einzelnen einst freien Markgenossen in der Mark völlig ändern. Hatten
früher nur die Grundholden dem Grundherrn gedient, so war Zins und Fronde
jetzt das Los jedes Markeingesessenen wie der ganzen Markgemeinde ^ ; dem
gTundherrlichen Markding und Zins war nun nach WRoden 1484 § 3 verfallen,
w^er ein voiß eirfs hait in Roder banne ; man sprach von Schätzungen, Fronden,
Diensten, Beden, Achten, Schäften, Zinsen und anderer Belastung grundherrlich
gewordener Markgenossen ^, und das WMeddersheim vom J. 1514 bemerkt in
§ 9 ^ : wer bei uns sitzt und wonhaftig ist und dem hern dienstlich lieb und
leiden gnad und ungnad litt, der hat macht und freiheit zu gebrauchen wasser
und weid, fischen und jagen, gleich ein andrer gemeinsman. So entsteht denn
neben der alten Grundhörigkeit eine neue Markhörigkeit ^, deren Verpflich-
tungen nicht minder mannigfaltig sind wie die der Grundhörigkeit. Aus
der markgenössischen Steuerpflicht wird eine mehr oder minder ausgedehnte
markhörige Zinspflicht entwickelte*^; die alte Markfronde für Instandhaltung
1) S. z. B. WNalbacher Thal 1532, G. 2, 26, cit. oben S. 510 Note 1; WBockenau,
G. 2, 168, cit. oben S. 490 Note 2.
2) Vgl. z. B. oben S. 489.
3) S. oben S. 542, auch S. 447, sowie v. Maurer, Dorfvf. 1, 259. Nach WKönigs-
macher 1591 § 14 stellt der Zender von wegen des Grundherrn, d. h. auf dessen Kosten,
den Hofleuten das Zuchtvieh. Dafür erhält der Abt (§ 15 f.) den kleinen Zehnten aus der
Gemeinde, von einem Kalb 1 d., von einem Füllen 4 d.
*) WNalbacher Thal 1532, G. 2, 26, cit. oben S. 507 Note 10.
^) S. dazu oben S. 301, auch v. Mam^er, Dorfvf. 1, 195 f.
6) *USMax. 1484, Bl. 33 1, Losheim, Zinse an den Abt in Losheimer Bann: item die
gemein von Wigerwiler . . van eime walde bi Wigerwiler 2 faß korns grontzins. item die
gemein van Twalenbach usser dem walde genante der Hage IV2 vas korns grontzins.
7) Bd. 8, No. 237, 1450.
*) Schon oben S. 284 Note 1 citiert.
®) Charakteristisch in dieser Hinsicht ist WOckfen 1325 § 12: nullus, in mundo, qui-
cunque sit, potest habere aliqua bona mansualia in dicta villa et eins banno seu confinio,
nisi recipiat ea a [domina terrae] et sibi . . praestet iuramentum fidelitatis aut eins officiato
suo nomine.
i^j WGuleshahn 1688: wer binnen bezirk so viel hat, daß man einen dreistempeligen
— 1011 — I>ie Grundherrlichkeit.]
der Wege ii. dgl. wird zur grundherrlichen Fronde uingestaltet oder gar auf
Geld reduziert, und nur der alte Namen Centena erinnert noch an ihre Her-
kunft ^ ; der AVachtdienst der Markgenieinde endlich wird von den Markgrenzen
auf die grundherrlichen Burgen abgelenkt^. Dazu kamen unter Umständen
stuhl druf setzen kan, anerkennen die höber m. gn. h. pflichtmässig und schuldig die ge-
rechtigkeit des gerichts zu halten; wer aber binnen dem bezirk so viele hat, als 6 fl. wert,
ist m. gn. h. 1 fuder zu 2 Coblenzer simmer haber schuldig; war aber ein man von got
also gesegnet und reich, daß er den ganzen bezirk mit einer band sehen und mit einer
sensen mehen könte, so wäre er annoch m. gn. h. mehr nit als ein fuder haber schuldig.
WRetterath 1468, G. 2, 610: die zinse, die dan der heimburger heven ist, sal er lievern zwei
deil mime herrn von Trier, ein deil eim graven von Virnenburgh.
1) So im UPrüm, vgl. dazu Sohm R. u. Gervf. S. 186, 209. Besonders deutlich ist
USMax. S. 449, Rittersdorf: quicumque in banno nostro sunt vel super salicum bonum
manent, operantur 1 diem, qui dicitur centenarii; und USMax. S. 450, Matzem: operantur
mansionarii vel quicunque bonum salicum tenent uno die opus, quod vocatur centenarii. In
Lothringen hat sich diese alte Centena noch an besonders vielen Orten, meist in der
abgeblafsten Gestalt einer blofsen grundherrlichen Abgabe, bis ins spätere Mittelalter und
über dieses hinaus erhalten. Hauptsitze dieser Reste sind die Cantone von Domevre, Thiau-
court, Pont-ä-Mousson und Nonieny, also der Nordwesten des Meurthedepartements. Hierüber
vgl. man Lepage in den Mem. de la soc. d'archeol. lorraine Bd. 30 , 135 f. und früher in
den Communes de la Meurthe 2, 314, 317 f.; ferner Roussel, Hist. eccl. et civile de Verdun
S. CXLIX f.; Clouet, Hist. de Verdun et du pays Verdunois 1, 437; Calmet, Notice de la
Lorraine 2, 222 f.; auch Bonvalot S. 362—3, sowie Waitz, Vfg. 7, 255. Von allen lothrin-
gischen Centenen sind wir am genauesten über die Centene in Pont-ä-Mousson unterrichtet;
die für sie vorhandenen Dokumente hat Lepage neuerdings in den Mem. a. a. 0. S. 159 f.
veröffentlicht und besprochen. Er kommt zu dem Schlufs, dafs die Centene aus den Grund-
hörigen des Herzogs von Lothringen bestand, welche an den Vorteilen der 1261 eingeführten
Loi de Beaumont nicht teilnahmen und deshalb später von Bürgern und Grundherren gleich
stark bedrückt wurden. An ihrer Spitze stand ein Meier. Lepage findet für diese Organi-
sation nach rückwärts hin keinen Anknüpfungspunkt : quelle etait l'origine de cette singuliere
Organisation, qui se perpetua j'usqu'ä la fin du XVe siecle? On ne pourrait faire ä ce sujet
que des suppositions, peut-etre contraires ä la verite, et dont il est plus sage de s'abstenir. —
Ülirigens entwickelten die Gnmdherren auf der Basis des Allmendeobereigentums auch noch
andere Fronden als die Centene, vgl. oben S. 435 den § 6 der Aufzeichnung Märtinsdörfer
jährliche schuldige frönde betreffend, aus dem Arch. Maximin. 9, 304 f., 16. — 17. Jh.; ferner
MR. ÜB. 1, 332, c. 1050: die SMaximiner Huftier von Wasserbillig müssen u. a. für den
Markherren vennas reficere, croadas facere, ad opera castelli venire. WGostingen und
Kanach 1539 § 22: jeder Einwohner und Hintersasse soll jährlich in eins erw. apts, als
grünt- und vogtheren, frien achten und velden, so von allen zenden frie und enthaben, mit
3 froenedagen mit seim ploech und geschirre . . froenen und arbeiten, und in die obg. achten
und velde mit der sonnen us- und infaren. Dafür erläfst der Abt jedem 1 Vierzel Weizen
am Zins. Dieser Erlafs kommt öfter vor. Vielleicht gehört hierher auch noch WKenn
14. Jh. 2. H. § 1, G. 6, 545, Grundherr ist SMaximin: und umb daß sie wasser und weide
haint van hin und niemans rae, darumb so sint sie schuldich hin hulde zo doine uf den
heiligen aichten, daß ein man jare und dach in dem banne zo Kenne gewanet hait und füre
und rauch gehalden hait.
2) S. MR. ÜB. 1, 332, c. 1050, cit. Note 1; WHalsenbach-Bickenbach 1647, G. 2,
237 : daß die guter , so under diesem gerichtzzwang begriffen, wie sich die guter verwandlen
aus einer band in die andere, sterblich und hilligsgüter zu acht tagen, gekaufte guter
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1012 —
noch andere Leistungen, wie etwa die Pflege grundherrlicher Jagdhunde, um
die Markhörigkeit zu einem vollen wirtschaftlichen Korrelat der Gmndhörig-
keit umzugestaltend
Und neben der Zinspflicht stand die Gerichtspflicht ^. Wo es irgend an-
ging, da wurde das Nebeneinanderbestehen von Fronhofsding und Markding
beseitigt, beide Dinge wurden zu Einern Grundgericht für Hof- wie Mark-
sachen verschmolzen^. Natürlich hatte bei dieser Fusion das Hofding den
hervorragenden Einflufs: so verschwinden die freien Heimgerede und die son-
stigen Gerichte der alten Markverfassung*.
Ja noch weiter griff* die neue Markherrlichkeit des Grundherrn um sich.
getauschte oder gekaute guter zu vierzehen tagen, wan er die also empfangen hat, als viel
man 3inen [dreijstemplichen stuel darauf stellen kann, so ist derselbe drei dienst auf das
Schöneckh zu thun schuldig. Hierher gehört vielleicht aufser WAlken, G. 2, 462, auch
AYLandscheid § 6, G. 6, 558: auch ein erb genant das Kidener erb zu Lantscheit, davon
gift man meinem gn. h. drei tag und sechs wochen einen Wächter zu Manderscheit auf dat
schlos, also dick unt so viel dat not gebührt. Die alten Wactae können sich späterhin dann
geradezu zur Landpolizei entwickeln, s. WBerburg 1595 § 3 u. 5. Abgelöst erscheinen die
Wachen im ULuxemburg, vgl. z. B. S. 383, i, Hoflfelt: pour les wardes en argent, monte
descent, 16 Ib. . . . cyre de wardes . . 140 Ib. ; poivre des wardes . . 5 Ib. Dazu s. allgemein
Bd. 3 Wortr. u. d. W. warde.
1) So behauptet z. B. Ann. d. bist. Ver. f. d. Niederrh. 23, 176, 1267, der Herr von
Schieiden als Markherr, dafs die Mönche von Steinfeld ex curia monasterii . . Repuch sibi et
heredibus suis in curribus et aratris suis servire tenerentur . . , quod magister curie dicte in
tribus generalibus placitis in anno in sua curia Sistig comparere teneretur, quod dicta curia
ad molendum in suo molendino teneretur, quod . . non haberet potestatem incidendi propria
ligna sine sua [des Herrn von Schieiden] licentia speciali, quod canes suos nutrire tenerentur
in curia memorata, quod homines monasterii infra suos terminos bona ecclesie colentes sue
curie Sistig astricti tenerentur. Dem stehen freilich andere Behauptungen des Klosters ent-
gegen, s. d. Urk. Eepuch ist eine auf Sistiger Allmende begründete Grangia. Vgl. auch
a. a. 0. S. 178, 1269.
2) S. schon WGuleshahn 1683, cit. S. 1010 Note 10, und das Citat in Note 1. Vgl. ferner
USMax. S. 435, Schoenberg in Luxemburg: quicumque in banno nostro sunt, etsi super allo-
dium suum morentur, tria nobis placita vel cetera, quando precipimus, celebrant.
^) Vgl. z. B. *WLonguich 1408, Arch. Maximin. 8, 35, § 19: item dixerunt [scabini],
qui frivole messuerit fruges vel colligeret uvas, antequam dominus abbas consumeret duos
dies, et etiam post hoc infregerit [S. 56] banna legens solus sine consensu communitatis, ille
incidit poenam ad dictamen domini abbatis et communitatis ibidem imponendam, de qua
emenda communitas habebit dimidietatem et dominus dimidietatem ; advocatus autem nihil.
WMichelnbach 1514: ueberzeunt Jemand seinen Nachbar ohne wißen, so 4 s. Triersch dem
grundheren; geschieht -es wissentlich, so mannichen zuenstecken er dan setzt, so mannich
10 weißpfenning und 10 sester weins vermacht derselbige. WAltwies 1693 § 5: der
Grundherr ernennt den Zender, ihm stehen die Bufsen zu, welche durch Abhau oder
sonstige Beschädigung des Gemeinde walds, durch Abätzung oder Verwüstung der Feldfrüchte
und Wiesen verwirkt werden. WLangenlonsheim, G. 2, 154: wan einer ein gemarkstein
ausgnd)e freventlich, der wer verfallen vor leib und vor guet, und wer es sach daß einer
überbaut in wegen und im feit und im dorf , der ist verfallen vor 6 alb. der gemeinden und
stehet furter in u. gn. h. straef.
*) S. oben S. 305 f.
— 1013 — Die Grundherrlichkeit. J
Noch war der alte Zusainiiienhang zwischen Gericlits- und Heeresverfassung
nicht überall vergessen, und wo er gewahrt war und die Markgemeinde-
verfassung auch die ursprüngliche Einheit von Gerichts- und Wirtschafts-
verfassung noch aufwies, da konnten dem Zender noch spät militärische
Befugnisse zustehen. Natürlich fielen auch diese Befugnisse bei entstehendem
Allmendeobereigentum an den neuen Markherrn, und auf Grund dieses Vor-
ganges weist noch eine Quelle aus dem Beginn des 16. Jhs. einem Mark-
hen-n das gemeine Geschrei und die Folge seiner Markeingesessenen ^
Aber gerade die letztere Erscheinung ruft ein Bedenken gegen die ganze
bisherige Erörterung der Markherrlichkeit wach. Wir haben bisher stets von
der Mark im allgemeinen gesprochen. In Wahrheit gab es aber eine solche
allgemeine Mark nicht, sie ist ein Abstraktum, dem im Leben die verschie-
densten Ausbildungen der Mark von den grofsen alten Hundertschaftsmarken
bis zur kleinsten Dorfmark hinab gegenüberstehen.
Läfst sich nun unsere bisherige Betrachtungsweise rechtfertigen? Sie ist ganz
allgemein zulässig auf Grund der schon oben S. 294 angestellten Erörterungen,
doppelt zulässig aber im vorliegenden Falle, wo es sich ganz vorwiegend nur
um 6ine, und zwar die zuletzt durchgebildete Form der Markgemeinde , die
Doifmarkgenossenschaft, handelt. Die Dorfmarkgenossenschaft aber kommt
hier deshalb vornehmlich in Betracht, weil das Allmendeobereigentum und da-
mit die ganze uns hier beschäftigende Entwicklung erst dann umfassend ein-
tritt, als schon fast alle grofsen Hundertschaftsmarken mehr oder minder
radikal in Dorfmarken zerlegt waren, und weil der Sieg der Grundherrlichkeit
an sich in jeder Mark die Tendenz hat, jeden gröfseren markgenössischen
Verband, der etwa noch vorhanden sein sollte, zu zerreifsen^.
Gleichwohl ist es jetzt, am Schlufs der Darstellung der Markherrlichkeit,
unsere Pflicht, noch einen besonderen Blick auf die Formen zu werfen, welche
diese Markherrlichkeit in anderen Markenbildungen als gerade der Dorfmark
annehmen konnte.
Das Charakteristische dieser besonderen Formen beruht darauf, dafs die
Trennung zwischen Gerichtsverfassung und Wirtschaftsverfassung, welche in
der Dorfmark vorliegt, bei sämtlichen gröfseren alten Markbildungen noch
nicht eingetreten ist: in ihnen, und vor allem in der Hundertsehaftsmark
— von der Zendereimark als einer der Dorfmark aufs nächste verwandten
Form sehen wir hier ab — ist die Vertretung der gerichtlichen wie der wirt-
schaftlichen Bedürfnisse noch eine einheitliche, die Markgemeinde ist zugleich
1) CRM. 5, 44, 1503: als wir Jacob erzbisschof zu Trier . . im dorf Protich der grunt-
hochhere und richter sihen und uns und unsenn stift von heimburgen gesworn und ganzer
gemeinden daselbst allejerlichs uf sant Valerius tag zugewiesen wird wasser und weide, der
grae walt, herkommende man, der glockenklank, das gemein geschrei, die folge etc.
2) S. oben S. 304.
[Grundherrliclikeit und Yogtei. — 1014 —
staatliche Gerichtsgemeiiide. Wie macht sich diese innige Kohärenz nun im
Fall der Maikherrlichkeit geltend?
Wir können hier verschiedene Fälle unterscheiden. Am einfachsten liegen
die Dinge da, wo dem Markherrn zugleich die politische Gerichtshoheit über
die Mark aus einer anderen Quelle her zusteht, als aus der blofsen Entwicklung
des Markobereigentums. Das ist der Fall völlig im königlichen Fiskus, und
vielfach auch im Neubruchshochgericht des früheren und späteren Mittelalters.
Im Fiskus, der zugleich nach Wirtschafts- wie Gerichtsverfassung eine Hundert-
schaft darstellt, ist der König ohne weiteres voller Gerichtsherr, der Iudex
steht an Stelle des Hunnen, die Verfassung ist unter stärkster Ingerenz
des königlichen Mark- und Gerichtsherrn einheitlich geregelt ^ Etwas Ähn-
liches gilt von dem als Hundertschaft für sich formierten Neubruchshochgericht,
falls sich mit derselben die Imnmnität verbindet: auch hier ist der Markherr
ohne weiteres voller Gerichtsherr, in späterer Zeit also Hochgerichtsherr der
Hundertschaft^. Anders dagegen, wenn der Markherr des Neubruchs nicht
zugleich im Besitz der Immunitätsrechte ist; in diesem Falle gestaltet sich
die Gerichtsverfassung der Markeingesessenen leidlich selbständig aus, und der
Markherr entwickelt höchstens neben dem autonomen Gerichtsvorstand noch
ein konkurrierendes richterliches Amt des Amtmanns oder Schul theifsen^.
Eben diese Form ist nun die mafsgebende auch da, wo es sich um
Markherrlichkeit in alten noch in einheitlicher Gerichts- und Wirtschafts-
verfassung verbundenen Hundertschaftsmarken handelt, wie wir sie in der
Ruwerhundertschaft und der Bernkastler Hundertschaft kennen gelernt haben.
Auch hier entwickelt der Markherr keine gerichtliche Hundertschaftshoheit auf
Grund von Allmendeobereigentum * ; es bedarf vielmehr des Erwerbs der Ge-
richtshoheit auf anderem Wege, durch Ankauf der Hunrie oder Lehnsempfang
1) Diese Regelung bleibt natürlich auch beim Übergang eines Fiskus in anderes Eigen-
tum bestehen, so z. B. in Andernach, wie die Urkunden der Andemacher Schreinsrolle deut-
lich zeigen; vgl. z. B. *Andern. Schreinsr. No. 19, G. 629, 1190.
2) So wohl Chrodwin in dem grofsen Bifang um Binsfeld, MR. ÜB. 1, 22, 770, vgl.
dazu oben S. 698 f. Vermutlich gehört hierher auch Lehnsbuch Werners IL v. Boland
S. 20: W. besitzt villam (Waldalgesheim am grofsen Soon) iuxta silvam, que dicitur San,
cum aliis villis et silva sibi pertinente cum omni iustitia; et villam (Lettweiler am Glan)
cum aliis villis sibi pertinentibus cum omni iustitia. An beiden Orten hat Werner auch
curie: S. 21.
3) S. oben S. 236 ff.
*) Bezeichnend in dieser Richtung ist z. B. noch, trotz mannigfacher Konzessionen,
MR. ÜB. 1, 310, 1038, Urkunde Erzbischof Poppos für SMatheis, das restauriert wird:
super cuius monasterii universam familiam, ut ab antecessoribus meis statutum est, nulli nisi
soll abbati eiusdem provisori iustitiae censuram exigendam districtionem placitumve tenenduni
omnemque omni tempore potestatem exercendam excepto thelonei lucro de mercato dumtaxat
in prefati sancti Eucharii inibi constituto natale bannique iure de homicidio concessi; cuius
homicidii redemptionem persolvendam , nullumque centurionem absque eiusdem abbatis
fi'atrmnve consensu ac legali familiae electione preficiendum esse censui.
— 1015 — J^ie (irimdheiTlichkoit.J
seitens des Grafen, b(^zw. (liirch Besitz der Inniiunität, um ziuu Cierichtslierrn
(lei;jenii»en Hundcntschaftsniaik zu werd(Mi, deren Markherr man ist^
So hält sich denn die Markherrlichkeit stets in wirtschaftlichen Schranken ;
sie verschliniit wohl die Markdinue und damit die Wirtschafts,uerichtsbarkeit
der freien Markgemeinden, nicht aber die staatliche Gerichtshoheit, soweit sich
dieselbe in den alten Hundertschaftsmarken auswirkte. Keine Überschreitung
der Grenzen markgenössischer Wirtschaftsverfassung, ab(T volles Ausfüllen der-
selben im grundherrlichen Sinne, das ist der Kern der Entwicklung grund-
herrschaftlicher Markherrlichkeit. Und innerhalb dieser Grenzen wurde
günstigen Falles alles nur Wünschenswerte erreicht: das märkgenössische
Beamtentum wurde der Grundherrschaft einverleibt, das Fronhofsding zum
Grundgericht erweitert, die freien Markeingesessenen den Grundhörigen in
Fronden und Lasten als Markhörige angeschlossen, die Markverw^altung end-
licJi zur Ausprägung neuer finanzieller Anforderungen an die Markgemeinde
und deren Glieder ausgenutzt. Der Fronhof aber mit seiner Wirtschafts-
verw'altung verschwand fast in dieser Summe neuer meist einträglicher Rechte ;
Grund- und Markhörige vermischten sich zu einer indifferenten Masse; die
aus dem Bauding entwickelte gemeinsame Dorfgerichtsbarkeit des Grund- und
Markherrn umschlofs sie als sichtbarstes Zeichen bestehender Grundherrschaft :
die Patrimonialherrschaft späterer Zeit begann sich aus der Fronhofsverfassung
der deutschen Kaiserzeit in deutlichen Zügen zu entwickeln.
Allein hervorragende Grundherren brachten es weiter als bis zur Einver-
leibung markgenössisch - autonomer Rechte in den mageren Bereich ursprüng-
licher Gnmdherrlichkeit ; sie rissen schon früh auch staatliche, hoheitliche
Rechte an sich.
Die Lnmunität war das Mittel zum Erwerb solcher Rechte^. Die Ini-
1) S. dazu oben 8. 170 ff, 200 ff., speziell S. 210; s. auch noch die WW. für Tholey
1450, 1580, 1582, 1584, 1587, G. 3, 755 f.
^) Zur Litteratur der älteren Immunität vgl. man namentlich Brunner in Holtzen-
doi-ffs Encyklop.'^ System. Teil S. 214, daneben auch Fustel de Coulanges S. 256.
Neuerdings haben das Thema behandelt A. Prost, L'immunite, in der Nouvelle Revue bist,
de droit 6, 113 f. (wenig bedeutend), und Fustel de Coulanges in der Kevue bist. 22, 249 f.,
23, 1 f. Vom wirtschaftsgeschichtlichen Standpunkte aus wären besonders anzuführen
Landau, Salgut S. 119 f.; Thudichum, Gau- und Markvf. S. 84 f.; v. Maurer, Einl. S. 217,
Dorfvf. 1, 351 f., Fronh. 1, 278 f., 282 f.; v. Inama, Grofsgrundh. S. 67 f., Wirtschaftsg.
1, 273 f. Für die Mosel kommen an Immunitäten und verwandten Quellenstücken besonders
in Betracht MR. ÜB. 1, 17, 763; 24, 772; 28, 775; 48, 815; 50, 816; 57, 826; 67, 841; 74,
845; 89, 855; 90, 855; 92, 856; 95, 860; 109, 868; 114, 871; 122, 884; 126, 888; 131, 891;
132, 893; 133, 893; 143, 898; 148, 899; 150, 902; 162, 919; 185, 947; 231, 968; 240, 973;
259, 988; 261, 990; 313, 1040; 321, 1044; 322, 1045; 333, 1051; 334, 1051; 344, 1056;
359, 1065; 360, 1065; 369, 1069; 434, 1116; 532, 1144; 600, 1157; 636, 1163; Bd. 2, 125,
1192; 236, 1198—1205; Bd. 3, 129, 1220; 224, 1224; 308, 1227?; 536, 1235; 741, 1242;
1154, 1252; 1278, 1255. Österreichische und sonstige südöstliche Privilegien zählt v. Inama,
Grofsgi'undh. S. 114 Note 15 auf. — Zur wirtschaftlichen (Beunde-)Immunität, welche
v. Maiu-er fälschlich als Vorstufe der staatlichen ansieht, vgl. oben S. 426, s. auch S. 325
und S. 282 Note 2.
[Grundherrliclikeit und Vogtei. — 1016 —
mimität, wie sie schon früh im meroAvingischen Reiche vorkommt und sich im
7. Jh. völlig und allseitig ausbildet ^ erteilt freilich direkt keinerlei Auftrag
zur Ausii))ung staatlicher Rechte. Auch trachteten die späteren Immunitäts-
herren ursprünglich gar nicht nach unmittelbarem Erwerb von Hoheitsrechten,
der Gesichtspunkt w^ar ein ganz anderer: sie erstrebten durch die Immunität
den Ausschlufs der merowingischen Beamtenwillkür und Beamtengewalt von
dem Bereich und der Bevölkerung des Grundbesitzes^. Demgemäfs hat die
Lnmunität anfangs durchaus und auch später noch immer wesentlich die Form
eines Verbotes: sie verbietet den introitus iudicum in den Immunitätsbezirk.
Aus diesem Verbot aber folgte nun freilich eine förmliche Lahmlegung
aller merowingischen bezw. später karolingisch-deutschen Beamtenfimktionen
für den Bereich der Imnumität.
Diese Funktionen waren von dreierlei Art : sie bezogen sich auf Gericht,
Heer und Finanzen.
Darum hörte mit dem Eintritt voller Immunität im Bezirk derselben die
staatliche Rechtspflege, Heeresverwaltung, Finanzthätigkeit auf, und an die Stelle
der administrativen Einbeziehung in den Staatskörper trat eine direkte durch
Verleihung der königlichen Munt hergestellte Beziehung des Imnmnitätsherrn
zum Staatsoberhaupt^.
Die Zurückziehung der staatlichen Rechtspflege gelangt zum Ausdruck
in dem Verbot an alle Beamten, innerhalb des Immunitätsbereichs gerichts-
herrliche Funktionen wahrzunehmen, d. h. den Gerichtsvorsitz zu übernehmen
und die Gerichtsvollstreckung auszuüben*. Dies Aufgeben der königlichen
1) Trierer Immunität von 632, MGDD. (Pertz) No. 258. Aus merowingischer Zeit haben
wir freilich nur Diplome für kirchliche Institute, doch sind Immunitäten wohl sicher auch an
Laien bewilligt worden, Fustel a. a. 0. S. 267.
2) Das hat neuerdings namentlich Fustel gut hervorgehoben. S. auch MR. ÜB, 1, 17,
763: die Immunität soll nicht durchbrochen werden können durch cuiuslibet iudicium seva
cupiditas, diese sollen nicht (MR. ÜB. 1, 24, 772) aliquo ibi generare detrimento.
^) MR. ÜB. 1, 17, 763: sub emunitatis nomine sub tuitione vel defensione nostra seu
heredum nostrorum debeant quieti in dei nomine residere; mundiburdium et advocatia MR.
ÜB. 1, 234, 970?; MR. ÜB. 1, 162, 919: sub defensione nostrae tuitionis atque mundoburdo,
ähnlich MR. ÜB. 1, 266, 990; mundiburdium MR. ÜB. 1, 321, 1044; mundiburdium et defensio
MR. ÜB. 1, 344, 1056; 359, 1065.
*) Es wird verboten MR. ÜB. 1, 17, 763 causas audire oder altercationes audire;
MR. ÜB. 1, 24, 772: homines eorum pro mallobergiis nullus debeat admallare, ähnlich MR.
ÜB. 1, 50, 816. MR. ÜB. 1, 57, 826: causas iudiciario more audire, MR. ÜB. 1, 74, 845
setzt noch hinzu vel discutere. MR. ÜB. 1, 109, 868 (falsch): nee aliquis . . sine nostro
iussu placitum habere presumat. MR. ÜB. 1, 185, 947: placitum adunare. Besonders deut-
lich ist MR. ÜB. 1, 148, 899, für Trier: ut nullus ex regia ac comitis parte neque ulla
iudiciaria potestas in villis eiusdem sancti Petri placitum habere aut aliquid districtum in eis
ullo modo sine assensu et voluntate episcopi facere conetur. Hier haben wir in districtus wohl
schon den Gerichtszwang. Er wird sonst gewöhnlich durch die Formeln freda exigere und
fideiussores tollere bezeichnet, s. für freda exigere MR. ÜB. 1, 17, 763: freda de quaslibet
causas exigere; MR. ÜB. 1, 24, 772: si homines eorum pro quolibet excessus quicunque
— 1017 — I^i^ Gnuulliunlichkeit. 1
Heeresverwaltunu- liat für (li(^ r)(n\iHt(Mi das Verbot zur Foliie, von Iiniiiimitäts-
insassoii Kriegslasten, z. B. Spanndienste oder das Gewerf zu erlieben^ sowie
sie zur Selianzarbeit ^' und unter Heer])aiin zum Krieiisdienst zu zwin^ien^. Die
Finanzverwaltunu' endlieli wird durch das Verbot der Steuererliel)unu' lahm
gelegt.
Der letztere Punkt verdient wegen der mannigfachen staatlichen For-
derungsrechte, welche mit dem Steuererhebungsrecht aufg(\ueben wurden, noch
besondere Beachtung. Zunächst bezogen sich diese Forderungen auf die
Leistung von Naturalien: Finquartierungslasten und Verpfiegungsdienste für
Beamte oder auch für den königlichen Hof werden für die Inmiunitäten auf-
gehoben*. Daneben waren noch direkte und indirekte Geldsteuern vorhanden:
als direkte Steuer, wohl schwerlich regelmäfsig erhoben, das Tributunr^, als
indirekte Steuern alle Verkehrsabgaben, Theloneum, Pontaticum, Ripaticuin
usw. Auch sie wurden erlassen''. Dabei ist der genaue Sinn dieser Be-
fredum exsolvebant fredumque exiiide in publico exsperare potiierant, ad ii)sas ecclesias
tiiisset concessum; MR. ÜB. 1, 109, 868 (falsch): nulli etiam comitatiü banniim ac fredas
oxsolvat. Für die andere privatrechtliche Seite s. MR. ÜB. 1, 17, 763 : fideiussores tollere, so
u. a. auch MR. ÜB. 1, 48, 815; 240, 973. Beide Seiten fafst schon früh die Formel bei
Marculf, MGLL. V, 1, 48, zusammen: nullus iudex publicus ad causas audiendo aut freta
undique exigendum quoque tempore [immunitatem] non praesumat ingeredire.
1) MR. ÜB. 1, 24, 772: coniectus facere verboten, so auch MR. ÜB. 1, 56, 816.
MR. ÜB. 1, 28, 775: scaras vel mansionaticos seu coniectos tam de carrigio quamque de
parafredos (facere), dafür MR. ÜB. 1, 48, 815: scarras vel coniectos tam de carris quam
etiam de parafredis exactare. S. auch noch aus später Zeit WKenn 1409 : und wisent ine
fri von allen legeren reisen und aller gewelde, wie man die done muchte.
2) MR. ÜB. 1, 185, 947: Immunitätsleute frei von opus castelli. Hierhin gehört wohl
auch mit MR. ÜB. 1, 360, 1065: eis . . opera regalia et vel comitialia funditus per-
donamus.
^) MR. ÜB. 1, 28, 775: homines, qui super terram (Prumiensis) monasterii tam franci
quam et ecclesiastici commanere videntur, ut nulluni heribannum vel bannum solvere non
debeant, sed pro mercedis nostre augmentum ad ipsum sanctum locum sit concessum atque
indultum; wiederholt MR. ÜB. 1, 57, 826 für franci, ecclesiastici und servientes.
*) MR. ÜB. 1, 17, 763: mansiones aut paratas tollere verboten. MR. ÜB. 1, 148,
899, König Zwentibold für Trier: sanccimus, ut nemo . • in domibus . . hominum . . sancti
Petri Treviris manentium mansionem accipere, nisi quem episcopus iusserit, neque ullam eis
quispiam in eorum mansionibus incommoditatem ulterius facere presumat, neque ullam
cogantur solvere expensam. MR. ÜB. 1, 359, 1065: die Abtei Echternach libera et secura
totius regalis servitii omniumque ceterarum personarum nisi solius dei subsistat. MR. ÜB.
1, 234, 970?, für SMaximin: et quoniam sanctorum familiae regiis civitatibus vel palaciis
adiunctae regalibus aliorumque potentium interdum opprimuntur operibus, eadem opera
suprascripti confessoris Christi familiae pro animae nostrae remedio perpetualiter per-
donavimus.
5) MR. ÜB. 1, 48, 815: tributa exigere, ebenso MR. ÜB. 1, 50, 816; 185, 947;
240, 973. Vielleicht gehört hierher auch die expensa in MR. ÜB. 1, 148, 899, oben
Note 4.
^) Noch mehr sogar. Im Einzelfall wird auch vollste Freiheit des Verkehrs besonders
Lampreclit, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 65
[Grundherrliclikeit und Vogtei. — 1018 —
freiuii.o; für die Verkehrsabgalien noch besonders zai l^onstatieren. Nehmen
wir den Zoll heraus, für welchen die meisten Nachrichten vorliei>en, so erhielt
der Immunitätsherr für sich und seine Leute individuelle Zollfreiheit , wo er
auch immer im Reiche Verkehr trieb ^. Aber er erhielt nicht etwa Befreiung
seines Immunitäts])ezirkes von Zollstätten: hier konnten trotz aller Immunität
Zölle bestehen oder begründet werden, nur blieb der Immunitätsherr an ihnen
zollfrei.
Die Immunität schliefst also keineswegs die Verleilmng eines Zollrechts oder
gar eines ausgebildeten Zollregals für den Bezirk ilirer Geltung in sich. Was
aber für den Zoll gilt, das gilt auch für die ülnigen Verkehrs- und Boden-
belastungen, soweit sie sich in Regalien darstellen: sie alle sind von den
Grundherren nicht auf Grund der Imnmnität, sondern vielmehr auf Grund von
Markherrlichkeit, königlicher Verleihung oder Usurpation entwickelt worden^.
garantiert. ME. ÜB. 1, 234, (970!), 12. Jh. 1. IL, für SMaximin: potestatem concedimns
quoqiie ipsius predicti confessoris Christi familiae in predicta Trevirorum iirbe aliisquc
imporii nostri civitatihns vel prefectiiris hahitanti, ut ea conditiono qua otiam nostra im])0-
rialis familia habeat licentiam, quam et semper habeliat, intrandi et cxeundi, vendcndi et
emendi, pascendi et adaquandi, predia regalibus familiis mutuo dandi et ab ipsis accipicndi
mutuo. MR. ÜB. 1, 360, 1065, für SMaximm: monachi et homines monasterii in singulis
civitatibus regalibus vel prefectoriis liberam potestatem habeant intrandi et exeundi, vendendi
et emendi, pascendi et adaquandi.
1) MR. ÜB. 1, 24, 772: verboten thelonea exigere, ebenso u. a. MR. ÜB. 1, ,50, 816.
MR. ÜB. 1, 95, 860: verboten theloneum sive de carrigio sive de navigio vel de quacunque
re exquirere. MR. ÜB. 1, 162, 919, in einer Prümer Immunitätsurkunde : de teloneis quoque,
cunctis etiam occasionalibus exactionibus . . ne quis exigere presumat ab eorum ministris et
missis , qui ob diversas causas ac necessitates discurrimt per loca diversa , sed neque ab
ullo de tota familia sancti Salvatoris in ullo mercato regni nostri portuque navali vel nau-
lum requiratur vel telone(um). MR. ÜB. 1, 185, 947, Immunität fiir Trier: similiter quoque
theloneum eiusdem familie dimittimus iuxta Renum et Mosellam fluvios tarn eis quam citra
et in Omnibus locis regni nostri, ubicunque thelonea exiguntur, quocunque vehiculo pergatur,
sicuti et dimissiun in preceptis regalibus a predecessoribus nostris invenimus, ita ut semper
soluti theloneum a nemine cogantur solvere nee in castellis nee in villis. S. auch MR. ÜB.
1, 240, 973 die Zollfreiheit in der Immunität. MR. ÜB. 1, 322, 1045, in einer Immunität
für das Erzstift: ad hoc iuxta nostri antecessorum precepta . . interdicimus, ne in Villa-
Theodonis theloneum exigatur a bonis fratrum Trevere apostolorum principi servientium vel
a suis hominibus aut ibi vel in villa Madriz manentibus. MR. ÜB. 1, 234, (970) 12. .111.
1. H., für SMaximin: addidimus etiam secundum privilegia antecessorum nostrorum, ut ubi-
cunque naves monachorum deo in predicto loco sub regula sancti Benedicti militantium vel
homines eorum pervenerint, nullus ab eis telonium exigere audeat. Daneben laufen freilich
noch besondere Zollbefreiungen her, s. MR. ÜB. 1, 18, c. 763; 73, 845; 101, 864; Bd. 2, 279 f.
2) Bezeichnend für diesen Zusammenhang ist MR. ÜB. 1, 150, 902, Ludwig das Kind
für Trier: die Grafen C. und G. bitten, ut Treverice civitatis monetam theloneum censales
tril)utum atque medemam agrorum cum fiscalibus hominibus, que quondam tempore Wiomadi
eiusdem urbis archiepiscopi de episcopatu abstracta et in comitatum conversa fuisse [so zu 1.]
nosruntur, eidem episcopio . . restitueret. Tjudwig thut dies unter Rekapitulation der Rechte :
monetam . . ijjsius civitatis, theloneum omneque tributum infra civitatem et extra per omnem
comitatum de monasteriis et villis ac vineis, sed et cunctos censuah^s atque fiscales et mede-
— 1010 — nio (irundlioiTliclikoit.]
Wie (las im iMiizc^liion i^escliali , ist für die MaikluMTliclilaMt schon ol)eii or-
örtert worden^; die Uiitorsudiuiiii' dor P'iitwicldiiiiii: auf (Iruiid von köni^liclun'
Verleiliiiiii»- und Usurpation aber geliört nielit so scOii* der Geschiclitc» d(M'
Grundherrlielikeit wie der der Landesgewalt an 2, da sicli in den Besitz aus-
uedelniterer Kegalien mit Ausnahnu* etwa von Resten des Bodenregals der
Kegel nach nur diejenigen Grundherrschaften zu setzen wufsten, w^elche sich
später zu Landesherrschaften erweiterten.
An dei" Mos(^l fällt nun die Verleihung von Immunitäten im eben besproche-
nen Sinne vornehndich in die spätkarolingische Zeit; die Urkunden ihrer um-
fassenden Ausgestaltung und Erneuerung schliefsen mit der verdächtigem
SMaximiner Urkunde von 1116 ab^ — seitdem kommen, abgesehen von einer
neueren Lnmunitätsentwicklung für jüngere Klöster, fast nur noch vage könig-
liche Schutzbriefe vor*.
Wie ist das zu erklären? Die Geschichte der jüngeren Immunität giebt
hierauf Antw^ort.
Jüngere königliche Lnmunitätsbriefe werden an der Mosel seit dem
Diplom König Konrads III. fiir Springiersbach vom J. 1144-"'* ziemlich häufig
erteilt; bis zum Schlüsse der Stauferzeit liegen derartige Diplome, abgesehen
mam agrornm. Diese Regalien [Tributiim ist hier nicht Steuer, sondern eine besondere Form
des Medems, s. oben S. 105 Note 2] werden an Trier noch verliehen, ob dies gleich längst
Immunität hatte, s. MR. ÜB. 1, 24, 772; 50, 816; 143, 898; 148, 899. Vgl. ferner die Trierer
Immunitätsurkunde MR. ÜB. 1, 322, 1045: monetas vel thelonea, que (Poppo) pontifex in
vestitura sue ecclesie invenerat aut postmodum a nostris predecessoribus adquesiverat,
legaliter in perpetuum teneat. Hier werden allerdings in einer Immunitätsurkunde, wenn
auch zum erstenmal, Regalien aufgeführt, aber man sieht deutlich, dafs sie nicht zum
Komplex der Immunitätsrechte gehören. Das Mittelalter ist sich natürlich über Zugehörig-
keit oder Nichtzugehörigkeit nie ausgesprochen klar geworden. Wie wenig man überhaui)t
später den organischen Zusammenhang der Immunitätsrechte noch zu fassen wufste, zeigt
die Aufzählung von Cesarius zum UPrüm S. 154 Note B: potestates seculares, von welchen
Prüm frei ist: pellince gräscaf 'viltban cüpelle natselide geritte. Zum Wort potestas vgl.
UPrüm No. 45, Villance S. 170, und Waitz, Vfg. 7, 305.
^) S. oben S. 1003 f. Über Entstehung solcher grundherrlicher Regalien s. auch noch
Waitz, Vfg. 8, 257, und Schröder in Sybels Zs. N. F. 7, 455.
2) Sie ist daher unten in Abschnitt VIII behandelt.
3) MR. ÜB. 1, 343, 1116.
*) Einfache Schutzbriefe ohne Detailausführung sind allerdings schon MR. Uß. I, 126,
888; 131, 891; 143, 898; nahezu auch MR. ÜB. 1, 344, 1056; gewöhnlich aber wird die
Form erst später, s. MR. ÜB. 2, 125, 1192; 236, 1198—1208; 3, 536, 1235; 741, 1242; 1154,
1252. Den königlichen Schutzbriefen schliefsen sich auch päpstliche an; vgl. dazu das De-
kret des Papstes Nikolaus I. über die Verwaltungsfreiheit der Klöster, MR. ÜB. 1, 107, ca.
867; ferner MR. ÜB. 1, 231, 968; 244, 973; 333, 1051; 369, 1069 u. s. f., für den Nieder-
rhein Ennen, Qu. 1, 468-9, 14, 977; Lac. ÜB. 1, 126, 195, 1059; s. auch Ennen, Qu. 1,
481, 24, 1067: Erzbischof Anno stellt das neugegründete SGeorgsstift in Köln sofort sub tu-
telam sancte Romane ecclesie per manum venerabilis pape Nikolai, cuius etinm scripta ad
corroborationem eiusdem rei continentur apud nos.
^) MR. IIB. 1, 532, 1144.
65*
[Grundheirlicbkeit und Vogtei. — 1020 —
von Springiersbach, für Rupertsberg, Pedernach, SPeter in Kreuznach, Rolands-
wertb, Marienberg bei Boppard, Wadgassen, Himmerode und Altenberg vor:
also durchweg nur für jüngere Klostergründungen.
Die Veranlassung zur Erteilung dieser Innnunitäten war eine durchaus
andere wie die für die Emanation der alten Immunitäten ^ Zwar galt es auch
jetzt noch, die grundherrliclien Institute vor Ül)ergriffen seitens der Beamten
zu schützen, aber diese Beamten waren nicht mehr die königlichen, sondern
vielmehr die der Immunitätsherren selbst. Wir werden in späterer Erörterung
sehen, wie sich auf Grund der alten Immunität eine umfassende grundherr-
liche Gerichtsbarkeit ausgebildet hatte. Diese neue Gerichtsl)arkeit hatte eine
neue Verwaltung verlangt, zu ihrer Handhabung war speziell in den kirchlichen
Grundherrschaften die Vogtei geschaffen worden. Aber bald wurden die Vögte
die Peiniger der kirchlichen Grundherrschaften, wie es früher die königlichen
Beamten gewesen waren; und gegen diese neue Plage rief man wiederum den
Schutz des Königs an.
So kam es zu einer neuen Reihe von Imnumitäten, welche sich speziell
auf geistliche Institute beziehen und zur vollen Ausl)ildung nur für jüngere
geistliche Genossenschaften gelangen, während man dem Eingreifen der Vögte
in den alten kirchlichen Grundherrschaften auf Grund der Weisung früheren
Rechtszustandes aus dem Verband der Grundherrscliaft heraus, wenn auch
unter königlicher Autorität, entgegenzutreten suchte ^. Demgemäfs ist die An-
griffsfront der jüngeren Innnunitäten nicht etwa einem königlichen Beamtentum,
sondern der Vogtei zugekehrt. Aber natürlich konnte der König der Vogtei
gegenüber im wesentlichen nur Aufsichtsrechte geltend machen : und so erscheinen
denn die in den jüngeren Lnmunitcäten getroffenen Schutzmafsregeln gegen-
über dem Umfang der alten Immunität recht mager. Zunächst wird ein all-
gemeiner Schutz ausgesprochen: auch hier l)leil)t also die Munt die Grundlage
des Verhältnisses zwischen König und privilegierter Grundherrschaft ^. Aus
1) Nach den G. Trev. Cont. 3, 7, MGSS. 24, 384-5, um 1185, führt Kaiser Friedrich I.
für Trier aus: iminunitates ideo concessae sunt clericis, ut sequestrati a forensibus causis et
tunuiltu populi cum humilitate et devotione deo in pace deserviant. si autem quae dei sunt
rolinquentes ea, quae sibi concessa non sunt, usurpaverunt, privilegio libertatis suae gaudere
non debent, nisi resipiscant. quia igitur Treverenses clerici iura imperii, quae ab anteces-
soribus nostris divis imperatoribus usque ad tempora nostra illibata permanserant, attingere
praesumpserunt, iuste a filio nostro glorioso rege Heinrico ut hostes reipublicae habiti sunt.
2) Hierhin gehören die bekannten Prümer und SMaximiner Weistümer über die vogtei-
lichen Hechte aus dem 11. und 12. Jh., von welchen unten häufig die Rede sein wird.
3) MR. ÜB. 1, 636, 1163, für Rupertsberg: tuitio, protoctio imperiaUs; MR. ÜB. 3,
224, 1224: tutela et protectio; MR. ÜB. 3, 1154, 1252: protectio et conductus; MR. ÜB. 3,
1278, 1255: advocatia. S. ferner j\IR. ÜB. 1, 532, 1144: Springiersbach bittet König Kon-
rad, das Kloster sub . . regum videlicet seu imperatorum ditione ac speciali protectione ac-
cipere et collatas ibidem possessiones regie maiestatis auctoritate confirmare atque auctentica
precepti nostri pagina confirmare. Geschieht; Befiihl, ut nulla ecclesiastice sccularisvc digni-
tatis persona eundem locum hosi)itationibus vel exactionibus . . inquietare vel molestare
— 1021 — Die Gruiiaiierrlidikcit.]
diesem Scluitzc^ iKM'iius wird dann das Vorl)ot unuoiveliter St(nierer]i(i)un^" mit
deutlieliem AVink iioiion di(^ V()gte entwickeln ^ ])is zu dov letzten Konsequenz,
dal's der Kiniiii: selbst die Vogtei wahrnehmen will oder wenigstens seine
Beamten, die Reichsministerialität, zum Schutze des Klosters gegen den Vogt
speziell anweist ^. Also die vollste Und^ehrung gegenüber den Verhältnissen, aus
welchen die alte Innnunität erwuchs : dort königlicher Schutz gegen das Staats-
beamtentum mit der Konsequ(mz der Ausbildung eigener grund herrlicher Ge-
richtsbeamten, hier königlicher Schutz gegen die eigenen grundherrlichen Ge-
richtsbeamten mit der Konsequenz umfassender Einmischung des Staats-
beamtentums.
Neben diesem allgemeinen Schutzrecht enthielt die jüngere Immunität
wohl auch noch hier und da einige besondere Festsetzungen, welche teilweis
weniger Avegen ihrer Ausdehnung wie ihrer Beschaffenheit nach von hohem
Interesse sind. So wurde die Zollfreiheit ausgesprochen; der König verbürgte
dem Privilegierten ferner die ungehinderte markgenössische Nutzung in allen
Orten der Grundherrschaft ^; und im Fall, dafs die begnadete Grundherrschaft
presumat. Das heifst plene libertatis immunitas, defensionis et patrocinii Privilegium. MR.
ÜB. 1, 636, 1163, für Eupertsberg : ne aliqiui imperii nostri magna vel parva persona . . in
possessionibus . . cenobii aliquam collectam exigere vel actionem facere contra volimtatem
abbatisse vel clominarimi presumet. MR. ÜB. 1, 129, 1220 für Marienberg: ne aliqua un-
quam liimiilis vel alta persona . . monasterium . . aliqiio modo turbare vel gravare presumat,
vel aliquam exactionem i)recariam vel aliam quamcunque ipsis imponere. Wieder-
bolt MR. ÜB. 3, 308, 1227 V
^) S. schon die letzten Citate in Note 3 der S. 1020, aufserdem MR. ÜB. 1, 600, 1157: Kaiser
Friedrich I. nimmt das Kloster Pedernach bei Boppard [SJacobsberg] in tuitionem. decernimus
quoque, ut Cünradus de Bochbarten suprad. loci advocatiam eiusque heredes post eum sem-
I)er obtineant sine alicuius servitii cxactione vel gravamine, verum ipsum locum et omnes
possessiones ad ipsum pertinentes ab omni inquietatione semper illibatas conservent et de-
fendaut. MR. ÜB. 1, 636, 1163, für Rupertsberg: ne quis advocatiam eiusdem loci sibi
usurpet.
2) MR. ÜB. 3, 1278, 1255, für Altenberg : quod nullum alium advocatum nisi nos et le-
gitimes successores nostros habere debent, prout eis a nostris predecessoribus fuit imperiali
auctoritate concessum. MR. ÜB. 2, 158, 1196, Nonnenkloster SPeter zu Kreuznach: ab ad-
vocatie iure absolutimi sue specialiter protectioni locum ipsum auctoritas imperialis addixit.
MR. ÜB. 8, 1278, 1254, für Altenberg: ut nullus eas in personis vel rebus molestare pre-
sumat, sed ipsas ab eorum turbatoribus tueantur. et hoc universis ministerialibus nostris in
illis terminis constitutis precipiendo mandamus, ut eis, cum requisiti fuerint, assistant auxilio
consilio et favore. S. auch MR. ÜB. 3, 224, 1224, fiir Marienberg (Reichsfiskus Boppard):
si quis . . (monachos) sine iudicio conturbaverit res ipsorum vel personas in locis quibuslibet
invadendo aut ledendo . . . precipimus, quatinus [universi nostri fideles] (eos) . . defendant.
. . removemus etiam omnem exactionem precariam. AViederholt MR. ÜB. 3, 308, 1227?
3) MR. ÜB. 1, 532, 1144, für Springiersbach : nee liceat alicuius conditionis persone
in villis vel locis, ubi possessiones habuerint, introitus vel exitus eis interdicere, non aquam
vel silvam communem vel pascua sive publicum [1. publicarum] rerum usum ullatenus pro-
hibere, non transitum non pontaticum ab ipsis vel ab ipsorum rebus exigere, sed sub regle
tuitionis beneficio quietam eis vitam cum omni libertatis prerogativa liceat agere. Wieder-
[Grimdherrlichkeit und Vogtei. — 1022 —
auf fiskiilischein Boden la|i', spraeli er aucli wohl nocli die Garantie gegen
Verpfändung, Verlelniung oder Versetzung seitens des Reiches aus^
In der That sehr l)ezeichnende Einzelheiten und sehr charakteristische
Voraussetzungen für deren Aufnahme in die Innnunität: die Reich sgewalt
wankte finanziell in allen Fugen, und auf dem Gebiete staatlicher Hoheits-
rechte stand es dem König nur noch frei, neben gewissen Verkehrsbegün-
stigungen Nutzungsfreiheiten gegenüber den armen, zerstückelten, widerstands-
unfähigen Markgenossenschaften zu gewähren, deren Berechtigung sich übrigens
kaum anders als auf Grund des völlig verblalsten Bodenregals behaupten läfst.
Das war zur Stauferzeit von der alten Vollgewalt übrig geblieben: kein wir-
kungsvolles Eingreifen mehr in Rechtspflege und Finanz Verfassung, ja wenig später
nicht einmal mehr die Möglichkeit, die Aufrechterhaltung alter Inununität
anders als durch Einwirkung auf die grundherrlichen Beamten, speziell den
Vogt, zu gewährleisten^.
War aber das alte Reichsbeamtentum verfallen, so begann ein neues
Landesbeamtentum sich zu entwickeln^. Die Bruchteile von Rechten, welche
das Reich verschwendet hatte , begannen die Landesherren, wo sie sich auch
fanden, sorgsam zu sammeln und zu dem neuen Bau der Landeshoheit zu-
sannnenzuschichten. Bei diesem Bestreben, bei der Einverleibung alter
Reichsrechte in die Geschäftspraxis ihres Beamtentums, kamen sie natürlich
in dieselbe Kollision mit den grundherrlichen Interessen, in welche früher das
Reichsbeamtentum geraten war.
So mufsten auch die Folgen die gleichen sein. Hatten die Grundherren
früher Immunität von Gerichts- und Steuerverfassung unter Eingehung eines
^luntverhältnisses beim König erwirkt, so bewarben sie sich jetzt um dieselbe
Privilegierung bei den erstarkenden Landesherren. Schon im 11. Jh. finden
holt von Heinrich VI., MR. ÜB. 2, 129, 1193. Pascere et adaquare freilich auch schon in
Maximiner Urkk. von angeblich 970 und 1065, MR. ÜB. 1, 234 und 360, s. S. 1017 Note 6.
^) MR. ÜB. 3, 224, 1224: quodsi contigerit, ex aliqua parte regnum Romanum vacillari
propter diversos casus Bopardiam vel alias possessiones regni oLligari vel infeodari, ipsum
claustrum sancte Marie ab omni venditione vel ohligatione aut infeodatione liberum et ab-
solutum volumus permanere.
2) *0r. Trier Stadtbibl. A. 13, 1276 Juni 27: Rudolfus dei gratia Romanorum rex
semper augustus nobili viro Heinrico comiti de Lucenburg dilecto fideli suo gratiam suam et
omne bonum. Fidelitati tue tenore presentium ducimus committendum, quatenus honorabiles
. . abbatem et conventum monasterii sancti Maximini Treverensis in omnibus iuribus et
libertatibus suis quoad homines et bona attinentes eidem monasterio iuxta privilegiorum
suorum teuorcm ii)sis a Romanis imperatoribus et regibus nostris antecessoribus indultorum
et a nobis confirmatorum auctoritate nostra regia tuearis protegas et defendas, non permittens
eos contra memoratorum privilegiorum indulta molestari a quoquam indebite vel turbari.
Datum Hagenowe yo. kalendas iulii indictione nuK anno domini millesimo ducentesimo sep-
tuagesimo sexto, regni vero nostri anno tertio.
^) Den Übergang bezeichnet mit Bezugnahme auf die Immunität sehr gut MR. ÜB.
1, 636, 1163, für Rupertsberg: (locus) imperiali dextera et Maguntini 'archiepiscopi auxilio
liber semper et securus existat.
— 1023 Die Grundheriiichkeit.]
sich im iiufsersteii Westen unseres G(^bietes Spuren dieser Entwicklung»" S mit
der Stanferzeit setzt sie dann aucli im Zentrum und am Rhein ein''^. Allein
die Resultat!^ waren nicht bedeutend. Schon im 13. Jh. werden derartige
landesherrliche Innnunität(Mi nur noch in sc^hr abgeschwächter Bedeutung, in
der Form des besonderen kirchlich-grundherrlichen Asylrechtes verliehen^, später
konnnen sie überhaupt nicht melir vor*. Sehr begreiflich. Das Territorium
^) llibt. de Metz 4, 104, 1055, Graf.Vi-imlf von Cliiiiy gründet ein Ivloster und schenkt
demselben Güter mit Griindhoklen : homines eorum, ubicumque fuerint in terra nostra, sint
liberi. in omnibus rebus consuetudine et iustitia, quas nobis reddebant in placitis et in Omni-
bus rebus, solvant monachis et reddant. Nicht hierher gehört dagegen, weil nur Kestitution
früherer gewifs durch königliches Privileg begründeter Zustände anordnend, MR. ÜB. 1,
244, 973, Erzbischof Theoderich stellt die Kirche zu SMaria zu einem Kloster des Bene-
diktinerordens wieder her und dotiert sie: curiam cum suis appenditiis reconsignavi eo vide-
licet modo, ut preter abbatem eiusdem loci et fratres nulla omnino aecclesiastica terrenaeque
dignitatis i)otentia quii)piam iuris unquam a cottidianis claustri ministerialibus sive etiam
aliis hominibus per villam commorantibus expetere ullatenus deberet: tali etenim lege tenuerat
ilhun primitus eadem aecclesia.
'-) MR. ÜB. 1, 490, 1136: Pfalzgraf Wilhelm schenkt an Si)ringiersbach einen Teil des
Kontelwaldes und giebt der Abtei' zugleich fundos tres ; scilicet curtes antedictorum fratrum
ab omni placito et exactione advocati sive villici sive aliquorum officialium abhinc et in
omne tempus absolvimus, ut nulli quicquam nisi abbati soll et fratribus habeant respondere.
MR. ÜB. 2, 532, 1144: der Pfalzgraf schenkte an Springiersbach fundos tres, quos . . manu-
scripto suü ab onnu placito seu servitio et exactione advocatorum vel villici aut publicorum
officialium penitus emancipavit. Cardauns, Rh. Urkk. 18, S. 361, 1158, Friedrich II. von
Köln bestätigt die Besitzungen des Nonnenkonvents Königsdorf: cellam . . cum omnibus re-
bus ad ipsam pertinentibus ac in loco nostre ditionis positis sub beati Petri . . et nostra
tuitione suscipimus ipsiusque ac nostra auctoritate . . intemptata permanere statuimus.
^) Geschlechtsregister Isenburg usw. Urk. S. 90, 1286, Ludwig von Isenburg für
^Marienborn: volumus hanc ecclesiam hac libertate gaudere, ut, quicunque infra septa eius-
dem ecclesie confugerit cuiuscunque cause reus, exceptis incendiariis noctumalibus et agro-
rum predonibus, nee a nostris villicis nee ab aliis capiatur seu per violentiam extrahatur,
sed iure suo et libertate emunitatis ecclesie gaudeat, ut in aliarum ecclesiarum emunitatibus
fieri seiet.
*) Nicht zu verwechseln mit den eben beschriebenen Vorgängen sind Befreiungen,
welche Grundherren vereinzelt aussprechen , und welche man, wenn man will, grundherrliche
Immunitäten nennen kann. Vgl. z. B. MR. ÜB. 1, 244, 973, Urkunde Erzbischof Dietrichs:
ut homines tres illos, quos dedi beatae Mariae, mansos et dimidium excolentes nulli homi-
nimi nisi abbati quippiam iuris de hisdem mansis in posterum persolvant. solidissima itaque
banni mei confirmatione totaliter inhibeo, ne alicuiusmodi servitium de prememorato aele-
mosinae meae ac omnium successione canonica post me venientium donativo scultetus vel
aliquis scabinius sive alius de curia, quicumque sit ille, ab ecclesia extorquere aliquo modo
presumat, quatinus ego et omnes successuri per aevum pontifices beneficiorum, quae ibidem
tient, in vigiliis in orationibus in ieiuniis et aelemosinis participes eternaliter maneamus.
MR. ÜB. 1, 375, 1075, Hugo von Hachenvels verkauft an SSimeon für 260 mr. argenti ein
predium in Olkebach Kr. Wittlich : sicut . . quasi novale et noviter in usum redactum liberum
absolutum ab omni alterius conditione solo proprietatis et servitutis sue iure tenuerat, ita
. . tradidit . ., ut nuUus advocatus nuUus omnino secularis officiarius aliquid ibi audeat inva-
dere aut disponere, sed omnis actio vel exactio vel quecumque disponendi vel ordinandi
dandi vel accipiendi fuerit oportunitas vel necessitas, omnino in sancte ecclesie prepositi vel
[Grundlierrlichkeit und Vogtei. — 1024 —
des 13. Jhs. war nicht, wie das Reich seit der späteren Karolingerzeit , eine
der Fülle der Funktionen und Rechtswirkungen nach absterbende Bildung, son-
dern vielmehr ein rasch und allseitig wachsendes Staatsgebilde; ihm konnte
mit einer Privilegierung der Grundherren in keiner Weise gedient sein.
So verläuft denn spätestens mit dem Schlüsse des 13. Jhs. die landes-
herrliche wie die königliche Immunität im Sande; für unsere weiteren Unter-
suchungen aber tritt nunmehr die Frage auf, in welcher Weise denn die im-
nmnitätsbegabten Grundherrschaften speziell älterer Zeit die ihnen durch
Privilegium verbürgte freie Bewegung innerhalb der schon bestehenden
Verwaltung ihres Grofsgrundbesitzes und innerhalb der von ihnen schon er-
reichten Baudings- bzw. Markdingsverwaltung zur Begründung einer positiven
neuen Verwaltungsordnung ausnutzten. Diese Frage, welche mit der Frage
nach der innerhalb einer Grundherrschaft noch erreichbaren gröl'stmögiichen
Verwaltungsausbildung zusannnenfällt, ist am besten in der Scheidung in drei
Unterfragen zu beantworten, deren Inhalt sich aus dem ursprünglichen Wesen
der Lnmunität ohne weiteres ergiebt. Die Imnumität hatte Freiheit gelassen
im Gerichts-, Heer- und Finanzwesen: es war also eine Steuer-, Heeres- und
Gerichtsverfassung zu schaffen; mit der Untersuchimg der Lösung dieser drei
Probleme innerhalb der Grundherrschaft sind unsere drei Unterfragen beant-
wortet.
Zunächst von der Behandlung des Finanzwesens. Von finanziellen
Rechten nahm der Staat durch seine Beamten innerhall) der Imnmni täten nicht
mehr ein die direkte Steuer (Tributum), gewisse Einquartierungs- und Bewir-
tungslasten, ferner Leistungen militärischer Verpflegung und kriegerischen
Transports, welche nunmehr, wie das Folgende zeigen wird, ganz aus dem
Heeresdienst in das Finanzielle übergehen. Statt dessen hatte der Grundherr
der Immunität dieselben ursprünglich selbst an den Staat zu «leisten. Allein
meist wurde dem Grundherrn diese Last schon friih erlassen \ und jeden-
falls wälzte er ihre Leistung unter eigener Forterhebung auf seine Grundholden
ab^, so dafs die ursprünglich staatlichen Lasten thatsächlich schon im 9. Jh.
innerhalb der Immunitäten zu Gunsten des Grundherrn erhoben wurden.
Da ist nun eine der ursprünglich bedeutendsten die Stellung von Pferden,
nuntioriim eius arbitrio et potestate consistat. MR. ÜB. 2, 1* 1169: das Cassiiisstift-Bonn
verkauft den Hof Spei bei Merl an der Mosel cum omnibus appenditiis suis in eadcm villa
sive alias existentibus agris vineis censu et mancipiis für 60 mr. Coloniensis monete so frei,
quod nuUus omnino advocatus aut villicus aut alius exactor quicquam potestatis in prcdiis
aut hominibus haberet.
^) Überweisung aller finanziellen Anforderungen an den Immunitätsherrn MR. ÜB. 1,
17, 763, einzufordern per manus agentium eius; MR. ÜB. 1, 162, 919: quicquid vero ius
fisci de (Prumiensibus) rebus ad regios usus ministrorumque eius exigere poterat, ad lumi-
naria eiusdem ecclesie ac recreationes indigentium . . concedimus.
2) Vergl. zu diesem Vorgang v. Inama, Grofsgrundh. S. 83, Wirtschaftsg. 1, 378 f.
_ 1025 r)ic Grundlicrrlichkeit.l
Piiraveredi , zum Krie^szug-. Nocli im UPrüm spielt sie eine grofse Rolle \
später mit dem Verfall der gemeinen Heeresverfassung erscheint sie anti(iuiert,
abgeändert, teilweis auf Geld reluiert und teilweis auch allmählich ver-
schwundene Ähnlich ergeht es mit einer zweiten Kriegsleistung, dem Hosti-
licium, das ursprünglich auf die Stellung von Trofswagen und dazu gehörigen
Ochsengespannen hinauslief. Schon im UPriim erscheint es mehrfach ent-
weder auf einen einfachen Zins oder auf Ackerfronden ^ reluiert, oder es
wird in einen Zinskomplex einbezogen, welcher in einzelnen Höfen der Grund-
herrschaft besteht und, weil vennutlich schon vor der pjnverleibung in die
Grundherrschaft begründet, als Königszins bezeichnet wird*. Sehr begreiflich,
dafs sich bei so früher Reluition die Einrichtung nur sehr sporadisch und
dann meist völlig antiquiert hielt ^. Vereinzelt wurde die Transportleistung
1) S. Bd. 2, 143 No. 4; dazu die lange Erklärung des Cesarius zum UPrüm S. 150
N. 3 ; und ferner schon zur Entartung im UPrüm selbst No. 33, Remicli : dat parafredum ter
in anno ad Virdunum ad Prumiam in Salnise; No. 104, Gemmericli: parafredum, ubicumque
precipitur illi.
2) Vgl. WAnwen 1362 § 3 : der Hof hat nach Luxemburg ein Pferd zu liefern , das
dort bleibt und arbeitet (das Wasserpferd); wird es zu schwach oder stirbt es, so ist ein
anderes zu liefern. W. Bettenfeld und Merfeld, G. 2, 605 : auch sal man u. gn. h. doin die
Moselferde, und si sullen laden zu Klusserot, aif zo Piesport, und sullen ligen zu Himmel-
rode uf dem neuen hoefe uf dem pesclie, dae sullen si weidonge haefen. WRavengiersburg
1509 Thomasw. § 13: was das für guter seint, die da pfertschar (und) weißhabern schuldig
sein imd geben? das seint lehengüter und empfenglich guter von dem gotshaus; und gibt
[1. geht] der arme man von denselben gütern zu ring und zu ding, ieglich in den hof, da er
in pflichtig ist zu geben, nachdem daß der fronhöf vier seint, Densen, Nickweiler, Fronhofen
und Dickerath. Vgl. oben S. 810 Note 1. ULuxemburg S. 368, 27, Pierrevillers : sont
les chevauchees, li os et la haute justice les signour de Marville.
^) Hierzu vgl. aus dem UPrüm, aufser Bd. 2, 143 No. 4, folgende Stellen: in hosti-
licium carr. 1 et boves 4 [von mansi serviles 30] a medio maio usque medium augustum,
No. 1; Jeder in hostilicio boves 2 secundiun ordinem suum unaquaque ebdomada, si boves
non dat, 5 d. solvit, No. 6; pro hostilicio d. 2, No. 33; hostaticum, No. 36; pro hostatico
de siclo mo. 1, No. 47 ; in hostilicium aut tres bovem mittunt aut unusquisque iugerum 1 fa-
cit, No. 113; mittunt inter omnes bovem 1 ad curtem, No. 117. Zur Entwicklung des hosti-
licium vgl. auch Waitz, Vfg. 8, 157 f. — Aus dem teilweisen Übergang des HostiHciums in
Fronden erklärt es sich, wenn bisweilen den Hochgerichtsherren als solchen Fronden gewiesen
werden, z. B. ^VWincheringen 1494.
*) Zum Census regalis s. im UPrüm folgende Stellen: de censu colligunt in mense de-
cembri suales 3 per d. 20, in mense maio hostilicia 4, unusquisque per d. 6, mense augusto
corvidicas 3, unusquisque per d. 4 , pullos 9 ova 41 [1. : 45], No. 48 Bastnach ; de terra cen-
sita debent exire d. . . ., No. 50; si datus fuerit ipse census, colligit soales 3V2, unusquisque
per d. 20, hostilicia 7, qui colligunt s. 3V2, corvadas 4, qui colligunt d. 16, pullos 13 cum
ova 150, troctas 150, No. 51; solvit pro hostilicio mense maio d. 6, pullos 3, ova 15, No. 55.
^) S. dazu aufser Bd. 3 No. 212, 1385, das teilweis hierher gehört, WKarden 1462,
G. 2, 450: weisent die hoeber, so m. gn. h. über lant zohe gen Borne, so sol s. gn. verboden
die hoeber , die sollent ihme stellen ein bonden ochsen, das er ime sein feilenz druege oder
watsackh. so m. gn. h. den bonden ochsen wieder heimbrecht, so bezalt s. gn. mit dem
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — . 1026
wohl auch zu anderen Zwecken, z. B. zur Beförderung des Grundherrn beim
Besuch seiner Höfe beibehalten, in diesem Falle ist sie dann unter gewissen
Modifikationen mit der Einquartierungslast verschmolzen ^
Nicht viel besser als dem Hostilicium und der Leistung der Paraveredi
erging es aber auch der Nachtseide oder Herberge ^ d. h. dem einst staatlichen,
nunmehr innnunitätsherrlichen Einquartierungs- und Fouragierungsrecht. Zwar
erhielt es sich wegen seiner Brauchbarkeit zu den verschiedensten Zwecken
etwas länger^, als die verwandten Lasten, aber auch hier trat im wesent-
ochsen die hoebur; gieiige s. gii. der ochs ab, so solt s. gii. die hoeber macht hau zu be-
zalen mit 7V2 s. altz gelts , den s. das mal achten vor 3 raderhl. WDaun 1489 , G. 2 , 607 :
zwene frihoeve . . schuhlig iklich hoif einen reißwagen zu stellen mime gn. h., so er zu
fehle zuiget in der herren coste eins iklichen mails sehs wochen und dri tage, so \vo sinen
gnaden das hin gepuert. S. auch W Wendelsheim 1527 § 6, jimd WNeumünster, (jl. 2, 35.
^) Das zeigt die Notiz des Cesarius zu UPrüm S. 145 Note 6, welche das alte Hosti-
licium nicht mehr völlig versteht: hostilicium vulgariter appellatur natselde. dominus abbas
quando vult visitare curias sue ecclesie, tenentur ei prefate curie currus ad ferenda neces-
saria de curia ad ciu'iam procurare, vel forte sicut mos erat antiquitus, quando iura ista sta-
tuta fuerunt, cum domini volebant procedere per terras suas, iungi fecerunt currus suos et
sedebant in eis vel familia eorum. boves, qui ad hostilicium dantur, mactari debent et com-
raedi; sed si dominus exegerit redemptionem , solvet quilibet mansus d. 5. Mit der Nacht-
seide ist das Hostilicium ursprünglich nicht identisch.
''^) Die gewöhnliche Bezeichnung an der Mosel ist Nachtseide, für Herberge s. z. B.
Baur, Arnsb. ÜB. No. 252, 1293, auch *Bald. Kesselst. S. 234, 1332, cit. unten S. 1027 Note 2.
'^) S. WBernkastel 1315, Toepfer 1, S. 121: wo der bischof fert in herfart umbe des
Stiftes not oder das stift zu besseren , da mag er nemen vihe, ain iment unrecht zu dun und
ain die i)luge zu entweten, uf sine gnade; er mag auch nemen wagen und pert, ain iment
unrecht zu dun. vortme kumpt der bischof zu Berncastel oder in die plege, bedarf er vehs,
er mag is nemen im lande, wo er is tind, und sal man is schezen und bezalen. WMünster-
maifeld 1372: in welchem dorfe der missetedige mensche gevangen wurde oder gewust oder
von ieme gerächt wurde, daz dorf ist unsers hern von Triere und sines Stiftes amptmanne
und dem walpoden des greven [von Virneburg] eine nachtselde schuldig, und die mag der
heimburge des dorfs abelosen mit Va mr. Monsterer werunge. WStrohn [1381] 1510, G. 3,
804: mir wisen auch, were sache dat der herr [von Dann] noet bette eim sacke zu heven
und dat Riebe [die Leute des Kröverreichs] herußgeboete bete, so sollent die Richsluide eine
nachtzelle ine dem Kirspel hain: dae sollent si brode und wine brenghen, und ruwefoder
sollent si ine dem Kirspel holen; dem dat meisteil geatzt wirt, der hait des schaiden des-
dae mehe, und nemant hilft dem anderen sinen schaden gelden. WRodt, G. 2, 305: wainie
daz die herschaf von Esche jagen wil, so sullent si han 3 nachtzil im jare mit eime gereden
jeger und zwen knechten und 25 hunden; so sullen, die uf der wilthuven sitzen, den knechten
gutlichen dun und die kost dun. WManderscheid 1506, G. 2, 603: were sach u. gn. h. ader
sinre gn. redde und hevelher zu Manderscheid quemen ligen, sullen die ime stellunge und
strauwe bestellen naich vermoigen, und bettonge; und were es von noeden, sullen si uf ire
bette leghen und sullen si daneben ligen. WWelmich 1507: item wan m. gn. h. [der Kur-
fürst von Trier] selbs da leg [auf der Burg Maus] ader sunst ein leger darschick, nuiesten
die von "\V. zimliches kochwasser daruf dragen, wan es von noeten were, holz muß man
selbs laeßen faren. S. ferner noch Bd. 3 Wortr. u. d. W. naitselde; WBendorf 1403 § 3;
WDaun 1466, G. 2, 906; WKennfus 1500; WScheidweiler 1506; wohl auch WLeudesdorf 1563.
— 1027 T)ie Grundherrlichkeit.]
liehen Ablösiin.u in Geld, in Hafer oder sonstigen Zinsen, bisweilen auf Zeit\
meistens dauernd vh\'\
Damit sclnnolzen denn all(> staatlii*li(Mi Lasten im Tlahmen der Inununitäts-
Grundherrseliaftgröfstenteils und sehr bald zu Zinsen der versehiedc^nsten Art zu-
sammen, d. h. sie assimilierten sich der grundherrlichen Intradenver waltung.
Natürlich teilten sie deshalb auch deren Schicksal. Ftir ihre Veranlagung
war also ursprünglich die Hufenverfassung malsgebend ; als diese verfiel, traten
für sie die auch sonst angewendeten Surrogate ein^.
Andei's dagegen verlief zunächst die P^ntwicklung der vom Staate ur-
sprünglicli wohl nur sehr unregelmäfsig erhol)enen direkten Steuer, des Tri-
butum, innerhalb der Innnunitäten. Zunächst verfiel diese Steuer nicht, son-
dern sie wau'de unter den verschiedensten Namen, deren bekannteste Schaft,
Bede, Assise, Taille sind"^, unter einer meist doppelten Erhebungszeit im
Friihjahr und Mai"^, und in den verschiedensten Erhebungsobjekten zu einer
1) CRM. 4, 249, 1454: Graf Ruprecht von Virneburg befreit die fünf Pelleuzer Orte
Bell, Ettringeii, Nickenicli, Trimbs und Wellingen gegen eine jährliche Geldabgabe von 40 gl.
auf zwei Jahre von der Lagerung und sonstigen ihm schuldigen Diensten.
'^) Vgl. Cesarius zum UPrüm S. 184 Note B: preterea tenetur quilibet villicus domino
abbati quolibet [anno] duas mr. persolvere, que mr. appellantur natselidt; *BaId. Kesselst.
S. 234, 1332 : in herberga nostra (in Limpach), quam nobis homines nostri in dicta villa facere
tenentur annis singulis, unius Ib. hl. redditus annuos. WDünchenheim 1521, G. 8, 816: das
nachzel (naichtzell, naichzeill) in Geld konvertiert. Zur Ablösung in Naturalien s. UStift
S. 403, Forstamt: in nathseilde quelibet domus 1/2 mir. avene; WSchweppenliausen 1471,
G. 2, 185 : wer Ostereier oder osterhunre gibt, der solle sie als zitlichen geben, daz die heren
ireu notz damied schaffen; und umb dis willen, daz sie diz alsus geben und dun müssen, so
Süllen sie atzunge legers und alles uberlastes entragen sin, alz verre daz gerechte ge.
3) S. oben S. 369 f., 661; auch Bd. 2, 1G6.
*) Zu den verschiedenen Bezeichnungen bietet unten Bd. 3 einen reichhaltigen Stoff,
s. Wortr. u. d. WSY. assise, bede, exactio, precaria, schaf, schetzunge, sture, tailhe u. a. m.
Das gewöhnlichste lateinische Wort an der Mosel ist exactio; so unterscheidet z. B. das
*Urbar der Kellnerei P'ell, 1512, Arch. Maximin. 5, 1043 f. neben geringen Durzinsen Cen-
sus fundales (25 mir. fructus utriusque, 8 carr. vini, 45 pulli, 193 ova, 1360 manipuli) und
Exactio (25 mir. silig., 2 fl.). Der gewöhnlichste deutsche Ausdruck in unseren Gegenden ist Schaft,
s. z. B. *Scheckman Spec. feud. F. 7: exactionem vulgariter schaff. Ich wende von nun ab
statt dessen Bede an, da dies Wort das wissenschaftlich vorwiegend rezipierte ist. Scheinbar
einen Unterschied zwischen exactio und petitio macht UStift S. 410: debent esse excepti ab
omni exactione et petitione. Es scheint hier nur ein Pleonasmus vorzuliegen. Doch vgl. oben
S. 606 Note 1. Zur Entwicklung der ländlichen Bede s. u. a. Waitz, Vfg. 8, 394 f. , Küster S. 46
und 64 f. — Eine Foi-m der Bede ist auch die Comitia, Grafschaft, hier und da auch die Pellenz,
s. Cesarius zum UPrüm S. 154 Note B, cit. oben S. 1018 Note 2 (auf S. 1019); dazu URhein-
grafen : a palatino comite petitionem, quam debent homines sui dare in iurisdictione sua. Vgl.
ferner URheingrafen: in Saurschwabenhcim geben 11 mansi de comitia 15 mir. siliginisPinguensia;
ULuxemburg 377, 12: avoine c'on dit delle conteit, si doit chascun feus avoine 1 stir.
^) *Bald. Kesselst. S. 386, 1346: echt hovestede, die geheizzen sint in dem hof und
gelegen in dem dorfe zu Rentscheit in der parren zu sente Wendeline, die alle jair uns zu
meie geldent 7 Ib. hl. und zu herbeste bede ouch 7 Ib. hl. 6 mir. korns Triesches maßes
[GrundlieiTliclikeit mul Vogtei. — 1028 —
ganz re«ielmäfsigen Einnahme ausgebildete Diese Entwicklung füllte die erste
Hälfte des Mittelalters; um die Wende des 12. und 13. Jhs. trat dann unter
namhafter Erhöhung der Bede eine gewisse Konsolidation ein, und gegen Mitte
des 13. Jhs. erfolgte im wesentlichen der Schluis der Steuerhöhe ^. Um diese
Zeit war nunmehr die Steuer wenigstens bisweilen zu einem völligen Komplex
von verschiedenen Zinsen entwickelt^ und wurde von allen Grundholden mit
Ausnahme der ^linisterialen '^ erhoben.
Wie in ihrer Entwicklung, so wich die Bede aber auch in ihrer Veran-
lagung von dem System der anderen ursprünglich staatlichen Finanzrechte
der Grundherrschaften wenigstens anfangs ab^. Der Grund lag in der an-
fänglichen Regellosigkeit ihrer Erhebung, sowie in dem Umstand, dafs sie noch
fortwährend erhöht wurde: es war nicht möglich, sie wie die anderen Lasten
zu radizieren. Vielmehr war der Vorgang anfangs der, dafs die Höhe der
Unüage für die gesamte Steuergemeinschaft bestimmt wurde, worauf dann die
Schöffen, und zwar da wo es sich wie in geistlichen Grundherrschaften um von
diesen abgeleitete Vogtsteuern handelte meist unter Teilnahme des Grundherrn,
die Einzelveranlagung durchführten^. Die Umlage wurde aber nur selten
ganz im Sinne einer Kopfsteuer ausgestaltet^, meist wurde für sie vielmehr
und 18 hünre. Lelmsbuch Werners II v. Boland S. 35: prima petitio (= Maibede). S. ferner
noch Luxemb. Freiheit 1244 § 5; WAnwen 1862 § 6, cit. S. 1028 Note 1.
^) Bisweilen werden auch andere Lasten in eine Bede konvertiert, s. WAnwen Bd. 2
§ 6 : die Hofleute haben keine Fronden bouszent der halber meilen wegs, dafür zahlen sie zu
maischaft 14 Ib. d., luid zu herbstschaft 16 Ib. d.
^) S. oben S. 604 f., 617. Die dort behandelte vogteiliche Belastung ist, wie aus spä-
teren Erörterungen erhellen wird, in vielen Fällen nichts als eine besondere Entwicklungs-
form der immunitätsherrlichen Bede. Übrigens sind auch in der 2. H. des Ma.s Bede-
erhöhungen nicht ausgeschlossen ; Befürchtungen in dieser Richtung werden nicht selten aus-
gesprochen, vgl. z. B. WRoden 1342, § 7 : den alten schaff, als is van alder recht und ge-
wainlich ist . . darüber muegen noch ensullen [die Grundherren] den luten nit me heischen
drengen noch schetzen irs gudes in keine wise von einchem rechte, were aber das man den
herren . . vurg. und den luten unrecht dede über das ald rechte, des mögen sie klagen,
darum!) so deuten die scheffen vurg., umb das is nit geschein ensulle, soe betten die voigde
alle jare 20 punt Metzer d. und 16 mir. rocken Sairbrücker massen, zu mai 8 Ib. Metz., die
ander 12 Ib. d. vorg. und das korren alle jare zu hirbest; vortme usser iglichem huse V2 gans,
3 honer und 1 vollen sester even.
3) S. oben S. 605.
*) MR. ÜB. 2, 328, 1190-1212, dazu oben S. 606 f.
•^) S. dazu oben S. 605 f.
^) S. z. B. WThron, Toepfer 1 S. 281 : di 4 scheffen, di zu Drone sitzen, di sin schul-
dich zu legen mime herrn dem vaide siebcntlialb foder wins zu bede; und abe si des nit
künden gethuen, so sollen si grifen in ihre fas und den herrn eren follen doen. WEsmingen
1348 § 6 : wan man die scheft legen sol in dem hof zu E., das die (vögte) sollent den bittel
von E. senden nach uns, das wir dar komen oder senden und helfen die scheft legen, und
were es das wir oder unser boten nit enquement zu der dritten stund, so moegent die
(vögte) nidersitzen mit den scheffen und moegent die scheft legen; und sol uns das ge-
nuglich sein.
'^) So z. B. eine direkte Umlage wenigstens auf alle Bürger in der Luxemb. Freiheit
— 1029 — l^ie Grundherrlichkeit.J
die alte Hufenverfassuiiji; bezw. eine neuere Katastereinteiluni»- in gröl'sere
Güter zu Grunde gelegt; und dann wurden, namentlich im l(*tzteren Falle,
di(^ nicht in diese Einteilung fallendc^n kU^neren Güter der Häusler mit einer
besonderen einfachen Ib^rdsteuer belastet ^ So anfangs. Wo sich aber die
Bede ihrei* Höhe nach schlofs, da trat dann auch bei dieser Steuer eine Radi-
zierung auf bestimmte Güter ein^ bis zu dem Grade, dafs gewisse Güter,
welche vornehmlich oder ausschliefslich mit einer radizierten Schaft- oder Bede-
(luote belastet waren, hiernach geradezu Schaftgüter oder — in einem der
gewöhnlichsten Fälle späterer innnunitätsherrlicher Bede — Vogteien genannt
wurden^.
Das Endergebnis der Einverleibung staatlicher Leistungen und Steuern
in die Imnuuiitäts-Grundherrschaften war demgemäfs, sehen wir von den sel-
tenen Fällen offenbleibender, nicht radizierter Bede im späteren Mittelalter
ab, ein durchaus einheitliches : Dienste wie Naturalleistungen wie Bede wurden,
wenn auch unter mannigfacher Reluition und Umgestaltung, so doch über-
wiegend in ganz identischer Weise zu Reallasten ausgestaltet, auf den Grund
und Boden radiziert. Der Erfolg war also nur eine Bereicherung der gewöhn-
lichen grundherrlichen Intraden, nicht aber die Einführung eines von der
grundherrlichen Finanz Verwaltung abweichenden Steuersystems. Diese That-
sache ist beachtenswert für die Geschichte der Territorialentwicklung, welche
sich ja auf der Basis der gröfsten Immunitätsherrschaften vollzog. Hatte das
alte Reich sich noch aus römischen Reminiszenzen und deren Auffrischung in
karolingischer Zeit die letzten, wenn auch sehr verwischten Spuren einer
direkten Besteuerung der Unterthanen erhalten und diese Spuren auf die Im-
munitäten vererbt, so fand nunmehr innerhalb der Immunitäten keine flotte
Wiederbelebung einer solchen Besteuerungsart statt; die gegebene Handhabe
zur Entwicklung einer direkten Steuerheranziehung der Unterthanen als Per-
1244 § 5: biirgenses . . assensu communi in hoc convenerimt, quod nobis [den Grafen] . .
quilibet burgensis singulis annis in perpetuum dabit 14 d. . . medietate solvenda infra octa-
vas sancte Walpurgis, et rehqua medietate infra octavam sancti Remigii.
^) Vgl. beispielsweise WSchillingen und Waldweiler 1549: ob sterben, brand, gewalt-
sachen oder siinst ungliick infielen, dass die leider nit gebleumet wurden, sol der meier als-
dan sanibt den schcifen den scliaft den leuten nach anzal uf ire guter legen und sie umb-
schlagen, und soln dieselb die hern halten zu bezalung der Schäften. WLangenlonsheim,
G. 2, 154: wir wisen u. g. h. 30 mir. bedkorn zue; und wer es sach daß einer nit bedkorn
gebe, der sol ein firnzel rauchkorn geben, uf daß u. g. h. das bedkorn erfiillt werde, sonder-
lich der alhie ein hauß raucht.
2) S. *Distr. Max. pro pensionibus 15. Jh. 4. Viertel : domus zu Bingen giebt annue zu
bedde 27 alb. WTholey 1450, G. 3, 761: so einer ein schaftgultig gut ganz fürt, was der
darvon schuldig were? . . . m. h. von Tholei allein 1 Ib. hl. schuldig . . zu schaft . . auch
ein mir. korns zu schaft, WBiwer 1581 § 3: Schaff- oder Leibeigenmänner können sich von
der Leibeigenschaft loskaufen und haben dann nur noch den Schaft von den Schaffgütern
zu entrichten.
=5) S. oben S. 375.
[Grimdherrlichkeit und Vogtei. — 1030 —
sonen wurde vielmehr verscherzt, und die zur Territoriali>ewalt aufstrebende
ürofse Immunitätsherrschaft trat darum ihren Entwicklungsgang* auf finanziellem
Gebiete ohne eine Steuerverwaltung an, deren Bestand innerhalb der Grund-
lierrschaft des Landesherrn für die Ausbildung einer Landessteuerverfassung
liätte vorbildlich werden können.
Wie die Freiheit zur Entwicklung einer eigenen Steuerverfassung, so
wurde auch die Freiheit zur Entwicklung einer besonderen Heeresverfassung
innerhalb der Immunitäten nur wenig gründlich und umfassend ausgenutzt.
Bestand in ersterer Hinsicht im naturalwirtschaftlichen Charakter der Frühzeit
und in der Fortdauer naturalwirtschaftlichen Gepräges für das platte Land bis
zum Schlufs des Mittelalters ein vielleicht unüberwindliches Hindernis, so trat
der Ausbildung einer eigenen Heeresverfassung die allgemeine Entwicklung
des Kriegswesens im Sinne des Rittertums endgültig entgegen.
Man wird sich deshalb nicht wundern, wenn innerhalb der Immunitäten
nicht einmal die Grundlagen jener Kriegsverfassung völlig aufrecht erhalten
wurden, welche den Grundherren durch den Wegfall der staatlichen Heeresver-
waltung ohne weiteres zugewiesen ward.
Zunächst ging die finanzielle Seite der Heeresverwaltung verloren. Für
die Leistung der Paraveredi und des Hostiliciums wie der Nachtseide , soweit
diese militärischen Charakter annehmen konnte, ist der Weg des Verfalls schon
oben dargelegt worden. Ganz in der gleichen Weise ging aber auch das Ge-
werf zu Grunde ^ Etwas besser scheint sich die Verpflichtung der Hinter-
sassen zum Burgbau und Burgwachdienst ausgebildet bezw. erhalten zu haben ^,
obgleich die Begründung gerade dieser Last eine besonders schwache ist, so-
bald man sie auf ein angeblich ausschliefsliches Recht der Immunitätsherren
zum Burgenbau innerhalb ihres Immunitätsbezirkes zurückzuführen sucht ^.
1) S. MR. ÜB. 2, 192, 1201.
-) WMayen, G. 2, 483: wanhe die burger not halben usziehen moesten, sein die licrn
in dem closter zu Meien und der Mergenstader hoibman, Trierischer hoibman daselbst, auch
Trierischs hoibman zu Alzens, bede sanct Thomas hoef zu Kierich und Berenzheim, jeder
uf erforderen zwei pfert und einen halben wagen zu geben schuklig. wanhe die ander
l)urger zu entsetzung der ersten auch ausziehen moesten, damit dan das schloß und stat bis
auf dero ankunft verwharet wert, sol ein keiner einem jeden hofsscheflfen ansagen lassen, daß
er mit seinen hofsleuthen sovil der vonnothen sein wirt [erscheine], die hoifsscheffen sollen
auch erscheinen und uf der borg warten, und der keiner sol inen die cost geben, die hofs-
leuth sollen uf den thuren und mauren huiten, sich selbst becostigen; da inen von den bur-
gersweibern etwas mitgetheilet würt, betten sie sich dessen zu bedanken. Linsterer Herren-
erklärimg 1552 § 1: die Unterthanen sind schuldig, Hut und Wacht zu thun, wanehr wir
hen-n zu unserem haus und schloß bedürftig sein huet und wacht. Freilich, ist das Grund-
recht oder Immunitätsrecht?
^) Für dieses Hecht vgl. MR. ÜB. 1, 9, 729 : funditus interdicimus, ut nullus dux nullus
comes nulla prorsus persona ecclesiastica sive mundana in possessione vel allodio sancti
Maximini montem sive rupem capere vel munitionem aliquam in eis facere presumat, nisi forte
al)bas eiusdem monasterii propter metum paganorum vel propter incursionem malignornm
hominum. Diese Urkunde ist natürlich Fälschung, — vgl. dazu MR. IIB. 1, 434, 1116,
— 1031 I^ie Gnindherrlichkeit.]
Wie die militärischen Leistiiniien, so verfiel aber auch der Heeresdienst
(l(>r Hintersassen ^ Zwar zo<>en sie noch immer in Waffen zmn Hocht>ericht,
so dais dvY alte Znsammcmhang zwisclum Gerichts- und Heeresdienst an vielen
Örtrn formell bis in di(^ spätere Zeit «gewahrt blieb-, aber zum eigentlichen
Krieiisdienst wurden sie weder eingeübt noch aufgeboten. Sie bildeten viel-
mehr eine militärisch schutzlose Masse, welche dem Immunitätsgrundherrn je
si)äter je dringlicher Schutzrecht und Schutzi)flicht der Immunitätseingesessenen
zuwies ^.
So bleibt noch der Ausbau einer besonderen Gerichtsverfassung inner-
halb der Innuunitätsbezirke und auf Grund von Immunitätsrechten zu unter-
suchen. Und hier endlich ergielit sich, wenn auch unter vielfachem Wirrwarr
und in manchmal heilloser Verquickung mit den schon vorhandenen Formen
der freien markgenössischen und staatlichen Gerichtsverfassung doch ein Bild
schliefslicher Abrundung und wirklichen Fortschrittes.
Will man aber zum richtigen Verständnis der hier vorliegenden Entwick-
viclloicht auch MR. ÜB. 1, 360, 1065, für SMaximin: eis . . opera regaha vol comitialia
funditus perdonamiis. S. auch noch Lac. ÜB. 1, 94, 153, 1119.
^) Die Lösung der Heerbannfrage in den Immunitäten der ältesten Zeit ist freilich
sehr dunkel, vgl. Fustel in Revue hist. 23, 22 f.
2) S. z. ß. WNeunkirclien 1486: wer eigen und erbe in dem gericht und bezirk des
Iioegerichts habe oder darinen seßhaftig ist, sal zu dem jargeding mit sim gewer erschinen.
Vgl. auch WDaun 1466, G. 2, 606: haint die lantscheffenne und lantlude gewist, wanne
u. g. h. das hoegerichte doe besitzen uf dem kampuchel, so si ein iglicher einichsman ge-
sessen in dem hoegerichte, nemlich us iglichem huse das heubt, schuldig zu kommen, soverre
sie verbot werden ; und ein iglicher binnen solchem gezirke si schuldig zu folgen dem
clockenclange und lantgeschreie und geweltliche Sachen helfen zu beschudden.
^) Vgl. z. B. WRoden 1484 § 17: were sach daß imant gefangen wurde in fede ader
vientschaft, sal der abt hin forderen ader naeriten, als ferne gheint site Rins, als von hauen
dar den ersten tag in sinen kosten, und darnae in des armemans kosten, und in wieder hem
brengen. Vgl. WMettlach 1499 § 42, Lager S. 250; WVahl 1479 § 32, Lager S. 271—2;
WGedscheid 1491 § 18, Lager S. 286; W. Lampaden, G. 2, 113. S. auch WPeterswald
1512, G. 2, 418: ob sach were das ein lehnher feienschaft bette antreffen, sol ein jeglich
eigen lehnman brengen ein half sum. habern und ein hau, und sol ihm das liebern ein ban-
meil wegs, dan sol der lehnherr den man also guetiglich thun, das er sich von ime belobe,
und der gerichtsherr den kriegh volfuhren sonder weiter bescliwernus des lehnmans. Doch
kann bei diesen Nachrichten die Schutzpflicht auch auf einfacher Grundherrlichkeit beruhen, wie
denn überhaupt eine ganze Anzahl von Rechten innerhalb der ausgebildeten Grundherrschaft
sich sowohl auf ursprüngliche Grundherrlichkeit, wie Markherrlichkeit, wie Immunitätsherr-
lichkeit begründen lassen. So steht z. B. der Begründung des Gerichtsschutzes auf Hoch-
gericbtsbarkeit, wie ihn oben die Citate der Note 2 bieten, die folgende Begründung auf der
Basis alten Markrechtes gegenüber. WObermendig 1382, G. 2, 495: dat der gesworen und
gekoren heimburgher, so wan der herre noit het von aller gewalt wegben, die in dem gericht
gescheghe, dat hie eine klocke luden sal zo gesinnen des herren oder siner knechte ; und sal
navolghen die gewalt helfen sturen al so wide und lank , as dat gericht is , as dat von
alders herkomen ist; und sal dem herren sin recht und herlicheit helfen behalden und
weren mit der ganzen gemeinde ; und wen hie des nit endede, so is hie und wer dar nit en-
were boesvellich, as dat von alders hercomen ist.
[Gnmdlierrliclikeit und Vogtei. — 1032 —
liiiig kommen, so wird es gut sein, zuerst nicht deren Anfänge zu betrachten,
sondern viehnehr von den abgeklärten Zügen der späteren Ausbihlung auszu-
gehen, wie sich solche aus den Nachrichten namentlich der Weistümer des
späteren Mittelalters sehr wohl ersehen lassend
Die Formen grundherrschaftlicher Gerichte, welche wir hier, freilich unter
den allerverschiedensten Namen, vorfinden, sind, abgesehen von manchen lo-
kalen Sonderbildungen ^ die folgenden. Erstens das Bauding, das alte
Fronliofsgericht von rein internem Hofcharakter, also ohne irgendwelche Auf-
nahme markherrlicher oder immunitätsherrlicher Einflüsse. Von ihm ist
schon oben S. 994 f. gesprochen worden^. Zweitens das zunächst aus Kom-
1) Vgl. zum folgenden u. a. Bodmann 2, 679, 724 ff.; Landau, Salgut S. 109—111;
auch Waitz, Vfg. 8, 73 f. In der Gerichtsgewalt des Meiers sieht Waitz, Vfg. 8, 75, im
allgemeinen die des alten Centenars.
2) Sie alle in Betracht zu ziehen, ist nutzlos, zudem bei der grofsen Zahl von Nuancen
beinahe unmöglich. Um einzelnes zu erwähnen, so war die Grundherrschaft des Klosters
Ravengiersburg an Dingarten besonders reich; Back unterscheidet völlig mit Recht Hund-
gedinge S. 67 f., peinliche Dinge S. 74 f., Zuchtgeding zu Bibern S. 78 f. (d. h. Rüge-
gericht für alle Hofgenossen des Klosters), Civilgerichte S. 82 f. (die eigentlichen Heim-
burgen- und Zendergedinge), Hübergedinge S. 89—110. Von ihnen sind die peinlichen Dinge,
Civilgerichte und Hübergedinge die regulären Formen und entsprechen den Hochgerichten,
Grundgerichten und Baudingen unserer Terminologie. Ein besonderes Ding der Leib-
eigenen findet sich *UMünstermaifeld , Hs. Koblenz CXIa Bl. 15 1>, feria secunda post
lohannis, qui dicitur luitdink. Eine besonders wichtige Ausbildung, auf welche im folgenden
nicht weiter Rücksicht genommen werden kann, besteht im Luxemburgischen, wo zwischen
Grundgerichten und Hochgerichten noch Mittelgerichte eingeschoben erscheinen. Zur Kom-
petenz derselben vgl. das WBerg bei Ettelbrück 1730 § 1 über das dortige Grund- und
Mittelgericht, § 3: meier und scheffen zu Berg haben zu richten über grund- civilsche und
kleine criminalische Sachen, so nicht eine büß von 6 goldgl. excediren. Der Gerichtsherr
hat auch (§ 8) Gebot und Verbot für Spielen, Tanzen, Schiefsen u. a. m., dazu Fundrecht,
Fischerei, Jagd. Doch vgl. auch aufserhalb Luxemburgs Trierer Hochgerw. § 2: alle hohe
niedere und mittlere iurisdiction, zu latein merum et mixtum Imperium,
3) Zur Kompetenz vgl. noch WKenn 14. Jh. 2. H., § 10, G. 6, 546; WKröv, G. 2,
374, Abs. 2 f.; *Bald. Kesselst. S. 221, 1330: curtem meam in Lemene dictam ein dinclichof
cum herbariis vineis agris campis et aliis suis pertinentiis. *WBreisig 1363, Kindl. 123, 25, Münster
St. A. : die Äbtissin von Essen hat 14 huevere und einen bowmeister, die rügen sollen al dit,
dat ruchbar is in ihrem hove, uf ihren eit uf der stat da dat recht is und zu der zit dat
zidigh is, as sie gemant werden. Dies Gericht steht neben Richter ratslude und gemeinde von Breisig.
WRhens, Einl., G. 6, 486: si culpabile aiiquid est [im Anbau], pro delicti qualitate iuxta
dictamen colonorum punitur. WOberdonwen 1542 § 33 : es soll folgendes verhandelt werden :
erbe und guter entj)fangen und zu bestan erben und vor gericht zu enterben und us und in
zu setzen, alles nach hoibsubung und alt herkomen, über bekentlich scholt zu pfenden, die
pfende nach hoebsubung zu verhandeln, wie von alters ubig und gewoinlich. WLosheim
1599 § 22: das alles dasjenich, das uf (des Grundherrn) grundzins- und medombgütern durch
das ganz jar richtlich gehandelt muß werden, es sei umb schold, erbschaft, gereide und
ungereide gueter, Scheltwort, kumber, boßen oder anders, wie das were, sol alles vur und
durch des obg. (Gnuidherrn) scheffen und gericht zu L. und keinen andern vertedingt noch
vereußert werden, als recht ist. W. des Hofes Schuberack 1602 § 3, G. 6, 538, Geschäfts-
— 1033 — Die Grundherrlichkeit.]
hination von Bauding und Markdinp: hervorgegangene Grundgericht, das
sich aber selten auf die nur durchaus aus dieser Kombination gewonnene
Kompetenz — grundherrliche für die Gehöfer, markherrliche für die gesamten
jMarkinsassen , also Gehöfer und Nichtgehöfer — beschränkt ^ , vielmehr der
Regel nach durch Ausdehnung der grundherrlichen und häufig auch noch
durch Aufnahme einiger inununitätsherrlichen Kompetenzen zum völligen Be-
zirksuntergericht erweitert erscheint 2. Drittens das Hochgericht, dessen
Entstehung auf grundherrlichem Boden im allgemeinen nur auf Grund früh-
mittelalterlicher Immunitätsübertrag-ung oder auf Grund späteren Erwerbes^
zu erklären ist.
Ist nun der Charakter des Baudings sowie seine Abgrenzung gegenüber
den sonstigen Gerichten durch frühere Ausführungen schon ausreichend um-
schrieben, so fragt es sich, wie sich denn die Kompetenzen des Hochgerichts
und Grundgerichts innerhalb der Grundherrschaft zu einander stellen. Suchen
wir da vor allem die Kompetenzen des Hochgerichts klarzulegen, so ergiel)t
sich zunächst in strafrechtlicher Hinsicht kein Unterschied zwischen freiem und
gTundherrlichem Hochgericht, hier wie dort gehört Mord, Diebstahl, Verrat,
Nachtbrand, Notzucht u. a. m. vor das Hochgericht, trifft ferner die Hochgerichts-
bufse an Hals und Haupt oder an den alten Königsbann von 60 s. *. Dagegen
ki-eis des Hofgerichts : aiif die unentfangene guter antwort der scheffen , ein ieglicher sol sie
nennen imd vorbringen, also auch auf die vor eigen verbrauchte guter, item antwort der
hoefer, ob iemand den hof überzehnet oder überecht, da sol der schulteiß selbst «in ein-
sehens haben und strafen, und wer es von den hoefer[n] weiß, der sol es vorbringen bei
dem aid.
1) In diese Richtung deuten noch WSponheim 1488 § 1 : zum ding sollen kommen alle,
die of dem dale bi der borg mit dinkgelde dem apt zinsbar sin. auch sal die gemeine von
dorf Sp. genwertig sin, solche herlicheit und friheit dem abt hören zu wisen. WRittersdorf
1565 § 17: alles dasjenig, was rogbar und straf lieh were, fürzupringen , von überfahren,
ubermehen und seihen, an ausgeworfen verstoßen steinen und marken und an einichem ding,
so zu dem tage furzubringen were. WBech bei Echternach § 14: were sach daß einer den
andern übermehet oder überschneide, marken störet, plankenzeun übersetzt und übergrübe,
wiesen ufriß mit plugen, so weisen (die Schöffen) dem hern die bouß, den scheffen den wein.
2) Zur Kompetenz vgl. MR. ÜB. 3, 34, 1215, bannum: iurisdictionem secularem
piscationem et venationem. S. ferner Hennes, ÜB. 2, 342, 1299: EHsabeth von Bernau ver-
kauft ihre bona sita in Unkilbach, renuntians effestucando . . in presentia iuratorum curtis,
qui vulgariter dicuntur higen [es sind 3] . . et alioram proborum virorum ad hoc vocatorum,
s. dazu WSchweich 1595, G. 2, 308 Note: wan ein gift über erb und liegende gueter
geschieht, so sollen dieselbige auf freier Strassen under dem himmel vor dem gruntrichter
und scheffen gesehen, wan es also zugehet, erkents der scheffen von werde. S. ferner
WAspelt 1585 § 3, Hardt S. 34; WMamer 1542 § 5; WAhn 1626 § 3; WAltwies 1693 § 7.
Vgl. auch die Deklaration des Erzbischofs Jakob von Trier über die Grundgerichtsbarkeit
vom 30. Mai 1577.
3) S. z. B. Arch. Clervaux No. 221, 1340.
*) S. im Vergleich zu S. 182 oben und Waitz, Vfg. 8, 62 f., die Monesche Zs. 2, 455, 1296 ;
AVHerbizheim 1458, G. 2, 22: der Meier hat zu richten alle ding und zu entrichten alle
fünferhande dinge, zu wißen diepstail, noitzucht, nachtbrant, mort und meisselwonden , die
Lamprecht, Dentsches Wirtschaftsleben. I. 66
[Griindherrlichkeit und Vogtei. — 1034 —
fällt beim gTundhenlichen Hochgericht die Klage um Eigen und Erbe natür-
lich weg, weil echtes Eigen nicht vorhanden ist^ Das grundherrliche Hoch-
gericht ist mithin ausschliefsliches Strafgericht — so dafs sich für das Grund-
gericht der Charakter als ausschliefsliches Civilgericht abgesehen von etwa
eingreifenden Baudingskompetenzen von selbst versteht.
Mit dieser der Regel nach ziemlich klaren Begrenzung der Kompetenzen
ist freilich über das gegenseitige Verfassungsverhältnis der drei Arten grund-
herrlicher Dinge noch nichts ausgesagt. Gerade dieser Punkt ist aber wichtig
zum Verständnis der Ausbildung voller immunitätsherrlicher Gerichtsverfassungen.
Die Doppelfrage, welche hier auftritt, geht auf das Verhältnis des Hoch-
gerichts zum Bauding wie zum Grundgericht, und sie zerfällt für jede Seite
der Alternative wieder in zwei Unterfragen, je nachdem zu einem bestimmten
Hochgericht Baudinge oder Grundgerichte desselben oder verschiedener Grund-
herren in Verhältnis stehen.
Sprechen wir zuerst vom Verhältnis der Baudinge zum Hochgericht
innerhalb derselben Grundherrschaft. Hier besteht ein sehr enger Zusammen-
hang, dessen Geschichte uns schon früher, nur von anderer Seite aus, eingehend
gehören vor den caisvogt; dazu G. 2, 23: was ein ubeltedig man si? R. es si ein man, der
der funfterhande dinge eines duhe. S. ferner WWincheringen 1494 § 7; WNennig, G. 2,
253, cit. Bd. 2, 483 Note 2; auch oben S. 172. Im allgemeinen s. auch noch *WRuwer
Tharforst Mertesdorf 1411, Arch. Maximin. 9, 347, § 1: daß niemand richten sol binnent
meines lierrn und seines gotteshaus höchdereien [?] von halz und von hant wan ihre ampt-
leuthe und gerichte; WEchternach, Hardt S. 189, § 7: uf dem mark stehet ein creutz, daran
ein galgen imd rat, und die hand gottes under sich, zue bedeuten, das der grontherr das
hochgericht hat; nebent dem dingstol stehet der stock und halzeisen, ist och unserm hem
apt. — Zur Höhe der Bufsen s. WSchwarzenberg 1560, G. 3, 754: das Untergericht hat nit
hoher zu gepieten noch zu verpieten, dan 5 s. sich erstrecken tunt; ebenso WTholey 1450,
G. 3, 760. Ferner *W Weifskirchen 1493, Arch. Maximin. 1, 95 : ut autem notum fiat, quanti
pretii sit parva quantive sit magna emenda, responderunt praefati iustitiarii, quod parva
emenda est quinque s., magna vero sexaginta, qui sexaginta s. sunt valoris trium fr. monetae
in Marsello cursibilis. Ähnlich ist der Gegensatz wohl auch WMeckel 1669, G. 3, 798, ge-
meint: erkennen auch die scheffen ein hoifsbuiß von 10 stuber, ein frewelbuiß 6 gl. Von
besonderem Interesse ist WIttel 1561, G. 2, 291: die bueßen hörn auch alsampt den herren
von Paltzel zu ; was aber ein sumenis, frevel, hoif bueß oder hochbueß si und ire straif, haben
sie in sulcher diffinition usgesprochen : erstlich ist ein sumenis, der sein zins verseumpt in
der zeit auszurichten, welchs wirt gebuest den hern 5 s., den scheffen ein sester wins. ein
hoif bueß ist, wan einer den andern het überschnitten oder gemehet, graben, pflucht, durch
ein groiß hinlessigkeit oder scholt, welchs bueß ist den herrn 10 alb., den scheffen ein sester
wins. ein frevel ist, wanne einer dem andern in sein lant fiu-e mit ufsatz, sonder wissen
und willen des andern, derglichen schnit oder mehet; dieses bueß staet in der herren hant
und willen, und den scheffen geburth davon ein eimer wins. ein hochbueß stelen. doith-
schlagen u. s. w. unserm gn. h. von Trier. Hier ist die Säumnis die Baudingsbufse , Frevel
und Hofbufse sind Markdingsbufsen. Die Weisung ergiebt also, dafs die Grundgerichts-
bufse von 5 s. höchst wahrscheinlich aus dem Bauding in das Grundgericht herüberge-
nommen ist.
1) Eine Ausnahme macht WSandweiler 1604 § 8.
— 1035 — Die GmndheiTlichkeit.]
beschältigt liatM Schöffen der Baudiiige bilden zusammen den Schöffen-
stuhl des Hochgerichtes^. Was Wunder, dafs bei dieser Sachlage das
Hochgericht zuweilen selbst noch den Namen Bauding führt ^. Zugleich
ist es unter diesen Umständen das Bestreben der Grundherren, für alle
Höfe ihrer Grundherrschaft, oder doch wenigstens für zusammenhängende
Komplexe derselben, allmählich 6in Hochgericht herzurichten; voll erreicht ist
dieses Ziel z. B. in der Prümer Herrschaft in dem Hochgericht des Waldes
Bassel *.
Wie aber stellte sich der Hochgerichtsherr zu Baudingverfassungen inner-
halb seines Hochgerichtsbereiches, in denen er nicht Grundherr war? Natür-
lich waren diese Baudinge nebst ihren Angehörigen vor dem Hochding gerichts-
pflichtig^. Im übrigen aber, für die Kompetenzabgrenzunii" zwischen Bauding
1) S. oben S. 214 f.
2) S. hier noch UStift 13. Jhs. S. 456, Mimstermaifeld : ad curtim . . Monasterii spectant
13 curtes, ipsa est 14. ille 13 ciirtes faciunt unum placitum in Monasteriensi curti simul in anno
(Johanni). Dieses Gericht steht unter einem Trierer advocatus; es ist auch ein cippus sive
stoch vorhanden für fiu'es et latrones.
^) So eben in Münstermaifeld, s. UStift S. 456; ferner in Mayen, Mayener Baugeding
18. Jh. § 4, G. 6, 635: wen man erkent vor einen hochhern des baugedinghs und wer das
baugedingh besitzen, wem darbei zu sein geburt und wes gestalt ein iedes sein solt? ant-
worte weisen unseni gn. h. zu Trier vor einen hoch- und oberhern ermelten baugedings.
dasselbigh sol von irer churf. gn. besitzen ein keiner zu Meien. darbei sollen sein 14 scheffen,
und ein ieder burger, der das hörn hoert blaesen und die klock leuten, auser gemeinen ritter
und rittersgenossen.
*) WRommersheim 1298, G. 2, 516: het der scheffen vur vol gewist, dat ghein
hoegericht insal sin binnen der abthien von Prume ind der voidien von Schonecken von
halse und von hoifde, dan Massil [1.: Wassil]. WWallersheim, G. 2, 535: Bassel [der Wald
bei Rommersheim], da das hoechgericht der 14 hoif stehet.
^) Zu den hier eintretenden Verhältnissen vgl. MR. ÜB. 3, 382, 1229, Teilung zwischen
den Gebrüdern Hermann und Philipp Grafen von Virneburg: preterea quicunque a comitatu
et a ciute in Natisheim feoda tenent, a comite teneant, et quotquot a curte in Meine feoda
possident, a dicto Philippo obtineant. reliqui quotquot de aliis bonis eorum infeodati fuerint,
quicunque a sepedicto Philippo feoda sua suscipere voluerit, comes consentiet sine aliqua
contradictione. insuper homines prefati Philippi ad publicum iudicium comitis ibunt, et qui-
cunque rei inventi fuerint, quotquot ad ipsuni pertinere dinoscuntur, ab omni iure comitis
liberi dimittentur. Lac. ÜB. 2, 683, 1275, Schiedsspruch zwischen den Herren und der
Kirche von Kerpen: nos arbitri . . receptis iuramentis et votis examinatis maiorum et
seniorum parrochianorum eiusdem ville et veritate ab eisdem perscrutata diligenter easdem
discordias . . sedavimus in hunc modum pronuntiantes, quod homines cerocensuales ecclesie
et homines de tribus villis scilicet Mutrode Duzrode Haue et homines de molendino Bent-
mulin tribus temporibus anni in alto iudicio domini de Castro comparebunt, et si que accu-
sanda illis temporibus in suis locis emerserint, accusabunt post tertiam collocutionem, que
vulgariter ahtin appellatur, inde sine gravamine recessuri, nisi propter aliquam manifestam
uecessitatem iubeantur remanere; nee ad formam iuramenti dandam alicui cogantur. preterea
in predictis villis vel locis nullus faciet arestationem nisi per communem nuntium capituli,
exceptis casibus pertinentibus ad altum iudicium domini de Castro, si vero aliquis extraneus
ibi arestandus fuerit, ])er nuntium domini de Castro fiet. item pronuntiamus , quod homines
66*
[Grimdherrlichkeit und Vogtei. — 1036 —
und Hochgeiicht, ist die Lösung ohne weiteres im Charakter der grundherr-
lichen Gewalt gegeben; der Hochgerichtsherr mufste die Rechte fremder Grund-
herren achten, hatte also auf fremde Bau dinge innerhalb der Kompetenzen der-
selben keinerlei gerichtlichen Einflufs^ Indes macht sich doch später eine
Tendenz in dieser Richtung^, und zwar mit Erfolg bei Rechtsverweigerung
seitens des fremden Baudingherrn ^ geltend.
Ähnlich wie das Verhältnis des Hochgerichtes zu den Baudingen ent-
wickelte sich auch seine Stellung zu den Grundgerichten : waren doch die letz-
teren in vielen Beziehungen eben nur weiter entwickelte Baudinge. So findet
sich denn namentlich auch hier die Thatsache der Besetzung aller Hoch-
dingsschöffenstühle durch grundgerichtliche Schöffen*. Aber das Verhältnis
dictariim villarum nullus in causam trahere poterit pro aliqua re temporal!, nisi coram
celerario conventus. si vero actoribus ibi iustitia defuerit, habito testimonio post triduum in
alto iudicio poterunt conveniri. item pronuntiamus, quod prepositus et capitulum recognoscunt,
quod non possimt facere exactiones in aliquos de hominibus iam predictis neque aliquis
alius exactiones faciet in eosdem, nisi manifesta et communis necessitas parrochie hoc
requirat. item dicimus, quod j)rebendam canonicorum nullus arestabit per iudicium domini
de Castro. S. auch noch Kremer, Ardenn. Geschl. CD. S. 462, 1346; und oben S. 186, 228.
1) S. Pellenzw. 14. Jh. § 4, G. 8, 622, cit. Bd. 2, 655 Note 5; WDaun 1466, G. 2,
607, cit. oben S. 194 im Text; ferner kann hierher gezogen werden SMatheisw. Trittenheim,
G. 2, 324: weisen wir unserm hern uf seinen zinsbaren gutern gepot und verpot und alle
boeßen, klein und groß, gelich wie die andere hern zu thun haben uf irem bezirk;
ausgenommen was anbetrifft den leib, so aber etwas misbrauchs daselbst sich begeben,
welchs halz und bauch antreffen wurd und damit der leib vermacht were, das haben die-
gemeind zu thun, als von hochgerichts wegen. S. ferner WKröv, G. 2, 374 Abs. 2; Wiltzer
Erblehenbrief von 1831 § 3.
2) CRM. 3, 134, 1325, Erzbischof Heinrich von Köln an Schultheiss und Schöffen von
Bacharach auf Klage des Mariengredenstiftes in Köln: vos per vestrum iudicium et sententias
infringere nitamini libertates et iura curtis ipsorum et ecclesie sue site apud Heimbach, quas
hactenus habuerunt, sicut iurati dicte curtis, qui hoivenhere vulgariter dicuntur, et alii
homines fidedigni asserimt et probare possunt sub suis prestitis iuramentis, occasionem et
causam sumentes ex eo, quod super huiusmodi libertatibus et iuribus coram vobis non
exhibent litteras sive cartas.
^) WMerchingen 1494 § 6: Junker P. v. Dailheim hette ein meiger daeselbst, ouch uf
sime hohe und eigentume eigen gericht und herlichkeit; hette sich gemacht, das ein arme-
man hinder ihn gesessen in noiten gewesten were und an denselbigen meiger gerichts ge-
sonnen hette, ime uf sine gute bürgen neit hette mögen gedigen, und darumb sulchen arme-
man noit gewesen wer, sich an ein hoegericht zu beroifen. demselbigen armemanne were
auch im hogericht recht gescheit nae hoibs gewaenheit, und darumb der besternt meiger
sulch gedane hette, were unrecht, und brechten das vur.
*) S. z. B. oben S. 213. Zu den damit geschaffenen Verhältnissen vgl. das Verzeichnis
der Maximinschen Dorfschaften, zu welchem Hochgericht selbige gehörigh, cit. oben S. 208
Note 4; und dazu *WDetzem 16. Jh. Trier Stadtbibl. 1642 Bl. 75 a: die scheffen des hoves
zu Detzem wisent mime herren von sant Maximin sinen frien hof zu Detzem, da horent
14 scheffen und 14 gesworenen. an denselben hof horent vier meigerien, nemelich zu Detzem
Budelich Schoenberg unnd Polich, welche vier meigerien horent alle jairs zu drien jair-
gedingen; und iglich jairgedinge halt zwo wisungen daselbes. zum iglichem jairgedinge
wisent si mime herren von sant Maxmine man und ban, wasser und weide und al gericht,
— 1037 — Die Grimdherrlichkeit.]
zum fremden Griuidgericht gestaltete sich doch anders, als zum fremden Bauding.
Das Bauding war eine Einrichtung rein grundherrlichen, das Grundgericht
wie auch das Hochgericht eine solche öffentlich-grundherrlichen Charakters.
So konnte es nicht ausbleiben, dafs sich zwischen Straf- und Civilgericht
gleicher Eigenart Beziehungen ergaben, welche, anfangs im einzelnen geregelt \
später in der Subordination fremder Grundgerichte wenigstens unter die einst
immunitäts-, nunmehr landesherrlichen Hochgerichte zmii Ausdruck gelangten^.
Grund für diese allmähliche Unterordnung war indes nicht blofs die
Thatsache, dafs die Angehörigen des fremden Grundgerichtes vor dem Hoch-
gericht in Strafsachen Recht empfingen, sondern auch der Umstand, dafs sich
wenigstens hier und da zwischen Grund- und Hochgericht ein Instanzenzug
entwickelte ^.
Im allgemeinen freilich war der Instanzenzug innerhalb der Grundherr-
schaften ganz anders und ohne Rücksicht auf das Verhältnis von Hochgericht
und Grundgericht bezw. Bauding geregelt. Es gab ja allerdings, und nament-
lich in späterer Zeit, für gewisse Gerichte feststehende Oberhöfe *, mochte nun
die Oberhofsqualität durch Rechtsübertragung begründet sein^ oder auf beson-
deren Verwaltungsmafsnahmen des Grundherrn beruhen^. Allein dieser
und sin hoegericht daeselbst fri der voide, das si nust darinne zu schaffen enhaint. item
Wisent si sin fri budinge fri der voigde mit iren wisungen. item binnent den vier meierien
wisent si mim herren von sant Maximin fönt und pront flock und zock, fri der vogde,
und niemans anders, item wisent si wasser und weide berge und dal. item wisent si, were
es saclie das ein misdedich mensche in sime hoegericht were ader begriffen wurde, den man
von leben zu dode brengen sulde, darzu sal ein ampman mins herren von sant Maximin
den stocker darzu begaden, des sullen die voide nit zu schaffen hain [BI. 75^]. item wan
man von eim misdedigen menssen richten sal, so sal ein ampman mins herren von sant
Maximin gebieten alremenlich, in den hoif zu Detzem gehorich sint, mit sinen gewere dar-
zu zu kommen und daeine verliben bi das, von dem gericht würde, item die voigde suUent
halden mit irer macht vorane dem frien hove, und sullent minen und sinen schirmen an das
gericht und wederumb in den frien hoife. Das kleinste noch mögliche Hochgericht setzte
in diesem Falle natürlich einen Schöffenstuhl von mindestens zwei Grundgerichten, also
14 Schöffen, voraus, s. z. B. *Bald. Kesselst. S. 469, 1353: hof zu Nidernwalmelache uf dem
Ginriche gelegen mit schüren, garten, wierhuse, mit vierzehen scheffen, wiesen, ackerlande,
bestehenbeten, wiern, zinsen, renthen, gueden, gerichten hoe und dief, guden und waz wir
han und gewinnen in dem gerichte zu Nidernwalmelache und allen sinen andern zugehoren.
Möglich, dafs es mit diesem Erfordernis von mindestens 14 Schöffen zur Hochgerichtsqualität
eines Hofes zusammenhängt, wenn ein Hof mit 14 Schöffen ein ganzer Hof heifst. Doch
s. unten S. 1053.
1) S. voriäufig Lac. ÜB. 2, 683, 1275.
2) Honth. Hist. 2, 433, 1458.
^) USMax. S. 445: die Hufen zu Niederemmel Köverich Trittenheim de omni iure
«cclesie apud Decimam, si in aliquo dubitaverint, inquirent.
*) Aufser späteren Citaten vgl. noch ^^Techingen 15. Jhs., G. 2, 51, cit. oben S. 244
im Text; WAri 1532 § 26; WOuren 1589 § 6; WEich 1597 § 22.
^) Zu diesem ziemlich seltenen Falle s. das mir aus Insertion in eine *Urkunde von
1368 Mai 20 (Abschr. Koblenz St. A. MC. H^ Bl. 271 ^ No. 846, Goerz Regg. d. Eizb.
6) Note 6 auf S. 1038.
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1038 —
Bestand an festen Oberhöfen bildete im ganzen doch eine Ausnahme.
Gewöhnlich wurde das Bedürfnis des Instanzenweges vielmehr so befriedigt,,
dafs eine Sache aus einem Hof in einen oder mehrere beliebige andere
Höfe — vielleicht gar von einem Hochding in ein Grundding ^ — zu erneuter
bezw. erster sicherer Urteilsfindung verwiesen wurde. Kam die Sache
dann noch nicht zum Austrag, so ging man direkt an die Zentralstelle^. Und
S. 102) bekannte Diplom Siegfrieds von Köln v. J. 1292: Sifridus dei gratia sancte Colo-
niensis ecclesie archiepiscopus sacri imperii per Italiam archicancellarius universis presentes
littere ad quos pervenerint salutem in domino. Cum homines seu hiemanni curtis nostre in-
Helden eodem iure censeri et gaudere debeant quo homines et hiemanni curtis nostre in-
Zünze, ad quam et ad quos dicti hiemanni in Helden in dubiis sententiis recursum ex iure
et consuetudine antiqua habere debent [et] a tempore, cuius non extat memoria, usi sunt et
gavisi sunt, prout iura huiusmodi hiemanni nostri et scabini in Züntze sub iurato suo pro
se et dictis hiemannis curtis in Helden in presentia nostra sunt solempniter protestati, placuit
nobis et sie de consilio priorum et fidelium nostrorum decrevimus et volumus observari,
quod dicti hiemanni curtis nostre in Helden et curtis nostra ibidem de cetero, prout etiam
iuris primitus existebat, gaudeant et gaudeat omnibus et eisdem iuribus in bonis conquirendis
post mortem eorundem hiemannorum et aliis quibuscumque iuribus et consuetudinibus, quibus^
curtis nostra in Zünze, homines et hiemanni nostri ibidem gavisi sunt ab antiquo, inhibente&
sub anathemate, ne quis homines et hiemannos curtis nostre in Helden predicte in huius-
modi iuribus suis inquietare turbare vel ipsa iiu-a eisdem hominibus et hiemannis ausu?
temerario infringere presumat, dantes has nostras patentes litteras sigilli nostri munimine
roboratas in testimonium super eo. Datum Nussie in die beati Barnabe apostoli anno domini
Mocco nonagesimo secundo. Zur Rechtsübertragung s. auch Bd. 8, 352, 32, 1309, ULuxem-
burg: Bettonglize . . li ville est an droit de Maccre, d. h. sie hat das Recht nach dem im
J. 1252 an Grevenmacher erteilten Freiheitsbriefe.
ß) Zu S. 1038. S. oben S. 744. Loersch S. CCHI f. und S. CCX bemerkt, dafs die-
Ausdehnung der Ingelheimer Oberhofsbeziehungen zugleich einen Überblick über die
wirtschaftlichen Beziehungen der Pfalz Ingelheim ermögliche. Über die Zwischenhöfe-
s. S. CCIX.
1) *Arch. Maximin. 2, 377, 1333: die Schöffen von Detzem (Hochgericht, s. S. 1037 Note 3>
weisen nach Anfrage im Hof Longuich das Recht in einem Streit zwischen dem Abt von.
SMaximin als Gnindherrn und lohannes de Rupe als Vogt.
2) S. dazu MR. ÜB. 1, 345, 1056, cit. unten S. 1040; MR. ÜB. 2, 199, 1202: Streit
zwischen Matheis und Egidius de Berge, den Vogt, über die beiderseitigen Rechte im Matheiser
Hof zu Sinzig (Saar-Mosel), Kompromifs auf Heinrich von Sierk und Johann Vogt von Sinde-
lingen. Diese diligenti prehabita consideratione et deliberationis industria communicatoque
consilio fidedignorum, qui super talibus experientiam et notitiam oculatam habent, secundum
terre et iuris consuetudinem in dei nomine pronuntiamus et pronuntiando diffinimus, quod ad
dictum seu reportationem scabinorum curtis de Sinzich uterque, videlicet dominus abbas et
Egidius vir nobilis, gaudebunt iure suo et eo contenti erunt apud Sinzich. et si dicti
scabini forte discordarent super premissis nee vellent concorditer reportare, recursus habe-
bitiu" eodem modo et sententia ad scabinos de Nenniche et Palzele, quorum dicto et repor-
tationi stabitur, ut superius est expressum de scabinis de Sinziche; et si hoc non fieret, de
his scabinis dominus abbas predictus in aula seu domicilio suo apud monasterium ipsum
citabit predictos scabinos omnes et ad dictum et reportationem scabinoram suorum ibidem
ad hoc vocatorum et inquisitorum more debito et consueto omnibus premissis libere gaudebit
pacifice et quiete. WThaben 1486, G. 3, 74 : were es sach daß die scheffen zu Taben missel
betten oder einige urtel, des sie nit versten weren, alsdan sollen sie den missel holen und
— 1039 — Die Grundhenlichkeit.]
erst spät gewöhnte man sich daran, den letzteren Schritt sofort ohne weitere
Zwischeninstanz zu thlln^
Welche Mittel zu Urteil und Entscheid lagen aber in den Händen der
Zentralstelle, des Grundherrn selbst?
Bedeutendere Geschäfte innerhalb der Grundherrschaft wurden von jeher
wohl nicht blofs vor dem zuständigen Bauding, sondern auch vor dem Grund-
herrn selbst beurkundet 2; in Streitigkeiten, welche an solche Beurkundungen
anknüpften, besafs also die Zentralstelle eine besondere Handhabe guter Be-
urteilung. Allein hierher gehörige Fälle mögen selten gewesen sein; und
sicher half man sich noch in anderer Weise.
Das Einfachste war es zunächst, wenn der Gruadherr einen bestimmten
Schöifenstuhl seiner Gnmdherrschaft zu sich berief und zu einem Spruch unter
seinem Vorsitz aufforderte^. War dieser Modus vermutlich besonders bei
kleineren Grundherren beliebt, so hatten die gröfseren ein weiteres besonders
geeignetes Element zur Verfügung, die Dienstmannengenossenschaft ihres
Hofes. Diese Dienstmannen bildeten schon an sich eine besondere Ding-
eriemen in ihrem oberhof zu sant Maximin vor der roder thüer an den 14 scheffen daselbst
vermitz kosten und schaden der partheien; und sol man darzu den scheffen von Taben die
wege schön machen. WIdesheim 1518, G. 2, 292, cit. unten S. 1040 Note 2. WNiedeiTansbach,
G. 1 , 737 : der hof hat auch einen zug gegen Obermichelbach , inmaßen der hof zu Ober-
michelbach einen zug hat in den hof gen Niederransbach , wan die beiden höfe von einer
herrschaft herrührend.
^) WKatherein-Ostern 1463: so einer appelleren wil, sol appelleren an den oberhof
Tholei, sol aber zum ersten par gelt 3 gl. geben, und sol binnen 14 tagen appelleren.
WMeisenbui'g 1549 § 25: weist der richter an die gericht, wanehr das sie eines Urteils
missel han, sollen sie das zu Viandal [Vianden] in irem uberhof an den gerichten holen uf
der Parteien kosten.
2) MR. ÜB. 1, 386, 1092: quod totum primum cum [1.: coram] advocato ipsius boni Gerlach
et cum [coram] prudentioribus et fidelioribus eiusdem familie viris denarratum, deinde in conspectu
totius familie collaudatum, apud Treverim tandem in monasterio ipsius sancti Simeonis, cuius
hec terra est, et in presentia fratrum ibidem deo et sancto Simeoni famulantium diffinitum
et coiToboratum est, ne« quis successorum meorum vel aliqua mundana potestas rem consilio
ordinatam infringere posset, sed ut stabiliter permaneret a generatione in generationem,
nisi culpa pro teste inveniatur.
^) WOckfen 1325 § 7: si dicti scabini in aliqua sententia ferenda dubitarent, ita quod
eos ad superiorem reciu-rere oporteret, tum tenentur venire apud sanctum Martinum [in Trier ;
den Gnmdherrn] in camera abbatis et ibi recipere agem [? — argumentum] vel sententiam a
scabinis ville de Siwenich. Eine Weiterbildung dieser Methode ergiebt WBockenau 1447,
die Unterhöfe von Sponheim appellieren alle an den Abt: iam quomodo abbas in nisticorum
appellationibus sive scabinorum se habere debeat ostendamus: cum ergo scabini sententiam
ad abbatem detulerunt, quod vulg. dicitur oberhofe, faciat abbas aliorum iudiciorum suorum
secularium schultetos vel scabinos quot voluerit adesse, aliosque poterit iuris advocare
peritos, qui propositionibus causis allegationibüs et responsis diligenter auditis, quod iustum
fuerit, cum auctoritate valeant iudicare, a qua etiam sententia non erit ulterius appellandum,
nisi de manifesto gravamine.
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1040 —
genossenschaft \ was lag näher, als sie als Dienst-, später Lehnschöffen zur
Bildung eines Schöffenstuhls der Zentralstelle auszunutzen^.
Das Sicherste aber war eine Kombination beider Momente. Demgemäfs
ist die Berufung in der Abtei SMaximin nach dem Vogteirecht angeblich vom
J. 1056 geordnet: si villani [vel mansionarii: fehlt bei der Wiederholung 1112]
debitum censum [vel servitium] sancto et abbati volunt denegare, primuni
per alios iudices, deinde in ipso principali loco Treviris, [unde vivunt
1. : veniunt] per illos iudices, ae ministros qui scaremanni dicuntur [et qui
meliores sunt ecclesie], (constringantur, dafür 1112: ad viam si possunt redu-
cantur). sin autem, per kartam et advocatum, ad ultimum vero per mani-
festum iudicium: in quo si convicti fuerint, omnibus bonis suis ad manus
abbatis attractis carebunt, et ius, quod abbas ei postea concesserit, habebunt ^.
Mag nun der hier angegebene Weg der Praxis innerhalb der SMaximiner
Grundherrschaft um die Mitte des 11. Jhs. völlig entsprochen haben oder
nicht: sicher ist, dafs im Beginn des 12. Jhs. eben in SMaximin eine ähnliche
Art der Weisung gerade der hervorragendsten strittigen Rechte als besonders
sicher und bindend angesehen wurde*.
Aufserdem finden wir in der Abtei Prüm seit dem 13. Jh. eine ständige
Einrichtung, welche aus Zuständen hervorgegangen sein mufs, die der SMaxi-
miner Praxis ganz analog zu denken sind. Hier ist nämlich die Urteils-
sprechung letzter Instanz mit dem der Abtei Prüm nächstgelegenen grund-
henlichen Fronhof Rommersheim derart verknüpft, dafs das Ding desselben
von edlen und unedlen Schöffen d. h. Grundholden und ehemaligen Ministerialen
der Abtei besetzt erscheint und in dieser Zusammenstellung urteilt 1) über
unsichere Rechtsfälle, 2) über die Pflichterfüllung der Meier bezw. Schultheifsen,
3) über einzelne Leute eben dieses privilegierten Gerichtsstandes, 4) über die
Rommersheimer Gehöferschaft ^.
1) MR. ÜB. 1, 345, 1056.
2) MR. ÜB. 1, 345, 1056, cit. oben im Text; Cod. Salm. 391, 1547, cit. unten S. 1041
im Text; WIdesheim 1518, G. 2, 292: abe man von dem hoif zu Edisheim appelleren wulde,
sal das gesehen zu Spangh als ain den uberhoif zu ersten, darnach ain den lenscheffen sant
Simeons Mrchen.
^) MR. ÜB. 1, 345, oben citiert mit den Modifikationen der späteren verwandten Dokumente.
*) MR. ÜB. 1, 345, 1056; 346, 1056; 362, 1065; dazu Bd. 2, 639 Note 1. Die eben
angef. Urkunden sind wohl sicher im Beginn des 12. Jhs. entstanden.
■^) S. WRommersheim 1298 ; Honth. Hist. 2, 215, 1361 , dem Konvent von Prüm werden
die Einkünfte bestimmter Höfe in der Höhe von 4000 aurei zugewiesen : ad quorum redituum
sublevationem et rationem ipsi conventui faciendam sicut ad omnem fidelitatem ipsi praestan-
dam obligabuntur vigore sui iuramenti et constitutionis ipsi villarum praetores. atque si in
dictis obventionibus incidat controversia vel ex parte haeredum vel ex ipsorum bonorum
translatione , illa venit iustificanda et debet iustificari sine appellatione non alibi quam apud
camerae iustitiam (cuius praeses semper erit decanus ipsius conventus), quae aliis villarum
iustitiis praeeminet, ita quod ab hac statutum ab alia refragari nequeat. omnes proinde
dicta bona possidentes dictae camerae iustitiae subiacent et obedire tenentur. praesertim
tamen ante et iuxta valvas portarum monasterii habitantes camerae subditi sunt, qui etiam
— 1041 — I^ie Gmndherrlichkeit.]
Natürlich war ein Rekurs an die Person des Gmndherrn auch selbst von
derartigen ständigen obersten Gerichtshöfen noch möglich, mochten sie nun
aus Dienst- oder Lehnschöffen allein, oder aus solchen und grundhörigen Schöffen
zugleich zusammengesetzt sein^ Wurden aber diese Rekurse häufiger, so bil-
deten sich um die Person des Grundherrn, entsprechend einem oft zu beobachten-
den Zuge in der Entwicklung der Gerichtsverfassungen, die ersten Anfänge eines
neuen nunmehr obersten Gerichtshofes aus. Und diese Anfänge erwuchsen dann
zum Hofgericht. Noch spät im 16. Jh. läfst sich der Bildungsprozefs in der Ge-
schichte der Grafschaft Salm verfolgen : daß wan inche parthien vur uns probst
meier und scheffen vurschreven zu recht erschienen und sich ingelaissen, daß
wanne wir unser rechtspruich und urthel uisgesprochen, daß alsdan die beswierte
parthie ain die lehenleuthe der graifschaft Salm pflege und macht hat zu appelleren.
und so sulche man- und lehenleuth der graifschaft Salm ouch iren rechtspruch
van sich gegeben, so pflege sulche beswirte parthie dairvan ain seine gnaden
als laut- und lehenheren sampt derselbiger burchmaner uf den sael zu Salm
zue appelleren, daerselbst sulche appellationsachen ire geburliche uisdracht
und end gewonen haben, und haben von geheiner wieter appellation von unsen
vureltern gehoirt oder selbst gesehen^.
Die letzten Erörterungen haben uns über die Geschichte der mittelalter-
lichen Gerichtsverfassung der Grundherrschaften fast schon hinausgeführt in
die Entwicklungsgeschichte des landesherrlichen Gerichtswesens: jetzt gilt es,
den Blick von den abgeschlossenen Formen des späteren Mittelalters rückwärts
zu wenden in die Frühzeit grundherrlicher Gerichtsbildung und unter Kennt-
nis der späteren Gestaltung die Frage zu lösen, auf welche Weise sich denn
die Immunität in dieser Bildung wirksam erwiesen habe.
Darüber zunächst, dafs sie Wirkungen wenn nicht direkt so doch mittel-
bar ausüben konnte, besteht kein Zweifel ; sie war ein Verbot, das zu eigener
Gerichtsorganisation ohne weiteres aufforderte^; zudem schuf sie für den
ad quotidianas sicut omnes sine exceptione curtarii in necessitate, [ad] volimtarias wachtas
aliaque servitia in ipso monasterio facienda obligantur. — Ygl. auch WMettlach 1499,
Lager S. 251.
^) WRommersheim 1550, G. 3, 830: wan ein hoifiier etwas zu clagen hat, so sol er bi
den hoifsschulteßen gane und ime clagen; kan er ime nit helfen, so sol er bi den ober-
schulteßen gain, kan er ime nit helfen, so sol er m. h. von Prume suchen, kan der ime aber-
mals nit helfen, so sol er m. h. von Prume den vauth bi sich nemen und ime helfen. Hier
ist der Oberschultheifs wohl als Richter des Rommersheimer Dinges gedacht.
2) Cod. Salm. 391, 1547.
^) Dazu kam, dafs die Immunitätsprivilegien selbst oft dem Verbot die positive Auf-
forderung zur Neubildung von Gerichtsorganisationen hinzufügten, s. z. B. MR. ÜB. 1, 185,
947, Immunität für Trier: liceat memorato presuli suisque successoribus remota omni . .
inquietudine res subiectas cum hominibus sibi aspicientibus vel pertinentibus quieto ordine
disponere et nostro imperio fideliter parere.
[Gmndherrlichkeit und Vogtei. — 1042 —
Immimitätsherrn vermöge der königlichen Munterteilung sofort einen beson-
deren Gerichtsstand ^
Bei ihrer Einwirkung aber fand sie schon vor das Bauding, teilweis das
gTundherrliche Markding, vielleicht auch schon hier und da das aus Mark-
und Bauding fusionierte Grundgericht. Von diesen Gerichten bot nun das
Bauding mit seinem Substrat zerstreuter Fronhofshufen die denkbar schlech-
teste Basis zur Begründung einer höheren Gerichtsbarkeit, weit mehr genügte
in dieser Hinsicht das kombinierte Mark -Bauding bezw. das Grundgericht,
denn es hatte ein territorial geschlossenes Gebiet als Unterlage. Gleichwohl
erscheint die Immunität anfangs zunächst auf die Fronhöfe und damit auf das
Bauding und die Baudingzugehörigen , also Gehöfer und Ministerialen der
Karolingerzeit, projiziert^. Bald tritt dann freilich eine Erweiterung auf die
Frcnhofsmark mit Gehöfern wie freien Markgenossen ein^, ja sogar Belehnte
werden mit einbezogen*, so dafs wohl schon im 10. Jh. der Regel nach
1) Vermöge dieses besonderen Gerichtsstandes fiel dem Immunitätsherm wohl auch
eine weitgehende disziplinarische bzw. gerichtliche Disposition über sein unmittelbares Haus-
gesinde zu, s. darüber oben S. 820 f., besonders aber MR. ÜB. 1, 345, 1056 und die an-
schliefsenden Urkunden (oben S. 1040 Note 4), sowie MR. ÜB. 3, 1468, 1258: Beurkundung
des Domkapitels, das unse diener von scholt forderonge und von allen anderen forderongen,
welcherlei das si sin moegen, vur deme proist unser kirchen der zu der zit ein proist ist
und niet vor deme scholtis ader vur einchem anderen geistlichen riechter sint schuldich zu
sten noch zu antworten imans, es enwere dan sache das si gestunfte [?] wurden, das si
uffenberlich friede gebrochen hettent mit bluotsturzongen , aifde das si sich selbes mit frie-
willen under das gezuche der stede scheffen von Triere ergeben hettent. item diese selve
diener sullen niet nafolgen den diefen zu deme galgen die man heinken sal, noch einichen
anderen mistedigen luden die man verderfen sulle.
2) MR. ÜB. 1, 17, 763: älteste Prümer Immunität, bezieht sich auf die villae, quas
modemo tempore aut nostro aut cuiuslibet munere habere videntur, und gilt über die deser-
vientes vel ecclesiastici homines, qui sunt infra agros vel fines seu supra terra . . monasterii
commanentes. Vgl. auch die Immunität MR. ÜB. 1, 24, 772, für Trier, über curtes, basi-
licae, monasteria, vici, castella; später pagi parrochiae monasteria seu castella vici vel
homines ecclesiastici ad easdem aspicientes. Hier stehen also neben den Fronhöfen doch
schon Territorien.
^) MR. ÜB. 1, 28, 775, die Prümer Immunität bezogen auf homines, qui super terram
ipsius monasterii tam franci quam et ecclesiastici commanere videntur, MR. ÜB. 1, 48, 815
auf homines eiusdem monasterii tam ingenui quamque et servi super terram ipsius comma-
nentes, ]VIR. ÜB. 1, 57, 826 auf homines franci quamque et aecclesiastici seu servientes. Ein
sehr lehrreicher Rest der Einbeziehung von Freien — nach der Terminologie des 15. Jhs.
also Edelleuten, weil vollfrei gebliebenen Leuten — in den Immunitätsbereich liegt höchst
wahrscheinlich vor im WSponheim 1488 § 20: is sin vor ziten vil edellude im dale Sp.
gesessun, han ouch vil guter daselbst gehait, die frie sint gewest, und sint darnach under
die arme lüde komen und verteilt worden, und wer der guter hait, der ist zum ungeboden
ding verbonden und schuldig zu komen und sal von eim iglichen morgen 3 hl. zu dinkgeld
dem cloister geben, wan die guter sint also in den maißen verluwen, daß si dem dinge
solichen zins geben und gehorsam sollen sin.
*) MR. ÜB. 1, 162, 919, Prümer Immunität für servientes et coloni, qui per eadem
passim resident territoria, quam etiam liberi et de eisdem [monachis] beneficia habentes.
— 1043 — Die Grundherrlichkeit.]
territorial geschlossene Unterlagen für die Auswirkung der Immunität er-
reicht sind.
Sicher ist dies für das spätere Mittelalter der FalP, obgleich auch hier
noch ganz kleine Immunitätssubstrate, welche kaum noch Bezirke zu nennen
sind, nicht fehlen ^ ja sogar der Fall einer Hochgerichtsbarkeit über völlig
zerstreute Höfe und Grundstücke vorkommt^. Doch haben wir hier wohl
schwerlich noch Reste ältester Zeit vor uns, vielmehr hat die Zersplitterung
der Hochgerichstbarkeit als eines nutzbaren Rechtes* sowie ihre Radizierung
auf die einzelnen gerichtspflichtigen Höfe im Sinne einer Reallast seit späte-
stens der Stauferzeit ^ wohl dazu beigetragen, derartig unbefriedigende Zustände
von neuem zu schaffen.
Im allgemeinen dürfen wir daher annehmen, dafs die Immunität schon
sofort bei der Verleihung oder wenigstens sehr bald nach derselben nicht im
Fronhofsbezirk, sondern vielmehr in der grundherrlichen Mark als gewöhn-
lichem Substrat wirksam wurde; und jedenfalls haben wir uns hier nur zu
fragen, in welcher Form eben diese Wirkung eintrat. Da sind denn zwei
Richtungen zu unterscheiden: die eine macht sich ausschliefslich nach innen
fühlbar, läuft also auf die Herstellung einer Gerichtsorganisation hinaus; die
andere dagegen erstreckt sich nach aufsen, ihr Kernpunkt liegt in der Kom-
petenzabgrenzung gegenüber den benachbarten staatlichen Gerichten.
1) S. beispielsweise oben S. 208, 229, 231, 233.
2) Vgl. *Arch. Maximin. 9, 348: Umgang des kleinen bezirks und hochgerichts zu
sant Maximin durch die vierzehn Maximinische schefFen begangen anno 1422 more Treverensi
sabbato post Vincentii.
^) S. unter Vergleich mit S, 448 oben *USMax. 1484 ßl. 2^: habemus hereditatem
quandam in der Lulbonen, in qua habet dominus [abbas] iudicium altum et bassum . . ., et
quicimique habent de eadem hereditate, sunt iurati domino . . et suo monasterio et dicuntur
huver et . . tenentur retinere hereditatem prefatam et iura domini ibidem et semper in
vigilia lohannis baptiste servare iudicium et videre, quod omnes assint, sub pena ad dictum
eorundem, et illa hereditas prestat annue termino Martini 5 fl. et 7 alb. ; et unus eorum
semper debet esse villicus, qui annue tenetur sublevare prescriptam pecuniam et deliberare.
ad monasterium sancti Maximini cellerario ibidem; et tunc dantur eidem 1 sum. vini et
2 albi panes. . . . Item dominus abbas potest unum eorum cogere cum consilio der hubener,
quod sit villicus ad sublevandos census pretactos.
*) S. u. a. oben S. 186, 228.
5) Ennen, Qu. 2, 169 — 170, 167, 1237: Güter in Mauenheim ad estimationem 4 man-
sorum cum duabus areis et aedificiis gehören zur curtis in Mauenheim. Die Besitzer de
iisdem bonis omnia placita, que vulgariter dinc et rinc appellantur, observabunt . . sicut
ceteri homines de familia predicte curtis ratione suorum bonorum faciunt et facere tenentur,
prout ipsa familia dixerit faciendum et observandum. *Bald. Kesselst. S. 317, 1838: pro
90 Ib. parvorum Thuronensium seu nigrorum verkauft Ludwig Schavart areas . . cum homi-
nibus ac omni eanun onere et honore, quibus nos areas tenuimus antedictas. Es sind 4 in
Owelshelden hereditarie possesse, 3 in Lonienbach similiter hereditarie possesse pro censibus
deputatis, ita videlicet, quod de eisdem 7 areis et earum inhabitatoribus 19 s. hl., 5 mir.
avene minus 4 sext. mensure Treverensis et 9 puIli in festo sancti Martini annis singulis
persolvuntur.
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1044 —
Über die erste Richtung ist wenig mehr zu sagen. Wo sich die Immu-
nität auf volle Marken, etwa gar Hundertschaftsmarken bezog, da wird die
alte Organisation der Dinge unter dem neuen Gerichtsherrn einfach aufrecht
erhalten worden sein^ Wo aber alte Zusammenhänge nicht vorhanden waren,
da gestaltete sich die Gerichtsverfassung in der oben erörterten Weise aus:
kombinierte Mark-Baudinge als Civilgerichte , darüber Hochdinge mit dem
kombinierten Schöffenpersonal der Mark-Baudinge im Schöffenstuhl als Straf-
gerichte, endlich ein Instanzenzug von jedem Untergericht über ein anderes
vom Herrn zu bestimmendes Unter- oder Hochgericht zum Grundherrn, mit
einer schliefslichen Durchbildung der Zentralstelle zu einem innerhalb dieses
Instanzenzuges kompetenten Lehnhof, ja vielleicht zu einem obersten, noch
über diesem Lehnhof stehenden Hofgericht.
Weiterer Untersuchung dagegen bedarf noch die zweite Richtung. Hier
haben wir freilich die immunitätsherrlichen Gerichte späterer Zeit völlig frei
und aufser jedem Kompetenzzusammenhang mit anderen Gerichten aufserhalb
der Grundherrlichkeit gefunden: war das aber auch ursprünglich der Fall?
Machten die innerhalb späterhin grundherrlicher Marken sitzenden freien Mark-
genossen der Frühzeit, wie sie noch nicht zu Markgrundholden geworden
waren, nicht doch eine Einmischung königlicher Rechtssprechung noch inner-
halb der Immunitätsjurisdiktion nötig?
Die Frage ist am einfachsten auf Grund unserer früheren Untersuchungen
über die Fiskusverfassung zu beantworten. Denn in dem Fiskus, wie ihn das
Cap. de villis kennt, safsen ja freie Markgenossen der eben angeführten Art,
und der Fiskus war als Analogiebildung der Hundertschaft im Sinne der
Immunität aus der gemeinen Gerichtsverfassung ausgelöst^. Hier ergiebt sich
nun folgendes. Für die Grundholden war der Iudex ohne Ausnahme der
zuständige Richter in strafrechtlichen wie wohl auch noch in civilrechtlichen
Sachen. Es bestand also unter dem Vorsitz des Iudex vermutlich in jedem
Fiskus ein Hochding für Strafsachen der Grundholden, welches dem Hochding
der fi'eien Hundertschaften mit Ausnahme der Zuständigkeit für Erbe und
Eigen entsprach. Und es bestanden aufserdem eine Anzahl von grundhörigen
Baudingen in den einzelnen fiskalischen Fronhöfen, deren Vorsitz, wie es
scheint, noch nicht den einzelnen Meiern, sondern durchweg ebenfalls dem
Iudex zustand^. Für die freien Markgenossen innerhalb des Fiskus dagegen
finden sich nur Exekutionsrechte des Iudex bei Forderungen aus königlichen
Gerichtsgefällen und bei privaten Forderungen nicht im Fiskus gesessener
Gläubiger*. Diese Exekutionrechte entstammen einer doppelten Wurzel. Die
Gerichtsgefälle erhob der Iudex an Stelle des Grafen oder Sacebaro; hier
1) S. dazu oben S. 744.
2) S. oben S. 722, 731.
3) Cap. de villis § 56, cit. oben S. 723 Note IL
*) S. dazu oben S. 723.
— 1045 — Die Grundherrliclikeit.]
hatte also die Übertragung einer Beamtenpflicht von einem Beamten auf einen
anderen stattgefunden. Die Exekution privater Forderungen dagegen vollzog
der Iudex als Hunne^ also in seiner Eigenschaft als Vorstand der Fiskus-
hundertschaft.
Aufser beiden Exekutionsrechten hatte der Iudex mit den freien Mark-
genossen im Fiskus nichts zu thun. Wir müssen also annehmen, dafs diese
fiir Eigen und Erbe wie für Strafsachen bei einer benachbarten freien Hun-
dertschaft zu Ding gingen. Nimmt man dies an, so ergiebt sich ohne weiteres,
dafs dieser Gerichtsstand für Eigen und Erbe aufhören mufste, sobald Eigen
und Erbe hörig geworden war, d. h. sobald sich das Allmendeobereigentum
des Königs und mit ihm die Markhörigkeit aller Markgenossen völlig durch-
gesetzt hatte ; dagegen konnte sich der auswärtige Gerichtsstand der ursprüng-
lich freien Älarkgenossen des Fiskus für Strafsachen noch länger halten.
Das war nun in der That der Fall. Das Cap. Caris. vom J. 873,
MGLL. 1, 520, bestimmt in c. 3: si . . fiscalinus noster ita infamis [der
testeia bezw. des latrocinium angeklagt] in iiscum nostrum confugerit, vel
colonus de immunitate in immunitatem confugerit, mandet comes iudici nostro
vel advocato cuiuscunque casae Dei, ut talem infamem in mallo suo praesentet.
et si talem praesentaverit, si aliquis eum comprobare voluerit, faciat: et si
nullus eum comprobare voluerit, tamen suam infamiam ad Dei iudicium purget,
et per illud Dei iudicium aut liberetur aut condemnetur. si autem iudex noster
vel advocatus de casa Dei commonitus talem blasphemum comiti in mallo suo
non praesentaverit, fiat inde secundum Cap. lib. 3 cap. 26. Hier ist es keine
Frage, der Gerichtsstand des freien Fiskusmarkgenossen nach auswärts besteht
wenigstens noch für Strafsachen.
Aber aus der citierten Stelle ergiebt sich noch mehr. Fiskus und
Immunität werden in ihr völlig gleichartig behandelt. Fiskus und Immunität
müssen mithin in der 2. Hälfte des 9. Jhs. eine ganz analoge Entwicklung
der hier besprochenen Verhältnisse aufgewiesen haben. Und hierfür lassen
sich nun allerdings aus einzelnen Andeutungen der Quellen unmittelbare Be-
weise erbringen.
Zunächst ist der Immunitätsherr gegenüber seinen freien Markgenossen
ursprünglich im Besitz genau eben jener Exekutionsrechte, welche der fiska-
lische Iudex ausübt: hierauf gehen die stehenden Verbote der Immunitäts-
privilegien an die staatlichen Beamten, innerhalb der Immunität Fredus zu
erheben und Pfandschaftsbürgen zu suchen ^. Ferner aber sehen wir wenigstens
1) S. oben S. 219 f., 222 f.
2) Fideiussores tollere fast in allen Immimitätsiirkimden , zu freda exigere s. MR. ÜB.
1, 24, 772, cit. S. 1016 Note 4: fredumque . . ad ipsas ^cclesias fuisset concessum; MR. ÜB. 1, 89,
875: Kaiser Lothar I. bewilligt Prüm das Recht, ut si qu^libet persona extranea eins [sc.
monasterii] insidiando servum interemerit, freda, que a publicis exigebantur actoribus, ad
eins perenni iure cedant partem. nihilominus etiam, — sicut in nostro altero continetur
privilegio [es ist MR. ÜB. 1, 90, s. d. (zugl. mit No. 89): ex omni potestate monasterii . .
[Gruiidherrlichkeit und Vogtei. — 1046 —
an einer Stelle noch spät, um die Wende des 11. und 12. Jhs., die freien
]\larkgenossen thatsächlich zu einem staatlichen Hundding in ihrer Nachbar-
schaft gehen ^ : es sind die Leute von SMaximin, welche alle drei Jahi'e die
alten aus dem Hundding der Ruwerhundertschaft entstandenen freien Hoch-
gerichte besuchen^. Aber die Kompetenz dieser Dinge bezieht sich nur noch
auf Furtum, also auf Strafsachen; für Eigen und Erbe sind die Markgenossen
längst dem kombinierten Mark-Bauding eingefügt, so dafs sich dieses für sie zum
vollen Grundgericht entwickelt hat.
Indes eine Freiheit in der Art derjenigen der SMaximiner Markgenossen
ist doch im 11. Jh. schon entschiedene Ausnahme; der Regel nach ist um
diese Zeit die besondere Behandlungsweise der freien Immunitätsmarkgenossen
längst verschwunden^, diese erscheinen mithin völlig der immunitätsherrlichen
Gerichtsverfassung für Grundholde eingefügt.
Und so entsteht denn eben um jene Zeit etwa die grundherrliche Gerichts-
verfassung, deren äufseren Aufbau wir uns schon oben aus den Akten vor-
nehmlich der zweiten Hälfte des Mittelalters vergegenwärtigt haben.
Übersieht man nun aber das grundherrliche Gerichtswesen im ganzen,
so erglebt sich als zweifellos bezeichnendstes Glied des gesamten Aufbaues
das Grundgericht, schon deshalb, weil es nicht blofs in immunitätsbegabten
Grundherrschaften vorkommt sondern sich auch für kleinere Grundherrschaften
aus einfacher Fusionierung von Mark- und Bauding entwickelt haben kann,
zugleich aber deshalb, weil es den eigentlichen Kern des ganzen grundherr-
lichen Gerichtssystems repräsentiert: aus seinen Schöffen setzt sich der Hoch-
dingschöffenstuhl zusammen, und in seinen Kompetenzen finden sich die Kom-
petenzen des einfach-grundherrlichen Baudings wieder. Kommt es deshalb
darauf an, noch einen genaueren Blick in die Einzelheiten der grundherrlichen
Gerichtsverfassung zu thun, so wird sich für einen solchen ein Ausgehen
vom Grundgericht besonders empfehlen.
nihil omnino exigi ab aliquo homine volumus de iillo umquam coniecto, sed ita ab omni
redibitione eos liberos atque alienos esse censemus . . quemadmodum ex exordio fuisse
Omnibus notum est] — modis omnibus sanccimus, quatinus omnia freda, quae serius [1. : prius]
eiusdem monasterii ad ins publicum legalis institutio persolvere cogit, [ut] ad luminaria
eiusdem coenobii deinceps perseverent.
1) Dodi vgl. auch MR. ÜB. 1, 162, 919, Priim: ut abbas suos advocatos habeat
licentiam statuendi sine regis presentia in cuiuscunque comitis mallum voluerit. Diese Stelle
geht doch wohl auf die Begleitung Freier durch Vögte (entsprechend den ludices) an die
freien Gerichtsstätten: oder sollte die MR. ÜB. 1, 185, 947 (unten Note 3) bestehende
Abschwächung auch hier schon vorliegen?
2) S. oben S. 207 Note 1 und den zugehörigen Text S. 207 if.
^) Vgl. z. B. MR. ÜB. 1, 185, 947, Trier: familia ecclesie . . ad causas eorum [iudicum
publicorum] audiendas [non] veniat . . . sed sufficiat comiti, ut advocatus sancte Treverice ecclesie
aut in privatis aut publicis negotiis iustitiam de familia reddat vel exigat infra comitatum
in mallidicis locis; sed sola hec potestas super eandem familiam eiusdem ecclesie archi-
episcopo Sit collata, et cui indulserit. Hier ist also an Stelle der Präsentation der freien
Hintersassen selbst am Mallus deren Vertretung durch den Vogt eingeführt.
— 1047 — Die Grimdherrlichkeit.J
Das ist der Gesichtspunkt, von welchem aus ich die bisherigen Erörte-
rungen über Grundherrlichkeit und grundherrliche Verfassung mit einer kurzen
Schilderung der Grundgerichtsorganisation abschliel'se ^
Zu betonen ist hier zuvörderst, dafs das Grundgericht jeden eigenmäch-
tigen Eingriff des Gerichtsherrn, etwa im Sinne von noch bestehenden Resten
einer friiheren grundherrlichen Disziplinargewalt, völlig ausschlofs ^ : das Grund-
gericht war ein Gericht wie jedes freie Gericht auch.
Dem entsprach denn auch seine Organisation, welche ganz nach Muster
der Volksgerichte getroffen war: es besteht neben dem Gerichtsherrn und
seinem Gerichtsvorsitz ein Umstand und ein Schöffenstuhl als Urteiler.
Auf die volle Beibehaltung des Umstands wird deshalb gerade in grund-
herrlichen Gerichten besonderer Wert gelegt, weil die Dinge zumeist zugleich
Zinstage waren ^: da lag es im eigensten Interesse des Grundherrn, die An-
wesenheit jedes Pflichtigen zu verlangen. In der That wird diese Pflicht
immer wieder eingeprägt*; nur Herrennot und Gottesgewalt entschuldigen^.
Dabei war der Umstand im allgemeinen auf diejenigen Männer^ begrenzt,
^) Natürlich handelt es sich dabei nur um die reine Frage der Organisation, Detail aus
■dem Prozefsrecht und dgl. schliefst sich nach unserer ganzen Abgrenzung von selbst aus. Man
Tgl. auch Bd. 2, 624 ff.
2) WSaargau 1561, G. 2, 58: abe sach were das unsere g. h. vermeinten, das sich ein
armeman misbraucht het und den armen man nit erlassen kunten noch entragen wollen, so
sollen die hern mitsampt dem armen man recht stellen an die scheffen; alsdan was der
scheffen durch recht wiset über der misbrauchungh, dabi sollen unsere g. h. den armen man
laessen, mit beheltnis der scheffen ires rechten an dem, da der umglimpf funden wurt. Wenn
dagegen WGuttenberg § 20, G. 4, 726, gewiesen wird: solch weistumb haben u. g. h. zu
mindern und zu mehren, so kann ein derartiger Ausspruch nur einer Zeit schon starken
Verfalls gegen Schlufs des Mittelalters angehören.
3) Hierzu vgl. z.B. *UMünstermaifeld, Hs. Koblenz St. A. CXIa Bl. 11^: est sciendum,
quod omnes habentes suprascripta bona tenentur propriis in personis dicta die sancti Andrec
comparere in curia prepositure Monasteriensi coram preposito vel suo officiato et ibidem,
antequam prevideatur iuri, quod dicitur dink, satisfacere de censibus supradictis et postea
presidere iudicio ibidem sub omnibus iuribus et penis, i3rout superius de censibus ortonim
in die sancte Gertrudis cedentium longius est enarratum, salva tamen illis decima predictonmi
bonorum, quorum interest seu interesse poterit quoquo modo.
*) Es wird sogar eine eigene Abgabe zur Aufrechterhaltung dieser Pflicht kreiert, die
succegarve, s. Lac. ÜB. 2, 717, 1278.
•^) WRhens 1456, G. 3, 778: so weit als man biidenband [: den Schall beim Reif-
beschlagen der Bütten?] und klockengeleut hört, wer u. gn. h. dinggericht zu rechter zeit
nicht besucht, der ist verfallen vor 10 hl., es wer dan sach, das es gottesgewalt und herrennot
were. WNiederdreis 1622: Ausbleiben vom Ding wird entschuldigt durch herrennot und
gotsgewalt. Dingfrei sind demnach Pfarrer und Hirten, s. oben S. 230 Note 5, auch
WWiebelsheim 1498 § 1. Das Bopparder Sendw. 1412, G. 3, 775, nimmt aus die Hirten
und andere noitarbeider, die umb noit arbeident.
6) Witwen in gleichem Verhältnis sind selbstverständlich ausgeschlossen, WWiebels-
heim 1498 § 1.
[Griindherrlichkeit und Vogtei. — 1048 —
>v eiche einen selbständigen Haushalt im Gerichtsbezirk hatten ^ oder aber dem
Herrn als Grundherrn zinsten ^ : unter beide Kategorieen fielen so ziemlich alle
erwachsenen Männer des Bezirks, so dafs auswendig und nit gesessen im
jargeding als identisch gelten konnten^. Eine Vertretung des Hausvaters
durch die Hausfrau war dabei nicht zugelassen*. Entsprechend dieser
strengen Beibehaltung des Umstandes erhielt sich denn auch seine gericht-
liche Thätigkeit länger, als das in nicht vollfreien Verhältnissen zunächst
erwartet werden sollte^.
Den Männern des Umstandes wurden nun die Schöffen entnommen ^, und
zwar entweder durch Wahl oder durch Ernennung ^ Wo die Wahl stattfindet,
handelt es sich fast ausnahmslos um Kooptation durch das Schöffenkolleg ^,
1) WLeudesdorf 1563: wer zu L. binnent furstad halt und da stetlich wont und haus-
heldet und des abents die klocke zu dem jairgedinge hört leiden, und des morgens nit darbi
komt, der ist dem faigt umb das vurg. wette ; und wer die klocke nit gehört hait und da-
van nit weiß, der mag mit seinem eide abgain. WObermendig, G. 3,819: wer sol aber heut
zu tage dabei sein? der scheffen sollen sein 14, sofern als die binnen lants und leben sein,
und ein jeder nachbaur, der ein brennendes feur hat.
2) WIgel 1537, § 5: zum Grundgericht des Hofes Igel gehört jeder, der Güter hinter
dem Grundherrn liegen hat. WKirchheim 1508, § 1 : in das jarding ist von rechtswegen
schuldig zu kommen m. h. der vogt und wer 1 hl. zins giebt. WGedscheid 1560, § 8: daß
alle diejenige, die empfenglichsgüter haben, . . sollen in dem jargeding gehorsam und pflichtig
sein, da zu sein.
3) S. WMettlach 1485, G. 2, 60.
*) WQuerscheid 1466, G. 2, 45: so einer oder mehe, die zu dem jargeding verbotet
wurden, das verachtent und ir wiber dar schicketen, hat der iglicher 5 s. d. verbrochen.
WNeumünster, G. 2, 36, Fr,: ob eimans sin frauwe vor sich in das jargeding schickt, ob die
frauwe den man erheiben sal? Antw. : hait einer zu schaffen, sol dem cloistermeier urlauf
heißen, die frauwe erhebt den man mit. Gegen Vertretung durch die Weiber geht wohl auch
WLiesdorf 1458, G. 2, 13: ein ieglicher, der da gut in dem bezirk habe, sol perschonlich in
dem freien jargeding sein.
^) S. Bd. 2, 636.
ö) Vgl. vornehmlich Hanauer Paysans S. 107 f. über die grundherrlichen Schöffen.
■*) Zwischen beiden schwankt, ohne dafs man recht das eingeschlagene Verfahren ver-
steht, WRodenborn 1568, § 17: auch sal ein ider scheffen nit allein durch den hern noch
auch durch die gericht erweit werden, sondern eindrechtich durch here und gericht
gemacht.
^) WErpel 1383, § 29 de electione scabinorum: quod scabini viventes in Erpele ex
suis deliberationibus et ratihabitionibus propriis unanimiter habent potestatem eligendi alium
vel alios scabinum vel scabinos in locum recedentis aut recedentium sive decedentium, qui
sit vel sint de legitimo thoro nati et progeniti, et qui sint idonei fideles bone conversationis
et sine omni infamia, et qui sit vel sint ortus vel orti ex sua natione veri Erpelenses et non
advene. WBacharach 1386, G. 2, 216: fragete der scholteiß die scheffene, wa ein scheffen
odir me abegingen und andere an der staid gekoren worden, die den scheffenstule mit den
andern gesellen nit besitzen wolden, wie man die dringen salde, daz si recht wisten mit an-
deren iren gesellen? daruf wisten sie, wan eins scheffen odir me gebreste, die andern
sollent zusamen kommen und sollent uf iren eit kiesen die besten, die sie wißent und duenket
sin, und sollent die dem scholteißen dan nennen.
— 1049 — Die Grundherrlichkeit.]
und meist tritt dann zu dieser Form der Wahl die Zustimmung oder der Rat
des Gerichtsherrn \ welchem unter allen Umständen Bestätigung und Amts-
einsetzung der Schöffen vorbehalten blieb ^. Indes neben der Wahl findet
sich doch auch recht häufig die einfache Ernennung durch den Herrn ^. Frei-
lich ist dieser absolute Modus dann wieder oft durch irgendwelchen Einfluls
der Gemeinde begrenzt. Abgesehen von dem unbestimmten Verhältnisse der
Beratung des Herrn durch die Schöffen* ist hier das Gewöhnlichste, dal's dem
Herrn Kandidaten von der Gemeinde aus vorgeschlagen werden"^, aus diesen
wählt er dann den ihm passenden^. Wie nun aber auch die Erhebung zum
Schöffen stattfand, auf jeden Fall mufste der Designierte das Amt annehmen ^.
1) *WLongiüch 1408, Arch. Maximin. 8, 36, § 20.
-) WFrisingen 1541, § 1: Kooptation der Schöffen, die mag ein ehrw. her apt [von
SMaximin] als gi'ond- und lehnher annemen eiden und schweren thun und ime huldonge
thun seine rechte zu hanthaben. *Iura et onera monasterii sancti Maximini in Barweiler
anno 1484, Arch. Maximin. 1, 565: in Barweiler est abbas sancti Maximini dominus fundi
collatorque ecclesiarum scilicet Uxeni et Barweiler; et habet in Barweiler 7 scabinos, qui
constituuntur per dominum abbatem seu suum schultetum ab eodem ibidem constitutum,
seu confirmantur ab eodem schulteto ex parte domini abbatis, quamvis deficiente uno
scabinorum possunt alii scabini eundem eligere, non possunt tamen eum confirmare nisi
per voluntatem praefati schulteti nomine abbatis et conventus, et hoc secundum iudicium
scabinorum ibidem.
3) *WBisingen, Arch. Maximin. 1, 1287: potest abbas . . et debet constituere unum
villiciun ciun tribus scabinis et praecone potestque eos amovere retinere ad voluntatem libi-
timique suum, quandocumque sibi placuerit. WDensborn 1534, G. 2, 566 : die scheffen oder
gerichtsman mit eiden befragt und ermaint uf den wistumb, wes si von iren vorfaren scheffen
verstanden und von inen an sie braicht; si erkennen einhellentlich solichs so hernach folget:
das si ire ubung, die van iren vorfaren ain sie braicht si, verstanden und selbst gebruicht
haben und gesehen bruichen, das welche zeit und wanne scholtes scheffen oder boden im
dorf Densbur gebrechen, so habe ein herre, so das sloß uf- oder zusleust, die zu kiesen,
darnach ein apt zu Proeme zu eiden. WHünsdorf 1537, § 3 : erkennen [dem Abt von SMaximin]
die gericht und scheffen zu machen und zu entmachen, zu setzen und zu entsetzen, allein
und nemants gemeine. WBesch 1541, § 4: der Grundherr hat scheffen und gericht zu ent-
setzen und zu setzen und zu machen, so vil uft und dick das von noten sein und gepueren
wui'de, on einige inrede. Ähnlich ^VHagelsdorf 1596, § 5.
*) WOckfen 1325, § 3 : facere et ponere scabinos, quotiens opus fuerit, de consilio tamen
aliomm scabinorum dicte ville. Hierher gehört doch auch noch WZolwer 1571, § 7: wer
den scheffen zu setzen auch zu entsetzen auch zu eiden hab ? — daß mein gn. frauw solches
zu thuen habe, doch haben ihre gn. und dero vorfahren ihnen den scheffen erlaubt, ein taug-
lich person zu solchem amt vorzuschlagen.
5) WKönigsmacher 1591, § 1 und 2; WEich 1597, § 13: beim Wechsel der Schöffen
wählt der Herr einen von zwei durch die Schöffen und den Meier vorgeschlagenen Kandidaten.
Ähnlich WMamer 1542, § 3.
®) Daher es WLorenzweiler 1590, § 1 geradezu heifst, dem Abt von Echtemach stehe
frei, 4 Schöffen und den Grundmeier zu erwählen.
"'j WEnschringen 1348, § 14: wer nicht Schöffe werden imd der eren nit achten will
und nit gehorsam sein wolt, den sollen die herren strafen nach irem gefallen. WBacharach
Lamprecht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 67
[Griindheriiichkeit und Vogtei. — 1050 —
Im übrigen standen sich Wahl und Ernennung bezw. die an sie anknüpfenden
Erhebungsarten keineswegs so schroff gegenüber, wie das nach der bisherigen
Schilderung scheinen kann. Denn es waren zur Schöffenqualität nebenher in
den meisten Fällen noch eine Keihe objektiver Vorbedingungen erforderlich,
welche den Kreis der Kandidaten von vornherein mehr oder minder einengten.
Sehen wir von den allgemeinen Erfordernissen der ehelichen Geburt, der
vollen bürgerlichen Ehre und der längeren Eingesessenheit auch völlig ab^
so kommen noch im Einzelfall eine ganze Anzahl von Sonderbestimnmngen
vor. So kann sich z. B. die ursprüngliche Präponderanz des Baudings über
das erst später hinzugekommene und fusionierte Markding in dem Umstand
aussprechen, dafs in erster Stelle Gehöfer Schöffen werden sollen^; an anderem
Ort dagegen sind wieder Eigenleute als Schöffen ausgeschlossen^. Wieder wo
anders soll immer 6in Schöffe ritterbürtig sein*, und weithin ist die Auswahl
1386, G. 2, 216, nach Wahl neuer Schöffen: der scholteiß mag zu ine gan und sal iz ien
sagen, wollent siez duen, daz ist gut; wollent sie iz nit duen, so sal der scholteiß zvrene
scheffene nemen und sal einen faden vor der düre ziehen, die des nit dun wollent, und also
dicke dan der odir sin gesinde über den faden oder uf ire erbe gant, als dicke verliesent
sie den hoesten frevel; und sal sie dan ein faut von eins paltzgraven wegen forter dringen,
daz sie gehorsam sin dem scheffenstule als vorgeschriben stet. WRemich 1477, G. 2, 244:
wer im hof von Remich gesessen were und zu scheffen gekoren wurt, der sol scheffen sin
oder bussent den hof zehen wonen. item wem der scheffenstoel nit gelegen enwere zu be-
sitzen, der mach in ufgeben, und bussent den hof von Remich ziehen wonen, sonder imantz
indrag oder wederrede. WSponheim 1488, § 4: wer dem closter in 3 hl. zinsbar ist oder
darüber, der sal dem apt zu seiner herlicheit und gericht gehorsam sin, also wurde er zum
scheffen oder zu eim scholteizen erweit, mag er sich nit darwider setzen im dorf und dale
Sp. WFaha 1494, § 23: abe einer, der neit scheffen sine wulte, geweilt wurde, den haben
die herren darzu zu dringen. WKersch 1593, G. 2, 274: weist der scheffen, da einer gut
zusammenschlug und nit ein gerichtsman sein wil, hait mein herr zu Echternach als grontherr
macht desselbigen gut zu jeder gewannen einen morgen zu nehmen und einen andern damit
zu begaben, und [sal] derwegen den begabten zu seinem gerichtsman zu machen macht haben,
damit die gerechtigkeit erhalten werd. S. auch noch zur Erläuterung der Praxis Loersch,
Ingelh. Oberhof No. 4 und 131.
1) S. z. B. WRemich 1462, § 7; WErpel 1383, § 29, cit. oben S. 1048 Note 8.
2) S. z. B. WKasel 1548, G. 2, 299: wisen wir gedachten herrn solch freiheit, woe
sichs begebe, einen scheffen zu setzen und keinen bequemlichen man binnen obgen. bezirk
beguet funden, möchten sie alle zit nach irem frien willen und wolgefallen in die gemein zu
Kasel grifen, einen ader mehe scheffen aus denselbigen welen; der ader die sein auch alsdan
schuldig inen on einich entschultnis ader Weigerung zu folgen und den scheffenstol anzu-
nemen, unangesiehen, das er nit under inen binnen dem grontgericht beguetet ist. dargegen
hait di gemein zu Kasel sich wasser und weiden binnen obg. marken zu geprauchen und
zu genießen.
^) WRemich 1477, G. 2, 244: es ensol auch kein eigenman im hofe von Remich zu
scheffen gekoren werden, noch mit den andern scheffen zu Remich zu gericht sitzen.
*) WKlotten 1446, G. 2, 442: weisen die scheffen, dat die herren von Malmundor von
wegen sanct Peters hof zu Clotten einen man, der einj ritter of der van ritters arde ist,
willigen suUen ein scheffen zu sin an des gotzhuises van Bruwilre gericht zu Clotten ; s. dazu
— 1051 — l^ie Grundherrlichkeit.]
mehr oder minder fest an schöffenbare Familien geknüpfte Freilich stehen
nun neben all diesen Fällen wieder andere, wo jede derartige Voraussetzung
fehlt; im WEnschringen vom J. 1348 z. B. heilst es in § 14: wenn die Herren
Gerichtsleute nehmen zu Meier oder Schöffen, so halien sie zu greifen in den
Haufen, williche ine gefüglich seind, und das mit recht.
Entsprechend diesen so mannigfach voneinander abweichenden Bestim-
nuingen werden die Schöffen keineswegs stets besonders rechtserfahrene Leute
gewesen sein; sie w^aren auch nicht etwa besonders alterserfahren, denn es
finden sich unter ihnen neben älteren Leuten auch ziemlich viele junge ^. Die
Amtsdauer selbst w^ar freilich, soweit sich nicht der Herr Eingriffe vorbehalten
hatte ^ oder Amtsentsetzung de iure eintrat*, eine lebenslängliche; doch
wurde unter Umständen ein motivierter Verzicht bei Lebzeiten angenommen-^.
Nach der Wahl oder Ernennung des Schöffen fand seine feierliche Ein-
fühmng in das Amt statt unter mannigfachen symbolischen Handlungen^,
WKlotten § 1 u. 2, G. 6, 536. *Scheckman, Spec. feud. D 4, Rittersdorf: Th. [miles] con-
fessus est anno 1383, se et heredes suos fore astrictos ad officium scabinatus dictum nobilium
scabinomm officium, vulgariter edelscheffenampt, dominorum abbatis et conventus sancti Maxi-
mini in curte eorum in Rittersdorf ex bonis feudalibus subscriptis (17 iugera).
1) In diese Richtung weisen Nachrichten wie *Bald. Kesselst. S. 215, 1330: Kuneman
de Mulboume scabinus in Bopardia . . officium scabinatus mei in Bopardia ad manus vestras
larchiepiscopi Treverensis] renuntio . . rogans . . , ut vos idem officium scabinatus Petro
dicto Colve sororio meo conferre dignemini, sicuti vobiscum est tractatum. Man vgl. auch
nebenher *Bald. Kesselst. S. 432, Kumunge und artikel der Stadt Trier gegen Balduin, 1351,
§ 4: so sal unse herre vorgen. die scheffen dez gerichtes setzen, die von der stad geburtich
sin; und als ir eime liebes gebrichet, so sal er einen andern setzen, die ir genoiß si, den
si mit dem eide begrifen, als iz von alder herkomen ist etc.
2) WKünzig 1592, Einl.: Schöffen von 60, 50, 30, 33, 30, 36 Jahren. WBettemburg
1594, Einl.: der Unterlandmeier 55 Jahre alt, die Schöffen 73, 50, 56, 64, 68, 48, 38 Jahre.
^) S. z. B. *\^^Yeifskirchen 1493, Arch. Maximin. 1, 93 : der Abt von SMaximin potest
. . facere iustitiam fornicam [?] amplam et integram, videlicet villicum pro superiore cum tribus
suis scabinis, quorum unus magister scabinorum dicitur, et quotiens ei videtur congraum
urgente necessitate vel utilitate eos removere revocare et destituere quomodolibet anno in
mense maii post medium dicti mensis et in locis eorum alios sibi sufficientes et idoneos in-
stituere, imponere et ordinäre nullius sufiragante contradictione in hac parte.
*) WEich 1597 § 12: das alsulche durch die herrn zu sant Johansberg [die Grund-,
Mittel- und Hochgerichtsherren] oder ihre . . beamte . . gesetzte meier scheffen und boten
staende gericht sein und die tag ihres lebens darbei verbleiben, es seie dan, sie das mit
mund und hant vermachen oder einer altertumbs oder ander Ursachen wegen vor gericht
abheischet.
^) S. aufser Note 4 auch WLampaden Schlufs, G. 2, 114: welcher scheffen auch alters
oder sonsten billiger Ursachen halben von dem scheffenstuel abstehn wolt, von dem solt unser
ehrw. heiT oder sein schulteß den stuel abnhemen, doch das er der scheffen rat nit melde
[1. : meide], und so man seines rats im scheffenstuel aus notwendigen Ursachen bedurfte, als-
dan gehorsam sein.
6) Vgl. z. B. WNiederprüm 1450, § 1, G. 6, 581 : do fraigte der schulteß die andern
scheffen, wie man die zwene nuwe scheffen in eren stoel setzen sullo? da wiseten si, ein apt
67*
[Grimdherrlichkeit und Vogtei. — 1052 —
mittelst deren ihm die Amtsgewalt übertragen wurde ^ ; zugleich leistete er^
bisweilen unter Zahlung einer Rekognition 2, den Amtseid auf Wahrung der
Rechte des Gerichtes und des Gerichtsherrn ^.
Der Zahl nach gehörten meist 7 Schöffen zu einem Grundgericht; so
hatte man die Zahl von den Baudingen iibernommen^. In früherer Zeit
wurde ein solcher Schöffenstuhl der Regel nach nur einem Dorf entnommen,
und an Stelle des Gerichtsherrn stand dem Ding entweder der Meier des
Fronhofes oder der grundherrlich gewordene Zender der Gemeinde vor. Aber
seit der Wende des 12. und 13. Jhs. schritt man zu einer Zusammenlegung
der einzelnen Grundgerichte und kombinierte nun den Schöffenstuhl aus
van Prume sulle die scheffen nemen mit dem rechten gerer und der faid mit dem linken
geren, und sollen si in einen stoel setzen, und solicher wise wurden si auch in iren stoel
gesatz. S. dazu WDensborn 1534, G. 2, 566: nach Wahl der Schöffen neme ein herre apt
zu Proeme sie bi dem rechten geren irer roecke und ein heiTe des bemelten sloß Densbur
bi dem linken geren und fueren sie also mit einander zur gerichtsbank.
1) WErpel 1383, § 29 : in qua electione [scabinorum] domini nostri [die Kölner Dom-
herren] non habent aliquam potestatem neque aliquis alius auctoritate eorum, sed nihilominus-
ipsis electis seu ipso electo predicti domini nostri aut officiatus sive scultetus nomine eorum
presentabunt et annuntiabunt treugam et pacem omnibus ministris et subditis suis in iuris-
dictione sua constitutis, quam primum ipsi electi suum prestarunt iuramentum solitum in
observantiam iurium et iurisdictionis eorundem dominorum nostrorum ac etiam antiquas con-
suetudines et iura ipsius parrochie et ville in Erpele, secundum nosse et posse, ut tenor iura-
menti innotuerit, sine dolo.
2) USMax. S. 444, Detzem 8d: si scabinus constituitur, 6 d. dabit; tres nostri sunt, tres
advocati.
3) S. schon oben Note 1, auch Guden. CD. 2, 979, 1299; *WWeifskirchen 1493, Arch.
Maximin. 1, 93: praefati scabini tenentiu- solemne praestare iuramentum ad sancta dei evan-
gelia villico vel abbatis in hac parte commissario primo tamquam superiori, denuo advocatis
vel suis in hac parte commissariis. *WDiedenhofen Ende 15. Jhs., Arch. Maximin. 2, 820:
in Theodonisvilla est dominus abbas sancti Maximini fundi dominus, cui etiam scabini faciunt
homagium, et iurant seu faciunt iuramentum, quotiescumque novus abbas venerit. *WBisingen,,
Arch. Maximin. 1, 1288: item scabini una cum magistro scabinorum et praecone faciunt iura-
mentum suum in manus villici ex parte domini abbatis, et postea advocatorum. S. auch
WSchillingen 1526, § 13. Deshalb wohl nennen sich die Schöffen Eidgesellen, s. WThroneck
1534, G. 6, 472 — 473; so wird auch WMettlach 1499 statt mitgesellen zu lesen sein. Da-
neben kommt freilich der Ausdruck mitstulbrüder vor, WMarodt 1606, G. 1, 841.
*) S. z.B. ME. ÜB. 2, 87, 1187: im SSimeoner Hof zu Lehmen sind vorhanden 1 scultetus^
1 viceadvocatus, 7 scabini ; USMax. S. 435 : Heisdorf . . quarta pars curie vocatur, et alie
Curie [Muthfort, Mamer, Schönberg, Ewerlingen, Mersch, Lintgen, Hunsdorf, Ohlingen] dimidia
Yocantur; ein halber Hof hatte nach der hier gebrauchten Terminologie 7 Schöffen, s. unten
S. 1053 Note 6. In der GrundheiTSchaft von SMaximin sind nach *USMax. 1484 u. a. an
Schöffen vorhanden : 7 in Saurschwabenheim (4 aus Schwabenheim, 2 aus Hilbersheim, 1 aus
Bubenheim); 15 in Münsterappel mit 5 zugehörigen Dörfern; 14 in Thaben (3 aus Thaben,
3 aus Weiten, 2 aus Mechern, 1 aus Merteskirchen, 2 aus Bachem, 3 aus Losheim); 7 in
Gostingen; 7 in Asselborn; 7 in Barweiler; 7 in Hunsdorf; 7 in Heisdorf; 7 in Lintgen.
Vgl. zu diesen Angaben auch noch WMandern 1537, § 4: die Schöffen erkennen dem Abt
von SMaximin ein freies kaiserliches gericht mit 7 scheffen uf s. erw. grondherlichkeit zu
besitzen.
— 1053 — I^ie Grundherrlichkeit.]
Schöffen, welche in zwei bis drei Dörfern angesessen waren. Am früliesten
läfst sich der Übergang umfassend in den Angal)en des erzstiftischen Urbars
aus dem Anfang des 13. Jhs. verfolgen ^ am klarsten liegt er in den Angaben
des Luxemburger Urbars aus dem Anfang des 14. Jhs. vor: hier gehören zu
4?inem Meier-(Fronhof-)amt zumeist nur zwei bis drei Schöffen, und erst zw^ei,
drei oder vier Meierbezirke bilden ein Grundgericht. Und der Vorstand
dieses Grundgerichts ist nun nicht mehr ein Meier oder Zender, sondern ein
besonderer Gerichtsbeamter, der Schul theifs ^. Ähnliche Zusammenlegungen
wie in den Trierer und Luxemburger Grundherrschaften lassen sich aber auch
sonst — am wenigsten zahlreich wohl in den geistlichen Grundheri'schaften ^ —
verfolgen : so dafs die Grundgerichte des späteren Mittelalters in solche älteren
Stils mit meist einem Meier, und in solche jüngeren Stils mit einem Schult-
heifsen an der Spitze zerfallen*.
Aber neben den Grundgerichten mit 7 Schöffen giebt es auch noch
solche mit 14 Schöffen. Die Verdoppelung der Zahl ist in einigen Fällen
leicht zu erklären; sie ist dann eingetreten, wenn ein Hof zweien Herren ge-
meinsam gehörte: dann wurde wegen jedes Herren ein voller Schöffenstuhl
besetzt^. Schwieriger ist die Erklärung in einem anderen Falle. Eine in dorso
der Urkunde MR. ÜB. 1, 352, 1059 (nicht vor dem 12. Jh. geschrieben) be-
findliche und von Bresslau in N. Archiv 11, 104 herausgegebene Notiz besagt:
dominus Everardus archiepiscopus contulit monasterio sancti Eucharii (curtem
Poliche). curtem voluit intelligi villam Pouche predictam totam, quia omnis
villa habens 14 scabinos dicitur curtis, et non solum curtis, sed etiam integra
curtis, quia quelibet villa habens 7 scabinos dicitur et est dimidia curtis. et
hec est regula communis de omnibus villis. Regula communis ist nun diese
Bezeichnung sicherlich nicht gewiesen • — es giebt unendlich viele Höfe mit
7 Schöffen, welche nie als halbe Höfe bezeichnet werden — , indes kommt
die Terminologie doch auch sonst, soviel ich notiert habe, an drei Stellen der
Moselüberlieferung vor^. Zu erklären ist sie vermutlich aus der Erscheinung,
dafs bisweilen bei verhältnismäfsig spät eintretender Markherrlichkeit des
1) S. Bd. 2 S. 171 f.
2) S. Bd. 3 No. 287.
3) S. oben S. 1052 Note 4 die Angaben über SMaximin im 15. Jh.
*) Freilich kann auch in den Gnindgerichten älteren Stiles an Stelle des Meiers ein
'Schultheifs getreten sein, im Falle dafs dem Meier die gerichtlichen Funktionen genommen
sind; s. darüber oben S. 734 ff. imd 772 und unten S. 1057 f.
5) So z. B. WAmel 1472, § 7.
^) Nämlich USMax. S. 435 : Hekkesdorph solvit medietatem predicti servitii, quia qua rta
-pars Curie vocatur, et alle curie dimidia vocantui^; s. dazu oben S. 1052 Note 4. Mit der
Zinszahlung bezw. Servitiumleistung hängt der Unterschied gewifs nicht zusammen, denn das
Servitium war sehr verschieden hoch normiert. S. ferner WThron Wintrich Graach 1315,
•G. 2, 355, cit. oben S. 474 Note 1, und WWeiden 1478 erkennt und weist der ganze hof ; es
sind 28 Lehenmänner, darunter 14 Schöffen.
[Grundhenlichkeit und Vogtei. — 1054 —
GruiidlieiTu der Sdiöffenstuhl des neuen Gmndgerichts aus der Vollzahl der
Schöffen des grundherrlichen Baudings und der Schöffen des alten Markdings
kombiniert werden mochte; zu dieser Erklärung stimmt wenigstens die be-^
sondere Betonung der Markherrlichkeit (curtem voluit intelligi villam . . totam)'
in der eben angeführten Notiz.
Pflicht des Schöffenstuhls war es nun, im Ding das Recht zu weisen;
wie es das Saarbrückener Recht vom J. 1321 kurz ausdrückt: die scheffen
sollent helfen dem meiger alle dedinge halten. Der Schöffenstuhl war somit
gegenüber dem Gerichtsherrn der eigentliche Hort des Rechtes^; und aus
dieser zentralen Stellung folgt seine Thätigkeit sowohl im Urteil wie in der
Weisung Rechtens 2. Auf die Art der Verhandlung im Gericht ist hier im
übrigen nicht genauer einzugehen^; Erscheinungen derselben, welche in den.
Rahmen dieser Untersuchungen fallen, werden unten Bd. 2 S. 624 ff. genauer
besprochen *.
1) Vgl. Honth. Hist. 2, 35, 1308, cit. unten Bd. 2, 625 Note 4.
2) Beides fiel bekanntlich in der mittelalterlichen Anschauung zusammen, vgl. z. B.
WRhens, G. 6, 486, cit. unten Bd. 2, 624 Note 1, auch *USMax. 1484, Bl. 231^, WThabem
1487: wisen mit oitel und recht statt des einfachen wisen; so oft.
^) Siehe auch unten Bd. 2, 637 f. Von einzelnen lehrreichen Nachrichten zur
Stellung der Schöffen im Gericht führe ich hier noch an MR. ÜB. 3, 983, 1249, Koblenz:
H. scabinus loco sculteti presidens, 12 scabini et universi cives Confluentini. *Bald. Kesselst.
S. 431, Beschwerden Balduins gegen die Stadt Trier 1351, Articuli contra scabinos: § 1. primo'
enkoment die scheffen nicht zu gerichte noch gestan dem schulteßen nicht bi in Sachen, die
uns und unser gerichte rürent. § 2. item beclagen sich die lüde gemeinlichen, daz in die
scheffen nicht snel ende engeven, als sie dicke wol mochten, wez sie zu schaffen han an.
gerichte, damide arme lüde verderben. § 3. item slan sie daz gerichte uf, wanne sie wollen,
und enlaßen deme schulteßen keine gewalt, wiewol er über sie si, und brechen ime sinen
kummer. WBacharach 1407, G. 2, 218 (vgl. S. 220 Abs. 4): fregete der scholteiß die scheffene
uf ire eide, so 'ein scholteiß ein gerichte beseße und scheffen bi ime hette, und die ane
laube eins scholteißen ufstunden, was den herren recht darumbe were? daruf antworten
und wisten die scheffene, sie scheffen weren verbonden zu allen ungeboden dingdagen, und
so man über hals und heubt riechten sal, und so daz gerechte gehäuft ist, zu komen, die
anders inheims sint und vor krangheit darzu komen mogent. sust sint sie nit schuldig zu
gericht zu gan noch zu sitzen, ez fuge ien dan gar wol. doch wollen sie daz beste duen, als
bizher, und begerten, daz er die frage vorbaß ließ bliben. Scotti Chur-Trier 1, 251, Kob-
lenzer Schöffenordn. § 43 : als bisher an unsern buwedingen, die drimale des jairs, nemlich
uf geschwomen montag, uf montag nach quasimodogeniti und uf sant Katherinen tag gehalten
werden, der gebruich ist gewesen, das der scheffen mit Urlaub hait moissen redden, mit Ur-
laub ufsten und mit Urlaub niddersetzen , so ordnen wir, das nu hinfurter unser scheffen
sonder heischung Urlaubs an unsere buwedingen sitzende redden moegen.
*) Hier vgl. man zum Zweck einer konkreten Vorstellung mit besonderer Berück-
sichtigung auf das Bd. 2, 264 ff. Ausgeführte noch WFleringen 1345, G. 2, 523: requisiti a
dicto Theoderico . . de specificatione bonorum, scilicet agrorum pratorum et aliorum, et de
signis banni et metis vulgariter dicendo marchin, ubi et in quibus locis existant et quomodo
et apud quos et qualiter nominantur, qui scilicet scabini habita deliberatione super dicta
requisitione sie facta ciun sanioribus et senioribus eiusdem parochie Fleriche reportabant et
dicebant, quod non essent bene triti desuper nee possent nee scirent tam bene specificare,
— 1055 — I^ie Grundherrlidikeit.]
Sehr natürlicli, dais den Schöffen als Äquivalent für ihre ausgedehnte
luanspruehnahnie in den sich mit der Zeit immer vermehrenden Din^^agen
auch eine Anzahl von Rechten zugesprochen waren. Sieht man von der
seltenen Berechtigung zur Teilnahme an der Kreierung herrschaftlicher Be-
amten ab^ so geniefsen die Schöffen vornehmlich dreier Vorteile: sie sind in
gröl'serem oder geringerem Umfange lastenfrei ^ ; sie haben Anspruch auf ge-
sicut Thomas de Fleriche, qiiia quampluries recitavit et speciticavit eadem bona diversis
vicibus. quibus sie recitatis per dictos scabinos prefata domina Iladewigis magistra necnon
Theodericus predictus nomine dicte domine magistre atqiie scabini predicti requisiverunt et
roganmt jirefatum Thomam, ut ipsa bona amore domine magistre necnon ad preces ipsorum
scabinonim ipsa bona ad ipsam curtim spectantia speeificare vellet. qui respondit, quod ob
reverentiam dicte domine magistre et ad preces dictorum scabinorum et aliorum hoc facere
vellet ad presens, sed de cetero nunquam ipsa bona specilicaret: que scilicet bona prefatus
Thomas omnia et singula de puncto ad punctum propter melius et viam pacis speciticavit,
ne de cetero aliqua briga deinde oriretur. hiis omnibus sie peractis et interrogatis Johannes
famulus prefate domine Hadewigis magistre necnon conventus monasterii predicti quandam
cedulam seu cartam papiream in suis tenebat manibus, in qua continebantur eadem bona in
consimili vel quasi conscripta eodem modo, prout Thomas predictus recitavit; quam etiam
idem Johannes ad requisitionem predicte domine magistre ac etiam de consensu et voluntate
prescriptoium scabinorum dicte curtis ibidem legit quasi faciendo collationem cum dicto
Thoma et scabinis prescriptis, utrum ipsi concordarent in cedula, prout ipse Thomas antea
recitabat, eo modo et ad maiorem securitatem, ut de cetero dicti scabini vel eorum successores
eo minus essent onerati et quod etiam non indigerent de anno in annum sie speeificare
bannum et metas seu bona subscripta. — Zur Geschichte der Dinghaltung vgl. noch besonders
üSMax. S. 433, Schüttringen 10b: 2 placita, Epiphanien und Johanni; *Arch. Maximin. 4,
567, 1374 : annalis placiti in Emmel obsei-vatio ; WKatherein-Osternel463 ; WAmel 1472 § 1 ;
WDalheim bei Remich 1472 Einl., Hardt S. 150, auch § 1 und 2 , sowie Schlufs S. 157 ;
*WBarweiler 1484, Arch. Maximin. 1, 565, § 1 ff.; *WHagelsdorf, Arch. Maximin. 6, 347;
WArgenschwang 1488 § 1 (Zahl der Dingtage); WEttelbrück 1492 § 13; *WWeifskirchen
1493, Arch. Maximin. 1, 93; WFaha 1494 § 1; WHargesheim 1505, G. 2, 162; WIgel 1537
§ 2—4; AVFrisingen 1541 § 11—13, 31; WHasborn 1545, G. 2, 97; WLinster 1546 § 3;
WAYormeldingen 1597 § 1; [WFilzen 1598, G. 2, 87; WIrsch Serrig Beurich 16. Jhs. ;
WBollendorf 1606 § 3; WHünsdorf 1607 § 25; WEdingen 1669 § 6; WBendorf 1671 § 1;
WBerg bei Ettelbrück 1730 (Ladung zum Jahrgeding bei Hardt S. 88); WKöllerthal G. 2, 18;
AVLandscheid § 10; s. auch Bd. 3 Wortr. u. d. WW. dinghdagh u. s. f.
1) WNeumünster, G. 2, 34: wanne die eptissen den meier wilt machen, so sol sie ir
sieben scheffen, die si gemachet hat, dun komen in irre kamer; darzu sol die eptissen nie-
man rufen, dan die ir fugent, und da sol^sie heißen ir sieben scheffen ir welen oben und
nidden, wo die eptissen wilt, uf dem vorg. eigen nün'bider manne; under den nünen neme
die eptissen einen meier, und der sol es entfahen von der eptissen; und sollent ime die
7 scheffen den eit staben, als es dan darzu höret, und der meier sol die zinse und die gölte
intwingen und sol si der eptissen hantreichen, oder wem si sie heißet geben.
2) CRM. 2, 169, 1255, Erzbischof Konrad von Köln für Andernach : volumus, quod tam
ipsi scabini quam eorum successores qui pro tempore fuerint in perpetuum ab omni exactione
seu petitione sint liberi et soluti, sie etiam quod nos aut nostri successores nullas exactiones
sive petitiones in ipsos aut eorum posteros facere vel statuere debeamus. *WHagelsdorf,
Arch. Maximin. 6, 353, § 12: item hait der herr vier scheffen da zo machen, sine recht zo
wisen und zo hanthaben, und dem lande recht zu sprechen in dem vorg. hoife; und sullent
[Griindherrlichkeit und Vogtei. — 1056 —
wisse Gerichtssporteln, auf Verpflegung an den Dingtagen, auf Lieferung von
Schöffenmänteln u. dergl. ^; endlich sind ihre Häuser besonders gefreit und
bilden Asyle für flüchtige Verbrecher 2.
Dem Umstand und namentlich den Schöffen als Richtern tritt nun der
Herr als Gerichtsherr und DingTorsitzender gegenüber^. Als solcher hat er
vor allem das hergebrachte Recht aufrecht zu erhalten. Diese Pflicht seiner-
seits steht geradezu in direkter Wechselwirkung mit der Weisungspflicht der
Schöffen : kränkt der Herr das Recht, so versagen die Schöffen die Dingpflicht *.
darumb fri [sin] alles dinges von des herren und voits wegen, usgenommen ihre zins van ihren
guden: die sullent si geben in der maissen als vorg. steit. WRemich 1477, G. 2, 244: wir
wisen auch die sieben scheifen im hof von Remich fri hertpennink und herthüner, und
alle waichten und hüden, usgenomen scharwacht. S. auch WLintgen 1537 § 4.
^) S. U2Mettlach S. 194 — 195, 1329: Verzeichnis der iura scabinorum villiconun pisca-
toriun atque forestarioriun von Mettlach, d. h. der Reichnisse, welche die Genannten zu ge-
wissen Zeiten erhalten bezw. geben. *USMax. 1484 Bl. 6^, WSauerschwabenheim 1407: die
scheflfen sullent . . davan ir bestentenis heben, wanne die hoben [Zinshufe] van einer hant
in die ander kommet. WFlacht 1462 § 17 f.: alle kauf- und verkaufhofsgüter sind am Hof-
gericht zu versiegeln ; die Versieglung bringt dem Schöffen V2 viertel wein und dem Schultheiss
3 weißpfennig. WMonaise 1474, G. 2, 278: zum zwölften weisen die scheffen den hern alle
drei jahi- ein weistumb und inen den scheffen die kost; und im fal sich zutrüge, so iemant
geroegt und sich der rhoe verantworten wulle oder sunst etwas vurstunt, sol ein wißigh uf
den vierzehenden tagh uf ohnrechten kosten gehalten werden. *Distr. Max. pro pensionibus
15. Jh. 4 Viertel: scabinis nostris pro capuciis 28 fl.; hierzu s. WSArnual 1417: 14 scheffen
mit bloßen haupten, ire kogeln uf ire achseln geschlagen. WOberdonwen 1542 § 9: die
Schöffen erhalten alle grundherrlichen Bussen zur Hälfte vor ire belonung.
2) WRemich 1477, G. 2, 244: man sal niemantz in der punten zu Remich, in der
moellen zu Beche, noch in der sieben scheffen huser koemeren aingrifen heiigen noch phen-
den; und verbrech einer sin Hb, es were man oder wib, und kern in de pont in die müUe
oder in der sieben scheffen huiser eins umb friheit willen, denselben menschen sol man seß
Wochen und dri daige darinne fri laissen sonder Störung oder hant ain zu dhon. S. auch
WOberdonwen 1542 § 33 und WAsselbom 1566 § 27, sowie Honth. Hist. 2, 611, 1519: die
Asylfreiheit der Schöffen zu Montabaur war bisher unbeschränkt; jetzt werden usgenomen
wisselich morder und geverlich doetschleger, uffentlich diebe, nechtlich verderber der fruchten,
uffentlich ebrecher, sthocher [?] der jungfrauwen und doetschleger oder glidderabhawer in den
kirchen oder uf kirchoifen, die in den scheffenhuisern gar kein friheit haben, sonder darus
alzeit angenomen und gefangen und nach irem verdinst gestraift werden moegen.
^) Zum folgenden vgl. auch Hanauer, Paysans S. 61 f.
*) WSPaulin Mesenich 1380 § 2, G. 6, 514 : waz sache daz dorf Mesenich antreffe die
lüde des dorfes an iraie rechte swechen oder krenken mochte und die lüde dem probiste
clagen, daz sal er in abedoin ; und daz er nit gedun enkan, daz sal er vort suechen an sime
obersten. WHermeskeil 16. Jh. II, § 1 : so fern als m. gn. h. oder iemand [von] seinetwegen
die scheffen bei ihrem alten brauch und herkommen erhalten werde, so erkennen wir [die
Schöffen] ihm das jargeding zu halten. AVEhrenberg, G. 3, 770, über Gülten und Renten
der Grafen von Sponheim : die scheffen sprechen, so von u. gn. f. u. h. wegen ihr [der Vogt]
uns wollet handhaben, wie von alters, so wollen wirs auch als weisen. S. ferner WAnder-
nach 1500 § 3, G. 6, 649, cit. unten Bd. 2, S. 648 Note 2. Übrigens beruhte dieses gegen-
seitige Verhältnis zumeist auf dem vollen Vertrauen beider Seiten, s. Bd. 2, 655, auch
Hanauer, Paysans S. 143 f. Vgl. zur Praxis auch Loersch. Ingelh, Oberhof No. 334.
1057 — Die Gmndherrlichkeit.]
Zum Zweck der Aufrechterhaltimg des Rechtes ist der Herr zunächst zum
Vorsitz im Ding entweder persönlich oder durch Stellung eines Stellvertreters
verpflichtet. In Wirklichkeit haben die Dingherren noch bis in spätere Zeit
hinein nicht selten den Dingen persönlich präsidiert i; und jedenfalls blieb
ihnen auch bei ständiger Stellvertretung der Vorsitz stets offen ^. Bei ihrer
Abwesenheit al)er führten in ältester Zeit den Vorsitz an ihrer Statt wohl
ausschliefslich die Meier bezw. die gi'undherrlich gewordenen Zender. Seit
der Wende des 12. und 13. Jhs. treten dann teil weis ^ an ihre Stelle die
Schultheifsen *, sei es nun dafs der einzelne Meier zum blofsen Wirtschafts-
1) Vgl. MR. ÜB. 1, 409, 1104; CRM. 1, 105, 1132; *WSalmrolir 1338, Hs. Koblenz
€XIb, Bl. 48a; *WAuw 1483, Arch. Maximiii. 1, 349.
2) Vgl. Bd. 3, 97, 19, 1291; WRoden 1484 § 3; WFaha 1494 § 2.
^) Es bleiben also immer noch Meier in den alten Funktionen voll bestehen, vgl. z. B.
oben S. 212; WHerbizheim 1458, G. 2, 23: als lange ein meiger, der ein meiger zu H. ge-
west ist, uf eime sessel ungehalten gesitzen mach, so solle er umb alle Sachen, die sich vor
ime, diewile er am ampte ist, verhandelt voUenfurt und verußert, giaupt sin; WRemich
1477, G. 2, 241—243, cit. Bd. 2, S. 632 Note 2, sogar füi' ein Hochgericht; WWelfried
15. Jli.? § 2; WWellingen bei Merzig 1498; WIgel 1537 § 1. Vereinzelt tritt an Stelle des
Titels Meier auch der Titel Hofmann, namentlich eben da, wo der Meier nur noch Wiit-
schaftsmeier ist: es stehen dann also Hofmann und Schultheifs nebeneinander; vgl. z. B.
AM-Ürenznach, G. 2, 151. Und in diesem Falle kommt es denn auch vor, dafs für den Ge-
richtsbeamten nicht der Titel Schultheifs, sondern Meier gewählt wird; es führen mithin
Meier und Schultheifs der gewöhnlichen, von uns angewandten Teraiinologie nach die Bezeich-
nungen Hofmann und Meier: so z. B. WPellingen 1545 und WMerl 1631, Einl.
*) Damit wird denn das Schultheifsenamt besonders und für sich erwähnt, s. z. B.
Guden. CD. 4, 903, 1262: universitas ville [Flörsheim] eliget tres viros ad dictmn officium
[sculteti], et presentabunt eos advocato; ex his acceptabit unum. *WBreisig 1363, Kindl.
123, 25, Münster St. A. : die Aebtissin von Essen hat in Breisig stol und ban und scholteßen-
ambt; das *W. von 1442, Kindl. 122, 249, fügt den klockenslag zu; vgl. dazu auch CRM. 3,
54, 1310. S. auch ferner Bodmann, Rheing. Altert. S. 733: curia [in Winchela], in quam
officium et ins officii [des erzstiftisch Mainzischen Schultheifsen] ciun suis pertinentiis pertinet.
Trad. Wizenb., Zeufs S. 306: Weifsenburg hat zu Rode predium cum suis pertinentiis, vide-
licet officium sculteti, curtis dominicalis cum bonis censibus et iuribus ad eam pertinentibus.
Kindlinger Hörigkeit S. 462, WKrotzenburg 1365: in villa Crotzenburg in curia dominorum
sancti Petri . ., in qua scultetus ville predicte morari consuevit; s. WKrotzenburg 1415, ebd.
S. 533: darinne derselben heren scholtheiße zu Crotzenburg pleget zu wonen und da man
zu wamtlichem gerichte plieget zu sitzen. Zur besonderen Stellung des Schultheifsen vgl.
auch noch oben S. 172, 176, 189; Baur, Hess. ÜB. 2, No. 8, 1153: Verzeichnis der Rechte
des Hornbachschen Schultheifsen; MR. ÜB. 2, 4*, 1169; USMax. passim, s. dazu oben
S. 1053; Bd. 3, S. 109, 23, 1302; Honth. Hist. 2, 35, 1308, cit. Bd. 2, S. 625 Note 4, dazu
]\IR. ÜB. 2, S. 520; ULuxemburg Bd. 3, No. 287 passim; Hennes ÜB. 1, 496, 1327, cit. oben
S. 382 Note 2; WAmel 1472 § 5; WDiedenhofen Ende 15. Jhs., Arch. Maximin. 2, 820,
cit. Bd. 2, S. 269 Note 4; WRittersdorf 1565, Einl.; WMarodt 1606, G. 1, 841, cit. Bd. 2,
S. 648 Note 3; Martene Coli. ampl. 2, 91; WBacharach, G. 2, 220; Bd. 3 Wortr. u. d. WW.
scultetria, scholtheißenampt. — Von besonderem Interesse ist noch WKersch 1593, G. 2, 274
(ausgedehnter cit. oben S. 220 Note 2, auf S. 221): der zentner sal meins herm hofman an-
rufen als ein Schultheiß: hier sind also die gerichtlichen Funktionen als regelmäfsiges Amt
des Schultheifsen, nicht mehr als Teil der Funktionen des Meiers (Hofmanns) gedacht.
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1058 —
meier, d. h. zum rein wirtschaftlichen Vorstand des Fronhofes, herabsinkt und
neben sich das neue Amt des Schul theifsen für seine bisherigen gerichtlichen.
Funktionen entstehen sieht ^ oder sei es, dafs mehrere bisherige Fronhofsdinge
vereinigt werden und dann für das so entstehende kombinierte Gericht,
unter Entlastung der Meier aller dieser Fronhöfe, ein besonderer Schultheifs
bestellt wird^.
Neben der Übernahme des Vorsitzes liegt dem Gerichtsherrn ferner die
Stellung des Dingplatzes ^ und des fiir die Dinghaltung nötigen Apparates an
Bänken u. dergl. ob*. An sich konnte der Grundherr den Dingplatz wählen,
wo er wollte^; selbstverständlich war dabei freilich im allgemeinen, dafs die
Wahl auf einen Platz innerhalb des Gerichtsbezirkes iiel^. Nicht selten findet
sich der alte Markdingplatz als Grundgerichtsplatz wieder, in diesem Falle
wird das Grundgericht unter der Dorflinde ^, oder unter einer Eiche ^, einem
Nufsbaum^ u. dgl. abgehalten. Daneben aber stehen in gleich grofser Anzahl
Fälle, wo sich das Grundgericht auf dem alten Baudingplatz, also auf Fron-
hofgebiet, versammelt. So in der Fronscheuer, im Kelterhaus, im Fronhofs-
saal oder sonst in irgend einem Frongebäude ^^. Vermutlieh hiermit wie wohl
1) S. oben S. 735 f.
2) S. oben S. 1053.
^) WMillingen bei Sierck, G. 3, 786: auch sullen die gewelthaber der gemeinen von«
M. ein pletz wisen uf der hübe, daruf sie mögen ein stige machen ; ab aber die pletz der ge-
meinen nit geiil, mögen sie ein selbst machen, wo in gelibt in irer gemeinen sonder intrag^
aller herren. S. auch W. des Pallastes 1463, G. 2, 286.
■*) WBech bei Echternach § 2: daz m. herr abt [von Echternach] sol ein hof han,
darin sollen staen stoel und benk. WMerzig 1529 § 1: zum Jahrgeding sollen da sein und
stehen 3 benk mit ihrem gedeck und ein sessel oder zwei, auch mit ihrem gedeck und zugehör.
5) A\^allmünster 15. Jh. Ende (?) § 7, cit. unten Bd. 2, S. 658 Note 4. S. auch
WBreisig 1546, G. 2, 633: ob man irrig lunb die hofsgueter wurde, wo der zweispalt richt-
lich erörtert oder verthedingt werden sol? das sol uf der hofsplatzen geschehen, es erlaub
dan der schulteiß von wegen des hofsherrn, das es an einem andern ort geschehe.
®) WBacharach, G. 2, 220: wa der schultiß in deme [Bacharacher] begrif sitzet und!
Schelfen bi ime halt, id si uf dem velde of anderswa, da mach er gerichte halden.
') WKirburg 1461: zu Kirburg unter der linde; WBiebern 1506, G. 2, 189: zu Biebem
im dal vor der linden uf dem plan; WWeidelbach 1538 (53): jahrgiding zum weistum
alle jars zum halben maien bei der kirchen under der linden; WSchwarzenberg 1560
Schlufs: zu Crittenich under der linden, da man das iargeding zu halten pflicht. S. auch
noch WAllendorf-Haselbach 1559 § 2 und WJohannisberg : Gencht unter der Linde, nur das
Fastengericht im Dorf (Kälte?).
«) WFahr-Ginnersdorf-Wolfendorf 1494 § 2.
^) WKochelhausen 1430.
1^) WUedelhofen 1481, G. 2, 532: der hern scholteß . . hat bescheiden naist alder ge-
wonheit die geschworen hoifener ind lehnman zur rechter dagezeit uf den hof, ind umb un-
gewitters willen in Kesselerers schewer, als uf des vurg. hoifs erden. WBesch 1541, Einl. :
Weistum abgehalten im obersten Saal des Hofes. WLeyen 1555, G. 2, 507: das Hofgeding
im Kelterhaus gehalten. WSaargau 1561, G. 2, 56: darnach wist der scheifen, das man das
iargeding sol halten zu Fuchten uf der froinscheuren umb ein recht und uf eigenthumb des
— 1059 — r>ie GrundheiTlichkeit.]
auch mit der Gerichtsqualität des Grundherrn im allgemeinen hängt es zu-
sammen, wenn die Fronhöfe gleich den Schöffenhäusern besonderer Freiheit
geniefsen und als Asyle für flüchtige Verbrecher geltend
Endlich ergiebt sich aus der Gerichtsherrlichkeit des Grundherrn noch
eine dritte Thatsache: der Grundherr hat die Exekutive am Grundgericht ^.
Sie fiel wie der Gerichtsvorsitz an des Herrn Statt dem Meier l)ezw. Schult-
heifsen zu, zu ihrer Durchführung aber war noch ein besonderer Subalterner
Stifts van Trier: daselbs sol man ßnden ein scheur uf vier Stilen, ein feur sonder rauch,
benk und geseß vur unserer genedigen hern amptleut und gericht zu sitzen, auch ein sessel
dabi stain mit seinen zuhören, ob iemants quem, dem es unser g. h. amptleut gunten daruf
zu sitzen.
1) S. WKenn 14. Jh. 2. H., § 5 u. 6, G. 6, 545; darna so wiset der scheffen unsern
hera iren frihen hofe und vortme einen frien man. und abe is sach were daß ein man einen
zoren gedane hette und queme in unsern hernhoif umb genade und schirmes willen, so sal
er friede und schirme hain, [so lange er da ist]. WWiltingen 1495, § 2: der Hof zu
Wiltingen ist so frei als SLudwins Altar. WBech 1529 , G. 2, 68 : dis hofgering binnet der
4 maiu'steinen, die umb den hof stehn sollen, hat Freiheit (Asyl) auf 8 Tage. WBesch 1541,
§ 27: der Hof ist Asyl als die hilligh kirch; genauere Schilderung Hardt S. 97. S. auch
noch WKönigsmacher 1591, § 10; WRemich 1462, § 15: die Asylstellen (Hof, Mühle,
Schöffenhäuser) sind frei von jeder Pfändung etc. , es darf hier niemand koemeren, aingreifen,
heiigen noch pfenden. Diese Asyle laufen tibrigens vielfach nur darauf hinaus, die peinliche
Gerichtsbarkeit womöglich von einem Hof dem andern zuzuschieben; man sah es gern, wenn
der Verbrecher entfloh: WRemich 1462, § 18. — Eigentümlich sind WS endweiler 1520—1550,
§ 1, G. 2, 128: ob etlich gueter frei sein? antwort der scheffen und weist, nit mehre dan
ein hofgut, Croppenhof, und ob ein misthediger darin lief, sol er der freiheit geniefsen ; wilt der
hofrnau von ime richten, sol er einen galgen über die pfort machen und sol ime lassen richten
mit dem bauch zur pforten innen und mit dem ruck heraus; wo einem hofman das zu
schwere ducht sein, sol er ine mit dem rechten gern vor die pfoiten liefern uf der hern
gericht in der hem haut. WKleinich, G. 2, 135: ich frage dich, daß du uns weis machest,
was die drei freihoefe vor ein freiheit haben, daß sie freihoef heißen? also ich geweist
worden, das weisen ich mit vor recht, wan ein hanttetiger uf der hoefe einen kern oder
klimmen wiu-de, so sol er freiheit haben drei tag und sex wochen; wan die freiheit umb ist
imd drei schrit von dem hoef kmnpt und kan dan wider uf den hoef kumen, so dick ers
thun kan, solle er freiheit haben. — Auch alle Orte mit Beaumonter Freiheit haben das
Asylrecht; Bonvalot S. 304. Nähere Bestimmungen über Kirchen und Kirchhöfe als Asyle
für Verbrecher enthält Ennen, Qu. 1, 491, 31, 1080. Zur Freiheit der curtis ducis s. schon
L. Baiuw. 1, 9, 2, MGLL. 3, 302. S. auch Landau, Salgut S. 119 f.; v. Inama, Hofsyst.
S. 59 Note.
2) Honth. Hist. 3, 50, 1577: der Abt von SMatheis beklagt sich, obwol er des grund-
gerichts zu Palzele Nenich Heifant Vilmar Romelfingen und Caden im ampt Sarburg ruhig
und friedlich herpracht, als doch ime von unserem amptman zu Sarburg die zeugen an
gericht zu forderen, desgleichen in volnziehungen der urteil die execution an den beweglichen
guetern zu thun nit gestattet werden wolle, daruf und auf eingenommenen bericht von dem
amptman zu Sarburg, so jetzt gegenwertig gewesen, unser gn. herr diese erclerung gethan :
weil man dem gotteshaus zu sanct Matheis in ben. dorferen der grundgerechtigkeit gestendig,
daß ime auch pillich die citation der zeugen und die execution in mobilibus, zuvor und ehe
die immobilia angegriffen, in gi'undsachen zu gestatten seie. Vgl. dazu die Anm. Hontheims
a. a. 0.
tGrunclherrlichkeit und Vogtei. — 1060 —
TOi'handen\ der BütteP. Als Subalterner war der Büttel besoldet^, als
Exekutivorgan wurde er vom Herrn ernannt* und ab und zu auch für andere
als gerichtliche Dienste verwendet ^ Indessen findet sich bisweilen doch auch
Wahl des Büttels durch die Schöffen^, und bei dem Vorhandensein beider
Prinzipien, der Ernennung wie der Wahl, natürlich auch die grofse Reihe der
zwischen beiden entwickelten Vermittelungen, wie sie soeben für die Schöffen-
kreierung besprochen worden sind^ Die Thatsache aber, dafs der Büttel
auch gewählt werden kann, erklärt sich nur in der Annahme, dafs bei der
Fusion von Mark- und Bauding bisweilen das markgenössische Gerichtsbotenamt
herübergenommen wurde und bestehen blieb, während der grundherriiche
Büttel oder Fronbote zurücktrat.
So weist denn auch das kleinste Amt innerhalb der grundherrlichen
Gerichtsverfassung auf die Thatsache der Durchdringung verschiedener Gewalten
innerhalb der ausgebildeten Grundherrlichkeit des späteren Mittelalters hin. Wie es
im Grundgericht vor allem ursprünglich die grundherrliche und die markherriiche
1) WBreisig 1546, G. 2, 633: wan die höfner ein urteil weisen uf hofsgueter, es sei
umb verfallen kunnont oder aber das niemants einen vorgenger stelt oder dem hofsherrn die
zins, die er jerlich zu geben schuldig, nit zu gepuerlicher zeit bezalt, oder die bueß so er
verbrochen nit gibt, wer dieselbige urtheil vollenstreck oder welcher fronebot die einsatzung
thu? h. a., des hofsherrn schulteiß und hotten sollen ein solichs umb ire belohnung thun,
wie Gmpen Johan sagt, als er hofsbot gewesen, das er es dermassen practicirt hab. doch
gepuer dem hofsherrn wie gewonlich darumb zu dingen.
2) Bedellus; — s. USMax. Herl S. 445 Schlufs; Naurath S. 445 und S. 446 Schlufs;
Pellenz S. 452; Kürenz S. 467. Vgl. ferner Cesarius zum UPrüm S. 148 Note 1; *USMax.
1484 Bl. 6a, WSauerschwabenheim 1407: des gerichtz boede ader buedell ; Oberlahnst. Zollr.
1465 Pfingsten S. 410: dri burger uß dem raide und den fronen, die m. h. forst han helfen
besehen, (einen Tag verköstigt). MB. ÜB. 3, 187, 1222 kommt der Ausdruck nuntiator
vor. Vgl. femer Bd. 3 Wortr. u. d. WW. bodeampt, böte, preco; s. auch Hanauer, Paysans
S. 106 f.
^) *USteinfeld Bl. 153 a: dis naegeschreven erve ind guet pleit unse geswoeren boede
zu Wer zo hain, ind gilt zoesaemen 3 mir., ind dat is des boeden gewoenlich loen: item die
hoefstat in dem winkel entghen Herman Bors guede, ind ein stuck lantz under proestep
boumen, item eine wese zoe Nederbusmont, dat Zopwischgen ind die Buschswese lanx der
gemeinden wesen ind die Valkwese, geldent 3 mir. körn.
^) WBleialf 1600, G. 2, 529: auch weist der scheifen vor recht, das ein abt von
Priim hat ein hoefscholtheißen und hotten zu setzen und zu entsetzen; und wan er wie
recht ingesetzt wird, sol in ein abt oder oberschultheiß nehmen mit der rechter band und
der vogt von Schönbergh mit der linker band, und sollen in. also sammen in gericht insetzen.
■S. u. a. auch WDensborn 1334, G. 2, 566.
^) USMax. S. 446, Naurath: (bedellus) dominicalia nostra ad colendum distribuet,
lectistemia nobis curabit, equos stabulabit.
6) WOberheimbach, G. 2, 229: wanne ez noit were, das ein buddel nit enwere, so
sollent die scheffen einen kiesen und unser herre ime Ionen, und sal ime geben in dem
hüntschen hirbst ein hüntschs fuder wins, wan die kelter eins zügegangen ist, und ein ame
wins von dem wingarten an dem Riebe gelegen uf den Haubern, und einen rocke, die
ele 18 d.
7) Vgl. z. B. WRommersheim 1450, § 1, G. 6, 580.
— lOGl — Die Grundherrlichkeit.j
Gewalt waren, deren Zusammenwirken die neue Gerichtsform schuf, so ent-
steht das gTundherrliche Hochgericht aus der Vereinigung der genannten
Gewalten mit der Immunitätsherrlichkeit. Und alte grundherrliche, mark-
herrliche und imnmnitätsherrliche Gewalt bilden denn überhaupt in mehr
oder minder starker Mischung, in gröfserer oder geringerer Durchdringung
jene unter sich so unendlich verschiedenen grundherrlichen Systeme aus,
welchen wir in der Überlieferung am Schlufs des Mittelalters begegnen. Da
steht neben der einfachen Grundherrschaft, welche kaum die Ausbildung von
Gnmdgerichten erreicht hat, die weiter entwickelte mit Grundgerichten ver-
sehene Grundherrschaft, die soeben zur Patrimonialherrschaft innerhalb eines
bestinnnten Territoriums zu werden anfängt, und aufser diesen Fonuen findet
sich noch die immunitätsheiTliche Gnmdherrschaft, welche es zwar zu Hoch-
gerichten, nicht aber zu territorialem Abschlufs gebracht hat, und das voll
entwickelte immunitätsherrliche Territorium.
Aber sollte der Territorialherr die Grundlagen für die Ausbildung seiner
Landesgewalt nur einer auch noch so entwickelten Grundherrlichkeit ent-
nommen haben?
2. Die Vogtei.
Die Vogtei involviert die herrschaftliche Vertretung des Bevogteten, vor-
nehmlich vor Gericht und im Kriege ; ihren lebendigsten Ausdruck gewinnt sie
und am ehesten begründet wird sie durch Schutz des Bevogteten im Kampfe,
mag es sich nun um einen Rechtsstreit oder um den offenen Streit der Waffen
handeln ^
Wenn daher vogteiliche Verhältnisse im Mittelalter so aufserordentlich
häufig sind, so liegt in dieser Thatsache der beste Beweis für die Behauptung,
dafs der mittelalterliche Staat seiner einzigen grofsen Aufgabe, der zwingenden
Rechts- und Friedenswahrung, in keiner Weise gerecht geworden ist.
Vor allem trifft dies gegenüber der Kirche zu. Wenn bereits in
spätkarolingischer Zeit der Klerus geradezu auf dem Wege der Gesetz-
gebung angewiesen wird, sich vogteiliche Vertretung zu suchen, so ist
schon diese Vervogtung einer grofsen und einflufsreichen Klasse der Reichs-
angehörigen nicht so sehr auf irgendwelche Rechtsunfähigkeit des Geistlichen
als vielmehr auf die Empfindung der Staatsgewalt zurückzuführen, dafs gegen-
über der Bedrängung des Klerus durch die vornehmen Laien die staatlichen
Herrschaftsmittel der Friedenswahrung nicht mehr voll zur Geltung gebracht
werden konnten^. So wurde die Vervogtung des Klerus völlig durchgeführt;
seit dem 10. Jh. erscheint jeder Geistliche und jedes geistliche Institut vogt-
pflichtig : eine aufserordentliche Reihe von Vogteiverhältnissen wird allein schon
auf dieser Grundlage geschaffen.
^) Zur Vogtei im allgemeinen vgl. Bd. 3 'Wortr. u. d. WW. vocatia ff.; und aufser
Waitz, Vfg. 5, 253 f., 266; 7, 372 f.; 8, 63 f.; v. Maurer, Fronh. 1, 278, 306 f. u. s. f.;
V. Wyfs, Zs. f. Schweiz. Piecht Bd. 17 und namentlich Bd. 18 ; im besonderen noch Küster S. 49 ff. ;
Honth. Hist. 1, 634 f.; Back, Ravengiersburg 1, 36 f.; Bodmann 2, 528, 684 f.; Hanauer,
Paysans S. 74 ff. ; Baumann, Allgäu 1, 303, 315; Acta Murensia ed. Kopp, dazu Waitz, Vfg.
5, 266, V. Wyfs a. a. 0. 18, 157 f.; Warnkönig 1, 430 f.; 3, 374 f.; Bonvalot S. 452 f.
^) Darüber s. neuerdings Heusler, Institutionen 1, 116 f.
— 1063 — Die Vogtei.]
Aber auch den sozial tiefer stehenden Laien leiste die Gesanitentwicklung
unserer Geschichte seit der Karolingerzeit den Eintritt in irgendwelche Vogteiver-
hältnisso nur zu nahe. Man braucht sich gar nicht der fortwährenden Reichs-
kriege, wie sie namentlich um die Wende des 9. und 10. Jhs. verheerend
wirkten, zu erinnern^; auch in nach aufsen hin friedlichen Zeiten waren
Rechtsunsicherheit und Landesunsicherheit im Innern grofs genug. Schon die
karolingisclien Beamten mufsten durchgehends vor Mifsbrauch ihrer Amtsge-
walt gewarnt werden^; zunächst gegen ihre Bedrückungen wurde das schon
früher aus gleichem Anlafs begründete Institut der Imnmnität immer weiter
verbreitet^. Der Mifsbrauch der Amtsgewalt wurde aber in nachkarolingischer
Zeit, mit der Vererblichung der Ämter, gewifs nur gröfser*, und neben ihm erhob
sich von Zeit zu Zeit und von Ort zu Ort die Willkürwirtschaft der Bischöfe und
Könige speziell mit dem geistlichen Gut^. Noch trauriger stand es mit der
Landessicherheit. Nicht nur dafs jeder Krieg auch innerhalb der Reichsgrenzen
in Mord, Brand und Yerwiistung geführt wurde ^, Raub und Zerstörung waren
überhaupt stets an der Tagesordnung: noch schienen die Anschauungen der
Urzeit, wo der Raub in den römischen Provinzen als ehrenvoller Erwerb ge-
golten hatte, nicht völlig überwunden, noch im 10. Jh. bezeichnet der Aus-
druck praedo nur einen hervorragenden Krieger, so dafs ihn Ruotger c. 19
auf der früheren Herzog Konrad mit dem ehrenden Beiwort audacissimus an-
wenden kann^. Da darf es nicht wunder nehmen, wenn die Quellen vornehmlich
^) S. oben S. 709, daneben die Detailausmalimg in der V. Wiborad. 30.
2) Ein Beispiel oben S. 721.
3) Oben S. 1016.
*) Einen Fall der Klage gegen königliche Beamte enthält MR. ÜB. 1, 275, 998:
Adalbero von Metz beschwert sich bei König Otto III. de quodam (regii) iuris castello
■Saarbrücken nominato, a quo tarn ipse quam et sua ecclesia intollerabilia patiebantur in-
commoda. Es wird an Metz geschenkt.
•5) S. oben S. 709, 711.
6) Vgl. z. B. Lambert z. J. 1070, MGSS. 5, 178, 19, Westfalen: villas [der Gräfin
Richinza von Werl] raultis opibus et aedificiis ornatissimas incendit, bona diripuit, in mulieres
et pueros — nam viri in montes et saltus devios se abdiderant — foeda et hostilia multa
■commisit. Chron. reg. 1239, S. 275: castrum luliacum obsidet et villam castri penitus
■cremat . . . Rhode pers^enit, cuius omnia suburbana comburit. G. Trev. c. 216, 1300, die
Luxemburger haben den Trierer Thalkessel vei^listet: non est honor neque decus armatae
militiae, inennes invadere et elemosinas eorum discerpere, quas Christi fideles quondam pro
suis delictis redimendis religiosis pro Christi nomine humiliter obtulerunt. cives Treverici
hanc lesionem vix sentiunt, sed Christi pauperes et ecclesiastici viri hec flagella graviter
pertulerunt. Wie es hier ausgeführt ist, so leiden die kirchlichen Institute in der That stets
besonders stark, vgl. MR. ÜB. 2, 176, 1198 die Schilderung der angustiae der Andernacher
Nonnen, quas in instant! bellorum dissidio in domibus destructis et exarsis, in curtibus ex-
spoliatis et penitus incultis relictis . . sibi contraxerunt. Ein lehrreiches Beispiel der Quälereien
der Laien gegenüber dem Kirchenbesitz ergiebt auch *Schreiner Hist. abb. s. Martini Trev.
Trier Stadtbibl., vgl. Goerz Reg. 2 No. 1353, ebenso Goerz Reg. 2 No. 1354.
'') Doch kennt Routger das Wort doch auch schon mit unangenehmer Nebenbedeutung, vgl.
[Grundhen-lichkeit und Vogtei. — 1064 —
der ausgehenden Karolingerzeit einen Teil der unteren Schichten des Adels in
völligem Räuberleben begriffen schildern: überall erheben sich Kastelle und
Biu'gen, von denen aus die Umgebung geplündert wird^
Nun machten freilich die kräftigen Bischöfe^ wie die Könige^ der
Ottonen- und frühen Salierzeit diesem Treiben vielfach ein Ende, aber schon
um die Mitte des 11. Jhs. erschlafften diese Gewalten, und schon gegen Schlufs
des 11. und den Beginn des 12. Jhs. schritten — wenn auch anfangs noch
unter gröfserer oder geringerer Teilnahme der lieichsgewalt — die Reichs-
angehörigen zur Selbsthilfe im Gottesfi'ieden*, in der geistlichen Strafandrohung
des Banns -^ und in Friedens- und Verteidigungsverbindungen gleichgearteter
Lebenskräfte^. Mit diesen Vorgängen war natürlich auch der Selbsthilfe des
c. 20, MGSS. 4, 261, 44. Vgl. auch Flod. z. J. 947, MGSS. 3, 394, 26: H. nepos H-i quondam
archiepiscopi habens munitionem . . villas circumquaque depraedabatur . . contra cuius prae-
dones. . . Die Besatzung wird später auch mit dem Wort grassatores bezeichnet. Noch in
der V. Meinwerci c. 41, c. 1020, heifsen die Burgmannen von Bernkastei praedones oder
auch aeditui.
^) Zu diesen Räubereien s. aufser der vorhergehenden Note noch Regino z. J. 887 ; G. ep.
Camerac. 1, 48, super quodam predone: vir quidam negotiis militaribus deditus, sed rapacitatis
studiis intentus . . depopulari consueverat. Aus späterer Zeit s. Lac. ÜB. 1, 130, 203, 1064 :
die Höhe des Klosters Siegburg noch vor der Gründung des Klosters (1064) befestigt, um zu
Eäubereien in der Umgegend zu dienen. Ähnlich stand es mit dem Platz des späteren
Klosters Arnstein , vgl. V. comit. de Arnstein : castram Arinstein . . habile ad rapinam
habitatoribus suis lapis erat offensionis et petra scandali, utpote qui stipendiis suis minime
contenti totum de alieno, parum de proprio possidebant.
2) S. oben S. 712. Die G. ep. Leod. 2, c. 55 haben über den Bischof Wazo von
Lüttich ein besonderes Kapitel mit der Überschrift Quod castella praedonum everterit.
3) Flod. z. J. 938, MGSS. 3, 385, s; Richer 2, 8, 938; Herim. Aug. Chron. 1054.
Man vgl. auch die allgemeinen Äufserungen bei Ruotger c. 16: imperatorem . . tutorem opum,
vindicem scelerum, largitorem bonorum, und in Adalb. V. Hem\ c. 19: terra, quam rex non
frequentat, saepissime pauperum clamoribus et gemitibus abundat.
•^) Man vgl. die charakteristischen Motive bei Ennen, Qu. 1, 489, 31, 1083. S. auch
die Schilderung der Ann. Aug. 1092: Schwaben wird von den Kriegswehen zu Boden ge-
drückt, keine Rücksichten aus Gottesfurcht, keine Scheu vor den Dienern des Herrn gab es
mehr ; ohne sich Arges zu denken war jeder straffällig, und — wie Salomo spricht — einer
tötet den andern des Raubes, der Habsucht halber; alles geht drunter und drüber, Blut
heiTScht und Mord, Raub und Betrug, Bestechung, Treubruch, Unruhen, Meineid, Tumulte,
keine Rücksichtnahme auf Gottesgut, Verseuchung der Seelen, Unbeständigkeit in den Ehen,
Hurerei und Unzucht.
•^) Blattau 1, 5, 1112, erstes Exkommunikationsdekret gegen die raptores bonorum ecclesiae ::
congregationibus autem licentiam damus, ut quicumque eos in bonis stipendiorum suorum
leserit, eum quotidie excommunicatione persequantur. Verstärkt wiederholt Stat. synod.
1238, c. 1, Blattau 1, 34 und öfter. Später mischen sich auch die Päpste ein; s. MR. ÜB.
2, 2.34, 1208; 3, 198, 1223; Gachard, Mem. de l'acad. Belg. 1848 No. 35, 1244: Innocenz IV.
betiehlt dem Dechant und Scholaster von SPaulin-Trier, die Beunruhigung der Abtei Stablo
durch den Herzog von Limburg u. a. zu verhindern.
®) So der Städte, namentlich aber der geistlichen Institute. Darüber Genaueres unten
Abschn. VUI Teil 2.
— 1065 — Die Vogtei.]
IiKlividiiuiiis freier Spielraum gegeben: trat das Reich zuriick, beruhte die
öffeiitliclie Ruhe nur noch auf der wenn auch vom Reiche sanktionierten Ver-
einbarung hervorragender Reichsangehöriger, so war nicht einzusehen, warum
nicht der einzelne sein Fehderecht üben sollte, wie er sich öffentlichen Frieden
zu gebieten vermafs. An der Mosel zog man diese Konsequenz mit dem Be-
ginn des 13. Jhs. M seitdem beginnt eine Zeit adliger Kriegs- und Raubzüge,
welche von den in p]rstarkung begriffenen gröfseren Territorialgewalten erst
um die Mitte des 14. Jhs. einigermafsen gedämpft^, aber bis ins 16. Jh. hinein
nie völlig beseitigt wurden^.
So fehlte es zu keiner Zeit des Mittelalters an Vogteibedürftigen, und
besonders die Perioden von etwa 850—950 und von etwa 1050—1350 mögen
es gewesen sein, welche in weiten Schichten der Nation das Bedürfnis eines
besonderen herrschaftlichen Schutzes aufkommen liefsen.
Dem entspricht es, wenn wir schon in der ersten Hälfte des Mittelalters
Bevogtete der verschiedensten Art finden. Da stehen neben einfachen Privat-
personen, mögen sie nun geistlich oder weltlich sein"^, grofse Institute und
^) Den ersten Fall urkundlich bezeugter Selbsthilfe bietet MR. ÜB. 3, 10, 1213. Wie
weit man schon eine Generation später gekommen war, ergiebt die Prümer Urkimde im MR.
ÜB. 3, 986, 1249 : cum monasterium nostrum in medio nationis prave et perverse sit construc-
tum, propter quod insultibus inimicorum assiduis fatigatur, nos diligenti super hoc habita
speculatione considerare volentes, que nostre pacis forent et salutis, necnon quo remedio
monasterium nostrum valeat in posterum tueri, de communi voluntate nostra et assensu sollem-
l)niter statuimus, ut quicunque de cetero in fratrem et monachum sive prebendarium nostri
monasterii ftierit electus aut cuicunque auctoritate aliqua conferatur prebenda in nostro mo-
nasterio, quod loricam caligas ferreas galeam et alia defensabilia ad tuitionem corporis et
rerum, que armatus consuevit, secum apportare teneatur, ut dictum monasterium ab hiis in-
cursibus malignantium valeat defensari. S. auch Bd. 3, 77, 5, 1277.
2) G. Trev. c. 259, 1352 : Erzbischof Baldum plurima castrensium domicilia circa Dunam
et Ulmenam, quae fuerant raptorum receptacula, devastavit.
3) Vgl. aufser Toepfer ÜB. 2, 155, 1410; 162, 1413; 431, 1466, noch Trith. Chron.
Sponh. z. J. 1501: in die epiphanie domini sub missa venit quidam de militari genere no-
mine Johannes de Eltz cum quibusdam aliis militaribus, qui iura et libertates suas per
archiepiscopum Trevirensem violari querebantur, cum navibus et equitibus per Rhenum et
ten-am, et praeoccupavit Boppardiam, posuitque mox custodes suos ad muros turres et portas
obtinuitque oppidum nuUo resistente, omnibus, qui de parte archiepiscopi fuerant, eiectis; et
quid sequatur, expectamus.
*) Für Geistliche s. z. B. Lac. ÜB. 1, 113, 182, 1047; für weltliche Einzelpersonen
aufser der allgemeinen Erwägung oben S. 698 Zeufs, Tradd. Wizenb. S. 203; MR. ÜB. 1,
379, c. 1084 : ego Uda de Reza libera mulier tradidi me beato Maximino, ut singulis annis
in festivitate beati Maximini [Mai 29] de censu solverem 1 d., et ut similiter omnes, qui de
mea generatione successerint similiter faciant denovi [!], unde ut libera ego totaque mea suc-
cessio ab omni alio advocato permaneamus censu tali soluto . . . nullum igitur advocatum
preter ipsum altare habere volumus, sed semper sub mundiburdio et defensione sancti Maxi-
mini et custodis eiusdem ecclesie esse disponimus. Wenn hier Schutzergebung an ein
Kloster erfolgt, das doch selbst vogteibedürftig war, so ist das nichts Aufsergewöhnliches : wie
die Lehensverhältnisse können sich auch die Vogteiverhältnisse auf einander aufbauen, so
Lamprecht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 68
[Gnindherrlichkeit und Vogtei. — 1066 —
Genossenschaften, vor allem alles, was geistlich heilst, Kapellen \ Pfarr-
kirchen-, Klöster, Stifter und Bistümer^, ferner aber auch Rodegenossen-
schaften'^, freie Markgenossenschaften^, Fronhöfe ^, markherrliche Dörfer ^
und seit dem Beginn des 14. Jhs. ganz allseitig auch volle Landkomplexe ^
und kleine Grundherrschaften ^. Auch Sachen finden sich verschiedentlich
dafs der von A Bevogtete B zugleich Vogtherr von C ist. Vgl. darüber weiter unten. Zu
unserem Beweisthema s. fernerhin die Aufzeichnung des Trierer Urbarcodex Koblenz St. A.
Bl. 30 a : Hü subscripti fecerunt se domino [Treverensi] censuales ad eorum vitam« causa pro-
tectionis, gedruckt unten im Anhang zu Teil 3; vgl. auch schon WLierschberg § 5, 14. Jh.
Anf. : Leute von anderen Orten (Lierschberg, Kerrich) lassen sich gegen einen an den Erz-
bischof zu entrichtenden Zins unter das Hofgericht des Trierischen Hofes Igel aufnehmen
(in unseres heren schierm): darumb enmogent sie die vogde nit drengen über der scheffen
urteil dez hoves. S. ferner auch noch Kindlinger, Hörigkeit S. 519, 1405.
1) MR. ÜB. 2, 379, c. 1200: ein advocatus capelle sancti Egidii in Pinguia [Bingen].
2) G. Trev. c. 216, 1300: Treviris ecclesia metropolitana , quae 72 matrices ecclesias
cum suis appenditiis advocatie filii sui comitis [Lucellenburgensis] subdidit.
3) Zu diesen sehr bekannten Fällen vgl. man u. a. MR. ÜB. 1, 255, 981; 257, 10. Jh.;
273, 996; Guden. CD. 3, 791—793, 1191.
*) So stand der Pfalzgraf Chrodoin (oben S. 699) zu seinen Gamaladionen in einer
Art von vogteilichem Verhältnis.
^) So z. B. Briedel; hier kommt MR. ÜB. 1, 582, 1154 neben dem advocatus curie,
dem Vogte eines im Dorfe gelegenen Fronhofes, noch N. advocatus ville vor. S. auch
Lehnbuch Werners II. v. Boland S. 17: die Herren von Boland sind advocati super marcam
lignorum in Dippurc [bei Darmstadt] spectantem et super pascua et almeinda. S. ferner
WStrohn bei Gillenfeld 1381, dazu oben S. 188, und WNiedermendig, vor 1563, G. 2, 492:
Wasser und weide haben wir von dem himlischen vater zu lehen, darbei sol m. j. v. V. einen
jedem schützen und schirmen nach seiner notturft. Schon im Beginn des 14. Jhs. war eine
Markgenossenschaft ohne Vogt, mochte sie nun frei oder markherrlich sein, eine entschiedene
Ausnahme, s. WBernkastel 1315, Toepfer 1 S. 124: so hait min herre ein dorf heisset
Thaners, dat is sine frikamer und also fri, M^urde ein dief da begriffen mit morde oder mit
düberien, dat mag mins herrn amptman richten an den nesten bäum, er da findt. auch hait
er da ein fri kelterhus und winwaisse, darna dat der win west. dat dorf ist also fri, mochte
is der vadien entperren, so engulde is dem vade keine bede; wann is der vadien nu nit ent-
peiTen enmag, des wird dem vade dat halfscheit von der beden ; des halfscheitz müssent die
vade warten andersit Eimerbach und endürven nit komen in dat dorf.
^) S. die Note 5 angezogene Urk. MR. ÜB. 1, 582, 1154; und massenhafte Beispiele im
ferneren Verlauf dieser Untersuchung.
"') S. CRM. 1, 185, cit. oben S. 231 Note 3, für die Zeit von 1099—1131, ferner Lac.
ÜB. 1, 173-4, 227, 1076 und dazu 164, 254, 1098, sowie Miraeus 2, 368-9, 1101, der
Kaiser urkundet: advocatiam ville (Andenne bei Namur) . . reddidi ea cum conditione,
ut ibi nullus omnino advocatus esset, nisi ille tantum, qui eam specialiter de manu impera-
toris teneret.
^) WAlflen 1476 § 1, G. 6, 593: min gnediger herre von Trier solle si (die von Alf len,
Udenrait, Gillenbeuren , Gorgwiler und Morßwiler) schirmen glich sinen eigenen luden, die
in das gericht zu Alfelen hören, des geben si sinen gnaden sebenundzwanzigh mir. haberen,
wilche haber heischet schirmhaber ader burghfoder.
^) Die Vogtei über kleine Grundherrschaften, wie auch die über ganze Landkomplexe
ist jedenfalls , soweit sie sich nicht auf kirchliche Institute bezieht, eine Erscheinung erst
— 1067 — r)ie Vogtei.]
hevogtet, so bestimmte Schenkungen, welche rtiirch Ph'richtung einer Spezial-
voiitei vor dem AniiTiff seitens Erhberechtigter .üeschiitzt werden sollen \ ferner
einzelne Landstücke, z. B. Wiesen, und vor allem Wälder^, bei denen nicht
selten alte Wildbannrechte im Sinne vogteilicher Befugnisse und Funktionen
iiusgeprägt wurden^.
Wer aber iibernahm die Vogtei so verschiedenartiger Schutznuitender?
Zunächst der König. Schon die merowingischen Könige hatten es sich
^angelegen sein lassen, aufser dem allgemeinen herrschaftlichen Befriedungs-
des 14. Jlis. und gehört dem Entwicklungsprozers der TeiTitorialbildimg und Landeshoheit
an. Vgl. *Bald. Kesselst. S. 627, 1335/36: Wir Friderich wildegreve von Kirburg dun künt
allen luden: want der erwerdige in gote vader und herre unser herre her Baldewin erze-
hischof zu Triere durch unser bede willen die bürg Dronecke, daz dorf und die marke zu
Talvang, die sin und des stieftes zu Triere achtirlehen sint, nü von ostern nehest koment
vier ganze jar, nach einander körnende sint, in sinen schirm und eid genomen hat, so sollen
und wollen wir und verbinden uns des an diesen gegenwortigen brieve, demselbin unserm
herren, odir wen er iz bescheidet binnen derselbin zit, alle jar sibenzich phfmt hl. halb
iif sente Walpurge dage und halb uf sente Mertins dage in die stad zu Triere antwerten und
reichen; s. dazu auch CRM. 3, 279, 1341. Vgl. ferner *Bald. Kesselst. S. 374, 1343: Nico-
laus de Swarzenberg transfert omnia bona sua et fideles in dominum Treverensem et infeodat
burgravium in Grimberg cum bonis, que ab aliis dominis tenet in feodum. S. ferner Bd. 3,
No. 203, 1372; No. 266, 1490.
1) S. dazu oben S. 693 (auch S. 683 oben), und dazu Lac. ÜB. 1, 102, 164, 1028;
MR. ÜB. 1, 336, 1052, cit. oben S. 656 Note 5; Lac. IIB. 1, 105—6, 169, 1053; 189, 289,
1118; MR. ÜB. 1, 540, 1120—1162, cit. oben S. 632 Note 4; MR. ÜB. 1, 465—6, 1129;
MR. ÜB. 2, 60, 1169—83. S. auch aus späterer Zeit, wo derartige Spezialvogteien selten
werden, Arch. Clervaux 557, 1386: Diderich von Enscheringen et Coenchin von SVith de-
clarent avoir degage de Jutte de INIeysenburch et de Arnold de Lischeim, un bien dit Vuigen-
dorf. Ils les garantiront contre toute pretention sur ce bien de la part de tiers: das wir
unsen fueß ^au' den hiren setzen sullen und si der anspräche verantwerten sollen. Von
besonderem Interesse ist noch MR. ÜB. 3, 85 a, 1218, Simon Herr zu Montclair verpfändet
sein Allodium Idweiler an Mettlach: insuper dominum comitem de Geminiponte omnimodo
exoro, quatenus elemosine cognationis et servitii mei causa dictum abbatem in dictis villis
manuteneat, ne quis ecclesiam Mediolacensem . . super perceptione predicti allodii pre-
sumat molestare.
2) S. oben S. 477, 479, dazu auch noch p]nnen, Qu. 2, 14, 8, 1203, cit. oben S. 696
Note 3; Lac. ÜB. 2, 531, 1263; CRM. 2, 242, 1271: Graf Heinrich von Kessel giebt an
Stift Köln ius nostrum, qiiod quidem ius vulgariter holzgrafschaf dicitur, quod habuimus hac-
tenus et habemus in silva sita iuxta Honstaden, que gemeinde dicitur . . . illis iuribus
nostris et nostrorum hominum, que gewelde nuncupantur, dumtaxat exceptis; Guden CD. 5,
83, 1283; Bald. Kesselst. S. 731, 1344, cit. oben S. 517 Note 9; WSponheim 1491, cit. oben
S. 776 Note 5.
3) S. oben 8. 111, 475, dazu auch noch *Bald. Kesselst. S. 325. 1340: Gerhard von
Treis überläfst dem Erzstift min deil wilpandis von Tris . . mit Va amen wines, die da
vallende ist von Vankele Protiche und von Lütze, und 7^/2 somern ha^ern. die von JNIors-
torf, und 4 somern havem, die von Buch vallende sin. WKöllerthal, G. 2, 13: wer da jageret-
haferen gibt, der mag sin swine in der gemeine walt slagen, wan der walt acker dreit, und
sollen keinen demen geben.
68*
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1068 —
rechte eine besondere Munt zu entwickelnd aus dieser Wurzel erwuchs die mit
der Immunität verliehene Munt, wie sie besonders kirchlichen Instituten gegen-
über Ausdruck fand^. Aber die ältere Immunität verfiel, die jüngere brachte
es zu keiner rechten Blüte ^, Königshilfe war oft weit entfernt, Königseinfluls
schwach^: so treten seit dem Schlufs des 12. Jhs. die sich soeben entwickelnden
Landesgewalten an Stelle des Königs. Und wollten die Landesherren von dem
sonstigen Inhalt der alten Immunitäten nichts hören, die vogteiliche Gewalt rissen
sie eifrig an sich. So übernehmen sie seit Mitte des 13. Jhs. die Vogtei
namentlich der kirchlichen Institute innerhalb der Grenzen ihres Landes^ und
weisen ihre Beamten zur Ausübung derselben an^, und schon am Schlüsse
des 13. Jhs. zieht sich der König gegenüber der neuen Gewalt mehrfach völlig
zurück"^, so dafs die Landesherren in der 2. Hälfte des Mittelalters als die
geborenen und obersten Vogtherren in ihrem Lande ^, die Landesunterthanen
insgesamt im Sinne landesherrlicher Vogteileute erscheinen^.
1) S. darüber neuerdings Sickel in Westd. Zs. Bd. 4, 325 f.
2) Vgl. neuerdings Heusler, Institutionen 1, 121 f. Man vgl. auch die Urkunde König
Konrads III, ME. ÜB. 1, 496, 1138: ad hoc dei ordinatione constitutos credimus principe»
seculi tamquam cedros Lihani, ut sub eorum defensione nidificent id est quiete conversentur
pauperes Christi.
3) S. oben S. 1019 ff.
*) Vgl. dazu die sehr charakteristische Urkunde Lac. ÜB. 1, 365, 1149.
5) *0r. Koblenz St. A. 1242, vgl. Goerz MR. Reg. 3 S. 65 : das Domkapitel bittet die
Gräün Ermesinde von Luxemburg um Schutz für gewisse Güter, da dieselben in ihrer Herr-
schaft gelegen seien, sie auch einige derselben von der Trierer Kirche zu Lehen habe. Vgl.
ferner Goerz Reg. 3 No. 309, 310, (312), 538; s. ferner Gart. Orval 427, 1267.
®) CRM. 1, 2, 216, 1205, Graf Dietrich von Cleve an seinen Lehensträger Dietrich von
Mulenark auf Tomberg: vohimus, quod de Castro nostro Toneburg res et persone [fratrum
Himmerodensium] apud curtem Wilre plena pace gaudeant et quiete . . vos rogantes, qua-
tinus personas et res dicte curtis, quas sub nostra tuitione suscipimus et custodia, de cetero
in nullo penitus molestetis. Würth-Paquet Reg. Publ. Luxemb. 15, 80, 1257: Henri comte
de Luxembourg et de Laroche, marquis d'Arlon, ordonne ä R. de Stirpenich, son chätelain
a Bidbourg, ainsi qu'ä ses autres chätelains, de proteger contre un chacun le couvent de
Himmerode ainsi que ses biens.
'') Cart. Orval 490, 1277: Kaiser Rudolf ersucht Philipp III. von Frankreich, Orval in
Schutz zu nehmen, sogar im Reichsland und gegen Reichsglieder, cum (monasterio) a Romani
imperii corde longe seposit(o) et in extremis finibus eiusdem imperii constitut(o) sub imperi-
alis protectionis umbraculo respirare non liceat. S. ferner Cart. Orval 685, 1356: Karl IV.
überträgt den Schutz von Orval an seinen Bruder, den Herzog Wenzel, widerruflich (ad bene-
placitimi dumtaxat).
^) S. schon oben S. 605.
^) Zunächst mindestens für alle geistlichen Institute, vgl. Cart. Orval 672, 1340;,
G. Trev. c. 269, 1388—1418. Dann aber auch ganz allgemein, s. WHamm 1339: ouch sal
der voit gewalt inme gerichte avedun; ave he is nit vermoichte, so sulde ieme unses hern
araptman zu helfin kumen. Vgl. ferner WRoden 1484 § 21 : die Äbte von Mettlach können
als Grundherren und Hochgerichtsherren gegen Anmafsungen der Vögte klagen beim Fürsten
von Lothringen als eim kaisfoit. Auch das WMeckel 1669 § 6 gehört hierher, wenn auch
erst im 17. Jh. gewiesen: der Vogt kommt dem Meier des geistlichen Grundherrn zu Hilfe, wenn
— 1069 — L)ie Vogtei.]
Allein früher neben den Königen und später auch neben den Landes-
herren konnte noch jeder freie Mann, dessen Ann stark genug war, die Vogtei
Schutznuitender übernehmend Und so entstand von Anbeginn an neben den
gTofsen königlichen und landesherrlichen Vogtherrschaften eine zahlreiche
Gruppe kleinerer, lokal verteilter Vogteien von sehr verschiedener Ausdehnung
und mannigfach divergentem Charakter^. Indes hatten sie doch alle unter
sich wie mit den grofsen Vogteien eine Anzahl durchaus wesentlicher Züge
gemein, welche wir uns jetzt vor allem zu vergegenwärtigen haben.
Zunächst konnte die Dauer des vogteilichen Verhältnisses sehr verschieden
bestimmt sein, entweder auf feste Zeit ^, oder auf Lebenszeit des Vogtes *, oder
auf Lebenszeit des Bevogteten^: keineswegs sind alle Vogteiverhältnisse von
jeher und grundsätzlich als dauernd zu denken.
Dabei sollte die vogteiliche Herrschaft eine für den Bevogteten absolut
dieser zu schwach ist, ist auch er zu schwach, solt er anschreien des herren lantfursten
probst. Dem entspricht es, wenn den Landesherren oft ein besonderes seitens gewisser
Gnindherren zu zahlendes Schutzgeld gewiesen wird, s. WTholey 1450, G. 3, 760: der Abt
von Tholey giebt dem Herzog von Lothringen als oberstem Schutzherrn 1 eimer weins,
1 eimer biers Moiselmaßen, und ein schweingen als guit als 3 s. hl., ausgworfen die ein-
geweid, und 1 Ib. wax und 1 Ib. flax, und solches zu gebrauchen nach Christag. S. ferner
Distr. Max. pro pensionibus 15. Jh. 4. Viertel, cit. Bd. 2, 636 Note 1, und ebendiese *Distr.
Max. pro pensionibus: domino Treverensi ad Sarborich pro 1 mutone pro defensione in
Besehe, et etiam pro pascua V2 fl., sowie de Frisingen domino terre ad castrum Lucenborich
^/2 mir. [avene] in Signum, quod est verus defensor ibidem et totius monasterii.
1) S. MR. ÜB. 3, 118, 1219: ego G. a progenitoribus meis homo libere conditionis et
legitimus advocatus super villa, que dicitur Waldenhusen. Dabei konnte natürlich im Fall
der Belehnimg oder sonstwie vertragsmäfsig das Verbot der Annahme von Vogteien für den
einen Teil der Paciscenten aufgestellt werden, s. z. B. WRommersheim 1298: auch ist ge-
wist vam scheflfen, dat ein vait van Schoenecken noch sine burglude ensullen noch enmogen
kein müntlude entfaen noch umb waiss noch urab kruit, die dae gesessen sin in den hoefen
der epdien van Pmme, die wasser und weide genesen; die sal ein apt und sin goitzhuis
•entfaen umb waiss und umb kruit, of soe, wie si sich mit eme verdragent. auch ist gewist,
■das alle lehenberg manne, die dae gesessen sin in der epdien van Prume noch neman ensullen
noch enmoegen kein müntlude entfaen, als vurs. steit, of were dat dede af gedaen hette, der
sal dat avedoen; aw er das neit aefendede, als it eme ein apt geboeden het, soe mag ein
apt aen sin lehen grifen, als vere, bis eme dat avegedain wirt.
^) Wie leicht sie auch bei geringem Anlafs entstehen konnten, zeigt z. B. *UMünster-
maifeld Hs. Koblenz CXI» Bl. 29 f^: die Propstei hat in Braubach Güter, sie giebt deshalb
domino castri in Brubacho ex curialitate 1 am. vini . . pro defensione et promotione bo-
norum (suorum).
3) Schutz auf 4 Jahre Bald. Kesselst. S. 627, 1335/6, cit. S. 1066 Note 9(auf S. 1067).
*) Guden. CD. 5, 83, 1283: decanus et capitulum ecclesie Westflariensis . . honesto
viro Gerlaco dicto Lesche militi castrensi in Kalsmunt, quem ad hoc precibus nostris in-
duximus, nemoris nostri dicti Alberschiz ac aliorum nostrorum nemorum circumiacentiuni,
quamdiu ipse vixerit, custodiam commisimus et tutelam. . . adicimus preterea, quod post
dicti Gerlaci decessum nullus suorum heredum se de custodia predicta, quam extunc ad nos
devolvi libere volumus, aliquatenus intromittet.
^) S. Trierer Urbarcodex Koblenz St. A. Bl. 30», unten im Anhang zu Teil 3.
[Grundheirlichkeit und Vogtei. . — 1070 —
sichere sein: so sicher, dals im Fall von Verlusten des Bevogteten eine Ent-
schädigimgspliicht des Vogtes bestand ^ Wie aber nun, wenn der Vogt selbst
in erster Linie angegriffen wurde, der Angreifer aber im Bevogteten zugleich
indirekt den Vogt zu schädigen suchte? Die Quellen erörtern diese immerhin,
leicht mögliche Lage nur für einen ganz bestimmten Fall, den Fall nämlich,
dafs der Bevogtete ein Grundherr, die angegriffenen Leute seine Grundhörigen
sind 2. Da bestimmt z. B. das Weistum des Nalbacher Thals vom J. 1532: ob
sach WTre das der voigt einer kregen oder eins andern vhiant wult werden,,
so sal derselbig 14 tag zufur den lehenherrn warnen; alsdan sollen die grunt-
herrn zu sanct Simeon den vogt oder die voigt underweisen, das sie freden
halten, so aber sie des nit thun mochten oder wulten, so sollen sie anders
die arme leute im dal dergleichen 14 tag zuvor warnen, das sie das stroe us
iren heuseren tragen, die deche und w^nde von den spinwep fegen und
keren, und nauhe so viel stroes in heusern behalten, das sie ire heupter dar-
auf legen; und so solichs gesehen und darüber einichem sein huis verprant
wurde, so sollen die gruntherrn demselbigen sein huis widdermiib ufbawen.
auch sal der ackerman frei sonder einiche sorg mit seinem plog zu aeker faren v
und so er sehe die vhiant kommen, sal er hinder seinem ploge stehen mit
einem gegurten rock oder mantel, und ein huet oder kogel uf seinem heuft,.
und sein knab sol das vm'ste pferde mit der haut lieden, und pleib er also^
bei seinem plog, sollen die gruntherrn mit allem vleis beistan, innen zu freihen
und zu erledigen; fluk er aber, seint die herrn vor innen zu thun nichts
schuldigt. Wie hier, so werden auch in anderen Fällen die Grundherren für
den Schutz verantwortlich gemacht: die von uns aufgeworfene Frage wird
also nicht gelöst , sondern für den vorliegenden Fall ausweichend dahin beant-
wortet, dafs für Grundhörige bei mangelndem Schutze des Vogtes des Grund^
herrn der Grundherr selbst zum Schutz einzutreten habe*.
Entsprechend der Möglichkeit eines Angriffs durch gerichtliche Klage
^) MR. ÜB. 1, 406, c. 1103, Prüm: ubicimique res ecclesi^, agri videlicet ac vinee
sive decimatioues terra ciüta et inculta, infra advocatiam suam invase fueriiit, aiit iuri ecclesiO'
retineat aut de suo restituat.
'^) Doch s. MGLL. 2, 313, 1235, RT. Mainz, § 2 de advocatis ecclesiarum : ne quis
propter quamcumque culpani debitum vel guerram advocatonmi bona ecclesiarum invadat vel
pignoret vel incendiis dampnificet aut rapinis.
=^) G. 2, 27—28. S. auch WRoden 1342, § 11 u. 12; were aber das die vogde des dorfs
mit einchem herren cregeden, die amptlude, de sullent und sind schuldich [dem Grundherrn]
zo sagen und zo warnen, umb das die herren nae irer maicht ire Uide des doifs viu'g. ver-
halden und beschirmen vur vure und gefenknus. were aber ob die lüde des vurg. dorfs,
wenig ader veil, von imant gefangen vurden, den ader die sint [die Grundherren] schuldig
ader der camerer des goitzhuse, der dan camerer ist, in des goitzhuse wegen und umb sins
ampts wille mit der stolen zu vorderen und wider zu heischen mit siner möge und gunst
mitz der gefangen kost.
*) Ziu' Schutzpfiicht des Herrn gegenüber den Grund- und Vogteihörigen s. auch
Waitz, Yfg. 5, 251, der aber vogteiliche und grundherrliche Verpflichtung, wie Grund- und
Vogteihörige nicht genug auseinander hält.
_ 1071 — Die Vogtei.]
oder durch Fehde ging min iil)er die Vogtei thatsächlich vor allem in kriege-
rischen oder gerichtlichen Schutz auf^
In ersterer Hinsicht fiel dem Vogt zunächst die Verteidigungspflicht für
das Eigentum des Bevogteten zu; l)efanden sich unter dem Eigentum Per-
sonen, Grundhörige u. s. w. , so waren natürlich auch sie zu schützen, also
wenn gelangen aus der Gefangenschaft zu lösen u. dgl. mehr^. Ferner aber
war die bevogtete Person selbst zu schützen: sie stand im Geleit des Vogtes.
Die Geleitspflicht wurde indes nicht selten, namentlich für den Fall von
Reisen des Bevogteten, auf bestimmte lokale Grenzen beschränkt^. Beides,
der Schutz von Personen wie Sachen, involvierte nun eine völlige Felidepflicht
des Vogtes im Falle eines kriegerischen Angriffes. Diese Fehdepflicht war
aber im Mittelalter, beim Überwiegen der Defensivmittel über die verfüg-
baren Kräfte zur Offensive, für gröfsere Vogteien kaum anders als vom festen
Besitze einer Burg aus zu erfüllen. Wir sehen daher alle bedeutenderen Vögte
späterer Zeit im Besitz von Burgen^; ja infolge der Notwendigkeit eines burg-
1) Geschieden werden beide Fälle |im WKonsdorf 1566 § 8: im fal die frauwe von
Oeren [Gnmdherrin] feiendschaft het, sol sei oder irer anwalt zu Beffort [die Herren v. B.
sind Vögte] gehen und den rinc der duren schiiden ; wer sich da zeigt vor ein vogt, den sol
sei halten vor ein vogt, der sol sie beschüden von gewalt und nit vor recht. S. auch WEsch-
weiler 1621 § 10.
-) S. Arch. Clervaux 1026, 1454, Urkunde der Meisterin [Allet und des Konvents zu
Hosingen : also der veste Johan van Vischbach herre zu Schuldberch unser viant worden
was und einen man van Sievenaller, genant Strit, gefangen und sin gut genomen, der uns
zinshaftich ist, han wir AUeit und kafent vurg. angeroifen den edelen jonker Friederich herre
zu Clerf alz für imsen werrenclichen rechten schirmer, want sine alderen unser goitzhus
vm*g. gestift haint und dat vurg. unser goitzhus in sime gericht und hogericht gelegen ist,
und umb sulch flisslich begerde und jermanonge und auch claren schin, wir den vurg. jon-
kern Friederich herre zu Clerf gesien und hoeren han lassen, dardurch er gesien und gehoirt
hait, er sulchs allez, wir in gebeden und angerofen han und an in begert han in massen
vurg. steit, van recht schuldich was zo doin, uns und unser goitzhus zo verantwerten gelich
sins selbst gude, hait der vurg, jonker Friederich herre zu Clerf angesien unser flisslich bede,
und er is auch van recht schuldich was zo doin, und hait den armen man van Siefenaller
verantwert ghent den van Schuldburg mit sinen offenen briefen, als er dat van recht doin
moecht in massen vurg. steit. S. ferner WKrittenach und Obermennig, G. 2, 119: dargegen
sol unser ehrw. herr [als Vogt] den ai-men man schirmen, also da ein armer man hienwegh
gefhürt were worden ahn den Rhein oder darüber so weith, als es hievon dannen daran ist,
so sol unser herr für denselben schreiben und reiden, das er möge zu dem sinen kommen.
Vgl. auch die Urkunde von Kirchheim 1329, bei Hanauer Paysans S. 86: der Vogt mufs
dem gefangenen Vogteimann zur Befreiung nachfolgen barfues mit ungesatteltem pferde einen
Tag und eine Nacht.
3) Cart. Orval 98, 1185—1207, cit. oben S. 637 Note 2; WFlacht 1462 § 30: wan die
herren zu sanct Florein [Grundhen-en] vedschaft hetten, so sol die der vogt samt dem burg-
man vergleiden bis uf den Rhein, als weit einer mit einem renspiess gereichen kan und dar-
nach got befohlen; wo es aber sach were das der vogt darüber gefangen würde, sollen ihn
die herren zu sanct Florin lösen sonder sein schaden.
*) Vgl. z. B. MR. ÜB. 2, 96, 1189: Erzbischof Philipp von Köln belehnt Irmintrud,
Gemahlin des Pfalzgrafen Konrad und deren Tochter Agnes mit dem castrum Stahelecke und
der advocatia in Bacharache.
[GrundheiTlichkeit iiud Vogtei. — 1072 —
liehen Baues wui^de die Gewährung vogteilichen Schutzes thatsächlich seit der
Ausbildung des Rittertums, also spätestens seit Mitte des 12. Jhs., zu einem
Vorrecht des Ritterstandes. Indes schon vor dieser Zeit lag in vielen Fällen
das Bedürfnis einer Burg für den Vogt vor, wenn auch seine Befriedigung
vonseiten der grofsen bevogteten Institute, besonders der Klöster, nicht
eben angenehm empfunden wurde. Denn eine Burg, womöglich auf dem Ge-
biete des Bevogteten, eignete sich schliefslich ebenso leicht zur Ausübung von
Erpressungen wie zur Beschützung. Darum wehrt sich z. B. SMaximin im
Beginn des 12. Jhs. energisch gegen die Zulassung vogteilichen Burgenbaues \
Prüm sucht noch in der 2. Hälfte des 13. Jhs. in dieser Hinsicht begangene
Fehler früherer Zeit möglichst wett zu machen^; und ein Reichsspruch vom
J. 1232 verbietet in einer von dem |eben entwickelten Gesichtspunkt aus
wohlverständlichen Verbindung die Anlage von Burgen in Kirchengebiet und
unter dem Vorwand der Bevogtung^.
Noch weitere Einwirkung auf die Verhältnisse des Bevogteten wie die
Fehdevertretung gestattete dem Vogte aber sein Vertretungsrecht für den ge-
samten Rechtszustand des Bevogteten*. Zunächst folgt aus ihm eine Ver-
tretung des Bevogteten durch den Vogt in allen Fällen strittiger Gerichtsbar-
keit^. Allein auch für alle Fälle freiwilliger Gerichtsbarkeit machte der Vogt
1) MR. ÜB. 1, 434, 1116, SMaximin: nullus (advocatiis), sive sit dives aut pauper, siun-
mus aut infimus, in allodio sancti Maximini castrimi aliquod edificare presumat, sed liceat
abbati suisque successoribus curias totius abbatie quibuscunque velint fratribus aut villicis
committere et pro re et tempore, quicquid sibi secundum commoditatem ecclesie melius inde
Visum faerit, libere disponere.
2) S. Bd. 3, 81, § 7, 1280.
3) MGLL. 2, 291, 1232.
*) S. CRM. 3, 263, 1275: Burggraf Friedrich zu Rheineck, Vogt des Klosters STho-
mas-Andernach, bekundet die hergebrachten Rechte und Freiheiten dieses Klosters zu Ander-
nach. S. auch MR. ÜB. 2, 127, 1192: si quid cause emerserit, quare ecclesia [Lacensis]
gi'avari potest, (advocatus) neclecta acceptione personarum vindicare debet, et vacante bene-
ficio prohibebit, ne quis contra iustitiam intrare possit.
5) S. G. ep. Camerac. 1, 10; MR. ÜB. 1, 305, 1033; 310, 1038; *0r. Koblenz St. A.
(1207), vgl. MR. Reg. 2, 1028; MR. ÜB. 3, 772, 1243 (vgl. MR. ÜB. 3, 780, 1243): cum
Godefridus miles de Dudelindorp instigatione ut creditur rusticorum suorum de Remboldis-
wilre questionem aliquamdiu movisset dilectis in Christo filiis Cunrado abbati et conventui
de Hemmem'ode super quibusdam possessionibus in banno dicte ville Remboldiswilre iacenti-
bus et metis in eo positis, tandem bonorum virorum admonitione inductus et precipue divina
gratia inspiratus . . quicquid iuris vel habebat vel habere videbatur in predictis vel circa pre-
dicta, deo et beate virgini Marie in elemosinam liberaliter conferens omni super his re-
nimtiavit integi^aliter actioni. S. ferner Bd. 3, 50,35, 1266; und Honth. Hist. 1, 820, 1287:
der Propst von SSimeon spricht von den fructus et proventus silvae suae sitae in continio
villae de Nagilbach spectantis ad ecclesiam predictam iure dominii seu quasi, in cuius pos-
sessione seu quasi se dicebat percipiendi fructus et proventus eiusdem et ex violentia com-
missa se conquereretur sustinuisse damna et Interesse ad aestimationem quinque Ib. Trevi-
rensium d. Nachher heifst es, der Wald spectat ad curtera (sancti Simeonis). Dagegen tritt
mm der Vogt des Dorfes Nalbach auf: dicit in iure coram vobis, domine iudex, Bohemundus
— 1073 — Die Vogtei.]
gegenüber dem Bevogteten ein herrschaftliches Vertretungsrecht geltend : Über-
traginigen an den Bevogteten^ wie Veräufserungen von dem Bevogteten^ er-
folgten per manum advocati. Sehr begreiflich , dafs sich mit diesen vogtei-
lichen Handlungen freiwilliger Gerichtsbarkeit eine gröisere Teilnahme des
Vogtes an den Geschäften des Bevogteten überhaupt verknüpfte. Der Bevog-
tete schlofs Rechtsgeschäfte durch die Vermittlung, unter Verantwortlichkeit,
ja nur bei Zustimmung des Vogtes ab^. So besteht denn ein überall durch-
geführtes Konsensrecht des Vogtes für jede stärkere Veränderung des Vogtei-
objektes*, für Veräufserung^, Tausch^, andere als die bisherige Benutzungsweise^,
schliefslich auch für Annahme von Zuwachs zur Vogtei^, und dieses Konsens-
miles de Nagilbach advocatus villae praedictae nomine suo et hominum suorum, quorum ad-
vocatus existit, contra praepositum sancti Simeonis et capitulum ecclesiae praedictae, quod ipse
miles et sui homines praedicti Silvas de Nagilbach et in confinio villae de Nagilbach tenent
et possident et teniierunt et possiderunt iure dominii seu quasi et eorum antecessores a tem-
pore, quo non exstat memoria, et ius pascendi porcos in silvis praedictis, propter quod dicit
nomine quo supra, praepositum et capitulum sancti Simeonis nulluni ius in dicta silva pas-
cendi porcos vel alia animalia habere, offerens se praemissa in facto consistentia probaturum.
Die Trierer Kurie entscheidet zu Gunsten des Stiftes.
1) Cardauns, Eliein. Urkk. 6, S. 352, 1046?; Lac. ÜB. 1, 160, 247, 1093; UlMett-
lach No. II 1095, Fitten 11 c: jBeraewdnus custos monasterii sancti Petri emit in villa Wal-
tingR 4 obas . . 7 talentis, quas et ipsi apud Futram [1.: Fuhtam] coram scabinis et omni
familia beati Petri in communi placito, presente Wirico advocato, domno Liboni abbati [Me-
diolacensi], deinde per manus eiusdem Wirici advocati super altare beati Petri tradiderunt;
s. auch MR. ÜB. 2, 130, 1193.
2) MR. ÜB. 1, 287, 1008—1016 : Erzbischof Megingaud übergiebt an Münstermaifeld
quoddam predium cum advocati mei Sigibodonis manu. S. ferner MR. ÜB. 1, 361, 1065, und
Ennen, Qu. 1, 494, 35, 1106. Eine Lockerung der alten Anschauung zeigt wohl schon MR.
ÜB. 1, 398, 1110 ca. : Erzbischof Egilbert schenkt propria et advocati nostri manu, qui et sig-
nifer, Heinrici reverendissimi videlicet comitis. Zu Tauschen s. noch Lac. ÜB. 1, 25, 55,
841; Stumpf, Acta imp. No. 20, 981; Lac. ÜB. 1, 101, 162, 1027.
^) Den Übergang charakterisiert sehr deutlich MR. ÜB. 1, 273, 996: der Vogt hat zu
einer Prekarei des Klosters SMaximin geraten, werden ihre Bedingungen nicht erfüllt, advocatus
noster, quia hec omnia gessimus eins consilio et instinctu, si negligens exactor extiterit pre-
fate traditionis vel retributionis, ne advocatie negligentia feriatur, detrimentum monasterii de
suo componat.
*) Bezeichnend in dieser Richtung ist schon MR. ÜB. 1, 86, 854: abba [von Prüm]
quam successores illius seu quilibet advocatus ipsius cenobii . . faciat exinde [ex donatione
quadam] perpetualiter, quicquid iuste et rationabiliter elegerit vel voluerit.
5) S. oben S. 693, femer *Chart. Koblenz St. A. 1241, vgl. MR. Reg. 3 No. 255:
Heinrich von Kobern genehmigt für Laach als Vogt den Verkauf von 103 Morgen Ackerland.
^) URupertsberg S. 379: die capella sancti Egidii in Bingen tauscht Th. sacerdote et
A. advocato eiusdem capelle consentientibus. S. auch schon MR. ÜB. 1, 306, 1035, SMaxi-
min und Malmedy tauschen Güter aus : facta est itaque hec commutatio iussu predicti impe-
ratoris et confirmata legali advocatorum banno et recta traditione et habita ab utrisque supra-
dictis abbatibus per annum et diem digna census et servitii solutione.
'^) S. oben S. 682.
^) MR. ÜB. 1, 338, 1052: Erzbischof Eberhard schliefst eine Prekarei cum legitima
advocati nostri astipulatione, cleri militie et filiorum ecclesie nostre presentia consilio atque
[Gmndherrlichkeit und Vogtei. — 1074 —
recht wird entsprechend der allgemeinen Entwicklung der Zustimmungsrechte
im 12. und 13. Jh. hier und da zur vollen Mitbesiegelung dispositiver Ur-
kunden der bevogteten Partei entwickelte
Auf diese Weise trug die Handhabung der Vogtei schon in sich, durch
die Betonung ihres Herrschaftscharakters, in der Entwicklung nicht unbedeu-
tender Einwirkungsmittel auf Willen und Geschäftsgebarung anderer, einen
reichen Lohn. Allein aufserdem wurden für sie seitens des Bevogteten der
Regel nach noch bestimmte Emolumente geleistet. Sie bestanden zumeist
in einer jährlich in Geld oder Naturalien zu zahlenden Summe ^, deren Stipu-
lation Leute niedrigen Standes wenigstens in älterer Zeit ohne weiteres in
ihrem Stande minderte, und deren Zahlung auch von hochstehenden Bevogteten^
namentlich kirchlichen Instituten, schwer empfunden und darum, wo es irgend
anging, abgeschüttelt wurde ^. Natürlich konnten besser situierte Bevogtete
an Stelle jährlicher Zahlungen dem Vogte auch eine Jahresrevenue in ein-
maliger ÜbertragTing zuwenden, mochte sie in Land oder Renten bestehen*:
ein Modus, der ebenfalls das Drückende eines vogteilichen Jahreszinses vermied.
Aber würde die Vogtei, wie wir sie uns bisher vergegenwärtigt haben,
einen grofsen Einflufs auf die deutsche Verfassungs- und Wirtschaftsentwick-
lung haben gewinnen können? Würde sie, indem sie zwischen gewissen Pri-
vatpersonen und gewissen Instituten wechselsweise Beziehungen und bestinmite
herrschaftliche Vertretungsrechte doch auf immerhin vorwiegend privatrecht-
favore. S. auch Lac. ÜB. 1, 127-8, 199, 1063; MR. ÜB. 3, 1435, 1258, cit. oben S. 700
im Text.
^) Den frühesten Fall bietet Koellner, Gesch. von Nassau-Saarbr. 1, 76 Note, 1159 :
Graf Simund von Saarbrücken besiegelt als patronus von Wadgassen eine jetzt verlorene
Urkunde des Abtes von Wadgassen mit.
'') S. Lac. ÜB. 1, 102, 164, 1028; MR. ÜB. 1, 379, c. 1084, cit. oben S. 1065 Note 4; Guden.
CD. 5, 83, 1283, Übergabe eines Waldes an einen Vogt: (quo) fidelius ac diligentius ecclesie nostre
dampnis precaveat dictas Silvas nostras fideliter custodiendo ac succisores quoscumque vio-
lentos seu furtivos arcendo, in laboris sui solatium ipsum de decima, quam nobis de vinea
sua in monte Kalsmunt sita dare tenetur, duximus supportandum. preterea quandocunque ad
usus nostros communiter ligna resecaverimus, ipse quantum unus nostrum et non amplius re-
secabit nullamque penitus auctoritatem ligna aliqua resecandi habebit vel distribuendi nisi
nostra prius requisita et habita desuper voluntate. WLosheim 1302 § 12: dominus abbas
[Grundherr] tenetur singulis annis advocato 15 Ib. Treverensium d. pro iure suo, quod di-
citur voitrecht.
^) Lac. ÜB. 1, 189, 289, 1118: ein Graf stiftet eine Kollegiatkirche , er behält sich
die Vogtei vor, nichil prorsus de eadem advocatura preter orationes fratrum exigens servitii.
Ähnlich MR. ÜB. 1, 465—6, 1129.
*) CRM. 3, 263, 1275 : die Burggrafen von Rheineck waren Vögte des Klosters SThomas-
Andernach ob contraditas nostris olim antecessoribus octo petias pratorum. Vielleicht gehört
hierher auch Cart. Orval 427, 1267 : Graf Arnold IIL von Chiny und die Gräfin Johanna be-
stätigen der Abtei Orval ihren Güterbesitz zu Cherves und empfangen dafür von der Abtei
300 Ib. fortes.
— 1075 — Die Vogtei.J
licheiii Boden schuf, so aurserordentlich tief in alle Poren der realen Kultur
eingedrungen sein, wie das am Schlüsse des Mittelalters wirklich der Fall ist?
Die bevogteten Personen und Institute kamen thatsächlich nicht blofs als
Privatpersonen natürlicher oder juristischer Art in Betracht; sie waren zu
gleicher Zeit ganz überwiegend Träger bestimmter, in sich einheitlich
entwickelter Gerichts- und Wirtschaftsverfassungen. Und eben darin, dafs
die Vogtei auch die Qualität der Bevogteten als Träger solcher Verfassungen
angreift und teilweis abändernd durchdringt, liegt die Erklärung ihrer aufser-
ordentlichen Wirkung auf alle Verfassungsverhältnisse des späteren Mittelalters.
Nun haben wir drei Gruppen verschiedener Verfassungsbildung auf dem
platten Lande des Mittelalters als hier in Betracht kommend zu unterscheiden :
die staatliche, die autonom-markgenossenschaftliche, die grundherrliche: von
allen dreien ist im Verlauf dieser Untersuchungen schon die Rede gewesen ^
Durch die Vogtei konnten von ihnen ohne weiteres angegriffen w^erden die mark-
genössische und die grundherrliche; die staatliche Verfassung in ihrer fast
einzig noch bestehenden Ausbildung, der Gerichtsverfassung, bot dagegen keine
direkten Angriffspunkte dar, wurde aber dennoch von der Vogtei, wie wir später
sehen werden^, wenn nicht aufgesogen, so doch wenigstens assimiliert.
Die markgenössischen und grundherrlichen Verfassungen aber wurden
ohne weiteres von der Vogtei getroffen, sobald sich die Markgenossenschaften
und Grundherren — mochten letztere nun Personen oder Institute sein — der
Herrschaft irgend eines Vogtes unterwarfen. Sehen wir zunächst zu, welche
Verhältnisse dadurch in den Markgenossenschaften herbeigeführt wurden, und
konzentrieren wir hier unsere Erörterungen, um nicht weitschweifig zu werden,
sofort auf die gewöhnlichste und modernste Form der hochmittelalterlichen
markgenössischen Entwicklung, die Dorfmark.
Für die Dorfmark — wie andere Markarten — ist eine Markvogtei^
seit der ersten Hälfte des 12. Jhs. direkt und sicher nachweisbar*. Allseitig
durchgeführt erscheint das System der Markvogteien dann spätestens mit Be-
ginn des 14. Jhs.^, doch scheint schon eine Nachricht aus dem Beginn des
1) S. speziell oben Abschnitt III und Teil 1 dieses Abschnittes VII.
2) S. unten im Schlüsse dieses Teiles.
3) Zur Entwicklung der Markvogtei s. v. Maiu-er, Markenvf. S. 23, 64, 373 ff., 384 ff.,
428 if.; vgl. auch Waitz, Vfg. 7, 372—3. Die hierher gehörigen Dinge sind freilich noch wenig
sicher aufgeklärt — geradezu in die Irre scheint mir in der vorliegenden Frage v. Wyfs ge-
gangen zu sein. Der Versuch, die vogteilichen Verhältnisse des Mittelalters aus einer Wurzel
heraus und in systematischem Zusammenhange umfassend zu erklären, ist überhaupt noch
nicht gemacht worden; man hat die weltliche Vogtei (d. h. die Vogtei über Laienbevogtete),
mit Ausnahme etwa von Heusler, der aber auch noch nicht radikal durchgreift, nur
als Annex der Kirchenvogtei betrachtet. Dieser Standpunkt aber schliefst ein volles Ver-
ständnis von vornherein aus.
*) Früheste Markvögte an der Mosel habe ich notiert in den Urkunden MR. ÜB. 1, 501,
1136; 582, 1154; 224, (1206) 1169—1183; 2, 85, 1186.
5) S. oben S. 1066 Note 5.
[Gmndherrlichkeit und Vogtei. — 1076 —
13. Jhs. anzudeuten, clals vogteilicher Schutz der Markgemeinden um diese
Zeit die Regel war^ Wann die Markvogtei entstand, ist bei dem durchaus
laienmäfsigen , daher durch Quellen nur spärlich erhellten Charakter dieser
Entwicklung schwer zu sagen : einzelne Andeutungen scheinen auf eine Existenz
schon in der Karolingerzeit hinzuweisen^, und auch aus dem 11. Jh. liegt
wohl eine Spur vor^. Soll man sich nach den allgemeinen Entwicklungszügen
von Rechts- und Friedenssicherung, wie sie oben zur Darstellung gelangten*,
eine Meinung bilden, so wird man sich am ehesten für das vermehrte Auf-
kommen von Markvogteien seit der zweiten Hälfte des 11. Jhs. entscheiden.
Jedenfalls ist die Markvogtei seit Schlufs des 12. Jhs. völlig ausgebildet vor-
handen: gerade dieser Zeit und dem 13. Jh. gehören die hauptsächlichsten
Quellen ihrer Geschichte an.
Der Markvogt wird meist einfach als advocatus bezeichnet, bisweilen kommen
wohl auch andere Namen, prefectus, custos banni, vor^. Eine besondere Aus-
gestaltung findet die Vogtei in der Obermärkerschaft ; dieselbe ist zumeist nur
im Osten unseres Gebietes zu Hause ^. Übrigens kann eine einzige Markvogtei
bisweilen auch in mehreren Händen ruhen, sei es in Gesamthand ^ sei es in
1) MR. ÜB. 2, 190, 1201: W. von Berlingen und Frau schenken an Himmerode
omnia bona nostra salica, que inter duas villas, scilicet Wilre et Fincroth, sita sunt et circum-
quaque marcata et signata sed inculta et derserta habemus .... (sie), ut nulH patrono
nulli advocato decimas census exactiones neque aliqua alia iura de eisdem bonis solvere
teneantur.
^) S. oben S. 1066 Note 4 : aus einem Schutzverhältnis über eine Rodegenossenschaft konnte
sich nur eine Markvogtei entwickeln. S. auch MR. ÜB. 1, 105, 866: in villa Bacheim eccle-
siam . . cum omni superposito, quicquid ad eam iuste et legaliter pertinet, una cum manso
indominicato cum omnibus aedificiis ac casticiis superpositis atque mansis 26, cum farinariis
tribus ad eam curtem deservientibus , cum omni servitio et presidio, quicquid in eadem
villa tui iuris fuit. Ist hier presidium etwa Markvogtei?
^) Lac. ÜB. 1, 189, 1054: 15 iugera cum mansiuncula 1 solventia 24 d. ad haper-
scozze. Der Haferschofs eines Häuslers kann wohl nur markvogteiliche Abgabe sein, s.
darüber unten S. 1080 f.
*) S. S. 1063 ff.
^) Lehnbuch Werners IL v. Boland S. 24: prefectura super villam E. Die prefectura
ist verschieden von comitatus und kann wohl nur Vogtei sein. Doch vgl. ebd. fol. 6 pre-
fectus. Banni custos findet sich USMax. S. 466, Weifskirchen.
^) WKamburg Würges Erlebach 1421, § 3, die Grafen sind die obersten Märker:
darumb so sollent [sie] die mark nit vergiftigen noch vereussern an der merker wißen
und willen oder verkaufen, und sie darin scheuren und schirmen, und der marker recht
helfen halden. S. femer WKaltenholzhausen 1423; WHeimbach Weifs Gladbach 1476;
WHorhausen 1579 § 4, cit. oben S. 341 Note 1. Den Charakter der Obermärkerschaft hat
schon Thudichum, Gau- und Markvf. S. 139 f., 146 f., richtig erkannt, dagegen schliefst
sich V. Inama, Grundherrsch. S. 72, der Theorie v. Maurers vom Obermärkertum als alter
Markvorstandschaft an. Über ein elsässisches Gegenstück zu den Obermärkem s. Hanauer,
Paysans S. 47 Note 2.
^) MR. ÜB. 2, 85, 1186.
1077 J-^iß Vogtei.J
anderer Weise ^ ; auch koiiiiiit es ausnahmsweise vor, dals bei Ohnmacht eines
Vogtes hinter demselben subsidiär noch ein oder einige weitere Vögte stehend
Der Markvogt hatte natürlich zunächst alle Befugnisse und Pflichten,
welche soeben als für die Vogtei überhaupt charakteristisch nachgewiesen
wurden^. Aber aus und aulser denselben entwickelte er nun noch eine Anzahl
neuer Rechte und Funktionen, welche nur auf dem spezifischen Boden der
Markverfassung erwachsen konnten, und welche im Falle günstiger Kumulation
die Markvogtei bis zu einem von der grundherrschaftlichen Markherrlichkeit
kaum noch zu unterscheidenden Institut ausweiteten.
Diese Entwicklung knüpft im wesentlichen überall an das Recht des Vogtes
an, die bestehenden Marknutzungen zu verbürgen* und jeder einschneidenden
Verfügimg über die Marksubstanz zuzustimmen^. Schon in der zunächst
1) MR. ÜB. 2, 128, 1192 (Fälschung); WTrittenheim 1532, cit. oben S. 191 im Text.
2) WNiederweis 1497, G. 2, 568 u. 570: es erkennen die scheffen und gericht des
hobs Niederweis, daß der Junker Fock von Hubing oder dessen erben ein gront- und fogther
des hobs sei, darumb so weisen die scheffen im die fogt- und grundgerechtigkeit zu und die
banmiihlen . . item erkennen die scheffen, wan sach were daß das dorf vertrumpft oder
verkiu'zet wurd in einigen dingen und nicht bei ihrer alter gerechtigkeit wurde gehalten, so
weisen die scheffen noch drei herren zu diesem dorf, nemlich den herr van Unseldingen, der
das schloß schleußet und verschleußet, die hern von Maisenburg und den herr van Borschait,
die solten dem Junker als ein oberzenner dis dorfs uf seinen kosten zusammen thun kommen
vur das dorf zu erhalten bei seiner gerechtigkeit, alsdan solt sich aller schaden kosten und
boeß an denen verfallen, die daran schuldig und versäumet.
^) S. generell WSPaulin 1380: einen voit über daz dorf, iz zu beschirmen und zu be-
waren vor allem unrechte, als verre der scheffen wiset. Im Einzelfall vgl. noch ME. ÜB. 2,
128, 1192 (Fälschung); Remling Speier. Urkk. 1, No. 112, 1194, und No. 128, 1207, cit. oben
S. 690 Note 4; MR. ÜB. 2, 224, 1206; 3, 97, 1218, cit. oben S. 296 Note 4; zur Besiegelung
durch einen Vogt Bd. 3, 17, 34, 1260. S. auch noch Cod. Salm. 147, 1322, Vergleich zwischen
dem Herrn von Malberg und Himmerode betreffs der Nutzungsrechte im Himmeroder Wald
Birkscheit : homines nostri dictarum villarum Bettenveit et Mervelt habebunt in predicta silva
Birkenscheit tantummodo usuaria cum dictis religiosis in pascuis glandibus et inscidendis
lignis pro suis propriis necessitatibus, absque qualibet venditione lignorum dicte silve, et non
debent in eadem silva novellare; sed predicti religiosi possunt in eadem ligna inscidere et
seeundum suum placitum novellare, nee nobis vel alicui alteri tenentur ibidem dare medemam
vel decimam; cum fundus eiusdem silve proprius sit eorum.
4) S. Bd. 3 No. 147, 1340.
•^) Hennes ÜB. 2, 447, 1338: Wir Hermann . . heimburge, Gerlach S. unde Lamprich
schoilteisen zu Divelich, Dederich B., Jacob W., Johan B., Johan C. und Eliais S. von der
gemeine wegen und derzo al di gemeine von Divelich dun kunt . ., dat wir bit einre geluter
clocgin bit willin und gehenkinisse der edilre lüde heren Ruprichs greven zo Virnenburch,
der da ein mumpair ist Johannis kinder von Virnenburg, deme god genedich sie, und hern
Philippis von Virnenburg vade zo Diveliche umme grose schollt und noit, die wir schuldich
sint von unsis dorfis wegen, hain verkauft und verkeufin in dusme brive vor uns und alle
unse nacomelinge . . deme cometure und den gemeinlichen broderen des Dutzen husis zu
Cobelentzen. die da geldint und intfehent vor sich und alle ire nacomelinge, al die bede, die
sie schuldich sint und schuldich warin zo gebinne zo erne und zo heirbiste aljerlichs unsen
vaden oder den si von rechte solde valiin, si si gelegin an gelde oder an wine we si gelegin
[GrimdheiTlichkeit und Vogtei. — 1078 —
vorliegenden Materie wird dies Recht sehr wirkungsvoll ausgenutzt: können
die Markgenossen ursprünglich nicht ohne Zustinnnung des Vogtes verfügen,
so verfügt bald der Vogt allein unter ihrer Zustimmung ^ Dies markgenös-
sische Zustimmungsrecht aber schwächt sich immer mehr ab; im schlimmsten
Falle verschwindet es gänzlich; der Vogt erscheint als Allmendeobereigentümer
oder Marklehnsherr", die Markgenossen hulden ihm^, er weist in die Mark-
nutzung ein^, er ertheilt Dispense von markgenössi sehen Vorschriften^^, behält
ist, umme verzieh mr. godis gelds, dri hl. vor den penninc gezalt. Hierher gehört auch
Hennes ÜB. 1, 447, 1334: Erzbischof Balduin bestimmt, ut coloni (fratrum Theutonicorum)
inhabitantes pro tempore curiam suam . . in villa Oftending silvis lignis aquis et pascuis uti
et gaudere . . valeant, sicut alii incole eiusdem ville, accedente . . consensu . . G. de Isen-
burg fidelis nostri, qui advocatiam ibidem tenet in feodo. Der Erzbischof Balduin handelt
hier als Markgrundherr für die Markgenossenschaft.
1) S. MR. ÜB. 2, 11*, 1171, cit. oben S. 525 Note 5; MR. ÜB. 2, 193, 1201 für
Himmerode: Theodericus dominus minoris castri de Manderscheit, cum aliquando presedisset
annuo placito rusticorum in villa sua de Keille, homines curie illius fratribus de Heimmilrode
questiones moverunt super terris et possessionibus, quas idem cenobium possidebat in banno
et territorio prefate ville. quum [!] itaque diligenti satis usus esset inquisitione, ut tam ecclesie
videlicet quam rusticis iustitiam suam conservaret, intellexit plane, quod possessiones, quas
ibidem predicti fratres habebant, ubicunque site essent in campis et pratis in aquis et
aquarum decursibus in terris cultis et incultis, a longo eas tenuerant et iuste fiierant adepti.
unde, ut bonorum iamdicti cenobii de cetero particeps tam in vita sua quam in morte
existeret, bona ipsorum, que tunc habebant, in suam defensionem suscepit, et concessit eis
consensu rusticorum per totum bannum suum communes assentias tam in pascuis quam in
silvis perpetuo possidendas; ita sane, quod de cetero nuUas ibi amplius adipisci possent
sine sua conniventia vel successorum suorum possessiones.
2) MR. ÜB. 2, 85, 1186; Cod. Salm. 147, 1322: die bevogteten Markgenossen vom
Vogt homines nostri genannt; *Bald. Kesselst. S. 284, 1337: ad me pertinet tamquam ad
advocatum et iure dominii, quod dici potest in vulgari des ich ein voit und leinherre bin
(Johannes de Rupe senior); Bd. 3, 182, 17, 1342: voidie leheschaft und herschaft; WNieder-
emmel 1532, G. 2, 353, erscheint der Vogt als gewalt- schirm- und grunther. S. auch Bd. 3
Wortr. u. d. W. dominus superior feodalis et advocatus, sowie WWampach, ca. 1475, § 13:
9 vaidien genant krouwen lüde, dei sint lein eins hern oder jonkeren zer Nuwerburg . . .
umb dat dei krouwen lüde dei vaiteven as vurs. al jair schuldig sint zo gefen mit den
honren, sullen si wasser und weiden gebruchen und dorfsgemeinschaft halden.
3) WStrohn [1381] 1510, G. 3, 804—5, freie Gemeinde, Vogt der Herr von Dann:
mir wisen auch, were sache dat eine man queme in Stroner kirspele und wolde daeine
wanen und bede den schultissen, dat er eme beholflich were, der schultiß sal ine die erste
nacht herberghen, den andern tag sal ine der schultiß foren zu Dune zo dem herrn, der den
hoen thorn inehait . . , dem sal der man hulden , als recht ist. wan dan der man jaer und
tag ine dem kirspel gewant halt, dan sal er geneissen, was ander kirspelslude geneissent.
were dan sach darnae dat der man sich nit da behelfen moicht, so sol er zu dem schultissen
gain und eme dat verkundigen und mit sinen naperen rechenen und si bezalen und maghe
dan zehen, war dat eme eben ist. WBurgschwalbach 1453: lipliche mit ufgerackten fingern
zu gode und dene heiligen gesworn, als eime faide zu Swalbach getruwe und holt zu sine,
sinen schaden zu warnen, als ferne sie macht und craift trüge.
^) Bd. 3, 103, 3, 1297.
^) Hennes ÜB. 1, 327, 1293: homines nostri [des Grafen von Sayn] et villarum
nostranim de Valindre et de Malindre beklagen sich beim Grafen über die Deutschordens-
1079 I>ie Vogtei.]
sieh Jagd und Fischerei vor u. dgl. iiiehr^ In diesem Falle besteht kein
gi-undsätzlicher Unterschied nielir zwischen Markvogtei und Markherrlichkeit;
nur darin untersclieiden sich beide zumeist, dafs die Markvogtei der Regel
nach, da sie nicht auf einen in der Mark befindliclien Fronhof basiert ist,
weniger markgenössisclie Rechte aufsaugt, als die Grundherrschaft.
Vom Stützpunkte des Markobereigentums aus greift die Markvogtei nun-
mehr auch in den Beamtenapparat und das Gerichtswesen der Markgemeinde
ein. Für die Wahl des Zenders und teilweis der Unterbeamten wird zu-
nächst ein Zustimmungsrecht, später direktes Ernennungsrecht entwickelt-.
Und das Markding wird vogteiherrlich ^ : der Vogt ü])ernimmt den Gerichts-
vorsitz und die Rechtsvollstreckung*, er bezieht die Markdingsgebühren
herren: sie achten das Recht der Vorgezimmer nicht, reifsen Häuser nieder, quorum inha-
bitatores consueverunt nobis [dem Grafen] solvere . . vasnachthunre et . . iura banni vini et
ipsos homines in Yalindre et Malindre sublevare pro parte et sustinere cum ipsis precariam
et alia onera sive iura nobis debita ab eisdem universitatibus seu hominibus ipsarum villarum.
Der Graf schaift Abhilfe für den ersten Punkt, privilegiert aber für den zweiten die Ordens-
herren, giebt ihnen zugleich das Recht der Weinvorlese, das Recht eines besonderen Schaf-
hirten, und Steuerfreiheit gegen Zahlung von jährlich 2 s. (auch von der Pellenzsteuer).
1) Hennes ÜB. 1, 299, 1285: der Graf von Leiningen verkauft advocatiam nostram seu
iurisdictionem, quam habuimus vel habere videbamur in marca seu terminis ville Iberensheim
cum omni utilitate et dominio quesito et non quesito tarn super bonis ipsorum fratrum quam
aliorum sive sit de iure de consuetudine vel de facto, cum salmone et omni utilitate in
Rheno et in aquis in terminis dicte ville pro ducentis Ib. hl. numerate pecunie. W. der
Bergpflege 1556, G. 3, 826, der Erzbischof von Trier Schirm- und Gewaltherr: so weisen wir
unserm gn. herrn den hohen eichenwalt, den vogel in der luft, den fisch in dem fliessenden
wasser, das wilt in der hecken, so weith dieser zingel und bezirk get und seiner churf. gn.
weidleuth dasselbig gefangen beringen und bezwingen können, herüber sol unser gn. herr
schützen und schirmen witwen und weisen, den herkomenden man mit seinem rostigen spieß
gleich einem inwoner und lantsassen. WAhn 1026 § 4: die Grundherren haben das Recht
zu hagen und zu jagen, soweit sich die Hofgerechtigkeit erstreckt. Die Einwohner (nicht
blofs die Gehöfer) geben nach § 9 auch 3 sester Vogtweizen jährlich für jede Feuerstelle: es
sind also die Grundherren zugleich Vögte.
'■^) S. Bd. 3, 128, 12, 1321; 182, 12, 1342; No. 174, 1347; WKenn 1409, G. 2, 314,
cit. oben S. 311 Kote 4 (auf S. 312); *WLonguich 1408, Arch. Maximin. 8, 36, § 20:
ultimo dixerunt iidem scabini, quod dominus abbas habet ponendi et deponendi villici pote-
statem sui sine cuiuscunque contradictione ; et scabini cum consensu domini eligendi con-
socios scabinos; et advocatus cum voluntate et consensu communitatis potestatem faciendi
centurionem et preconem.
^) S. z. B. MR. ÜB. 3, 1010, 1249: König Wilhelm verpfändet iudicium et advocatiam
nostram in Galginscheit für 200 mr. Kölnisch an Konrad von Schönecken. S. auch Hennes
ÜB. 1, 299, 1285, cit. oben Note 1.
*) MR. ÜB. 2, 193, 1201: (advocatus) cum aliquando presedisset annuo placito rusti-
corum in villa sua de Keille. CRM. 2, 208, 1264, Urkunde des Grafen Johann von Sayn:
<;um questio moveretur in curia sancti Albani in Bedindorf, cuius dinoscimur advocatus,
coram officiali nostro S. et H. scolteto et scabinis 1) de quadam vinea . ., quod ad eandem
curiam pertineret, et idem officialis cum scabinis et ceteris curialibus diligenter investigando
invenisset, eam ad ipsam curiam minime pertinere . . 2) de 3 iugeribus terre . ., quod per-
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1080 —
und -brüchten ^ , er setzt als Gerich tsherr den Heiniburgen ein ^ er übernimmt
das Ganggeleit ^.
Damit hat denn eine volle Einverleibung der markgenössischen Ding-
und Wirtschaftsselbständigkeit in die Markvogtei stattgefunden, es kann jetzt
nur als natürlich erscheinen, wenn dem Vogt auch die markgenössische Steuer-
verfassung und ihr Ertrag zum Opfer fällt. Nun kombinierte sich aber die
Einverleibung des markgenössischen Besteuerungsrechts nnt der vogteilich
völlig herkönnnlichen Eintreibung eines Schutzgeldes, und aus dieser Kom-
bination entstand ein System von vogteilichen Forderungen an die Markge-
meinde, innerhalb dessen es schwer ist zu bestimmen, ob gewisse Abgaben
im Einzelfalle ursprünglich aus dem Schutzgeld oder aus markgenössischer
Besteuerung entwickelt sind.
Den Kernpunkt dieser Forderungsrechte bilden Bede und Schutzgeld im
besonderen Sinne. Die Bede, welche unter verschiedenen Namen vorkommt^,
besteht zumeist in Geld, Korn oder Wein ; sie wird vom Vogte als eine Summe
einheitlich gefordert '^, durch die Markgemeinde auf die einzelnen Verpflichteten
tinerent ad curiam sancti in Wisse, et idem invenissent, quod eadem iugera ad ipsam
curiam nee pertinuissent nee pertinerent: — nos paci . . conventus de Riimersdorf [dem diese
Stücke gehören] consulere cupientes . . inhibemiis, ne quis officialium scabinorum sive
ciirialiiim prefatarum curiarum . . conventum pro denominatis bonis questionem movendo
audeat in posterum molestare.
^) Hennes ÜB. 1, 420, 1319, Urk. Dietrichs von Arenfels: cum ratione advocatie, quam
habemus in villa de Oftindinc, certa portio pene nobis competat et emende occasione pastus
animalium ibidem, necnon religiosi viri commendator et fratres domus Theutonice in Con-
fluentia animalia et pecudes in dicta villa, quas quandoque accusari contingit, dicta pascua
per eorum animalia depascantur ibidem, nos . . . omnes et singulas penas et emendas nobis
competentes commissas etiam et committendas ab ipsis religiosis pro pastu animalium et
pecorum eorundem in pascuis ville predicte remittimus quoad portionem nobis competentem
et effestucamus in hiis scriptis. S. auch WAltwies 1693 § 7.
2) Urk. 146^9, G. 2, 439 Note: ich Clais von Mesenich miner gnedigen herschaft von
Spanheim vaigt zu Protich, erkennen in diesem briefe . . : so ein heimburge jerlich zu Protich
gesatzt wirt, das ich dem von miner gn. h. v^egen als ir vaigt mit eim zwige, den ich ime
in sin hant reiche, macht gebe als eim heimburgen.
^) WGüls 1385, Zs. d. Berg. Gv. 18, 158: wanne auch eine gemeinde zu Gulse einer
gancleiden noit halt und der an eime vaide gesinnit, so sal der vait der gemeinde die gancleide
duin imd ist daz schuldich zu duin van rechte.
*) MR. ÜB. 1, 647, 1166, Merl: collectas advocatorum, quas ibidem vulgari nomine
giiwerf vocant. MR. ÜB. 3, 313, 1227 : nobilis N. de Ottenges advocatus pro parte in banno
pro exactione, quam advocati consueverunt percipere de hominibus sue advocatie, . . redditum
percep(i)t , quam assisam vocant. *USMax. 1484 Bl. 31 ^ : exactio teutonice der schaff.
WDommershausen 1580 § 4, G. 2, 210: kerbgelt. S. auch die folgenden Noten. Über Vogt-
beden s. Waitz, Vfg. 8, 396.
■') Feud. SMax. S. 472: Silvester comes habet advocatiam et 25 s. in Rode pro
advocatia eiusdem ville. Pellenzw. 14. Jh. § 6, G. 6, 622 — 3: ir heimburger seit vort
gefi-aicht und ermant, von weme oder woher ir wasser und weide wald und gefeld zu lehen
habt, und weir dapi schirm- und handhabunk und van weme haben solt? antwort: sprechent,
wasser und weide tragen wir zu lehen von got dem almechtichen , darpi sol uns unser gn.
— 1081 — Die Vogtei.]
verteilt und dann von den Beamten (Boten) des Vogtes gehoben ^ Das
Schutzgeld dagegen ^, für welches ebenfalls eine Reihe sehr mannigfaltiger Bv-
zeichnungen gebräuchlich sind ^, wird vom Vogte von vornherein auf jeden ein-
zelnen Vogtmann direkt gelegt und von ihm individuell erhoben. Es l)e-
steht zumeist aus einem Zinskomplex von geringen Geldsummen, Hühnern,
Gänsen, Hafer u. a. m.; dieser Zinskomplex wird anfangs von jeder Hufe*,
später regelmäfsig von jeder Hofstelle bezw. jeder Feuerstelle (Haushaltung)
erhoben^, und zwar nicht selten noch in Abstufungen, je nachdem die Feuer-
h. ein erzbischof zu Trier etc. ein iedes clorf bei seinem dorfrecht schirmen; darumb seint
mir alle jares zu zweien terminen, nemblicli zu sent Johans tage und zu winachten, unserm
gn. h. verbunden zu geben 6 fl. aureos, zu bezahlen 22 ganzer nach- [1. : rader-]albus vor den
gülden, vor alle beschwernus. Toepfer 1, 290, 1357: ich Godevert van Spanheim dun
kunt . ., daz ich Johanne voit van Hunoltzstein und herren zu Numagen oder iman in sinen
■\vegin keinerleie gelt gold noch silber uf sin dorf Achtilbach geluwen hain und waz darzu
gehorich ist, dan umbe behulfenisse und beschuttenisse der armen lüde, wan ich si
beschirmen sulde umb einen pach zwenzich mir. haverin ierlich und daz gerichte hoe und
dief und mit zwein wagenen in vrundenen zu herfst, as lang as is Johans wille was und ist,
und daz ich vurt niet me da zu schaffin noch zu gebiedin inhatte noch inhain vore noch
nach. CRM. 4, 341, 1476: die Gemeinde des Dorfs Glees nimmt den Georg von der Leyen,
Herrn zu Olbrück, zu ihrem Schirmvogt an und verspricht ihm deshalb jährlich 14 Malter
Hafer und 2 AVeidhämmel. Honth. Hist. 2, 474, 1485: Merzig giebt 50 gl. an pagamente
bede oder schetzonge.
1) AVNiederemmel 1532, G. 2, 351: weisen mir auch dem vogthern, so der monat mei
herankompt, so het des vogthern richter die macht, daß er mag den scheffen gepiethen, daß
sie komen und legen ime ein meischaft als von alters von fünf pfonden, darunter nit, einen
höchsten fünf s., darüber nit, und ieglichem man nach seinem wert; wanehe der schaff ge-
lacht ist, dan sal der richter dem hotten das kerb geben, und der bot sal umbgehen und
fordern den schaff in dem mai; und von welchem er den im mai fordert und nit enwirt, der
sal inen geben nach dem mei mit der boeßen; und wo der bot den schaff nit fordert in dem
mei, da sal er auch nach dem mei nit suchen oder fordern, und so der schaft dermaßen
gehoben ist, so sol der bot dem richter das kerb wider liebern. und ist etwan in der
legungh des Schafts ufgangen, das sal der richter liebern dem vogthern halb und seinen ge-
meinden das ander theil. WFankel 1446 § 1, G. 6, 535: dem vogtherrn zu alle jähr zu
herbstzeit sieben fuder wein, genant bede, und sollen acht gemeinsman zu Fankel die bede
kerfen mit iliren eiden auf die gueter, die be[de]gultig sein, und solle gebe den stab des
vogthern knechten und lasse sie die bede heben.
2) Bede und Schutzgeld sind z. B. nebeneinander genannt Bd. 3, 182, u, 1342.
3) S. dazu Bd. 3 Wortr. u. d. WW. salvement, schutzgelt; ferner MR. ÜB. 1, 653,
1168: 3 d. de unoquoque mansu pro warandia, dazu *Bald. Kesselst. S. 329, 1340: debita
warandia vulgariter dicta werschaft; und WAsselborn 1506 § 5: ein Fastnachtshuhn für
Vogtrecht.
•*) MR. ÜB. 1, 653, 1168: SMartin-Trier hat in Hinkel und Girst bei Rosport in
Luxemburg die decima de salica terra et 3 d. de unoquoque mansu pro warandia.
■^) S. URheingrafen : in Windisse giebt quivis hereditatem possidens galetam vini et
manipulum et d. advocato. Hereditas ist hier wohl dasselbe wie hostart im WBarweiler,
G. 2, 619: welcher kirspelsman auf einen fireihen morgen hostart bauwet, derselb sol von
dem morgen geben ein sum. rauchhaber und domit denselben hostart von weiterm last qui-
teren. Zur Veranlagung nach Feuerstellen s. ULuxemburg 369, 25, Bazeille: pour le salve-
Lamp recht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 69
[GrunclheiTlichkeit und Vogtei. — 1082 —
stelle ein ganzes oder gel)rochenes Bett (ein Ehepaar oder eine verwitwete
Person) aufwiest
Beide Ahgaben, Bede wie spezifisches Schutzgeld, sind wohl als speziell
aus der Vogtherrschaft, nicht aus der Markherrlichkeit des Vogtes resultierende
Yogteiliche Emolumente aufzufassen. Hierfür spricht einmal ihre ganz allgemeine
Verbreitung weit über die bis zu spezifischer Markherrlichkeit erstarkten Vog-
teien hinaus, dann die Möglichkeit, ihre Doppelexistenz gerade aus dem vog-
teilichen Herrschaftsrecht zu erklären: die Bede ist die Vogteiabgabe der Ge-
samtheit, der Markgemeinde, das spezifische Schutzgeld die analoge Leistung
des einzelnen Markgenossen.
Aber neben Bede und Schutzgeld kommt noch eine Anzahl von weiteren
markgenössischen Vogteileistungen vor, welche sich überwiegend nur aus der
Absorption der Markselbständigkeit, speziell des markgenössischen Besteuerungs-
rechtes durch den Vogt erklären. Hierhin gehört schon das sog. Servitium,
der Dienst, die Verpflegung des Vogtes bei seiner Anwesenheit zum Markding,
zu welcher auch die Futterbede gehört^, vor allem aber eine Anzahl von
ment [Yogtei] des bourgeois de chascun feii par an 1 qiiarte d'avoine; . . de chascim feu
12 Tornois petis; ferner Bd. 3, 182, is, 1342; WRemicli 1462 § 66 u. 67: Vogteien zu Grei-
weldingen und Hütten, heifsen nachher 25 furstede und wonungen, die itzont besatten seint
mit luden. \M^oden 1484 § 22 : die Vögte erhalten 1 vollen sester even, 3 Hühner, ^/a Gans
usser eglichem huse, dae der rauch rucht und der eimer druif. *USMax. 1484 Bl. 47 a; die
voigtschaf (zu Gostingen) pertinet ad monasterium, verum sie, quod unusquisque inhabitans in
G. et Candach lenetur annue 3 d. Lucenboricenses bonos. WEttelbrück 1492 § 7: dem Vogt
von jeder Feuerstelle 3 Hühner und 2 Sester Hafer: dies das Gewöhnliche, oder "WFrisingen
1541 § 27: 2 Hühner und 1 voegthellink. WSchüttringen 1542 § 16: der Vogtherr hat von
jedem Rauch 3 Hühner und ^/2 mir. Hafer.
1) WMorscheid 1510, G. 2, 140: hat geweist die gemein, das i. gn. junkherm Wild-
und Reingraven gein Rhaunen han fallen jerlichen ein vierzel habern und 1 hune von einem
ieklichen insesser zu M., ein widman gibt die haber und das hoen nit, ein v/idfraw gibt das
hun und die haber nit. ob der zins nit gereicht wurt, so hant die Wildgraven macht zu
phenden und die phende macht mit inen zu füren; sperret iemants die thur, so mögen sie
neben der thur innen gehen, deshalben hat die gemein zu M. macht, waßer und weid im
Hinderwalde zu gebrauchen, und sol sie niemants darin phenden. WKrittenach-Obermennig,
G. 2, 119: weisen wir unserm hern diese vogtrecht, nemblich von jeder ganzer ehe oder beth
in Crittenacher vogtei ein vierzel haber und ein hoen; und von jeder zerbrochener ehe oder
beth ein halb vierzel haber und ein halb hoen ; und sol uf gesinnen des meiers der armman
dieselbe haber messen und dem meier gutwilligh über den gader lieferen, so doch ein frauw
im kindelbeth sesse, sol der meier dem hoen den hals abstechen und der frauwen zurück
über den gader werfen. WKöllerthal, G. 2, 18 : woe der eimer drufet und der rauch rucliet,
igliche husgesesse 3 d. 3 hunre V2 gans, und der wiedewer half also vil, und die wiede-
werssen auch halp; und was zu den scheffen gehöret ^ ist des frie. Doch s. dagegen
WHentern, G. 2, 111: das vogtrecht . . nemlich von jedem haus, da rauch ufgehet, es sei
ganzes oder gebrochen bet, ^U even und 1 hoen; und woneten 2 man in einem haus bei
einem rauch, so geben sie nur ein vogtrecht.
2) S. WObermendig, G. 3, 820: nachdem daß der junker solches thun solte, was die
nachbauren dargegen zu thun schuldig seien? der junker (sol kommen mit) dreissigsten-
halben pfert, denselbigen sol ein heimburger rauhefoder geben vonwegen der gemeinden,
_ 1083 — I>ie Vogtei.]
Vorteilen, welche dem Vogt in der Allmende, besonders im Wald gewährt
werden \ und die bisweilen vorkommenden markvogteilichen Fronden^.
Alle diese vogteilichen Einnahmen wurden nun, entsprechend einer im
früheren Mittelalter sich immer wiederholenden finanzgeschichtlichen Erschei-
nung, mehr oder nnnder vollkommen auf gewisse Grundstücke radiziert. Ganz
speziell gilt das von den Haupteinnahmen, dem Schutzgelde und der Bede.
Das Schutzgeld war ja* von vornherein auf die Haushaltung, d. h. bei den
dörflichen Verhältnissen des Mittelalters im wesentlichen auf jede Hofstelle
gelegt^: diese Veranlagung ward nun nach einem Versuch, die Hufe noch
zur Radizierung zu benutzen, seit der Schliefsung der Anzahl der Bedeholden
mit spätestens dem Ende des 13. Jhs. auch für die Bede mafsgebend*; nur
selten steht neben ihr eine andere Veranlagungsweise, z. B. im Sinne einer
leidlich rationellen Gmndsteuer^. Und so ergiebt sich denn als Gesamt-
resultat der markvogteilichen Belastung seit etwa der Höhe des Mittelalters
die Radizierung aller Leistungen auf bestimmte Bauernhöfe^: d. h. eine Ver-
imd dem jnnker mitsambt seinen dienern geben essen und trinken, wie das einem edelman
geburt, und den vierzehn scbeffen und einem frohnen aus demselbigen düppen, daraus dem
Junker angericlit ist worden, mitgeniessen, dieweil sie über fleisch und bUit geurtheilt haben.
Vgl. femer MR. ÜB. 3, 297, 1226: Dietrich von Isenburg ex quadam consuetudine in villa
de Rode (solitus est) annuatim a rusticis ibidem mansiones et agros habentibus quandam
exactionem in avena, que voderbede dicitur vulgariter, accipere; s. dazu MR. ÜB. 2, 265,
1211. S. auch MR. ÜB. 2, 33*, 1179: Herimannus, qui cognominatur de Harraz, cum
fratribus suis accepta occasione ex advocatia, quam tenent in Elra, quoddam servitium in
villa, quae vocatur Thunechingin , de bonis aecclesiae sancti Nicholai, quae est in loco sita
qui dicitur Insula, annuatim sibi persolvi volebant in hunc modum, ut quicunque advocatia
potiretur in Elra, ciu'tim predictae aecclesiae, quam habet in supradicto loco videlicet Thune-
chingin, in vespere octavae sancti Martini cum quatuor militibus intrare deberet et caenam
in vespere et prandium in mane de expensa bonorum aecclesiae supranominatae ibidem
sumere. quod factum quia presumptuosum fuit et iustitiae manifeste contrarium, dominus
Godefridus abbas in Sprenkirsbach tertius auctoritate iustitie et rationis reprobavit.
1) S. WSenheim 1304, G. 2, 431, cit. oben S. 318 Note 1, und diese Note; ferner
Bd. 3, No. 213, 1386; WPeterslahr a. d. Wied 1579, cit. oben S. 506 Note 10 (auf S. 507).
2) S. WOckfen 1325 § 16, 17; Toepfer ÜB. 1, 290, 1357, cit. oben S. 1080 Note 5, auf
S. 1081; WWincheringen 1494 § 12, WWiltz 1631 § 17, beide cit. oben S. 436 Note 2.
^) WSchuweiler 1635 § 17: daß alle vogteien, so bewohnt und beraucht werden,
seien schuldig die rauchhuhner zu lieberen, sowol die so stehen, als andere so ufgericht
Averden mögten ; und so sache were daß einiche vogtei verfiele, so ist man keine rauchhuhner
zu liebern schuldich.
^) S. oben S. 369 f., 605, 617.
^) WKesselheim 1551 II § 1, G. 6, 615, Abgabe an den Vogt: von ieklichem morgen,
es sei acker, weingart, wiesen oder weicken, von einem inwendigen 10 hl., von einem aus-
wendigen 3 hl., ausgenomen geistliche gueder, wie obgemelt stehet, wird genent bedegelt,
macht zusamen jarlichs sechs gl. und acht weißpfenningh, sol ihme der heimburgh und ge-
schworen auf einmal liebem.
^) Dies sind dann die sog. Vogteien, s. oben S. 375, 627 f., auch WRodenbom 1568
§ 3; WSandweiler 1604 § 59; WHellingen 1716 § 23.
69*
[Grundherrlichkeit mid Vogtei. — 1084 —
anlagung der niarkvogteilichen Lasten, welche mit der Veranlagung der grund-
herrlichen Lasten im ganzen und grof^n völlig identisch war^
So nmfste sich auch die vogteiliche Erhebungsweise an denjenigen Orten,
wo die Markvogtei zu vollster Blüte gelangt war, der grundherrlichen analog
gestalten: es mufste sich ein Vogtmeieramt, ein besonderes Vogtding, ein
Vogthof entwickeln; kurz die grundherrliche Fronhofsverfassung etwa des 12.
und 13. Jhs. mufste von der Markvogtei kopiert werden, soweit sie auf Kon-
stmktion einer Zinsannahmestelle hinauslief.
Das ist in der That der Vorgang. Zwar halten sich in einzelnen Fällen
völlig oder nahezu völlig freie Gemeinden unter Markvogtei^, indes an nicht
wenigen Orten werden doch die vogteilichen Berechtigungen ganz im Sinne
der Grundherrlichkeit entwickelt. Da findet sich denn als Vertreter des Vogt-
herren ein Vogtmeier oder Achtervogt ^ mit besonderen von den Bevogteten
zu zahlenden Revenuen^, und unter ihm steht zur Einnahme und Weisung
^) Man vgl. aufser oben S. 605 z. B. URheingrafen : in Hilversheim 8 mansi, in quibus
ringravius advocatus est, dant 16 mir. siliginis Pinguenses et 4 mr. Colonienses his vicibus:
in adventu 16 s., post octavam epiphanie proxima die 16 s., post pascha ad 15 dies 16 s. ;
pro exactione 1 carr. vini, et quilibet vir possidens aliquid ex his mansis 3 d. et ob. Mogun-
tinum. S. auch Cod. Salm. 347, 1474: in Messerich 15 vogtheien, dienen jarlichs ein meier-
schwin von 6 fl. , 13 mir. frucht und ein halft halb körn halb kern, und 13 mir. haber und
an gelt 28 fl. ; und ieglich vogtheie 3 hauen und darzu jars 2 Moselfarten win zu holen uf
das schloß zu Malberg, und seint auch sust in anders schuldig allen gepürlichen dhienst zu thun
nach wißthomb der scheffen das[elbst], wie weit und ferre die gerechtigkeit des dorfs gan ist.
item in demselben dorf Messerich ein mueller, dhientjars 3 mir. korns und 1 schwin von 3fl.,
2 hoener und 200 eiger. Ferner in Honscheit bei Neuerburg drei vogtheien, dienent jerlichs
6 fl. und 3 mir. korns und ein schwin von 3 fl. und 3 hoener; in Dickscheit ein vogthei,
dhientjars 2 mir. nuen und 11 weißpfennige , endlich drei vogtheien zu Messerich zu lehen
von der herrschaft von Malberg, die jarlichs dhienen muegen umb die 5 oder 6 fl.
2) So Strohn, Trittenheim und Cessingen, s. oben S. 188, 191, 627 Note 2.
3) S. WMüstert 1672-82, G. 6, 532, § 11, cit. oben S. 173 Note 1; WBernkastel usw.
1358?, G. 2, 358: daz ein erzbischove von Trier zu ziden im hove zu Winthrich zu setzen
habe einen centener und einen buddel, die uf gemeiner vadien sitzent, und zwene furstere,
die di weide hutent, und die furstere sind bedefri. und der vaid habe daselbest zu setzen
einen achtervaid, der ein gemeine man si noch von den richsten noch von den armesten. S.
ferner WGraach 1586 und WBischofsdrohn 1437, beide cit. oben S. 173 Note 7. Hierher
gehört auch WKenn 14. Jh. 2. H. § 12, G. 6, 547: vortme so wist der scheffen, daß da-
ligent voithovesteden , die geldent dem voide win, und der höret zo her Gerard van Viltze
jonker Colin und iren gemeinern. und abe sacli were dat ein man of den voithovesteden
seße und nit me andern guedes enhette und gebe den voigden iren win, so were er schul-
dich eime voide zo Kenne ftmf pennink, und umb die 5 d., die der voit da hevet, darumb ist
er schuldich den annen manne gewalt und overbracht abezodoin, so ver er das vermagh.
Der Vogt zu Kenn ist hier Achtervogt der Herren von Fels.
*) WEsmingen 1348 § 1: die Vögte haben zu Vogtrecht 10 mir. Hafer 10 s. , der
Meier ein zeitiges Schwein und 16 Ib. Flachs. Nach Cod. Salm. 347, 1474, fällt in Messerich
von 15 Vogteien ein Meierschwein, s. oben Note 1.
— 1085 — Die Vogtei.]
der YOgtherrlichcn Gerechtsame ein Vogtding ^ Ja nachdem die Vogtei-
abgaben zu Gnmdzinsen geworden waren 2, ging der Vogt sogar dazu über, sie
als grundhörige Zinse anzusehen und entwickelte auf Grund dieser Anschauung
ein Obereigentum an dem bisherigen Allod der freien Vogteieingesessenen. Zu-
nächst wird in dieser Hinsicht nur die Hinzuziehung vogteilichen Zeugnisses
bei Übertragimg fi'eien Vogteigutes betont^, aber bald, schon am Schlüsse des
12. Jhs. , ist von Zustimmung die Rede*. Und im 13. Jh. sind dann alle
hauptsächlichen Merkmale des Obereigentums vorhanden: die Vögte haben
ein Konsensrecht bei Übertragung und Belastung von Vogteigut^, das später
zum Recht auf eine bestimmte Übertragungsabgabe herabsinkt^, herren-
loses Vogteigiit fällt an sie heim^, bei Eintritt in eine Vogtei wird ein Em-
pfängnis an sie gezahlt^, sogar die ursprünglich für unfreie Grundhörigkeit
1) S. WBischofsdrolin 1437 : wanne und zu welicher zit ein vaed sin vaeddink zu Trone
wiederbieden wulde und des zu doin noit hette ungeverlich , so sulde sin aftervaid solichs
eime zendener zu Trone sagen und an ine gesinnen, das vaeddink zo wiederbieden und zo
erlengen, und alsdan sulde ein zendener vurg. eirae fronden furter gebieden, das vaeddink zo
wiederbieden und zo erlengen. Zum Inhalt von vogteilichen Weisungen s. WRemich 1462
§ 40: es leit ein foudie und erbschaft zu Ellingen mit velden und anderen zugehör, die
hörent in hoef zu R. und ist unsers gn. lanthern; imd ist auch schuldich der jener, der uf
der foudien wonet, eime meiger zu R. zu sinem gebot gehorsam zu sein und alles das zu
thon, das ein burger im hof zu R. gesessen gebure zu dhon, sin herdpennink und herdhuner
zu ieclicher zeit zu geben als die fellich sint; und uf den felden, herzu gehorich sint, halt
unser her die nimte garb. Doch werden die Vogtrechte längst nicht immer durch ein be-
sonderes Vogtding gewiesen, s. WStrohn [1381] 1510, G. 3, 805: were sach dat unser
Schirmeherr unsers dorfs und kirspels recht und friheit gern wissen wolde, der sol dat dem
schulthissen zu Strone verkundigen, der sal die kirspelslude verboden zu Strone imder die
linde, dar sal der herr komen und fragen, der kirspelsman sal ine dae bescheiden.
2) S. dazu noch WAuw 1535 § 6: sol der gemein hoebsman sich der vogdien vermitz
liberong und handrichong irer grontzinsen geprauchen und geneißen.
3) MR. ÜB. 1, 501, 1136; Abt Adelb. von Prüm schenkt an SGoar einen Zehnt
aus Biebernheim sub testimonio prefati loci advocati necnon militum [3] ipsius [d. h. des
Ortes B.] liberorum . ., insuper sub testimonio autentico [so z. 1.] prenominati abbatis
ministrorum.
^) MR. ÜB. 2, 85, 1186: Verkauf eines Allodes zu Rachtig an SThomas a. d. Kill.
Actum est hoc publice super litus Muselle ante curiam domini archiepiscopi, quam habet
Rateche, Radolfo de Mathelberch et Heinrico fratre eins de Burensheim et omnibus villanis
eorum, quos habuerunt Rateche et Celtanc, assistentibus , quibus etiam advocatiam ibidem
simul tenendo communiter dominabantur. et hü omnes dictis et factis omnibus domini archi-
episcopi assensum communem prebuerunt.
5) S. Bd. 3, 102, 36, 1293. Eine Ausnahme bietet WCessingen 1568, § 5, cit. oben
S. 627 Note 3.
6) WAltwies 1693 § 7.
'') Dieser allgemeine Sinn liegt wohl WWincheringen 1494 § 15 zu Grunde, s. oben
S. 629 Note 5.
^) WDommershausen 1580 § 7, G. 2, 210: ob es sach were daß einer sich inwendig
eines Jahres in die vogtei kaufte oder anstürbe, oder wie es nahmen haben möchte, der solle
auf den ersten dingtag dahe stehen und vor den vögten empfangen mit 1 alb., und wan das
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1086 —
charakteristische Pflicht der Besthauptleistimg läfst sich für Vogteigut vereinzelt
nachweisend
So gab es seit etwa dem Ende der Stauferzeit keinen durchgreifenden
Unterschied mehr zwischen markvogteilichem und grundhörigem Gut und da-
mit — da alle alten persönlichen Lasten der Unfreien nahezu verschwunden
waren — zwischen der wirtschaftlichen Stellung der Grundholden und der
markvogteilichen Leute ; ja es traten gerade auf dem Gebiete der freien mark-
vogteilichen Entwicklung Formen besonders starker quasigrundhöriger Ge-
bundenheit auf, so namentlich in den Schaft- oder Vogteigütern der Eifel
und des Hochwaldes^.
Aber ein Unterschied mufste nach unseren bisherigen Erörterungen doch
in der Regel noch zwischen Markvogtei und Grundlierrlichkeit bestehen bleiben.
Die einfache Grundherrlichkeit bezog sich auf Grund und Boden im Streu-
besitz, sie erhob sich da, wo sie noch nicht zur Markherrlichkeit geworden
w'ar, auf keinem territorial geschlossenen Substrat. Anders die Markvogtei:
gerade für sie bestand ja von Anbeginn der Bezirk der Mark als festabge-
schlossene territoriale Unterlage.
Indes auch dieser Unterschied war schon seit spätestens dem 13. Jh.
nicht mehr grundsätzlich vorhanden und verwischte sich in Wirklichkeit völlig
seit Beginn des 14. Jhs. Die Markvogtei war ein nutzbares Recht; sie und
ihre Revenuen konnten im ganzen veräufsert und verlehnt werden^; es stand
geding gehalten ist, so solle der gerichtsbot hervorgehen und rufen: wo jemand vorhanden
were und in der vogtei zu thätigen hette, der solle hervortreten, so solle ihme zu seinem
recht, darzu er befugt ist, geholfen werden. WElirenburg § 4, G. 3, 770: wen sich einer in
dis geding kaufte oder anerstürbe oder wie er es bekommen möchte, der sol es erstlich
empfangen mit einem hl. (dem Vogt) . . alsdan mit 1/2 vierteil wein . . (den Lehenleuten).
1) USMax. 1484 Bl. 35 a, cit. oben S. 375 Note 4.
2) S. dazu oben S. 653 ff., auch WHellingen 1716 § 6: alle . . vogteien und eine jede
in particular seind ihrem herren mit schaff rente fronen und diensten unterworfen; und
können die Untertanen von selbigen guter am geringsten nichst verkaufen noch verteilen noch
versetzen ohne verwilligung ilures schaffheiTen, und haben keine andere disposition darüber,
als daß sie eins ihren kinder, welches sie am besten ratsam erfinden, mit erlaubnus des
herren in die vogtei ein[zu]verheuraten ; und die übrige, so von gem. vogteien auf eine andere
jiu'isdiction verheui'atet, seind ihrem herren den abkauf schuldig zu bezahlen nach gemäßig-
keit. Wer zwei Vogteien hat, die zu einem Gut zusammengeschlagen sind, giebt doppelten
Abkauf.
^) ]VrR. ÜB. 2, Nachtr. 1, c. 1191?: der Graf Emicho von Leiningen ius precarie mee,
quod ad me de bonis H. in (Vilmar) pertinebat, . . abbati lohanni ecclesie sancte Mathie . .
in vita sua possidendmn concessi. MR. ÜB. 2, 145, 1195, Urkunde der Abtei Wadgassen:
accidit quibusdam causis exigentibus, comitem Lüdevicum de Sarwerde advocatiam de Ror-
bach cum quadam teiTa allodii sui, que in confiuio eiusdem ville sita est, cuidam militi^
videlicet Hermanno de sancto Engelberto, invadiasse; nos vero ad redimendam eandem
advocatiam datis 15 talentis predicto comiti fecimus sustentamen cum tali pacto subsequente,
ut eandem advocatiam nulli in posterum vel ipse vel heredes sui invadiarent vel quoquo alio
modo a propriis manibus alicnarent.
— 1087 — Die Vogtei.]
nielits entgegen, sie durch Befreiungen einzelner von vogteiliclien Lasten zu
(lurchlöchern \ sie zu zerstückeln und zu zerteilen^. Und wiederum war es
möglich, zerstückte Teile zusanunenzulegen^. Unter der andauernden Einwir-
kung dieser im Laufe der Zeit stets häufiger angewandten Manipulationen
verschwand das territorial geschlossene Substrat der Markvogtei^ — und nun-
mehr konnten sich Grundherrschaft und Vogtei in einzelnen Fällen zum Ver-
wechseln ähnlich sehen. Wirklich giebt es Fälle, in denen höchstens noch aus
den Titulaturen die besondere Entstehungsweise urkundlich vorliegender Gebilde
des 14. und 15. Jhs. vermutet werden kann, im übrigen aber ein völliges
Durcheinander von Grundherrlichkeit und Vogtei erreicht ist.
Was aber das Verständnis der vogteilichen Zustände des 14. und 15.
Jhs. noch schwieriger, die Entwirrung der damals bestehenden Herrschaftsver-
hältnisse nicht selten unmöglich macht, das ist der Umstand, dafs sich neben
der Markvogtei noch eine Anzahl anderer vogteilicher Bildungen entwickelt
hatte, welche schlielslich alle der Grundherrschaft als gemeinsamem Nährboden
entstammen. Von diesen Bildungen ist im folgenden zu sprechen.
Der einfachste Fall, der hier in Frage kommen kann, liegt in der Vogtei
über einen Gnmdherrn mit schlichter Grundherrlichkeit, also in der blofsen
Fronhofsvogtei vor. Eigentümlicher gestalten sicli die Dinge, Avenn der Grund-
herr schon j\Iarkherrlichkeit entwickelt hat: in diesem Falle liegt eine Mark-
und Fronhofsvogtei vor. Der merkwürdigste Fall aber ist der einer Vogtei
1) S. dazu oben S. 606 f., auch Lac. ÜB. 1, 569, 1200; MR. ÜB. 2, 245, 1209; 3, 16,
1213; 18, 1213; *Kop. Cardon. Trier Dombibl. Bl. 4^, 1222 März 4, fehlt bei Goerz MR.
Regg. : Henricus dei gratia comes de Seina . . notum esse volumus, quod cum habitatores
ville, que vocatur Winningin, nobis soleant certis temporibus ratione advocatie precarium
servitium exliibere, nos ob remissionem nostrorum peccaminum bona ecclesie de Romers-
dorph rogati ab . . abbate et conventu eiusdem ecclesie ex parte nostra et hereduni
nostrorum a talis servitii exactione reddimus in perpetuum absoluta presenti scripto prote-
stantes, quod si quis prefatam ecclesiam super illis bonis, que sunt in prefata villa sita, sub
nostro nomine post nostram absolutionem [Bl. 5 «7 deinceps presumpserit molestare, se nobis
ad debitam satisfactionem obnoxium reddidisse. S. ferner MR. IIB. 3, 358, 1228; 449, 1231;
1405, 1257; 1411, 1257; CRM. 3, 460, 1359.
2) MR. ÜB. 3, 716, 1241 : Ritter Reiner von der Brücke, als Vogt zu Resten, licen-
tiavi, S. et heredes suos vendere (ecclesie Himmelrothensi) aream . ., cuius ius advocatie a
me idem S. possidet; vgl. hierzu a. a. 0. No. 718, 1241. MR. ÜB. 3, 925, 1247: Graf Simon
von Sponlieim schenkt an SPeter-Kreuznach advocatiam super duos mansos agrorum in
Crucenache, quam nobihs vir W. Ringravius a nobis in feodo tenebat. S. auch WHellingen
1716 § 6. Zum Eigentum einer Vogtei in mehreren Händen vgl. ÜMünstermaifeld, Hs. Koblenz
CXIa, Bl. 48 a, 1345, cit. oben S. 982 Note 1.
^) So gehören nach dem WHüpperdingen , Hardt S. 360, zum Hofe Hüpperdingen
8 Vogteien zu Deiffelt, 3 zu Ulflingen, 5 zu Stobach, 3 in Lieser, 1 zu Heinerscheid.
*) Man vgl. Toepfer 2, 34, 1379; WSandweiler 1604 § 90: daß derselbig Junker zu
Contern daselbst im dorf ein grondmeier und gericht, auch etliche eigenleut und vogdeien
habe . . zusamt die beide kremerheuserger. Witzig 1619 § 18: die vogteien . . seint das
predigerhaus, hern H. C. hof, steinmetzers G. vogtei und St. schweinstall, so gelegen hinder
dem backofen. Sehr lehrreich ist auch Toepfer 3, 152, 1561.
[Grundheniichkeit und Vogtei. — 1088 —
Über einen mit Immunitätsrechten ausgestatteten Grundherrn, also der Immu-
nitätsvogtei. Derartige Vogteien kommen aus später zu entwickelnden Gründen
wohl nur für geistliche Grundherrschaften vor, sie sind es, w^elche man ge-
wöhnlich als geistliche Vogteien bezeichnet.
Zmiächst aber einiges über die Fronhofsvogtei und die mit derselben oft
aufs engste verquickte Mark- und Fronhofsvogtei: denn wie die Fronhofs-
grundherrlichkeit sich wo irgend möglich mit dem Allmendeobereigentum, der
Markherrlichkeit kombinierte, so erwuchs die Vogtei über den Fronhof in
manchen Fällen grundherrschaftlicher Markherrlichkeit zu einem mehr oder
minder ausgedehnten Vogtrechte über die Mark.
Die einfache Fronhofsvogtei ist eine noch ältere Erscheinung, als die
soeben besprochene freie Markvogtei: begreiflich genug: das Bedürfnis der
Grundherren nach ihr mufs namentlich bei grofser Entfernung des Fronhofes
von dem Sitze der Grundherrschaft von jeher ein ausgesprochenes gewesen
sein^, und positive Nachrichten beweisen die Thatsache seiner Befriedigung
an der Mosel mindestens seit Mitte des 10. Jhs. ^. Spätestens seit Beginn des
11. Jhs. ist dann das Institut allgemein verbreitet; der Unterschied zwischen
dominium und ins advocatiae wird bei den Fronhöfen durchaus geläufig^:
Fälle, in denen eine Vogtei nicht existiert, werden als Ausnahmen bezeichnet ^
und weisen später eine von dem gewöhnlichen Modus abweichende Verfassungs-
entwicklung auf^.
Das Regelmäfsige war nun seit dem 11. Jh. da, wo die Entwicklung einer
1) Vgl. z. B. CRM. 1, 105, 1132, s. auch oben S. 961 f.
2) Frühe Beispiele in Urkunden der Moselgegend ergeben MR. ÜB. 1, 214, 963?;
249, 976; 2, 34, 1000; Lac. ÜB. 1, 105-6, 169, 1083; CRM. 1, 47, 1044; MR. ÜB. 1, 3,
345, 1056; Mhaeus 2, 368, 1098.
^) S. als besonders deutlich, wenn auch aus späterer Zeit, MR. ÜB. 3, 1435, 1258, cit.
oben S. 700 im Text.
*) Lac. ÜB. 1, 86, 139, 1003: an Deutz werden tres curtes geschenkt; populus
advocatum nulluni habeat nisi centurionem, quem ibi constituit abbas. CRM. 1, 47, 1044:
König Heinrich IIL verschenkt curiam et omnia ad eam pertinentia absque servitio et placito
ullius advocati zu Boppard an SQuirin-Neufs.
^) *ÜLehmen Hs. Koblenz CXIa Bl. SS^ , zum SSimeoner Hof in Lehmen gehört ein
Hof in Burgen: una curia cum suis pertinentiis, cum videlicet domibus et una vinea
adiacente eidem et reliquis quibuscumque, libera ab omni onere, que nee advocatis nee com-
munitati ville quidquam tenetur nisi unum pullum carnisprivialem , quem recipiunt advocati
pro defensione curtis et bonorum ad eandem pertinentium ; et est adeo libera, quod si aliquis
homicidium vel simile malum in villa vel in strata huiusmodi committeret et in ipsam curiam
fugeret, pacem ibidem habere deberet; ad quam curiam pertinent nemora rura et pascua in
einem völlig abgegrenzten Räume, infra quos limites nullus quidquam iuris habet, nisi
domini sancti Simeonis et curtarius curtis memorate. (omnia) bona spectantia ad curtim . .
solvunt medemam . . sextam decimam garbam in campis, weiterhin hat der Hof 32 colonos
sive feuodarios . . colentes vineas . . dantes de eisdem mediam partem . . ad torculare
curtis . . in curia servantur 4 placita dicta dink . . de iure curtis servando et debitas
culturas vinearum faciendo. Emenda: 10 d. hl.
_ 1089 — Die Vogtei.]
Inniiunitätsvogtei nicht ändernd ein.uegriffen hatte, dal's für jeden Fronhof ein
besonderer Vogt bestellt war*; noch im 13. Jh. finden sich neue Bestallungen
in diesem Sinne ^. Wo es daher mehrere Fronhöfe an öinem Orte gab, da
gab es auch der Regel nach mehrere Fronhofsvögte ^ , neben denen natürlich
im Falle , dafs es kein Grundherr zur Markherrlichkeit gebracht hatte , auch
noch ein freier Markvogt bestehen konnte. Diese Einrichtung, wie sie sich
seit dem 11. Jli. belegen läfst, ist auch wohl von vornherein die gewöhnliche
gewesen. Das schliefst natürlich nicht aus, dafs bei kleinen Grundherrschaften
vielleicht nur ein Vogt für mehrere Höfe bestand*, und dafs späterhin, als
die Fronliofsvogtei wie die Markvogtei ein nutzbares Recht geworden war,
1) Lac. ÜB. 1, 105-6, 169, 1033: Pfalzgraf Hezel schenkt einen Fronhof an SGereon-
Köln, et ne in iura cedat aliena vel pretio vel violentia, sub advocatia mea exniinc et dein-
ceps heredoriim [!] meoriim proximorum tuendam immobili cyrografi huius testamento confir-
mavi. Miraeus 2, 368, 1098: (der Landesherr) dedimus in eadem Aquensi ecclesia tres
advocatias, videlicet super . . praedium . . Harve et super alia duo loca Loncins et
Mandervelt, quae pertinent ad praefatam sanctae Mariae Aquensis ecclesiam, ea ratione, ut
eiusdem Aquensis ecclesiae praepositus easdem advocatias tres potestative teneat. MR. ÜB.
2, 132, 1194: Elias von Elz dignitatem advocatie, quam in hominibus et curte quadam
(sancte Marie Andernacensis) in villa Trimpze se dixerat habere . ., remisit. MR. IIB. 2,
261, 1210: B. advocatus curtis Gladebag monasterii Rommersdorfiensis.
2) Hennes ÜB. 2, 302, 1289 : Hermann Herr von Tomberg beurkundet, quod nos omnia
bona immobilia et mobilia in pecoribus nemoribus pascuis ac aliis bonis quibuscunque
virorum religiosorum commendatoris et fratrum domus Theutonice curtis in Muffindorp sub
nostro recepimus per presentes conductu et defensione speciali; nolentes ipsos fratres per
nos vel per aliquos de nostris in aliquo casu ledi vel offendi, quia ipsos favore prosequimur
speciali, quicquid ipsis factum fuerit, nobis factum reputantes. Von besonderem Interesse
ist Ann. d. bist. Ver. f. d. Niederrh. 44, 93, (1448), Kloster Dünwald über seinen Hof in
Obermendig gegenüber den Ansprüchen des Markvogtes: as dat gotzhuß zom Doenwalt ind
(die) junferen an dit vurschreven goit wairen komen , do hadden si gekoren einen vaet ind
einen beschirmer, want id en ungelegen was, mit namen heren Goedart greven zo Seine ; ind
do der greve die vadie eine zit gehat, do beval der greve ind gaf die vadie eime sime
burchmanne mit namen Giselbert, ind die junferen ind gotzhuiß neit verwart enwas, as in
nutzlichen was, also qwam der burchnian mit namen Giselbert vurschreven mit alle sinen
erven zo Seine vur den greven ind die burch ind wart gededinkt, da he die vadie overgaf
ind verzeich mit alle sinen erven ind den junferen ind gotzhuse zom Doenwalde ere vadie
erflichen ind ewelichen in ere haut widderumb gaf ind updroich ind den hof mit alle
sime zobehoere, ackerlant, wingart, husche, moelen, wasser, weide, so wie he gelegen
is; ind dit hait besiegelt ein greve van Seine ind sin frauwe ind ein abt van Steinfeit ind
ein abt van Seine prelaten eirs ordens, ind herumb so wart overgegeven wingart, zinse, gense,
hoenre zo Engers ind zo Wiß up der Moesellen ind die [!] junferen sevenzich mr. eigens geltz,
as der breif daruf dat uiszwist. Gemeint ist mit dem Brief eine Urkunde vom 8. Novbr.
1278, Korth Reg. No. 76 a. a. 0.
^) So gab es z. B. in Kärlich während des 15. Jhs. 3 Höfe, darunter einen trierischen
Hof mit einer Vogtei der Herren von Eltz und einen Hof von SFlorin-Koblenz mit einer
Vogtei der Herren vor dem Burgtor (Mitteilung von Herrn Prof. Loersch aus der in Arbeit
befindlichen Weistümerausgabe der Ges. für Rheinische Geschichtskunde).
*) So bei SMaria-ad-martyres, MR. ÜB. 1, 244, 973.
[Griindherrlichkeit und Vogtei. — 1090 —
sich Vereinigungen mehrerer Vogteien desselben Grundherrn in einer Hand^
ebensogut wie Teilungen einer Vogtei unter mehrere Hände ^ finden. Die Ver-
einigung aller Vogteien oder wenigstens grofser Fronhofsvogteikomplexe der-
selben Grundherrschaft in einer Hand scheint aber häufiger doch nur da vor-
gekommen zu sein, wo sich eine Immunitätsvogtei entwickelte : hier suchte der
Immunitätsvogt zugleich sämtliche Frohnhofs vogteien in seine Hand zu be-
kommen ^, so dafs bei voller Entwicklung der Tendenzen des Immunitätsvogtes
das Institut der Fronhofsvogtei entweder in seiner Selbständigkeit völlig erstickt
wurde oder von Anbeginn an überhaupt nicht zur Geltung kam.
Nun gab es aber noch ein anderes weitverbreitetes Institut, von welchem aus
man, neben der Entstehung durch freie Bestallung seitens des Grundherrn, die
Entwicklung von Fronhofsvogteien hätte erwarten können : die freie Markvogtei.
Mit der Markvogtei war ja ohne weiteres eine Verpflichtung zur Vertretung der
eingesessenen Markgenossen, also auch der eingesessenen Grundherren gegeben ^ :
und diese ihre Verpflichtung konnten die Vögte den Grundherren gegenüber in
den meisten Fällen um so eindringlicher betonen, als sie in einer Mark fast stets
Fronhöfe mehrerer Grundherrschaften mit der Natur der Sache nach sehr diver-
gierenden und deshalb sich gegenseitig schwächenden Interessen unter sich hatten^.
Gleichwohl sind Fronhofsvogteien aus der freien Markvogtei nur selten
entwickelt worden. Die Gründe sind wohl darin zu suchen, dafs einmal Mark-
vogt und eingesessene Grundherren derselben sozialen Schicht angehörten, eine
Übervorteilung also der einen durch den andern auf Grund allgemeinen gröfseren
Einflusses einer Partei ausgeschlossen war, dann aber namentlich in dem Um-
stand, dafs sich die Markvogtei erst gegen die Wende des 12. und 13. Jhs.
weithin entwickelte, während die Fronhofsvogtei schon seit Beginn des 11. Jhs.
vielverbreitet war : die Markvögte fanden also meist schon besondere Fronhofs-
vogteien vor. War das aber der Fall, so liegt es auf der Hand, dafs es den
Markvögten sogar schwer geworden sein muis, die Fronhöfe ihrer freien Mark-
vogtei auch nur im Sinne sonstiger einfacher markgenössischer Besitzungen zu
unterwerfen.
1) Lac. ÜB. 1, 176, 272, 1109: Erzbischof Friedrich I. von Köln schenkt advocatiam,
qiie mei iuris erat, super duas videKcet curtes S. et K., praeterea super mansos sex in R.
et duos in V. pertinentes omnes ad curtim iuxta ecclesiam beati Severini sitam. S. auch
Bertholet 5, 83, 1246.
2) WNalbacher Thal 1532, G. 2, 24: die Stiftsherren von SSimeon-Trier sind Grund-
herren und halbe Vogtherren. Im Fall mehrerer Vogtherren war einer der zur Geschäfts-
fühmng besonders berechtigte, s. z. B. WHambach 15.— 16. Jh., § 1: der scheffen zu Ham-
bach wist dat huisz zo Nurberg einen rechten vurdinger in dem hove zu Hambach, die
ander hern sollen swigen. Daher der Ausdruck schweigender Vogt.
3) Vgl. vorläufig MR. ÜB. 3, 531, 1235: der Graf von Veldenz trägt vom Stift Virten
u. a. zu Lehen die advocatia abbatie Tholei cum 18 curtibus suis.
^) Eine solche hatte ja sogar schon in freien Marken für die Markgemeinde bestanden,
s. oben S. 287.
•') S. u. a. oben S. 697, 706.
_ 1091 — Die Vogtei.]
Und so stellt es nun in Wirklichkeit. Zwar stellen die Markvögte seit
Mitte des 12. Jhs. überall die Forderung auf, jeder Fronhof solle sich ihrer
vogteilichen Gewalt unterwerfen: sie verlangen den Besuch der Vogtdinge
durch Meier und Hofgenossen, die Einordnung der Fronhofswirtschaft in den
markgenössischen Wirtschaftsplan, die Leistung von Servitiuni und Bede ^ ja
sie beanspruchen im äufsersten Falle sogar grundherrliche Leistungen^ und
ein Beanitenernennungsrecht für die Fronhofsverfassung ^. Aber sie setzen nur
weniges von diesen Forderungen durch. Meistens sind die Fronhöfe that-
sächlich von der IVTarkvogtei befreit'^, ihre Angehörigen bleiben dem Mark-
vogtding fern oder spielen in demselben Avenigstens eine gesonderte Rolle ^,
der markgenössische Arbeitsplan wird nicht beachtet ^, die Bede des Markvogts
^) Eine ausgezeichnete Zusammenstellung der meisten dieser Forderungen ergiebt Bd. 3,
No. 35, 1265. Im übrigen s. die folgenden Noten.
2) MR. ÜB. 3, 1495, 1259 : der Vogt A. von Haybes zu Fepin soll im Fronhof nullam
talliam exigere nee reeipere, nee homines cogere, ut ad domum suam veniant ad placitandum,
nee maniun mortuam reeipere, nee ab illis aliquid petere, si pari vel impari conditione contra-
xerint matrimonimn, nee angarias petere excepta una, welche ein besonderes Emolument für
Nutzbesitz ist.
^) Eine solche- Forderung liegt in den Bestimmungen des WRommersheim 1298, § 5 und 7,
cit. oben S. 735 Note 4.
*) S. z. B. MR. ÜB. 2, 224, 1206: Friedrich von Malberg und Genossen behaupten
das Vogteirecht über die Himmeroder Grangien Hardt, Siebenborn und Failz; sie hatten
advocatiam super rusticos quarundam circumiacentium villariun. Die Hei-ren von Malberg
werden mit dem Anspruch abgewiesen. *WLonguich 1408, Arch. Maximin. 8, 34, § 11:
retulerimt . . scabini, . . curtem domini abbatis in Longuich esse liberam haereditarie semper
et omni tempore, et advocatum nihil potestatis iurisdictionis praeceptionis vel cuiuscumque
rei actionis habere in ea; et quod omnes emendae in ea cedentes soli domino abbati per-
tinent, et omnes campi eiusdem curtis dicti aichten sunt liberi a praestatione decimae
cuiuscumque.
'^) MR. ÜB. 1, 581, 1154: ecclesia sancti Trudonis in villa Bredal curiam habet
dominicalem, que libera fiiit semper per omnia. quam advocati eiusdem vill^ cogere nite-
bantur ad annalia sua placita, que tertio placitare solent in anno, super hac causa multa
contraria patiebatur prepositus et villicus et fideles ecclesie, qui contradicebant huic iniusti-
tie. et cum aliquotiens non sine dampno hec agitaretur controversia , tempus quidem redi-
mebatur, sed de pace futura nichil agebatur. fideles itaque ecclesie, quos amplius movebat
hec violentia et iniustitia, iustitia dei et iudicio scabinorum optinuerunt in pleno placito
presente advocato domno Nicholao, ut iura memorata, que iniuste sibi asscribebat, remitteret
et curie libertatem suam recognosceret. WObermendig 1427, G. 3, 822: requisiti scabini per
iuramenta ipsorum, unde dependeat advocato advocatia, unde habeat sua iura, dixerunt, quod
ipse est advocatus dominorum sancti Florini et communitatis in Mendich superiori, quos
tenetui* tueri et defendere, sed unde ab origine seu ab initio advocatiam habeat, dixerunt eis
non constare [es ist aber fraglos eine Markvogtei]. item requisiti, qualiter scultetus debeat
sedere in iudicio seculari prope tiliam cum advocato, dixerunt, quod scultetus debet sedere
a latere advocati tacendus, et si opus sit pro dominis sancti Florini, scultetus debet secreto
informare advocatum, ut intercedat pro dominis; et quicquid advocatus fuerit lucratus in
parvis emendis, tenetur condividere sculteto, maioribus exceptis dampnis.
6) MR. ÜB. 2, 58, 1183, Springiersbach : fratres . . curtem quandam in villa Travene
iustissime possidentes infestationes iniuriosas a G. comite de Spanheim sustinentes pro eo
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1092 —
wird abgekauft^ oder wenigstens fixiert 2, und Fronhof und Meier erscheinen
überhaupt bedefrei ^.
So tritt denn zwischen freier Markvogtei und Fronhofsvogtei kaum eine
Beziehung in der Weise ein, dafs ein Markvogt die Fronhofsvogteien seiner
Mark usurpierte und mit seiner Herrschaft verquickte — viehnehr werden
beide Institute bis auf den Grad reinlich auseinandergehalten, dafs der Mark-
vogt bisweilen wohl gar von sich aus die Ernennung eines besonderen Fron-
hofsvogtes von den Grundherrschaften seiner Mark fordert*. Und so ent-
TNickelt sich denn die Fronhofsvogtei völlig aus sich heraus, ohne fremde Zu-
that und Störung.
Der Kern ihrer Befugnisse war natürlich eben der, welcher oben als für
alle vogteilichen Verhältnisse geltend nachgewiesen ist: Gerichtsgewalt und
Kriegsgewalt für den Fronhof und den Fronhofsherrn ^. Allein diese Funk-
tantum, quod eiusdem curtis quedam bona ipsiiis advocatie terminis includerentur . . solli-
citavenmt [comitem de Reno]. Derselbe ist Graf des Kröver Reiches. Es wird vertragen,
dafs Springiersbach dem Grafen 25 mr. pro omnimoda curtis . . libertate zahle, eo inter-
dicto, ne abbas vel de suis aliquis aliquem de eiusdem advocatie advocariis aut de ipsorum
bonis ulterius sibi attrahere tentaret. MR. ÜB. 2, 173, 1198: die Grafen Heinrich und
Robert von Nassau erlassen der Abtei Rommersdorf die Vogteiabgaben in Weiss gegen eine
einmalige Zahlung des Abtes von 18 mr. argenti . . pro aliqua possessione in recompen-
sationem resignatorum comparanda.
^) G. 3, 802, 1284, Schiedsspruch betr. domkapitularische Rechte zu Piesport: nee . .
advocatus nee homines dicte ville aliquid iuris habent in racemis seu hengelotis recipiendis
in vineis . . dominorum, que appellantur pitterin.
2) MR. ÜB. 2, 102, 1190: der Pfalzgraf bei Rhein befreit den Ravengiersburger Kloster-
hof bei Diebach und Manubach als Markvogt von der Bede gegen Zahlung von 4 mr.
Quodsi quid de curte et bonis hiis alienari contigerit in futurum, si fuerit in valore unius
mr., 2 d. portabit dicte precarie ab huiusmodi alienati possessore . . ammodo persolvendos,
curti vero et bonis predictis de summa 4 mr. . . in perpetuum defalcandos.
3) MR. ÜB. 3, 313, 1227 : der Markvogt N. de Ottenges in Viviers villicum [capituli
Treverensis] . . ab omni exactione, assisa, hospitatione et aliis prestationibus immunem et
libeiiim in perpetuum conservabit. MR. ÜB. 3, 449, 1231 : der Ritter Wilhelm von Spon-
heim hat als Vogt \on Boos Güter der Abtei Disibodenberg geschätzt. Jetzt festgesetzt:
bona, que hucusque in ipsa villa per se possederunt [monachi] . ., in posterum sine omni
advocati iure possideant. de aliis vero bonis, que quamvis . . ecclesie propria hominibus
tamen loci hereditario sunt iure concessa, si prefatus miles ius, quod in eis ratione advocatie
habere se dixit, exercuerit sive invaserit, abbas cum ecclesia hoc ad presens sub dissi-
mulatione, quamquam scierint, pertransibunt. S. auch Bd. 3, No. 45, 1269.
*) MR. ÜB. 2, 12*, 1171: der Graf von Salm und Wilhelmus de Petra patronum, qui
vulgo dincvogt dicitur, ab (sancti Trudonis in Bridal) curte exig(u)nt. Aber der Erzbischof
bestätigt die Vogteifreiheit des Hofes. Die beiden Herren sind Briedeler Markvögte.
•^) S. CRM. 1, 105, 1132; Bd. 3, 40, 6, 1264; WArnual 1417: were es sach daß meiger
oder scheffen gefangen wurden, der capitel sol sie und ir gut usgewinnen; wer es aber
Sache daß sie ine nit gehelfen künden, so sollent die sich beschrieben vorbass an den kass-
faugt, daß er ine helf. *WAuw 1483, Arch. Maximin. 1, 350: sie weisent den hof frei,
soweit und breit der zirkel des hofs gehet; imd geschehe dabinnen einig gewalt oder over-
braicht eime abt des gotshaus ader den leuden, das sal ein voit alzeit abstellen umb sin
— 1093 — Die Vogtei.]
tiouoii gewaiiiien wie bei der Älarkvogtei so auch bei der Fronhofsvogtei eine
besondere Ausweitung, indem sie sich in die Tiefen der Fronhofsverfassung
ergossen.
Am unmittelbarsten lag dem Einflüsse des Fronhofsvogtes dem ganzen
Charakter seiner Gewalt nach die Gerichtsverfassung des Fronhofs offen.
Konnte die Gerichtsgewalt des Vogtes genicäfs dem allgemeinen Wesen der
Vogtei ursprünglich nur den Sinn haben, dafs der Fronhofsherr und die Ge-
höferschaft als Ganzes vom Vogte gerichtlich vertreten werden sollten, so wurde
der Gedanke des einer solchen Vertretung inhärenten gerichtlichen Schutzes
doch ohne weiteres auf das Verhältnis zwischen Gnmdherrn und Gehöferschaft
selbst angewendet: der Vogt wurde zum gerichtlichen Schutzbeamten des
Grundherrn im Bauding ^ Demgemäfs fällt ihm alle gerichtliche Exekutive
innerhalb der Gerichtsverfassung des Fronhofes zu, während dem Grundherrn
gleichwohl die Gerichtsherrlichkeit bleibt^: nur selten bringt es der Vogt
recht, als hernach geschriefen volget. WOberdonwen 1542, § 43: die Vögte sollen die arme
leute und hoifsman vor aller totliclier gewalt und unrecht schirmen und schützen und alle
verhinderongh abstellen. WMandern 1537 § 7 : der Vogt soll den hern a.pt [von SMaxi-
min] . . vor aller gewalt und unrecht schirmen hanthaben und bi scheffenwistomp behalten
helfen. WXeumünster, G. 2, 35: alle die lüde, die da sitzent uf des gotzhuses eigen zu N.
und in den dorfen umb N. , die do feudige heißent, do sint die herren von K. schuldig die
lüde zu beschiiTnen und zu behuden vor gewalt und vor unrecht, vor brant und vor raup,
und das si nieman vahe noch turne noch schetze noch schefte, also das si bliben sitzen mit
genaden und mit frieden, das si mögen der eptissen von N. ir gewonliche zinse und gulte
geben und ir frunde zu aller der zit, als si gefeilet.
^) S. schon teilweis die Citate in der vorhergehenden Note, namentlich aber Honth. Hist. 1,
816, 1282, schiedsrichterliche Bestimmung der Rechte des Vogtes Robin von Kobern auf dem
SKastorshofe zu Kobern: proprietatem dictorum curtis et hominum ad praedictos decanum et
capitulum pertinere, et quod idem nobilis est advocatus ipsorum curtis et hominum, et quod
ipse nobilis propter hoc praedictos decanum et capitulum defendere teneatur in suis iuribus
et arctare homines eiusdem curtis ad solvendum iura ipsis decano et capitulo debita super
hoc ab ipsis decano et capitulo vel schulteto seu officiato ipsorum requisitus.
2) MR. ÜB. 1, 244, 973, Urkunde Erzbischofs Dietrich: adieci quoque meis usibus
comparatam de proprio curiam in Vilche cum 5 mansis et tribus partibus unius, croadas,
arbustum, terram salicam; hec utique cum tanto integritatis iure, quod ipse advocatus nichil
aliud ibi facere nisi ter in anno placitum possidere ibi debeat, abbas tamen vel nuntius suus
placitum inbanniens duas partes de satisfactionibus ad ecclesiam referat. S. dazu MR. ÜB.
1, 302, 1030. MR. ÜB. 1, 514, c. 1140: neminem quoque ignorare vohmius, quod advocatus
in Sleiche nichil aliud iuris habet nisi carr. vini annuatim et tria placita, abbas tamen vel
nuntius suus placita inbannire debet, et de satisfactionibus ecclesia duas partes advocatus
tertiam accipiet. Bd. 3, 103, e f., 1297; *WLonguich 1408, Arch. Maximin. 8, 33, § 7:
retulerunt . . scabini, quod advocatus in Longuich debet deponere omnem violentiam in
iudicio sive in placito, et quod propter hoc habeat tertiam partem emendarum. *WAuw
1483, Arch. Maximin. 1, 349: weisent sie, sowanne dass das jahrgedingh zu Auwe gehalten
werden sal, so sal ein abt zur zeit ader eine seiner brüder van des gotshaus wegen oben-
ahn sitzen mit einer stolen und ein voit mit wehrhaftiger haut darbi sitzen. WVilich 1485
§ 3: weisent fort u. gn. h. van Collen vur einen schwigenden voegt, und sal staen vur der
bank und lenen uf sein schwert, wanne dat m. frauwen ungebaden gedinge gehalten wirt.
[Grundherrlichkeit und Yogtei. — 1094 —
auch ZU Vorsitz und Hegung des Gerichtes^. Und wie hiermit der Regel
nach eine dem deutschen Recht an sich unbekannte Unterscheidung zwischen
Gerichtsvorsitz und Gerichtszwang eintritt, so werden auch die ursprünglich
dem Gerichsherrn allein zufallenden Früchte der Rechtssprechung geteilt, ge-
wöhnlich erhält der Grundherr zwei, der Vogt ein Drittel ^. Eine Konsequenz
AYOrdorf 1565, G. 2, 292, Anm. 3: zu zeit haltimg des jahrgedings sol der vogt nebent
bemelten lierrn apt stehen und ein schwert in seiner haut haben, damit schützen und
schirmen vor gewalt und das recht helfen hanthaben. WBech bei Echternach § 2: daß m.
herr abt [von Echternach] sol ein hof han, darin sollen staen stoel und benk, da sol mein
herr abt oder einer von seinetwegen obenan sitzen, darnach der vogt mit gewappender band ;
also lang der vogt nit also sitzt, roegen wir in, dergh auch meinen herrn.
1) MR. ÜB. 1, 581, 1154: der Vogt hat den Bann; *Düsseld. St. A. Pant. Or. 28,
1189: advocati predicte curtis [Brodenheim] annuali placito presidentes; *WDetzem 16. Jh.
Trier Stadtbibl. Ifde. No. 1642 Bl. 75 ^ : wan ein jairgedinge da sin sal, so sullen die voigde
einen richter dar stellen , das gericht zu besitzen ; und min her sal einen Schreiber dae hain,
die boessen zu beschriben; ein voiderichter sal die boissen kerben, welche boessen der
scheffen wiset und zuget, die sint zwo deil mins herren und das dritteil der voigde. WHeim-
bach 1601 oder 1602: daruf beheget der vogt das gericht. in und an diesem gericht seint
7 scheffen, under welchen die fursprechen genommen werden, und nach verhorung clage und
antwort feilen sie das urtel, nehmen auch bisweilen die gemeine hofer nach gestalt der
Sachen in ihren rat. und wirt in diesem hofgericht nichts mehr, dan was den hof und seine
gueter und zugehor, als verkaufen kaufen versetzen ausgehen ingehen entphaen churmut etc.
belangen tut, gehandelt.
2) S. MR. ÜB. 1, 244, 973; 302, 1030; 514, c. 1140; WLonguich 1408; WDetzem
16. Jh. — alle schon Note 1 citiert. S. ferner MR. ÜB. 1, 214, 963 angebl., Otto II. für
Schweinbach (SMaximin): ut advocatus, quem ipsi [homines] petierint, duo placita in anno
teneat, et quicquid ibi palam vel secreto acquisierit, duae partes ad altare sancti Maximini,
tertia advocato cedat. Die Teilung der fructus iurisdictionis ist die althergebrachte zwischen
König und Grafen, s. Cap. 783 c. 5. Im übrigen s. zur Detailausbildung der Gerichts-
einnahmen unter vogteilichem Einflufs noch MR. ÜB. 2, 4*, 1170: quicquid iure placitando
■ acquiritur, sie dividatur, ut due partes (dem Grundherrn), tertia cedat advocato. in queri-
monia vero, que non sententia sed consilio deciditur, quicquid in compositione offertur, eque
inter eos dividatur. MR. ÜB. 1, 214, 963, Otto IL für Schweinbach: si in placito advocati
culpabilis inventus fuerit aliquis de ipsa familia, non j)lus quam quinque s. solvet, qui vero
omnino pauper est, unum tantum s. et non plus dabit. Der Grund für diese Begrenzung
erhellt aus Honth. Hist. 1, 816, 1282: quod ipsi homines, qui sie compulsi fuerint per
(advocatum), ipsi (advocato) tenebuntur ad emendam, quae emenda non debet excedere quan-
titatem census ipsis decano et capitulo debiti. Xachlafs an Bufsen kann nur der Grundherr,
nicht der Vogt aussprechen, s. G. 3, 802, 1284, Schiedsspruch betr. Rechte des Trierer Dom-
kapitels zu Piesport: advocatus in dicta curte penitus nihil iuris habebit, nisi tribus vicibus
in anno, quando tenebit suum placitum, quod dicitur vulgariter vronegedinge, habebit quin-
que s. Treverensium d. , si iustitiam fecerit de iudicatis dominis et curtario predictis, nee
dictus advocatus aliquid iuris habebit in remittendo emendas, nee [wohl auch nisi zu 1.] quantum
ipsum pro sua tertia parte contingunt. *WAuw 1483, Arch. Maximin. 1, 350 : sie wiesent, dass
wanne eine buess in dem hof vermacht oder verwiest wurde, da sol ein scholteiss van sant
Maximin behalden die zwo deilen, und dem vaide geben das drittheil ; und were sach dass der
scholteiss vorg. nit enhoefe, so sal ein vait auch nit haben. *WBisingen, Arch. Maximin.
1, 1288: de Omnibus emendis ibidem cedentibus habet dominus duas partes et feudales tertiam
partem, potestque dominus remittere et totaliter quittare emendas ad libitum, si voluerit,
_ 1095 — l>ie Vogtei.]
(lieser Stellung im Baiidiiig ist es, wenn der Vogt Meier und Hofschöffen in
ihr Amt einweist bezw. einzwingt ^ — ein Recht, welches unter Umständen
bis zum Ernennungsrecht der Fronhofsbeamten gesteigert werden kann ^. Eine
fernere Konsequenz ist es, wenn der Vogt aucli den einzelnen Gehöfern gegen-
über eine bestinnnte direkte Zwangsgewalt ausübt^, namentlich die grund-
herrlichen Zinse und Forderungen von ihnen unmittelbar eintreibt*.
etiam contradicentibus feudalibus. sed si sublevaverit emendas, timc feudales habent tertiam
partem. — Bisweilen hat der Vogt vom Bauding überhaupt keine Einnahmen, s. WKenn
14. Jh. 2. H. § 10, G. 6, 546: dat unse hern ein fri buweding mugent halden alle jare
aichter sent Martins dach, wanne si willent, abe is noit were, dat iet brechens were ain be-
zalung irer frier zinse, ader in iet bresten were ain irem frien brule ader ain iren frien
aichten, so mugen si darna dingen in irem frien buwedinge. und was boißen sich da erfielen,
die da uisgedragen wurden, die sint uns hern alleine, und die vuede enhaint bisher nit daain
gehatte, daß uns wißlich si. S. dazu WLonguich 1408, Arch. Maximin. 8, 33, § 8, cit. oben
S. 705 Note 1.
^) Honth. Hist. 1, 816, 1282: quod idem (advocatus) habet installare seu in sedem
ponere scabinatus scabinos de novo creatos ipsius curtis. et quod ipse scabinus installatus
propter hoc debebit eidem nobili solvere quoddam ius quod banveirtel vini ai)pellatur vel
loco eins d. summam, quae sex d. usualis monetae non excedet. WVilich 1485 , G. 2 , 657 :
wanehe der vaet einen scheffen sal inleiden, so sal der vaet den scheffen, der meinre gn.
frauwen geeidt und gehult ist, nemen mit der band und setzen den scheffen in die bank und
in den ban und freden, den der schultiß von unser gnedigen fr. wegen gethaen hat; und in
dem ban und freden sal der vagt den schefi"en schirmen, nu und wan das noet geburt ind
darfur anroeft. WNeumünster, G. 2, 34: wanne der meier [der Äbtissin von N.] wirt ge-
machet, so sol er gen zu Kirkel zu den herren von Kirkel, und sol es in sagen, das er der
eptissen meier si, und sol si bidden, das si im helfent und ime gewalt abedunt. wer im nit
gehorsam wolte sin zu irem ambacht von den zinsen und von der gölte und von dem rechten,
das do gefallen sol von dem vorg. eigen . ., das sollent die herren von Kirkel dem meier
helfen, herumb so git eine eptissen von N. alle jar den herren von K. 15 s. d. Will der
Meier das Amt nicht übernehmen, so sollen ihn die Herren von K. twingen mit der büßen,
das er das ambacht neme von der eptissen und ir gehorsam si; und auch von den sieben
scheiFen also, wer der eptissen nit gehorsam wolte sin.
2) S. die letzten Citate auf S. 774 Note 4; ferner MR. ÜB. 3, 291, 1226, cit. oben
S. 778 Note 2; auch WLosheim 1302 § 5, cit. ebda Note 3.
3) MR. ÜB. 2, Nachtr. 2, 1192—1200, cit. oben S. 774 Note 4; auch WJrrl 1669 § 1:
dem Abt von Echternach wird gewiesen ein freier hof und darin 7 schöflfen, auch ein vogts-
meier bei meines herrn meier, ob es sach were daß sich ein man misbraucht und nicht ge-
horsamb were meines herrn meier, sol der vogtmeier bezwenklich machen, daß er gehorsamb
sei meines herrn meier.
*) S. Urkunde von 1333, Arch. Maximin. 2, 377, cit. Bd. 2, 654 Note 1; *WDetzem
16. Jh. Trier Stadtbibl. Ifde. No. 1642, Bl. 75 1: wan die jairdinge und wisunge us sint, so
sal min her mit sinen breifen vorfaren und die boessen forderen; und sal er zwo deilen
halden und den voigden das dritteil geben.- woe si nit enwerdent, da sullent die voide nahe-
nden und die boessen den angewinnen, und sullent mime herren von sant Maximin zwo
deilen geben und sullen si das dritteil halden, und das gericht damit sweigen. WMersch
1542 § 6: erhält der Meier des Abts von SMaximin die Herdpfennige nicht, so soll der
Vogtmeier die Widersässigen für den Abt pfänden. Eigentümlich und besonders ausfiihrlich
ist MR. ÜB. 1, 345, 1056, SMaximin, cit oben S. 1040 im Text. Die Einrichtungen, welche
[Gruiidherrlichkeit und Vogtei.
— 1096 —
Alle diese Thätigkeiten auf Grund von Einmischung in die Gerichtsver-
fassung gaben nun dem Vogt eine direkte Beziehung zu sämtlichen Gehöfern,
welche im Wesen der Fronhofsvogtei ohne weiteres nicht begründet war.
Nicht mehr der Vogt des Fronhofes, vielmehr der Vogt jedes einzelnen Ge-
höfers schien er jetzt zu sein^
Wie aber die Thätigkeit im Bauding dem Vogt grofsen Einflufs in der
grundhörigen Gerichts- und Personal Verfassung verschaffte, so brachte ihn der
Bezug gewisser Emolumente zum Entgelt für seine Thätigkeit sofort in genaue
Beriilirung mit der Wirtschafts- und Güterverfassung des Fronhofes.
Diese Emolumente waren im wesentlichen dreifacher Art. Sie bestanden
im Genüsse eines bestimmten aus den Fronhofspertinenzen ein für allemal
überwiesenen Grundbesitzes^, in einem Servitium an den Dingtagen und in
einer Bede bezw. einem Schutzgeld. Dabei war es nicht nötig, dafs alle drei
Formen bei jeder Fronhofsvogtei entwickelt waren; in der Kegel aber be-
standen doch wenigtens Servitium und Bede.
Das Servitium begriff, wie das Markvogteiservitium , den Verpflegungs-
und Herbergsdienst für den Vogt und sein Gefolge^ während der Dingtage;
es war der Regel nach fest begrenzt^, umfafste teil weis sogar Bekleidungs-
sich hier vorfinden, sind freilich derart, dafs sie nur in einer grofsen Grundherrschaft ge-
troffen werden konnten.
1) MR. ÜB. 2, 34, 1000: neu eintretende einzehie Gehöfer sollen stehen sub mundi-
burdio et defensione . . advocati sancti Maximini, sicut ceteri homines de Everlinga.
2) S. namentlich Trier Stadtbibl. 23, Cod. 1, Bl. 112 b, SMaria ad martyres, 13. Jh.
2. H., cit. oben S. 795 Note 6; ferner MR. ÜB. 2, 261, 1210: monasterium quoque silvam
quandam . . B— i contradidit; WWellingen 1582, G. 2, 474: inbei sal der vogt finden eine
freieigene scheferei und eine laufende mühl auf sanct Peters eigen und nirgend mehr.
^) WLosheim 1302 § 5, cit. oben S. 773 Note 3. Dieser Ver]3flegimgsdienst war für
alle Arten von Richtern, auch die Grafen, hergebracht.
*) S. z. B. MR. ÜB. 2, Nachtr. 2, 1192—1200: in placito annuali, quod solet celebrari
post natale domini, hec dabuntur advocato, videlicet 4 mensure avene, . . et 4 mensuras
tritici . . et 8 sext. siliginis et 12 sext. vini . . dimidiam Ib. piperis, 6 denariatas piscium.
in aliis autem duobus annalibus placitis nulluni aliud advocato dabitur servitium nisi sex
denariate piscium. Das USMax. 12. Jhs. ergiebt u. a. folgende vogteiliche Servitia für je
ein Dino;:
Ort
USMax. S.
d.
mir. frum.
mir. avene
sext. vini
Schüttringen . . .
Muthfort
Feulen
Schönberg ....
Heisdorf
Mersch
433
433
435
435
436
437
24
40
12
24
24
14
V2
1/2
1
1
2
2
3
2
6
12
Aus späterer Zeit s. WBesch 1541 § 88.
— 1097 — Die Vogtei.]
gegenstände, Socken, Schuhe, Stiefeln, Beinbergen, Pelze, Mäntel ^ — wie denn
der niittelalterliche Beamte in seines Herrn Kleidung stand — , und wurde
später gern in Geld abgelöst ^ oder sonstwie noch stärker als bisher fixiert,
da seine Erhebung in vielerlei Gegenständen dem Vogt häufig Anlafs zu Er-
pressungen gab^. Das Servitium war der unmittelbare Entgelt für die An-
wendung der vogteilichen Gerichtsgewalt, es konnte deshalb vom Grundherrn
zurückgehalten werden, wenn der Vogt seiner Pflicht nicht nachkam^. El)en-
1) MR. ÜB. 2, 185, 1200: Eberhard von Grenzau verzichtet auf 2 paria cothurnorum
ratione advocatie ex curti dominorum de Lacu in (Bendorf), vgl. dazu GEM. 2, 337, 1290.
S. ferner Bd. 8, 71, 25, 1276, auch oben S. 787 Note 4. Eine Börse als Abgabe aus dem
Hofe Rübenach an die Herren von Isenburg in *Distr. SMax. pro pensionibus 15. Jh. 4. Viertel :
novam bursam valoris 6 vel 8 hl.
2) MR. ÜB. 3, 81, 1218 : der Vogt des Rommersdorfer Hofes Gladbach soll zufrieden
sein dimidia mr. Coloniensis monete, . . nullum aliud servitium vel emolumentum aut com-
modum quomodolibet percepturus. S. ferner Bd. 3, 103, 10, 1297.
^) *Düsseldorf St. A. Pant. Gr. 28, 1189: Abt Heinrich von SPantaleon legt einen
Streit mit den Vögten von Brodenheim consilio Gunradi abbatis sancti Maximini et aliorum
amicorum suorum bei. Advocati predicte curtis annuali placito presidentes a predicto ab-
bate . . servitium indeterminatum, vel pro servitio quantum ipsis placebat, exigere consue-
verant, soweit, ut curtim et omnia nascentia in suas abusiones iam sententiassent. Der Abt
giebt ihnen behufs Feststellung eines festen Zinses 15 mr. und erhält accedente . . sententia
curtis et scabinorum die Bewilligung des tale servitium, quäle scabini interveniente sacra-
mento dandum assererent. Die Vögte — die Vogtei, ursprünglich dem Grafen von Sayn gehörig,
war geteilt — erhalten demgemäfs in quolibet annuali placito 4 s. Colon. . . et ut hoc ex
sententia curie et scabinorum robur haberet, scripto confirma[tum est] in perpetuum ad
cautelam futiu-orum. *Lib. aur. Epternac. Bl. 107 ^ , 1209 , Urkunde Erzbischof Dietrichs
von Köln: conquerente in nostra presentia Godefrido abbate Epternacensi de Siberto
advocato, qui ei dampna intulerat ad 22 mr. et tritici 30 mir. et 70 avene, villicum ceteros-
que curtis homines Bliderke dampnose molestaverat , nos ad precavendum, ne in posterum
monasterio Epternacensi a Siberto eodem et suis successoribus advocatis dampna similia aut
graviora possent subnasci, talem prudentium virorum consilio adinvenimus et ordinavimus
compositionem inter abbatem et advocatum: quod abbas singulis annis tribus certis tempo-
ribus eo die, quo advocatus suum legittimum sicut dicitur vogitdinc habiturus est, in eadem
villa ipsi advocato dimidium mir. tritici et integrum avene assignabit tantum, [Bl. 108 aj
et idem faciet in perpetuum advocatis ipsius successoribus et non amplius, ceteris omnibus
abbati et monasterio salvis et conservatis. ipse quoque advocatus vel successores sui
advocati villicum abbatis in nullo gravabunt, nee exactionem in ipsum exercebunt. sie autem
se geret advocatus quicumque predicto contentus beneficio circa homines curtis huius, quod
nullam possint de eo habere materiam conquerendi. preterea lidc data firmiter promisit
idem advocatus, hec, sicut sunt preordinata, se fideliter observaturum , insuper excepit in se
excommunicationem, ut si hec infringeret et commonitus infra 15 dies abbati non satisfaceret
sine citatione promulgaretur in eum sententia excommunicationis , et predictas mr. 22 cum
30 mir. tritici et 70 avene, que abstulerat, in penam sui excessus exsolveret.
*) MR. ÜB. 1, 345, 1056, SMaximin : advocati autem servitia in curtibus, in quibus iure
dabuntur, cum villicis et scavionibus accipiant et non emittant vel vendant, quia ad hoc eis
donantur, ut quicquid abbati vel familie adversitatis contigerit, corrigant: quod si non
fecerint et bis vel ter [aliquid in agi^is aut vineis, unde dampnum habet abbas aut familia:
fehlt 1112] [in illorum placitis ex parte abbatis: Zus. 1112] eis accusatum aut denuntiatum
L amp recht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 70
[Grandherrlichkeit und Vogtei. — 1098 —
deshalb aber konnte der Grundherr die Lieferung des Servitiums nicht aus
der Hand geben, etwa gar auf die Grundholden abwälzen und auf die dienen-
den Hufen radizieren; vielmehr wurde gerade diese Abgabe bis in spätere
Zeit hinein der Regel nach vom Grundherrn bezw. dessen Vertretern direkt,
wenn auch in verschiedenen Formen, geleistete
Anders die Bede. Von ihr war gerade der Grundherr und alles Fron-
hof sgut frei ^, sie wurde nur von den Grundholden geleistet. Und zwar in ältester
Zeit und hier und dort auch später als Kopfsteuer^. Daneben aber kam bald
fiierit, et non correxerint, servitio eos abbas constringat, donec ea, que in prioribus binis
aut tribus placitis accusata sunt, ad correctionem perducant. Calmet^ 2, 389, 1179, für Busen-
dorf: familie quoque eiusdem ecclesie nuper libertati deditae quia in omnibus succurrere
temporalibus occupatus non poterat [der Stifter der Abtei], advocatos tali conditione preposuit,
ut iniurias illius tamquam proprias defendant nee aliquid ab illa [absque] constitutione subscripta
extorqueatur : ter in anno ascitus ab abbate ad curiäm cum uno socio et famulis 3 advocatus
veniat, quem abbas nocte prima honeste procurabit. sequenti luce ubi ad placitandum
sederint, quidquid iudicio scabinorum requisitum fuerit, 2 partes abbatis erunt, tertia cedet
advocato. si vero statuto termino, hoc est post epiphaniam, post octavam pasche, post sol-
stitium estivale advocatus ad placitandum venire supersederit et corrigenda non correxerit,
nihil ab abbate servitii recipiat.
1) MR. ÜB. 1, 214, 963, Otto II. für Schweinbach: ad unum vero placitum villicus
advocato pro servitio dabit 30 d. aut servitium, quod valeat 30 d. , ad secundum quoque
placitum tantum servitii dabit illi, quantum ad primum et non plus. MR. ÜB. 2, 4*, 1170:
ad placita, quibus ter in anno presidet advocatus, non exigat expensam servitii ab hominibus,
sed (der Grundherr) ad singula duas uncias ei solvat. MR. ÜB. 2, 127, 1192: cum dominus
G. generali placito, quod appellatur voiddinc, presideat, abbas . . servitium, quod appellatur
voiddinist, super sedem tripetiam ponat, ne aliqua exactio eiusdem servitii in abbatem
amplius cadat, quicquid inde accidat. CRM. 3, 501, 1365: Simon vor dem Burgedor Wepe-
link ist Vogt des Florinischen Stiftshofes zu Kärlich. Als solcher hat er die Rechte, daz
der i3echter dez vorg. hoves alle jar schuldigh ist zu geven na oisteren 1/2 mir. weises,
'/2 mir. kornis , 1 mir. haveren. der scholtheisse des vorg. hoves ist schuldich alle jar zu
geven 1 eimer wines zu schanke u. a. m. S. dazu a. a. 0. 620, 1390. *WAuw 1483, Arch.
Maximin. 1, 349: der [Vogt] sal mit sinem vogel und hunden reiten kommen; und sal da of
dem hof ein hofman ader scholteiss des gotshaus die spise gestalt hain, als erbaren leuden
gehurt. *WLintgen, Arch. Maximin. 9, 240 § 12: wist der scheffen, dass die voide, den
mins hern ambtman oder meier die vorg. even und penningh lieberen müssent, dass sie
davan schuldigh sint zo eime iglichen jairgedingh bi der duere zu stain und hueden. dass
idermann mins herren gericht gehorsam si. S. auch WMandern, Arch. Maximin. 9, 237, cit.
oben S. 765 Note 1 (auf S. 766).
2) WNiederernst 1584, G. 3, 807: wie man die herrnguter hanthaben solt? antw. der
lehnman und weisen der ehrw. fr. guether frei im fehle, aus dem felde, frei in dem hofe, aus
dem hofe, frei auf keiserliche straß: wer den gerechtigkeit darzu hat, der mags gesinnen.
*WDetzem 16. Jh. Trier Stadtbibl. Ifde. No. 1642 Bl. 75^: so wisent si vierteil- funftheil-
gute und lehengute und mins herren aptz hovegude fri aller voide. S. auch WRommers-
heim 1298, G. 2, 519, cit. oben S. 762 Note 4, und dazu Bd. 3, 80, § 4, 1280.
^) MR. ÜB. 1, 214, 963, Otto II. für Schweinbach: familia autem per annum advocato
dabit unusquisque eorum unum manipulum et unum denarium. *WDetzem, Trier Stadtbibl.
Ifde. No. 1642 Bl. 75 1): sullent die voide minen herren schirmen und alle gewalt abethoen
also weit, als das gericht geit. item umb des schirmes unnd friheit willen so halt min her
— 1099 — I>ie Vogtei.]
noch eine Voranlaf^ung nach Häusern bezw. Feuerstellen auf ^ und beherrschte
später vorwiegend das Feld, wenn auch unter mannigfachen Variationen und
Abänderungen -.
Die Bede lastete mithin als Grund- oder Kopfsteuer durchweg auf der
Gehöferschaft.
Welches w^ar nun die Folge dieser verschiedenen Veranlagung der vog-
teilichen Emolumente? Das Servitium gab dem Vogt keinerlei Einflufs auf
die Wiitschaftsverwaltung, wohl aber die beiden anderen Abgaben. Der Vogt
win-de durch den Zinsgenufs aus Salland in die Wirtschaftsverwaltung des
Fronhofs, durch die Bede in die Verwaltung der Einnahmen von den einzelnen
verpflichteten Grundholden eingeführt. Die hiermit gewonnene Möglichkeit einer
Einwirkung auf die gesamte grundherrliche Wirtschaft wurde von den Vögten
gründlich ausgebeutet.
Zunächst suchten sie eine Mitberechtigung bei der Verfügung über solche
Fronhofspertinenzen zu erreichen, welche dem Fronpfluge nicht direkt unter-
lagen: sie beanspruchten eine Disposition über die gmndherrlichen Wälder^,
sie usurpierten Rauehzinse aus grundherrlichem Rottland*.
den voigden erlauft von iglichem manne in dem gericht jerlich ein vierzel even und ein hone
über den gaeder. *WLehmen Hs. Koblenz CXI» Bl. 32a, ca. 1340: quicunque plus in cen-
sibus [an den Hof L.] tenetm-, quam 3 ob., ille tenetur etiam advocato dicte curtis 1 ob.,
qui dicitur vaithellinch. *WAuw 1483, Arch. Maximin. 1, 350: ein herr zoe Broich, der ist
ein beschirmer des hofs und hat das hofgericht, und hat jahrs 4 mir. weitz zu Dudellendorf
van dem abt und goitshuis. item sie wiesent eime vaide so manichen sester haferen, als
manichen sester korns als mime herni dem abt alle jahrs gebuert.
1) UlMettlach No. 1, Ende 11. Jhs. : H. schenkt an Mettlach 2^2 mansus. excepit . .
sibi . . advocatiam, hoc videlicet iure, ut omni anno in festo sancti Tliome queque domus sibi
solveret quartam partem i. e. unmn virdel avene et unum d. ; si [Hs. sive] autem unus homo
totam possideret hereditatem, non plus solveret, quam 1 d. et tantum avene, si autem multi,
unusquisque eorum tantum solveret. que si noix solverint in festo sancti Thome, solvent in
prima die natalis domini; quodsi tunc non solverint, postea culpabiles erunt. *USMax.
1484 Bl. 33 ^, WLosheim : wisent och die scheffen, dass alle diejhene, die uf des aptz zins-
guder sitzen mit rauch füre und flamme, dieselbige sint den vorg. vogden jerlich schuldich
ein iclicher 1 fass rauchhaberen un ein rauchhoene und darzu ein faisnachthoene van der
voigdien weigen, die sie haben van dem apt . . zu lehen.
2) Vgl. als besonders eigentümlich WKenn 14. Jh. 2. H. § 13, G. 6, 547 : da lit guet,
das da heischet hoifgoit, und ist unsern hern zinsgoit und gift ieder morgen ein half vierzel
rockenkorns zo zinse unsern hern van sant Maximin. und wanne uns hern hivon zins haint,
so hait der voit maicht daruf zo scheffen sine genade. und abe is sach were dat hin
einich man erzoniet hette, so sal er den man nit hoger scheffen, dan sin nabur. und abe
einem armen manne des voides genade zo swere w^urde, des er des nit liden einmucht, so
mach er das guit laissen ligen, und enmach daruf noch sehen noch mehen; so sal der voit
den man laissen sitzen als ein ander man, der sines guedes nie engewan. Vgl. auch noch
ebd. § 23. Zu diesen Stellen s. oben S. 630 Note 1.
3) MR. ÜB. 1, 345, 1056, Weistum über die Vogteirechte von SMaximin: omnes
ecclesie et salice decimationes tam in agris quam in vineis sive in silvis ubicunque in predio
sancti Maximini iacentibus, tam in Kiliwalde quam in silva circa curtem Steinsiela vel
*) S. auf S. 1100.
70*
[Grimdherrlichkeit imd Vogtei. — 1100 —
Viel weiter aber gingen und viel berechtigter waren ihre Ansprüche auf
Mitverfügung über den grundhörigen Boden. Sie stützten sich auf die Ein-
nahmeberechtigung der Bede als einer Grundsteuer. Vom Gesichtspunkte der
Bederevenüen aus konnte den Vögten das Schicksal des grundhörigen Bodens
unmöglich gleichgültig bleiben; sie mufsten seine Vermehrung anstreben und
Avenigstens seine Verminderung zu verhindern suchend Auf Grund dieser
Tendenz kamen sie zunächst zu einem ausgedehnten Zustimmungsrecht für
Veräufserung und Verleihung gmndhörigen Landes, ausgenommen waren von
ihm höchstens die freieren Wirtschaftsleben^. Aber damit nicht genug. Bei
der Bedefreiheit des Sallandes konnte dem Vogt auch dadurch Bede entzogen
werden, dafs der Grundherr Gehöferland zum Salland einzog, grundhöriges
Land verfronte. Auch zur Verfronung entwickelte daher der Vogt mit seltenen
Ausnahmen ^ ein Zustimmungsrecht — und damit erweiterte sich sein Einflufs
zu ganz beträchtlichen Verfügungsrechten über den Betrieb der grundherr-
schaftlichen Wirtschaftsverwaltung selbst.
Der einfachste Fall der Verfronung lag dann vor, wenn der Grund-
herr unter Vereinbarung mit den Grundholden aus freien Stücken Teile
des Gehöferlandes in die Fronhofsbestellung zog. Hier , wo es sich um eine
freiwillige und jedenfalls im gegenseitigen Einvernehmen durchzuführende Um-
formung handelte, konnte man sich leicht dahin verständigen, dafs die Bede
vom eingefronten Lande weiter gezahlt werden solle*; der Vogt gab dann
nur noch einen formellen Konsens und als Äquivalent für das Entgegenkonnnen
des Grundherrn in der Frage der Bedezahlung häufig noch die Versicherung,
dafs er seinerseits kein Gehöferland zu erwerben trachten werde ^.
castram Lucelenburc aut in Hart vel Uuaber iuxta Talevanc acliacente ad susceptionem
hospitum et paupenim debent pertinere; in suis vero silvis, quas adhuc abbas aut fratres
habere videntur, quicquid sibi utile videbitur, exceptis feris bannitis, decet eos libere dispo-
nere. MR. ÜB. 2, 127, 1192: abbati . . plane liceat, forestum suum incidere lignaque inde
ad quecunque voluerit licenter deducere.
*) Zu S. 1099. MR. ÜB. 1, 406, c. 1103, Priim: si abbas in dominicatu suo silvam . .
ad novalia dederit, nichil advocatus inde habebit. S. vor allem CRM. 2, 267, 1275, cit. oben
S. 396 Note 3; vgl. auch Bd. 3, 103, 17, 1297.
^) Zum folgenden s. schon oben S. 751 f.
-) MR. ÜB. 2, 127, 1192,v Vergleich zwischen Laach als Grundherr und Gerlach von
Kobern als Vogt wegen der Rechte in den Höfen Heirabach und Bendorf: si aliquod bene-
ficium, quod lazgut dicitur, vacare contingat, abbas liberam potestatem habeat illud locandi
cuicumque suo placuerit arbitrio.
3) Hierher gehört wohl Bd. 3, 108, u, 1297.
*) S. WNiedermendig 1382, G. 2, 490, WKesselheim 1551 § 13, G. 6, 613, beide cit.
oben S. 752 Note 1; zur näheren Ausführung vgl. WDahlheim bei Remich 1472 § 7, cit.
oben S. 78^ Note 7; und WNospelt 1542 § 21: wanehe das erb pfleglos lege und nit ge-
handhabt wurde, so sol dem grundhera von dem erbe sein zins und recht vorabgemacht
werden und dan dem vogthern darnach, und so etwas abgain und achterstan wurde, sol dem
voigthern abgan und nit dem gnmdhern. Man vgl. auch MR. ÜB. 2, 38*, 1179, cit. oben
S. 920 Note 1.
'j MR. ÜB. 2, 261, 1210, Bruno advocatus curtis Gladebag monasterii Rommers-
— 1101 — Die Vogtei.]
Anders lagen die Dinge dann, wenn die Verfronung plötzlich und ohne
vorherige Vereinbarung zwischen Vogt und Grundherrn eintrat. Das konnte
auf zweierlei Weise geschehen, entweder infolge gerichtlicher Aberkennung
oder infolge Heimfalls wegen Aussterbens oder Verziehens einer Gehöfer-
faniilie.
Im ersteren Falle trat die gerichtliche Aberkennung entweder im Bau-
ding ein: dann fiel das Land allein an den Grundherrn, wurde also verfront,
aufser wenn ein anderer Gehöfer sich zur Bebauung meldete. Oder aber die
Aberkennung erfolgte in den besonderen Vogtdingen: dann fiel das Land an
den Grundherrn, und nur ein Drittel der Früchte des ersten Jahres kam dem
Vogte zu^
Etwas günstiger verlief die Verfronung für den Vogt bei Heimfall : in die-
sem Falle erhielt er ein Drittel des Grundes und Bodens wie der Fahrhabe, die
anderen zwei Drittel wurden verfront^.
dorfensis: monasterium nullimi bonum de bonis ad eandem curtem pertinentibus , de quo
solvitur census, nisi de consensu ipsiiis B. a censu liberum curti acquirat, nee ipse B. vel
aliquis militum suorum uUo umquam tempore aliquid de eisdem bonis . . sibi aliquo modo
debeat comparare. S. auch WEschringen 1348 § 10: Grundherr und Vogt, unser keiner
[enmag] in dem ban zu E. kein gut kaufen, es ensei mit des andern willen.
^) MR. ÜB. 1, 345, 1056, SMaximin: si cuius bona vel predia propter aliquam culpam
vel querimoniam in placitis abbatis [id est budingun: fehlt 1112] dominicata vel publicata
liierint, omnia abbatis erunt, nisi bonis eisdem [postquam villici abbatis ea in eustodiam
susceperint: fehlt 1112] se quilibet temere intromiserit. de bonis autem, que advocatorum
placitis publicata fuerint [dafür in zweiter Ausfertigung 1065: et si aliquis forte in culpam
furti vel seditionis inciderit et abbas ob rebellionem temeritatis vocatum accerserit , ex
eodem vadio] due partes abbatis, tertia vero pars (in eodem tantum anno rerum aut frugum
advocatorum erit; dafür 1112: exceptis frugibus, quarum tertiam partem in eodem tantum
anno advocatus habebit), postea vero nichil ad eos pertinet, quid abbas [per villicos suos:
Zus. 1112] inde disponere velit. G. 3, 802, 1284, Schiedsspruch betr. Rechte usw. des Dom-
kapitels zu Piesport: primo de questione seu discordia vronede diffiniendo seu arbitrando
pronuntiamus , curtarium dominorum dicte curtis duas partes et advocatum tertiam facere
debere omnium expensarum habendarum circa bona, que missa seu posita sunt in vronede,
tantiun anno primo; et anno primo eundem debere dividere fructus dictorum bonorum, ita
quod due partes cedant dominis seu curtario, tertia vero pars advocato; elapsoque dicto
anno primo advocatus cedet et nihil magis habebit in bonis der vronede predictis, sed
dominus curtarius solus tenebit eadem pacifice et quiete eis utendofruendo tamdiu, donec
venerit proximior heres bonorum eorundem, qui admittetur ad ea iuxta sententiam scabi-
norum dicte curtis, ita videlicet, quod debet dicta bona procurare infronen et domino cur-
tario omnes refundere expensas circa dicta bona factas.
2) S. Bd. 3, 81, 5, 1280; WLangenfeld 1517, G. 2, 592, vgl. WLangenfeld § 7 u. 8,
O. 6, 557: were auche saiche das ein man rumiche worde, so sal man dat steniche
machen jaire und dach, bis jare und dach umb is; kompt der man dan nit weder umb, so
sal man dri deilen machen uis dem goide, und der here von Bl. de zwae deilen holen und
der fait van Schoenecken de dritte, is id aifer sache das de erschaif plegelos belift ligen,
so sal der fait van Schoenecken komen uf einen weissen perde und sal mit ine brengen
zwene man, einen vur eme und einen hinder eme, und uf de vurgenante hoifrecht riden; und
[Grundherrlichkeit imcl Vogtei. — 1102 —
Man sieht, so günstig sich diese Bestimmungen für die Ausübung des
vogteilichen Einflusses in der Fronhofsverwaltung stellten, so ungünstig war
doch das direkte materielle Ergebnis für den Vogt. Hier mufste also eine
Verbesserung angestrebt werden. Sie wurde darin gefunden, dafs es dem
Vogt freigestellt ward, seinerseits einen Gehöfer des Fronhofes, also einen
genossigen Mann, zu suchen, der bereit sei, sich auf dem verfronten Lande
niederzulassend Bereitwilligkeit in dieser Eichtung wird sich wohl stets ge-
funden haben, trotzdem wenigstens beim Heimfall leicht Eeklamationen seitens zu-
nächst noch unbekannter Berechtigter eintreten konnten, wogegen freilich wieder
in den meisten Fällen die Frist von Jahr und Tag schützte ; und so lief denn
sal einen aifstoissen, were eme beleift; dain sal ein herre van Bl. dae sin und sal den
man nüt den gutern belenen. S. ferner Bd. 3, 81, s, 1280; 85, 26, 1280; 145, 20, 1326.
1) Diese Bestimmung entwickelt sich wohl aus der MR. ÜB. 1, 345, 1056 (oben S. 1101
Note 1) angedeuteten Möglichkeit nisi bonis (dominicatis) se quilibet temere intromiserit.
Zur Sache selbst s. Cod. Salm. S. 96 Note II, 1324 : Urkunde Erzb. Balduins betr. den Streit
zwischen Konvent und Meisterin von Ören und dem Edelknecht Adolf von Malberg super
bonis ville Guwendorf cum eorum omnibus attinentiis site prope Dudelindorf, quorum bonorum
idem Adolfus eandem magistram nomine dicti sui monasterii dominam feudi et se ipsum
advocatum esse et etiam idem Adolfus eandem advocatiam a nobis et ecclesia nostra Trevi-
rensi in feudam ligium teuere confitebatur, taliter est concordatum, quod ipse Adolfus a data
presentium usque festura penthecostes proximum homines et colonos competentes et bonos
in bona ipsius ville Guwendorf et eins attinentiarum presentabit, et magistra pro tempore
instituet tales presentatos, ut est iuris, qui dominabus predictis iura eis ex dictis bonis
debita solvant ut tenentur. quos homines sive colonos si dictus Adolfus infra dictum festum
penthecostes presentare neglexerit, ut premittitur, extunc dicta magistra seu eins mandatarii
eins nomine poterunt dicta bona, in quibus colonus non est institutus, apprehendere et
teuere, quousque in talia bona coloni et homines boni presentati fuerint et etiam instituti, ut
est iims. WKenn 14. Jh. 2. H. § 13, G. 6, 547: abe sache were, dat unsern hern ir zinse
nit enwurden, so muegen si das guit aingrifen als vur iren zins, und sie geben dem voide
nit davan. und abe einen voit dat muede, dat hime nit davan enwurde, so mach er brengen
einen genesigen main ain sime sadel, und mach komen vor uns hern melger, so sal uns
hern meier den man entphaen und sal hin in dat guit setzen mit zweien zinsen und mit
einer boißen. Hiermit vgl. WKenn 1493, G. 2, 314 — 5: ob dem abt die grundzins nit ent-
richt wurden , so mögen der abt und sein ambtleuthe die erbe und gueter zu iren banden
nemen und one gericht für ire gruntzins angreifen und dem vogth davon nichts geben, und
wanne der vogth nit langer entperen seiner gnaden und scheife will, so mag er einen
genußigen man mit ime an sein sattelbaume bringen, und sol der vogtherr denselbigen man
des gi'untheiTU meiger zu Kenne liebern, inen in solche gueter einsetzen ; den genußigen man
sol der maiger guetlich emphahen und das erbe mit zweien zinsen und einer boußen ein-
setzen, und so nhun über kurz oder lang der rechte erbe und man des zinsguetes queme
und an dem maigern seins erbes und guts widerumb gesunne, so sol der maiger den erben
freuntlich empfahen und inen vermitz zwaier zinsen und einer boußen einsetzen und ein-
laßen, und so sulchs besehen, sol der genußig man abstehen, und wiewol er das emielt
erbe und gute mit fruechten gewonnen hette, iedoch sol des nit genießen, dan den erben
seiner guter unverhindert geprauchen laßen; wie lange zeit und jar er darinnen gesessen
hatte, sol alles nicht hindern. S. auch WLangenfeld 1517, G. 2, 592, cit. S. 1101 Note 2.—
Einen ganz besonderen sehr lehrreichen Fall entwickelt noch WLonguich 1408, Arch.
Maximin. 8, 31, cit. oben S. 752 Note 1.
— 1103 — Die Vogtei.]
diese Bestiniiinmg in der Praxis wohl im wesentlichen darauf hinaus, dai's der
Vogt vorfrontes Land seinerseits mit Leuten aus der Ilofgenossenschaft ])esetzen
konnte. p]ine aul'serordentlich weitgreifende Bestimmung : Avie mufste sie den
Vogt der Hofgenossenschaft persönlich nahe bringen, wie den Einflufs desselben im
Gegensatz zu demjenigen der oft fern vom Hofe lebenden Grundherrschaft erhöhen.
Und zu alledem kamen nun noch andere Rechte direkter Einwirkung seitens
des Vogtes auf den Personalbestand der Gehöferschaft. Mehrfach wurde die Bede,
wie wir gesehen haben, als Kopfsteuer erhoben ; da konnten den Vogt irgend-
welche Eingriffe in den Personalbestand des Fronhofes nicht gleichgültig
lassen, er mufste darauf achten, dafs die ordnungsmäl'sige Vermehrung seiner
Bedepflichtigen nicht gestört werde. Daher sein Zustimmungsrecht zu Frei-
lassungen oder Vergabungen grundhöriger Leute durch den GiTmdherrn* und
die Notwendigkeit seines Konsenses zu grundherrlichen Abmachungen über
Heiratsfreiheit zwischen Gehöferschaften verschiedener Grundherrschaften ^.
In der That, die Fronhofsvögte hatten die vogteiliche Gewalt über den
Fronhof trefflich ausgenutzt, um eine allseitig wirkende Herrschaft zu begrün-
den. Sie unterhielten direkte Herrschaftsbeziehungen zu den Grundholden,
sie beeinflufsten die Wirtschaftsverwaltung des Gehöferlandes wie des Fron-
hofes autoritativ, sie griffen fest in Recht und Gericht des Fronhofes ein: sie
waren zu Vogtherren neben den Grundherren geworden^.
Und diese Macht erweiterte sich noch in den vielen Fällen, wo die
Grundherren eines Fronhofes es zur Markherrlichkeit gebracht hatten; hier
entwickelte sich die Fronhofsvogtei über den bisher dargestellten Umfang ihrer
Rechte hinaus zur Mark- und Fronhofsvogtei^. Welches waren nun die
Folgen dieser Erweiterung?
Sie konnten so weittragend sein, dafs der Mark- und Fronhofsvogt für
den nicht gmndherrlichen Teil der Mark geradezu eine Markvogtei im ausge-
sprochenen Sinne der von uns schon erörterten freien Markvogtei entwickelte:
dann hiefsen die nicht grundherrlichen Höfe der Mark Vogteien, ihre Insassen
1) S. CRM. 1, 179, 1163; MR. ÜB. 1, 214, 963?, Otto II. für Schweinbach: ipsos . .
homines de Svejerbahc et omnes, qiü ad altare sancti Maximini debent censum solvere,
niülus unquam abbas audebit vel poterit ulla ratione cuiquam in beneficium prestare. Dies
zum Schutze der Vogtrechte.
2) S. MR. ÜB. 3, 334, 1231.
^) Bezeichnend für die Ausdehnung der vogteilichen Rechte im Fronhof ist die Möglich-
keit folgenden Verbotes im MR. ÜB. 2, 261, 1210: consuetudines et iura prefate curtis ab
antiquo observatas B. non mutabit, nee possessiones eiusdem curtis indebitis et insolitis
exactionibus gravabit.
*) Im folgenden ist also nicht von dem übrigens seltenen Falle die Rede, dafs einem
Markvogt zugleich die Vogtei der in seiner Mark liegenden Fronhöfe zugefallen ist (s.
darüber oben S. 1090 f.), sondern es wird vielmehr der Fall erörtert, dafs ein Grundherr
zunächst seinerseits Allmendeobereigentum und Markherrlichkeit erworben hat, und dafs
sich daraufhin die Einwirkung seines Vogtes — der ursprünglich nur mit dem Fronhof zu
thun hat — über diesen Fronhof hinaus auf die Mark erweitert.
[GnmdheiTlichkeit und Vogtei. — 1104 —
im Gegensatz zu den Gehöfern Vogtleute, und der Vogtherr brachte es für
sie zu einer der Fronhofsverfassung analogen Verfassung mit einem Meier oder
Untervogt an der Spitzel
Andererseits gab es Fälle, in denen es zu kaum einer Einwirkung der vog-
teilichen Kräfte auf die Markverfassung kam, wo sich die Ansprüche und Rechte
des Fronhofsvogtes stets in bescheidenen Grenzen hielten^. Noch mehr: es
kamen Fälle vor, in welchen es nicht der Vogt, sondern vielmehr der Grund-
herr des Fronhofs zu einer Vogtei über einzelne Teile oder sogar das gesamte
Areal der Mark brachte. Konnten neben einer derartigen partiellen Mark-
vogtei die Rechte des Fronhofsvogtes noch bestehen^, so liegt es auf der Hand,
dafs sie bei totaler Markvogtei des Grundherrn nahezu vernichtet werden
mufsten'^.
Der gewöhnliche Verlauf der Dinge hat indes mit der aufgestellten
Alternative — freie Markvogtei entweder des Vogtes oder des Grundherrn —
nichts zu thun: er hält vielmehr zwischen beiden Extremen die Mitte.
^) Ein gutes Beispiel bietet das *WSalmerohr § 1 und 5, Hs. Koblenz CXI^: der Vogt
hat in Salmerohr 3 placita annalia (Gerichtsding), der Propst als Grundherr tria placita
dicta buwedink in villa et loco iudiciali, videlicet in qualibet octava placiti [d. h. jedes Gerichts-
tages] cuiuslibet ferie secunde gesworen maindach unum placitum, et ibidem . . scabini
una cum tota dicte ville universitate ipsi placito Interesse debebant . . ipsius domini prepo-
siti et sue predicte prepositure ins ibidem iudicando. Die Bufsen fallen nur an den Grund-
herrn; über sie urteilt der officiatus des Propstes. De aliis vero bonis ibidem dictis vaitgut
(advocatus) et suus officiatus per totum annum ad requisitionem dicti domini prepositi aut
sui officiati, cum oi)us fuerit, iudicare debebunt; et de emendis inde cedentibus dominus
prepositus duas, (advocatus) tertiam partem recipere debebunt. S. auch WRommersheim
1298: vort haet der scheffen geweist, oef einiche vaitsman rumich wurde in der eptien van
van [!J Prume und in der vadien van Schonecken, hinder welchen herren dieselve vaidemen
rümde und wegevertig wurde, den sal ein apt van Prume ein vait helfen zwingen weder uf
sine vadie und in sin erve, und in dier selven gelichnis sal ein vait van Schoenecken eime
apt van Prume helfen zwingen, oef is eme noit geburt. Vgl. hierzu WRommersheim § 16,
cit. oben S. 735 Note 4.
2) MR. ÜB, 1, 249, 976, Erzbischof Dietrich schenkt an SMaria ad martyres Schleich:
villam in Sieche cum 20 mansis et terra salica cum tanta iuris integritate de proprio com-
paravi, quod nee advocatus aliud quippiam nisi carr. vini et tria placita in anno ibi habere
debeat . . nulla prememorate ville pictura decimam solvit. si quid vero decime de terra
salica provenerit, in curiam deferatur. census quoque, qui de molendinis sub banno ville in
Moseila positis coUiguntur bannusque cum terra salica atque theloneo ad curiam pertinent.
Ein Muster bietet Bd. 3 No. 115, 1326. S. auch WLonguich 1408, Arch. Maximin. 8, 35,
§ 19, cit. oben S. 1012 Note 3.
3) S. Ennen, Qu. 2, 14, 8, 1203, cit. oben S. 696 Note 3. In Erpel bestand aufserdem
eine Fronhofs- und Markvogtei, s. CRM. 1, 185, 1167.
^) *üSMax. 1484 Bl. 47 a, WGostingen: der Abt von SMaximin ist Grundherr imd
Vogt von G., doch giebt ein iclich hus, da fuir und flamme usgeit, . . der herschaft van
Berprich 9 sext. even, und ein widfrawe 4^/2 sext.; un die vorg. herschaft van B. enhat kein
ander gerechtikeit mit in dem dorf un ban van G., noch in boissen, noch in gericht, noch in
anders keinerlei wisen. unde sullent die vorg. herschaft darumb den apt cavent un ir arme
lüde daselbz beschirmen nach irem besten vermögen.
— 1105 — Die Vogtei.]
Absolut notwendig war zunächst mit der Erweiterung der Fronhofsgmnd-
herrlichkeit zur JMarkheiTlielikeit, des Baudings zum Grundgericht eine Er-
breiterung der gerichtlichen Funktionen des Vogtes. Der Vogt war jetzt eben
nicht mehr Baudingsvogt, sondern Grundgerichtsvogt ^ Als solcher war er
der Schützer des Gerichts und Vollstrecker des Rechts für alle Markeingeses-
senen; und damit waren ihm alle Markeingesessenen bedepflichtig ^. Auch
einfiel ihm sein Anteil von den Früchten der Rechtssprechung jetzt vom Grund-
gericht, auch bei Sachen, welche früher vor dem freien Markding gebrüchtet
worden waren ^.
Allein in den meisten Fällen begnügten sich die Vögte nun doch nicht
mit der markvogteilichen Stellung im Grundgericht; sie versuchten vielmehr
auch in der markherrlichen Allmendeverwaltung Einflufs zu gewinnen. Hier
handelte es sich aber vor allem um die Frage des Ernennungsrechtes der
^) Das besagt wohl schon die Stelle im Lehnsbuch Werners II. v. Boland S. 18:
Werner hat ab imperio 30 s. in Albesheim cum iuramento et banno et in Kudersheim 30 s.
cum iuramento et banno; liec autem bona pertinent ad abbatiam sancti Maximini Treveren-
sem. In gleicher Weise hat W. einen Weissenburger abteilichen Hof inne. S. ferner
WMandern 1537, G. 2, 105: so einer inwendig erw. herrn abts grontherlichkeit ader am
ende seines bans unt bezirkhs ein grontmarkh ader entscheitzichen frevelich mit nacht unt
nebel ader sonst abhauwen wurde, und so man den bequeme und ein igliche berichtong
derowegen haben möchte, sol der voegtherr den annehmen und die boeß vor ein hoech-
gerichtsboeß achten und schätzen, und von demselbigen die hoechgerichtsboeß indriben und
einem h. abt davon zehen wißpfenninkh geben.
''^) MR. ÜB. 3, 80, 1218: abbas et conventus in ipsa advocatia eundem A. de cetero
sustinebunt, a duobus forestariis et villico ecclesie sancti Maximini nullas exactiones ser-
vitium quodcumque vel ins aliquod recepturum, a ceteris vero dicte ville hominibus exactiones
solummodo recipiet, nulla alia servitia vel iura, que ratione advocatie aliorum locorum
advocati recipere consueverunt , ipse A. vel eiuj, successores ab eisdem hominibus exacturi.
Wßiebern 1506 § 9', G. 2, 191: was einem schirmherrn davon gepüre, das gotshaus sambt
seinen armen leuten zu beschirmen? daruf der scheifen mit urtheil und recht geweist, daß
ein iglicher in dem gerichtszwankh diß gotshaus gesessen sol alle jars geben ein mir. habern
und ein hun. und wer es daß der man im hausgeses der probstei mit tot abgieng, eher dan
die erste garb gebunden würde, so sol die frauw habers und huns entledigt sein, so lang die
wiedfrauw verpleibt; stirbt aber der man, nachdem die erst garb gelegt ist, so sol die frauw
haber und hun geben das jar; stirbt die frauw, sol der man haber und hun ausrichten wie
ein ander, kaufen sich aber maegt und knecht, die sollen das erst iar frei sein. WRotzen-
hain 1537 § 1 : welch fraw oder man sich binwendig den zinkel [Gerichtsbezirk] niederschlegt
und hat jar und tag darin gewohnet, den sollen die fätherrn annehmen für ein fatman oder
-fraw, und sollen zweimal in die bet geschnitten werden, sol ein dienst tun, d. i. einmal brot
oder wein am nahisten am Rhein holen und gen Hadamar ufs [Herren-]haus fiihren, und
nichts weiteres schetzen.
3) WMersch 1542 § 13: bei Waldbufsen ein Drittel dem Grundherrn, eins dem Vogt
und eins der Gemeinde. Neben fi^uctus iurisdictionis und Bede bestand natürlich noch das
Schutzgeld bezw. Servitium seitens des Herrn, s. WWinningen 1507, G. 2, 504: die vaiteven,
die unser herr der abt dem graven von Spainheim von seinen guden leist geven, dat ist
dammb, dat hie sein vait sol sein und sein gericht waßer und weide schirmen sal.
[Grimdherrlichkeit und Vogtei. — 1106 —
einstigen freien Markbeamten, und weiter um die Verfügungsfreiheit über
Marknutzungen.
Im ersten Punkte hatten die Vögte kaum einen Erfolg: der Markherr
setzte günstigenfalls ohne Konkurrenz der Markgemeinde, anderenfalls mit
dieser die Markbeamten ein, und diese waren als grundherrliche Diener sogar
von der Vogtbede befreite
Und auch die Disposition über die Marknutzungen erlangten die Vögte
nur sehr unvollkommen^. Schon die direkten Allmendenutzungen blieben
gnindsätzlich zur Verfügung der Markherren, so namentlich die Fischerei, für
welche die Vögte in den meisten Fällen wohl nur eine allgemeine Ein-
schränkung der Nutzungsmöglichkeit durchsetzten^. Etwas mehr Erfolg hatten
sie für die Waldnutzung in Rodung (Modem) und Jagd: hier brachten sie es
wenigstens zur Konkurrenz mit den Markherren*. In geringem Grade ist das
^) MR. ÜB. 2, Nachtr. 2, 1192 — 1200: forestarios vero prepositus constitiiet, proiit
voluerit; advocatus etiam in eis niillam exactionem, nullam hospitationem faciet, und zwar
weil diese zum personale servitium gehören (des Grundherrn).
2) S. z. B. MR. ÜB. 2, Nachtr. 2, 1192—1200: in nemore autem et banno nemoris
et in decursibus aquarum et banno ipsarum advocatus nichil iuris habet. Dieser absolute
Ausschlufs des Vogtes ist nicht selten.
^) WRommersheim 1298: vortmehe haet der scheffen gewist vur vol, dat neman
fischen ensal in allen bechen in der epdien und in der vadien van Schoenecken, aen ein apt
und sine knecht und sine gesworen vischer, it enwere dan sache dat ein frauwe ein kint
droge uf betkrank lege, die mach doen vischen in den bechen mit eime voisse in dem
wasser und den anderen uf dem lande; und wie het enboven vischen wulde, die were umb
die wandel und umb die hoegeste boisse, des weren zwein pennink eins aptzs und der dritte
eins vaides van Schonecken. MR. ÜB. 3, 296, 1226: Streit zwischen Ören und N. von
Siebenborn advocatus de Roisporth super banno aque et piscationis eiusdem curtis de Rois-
porth; Entscheid: Ören bleibt in tenore et quieta possessione banni aque et piscationis, sed
tarnen . . nulli potest vendere nisi homini de eadem curte, qui de tallia et servitiis aliis
serviat advocato dicte curtis. si vero . . magistra de Horreo . . aquam predictam vendere
nequiverit, nee aliquis de curte eam emere voluerit, advocatus pacem teneri faciat toti aque,
et tamdiu tota aqua permanebit sine piscatore, quousque magistra . . eam vendiderit alicui
de curte supradicta. Doch s. auch WNeunkirchen 1587, cit. Note 4.
4) Zur Rodung s. WWilwerscheid 1507, G. 2, 392, cit. oben S. 127 Note 3;
WNeunkirchen und Wallen 1551 , § 14. Zur Jagd vgl. WRommersheim 1298 : dat
neman sal keinerlei wilt vain binen der apdien van Prume und der vaedien van
Schoenecken noch huner noch hasen, aen ein apt und sin knecht und ein vait van
Schoenecken und sin knecht; und wer darenboeven dat dede und vunden wurde, den
sal der hoifsscholtes penden mit dem gesworen boeden vur die hoegeste boisse, der
sal sin zwene pennink eins aptzs und der dritte pennink der selver boessen eins vaides
van Schoenecken. — Vgl. auch noch WNeunkirchen 1587: mein gn. h. und die vögt haben
im hobgericht zu fischen und zu jagen mit diesem bescheid, wan die vögt die erste und zweite
claus oder fuel zum fischen gemacht und der grundher zukäme, sollen sie gleich zum 1/2 zu-
lassen; wan sie aber im 3 pfuel fischten, sollen sie ausfischen und der fang ir sein, gleich-
falls wan sie eine Stellung uf lagen getan und der hund noch am strick, und darüber der
grundher zukäme, sollen sie ihnen zum halben beilassen; aber im fall dieselbe losgeschüttet
weren, sollen sie fortiagen und den fang allen ihr sein. Vgl. auch WNeunkirchen und Wallen
1551, § 9 und 10.
— 1107 — Die Vogtei.]
auch auf dem Gebiete der soiistijien uiarkherrlichen Nutzungen, des Mühlen- \
Ofen- 2, Kalkofen- ^, Weinschankbannes *, sowie der Accise^ der Fall. Im
ganzen aber wird man urteilen dürfen, dafs die Bestrebungen der Vögte,
ihrem Amt wesentliche Teile grundherrschaftlicher Markherrlichkeit einzuver-
leiben, in den meisten Fällen gescheitert sind^.
In der That konnte die Fronhofsvogtei eine gröfsere Zukunft nicht in
der Erweiteiung zur Markvogtei suchen, schon deshalb nicht, weil ihr hier
aufser der Zähigkeit der alten Markgemeinde und der jungen Markherrlichkeit
des Fronhofsherrn hin und wieder auch noch eine kräftig entwickelte Mark-
vogtei entgegentreten konnte. Ihre Aufgabe war es vielmehr, sich in ihrem
ursprünglich gegebenen Wirkungskreise kräftig auszugestalten, aus dem ur-
sprünglichen Amtsverhältnis zur vollen Herrschaft zu erwachsen, und die Herr-
schaft entsprechend der Markvogtei in einem der Grundherrschaft ähnelnden
Einnahmesystem zu verkörpern.
Dieser Weg wurde eingeschlagen und völlig erreicht. War die Vogtei
ursprünglich als Amt gedacht gewesen — wie sie denn später unter dem
Einflüsse der landesherrlichen Verwaltung des 14. und 15. Jhs. vereinzelt
wieder zum Amte wurde ^ — so begannen doch sofort überall Bestrebungen,
^) WRommersheim 1298: vortme wart vur üol gewiest, dat ein abt van Prüme mach
binnen der ebtien molen setzen, war he wil, und den wassergank ouch darzü leiden durch
wesen üelt und büssche , und ensal eime vaide noch nemans damide unrecht doin. S. ferner
Bd. 3, 64, 34, 1273; 82, 22, 1280.
2) S. Bd. 3, 103, 22, 1297.
^) WBommersheim 1298: haet der scheifen vur vol gewist, dat ein apt vanPrume und
sin goitzhuis sal und mag kalkoven setzen binnen der epdien van Prume und vadien van
Schoenecken und mag daemit neit unrecht doen eim vade van Schoenecken noch nemans, und
mag den kalkoven doen setze, wae ime gefoegeHch ist, und sullen die hover bloch und holz
zovoeren, als sich das heist.
*) MR. ÜB. 2, 4*, 1170, gegen den Vogt: in villa quoque Ravengersburc nullus pre-
sumat in tabema vinum vendere sine prepositi licentia.
^) S. die auch im ganzen sehr charakteristische Urkunde CRM. 5, 119, 1540: Philipp von
Warsberg übernimmt die Vogtei Obermendig unter dem Beding, dafs er die Stiftsherren von
SFlorin-Koblenz (Grundherren) ire hochheit obrigkeit recht und gerechtigkeit , ire schultiß
scheffengericht heimburgen geschworen und die ganze gemein daselbst vur gewalt schützen
schirmen und hanthaben, bei althem herkommen und freiheiten laßen, inen keinen gewalt zu-
fuegen noch thun, sunder die abthun und straefen, nach weistomb der scheflfen das gericht
gankbar halten, die klein gerichtsboeßen und wetth mit der hem schultiß zugleich theilen,
keiner newerung, das sie mit gepot oder verpot, sich underziehen, kein ziße vun brot
obs flaichs und anderer kommerschaft , die -zu Obermendig fheil bracht wirdet, noch sunst
weithers oder anders, dan der scheffen von altem her gewiesen und noch weiset, der vogdien
halben heben, auch nichts von der vogdien versetzen verpfenden noch zu vereussern on
guiten vunvissen und willen (der Grundherren).
^) Dagegen haben diese Bestrebungen allerdings gerade genügt, um in vielen Fällen
unter den Kompetenzen von Grundherr, Gemeinde und Vogt eine bisweilen heillose Verwir-
rung anzurichten. Sogar das Mittelalter fand, wenigstens am Ausgang der Epoche, derartige
und verwandte Konfusionen unerträglich, vgl. CRM. 5, 44, 1507; 70, 1513; 88, 1524.
7) S. Bd. 3 No. 241, 1461.
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1108 —
sie zum Lehen ^ und darüber hinaus zum Eigentum ^ zu entwickehi. Erreicht
wurde dies Ziel meist sehr früh: schon im 12. Jh. sind die Fronhofsvogteien
mit wenigen Ausnahmen erblich. Und mit der Erblichkeit wird die Vogtei
zur vollen Herrschaft: der Vogtherr verspricht dem Grundherrn, ein getreuer
imd günstiger Vogt zu sein^, und man sichert sich gegen ungewöhnliche aus
der vogteilichen Herrschaft etwa herzuleitende Ansprüche*.
In dieser Lage entwickelt nun der Fronhofsvogt eine eigene Verwaltung.
Ein üntervogt oder Vogtamtmann oder Vogtmeier besorgt mit Hilfe eines
Boten oder Försters^ neben dem grundherrlichen Schultheifs bezw. Meier des
1) S. die lehrreiche, teilweise schon S. 231 Note 3 angefahrte Urkunde im CRM. 1,
185, 1137, Erpel: quod capitulum ad arbitrium suum seu advocatum seu custodem ad tuitio-
nem ville et rusticorum in ea commorantium institueret et removeret, et quem vellet et
quando vellet . . placuit eis tuitionem et custodiam rusticorum in villa illa commorantium
cuidam nobili viro Th. comiti de Hare committere annuatim solventes ei intuitu huius custodie
aureum valentem 30 nummos Coloniensis monete . . . später erhält sie nobilis Engelbertus, qui
quedam bona vicina ville de Herpill habuit. quo mortuo Reinardus filius eins ei süccedens
bona, que vicina erant ville de Herpille, nequaquam obtinuit; et ideo capitulo beati Petri
utile visiun est, ne et ipse custodiam rusticorum eiusdem ville retineret. quia tamen R.,
quasi esset beneficium E. patris sui, renitebatur, A. . . maioris ecclesie prepositus donariis
quibusdam intervenientibus ab omni petitione R-i villam de Herpill . . liberavit (et) . . custo-
diam rusticorum fratri suo Ludewico commisit nequaquam inbeneficiando eam. So versucht
das Domkapitel die Vogtei auch jetzt noch lehnfrei zu halten.
2) S. z. B. Lac. ÜB. 1, 459, 1176; Honth. Hist. 1, S. 813, 1281: Robin von Kobern
verkauft für 50 Ib. Treverenses die Vogtei über die SSimeonsgüter zu Lehmen an SSimeon.
S. dazu auch Bd. 2, 585 f.
^) CRM. 3, 501, 1365: bekennen ich Simont vorg. vor mich und mine erven den vorg.
heren zu sente Florine [dem Grundherrn] getruwe und gonstige vaide zu sin als verre als it
die vadie und hof antriffet.
*) *WLintgen, Arch. Maximin. 9, 240 § 14: so v^^as der scheffen den voigten vorg.
gewist halt, damit sullen sich die voigte genügen lassen und die arme lüde nit vörter drengen.
WMandern 1537 § 18: daß der . . voegther sich dem scheffenwistomp und erkentenus ge-
messe halten, dem alten herkomen geleben und witers nit tun haben noch gesinnen, noch
den amien man ferner dringen.
^) MR. ÜB. 2, 4*, 1170: ein subadvocatus, quem . . maior advocatus prepo(n)it. MR.
ÜB. 3, 1061, 1250: H. nobilis dominus de Coverna hat den Hartlif dictus Leitgast als advo-
catus. CRM. 3, 208, 1264, Urkunde des Grafen Johann von Sayn: cum questio moveretur
in curia sancti Albani in Bedindorf, cuius dinoscimur advocatus, coram officiali nostro S. et
H. scolteto et scabinis de (vinea et agris) . ., nos paci et quieti (domini curiae) consulere
cupientes . . inhibemus, ne quis officialium scabinorum sive curialium prefatarum curiarum
(dominum) pro denominatis bonis questionem movendo audeat inposterum molestare. WLos-
heim 1465 § 18: der lenherr [Abt von Mettlach] habe maicht, amptleute und boden zu
sezen sunder berait des vaigtsherrn [Erzbischof von Trier], und der vaigtherre möge auch
amptlude und boden setzen, sine gerechtigkeit zu hanthaben. WSteinheim 1669 § 3 : im Hof
S. 7 scheffen liinder dem vogthern gesessen, ein grundscholtes des hobs S. gesessen und zwei
vogtmeier. S. auch *WOberemmel 1373, Arch. Maximin. 4, 569, cit. unten S. 1109 Note 6.
— 1109 — Die Vogtei.]
Fronhofes die Geschäfte des Vogtherrn, namentlich ist er im Gericht thätig^
und sanmielt die Bede ein^.
Das Personal fiir diesen Stellvertreter und die ihm unterstellten Diener
hatte der Vogt aber der Gehöferschaft zu entnehmen, bisweilen war sogar ein
Präsentationsrecht derselben entwickelt^. Diese Thatsache ist bezeichnend
für die Stellung, an welche die Fronhofsvogtei gegenüber der freien Mark-
vogtei doch für immer gefesselt blieb. Die Markvogtei entwickelte ihre
pseudogrundherrliche Gerichts- und Einnahmeverwaltung selbständig aus sich
heraus, sie war in der Wahl ihres Personals durch keinerlei Umstände beengt
und behindert : die Fronhofsvogtei dagegen konnte schliefslich aus dem Rahmen
des Fronhofs, dem sie ihre Entstehung verdankte, nicht völlig heraustreten,
sie blieb stets bis auf einen gewissen Grad grundherrlich gebunden. Dem ent-
spricht es, wenn der Vogt nicht ohne weiteres das Recht zur Exekution
seiner Bedeansprüche hat. Er mufs vielmehr im günstigen Falle erst die
Erlaubnis des Grundherrn*, im ungünstigen Falle sogar sein Eintreten zur
Exekution^ anrufen, und bisweilen ist sein Recht noch beschränkter. So
1) WBacharach, G. 2, 220 : derselbe begrif [der Bacharacher Bezirk] ist eines bischofs
von Colne und eines pfalzgrafen bi Eine, also daß der biischof lenherre ist ind der palz-
grafe belent. item der buschof sal einen schultißen setzen ind der palzgrave einen vaigt.
item nimt der schultiß etzwas van frevelen ind brachen, so sal er deme vaigde das dritte
deil antwerten. S. auch WBech bei Echternach § 11, cit. oben S. 774 Note 4.
-) WOberdonwen 1542 § 45: die Vögte sollen, ire schaeff und voightrecht inzudriben,
einen meier haben und den darzu verordnen und den derowegen belonen. Ebenso (§ 46)
einen besonderen Boten. Da, wo ein Vogtmeier nicht vorhanden, tritt an dessen Stelle der
grundherrliche Meier, s. das unten S. 1110 im Text citierte WEdingen 1588. Vgl. auch MR.
ÜB. 3, 342, 1228: während der Suspension des Vogts zu Viviers villicus . . partem assise
et emendarum . . colligat et sub testimonio scabinorum de Viviers illi reddat.
^) MR. ÜB. 2, 4, 1169, Ravengiersburg : si quem suorum officialium in eadem advo-
catia voluerit mutare advocatus, tres ei de familia ecclesie eligantur, de quibus uni, qui plu-
rimum ei placeat, officium suum committat.
•*) *UMiinstermaifeld, Hs. Koblenz CXI^^ Bl. 57 ^i der Vogt von Salmerohr verspricht
dem Grundherrn, Propst Elias, wenn die Leute zu Salmerohr die Vogteibezüge nicht liefern,
darumb insollin wir noch die unse si nit fain noch slain, wir inhavin dan dat von eirst an . .
deme proiste . . ersoigt und ervolgit einen maint zuvorhintz. Nach abgelaufener und un-
benutzter Frist hat der Vogt freie Hand.
•5) *WOberemmel 1373, Arch. Maximin. 4, 569, § 5: weisen wir, welcher zeit unser
herr der abt gekoren hat einen meier und zwen förster zu Emmelde, darnach haut die
obg. heiTSchaft von Meisenburg auch zu kiesen einen meier und einen förster daselbst,
den vurg. schaff fünfzehen mir. rocken und fünf pfund pfenning und die obg. hüner von
den vorg. feuwrstäten zu heben, desselbigen schaffs sollent die obg. meier und förster daselbst
ledig sein, also fern inen das angebüert zu bezahlen, und nit weiters. und were sach dass
demselbigen meier und förster von dem ehg. schaff nit gnug geschege, so entsollent die obg.
meier und förster nit von ihrer gewalt pfenden oder angreifen, dan sie sollen das bringen an
unsers herrn abts ambtman zu Emmelde: der sal und niemand anders der herrschaft von
Meisenburg vollethun von dem obg. schaff, als einigerlei brest daran wäre. S. auch
WBesch 1541 § 39, und WOberdonwen 1542 § 47: so der voigthern meier und der
pot innen, den voigthern, ire schaff nit möchten noch khunden indriben . . alsdan
sol der voigthern meier des grund- und lehnhern meier, ime hilf und biestant zu thun . .,
[Grundherrliclikeit und Vogtei. — IHO —
lieifst es z. B. in dem Weistum von Edingen vom J. 1588 \ dat unsers
herren meiner von Echternach dem voigt sin zins sol ufheben und liebern
und der voigt nit selbst; das auch der voigt vor sein ausstant nit selbst
penden müge, dan das gehör des gronthern meiger zu. wan aber der
gTonther zu swach were, die pantschaften zu thun, spricht er den lantfursten
ahn und den probst van Bietborgh in des lautfursten namen. Die Stelle be-
zeichnet zugleich in klassischer Weise noch eine andere und gröfsere Gefahr,
welche der Fronhofs vogtei seit spätestens dem 14. Jh. drohte. Seit dieser
Zeit kam die Landeshoheit mit reifsender Schnelligkeit empor; der Landes-
herr verbürgte einen neuen und sichereren Frieden, als einst das Reich; die
Fronhofsvogteien wurden unter dem Walten dieses Friedens um so überflüssiger,
als die kleineren Grundherren sehr bald in ein Lehens- oder Unterthanenver-
hältnis zum Landesherrn traten. So übernahm der Landesherr als oberster
Vogt cien Schutz der Grundherrschaften ^, der Fronhofsvogtei als Schutzmittels
ward immer weniger gedacht: sie war zu einer blofsen herrschaftlichen Ein-
nahmeform besonderer Gattung herabgesunken.
Wie anders steht dem die Entwicklung der Immunitätsvogtei gegenüber !
Schon der Zeit nach ist sie viel früher am Platze als die Fronhofsvogtei;
bereits im Beginn des 10. Jhs. ist sie wohl in ihren wesentlichen Zügen vor-
handen^. Und die Wurzeln ihrer Entwicklung greifen noch viel weiter zurück,
sie liegen in der Stellung der karolingischen Advocati.
Der Advocatus der karolingischen Immunität war das genaue Gegen-
stück zum Iudex des karolingischen Fiskus, soweit dieser gerichtliche Funk-
tionen ausübte*: dem Immunitätsbezirk wie dem Fiskus war eben die
gleiche exemte Stellung in der Gerichtsverfassung angewiesen. Diese exemte
Stellung beruhte nun zunächst darauf, dafs die Thätigkeit der regulären
königlichen Gerichtsbeamten im Immunitätsbezirk wie im Fiskus aufgehoben
war; die Beamten konnten weder die königlichen Gerichtsgefälle eintreiben,
noch gerichtliche Pfändungen vornehmen, noch endlich Verbrecher dingfest
anroefen und pitten. Der grundherrliche Meier hat dann zu pfänden und die pfende vor
obg. grundhern scheffen und gericht des orts und nit anderswoe verhandeln, verrechten, imd
mit recht wie hoibs ubungh verusseren, und dem voigthern den schaft und vermacht bouß
darus . . entrichten und den ugfangen Unkosten entlich erlegen.
1) G. 3, 794.
2) S. oben S. 1068.
^) Ein direkter urkundlicher Beweis hierfür ist aus den Quellen der Moselgegend frei-
lich, soweit ich Notierungen gemacht habe, nicht zu erbringen. Doch ergiebt sich die chrono-
logische Ansetzung mittelbar ziemlich sicher aus der Verfallzeit des Instituts der karolingi-
schen Advocati. Funktionen der letzteren werden an der Mosel zum letztenmal MR. ÜB. 1,
162, 919 genannt, s. oben S. 1046 Note 1. Vielleicht kommt auch noch MR. ÜB. 1, 185, 947,
oben S. 1046 Note 3, in Betracht. Und sicher sind aufserdem die Vorbedingungen, welche die
sofort zu erörternde Umbildung der karolingischen Vogtei in die eigentliche mittelalterliche
Immunitätsvogtei zur Folge haben, schon gegen Schlufs des 9. Jhs. voll vorhanden.
*) S. Guerard, Irminon 1, 436 f., s. dazu oben S. 733 Note 2, auch Cap. Caris. v. J.
873, cit. oben S. 1045 im Text.
— 1111 — Die Vogtei.]
machen, welche in die exeniten Gebiete geflohen waren ^ Für diese Aufgaben
exekutorischer Natur innerhalb der exeniten Gebiete zu sorgen, lag mithin der
Innnunitäts- bezw. der Fiskusverwaltung ob. Die Fiskusverwaltung erledigte
sich derselben durch Übertragung der genannten Funktionen auf den Iudex - —
also auf einen schon anderweitig erforderten Beamten der Fiskusorganisation,
dessen Hauptthätigkeit auf wirtschaftlichem Gebiete lag. Die immunitätsherr-
lichen Grundherrschaften besafsen keinen den ludices analogen Beamtenstand ;
für sie war also eine andere Lösung notwendig. Dieselbe w^urde bei
den weltlichen immunitätsherrlichen Grundherrschaften vermutlich darin ge-
funden, dafs der Grundherr diese Funktionen selbst übernahm^; in den
geistlichen Immunitätsherrschaften dagegen, welche vor Gericht nur durch
ihren Vogt vertreten werden konnten, fiel diese Aufgabe ganz naturgemäfs
eben diesem Vogte zu^. Der Vogt also, der bisher die Imnmnitätsherrschaft —
mochte sie nun eine Körperschaft oder eine Einzelperson sein — nur als
Person vor Gericht vertreten hatte, vertrat nun diese Person auch in ihrer
Eigenschaft als Trägerin des Rechtsprivilegiums der Immunität.
Nun blieb aber der Immunität der anfänglich negative Charakter eines
blofsen an die königlichen Beamten gerichteten Verbotes, .welches nur den
Übergang der Exekution, also des Schultheifsenamtes an den Immunitätsherrn
zur Folge hatte, bekanntlich nicht lange gewahrt, vielmehr entwickelte sich
1) Zum letzteren Punkt s. Guerarcl a. a. 0. S. 438.
2) Wir wissen darüber aus älterer Zeit nichts Genaueres, doch ist diese Lösung als
sicher verbilligt einmal durch das spätere Fehlen jedweder anderen Einrichtung zu dem ge-
nannten Zwecke, und ferner durch die Thatsache, dafs die weltlichen Immunitätsherren später
als volle Gerichtsherren ihrer Herrschaften erscheinen.
^) Dafs diese Lösung ausschliefslich beliebt wurde, zeigt die ganze spätere Ent-
wicklung. Ein besonders deutliches Symptom aber bieten die folgenden Stellen, welche
sämtlich von Immunitätsvögten reden. MR. ÜB. 2, 37, 1095, Echternacher Vogteiw.: ut, si
quis de familia ecclesie occisus fuerit, si pretium eius, quod wergeldum vulgari locutione
vocatur, abbas acquirere per se potuerit, totum habeat; si per auxilium advocati, ille sui
iuris tertiam partem obtineat. MR. ÜB. 1, 406, c. 1103, Prüm: de occiso intus vel foris
sancti Salvatoris homine, si per se abbas weregeldum acquirit, nil advocatus habeat inde; si
vero advocatus acquisierit, duas partes abbas, tertiam advocatus accipiat. S. dazu MR. ÜB.
1, 88, angebl. 887, Prümer Fälschung 12. Jh. Anf. : si aliquis ;ex familia extra vel infra oc-
cisus fuerit, advocatus weregeldum eius abbati acquirat, nihilque ex eo sibi vendicare prae-
sumat. MR. ÜB. 1, 345, 1056, SMaximin: si aliquis ex familia interfectus fuerit, pretium
illius id est weregelt, [si sine advocato adquiri poterit: fehlt 1112] [dafür die zweite Aus-
fertigung von 1065 : si ecclesie homo interfectus fuerit et abbas aut villicus eius ab homicida
weregildum exigere poterit], totum abbatis erit, si autem per advocatum adquisitum fuerit,
tertiam partem advocatus habebit. Die hier für die Immunitätsvögte von Echternach, Prüm
und SMaximin vorliegende Möglichkeit, dem Immunitätsherrn zufallendes Wergeid einzu-
heben, erklärt sich nur aus dem ursprünglichen Charakter dieser Vögte als der Vertreter
ihrer Herren vor Gericht. — Zur Verwendung der teilweis falschen Vogteiweistümer, nament-
lich von Prüm und SMaximin, bemerke ich hier ein fiir allemal, dafs ihr Inhalt mit Vorsicht
als der Zeit, in welcher die Fälschungen entstanden sind, angehörig ausgenutzt wird. Im
einzelnen vgl. Bd. 2 S. 740 f., und Bresslau in Westd. Zs. Bd. 5, 20 ff.
[Grimdlierrliclikeit und Yogtei. — 1112 —
auf dieser Grundlage alsbald eine volle immunitätsherrliche Gerichtsverfassung,
Dieser Vorgang füllt in unserer Gegend wohl noch das ganze 9. Jh. ^
Wie wirkte nun diese Erbreiterung der Immunitätsbefugnisse auf den
Vogt? Folgte die Vogtei der neuen Entwicklung, wurde der Vogt, bisher
nur Schultheifs, nun auch Träger der Immunitätsgerichtsherrlichkeit des
GrundheiTU ?
Die geistlichen Institute würden mit der Zulassung einer so weitgehenden
Berechtigung sich um alle Vorteile der Immunität gebracht, ja ihre Existenz
untergraben haben: an Stelle der königlichen Beamten würde ohne weiteres
der Vogt als Peiniger getreten sein. Aber ganz ausschliefsen liefs sich der
Vogt nicht. Einmal war er schon im ersten Stadium der Immunitätsentwick-
lung mit der Ausübung der exekutorischen Immunitätsrechte beauftragt worden.
Dazu kam ein zweites. Die volle Ausbildung der neuen Gerichtsverfassung
erforderte auch Hochgerichte; der geistlichen Hand aber war es nicht erlaubt,
über Hals und Haupt zu richten ^. Es blieb nichts übrig, als die Gerichts-
herrlichkeit zu spalten: der Gerichtsvorsitz blieb dem geistlichen Immunitäts-
herrn, der Gerichtszwang ging an den Vogt über.
So entsteht, spätestens wohl in der ersten Hälfte des 10. Jhs., die
Immunitätsvogtei zunächst in den geistlichen Immunitätsherrschaften ^ aus
einer Kombination von Schultheifsenpflicht und Gerichtszwang in Blutsachen.
Es ist die nächste Aufgabe, sich Befugnisse und Bedeutung dieser Vogtei ge-
nauer zu vergegenwärtigen.
Vor allem bleibt natürlich auch der Immunitätsvogt in erster Linie der
Vertreter des Immunitätsherrn selbst in Kechts- und Waffengang: die allge-
meinsten Pflichten sind also genau dieselben wie bei der freien Markvogtei
und bei der Fronhofsvogtei*.
1) S. dazu oben S. 1031 ff.
-) Dazu s. noch aus später Zeit WSPaulin Mesenicli § 4, G. 6, 543: ob ein mis-
thätiger mensch alhier gegriffen oder gefunden würde, denselben sol mein Junker von Pirmont
handhaben [und von] wegen des abts, und m. h. abt nit, weilen daß er ein geistlich man
ist und ihm das nit geziemet.
^) Doch blieb die Immunitäts- bezw. später die Hochgerichtsvogtei keineswegs blofs
auf geistliche Herrschaften beschränkt, wenn diese auch stets den Hauptherd für diese Er-
scheinung bildeten. So konnte es z. B. in Hochgerichten freier Markgemeinden Hoch-
gerichtsvogteien geben, s. oben S. 189.
*) S. dazu G. Alberonis c. 25, MGSS. 8, 256, 1148, Erzbischof Albero ermahnt vor der
Schlacht bei Treis gegen den Pfalzgrafen die Seinen: Respicite hoc signum crucis, hoc, in-
quam, signum terribile adversariis Ihesu Christi, hec est crux, in qua Herimannus comes pa-
latii mihi iuravit fidelitatem, die illa, qua advocatum ecclesiae nostrae ipsum constitui , die,
qua illas vires il lamque potentiam ei contuli, per quam modo nie infestat. tunc predixi ei
in hac cruce esse de ligno domini, in quo ille, cuius hec sacrosancta refulget imago, de
hoste humani generis triumphavit, multorumque sanctorum venerabiles reliquias in hac cruce
indicavi contineri. ipse vero palatinus tenens manum super hanc sanctam imaginem iuratus
est michi in haec verba: hunc dominum, hunc pro nobis cmcifixum, do vobis, domine archi-
episcopc, fideiussorem, et iuro vobis per eins virtutem, quod nunquam aliquid contra vos
— 1113 — Die Vogtei.]
Im besondern aber ergeben sich folgende Funktionen. Der Vogt hat
innerhalb der Innnunitätsherrschaft den Bann bezüglich aller Verbrechen,
welche an Hals und Haupt treffen, also für blutige Wunden, Mord und Tot-
schlag, für Friedensstörung, Raub und Diebstahl^ Dazu kommt bisweilen
noch ein Bannrecht auch für Erbe und Eigen, dessen Behandlung man da,
wo neben vielen Grundhörigen — also für Erbe und Eigen Baudingpflichtigen —
noch wenige Freie im Immunitätsbezirke safsen, notwendig dem Hochding
zuweisen mufste^. Ferner hat der Vogt die gerichtliche Zwangsgewalt hier
und da auch für Versetzung von Grenzsteinen, Feldfrevel u. dgl. : also für
jNIarkvergehen, welche bei der Loslösung der alten Markdingkompetenzen aus
den Hundertschaftsdingen vielfach nicht ausgelöst, sondern der Hochdingver-
fassung inhärent geblieben waren ^. Endlich aber kommt das Hochding, für
welches der Vogt den Bann hat, innerhalb der Immunitätsverfassung auch als
Obergericht über den Baudingen oder Grundgerichten als Untergerichten in
Frage : in dieser Eigenschaft konnte es u. a. auch für Klagen des Immunitäts-
herm wegen Baunachlässigkeit in den Fronhöfen zuständig sein*. Der Bann
des Vogtes erstreckte sich auch auf diese Kompetenz des Hochdings; der an-
geführte Kompetenzfall aber ist deshalb besonders wichtig und hier betont.
faciam, et quod in omnibiis vestris necessitatibus cunctis viribus meis omnique potentia mea
vobis fideliter assistam. S. auch MK. ÜB. 1, 406, c. 1130, Prüm: quisquis huiusmodi iuris
est — constringat.
^) In den Maximiner Urkunden werden genannt furtum, seditio, temeritas, latrocinium.
S. ferner Lac. ÜB. 1, 84, 134, 1103, Essen: manuum truncatio vel armorum proclamatio.
Ennen, Qu. 2, 99, 91, 1216—1225: tres mansi . . bona non erunt onerata iure advocati, ita
videlicet, quod de bonis illis advocatus nee hospitium nee petitionem, nee aliquam exactionem
poterit exigere, nee liomines ecclesie trahere ad iudicium, quod vulgo dicitur denc inde renc,
nee aliquod ratione bonorum illorum eis gravamen inferre. . . . sed iudicabit de maleficiis
ibi perpetratis, scilicet de furtis et sanguinis effusione circa seculares personas, prout iustum
fiierit. WWincheringen 1494 § 7 : was das hogericht [von SSimeon] zu W. antreffen mag,
von heupt, von halsgebeine, geselde, blodich wonden, waifen, geschleige, uberbracht zu
kennen und zu entschlagen, das hört alles den voigten zu, und mogent und sollent die voigt
davon richten.
2) Lac. ÜB. 1, 131—2, 203, 1064 — 6, Vogtrecht für das neugegründete Siegburg: sta-
tuimus vero advocatis, quos [Anno von Köln als Gründer der Abtei] . . previdimus, ut semel
in anno ad loca sibi prescripta conveniant et pro iustitiis faciendis placita teneant, sie tamen,
ut ipsi cum abbatis consilio eifusionem sanguinis, furta , violatam pacem, hereditatis conten-
tionem iudicantes sua tertia content! sint, neque ipsam tertiam nisi de his rebus, quae in
placitis advocati ventilentur vel de placitis inducientur, requirant; cetera omnia abbatis ar-
bitrio cum suis disponenda relinquant, ita ut in abbatis potestate sit a persona familiae qua-
libet pro libito supplicium sumere, si in aliquo iustis eins imperiis presumpserit contraire.
WWincheringen 1494 § 18 (s. dazu den § 7 des W. in Note 1): ob die lüde zu W. wur-
den dedingen umb unseren garten houfsteden und daz daruf steit binnen den zinnen zu W.,
das höret vom- die voigde oder ire amptlude.
3) So z. B. in SMaximin. S. dazu oben S. 269 f.
*) So ebenfalls in SMaximin nach den Vogteiweistümern von angeblich 1056, 1065,
1112 usw.
Lamprecht, Deutsches Wirtschaftslehen. I. 71
[GrundlieiTlichkeit und Vogtei. — 1114 —
weil er zeigt, auf welche Weise der Immunitätsvogt über das Hochding hinaus
Beziehungen zu den Fronhöfen entwickeln konnte, deren Endresultat bei
konsequenter Ausbeutung nichts anderes als eine Absorption der lokalen Fron-
hofsvogteien sein konnte.
Kommen wir indes auf die Hauptbefugnis des Vogtes, den Blutbann,
zurück. Seine Verleihung lag in der Hand des Königs ^ : der Vogt trat also
über den Kopf des Innnunitätsherrn hinweg in direkte Beziehungen zum
obersten Hort des Rechtes und der Gerichtsverfassung. Entsprechend dieser
hohen Anknüpfung gestalteten sich die Bannkompetenzen des Vogtes sehr viel-
seitig aus. Und zwar in dreifacher Weise. Dem Vogt stand zunächst die
Gefangensetzung und die Verwahrung der Missethätigen zu^. Weiter war er
Gewalt- und Schirmherr des Hochdings: er safs das Schwert zur Seite oder
mit halbgezücktem Schwerte neben dem Inmiunitätsherrn als Gerichtsherrn ^,
schützte das Ding vor allem Angriff von aufsen und verbürgte die richtige
Anwendung der Beweismittel. Darum war er auch der Leiter des gericht-
lichen Zweikampfes *. Endlich nach gesprochenem Urteil fiel ihm die Exekution
zu^, in diesem Punkte verschmolzen die neuen Rechte der Immunitätsvogtei
und die alten Pflichten des karolingi sehen Advocatus.
i)MR. ÜB. 1, 166, 926: der Vogt Wohnar von SMaximin, cui Wormatie in publico
mallo officium advocationis traditum est ab Henrico rege. In MR. ÜB. 1, 167, 926 heifst es:
cui W. i. p. m. ab Henrico rege ministerium advocationis traditum est. MR. ÜB. 1, 345,
1056: advocatus vero (Giselbertus : dafür in der Urkunde von 1112 Willihelmus comes), qui
in presentiarum est, aliique successores ipsius, qui bannum a regia manu susceperint . . MR.
ÜB. 2, 37, 1095, Echternacher Vogteiw. : quod nulluni legittimum placitum ulli advocato de-
beant, nisi qui bannum ab imperatore habeat. MR. ÜB. 1, 406, c. 1103, Prüm: advocatus,
qui bannum ab imperatore sive a rege acceperit . . . S. auch Waitz, Vfg. 7, 341 f.
2) S. Bd. 3, 22, 23, 1262; WWilwerscheid 1507, G. 2, 391: und wan geschieht, daß
ein mißthädiger mensch begrilfen, den solle man dem vogt lieberen, der solle ihnen bewahren,
sollen die nachbarn ihme helfen. WMandern 1537 § 16: die Herren von Filzberg sind rechte
Vögte des Abts SMaximin dar zu richten über halz und boech und alle boeßen, doch vor-
behalten nachfolgende artikul und scheffen erkentenus, den mistedigen menschen anzugrifen
und in gewaersam zu foeren und zu rechtfertigen.
3) Bd. 3, 80, 21, 1280; WMeckel 1669 § 1: der Yogtherr sitzt im Gericht mit ge-
wapender haut, mit halben gezücktem schwert. WLangenfeld § 5, G. 6, 557, Gerichtsherr
der Graf von Blankenheim und Gerolstein: wanehe ein graf zu Gerardstein auf einem wissi-
gen jahrgeding in Langenfeit das gericht besitzen wil, daß alstan ein voigt zu Schönecken
neben wolgemeltem grafen sitzen und ein schwert an seiner selten haben sol. darnach sol
wolg. graf fried rufen und der voigt den tag und alle tage, die gehalten von allen gewaltigen
Sachen, schützen und schirmen; und weisen also den voigt vor einen gewaldherren.
*) S. MR. ÜB. 1, 406, c. 1103, Prüm.
^) MR. ÜB. 1, 345, 1056, SMaximin: si quis propter furtum vel latrocinium [captus
aut iusto iudicio diiudicatus vel: fehlt 1112] dampnatus fuerit, substantia illius et omnis pos-
sessio abbatis erit, advocatis vero de homine, quod [iustum est aut quod: fehlt 1112] sibi et
aliis comprovincialibus suis melius visum fuerit, agere licebit. WWilwerscheid 1507, G. 2,
391 : m. h. der abt mag einen vogt haben, welcher die vogtei von seinen wegen empfangen
solle, deshalben, ob iemants so weit mishandelt und begriffen wurde, daß er von dem leben
_ 1115 — Die Vogtei.]
Als SehinnheiT des Dinges war clor Vogt natürlich Befehlshaber des
Dingvolkes, soweit dasselbe noch nach der Väter Weise bewaffnet, als Kriegs-
mannschaft, zum Hochding zog; das Dingvolk huldete ihm daher auch^
Die Konsequenzen dieser Stellung für die militärische Gewalt des Vogtes
lassen sich ohne weiteres voraussehen; sie werden sehr bald genauer er-
örtert werden.
Als Emolumente für die Mühewaltung des Vogtes finden sich von vorn-
herein zwei Leistungen. Einmal die Ül)erlassung eines Drittels von den
Früchten der Rechtssprechung nach dem Muster der fränkischen Grafen-
besoldung ^. Ferner, analog den Servitien der freien Markvogtei und der
Fronhofsvogtei, ein Servitium, dessen Höhe in den einzelnen Immunitätsherr-
schaften sehr verschieden bemessen sein konnte und auch innerhalb derselben
Grundherrschaft schwankte, je nachdem der Vogt zu gebotenem oder unge-
botenem Dinge einritt ^. Daneben findet sich bisweilen auch noch eine Dienst-
zum tot geurtheilt würt, das solle der vogt lassen thun, so mein herr geistlich ist. Ein
Zeichen zunehmender Initiative des Gerichtsherrn zeigt WRapwiler 1547 § 2: ab einer den
leib vermacht hette, sal m. h. probst [von SSimeon] richten bis uf den dritten sprossen, und
die vogde fort bis zum dode.
1) WHoenningen 15. Jh. § 38—39, G. 6, 659: wir wisen vur recht, dat ein eiklich
man, die jair ind dach binnen dem gerichte van Hoinghen waeneftich is of van hilige daran
bestaedt wirt, unsen vurs. heren van sent Cunibert ind iren gevv^isligen veden hulden sal an
dem neisten hoegedinge, nae ailder gewoenden ind herkomen. item bekennen wir ind wisen
vur recht, dat ein eiklich man, die hulden sal, vur dat hoegedinge sal komen in der zit, as
der vait zu ungeboidenen gedinge sitzt, ind sal sinre vingere up die heiigen liegen ind swe-
ren, als hemae geschreven steit : van diesem dage viu^wartz ind alle diesin dach hude sal ich
sin hoult ind getruwe u. h. van sent Cunibert ind iren wislichen veden, ind sal zo alre zit
wragen ind vortbrengen, dat ich weis dat weder den hoef is ind weder dat gerichte, nae
minen besten sinnen, als mich derghen maent, die mich van rechte maenen sal. alsoe helpe
mir got ind die heiigen.
2) S. oben S. 207, ferner MR. ÜB. 1, 406, c. 1103, Prüm: quidquid vadimoniorum
constituitur , dispositis ad arbitriiun abbatis sive procuratoris ipsius vadimoniis due partes
abbati, tertia advocato persolvatur. WHamm 1339 : wat unses hern amptman dat jair uover
ainme gerichte indingit, des sint zwo deilin unser hern und das dritte deil des voides. ouch
wat der voit indingit zu den drin dingin, des is das dritte deil sin, und die zwo deilen
unses hern. Vgl. auch ME. ÜB. 2, 37, 1095, Echternacher Vogteiw.: si quis infregerit ban-
num, quod theothonica lingua burgban dicitur, pro quo 60 s. solvuntur, duas partes fiscus,
tertiam accipiat advocatus.
3) Lac. ÜB. 1, 118, 186, 1056, Klotten an Brauweiler: Sicconi vero comiti, qui . . ad-
vocatiam a palatino comite . . Richeza petente suscepit, tale servitium tribus tantum tem-
poribus anni sibique succedentibus advocatis constituit. Bei jedem Placitum 1 mo. tritici,
1 mo. siliginis, 5 s. pro carae aut porci vel oves 5 s. valentes, dazu den entsprechenden
Wein ; 5 mo. avene. Es sind 2 Placita angenommen zu Johanni und im Herbst. Dabei fällt
noch zu Johanni pabulum in gramine von einer Wiese. Si autem abbas in autumno illuc
eum advocaverit, prandium ei det et 30 d. aut pannum, qui tantum valeat, 2 hircinas pelles
vel 20 d. et ceram 20 d. UlMettlach No. 13, Roden 12 d, 15 Hufen: ad servitium advo-
cati de predicta villa RODEXA in natale domini porcum valentem 12 nummos, mo. 1 fru-
menti, tritici et siliginis pariter, amphoram vini, mo. avene ad pabula equorum; in pascha
71*
[GrunclheiTlichkeit und Vogtei. — 1116 —
Vergütung in Form eines Servitiiims für den Fall erschwerter Rechtsvoll-
streckung ^ Das Servitium wurde nun entweder direkt vom Immunitätsherrn
hezw. dessen Meiern gezahlt, oder aber das Dingvolk wurde mehr oder weniger
durch Auflage fixierter Leistungen an der Zahlung beteiligt^.
War nun die Immunitätsvogtei in der eben festgestellten Abgrenzung,
selbst vorausgesetzt, dafs sie den ursprünglichen Amtscharrtkter bewahrte,
ihren Kompetenzen nach haltbar? Widersprach nicht die Teilung der Funk-
tionen des Richters bei Gerichtsvorsitz und Gerichtsschutz bezw. Gerichts-
exekutive, wie sie zwischen Immunitätsherr und Immunitätsvogt stattgefunden
hatte, in gleicher Weise der Tradition wie jeder gesunden Konstruktion der
Gerichtsverfassung? Mufsten nicht die Vögte jene volle Gerichtsherrlichkeit
zu erwerben trachten, welche sie sonst in allen Hochdingen in einer Hand
vereinigt sahen?
Das ist in der That das letzte Ziel der immer ungestümer andrängenden
vogteilichen Tendenzen: die Vögte wollen Gerichtsherren werden. Freilich
direkt und voll haben sie dies Ziel wohl nur sehr selten erreicht^, doch auf
amphoram vini, 6 d. carnes, dimidium mo. frumenti, tritici et siliginis insimul, pabiilum
4 equis; in pentecoste ovem 1 valentem 6 nummos, panes 12 tritici et siliginis, 3 sext. vini,
2 sext. pabuli, et custodes equorum per noctem. MR. ÜB. 1, 406, c. 1103, Prüm: curtes
etiam determinate, que advocato integrum servitium debent, scripto mandate et sacramento
firmate he sunt, videlicet: Mettendorf, Rumaresheim, Prumia inferior, Gunninbretch, Birges-
bura, Walmeresheim, Sephirno, Merniche, Sueche; iste autem dimidium persolvunt servitium
scilicet: Ulmizo, Suevirdisheim, Buodenisheim, Morlbach, Deinisburo, Heribesbanefeth, Luch,
Mersche, Huttingen, Nanzenheim, Badenheim, Eddelendorf. integrum quoque servitium erit
mo. unus tritici, situle vini due, porcus unus 12 d., porcellus 1, galline 2, mo. avene 3;
dimidium vero servitium erit mo. dimidius tritici, situla vini 1, porcus 1 6 d. , gallina 1,
avene mo. et dimidius. Lac. ÜB. 1, 450, 1174, betr. Abtei Siegburg: sitque servitium, quod
abbas advocato in unaquaque die placiti dare debeat, duo mo. tritici, am. vini, due am. cer-
visie, porci duo valentes duos s., porcellus d. sex, anseres duo, pulli quatuor, ova viginti,
avene mo. sex. in Gulsa tantundem, excepta cervisia, que non habetur ibi. in Bettindorp
tantundem. in Strala mo. tritici, porcus valens s., porcellus d. sex, anser unus, pulli duo,
ova decem, situla vini, am. cervisie dimidia. in Olma tantum.
^) Cantat. s. Huberti c. 5, MGSS. 8, 572, c. 1060: de [iurisdictionis] quaestu communi
advocatus obsonium debitum accipiebat, et si minus proveniret, ecclesia illud supplebat. prae-
terea si quem rebellem advocatus ad iustitiam faciendam compellebat, decatervam suam ac-
cipiebat.
^) MR. ÜB. 1, 406, c. 1103, Prüm: ad tria placita, que praediximus, unum servitium,
que post pascha debetur, ab abbate accipiat, duo, que familia sibi debet, taliter exibeat
unusquisque de familia: obolum 1 in epiphania domini, alium in feste sancti lohamiis bap-
tiste ad semtium advocati persolvat. S. dazu MR. ÜB. 1, 38, angebl. 887, Fälschung
12. .Jh. Anf. : in [tribus placitis] unum servitium ex parte abbatis fiat, reliqua duo familia
exhibeat, advocatus autem se caveat, ut non ultra quam cum 12 hominibus mediocriter ser-
vitium accipiat. quodsi advocatus ab abbate supra ista tria placita ob aliquam auditionem
[erg. etwa invitatur], ipse abbas ei de suo serviat ; si vero advocatus a familia [invitatur], inde
senitium accipiat.
^) Dagegen entwickelten sie nicht selten aufserhalb der alten Immunitätsgerichtsbar-
keit eine volle Konkurrenzgerichtsbarkeit gegenüber dem Immunitätsherrn. Ein hervor-
— 1117 — Die Vogtei.]
dem Wege zu ihm hal)eii sie fast durchweg uiehr oder miuder weittrageude
Fortschritte gemacht.
So tasteten sie zunächst die Leitung des Gerichtsverfahrens durch den
Gerichtsherrn an: speziell die Gottesurteile, bei denen es sich ja um Blut
handelte, suchten sie der Einwirkung des Imnumitätsherrn gänzlich zu entziehend
Ferner schoben sie sich mit neuen Rechten in die Gerichtsverfassung ein: sie
suchten die Ernennung des Gerichtsboten an sich zu reifsen^ und sie setzten
hier und da eine Vereidigung der Schöffen in ihre Hand durch ^. Auch ihre
ragendes Beispiel bietet Bd. 3, 81 § 6 f., 1280; 97 § 4 und 5, 1291. Vgl. dazu schon MR.
ÜB. 1, 406, c. 1103, Prüm: nuUus servientium abbatis pro culpa aliqua in domum advocati
vel usquam pro gratia sua acquirenda sive ratione reddenda veniat, sive rationem reddat,
nisi in praesentia abbatis in placito publice; sed neque mansionarius aliquis nisi in curte,
ad quam pertinet.
1) S. MR. ÜB. 1, 38, angebl. 887, Prümer Fälschung 12. Jh. Anf.: (advocato non) li-
ceat . . duellum componere interius aut exterius sine abbatis aut eins fidelium praesentia.
Dazu vgl. WRommersheim 1298 : vortmehe hait der scheffen vur vol gewist edel und unedel,
aef einiche wort sich verliefen, die aen einem kampen treffen, it were zo Roemmerschem uf
in anderen unsen hoefen der epdien van Prume und vadien van Schoenecken, die sal der
hoifscholtes und dat gericht und die ganze hoeüe sicher werden, aef si kunnen ; aef si it neit
mechtig weren aef sin, soe sal ein overster scholtes mit deme gericht in deme hove die lüde
leveren und antwerden eime apt van Prume in sin sloiss und neit eime vaide; damae mag
und sal der overster scholtess eins aptzs den warf machen doen uf iei beider koste, und sal
der warf sin echt und vierzich voess lank und echt und zwenzich voeiss breit, und sal ir ein
den anderen wisen mit eime kolfen und mit eime Schilde of mit zwein geliehen metzeren
of mit zwein glichen swerderen of mit zwein geliehen Spesen, soe wie ir moitwille si darzo
verdreit; und den kamp sal ein overster scholtes und ein vait schirmen van eins aptzs wegen
van Prume, und nit van eins vaitzs wegen van Schoenecken.
2) CRM. 4, 328, 1472 : so hait ein vait macht die dri gerichtsboden zu Zelle zu Merle
und zu Punderich zu setzen, die ime verbuntlich sullent sin mit dem eide, und gift inne dez
zo lone iglichem 2 som. korns und 1 bürde wins. WRommersheim 1450 § 1, G. 6, 580:
doe haut die scheffen gesait, man sulle z'irst einen boeden machen, e man einich gericht
forter besitze, doe hait si der schulteß gemaent, wie man dan einen boeden machen sulle?
daruf haut sich die scheffen beraden und doe geantwort, as si der schulteß gemaent habe,
so wisen si, daz man dri faidman darstellen sulle, und darus sal man einen boeden nemen.
kan man darus geinen genemen, der nutze si und dem heren genoige, so sal man aber dri
ander faidman darstellen, bis der here einen geneme, der iem genoige. und wen man dan
einen baeden macht, dem sal man den staf in die haut geben, und da sal min here van
Prume ader sin schulteß van sine wegen die haut aben an den staf halten, der faid van
Schonecken unden und der boede midten, und neman sulle me daran tasten. WDensborn
1534, G. 2, 566: beruren den hotten, die kiesonge stehe dem herrn des slofs Densbur und
die eidunge eime herrn apt zu Proeme zu nachfolgender wise zu, das ein apt zu Proeme,
nachdem hotte gekosen vom vurs. heni des slofs Densbur ist, neme einen wißen stab aller-
underst bi der erden, und ein herre, so das vurg. sloß Densbur uf- und zuthut oder sleußt,
zu alleroberst, und darnach derihenig, so zum hotten gekosen, in der mitte, alsdan wirt ime
der eit von vurg. herrn apt gestaept.
^) CRM. 4, 328, 1472: alle scheffen in dem Hemschen gericht sollent dem voit ver-
bindlich sin mit dem eid, und sin ime auch schuldich sin vaitgedinge helfen zu besitzen den
[Grundherrliclikeit und Vogtei. — 1118 —
Yollziehuiiusgewalt zu erweitern waren sie bestrebt, indem sie zu Gunsten der-
selben die Disziplinargewalt des Imniunitätsherrn über seine Grundhörigen an-
fochten und günstigenfalls wohl auch beseitigten ^
Und wie wurden von ihnen erst jene finanziellen Rechte ausgebeutet
und erweitert, welche die Exekution im Hochgericht mit sich brachte. Die
Bufsen sollten durch Erhöhung einträglicher gemacht werden^; entsprechend
den gräflichen Gerichtsfronden wurden Vogteifronden verlangt^; wie der
Hunddingherr leicht einen Wildbann fiir Jagd und Fischerei entwickelt hatte,
so suchte ihn auch der Vogt zu erlangen^; sogar vogteiliche Grundzölle
iieheren maiidag na dem halben meie. doch so hait ein vait macht den tag zu lengen zu
siner gelegenheit.
^) MR. ÜB. 2, 37, 1095, Echternacher Vogteiw. : quod advocatus nulkim debeat \)er-
cutere et male tractare absque iudicio. MR. ÜB. 1, 38, angebl. 887, Prümer Fälschung
12. Jh. Anf. : advocato nullo modo conceditur, quemquam in sua advocatia verberare aut ton-
dere, nisi si in homicidio aut in furto aut in latrocinio aut pugna culpabilis extitit. MR. ÜB.
1, 406, c. 1103, Prüm: nullum verberare vel tondere sine abbatis vel fidelium suorum pre-
sentia et socionun suorum iudicio presumat; et si se culpabilis redimit, pretium dividant
[abbas et advocatus]. S. auch Lac. ÜB. 1, 132, 203, 1064—6, Siegburg: in abbatis potestate
sit, a persona familiae qualibet pro libito supplicium sumere, si in aliquo iustis eins imperiis.
presumpserit contraire.
2) S. oben S. 207 , ferner Cantat. s. Huberti c. 5, MGSS. 8, 572, Zeit Abt Renuards
(um 1060): eius adhuc tempore vigente publici iuris iustitia in tota abbatia nullus advocatus
alicui placito intererat, nisi tribus generalibus in anno, in hiis si quod vadium proveniret
iudicio scabinorum, eorum quoque arbitrio determinabatur solvendum, non ad voluntatem do-
minorum, sed ad possibilitatem personarum. MR. ÜB. 2, 37, 1095, Echternacher Vogteiw.:
ut quicquid in placitis deponitur, secundum posse, qui deponit, misericorditer ab exactore
vel villico assidente advocato vel eius ministro cum scabinorum consilio disponatur; et due
partes fisco, tertia advocato solvatur. — Auch ein Recht auf konfisziertes Gut wurde von
den Vögten geltend gemacht, s. MR. ÜB. 2, 37, 1095, Echternacher Vogteiw.: si in furti
crimine aliquis ex familia ecclesie deijrehensus et convictus fuerit; quicquid possederit, fiscus
obtineat, für secundum iudicum decreta legibus subiaceat.
^) MR. ÜB. 2, 37, 1095, Echternach: Henricus comes Conradi pie memorie comitis
filius Bertrami defensoris nostre ecclesie circumventus et deceptus consiliis muneribus et
fraudibus ius advocati in aratura et messione innumeris a dive memorie abbate Reginberto
servitiormn et donorum impendiis redemptum et regali concessione traditum nobis abstulit.
MR. ÜB. 1, 403, c. 1103, Prüm: unusquisque de familia diem 1 in anno operetur advocato ad
Prumiam sive ad Ham et nusquam alibi. WLangenfeld § 5, G. 6, 557, der Vogt ist Gewalt-
herr des Ilochdings: des sol er haben alle gewöhnliche dienst im hof Langenfeld mit sack
und mit beutel auf haus Schönecken, und sol ein voigt oder hofsbot in stat seiner dem höf-
ling zurafen. Von hier aus war natürlich ein Verschwimmen der vogteilichen Rechte in die
gmndherrlichen leicht gemacht, s. z. B. Baur, Hess. Urk. 1 S. 50, 1274, Ebersbacher Güter
in Bünsheim: de omnibus bonis . . ratione advocatie nichil iuris inantea eis [dem Vogte]
competat quoquomodo, et quod nichil amplius habebunt in illis, sive in precariis seu exacti-
onibus, hospitiis, que vulgariter dicuntur herberge, tritico, denariis, melioribus capitibus post
mortem principalis persone, viro, qui dingman vocatur [Pflicht zur Stellung eines Schöffen],
pullis carnisprivialibus, vecturis cuniuim et equorum et aliis, que advocati et patroni sive de
facto solent requirere vel de iure.
*) CRM. 4, .328, 1472: hait ein vaid maicht zu jagen hoe wiltbreit, als wit und fere
_ 1119 — Die Vogtei.]
kommen vor^ Und weiterhin galt es, das Servitium auszudehnen. War es
ursprünglich nur auf die drei ungebotenen und die vom Imnuuiitätsherrn etwa
geforderten gebotenen Dingtage berechnet gewesen, so suchte man j(^tzt die
Zahl der Dingtage eigenmächtig zu vermehren, oder man erzwang durch
Ausbleiben ihre Vertagung und mit der Vertagung ein weiteres Servitium 2.
Vor allem aber bot die teilweise Leistung des Servitiums in einzelnen Ab-
gaben der Grundholden sofort den Anlafs, ein Bederecht für dieselben zu be-
haupten und ihnen aufserdem durch gewaltsames Einlager beschwerlich zu
fallen^. Unter diesen Einwirkungen w^aren Bede und Servitium, wie wir bald
das Hemsche gericht gelt, als wail ein herre van Brunsliorn. Audi die dru fiscliewasser
gehorent zu der obg. vaidie . ., diese dm wasser sal nimands fischen, dan allein der vaid.
*) CRM. 4, 328, 1472: was wine in dem Hemschen gerichte geladen oder gescliraden
werdent, ist von iedem boden 1 alden hl. schuldich zu Zelle, das fass si klein ader groiß,
und zuschent sant Renieis dag und sant Mertins dag ist der zol zweifeltig. item schiffen im
Hemschen gericht, das da leit oder entleit, 1 alten hl. item karren und wagen, die da laden
oder entladen, auch 1 alten hl. zu Zelle.
2) Das ergiebt sich aus Nachrichten wie MR. ÜB. 1, 345, 1056, SMaximin : addimus
etiam nos et nostra imperiali auctoritate firmissime interdicimus , ut nullus advocatorum ali-
quod placitum preter tria iure debita in abbatia habeat. MR. ÜB. 2, 37, 1095, Echter-
nach: si die constituta (advocatus) non adfuerit et pridie legatum non miserit, qui eum vel
in utilitate regni vel loci nostri occupatum esse certissima fide veritate confirmet, placitum
et servitium non restituant, neque si die dominica vel celebri festo dies placiti eveniant.
MR. ÜB. 1, 406, c. 1103, Prüm: advocatus, qui bannum ab imperatore sive a rege acceperit,
tria sola placita in anno statutis in locis habeat. MR. ÜB. 1, 38, angebl, 887, Fälschung
aus dem Beginn 12. Jhs., Urkunde Karls III. : firmum et stabile statuimus edictum de advo-
catis praedicti monasterii, üt in sua advocatia placita non habeant per circulum anni, praeter
tria iure debita, ubi quidquid vadimoniorum constituitur, primitus duae partes abbati solvan-
tur, tertia advocatis concedatur. MR. ÜB. 1, 425, c. 1112, Laach: ad placitum . . [advocatus]
nunquam veniet, nunquam considebit, nisi a fratribus si res ita poposcerit invitatus fuerit.
cum vero invitatus venerit, subscriptum tantum servitium a fratribus habebit: duo mir. ad
panem vespere unum mane, ad pabulum equorum 10 mir. hieme 5 aestate, duos porcos 5 s.
vespere unum 30 d. mane, hamam vini vespere dimidiam mane. WRommersheim 1298 :
vortme so sal ein overste scholteis eins abts gebieden ein iardink in ieclichme [hove], in
eime zuvor und in dem anderen na, und sal gebieden doin eime vaide, dat he dar kome,
und sal hoiren allet dat recht, dat man eime abt wiste, und ensal der vait den scheffen niet
manen. were sache dat der vaid nit enqweme, so sal der overste scholteise dat geriechte uf-
slain over vierzehn tage, kumpt er dan niet, so sal und mach der abt af sin scholteis
[Bl. 52 a, bis hierher Hand 15. Jhs. 1. H.] dat gedinknis aver ufslaen vierzhendage, enkumpt
he darnahe neit, soe sal und mag der apt aef sin scholtes sine scheffen manen und sin ge-
dinknis volfuren, und sal eins vaits van Schoenecken dan neit langer warten, und sal dae-
mit eime vaide von Schoeneck neit unrecht doen. S. schon oben Cantat. s. Huberti c. 5, MGSS.
8, 572, ca. 1060, cit. S. 1118 Note 2, sowie oben S. 207.
•^) MR. ÜB. 1, 240, 973, für Trier: nullus paratas in eorum [archiepiscoporum] pri-
vatas audientias exactare presumeret; s. dazu MR. ÜB. 1, 322, 1045 die Phrase iniustas ex-
actiones requirendas. MR. ÜB. 1, 345, 1056, SMaximin: nullus [advocatorum] hospitia vel ser-
vitia in curtibus abbatis aut fratrum sive a rusticis [sive a villicis] violenter exigat, nullus
eorum per inscisiones aut petitiones homines gravare . . presumat. MR. ÜB. 1, 388, 1093?:
der Laacher Vogt nee aliquando in bonis ecclesiae hospitando aecclesiam vel familiam eins
[GruncllieiTliclikeit und Vogtei. — 1120 —
sehen werden, spätestens um die Mitte des 11. Jhs. schon zur unerträglichen
Last geworden ; die Imniunitätsherren durften von Glück sagen, wenn es ihnen
gelang, die hergebrachten Ansprüche der Vögte durch Vereinbarung zu mindern
und zu fixierend
Aber aufserhalb der direkten exekutorischen Funktionen hatte die
Banngewalt dem Vogt zugleich auch zu einer militärischen Stellung verhelfen:
er war der Führer des kriegerischen Dingvolks ; als solchem huldeten ihm die
Gerichtsmannen. Was war natürlicher, als dafs der Vogt auch aufser dem
Gerichtsverhältnis der Heerführer des Dingvolkes ward, soweit dasselbe
überhaupt noch aufgeboten wurde? In der That finden sich dementsprechend
einzelne Immunitätsvögte im Besitz der Kriegsgewalt ^, wenn auch ihr Auf-
gebotsrecht auf gewisse Zeit beschränkt ist. So konnte z. B. der Echternacher
Vogt für bestimmte Zwecke einen Auszug auf zwei Tage gebieten^. Aber
freilich: die Kriegsfähigkeit der Immunitätseingesessenen ging verloren, und
so war' dies Recht des Aufgebotes von keiner grofsen Bedeutung mehr. Dies
ist w^ohl der hauptsächlichste Grund für die Erscheinung, dafs wir später nicht
selten doch noch Immunitätsherren, womöglich unter Ausschlufs einer vogtei-
lichen Einhuldigung des Dingvolkes ^, im Besitz des veralteten Aufgebotrechtes
treffen-^. Um so gründlicher wufsten die Vögte die nutzbaren Rechte der
gravet nee iniusta servitia ab ea neque violentas exactiones, quas precarias vocant, aliquanclo
exigat. MR. ÜB. 1, 434, 1116, Heinrich V. für Maximin, Immimitätsurkunde : precipimus
etiam, ut nullus advocatus in curias abbatis ac fratrum temere introeat, aut a villicis eorum
servitia violenter exigat, vel a reditibus et prebenda eoriindem fratrum sibi serviri precipiat.
1) Dazu s. Düsseldorf St. A. Pant. Or. 28, 1189, cit. oben S. 629 Note 5, 636 Note 2;
lehrreich ist ferner Lac. ÜB. 1, 365, 1149: der Vogt von Hirzenach non gravabit ecclesiasti-
cam familiam vel aliquem de familia communi seu privata petitione, nee stativam per noctem
apud prepositum habebit sive apud aliquem e familia, nisi forte prepositus pro aliqua iustitia
facienda accessiat eum. et tunc neeessaria ministrabit ei; quod et quilibet de familia
faciet, si vocaverit eum. Der letztere Satz wird nun folgendermafsen ausgeführt : in festo
beati Martini singuli hereditatem habentes dabunt advocato sext. pabuli et unum d. , non
habentes vero hereditatem singuli nummum unum tantum. proximo autem die post idem
festum denuntiabit, qua die velit haberi mallum suum: quem semel tantum habebit in anno:
et tunc dabit prepositus loci unius mir. panes et duorimi s. carnes, duas ydrias vini, ut cum
scabinis et ceteris amicis suis honeste valeat convivari, et duo mir. pabuli. S. auch CRM. 4,
328, 1472: zwei foder wins genant der rauchewin gebent die Hemsche lüde [Leute im
Hamme] in dem gericht um den leger und herberge, die ein vait in dem Hemschen gericht
plag zu hain. WHamm 1339 sind es 4 Fuder von der herberge.
2) S. Waitz, Vfg. 8, 129.
^) MR. ÜB. 2, 37, 1095, Echternacher Vogteiw. : affirmaverunt idem nobihores et
maiores natu, ecclesie nihil amplius erga advocatum sui esse iuris, nisi pro utilitate et de-
fensione ecclesie nostre per duorum dierum spatium cum suis stipendiis ire; et si comes
[i. e. advocatus] aliquam in vicino urbem, que contra regnum et locum nostrum sentiat, ob-
sederit, pro eius amore et honore per duos dies militare.
^) WRommersheim 1298: vortme haet der scheffen vur vol gewist, dat alle vaitlude
und ander hide, die gesessen sin in der apdien von Prume, suUen bullen und sweren eime
apt van Pmme getruwe und holt zo sin und eime vait van Schoeneeken nit.
^) S. WRommersheim 1298: haet der scheffen geweist, aef einlebe herschal in dat
— 1121 — Die Vogtei.]
Kriegsgewalt, die Heersteueni, zu absorbieren: Paraveredi, Hostilicia, Ein-
qiiartiemngsrechte, kurz alle Arten von Kriegslasten zogen sie in den Bereich
ihrer Einnahmen ^
Eine Vergegenwärtigung der bisher erörterten vogteilichen Befugnisse in
ihrer Ausweitung von einem ursprünglich viel geringeren Kernpunkte aus
läl'st nicht verkennen, dafs der schliei'sliche Umfang dieser Befugnisse schon
kaum mehr dem alten Amtsbegriffe der Vogtei entsprach: ein so vervoll-
ständigtes Amt war schon zu einem Komplex von Pflichten und Rechten ge-
worden, der sich nur noch als Grundlage einer Macht zu eignem Rechte
denken liefs.
Und eben diese Entwicklung hatte denn das Vogtamt, ähnlich der Ent-
faltung der Markvogtei und der Fronhofsvogtei, allerdings genommen: es war
erst zum Lehnbesitz, schliefslich zum Erligut geworden.
Noch in der ersten Hälfte des 10. Jhs. begegnet die Immunitäts-
vogtei durchaus als Amt^, und noch bis über das 11. Jh. hinaus wird im
Zusammenhang mit älteren Zuständen in grofsen geistlichen Immunitätsherr-
schaften die Forderung aufgestellt, die Vogtei sei durch freie Wahl und Be-
lant queme . . ., so sullen alle diegliene volgen, die in der epdien sitzen und in der vadien
gesessen sint, die wasser und weide nutzent und liulde gedaen haent eime apt von Prume,
die sullen volgen van einer nonen zo der anderen uf ir kost und verlost, als auch vurs. ist ... .
vort ist geweist vur vol, aef eime apt van Prume of sime goitzhuis einiclie noit aengeinge,
it were van raufe ader van brande aef van welicherleige schaden is geschege, wie balde si
dat vernemen, dan sal ein overscher scholtes af ein hoefsscholtes of der froenboede die
docken aenzehen in allen hoven der epdien van Prume und vadien van Schoenecken, und
sallen der namen und schaden naevolgen die alden und die jungen [Kopie 16. Jhs. hat
weiter: die einen spiess of einen kluppel of ander gwer gedragen muegen], und unsem
scholtesen zo volgen van [einer] nonen zo der anderen uf ir kost schaden und verlost; und
wer herweder streifde uf des ungehorsam were, der were umb die hoegeste boesse, die
sal ein hoifscholtes penden mit deme froneboeden, die boess sal ein apt van Prume
und ein vait van Schoenecken deilen, des is eins apts zwen pennink und eins vaitz
der dritte. Kremer Or. Nass. 2 No. 165, 1285, werden als vom Ravengiersburger Vogt zu
Unrecht beanspruchte Abgaben zusammengestellt nahtselde herberge dinetspenninge fuder-
havere. WArenberg und Mühlen 1463: u. gn. herr von Triere . . ist . . ein oberster herre,
und clockenclang und nachfolgange ist sin und nimands me. . . vort so sint die von Helfen-
stein vogde über hals über buich über mistedigen etc. W. No. 2 Briedel, G. 2, 416: wir
weisen alle gebot und verbot u. gu. h. und niemands mehr und allen auszog und inzog und
den herkommenden man, auch alle klockengeleut , ohne das gericht, das weisen wir dem
jonkheren von dem Oberstein, der ein vogt zu Briedel ist, derselbig ist über hals und haupt.
1) MR. ÜB. 1, 313, 1040: der Vogt soll nicht parafredos sibi sumere. MR. ÜB. 1, 345,
1056, SMaximin : (nullus advocatus) in [1. : sibi] pecora illorum aut paraveredos tollere presumat.
IVIR. ÜB. 2, 37, 1095, Echtem. Yogteiw.: quod advocatus nulli debeat equum suiun per vim
et potentiam tollere. MR. ÜB. 1, 406, c. 1103, Prüm: [advocatus] nulli hominum ecclesie
parefredum sive bovem aut vaccam vel porcum, ovem seu vestimentum vel aliquid in domo
sua aut in agro seu in prato vel vinea potestative auferat.
2) MR. ÜB. 1, 166, 926: officium advocationis ; MR. ÜB. 1, 167, 926: ministerium
advocationis.
f
[Grundlierrlichkeit und Vogtei. — 1122 —
stallung des Immimitätsherrn zu besetzen ^ In Wirklichkeit jedoch neigte die
Vogtei schon seit der zweiten Hälfte des 10. Jhs. zur Verlehnung bezw. zur
Vererbung. Der sicherste Beweis hierfür liegt in folgender Erscheinung. So-
lange die Vogtei durchaus Amt war, mufsten die gröfsten in ihrem Grund-
besitz und ihrer Fronhofsverwaltung weithin zerstreuten Immunitätsherrschaften
darauf ausgehen, für die einzelnen Gegenden gesonderte Vögte aufzustellen:
auf diese Weise konnten die imnmnitätsherrlichen Interessen am besten ge-
wahrt werden. Dementsprechend findet man in den grofsen Immunitätsherr-
schaften um die Wende des 9. und 10. Jhs. stets eine Mehrzahl von Vögten^.
Allein diese Mehrzahl verschwindet in unserer Gegend für Prüm um 970^, für
SMaximin wohl etwa um dieselbe Zeit * ; an ihre Stelle tritt der 6me bisher speziell
im Sitze der Immunitätsherrschaft beschäftigte, besonders vornehme Vogt, der
advocatus edilis-^ oder advocatus monasterii yiaz e^oyj^v ^. Dieser Übergang ist um
die Mitte des 11. Jhs. ganz allseitig soweit vollzogen, dafs ein Immunitätsvogt als
selbstverständlich gilt: bei Neugründungen von Klöstern um diese Zeit denkt
man überhaupt nur noch an Aufstellung 6ines Vogtes^. Wie ist nun dieser
spätestens um Mitte des 11. Jhs. abgeschlossene, um etwa 970 beginnende
1) S. Lac. ÜB. 1, 76, 125, 994; MR. ÜB. 1, 234, 970, fiir SMaximin: ut idem abbas
eiusque successores advocatias habeant qnibus velint dandi quibusque velint tollendi. MR.
ÜB. 1, 261, 990, für SMaximin: abbas sibique commissa congregatio eonimque successores
potestatem habeant advocatias monasterii sui cui velint dandi cuique velint tollendi. Lac.
ÜB. 1, 84, 134, 1003: advocatus [von Essen], quem abbatissa et congregatio eiusdem loci in
lioc opus elegerit . . , non in civitate abbatisse Astnida, sed foris extra civitatem in iudicio
presidebit, cum ipsum pro manuum truncatione vel armorum proclamatione contigerit. MR.
ÜB. 1, 360, 1065, Immunität für SMaximin: abbas sibique commissa congregatio eorumque
successores potestatem habeant, advocatias monasterii sui cui velint dandi, cuique velint
tollendi; et ut nulla cuiuslibet iudiciarie dignitatis persona in curtibus eorum placitum habere
presumat. Die Maximiner Urkunden sind Fälschungen aus dem Anfang des 12. Jhs.
2) S. z. B. MR. ÜB. 1, 162, 919, Prüm: ut abbas suos advocatos habeat licentiam
statuendi sine regis presentia in cuiuscumque comitis mallum voluerit. S. dazu oben S. 1110
Note 2.
3) Vgl. MR. ÜB. 1, 180, 943; 181, 943; 190, 948—50; 219, 963; 235, 971.
*) MR. ÜB. 1, 216, 963 : K. Otto II. befreit einen Untergebenen des Klosters SMaximin
ab Omnibus advocatis. Advocatiae sind ferner noch MR. ÜB. 1, 261, 990 genannt, sogar
noch MR. ÜB. 1 , 360 , 1065 , hier aber wohl formelhaft. Zudem handelt es sich um Fäl-
schungen.
^) Stumpf Acta imp. No. 20, 981 : Prüm tauscht per manus eiusdem monasterii ad-
vocati [so für advocatum zu lesen], Harperni videlicet edilis advocati.
®) MR. ÜB. 1, 211, 963: Hilderadus als monasterii advocatus von SMaximin, vgl. auch
MR. ÜB. 1, 255, 981: signum Sigefridi comitis et rerum sancti Maximini advocati; dazu MR.
ÜB. 1, 273, 996.
'^) Lac. ÜB. 1, 131—2, 203, 1064-66. S. auch noch MR. ÜB. 1, 430, 1115: Theo-
derico comite de Ära summo advocato [Prumiensis monasterii]; ferner Toepfer ÜB. 1, 2,
1197; wohl auch *0r. Koblenz St. A. (1207), vgl. MR. Reg. 2 No. 1028: Himmerode in
strittigen Eigentumssachen betr. den Killwald vor Gericht vertreten durch den iconomus,
quem vulgo appellant dincvoigt.
1123 l>ie Vogtei.]
Wechsel zu erklären ? Doch wohl nur so, dafs die Beamtenqualität der Vögte
anfing- zurückzutreten, dals der Hauptvogt anfing sich als ständige Macht zu
fühlen und dals er die Beseitigung der Lokalvögte auch schon gegen das
Interesse des Innnunitätsherrn durchzusetzen wufste.
Sind derartige nur vermutungsweise zu erschli eisende Vorgänge in die
zweite Hälfte des 10. Jhs. zu setzen, so liegt die weitere Entwicklung bis
zum vollen Ahschlufs der vogteilichen Selbständigkeit klarer vor uns: im
J. 1030 erscheint an der Mosel das erste Vogteilehen \ um die Mitte des
11. Jhs. wohl die erste Erbvogtei^.
^) ME. ÜB. 1, 302, 1030: advocatiam predicte ciiiie et aliaruni . . 4 in feodo a me
[aichiepiscopo] tenebat. S. ferner Westd. Zs. Bd. 2 KoiTbl. No. 218, 1215; MR. ÜB. 2, 46*,
1171: eo beneficio excepto . . videlicet advocatia de Witlich; MR. ÜB. 3, 870, 1246: erste
erhaltene Belehnungsnrkimde für eine Vogtei (ins advocatie in Wetzflaria); vgl. dazu die sehr
interessante Urk. MR. ÜB. 3, 1338, 1256. S. auch noch CRM. 3, 32, 1309: der Abt
von SMaximin beurkundet, dafs der Wildgraf Friedrich von Kirberg advocatiam de Simern
cum universis et singulis suis pertinentiis , que a nobis et nostro monasterio in feodum ab
antiquo dependet, recepit et recognovit a nobis, prout et sui progenitores fecemnt, in feodum,
adhibitis solempnitatibus debitis et consuetis. et nos predictam advocatiam cum suis per-
tinentiis premissis in feodum contulimus comiti antedicto ipsumque investivimus de eadem.
Zum Schicksal einer Lehnvogtei vgl. *Scheckman Spec. feud. C 2: domicelli de Kriechingen
domini in Pittingen suscipiunt in feodum advocatias in Loncquich Kirsche Loesch et
Memink cum earum pertinentiis, quas quidem advocatias domicelli de Smedburgh ab illis in
retrofeudum tenent, et licet ipsis homagii prestent fidelitatem nihilominus et huic monasterio
et abbati eins tamquam dominis directis et fundalibus eandem servare ac pei^cere astricti
sunt, harum villaram advocatias olim Giselbertus quidam de Smedburgh et Liefinudis
coniuges vendidenmt domino Rorico abbati pro mille ac semiquingentis fl. Renensibus ; quas
tandem Roricus abbas ex gratia speciali redimendas obtulit Ulrico et Friderico germanis
filiis predictorum coniugum octingentis fl. Renensibus reliquos semiseptingentos fl. Renenses
quitans et indulgens liberaliter, cuius rei gratia dicti duo fratres se directaneos et imme-
diatos constituerunt feudales, promittentes pro se et heredibus suis eorumque successoribus,
se nunquam contraventuros nee facturos feudalia onera portaturos ac iura tuituros, ipsos
abbaten! et conventum in dictarum villarum iurisdictionibus dominus libertatibus et posses-
sionibus permissuros ac defensuros , spondentes , si contra facerent quomodolibet in futurum,
posse et debere abbatem et conventum Maximinensem pro tempore libere apprehendere
advocatias sine ipsorum vel alicuius contradictione et resistentia; et si aliquando vellent
resignare feudum vel resistere premissis dictis, quod extunc infra mensem solvere tenerentur
remissos semiseptingentos fl., ponentes et eligentes in cohercitorem ultorem refrenatorem
domitorem eorum transgressionis insultationis vel omissionis reverendissimum dominum Wer-
nerum de Falkenstein archiepiscopum Trevirensium [1388—1418], pro suis vero subsequentibus
heredibus archiepiscopum qui pro tempore fuerit, ut quotiens requirerent ipse vel officiati eins
vindicarent abbatem, assentiente huic obligationi domino Wernhero archiepiscopo et appro-
bante pactum cum appensione sigilli sui in testimonium et robur omnium premissorum. hiis
per excelsum dictis ad Pittingenses et Kriechengenses revertatur: habent insuper advocatiam
in Kellen sub parrochia de Schombergh, decimam etiam in villa Walle cum iure patronatus;
item quitquid habent seu possident in villa Suell et in villa Rockingen.
2) S. Lac. ÜB. 1, 118, 186, 1051?: Richeza schenkt Klotten an die Abtei Brauweiler,
und das Castrum Kochem an ihren Neffen, den Pfalzgrafen Heimich, ea scilicet conditione,
ut quamdiu viveret, super ipsum praedium Clotono defensor et advocatus existeret, post
[Grunclherrlichkeit und Vogtei. — 1124 —
Mit dem Schlüsse des 11. Jlis. war dann die absolute oder feudale Erb-
lichkeit der Immunitätsvogteien ganz allgemein durchgesetzt: das folgt aus
den Schutzbestimmungen, welche bei Gründung neuer Klöster wie Laach,
Springiersbach, Rolandswerth, Hirzenach, Merzig seit der Wende des 11. und
12. Jhs. gegen die Erblichkeit der Vogteien getroffen werdend
Welche Konsequenzen ergaben sich nun aus der Entstehung der Lehn-
bezw. Erbvogtei in Verbindung mit der Konzentration der vogteilichen Funk-
tionen in der Hand öines Hauptvogtes?
Anfangs hielt der Hauptvogt nunmehr alle Dinge in der gesamten Im-
obitum vero suiim, si ipse hereclibus careret, proximus heres clomine Richezae . . advocatiam
super eadem bona haberet; si vero et ipsi heredes defuerint, Coloniensis archiepiscopus
eandem advocatiam tribuat cuicumque abbas et fratres petierint. MR. ÜB. 1, 512, 1139,
Schiffenbiu'g : quicumque heredum (donatorum) maior natu esset, super bona predicti loci
advocatiam hac lege teneret, ut fratres eosdem cum suis reditibus et familia ab omni iniuria
tueatur; nee aliam inde utilitatem vel servitium exigat aut exspectet, nisi ut per orationes
eorum eteme remunerationis premium consequatur. Aus späterer Zeit vgl. Bd. 3, 22, 19,
1262; CRM. 3, 253, 1274; zum Ausdruck Erbvogt WKonsdorf 1556 Einl. und § 1—5.
1) MR. ÜB. 1, 388, 1093?, Bestimmungen über die Vogtei von Laach durcb Heinrich
Pfalzgraf bei Rhein: advocatum vero non alium, quam me ipsum quamdiu vixero, huic
caenobio constituo, post mortem vero meam, quem fratres prefati monasterii sive ex pro-
vignis meis sive in provincia viribus et benignitate sed et subveniendi opportunitate magis
idoneum providerint, eiusdem monasterii familiis et possessionibus preficiatur advocatus, quod
dicitm' dinchvoit, si tamen hoc decretum et subscriptum se observaturum esse promiserit,
videlicet si bona aecclesiae viril iter tueri et familiam eius clementer et humane tractare
voluerit. noverit itaque omnino sibi observandum, ne advocatiam vel coniugi in dotem aut
alicui in beneiiciiun dare presumat, nee alium pro se substituat, cum sciat ins huius honoris
se hereditario iure non contingere, sed hanc provisionem pro remedio animae suae ad
tutelam monasterii de manu abbatis se suscipere. MR. ÜB. 1, 415, 1107, Gründung von
Springiersbach: nullus (canonicis) ab episcopo nisi iuxta electionem ipsorum advocatus con-
stituatur, nullus ex hereditate advocatiam eius loci querat, nisi fratrum assit petitio. Lac.
ÜB. 1, 301, 1127, Vogtei für Rolandswerth: super ipsius vero loci advocatia hanc legem
omniiun consensu et petitione in perpetuum prefiximus, ut ipsam advocatiam nullus unquam
hereditario iure possedeat, sed is sine omni contradictione statuatur, quem ipse abbas
cum sororibus concorditer elegerit. huic sanctioni ut formam daremus , Ottonem comitem vinun
sicut videbatur deiun timentem iuxta electionem eorum liberrimam advocatum eis prefecimus.
Lac. ÜB. 1, 365, 1149: der königliche Ministerial Erlolf hat Hirzenach gegründet; qui
videlicet locus dum per annos ferme sex sine advocato sub tutela tantum regia servaretur,
prenominatus abbas supradicto Erlolfo causa amicitiae nomen advocati concessit, ita dun-
taxat, ut nee ipse nee aliquis posterorum loci illius advocatiam quasi hereditariam sibi ven-
dicare possit, cum sicut iam diximus rex ipse legitimus ibi esse debeat advocatus. at si
forte postmodmn conveniret, advocatum loco constitui, uti non opus esset pro iudicandis
causis curiam regis totiens et totiens appellare, ne quoddam ecclesiastica familia preiudicium
per advocati violentiam pateretur, idem abbas, ut erat vir perspicacis ingenii, coUectis unde-
cumque quos prudentiores invenire poterat tam spiritualibus quam et secularibus viris pro-
penso omnium consilio ius (certum) illi ecclesiae iugiter observandum statuit. MR. ÜB. 1,
575, 1153, Gründung des Augustinerklosters Merzig: super hoc nullo advocato vel uUi
generaliter ecclesiastice vel seculari persone liceat aut in prefata ecclesia aut in prenotatis
possessionibus ius aliquod aut divinum aut humanum sibi vendicare.
— 1125 — Die Vogtei."!
iiiiinitätsheiTschaft persönlich ab\ Allein auf die Dauer zeigte sich hei grofsen
Herrschaften doch die Undurchfülirbarkeit eines solchen Vorhabens. Der
Hauptvogt muiste daran denken, seine Funktionen zu delegieren, er setzte,
oft von Fronhof zu Fronhof, Untervögte ein^. Diese etwa mit der Mitte des
11. Jhs. beginnende und bald radikal durchgeführte Verteilung der Vogtei-
funktionen war nun aber den Immunitätsherren durchaus nicht angenehm^.
tJberall zeigte sich infolge dieser Delegation ein vermehrter vogteilicher Ein-
flul's, und bei der Individualisierung desselben innerhalb jedes einzelnen Fron-
hofes lag eine Aufsaugung der gerade seit Anfang des 11. Jhs. weiter ver-
breiteten Fronhofsvogteien durch die Untervögte des Immunitätsvogtes aufser-
ordentlich nahe. In der That hatten vermutlich schon die alten karolingischen
Lokalvögte die Verwirklichung von Fronhofsvogteien erstrebt*, dann hatte
die ausgebildete Immunitätsvogtei diese Bestrebungen in erweitertem Umfang
aufgenommen^: und jetzt, nach Ausbildung der Untervögte, sollte das alte
1) Lac. ÜB. 1, 131—2, 203, 1064—66, Vogtrecht der neiigegründeten Abtei Siegburg:
nui' ein Immimitätsvogt ; die Gehöfer der Abtei aus einem Umkreis von 4 bis 5 Meilen um
Siegburg kommen in drei Turni an drei aufeinanderfolgenden Tagen zum Ding nach Siegburg.
Aufserdem werden Dinge noch in Bendorf, Güls, Straelen und Ollheim abgehalten. MR.
ÜB. 1, 406, c. 1103, Prüm: advocatus . . tria . . placita in anno statutis in locis habeat.
MR. ÜB. 3, 581, 1235: der Graf von Veldenz hat vom Stift Virten u. a. die advocatia
abbatie Tholei cum 18 curtibus suis zu Lehen.
2) S. MR. ÜB. 1, 430, 1115, ein Actum Münstereifel Theoderico comite de Ära summo
advocato ipsius loci [Prüm] existente, Rüdolfo subadvocato eiusdem ville. Interessant ist
auch USMax. S. 435, Schönberg 9a, wo zwischen comes (von Luxembm-g: Obervogt) und
advocatus (Untervogt) unterschieden wird; s. dazu Libellus de lib. eccl. Epternac, MGSS. 23,
69—70, 1192, cit. oben S. 881 Note 5.
3) S. z. B. Chron. s. Hub. 41, MGSS. 8, 591, 1081 : apud Calvitiacum advocatus quidam
Albricus nomine in exigendo sibi indebitas chorveias adeo imminebat ecclesiasticae familiae,
ut in arando vacca cuiusdam pauperis abortiret, eiusque vice per totum diem iugum sustineret
altrinsecus pauper. tantam tamque iniustam exactionem abbas audivit et Albrici inhumani-
tatem exhorruit, properans Divum Adelonem expetiit et, quomodo subadvocatus eins familiam
ecclesiae tractaret, satis dolenter ingessit, paratus probare huiusmodi angariam nee illi nee
alteri debitam. indignatus Adelo adversus Albricum, hoc illum fecisse erubuit et expostulatae
probationis diem abbati constituit. Heribertus quidam ammodum fidelis et probus erat tunc
Calvitiacensis villicus. hie die praefixa inter abbatem et Adelonem testiiicato legaliter
sacramento, idem sacramentum iudiciali examinatione per aquam confirmavit et advocatorum
violentas exactiones, maxime vero chorveias illi omnino indebitas comprobavit.
*) So wenigstens scheint mir zu deuten MR. ÜB. 1, 261, 990, für SMaximin: familia
abbati subiecta placitum nullius nisi abbatis vel ab eo constitutorum attendat, bannum et
fredum nulli nisi abbati persolvat, et nuUa cuiuslibet iudiciarie dignitatis persona in curtibus
eorum placitum teneat. Das kann doch nur ein Verbot an die Vögte sein, Baudinge
zu halten. Freilich ist die Urkunde in der vorliegenden Gestalt Fälschung.
5) Das ergiebt sich aus den folgenden Nachrichten: Lac. ÜB. 1, 118, 185, 1056: si
villicus vel de edificiis vel de agricultura placitum ibidem habuerit, nullam inde partem vel
iustitiam querat advocatus [Zusatz der andern Ausfertigung: similiter et de placito, quod
vocatur budinc]; MR. ÜB. 2, 37, 1095, Echternacher Vogteiw.: in placitis vero de privato
peculio et usufi-uctu ecclesie [advocatus] neque intersit neque quicquid inde accipiat. MR.
ÜB. 1, 406, c. 1103, Prüm: super officiales ministros et beneficia servientium et omnia iui-a
[GrundheiTlichkeit und Vogtei. — 1126 —
Ziel unerreicht bleiben? Wir werden uns in der Annahme nicht täuschen,
dafs aUmählich ein grofser Bruchteil der Fronhofsvogteien in die Hände von
Inuuunitätsuntervögten gelangt ist.
Natürlich widerstrebten die Immunitätsherren einer solchen Entwicklung,
welche ihre gesamte Gerichtsherrlichkeit zu so gut wie freier Verfügung des
Hauptvogtes stellte. Man verbot die Einsetzung von Untervögten ^ oder ver-
pflichtete, wo dies nicht anging, die Hauptvögte zur Übertragung untervogteilicher
Rechte auf den grundherrlichen Meier ^ oder wenigstens auf ein meist unter
Zustimmung des Grundherrn und der Gmndholden zu ernennendes Mitglied
der Hofgenossenschaft ^. Diese Verpflichtungen scheinen aber nicht viel genützt
zu haben, was bei dem Unvermögen des Immunitätsherrn, den Vogt zur
Durchführung seines Versprechens zu zwingen, sehr begreiflich ist. Zu einem
Erfolge des Immunitätsherrn auf diesem Gebiete war es eben unerläfslich, dem
Vogte eine konkurrierende immunitätsherrliche Macht gegenüberzustellen.
Eine solche wurde seit der zweiten Hälfte des 12. Jhs. in den damals
zuerst entwickelten Hofschul theifsen gefunden*. Indem der Immunitätsherr
die Gerichtsfunktionen zunächst des Fronhofs vom Meieramt trennte und für
et curtilia abbatis [advocatus] nullam prorsus constituendi destituendive potestateni habeat, iiisi
aUqua rebellio ibi fiat; s. dazu MR. ÜB. 1, 38, angebl. 887, Prümer Fälschung 12. Jh. Anf.: nee
quisquam potestatem habeat placitum teuere vel quicquam constituere super officiales vel mansa
seu omnia iura abbatis. Ferner MR. ÜB. 1, 406, c. 1103, Prüm: super bannum et licentiam
de vineis coUigendis et super piscationes fratrum nullam potestatem advocatus habebit.
WRommersheim 1298: vortme mach ein abt in allen hoven einen froneboden kiesin, als
dick des noit gebürt, und damide eime vaide nit unrecht zu dein, vortme halt der scheffen
vür vol gewiest, dat ein abt sal kesin vorster visscher und bümeister in allin hoüen, so wie
der hove gewainheit steit, und sal damide eime vaide nit unrecht doin. vort so halt der
scheffen gewiest eime abte den bienvünt, und dem vaide nit.
M MR. ÜB. 1, 406, c. 1103, für Prüm: nullus subadvocatus sive alia persona super
res et familiam sancti Salvatoris audeat placitare petitiones facere hospitia querere; s. dazu
MR. ÜB. 1, 38, angebl. 887, Prümer Fälschung 12. Jh. Anf.: decernimus quoque [Karl III,],
ut nulli licitimi sit sibi constituere quemquam, qui nominetur postadvocatus. Vgl. femer
MR. ÜB. 1, 432, c. 1112, Laacher Vogt: ne alium pro se substituat. Lac. ÜB. 1, 365, 1149:
der Vogt von Hirzenach nulluni officialem aut vicarium, nullum post se habebit advocatum.
2) MR. ÜB. 1, 432, c. 1112: der Laacher Vogt de placitis ad advocatum iure per-
tinentibus, ubi abbas duos nummos acceperit, tertius eins erit. in quo tarnen suscipiendo
vel in alio quolibet negotio cum familia ecclesie peragendo nullus alius minister advocati
neque vicarius neque subadvocatus preerit, nisi ille solummodo, qui villicus abbatis fuerit.
S. schon MR. ÜB. 1, 388, 1093? Eine Einwirkung der Meier wenigstens wird gewährleistet
MR. ÜB. 1, 434, 1116, Maximin: licet unaqueque pene villa contra iustitiam plures quam
necesse sit advocatos habeat, precipimus tamen, ut nullus ex illis preter unum aliquod
placitum nisi tria iure debita suo loco et tempore cum rusticis possideat: in quibus placitis
nichil retro vel ante, clam aut aperte sine villicis abbatis aliquo modo disponat.
^) Lac. ÜB. 1, 131—2, 203, 1064—6, Siegburg: [advocati non] subdefensorem
quenquam nisi abbatis electione et familiae collaudatione constituant. MR. ÜB. 2, 37, 1095,
Echtemach: quod non liceret advocato constituere ullum subadvocatum , nisi ex familia
ecclesie et per electionem et consensum eiusdem familie.
*) S. dazu oben S. 737.
— 1127 — Die Vogtei.]
ihre Vertretung" im Hofschiiltheifsen einen besonderen Beamten schuf, hatte er
eine Person in der Hand, welche er gegen den Untervogt l)isweilen l)is zur
völligen Verdrängung desselben ausspielen konnte ^. Ja noch mehr. Vereinzelt,
z. B. in Priim, schritt man sogar weiter bis zur Kreierung von Oberschult-
heifsen fort, denen ursprünglich nur die Vertretung des Hochgerichtsherni für
ge\Nisse Distrikte der Immunität oblag, deren Thätigkeit aber schliefslich sogar
Rechte wie Usurpationen des Hauptvogtes bedrohen konnte^.
Indes alle diese Mittel einer Reaktion gegen das Eindringen des Innnuni-
tätsvogtes in die Tiefen der Imnumitätsherrschaft hatten doch nur sporadisch
Erfolg: im ganzen begannen die Vögte bereits seit der Wende des 10. und
11. Jhs. reifsende Fortschritte in der Usurpation neuer Gewalten zu machen.
In dieser Hinsicht dringen die ersten Klagen aus der zweiten Hälfte des 10. Jhs.
zu uns herüber^, um etwa 1030 nahm die Plage dann überhand*, um die Wende des
11. und 12. Jhs. erreichte sie, scheint es, den Höhepunkt ^. Freilich nicht etwa in
1) S. z. B. WDrusenheim, G. 1, 734, cit. oben S. 736 Note 2; auch WLenningen 1560
§ 20 : erkent der scheffen auch mit recht, wan einer den leib vermacht hat, den sol der herr
schulteisz angreifen und zu Trier in den bruderhof lieberen, daselbst in den stock schlagen,
sol man im täglichs 2 schillingsbrod und ein biet wassers geben, bis dasz er verfaulet, sol
man die schenken über die mauer auswerfen. Hier ist gar kein Vogt vorhanden; der
Immunitäts- und Grundherr, das Trierer Domkapitel, kommt, wie man sieht, ohne solchen aus.
^) S. oben S. 734 f., dazu den ganzen Inhalt des WRommersheim 1298, sowie WDetzem
16. Jh., Trier Stadtbibl. 1642 Bl 75 a, cit. oben S. 1036 Note 4. Doch vgl. WRommersheim
1550, G. 3, 830, cit. oben S. 1041 Note 1.
3) S. MR. ÜB. 1, 214, 963; MR. ÜB. 1, 244, 973, Fälschung für SMaria ad mar-
tyres: Niemand soll quippiam iuris unquam a cottidianis claustri ministerialibus sive etiam
aliis hominibus per villam commorantibus expetere. Chron. s. Mich. Vird. 32, MGSS. 4, 84,
um 1035: einige Villae des Klosters prisco tempore duces, qui videbantur loci defensores,
patroni dicti vel advocati, loco subtraxerant , partim sibi retinentes partim suis militibus in
beneficio tribuentes.
*) Vgl. Lac. ÜB. 1, 106, 169, 1033: (advocatus) ecclesiasticarum rermn . . non modo
rectoribus, sed potius oppressoribus ; s. ferner Lac. ÜB. 1, 106, 170, 1036; MR. ÜB. 1, 313,
1040, SMaximin-Malmedy : ut advocatus eiusdem ecclesiae in cordibus ad locum respicien-
tibus non presumat mansuras aut paraturas facere, redibitiones freda exigere, aut placitum
teuere, aut parafredos sibi sumere sine permissu abbatis et voluntate. Damit hat die Kirche
immunitatem ab omni advocatorum infestatione.
^) Die V. Bald. Leod. c. 24 zeigt, dafs man schon um 1050 die Vögte scherz-
weise predones statt patroni nannte. Im einzelnen s. noch die oben S. 846 Note 5
citierte Stelle aus der inst. Hersf., MGSS. 5, 137; MR. ÜB. 1, 345, 1056?, Ur-
kunde Heinrichs III.: crebram et importunam querimoniam Theoderici reverendi abbatis
de cenobio sancti Maximini benigne suscepimus de multis scilicet oppressionibus , quas
familia sancti Maximini patitur ab advocatis et comitibus eam defendere magis quam dissi-
pare vel affligere debentibus, que non solum antiquis legibus destituta, sed ita potius in
servitutem advocatorum est omnimodis redacta, ut non quasi regalis sive regle dotis eadem
abbatia, sed ut propria magis eorundem advocatorum esse videatur ancilla. Lac. ÜB. 1, 169,
261, 1103: familia sancti Adalberti de parochia 0., que sita est in pago Ardenne, conductu
prepositi T — i et fratrum ad nostrum [Heinrichs V.] auxilium confugit, verbera, rapinas et
multas iniurias a subadvocatis suis eis illatas nobis deploravit . . . super inauditis iniuriis
[GrimdheiTliclikeit und Vogtei. • — 1128 —
dem Sinne, dafs von nun ab ein Nachlassen vogteilichen Andrängens zu be-
merken wäre; wohl aber lassen die geistlichen Immunitätsherrschaften seit
dieser Zeit in ihrer Offensive nach und halten sich unter beständigem Verlust
an Rechtsboden nur noch im Verteidigungszustand. Auf diese Weise mufste
es denn im Verlauf einiger Generationen zum völligen Sieg der Immunitäts-
vögte kommen: notum est, sagt eine Urkunde von 1197, eos, quos vocant
advocatos, in annis retroactis ecclesiarum extitisse tutores^
Bei diesem Vordringen der Vögte gewährt es immerhin ein Interesse, die
Defensivmittel zu mustern, deren sich die geistlichen Imnumitätsherrsehaften
ihnen gegenüber bedienten.
Zum bedeutendsten positiven Resultat führte hier eine Mafsregel, welche
mit am frühesten und allseitigsten durchgeführt wurde, die Exemtion der
direkten immunitätsherrlichen Diener- und Beamtenschaft von der Einwirkung
des Vogtes, also eine partielle Immunität wieder innerhalb der alten Immuni-
tät selbst 2.
Zunächst war dieser Exemtion das eigentliche Hausgesinde des Immuni-
tätsherrn unterworfen, also die niedere Ministerialität, wie sie oben S. 820 f.
geschildert ist. Sie bildete eine Genossenschaft nach Dienstrecht für sich mit
eigenem Ding und dem Dienstherrn als Richter; höchstens im Falle dafs
Blutsachen vorlagen war dem Vogt eine Einwirkung gestattet^. Im übrigen
iudicatum est in presentia nostra, quia post ducem unum solum advocatum, qui bannum
habeat a nobis, debeant habere, et in tribus solunimodo placitis generalibus in anno debeant
eum siiscipere et servitium ei dare. G. Trev. Cont. 1, 24, MGSS. 8, 197, um 1120: in
omni fere circaregione coeperunt viri nequam consurgere et res ecclesiae, quae ipsorum
defensioni et ut ita dicam advocatiae commissae fuerunt, barbarico more depopulari, quodam
comite Willehelmo, filio Cuonradi supramemorati comitis de castello quod vulgo Lucelen-
burch vocatur, ducatum illis praebente. Vgl. ferner auch Cod. üdalr. 45, 1095; MR. ÜB.
1, 406, c. 1103, für Prüm; MR. ÜB. 1, 416, 1108; MR. ÜB. 1, 423, c. 1112, für Laach;
Thiofrid. V. Willibrordi 38. Nach Cantat. s. Hub. 5, MGSS. 8, 572 freilich wäre um 1060
in der Gegend von SHubert Unterdrückung durch Vögte noch unbekannt gewesen. Doch s.
Cantat. s. Huberti 20, MGSS. 8, 579—580, um 1070: Th. advocatus ecclesiasticam familiam
quibusdam novis iniustitiis opprimere volebat, quod quia abbate viriliter obsistente evincere
non praevalebat, ut se de eo vindicaret, occasiones quaerebat. — S. auch noch Waitz, Vfg.
5, 253 Note 5, 268 Note 1.
1) MR. ÜB. 2, 171, 1197; s. auch MR. ÜB. 2, 157, 1196, cit. oben S. 681 im Text.
-) Zur Anwendbarkeit dieser Anschauung s. WHentern, und ebenso Wl^ampaden,
G. 2, 112: der Grundherr der Gesamtvogtei ist zugleich Hochgerichtsherr in einem kleinen
Teile derselben, Eder genannt, sonst aber liegt die Hochgerichtsbarkeit in anderen Händen.
^) ]MR. ÜB. 1, 345, 1056, SMaximin: (servientes vero, qui prebendarii sunt et: dafür
1112 praebendarii autem) qui fratribus infra claustrum 'serviunt, sive in ipso loco vel in
cellulis illuc pertinentibus id est Apula vel Tavena [quamvis iam diu destructis, deo tamen
nostroque et dilectissime coniugis nostre Agnetis imperatricis auguste si vita comes fuerit
auxilio patrocinante construendis et recuperandis : fehlt 1112] sive [qui foris vel intus: fehlt
1112] dagescalci [aut censuales, qui cereales dicuntur: Zus. 1112] vel pistores, bovarii aut
piscatores, coci aut lavatores [vel quicunque foris vel intus cottidiano servitio fratribus ser-
vituri sunt: fehlt 1112] nulli advocato vel hunnoni subiaceant, sed tantum abbati (suisque
— 1129 — Die Vogtei.]
aber war die Genossenschaft dingfrei vom Vogt und darum auch bedefrei ^
Nicht selten wurden ihr dann aucli die Wachszinsigen und sonstige besonders
gestellte Grundholde angeschlossen^, und aucli für diejenigen Gehöfer,
welche irgendwie direkt an den Immunitätsherrn zinsten, suchte man ein
ähnliches System der Exemtion wenigstens für diese Zinsverbindung durchzu-
drücken^.
Die Exemtion galt aber weiter auch für die gesamte höhere Ministerialität.
Schon im 10. Jh. besafs die höhere Ministerialität angeblich das Vorrecht, dafs
der Vogt das Ding über sie nur unter dem Vorsitz des Immunitätsherrn oder
eines besonders bevorzugten Mandatars desselben wahren konnte * ; gegen Ende
prepositis: dafür 1112: aut villicis suis) pro quibiiscunque culpis suis respondeant [vapulentur
aut evadent: fehlt 1112]. MR. ÜB. 2, 37, 1095, Echternacher Vogteiw.: quod cottidiani
servitores, qui ad coquinam, qui ad pistrinum, qui ad molendinum, qui ad lavatorium, qui
ad custodiam monasterii, qui ad quodque cottidianum fratrum servitium pertinent, nihil
(advocato) iure debeant persolvere .... quod in 24 dominicatis casis, que ad hortum et
cellerarium attinent et in hiis villulis, Erinza scilicet ac Luterburna, quarum altera ad lava-
torium, altera ad coquinam fratrmn servit, et in Bollendorf Steineim Beche et Erle nullus
advocatus debeat habere placitum et servitium, nisi pro monomachia et sanguinea percussura
et scabinis constituendis , nisi fuerit invitatus ab abbate vel preposito vel ab aliquo, qui
iustitiam obtinere non potuit a preposito vel villico; et a quo invitatur, ab eo servitium
accipiat. Vgl. auch oben S. 1042 Note 1.
^) Aufser den Citaten der vorigen Note s. auch noch MR. ÜB. 2, 4*, 1170, Raven-
giersbiu'g: si qui de familia ecclesie preposito aut fratribus in lavatorio, in coquina, pistrino,
molendino sive ligna aut frumentum ferendo vel agrum colendo aut in quolibet servitio cot-
tidiano deserviant, absoluti sunt ab omni petitione advocati et placitorum ratione. *Bald.
Kesselst. S. 431, Beschwerden Balduins gegen die Trierer Schöffen § 6: item drengen sie
unser ingesinde, daz sie vor dem schulteßen antwerten müßen, die doch billicher vor unserm
hovemeister oder unserm pallasmeister antwerten sollen, als iz von alder herkomen ist. Der
Schultheifs war vermutlich der Nachfolger des alten Iudex, entsprach also dem Vogt.
2) Vgl. den Zusatz der Maximiner Urkunde von 1112 zu der von 1056 (oben S. 1128
Note 3): aut censuales, qui cereales dicuntur. S. auch Kindlinger Hörigkeit S. 519, 1405:
Jemand ergiebt sich den Herren von Schöneck, als lange ich leben, zu rechter eigenschaft,
daz ich ire recht eigen angehorich arme man sal sin . . . also daz si mich sullent schüren
schirmen und verantwerten als andere ire eigen angehorige arme lüde, und darumb so sal
ich in alle jaire zu winaichten uf sanct Stephans dag geben und antwerten ^k gl. und iren
hof suchen uf denselben sanct Stephans dag zu Schonecke; und sal in vortme zu dienste
und zu gebode sitzen und gehorsam sin, als andere ire eigen angehorige armlude.
^) MR. ÜB. 1, 345, 1056, SMaximin: si quis ex [villanis vel: fehlt 1112] mansionariis,
qui circa lu'bem vel in aliis longe vel prope positis curtibus commanent , censum debitum,
qui ad usum fratrum cottidianum [sive in lignis aut in aliis quibuslibet rebus: fehlt 1112]
pertinet [neglexerit et: fehlt 1112] statuto die vel tempore non dederit, statim sequenti die
villicus abbatis vadimonium de domo ipsius sine advocato tale accipiat, cum quo illud, quod
ipse ad servitium debuit fratrum, plenissime persolvat, ceterum vero servitium eins in eadem
curte, in qua habitat, ab eo (prout iustum est: dafür 1112 secundum iudicium scavionum)
exigendo requirat.
*) MR. ÜB. 1, 261, 990, für SMaximin: advocati quoque constituti in villis eorum nee
cum hominibus illius loci, qui vocantur scararii, nisi in presentia abbatis vel eins prepositi
Lamp recht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 72
[GmndlieiTliclikeit iind Vogtei. — 1130 —
des 11. Jhs. reifte dieses Privilegium dann dahin aus, dafs die Dienstmannen
nur noch in Sachen ihres Dienstgutes und der Grundholden desselben unter
YOgteilichem Gerichtszwang standen mit der Beschränkung, dafs nur einmal
jährlich an einem bestimmten Orte in dieser Beziehung Ding gehalten werden
durftet Im übrigen aber standen die Ministerialen jetzt unter alleinigem
Dienstrecht des Immunitätsherrn, sie zahlten dem Vogt keine Bede^, und der
Immunitätsherr war Richter in ihrem Dienstding.
War aber so die Aristokratie der Grundholden dem Einflüsse des Vogtes
entzogen, so mufste dessen Hand auf dem Reste der Immunitätseingesessenen
um so schwerer lasten. Aber auch hier suchten die Herren zu helfen. Ihr
erster Blick wandte sich dabei auf den obersten Hüter des Rechts, den König.
Das ihm gegenüber eingeschlagene Verfahren schildert für frühe Zeit und in
klassischer Weise die Vita Deoderici I Mett. c. 11: (Deodericus episcopus.
placitum habere presumant bannumque in placito cum scarariis hominibus habito non advocatus
sed abbas accipiat.
1) MR. ÜB. 1, 345, 1056, SMaximin: servientes vero, qui scaremanni dicimtur, nulli
advocato [nisi abbati: fehlt 1112] subiaceant [nisi nostro successorumque nostrorum regali
vel imperiali dominio vel potestate nulli eorum pro quibuscunque culpis aut rebus respon-
deant: Zusatz 1112], nulli eorum serviant, nisi beneficia ab eis habeant aut abbas pro
necessitate et utilitate monasterii cum illis eos alicubi ire precipiat. advocatus vero (Gisel-
bertus; dafür 1112 Willihelmus comes), qui in presentiarum est, aliique successores ipsius,
qui bannum a regia manu susceperint, proxima die post festum sancti Maximini super
predia et mancipia eorum, qui ministri [vel scaremanni: fehlt 1112] dicuntur, illa sola die,
si festum celebre vel ieiunium non fuerit, placitabunt: sin autem, cum prima pulsata fuerit,
placitum intrabunt et usque ad nonam horam illud tenebunt, postea vero nuUum ibi diutius
Stare distringere poterunt. et quicquid ibi placitando adquisierint , due partes abbatis, tertia
eorum erit [die zweite Ausfertigung von 1056 fährt fort: nullumque alium post se ponere
presumat, qui vocetur postadvocatus]. eadem vero die abbas ipsi advocato, quicunque est,
servitium dabit, duos scilicet mo. panis, friskingos quatuor ovinos et am. unam vini; si
amplius habere voluerit, de placito habebit. MR. ÜB. 1, 406, c. 1103, Prüm: advocatus
placitum cum servientibus id est scarariis sancti Salvatoris semper post natale sancti Remigii
octava die in Merniche placitabit; eadem die ex parte abbatis iamdictum servitium integrum,
si venerit, accipiat, si autem non venerit, servientes de placito absolut! erunt et villicus de
servitio per totmn illum annum.
2) S. aufser den Citaten oben Note 1 MR. ÜB. 2, 4*, 1169: nemorum custodes
a sua petitione advocatus permittat immunes, nee eos ad sua vocet officia, quamdiu ecclesie
officia [Beyer officio] teneant. MR. ÜB. 2, 61, 1169—83, Hof Merzig des Erzstiftes: mini-
steriales autem nostri et officiales, scolteti forestarii bubulci piscatores et alii ad cottidianum
servitium nostrum specialiter deputati ab omni exactione [advocati] liberi erunt; ]\IR. ÜB. 2,
Xachtr. 2, 1192—1200, cit. S. 769 Note 3, wie die dort sonst citierten Belege; MR. ÜB. 3,
284, 1226, Urkunde Erzbischof Dietrichs: cum nee iure nee consuetudine sit obteutum, quod
homines sanctimonialium in Horreo Treveri, qui ab ipsis infeodati ratione feodorum suomm
cottidiana servitia debent illis. advocatis teneantur ad aliquam exactionem, deliberatione
prehabita statuimus et sub pena excommunicationis precipimus, ne ministeriales tales ratione
talium feodorum pulsari et inquietari debeant de cetero super prestatione aliquarum
exactionum. WRommersheim 1298: vortme so halt der scheflfen gewiest, [dat] alle dienst-
knechte und ledich knechte eime abte [zugehoeren] und ieme zu verantworten sullen stain
— 1131 — I>ie Vogtei.]
965—984) pro laicalibiis familiis [Mettensis] aeclesiae et contra superborum
insoleiitiani vel pravoriim iiiiiistitiam iuste et potenter satagebat eas iugiter
defensare . . . ne deesset eis contra iniqiiitatem iudicuni auctorale aeclesiasticae
libertatis suffragium, leges constitutas illis a prioribus regibus vel pontificibus
diligenter exquisivit, exquisitas in praesentia imperatoris recitavit, recitatas
edicto imperiali confirniari, scripto insuper et sigilli regalis impressione fecit
corroborari. Also feierliche Feststellung des alten Rechtes vor dem Könige
und urkundliche Bekräftigung desselben durch den König, das war das nächste
Ziel der Immunitätsherren. Natürlich erfolgte die Feststellung des Rechts-
inhaltes hier, wie bei Streitigkeiten zwischen Vogt und Grundherrn ^ durch
Weistum, und zwar in besonders feierlicher Weisung, wie sie die grofsen
Maximiner und Prümer Vogteiweistümer angeblich aus der zweiten Hälfte des
11. und aus der ersten Hälfte des 12. Jhs. genau beschreiben. Mit den zwanziger
und dreifsiger Jahren des 12. Jhs. aber verschwinden diese Bekräftigungen des
alten gewiesenen Rechts durch den König, und an ihre Stelle tritt regelmäfsig
die gleiche Bezeugung durch den Landesherrn, nachdem sie sich schon seit
Beginn des 12. Jhs. sporadisch vorgefunden^.
Hörten die königlichen Bekräftigungen seit etwa dem Beginn der Staufer-
zeit auf, vermutlich weil sie wenig mehr nützten, so tritt nunmehr an deren
Stelle ein neues vom König, in einzelnen Fällen auch vom Papste geliefertes
Defensivmittel, die jüngere Immunität. Über sie ist schon ol)en in anderem
Zusammenhange gesprochen^; hier erinnern wir uns nur, dafs ihre etwa seit
als lange, bis si uadie emphient: clan solent si eime vaide zu ebenste sitzen und eime abte:
were it sache, dat dieselbe ledich knechte enphiengen lehngüt, die sal der abt mitme
halme [belienen], und sullent eme dan zu dienst sitzen und dem vaide nit; hierzu Bd. 3, 72,
§ 3, 1291.
1) S. Bd. 2, 636.
2) S. Lac. ÜB. 1, 172 — 3, 267, 1106: der Erzbischof von Köln, ius ecclesie sancti
Gerrici [GeiTesheim] , quod sub manu advocatorum diutissime laboraverat, reformare cupiens
fideles ecclesie eiusdem in unum convocavi et, quod esset ius advocati, diligenter investigavi.
cum autem iudices sacramento constricti debitum servitium advocati coram omnibus exdixis-
sent, videlicet 14 s. tribus placitis legitimis tantum in unoquoque placito persolvendis , nos
nostro . . testimonio litterario cum impressione nostri sigilli volumus corroborari. MR. ÜB.
2, 4*, 1170, das Ravengiersburger Vogteirecht wird gewiesen vor dem Mainzer Erzbischof
in Mainz: homines illius ecclesie plures quam 100 sacramento confirmaverunt . ., patrem
(advocati) eundem modum in predicta advocatia tenuisse. Vgl. ferner noch MR. ÜB. 2, 296,
1211—12, cit. oben S. 178 im Text. Mit diesen Zusammenhängen verwandt ist auch Cantat.
s. Huberti 20, MGSS. 8, 579 bis 580, c. 1070: der Vogt von SHubert ad ducem Godefridum
maiorem se contulit, utque ad firmandum vallum castri sui Bullonensis exigeret iniustam
angariam de hominibus sancti Huberti, importune suggessit. Der Herzog fragt deshalb
beim Abt an. Abbas evocatis H. seniore castellano et E. G. R. et H. , perorante L. maiore
antiquas provinciae consuetudines, rei veritatem diligenter investigavit , et testimonio prae-
dictorum principum omnem familiam ecclesiae . . liberam esse . . comprobavit.
3) S. oben S. 1019 f.
72*
[Gnindherrlichkeit imd Vogtei. — 1132 —
]\Iitte des 12. Jlis. erfolgende Erteilung direkt gegen die Immunitätsvogtei ge-
richtet war^
Und neben dem besonders verbrieften Schutz des Königs tritt nun auch
hier, wie bei der Bekräftigung der Weisung, die landesherrliche Gewalt immer
mehr in den Vordergrund. Schon im Beginn der Stauferzeit finden sich ver-
einzelte Fälle, in welchen die Immunitätsvogtei einem hervorragenden Fürsten,
meist dem späteren Landesherrn direkt übertragen wird mit der Bitte, einen
Stellvertreter einzusetzen und dessen Verwaltung zu beaufsichtigen^: ein
Gedanke, der dann später, seit dem 14. Jh., einen allgemeinen Ausdruck
fand in der Anschauung, dafs der Landesherr der geborene oberste Vogt aller
Lnmunitätsherrschaften seines Territoriums sei^.
Wie aber, wenn der königliche wie der landesherrliche Schutz gegenüber
den Angriffen der Vögte versagte ? Man war dann auf sich selbst angewiesen ;
und es blieb nichts übrig, als zur Selbsthilfe zu schreiten.
In dieser Hinsicht besafsen die geistlichen Immunitätsherrschaften ein
anfangs sehr kräftiges Verteidigungsmittel in der Exkommunikation unter
gleichzeitiger Androhung der Absetzung*. Indes schon gegen Schlufs des
1) S. oben S. 1020 f., ferner z. B. Boelimer Acta imp. No. 137, 1179: Friedrich I.
nimmt SPeter-Kreiiznach in seinen besonderen Schutz, und dafs sich dasselbe munster und
closter faudirechtes zu nieman zu versieht und zu bezwange sol han. Zu den päpstlichen
Privilegien s. z. B. MR. ÜB. 1, 525, 1142, Innocenz IL für Arnstein: loci vestri advocatiam
nullus invadere vel usurpare presumat, nisi quem abbas et fratres secundum deum et ipsius
loci utilitatem providerint eligendum.
2) S. das besonders lehiTeiche Beispiel MR. ÜB. 1, 530, 1144: der Erzbischof von
Köln erhält die Vogtei über I^aach, unter der Bedingung, quod fratres [monasterii] . . in
capitulo eorum liberam habeant potestatem advocatum eligendi, qui proprie in vulgari dink-
voit dicitur, qui secundum tenorem privilegii Henrici fundatoris eiusdem loci hanc provisionem
de manu abbatis suscipiat ad tuitionem monasterii sepedicti pro salute anime sue; hoc
memoriter adiuncto, ut nullus successorum nostrorum alicui hominum advocatiam prenomina-
tam in feodo concedere presumat. hie autem, qui pro tempore advocatiam administrabit,
bona ecclesie fideliter debet tueri et familiam eins humane tractare. quodsi forte advocatus
timoris dei oblitus quod absit, quos fovere debuerat, violenter oppresserit et ammonitus infra
sex hebdomadas non satisfecerit, tandem apostolico et nostro anathemate percussus advo-
catiam amittat, et alium idoneum sibi fratres eligant, qui supradicta conditione eam admini-
straturus suscipiat.
3) S. oben S. 1068, auch WLeudesdorf 1382, G. 1, 831 : wenn der fait gewalt dede,
die sal u. h. von Trier und sin amptman abdoin, und sal ime seime stifte dem amptman und
der gemeinden das doin keren und richten. WArenberg und Mühlen 1463: queme der
[jemand aus dem Dorf] und wulte dedingen mit dem herren, und were is sache das die
von Helfenstein [die Vögte] hart hielten und wolden dem manne ader der personen nit ende
geben, so sulle der herre vom lande ime ende geben.
*) MR. ÜB. 1, 425, c. 1112: der Laacher Vogt ita . . agat et tam pium tam modestum
tamque benigniun fratribus et familiae se exhibeat, ut et honore nominis sui dignus existat
et pro officio fideliter amministrato aeternam a Christo remunerationem beata Maria inter-
veniente suscipiat. quodsi timoris dei oblitus, quos fovere debuerat, violenter oppresserit
et ammonitus infra 6 ebdomadas non satisfecerit, tandem apostolico anathemate percussus
— 1133 — Die Vogtei.]
früheren Mittelalters erlahmte die Macht des Bannes, und so blieb den
Ininiunitätsherren nichts übrig, als sich zur Defensive zu verbünden : die frühesten
erfolgreichen Schritte in dieser Hinsicht wurden in der ersten Hälfte des
13. Jhs. gethan^ Verfing aber auch dieses Mittel nicht, so mufste man, zog
man nicht gar den Abkauf der Vogtei oder einzelner Teile derselben vor^,
zu einem Vergleich mit dem Vogte die Hand bieten. Ein solcher Vergleich
endete dann meist mit einer weitgehenden Belehnung des Vogtes aus den
Mitteln der Innnunitätsherrschaft gegen das Versprechen, die Vogtei nunmehr
uneigennützig zu verwalten^. In der That war mit dieser Wendung den
Bestrebungen der Vögte teilweis Halt geboten, denn jeder Bruch des vogtei-
lichen Versprechens konnte nunmehr zu einer Anklage vor dem immunitäts-
herrlichen Lehnhof führen.
Aber war denn überhaupt mit der Möglichkeit eines Verkaufs das alte
System der Immunitätsvogtei noch haltbar? Wenn die Vogtei als gerichtliche
Nutzung veräufserlich war: lag es da nicht nahe, dafs die Immunitätsherren
sie ganz allgemein für sich ankauften, und die vogteilichen Rechte nun ihrer-
seits ausübten?
Diese Lösung wäre von vornherein die einfachste gewesen, wenn die mit
Vogteien ausgestatteten Immunitäten nicht fast durchweg geistlich gewesen
wären: eben die geistliche Qualität des Immunitätsherrn hatte ja zur Begrün-
dung der Immunitätsvogtei gefühii:.
Aber die geistliche Qualität verblafste allmählich. Zunächst bei den
advocatiam amittat et de propinquis eins idoneum sibi fratres eligant, qiii sub predicta con-
ditione eam amministraturus suscipiat. Auch einfache Androhimg der Absetzung kommt
natürlich vor, vgl. MR. ÜB. 1, 421, 1112; Lac. ÜB. 1, 192, 292, 1121.
1) S. MR. ÜB. 3, 744, 1242; vgl. auch Ennen, Qu. 2, 272—4, 278, 1248.
2) Dies und verwandte Mittel (Verpfändung usw.) sind namentlich seit Mitte des
12. Jhs. sehr beliebt, vgl. MR. ÜB. 2, 146, 1136—96; 21*, 1174: Erzbischof Philipp von
Köln hat die Vogtei in Rhens gekauft für 200 mr. ob importunitatem et intolerabiles
exactiones advocatorum. S. ferner MR. ÜB. 2, 165, 1197; 168, 1197; 171, 1197; 247, 1209:
Graf Gerhard von Are verzichtet unter bedeutenden Opfern des Klosters Laach auf die
Laacher Dincvoidie, vgl. a. a. 0. 248, 1209; 260, 1210; MR. ÜB. 3, 11, 1213; 12, 1213.
CRM. 3, 253, 1274: die Polcher Vogtei wird an den Grundherrn SMatheis für 200 mr. ver-
pfändet. CRM. 3, 584, 1380: Diederich von Rennenberg und die Brüder Friedrich und
Philipp, Herren zu Schönecken, verkaufen dem SPaulinsstifte bei Trier ihr herkömmliches
Recht zu drei Herbergen auf dessen Hofe zu Kerben, wo sie dreimal im Jahre zu 30 Per-
sonen und ebensoviel Pferden einkehren und sich beherbergen lassen konnten. *Scheck-
man Spec. feud. C 2: (advocatias in 4 curtibus sancti Maximini advocati) vendiderunt
domino Rorico abbati pro 1500 fl. Renensibus.
^) Hierher kann schon MR. ÜB. 1, 374, 1074 gezogen werden. Für später s. z. B.
*UMünstermaifeld, Hs. Koblenz CXI ^ Bl. 41 a , 1330, notariell beglaubigter Vergleich zwischen
Propst Elias und Ritter Dietrich Frie von Treis, betr. die letzterem von ersterem verlehnte
Vogtei Salmerohr. Der Vogt soll nicht mehr als 36 mir. bladi und 12 Ib. Treverenses
erheben, wozu er sich noch 8 mir. bladi angemafst hatte. Von letzteren giebt er 4 an den
Propst heraus.
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1134 —
geistliclien Fürsten, den Bischöfen und den Reichsäbten: sie können schon im
12. Jh. den Bhitbann besitzen und demgemäfs vogteiliche Funktionen versehend
Die Folgen sind namentlich für die Bischöfe sehr beachtenswert; sie werden
seit der Stauferzeit fast durchweg zu Vögten neugegründeter Klöster erwählt
und erhalten auf diesem Wege einen bedeutenden Machtzuwachs zur Begrün-
dung einer gröl'seren Landesgewalt ^. Dabei sind diese geistlichen Vogteien
keineswegs etwa blofs Schutzherrschaften, wenn diese Seite der Vogtei auch
anfangs besonders betont wird ^ ; sie sind nicht minder Hochgerichtsvogteien im
vollen Sinne der sonstigen Immunitätsvogtei *. Und im späteren Mittelalter
1) Für die Äbte s. MR. ÜB. 2, 108, 1190: die Äbte von Prüm erscheinen als advocati
et defensores von Niederprümschen Gütern; ferner aus späterer Zeit WSimmern u. Dhaun,
G. 2, 145. Für die Bischöfe vgl.:
2^ S. aufser oben S. 1132 Note 2 MR. ÜB. 1, 526, 1142, für Kloster Lonnich:
quia vero per advocatos multas ecclesias sepe gravatas, immo penitus adnichilatas vidimus^
ad conservationem eiusdem loci concernimus, ut nuUus ibi sit advocatus, sed potius sub
nostra [archiepiscopi] tutela nostrorumque successorum ea, que possident vel adepturi sunt,
inconvulsa nunc et in perpetuum permaneant. Vgl. dazu MR. ÜB. 1, 546, 1147, Urkunde Papst
Eugens III. : prohibemus . . , ut ecclesia vestra nulluni preter Treverensem archiepiscopum, qui
pro tempore foerit, babeat advocatum. MR. ÜB. 1, 505, 1152, Eugen III. für Wadgassen : ad-
vocatiam eiusdem loci nemo prorsus occupare presumat, sed tantum Treverensis archiepiscopus
qui pro tempore fuerit advocatus . . existat, qui tamen nichil de rebus ecclesie vestre in suos
usus infiectet nee aliquibus eam molestiis aut exactionibus fatigabit, sed in eins tantum obe-
dientia bumiliter persistetis. Ficker Engelbert d. H. S. 342 — 348, 1223, sehr umfassend über
die Siegburger Vogtei; die Mönche hatten die Erzbischöfe von Köln zu Vögten gewählt
gemäfs ihrem ursprünglich freien Wahlrecht. Honth. Hist. 2 , 121 , 1332 : Trier hat die
Vogtei von Wadgassen und Springiersbach. *Balduins Beschwerdepuncte gegen Trier 1351,
Bald. Kesselst. : der Erzbischof sei lehenherre und voit zu Triere und geistlich und werntlich
herre. WKlotten § 1 u. 2, G. 6, 536: zu Clotten ist ein erzbischof vait und die heren van
Bniwilre lehenherren. Aus späterer Zeit s. noch *W. SPeters Hochgericht zu Riol, 1460,
Arch. Maximin. 9, 596, § 2; WVilich 1485 § 3, cit. oben S. 1093 Note 2.
^) Ausiibung der Vogteirechte durch den Erzbischof von Trier für Himmerode MR.
ÜB. 2, 19*, 1173, und ebda. No. 20* mit der Begründung: licet ex iniuncto nobis ponti-
ficatus officio Omnibus nobis commissis debitores simus sua cuique iura servare, illorum
tamen, quos in continuo dei servitio desudare videmus, utilitati et paci curam propensiorem
exhibere debemus. Vgl. MR. ÜB. 2, 21*, 1174, Urkunde Erzbischof Philipps von Köln:
pei-pendentes non solum nobis incumbere, subditos prudenter et discrete regere, verum etiam
bona et possessiones eomm ab invasionibus multimodis tueri.
*) Lac. ÜB. 1, 459, 1176, Urkunde Erzbischof Philipps von Köln: ecclesia beati
Clementis in Rindorp predium quoddam habet in villa, que Ethedorp nominatur. huius
predii comes Robertus de Nassouve extitit advocatus, verum hanc advocatiam quidam Lode-
wicus de Gendertorp ab eodem comite Roberto infeodatus habebat. visum est autem tarn
fratribus quam sororibus iamdictae ecclesiae in Rindorp, propter insolentiam advocatorum
sibi et posteris suis fore profuturum, si neminem preter solum Coloniensem archiepiscopum,
quicunque ille sit, in hoc predio sive in alio habeant advocatum, nisi forte ab alia ecclesia
advocatum habente aliquod bonum post hec fuerint adepti. nobis itaque tam pro huius
ecclesiae quam pro ceterarum utilitate ex debito nostri officii laborantibus comes Robertus
et Lodewicus consilio nostro acquiescentes hanc advocatiam cum omni iure, quod in eodem
predio sc habere dicel)ant, sine omni exceptione in manus nostras resignaverunt et, heredibus
— 1135 — Die Vogtei.]
verbreitet sieh die Hochgerichtsvoiiteifähii>keit unter den Geistlichen immer
mehr, so.uar <ie wohnlichen Pröpsten wird der Blutbann gele^^entlich zugesprochen ^
Natürlich vei"fiel mit dieser Entwicklung der alte Begriff der Innnunitäts-
vogtei überhaupt der Auflösung: die Vogtei war nunmehr keineswegs blofs
noch Laienamt bezw. Laienrecht; ihr Besitz deutete überhaupt den Besitz der
Hochgerichtsexekutive innerhalb abhängiger nicht mehr direkt königlicher
Gerichte an.
Aber welche Gerichte waren denn überhaupt noch in der Hand des
Reiches? Die Teile der alten Gerichtsverfassung, welche neben den Immuni-
täten anfangs noch unversehrt stehen geblieben waren, hatten sich längst
schon der Verfügung des Königs entzogen; sie waren Eigentum zunächst der
Grafen und Hunnen geworden, und entsprechend anderen jurisdiktioneilen
Eigentumsrechten hatte man sie anfangs im ganzen veräufsert, später auch
zersplittert und von neuem zusammengesetzt, kurz sie so behandelt, dafs sie
in ihrer neuen Kombination häufig kaum noch an die alte Organisation er-
innerten, ihrem Charakter nach sich aber von den Gerichten der Immunitäts-
verfassung wenig mehr unterschieden.
Dabei war die verbreitetste Form der Gerichtsverfassung entschieden die
vogteiliche.
Es begreift sich, wie bei dieser Lage die Reste der alten Gerichts-
verfassung schon früh nach Art der Vogteien aufgefafst werden konnten, so
dafs es dem Sprachgebrauch bereits des hohen Mittelalters geläufig war, unter
Vogtei jede Art von Gerichtsbarkeit überhaupt zu verstehen^.
coheredibusque suis consentientibas, penitus et in perpetimm exfestucaverunt, 25 mr. et carr.
vini pro reconpensatione ab ecclesia prefata recipientes. S. auch nocli nebenher MR. ÜB,
2, 130, 1193: Schenkung an SThomas an der Kyll per manum des Erzbischofs Johann von
Trier als des Klostervogts.
1) WSPaulin Zerf 1380 § 1 u. 2, G. 6, 515: wisent die scheifen zu Cerve, daz der
probist zu sente Pauline habe zu Cerve gerichte, hoe und diefe, über hals und bein, embinnen
des eders ; . . dasselbe in vier Kammerforsten. S. ferner noch Ann. d. hist. Ver. f. d. Niederrh.
44, 189, imd auf ein Übergangsstadium hinweisend, WRapwiler 1547 § 2, cit. oben S. 1114
Note 5, auf S. 1115. Vgl. auch oben S. 189.
^) Vgl. CRM. 2, 319, 1285: ut autem iamdicta venditio rata et firma permaneat et ne
a quoquam inposterum possit infringi, presentes litteras sigillo nobilis viri domini lohannis
de Waldecke, sub cuius districtu et iurisdictione seu advocatia predicta bona sita sunt, pre-
fato thesaurario tradidimus communitas. Auch dachte man sich wenigstens der Hochgerichts-
barkeit Vogtei inhärent, s. aufser WBiwer 1580 § 1 auch WDaun 1466, G. 2, 606: der Hoch-
gerichtshen- soll die Gerichtseingesessenen schüren und schirmen vur raub und brant und
sunderlich alle diejhenen, die scheffen sin in sime hoegerichte, ire lif und gude vertedingen
und Schinnen, glich anderen sinen angehoerigen luden. Umgekehrt wird jede Gerichtsherr-
lichkeit als Vogtei gedacht, s. WChumbd, G. 2, 192—193: erkent das gericht vor gut den
gerichtsherren wasser und weit; und der armman, welcher im gericht sitzet, sol sie ge-
brauchen, und ob sach were daß der arme man überfahren würde in wasser und in weiden,
sollen die gerichtsherren ihn den armen man beschirmen und beschützen, daß er ihnen möge
ihren zins geben und ihnen fürter diene.
[Gruadherrliclikeit und Vogtei. — 1136 —
Von Einflufs auf diese Vorstellung mufste es vor allem sein, clafs sich
die neu emporkommende Landesgewalt zunächst auf dem platten Lande wie
auch in den Landstädten als Schinngewalt ausprägte : der Landesherr war der
oberste VogtM Vogtei aber war in so grofsen Verhältnissen ohne Gerichts-
barkeit undenkbar^. Und diese Vorstellung bleibt für die Landesgewalten
das ganze Mittelalter hindurch bestehen, wie ihr denn die Erinnerung zu
Grunde lag, dafs manche Territorialgewalt in der That fast nur durch Zu-
sammenfassung von Gerichtsvogteien entstanden war^; erst später lernt man
zwischen Landeshoheit und Hochgerichtsbarkeit, also voller Gerichtsherrlichkeit
scheiden *.
Wie aber die Vorstellung von der neuen Landesgewalt dazu führen
mufste, Vogtei und Gerichtsbarkeit überhaupt als innig verquickt, ja oft als
identisch aufzufassen, so nahmen nicht minder die Reste der alten staatlichen
Gerichtsverfassung vogteilichen Charakter an.
Vor allem gilt das von der Hunnengerichtsbarkeit: waren doch die
Immunitätsvögte als Hochdingsvögte direkt oder indirekt Rechtsnachfolger der
Hunnen^. So kann es nicht wunder nehmen, wenn die Maximiner Vogtei-
weistümer des 11. und 12. Jhs. Hunnen und Vögte ohne weiteres paralleli-
sieren^, wenn es ferner schon Lac. ÜB. 1, 139, 1003, heifst: populus advo-
catum nulluni habeat nisi centurionem, quem ibi constituit Tuitiensis abbas^.
Ja noch mehr: in einem Falle kommt es vor, dafs der Rechtsnachfolger des
alten Iudex, welcher ja für das Fiskusgebiet Hunnenstelle einnahm, Vogt
1) S. oben S. 1068, 1110, 1132, und ferner Stat. synod. 1227, c. 11 (Blattau 1, 26) mit der
Überschrift: Sequitur de nobilibus et advocatis. Im Text ist nur die Kede von den nobiles
et domini terrae. S. ferner Ces. Homil. 2, S. 15, cit. oben S. 657 im Text; CEM. 2, 376,
1298, cit. oben S. 773 Note 4; und aus späterer Zeit WBergpflege, CRM. 5, 113, 1538:
erkennen wir u. gn. herrn von Trier vur einen gewaltigen herrn dies lants und ein schirai-
herrn. — Weil der Landesherr als Yogt betrachtet wurde, so heifsen auch seine Statthalter
gern Vögte , das gilt sogar für die Reichsamtleute , vgl. Küster S. 73 ff. und J. Teutsch :
Die Reichslandvogteien in Schwaben und im Elsafs zu Ausgang des 13. Jhs., Diss. Bonn.
1880. Vgl. aus unserer Gegend Honth. Hist. 1, 832, 1300; König Albrecht setzt den Städten
Oppenheim, Boppard, Oberwesel, Frankfurt, Friedberg, Wetzlar, Gelnhausen den edeln Mann
Ulrich von Hanau als advocatus generalis et rector vor. S. auch WMehring 1548: vogt oder
stadtheiter von Prüm.
2) Daher denn jede grofse Vogtei bzw. Landesgewalt auch als iurisdictio bezeichnet
werden kann, s. z. Bi Lac. ÜB. 4, 645, 1202, aus der Arenga einer Urkunde des Grafen
Adolf von Berg (s. oben S. 675 Note 9) : iudices constituti sumus in terris ; s. ferner V. comit.
de Amstein: erant sub (comitis) iurisdictione Boppardia, Wesala, villa sancti Goaris, Laenstein
utmmque, Confluentia et aliae plures villae Rhenenses, et tota provincia, quae dicitur
Enrich.
^) Nach dem URheingrafen ist der Hauptbesitz der Rheingrafen fast der vogteiliche;
ähnlich steht es bei den Bolanden.
*) S. Honth. Hist. 3, 806, 1682.
^) S. oben S. 209.
ß) S. die oben S. 207 im Text citierte Stelle.
'') Auch ÄIR. ÜB. 2, 209, 1202 ist die Hunschaft im Sinne der Vogtei behandelt.
— 1137 — I>ie Vogtei.]
genannt wird, obgleich der Titel des Vogtes innerhall) der späteren Fiskus-
verfassnng sonst dem Vertreter der spärlichen Reste gräflicher Gerichtsbarkeit
reserviert bliebt Nimmt man zu alledem die Thatsache, dafs die Hunnen
an den wenigen Punkten, wo ihre Funktionen noch erkennbar bestanden, ganz
entsprechend den vogteilichen Ansprüchen mit Forderung von Einlager,
Bede u. dgl. vorgingen^, und dafs sie schliefslich seit dem J. 1232 der Bann-
leihe des Landesherrn, also der obersten Territorialvögte, zufielen^, so erscheint
es als selbstverständlich, dafs ihre Gerichtsbarkeit nur noch als besondere Art
der Vogtei aufgefafst w^urde.
Das gilt aber auch von der gräflichen Gerichtsbarkeit: in ihren Abarten,
der pfalzgräflichen wie der fiskalischen Gerichtsbarkeit, wie auch in der ein-
fachen Form ehemaliger Gaugerichtsbarkeit wird sie seit dem 13. Jh. als
Vogtei bezeichnet*. Die Gründe für diese Einrangierung in den weiten Begriff
der Vogteiherrlichkeit waren fast durchweg dieselben^ wie bei der Hunnen-
gerichtsbarkeit : Entwicklung vogteilicher Forderungen, namentlich der Beden ^,
Seltenheit der noch vorhandenen direkten Reste dieser Gerichtsbarkeit,
mangelndes Verständnis für ihren alten Zusammenhang, und hier nicht Unter-
ordnung sondern Gleichsetzung mit der Gerichtsherrlichkeit des Landesherrn
als obersten Vogtes.
1) S. oben S. 729, dazu S. 180 f.
2) S. oben S. 205. Noch im WNeumünster 1429, G. 2, 33, kommt als Abgabe ein
honneheller vor, von jedem Haus, da ein man ine ist.
3) MGLL. 2, 292, 1232.
*) S. MR. ÜB. 3, 461, 1232: Graf Heinrich von Sayn befreit die Laacher Güter zu
Winningen ab omni exactione et iure, quo tenetur mihi ratione advocatie vel iure palatie.
Zur Fiskusvogtei s. oben S. 730 f., zu der einfachen gräflichen Vogtei S. 171 und
S. 177 Note 9.
^) MR. ÜB. 2, 168, 1197: der Pfalzgraf Heinrich verpfändet seine comitia in Meine-
velde ex illa parte Moselle super petitione annone et denariorum et aliorum questuum.
S. ferner Bd. 3, No. 150 § 3, 1340; WOckfen 1325 § 14: quelibet domus dicte ville tenetur
domino archiepiscopo [dem Hochgerichtsherrn] singulis annis in festo sancti Remigii fercellam
avene, 1 pullum, 1 d. et 1 panem de 1 d. WNeumünster 1429, G. 2, 33: die lüde in dem
Sinderdale sint schuldig zu komen zu der herschaft lantgeschreie hohegerichte und honnen-
dinge. Jedes Hausgesess giebt zu Weihnacht ein Grafenhuhn und einen Hunnenheller.
WWallmünster 15. Jh. Ende (?) § 10: welch man in der vurg. dorfer eins komet und jair
und dag dainne gesessen hat [Hochgerichtsbezirk], das u. h. der grafe habe macht über ine,
mit ime zu leben, wie ime daz fuget, als er hait in den andern dorfern vurg. an andern
sinen luden, die da gesessen sint. Er giebt Fleischgeld, Geldschätzung und Hafergeld wie
die Nachbarn. WWendelsheim 1526 § 3 : 20 mir. korns jarlicher stewer [an den Gerichts-
herrn]; . . und darnae ist nichts ausgescheiden, dan allein der wittumb, der ist solcher bede
frei. WKonsdorf 1556 § 7 : im fall jemand im hof C. wohnen wolt und het weder haus noch
hof, und want er ufricht zwo wagenleider, da der rauch ufgehet, sol er geben dem hoch-
gerichtsherren 3 sester haberen, 3 hoenen und 3 fröntage thun: den einen tag iren, den
zweiten mehen, den dritten schneiden; die haber sol er lieberen über den gader des haus
und nit baussent den edder, und sol der hochgerichtsherr die atzen sonder der leute
schaden. WSteinbach , G. 2, 203 : erkennet der scheffen järlich zwen ungebotener dingtag,
[Grundherrliclikeit und Vogtei. — 1138 —
So war mit dem Ende der deutschen Kaiserzeit, mit dem Verfall des
Keiches im 13. Jh., die alte staatliche Gerichtsverfassung in ihren lokalen
Elementen endgültig aufgelöst: an ihre Stelle war ein buntabgestuftes System
von Vogteien getreten, welchem sich auch die Reste der staatlichen Gerichts-
verfassung einrangierten. Dieses System umfafste die beiden grofsen Wirt-
schaftsbildungen des platten Landes, die Markgenossenschaft und die Grund-
herrschaft, die Grundholden und die einst freien, nunmehr vogteilichen Mark-
leute. Hatte die Grundherrschaft aus autonomen Anfängen heraus sich
zu einer halbstaatlichen Gewalt emporgearbeitet, so waren umgekehrt in der
Vogtei ursprünglich rein politische Elemente in piivate, nur mit Vertretungs-
gewalt ausgestattete Hände herabgesunken und dadurch zur halbstaatlichen
Herrschaft umgebildet worden. Erschlofs die Grundherrschaft dem deutschen
Leben zum erstenmal aus eigener Kraft den Gedanken der Notwendigkeit
und Durchführbarkeit einer gröfseren, thunlichst straff zentralisierten Verwal-
tung, so rettete die Vogtei aus dem Auflösungsprozefs des fränkisch-deutschen
Reiches den fruchtbarsten Gedanken dieser Monarchie, die Allgemeinheit des
Friedens- und Rechtsschutzes, in spätere Zeiten. Freilich die administrativen
Versuche der Grundherrschaft vollzogen sich auf Grund privaten und zer-
streuten Besitzes, und die Übernahme des Rechtsschutzes durch im Ver-
hältnis zur Zentralgewalt untergeordnete Kräfte der Nation war mit einer
traurigen Zersplitterung der Rechtspflege verknüpft. Aber es liegt im Cha-
rakter jeder Verwaltung wie jeder Gerichtsbarkeit, bei energischer Hand-
habung auf Zentralisation und Abrundung zu drängen. Wo nur grofse und
machtvolle Grundherrschaften und Vogteien bestanden, wo etwa gar eine
Kombination solcher kräftigen Gewalten in öiner Hand eintrat, da war die
Aufforderung zur Sammlung, zur Konzentration gegeben. Das ist die Auf-
gabe, welche den Territorien zufiel. Der territoriale Embryo bestand im
günstigen Falle in einer über ein paar Hundert Quadratmeilen verzweigten
Grundherrschaft mit einer Anzahl peripherischer Verzettelungen und zentraler
Kernpunkte, und in dem Besitz einer Anzahl von Vogteien innerhalb eben
dieses räumlichen Umfanges. Von dieser doppelten Basis halbstaatlicher Ge-
walt aus galt es zur vollen Hoheit zu gelangen durch Plünderung der Reichs-
hoheit, zum territorialen Abschlufs zu kommen durch Unterdrückung der
kleineren Konkurrenten in Vogtei und Grundherrschaft.
einen den ersten montag nacli halben mei, den anderen nechst montag nach Martini des
heiligen bischofs ; und sol uf die genante zwen dingtage dem gerichtsherren geliefert werden
auf jeden dingtag nemlich 2 pfunt hl. , sol iedes pfunt bezahlt werden mit 15 alb. alter
wehrung.
3. Zur sozialen Gliederung yornelimlicli der land-
arbeitenden Klassen.
Mit dem jetzigen Zeitpunkt unserer Erörterungen haben wir die Ele-
mente in der Hand, welche die Grundlinien der mittelalterlichen Stände-
entwicklung des platten Landes zu ziehen gestatten. Sehen wir von älteren
Einflüssen des ersten Jahrtausends unserer Geschichte und von späteren Fer-
menten der geldwirtschaftlichen Entwicklung ab, so sind Grundherrlichkeit
und Vogtei die bewegenden Elemente dieser sozialen Schichtung: wenn die
erstere im Einflüsse des Grundes und Bodens das ökonomische Machtmittel
der Zeit vertritt, so repräsentiert die letztere im Einflüsse der Gerichtsbarkeit
das politische : vornehmlich von wirtschaftlich-autonomen wie rechtlich-politischen
Forderungen aus aber hat sich zu allen Zeiten die soziale Schichtung über-
haupt vollzogen. Um wie viel mehr gilt das für die soziale Entwicklung der
landarbeitenden Klassen des Mittelalters — nur um diese handelt es sich hier
im wesentlichen — , da für sie weder militärische noch etwa geistige Fermente,
jene Hauptfaktoren der Standesgliederung neben den materiellen und poli-
tischen, in Frage kamen.
Die Grundherrlichkeit stellte in den Grundholden den einen Hauptteil
der ländlichen Bevölkerung. Sie zerfallen schon seit der Karolingerzeit in
zwei Klassen, in die eigentlichen Hofgenossen oder Gehöfer — also die-
jenigen, welche direkt dem Fronhofssystem angehören, und in die Markgrund-
holden — infolge grundherrlichen Markobereigentums abhängige Leute. Die
letzteren nehmen dann an Zahl seit der vollen Ausbildung der Markherrlich-
keit im 12. und 13. Jh. ungemein zu: in der zweiten Hälfte des Mittelalters
mag die markgrundhörige Bevölkerung nicht geringer gewesen sein, als die
gehöferschaftliche.
Erst nach Schlufs der Karolingerzeit, im 10. Jh., beginnt die volle Ein-
wirkung der Vogtherrlichkeit auf die soziale Schichtung des platten Landes.
Beachten wir zunächst nur diejenigen Fälle, in welchen sie noch freie — also
[Grunclherrlichkeit und Yogtei. — 1140 —
nicht gTundhörige bezw. markgmndhörige — Leute ergreift, so entstehen
einmal unter dem Einflufs der freien Markvogtei die freimarkvogteilichen
Leute langsam seit der ersten Hälfte des 12. Jhs. , weitverbreitet seit Anfang
des 13. Jhs., ferner unter dem Einflüsse ursprünglich staatlicher, nunmehr in
Privathand übergegangener und der Vogtei nachgebildeter Gerichtsbarkeit die
freigerichtsvogteilichen Leute etwa um dieselbe Zeit. Daneben aber ergiebt
sich noch früher — entsprechend der Thatsache, dafs die Vogtei die grund-
herrlichen Zustände früher durchdringt als die noch freien Verhältnisse —
eine Reihe der verschiedensten Kombinationen zwischen Grundherrlichkeit und
Vogtei, welche ebenfalls einen Einflufs auf die soziale Schichtung äufsern.
Aus der Einwirkung der Vogtei auf die Grundherrlichkeit auf der Basis des
Fronhofs erwächst die Gmppe der grund- und fronhofsvogteilichen Leute, aus
derselben Einwirkung auf der Basis d'es Allmendeobereigentums die Gruppe
der markgrundhörigen und markfronhofsvogteilichen Leute, und aus eben dieser
Einwirkung auf der Basis der Immunität die Gruppe der grund- bezw. mark-
grundherrlichen und immunitätsvogteilichen Leute. Dabei können noch wie-
derum Spielarten dieser Gruppen dadurch hervorgerufen werden, dafs Grund-
herr bezw. Vogt ein und dieselbe Person sein können oder nicht: demgemäfs
kann man z. B. in der letzten Gruppe die Leute geistlicher Immunitäten, in
denen jedenfalls der Vogt nicht zugleich Grundherr ist, unterscheiden von
denen der weltlichen Immunitäten, wo fast stets Vogtei und Grundherrlichkeit
zusammenfallen.
Es würde vielleicht möglich, wenn auch ermüdend und ohne weitere
wissenschaftliche Tragweite sein, alle diese Hauptabteilungen und Gruppen in
ihrem speziellen Dasein zu schildern, hätten die Quellen selbst die soeben
folgerichtig entwickelten Unterschiede genau festgehalten. Das aber ist nicht
der Fall. Die unter dem Einströmen der vogteilichen Gewalt auf grund-
herrliche und auch freie Verhältnisse erzeugten Kombinationen, welche sich
schliefslich äufserlich in bestimmten, an sich wenig differierenden Zinsverhält-
nissen niederschlagen, sind zu fein, als dafs sie das mittelalterliche Leben
nicht verwischt und vermengt hätte. Eine solche Verwirrung mufste aber
spätestens mit dem 13. Jh. eintreten, denn seit dieser Zeit waren mit dem
letzten massenhaften Einmünden noch freier Existenzen in die Vogtei alle
denkbaren Kombinationen entwickelt. Das ist in der That der Fall : seit dem
Schlufs des 13. Jhs. vermag man sogar die Unterschiede zwischen Grund-
holden und Vogteileuten infolge der vielfach eingetretenen Verquickungen nicht
immer auseinander zu halten: man gewöhnt sich vielmehr daran, beide
Schichten unter dem einheitlichen Ausdruck der armen Leute zusammen-
zufassen.
Wenn so Gmndherrlichkeit und Vogtei die Fermente der mittelalter-
lichen Standes1)ildung des platten Landes sind, so umfassen sie doch diese
Standesbildung, wie schon oben angedeutet, nicht völlig.
Zunächst ragen in sie noch die Faktoren der Standesbildung des ersten
— 1141 — Soziale Gliederung.]
Jahrtausends hinein. Diese Stand esiiliederimg, entwickelt auf Grund vmev für
alle Krieger .deichen Verteilung der wirtschaftlichen Machtmittel sowie auf der
Basis einer vom Staats- und Rechtsleben anfangs völlig ausgeschlossenen un-
freien Bevölkerung, ging nach Abschiittlung des Adels der Urzeit schliefslich
in die Gegensätze von frei und unfrei auf. Freie und unfreie Leute in ihrem
Gegensatze spielen daher auch in der mittelalterlichen Standesbildung noch
auf lange hin eine Rolle, deren Bedeutung freilich mit der Absorption dieser
Gegensätze immer geringer wird. Diese Absorption erfolgte nun in der her-
vorragendsten \Yeise durch Vogtei und Grundherrlichkeit. Die unfreien Leute
gingen fast ausnahmslos in der Grundhörigkeit auf, die freien Leute wurden
überwiegend Grundholde oder Vogteileute.
Freilich nur überwiegend. Denn die Freien traf noch ein weiteres so-
zusagen in Olierströmung zur Grundherrlichkeit und zur Vogtei herlaufendes
Ferment mittelalterlicher Standesbildung, die Lehnsherrlichkeit.
Es ist, scheint mir, für die Entwicklung unseres mittelalterlichen Staats-
wesens ganz besonders bezeichnend, dafs man die soziale Schichtung der länd-
lichen Klassen — d. h. des bei weitem gröfsten Bruchteiles der Bevölkerung —
der Hauptsache nach zergliedern kann, wie es soeben geschehen, ohne der
Lehnsherrlichkeit, des eigentlichen politischen Fermentes der mittelalterlichen
Staatsbildung, auch nur zu gedenken. Die Bedeutung des mittelalterlichen
Staates war eben viel zu gering, seine Einwirkung auf die grol'se Masse der Be-
völkerung viel zu schw^ach, als dafs sein eigenster politischer Charakter allseitig
hätte standesbildend wirken können. Statt dessen finden wir vielmehr in der
Vogtei die Gerichtsbarkeit, d. h. den Friedens- und Rechtsschutz, politisch
standesbildend: der Friedens- und Rechtsschutz als staatliches Ferment gehört
aber nicht dem eigensten Genius des mittelalterlichen Lehnsstaates an, er ist
vielmehr ein Vermächtnis wenn man will schon des urzeitlichen Staates oder
jedenfalls der kräftigen Monarchie der Karolinger.
Traf aber die Lehnsherrlichkeit als ständebildender Faktor die unteren
Schichten der Bevölkerung nicht, so erreichte sie doch hier und da die noch
sporadisch vorhandenen einfachen Freien, und allseitig den sich aus ihnen ent-
wickelnden Adel. Indem diese Schichten dem Lehnssystem einrangiert wurden,
waren sie der ordentlichen Gerichtsbarkeit, wie sie seit dem 12. und 13. Jh.
anfing vogteilichen Charakter anzunehmen, enthoben: sie sonderten sich von
den Vogteileuten ab, auch von der freimarkvogteilichen und freigerichtsvogtei-
lichen Bevölkemng, wie sie denn schon längst von den Grundholden getrennt
waren, und begannen nunmehr auf der neuen Basis des Lehnswesens die Bil-
dung der ländlichen Aristokratie des späteren Mittelalters.
Und wie die Lehnsherrlichkeit als standesbildendes Ferment einen ge-
ringen Bruchteil der Altfreien zum Landadel umformte, so hob sie auch aus
den Grundholden einen geringen Bruchteil empor zu adligem Dasein. Frei-
lich nicht direkt, sondern durch Vermittlung eines ferneren seit dem 12. Jh.
vornehmlich standesbildend einsetzenden Fermentes, vermittels des Berufes.
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1142 —
Bis zum Schlufs der Karolingerzeit hatte der Begriff des Berufes in der
deutschen Entwicklung, abgesehen von der Geistlichkeit, kaum eine standes-
bildende Kraft. Zwar gab es auf dem Gebiete spezieller geistiger wie wirt-
schaftlicher Thätigkeit, z. B. in Kunst und Handwerk, besondere Berufsformen,
aber ihre Vertreter waren zu wenig zahlreich, um eine allgemeine soziale Be-
wegung zu veranlassen : ihre Existenz besagte wenig gegenüber der Thatsache,
dafs nahezu jedermann Krieger, Richter und Ackerbauer zugleich war. Dieser
Zustand hätte an sich bis zum Schlufs der naturalwirtschaftlichen Epoche, d. h.
bis zur Differenzierung der wirtschaftlichen Berufsarten, andauern können ; und
thatsächlich ist der volle Umschwung auch erst mit der volkswirtschaftlichen
Revolution des 12. und 13. Jhs. erfolgt. Indes reichen doch Vorläufer der
neuen Entwicklung tief in die naturalwirtschaftliche Zeit hinein.
Es sind namentlich zwei Erscheinungen, welche hier zur Sprache kommen
müssen. Der Grofsgrundbesitz hatte seit spätestens dem 9. Jh. eine Organi-
sation seiner Liegenschaften durchgesetzt: in der Fronhofsverfassung war mit
Ausnahme der hier aufser Rechnung stehenden Kirchenverwaltung das einzige
wahrhaft mit diesem Namen zu bezeichnende Verwaltungssystem der natural-
wirtschaftlichen Zeit entstanden. Dieses Verwaltungssystem bedurfte eines
Beamtenkörpers mit abgestuften Pflichten: es gab Anlafs zur Entwicklung
administrativer Berufsthätigkeit. Diese Thätigkeit konnte, da das Fronhofs-
system der Grundherrlichkeit angehörte, im wesentlichen nur den besseren
Grundholden zufallen. Die zw^eite hier anzuführende Entwicklung bewegt sich
auf dem Gebiete der Heeresverfassung. Seit dem 10. Jh. spätestens war das
altnationale Heereswesen verfallen; die Kriegs- und Verteidigungspflicht fiel
der Aristokratie, d. h. den Grofsgrundherren, zu. Sie unterzogen sich ihr im
Aufgebot ihrer besseren Grundholden : also fiel diesen eine militärische Berufs-
thätigkeit zu. Aus administrativer wie militärischer Berufsthätigkeit erwächst
nun die Ministerialität , sie ist die erste deutsche Standesbildung unter dem
Zeichen des Berufes.
Sehr begreiflich, dafs ihr Ansehen in einer Periode aufserordentlich
wachsen mufste, während welcher der Beruf infolge der Differenzierung der
nationalen Wirtschaftsthätigkeit überhaupt anfing, im eminentesten Sinne standes-
bildend zu wirken. Diese Periode beginnt spätestens mit der Wende des
12. und 18. Jhs., mit der Entstehungszeit des Gegensatzes zwischen Stadt und
Land, zwischen Bürger und Bauer. Indem aber die Ministerialität in dieser
Zeit kräftig emporkam , mufste es ihr besonders nahe liegen , sich eben jener
Gewalt sozial anzuschliefsen , welche sie gefördert hatte. Diese Gewalt war
die Grundherrschaft, der Adel weltlicher Avie geistlicher Art. Der Adel aber
lebte und gliederte sich unter dem Einflufs der Lehnsherrlichkeit — sehr
natürlich, denn er war der politisch führende Teil einer Nation, deren Ver-
fassung im Lehnswesen aufging. So stellte sich auch die Ministerialität unter
das Zeichen der Lehnsherrlichkeit; unter ilirem Einwirken wurde sie gleich
manchem Rest altfreier Leute zum niedern Adel des späteren Mittelalters.
— 1143 — Soziale Gliederung.]
Wie sicli also die Ministcrialität in ihren Anfängen zur ersten deutschen
Standeshildung unter dem Ferment des Berufes entwickelt hatte, so ist sie in
ilu'em späteren Verlauf zur letzten deutschen Standesbildung unter dem Fer-
ment der Lehnsherrlichkeit geworden. Denn die neueren berufsmäfsigen
Standesbildungen, Bürger und Bauern, wufsten nichts mehr von der alten
Einwirkung des Lehnswesens, sie wurden unter dem Einflufs republikanischer
Staatsformen zu Freibürgern selbständiger Städte und unter der Einwirkung
monarchischer Staatsformen zu Unterthanen landesherrlicher Territorien. Nahezu
in derselben Zeit aber, in welcher die Bauerschaften durch ihren Beruf in
einen neuen Gegensatz zum Bürgertum traten, hatte auch der besondere und
spezifische Einflufs von Grundherrlichkeit und Vogtei auf ihre soziale Schich-
tung aufgehört. Der Wegfall dieses Einflusses konnte unter der gegebenen
Konstellation nur segensreich wirken. Wie sich die Bürger in den Städten
des 12. und 13. Jhs., weder durch die volle Strenge der archaisch gewordenen
Stadtherrschaft fernerhin gebunden, noch auch schon eingebettet in die wohl-
abgegrenzte Sicherheit der späteren autonomen Stadtverfassung, besonders
kräftig entwickelten, vor allem das grofse Gut persönlicher Freiheit errangen,
so geschah etwas Verwandtes auf dem platten Lande. Mit dem 12. Jh. war
die grundherrschaftliche Organisation des 9. und 10. Jhs. antiquiert, mit ihr
siechte, nur in schwächlicher Analogie zu ihr entwickelte sich die Vogtei —
den Bauer dagegen begünstigten mit dem rapiden Aufschwung der Grund-
rente, mit der Entwicklung der neuen städtischen Wirtschaftsformen, welche
die Kräfte des platten Landes massenhaft erforderten und anzogen, ganz be-
sonders reiche Mittel und weithin lockende Aussichten. Das ist die Zeit, in
der Meier Helmbrecht entstand, in der Neidhart von Reuenthal dichtete. In
der That entfaltete der Bauer unter dem Absterben der alten autoritären
Organisationen des platten Landes und bei dem noch embryonalen Zustand der
künftigen autoritären Landesgewalt, der Territorialhoheit, seine frei werdenden
Kräfte eben damals aufs glücklichste. Die freien Pachten kamen auf, die
Grundhörigkeit wurde schwer erschüttert und nicht selten bis zur Auflösung
untergi'aben, und mit ihr verschwand auch das vogteiliche Verhältnis für einen
Teil der besser situierten und darum pachtfähigen Bevölkerung. Und so
konnte es denn scheinen, als ob im Laufe des 14. und 15. Jhs. aus Grund-
holden und Vogteileuten eine mehr oder minder freie Landbevölkerung her-
vorgehen werde.
Diese Hoff'nungen erfüllten sich längst nicht in dem Mafse, wie es die
Entwicklung des 13. Jhs. erwarten liefs. Grundhörigkeit und Vogtei schöpften
wiederum Kraft, und namentlich die Grundherrlichkeit brachte es vielfach zu neuen
keineswegs freiheitlichen Gestaltungen ; aus Grundherrlichkeit und Vogtei aber
erhob sich unter Verbindung mit altstaatlicher Gewalt allumfassend die Landes-
hoheit und ordnete sich die kleineren Grund- und Vogtherrschaften unter: die
autoritären Kräfte sammelten und gliederten sich im Territorium mit seinen
landesherrlichen und ständischen Rechten, seiner landesherrlichen und stän-
[Grmidheniichkeit und Vogtei. — 1144 —
dischen Verwaltung, und schon am Schlüsse des 15. Jhs. war ihre Konzen-
tration zur drohenden Gefahr fiir die freiere Entwicklung der landarbeitenden
Klassen geworden. —
Wir stehen am Schlüsse der mittelalterlichen Entwicklung; noch klarer
und vielseitiger werden wir sie übersehen, wenn wir uns noch einmal die
historische Abfolge jener einzelnen Fermente vergegenwärtigen, welche für die
Entwicklung der sozialen Schichtung des platten Landes standesbildend ge-
wirkt haben.
Wir fanden da in ältester Zeit fast nur den Gegensatz von frei und
unfrei; Voraussetzung für ihn war die staatlich fixierte Forderung gleicher
wirtschaftlicher Machtmittel für alle Freien. Diese Voraussetzung wird seit
spätestens dem 6. Jh. zersetzt durch Entwicklung der individualen Konkurrenz
auf dem Gebiete des Landerwerbes und deren Konsequenz, die Bildung eines
Standes von Grofsgrundbesitzern. Mit der Voraussetzung aber fällt die alte
Freiheit; ein grofser Teil der Freien gerät in Abhängigkeit vom Grofsgrund-
besitz und verschmilzt mit den alten Unfreien; die Grundhörigkeit entsteht,
der Grofsgrundbesitz wird zur GrofsgTundherrschaft. Diese Entwicklung ergreift
in ihren Folgen auch den Staat, der die alten Gegensätze von frei und unfrei
politisch verbürgt hatte: er steht in keiner direkten Beziehung mehr zu der
grofsen Masse grundhörig gewordener Freien, er verfügt nicht mehr über die
alte Aktionsfreiheit gegenüber der übermächtig gewordenen Grundherrlichkeit;
und er ordnet seine Beziehungen zu Grundholden und Grundherren neu, in-
dem er im Lehnsnexus diese unmittelbar, jene mittelbar an sich zu fesseln
sucht. Zugleich mufs er bei seinen nur noch indirekten Beziehungen zu den
ehemals Freien, seinen alten Bürgern, sein wesentlichstes Recht, den Rechts-
und Friedensschutz, durch Erteilung von Immunitäten schmälern und schliel's-
lich abtreten: die auf Grund von Immunität entwickelten Rechte aber finden
ihren Endausdruck in der hohen Vogtei, und dieser assimiliert sich jede
sonstwie in Privathand gelangte Gerichtsbarkeit.
So treten drei neue Fermente der Standesbildung seit etwa dem 9. bis
10. Jh. wirksam ein, die Grundherrlichkeit, die Vogteiherrlichkeit und die
Lehnsherrlichkeit. Von ihnen wirkt die Lehnsherrlichkeit anfangs nur auf die
höchsten sozialen Schichten, erst seit etwa dem 12. und 13. Jh. gewinnt sie
auch auf die noch übrigen Reste einfacher Altfreien Einflufs; Grundheixlich-
keit und Vogteiherrlichkeit dagegen sind die eigentlich standesl)ildenden
Mächte für die grofse Masse der Nation, unter ihrem Einflufs entstehen bis
zum Schlüsse der Stauferzeit namentlich die Gruppen der einfachen Grund-
holden und der Markgrundhörigen, der freimarkvogteilichen und der frei-
gerichtsvogteilichen Leute.
Aber mit dem Scldusse der deutschen Kaiserzeit erschöpft sich im
wesentlichen die standesbildende Kraft der Grund- und Vogteiherrlichkeit.
Bisher hatten sich alle Standesbildungen auf der gemeinsamen Basis natural-
wirtscliaftlicher Existenz vollzogen: diese Grundlage verschwindet jetzt unter
— 1145 — Soziale Gliederung.]
den Wehen der volkswirtscliaftlichen Revolution um die Wende des 12. und
13. Jhs., neben die Naturahvirtschaft setzt sicli als gleicliberechtigte Grund-
lage der Standesbildung die Geldwirtscliaft. Sozial findet diese Revolution
iliri^n Ausdruck zunächst in der Scheidung von Bürger und Bauer, allgemeiner
gefafst in der Einführung der Gegensätze des Berufes als wirksamer Fermente
sozialer Gliederung. Zwar war der Gegensatz der Berufsthätigkeit schon in
der naturalwirtschaftlichen Zeit einmal in der Bildung der militärisch-admini-
strativen ^linisterialität wirksam gewesen, allein diese Ausgestaltung war
gegenüber dem Gros der Nation doch nur eine Sonderbildung: allgemeinen
Einflufs auf die soziale Schichtung erhält die Berufsthätigkeit erst mit dem
Aufkommen der Geldwirtschaft. Unser herre, so schildert Bruder Berhtolt
1, 13, 37, das neue soziale Ferment, hat eime ieglichem menschen ein amt
[Beruf] verliehen, er hat niemen ze müezeckeit geschaffen: wir müezen uns
alle eteswes underwinden, damite wir genesen.
Und der mächtige Einflufs der Berufsthätigkeit verkörpert sich innerhalb
der Nation sofort in zwei auch politisch gesonderten Lagern: der städtischen
Republik tritt das monarchische Territorium gegenüber. Indem nun diese
beiden staatlichen Existenzformen fast zwei Jahrhunderte lang, im 14. und
15. Jh., um die Führung der Nation ringen, wird der Gegensatz bürgerlicher
und bäuerlicher Berufstliätigkeit, städtischer und ländlicher Gewohnheiten und
Anschauungen in einer so eindringlichen Weise ausgebildet und festgelegt, dafs
wir noch heute unter seinen Nachwirkungen leben. Zugleich aber wird durch
die Übertragung des Gegensatzes der Berufsbildung auf das politische Gebiet
der Einflufs eben dieses Fermentes auf die soziale Schichtung je länger um
so stärker unterbunden: unter den greisen Kategorien von Bürgertum und
Bauerntum verfallen Stadt und Land gesonderten sozialen Entwicklungen, für
deren Ausbildung die beiderseitigen politischen Gewalten mafsgebend werden.
So kommt es in den Städterepubliken der Regel nach zuerst zur kommerziellen
Aristokratie des Patriziats mit der industriellen Grundlage der cives minores,
dann zur industriellen Aristokratie der Zunftgeschlechter mit der untergärigen
Masse eines städtischen Proletariats; in den Territorien aber zunächst zur
Ausbildung eines kleingrundherrlichen Landadels neben vereinzeltem Einflüsse
von Landstädten, über den armen Leuten, unter dem Landesherrn, später zur
Entwicklung eines überwiegend adligen Beamtenstandes, über den Unterthanen,
unter dem absoluten Fürsten.
Doch die letzteren Gegensätze berühren uns hier nicht mehr; für uns
entsteht jetzt vielmehr die Frage, in welcher Weise es lohnend und bei dem
Stande unseres speziellen Quellenmaterials aussichtsvoll ist, die eben allgemein
geschilderte und in den mittelalterlichen Partieen durch die bisherigen Er-
örterungen voll dokumentierte Entwicklung ins einzelne zu verfolgen.
Und hier ergeben sich nun drei gröfsere Gesichtspunkte, welche sich indes
nicht in völliger Trennung sondern teilweis nur in gegenseitiger Gegenüber-
stellung und Verarbeitung der quellenmäfsigen Details verfolgen lassen. Es
Lampr echt, Deutsches Wirtschaftsleben. 1. 73
[GrundheiTlichkeit und Vogtei. — 1146 —
niul's zunächst von Interesse sein, das Verhalten des alten Gegensatzes von
frei und unfrei genauer zu untersuchen. Es mufs ferner und vor allem
wichtig erscheinen, den Einflufs von Grundherrlichkeit und Vogtei auf die
ländliche Standesbildung eingehend zu erörtern. Endlich aber bleibt noch die
Notwendigkeit, die Entwicklung der landarbeitenden Klassen des späteren
Mittelalters nach dem Ziele eines freiheitlicheren Berufsstandes hin zu
verfolgen.
Von diesen drei Aufgaben ist die erste im Rahmen dieser Erörterungen
die schwierigste, die letzte dagegen die einfachste und lohnendste: für diese
steht das grofse Material der spätmittelalterlichen Quellen, vor allem der
Weistümer, mit seinen Einzelheiten zu Gebote, für jene dagegen bedarf es
einer Erweiterung unseres speziellen, für so frühe Zeiten ärmlichen, ja teilweis
völlig versagenden Quellenstoffes durch Heranziehen der allgemeinen Rechts-
quellen fränkischer Zeit und der auf ihnen beruhenden Spezialforschung.
Der Ausgangspunkt soll dabei von der Karolingerzeit und zwar von
einem Denkmal genommen werden, dessen Erklärung uns schon bei früheren
Gelegenheiten wertvolle Dienste geleistet hat, vom Capitulare de villis.
Das Cap. de villis unterscheidet innerhalb der in jedem Fiskus ansässigen
Bevölkerung sehr genau zwei verschiedene Klassen, die unfreien Leute oder Fis-
kalinen im eigentlichen Sinne, und die Freien. Die Freien wohnen innerhalb des
fiskalischen Gebietes entweder in besonderen freien Dörfern bezw. Höfen oder
in Orten, welche zugleich einen fiskalischen Hof bergen^. Sie gehören der
Wirtschaftsverwaltung des Fiskus nur insofern an, als sie die staatlichen
Steuern, den Dem, den Modem ^ sowie etwaige Gerichtsbufsen , welche dem
König zufallen^, an die Fiskuskasse zahlen; zudem haben sie gewisse Staats-
fronden, welche ihnen im Rahmen der Hundertschaft mit den Fiskalinen ge-
meinsam obliegen, wohl auch im Interesse des Fiskus zu leisten^, und unter-
liegen bei gerichtlichen Forderungen Auswärtiger der Exekutionsgewalt des
Iudex ^. Im übrigen aber gehören sie noch der Gauverfassung an, haben des-
halb auch gewisse staatliche Lasten, wie z. B. die Herbergs-, Verpflegungs-
und Transportlasten königlicher Gesandten und Gewaltboten, von welchen die
Fiskalinen l)efreit sind, ihrerseits mit zu tragen^.
Den Freien gegenüber bilden die Fiskalinen die von der Fiskusverwal-
tung wirtschaftlich und rechtlich abhängige Bevölkerungsklasse. Sie werden
neben der natürlichen Fortpflanzung allmählich durch Dedition, auch durch
Erwerb^ vermehrt und sind unter die einzelnen Sonderbetriebe in Form von
') Vgl. Cap. de villis § 4, 52 : Franci qui in fiscis aut villis nostris commanent ; ingenui
qui per fiscos aut villas nostras commanent. In § 52 auch der Gegensatz fiscalini — ingenui.
2) Ebd. § 62.
=^) E])d. § 4.
*) Ebd. § 52.
•-) Ebd. § 27.
6) Ebd. § 67.
— 1147 — Soziale Gliederung.]
Hofgenosseiischaften (fainiliae) verteilte Als Bezeichimii<i für sie erscheint
neben fiscalinus der Ausdruck servus^ oder honio noster^, einmal wird auch
mancipiuni gebraucht*. Im allgemeinen sind sie als Hüfner (mansuarii) an-
gesetzt^, doch giebt es auch landlose Hofgenossen, welche ihre Kost aus
irgend einem Betriel)e erhalten (praeliendarii , deputati)*^'. Zu den letzteren
gehörten wohl teilweis die Handwerker'^ wie die Insassinnen der Frauen-
häuser ^.
Die Lage der Fiskalinen war übrigens im ganzen nicht ungünstig. Es
lagen die strengsten Bestimmungen vor, sie gut zu behandeln und vor Arnmt
zu behüten^; ihren Vorgesetzten war es ausdrücklich verboten, sie füi* eigene
Zwecke auszunutzen^^, andererseits aber auch vorgeschrieben, alle Hof-
genossen zu ernster Arbeit im königlichen Dienst zu erziehen ^^ Ferner
stand den Fiskalinen eine ziemlich weite Aussicht auf soziales Emporkommen
offen. Sie konnten fiskalische Subalternbeamte, z. B. unter Umständen mit
Benefizien ausgestattete Meier werden ^^, sie konnten den fiskalischen Klerus
stellen ^^ und vermochten es bis zur zeitweiligen Vertretung des Iudex zu
bringen ^^.
Auch ihre wirtschaftlichen Verpflichtungen waren nicht besonders drückend.
Die regulären fiskalischen Jahresleistungen bewegten sieh auf dem bekannten
Geleise des Frondienstes mit Pflug und Hand^^, dazu kamen der Wachtdienst
auf der Pfalz ^^, die Zahlung gewisser Naturalleistungen^^ und die unentgelt-
liche Verpflegung fiskalischen Grofsviehes ^^ sowie einige andere kleine Ab-
gaben. Diese Leistungen kannten die Freien des Fiskalgebietes allerdings
nicht, dafür lag ihnen aber eine Anzahl von staatlichen Lasten ob^^, von
^) Cap. de villis § 56. Daneben wird familia auch kollektiv von allen Hofgenossen-
schaften im Gegensatz zu den Freien gebraucht, z. B. § 4. Auch das Hofgefolge des Königs
wird mit familia bezeichnet, § 59.
2) Ebd. § 23, 29, 52.
3) Ebd. § 29, s. auch § 36.
4) Ebd. § 67.
5) Ebd. § 39.
6) Ebd. § 17, 31.
'^) Ebd. § 45.
8) Ebd. § 31, 43, 49.
ö) Ebd. § 2.
10) Ebd. § 3, 60.
11) Ebd. § 54.
12) Ebd. § 10, 50, 67. S. auch oben S. 902.
13) Ebd. § 6.
14) Ebd. § 5.
15) Ebd. § 10.
16) Ebd. § 41.
17) Ebd. § 62.
18) Ebd. § 11. Zur Viehverstellung vgl. v. Inama, Grofsgrundh. S. 82.
19) S. oben und a. a. 0. § 12, 27.
73*
[GrunclheiTlichkeit imd Vogtei. — 1148 —
welchen die Hofgenossen entbunden waren, und Dem wie Medem hatten beide
Teile gleicherweise zu zahlend
Mcht ganz klar wird die rechtliche Stellung der Fiskalinen. Man be-
findet sich, scheint es, hier werdenden Zuständen gegenüber, welche einen
festen und sicheren Ausdruck noch nicht erhalten haben. Der § 56 des
Capitulare de villis l)estimmt: ut unusquisque iudex in eorum niinisterio
fi'equentius audientias teneat et iustitiam faciat et praevideat, qualiter recte
familiae nostrae vivant. Sehe ich recht ^, so erhellt aus diesem Satz die Ein-
richtung von Rügegerichten des Iudex über die einzelnen Betriebshofgenossen-
schaften der Fiskalinen, jedenfalls unter Urteil von hofgenossenschaftlichen
Schöffenkollegien; so dafs hier die Anfänge der späteren Baudinge vorlägen,
nur dafs statt des Meiers noch der Iudex als Richter fungiert. Für diese
Rügedinge gelten dann wohl auch die Bestimmungen des § 4, nach welchen
bei Vergehen gegen den König und dessen Besitz, abgesehen von Mord und
Brand, auf Erstattung des Schadens und auf Prügelstrafe statt der Fredus
erkannt werden soll, während bei Mord und Brand auch auf Zahlung der
Fredus erkannt werden kann. Galten diese Bestimmungen für Vergehen an
Fiskalinen und an fiskalischem Eigentum, so wären bei Vergehen aufserhalb
des Fiskus die Fiskalinen der gewöhnlichen Gerichtsbarkeit unterworfen. Nur
erschienen sie, auch als Kläger, nicht persönlich vor den gewöhnlichen Ge-
richten, sondern an ihrer Statt der Vorstand oder Meister des Sonderbetriebs,
dem sie zugehörten, also der Meier, Zöllner, Pferdegi^ofshirt usw.^. Doch
konnten sie bei schlechter Führung ihrer Sache durch den Betriebsmeister
vor dem König Beschwerde anmelden, ebenso wie es ihnen, wenn auch unter
manchen Beschränkungen aus praktischen Rücksichten, frei stand, über den
Iudex beim König Klagen anzubringen*.
So\äel über die sozialen Verhältnisse innerhalb der karolingischen Fisci.
Mafsgel)end für ihre Konstruktion ist noch, wie man ohne weiteres sieht, der
Gegensatz von frei und unfrei. Aber die Alternative ist nicht mehr nach allen
Seiten hin gleich vorteilhaft gestellt. Die Freien des Fiskalgebietes kommen
doch schon mit dem Getriebe der fiskalischen Finanzverwaltung in Berührung,
und zwar auf dem Gebiete der recht eigentlich politischen Basis ihrer Frei-
heit, auf dem Gebiete des Gerichtsstandes. Ganz anders die Unfreien. Die
Zeiten, wo sie den Haustieren gleich von Rechts wegen als Sache erscheinen,
sind längst vorüber: die Disziplinargewalt des Herrn erscheint schon reguliert
durch die fiskalinisch-genossenschaftliche Rechtssprechung des Baudings wie
1) Cap. de villis § 36.
-) Guerard S. 257 läfst diesem Paragraphen eine ganz unzureichende Erklärung zu
teil werden.
^') So ist doch wohl der magister des Cap. de villis § 29 und 57 aufzufassen. Zur
Erklärung vgl. vor allem Guerard S. 220 f. v. Inama, Grofsgrundherrschaften S. 79, scheint
schon die oben gegebene Erklärung im Auge zu haben.
*) Cap. de villis § 29, 57.
— 1149 — Soziale Gliederung.]
durch die wenn auch bedingte und vertretungsweise Einl)eziehung des Un-
freien in die öffentliche Rechtssprechung. Auch sozial und wirtschaftlich stehen
die Unfreien weit über dem Niveau der Urzeit ; ihre ökonomischen Leistungen
für den Herrn sind fixiert, und gute Führung befähigt sie zu sozialem Auf-
steigen, wenn auch zunächst nur innerhalb der Beamtenstaffel der fiskalischen
Verwaltung.
Wollen wir jetzt den gewonnenen Einblick über den Inhalt des Cap. de
villis hinaus erweitern, so wird das in doppelter Hinsicht zu geschehen haben.
Wir müssen den Gegensatz von unfrei und frei im Fiskus durch Vergleich
mit den Verhältnissen der aristokratischen Grundherrschaften allgemeiner zu
fassen suchen, und wir müssen für ihn den Zusammenhang geschichtlicher
Abfolge herstellen.
Die Freien der Fiskalverfassung traten mit dem Fiskus zunächst in Be-
rührung nur als Insassen der fiskalischen Hundertschaft, also auf dem Wege
territorialer Verbindung, nicht aber infolge irgendwelcher vertragsmäfsiger oder
erzwungener persönlicher Abhängigkeit. Ein solches Verhältnis konnte für die
aristokratischen Grundherrschaften deshalb nicht bestehen, weil ihnen jeder
territoriale Abschlul's ursprünglich fehlte. Indes gab es in den adligen Grund-
herrschaften doch Freie, deren Lage derjenigen der freien Fiskusleute auch
insofern ursprünglich entsprach, als sie dem Herrn ebenfalls zunächst nur für
ganz bestimmte Summen zahlungspflichtig waren. Es sind dies die freien
Hintersassen: Leute, welche auf dem Wege freien Vertrages, sei es durch
Prekarei oder Beneficium oder auch durch einfache Kommendation in ein
Verhältnis zum Grundherrn gelangt waren ^ Dieses Verhältnis verpflichtete
sie zu bestimmten Zahlungen, welche die Grundherren in weit zerstreuten
Grundherrschaften der Natur der Sache nach nicht direkt an der Zentralstelle
einnehmen konnten, wohl aber auch bei kleineren Gnmdherrschaften meist
nicht persönlich einnahmen, und die daher der Regel nach an die nächste
Fronhofsrezeptur des Herrn geliefert wurden.
Durch eine solche Leistung von Zahlungen an den nächstliegenden Fron-
hof, welche der naturalwirtschaftlichen Zeit entsprechend meist Abgaben waren,
setzte sich nun aber der freie Hintersasse ohne weiteres in Parallele mit dem
Unfreien der Frongehöferschaft : auch dieser Hofgenosse lieferte ja, wenn er
Ackerbau trieb, bestimmte oft schon völlig festgelegte Abgaben an den Fron-
hof; der Unterschied zwischen den Abgaben des freien Hintersassen und des
unfreien Gehöfers war äufserlich nur ein quantitativer. Nun waren freilich
die Abgaben des Freien nur vor dem ordentlichen Gerichte einklagbar, während
dem Herrn gegenüber dem Unfreien wohl ohne weiteres disziplinarische Pfän-
dung zustand — aber wie leicht mufste sich die Gehöferschaft , w^enn sie im
1) S. darüber schon oben S. 899 f., vgl. ferner Roth, Benefizialw. S. 375 f.; v. Maurer,
Fronh. 1, 368 f.; v. Inama, Grofsgrimdh. S. 74 f., 78 f., 87 f.; Waitz, Yfg. Bd. 3 und 4 passim.
[GrimdheiTliclikeit und Vogtei. — 1150 —
versaiiiinelten Bauding zinste, über die etwa zu gleicher Zeit zahlenden freien
Hintersassen ein Urteil erlauben, dem der Anspruch auf Einverleibung und
Gleichberechtigung zu Grunde lag.
Dazu kam, dafs die grundherrschaftliche Einnahme- Verwaltung schon im
Interesse einer Vereinfachung des Dienstes gewifs auf eine gleichmäfsige Be-
handlung aller Zahlungspflichtigen hinarbeitete, gleichgültig ob sie frei oder
unfrei waren.
Indes alle diese Absichten und Vorgänge wiirden doch schwerlich die
Kluft zwischen frei und unfrei ausgefüllt haben, soweit diese Gegensätze sich
im Grofsgrundbesitz trafen. Gewifs beseitigten sie die sozialen und ökonomischen
Unterschiede zwischen fi'ei und unfrei immer mehr ; ihre wirkliche Fusion aber
zu der neuen Bildung der Grundhörigkeit konnte doch nur durch völlige Ver-
quickung auf dem Gebiete der Gerichtsverfassung und Gerichtszuständigkeit
erreicht werden. Die Notwendigkeit dieser Forderung ergiebt sich ohne weiteres
aus dem Wesen der germanischen Freiheit. Durch Gerichtspflicht und Heeres-
pflicht hingen die Freien ursprünglich mit den höchsten Interessen des Staates
zusammen. Nun begann die Heerespflicht schon in karolingischer Zeit in den
Hintergrund zu treten, voller Gerichtsstand und volle Gerichtspflicht wurden
damit herab bis zu den Schöffenbarfreien des Sachsenspiegels zum hervor-
ragendsten Merkmal des echten Freien. Eben dieses Merkmal galt es zu be-
seitigen, sollte sich die Fusion der Unfreien und des freien Hintersassen der
Karolingerzeit zu den Grundhörigen des eigentlichen Mittelalters vollziehen.
In der That kam es nun zu einer Verschmelzung von frei und unfrei
auf dem Gebiete der Gerichtsverfassung durch Entwicklung einer vollen grund-
herrlichen Gerichtsbarkeit. Diese Gerichtsbarkeit aber knüpfte einerseits an
die Disziplinargewalt des Herrn über seine Unfreien, andererseits an die Aus-
gestaltung eines genossenschaftlichen Baudings in den Fronhöfen an^
Über die Unfreien besafs der Herr eine ursprünglich in keiner Weise
begrenzte Disziplinargewalt. Diese Gewalt hielt sich im wesentlichen auch
noch bis zum Schlüsse der Karolingerzeit, nur für gewisse schwere Ver-
brechen, deren gerichtliche Ahndung dem Staate des 9. Jhs. besonders am
Herzen liegen mufste, trat die öifentliche Kechtspflege ihr unmittelbar entgegen.
Indes wird nun doch schon in merowingischer Zeit die persönliche Verant-
wortung des Unfreien bei Delikten gegenüber anderen als genossigen Leuten
bezw. gegenüber dem Herrn selbst anerkannt; der Unfreie wird nicht mehr
dem Haustier gleich betrachtet, für dessen Zerstörungen der Herr ausschliefs-
lich haftet; vielmehr wird ein eigenes System von Strafen für ihn rechtlich
begründet. Und freilich wird die Klage bei Delikten Unfreier immer
noch gegen den Herrn gerichtet; aber für den Fall, dafs dieser die private
^) Vgl. zum folgenden J. Jastrow, Zur strafrechtlichen Stellung der Sklaven, bes.
S. 13 f., und neuerdings G. Meyer, Die Gerichtsbarkeit über Unfreie und Hintersassen nach
ältestem Recht, Zs. der Savigny Stiftung Germ. Abt. 2, 83 ff.; 3, 102 ff.
— 1151 — Soziale Gliederung.]
Befriedigung der klägerisclien Ansprüche verweigert, wird der Unfreie doch
vielleicht schon nach der Lex Salica, sicher nach den Kapitularien vor
das öft'entliclie Gericht gestellt und dort einem Gottesurteil unterworfen. So
linden wir denn im ganzen den Unfreien in karolingischer Zeit dem gewöhn-
lichen Gericht für gewisse schwere Vergehen überhaupt, für alle Delikte
wenigstens unter Umständen unterworfen. Doch ist anzunehmen, dafs dieser
partielle Gerichtsstand des Unfreien vor dem öffentlichen Gericht im letzteren
Fall nicht übermäfsig häufig praktisch geworden ist; meist provozierte hier*
die klägerische Partei wohl das Schiedsgericht des Herrn: so dals sich
thatsächlich eine Art privater Rechtssprechung des Herrn auf Grund alter
Disziplinargewalt entwickelte.
Von dieser Disziplinargewalt besafs nun der Grundherr gegenüber dem
freien Hintersassen ursprünglich nichts; die Hintersassen stehen selbst-
verständlich für alles, was an Leib und Leben trifft, unter der öffentlichen
Gerichtsgewalt. Allein schon nach Rib. 31 , i, 2, und ganz allgemein seit
späterer karolingischer Zeit ^ besteht doch Recht und Verpflichtung des Herrn,
seine fi^ien Hintersassen vor Gericht zu stellen^.
So näherten sich schon auf strafrechtlichem Gebiete die Verhältnisse der
Unfreien und der freien Hintersassen. Zur Verschmelzung aber kam es gar
bald auf dem Gebiete zivilrechtlicher Klagen. Hier waren zwar für Klagen gegen
Unfreie (bezw. den Herrn des Unfreien) wie gegen freie Hintersassen grund-
sätzlich die öffentlichen Gerichte zuständig, allein meist wandte sich die kläge-
rische Partei direkt an die Vermittlung des Herrn. So entwickelte der Grund-
herr ein reguläres schiedsrichterliches Verfahren, dessen Beständigkeit sich um
so leichter ergab, als es sich vielfach um Streitigkeiten innerhall) der eigenen
unfreien bezw. hintersässigen Genossenschaft handeln mufste. Die Formen dieses
Verfahrens mufsten, je mehr sich das ganze schiedsrichterliche Amt des Grund-
herrn dem öffentlichen Richteramt an Umfang und Häufung der Thätigkeit
analog ausbildete, um so mehr dem der öffentlichen Gerichtsverfassung ähnlich
werden. Dabei bot vermutlich das Bauding des Fronhofs, die alte Wirtschafts-
versammlung der bäuerlichen Unfreien, einen Anknüpfungspunkt: sicher ist,
dafs sich die neue grundherrliche Gerichtsbarkeit zunächst an den Fronhof an-
^) Nach Meyer 3, 102 f. infolge Entstehung des Seniorates; s. dazu auch Roth,
Benefizialwesen S. 375. Sicher hat Meyer S. 107 darin Recht, dafs diese Pflicht nicht der
Immunität erwächst.
^) Das gilt auch von den Liten, welche wohl schon in karolingischer Zeit völlig mit
den freien Hintersassen verschmelzen (s. Meyer a. a. 0. 3, 107, Note 2) und deshalb ebenso
wie einige andere merowingische Zwischenstufen zwischen Freiheit und Unfreiheit (zu deren
Charakter s. die guten Bemerkungen Guerards in Bibl. de l'ec. des Chartes III, 2, 3) von
mir im Texte nicht besonders eingeführt sind. Die Liten konnten aber mit den freien Hinter-
sassen im fränkischen Rechtsgebiet um so eher verschmelzen, als sie nach fränkischem Recht
von jeher unmittelbar unter dem öffentlichen Gericht standen, ein eigenes Bufsensystem hatten
und nur bei schweren Verbrechen unter die Plaftung des Herrn fielen.
[Grimdlieniiclikeit und Vogtei. — 1152 —
sclilol's: im allgemeinen bildete von nun ab jede Fronhofsgenossenschaft einen
Gerichtskörper mit besonderem Schöffenstuhl und dem Meier in Vertretung
des Grundherrn als Richter.
Wir haben nun die Geschichte dieser Gerichtsbarkeit, speziell ihre Aus-
gestaltung zui- Grundherrlichkeit des Mittelalters hier nicht weiter zu verfolgen^ :
für unsere Erörterung ist nur der Gesichtspunkt wertvoll, dafs vornehmlich
durch die Entwicklung eben dieser Gerichtsbarkeit die freien Hintersassen zu
• Grundholden hinabsanken, die Unfreien sich zu Grundholden erhoben. Und
der mit Beginn des 10. Jhs. schon mehr oder minder einheitliche Stamm dieser
Grundholden unterlag nun im ganzen und grofsen der sozialen Einwirkung
der Grundherrlichkeit des Mittelalters.
Bevor indes der Charakter dieser Einwirkung näher untersucht wird, ist
es an der Zeit, sich zu fragen, welches denn das Schicksal jener Teile der
alten freien und unfreien Bevölkerung war, welche nicht der agrarischen
Thätigkeit in den karolingischen Grundherrschaften angehörten und darum
nicht in die gemeine Grundhörigkeit aufgingen. Denn nicht alle Freien waren
freie Hintersassen, und nicht alle Unfreien unfreie Fronhofsbauern.
Zunächst von den Freien aufserhalb der Grundherrschaften.
Die Zahl dieser Freien kann noch in karolingischer Zeit nicht unbe-
deutend gewesen sein. Für die Gegenden, in welchen die Abtei Weifsenburg
begütert war, führt Hanauer^ fiir das 9. Jh. wohl noch mit Recht aus: la
proprietö privöe (gemeint ist Kleinbesitz) etait de beaucoup plus considerable
que la proprietö seigneuriale ; la majeure partie des terres 6tait exploitöe par
des cultivateurs libres^. Der allgemeine Eindruck, welchen man aus den An-
gaben moselländischer Quellen erhält, ist nun nicht ganz so günstig; er ist
schon von Waitz, wohl völlig richtig, dahin wiedergegeben worden, dafs in
Lothringen während des 9. bis 11. Jhs. die vermutlich relativ wenigsten freien
Leute gesessen haben ^. Ist es leider notwendig, für die ältere Zeit mit all-
gemeinen Empfindungen und Eindrücken, wie sie das Quellenstudium zurück-
läfst, zu operieren*, so können wir dafür das allmähliche Verschwinden der
freien Leute in späterer Zeit um so deutlicher konstatieren. Noch im Beginn
des 12. Jhs. sind Freie nicht selten^; aber schon seit 1220 wird es bei ihnen
Sitte, den Stand besonders zu betonen^. Dann beuinnt in der 2. H. des IB. Jhs.
1) S. darüber oben S. 994 f.
2j Hanauer, Paysans S. 117.
3) Waitz, Yfg. 5, 379.
*) S. u. a. MR. ÜB. 1, 207, 960: zur Bestimmung von Grenzen placuit ingenuorum
tarn clericoriun quam et laicorum . . ibidem fieri conventum: viele Freie. Aus benachbarter
Gegend vgl. Lac. ÜB. 1, 9, 15, 794—800; Ennen Qu. 1, 618—9, 118, 925—36.
-) S. Lac. ÜB. 1, 154, 289, 1086; 161, 250, 1094; 172, 266, 1081—1105; MR. ÜB. 1,
419, 1110; Lac. ÜB. 1, 190, 289, 1118; Ennen, Qu. 1, 501, 39, 1119; G. Godefr. 4, MGSS.
8, 202, 1124—1127.
^) MR. ÜB. 3, 118, 1219: ego G. a progenitoribus meis homo libere conditionis et
1153 — Soziale Gliederung.]
der Begriff des echten Eigens, jener Vorbedingung der alten Freiheit, immer
mehr zurückzutreten, sein Zugeständnis tritt schon als besonderes Privilegium
auf; und im 14. Jh. verschwindet auf dem platten Lande nahezu Begriff' und
Nanie^ Damit war den Altfreien eine durchaus wesentliche Existenzbasis
genommen; und dementsprechend verschwindet ihre Erwähnung auch in der
urkundlichen Überlieferung 2. Uf den hoefin saßen birbe lüde, sagt das
AVBacharach 14. Jhs.^, die kois man gerne zu scheffln, die sint vor langen
jaren vergangen.
Nun treten freilich auch später noch Freie auf; namentlich in den alten
Fiskusgebieten und in den spätkolonisierten Hochflächen der Eifel und des Huns-
rücks sind sie zu Hause. Gewifs sind sie auch Nachkommen der altfreien Bevöl-
kerung des früheren Mittelalters. Aber das Wesen ihrer Freiheit ist nicht
mehr das alte. Sie haben Verfügungsfreiheit über Fahrhabe und Grundeigen, sie
sind freizügig, sie zahlen nur staatliche oder ehemals staatliche Lasten * — aber
legitimus advocatus super villa, que dicitur Waldenhusen; s. dazu oben S. 1069 Note 2. Vgl.
femer MR. ÜB. 3, 1283, 1255 ; 1340, 1256. Wenn man unter der universitas parrochianorum
Freie verstehen könnte — was bei dem fiskalischen Charakter von Sinzig nicht ausgeschlossen —
so erschiene eine ganze Anzahl von Freien noch in der Urkunde MR. ÜB. 8, 230, 1224:
ein Beschlufs der parrochiani de Senceche de consensu tam militum quam ministerialium et
hominum necnon et tota imperii familia cum universitate parrochianorum eiusdem loci in hoc
cum acclamatione sollempni convenientium et voti sui affectum exprimentium.
1) S. oben S. 627.
2) Vgl. noch Cart. Orval 459, 1271, cit. oben S. 261 Note 1; Or. St. A. Koblenz
Abtei Himmerode, reg. Goerz MR. Reg. 3, 2774, 1272 Dez. 21, cit. oben S. 679 Note 2;
ferner Bd. 3, 390, 21, 1314; vielleicht auch Cod. Lac. 142, 1326. — Über die Freien in
Luxemburg (späteres Ma.) s. Bonvalot S. 316 — 17; über Freie und Bedeleute im Ingel-
heimer Reich Loersch S. LX; zur Erhaltung der Freien in Westfalen endlich Kindlinger,
Hörigk. S. 69 f., auch Chron. reg. Cont. 111, S. 202, 1203.
^) G. 2, 221 N. 1, schon oben S. 331 Noie 1 citiert. Schon viel früher wird im all-
gemeinen der Gegensatz von frei und unfrei zu Gunsten dessen von adlig und unadlig ab-
gelöst, s. Waitz, Vfg. 5, 188 Note 1.
*) Vgl. WHamm 1339, G. 2, 84 : so is sente Petirs man und we inme Hamme sitzit also
fri, dat he uzer dem Hamme von dem stifte und von dem voide magh varin gain und flizen,
war he wilt. und solen in gebeidin uz irme gerichte, ave he is begert, und sal ieme sin
eirve in sin gut na eme dinen ledig ind los dar, da her is, ain widerspräche und ain hinder-
nisse unses heni ar siner amptlude ar des voides, mitz eirfiichin eins, ave id keinen schul-
dig is. WBernkastel Winterich usw. 1358?, G. 2, 358: vort wisen die scheffen, daz in den
vi erdehalben hoven kein eigen man noch verbürget man sitzen sulle; item, daz ein iglicher
binnen den vierdehalben hoven gesessen, der nit wibes noch kinder enhait, sine varhende
habe geben muge, wem er wilt, ane imans Widerrede ; item daz sant Peters lüde, im vierdem-
halben hove geseßen, varen und fließen mögen mit der sonnen, war in fuget, sie enweren
dan umb scholt oder anders vor gerichte angesprochen. WHönningen 15. Jh. § 40, G. 6,
659: dat ein eiklich man, die binnen dem gerichte van Hoinghen gesessen is, van herlicheit
ind vriheit wegen unser vurg. heren van sant Cunibert vri is ind neit vurder zu dienste
einichem heren verbunden enis, dan alleine umb dri noitsachen, as sich die geburent, ind
as die vurs. steint. WReinsfeld 1546, von den Waldleuten im Hochgericht Reinsfeld: der
arme man . . sal binnent dem hochgericht also frei sitzen und beschirmt sein, als wenn er
[Grimdherrliclikeit und Vogtei. — 1154 —
ihre alten politischen Rechte haben sie verloren ; sie spielen keine Rolle mehr in
der Heeresverfassung, und ihre gerichtlichen Befugnisse verschwinden vor der
Macht des über ihnen stehenden adligen Richters. Zudem sind sie wirtschaft-
lich wenigstens teilw^eis gesunken und stehen jedenfalls in dieser Hinsicht
oft nicht viel über dem Kräftezustand unfreier Leute ^ Schliefslich aber
liaben die Gegensätze von frei und unfrei überhaupt nicht mehr die alte Be-
deutung; seit dem 10. Jh. waren ganz andere Fermente der Standesbildung
wirksam geworden, unter ihrem Einflufs verblafste der alte Gegensatz^.
Gregor von Tours vergleicht einmal den Unterschied zwischen frei und unfrei
mit dem zwischen weifs und schwarz^: wer hätte im späteren Mittelalter
noch solchen Vergleich ziehen wollen? Die Altfreien wurden, privatrechtlich
unbehelligt, politisch ihrer Rechte entkleidet, zu Unterthanen der neuen Terri-
torialgewalt, zu armen Leuten im Sinne des 14. und 15. Jhs. Als solche aber
wurden sie ganz nach Analogie der anderen hörigen Klassen der Unterthanen
behandelt *. Für diese war schon längst der Grundsatz aufgestellt und immer
weiter in der Praxis durchgeführt, dafs die Luft das Recht gebe^: wer einem
bestimmten Bezirke angehörte, der genofs das Recht dieses Bezirkes^. Ein
zu Grimburg binnen der bürg sesz. er sal auch freiheiten und macht haben, seine kinde zu
verhiraden us diesem hochgericht, war ime sein ehr und narong können verhelfen . . .
der armman binnen diesem hochgericht gesessen sol macht und gewalt haben, sein erb und
guetgin zu verkaufen zu verwenden zu verpfenden on intrag aller herrn. er sol auch freiheit
und macht haben zu ziehen mit seinem guetgin us eins hern land in das andere, us dem
andern ins drit, sol sein guet ime nachdienen ungehindert einichs hern. Vgl. ferner WThom-
men 1555 § 11; WCessingen 1568 § 5, cit. oben S. 627 Note 3; WMondorf 1569 § 17;
WReuland 1586 § 4.
') WAspelt 1585 § 7, 8, 9 unterscheidet Eigenleute und Freidienstleute, letztere stehen
aber wirtschaftlich nur wenig besser.
2) Wie das unter dem Einflufs des standesbildenden Prinzips des Berufes schon früh
möglich war, zeigt G. ep. Leod. 2, 29: Bischof Notker von Lüttich erzog ad honorem aec-
clesiae suae . . et ingenuos, et eos Cjui essent ex fideli familia aecclesiae, quorura nonnullos
sepe a praegnantibus etiam expostulasset matribus. S. dazu schon Regino Gaus, synod. 1
Xote 76, auch 79.
3) Hist. Fr. 3, 15.
^) S. schon MR. ÜB. 3, 1398, 1257: Adolf Herr von Berg verzichtet iurisdictioni de
Grumirsbrecht, liberis hominibus de (Much) et hominibus de Unkele.
"") Der Satz »Stadtluft macht frei« ist nur eine Anwendung dieses viel allgemeineren
Satzes; auch Landluft einiger Bezirke (s. unten S. 1155 Note 2) macht frei. Die generelle zu
Grimde liegende Anschauung betont schon Thudichimi, Gau- und Markvf. S. 223—4.
^) Vgl. W. des Amtes Nürburg 1491 § 10, G. 6, 591 : of auch iemants mehe meihemel
im ampt have, dan min gn. her? item, of die lüde genant die wilde sich auch anders ge-
halden haven dan angehorigen gehurt? item, wie wit, breit und verre dat land und hirlicheit
und hogericht des ampts von Nurberch ghae und kere, und wiltban, hoacht und nederacht?
item traden die scheffen zoruck und nae dem berade quamen sie weder und antworten durch
Peter Toll, dat niemants meihemel im ampt geburt, dan mime gn. hern; item, dat die wilde
sich gehalden haven als andere angehorige lüde mit besteteuis schetzunge und dienst, und
dat ire etliche gedenken 40, 50, 60 jare, und nehe anders van den wilden vernomen gesen
ader gehört haven; item der wiltban und gericht were also wit und breit, als in eime zedel
— 1155 — .Soziale Gliederung.]
GnuKlsatz , der sehr natürlicli mit dem Aufkommen des Territoiialismus sich
Bahn breclien mulste. Hatten im früheren Mittelalter alle politischen oder
halbstaatlichen jMachtbeziehungen als Unterlaj2;e so zu sa'ien eine Diaspora,
war die Grundherrschaft von Anbeginn auf Streubesitz basiert, die Vogtei
durch Zersplitterung und Zusammenlegimg schliefslich auf Streubesitz reduziert
worden, so war es das natürliche Streben des Territorialismus, wiederum volle
und fest abgeschlossene Bezirke gleichen Rechtes zu schaffen. Personale bezw.
dinglich individuell radizierte Behandlung aller Rechts- und Machtbeziehungen war
die Losung des früheren Mittelalters, welche durch die Rezeption des Lehn-
begriffes in die obersten staatlichen Beziehungen eingeführt wurde und unter dem
Druck dieser Rezeption alle tiefer stehenden Verhältnisse durchdrang: dem-
gegenüber ist das Ziel des Territorialismus von vornherein die Herstellung
eines einheitlichen Staatsgebietes und damit die Auflösung aller personalen
und fundalen Fesselung in der Einheit des Landrechtes.
Ein Anfang in dieser Richtung wurde nun damit geschaffen, dafs man
zunächst fiir kleinere Bezirke Einheit des Rechtes in Stand und Grundeigentum
schuf. Were sache, heifst es im WDaun 1466, G. 2, 605, das ein herkomende
man queme in dis land, in welche zenderie das were, so sal er an demselben
zender der gehucknisse gesinnen, ime zu huse und zu herbergen zu helfen,
dann er wolle hinder u. gn. h. in die herreschaft von Dune setzen, und so
derselbe man alsdan daeselbs jare und tag gesitze, sal man ine fri laissen
sitzen, und wanne das jare umb ist, wil er dan hinder dem herrn bliben,
sal man ine ufnemen und er mins gn. h. angehoerig man sin und glich an-
dern verdedingt werden. Ganz in gleicher Weise, nur nicht für vogteiliche
Verhältnisse führt das WObermendig 1382, G. 2, 495, aus: haut dei scheffen
gewist, so wa ein vroniet man aen navolghighen herren dar queme, dat hei
dein gerichtesherren, der over hals und buich richtet, keisen sal vur einleben
lantherren, sint hei under om sitzet und siner wasser und wede gebrucht^
Diesem neuen Prinzip der Territorialität wurden nun auch die Reste der
Altfreien untergeordnet; und aus ihm erklärt es sich, wenn Freie später nur
noch in gewissen Bezirken vorkommen , in andern dagegen gänzlich fehlen ^ :
dat gelesen wart. Zum Prinzip der Abgrenzung nach Ämtern s. schon MR. ÜB. 3, 1453,
1258: nos Wilhelmus comes luliacensis et Ricardis comitissa, collateralis nostra, notum faci-
mus Omnibus presens scriptum inspecturis, quod nos homines universos ad officium Nunbret
pertinentes, pro quibus cum viro nobili lohanne comite de Spainhem altercavimus, resignavi-
mus, et si quid iuris in eis habuimus, penitus effestucavimus, nee unquam nos vel nostri suc-
cessores et heredes de eisdem de cetero movebimus questionem.
1) S. auch Bd. 3, 300, § 4, 1497.
-) WRommersheim 1298: auch haet der scheffen gewist, dat neman ensal eigengoede
haen in der epdien von Prume, it si in deme hoüe van Rommerschem noch zo Prume noch
im hove van Alfe noch im hove van Sefferen und in anderen hoven, die in der apdien gelegen
sint. Auch im ganzen Hochgericht des Saargaus sitzt kein rechter Freier, dann allein ein
rechter Pastor, und es si dan, daß einer im S. gesessen were u. gn. h., der inen zu dienst
nachride mit schwert und schild, s. WSaargau 1561, G. 2, 56 f. Nach einer Angabe von
[Griindherrlichl^eit und Vogtei. — 1156 —
in den ersteren waren sie zahlreich genug gewesen, um im gemeinen Bezirks-
recht eine Stelle zu erhalten, in den letzteren dagegen waren sie den über-
wiegenden anderweitigen Standesverhältnissen unter- und eingeordnet worden.
Natürlich galten nun für diese freien Unterthanen auch durchaus die sonst
gezogenen Konsequenzen der Territorialität. So im Dauner Bezirk. Hier be-
stimmt WDaun 1466 und 1489, G. 2, 607 : halt der lantscheffen und lantman
gewiest, das u. gn. h. habe etliche lüde im lande von Dune, geheischen fri
dienstlude, die haben solche friheit, das sie mögen hilligen, woe sie wollent,
und wanne dieselben, is sin man ader wif, gehelicht und bigeschlaifen haint,
ist es ein man usser dem gerichte von Dune, so ist das wif und die kindere,
so sie miteinander gewinnent, desselben herren und von dem rechten, als der
man ist. und weres ein wife, so sulle derselbe und ire kindere abesin von
dem rechten und dem herren angehoeren, als die frauwe. Noch bezeichnender
fast ist eine Urkunde K. Max L, in welcher dieser zuvorderst erklärt, dafs kein
Trierer Unterthan der Unterthanschaft eines andern ohne Zustimmung des
Erzbischofs unterworfen werden könne; ferner damit dem stift zu Trier nicht
abbruch geschehe, und die freien leuth in vergeß der freiheit und gnat, die
sie vom stift haben, ihre wesen und condition nicht minderen, dafs die vorg.
freien Trierische und ihre kinder, man und frawen, die gewest noch sein oder
werden, nicht haben macht gehabt noch hernachmahls immer haben sollen
oder mögen einicherlei weis, mit anderer herrn aigen oder einicherlei dienst-
bahrlicher condition leuthen zu heurathen oder die oder anderer weis sich oder
ihre kindere anderen herrn zu veraigenen oder mit einigerlei dienstbahrer
condition zu under werfen oder zu thun, ohne wissentlich und öffentlich erlaub-
nus eines erzbischofs zur zeit.
So sehen wir denn am Schlüsse des Mittelalters gerade diejenigen Alt-
freien sinken, welche ohne Wanken, unter strikter Aufrechterhaltung ihrer
alten sozialen Merkmale die Jahrhunderte überdauert hatten: sie wurden zu
Unterthanen eines gnädigsten Landesherrn und von diesem nach Analogie der
hörigen Klassen behandelt.
Aber nicht alle Freien waren genau auf der alten Basis stehen geblieben.
Sehen wir zunächst noch von denjenigen Gruppen ab, welche sich rechtlich ganz
wesentlich verschlechtert oder ganz wesentlich verbessert hatten, so hatte es
aufserdem mehrere Möglichkeiten gegeben, unter allgemeiner Aufrechterhaltung
des alten rechtlichen Freiheitsbegiiffes andere soziale Stellungen einzunehmen.
Vor allem im Pachtwesen: sicher ist ein Teil der noch im 12. Jh. vor-
handenen Freien dem freien Pächterstande des späteren Mittelalters zugeflossen ^
Dann in der freien Arbeit. Zahlreich waren im frühern Mittelalter die
1573 bestand in Oberhessen Leibeigenschaft nur in den Gerichten Blankenstein, Lohra, Wetter,
Kaldern, Weimar, Rauschenberg und Königsberg, s. Landau, Salgut S. 166 Note 1.
^) Man vgl. dazu MGLL. 2, 294, 1232, Frage des Bischofs von Osnabrück: si libero
censuali bona censualia sibi collata in hominem conditionis alterius liceat absque comitis
vel conferentis vohuitate transferre? super quo sententiatum est, non licere.
— 1157 — Soziale Gliederung.]
Gründe, welche Freie von Haus und Hof bringen konnten: neben gemeinem
Unglück elementare Ereignisse^, Hungersnöte^, Kriegsdrangsale ^, Pilger-
fahrten^, Kreuzzüge u. a. m. Es ist daher nicht zu verwundern, dafs sich
trotz im allgemeinen gewifs geringer Mobilisierung der Bevölkerung^ doch
eine stets gröfsere Gefahr drohende Klasse Enterbter heranbildete, die schon
in der 2. H. des 11. Jhs. zum förmlichen Landfahrertum entartete*^. Von diesen
freien Landfahrern (grassatores) fielen nun gewifs viele dem Gros der Land-
streicher und Jokulanten zu ^, deren Leben speziell seit Zunahme der fahrenden
Scholaren und Lotterpfaffen einen eigenen Reiz erhielt^. Aber viele fanden
doch auch im freien Arbeitsvertrage Unterkunft. Lassen wir an dieser Stelle
die gTofse Masse freier Kriegsknechte aus dem Auge, welche sich schon im
früheren Älittelalter zumeist aus freien Landfahrern bildete ^, so sind auch freie
Existenzen im Hausgesinde und im Tagelohn schon seit der Karolingerzeit durch-
aus nicht unbekannt ^^. Mit dem 13. Jh. aber scheint ihre Zahl sehr gewachsen
1) So Seuchen, vgl. V. Aclalb. II. Mett. c. 14; Überschwemmungen, s. Warnkoenig 1, 85
zur Überschwemmung von 1180.
2) V. Ger. Tüll. 8, MGSS. 4, 496—7, Winter 984: als Gerard \on Kom zurückkehrt,
Langobardorum fines mox penetrat, ubi quamplures creditae sibi plebis [Tullensis] invenit,
quos victus inedia a nativo solo expulit. S. auch oben S. 592.
^) G. ep. Leod. 2, 37: Reginhardi episcopi tempore [1025—37] non parva exulum
copia ex occidentali regione in hanc urbem [Lüttich] confluxit, qui patriam et dulcia arva
linquentes [Vergil. Ecl. 1, 3], ut ipsi ferebant praedis et incendio in solitudinem redacta,
parvulos suos miserabiliter circumferentes ab ignotis gentibus stipem mendicare cogebantur.
horum cottidie concurrentium turba cum aliquantum gravis esset indigenis cibos manu et
arte querentibus, propter coemendi panis angustiam, qui tantae plebi minus posset sufficere,
hie domnus episcopus ad concives nostros paterna usus est ammonitione, ut unusquisque
huiusmodi egenis studeat pro posse misericordiam impendere, qui autem aliquid largiri ne-
queat, vel nullam eis molestiam inferat . . . trecentos ex eis stipe sua alendos suscepit, et
ad similia pietatis opera pro posse explenda alios accendit.
4) S. Flod. z. J. 920, MGSS. 3, 369; Ennen, Qu. 1, 522, 56, 1145.
^) S. Bd. 2, 245, auch Regino Gaus. syn. 2, 123.
6) S. Ennen, Qu. 1, 491, 31, 1083; MR. ÜB. 1, 4, angebl 634, Fälschung 1 H. 12. Jhs.
Zum Auftreten dieser Leute vgl. Richer 2, 57 : der habitus abiectus [Richer 3, 8 : habitus
paupertinus] bestand aus sportule ab humero dependentes, in der Hand ein baculus ferratus.
S. dazu die prächtige *Federzeichnung eines solchen Bettlers in Cod. Mon. lat. 15093
Bl. 99t , 11. Jh.
'') Gyrovagi, histriones, ioculatores, s. G. ep. Leod. 2, 14; Herim. Aug. z. J. 1043;
Ann. Hildish. (sancti Albani) zum J. 1044; Bd. 3, 452, so f.
s) S. zu ihnen z. B. Stat. synod. Trevir. 1227 c. 9, Blattau 1, 25: praecipimus, ut
omnes sacerdotes non permittant trutannos et alios vagos scholares aut goliardos cantare
versus super Sanctus et Agnus dei aut alias in missis vel in divinis officiis.
9) S. vorläufig Lac. ÜB. 1, 132, 203, 1064—6, cit. oben S. 881 Note 1 ; Ann. Corb.
z. J. 1147, MGSS. 3, 16; Cart. Orval 459, 1271, cit. oben S. 261 Note 1. Näheres darüber
im ersten Teil des folgenden Abschnittes.
10) S. schon Ed. Roth. 152, vgl. 144—6; femer Regino Gaus. syn. 2, 5, 77: Verbot,
einen eingewanderten Peregiinus, der bei jemand loco mercenarii dient, zum Servus zu
machen, dazu a. a. 0. 2, 433 — 434.
[GrimdheiTlichkeit und Vogtei. — 1158 —
ZU sein ^ ; ein volles System freier Mietsverträge entwickelt sich ^, und in allen
Verwaltungen treffen wir auf Arbeitsleistungen von freien Dienern und Sub-
alternen^. Das Los dieser Klasse von freien Leuten ist schliefslicli kein
schlechtes gewesen; die meisten haben sich w^ohl in den Städten emporgear-
beitet, und der Kest brachte es auf dem platten Lande fast durchweg zu einem
kleinen Grundeigentum *.
Wirtschaftlich günstiger sind freilich auf die Dauer diejenigen Freien
gefahren, welche im eigentlichen Mittelalter zunächst eine Minderung ihrer
Freiheit erlitten. Es kommen da vornehmlich zwei Klassen in Betracht, die
Markhörigen und die Yogteileute.
Von ihnen sind die Markhörigen früher und wohl auch noch massenhafter
entwickelt als die Vogteileute; ihre Bildung ist im wesentlichen mit Beginn
der Stauferzeit abgeschlossen. Ihre rechtliche und soziale Stellung läfst sich
nach den Ausführungen im ersten Teile dieses Abschnittes*^ sehr einfach um-
schreiben: nur selten halten sie sich frei von Vermischung mit den Grund-
holden des Fronhofes ^; in Belastung'^ wie Gerichtszwang ^ erreichen die Grund-
herren vielmehr zumeist das Ziel mehr oder minder umfassender Verschmelzung
mit den Grundholden ^. So wird es namentlich zum Grundsatz, dafs jeder
Gehöfer als solcher Markgenosse ist^^, dafs jeder eingesessene Markgenosse
1) S. z. B. Ces. Heisterb. Homil. 2 S. 68 (Dial. mai. 1 S. 233 Note): quaedam sunt
domus ordinis Cisterciensis adeo divites, ut una earum singulis diebus quinque milha ho-
minum pascere sufficiat, ita tarnen si monachis et conversis coloni cum mercenariis, hospites
cum pauperibus connumerentur. In der Provinz Sachsen dagegen biklen sich die freien
Tagelöhner nach Pommer S. 39 erst Anf. des 17. Jhs. aus ; ähnUch in Hannover (Kaienberg)
nach Graf Goertz S. 68.
^) S. dazu P. Hertz, Die Rechtsverhältnisse des freien Gesindes (Gierkes Unter-
suchungen VI); aus unserer Gegend z. B. Oberlahnst. Zollr. 1464/65 S. 423: den Wagen-
knechten vor ir ernerecht, als ir gedingniß inhelt, 1 fl. ; ferner Loersch, Ingelh. Oberhof
No. 28, 181, Beil. 2.
^) S. oben S. 861, § 11, 1296; Bd. 3, 470, 28, 1345; No. 296, 1350; Oberlahnst. Zollr.
S. 290, 1464—65; USMax. 1484 Bl. 11^, cit. oben's. 754 Note 1; Bd. 3, 315, § 5, c. 1530;
s. auch Bd. 3 Wortr. u. d. WW. gedinkt knecht und menovrie. Vgl. auch Beck 1, 259.
^) S. Beck 1, 220, 267.
^) S. S. 996 ff.
®) S. z. B. Justi Hess. Denkwürdigk. 4^, 31, 1193: liberi et serviles omnes incole . .,
qui vulgo dicuntur merchere.
') S. oben S. 797 ff.
») S. oben S. 232 Note 1.
^) S. oben S. 800, vgl. auch noch UKarden 11.— 12. Jh. : tota villa de Bittelesdorf cum
suis appenditiis est ecclesie Cardonensis; die Einwohner heifsen beneficiales. *USElisab.
Hosp. Bl. 26a, Hans: bannus terre et aque sunt abbati, et homines tenentur facere fideli-
tatem abbati. *WLintgen 1320 und 1484: lehnherr und erfgrontherr für grundhörige Ver-
hältnisse identisch, hierzu *USMax. 1484, WHeisdorf: gruntherr und erf- und gruntherr sind
gleichbedeutend.
^^) WAmel 1472 § 19 : wer im Hof von Amel gesessen ist, er mag unterthan sein, wem
er will, wenn er nur zu Feuer und zu Flamme sitzt, der hat Wasser und Weide. WDörren-
bach 1504, G. 2, 39, Fr.: wer in dem berisz wasser und weidgang mit recht zustee und des
— 1159 — Soziale Gliederung.]
inarkhörig sein mufs ^ , dafs endlich alle Forensen in die Zinsung der
Markhörigen eingeschlossen werden^. Damit verfliefsen Markhörigkeit und
Grundhörigkeit ineinander^, und das Schicksal der Markhörigen fällt im
wesentlichen mit der später zu schildernden Entwicklung der Grundholden
zusammen.
Das gilt auch vom Schicksal der Vogteileute da, wo die Vogtei sich
völlig, bis zur Analogiebildung der Grundherrschaft hat ausbilden können.
Zwar ist das keineswegs überall der Fall ; noch spät werden mehrfach Grund-
holde und Vogteileute ausdrücklich unterschieden"^; aber im ganzen nähern
sich doch die Verhältnisse der Vogteileute je länger je mehr denen der Grund-
zu geniszen habe? R. dieselbigen hofslut, die darin sitzen und uf nechst daran stoßen.
AVImmerath (1507), G. 2, 395: der lehenman weiset, ein liofman, der hie sitzet, er seie wie
er wolle, der sitzt wie ein einichsman gegen dem herrn, gegen der gemein; sie minderen
und mekren ihme sein dienst nicht. WMeddersheim 1514 § 9: wer bei uns sitzt und won-
haftig ist und den hern dienstlich lieb leiden gnad und ungnad litt, der hat macht und
freiheit zu gebrauchen wasser und weid, fischen und jagen gleich ein ander gemeinsman.
Darum spricht das WLeuningen 1560 in § 2 und 18 geradezu von gemeinen hofsleuten oder
gemeinen einichhofsleuten.
^) S. Cesar. zum UPrüm, cit. oben S. 436 im Text; UWincheringen um 1200, MR.
ÜB. 2, 364, SSimeon ist Grundherr : incole quoque omnes, qui sunt in bamio (ville), debent 9
dies in anno in servitio fratrum (in Ernte- und Hausarbeit) pro conmunibus pascuis et con-
munibus aquis. WHerl 1537, G. 2, 304: wiesen sie, das keiner unnerthon inwendigh dem
ban gesessen [si], der einige frie guter ader eigen lant hab, er bedeine es dan mit dem budel
und mit dem sack. WGostingen 1539, G. 2, 261 : Grundzins gibt, wer laufwasser und gras
zu lehen hat. Vgl. auch WRübenach, G. 2, 344 (so oft): wanne der inwoner des dorfs R.
seine herrendienst gethan, sein gruntzins geliebert und bezalt, alsdan mach er sich ge-
brauchen wasser und weiden, filz und lei, wilt und zam nach notturft seiner narungh.
2) Dahin ist doch wohl WRetterath, G. 2, 480 zu verstehen: weisen, daß m. gn. her
von Trier belhenen sol die uswendigen, si seien witwen oder weisen, die inwendigen seien
selbst belhenet. Die Forensen heifsen perterranei, s. *USMax. 1484, WBisingen: perter-
ranei sie dicti, quod quamvis in loco de Semibesengia personalem non faciant residentiam,
habent tamen terras in dominio banno et finagio dicti loci. Hiermit sind nicht zu vei'-
wechseln die alieni oder extranei. Unter extranei versteht das UPrüm No. 45, Villance, nicht
gehöferschaftliche Markgenossen : homines extranei, qui infra nostra potestate resident, s. auch
No. 46, Mabonpre; No. 118, Bingen. Dasselbe sind im UMettlach die alieni, s. UlMettlach
No. 5, Vahl 15 d: alieni etiam, qui utuntur nostra silva et pascuis, 40 pullos et unum simul
solvunt. S. zum Verständnis auch UStift 395, Fitten 11c: ceteri rustici [die Nicht-Gehöfer]
banno archiepiscopi utentes ibidem tribus diebus in anno venient ad atthin archiepiscopi ad
arandum.
^) WDemerath 1578, G. 3, 841: weist der scheffen, wer hie wonhaftigh ist und neit
frawenlehen hat, der sol des buschs entpfangen gleich seinen andern guitern, dan sal er sich
des geprauchen mit holz und ecker gleich seinen andern nachparen.
*) WBenikastel Winterich usw. 1358?, G. 2, 358, unterscheidet noch eigen man und
verbm-get man. S. ferner noch WRemich 1462 § 59; WMeisenheim 1549 § 6. Zum folgen-
den s. auch noch v. Maurer, Fronh. 1, 278, 306—7, 313 f., 331.
[GmndlieiTlichkeit und Yogtei. — 1160 —
holden: Statuierimg von Zins- und Dingpflicht \ Abstufung^ und Radizierung^
der Lasten, ja sogar persönliche Leistungspflicht im Besthaupt* und Bindung
im Eherecht ^ findet sich bei Vogteileuten wie bei Grundholden. Da kann es
1) WThron, Toepfer 1 S. 282: wer is sache, das ein man bougete ein hus in einen
garten uf der fodien imd dain wante, der sal davan doen als van einer rechten hobstat,
wonet er aber nit darinne, so vorrichters mit ander sinem erbe, wer wonet zu Drone uf der
rechten vodigen, der is schuldich 3 honer, 3 fas habern und 2 sester rauchwins. di
hobstede zu Numagen, di da sten uf der rechten fodien, da man inne wonet, geben mime
herrn dem voide 2 sester rauchwins, 1 hoen, 1 firzel even und mime herrn dem apte ein
hoen und zehendehalf eier. anderwerbe wer sitzet uf der rechten vodien, der ist schuldich
zu komen zu allen foitdingen und zu allen boudingen; wer sich daran sumet, der mus liden,
was der scheflfen wiset. S. auch WAltwies 1693.
2) MK. ÜB. 2, 4*, 1170: advocatus de sua petitione non debet ultra ab aliquo
hominum . . etiam inter ditiores plus exigere quam mir. spelte, a pauperioribus mir. avene
... et soli habentes iumenta deferant hanc frumenti collectam ad habitationem advocati
Kereberc, non habentes vero iumenta ea, que dant, presentent subadvocato, quem eis maior
advocatus preposuerit.
3) S. u. a. oben S. 1083, vgl. auch *Bald. Kesselst. S. 236, 1332: tredecim mansiones
dictas saitzunge cum hominibus ad easdem pertinentibus et unam domum torcularem in villa
Trunthingen inter Luzellenburg et Remiche.
*) S. oben S. 1086.
•^) Lac. ÜB. 2, 558, 1265, Vergleich zwischen Jülich und Köln über die Hochstaden-
Ahrsche Erbschaft: de hominibus . ., qui dicuntur homines Prumienses, taliter est condictum,
quod illi homines, qui sunt in Arwilre Are Kesselig et in aliis villis ipsi domino archiepiscopo
et ecclesie Coloniensi deputatis commorantes, sui erunt, illi vero qui morantur in villis nobis
deputatis et alias, nostri erunt. et si huiusmodi homines nostri in villas ipsius domini arclii-
episcopi declinaverint, sui erunt, ex converso [so zu lesen] qui in villas nostras declinaverint,
nostri erunt. et sie omnis controversia inter nos hactenus habita integraliter et amicabiliter
est sopita. Kremer, G. d. Ardenn. Geschl., Cod. dipl. S. 535, 1376: ich Frederich von Ippel-
born ritter dun kunt allen luden, das umbe de bont, der da stet in deme briefe, durch weli-
chen brief dies genwortiger brief durchgestochen ist, der da spricht, das mine lüde mogent
nemen under des edeln herrn mins lieben herrn grafe Johan von Sarbrücken . . luden in deme
Zinder daile erlich dierne zu eime elichen wibe, und sine lüde unter minen luden dasselbe
widderumb, des sin wir zu beiden siten obirkommen und han den pont erlutert und wollent,
das er sich also verste: das die dochter, die man also zu der e nemen mach als vorg. ist,
die ensal nit ein stock sin, dan von andern dochtern sal is sin, als der eg. brief heldet.
und auch ist zu wißin, was dochter bitzher, e dieser genwortiger brief gemacht worde, von
minen luden hindir min herren den graven vorg. und von sinen luden hinder mich in der
vorg. maißen kommen sint, es sint stocke oder nit, die sollent bliben, als sie itzunt sitzent;
und sal auch der eg. brief in allen andern sinen ponten und stücken stede verliben und in
sinen ki-eften, ane an deme vorg. ponte von den dochtern. Toepfer 2, 34, 1379: die Brüder
Johann und Hügel Vögte zu Hunolstein schliefsen mit den Brüdern Heinrich und Friedrich
Grafen zu Veldenz einen Vertrag, wonach unser beider partien ir arme lüde zu Gorenhausen
gemeine herrschaft haben sollent die nesten zehen jair, da sie arme Leute in der Vogtei der
beiden Grafen und diese wieder arme Leute in ihrer Vogtei sitzen haben. WNalbacher
Thal 1532, G. 2, 27: weisen, das die obersten mit den nedersten, und die mittelsten mit
den in der obersten vogdei heiligten vermitz iren gewonlichen zinsen; und so sie dermafsen
mit einander geheiligt haben, mögen sie auch zehen mit irer hab und guetern an der dreien
vogteien eine, welche ine geliebt; doch so sal alweg die hoefrede und behausung pleiben,
— 1161 — Soziale Gliederung.
nicht wunder nehmen, wenn Vogteileute auch wie Grundholde veräul'sert
werden \ wenn auf sie hier und da sonst für Lei])eigene i>eltende Bezeichnungen
übertragen werden ^ wenn schliefslich für sie dieselbe Maxime zur Anwendung
gelangt, nach welcher bei den Markhörigen jeder eingesessene oder einkom-
mende Mann dem Rechtszustande der schon vorhandenen Leute ohne weiteres
unterworfen wurde ^.
Diese sozial sinkenden Klassen machen nun aber den gröfsten Teil der
noch vorhandenen altfreien Bevölkerung aus, wie schon daraus hervorgeht,
dafs der Rest, welcher sich über das Niveau der alten Freiheit erhebt,
ohne weiteres aristokratischen Bildungen anheimfällt. Über den letzteren Vor-
gang noch einige Worte.
Der alte Adel der Urzeit war schon in der merowingischen Epoche mit
Ausnahme weniger Reste zu Grunde gegangen; ein neuer Adel hatte sich im
allgemeinen'* aus dem Umschwung des gesamten Volkslebens in der Volks-
rechtsperiode heraus, im besonderen auf der Basis von Grofsgrundbesitz und
Amtsgewalt entwickelt. Ihm gehören jene Geschlechter an, welche sich schon
in karolingischer Zeit zur sozialen Führung der Nation herandrängen, sie dann
im 10. und 11. Jh. in Verbindung mit der geistlichen Aristokratie thatsächlich
übernehmen, und während der letzteren Epoche mit den Worten maiores oder
nobiles oder mit ähnlichen Ausdrücken bezeichnet werden^.
Aber das Ferment der Amtsgewalt, welches in fränkischer Zeit sehr
wesentlich zu ihrer Bildung beigetragen hatte, fiel mit der deutschen Kaiser-
zeit hinweg. An seine Stelle trat, vom rein politischen Standpunkte aus ge-
sehen, das Ferment des Lehnsnexus. Indem indes der Lehnsnexus an Stelle
der alten Staatsunterthanschaft ein auf Gegenseitigkeit beruhendes Verhältnis
als Basis des Staatslebens einführte, minderte sich die Selbständigkeit seiner
standesbildenden Kraft ganz aufserordentlich. In fränkischer Zeit hatte der
so weit der drauf derselbigen geht; und wo einer erstlich schaffer wirt und sich nedersetzt,
sal er auch sein lebtag schaffer und zinsbar pleiben. vorts so iemants usser dem hoef und
tal Nalhach heiligen und greifen zu ehe wulde, der mag es thun, und sollen ime vermit/-
herrnschaff und zins one hindernus der lehen und vogtherrn sein erbgueter volgen und nach-
thenen.
1) Hennes ÜB. 2, 262, 1280.
2) So sind nach WSchuweiler 1635 § 3 dreizehn Yogteien mit Leibeigenschaft ver-
pflichtet. S. auch a. a. 0. § 13 u. 14: wanehr ein kind auser der vogteien ausbestat imd
heiratsgut empfenkt, auch von dem hern abgekauft wirt, so hat nachmals dasselb abkauftes
kind vemers nichts nach der elter dot an der eigenschaft zu suchen, sondern allein an dem
möbel, do einiche vorhanden, sovern aber ein kint in die eigenschaft inbestat wirt und be-
gert die eigenschaft zu teilen, wirt ime solches ohne verwilligung der hern nicht zugelassen.
^) S. z. B. WEdiger u. Eller 16. Jh., G. 2, 426: weiset vort der scheffen, kehme ein
mahn bei uns wohnen, jähr und dagh bei uns gewohnet hette und lieb und leid bei uns ge-
litten bette, als ein ander burger, den sol m. gn. herrc schirmen und verantworten als ein
ander burger.
*) S. darüber Genaueres oben S. 51 f.
^) Vgl. z. B. Alp. de div. temp. 2, 8; Bruno de hello Sax. 37.
Lamp recht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 74
[Gnmdherrlichkeit und Vogtei. — 1162 —
Staat die Fülle der Amtsgewalt als ein durchaus und rein politisches Ferment
der Standesbildung einseitig, nur von sich aus, geliefert: jetzt dagegen, im
Lehnsstaat, mufste der ehemalige Unterthan, nunmehr Vasall, zum Standes-
bildenden Ferment des Lehnsnexus ein gutes Teil eigener Kraft mit einbringen.
Zu hervorragender Stellung im Lehnsstaat eigneten sich daher nur an sich
machtvolle, mit eigener Daseinsenergie ausgerüstete Geschlechter^; in der
karolingischen Monarchie hatten auch Unfreie Grafen werden können. Aus
diesem Gegensatze heraus versteht es sich, dafs die soziale Bedeutung des
Lehnsbegriffes gering ist, darum auch — wie wir schon früher gesehen —
nicht in die Tiefen der Nation einwirkt ; denn dieser Lehnsbegriif kann stände-
bildend nur werden auf Grund anderweitiger, vom Vasallen her erborgter Kräfte.
Diese anderweitigen Kräfte aber konnten nur ökonomischer, und in der Zeit
der Naturalwirtschaft nur grundherrschaftlicher Natur sein. Alle grofsen
Adelsgeschlechter der früheren Kaiserzeit sind daher im Besitz von Grofsgrund-
herrschaften, fiir sie alle ist das soziale Ferment in dieser Zeit im Grunde
mehr wirtschaftlicher wie politischer Natur.
Dieser Gesichtspunkt verdient namentlich dann eine gewisse Beachtung,
wenn man ihn auf den allgemeinen Flufs der Wirtschaftserscheinungen an-
wendet. Wir haben früher gesehen, wie etwa seit dem 6. Jh. die neuent-
wickelte Möglichkeit wirtschaftlichen Wettbewerbs zerstörend auf die gemeine
Freiheit der Urzeit einzuwirken begann^; wenige Jahrhunderte darauf erschienen
Armut und Freiheit schon als nahezu unversöhnliche Gegensätze: quam vis
pauper sit, tamen libertatem suam non perdat nee hereditatem suam, sagt die
L. Baiuw. 1, 7, 4^. Jetzt nun, spätestens mit dem 10. Jh., wurde die wirt-
schaftliche Macht auch nahezu das einzige Ferment der adligen Standes-
bildung ^; in der späteren Kaiserzeit lag das jedermann offen zu Tage, und
1) Zur Illustration vgl. Publ. Luxemb. 14, 111, 1282: Dietrich von Hayingen giebt die
Hälfte seines Lehens an Luxemburg zurück, cum gravis sarcina debitorum iam diutius pro
mea ac meormn sustentatione necessaria contractorum me ad inopiam traxerit evidentem et
in tantum mearum exhauserit substantiam facultatum, quod domino meo comiti Luccenburgensi,
cuius homo existo ligius, iuxta feodi, quod ab eo teneo, exigentiam servire nequeo nee ipsum
feodum defendere.
2) S. oben Abschnitt I, zusammenfassend besonders S. 51 if.
3) MGLL. 3, 298. Vgl. auch Trad. s. Magni 15, MGSS. 4, 426, c. 850: quamvis
pauperculus, tamen ex bonis parentibus natus.
*) S. Alp. de ep. Mett, MGSS. 4, 699, 45 : Deodericus [Bischof von Metz] generositate
parentum et excellentia maiorum, ex innata quoque copia magna praediorum clarissimus ha-
betur ; aliter enim vires eins magnitudinis ab eo ineunte aetate secum crescere et suae gloriam
potentiae usque in finem vitae apud se consistere impossibile esset. Vit. loh. Gorz. 40: A.
cum esset regii quidem paterna simul ac materna stirpe longe retro usque ab hominum me-
moria sanguinis, sed ob rei familiaris inopiam, qua secundis matris nuptiis laborabat, censu
aliquanto tenuior. Vgl. ferner Lambert z. J. 1076, MGSS. 5, 244, 46: erant duo cuiusdam
Geronis comitis filii, satis quidem edito loco nati, sed propter inopiam rei familiaris inter
principes Saxoniae nullius nominis vel momenti, und hierzu a. a. 0. S. 252, s: parentibus
suis, qui inter regni principes et opum et dignitatis special! praerogativa emineant. Vgl. auch
Tristan 3795 f.
1163 — Soziale Gliederung.]
der Gedanke wurde bald mit Bedauern bald mit einem gewissen Cynismus
vorgetra.üen. So heilst es im Erec 431 f.
swen dise edelarmen [arme Grafen]
niht wolden erbarmen,
der was herter danne ein stein ^.
Im Gregorjus aber wird V. 441 ff. ausgeführt:
nu waz mac danne ir muot
gefrumen iemen äne guot?
noch bezzer ist guot äne muot.
Diese Entwicklung hatte gewifs ihr sehr Bedenkliches, um so mehr, als
sie im 12. und 13. Jh. mit einer bis dahin in der deutschen Geschichte uner-
hörten wirtschaftlichen Revolution zusammenfiel, deren Wirkung selbst-
verständlich ebenfalls auf eine Steigerung der wirtschaftliehen Fermente
sozialer Bildung hinauslief. Ein Gegengewicht gegenüber diesem Über-
wiegen materieller Tendenzen bestand eigentlich nur noch im Bildungs-
charakter der Ministerialität: hier waren während der Stauferzeit persönliche
Tüchtigkeit und Berufsthätigkeit in Staats- und Herrendienst in glänzendster
Weise standesbildend aufgetreten. Eben auf Grund dieser isolierten Basis ist
die Ministerialität die Vertreterin der idealen Interessen dieser Zeit: die erste
nationale Bildung der Laienwelt, die glänzende Blüte mittelalterlicher Dich-
tung, der ideale Schw^ung der staufischen Politik sind die höchsten Ruhmestitel
des Standes. Aber die Ministerialität verfiel mit der ersten Hälfte des 13. Jhs.,
ihr alter Charakter verlor sich, mit der Umbildung zum niedern Adel gingen
die idealen Interessen verloren, sehr reale traten an ihre Stelle und wurden
unter Aufwendung des althergebrachten Überschusses an Energie bald mehr
als zulässig betont: die Zeiten des Raubrittertums kamen herauf.
So stehen mit etwa der Mitte des 13. Jhs. die wirtschaftlichen Strebungen
und Ziele für die Anstrengung aller Stände durchaus im Vordergrund; ein
Hasten nach Reichtum beginnt, wie es bis dahin unbekannt war. Über seine
Stärke belehrt nichts mehr , als der Umstand , dafs damals zuerst eine der
gröfsten sozialen Fragen, diejenige nach der Ausgleichung zwischen Armut
und Reichtum auftritt. Und sie nimmt zu an drohendem Umfang, bis sie nach
drei Generationen, nach Besiegung jedes Widerstandes der konservativen
Mächte, namentlich der Kirche, in den Gräueln und Sonderbarkeiten der Epoche
des schwarzen Todes zu revolutionärem Ausbruch gelangt. Im 13. Jh. freilich
vermochte der Klerus, damals noch eine Macht von eminentem und idealem
Einflul's, die drohenden Wogen noch zu beschwichtigen. Wir haeten alle
genuoc, predigt Bruder Berhtold S. 60, 28, der ez geliche teilte ; unde darumb^
ir saeligen goteskinder, gehabet iuch vil wol. habt ir [hie] ze lützel unde sie
ze vil, so habet ir dort gar genuoc, da sie gar wenic habent. unde davon
sprichet got selber: »saelic sint die armen, wan daz himelriche ist ir«.
^) S. dazu V. Adalb. II. Mett. c. 27, um 1000: multi . . nobiles in paupertatem et
magnam miseriam devoluti.
74*
[Grimdherrlichkeit und Vogtei. — 1164 —
Suchen wir nun die soziale Entwicklung der Altfi'eien, soweit sich die-
selbe in aufsteigender Linie bewegt, diesen allgemeinen Strebungen des 10. bis
13. Jhs. einzuordnen, so ist zweierlei ohne weiteres klar: die Freien mufsten
einen Adel unter den alten Maiores oder Nobiles der Karolingerzeit bilden,
und ihre Hebung zu diesem, ihre Abstufung in diesem neuen Adel mufste nach
wirtschaftlichen Gesichtspunkten erfolgen.
Und so verläuft denn die Entwicklung. Charakteristisch für sie ist, ganz
entsprechend den eben festgestellten Vorbedingungen, eine lang andauernde
Unklarheit der Abstufung : weil nicht bestimmte festabgegrenzte Fermente, wie
etwa die staatlichen Rangstufen des Herzogs Grafen usw. bei der früheren
Adelsbildung, sondern vielmehr die rein individuelle, unter sich so abweichende
wirtschaftliche Machtstellung des Freien fiir sein Aufrücken mafsgebend waren,
so konnten nicht von vornherein l)estimmt fixierte Klassen eines neuen Adels
entstehend Darum nennen sich die neuen werdenden Adligen noch im 11. Jh.
meist einfach, aber mit besonderer Betonung liberi^, so wie sich etwa jetzt
ein grofser, aus eigener Kraft emporgekommener Bank- oder Handelsherr mit
eigenartigem Stolz nur schlechthin Kaufmann nennt. 'Erst mit dem 12. Jh.
tritt dann die Bezeichnung Über et nobilis ^, erst seit den Staufern regelmäfsig
die einfache Bezeichnung nobilis auf*. Und die genauere Abstufung im neuen
Stande, deren Untersuchung uns hier fern liegt, erfolgt noch später.
Entsprechend der wirtschaftlichen Basis und der Zeit ihres Emporkonnnens
waren diese neuen Adligen natürlich Gmndherren ^ wenn auch jneist kleineren
^) S. dazu Lamprecht in Conrads Jahrbb. N. F. Bd. 11, 354 zur Arbeit Roths von
Schi'eckenstein über die Terminologie der Gründungsnotiz des Klosters SGeorgen auf dem
Schwarzwalde hinsichtlich der Stände der 2. H. 11. Jhs. (1083).
2) Diese Bezeichnung tönt sogar noch im 12. Jh. nach, vgl. Lac. ÜB. 1, 181, 278, 1116;
190, 289, 1118 ; Ennen, Qu. 1, 500, 39, 1119; MR. ÜB. 1, 501, 1136, cit. oben S. 1085 Note 3.
UlMettlach No. XII, 12. Jh. Mitte, cit. oben S. 640 Note 1. Daneben stehen dann schon viel
voller lautende Bezeichnungen nicht technischer Art, vgl. z. B. MR. ÜB. 1, 390, 1096 : testes idonei
sunt isti genere et fama et opibus viri clarissimi: folgen einfache Adlige bezw. Vollfreie.
3) So zuerst wohl MR. ÜB. 1, 458, 1128.
*) Charakteristisch ist MR. ÜB. 2, 252, 1209.
">) Vgl. Lac. ÜB. 1, 161, 250, 1094; 168—169, 260, 1102; MR. ÜB. 1, 419, 1110: vi-
neas 8, quas emi a Lamberto de Walemiche homine libero, 4 sitas in eodem pago, 4 Cestenc
et Hardrichforst iuxta Malendre ; MR. ÜB. 2, 65, 1184: Adlige schenken curiam suam in
Lessonichc cum 2 mancipiis usw.; MR. ÜB. 3, 1283, 1255: R. de thoro legitimo procreatus
et mce potestatis urkundet, er hat ein allodium bei Marienstatt und verkauft necessitate
paupertatis compellente. Er hat kein eigenes Siegel, ist offenbar im Sinken aus der Voll-
freiheit begriffen. Ilennes ÜB. 2, 386, 1298 : Rittersitz in Eckum bei Rommerskirchen kostet
775 nn-. Coloniensium d., umfafst curtem nostram Erginkeim sitam infra parrochiam de
Rumerskirgen cum duobus mansis et dimidio et sex iurnalibus consistentibus tarn in agris
arabilibus pratis pascuis piscariis quam nenioribus, item et iuribus iurisdictionibus cippo uno
propter iudicium posito in eadem curte et servitutibus hominibus censitis redditibus pensioni-
bus censil)us et quibuscunque aliis pertinentibus in eandem curtem, quocunque iure et no-
mine censeantur. Hennes 2, 375, 1307: Gerard von Nievenheim verkauft an den Deutsch-
1165 — Soziale Gliederung.]
Besitzes, und als Grundherren fast stets Gericlitsherren M eben dies letztere
Moment trennte sie schliefslich (Mid.uülti*>- von ihrem Ausgangsstand (\ der ge-
meinen Freiheit^.
Dazu kam ein weiteres. Gewifs blieb eine ganze Anzahl solcher kleiner
Grundherren noch innerhalb der Markgenossenschaft, der sie uisprünglich an-
gehört hatten, sei es als einfache Gemeindemitglieder ^, sei es in der bevor-
zugten Form der Edelmärkerschaft * bezw. des kleinbürgerlichen Patriziats^
in den Landstädten. Aber nebenher versuchten doch alle diese ehemals freien
Mitglieder des kleinen Adels sich dem Ritterstande einzureihen. Ritterstand
und Bauerstand waren aber schon im Beginn des 13. Jhs. Berufsgegensätze ^,
und sie wurden es seitdem immer mehr. Indem sich daher die neuen Adligen
dem niederen, ursprünglich vornehmlich ministerialischen Ritterstande einord-
neten, indem sie auf Grund dieser Einordnung Dingfreiheit vom Landgericht,
Lastenfreiheit von territorialen Auflagen entwickelten und wohl gar ein beson-
deres Personenrecht ^ ausbildeten, entfremdeten sie sich den landarbeitenden
Klassen. Der Altfreie war Bauer gewesen, der der Altfreiheit entwachsene
niedere Adel war es nicht mehr^, er war, trotz mehrfach noch festgehaltener
Zusammenhänge mit den alten agrarischen Entwicklungen, doch vornehmlich
Ritter. Diese herren ritter und knechte aber, erzählt die Limburger Chronik
Orden bona nostra, que ab eisdem tenuimus in feudo, que sita sunt apud Noithusen, videlicet
centum et triginta tres iurnales cum triginta virgis terre arabilis et cum duabus potestatibus
et dimidia nemoris in palude apud Eilse, et cum omni iure ac attinentiis ipsorum bonorum,
prout sita sunt ab antiquo in parochia de Eilse predicta Coloniensis diocesis pro quingentis
et triginta duabus mr. ac decem s. d. Colonie usualium, videlicet Turonensi minuto pro uno d.
ac duodecim s. pro mr. qualibet computatis.
^) Die Ausnahmen sind sehr selten, s. z. B. WThommen 1555 § 7: daß noch vil
fromme edelleuth sein, die gulde und rente binnent dem hof von Th. zu heben haint, man
nennet sie die kleine herrn. ire gulde und renthe sullen sie nit heben, als unse drei herm,
sei ensidlen der auch drumb nit entberen. ist iemant innen schultig gulde oder renthe . .,
so sollen sie gain bei den meier, darhinder der man, der innen schuldig ist, zu lehen sitzt,
und sollen den hofsboten lehenen und sollen ire gulde und renthe nae pfenden, gleich unsere
drei herrn, dan sie sollen nicht selbst richten.
^) MR. ÜB. 3, 744, 1242 rechnet zu den Herren, qui iurisdictionem habere nos-
cuntur.
^) So wurden die Ritter im Ingelheimer Eeich noch bis zum 16. Jh. als Gemeinde-
genossen angesehen, s. Loersch S. LXXIV u. LXXVII. Vgl. ferner oben S. 137; CRM. 3,
24, 1305, cit. oben S. 388 im Text; Toepfer, ÜB. 1, 288, 1357; WAmel 1472 § 2; auch
Honth. Hist. 3, 943, 1729.
•*j S. dazu aufser oben S. 278 f. MR. ÜB. 3, 353, 1228: Henricus quondam comes in
Seine possessionem quandam, que vulgariter Haslag appellatiu-, a primoribus ville Valen-
drensis . . compara(vit). Das wird später strittig gemacht von tam plebanus R. ville prefate
quam milites et iudices cum tota parrochia, aber schliefslich doch anerkannt.
">) S. z. B. Rhenus 1, 98, 1606—1642.
6) S. z. B. MR. ÜB. 3, 14, 1213; vgl. schon Waitz. Vfg. 5, 188 Note 1.
^) S. oben S. 83, 642.
^) S. auch V. Maurer, Dorfv. 1, 130 f. über das Ausscheiden der Ritter aus dem Anbau
und der Markgenossenschaft.
[Grundherrliclikeit und Vogtei. — 1166 —
für die Zeit von etwa 1340^ von 17 Limburger wohl teils ursprünglich mini-
sterialischen teils ursprünglich altfreien Rittern, gingen alle in langen kleidern,
eine grosse spanne nedewendig iren knien, und gorten sich ire einteils, das
sie sich ofschorzeten. item was undir diesen itzont genanten ritterschaften ein-
teils, die er rosse und kostliche hengste bi en hatten stehen, dan sie dicke
tornerten und stechen mit der geselschaft, und waren riche selige lüde. Und
daneben^ erzählt die Chronik von 39 anderen Leuten mit irme gezuge und silbern
beschlage, burgerschaft , die riche und selig waren und hielten stat als ritter
und knechte; auch hatten sie pferde und gewapende knechte wol gezuget zu
den eren und zu dem ernste. Dazu kommen endlich noch 5 Leute, welche
ire gestech und tornergezug hatten glich den andern edeln knechten.
Kein Zweifel, das sind nicht mehr Leute, deren Interessen und Bestre-
bungen der Landwirtschaft und bäuerlicher Beschäftigung gelten ; ihr Schicksal
kann unmittelbar nichts mehr gemein haben mit dem der landarbeitenden
Klassen.
So war der Zweig der altfreien Leute, welcher sich über seine alten
Verhältnisse erhob, zugleich der Entwicklung des platten Landes im wesent-
lichen verloren gegangen; dem Bauerntum des späteren Mittelalters gehörten
nur die gemeinfrei gebliebenen oder frei gewordenen Pächter und Arbeiter,
sowie die mehr oder minder grundhold gewordenen Markhörigen und Vogtei-
leute an.
Aber andererseits drangen Bildungen in diese Schichtung hinein, welche
sich aus der alten Unfreiheit zu besserer sozialer Stellung zu erheben an-
fingen, ja sie überholten das Niveau dieser Schichtung teilweis und bedeckten
es mit höher geachteten Standesformen.
Wir haben schon früher gesehen, inwiefern der Kern der alten Unfreiheit
durch die Ausbildung der Grundhörigkeit im 9. Jh. aufgelöst werden konnte:
hier war, wirtschaftsgeschichtlich betrachtet, die gemeine nationale Lebensart
in selbständiger Landarbeit, wie sie frei und unfrei in der Grundherrschaft
vereinte, zu einer Grundlage geworden, in deren Anerkennung sich die alte
Unfreiheit zu milderer Hörigkeit abschwächte.
Aber neben der gemeinen Landarbeit gab es andere Beschäftigungen der
Unfreien in besonders qualifizierter Arbeit und im persönlichen Dienst. Ihnen
entsprechend hatten sich weitere besondere Gruppen unfreier Lebensart aus-
bilden müssen: wie wandte sich nun das Schicksal dieser Gruppen?
Was zunächst die Gruppen qualifizierter Arbeit betrifft, so l)estehen als
Fermente für ihre weitere Verzweigung namentlich drei Arten qualifizierter
Arbeit, agrarische Thätigkeit besonders schwieriger Art, industrielle Arbeit und
kommerzieller Bemf. Von ihnen wurde das zuletzt genannte Ferment am
wenigsten wirksam ; kommen auch unfreie Kauf leute in besonders begünstigter
1) Ed. Wyfs, Anh. 1, c. 9.
2) a. a. 0. c. 10.
— 1167 — Soziale Gliederung.]
Stellung vor \ so ist doch zu bezweifeln, dafs sie es ausserhalb der Städte allgemein
zu einer besonderen Gruppenbildung gebracht haben. Besser schon steht es mit
der industriellen Arbeit, wie sie ihren Ausdruck im Handwerk fand ^. Es ist be-
kannt, dafs die Handwerker es in der zünftigen Gruppenbildung der Grofsstadt
sehr bald bis zur Freiheit brachten ; und auch da, wo sie auf dem platten Lande
mehr vereinzelt vorkommen, ist ihre Stellung eine freiere, als die der ein-
fachen Grundholden: sie zahlen meist nur einen unifizierten Geldzins^ und
werden nicht selten völlig freigelassen*. Fast noch günstiger aber, als die
Oruppe industiieller Arbeit entwickelt sich auf dem platten Lande diejenige
qualifizierter agTarischer Thätigkeit. Hier erblüht aufs reichste, speziell an der
Mosel, die Weinbaulehngenossenschaft, deren Charakter und Schicksal schon
früher erörtert ist^; auf diesem Boden erwachsen ferner die wohlhäbigen und
halbfreien Forsthufergenossenschaften ^.
Ein Rückblick auf die verschiedenen Gruppen qualifizierter Arbeit läfst
zwei durchgehende Merkmale besonderer Standesbildung erkennen: sozial
bessere Stellung, als sie die einfachen Grundholden hatten, infolge ökonomisch
höherer Wertschätzung, und Standesabschlufs genossenschaftlichen Charakters
entsprechend der allmählich ausgebildeten Arbeitsteilung.
Eben diese Prinzipien gelten nun auch, nur in viel höherem Mafse und
mit viel weiter tragenden Folgen, für die Gruppenbildung auf Grund per-
sönlichen Dienstes ^.
Auch hier lassen sich für die weitere Verzweigung des Dienstbegriffes drei
Fermente unterscheiden, das Haus, die fiiedliche Herrschaft im Grofsgiiindl)esitz
bezw\ im Territorium, und die Kriegsgewalt. Unter dem Einflufs des ersten
Fermentes entwickelt sich das Gesinde der niederen Ministerialität, unter der
^) V. et Mir. s. Maximin., 8. Jh., c. 2, § 14: ein Friese Ibbo, cum ad beatum Maxi-
minum se cum omnibus, quae liabebat, condonans pro stipendiis fratrum emendis ultra mare
ire decrevisset in una navi.
2) S. dazu oben S. 54, 587, 776 f., auch MR. ÜB. 1, 108, 867, sowie MR. ÜB. 1, 338,
1052: Erzbischof Eberhard giebt die erzstiftischen Villae Buss Merzig Witten Osann Ensch
Serrig Borg Ayl etc. (s. Goerz Reg. 1 No. 1350) in Prekarei, exceptis servientibus [Ministe-
rialen] necnon venatoribus piscatoribus fabris cementariis architectis sive latomis nostris
eorumque beneficiis.
^) S. V. Ger. TuIl. c. 24 : in suburbio [Mettensis] civitatis erat quidam artifex lignarius,
-ecclesiae sancti Aniani capitali censu servulus; auch MR. ÜB. 2, 352 u. 354, 11. — 12. Jh.,
finden sich unter den mit Geld Jan das Trierer Domkapitel zinsbaren Leuten 1 sellator
mit 17 d., 1 faber mit 12 d. jährlich. S. auch Arch. Clervaux 493, 1377 : Jutte, dame de
Meisenburg, du consentement de ses gendres Jean de Brandenburg et Henry Beier, fait do-
iiation ä Jean Pluchmansonne , leur tailleur, de la moitie d'un bien sis ä Massolter, qu'il
possedera sa vie durant, sans avoir besoin de faire des corvees.
*) Vgl. z. B. Goerz Regg. der Erzb. zum 29. Dez. 1426.
^) S. oben S. 16 und besonders S. 902 f.
6) S. oben S. 495 f.
'') Zur Entstehung derselben neben der anderen Gruppe s. schon oben S. 54.
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 11*68 —
Einwirkung des zweiten das ministerialische Beamtentum, unter der des letzten
die ministerialische Kriegerschaft.
Von der niederen Ministeriali tat ist schon oben S. 820 ff. näher die
Rede gewesen; es ist gezeigt worden, wie sie allmählich geradezu im Sande
verlief: wie wir nunmehr übersehen können, hauptsächlich deshalb, weil sich
in der zweiten Hälfte des Mittelalters das freie Gesinde mächtig entwickeltet
Die beiden anderen logisch unterschiedenen Gruppen aber, Beamtentum
und Kriegerschaft, gehen fast stets ineinander über infolge der durchaus regel-
mäfsig beibehaltenen wechselsweisen Verwendung der den beiderseitigen Gruppen
angehörigen Personen 2: sie zusammen bilden die eigentliche Ministerialität, die-
Blüte der Unfreiheit^. An ihnen wird daher an dieser Stelle das spätere
Verhalten des alten standesbildenden Elementes der Unfreiheit um so mehr
zu untersuchen sein, als die verwandte Untersuchung für diejenigen über den
Grundholden stehenden Gruppen der Unfreiheit, welche im Rahmen unserer
Erörterungen näher interessieren, sonst schon gemacht ist*, und als sich an-
nehmen läfst, dafs das alte Verhältnis der Unfreiheit in einer Gruppe hervor-
ragenden persönlichen Dienstes länger nachgeklungen haben mufs, als etwa in
den Gmppen qualifizierter Arbeit.
Das ist nun in der That bei den Ministerialen der Fall; eben die Bei-
behaltung schärfster persönlicher Bindung neben im übrigen hoher ökono-
mischer und sozialer Wertschätzung auf lange Zeit hinaus, bis zum Schlüsse
des 13. Jhs.^ ja vereinzelt bis tief ins 14. Jh. hinein^, wird der Geschichte ge-
rade dieses Standes vom Gesichtspunkte allgemeiner sozialer Entwicklungs-
geschichte aus stets eine erhöhte Bedeutung sichern.
Schon früh finden wir die Ministerialen in nicht ungünstigen wirtschafte
liehen Verhältnissen, als ökonomische Unterlage ihres Dienstes in Krieg und
^) S. dazu oben in diesem Teil S. 1157 f. Aufserdem aber kam, wie bald näher zu
zeigen sein wird, um diese Zeit ein neues eigenhöriges (leibeigenes) Gesinde auf.
2) Speziell über das Beamtentum s. schon oben S. 768 f., 822 f., 873 f. Über die
kriegerische Bedeutung wird , abgesehen von der früheren zusammenhängenden Mitteilung auf
S. 879 f., noch unten in Abschnitt VIII Teil 1 zu sprechen sein.
^) Die letzte zusammenhängende Darstellung der Ministerialität s. bei Waitz, Vfg. 5,
288 f. Über die Ministerialen im Reich Ingelheim vgl. Loersch S. LXIII.
*) Für die niedere Ministerialität oben S. 820 f., für die Wingertslehngenossenschaft
oben S. 902 f., für die Forsthufergenossenschaft oben S. 495 f.
■'*) Noch lange blieb daher die Abgrenzung dieser Ministerialität von den übrigen
Gruppen der Unfreiheit eine flüssige, lag im persönlichen Belieben des Herrn; s. dazu oben
S. 768, und Acta Palat. 6, 276, Konrad IL für Limburg: habet etiam potestatem abbas super
filios illorum [der Hörigen] nondum uxoratos, ut, quem voluerit, in coquina, quem voluerit,
in pistrino ponat, quem voluerit, mutatoria abluat, quem voluerit, equiritia custodiat, et ad
quelibet ministeria, quoscunque voluerit, deputet. de narratis autem, quoscunque et ubicun-
que iusserit abbas, sint cellarii, frumentarii, thelonearii, forestarii. si vero abbas quempiam
prescriptorum in suo obsequio habere voluerit, faciens eum dapiferum aut pincernam sive
militem suum, et aliquod beneficium illi prestiterit, quamdiu erga abbatem bene egerit, cum
60 Sit; cum non, ins, quod antea habuit, habeat.
«) S. V. Below, S. 72 Note 269.
— 1169 — Soziale Gliederung.]
Verwaltung besitzen sie ein ansehnliches ihnen vom Herrn iibertragenes Dienst-
gut, und sie entwickeln für dasselbe wohl schon im 10. Jh., sicher aber und
ganz allgemein bis zum Beginn des 12. Jhs. ein so festes Tlntereigentum, dafs
dem Herrn nur noch die letzten Reste einer Einwirkung auf Grund von
Obereigentum übrig bleibend Daneben aber^ — schon seit der Karolinger-
zeit, und jedenfalls in der späteren Zeit der ersten Hälfte des Mittelalters
durchgängig — sind die Ministerialen vom Herrn belehnt^; klösterliche
1) S. dazu die Bd. 2, 671 Note 1 citierte Urkunde MR. ÜB. 1, 230, 965—75, welche
doch wohl hierher gehört: unter famuli sancti Petri sind aller Wahrscheinlichkeit nach
Ministerialen zu verstehen. Vgl. weiter Lac. ÜB. 1, 189, 289, 1118; Cardauns, Rh. Urkk. 14,
S. 359, 1126, cit. oben S. 682 Note 2; Lac. ÜB. 1, 304, 1129; Lac. Arch. 3, 136, 1135; MR. ÜB.
1, 505, 1138, Stiftung von Himmerode: (monachos Cistercienses) locavimus in quodam solitario
loco episcopii nostri infra terminum curtis nostre Cordule, quam de manu Lodoici camerarii
nostri idcirco redemimus. MR. ÜB. 1, 526, 1142: ministerialis (sancti Petri Treverensis)
Wernerus capellulam quandam in proprio fundo Lunnecho sitam cuidam religioso viro
nomine Lüdoldo tradidit, qui in doctrina sana multis ibidem ad se confluentibus profuit.
Daraus entsteht das Kloster Lonnich. MR. ÜB. 1, 532, 1144: Springiersbach monasterium . .
Benigna . . in propria hereditatis sue possessione hedificare cepit et ad Treverensem
episcopatum ex consensu Sigifridi Palatini comitis, cuius ministerialis erat, . . contulit.
Erhard, CD. hist. Westf. 2 No. 276, 1150: duo fratres ministeriales ecclesie nostre [Her-
ford] . . bona ecclesie, que possidebant in (Leudesdorf), uxoribus suis ab ecclesia nostra
alienis . . velud propria tradiderant. nos [die Äbtissin] autem ibidem venientes et hanc
traditionem a fidelibus recognoscentes irritam fecimus hoc scilicet modo, quod ipsi prefati
fratres cum uxoribus suis in presentia nostra nostrorumque ministerialium ceterorumque
virorum honestorum ibidem commanentium ipsa bona ecclesit? fore recognoscentes, in bene-
ficium ea secundum ius ministerialium a nobis susceperunt, insuper et fidem in manus
nostras sacramento firmantes dederunt, quod filii vel filie eorum ecclesie nostre filiis conubio
iungerentur, ne possessiones ipsorum ab ecclesia alienarentur. et ut hoc in posterum a
progenie in progenies ratum permaneat, . . confirmavimus. Folgen noch 3 verwandte Fälle:
alle bei einer Anwesenheit der Äbtissin! S. ferner noch MR. ÜB. 1, 575, 1153, Erzbischof
Hillin bestätigt die Gründung des Augustinerklosters Merzig: ministerialis beati Petri et
noster Rudulfus in primordio allodium suum dedit (cuius quidem partem a venerabili pre-
decessore nostro Alberone cambivit), super quod claustrum et cetere officine constructe sunt;
et insuper idera Rudulfus ecclesiam cum investitura de Raildingin et in Marceto piscariam
et molendinum et item in Marceto Harledengen Bueze Fremerstorf 120 iurnales et allodium
apud Hustat pro remissione peccatorum suorum et pro anima uxoris sue Vespe, que ibidem
tumulata quiescit, prefate ecclesie contulit.
2) S. oben S. 771, 777; femer Lac. ÜB. 1, 189, 289, 1118; von besonderem Interesse
ist ferner Ennen, Qu. 1, 538, 65, 1152. Noch 1280 ist (Bd. 3, 82, 4o) von bona feodalia,
ministerialia, censualia nebeneinander die Rede. Vgl. auch oben S. 724.
^) Über die regelmäfsige Verknüpfung von Ministerialität und Landbesitz in Lehns-
weise s. Waitz, Vfg. 5, 332, 334, der diesen Punkt mit Recht besonders betont. Vgl. ferner
oben S. 880; wohl schon Lac. ÜB. 1, 117, 186, 1051; ferner MR. ÜB. 1, 391, 1097; MR.
ÜB. 1, 462, 1128: beneficium cuiusdam servientis sui nomine R. apud Sobernheim, qui nuper
obierat, [Sigefridus archiepiscopus] sancto Dysibodo contulit. Ennen, Qu. 1, 541, 65, 1153:
cunctis inbeneficiatis a Coloniensi archiepiscopo, baronibus et ministerialibus , ecclesiasticis
quoque personis, archidiaconis , abbatibus et prepositis. Ernst, Hist. du Limbourg 6, 155,
1176: in Imsheim zwischen Zülpich und Euskirchen feodum ministerialis . . curtim scilicet,
in qua molendinum est, cum pratis et terra arabili; et habet computationem 90 iugerum,
que vulgo morgen vocantiu-. S. auch MR. ÜB. 2, 290, 1190—1212.
[GmndheiTlichkeit und Vogtei. — 1170 —
Grundher rscliaften dürfen wohl gar nur an ihre Ministerialen verlehnen^
Dieser Lehnbesitz, anfangs vielleicht noch gering, wuchs nun aber im Verlauf
des friiheren Mittelalters und vornehmlich seit dem 11. Jh. infolge der zuneh-
menden militärischen Bedürfnisse und des eingerissenen Geleitsluxus ^ ganz rapide;
um die Mitte des 12. Jhs. war die Ministerialität völlig mit Lehen gesättigt^.
Und nahezu gleichzeitig war ein anderer Erfolg eingetreten, welcher den
Ministerialen zu der auf Grund von Dienstgut und Lehengut errungenen
ökonomischen Bedeutung auch noch hohe soziale Achtung eintrug: im Laufe
der 1. H. des 12. Jhs. hatten sie angefangen, sich zu Rittern auszubilden*.
Damit war denn eine Entwicklungsphase erreicht, welche in ihren Folgen
notwendig zur Loslösung der Ministerialität aus den bisherigen Zusammen-
hängen führen mufste. Bisher waren die Ministerialen zunächst freilich
Diensthörige ihres Herrn gewesen; in dieser Eigenschaft hatten sie eine beson-
dere Genossenschaft nach Dienstrecht, mit dem Hofe des Herrn als lokalem
Zentrum und Dingplatz, gebildet^. Aber ihr Dienstherr war doch zugleich
stets auch Grundherr, und sie selbst gehörten vielfach nicht blofs dem persön-
lichen Dienst in der zentralen Kriegs- und Hofverwaltung, sondern auch in
der lokalen grundherrschaftlichen Verwaltung an. So standen sie auch zur
Grundherrschaft in Beziehungen; und so sehr die Ministerialen eines Herrn
6ine Genossenschaft bildeten, so sehr waren doch Teile derselben wieder ge-
wissen Fronhöfen aggregiert*^, ja bei grofsen Ministeri alitäten, z. B. der Beichs-
ministerialität , konnten wegen der Entfernung des Dienstherrn sogar die Be-
ziehungen zu einem bestimmten Fronhof, hier Fiskus, allmählich über-
wiegen^. Und so lagen denn die Dinge wenigstens noch in der 1. H. des
12. Jhs. in Wahrheit so, dafs der dienstrechtliche Zusammenhang der Gesamt-
korporation nur etwa in einmaliger Jahresversammlung der Genossenschaft
zu 6inem Dingtage betont ward, im übrigen aber das lokale Einvernehmen
mit gewissen Teilen der Grundherrschaft überwog. Ein deutliches Symptom
1) So darf SMaximin Land nur an Ministerialen verleihen, s. MR. ÜB .1, 300, 1023, Urk.
Heinrichs IL: ne . . alicui de maioribus hominibus aut aliene familie vel alterius ecclesie
servitoribus quicquam beneficiare presumant. Weitere Beweisstellen bei v. Below, S. 14 Note 49.
2) S. oben S. 851, 879 f.
3) S. oben S. 713, 879, 881.
*) Zu den Anfängen s. oben S. 811, auch Bd. 2, 137; zur Durchführung die Zeugenreihe
bei Ennen, Qu. 1, 499, 37, 1116, wo milites und servientes noch geschieden.
5) S. oben S. 1129 f., auch MR. ÜB. 1, 571, 1152: die Grafen Heinrich und Eberhard von
Sayn übertragen die Burg Sayn an das Erzstift Trier excepto allodio, quod fuit Rorici, et area
quadam, que Pomerium dicitur, in qua ministerialibus suis ad consequenda iura sua, cum
oportuerit, diem ponere possint.
6) S. MR. ÜB. 2, 48, (1120—1169): Adlige besitzen tres curtes (Ursfeld, Wollmerath
und Sprink zwischen Elz und Lieser) cum ministerialibus et mancipiis utriusque sexus cum
mansis vineis molendinis pratis silvis cultis et incultis. Vgl. ferner Or. St. A. Dusseldorf
Pant. Or. 26, 1181, cit. oben S. 870 Note 3; und Calmet 5, 140, Longueville, cit. oben
S. 819 Note 6.
■^j S. oben S. 732.
— 1171 — Soziale Gliederung.]
dieser Lage ist die noch bis zur Mitte des 12. Jlis. andauenido Erscheinung, dafs
die IMinisterialen gemeinsam mit grundhörigen Schöffen der Fronhöfc das Ge-
samtreclit der Grundherrschaft, speziell die vielfach ungeordneten Yogtrechte
weisen ^ ; und nichts kann diese Lage der Dinge besser zum Ausdruck bringen,
als die folgende Stelle aus der SMaximiner Urkunde vom J. 1135 über die
ministerialischen Rechte und Befugnisse auf dem einmal jährlich um das
Maximinsfest unter Vorsitz des Vogtes abgehaltenen Dienstding. De servitio
heilst es hier, quod in feste praedicti patroni [Maximini] ministerialibus datur,
[nos advocatus] urgentibus ipsis ministerialibus nee minus petente abbate et
fratribus per sententiam quesivimus. accepimus igitur per sententiam, quod
equos eorum, qui ministeriales sunt et ins ministerialium a predecessoribus
suis integi'itate generis et conditionis obtinuerint, illi, qui ad hoc officium in-
feodati sunt, circa horam nonam advenientis festi in quoddam pratum, quod
est Kenne, deducent et usque ad nonam sequentis diei, vel quamdiu abbas
ipsos ministeriales detinere voluerit, custodient. nulluni pabulum eis debetur.
ministerialis si cum uxore sua venerit, 12 panes 6 sext. vini ovem unam re-
dpiet; si autem sine uxore venerit, cum abbate ipse et famuli sui, qui duo
tantmn vel tres esse debent, comedet. et sicut nullus predictorum ministeri-
alium a consilio et a mensa abbatis in ipso feste arceri debet, ita nullus
^) S. dazu teilweis oben S. 1039 f., ferner MR. ÜB. 1, 345, 1056 : duodecim de servientibus,
qui scaremanni dicuntur, et 24 ex antiquioribus de familia per sacramentum iurare et confirmare
decrevimus, quibus legibus vel iuri sub tempore Heinrici ducis senioris et Heinrici ducis
iimioris servientes aut familia loci illius subiaceret, qualiter placita et iudicia fierent, ad
quem prebendarii, qui ante portam vel circa urbem sunt et in cellula, que Tavena vel Apula
dicitur, respectum habere deberent, ut ipsi et posteri eorum eodem iure eademque lege
exinde perfruerentur. confirmatum est itaque eorum sacramento usw., folgt das Vogteirecht.
MR. ÜB. 2, 37, 1095 , Weisung der Echternacher Vogteirechte : der Pfalzgraf bei Rhein in
Vertretung des Königs iurare fecit honestiore:; servitores nostros et scabinos, ut neque pro
amore neque timore uUius dimitterent, quin secundum nudam et puram veritatem, quid
advocatus, quid iuris fiscus noster ex antiquitate iuste retinuisset, liquido edicerent et secer-
nerent. igitur iure iurando obstricti affirmaverunt usw. MR. ÜB. 1, 483, 1155, Urkunde
des Grafen von Luxemburg als Vogt von SMaximin: cum in ecclesiam beati Maximini
proximo die post eiusdem gloriosi confessoris festum venissemus et in loco nobis preparato
una cum abbate Gerhardo ad celebrandum placitum nostrum sedissemus, de omni iure nostro
et precipue de servitio, quod ipso die nobis debetur, presentibus liberis hominibus nostris,
ministerialibus nostris et ministerialibus ecclesie diligentius perscrutati sumus. quod tamen
ut debito ordine processum haberet, Tibaldum de Bettingen, Wezelonem de Zolvere, Reine-
rum de Dumeldingen, ut communicato consilio cum paribus suis de iure nostro, iuxta quod a
patribus suis perceperant vel certe ex privilegiis, que in ipsa sunt ecclesia, cognovisse
poterant, nobis referrent, sicut debuimus monuimus. S. auch noch MR. ÜB. 1, 406, c. 1103,
für Prüm, und MR. ÜB. 1, 541, 1146, cit. oben S. 995 Note 3. Nicht in diesen Zusammen-
hang gehört dagegen wohl UlMettlach No. XX, 1152: Erzbischof Adalbero nimmt die Vogtei
in Gisingen und Bolzingen über die SLutwinsgüter iusto iudicio ministerialium sancti Petri
für das Erzstift in Anspruch, hanc enim quidam F. de Winechra . . usui^avit rusticosque
ibi degentes censumque Mediolacensi monasterio, ut iure debebant, dare volentes multis
infestationibus eiecit et hoc devictus iusto, ut diximus, hac est iudicio privatus.
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1172 —
eorum predictiim servitiuin foris deferendum recipiet, nisi loco militis abbat!
deeenter adsistere et servire possit. . . ipsi ministeriales deposito ainictu cla-
iiiidis vel alterius supervestimenti in vesperis in cena in niissa subsequentis
lesti debita cum reverentia abbatis obsequio se oiferent. abbas si proximo
die post festuni de privatis negotiis vel communibus cum ministerialibus aliqua
tractare voluerit, sive nos [advocatus] presentes sive absentes fuerimus, absque
expensis eonim ipsos detinebit. si ad placitum venire non poterimus et abbas
eorum presentia carere voluerit, circa nonam in ipso festo redeundi ad pro-
pria singulis licentiam dabit.
Konnte nun dies alte Verhältnis, nach welchem die Ministerialität als
Ganzes vornehmlich nur am Tage des Dienstdinges und der Heeresschau auf-
trat, im übrigen aber vielfach der Fronhofsverwaltung angeschlossen war, nach
Erringung wirtschaftlicher Macht und sozialen Ansehens bestehen bleiben?
Schon im J. 1085 finden wir den Fall, dafs ein Ministerial aufserhalb
seines Dienstverhältnisses unter Wissen und Willen seines Dienstherrn belehnt
ist^; im J. 1095 heiratet eine Freie einen Ministerial, welcher egregius vir
genannt wird, ohne vollen Schaden an ihrer Ebenbürtigkeit ^ ; ein Jahrhundert
darauf werden die Ministerialen über die doch soeben erst aus dem Stande
der Altfreien in eine tiefere Schicht herabsinkenden Vogteileute gestellt^;
^) MR. ÜB. 1, 383, 1085: Erzbischof Egilbert ecclesiam [sancti Simeonis in villa
Müssebach] cuidam de familia sancti Petri strenuo viro nomine Berwico in beneficium
dederam, cuius ' servitio et opere in plerisque negotiis domi et foris sepe usus fueram. Auf
Bitten des Propstes von SSimeon habito fidelium nostrorum consilio restituiert jetzt der
Erzbischof die Kirche ea videlicet conditione, ut (Belgiens) illam a preposito in beneficium
reciperet et omnibus vite sue diebus absque ulla contradictione teneret et annis singulis in
festo sancti Simeonis 3 d. pro investiture respectu persolveret . . . sed post obitum (Ber-
wici) kommt sie an das Stift zurück. S. auch MR. ÜB. 1, 434, 1116, SMaximin: jDreci-
pimus etiam, ut servientes ecclesie, qui scaremanni dicuntur, nulli advocato et domino preter
imperatorem et abbatem violenter cogantur servire, nisi sibi placeat aut beneficium aliquod
ab eis videantur habere. S. dazu MR. ÜB. 1, 382, 1082—1084, cit. unten S. 1174 Note 2.
2) Dies ergiebt die lehrreiche Urkunde MR. ÜB. 1, 389, 1095: matrona nobilis
Ricardis nomine de Hunrin cuidam egregio viro iuncta erat matrimonio, qui ministerialis fuit
ecclesie sancte dei genitricis Marie in Treveri, que Horreum dicitur Dagoberti regis, et' in
villa Wilare dicta ad eandem ecclesiam pertinente morabatur. quo sine liberis mortuo et
infi'a ambitum eiusdem loci honorifice sepulto predicta matrona ob honorem regine cell et
propter amorem mariti sui, cum ingenua esset et liberis orta natalibus, semet sponte eidem
ecclesie in ancillam mancipavit. post non multum vero temporis consilio amicorum suorum
alteri libero iuncta viro filios et filias genuit, qui velut non coacti aut aliqua necessitate
convicti, sed spontanea voluntate matris in ministerium sancte dei genitricis adducti inter
optimos ecclesie ministeriales computati sunt, hiis ergo cum omni concessione [1. : successione]
sua pacem firmam statuimus, ne alicuius violentia aut iniqua exactione ad alia cogantur vel
in aliud ins transferantur.
^) Kindlinger Hörigkeit S. 242, 1170: quosdam de (quadam) parentela ministerialium
[von Altenmünster] Sifridus de Lapide a iure ministerialium ad ius advocatie sue hominum
conatus est redigere, et ad id sustinendum multis afflictionibus lu-gere. Auf Bitten der
Äbtissin läfst Sigfried nach.
— 1173 — bjoziale Gliederung.]
und wieder ein Jahrhundert weiter sehen wir Ministerialengesehlechter, welche
man weniue Generationen früher kaum nannte, in hervorragender Macht-
stellung ^
Da war es keine Frage : der alte Zusammenhang zwischen Ministerialität
und Grundherrschaft nmfste sich lockern. Zwar einzelne Scharhufen sehen
wir auch noch im 13. und 14. Jh. in die Grundherrschaft eingeordnet: sie
sind der allgemeinen Loslösung der Ministerialität nicht gefolgt^. Generell
aber hören die alten Beziehungen mit der Wende des 12. und 13. Jhs. auf;
ministerialischer Markfronden wird, soweit ich sehe, um 1220 zum letztenmal
gedacht^; gegen Ende des Mittelalters erscheint jede Zinspflicht abgeschüttelt*.
Dis ist der dienst, heifst es im WKröv^, den des Reichs man ist schuldig
zu thun: er sal helfen und zehen dem lehenherrn und dem vogt mit
sime centener und gemeinde und auch des Reichs gewalt helfen weren mit
sime hämisch und gewapeneter hand; er sal dabei sein, so man das Reich
begeit und marken helfen setzen; und thut es dem vogt noth, so sal er ime
den thorn zu Dhune, den man nennet Falken, helfen hueden und bewaren uf
des vogts costen, also das er ine dar zu Dhune und herwider heim in sein
haus geleide geben sal, das er sicher sei, one argelist.
Natürlich aber wurden die Ministerialen infolge der eben geschilderten
Loslösung aus der Grundherrschaft noch nicht frei vom dienenden Stand: im
Gegenteil, je mehr das direkte Dienstverhältnis zum Herrn allein betont
ward , um so angelegentlicher mufste man an der persönlichen Bindung der
Dienstpflichtigen festhalten.
Und sie ging noch bis über die erste Hälfte des Mittelalters hinaus ganz
regelmäfsig soweit wie nur denkbar. Der Herr konnte den Ministerial ver-
tauschen und sonst veräufsern, freilich nur mit seinem Dienstgut und Lehn-
besitz ^, und er blieb in dieser Freiheit ohne jede nennenswerte Beschränkung
i) Vgl. z. B. das oben S. 179 über die Vögte von Hunolstein Bemerkte.
^) S. UStift S. 331 No. 5: 5 scarhuven, qui tenentur dare somarium cum servo trans
Alpes et annuatim petitionem; ferner a. a. 0. S. 331 No. 7: in Sülm scarhuve solvens 5 s.
■et petitionem et reliqua; und ebd. S. 346 — 7: 5 Scharhufen, neben anderen Zinsen dantur
in tertio anno 25 s. S. auch S. 364 No. 1 iF., und zu allen diesen Nachrichten UStift
S. 322 No. 13.
^) Ces. UPrüm No. 1: omnes homines villas et terminos nostros inhabitantes tenentur
nobis curvadas facere; non solum mansionarii verum etiam scararii, id est ministeriales , et
haistaldi, id est qui non tenent a curia hereditatem, quia habent communionem in pascuis et
aquis nostris.
*) S. die oben S. 877 im Text mitgeteilte Stelle aus Scheckmans Lehnspiegel D 2. Zur
Freiheit der Ministerialen von landesherrlichen Abgaben s. v. Below, S. 25 f.
5) G. 2, 376.
^) MR. ÜB. 1, 458, 1128: Udo cum esset über ac nobilis et diem extremum imminere
sibi videret, ministeriales suos, quos imbeneficiatos habebat, beato Martino et Mogontiuo
archiepiscopo contradidit, predia vero sua cum colonis et mancipiis censum persolventibus
sancto Christophoro in Revengeresburc. Nach dem Tode behaupten die Mönche von Raven-
giersburg, quod [ministeriales] de prediis monasterio collatis plus equo, plus quam domino
[Gninclherrlichkeit und Vogtei. — 1174 —
seitens seiner Ministerialität ^ , wenn man auch gerade Ministerialen deshalb
ungern veräufserte, weil man militärischer Hülfskraft nicht leicht entraten
mochte ^.
Dieser Verfügungsfreiheit des Herrn über die Person des Ministerialen
entsprach natürlich eine sehr w^eitgehende Beschränkung der persönlichen Ver-
fügungsfreiheit des Ministerialen selbst. Zunächst war es ihm auf keinen Fall
gestattet, sein Ministerialverhältnis durch Übertritt in einen anderen Rechts-
kreis zu alterieren oder gar zur einseitigen Aufhebung zu bringen; noch im
15. Jh. ist ihm das verboten^. Milder sah man nur 6inen, und allerdings
den häufigsten Fall des Übertrittes in einen anderen Rechtskreis an, die Ver-
heiratung. Das begreift sich. Mit seltenen Ausnahmen fand die Heirat unter
suo vivente tenuerint, in beneficium sibi usurpaverint. Aus späterer Zeit s. MR. ÜB. 3, 404,,
1230, Urkunde K. Heinrichs VII.: coram nobis a dilecto principe nostro Tlieoderico Treve-
rensi archiepiscopo necnon sub frequentia imperii et eiusdem ecclesie ministerialium commu-
tatio quedam facta est de Gerardo de Sinzege et Theoderico de Valendere, ita quod Gerar-
dus de Sinzege, qui prius fuit ministerialis Treverensis ecclesie, deinceps imperio pertineat,
et Theodericus de Valendere, qui prius fuit ministerialis imperii, in recompensationem
Treverensi ecclesie cedat. Kindlinger Hörigkeit S. 281, 1256, Austausch von Ministerialen
zwischen dem Erzstift Trier und den Grafen von xlrnsberg: cum propter distantiam locorum
quidam ministeriales nostri ad nos venire non possint, ut nobis fidelitatem faciant debitam
et consuetam, zum Tausche dilecto ministeriali nostro L. militi dicto de Mitteldona damus
[der ErzbischofJ plenariam potestatem, quatenus vocatis ministerialibus nostris sculteto scabinis
et civibus de Ahtenderne universis coram ipsis sacramentum faciant [die eingetauschten
Ministerialen] prestite fidelitatis, et super hoc eorum recipiat patentes litteras.
1) Vgl. dazu MR. ÜB. 3, 3, 1213, cit. oben S. 876 Note 1.
2) Vgl. schon MR. ÜB. 1, 118, 880, cit. oben S. 809 Note 3; ferner MR. ÜB. 1, 314,
1041, cit. oben S. 876 Note 1; MR. ÜB, 1, 324, c. 1045; MR. ÜB. 1, 338, 1052, cit. oben
S. 1167 Note 2; MR. ÜB. 1, 580, 1084, cit. oben S. 708 Note 1; MR. ÜB. 1, 382, 1082 bis
1084: Abt Dietrich von SMaximin hat zur Zeit Heinrichs III. multis precibus ab eodem
convictus maximum bonum de Brechine [Brechen] cuidam fideli suo A. nomine non sine
multis lacrimis . . usque in finem dimitaxat vite sue zu Lehen gegeben (prestiterim), aus-
genommen die servientes, quos domna W. , dum ipsam curtem sancto Maximino tradidit,
habebat, quos scaremannos vocamus: qui cum 20 mansis terre a nobis retenti sunt et nulla-
tenus ipso beneficio adiuncti. hü enim nobis in curte sancti Maximini, et ubi opus fuerit,
cimi ceteris nostre familie militibus servire debent, nuUique advocato vel domno debent
obedire nisi nobis, nee alicuius nisi parium suorum subiacere iudicio. nomina eorum sunt
hec: A. et R. cum 3 fratribus eorum; R. cum clerico uno; H. G. M. ; I. cum filiis suis, et
alii complures. Aus späterer Zeit s. noch Lac. ÜB. 1, 163, 253, 1096; MR. ÜB. 1, 396,
c. 1098; 482, 1135; wohl auch MR. ÜB. 2, 298, c. 1200.
^) Gart. Clairefontaine 202, 1424, Regest: Hantz van Parsperch, Chevalier, drossard du
duche de Luxembourg et du comte de Chiny, constate que dame Marie de Smelle, abbesse
de Bardenbourg, a declare, en son nom et au nom de son couvent, que leur vassal Henri,
fils de Keinen maire de Nordange, a quitte son village pour aller s'etablir ä Arlon. La, en
presence de Jean de Messancy, prevöt de Chiny, de Pierre de Mourstorfe, sousprevot
d'Arlon, de Jean de Serainchamps et de Jean de Busleiden, echevins d' Arlon, un arrange-
ment est intervenu en vertu duquel Henri pourra continuer de rester ä Arlon; mais ses.
heritiers seront et resteront vassaux de l'abbaye.
— 1175 — Soziale Gliederung.]
Ebeiibüitigen statt ; es haiulelte sieh also um Verbindung zweier Ministerialen
verschiedener Dienstherren. Die Veranlassung zu solchen Verbindungen mufste
bei benachbarten Ministerialitäten beiderseits eine ziemlich gleich starke sein;
es stand also bei gegenseitigem Entgegenkommen der Dienstherren nichts im
Wege, solche Verbindungen zuzulassen, da Vorteil und Nachteil sich für die
beiderseitigen Interessen auf die Dauer ausgleichen nuil'sten. In der That kommt
man allmählich immer mehr zu dieser Anschauung. Verabredet man anfangs und
vielfach auch noch später zunächst nur die Zulassung von Heiraten verschieden-
herriger Ministerialen im Einzelfall^, so tritt doch zumeist, bisweilen unter
kleinen Rechtsnachteilen im Falle von Mischehen^, an deren Stelle bald eine
dauernde Abmachung. Da wird dann wohl zuerst vertragen, dafs die aus
der verschiedenherrigen Ehe zu erwartenden Kinder unter die Herren geteilt
werden sollen^; später wird man liberaler, die Kinder bleiben gemeinherrig
und ungeteilt *. Aber diese letzte Verabredung bedeutet schon eine Abweichung
1) Joannis 2, 738, 1092: ego Noth serviens sancti Albani [Mainz] accepi uxorem de
familia sancte Marie Auguste civitatis, nomine Crimhilt, natique sunt michi ex ea 3 filie et
1 filius. duobus igitur, ne exhereditarentur predio meo, tradidi deo et sancto Albano . .
mansum 1 in Germeze, mansum 1 in Dietesse, mansum 1 in Nezebach, mansos 2 in Larheim
et in inferiori Nesene, et 2 molendina, ea conditione, ut liberi mei in hereditatem ab abbate
suscipiantur et ad anniversarium dieni meum perpetualiter ipsi et posteri illorum 30 d., et
30 d. ad anniversarium diem uxoris mee solvant. interposui etiam, ut pro hoc bono nuUum
placitum adeant nihilque ad Stipendium advocati inferant; et posteri illorum, qui sibi liere-
ditatis iure in hoc predio succedunt, simili lege sint liberi et ab omni servitio absoluti [so
z. 1. f. advocati]. si autem supradictum censum supersederint , tunc incidant in iudicium
familie abbatis, scilicet que est in curte Nesene, secundum leges illorum, et pro negligentia
sua satisfacere cogantur. MR. ÜB. 8, 1227, 1258, Urkunde des Herrn von Isenburg und
Heinrichs Herrn von Kobern: nos ad petitionem Cunzonis de Hunhusen, vestri ministerialis,
et Ide, uxoris sue, nostre ministerialis, suorumque amicorum medietatem puerorum, quod
vulgariter dicitur kintgedinge, vobis donamus in pueris dictorum C. et I. , quos iam habent
vel in posterum insimul generabunt, supplicamus insuper vestre dominationi, quatenus dicte
Ide suisque pueris cum bonis, que dictus C. eins maritus a vobis tenet in feodo ministeriali,
gratiam faciatis. Über Vergleiche bei Mischehen von Ministerialen verschiedener Herren s.
auch Siegel, Dienstmannen S. 45 if.
2j MR. ÜB. 1, 483, 1135, SMaximin: si quis ministerialium ecclesie extraneam uxorem
duxerit, filii eins predictum servitium [gewisse Einnahmen bei Abhaltung des Dienstdinges,
welches zugleich Heerschau war], quod pater eorum, quia ministerialis ecclesie erat, habuisse
videbatur, non habebunt, femina ministerialis ecclesie si viro extraneo nupserit, filii eins
propter conditionem matris predicto servitio non privabuntur.
3) MR. ÜB. 3, 188, 1220, Friedrich H. für Oberwesel und Schönberg: ut inter mini-
steriales de Sconemburch Magdeburgensis ecclesie securius matrimonia contrahantur, statuimus,
ut sive ministerialis imperii ducat ministerialem ecclesie, sive ministerialis ecclesie ducat
ministerialem imperii, sive filios sive filias procrearint, inter Imperium et ecclesiam equaliter
dividantur, ut videlicet imperio medietas et ecclesie medietas pertineat puerorum. quodsi
forsan de aliquo matrimonio provenire contigerit solam prolem, illa sive cedat imperio sive
ecclesie, per aliam, ubi locus fuerit, equipollentem in divitiis et honore parti alteri com-
pensetur. Ganz ähnlich schon Heinrich VI. fiir die Reichsministerialen und die Mainzer
Dienstmannen, s. Guden. 1, 312, 1192.
*) MR. ÜB. 8, 1042, 1250, Urkunde Konrads, Erzbischofs von Köln:' nos de consensu
[Gmndherrlichkeit und Vogtei. — 1176 —
vom alten Prinzip : wie konnte das straife Dienstverhältnis gegenüber mehreren
Herren aufrecht erhalten bleiben, denen man doch schon nach biblischem Aus-
spruch nicht zugleich dienen kann? Noch mehr mufste die alte personale
Gebundenheit verloren gehen, wenn derartige Verabredungen zwischen den
verschiedenen Dienstherren immer gewöhnlicher, ja schliefslich die Regel
wurden. Eben dies trat mit dem Ende des 13. Jhs. ein: mit diesem Moment
hatten die Ministerialen eine Freiheit erreicht, welche ihnen jegliche oder
nahezu jegliche Heirat innerhalb ihres Standes ermöglichte, d. h. sie waren
frei geworden innerhalb der Grenzen des allgemein geltenden Prinzips der
Ebenbürtigkeit ^
Aber noch behielt der Herr das freie Verfügungsrecht über Person und
Besitz ^. Indes auch hier tritt an der Mosel mit dem Schlüsse des 13. Jhs. eine Ab-
schwächung auf: bis dahin hatte man die Personen veräufsert, jetzt veräufserte
man nur noch das Treuverhältnis derselben — von dem Gesichtspunkte des Dienst-
verhältnisses wurde abgesehen. Damit aber war das ministeri absehe Verhältnis
auf das allgemeine Lehnsverhältnis reduziert^. In der That ist dies schon
die allgemeine Anschauung des beginnenden 14. Jhs.; im J. 1318 läfst sich
priorum et capituli nostri maioris ecclesie Coloniensis ministeriales ad dominium Rospe et
Wide pertinentes, quos pro indiviso cum suis posteris Henricus burggravius Coloniensis et
Gerardus vir nobilis dominus de Wildenberg cum nobili domina Mechtilde quondam comi-
tissa Sainensi et suis progenitoribus hactenus babuerunt, eisdem illos dimittemus in posterum
pleno iure, est enim hactenus observatum inter predictos, cuiuscunque ministerialis cum
ministeriali alterius contraxerit, proles erit hinc inde communis et indivisa. quod ius eisdem
recognoscemus , nee ipsis in eisdem ministerialibus aliquod impedimentum vel iniuriam de
cetero faciemus.
^) Wie sehr im 14. Jh. die Abgrenzung der ehemaligen verschiedenherrigen Mini-
sterialitäten schon verwischt sein konnte, zeigt der Umstand, dafs der Nachweis der Zu-
gehörigkeit zur Kröver Ministerialität um diese Zeit mit einem Siebenereid erbracht werden
mufste, vgl. WKröv, G. 2, 376 : wie sich des reichs und sanct Peters dienstleude beboesemen
sullen. ob man inen nit glauben enwulle noch gewist betten, das sie dienstleude weren,
weiset der scheffen, das sie das beipringen und beweren sullen selbsiebenten, die ir mommen
und mommen kinder sein als von moder halb, die desselben kundes und freiheit si; und
sullen die eide thun ungeverlich alle des tags, als lange die sonne nit undergangen ist.
2) Vgl.Honth. Hist. 1, 748, 1263; Cod. Salm. 467, 1277. Vercäufserungen von Ministerialen
bis zur Mitte des 14. Jhs. stellt zusammen v. Below, S. 12 Note 42, vgl. auch S. 15 Note 51.
^) Man vgl. die Ausdrucksweise der beiden folgenden Urkunden: MR. ÜB. 3, 967,
1248, Urkunde Heinrichs Herrn von Heinsberg: dedi eisdem fideles et ministeriales omnes
alios, quos ego habeo ex parte mei patris, ita quod hec omnia bona habeant sibi et sint
eorum domini, ipsique et eorum communes liberi eadeni possideant hereditarie in perpetuum.
item dedi eisdem fideles et vasallos, qui attinent mee parti, quorum homagium et servitiuni
emerat dilectus mens avunculus bone memorie Henricus comes Seinensis, scilicet eos tantuni
qui manent ex ea parte Moselle, qua situm est castrum Kestelun [Kastellaun bei Simmern].
Lac. ÜB. 2, 927, 1292: nos Eberhardus comes de Katzenelenbogen . . pro nobis et cognatis
nostris super fidelitate seu homagio, quo nobis quondam Th. E. miles seu cognatis nostris
erat astrictus seu eins liberi nunc sunt astricti, resignamus et effestucamus per presentes et
damus ipsam fidelitatem nobili viro comiti Adolpho de Monte per presentes, eo quod ipse
dominus A. comes nobilis dedit Hentzonem de Gerhardestein militem suum fidelem econverso
in nostrum castellanum. Vgl. dazu ferner Hennes ÜB. 2, 317, 1292.
— 1177 — Soziale Gliederung.]
jemand vom Trierer Erzbisehof in das Trierer consortium ministerialium et
vasallorum aufnehmen, er wird ministerialis et vasallus^ Es giebt keinen
Unterschied mehr zwischen Vasall und Dienstmann; die alte Unfreiheit ist
abgestreift, die Ritterbürtigkeit erworben; als Lehnsmann rangiert der ehe-
malige Ministerial unter dem niederen Adel des neugebildeten Territoriums ^. —
Wir haben nunmehr die Erörterung des ersten auf S. 1152 aufgestellten
Gesichtspunktes abgeschlossen: es hat sich ergeben, dafs sich Reste der alten
Freiheit seit dem 12. Jh. nur noch in der Umwandlung zum Adel, Reste der alten
Unfreiheit bis ins 13. Jh. nur noch in der Umformung zur Ministerialität hielten.
Wir schreiten jetzt zur Untersuchung des zweiten, aus den Anfangs-
betrachtungen dieses Teiles gewonnenen Gesichtspunktes fort: wie verlief die
Einwirkung der GrundheiTlichkeit und Vogtei auf die ländliche Standesbildung ?
Die früher in dieser Form gestellte Frage läfst sich jetzt mit Hülfe der
jüngst gewonnenen Anschauungen vereinfachen. Wir wissen jetzt schon, dafs
Markhörigkeit und Vogthörigkeit schliefslich mehr oder minder den Charakter
der Grundhörigkeit annahmen: die letztere ist das überwiegende Ferment.
Demgemäfs wird es genügen, die Einwirkung der Grundhörigkeit zu ver-
anschaulichen; ihr analog, nur nicht so früh entwickelt und weniger scharf
ausgeprägt verlaufen auch die Einwirkungen der Mark- und Vogthörigkeit.
Und auch für die Untersuchung grundhörigen Einflusses können wir an
frühere Erörterungen sowohl dieses wie des ersten Teiles des vorliegenden
Abschnittes VII anknüpfen. Da hatte sich ergeben, dafs schon bis zum
Schlufs der Karolingerzeit eine Fusion ursprünglich freier und ursprünglich
unfreier Elemente innerhalb des Grofsgrundbesitzes stattgefunden hatte, deren
Charakter durch die Entwicklung grundherrschaftlichen 0])ereigentums und
gnmdherrschaftlicher Vertretungsgewalt vor Gericht bestimmt ward. Dem-
entsprechend standen innerhalb der durch Fusion neu entwickelten Klasse der
Grundholden die Personen unter der gerichtlichen Vertretungsgewalt, deren
Eigentum unter dem Obereigentum des Herrn. Konsequenz dieser Stellung
war es, dafs die Grundholden nach aufsen hin, bei Delikten, durch den Herrn
gerichtlich vertreten wurden^, und dafs sie für den Vermögensverkehr beson-
deren gnmdherrlichen Gerichten untergeben wurden, welche für diesen Zweck
mit den einzelnen Fronhöfen verbunden waren. Dabei beschränkte sich der
Vermögensverkehr eines Grundholden selbstverständlich auf die Grundherrschaft,
ja zumeist wohl auf den besonderen Fronhof, von dessen Gericht er ressortierte.
1) Bd. 3 No. 94, 1318.
2) Deshalb kann der alte Titel sich immerhin noch länger erhalten, s. CRM. 3, 572,
1379 , Urkunde K. Wenzels : alle unser und des heiigen richs manne, burghmanne und dienstlude,
in wilchme adel oder State si sin oder weren . . zu Sintzigh. — Ueber die Möglichkeit, dafs
Ministerialien schon Ende 13. Jhs. im Besitz der Hochgerichtsbarkeit sind, s. Siegel, Dienst-
mannen S. 267 f.; V. Below S. 80 Note 102.
^) Da wo die Grundhen-en es zur Immunität bringen, ist deren schliefsliche Konsequenz
natürlich eine Inkorporation dieser Vertretungsgewalt in die Grundherrlichkeit. Auf diesen
Unterfall, wie auf seine vogteiliche Analogieen ist hier nicht einzugehen.
Lamprecht, Deutsches Wirtschaftslehen. I. 75
[Gmndherrlichkeit und Yogtei. — 1178 —
Kein Zweifel, dafs diese Entwicklung, wie sie sich im 10. Jh. voll aus-
gestaltete, für die ehemals unfreien Teile der Grundholden einen ganz aufser-
ordentlichen Fortschritt zur Freiheit bedeutete. Aber dieser Fortschritt ward
freilich durch Deterioration der alten freien Elemente der GrundheiTSchaft
erkauft ^ Und aufserdem brachten die alten unfreien Elemente in die nunmehr
abschliefsende Fusion doch eine Anzahl von Einrichtungen ein, welche, wenn
auch in starker Abschwächung , so doch immer noch an die alte Unfreiheit
erinnerten.
Diese Einrichtungen laufen, entsprechend dem Charakter der Unfreiheit,
schliefslich alle auf die Bindung der Person hinaus, mag diese nun zu
materieller oder zu unmittelbar personaler Abhängigkeit führen. In ersterer
Hinsicht stofsen wir auf die persönliche Abgabenpflichtigkeit des Grundholden,
wie sie, beruhend auf einem ursprünglichen Eigentum des Herrn am Besitz
des Unfreien, ihren Ausdruck fand in der auf den Jahreswechsel periodisierten
Abgabe des Kopfzinses sowie sonstiger Jahreszinspflichten, und in den auf den
Generationenw^echsel periodisierten Abgaben des Empfängnisses und der Erb-
gebühr. Die unmittelbare personale Abhängigkeit des alten Unfreien aber
spiegelt sich noch wieder im grundherrlich begrenzten Familienrecht und
im grundheniich begrenzten Gerichtsstand des Grundholden: beiden liegt die
einst unbeschränkte Verfügungsfreiheit des Herrn über den Unfreien zu Grunde,
welche ursprünglich in einer absoluten Veräufserungsfähigkeit — also der Durch-
brechung der Familienbande — , und in einer absoluten Disziplinargewalt —
also der Negierung jedes Gerichtsstandes — zu Tage trat.
So sind es die Elemente der persönlichen Zinspflicht, speziell der Kopf-
zinspflicht, und des Empfängnisses sowie der Erbgebühr, der familienrecht-
lichen Bindung und der Beschränkung des Gerichtsstandes unter gelegent-
1) An der Mosel werden Freie in den Grundherrschaften (ingenui, Franci, auch coloni,
s. L. Alam. 1, 83, MGLL. 3, 48; Cap. min. 792 vel 786, Boretius S. 67, c. 4; Ed.Pist. 864,
c. 30, MGLL. 1, 495—6) regelmäfsig nicht länger als bis ca. 860 genannt, vgl. MR. ÜB. 1,
7, 706; 9, 721; 28, 775; 48, 815; 57, 826; 62, 835; 95, 860. Später findet sich der Aus-
druck colonus wohl in so prägnantem Sinne nur noch MR. ÜB. 1, 458, 1128: Jemand schenkt
an Ravengiersburg predia . . sua cum colonis et mancipiis censum persolventibus. Vielleicht
gehört hierher aber auch noch Mon. Boica 28», 495, 1021, Urkunde Kaiser Heinrichs IL:
colonis, qui inhabitant vel posthac inhabitabunt praedium (in Boppard, das jetzt an Bamberg
geschenkt ist) . . omne debitum, quod hucusque curti nostrae persolvebant , araturam scilicet
et si quae alia de fisco ab eis exigebantur . . perdonamus et ab huiusmodi debiti iugo
absolvimus. Und jedenfalls werden die Ausdrücke colonus, colere usw. auch später noch mit
Vorliebe auf freiere Landnutzung bezogen, vgl. MR. ÜB. 1, 14, 762—804, excolere vel colla-
borare, mit MR. ÜB. 1, 568, 1152, colere; Ann. d. bist. Ver. f. d. Niederrh. 9-10, 255,
1163, colonus; MR. ÜB. 2, 99, 1164—1189, tenere iure colendi; UStift S. 394 Merzig, 397
Serrig, 414 Osburg; Cesarius zu UPrüm S. 180 Note B, cit. oben S. 910 Note 11 (auf S. 911);
MR. ÜB. 1, 342, 1235, cit. oben S. 907 Note 3, hereditario iure colere; MR. ÜB. 3, 419,
c. 1230, colere et inhabitare; MR. ÜB. 3, 445, 1231, tenere et colere. Vgl. auch Bd. 3
Wortr. u. d. W. colonus, sowie Waitz, Vfg. 5, 201.
1179 Soziale Gliederung.]
lichein P^ingreifen iirundherrlicher Disziplinargewalt, welche der Gruiidhörigkeit
noch aus den Zeiten alter Unfreiheit anhaften: sie galt es zu zerstören,
wollte man aus dem etwa mit dem Beginn des 10. Jhs. völlig durchgebildeten
Stande der Grundhörigkeit zu weiterer Freiheit fortschreiten. Der Kampf
gegen diese Elemente umfafst nun etwa die nächsten drei Jahrhunderte, und
er wird je nach dem Charakter der einzelnen unfreien Elemente verschieden
gefülirt. An der Zinspflicht, dem Empfängnis und der Erbgebühr haftet das
Moment der direkten materiellen Leistung ; es mufste möglich gemacht werden,
dieses Moment besonders zu betonen, von diesem Gesichtspunkte aus die
Leistung auf den Gnmd und Boden zu radizieren und damit die Personen als
solche zu entlasten. Familienrecht und Gerichtsstand des Grundholden da-
gegen waren hofrechtlich gebunden: Heirat und Dingpflicht innerhalb der Ge-
höferschaft bildeten die Hauptforderungen dieses Systems. Hier kam es darauf
an, die hofrechtliche Bindung direkt zu sprengen, also Heiratsfreiheit aus dem
Hofe und landrechtlichen Gerichtsstand vor dem Gericht, in dessen Bezirk der
Fronhof lag, zu erwirken. Das waren aber Ideale, welche auch im späteren
Mittelalter nur hier und da, und meist auf Umwegen und in eigentümlichen,
später zu besprechenden Formen erreicht worden sind. Im allgemeinen ver-
schwanden die Zusammenhänge der personalen Bindung nur dort völlig,
w^o ein förmlicher Bruch mit den alten grundhörigen Verhältnissen durch
Einführung freier Pacht stattfand; w^o dies nicht der Fall war, kam es
nur zu partieller Lösung. Der hauptsächlichste Grund für diese unbefrie-
digende Entwicklung ist in der Art eines Vorgangs der Befreiung selbst, näm-
lich in der Abwälzung der persönlichen Zinspflichten auf den Grund und
Boden zu suchen. Die Radiziemng der ursprünglich persönlichen Lasten auf
den Gnmd und Boden führte nämlich ohne weiteres zur Bindung der persön-
lich entlasteten Grundhörigen an den Grund und Boden : die Adscriptio glebae
ist eben ein Moment dieses an sich persönlich befreienden Vorgangs. Durch
die Bindung an die Scholle aber waren die Grundholden nun freilich dem
Getriebe der Fronhofsverfassung in einer Weise eingefügt, welche die Lösung
der familienrechtlichen und der gerichtlichen Bindung nur schwer gestattete —
sie nur dann völlig gestattete, wenn man sich in irgendeiner Art, meist durch
Abkauf oder Flucht oder durch Allodifikation des grundhörigen Bodens oder
endlich durch Übergang aus grundhörigem zu freiem Pachtverhältnis der
Fronhofsverfassung völlig entzog. In allen diesen Fällen gewann man persön-
liche Freizügigkeit: so dafs sich denn in dem Besitze freien Zuges auch im
späteren Mittelalter wieder, wie einst in der Urzeit, die eigentliche Grundlage
der Freiheit ausprägt. Das Losungswort, in welchem man mithin, stärker
vornehmlich seit erreichter Glebae adscriptio, d. h. spätestens seit dem 13. Jh.,
die Überwindung der alten Grundhörigkeit sucht und zusammenfafst, heifst
Freizügigkeit; in der Forderung der Freizügigkeit sind die beiden älteren
Forderungen freien Familienrechts und nicht grundhörig gebundenen Gerichts-
standes ohne weiteres mit enthalten.
75*
[Grundhen'lichkeit und Vogtei. — 1180 —
Wie man sieht, sind die Vorgänge, welche man unter dem Titel der
grundhörigen Emanzipation zusammenfassen könnte, keineswegs einfacher
Natur : sie können es auch nicht sein, denn sie gehen aus von der Fusion der
beiden absolut entgegengesetzten Standesbegriffe alter Freiheit und Unfreiheit,
und sie verlaufen innerhalb der Fronhofsverfassung, welche von vornherein
und an sich schon verwickelte Verhältnisse umfafste, sich zudem aber im
Laufe der, Jahrhunderte überdauernden Emanzipationsvorgänge selbst zu stets
komplizierteren Bildungen abwandelte. Es schien daher angemessen, erstmals
die allgemeinen Züge der Entwicklung zusammenzufassen, ehe, wie nunmehr
geschieht, zur genaueren Erörtemng der Einzelerscheinungen geschritten wird.
Die einfachste Frage, welche zeitlich wie sachlich zuerst aufgeworfen
werden mufs, geht auf die allmähliche materielle Bindung der personalen Zins-
pflicht an den Gmnd und Boden und deren Konsequenzen.
Zunächst von den auf Jahreswechsel periodisierten Zinspflichten, also
dem eigentlichen Kopfzins und den sonstigen Leistungen. Auf diesem Ge-
biete ist die Radizierung der eigentlichen Abgaben, mögen sie nun in
Naturalien oder in Geld bestehen, uralt; schon in den ältesten Urbaraufzeich-
nungen findet sie sich durchgeführt^ und schon das karolingische urbariale
Aufzeichnungssystem der Lasten nach Hufeneinheiten beruht auf ihr^: denn
oft genug waren mehrere Familien im Besitz 6iner Hufe, so dafs bei Ver-
zeichnung nach personaler Zinspflicht die Hufe nicht hätte zu Grunde gelegt
werden können^. Auf eben dieser Thatsache der Radizierung der Abgaben
beniht es, wenn schon im 9. Jh. von mansa plena*, späterhin von mansi
plenarium censum solventes oder plenicensuales und semicensuales ^ die Rede
ist. Seit dem 11. Jh. aber ist die Radizjenmg der Abgaben auf den Grund
und Boden zu solcher Höhe gediehen, dafs der leistenden Personen bei Er-
wähnung der Abgaben entweder gar nicht mehr oder nur völlig nebenher ge-
dacht wird^.
Dieser Entwicklung folgten aber auch die persönlichen Leistungen,
Fronden u. dgl., wenngleich hier gewisse Schwierigkeiten besonders im Fall
von Gesamtbesitz mehrerer Grundhörigen an einem Frondensubstrat eintreten
1) S. Guerard, Polyptique d'Irminon 2, 341, 706.
2) S. oben S. 779 und die dort Note 3 gegebenen Citate.
3) Vgl. MR. ÜB. 1, 332, 1042—1047 : quia 60 mansionalia, que et curtilia vocitantur,
hereditarie dicuntur possidere, decretum est, ut, quanticumque predictorum curtiHum posses-
sores fuerint, plures vel pauci, singulis annis a singulis curtihbus 3 s. d., qui faciunt 9 Ib.,
in festivitate persolvant sancti Paulini, et am. vini, que dicitur Pippini.
4) MR. ÜB. 1, 58, 844.
5) UWincheringen um 1200, MR. ÜB. 2, 363 f.; USMax. S. 448, Stedem. S. auch
Düsseldorf St. A. Pant. Or. 30, 1199, cit. oben S. 872 Note 2.
6) Lac. ÜB. 1, 253, 1096; Ennen, Qu. 2, 106, 97, 1266; Bald. Kesselst. S. 194, 1326,
cit. oben S. 886 im Text.
— 1181 — Soziale Gliederung.]
konuten^: auch die Fronden erscheinen schliefslich , spätestens seit dem
14. Jh., radiziert-.
Nicht ganz so günstig verlief die Radizierung des Kopfzinses. Teilweis
erhält sich diese Leistung im alten Sinne und völlig rein bis in späteste
Zeiten^. Indes wird sie doch auch, besonders seit in der Bede ein neuer
direkter Besteuemngsmodus gefunden ist *, vielfach radiziert und hält sich nun im
wesentlichen nur noch bei denjenigen Grundhörigen, welche keinen Grund und
Boden besitzen, auf welchen sie veranlagt werden konnte^. Wo aber der
Kopfzins dingliche Last wird, da erscheint als Substrat der Last die Hofreithe
oder der Herd, kurz die Behausung des Grundholden ^.
Schwieriger wie bei den im Jahreswechsel erhobenen Zinsleistungen
mufste wegen der Seltenheit des Falles die Radiziemng bei den auf Gene-
13 S. oben S. 784 f., 790, 865.
2) Bald. Kesselst. S. 178, 1324, cit. oben S. 868 Note 3; WTholey 1450, G. 3, 759:
so einicher man were, der 2 hobguiter oder mehr fuirte, so derselbe daruf abstürbe, ist er
schuldig, sovil guiter als er fürt, sovil frönendienst und besthaupter und auch sovil coppel-
haus und burgwerk; so vil empfenger, so vil froenendienst , es seien hoifgueter oder schaft-
güter. S. auch oben S. 924 Note 1.
3) Vgl. Lac. ÜB. 1, 49, 83, 927, wohl auch MR. ÜB. 1, 211, 963: mansum unum et
dimidium cum servis censualibus in Feulen in den Ardennen. Ferner s. MR. ÜB. 1, 287,
1008—1016, cit. oben S. 920 Note 1; CRM. 1, 179, 1163; sowie WLindscheid 17. Jhs., § 3:
das sie alle jar fallen haben uf den hüben 22 mir. körn, und auf ieglichen köpf 2 Binger hl.
und 22 s. habern.
*) S. oben S. 1098 f.
5) S. Lac. ÜB. 1, 86, 139, 1003; MR. ÜB. 1, 406, c. 1103. Vermutlich gehört hierher
auch MR. ÜB. 1, 542, 1146: Konrad IIL bestätigt die Klostergründung Arnstein, sowie die
Schenkung von Gütern an die Abtei, es sollen reliqua [Ludowici de Arnstein] predia tam
invia quam pervia, tam saltuosa quam plana, prata, pascua decursusque aquaium, saltus
nemorum, piscationes, venationes ad hoc cenobium pertinere, et eiusdem loci homines ad
eandem curiam pertinentes virum videlicet 4 d., mulieres vero 2 persolvere. hec autem sunt
nomina locorum ad ecclesiam predicte celle suo iure pertinentium : Seibach, Kirchtorf
ecclesia scilicet cum omni decima, Gozmirod ac Kebirlo, Weltrod, Hattinhusen, Salscheit,
Holdennicke, tres hübe de Singobin, Brunenbach, due hübe de Pissenhophen , Neiven cum
vineis et silvis, Wezhe, Bubinheim cum ecclesia et omni eiusdem ville populo, una huba
alterius ville etiam nomine Bubinheim, que singulis annis 10 s. persolvit.
«) S. Bd. 3, 140, 27, 1325; WNiedermendig 1382, G. 2, 491, cit. oben S. 799 Note 6;
und WRemich 1477, G. 2, 241, die Bürger sind frei: wir wisen auch, das ein eclicher burger
dez hofs von Remich u. gn. 1. h. alle jar uf sent Johans dach baptista sin hertpennink schul-
dich ist, und dez des lantherren amptluden und dieneren, die darnach in den hof von Remich
geschickt werden zu heben, bezalen sol, so wie der herre den zu Lutzenborch und in
anderen friheiten dis lantz mit der müntzen heben dut, und uf sent Remeistag sol ein
eclicher burger des lantherren ampluden, die in dem hof von Remich darnach geschickt
werden, vorain siner husduren lieberen dri fetter hennen, und zu winachten sol auch ein
ieklicher burger des hofs von Remich u. gn. 1. h. einen hertpennink bezalen und sinen
ampluden lieberen, als auch in dem herzogthum von Lutzenborch gewonlich ist.
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1182 —
rationenwechsel periodisierten Lasten, also bei dem Empfängnis und der Erb-
gebühr, sein.
In der That besteht die erste Erleichterung, welche zunächst in der
Erbgangsbelastung durchgeführt wird, auch keineswegs in der sofortigen Radi-
zienuig derselben. Vielmehr geht hier eine Abschwächung der Belastung
selbst voraus, welche auf immer geringere materielle Vorteile des Herrn,
hinausläuft und auf rechtlichem Gebiete in der Ablösung der alten Buteilung
durch die jüngere Kurmede (Besthaupt, Toder, Niederfall, Hertmal, Bahren-
recht, Optimale, Capitale, Manus-mortua oder Mortemain) ihren Ausdruck
findet ^ An der Mosel und am Rhein speziell wird die Buteilung, welche
noch am Beginn des 10. Jhs. herrschend gewesen zu sein scheint^, in begün-
stigten Orten schon im 13. Jh.^, überall aber seit dem 14. Jh. vermieden*;,
1) Über das Verhältnis von Buteil und Kurmede hat Heusler, Institutionen 1, 137 ff.
in lichtvoller Darstellung gehandelt; seiner Schematisierung der Entwicklung ordnen sich die
Quellen des Mosellandes völlig ein. Vgl. übrigens auch Waitz, Vfg. 5, 240 f. Zu den haupt-
sächlichsten Benennungen s. WHeimbach Weifs Gladbach 1476: sol einer aus den scheffen
mit dem fronen zu den erben kommen und ansuchen, daß sie zu gutem genügen das beste-
haubt oder kurmut ausrichten. *USMax. 1484 Bl. 81^: kurmoit ader bestehauft, optimalia
teutonice besthaufter ader kormet, und ähnlich *USMax. 1484 Bl. 18 a: optimalia vulgariter
besthaufter, Optimalia capita statt des sonst einfachen optimale findet sich *Bald. Kesselst.
S. 208, 1329. Zu Toder s. WBesch bei Echternach § 6; WEdingen 1669 § 7; zu Niederfall
WNalbacher Tal 1849: von einem ieden mit fuer und flamme im dal N. gesessen ein best-
heupt, optimale, das man nennet einen nederfal; *Arch. SMax. 9, 1089, Thaben: mansiones,.
quae tenentur ins capitale sive niederfei; s. auch Bd. 3 Wortr. u. d. W. niderval. Hertmal
findet sich u. a. Bd. 3, 408, 21, 1328, sowie UStift S. 402, Forstamt: 12 vaccas congregabit
de animalibus mortuorum, que hertmal vocantur; auch WRhens 1378, G. 3, 780 Note 1,
gehört hierher. Später verstand man das Wort wohl nicht mehr, s. WOppen 1730 § 5:
wan ein haupt in einem haus zu Oppen abstürbe oder auch sein stät oder haushaltung auf-
geben oder aber in frembde landen abziehete , ist . . schuldig das besthaupt von einem hart-
maul. Bahrenrecht findet sich WWaldbredimus 1545 § 12: barenrecht oder curmut; zur
Erklärung s. WIgel 1537 § 13; s. auch Cesarius zu UPrüm S. 176 Note 1 (dazu WWirf
1565, cit. unten S. 1183 Note 6): quandocumque aliquis sive vir sive mulier de familia
ecclesie obierit absque berede, quod nos vulgariter appellamus barlois, quod dominus abbas
ad opus sue ecclesie omnia bona sua debet confiscare et sibi colligere. Für Capitale ins s.
♦USMax. 1484 Bl. 21 1, Simmern u. Dh.; für Manus mortua USMax. S. 432 Manternach,
S. 436 Heinsei und Heisdorf; für Mortemain Bd. 3 Wortr. u. d. W. ; ebd. sind auch noch
die WW. electio pecudis und kurmeide zu vergleichen. Eigentümlich ist die einmalige Be-
zeichnung der Kuiinede als Durzins in Hennes ÜB. 2, 210, 1271; zur Erklärung s. oben
S. 370 Note 2. Nach Kindlinger Hörigk. S. 141 f. endlich würde die Kurmede seit dem
14. und 15. Jh. auch Erbteilung genannt. Vgl. übrigens noch WRoden 1342 Einl. , Lager
S. 229; WVahl 1479 § 15; WGedscheid 1491 § 23; WWiebelsheim 1498 § 8; WMettlach
1499 § 31; WMichelnbach 1514; WSteinheim 1669 § 18; WEdingen 1669 § 7; WIrrel 1669
§ 5; WMeckel 1669 § 4 f.
2) Regino Caus. synod. II, 39, Conc. Tribur. 895.
3) Lehnsbuch Werners II. v. Boland S. 16—17, cit. oben S. 869 Note 2.
*) *Bald. Kesselst. S. 711, 1343 2. April, Walram Graf von Zweibrücken verspricht
für Blieskastel : ouch ensullin wir nieman budeilin in der friheit noch in dem dal zu Castele.
— 1183 — Soziale Gliederung.]
nur in Einern Falle bleibt sie wie es scheint allgemein erhalten. So wo des
aptz eigenliide sitzen, sagt das WSinnnern unter Dhaun 15. Jhs., und ein
man sinen ungenosen genomen hede und der man stürbe, dan mochte der
obg. herre die frawe budeilen^ Dabei findet sich das jüngere System der
Kurmede an der Mosel schon am Schlufs des 9. Jhs., freilich wohl noch als
besonders günstige Ausnahme^. Aber bereits im 13. Jh. galt auch die Kurmede.
als eine unwürdige, namentlich als eine vom christlichen Standpunkte aus
verwerfliche Leistung. Klassisch bringt das die folgende Erzählung des Cesarius
von Heisterbach aus dem Kloster Steinfeld in der Eifel zum Verständnis'^.
Praepositus [monasterii Steinveldensis] ad unam grangiarum suarum venit, in
qua pullum equinum pulchrum satis vidit. de quo iamdictum fratrem, cuius
esset vel unde veniret, interrogavit. cui cum con versus responderet: »talis
homo bonus et fidelis amicus noster moriens eum nobis legavit« ; ait prae-
positus: »utrum ex devotione vel ex aliquo iure legavit eum?< respondit con-
versus: »ex decessu illius emersit. nam uxor eins, eo quod esset de familia
nostra, iure curmeidiae illum obtulit.« tunc ille movens caput respondit
verbum pium : »quia bonus homo et amicus noster fidelis erat, idcirco uxorem
eius spoliasti? redde ergo feminae destitutae equum suum, quia rapina est,
aliena vel rapere vel retinere.« Die hier gegebene Mahnung wurde nun that-
sächlich an einigen Stellen im grofsen befolgt, so wurde das Besthaupt z. B.
im J. 1232 für die Kasselrie Brügge aufgehoben*. An der Mosel ging man
freilich in dieser Frühzeit an keiner Stelle gleich weit ^, doch kam es im Ver-
laufe der 2. Hälfte des Mittelalters überall zu Ermäfsigungen , unter denen
namentlich die Bestimmung eine Kolle spielte, dafs die erben voraine das beste
heben [sollen], und darnach sal der (Grundherr) das beste heben ^. Auch
Kindlinger Hörigkeit S. 456, 1360, Kindgeding zwischen Kloster Arnstein und Johann vom
Steine: wanne di man sterbent, so ensal der vorg. her Johanne oder sine erben di wip
oder di kint nit budeilen, dan besteheubet mogent si nemen, ob si wollen.
1) Hier cit. nach *USMax. 1484 Bl. 20 a, vgl. G. 2, 145. Vgl. auch WKröv, G. 2, 375,
cit. oben S. 181 Note 5.
2) UPrüm No. 55: si quis obierit, Optimum, quod habuerit, seniori datur; reliqua
vero cum licentia senioris et magistri disponit in suos.
^) Ces. Heisterb. Dial. mai. 4, 62.
*) Warnkönig 2, 159; s. auch Waitz, Vfg. 5, 250 f.
^) Aus später Zeit s. WTholey 1587, G. 3, 787: daß man von der leibeigenschaft im
obern hof Th. kein besthaupt schuldig seie.
«) *USMax. 1484 Bl. 30 a, WMechern; vgl. auch UStift S. 394, Merzig, cit. unten
S. 1185 Note 1; WLosheim 1465 § 10; WWelfried 15. Jh.?; WKonfeld 1547, G. 2, 102;
AVLeiningenaltorf, G. 2, 48; WWirf 1565, G. 2, 617: so iemant stürbe, der bestattet were
von den lehenleuthen, so solle das bestheupt oder los bei der feurstat pleiben, und das zweit
dem lehenhern zu(fallen) uf genade. und so unbestat stürben, sulle man werfen an dem herrn
mit einer geiß oder mit einem schafe, und solle der lehenman inwendich 30 tagen von dem
hem nit gefragt werden; diesem nach durch den hern beibescheiden werden, und so er dan
nit erschien, uf phare auspleiben. Von anderen Ermäfsigungen s. noch USMax. S. 448,
Eslingen 7c: defuncto mansionario tertia die heres corimedem in curti nostra coram villico
[Grundherrlichkeit und Yogtei. — 1184 —
Abstufungen innerhalb der Kurmedepflicht wurden zu offenbaren Gunsten
der Pflichtigen getroffen \ und diese Abstufungen und sonstige Erläuterungen
der Leistungspflicht gingen bisweilen so weit, dafs die Abgabe als solche nahezu
illusorisch wurde. So nach dem WWetteldorf^; hier soll der Schultheifs nach
des Mannes Tode der Frau unter Umständen nur einen dreistemplichen stul
nehmen, denselben auf der frawen hof tragen und ihn daselbst verbrennen,
damit sol die arme frau ihr churmuth an den herrn bezahlt haben.
Aber freilich trotz aller dieser materiellen Ermäfsigungen blieb die Last
zunächst doch stets eine persönliche, sie erinnerte immer noch an den alten
Status der Unfreiheit. Eben dieser Charakter mufste ihr nunmehr, nach
materieller und rechtlicher Abschwächung im Verlaufe ihrer ursprünglichen
Veranlagung, genommen werden, sollte ein wesentlicher Fortschritt eintreten.
Sieht man von wenigen Fällen ab, in denen sich eine Umwandlung der Kur-
mede in eine lokal abgegrenzte, also bezirkssteuerliche Abgabe nachweisen
läfst^, so erfolgte dieser Fortschritt durch dingliche Radizierung.
adducit, et quanti valeat computatur. si in presenti vult, dat; si non, in domum reducit et
in trigesima die non deteriorem dabit. WChorweiler 1602, G. 2, 195: wem ein besthaupt
fähig ist im lehen zu C. , hat er ein pferd das 10 gh wert ist , so sol er der herschaft 5 gl.
geben, allweg das halbe teil, es sei pferd kuh oder schaf.
^) WLeimersdorf 1559, G. 2, 648: angestalt was den herren gebüere von einem cur-
moedigen goit von demjenigen, der nuh verstorben is, was das vor ein curmuth geben sol,
sprechen die geschworren: was nahrungh derjeniger gehabt, der das curmoedige guet beseßen
und auch verstorben, derselben sollen seine erben nach seinem doit auch vor ein curmuth
geben: das ist also zu verstehen, so derselb seine nahrungh mit pferden gehabt, sol er das
beste pferd vor ein curmuth darstellen; hat er aber kein pferd gehabt, sol er die beste kohe
zum kiu'muth geben; in summa das beste quick er gehabt, sol vor die curmuth sein, sein
aber kein quick, sol man das curmuth mit dem besten kleid verbeßeren ader mit einem
silberen ploch, daß sein vunf mr., und alles uf gnad. WKretz 17. Jh. § 7, G. 6, 606: da
der höfer einen hofbau hette, nemblich 31 morgen und zwei pferd vorhanden, alsdan sie das
beste abstellen, das andere auf den hof bringen; wan aber nur da[n] eins vorhanden, sol
sie dasselb bringen, wo aber keins vorhanden und ein kuhe dahe were, solle sie dieselbige
bringen; und alsdan sol das pferd oder kuhe, welches sie dan bringen und darstellen wird,
durch die scheffen geschetzet werden; wohe aber auch keine kuhe vorhanden, alsdan solle
sie den besten rock bringen; doch sol ihr derselbe mit sechs mr. zu lösen stehen, und der
hobsherr sol in allem sein gnad darbei thun. S. auch WRoxheim, G. 2, 165.
2) G. 2, 536 Note 1; vgl. dazu WBrombach 1508 § 8; WNalbacher Thal 1532, G. 2, 24.
Weitere starke Nachlässe s. im UStift S. 403, Forstamt: si quis in bonis illis [den Hufen
im Forstamtsbezirk] decesserit, vidua accipiet melius iumentum , et postea dabit archiepiscopo
melius, et per annum ab omni iiu-e erit exempta; dazu WSchillingen und Waldweiler
1549: Boten, Wittfi-auen und Erben, die das Besthaupt in diesem Jahre geben, sind vom
Zins der Weihnachtshühner befreit. S. ferner *USMax. 1484 Bl. 20 1^, WSimmern u. Dh. :
wanne swin beslossen weren in einer stiegen und nit zu weige und steige weren gegangen,
da sal man keine bestehaufte van heben.
^) Hierher gehört wohl schon *Arch. SMax. 9, 1086, Thaben, 1353: omnes homines
ibidem sedentes sub dominio santi Maximini, quilibet eorum tenetur post mortem ius capi-
tale, quod dicitur vulgariter bestheuft. S. ferner WBirresborn, G. 2, 526: weist der scheffen
dem hem von Prüm ein runden fueß vor eine churmot von dem freien gut, und ein geschlibten
— 1185 — Soziale Gliederung.]
Nach der Wahl dieses Weges bestimmt sich aber fast ohne weiteres der
Zeitpunkt, in welchem die freiheitlichere Auffassung der Kurmede eintreten
mufste. So lange die Hiifenverfassung noch wesentlich unversehrt bestand,
konnten die Herren kein Interesse an der Radizierung der Kurmede auf den
Grund und Boden besitzen, denn es trug für ihre Wirtschaft nichts aus, ob
die Last vom Hufenbesitzer oder von der Hufe geleistet wurde. Sobald aber
mit dem Verfall der Hufenverfassung die alten agrarischen Grundlagen ins
Schwanken gerieten und neue Güter von unabsehbarer Abstufung bis ins
kleinste hinein entstanden, da mufste es für die Grundherren von Wichtigkeit
sein, die Kurmedepflicht jedes, auch des geringsten Teiles gTundherrlichen
Bodens zu betonen und auf diese Weise Aussichten auf eine fast ungemessene
Vermehrung der Kurmeden zu eröffnen.
Diesen Erwägungen entspricht der wirkliche Gang der Dinge. Noch am
Schlüsse des 12. Jhs. wird die Kurmede als spezifisch unfreie Personallast
angesehen, werden in diesem Sinne Verhältnisse in ihr neu geordnete
Thatsächlich erhält sich auch ein grofser Teil der Kurmeden während des
ganzen späteren Mittelalters auf diesem Punkte ^. Aber im Verlauf des 13. Jhs.-
setzt sich nebenher und allmählich unter dem Eindmck des vollen Verfalls
der Hufenverfassung eine andere Anschauung durch. Die Kurmede erscheint
nunmehr als dingliche Last^, welche jedem kleinsten Teil grundherrlichen
fließ von deme hobsgiit. WDockweiler, G. 2, 437 : qiieme ein mensch das gericht gegangen
und wüi'de krank und stürbe dabinnen, dem hern, do er binden stirbt, sol der mensch ein
koermoet geben. WRetterath, G. 2, 481: weisen auch, da ein wandelman zu roß oder fuiß
in dem kirspel Retterait versterbe, sol er dem hern koermodig sein, doch ein gnedig ver-
dinknus. Zu dieser letzten Stelle s. UStift S. 419, Retterath: quicumque mansionarius in
eodem banno moritur, scultetus accipit meliorem bestiam; sed qui nullas bestias habuerit,
heredes eius 6 d. Colonienses solvent.
1) Vgl. Lac. ÜB. 1, 456, 1176, cit. oben S. 415 im Text; Westd. Zs. Bd. 3, KoitW.
No. 122, 1198, cit. oben S. 872 Note 3; UStift S. 394, Merzig: si aliquis colonus habuerit
2 vel 3 vel 4 mansos vel partem mansi quantulamcumque, si vir moritur in manso, uxor eius
vel heredes ipsius primo accipiunt Optimum pecus, quod relinquitur a mortuo, vel optimam
suppellectilem, si non habet pecus; deinde dominus archiepiscopus accipit, quod melius est.
si nee pecus nee aliqua suppellex invenitur in domo mortui, uxor vel heredes maximam pen-
sionem dent pro pecore vel suppellectile , quam solvunt de manso uno tempore. Ebenso
a. a. 0. S. 394 Fitten, S. 395 Weiler, S. 396 Besseringen.
2) Aufser vielen späteren Beweisen vgl. Honth. Hist. 2, 97, 1318.
3) Lac. ÜB. 2, 569, 1266, cit. oben S. 928 Note 2; Lac. ÜB. 2, 661, 1274, cit. oben
S. 928 Note 2 (auf S. 929); *UMünstermaifeld, Hs. Koblenz CXIa, Bl. 24 a: zur Curia in
Kond gehören in Sivenich 5 mansiones, quarum quelibet solvit ius, quod dicitur niederval,
et in universo solvent 8^/2 d. ; Aufzeichnung des Koblenzer St. A. Ende 14. Jhs., cit. oben
S. 799 Note 5; aus späterer Zeit sehr bezeichnend WSteinecken 1506, G. 2, 399, cit. oben
S. 793 Note 2. *UMünstennaifeld Hs. Koblenz CXIa B1.25a, Hof Salmrohr: quilibet
masculus colens bona curtis in obitu suo tenetur preposito ius, quod dicitur dat bestheuft,
excluso uno meliori. WWeiher bei SGoarshausen 1543 : wan einer zu W. stirbt, ist m. gn. h.
[Grimdherrliclikeit und Vogtei. — 1186 —
Bodens inhärent gedacht wird bis herab zu Stücken, auf denen eben noch ein
dreistemplicher Stuhl Platz findet ^ und erst im Verlaufe dieser neuen An-
schauung gewöhnt man sich daran, die Radizierung speziell auf das Haus,
oder den Herd, jenes neue allgemeinste Veranlagiingssubstrat des späteren
Mittelalters, zu beziehen 2. Eine solche Radizierung tritt nun in Wahrheit
auch dort oft ein, wo die Quellen noch die persönliche Kurmedepflicht anzu-
deuten scheinen, und unter ihrem Einflufs vollzieht sich zugleich eine sekun-
däre Bewegung, welche schon früher, bei Zeiten personaler Kurmedepflicht
begonnen hatte, die Ablösung und Fixierung des Besthauptes ^.
ein besthaubt verfallen, als manicli hove, als nianicli besthaupt; were nit huver, gibt auch
kein besthaubt. Charakteristisch ist WRhens 1378, G. 3, 780 Note 1 : des goitzhus hoflude,
die da howelich goit hant von dem vurg. goitzhuse, it sin hofstede ader ander goit, wan der
eint stirbit, dat da entfangen hait dat goit, dan ist dem vurg. goitshuse ein besteheubit
vellich, dat da heisit ein herder, as dat recht und gewonlich ist.
1) S. oben S. 625, 649, 865; vgl. auch noch WIrlich 1478: wilich man so vil guet
hait von dem hoif zu I., dat man daruf setzen mag einen dristelligen stoil, wan der doitz
halben abgeit, davon ist m. h. von Trier erfallen dat best koermoet; ähnlich WArgen-
schwand 1488 § 65 WBoUendorf 1606 § 3. Die Thatsache konnte nun auch so ausgedrückt
werden, dafs man auch die mit minimalen Grundzinsen belasteten Leute kurmedepflichtig
erklärte, s. WLindscheit 17. Jh. § 4: wer ein fassnachthun giebt, wan der stirbt, giebt er
den iunkern ein besthaubt. *USMax. 1484 Bl. 18», in Furfelt . . 12 s. census: et omnes
Uli in Furfelt dantes census tenentur etiam dare optimalia, quod census, quos dant, sunt
Signum subiectionis domino abbati et suo iudicio . . propter hereditatem, quam possident,
pertinentem domino abbati et suo iudicio. *USMax. 1484 Bl. 20 » , WSimmern u. Dh. : wisent
och die scheffen, daß alle diejhene, die dem apt zinse gebeut oder schuldich sint, und veres
nit me dan einen hl. oder me, er sie in- oder uswertigen, derselbe ist unserm heren . . und
sime goitzhus, wanere er stirbet, schuldich zu geben ein bestheupt van eime gespalden fuse.
2) UStift S. 411, Officium dolabri, Pfalzel-Ehrang : solvitur hertmal una melior bestia,
quam habet quis in morte, quicumque habet domum in predictis bonis dolabri; qui
autem domum in eis non habet, hertmal non solvet; ÜMünstermaifeld Bl. 24 a, cit. oben
S. 1185 Note 3; WNalbacher Thal 1349: von einem ieden mit fuer und flamme im dael Nalbach
gesessen ein bestheupt, optimale, das man nennet einen nederfal. *Rodel Koblenz St. A.,
Census in Guls 14. Jhs. : Thomas der Hase 3 sext. cum dimidio vini de vinea uf I^eierkip,
et curmedam de domo et area. WMettlach 1485, G. 2, 59 : ieglich haus zu Besseringen uf
der fogdeien, auch uf der forsthoben, ist schuldig allezeit, wan das bet gebrochen wird und
ein mensch stirbt, das bestheupt. S. auch WBech bei Echternach § 6. WAhn 1626 § 13
heifsen die Pflichtigen geradezu haubt- und hausleute. Eigentümlich ist *üSMax. 1484
Bl. 20 a: quicunque in predictis locis [wo der Abt Grundlehnherr ist] habet valorem 5 aut
6 s., ille, quando obierit, tenetur domino abbati . . ein besthauft van eime gespalden fois ex
sua hereditate seu mansione in predictis locis. — Radizierung auf die Hufe findet sich nur
äufserst selten, s. USMax. S. 432, Manternach 9c: die mansi zahlen pro mortuamanu tertiam
paiiem census. In diesem Falle bildet sich später eine Hauptmannschaft (Lehnsträgerschaft,
Dui'zinssystem) aus, vgl. WNalbacher Thal 1532, G. 2, 24; WSensweiler 1520 — 1550,
G. 2, 128.
^) Vgl. dazu Waitz, Vfg. 5, 245. Das früheste Beispiel aus unserer Gegend ist wohl
MR. ÜB. 1, 514, ca. 1140: mansus quilibet in obitu possidentis quinque s. in redemptionem
debet. Aus dem 13. Jh. vgl. aufser Ennen, Qu. 2, 79, 66, 1219, namentlich USMax. S. 432,
Manternach: pro manu mortua tertiam partem census; S. 436, Steinsei: pro m. m. 14 d.;
— 1187 — Soziale Gliederung.]
In dieser neuen Form, als dinj^liche und oft wohlbegrenzte Abgabe im
Todesfalle, erhält sieh nun die Kurmede bei günstigen Verhältnissen das ganze
spätere ^littelalter hindurch und noch weit iiber dasselbe hinaus. Sie ist aber
in dieser Form kein Zeichen persönlicher Bindung mehr. Schon früh, von
jeher fast im Falle grundhörigen Besitzes Freier \ seit dem 12. Jh. im Falle
ihrer Zulassung bei relativ freien Zinsverhältnissen ^ und seit eben dieser Zeit
wohl vor allem auch beim Wingertlehen ^ hatte die Kurmede einen Zug ins Frei-
heitliche erhalten: diese zunächst nur in besonders glücklichen Einzelfällen
vorhandene Neigung war jetzt allgemein geworden und trug in ihrer Wirkung
viel zur Lösung der alten Grundhörigkeit l)ei.
Weniger wichtig wie die Entwicklungsgeschichte der Kurmede ist die des
Empfängnisses oder der Vorhure vornehmlich deshalb, weil das Empfängnis
nie eine so niedrige spezifisch grundhörige Abgabe gewesen ist, wie etwa die
Kurmede: von jeher wurde es auch von Dienstlehen, z. B. den Meierämtern *,
und von Weinlehen ^ erhoben; und es hielt sich relativ lange auch noch in
der städtischen Entwicklung •^. Nicht minder von Bedeutung wird es gewesen
sein, dafs die Höhe der Empfängnisabgabe meist nicht allzu bedeutend war^;
das Gewöhnlichste waren ein paar Sester Weins ^, deren Verzehr sogar teilweis
der Hofgenossenschaft zufiel ^. Diese Umstände sicherten nun dem Empfängnis
S. 436, Heisdorf: pro m. m. tantum de redemptione, quantum census solvit mansionarius.
S. femer a. a. 0. S. 441, Kenn; S. 442, Fell; und anderweitig aus späterer Zeit *Koblenzer
Kellnereirechn. 1432 — 33: feria sexta post dominicam exurge pro quodam optimali in Irlich
a quodam paupere ad preces domicelli de Wida 1 fl. 6 alb. WRavengiersburg 1509 Thomasw.
§ 11, G. 2, 180: der man und frauw, die da sitzen in des closters gericht und das gotshaus
angehörent, ist iars schuldig 3 d., stirbt die frauw, sol der man geben halb so viel, stirbt
der man, so ist es die frauw entragen ir leben lang, und wan sie gestorben ist, so ist sie
ein vogtmas schuldig, das sollen die freunt lösen mit fünfthalben s. hl. Lehrreiche Nach-
richten in dieser Hinsicht enthält namentlich das *USteinfeld, z. B. in einem Titel »auf BL
99 a: Dit sint uns gotshuis kurmoedige leinguede in dem Mutscheit. Die Reluitionen
schwanken zwischen 1 s. 8 d. und 4 s.
1) S. aus später Zeit noch Honth. Hist. 3, 147, 1582, auch wohl WRapweiler 1547
§ 3, G. 2, 101.
2) S. oben S. 925 f., 961 Note 2.
3) S. oben S. 915 Note 4.
*) S. oben S. 770.
5) S. oben S. 907, 913.
^) S. oben S. 925 f. Der Trierer Abschreiber des UStift 13, Jhs., der um die Mitte
des 14. Jhs. kopierte, verstand das Wort Vorhure nicht mehr.
"') Besonders hoch erscheint UStift S. 427, Münstermaifeld: si quis moritiu" in manso,
ei succedens in eodem dat tantum ad vurehure, quantum dat census, scilicet 5 s. Doch liegt
hier schon eine Verquickung mit der Kurmede vor, s. unten S. 1188. Einen gl. beträgt das
Empfängnis WKonfeld 1547 § 4.
8) Zwei Sester z. B. WAhn 1626 § 2, drei Sester *WThaben 1487, USMax. 1484
Bl. 25^5. S. auch *WHeisdorf, USMax. 1484: wer erbschaft entsetz, der entsetz es ubermitze
2 beier, ein halfscheit mins herren, das ander halfscheit dem gericht.
^) WHeimbach Weifs Gladbach 1476: es gehet ein lebendiger aus und ein lebendiger
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1188 —
eine weitaus sicherere Erhaltung^ als der spätestens seit Schlufs des Mittel-
alters als Personallast allgemein verbalsten Kurmede^; nur selten scheint es
zu direkter Radizierung des Empfängnisses etwa durch Umgestaltung zum
Jahreszins gekommen zu sein^.
Dagegen konnte das Empfängnis nicht selten zur dinglichen Radiziemng
dadurch gelangen, dafs man es mit der Kurmede vermischte. Von vornherein
mulste sich leicht die Anschauung ausbilden, dafs die Kurmede nicht Rest
eines nicht mehr verstandenen vollen Erbrechts des Herrn an unfreiem Nach-
lafs, sondern vielmehr eine selbständige Belastung der Erben für den Erban-
tritt sei: war sie doch jedenfalls von den Erben auszuzahlen^. Die erste
Folge einer solchen Ansicht war, dafs man die Alternative zwischen Kunnede
und Empfängnis stellte ^ ; die zweite, dafs man beide vermischte. An einzelnen
in, und der es empfangt, mufs dem vogt geben ein leichmass weins, den hofheren ein viertel
wein und vor 8 hl. weck.
1) Man vgl. z. B. WMarodt 1532 (1575), G. 1, 839: was binnen den hoben ligt, das seind
entpfengliche guter, die sal kein man gebrauchen, das er dristemplichen stuel drof setzen
möge, er sal es entpfangen an der bank, wie recht ist. und wan ein enpfangene haut dotz
halber abgehen wurde, so sal der ander lehenman, der da zustat, das lehen inwendig den
siebenten, und zu dem lengsten zu dem 30ten mit des herren gnad entpfangen, oder in wetten
erfallen sein. WMayen, G. 2, 482: da auch jemants wissig, daß einer oder mher burger
hoifsguit unentphangen besessen, dasselb sol er bei aidspflicht anzeigen. S. auch WWinden
1465 § 8, G. 6, 743; WSteinheim 1669 § 10; WMeckel 1669 § 5; WWallersheim,
G. 2, 536.
^) Vgl. dazu die lehrreichen Notizen einer Äbtissin des Klosters SKatharina bei Linz,
16. Jh., G. 1, 623—624: in dem stift von Trere in der Eifelen nent man si bestheuft ader
koraioit, die sal man hefen na beider stift gewaenheit, dat ist Collen und Trere. ich hain
gehaefen anno 1500 zo Lins und buissen Lins perde koe swin ader dat beste cleit, und bin
ungehindert worden, wiewail etlichen darweder waren, und auch wanne die irfen ein kor-
modich goit verdeilen, sal ecliche deil uch vor einen grundherren halden und ein kormoit
geben; 'dies gewaenheit brucht auch der lanther. were sach dat uch dat kormoit mit arge-
list und bedroche worde entfonden, ist uch dat goit aengefallen. item es sin etlich lüde ge-
west, die unser cloister wolden in eren krenketen umb dat kormoit bedregen, und gaefen ir
goit mit bedroich und argelist uf, den hain ich das kormoitgoit na erer krenkten genomen
sonder alle gericht. item do ich zo Bonne bin komen, hain ich noch besser bescheit kregen,
da nit pert noch koe ensin alsdan moissen die frunde ader partigen uch ein silvern ploch
geben, dat ist 5 mr., zo dem allerkleinsten. S. dazu WLeimersdorf 1559, G. 2, 648, cit.
oben S. 1184 Note 1.
3) S. z. B. Küster S. 47.
*) S. dazu \\^Niedennendig 1435, G. 2, 491 : were sache dat ein hofeman were, de sin
gut niet selver gewinnen künde, ind bede einen anderen leman, de hem sin gut wunne, ind
lege daenbinnen de hofsman neder ind stoirve, so mochte der scholtisse den lenman pen-
den, de dat gut gewonnen het, vur sine kurmode, mit namen mit der bester koe, die der
lenman hette. ind der lenman mochte dat hofzgut, dat he gewunnen hette, as lange in sinre
haut halden, bis die neisten en^en dem lenmanne sine kurmode gebessert betten, die he
darumb verloren hette. AVLissingen, G. 2, 598 : dahe . . den kindern ihre eitern abfielen, die
sollen bei dem schultheissen die erste schär zu thun urlaub heischen und sich darnach mit
dem herren wegen des churmuts empfangrecht und sonstigen vergleichen.
^) So sehr bezeichnend WTholey 1450, G. 3, 759 : der Grundherr soll nemen ein best-
— 1189 — Soziale Gliederung.]
Nachrichten läi'st sich vorfoljieii , wie eine Neigung in dieser Richtung his zu
schliei'slich voller Fusion führen konnte ^ : dann stand aber der Radizierung
des Kurmede-Empfängnisses nichts mehr entgegen.
Ein Rückhlick auf unsere letzten Erörterungen ergiebt das allgemeine
Resultat, dafs spätestens bis zum 13. Jh. alle diejenigen Lasten der Gmnd-
hörigen dinglich gefafst wurden, welche auf den Jahreswechsel periodisiert
waren, und ferner, dafs seit dieser Zeit auch die auf Generationenwechsel
periodisierten Lasten mehr oder minder in die gleiche Entwicklung ein-
lenkten.
Die unmittelbare Konsequenz dieser Vorgänge war die Bindung der
Grundhörigen an die Scholle: eben durch die Radizierung der Personallasten
kam erst vollends das zu stände, was wir Grundhörigkeit nennen. Wir sahen,
wie die Entwicklung in diesem Sinne bis ins spätere Mittelalter in vereinzelten
neuen Ausläufern andauert. Aber im ganzen war sie doch schon viel früher
abgeschlossen; sie charakterisiert recht eigentlich die erste Hälfte des
Mittelalters.
Der Beweis hierfür ist schon mit unserer bisherigen Untersuchung gegeben ;
sein Inhalt läfst sich aber durch Erörterung der Geschichte der Adscriptio
glebae zu noch gröfserer zeitlicher Präzision und umfassenderer Anschau-
lichkeit erheben.
Die ältesten Quellen bis zur Mitte des 9. Jhs. verneinen noch sämtlich,
haupt, und wer dan das guit besitzen wirt, mag mit dem besthaupt ingane ane wine, tut er
das nit, so sol er den wein geben.
1) S. dazu WSalmerohr, G. 2, 341 : wan ein man sterbt und zu der erden bestat ist,
so sal die fi'aw dem richter erlaubtnis heischen , bis sei einen momper mecht , ir gut zu ver-
gaben und zu bestain. wan der man begangen ist, dan sal der amptman zu Esch ein kur-
mont hieben, hat er nit pferde, alsdan köhe; so hult die fraw das best vorab, und darnach
der amptman, so lang bis an den dristemplichen stuel. W. des Königreichs bei Horweiler
1550: wan ein huber uf diesem konigreich begiietet, derselbig verstürbe, was der m. gn. h.
von Nassauw vor ein besthaupt uszurichten schuldig? des verstorbenen erben sollen in
14 tagen dem Schultheißen um des graven wegen das besthaupt liefern, und das besthaupt
sol sein, demnach einer uf dem konigreich begütet ist. WKretz 17. Jh. § 7, G. 6, 606: wan
ein Schöffen oder höfer stürbe oder tods halben abgienghe. was zeit und wanehr sol man
das kormet geben und liebern, und wanehr sol man die guter empfangen? darauf antworten
die Schöffen und höfer: wan einer von denselbigen stürbe, so sol die frau oder erbe an dem
schultheisz urlaub bitten auf die guter zu gähn, und der schultheisz sol ihnen das nit
weigeren, und es sol gerocht werden am erstlichen dinglichen tagh, und am zweiten sollen sie
das kürmond verenderen und die guter empfangen. WBetzing, G. 2, 478: welcher sovil
guts hab, das er einen dreistemplichen stuil daruf könne setzen, der sol an dem hofshern
das entphangen, inwendig dem dreischten sol es entphangen und binnen dem siebenten
verkoemioedt werden. WRommersheim 1298 : dat alle lehenber man, die ir lehen entfeint van
eime apt van Prume mit irem munde van deme sime, dat die eime apt kurmode of ir best-
heuft schuldich sint, als si verüaren und doit sint. damahe als si die kurmede gericht
haent, soe sal ein apt in die erven belenen mit deme erve und guede , dat si van eme zo
lehen haent, aen des aptzs wedersprache beheltenis sins rechtes.
[Griindherrlichkeit und Yogtei. — 1190 —
wie es scheint, den Gedanken der Bindung an die Scholle. Sicher gilt das
für die Nachrichten bis zur Wende des 8. und 9. Jhs. ^ Aber noch im J. 853
schenkt Kaiser Lothar 4 Älancipien ex beneficio Adalardi fidelissimi comitis
nostri^, welche allem Anscheine nach landlos waren, und die Thatsache, dafs
im J. 843 das Kloster Prüm laut seiner Einweisungsurkunde in die Villa
Villance neben dem Lande noch besonders mit den Unfreien investiert wurde ^,
spricht ebenfalls gegen Geltung der Adscriptio. Späterhin finden sich dagegen
kaum noch Nachrichten, welche gegen dieselbe in Anspruch zu nehmen wären ^ :
dagegen reichen die frühesten Quellenstellen, welche man für die Adscriptio
anführen kann, noch bis in das dritte Jahrzehnt des 9. Jhs. zurück. Wenn
in einem Mancipientausch des J. 823 zwischen dem Kloster Prüm und einem
Privaten das Kloster 11 Männer und 3 Frauen gegen 3 Männer und 4 Frauen
erhält^, so ist das anscheinend seltsame Mifsverhältnis der Tauschwerte doch
wohl nur durch den Umstand zu erklären, dafs mit diesen Mancipien schon
selbstverständlich Land zum Austausch kam, dessen Erträge ein ebenmäfsigeres
Verhältnis der Tauschobjekte herstellten. Ebenfalls ein Symptom eintretender
Adscriptio ist es ferner, wenn es seit dem dritten Jahrzehnt des 9. Jhs. ge-
wöhnlich wird, urkundlich von Mancipien und Grund und Boden in einer
Weise zu reden, welche eine enge Kohärenz derselben voraussetzt^. Dafs
aber schliefslich gegen Ende des 9. Jhs. die Adscriptio der Regel nach erreicht
war, beweist die Art, in welcher man spätestens seit dieser Zeit die Ausdrücke
mansus ingenuilis, ledilis, servilis gebraucht^. Diese Ausdrücke bezeichneten
ursprünglich natürlich Hufen, auf welchen Freie, Hörige, Unfreie safsen. Aber
bei dem engen Zusammenhang von Hufe und Hüfner hatte man sich bis gegen
Schlufs des 9. Jhs. längst daran gewöhnt, die Hufe mit dem eigentlich die Per-
sonaleigenschaft des Hüfners ausdrückenden Beiwort näher zu bezeichnen, ja es
war schon so weit gekommen, dafs man der Hufe die Bezeichnung liefs, auch
wenn infolge Verziehens, Aussterbens usw. an Stelle des Bebauers ursprüng-
lichen Rechtes ein solcher anderen Rechtes getreten war. So finden wir z. B.
im J. 900 in Diedenhofen mansum unum ingenuilem cum integro censu et
debito servitio atque cum servo, qui illum tenet, nomine Isichone, et uxore
eins et infantibus^.
1) S. MR. ÜB. 1, 16, 762; Lac. ÜB. 1, 16-17, 31, 815.
2) MR. ÜB. 1, 85, 853.
^) MR. ÜB. 1, 103, 843: de omnibus vero mancipiis per servum suum nomine G. si-
militer eosdem missos revestivit.
*) Vgl. allenfalls Regino Caus. synod. 2, 351 (ex ep. Rhabani): de eo, qui hominem
furatus ftierit; auch Lac. ÜB. 1, 52, 93, 941.
'^) MR. ÜB. 1, 55, 823.
6) S. z. B. MR. ÜB. 1, 57, 826; 58, 826; auch Dronke, Tradd. et Ant. Fuld. S. 84,
cit. oben S. 717 Note 4.
'^) S. darüber unten S. 1192 Note 4.
8) MR. ÜB. 1, 149, 900. S. auch UPrüm No. 3 : Stephanus tenet [in beneficio] mansa
ser\'ilia 6V2, welche wie die anderen mansa servilia zinsen und zahlen. UPrüm No. 84, Lin-
— 1191 — Soziale Gliederung.]
Die somit seit Sehlufs des 9. Jhs. all,i»eineiner einueführte Adscriptio
<^lebae wurde nun aber seit dieser Zeit um so wirksamer, als sicli der Stand der
Grund hörigen nunmehr erst reclit konsolidierte. Das gilt für äul'sere wie innere
Beziehungen. Nach aufsen deshall), weil spätestens seit Mitte des 10. Jhs.
die bisher häufigen Gelegenheiten zum Veifall in Unfreiheit anfingen seltener
zu werden \ so dafs die Grundhörigen keinen Zuflufs mehr erhielten, der mit
ihnen für Besitz und Genufs grundherrlichen Bodens in ausgedehnteren Wett-
bewerb getreten wäre. Nach innen deshalb, w^il sich jetzt die Hofes Verfassung
immer mehr zu befestigen begann^, deren erstes Ziel mit die Sicherheit des
Besitzes für die Grundholden, d. h. Adscriptio glebae, sein mufste.
Dem entspricht es denn auch, wenn im 11. Jh. der Gedanke dinglicher
Gebundenheit für die Grundholden als eine ganz selbstverständliche Errungen-
schaft früherer Zeit erscheint und als solche bis tief ins 13. Jh. hinein eifer-
süchtig bewahrt wird^.
Aber die Adscriptio glebae mufste ohne weiteres zu einem festeren und
widerstandsfähigeren Begriff des grundhörigen Besitzes überhaupt führen.
Noch im Beginn des 10. Jhs. war der Besitz der eigentlich oder ur-
nicli : ex siipraclictis mansis tenet presbiter 4 et servilia 2. MR. ÜB. 1, 274, 997 : Otto III.
schenkt dem Siggo unum mansum genuilem, qui teiitonica lingiia lazesliuova dicitur, cum
mancipiis nomine H. atque eins uxore nomine R. atque cum omnibus hereditario iure eundem
mansum habentibus in villa Tiedenhovon dicta cum una area in comitatu Sigefridi comitis
situm [des Grafen des Saargaues] atque eundem mansum cum omnibus suis appenditiis in Se-
taco [Sentzich 1 Meile nö. Diedenhofen] in ediiiciis terris cultis et incultis agris pratis campis
pascuis silvis vineis venationibus aquis aquarumque decursibus molendinis piscationibus etc.
Vollständig verwischt und nicht mehr bekannt sind dann die Unterschiede in den Erklärungen
des Cesarius zum UPrüm S. 144 Note 1; vgl. auch UKarden 11. — 12. Jh.: in (Alflona) habet
Cardonensis ecclesia curtim unam. Zu der curtis gehören 12 mansus census reddentes et
6 mansus servitiales, qui multiplici iure curti subserviunt.
1) Zu den gegensätzlichen Wirkungen der Normannen- und Ungarnkriege vgl. Richer
1, 6, ca. 890; Y. Herib. Colon, c. 1. Dafs alle früheren Kriege ähnliche Wirkungen hatten,
bezeugt Widuk. 1, 11; s. auch Flod. z. J. 923, MGSS. 3, 372, i4. In späterer Zeit kamen neue
Unfreie wohl nur aus dem Ausland, s. Ces. Heisterb. Dial. mai. 10, 44: cum adhuc scholaris
parvulus tempore quodam in acutis laborarem et semel ac secundo post chrisim recidivassem,
contigit, ut puella quaedam pagana, quam matertera mea pecunia comparaverat, bapti-
zaretur.
2) S. u. a. oben S. 707 f.
3) Lac. ÜB. 1, 106, 170, 1036: 19 Hufen cum inherentibus mancipiis; MR. ÜB. 3,
501, 1234: Dietrich von Ulmen schenkt allodium suum in Weiler und Badem sive in homi-
nibus sive in aliis rebus quibuscunque consistens; Cart. Orval 264, 1240: Je Robert, frere
le segnor Cuenon de Mucy, fai savoir . . , ke je par le looz et par l'assentement de mes
freres Cuenon, le segnor de Muscy et monsegnor Huon, le fils monsegnor Cuenon, et de mes
altres oors ai donnet en almosne ä l'eglise d'Orvalz tot ce ke je tenoie en boiz en terre
en rentes et en totes altres manieres el ban de Saint Legier et Richar de Severi, mon homme
at Wiar et Bertrison ses enfans et tote lor progene et lor oors ki desorenavant en isteront
et tot lor heretage entierement ensi comme il en sont tenant at Severi et alhor en sorketot.
S. ferner Cod. Salm. S. 37 Note I, 1276, cit. oben S. 930 Note 2.
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1192 —
sprünglich Unfreien ein sehr prekärer^, und auch das Besitzverhältnis der
anderweitigen Grundholden wurde noch in etwas unbestimmter Weise als
teuere, habere usw. bezeichnet^. Demgegenüber bildete sich nun auf Grund
der Adscriptio glebae der Begriff eines allen Grundholden gemeinsamen erb-
lichen Nutzbesitzes heraus^. Die Entwicklung desselben füllt wesentlich das
10. Jh. ; das deutlichste Symptom für seine Fortschritte bietet das allmähliche
Verschwinden der Sonderbezeichnungen grundhöriger Hufen als ingenuiles,
lediles, ser\iles*. Seit dem 11. Jh. erscheint dann der erbliche Nutzbesitz der
Grundholden durchaus anerkannt^; und mit dieser Anerkennung war das
Problem der Entfaltung grundhöriger Nutzungsrechte nach der Richtung freien
Eigens hin gegeben.
1) Vgl. Kegino Caus. synod. 1, 409, s. auch für frühere Zeit MR. ÜB. 1, 66, 839, und
oben S. 55.
^) Vgl. dazu UPrüm No. 45, Villance: si homines 4 unum mansum tenent . . si tres
homines super unum mansum sederint . . si duo homines super unum mansum sedent . . si
homo unus mansum unum aut dimidium tenet . . et si unus homo mansum dimidium ha-
buerit; mansus servilis, quem tenet H. Ferner s. a. a. 0. No. 4: vidua Radulfi tenet iu-
gera; No. 31: habet presbiter in beneficium mansa 3, solvit s. 10; in beneficium habere auch
No. 45, Villance S. 169. — Teuere in diesem Sinne kommt sogar noch MR. ÜB. 1, 868,
1069 vor.
3) S. dazu oben S. 900, auch S. 922, wo aber der Satz »Die grundhörige Nutzung —
steht das so iesU nach den Ausführungen oben im Text zu modifizieren sein wird.
*) Zur Frage nach der Bedeutung der Ausdrücke mansus ingenuilis, ledilis, servilis usw.
vgl. u. a. Landau, Salgut S. 4 f.; v. Maurer, Fronh. 1, 842, 351, 366 ff. Mcmsi ingenuües
finden sich im Moselland u. a. MR. ÜB. 2, 21, 835, cit. oben S. 705 Note 1 ; später noch
im UPrüm und UlMettlach No. 3 und 4; MR. ÜB. 1, 139, 895; MR. ÜB. 1, 170, 929, Go-
stingen in Luxemburg; MR. ÜB. 1, 273, 996, Dahlem in Luxemburg. Seitdem fehlt jede
Nachricht, aufser der Erklärung des Cesarius zum UPrüm S. 144 Note 1, vom J. 1222:
mansi ingenuales iacent in Ardenna, id est Osclinc, in qua terra iacet Alve et Hunlar et Vi-
lantia. quilibet istorum mansorum habet 160 iurnales terre, quos appellamus vulgariter ku-
nihkgeshuve. Vgl. dazu auch a. a. 0. S. 155 Note 1; No. 47. Diese Erklärung hat natür-
lich mit der alten Bedeutung von mansus ingenuilis nichts zu thun, s. oben S. 348 f. ; in
ihrem Sinne sind vielleicht auch schon die soeben citierten Stellen der JJ. 929 und 996 zu
verstehen. Zum Verbleib der Bezeichnung Mansus ledilis vgl. aufser dem UPrüm (z.B.
Bd. 2 S. 151) Lac. ÜB. 1, 52, 93, 941. Später kommt der Ausdruck nur noch vor in
einer Kaiserurkunde (Otto ÜI., MR. ÜB. 1, 274, 997, cit. oben S. 1190 Note 8) für die Ge-
gend von Diedenhofen imd Sentzich in der Form lazeshuova, und Ennen, Qu. 1, 572, 87,
1176, sowie MR. ÜB. 2, 127, 1192, beide Stellen cit. oben S. 901 Note 2, in ganz abgeschwächter
Bedeutung als lazgüt. Liten selbst erscheinen in der eigentlichen moselländischen Über-
lieferung überhaupt fast nie, in späterer Zeit werden sie einmal für Leudesdorf am Rhein
im Herforder Urbar, 13. Jh. 2. H., genannt: Wilm. Kaiserurkk. 1 S. 162, cit. oben S. 410
Note 3. Zum Ausdruck Mansus servilis endlich s. MR. ÜB. 2, 21, 835; 23, 832—838;
UPrüm (z. B. Bd. 2, 151); UlMettlach No. 18; MR. ÜB. 1, 139, 895; Lac. ÜB. 1, 43—44,
81, 898; 49, 88, 927; MR. ÜB. 1, 174, c. 938; Lac. ÜB. 1, 52, 93, 941; MR. ÜB. 1, 273,
996. Spät, aber offenbar aus alter Zeit übertragen finden sich mansi serviles noch genannt
im UKarden 11.— 12. Jhs. und im USMax. S. 431, Mertert 9c.
5) S. Quix, Cod. Aquens. No. 22, 1007, cit. oben S. 240 Note 3; MR. ÜB. 1, 382,
1042—47, Wasserbillig: quia 60 mansionilia, que et curtilia vocitantur, hereditarie dicuntur
possidere. Vielleicht wäre hier sogar schon MR. ÜB. 1, 286, 965—75 anzuführen.
1193 — Soziale Gliederung.]
Die erste Etappe, welche auf diesem Wege erreicht werden mufste, war
die Herstellung einer festen grundhörigen Erbfolgeordnung innerhalb des ge-
nossigen Kreises, welche, seitens des Herrn anerkannt, nur bei Mangel eines
Erbnachfolgers, bei bürgerlichem Tode oder Abzug des Grundholden, oder
endlich bei Verwirkung des Erbbesitzes kraft Hofrechts* durchbrochen werden
durfte. Es ist schon oben erzählt worden, wie die Herstellung einer solclien
Erbfolgeordnung thatsächlich in den meisten Fällen und in ziemlich weiter
Ausdehnung der Erbfolgereihe gelangt; schon mit der ersten Hälfte des 13. Jhs.
war auf diese Weise eine grofse Sicherheit grundhörigen Besitzes erreicht. Th.
de Petra, heilst es in einer Urkunde des MR. ÜB. 3, 613, vom J. 1238—39,
Walterum de Geiene dictum Cokin et sororem suam filiumque sororis sue,
qui sibi pro servili conditione obligati erant et allodium memoratum quasi iure
hereditario possidebant, ad hoc induxit, ut ipsi omni iuri, quod in eo habere
videbantur, penitus abrenuntiarent ; et ipse pro hoc conditionem illorum me-
liorem faciens super altare beati Willibrordi eos reddidit et omni iuri, quod
in eis habere videbatur, penitus abrenuntiavit.
Weiterhin aber mufste man das erblich gesicherte grundhörige Gut thun-
lichst von der Einwirkung des Herrn zu befreien und in das Ptecht gemeinen
landrechtlichen Verkehrs zu bringen versuchen.
Hier war es die Hauptaufgabe, Veräufserungen grundhörigen Gutes aufser-
halb des Kreises der Genossen zu ermöglichen. Derartige Veräufserungen
waren nun zwar stets mit Zustimmung des Grundherrn möglich gewesen^, und
oft genug mögen sie infolge mangelhafter Aufsicht auch ohne dieselbe statt-
1) Zu diesen Fällen vgl. oben S. 751 ff.; Bd. 3, 145, i, 1326; WAmel 1472 § 23;
WWellingen 1582, G. 2, 474—5; ferner WBreitfurt 1453, G. 2, 41: obe ein man adir frauwe
aussetzig weren, wisent si miner frauwen an dem iren, das sie lieszen. gewönne er einich gut
in zit siner ussetzigkeide uf dem felde und Hess das, das sal auch m. fr. sin. WKatharein-
Ostern 1463: so guter daselbs legen und niemans erschienen, solche guter zu entpfahen, wie
man sich mit den gutern halden sol, damit den hern ir rente und guet gehantrecht werd ? —
der schultiß sol solche guter ufhemen, so lang bis daß die erben komen, solche guter zu
entpfahen. WUlflingen 1575 § 28, G. 6, 552: wan der hofinan verarmut were und von
seinem guet abwähren muest, armut oder sonst anders halben, und die gueter über jähr und
ein tag pfleglos liegen lest, alsdan sol man die gueter ausrufen, wo nieman von unsen
erben herbei und darnach kombt, so seind sie in der herren bände gefallen. WScheidweiler
1506, G. 2, 389 : da der man oder frawe das gut ligen ließen und nicht garzinsig machten
. . , so magh der herr oder sein knecht das einem andern verlehnen , der es braucht und
seine pachten darvon geben, und solle den lehenman oder -frawe mit recht suchen und an-
nehmen umb die pachten und zinsen churmunt und was darauf stehet darvon sie schuldig
blieben seint; und der man oder frawe sollen alsdan forters kein gerechtigkeit zu dem gut
haben noch fordern. — Einen Fall wirklichen Heimfalls bietet MR. ÜB. 1, 462, 1128 : Jemand
schenkt an Disibodenberg apud Monzecha, quicquid servus eins nomine Hazecho habuit, quod
ipse eo mortuo in publico j)lacito acquisivit.
2) S. oben S. 644 ff.
=^) Vgl. z. B. MR. ÜB. 1, 629, 1161 ; 3, 801, 1244.
Lamprecht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 76
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1194 —
gefunden habend Jetzt aber galt es das Zustimmimgsrecht des Herrn zu
einem blofsen Vorkaufsrecht herabzustimmen. Der Versuch gelang zuerst
wohl und wenigstens teilweis in der ersten Hälfte des 13. Jhs.^. Später
wurden dann die ursprünglichen Eigentumsrechte des Grundherrn noch weiter
zurückgedrängt, er behielt nur das Einziehungsrecht für eine Quote der Ver-
kaufssumme ^, oder die Veräufserung wurde freigegeben unter der Bedingung,
dafs sie mit einer Besserung des grundherrlichen Zinses vom veräufserten Gut
Hand in Hand ginge*.
Weniger bedeutend waren einige andere Vorgänge für die Befreiung des
grundhörigen Nutzbesitzes. Ich erwähne nur zwei derselben: die Grundholden
setzten allmählich durch, dafs ihr Besitz in keinerlei Weise für Verpflichtungen
des Herrn haften sollte^, während sie ihrerseits volle Belastungsfreiheit für
eben diesen Besitz zu entwickeln suchten und dieses Ziel in der That auch
bisweilen erreichten ^.
Die letzten Erörterungen in Verbindung mit früheren Ausführungen
zeigen nunmehr zur Genüge, in welcher Richtung sich die Befreiung der grund-
1) Vgl. CRM. 1, 105, 1132; MR. ÜB. 2, 51, 1170—1181.
2) Vgl. oben S. 646 f.
2) WUlflingen 1575 § 12: waneh ein hofsman erbguet verkauft, so sei er dem herren
den eilften pfenning scholdig von der hauptsumme des kaufs. Nach WAhn 1626, § 11, fällt
ein Drittel des Kaufschillings an den Grundherrn beim Verkauf von ihren eigenen (d. h. zu
Zins verliehenen) Gütern, und von Grundgütern,
*) S. WRavengiersburg 1509, Thomasw. § 15, G. 2, 180. Noch weiter geht aber
WPommern 1589, G. 2, 446, Vereidung und verplichtung der zukommenden höfer, wie man
sei annimbt und vereidt, insonderheit im Nassen kirspel auf dem gedingtag nach Martini im
winter gelegen in unserm hof zu Pommern: zum dritten, alle hofsguter, welche genant sein
oder noch gefunden möchten werden, nicht verwenden noch verkehren oder helfen ver-
wenden vor eigen oder vor ander hofsguter, zum vierten, wan aher sach were das einer
aus nothwendigkeit mufs verwenden verkauden oder verkaufen, so sol derselbig zum
wenigsten zwen vereidter gehöfer neben dem keufer und verkeufer darbei haben. Vgl. auch
ferner noch Waitz, Vfg. 5, 276; Hanauer, Paysans S. 132; angebl. Rheingauer W. 1324,
G. 4, 573; WAVeidelbach 1538 (53), G. 2, 172; WKieselbach 1549, G. 2, 197; WEidenborn
und Falscheid 1564, G. 2, 53; WHolzfeld und Sachsenhausen 1664, G. 2, 234; WBendorf
1671, G. 1, 614; WOppen 1730 § 4, Lager S. 264—5; WGemünden, G. 2, 170; WSprendlingen,
G. 2, 157; WSteinbach, G. 2, 203.
^) WAnwen 1362 § 9 : die grundherrlichen Güter sind nicht pfandbar für Herrenschuld ;
WBesslingen 15. Jh. § 5: wer zu goedem hoefsrecht im Hofe zu Wampach sitzt, der haftet
wenigstens nicht mit seinem Inventar für den Herrn.
^) Wie schwer gerade diese Belastungsfreiheit zu erreichen war, zeigt das Beispiel der
Weinlehensverhältnisse, s. oben S. 908. Zur Sache selbst s. WMertert 1589 § 6; WUlf-
lingen 1575, § 34, G. 6, 552: niemand mag gueter versetzen sonder zulasz des herren oder
zum wenigsten des meiers. und wo man gerichtsleut beschreibt, sol mit ihrem willen und
wissen geschehen, und vermits ihr recht zwen batzen iedem gerichtman, so beschrieben würd.
Viel weiter geht WLaacherhof, G. 2, 500 : wan einer wer, der uf den Mergenguetern zu thon
het, und der höber het kein ander guet, dan hofsguet, wie sich der halten solt ? daruf erkent
der scheffen, wan einer quem vom haus Monrial oder Meien und precht einen richtlichen
schein an den scholtes und vierzehen scheffen und gieng dem gerichtlich nach, so sol ein
— 1195 — Soziale Gliederung.]
hörig-laiidarl)eitendeii Klassen im früheren Mittelalter bewegte: Radizierung
der anfangs persönlichen Lasten, Bindung der Person an die Scholle statt an
die Willkür des Herrn auf Grund der Radizierung, Entwicklung möglichst
freien Besitzes auf Grund der Bindung an die Scholle: das ist die Kette von
Vorgängen, in welchen der Grundholde des früheren Mittelalters zur Freiheit
strebte: ihm handelte es sich also noch nicht um die Freiheit der Person,
sondern in erster Linie um die Freiheit des Bodens, um die Loslösung eben
jenes Besitzes aus der Grundherrlichkeit, an welchen er gekettet war.
Den auf diesem Wege erreichten Fortschritten entspricht eine veränderte
Bezeichnungs weise der grundhörigen Klassen im früheren Mittelalter gegen-
über ihrer Benennung in der Karolingerzeit. In fränkischer Zeit war der
gewöhnlichste Ausdruck für den Unfreien Mancipium gewesen \ ein Wort, mit
dem man direkt den Begriff persönlicher Bindung verband^. Dieser Ausdruck
wird nunmehr, schon seit Schlufs des 9. Jhs., durch Zusätze wie censuale ge-
mildert^, und im Laufe des 10. Jhs. verschwindet er an der Mosel fast gänz-
lich*. Zur Bezeichnung der Grundholden tritt statt dessen Servus ein. Dies
Wort w^ar in der Karolingerzeit vornehmlich zur Bezeichnung von besseren
Unfreien, von Fiskalinen oder werdenden Ministerialen in Gebrauch gewesen^;
scholtes von ^Yegen des junker lout des wistumbs richtungh oder pfantschaft vergunnen an
die liofsgueter.
^) S. Guerard, Irminon S. 283; aus unserer und verwandten Gegenden z. B. MR.
ÜB. 1, 7, 707; 82, 851; Trad. Lauresh. 3170; Trad. Wizenb. S. 68, 774, cit. oben S. 779
Note 7. Für den Niederrhein findet sich in Lac. ÜB. wähi-end des 9. Jhs. regelmäfsig nur
der AusdiTick mancipium , statt dessen nur Bd. 1, 38, 73, 882 vernaculum. Das Wort Sla-
vus kommt nur in der V. loh. Gorz. c. 120 für die Diener Abderrahmans vor, an Sciavus
denkt wohl auch die V. Bald. Leod. c. 20 beim Worte Scita in der Schilderung des Him-
mels : (hie est) non Scita non dominus, non servus, non peregrinus, non personarum distinctio
Christicolarum.
2) Vgl. G. ep. Camerac. 2, 11: Jemand, dem die Hände auf dem Rücken gefesselt sind,
wird losgebunden und heifst nun emancipatus. Als Epitheton ornans zu mancipium kommt
gern vile vor, s. z. B. Alp. de div. temp. 2, 13, MGSS. 4, 716, 9.
3) MR. ÜB. 1, 120, 886.
*) Mancipium findet sich noch MR. ÜB. 1, 174, c. 938 (Ardennen); Lac. ÜB. 1, 52,
93, 941; Ennen, Qu. 1, 406, 12, 959; MR. ÜB. 1, 228, 967, zum letztenmal im alten Sinne
im MR. ÜB. 1, 287, 1008—1016, cit. oben S. 920 Note 1, hier aber wohl schon aus früherer
Aufzeichnung herübergenommen. Das letztere gilt mit Bestimmtheit von der Stelle UlMett-
lach No. XV, 13. Jh. Anfang. Länger erhält sich der Ausdruck am Niederrhein, s. Lac.
ÜB. 1, 106, 170, 1036; 110, 177, 1041; 144, 221, 1066—75; vielleicht ist sogar Ennen, Qu.
2, 32, 27, 1208, noch hierher zu ziehen. Auch in Franken war das Wort noch um die Mitte
des 11. Jhs. gebräuchlich , s. Adalb. V. Henr. c. 18; in Schwaben sogar noch um 1083, s.
Lamprecht in Conrads Jahrbb. N. F. 11, 354 zur Arbeit Roths von Schreckenstein über die
Terminologie der Gründungsnotiz des Klosters SGeorgen. — An der Mosel wird mit man-
cipium später nur ganz vereinzelt der Taglöhner, nicht mehr ein Gmndbesitzer bezeichnet,
so erklärt schon Cesarius zum UPrüm S. 153 Note 3 das Wort mit operarius sive nuntius.
5) Vgl. Cap. miss. 792 oder 786, Boretius S. 67, c. 4, cit. oben S. 725 Note 5; MR.
ÜB. 1, 44, 806; 51, 816; 115, 873. Den alten Gebrauch zeigt noch recht deutlich V. s. Liutb.
c. 36 : servi necnon et ancillae liberiores, und namentlich MR. ÜB. 1, 170, 929 : mansus do-
76*
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1196 —
jetzt sinkt es auf die gewöhnlichen Grundholden herab ^; sehr charakteristisch
begegnen sich beide Ausdrücke, Mancipium und Servus, am Koinzidenzpunkte
ihres endgültigen Schwindens bezw. Aufkommens noch in einer Urkunde vom
J. 997, in der eine Hufe sine banno atque servitio ac omni mancipatione
senioris geschenkt wird^.
Das Wort Servus war in der That in hohem Grade geeignet, die Fort-
schritte zum Ausdruck zu bringen, welche die Grundholden bis zum Beginn
des 11. Jhs. gemacht hatten. Denn wenn Mancipatio im prägnanten Sinne
die volle Unfreiheit bezeichnete, so bedeutet Servitium jeglichen Dienst, auch
den der Freien im Lehns- oder Beamtenverhältnis ^. Dementsprechend war
das Wort Servus für den Gnmdholden des 10. Jhs. fast noch zu vornehm,
und man mäfsigte seine Bedeutung daher bisweilen durch den Zusatz proprius *.
Allein seit dem 11. Jh. tritt das Wort doch stets für sich auf, und man
spricht sogar bald von einer Servitus oder einem Servitium grundhörigen
Bodens ^.
Das Wort Servus bleibt nun die technische Bezeichnung der Grund-
holden bis tief ins 13. Jh. hinein*^: so dafs seine Dauer völlig jenes eben ge-
schilderte Stadium grundhöriger Entwicklung umschreibt, dessen Ziel Freiheit
des Eigentums ist. Aber schon seit etwa dem dritten Jahrzehnt des 13. Jhs.
wird der Ausdruck seltener auf den grundhörigen Bauer angewendet, gewöhnlich
bezeichnet er seitdem und nunmehr den ganzen Rest des Mittelalters hindurch
das persönliche Dienstgesinde ^. Für den Grundholden aber tritt schon lang-
minicatus cum omnibus exitibus suis et alios mansos ingnuiles 6 cum Emmardo servo et
aliis mancipiis ad eundem locum aspicientibus. Hier ist mit servus jedenfalls der Meier be-
zeichnet. Eigentümlich ist der Gebrauch von servitor in MR. ÜB. 2, 30, 895.
1) Für die Moselgegend ist sehr bezeichnend ME. ÜB. 1, 163, 923; im Lac. ÜB.
kommt servus zum erstenmal Bd. 1, 40, 76, 888 vor. Ebd. famulus zum erstenmal Bd. 1,
49, 88, 927. S. auch Sigeh. V. s. Maxim, cap. 1 § 15, cit oben S. 215 Note 2; Alp. de
div. temp. 2, 15.
2) MR. ÜB. 1, 274, 997.
3) Vgl. Lac. ÜB. 1, 78, 127, 996, laut welcher Urkunde K. Heinrich I. einem Grafen
pro sei-vitute sedula einen Teil seines Lehens zu Eigen giebt; ferner MR. ÜB. 1, 450, 1123,
cit. oben S. 901 Note 1. Servitium oder opus servile ist dann Feldarbeit, die freilich wesent-
lich gi-undhörige Arbeit wurde, s. oben S. 463, S. 811 Note 5, und S. 923 Note 3. Zu feo-
dum servile s. oben S. 901 Note 2.
*) Regino Gaus, synod. 2, 39, ex. conc. Trib. 895.
5) S. MR. ÜB. 1, 351, 1058: plena servitus, vgl. auch MR. ÜB. 1, 375, 1075, cit.
oben S. 124 Note 6. Man sehe ferner auch S. 747 Note 1.
6) S. MR. ÜB. 3, 537, 1235; 1051, 1250; Hennes ÜB. 1, 241, 1275, cit. oben S. 645
Note 2 ; Kindlinger Hörigkeit S. 330, 1292 : der Wildgraf Konrad hat von SMaximin zu Lehen
homines meos, qui sunt servi mei ; et alios homines, qui appellantur homines sancti Remigii.
'') Aufserordentlich früh in dieser Bedeutung findet sich das Wort servus MR. ÜB. 1,
287, 1008 — 16, cit. oben S. 920 Note 1. Durchschlagend kommt es in derselben zuerst bei
Gesarius von Heisterbach vor, s. aufser Dial. mai. 12, 33 namentlich Dial. mai. 11, 53:
servus quidam, aliquando Cursor Ottonis archidiaconi Leodiensis, und Dial. mai. 6, 10: Engil-
bertus cunctis audientibus prophetice respondit: »haec cum omni domo sua convertetur ad
— 1197 — Soziale Gliederung.]
sam seit Mitte des 12. Jhs. , ganz überwiegend mit dem dritten und vierten
Jahrzehnt des 13. Jhs. eine neue Benennung ein, welche, sehr charakteristisch
für das Zeitalter berufsmälsiger Standes! )ildung, von der Beschäftigung her-
genommen wird: Rusticus^; und mit ihr wechselt ab und zu dort, wo der
Grundholde als Markgenosse bezeichnet w^erden soll, das Wort Civis^. Kein
Zweifel, dafs beide AVörter als Kennzeichen einer weiteren Entwicklung der
Orundhörigkeit in freiheitlichem Sinne anerkannt werden müssen. In welchem
Sinne dies aber zu geschehen hat, ergiebt sich aus zwei w^eiteren Ausdrücken
für die land arbeitenden Klassen, welche sich seit den dreifsiger bezw. vier-
ziger Jahren des 14. Jhs. durchzusetzen beginnen. Seitdem heilst der Bauer
bald Armmann ^, bald Unterthan *. Der erste dieser Ausdrücke wird vornehm-
lich im Verhältnis zum Grundherrn gebraucht; noch im 16. Jh. wechselt im
selben Schriftstück die Bezeichnung arme leute und arme hoebeleute^ oder
ist von armen leuten und gemeinen gehoebern als einer und derselben Bevöl-
kerungsklasse die Rede^, und im J. 1450 spricht der Abt von Tholey als
Christum«, quod non multo post impletum est. nam cum marito, filio et filia, quae hodie
abbatizat in iamdicto coenobio, servo et ancilla ad ordinem nostrum venit. Des weiteren
vgl. MR. ÜB. 3, 631, 1238; Kremer, Ardenn. Geschl. C. Dipl. S. 415, 1318; Arch. Clervaux
439, 1367. Der deutsche Ausdruck ist Diener, s. Toepfer 1, 346, 1371.
^) Der Ausdruck rusticus findet sich natürlich von jeher vereinzelt für die Land-
bewohner, vgl. z.B. Mir. S.Ger. Tüll. c. 6; Flod. 923, MGSS. 3, 371, 36 ; V. loh. Gorz. 51;
als technische Bezeichnung indes tritt er erst seit etwa Mitte 12. Jhs. auf, vgl. Ennen, Qu.
1, 519, 54, 1145, cit. oben S. 919 Note 3; Schannat, Hist. Wormat. 2, 79, 1158, cit. oben
S. 923 Note 2; MR. ÜB. 1, 652, 1168, cit. oben S. 905 Note 4; MR. ÜB. 2, 82, 1186, cit.
oben S. 916 Note 2; MR. ÜB. 2, 296, 1211-1212, cit. oben S. 178 im Text; MR. ÜB. 3,
92, 1218, cit. oben S. 934 Note 2; MR. ÜB. 3, 376, 1229, cit. oben S. 315 Note 2.
2) Der Ausdruck civis findet sich für die Landbevölkerung in Treis, s. MR. ÜB. 1,
494, 1136, cit. oben S. 291 Note 3, dazu a. a. 0. 1, 640, c. 1163, cit. oben S. 291 Note 1.
Vgl. ferner Ennen, Qu. 2, 63, 53, 1216: oppidani, nachher cives von Honnef; UStift S. 422, Alt-
rich: cives de Noviant et Maranc, cives de Grache, de Platene. Auch die Ingelheimer
heifsen cives, s. Loersch S. LXXVL Vgl. noch oben S. 235 für den Zeller Hamm, ferner
Bd. 3 Wortr. u. d. W. burger, auch S. 322 Note 1. Nun bedeutet freilich Civis das ganze
Mittelalter hindurch den allerseits vollberechtigten Stammesgenossen überhaupt (s. oben
S. 316 Note 5), indes verdient es doch bemerkt zu werden, dafs der Ausdruck erst seit dem
Beginn des 13. Jhs. für Bauern häufiger vorkommt. Zur Bezeichnung vulgaris s. Ann. d.
hist. Ver. f. d. Niederrh. 23, 169—171, 1252.
3) Vgl. Thudichum, Gau- und Markvf. S. 219; v. Maurer, Dorfvf. 1, 135. Im techni-
schen Sinne findet sich die Bezeichnung an der Mosel wohl zuerst Bd. 3, 161, si, 1336, s.
femer Bald. Kesselst. S. 431, 1351, § 2, cit. oben S. 1054 Note 3; WKenn 14. Jh. 2 H., § 12,
G. 6, 547; WArenberg und Mühlen 1463; WBurg an der Mosel 1488; WWendelsheim 1527
§ 20 u. a. m.; auch Bd. 3 Wortr. u. d. W. lüde. Zur früheren noch nicht technischen Be-
deutung s. V. s. Gerard. Tüll. c. 20; Chron. Median, mon. c. 15, MGSS. 4, 92, c. 1000; Bd. 3,
379, 17, 1315; 392, 38, 1314.
*) Undertenig zuerst Bd. 3, 185, 33, 1343 ; undertan Bd. 3, 209, 23, 1350 ; undersaissen
Bd. 3, 246, 12, 1389. S. ferner aufser ßd. 3 Wortr. u. d. angef. WW. auch WMatzen
1544 § 3; WManubach 1601, G. 2, 208.
5) WLintgen 1537.
6) WMandem 1537 § 16.
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1198 —
Grundherr von sich und seinen armen Leuten ^ Das Wort arm ist hier noch
im Gegensatz zur mittelalterlichen Bedeutung von rieh zu nehmen ; es bedeutet
den persönlich Abhängigen, es charakterisiert die Stellung der Grundholden
zur Grundherrschaft als einer halbstaatlichen Gewalt. Einem in verwandter
Weise zu charakterisierenden Vorstellungskreise gehört aber auch das Wort
Untertan bezw. untertenig oder untersaß an; es bezeichnet die Stellung der
Territorialeingesessenen, vor allem der landarbeitenden Klassen, zur Landes-
gewalt des Territorialherrn.
Der Sinn dieser Terminologien und die allmähliche Verdrängung der
früheren Bezeichnungen Rusticus-Givis durch sie ist wichtig genug, um beson-
ders betont zu werden: aus ihrem Wesen und ihrer Geschichte ergiebt sich,
dafs die weitere freiheitliche Entwicklung der Grundhörigkeit im späteren Mittel-
alter über die bis zum 13. Jh. erreichten Erfolge hinaus in dem Gedanken ge-
sucht werden mufs, die Grundholden in direkte Beziehung zu den vorhandenen
halbstaatlichen bezw. völlig staatlichen Gewalten zu setzen. Das Verhältnis
des Unfreien zum Herrn war ein rein privatrechtliches — anfangs sogar
ein sachenrechtliches — gewesen; im wesentlichen privatrechtlich wurde auch
noch das Verhältnis des Servus zum Grundherrn angesehen. Jetzt dagegen
wird der Versuch gemacht, an Stelle des privatrechtlichen ein halb oder ganz
öffentlich-rechtliches Verhältnis zu setzen: der frühmittelalterlichen Tendenz
auf Befreiung des Grundeigentums folgt nunmehr die Tendenz auf Befreiung*^
der Person.
Wenn wir daher jetzt in die Erörterung der sozialen Schichtung der
landarbeitenden Klassen im späteren Mittelalter eintreten, so mufs es unsere
Aufgabe sein zu zeigen, in welcher Weise man das vorschwebende Ziel, die
Freiheit der Person, zu erreichen versuchte.
Zur Lösung der hiermit gegebenen Frage ist vor allem festzustellen, in
welcher Form denn die Grundholden der ersten Hälfte des Mittelalters über-
haupt gebunden waren.
Sehen wir hier von der einen grofsen, bald genauer zu besprechenden.
Ausnahme der Wachszinsigen ab, so erscheinen schon seit dem 9. Jh. alle
Grundholden hof hörig gebunden ^ ; ihre persönliche Verpflichtung und Belastung
ist also nicht mehr direckt auf den Herrn, sondern auf einen der Fronhöfe
desselben bezogen. Ein äufserst wichtiger Punkt: wie sich beim Zinsrecht
1) WTholey 1450, G. 3, 759.
2) Vgl. z. B. die Bd. 2, 99 f. gedr. Urk. vom 26. Februar 886. Hof hörige Bindung im
Sinne der Wachszinsigkeit finde ich nur einmal in früher Zeit, s. MR. ÜB. 2, 34, 1000:
Warner schenkt an SMaximin quandam mee proprietatis ancillam nomine Uodelam . . cum
filiis et filiabus suis, et quia iustum videtur, ut qui fidelius perseverantiusque deserviant,
maiorem ceteris servientibus recompensationem recipiant, concessi illi ^/2 mansum in Platten
im Arrelgau . . ea . . ratione quod singulis annis inter cunctos persolvant 4 d. ad curtim
Everlinga iugo totius alterius servitutis soluti, sed sub mundiburdio et defensione sint advo-
cati sancti Maximini, sicut ceteri homines de Everlinga.
— 1199 — Soziale Gliederung.]
des Herrn gegenüber dem Grundholden der Grund und Boden als dingliches
Moment, als Radizierungsunterlage zwischenschob, so tritt auf dem Gebiete der
sonstigen persönlichen Beziehungen die Fronhofsverfassung zwischen die Grund-
holden und den Grundherrn : eben in der Einwirkung dieses Zwischenelementes
wird die alte Unfreiheit zur Grundhörigkeit.
Welcher Art aber waren diese sonstigen Beziehungen? Sie sind dop-
pelter Natur, je nachdem sie auf die alte Disziplinargewalt oder auf das alte
Eigentum des Herrn gegenüber dem Unfreien zurückzuführen sind. Im
ersteren Falle handelt es sich nunmehr, innerhalb der grundhörigen Verhält-
nisse der ersten Hälfte des Mittelalters, um die Fronhofsdingpflicht, im zweiten
Falle um das Familienrecht des Grundholden.
Auf w^elche Weise gingen nun Dingpflicht und Familienrecht des Grund-
holden freiheitlicher Lösung entgegen?
Die Dingpflicht oder Dingsuche ^ war seit dem Beginn des eigentlichen
Mittelalters zu einem förmlichen Gerichtsstand vor dem Fronhofsding für alle
bürgerlichen Sachen wie für Nachlässigkeit im Bau grundhörigen Bodens ent-
wickelt^; mit ihr verbunden war eine allgemeine Huldigungspflicht gegenüber
dem Grundherrn^. In Strafsachen dagegen, für welche der Grundholde zu-
nächst ebenfalls dem Grundherrn unterstand, blieb der Disziplinargewalt des
Grundherrn noch lange freies Spiel * ; nur die Kirche wehrte hier den gröbsten
Übertreibungen^. Am frühesten unterbunden wurde diese Disziplinargewalt
in denjenigen Grundherrschaften, welche es zur Immunität gebracht hatten ; es
ist kein geringes Verdienst der politisch so schädlichen Immunitätsverleihungen,
dafs sich auf Grund derselben für die Grundholden und damit für die weitesten
Kreise der landarbeitenden Klassen überhaupt erst eine verständige Straf-
gerichtspflege herstellen liefs. War aber auf dem Wege der Innnunität für die
grofse Mehrzahl aller Grundholden schon in der ersten Hälfte des Mittelalters
ein besonderer Gerichtsstand in Strafsachen geschaffen worden, so folgten die
nicht immunitätsherrlichen Grundherrschaften dem hiermit gegebenen Beispiele
sehr bald in Analogiebildungen, indem sie ebenfalls für Strafsachen eine ordent-
liche Fronhofsgerichtsbarkeit entwickelten : si et quotiens homines . . preposito
[Monasteriensi] ratione sue prepositure subiecti deliquerint seu forefecerint, poterit
et licitum erit eidem preposito, tales delinquentes homines pro delicto huiusmodi
^) Dies ist die mittelalterliche Bezeichnung, s. Ennen, Qu. 2, 3, 2, 1200, cit. oben
S. 927 Note 4.
2) S. u. a. Bd. 3, S. 496 § 6, c. 1825; WRemich 1477, G. 2, 245; auch WBlieskastel
1540, G. 2, 29: so einer einen verclagt in dem frei jargeding und hette einen vorhin nit
ersucht nach hobsrecht und geprauch, was der dem herrn dardurch verfallen sei oder were?
3) S. z. B. WRittersdorf 1565, Hardt S. 614, Schlufs.
^) Zur früheren Zeit s. oben S. 723; für später u. a. Ennen, Qu. 1, 490, 31, 1083:
non ledit pacem [den Gottesfrieden], si quis delinquentem servum suum vel discipulum vel
quolibet modo sibi subditum scopis vel fustibus cedi iusserit.
^) S. Regino Caus. sju. 2, 5, lo, 76 ; 2, 26. Doch vgl. Alp. de div. temp. 2, 9.
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1200 —
pro modo quidem excessus corrigere et pimire, iuxta sententiam et iudicium
tarnen scabinomm ciirtis, in confinio cuius nioram traxerint tales delinquentes ^
Wie in diesem Falle, so war auch sonst wohl durchgängig spätestens mit Be-
ginn des 14. Jhs. eine volle Fronhofsstrafgerichtsbarkeit vorhanden^, so dafs die
Grundholden mit einem allseitig ausgebildeten, ^her grundherrlich gebundenen
Gerichtsstand in die zweite Hälfte des Mittelalters eintraten.
Aber eben dieser personal gebundene und private Gerichtsstand mufste
nun zu Gunsten eines öffentlichen Gerichtsstandes aufgelöst werden.
Die Erscheinungen, in welchen sich diese Lösung vollzieht, sind doppelter
Natur. Entweder kam es zu einem radikalen Bruch mit der Fronhofs-
dingpflicht, worauf der befreite Grundholde in den Personalbestand der ge-
meinen, landrechtlichen Gerichtsverfassung übertrat. Oder es kam zu einer
Weiterentwicklung des alten Fronhofsgerichtes selbst im freiheitlichen Sinne,
namentlich zu einer Erbreiterung desselben in ein Bezirksgericht statt seiner
ursprünglichen Begrenzung auf den Streubestand der Grundholden: dann be-
durfte es keiner Sprengung des alten Gerichtsverbandes, sondern der Grund-
holde erwuchs innerhalb desselben selbst zu mehr oder minder ausgedehnter
gerichtlicher Freiheit.
Beide Wege sind eingeschlagen worden, der erste mehr in früherer, der
zweite vornehmlich in späterer Zeit der zweiten Hälfte des Mittelalters. Sehr
begreiflich: nur im 18. und 14. Jh. war der alte Rahmen landrechtlicher
Gerichtsverfassung noch kräftig genug, um neue Bestandteile aufzunehmen;
seitdem verlor er neben den immer freiheitlicher ausgestalteten herrschaftlichen
Gerichten seine singulare Bedeutung ; er wurde den anderen Gerichtsbildungen
koordiniert. Das Resultat der ganzen Bewegung aber war, dafs an die Stelle
der alten sozial und darum personal begrenzten Gerichtsverfassungen des
früheren Mittelalters nunmehr wieder Bezirksgerichte in lokaler Begrenzung
traten.
Die Details, in welchen sich diese Entwicklung ausspricht, sind etwa die
folgenden^.
Auf Grund der Entwicklung von Weinl)aulehngenossenschaften, welchen
sich die Rottlehngenossenschaften anschliefsen , entsteht schon früh, spätestens
seit dem 11. Jh. ein teil weiser Bruch mit den Formen der alten grundherr-
lichen Gerichtsverfassung zu Gunsten freierer Gestaltung*. Dieser partielle
^) *UMünstermaifeld, Hs. Koblenz St. A. CXF' Bl. 45 a, 1337. S. auch MR. ÜB. 3, 930,
1247, cit. oben S. 924 Note 3.
2) Y. u. a. *Bald. Kesselst. S. 719, 1343 Okt. 2: alle min gut» daz ich in den zwen
dorfem [han] zu Proistrad und zu Sneppenbach gelegen bi Smideburg, mit namen vierzehen
man und zwo widewen mit iren kinden und wie si geseßen sin, die jerliches dienent zwelf
punt guder hl. und gulde und mit deme gerichte ho und dif und alle dem daz darzu
gehöret.
^) S. auch schon oben S. 1154 f.
*) S. oben S. 904 f., 919 f.
— 1201 — Soziale Gliederung.]
Bruch hatte eine Abkläruiiu- auch der verbleibenden Fronhofsverfassungen zur
Foli»e\ Zu einer Taralysierung der alten Dingverfassung des Fronhofes kommt
es weiterhin dadurch, dafs man sich seit spätestens dem Beginn des 13. Jhs.
die Dingpflicht als dinglich radiziert dachte ^. Die Folge war, dafs ein und die-
selbe, unter Umständen auch freie Person auf Grund des Besitzes von Fronhofs-
dependenzen Genosse verschiedener Fronhöfe sein konnte^, ein Umstand, der
notwendig zur Lockerung der alten ursprünglich exklusiv gedachten Fronhofs-
verfassungen beitragen mufste^. Neben dieser Lockemng aber kam es auch
zum vollen Bruch mit der alten Dingpflicht durch einfache Ablösung derselben
als eines nutzbaren Rechtes: eine Ablösung, welche mit dem Aufkommen der
fi'eien Pachten im 12. Jh. und mit ihrer immer weitergieifenden Verbreitung
seit dem 13. Jh. beachtenswerte Dimensionen annahm^.
Dem Einflufs eben dieser Bewegung mag es wohl mit zu danken sein,
dafs nunmehr auch die freiheitliche Entwicklung der Fronhofsdinge zu Bezirks-
gerichten ein immer rascheres Tempo einschlug. Schon aus dem einfachen
Fronhofsding heraus, wie es ohne Markherrlichkeit der Grundherren bestand,
wird ab und zu seit der 2. H. des 13. Jhs. der Versuch einer Bildung von
Bezirksgerichten gemacht, indem man durch Tausch den verstreuten Personal-
bestand des alten Fronhofsdinges lokal zu vereinigen sucht ^. Den eigentlich
klassischen Boden aber für die in Frage stehende Umformung gäben diejenigen
Fronhöfe ab, deren Grundherrlichkeit sich zur Markherrlichkeit erweitert hatte.
1) S. oben S. 929 f.
2) s. z. B. Ennen, Qu. 2, 106, 97, 1226.
^) S. oben S. 924 f. Freilich galt das nicht unmittelbar für erbliche Verhältnisse ; wie
Kindlinger, Hörigk. S. 123, mit Recht ausführt, hatte der Freie, welcher ein Hofgut besafs,
kein Erbrecht an demselben: wollte der Sohn seinem Vater, der nur eine freie Hand am
Hofgute hatte, diesem folgen, so mufste er sich zuvor hörig machen, oder die Folge in das-
selbe (doch nur auf seine Lebzeiten beschränkt) von der Gnade des Hofherrn oder des Hofes
erlangen.
*) In welchem Sinne dies möglich war, zeigt z. B. *Andemach. Schreinsr. No. 66,
G. 756, um 1250: Cum-adus Bingezere fecit conventionem cum domino suo lacobo de Crutte,
quod daret eidem pro quolibet anno 8 d. et dim. mir. siliginis tali conditione adiecta, quod
si posset semel in anno ad iudicium suum venire non tardaret. — Übrigens erhält der grund-
hörige Boden durch die dingliche Fassung der Dingpflicht natürlich eine direkte Beziehung
zum Ding der Fronhofgenossenschaft, so dafs sich diese jetzt einen Einflufs auf Veräufserung
und Erhaltung seines Bestandes anmafst, s. z. B. Ennen, Qu. 1, 611, 113, 1198, und Hennes
ÜB. 1, 270, 1280: Ludwig von Weis verkauft Septem iurnales terre arabilis iacentes in per-
tinentiis ville Buvinheim attinentes curtim Walrisheim cum licentia et consensu curtis ipsius
et solventes ecclesie sancti Castoris in Confluentia nomine census annuatim septem quadrantes
monete Aquensis iusto venditionis et emptionis titulo pro quinque mr. denariorum Aquen-
sium legalium et usualium.
5) S. oben S. 925 ff.
^) Wenigstens konnte eine solche lokale Vereinigung die Folge von Tauschoperationen
sein. Vgl. Kremer, Or. Nass. 2, 161, 1255; Hennes ÜB. 2, 179, 1265 und dazu a. a. 0.
203, 1269; Lac. ÜB. 2, 588, 1268; Toepfer ÜB. 1, 326, 1368; Kindlinger, Hörigkeit
S. 694, 1569.
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1202 —
Hier war ohne weiteres das lokale Substrat der Mark vorhanden, durch Ein-
ordnung der Markhörigen in das Hofding erhielt dieses ungesucht und von
selbst einen freiheitlicheren Charakter: so entstand das lokale Untergericht
des späteren Mittelalters ^ Neben dieser gewöhnlichsten aller Entwicklungen
kommen aber noch einige andere Fälle in Betracht. Hier seien noch zwei
angeführt: es konnten freie Bezirksgerichte durch ausdrückliche Rechtsver-
leihung an einen bestimmten Ort begründet werden, und es konnten einheit-
liche Bezirksgerichte durch Auftragung der Dingpflicht andersherrlicher bezirks-
eingesessener Grundholden an den Hauptgerichtsherren, speziell den Landes-
gerichtsherren entstehen. Beide Fälle finden sich an der Mosel, der eine seit
der 2. Hälfte des 13. Jhs.^, der zweite seit etwa Mitte des 14. Jhs.^.
Das Ergebnis all dieser Vorgänge war nun, wie schon oben ange-
deutet, die Bildung von Bezirksgerichten an Stelle der alten Korporations-
gexichte, und damit der Übergang der landarbeitenden Klassen von einem
personalen zu einem lokalen, von einem stärker gebundenen zu einem freieren
Gerichtsstande. Denn jetzt entschied nicht mehr die Frage persönlicher Zu-
gehörigkeit, sondern vielmehr die Frage des Aufenthaltsortes den Gerichtsstand :
die Luft, nicht der Herr gab das Recht*, und wie sich neben hörigen Bezirken
andere Bezirke zu bilden anfingen, welche keinerlei Hörigkeitsverhältnisse
1) S. darüber oben S. 1046 fF.
2) S. z. B. *Koblenz St. A. Stolzenfels, Kopie 19. Jhs. des Friedensrichters Grebel in
SGoar aus dem Nachlafs des Kanzlers Wimpheling (f 1587), 1275 Sept. 29: nos Henricus . .
Trevirorum archiepiscopus . . hominibus nostris in suburbio de Stolzenfels commorantibus
presentibus et futuris eandem per omnia conferimus et concedimus libertatem, qua cives
nostri de Confluentia gaudere dignoscuntur, hoc etiam addito, quod nullam cum illis de Con-
fluentia, vel ad eorundem instantiam, exactionem solvere tenebuntur. nihilominus tarnen
volumus, ut dicti homines de Stolzenfels ac cives nostri de Confluentia concives sint et ean-
dem per omnia ad invicem habeant et conservent fraternitatem, quam hactenus habuerunt.
3) Vgl. Bd. 3 No. 156, 1343; No. 172, 1347; CRM. 3, 287, 1342, cit. oben S. 297
Note 1.
*) Vgl. für das Strafrecht schon Guden. CD. 2, 1126—1127, 1351: ich Graft van Nue-
nare dun kunt, dat ich tuschen mir und hern Gerard herren zu Lantscrone mime omen vur-
worde gemacht und gegeven haben, die ich vaste und stede sal halden, diwile ich geleven, in
diser wise: so wanne und wie dicke des vurg. mins omen lüde, of di in sinen gerichten ge-
sessin sint, in minen gerichten wetlich werdent, id si dan dat id treffe an doitslach an offene
wunden of an lif und an gut, so sal ich van den luden keine wette heven, und sal diselve
lüde, id sin man of wif , witer senden minem omen, dat he di wette heve, of he willet.
und datselve sal (er) ouch wider tun, so wanne und wie dicke mine lüde, of die in minen
gerichten gesessin sint, wetlich werdent in sinen gerichten, so sal he van minen luden keine
wette heven und sal mir mine lüde, si sin man of wif, heimsenden, dat ich die wette [hebe],
of ich willen, id si ouch dat id treffe an doitslach an offene wunden of an lif und an gut.
und hir inboven sal unser kein des andern lüde nit me drengen noch mit vorwetten noch
mit unrechter schetzungen, dan as van alders tuschen uns herkomen is, bussen alle arge-
list. Des weiteren vgl. WThron, Toepfer 1 S. 282; WMeddersheim 1514; WBlieskastel 1540,
G. 2, 29; WWallmünster, G. 2, 38.
— 1203 — Soziale Gliederung.]
mehr kannten, so gab es hörige und nichthörige Bezirkseingesessene ^ Die
Frage des freien Gerichtsstandes vermischte sich daher in dem nunmehr er-
reichten Stadium ihrer Entwicklung mit der Frage freien Zuges insofern, als
Freizügigkeit unter allen Umständen in einen freien Bezirk führen, also Rechts-
freiheit geben konnte.
Die Entwicklung der Freizügigkeit ist nun ihrerseits nicht ohne Kenntnis
der Geschichte des Familienrechtes der Grundholden zu verstehen ; und die Frage
nach dem grundhörigen Familienrechte führt wieder auf jenen zweiten Kar-
dinalpunkt zurück, welcher neben der Disziplinargewalt des Herrn oben S. 1178
als gnmdlegend für unsere jetzige Untersuchung erkannt wurde, auf das ursprüng-
liche Eigentum des Herrn am Körper des Unfreien. Denn von diesem Eigentum
waren in der That recht wesentliche Stücke auf die Grundhörigkeit des
früheren Mittelalters übergegangen. Sehen wir von der noch lange bestehenden
Berechtigung des Herrn ab, das Wergeid für getötete Gmndholde zu erheben ^,
so liegt der alte Zusammenhang namentlich im Recht der Heiratsvergabung
zu Tage: noch im 10. Jh. nahmen die Grundherren das Recht wie es scheint
generell in Anspruch, die Töchter Grundhöriger nach ihrer Wahl zu verheiraten^ ;
und erst im 13. Jh. hebt König Richard ein dementsprechendes, ihm zustehendes
Recht für die Stadt Wetzlar auf*.
Dies Verheiratungsrecht, wie es freilich wohl in den meisten Fällen nur
als Heiratserlaubnis wirksam wurde, war nun aber für die Entwicklung des
freien Zuges von ganz besonderer Bedeutung , sobald es sich um Heirat eines
Grundholden aufserhalb jenes Fronhofs handelte, welchem er zugehörte. Es
lag zwar an sich nicht aufserhalb des Interesses des Grundherrn, eine solche
Verheiratung zu gestatten, sobald der ungenossige Ehegatte frei war : die Kinder
folgten dann mit seltenen Ausnahmen^ der ärgeren Hand: wie aber, wenn
es sieh um Ehen zwischen zwei Grundholden verschiedener Grundherren han-
delte?
^) So wird z. B. im Lalingaue während des 16. und 17. Jhs. mit aller Bestimmtheit
ein Unterschied gemacht zwischen solchen Gerichtssprengeln, welche Hörigkeit nicht kennen^
und solchen, welche hörig sind; s. Landau, Salgut S. 165. Aus früherer Zeit s. Kindlinger,
Hörigkeit S. 566, 1429: die Amtleute der Grafschaft Sponheim und des erzstiftischen Amts
Boppard tauschen zwei Personen gegeneinander aus, deren eine zu der grafschaf von Span-
heim und in daz ampt gein Kastellen gehorich gewest ist und die andere in daz ampt gein
Boparde geh6rich gewest ist. Über die Fremden in Territorien des späteren Mittelalters s.
Heusler 1, 146—7.
2) S. dazu Waitz, Vfg. 5, 250—251.
3) S. MR. ÜB. 1, 186, c. 948, cit. oben S. 893 Note 1.
*) MR. ÜB. 3, 1415, 1257: specialiter duximus indulgendum, ne aliquis predictorum
civium filiam vel neptem sive consanguineam in uxorem alicui tradere per nos absque suo
pleno consensu aliquatenus compellatur. — Zu den vogteilichen Rechten in den oben be-
sprochenen Verhältnissen s. oben S. 1103 f.
5) S. z. B. WDaun 1466 und 1489, G. 2, 607: das u. gn. h. habe etliche lüde im
lande van Dune, geheischen fri dienstlude, die haben solche friheit, das sie mögen hilligen,
woe si wollent , und wanne dieselben, is sin man ader wif, gehelicht und bigeschlaifen haint^
[GriindheiTlichkeit und Vogtei. — 1204 —
Der Fall lag hier noch am einfachsten, wenn der die Heiratserlaubnis
ansinnende Grundholde nicht mit grundherrlichem Lande ausgestattet war —
von der besonderen Klasse dieser Grundholden wird bald genauer die Rede
sein — : dann konnte man den Grundholden gegen eine einfache Heirats-
gebühr ziehen lassen^, eine Gebühr, welche sich mit der Zeit immer mehr
abschwächte^, teilweis völlig verfiel^ und an einzelnen Stellen wohl schon
seit der 2. Hälfte des 14. Jhs. nur noch als Rechtsaltertum gewiesen werden
mochte *.
Verwickelter lag die Sache, wenn der Grundholde, wie meist in älterer
Zeit, vom Fronhof aus begütert war. Dann galt für ihn die Bindung an die
Scholle, und es entstand die Frage, ob diese Bindung bei seinem Austritt aus
der Fronhofspersonalverfassung nicht gelöst werden müsse. Die Frage wird
von frühester ])is zu spätester Zeit einstimmig bejahend beantwortet^; man
ist es ein man ufser dem gericlite von Dune, so ist das wif und die kindere, so sie mit-
einander gewinnent, desselben herren und von dem rechten, als der man ist. und weres ein
wife, so sulle d^Vselbe und ire kindere abesin von dem rechten und dem herren angehoeren,
als die frauwe [1. der man]. Über den Stand des minderfreien Teils bei Heiraten in die
Städte der Loi de Beaumont s. Bonvalot S. 319 f.
1) S. dazu Waitz, Vfg. 5, 236 f.
2) S. dazu WDaleiden, G. 2, 550: wen ein kind bestadt wird uf ander hochheit oder
herschaft, gebürt dem herren zwen herrengülden und dem oberamptman ein herrngulden; da
ein armer ist, ist ihme alle zeit gnad besehen, was gefonden wird, gebürt 'dem hochherrn
half. WKlotten 1511, G. 2, 821, Grundherr Brauweiler: wer ungenoeschaft deit versteit der
scheffen ader duischt, wan sich ein sent Niclais man bestadt buißen sent Niclais lüde, der
sal gnaid bidden. WKobern vor 1585, G. 2, 469 : wan ein eigen hofinan ein ohngenoß oder
einhendig ist und wil sich bestatten, derselb sol von einem keiner zur zeit urlaub heischen,
und der keiner sol ime auch urlaub geben, und wan er sich bestatt hat, so sol er kommen
uf den negsten dinglichen tag und dem keiner vonwegen u. gn. h. von Trier einen eit thun.
und ein solcher ahngenoß sol den scheffen geben einen bönischen [? hönischen] eimer
weins, derselb ist abzulösen mit fünf alb., und dem keiner s^chs hl.
^) WHüpperdingen § 14: so ein man in dem hoebe seine kinder bestaden wulde
buiszent die hoebe H. , sol er das thun mögen mit hülf seines guets sonder erlaubnisz der
herren von P. [der Grundherren].
*) S. z. B. WMayen § 11 u. 12, G. 6, 637: wanhe ein angehoriger hoefman sich
bestatten und in die ehe begeben wil, was der zu thun schuldich, damit dem hoefshem dem
alden brauch nach recht gesche und der angehoriger seine entschaft erwerben möge? ant-
wort: weisent, derselb sol den hoefsscheffen , darunder er gesessen, aen das haus Meien
inschreiben oder ein gewis waerzeichen von demselben brengen und seine entschaeft werben,
und nach geworbener entschaeft ist der angehoriger dem keiner ein alt schilt oder goldgl.
und den hoefscheffen 8 alb. von zu geben schuldigh. und wanhe der hoefscheffen mit dem
angehorigen perschoenlich vor den keiner, wo es iderzeit sein sol, erscheinet, geburt ime vor
kosten und alles 6 alb., die der angehoriger zu erlegen schuldig. . . wanhe ein angehoriger
sich baußen ansuchen und erlaubnus eines kelners bestatten würde, wie man mit demselben
handelen solle? antwort: weisent, ein hoefs- oder angehoriger man sol ansuchen, wo nit, in
gnad und ungnad des hern verfallen sein. Die hier genannten Münzen gehören der zweiten
H. des 14. Jhs. an.
^) Lac. ÜB. 1, 118, 186, 1051: si homines sancti Nikolai [Brauweiler] alienas uxores
— 1205 — Soziale Gliederung.]
fafst den Austritt des Griindholden geradezu im Sinne bürgerlichen Todes für
den Fronhof auf: wie wir sehen werden, wird von ihm die Kurmede er-
hoben ^
Bei solcher Auffassung konnte natürlich der Grundholde nicht aus einem
Fronhof in den anderen ehelichen, wenn ihm nicht an der neuen Stelle die
Möglichkeit des Erwerbes von Grund und Boden gegeben war. Diese Mög-
lichkeit konnte aber für ihn nur feststehen auf Grund besonderer Verein-
barung der beiden in Betracht kommenden Grundherren. Nur eine vertrags-
mäfsige Sicherung reziproker Behandlung der Grundholden seitens der Grund-
herren gestattete daher dem Grundholden einen gesicherten Verzug aus seinem
bisherigen Fronhof.
In diesen Betrachtungen sind die allgemeinen Grundlagen gezeichnet, auf
welche hin die Freizügigkeit der Grundholden allmählich eingeführt wird: sie
wird in Verträgen der Grundherren über gegenseitigen freien Zug, den sog.
Unterzug oder Intercursus ihrer Grundholden entwickelt. Freilich mögen die
Grundholden daneben bei der nachlässigen Verwaltung der Grundherren oft
genug auch ohne Erlaubnis und doch unbehelligt verzogen sein ^, um so mehr,
als sich aus physischen Gründen wie aus Anlafs der Anforderungen des kano-
nischen Rechtes wohl nicht selten die Notwendigkeit herausstellte, aus dem
kleinen Kreise der Hofgenossenschaft heraus zu heiraten^.
Die Bewegung zu reziproker Behandlung der abziehenden Grundholden
seitens der Grundherren machte sich auch nicht sofort in der Bewilligung vollen
freien Unterzugs geltend. Vielmehr versuchte man es vorher und auch später
noch vielfach neben dem vollen System des Unterzuges mit anderen Mitteln.
Hierhin gehört die Herstellung eines Miteigentums der Herren an ver-
heirateten verschiedenherrigen Grundholden und deren Nachkommenschaft*,
acceperint, omnis liereditas eorum et universa, que possident, ad sancti Nikolai cedant niona-
sterium, et nulliis heredum siiomm in liiis quiequam habeat. Vgl. ferner Arch. Clervaux 449,
1309: WUlflingen 1575 § 41, G. 6, 553.
1) S. unten S. 1210 Note 2.
2) Vgl. Guden. CD. 2, 971, 1285, Schlichtung eines Streites zwischen Gerhard und
Otto von Sinzig: vunftewerf sprechin wir, dat die lüde, die her Gerart spricht die sich an
dat Riche han gemacht, ind Otte spricht si havin sich gemacht an irin vadir: des sal sich
irvarin her Heinrich dir gude [1. lüde] ; vindit he bid warheide, dat si me Riche solin volgin,
so sal man ir nit deilin. vindit he, dat si me Riche nit volgin söhn, so solint si die lüde
gliche deilin.
^) S. Bonvalot S. 281, 1475, cit. oben S. 871 im Text.
*) Vgl. MR. ÜB. 3, 971, 1248: Vertrag zwischen Heinrich und Konrad Raugrafen von
Baumberg ex una parte et comitem Simonem de Spanheim ex altera pro Godefrido de
Lebersheim filio quondam Hirzhals et Engelbrehto de Merchesheim, . . quod omnes pueri
et heredes predictorum Godefridi videlicet et Engelbrehti ab eis descendentes nobis et nostris
successoribus prefato Simoni comiti et suis heredibus in perpetuum communiter attinebunt et
equalia servitia facient nobis et ei heredibus quoque nostris et suis* Zur späteren Behand-
lung solcher Fälle s. WFechingen 15. Jhs., G. 2, 50: ist ein frier zuck under dem gemeinen
[Grundherrlichkeit und Yogtei. — 1206 —
ferner der Tausch analoger verschiedenherriger Paare \ vor allem aber das
Kindgeding, eine bald für bestimmte Fälle ^, bald dauernd^ abgeschlossene
Vereinbarung, nach welcher eine Teilung der Kinder verschiedenherriger
Grundholden stattfand, mit der sich bisweilen ein besonderer Zins, die Kind-
bede, verknüpfte^. In dem dauernden Kindgeding, wie es seit Beginn des
13. Jhs. auftritt, war dann allerdings schon eine Einrichtung vorhanden, welche
den Eltern eine gewisse Freizügigkeit, wenn auch auf Kosten verschieden-
herriger Bindung der Kinder, einräumte.
Viel weiter aber ging das System des eigentlichen Unterzugs. Nach ihm
war ein voller freier Verkehr zwischen den Gmndholden der im Unterzugs-
man zu zien von einem herren hinder den anderen aengeverlichen, und kinde zu beraden in
derselben maßen nach herkomen, und keiner unser vorgenanten herre dem anderen forter
dar ^'nzudragen.
1) S. Bd. 3 No. 217, 1393.
2) S. MR. ÜB. 1, 374, 1074; Bd. 8 No. 202, 1370.
3) S. MR. ÜB. 3, 434, 1231, Vereinbarung zwischen Laach und Rommersdorf, bestätigt
von Erzbischof Dietrich: si quando scilicet contingeret, homines ecclesie Lacensis, qui per-
tinent ad curtem eorum de Meitscheit, et homines ecclesie de Rumerstorph invicem matri-
monio copulari, quod proles de ipsis procreata inter easdem ecclesias equaliter dividatur,
huic compromissioni presente et annuente consanguineo nostro Theoderico de Isenburch
advocato predictarum familiarum ecclesie utriusque. preterea et hoc insertum est in com-
promisso et a nobis confirmatum, scilicet ut consuetudo dividende prolis hactenus observata
de hominibus de Adenhain, qui pertinent ad ecclesiam Lacensem, et inter homines ecclesie
de Rumerstorph firma permaneat et ita de cetero observetur. S. ferner MR. ÜB. 3, 450,
1281, Vertrag zwischen Rommersdorf und Ludwig Walpode von der Neuerburg a. d. Wied:
si contigerit inter homines ecclesie nostre et homines illius matrimonium celebrari, quod
proles, que de illis fuerit procreata, equa sorte dividatur. Cod. Lac. 6ß, 1263: Gerlach
edler Herr von Otgensbach und der Abt von Laach convenimus concordando, quod si aliquis
de hominibus, qui curie nostre attinent in Otgensbach, cum hominibus attinentibus curie in
Adenhain ceterisque hominibus predicti abbatis totiusque conventus ac eorum successomm,
qui sine advocato esse dinoscuntur, matrimonio [in] invicem fuerint copulati, pueri, qui de
ipsis procreantur, equa portione dividentur, prout ius dictaverit quod dicitur kintgedinge.
preterea sciendum sit, quod homines memorati domini abbatis et conventus, qui nostris
hominibus scilicet curie in Otgensbach attinentibus matrimoniali copulatione coniuncti ab
ipsa nostra curia in Otgensbach sicut nostri homines infeodantur et e converso, quod id
nostris hominibus simili modo fieri debet in sua curia Adenhain. In diesen Zusammenhang
gehört wohl auch schon die Notiz URheingrafen: hü sunt homines, qui dividendi sunt,
quorum origo descendit ab illis, ubi [1.: qui] mancipia erant domine Gude de Bolanden,
folgen eine grofse Reihe von Namen.
*) Deutlich liegt die Kintbede vor MR. ÜB. 2, 265, 1211, Urkunde Brunos von Brauns-
berg: [abbas et conventus Rommersdoi^ensis] quosdam homines nobiscum et cum dictis
consanguineis nostris H. et Th. dominis de Isenburch permutatos, qui quoddam ius annualis
petitionis, quod vulgariter kintbeide dicitur, persolvunt, quieto iure nobis contulerunt ammodo
colligendos [so mit vielen Verbesserungen gegenüber dem Abdr. im MR. Uß. zu lesen.].
Spuren derselben liegen auch vor Honth. Hist. 2, 129, 1337, und vielleicht sogar schon MR.
ÜB. 1, 214, 963?, Otto IL für Schweinbach: insuper toto anno quicquid advocatus in familia
vel petendo vel in hoc, quod extraneas uxores duxerit, aut in alia qualibet causa placitando
adquisierit, duae partes altaris, tertia advocati erit.
— 1207 — Soziale Gliederung.]
vertrag verbundenen Grundherrschaften gestattet; die Grundherrschaften wur-
den im Punkt der Heiratsniöglichkeit wie 6ine Grundherrschaft angesehen.
Dabei konnten anfangs, im 11. Jh., wohl nocli Beschränkungen, besonders be-
züglich des Heiratsgutes, gelten \ später indes, mindestens seit der 2. Hälfte
des 13. Jhs., wird das Prinzip rein und gänzlich durchgesetzt^.
Mit dieser Richtung der Entwicklung w^ar nunmehr der Erwerb voller
Freizügigkeit für die Grundholden von der allseitigen Durchfühmng des Unter-
zugs abhängig. Diese Durchführung wurde indes in nur sehr beschränkter
Weise eiTeicht. Gewifs stellte sich zwischen vielen befreundeten Grundherr-
^) Lac. ÜB. 118, 186, 1051: omnes etiam [homines, familia, mancipia], quos dedit
sancto Nikolao, ita tradidit, ut niillus extraneas, nisi forte liberas, vel ex potestate sancti
Petri Coloni^ (uxores duceret) . . . si vero ex potestate sancti Petri Colonie uxores duxerint, filii
eorum iteiiim accipiant uxores ex potestate sancti Nikolai ; quod si non fecerint, omnis hereditas
eorum et omnia, quae possident, ad sancti Nikolai et abbatis redeant dominium, et nullus
heredum suonmi in hiis quicquam habeat. ME. ÜB. 1, 345, 1056, SMaximin: nusquam nisi
inter se [villani aut mansionarii: Zus. 1112] nubant aut uxorem ex fam.ilia sancti Petri
accipiant, ita tamen, ut alteri ecclesie altera dampnum non inferat, sed per successiones
filiorura aut filiarum quod suum est utraque ecclesia retineat. Zu späterer Zeit s. u. a.
^Mlerborn 1573 § 9.
2) Kremer Or. Nass. 2, No. 161, 1255, Nassauer Teilung zwischen Walram und Otto:
item homines dictorum fratnmi, qui Loginam [die Lahn ist Teilungsgrenze] transierint et
residentiam fecerint, domino illius partis, ad quam se transtulerint , servient, prout iure
tenentur. S. femer Bd. 3 No. 65, 1281, und dazu a. a. 0. S. 86 Note 3. Aus später Zeit
s. Toepfer ÜB. 3, 175, 1574: nachdem es auch von alter zwischen dem geschlecht Schwartzen-
burg und Hunolstein herkommen, do einer aus gedachtem ampt [Weiden] eins oder mehr
kinder seiner gelegenheit nach hinder berührten junkhern einen verheirathen und bestatten
hat wollen, das inen dasselbig unverhindert des andern teils, auch on einleben abkauf und
nachdienst frei zugelassen worden, darbei soll es auch nachmalen verbleiben. Ganz besonders
lehrreich für die Frage des Unterzuges ist aber Kremer Ardenn. Geschl. Cod. dipl. S. 364,
1276: Vertrag zwischen dem Grafen von Saarbrücken und Rorich und Friedrich von
Benenges, quod intercursus, qui solet esse inter homines nostros de valle de Sinde et de
Sifwilre cum appenditiis et homines dicti comitis de curia de Novo monasterio cum appen-
ditiis, laude et assensu dicti Simonis et nostro est adnuUatus et destructus, ita quod dictus
Simon vel heredes sui non debent vel possunt de cetero retinere homines nostros de dicta
valle de Sinde et Sifwilre, nee nos seu heredes nostri debemus vel possumus retinere
homines ipsius Simonis de dicta curia de Novo monasterio. et est sciendum, quod aliqua
puella de valle de Sinde et de Sifwilre cum aliquo homine dicti Simonis de curia de Novo
monasterio potest licite matrimonialiter coniungi et erunt pueri homines dicti Simonis et
similiter puella de curia de Novo monasterio potest licite matrimonialiter coniungi cum
aliquo homine de valle de Sinde et de Sifwilre, et pueri erunt homines nostri. et homines
supradictorum locorum habebunt et tenebunt hinc inde hereditatem suam, sicut hactenus
tenuerunt, et habebimus nos et homines nostri de locis supradictis in nemoribus dicti
Simonis usuarium, sicut hactenus habuimus, et remanebimus nos et heredes nostri et
homines nostri erga dictum Simonem et heredes suos obligati cum talliis arietum et
Omnibus iuribus et consuetudinibus, sicuti pater noster et nosmet ipsi fuimus tempore Lorete
matertere dicti Simonis quondam comitisse Sarepontensis.
[Grundlierrliclikeit und Vogtei. — 1208 —
Schäften ein Unterzug her\ und namentlich waren jene grofsen Grundherr-
schaften reich mit Unterzugsrechten ausgestattet, welche später die Grund-
lagen territorialer Bildungen abgaben^. Allein ein in sich abgeschlossenes
Netz von Unterzugsrechten, welches jegliche Sonderexistenz einzelner Gehöfer-
schaften vernichtet hätte, wurde keineswegs zustande gebracht^. Namentlich
die kleinen Grundherren wehrten sich gegen eine solche Ausdehnung der
Unterzugsbeziehungen und entwickelten vornehmlich zu diesem Zweck das
Ketraktrecht in besonderer Weise * ; von ihrem Standpunkte aus mit Recht,
denn bei völlig freiem Zuge würde eine beträchtliche Anzahl ihrer Grund-
holden den meist milderen Existenzbedingungen gröfserer Grundherrschaften
zugeströmt sein.
Gleichwohl wurde doch viel erreicht. Infolge der Entwicklung einer
neuen Bezirksgerichtsverfassung, wie sie soeben geschildert worden, bildeten
sich grofse lokal abgeschlossene Distrikte ebenmäfsiger Rechtsbildung und
gleichen Personenrechtes ; für sie im einzelnen mufste sich ohne weiteres Frei-
zügigkeit, und für Distrikte gleichen Rechtes wenigstens sehr bald Unterzug
herstellen. Was das unter Umständen bedeutete, zeigt der freilich nicht un-
serem engeren Untersuchungsgebiete angehörende Erfolg der Loi de Beau-
niont; die vielen Hunderte von Orten dieses Rechtes hatten im wesentlichen
unter sich vollen Unterzug ^. Nicht minder einflufsreich wirkte die besondere
Anziehungskraft der grofsen landesherrlichen Grundherrschaften seit spätestens
dem 14. Jh.; seit dieser Zeit waren die Grundherrschaften die evidenten
Kerne des Territoriums, und nach überallhin innerhalb der Landesgrenzen
eröffnete ihnen die landesherrliche Gewalt ihres Besitzers Unterzugsrechte;
das Wort Unterzug ohne weiteren Zusatz wird in dieser Zeit geradezu vom
landesherrlichen Unterzug verstanden^. Gegen diese Einflüsse kämpfen nun
freilich die kleinen, nunmehr ständischen Grundherrschaften innerhalb des
1) Vgl. z. B. die in der vorhergehenden Note citierte Stelle aus Toepfer ÜB. 3,
175, 1574.
2) S. S. 1207 Note 2.
^) S. z.B. Gachard, Invent. arch. Chambre des comptes 1,212: Katherine duchesse de
Lorraine et marquise, fait connaitre qu'elle ne peut retenir en sa terre, en nul lieu, nul des
hommes de son frere Henri, comte de Luccelbourg, si ils ne sont des neuves villes ou de
droit d'entrecourt. Vgl. auch Goerz Regg. der Erzb. zu 1373 Dez. 9; und MR. ÜB. 3, 1357,
1256 : nullus etiani hominum nostrorum [Trier] vel abbatis [von Prüm], si se transferre vellet
ad alterum, a neutro nostrum debet recipi vel teneri. Weitere Verträge, welche das Ein-
wandern Höriger von einer Grundherrschaft %zur anderen unmöglich machen sollen , zählt
Bonvalot S. 321 auf.
*) In Lothringen beklagen sich die Stände 1392, 1519 und 1569 darüber, dafs ihre
Unterthanen und Vasallen von den herzoglichen Beamten zu leicht zum Bürgerrecht zu-
gelassen würden, s. Bonvalot S. 500. Vgl. ferner Berg. Landr. c. 7, Lac. Arch. 1, 33.
•') Bonvalot S. 332.
6) *Bald. Kesselst. S. 226, 1331.
— 1209 — Soziale Gliederung.]
Territoriunis mit mehr oder weniger Energie an ^ ; indes ihr Erfolg ist auf
die Dauer nicht allzu grofs. Die Territorien selbst aber streben nun unter
sich wieder freien Unterzug an, so dais von dieser EntwicklungspJiase aus, wie
sie etwa mit dem 15. Jh. beginnt und mit dem 16. Jh. vollen Aufschwung
nimmt, in der That eine Aussicht auf allgemeine Freizügigkeit der alten
grundhörigen Klassen eröffnet wird^.
Wie weit sich aber der freie Zug der Grundholden auf Grund der soeben
dargestellten Entwicklungen verbreitet hatte, ergiebt sich am besten aus der
allseitigen und eindringlichen Fixierung der Forderungen für Abzug und Ein-
zug Grundholder in den Weistümern des 14. und der folgenden Jahrhunderte.
Beim Abzug aus einer Grundherrschaft wird vor allen Dingen die vollste
Offenheit des Vorganges verlangt^, gewöhnlich wird bestimmt, dafs der A])-
zug drei oder sechs Wochen vorher von der Kanzel oder sonstwie verkündigt
werden solle*. Were sach, heifst es im WPronsfeld vom J. 1476, G. 2, 559,
dal einich man in vurg. hoef auch ausfaren wurde, der sal des sontags in der
kirchen roefen, he wil aus dem hoef faren, ofhe iemant zu thun sie, dat he
beikonmie, he wil bezalen oder sein minne werfen und desglichen das sein
euch inforderen; und nach dem ruef beiden 14 tag und denselben ruef noch
doen in vurg. maissen bis zu dem dritten ruef zu alle mal 14 tagen beiden,
und nach dem dritten ruef sol he beiden noch dri tag, dat ist zusamen
6 Wochen und 3 tag; und mach dan zein in gots geleit, sonder widderstand
der herren. Noch anders, aber nicht minder drastisch erscheint die Forde-
rung offenen Auszuges im WDockweiler 16. Jhs., G. 2, 436, gewahrt: der her
sol den man verantwurten gleich andern seinen angehörigen leuthen umb das
ghene, als obgenant ist; und obe der here dem man zu dick thete, das er
des nit herden mögt, so magh der man schönes tags und heiders hiemels eine
gesandt [?] in seine hant nemen und zwene seiner nachpuren bei sich holen und
sol sprechen: »dieser her thut mir zu dick, ich wil von diesem hern hinder
den andern hern«.
Die zuerst citierte Stelle unterrichtet zugleich über den Grund, welcher
für die Forderung offenen Auszugs malsgebend ist: es soll allen Gläubigern
offenbare Frist gegeben werden, sich ihrer Schuld am ausziehenden Gehöfer zu
erholen; ohne Lösung seiner bestehenden Verbindlichkeiten aber ist es dem
1) S. S. 1208 Note 4.
2) Vgl. zunächst die Einung zwischen Trier und Lothringen, Honth. Hist. 2, 344,
1406, und dazu a. a. 0. 346, 1406, und 600, 1515. Es folgen nun eine Masse von uniones
vicinales mit Jülich, Hessen, Köln u. a. m. Für spätere Zeit vgl. auch Honth. Hist. 3, 40,
1574; Kindlinger, Hörigk. S. 721, 1586; Honth. Hist. 3, 159, 1588; 166, 1590; Scotti, Chur-
Trier 1, 544, 1590; Honth. Hist. 8, 932, 1723. — Zu vereinzelter Freilassung bzw. Abkauf
der persönlichen Bindung s. MR. ÜB. 3, 204, ca. 1223; Kindlinger, Hörigk. S. 727, 1602.
^) S. WOberelbert 1507: so ein man buissen wissen der hern uf unentpfenklich gut
ginge, der sulle in der herren gnad und umb ein hoberwet verfallen sein.
*) S. WDemerath 1578, G. 3, 841, und die folgenden Nachrichten des Textes.
Lamprecht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 77
[Grundherrlichkeit und Vogtei.] — 1210 —
Gehöfer nicht gestattet, von dannen zu ziehend Das gilt natürlich auch für
die Zinsverbindlichkeit des Gehöfers gegenüber dem Grundherrn, und damit
auch für die vor dem Abzug zu zahlende Kurmede^. Ist aber der Gehöfer
allen seinen Verbindlichkeiten nachgekommen, dann mag er frei ziehen, ja
der Herr soll ihm wenn nötig beim Auszug behilflich sein: eine Pflicht des
Grundherrn, welche die Weistümer nicht verfehlen in besonders kräftiger und
sinnenfälliger Weise zum Ausdruck zu bringen^.
^) S. *WHospelt, USMax. 1484: vort wiset der scheffen den hof also frihe, wer nit
pliben mag, der sal mit vollen zinsen sine erbe ufgeben un ziehen, war er wil, un auch
sine kinder bestaden sonder indrag des grontheren noch voigtheren. WBernkastel 1490,
G. 4, 753: abe ein armer man wante binen dem hoegericht und [im] nit gelegen were da
zu wanen, so sal er gane bi einen scholtissen zender ader meier, so wellich über in zu
gepeiten heit, und sal mit sim herrn rechenen zins schaft und bet, und die vernogen und
bezalen und mit sinen schuldichern verdrane, und sal dan heim gane und sin füre usdoin
und sin hulde ofgeben mit wairheit, und sal hinzehen, woe is im eben ist. WSWelfrid
15. Jh.?: daß der hof daselbst einen freien zuck hab, und so wanne der man seine schulden
bezalen moige, habe er einen freien zug, mag hinziehen, wo got inen hingeleit oder hin-
ziehen wil. WLeiwen 1546 § 15, G. 6, 525: es sol auch der armman mit weib, kind und
gut also leibsfrei sein, wan er aus in ander orter ziehen wil, dan zuvor die heilige kirch,
darnach unsern gn. h., die gemein und wem er schuldig were bezale und alsdan sein guet
uf lede , der vier strasz, welche ihm gefeit, frei aus und in fruwen heiters tags. S. ferner
noch WSteinheim 1642, G. 2, 273; WLampaden, G. 2, 113, cit. oben S. 317 Note 8
(auf S. 318).
2) S. WHoenningen 15. Jh. § 13, G. 6, 657: soe wie entfenklich erve halt zo
Hoinghen binnen herlicheit ind gerichte unser heren van sent Cunibertz vurs., soe wilche zit
dat die ververt, daevan gehurt unsen vurg. heren van s. C. dat beste vie, dat die vervaeren
man hinder im lest, soe wie dat der scheffen kuißt nae sinen besten sinnen. WSteinecken
1506, G. 2, 399: wer seines guts ausgehen wil oder mud were und ligen Hesse, der solle es
garzinsigh machen; wil er verkaufen, so solle er das dem herrn feil bieten, wil der herr
das kaufen, das hat er macht ; kauft der her das nicht, so mag er solches fort verkaufen und
solle dem herrn sein chunnit geben; desgleichen wil er solches verkauten, das solle er thun
mit wissen des herrn, und verkurmiten. wil er es lassen ligen, so solle er das gut garzinsig
machen, die pächt oder zins, so daraufstehen, bezahlen, das churmit geben, und solle der
herr das aufnehmen. Des weiteren s. WTreis 1501, G. 3, 810; WDörrenbach 1504,
G. 2, 39; WZurmiihlen 1507, G. 2, 395; WSpang 1518, G. 2, 601; WDemerath 1578,
G. 8, 841. Zur Motivierung s. Kremer, Ardenn. Geschl. C. Dipl. S. 424, 1321, Saarbrückener
Freiheitsbrief: wer van uns rumede oder burgerschaft anderswa eintfinge, des gut han wir
ouch gewunnen. Die Einwohnerschaft soll offenbar erhalten bleiben, s. S. 427: wir ver-
bieden, so wer einen son hat, das er den nit paffen mache ane unseren willen, hat er me
dan einen sun, so mach er einen paffen machen, vellet den gut ob erbeschaft ane, das uns
ist, oder wirt dinest schuldich, das er das verdine, also es sich heiset, wer dawider dede,
der verlure sin aneval, erbes un gudes.
3) S. z. B. WKenn 14. Jh. 2. H. § 14, G. 6, 547: vortme wist der scheffen, abe is
sach were dat ein man zo Kenne sesze und hin beduchte, dasz er sich nit da behelfen
moichte, und abe er sin armoit geladen hette, und die hern riden quemen und in halden
wulden, dasz er nit fort enmuchte, so sullen si neder sitzen und hime vorter helfen, of dasz
ir lien komen muege, da er sin broit gewinnen muege, und in nit irren ain siner vart.
AVLeiwen 1546 § 15, G. 6, 525: und begebe sichs, das er nit fürt fahren konte, und u. gn.
— 1211 — Soziale Gliederung.]
Ist der Gchöfcr auf die geschilderte Art frei ausgezogen, so ist er für
die Herren und die Bevölkerung seines künftigen Aufenthaltsortes ein her-
kommender, d. h. ein mit Recht ausgezogener und darum mit Recht aufzu-
nehmender ]\Iann^ Denn der aufnehmende Herr soll sich vergewissern, ob
der Aufnahme nachsuchende Mann wirklich freien Zug hat, d. h. aus freiem
Ort konnnt oder von seinem Herrn entlassen ist und seine Schulden am Ab-
gangsorte bezahlt hat 2. Ist das der Fall, so ninnnt ihn der neue Herr auf
h. ilinie begegnet, solle iliro churf. gn. oder ihrer chiirf. gn. diener abstelin, dem armen
man fürt helfen, das hinderste rad Scheiben, da das furders gestanden hat; wan das also
geschiht, habe ihro churf. gn. ihre ehr bewiesen und dem armen genugsam gethan: das (uf)
sie also von ihren vorfahi*en den schieff [1. scheffen] an sie wie hofsbraucht bracht und bis
an diese stunde in allen puncten gewestlich und genoeclich gehalten worden. S. ferner noch
WNürburg 1515, G. 2, 612; WDockweiler 16. Jh., G. 2, 436; WMastershausen , G. 2,
198 — 9. — Im übrigen vgl. zur Frage nach dem freien Zug noch allgemein die teilweis sehr
detaillierten Nachrichten der WW. Koenigsmacher 1273 § 5; Erpel 1383 § 24; SArnual
1417, G. 2, 21; Tholey 1450, G. 3, 763; Breitftirt 1453, G. 2, 42, vgl. mit WGerstheim,
G. 2, 42—43; Liesdorf 1458, G. 2, 15; BoUendorf 1459 § 13, Hardt S. 122; Remich 1462
§ 5; Amel 1472 § 23; Dalheim 1472 § 20; Wampach 1475 § 15; Roden 1484 § 16; Ettel-
briick 1492 § 9 u. 10; Wallmünster 1497, G. 2, 68; Mettlach 1499 § 43, Lager S. 250— 251;
Heinerscheid 15. Jhs. § 19 u. 39; Wiltingen 1504, G. 2, 76; Kirchheim 1508, G. 2,44—45;
Michelnbach 1514, G. 2, 98; Treissem 1526 § 3—5; Nalbacher Thal 1532, G. 2, 27;
Throneck 1534 § 3, G. 6, 473; Rotzenhain 1537, G. 1, 637; Gostingen und Kanach 1539,
§ 36 u. 37, Hardt S. 290; Pluwig 1542, Schlufs; Waldbredimus 1545 § 15; Meisenbiu-g 1549
§ 22; Linster 1552 § 16; Thommen (1555) § 13—15; Lenningen 1560 § 24; Wabern und
Hanmi 1561, G. 2, 83; Zolwer 1561 § 48; Rittersdorf 1565 § 4 u. 5; Asselborn 1566 § 35;
Ouren 1567 § 17, 1589 § 8 f.; Herborn 1573 § 10 u. 11; Uflingen 1575 § 16 u. 28;
Tholey 1580, G. 3, 766; Reuland 1586 § 5; Holler 1589 § 11; Wormeldingen 1595 § 5u. 8;
Eich 1597 § 63 u. 64; Berburg 16. Jhs. § 35; Bollendorf 1606 § 18; Heisdorf 1606 § 22;
Heinsdorf 1607 § 26; Schuweiler 1635 § 13; Edingen 1669 § 10 u. 11; Irrel 1669 § 6;
Steinheim 1669 § 17; Schönfeld 1682 § 18; Oppen 1730 § 5; Bech bei Echternach § 10;
Hüpperdingen § 9; Tettingen, G. 2, 47, Schlufs. S. auch Bd. 3 Wortr. u. d. W. zuck.
1) CRM. 5, 178, 1573, Vertrag zwischen dem Erzstifte Trier und den adligen Mit-
herren zu Ulmen, betreifend beiderseitige Rechte daselbst : so einer, der vorhin anderswo ge-
whonet hat und der obg. eins von adel zu Ulmen leibeigener zuvor gewesen , do er vorhin
gewhonet, uf brechen und zu Ulmen in die hocheit rücken und ziehen wil, der sol nit für
ein herkommender man geachtet, sonder demjenigen zustendig sein und pleiben, dessen leib-
aigener er vorhin gewesen ist. Der Ausdruck ist sehr alt, vgl. die homines advenientes im
UStift S. 420, Manderscheid, cit. S. 866 Note 3.
2) Kremer Ardenn. Geschl. C. dipl. S. 423, 1321, Saarbrückener Freiheitsbrief: der
meier noch die scheffenen mugen keinen unsen gotzlenman noch wip noch keinen von
anderen unseren dorfen intfan noch keiner unser burgmanne lüde in dise zwo stede, sie
inhaben danne rehten zuch, den inwollen wir nit brechen, sie mugen wole lüde intfan von
steden un von dorferen, di vri sint. S. auch WDemerath 1578, G. 3, 841: wan der her-
khommende man keinen nachvolgenden herrn hätte, so sol er u. h. schätz und dienst thun,
wie andere ihre eigene leut, nach seinem vermögen. Ganz ähnliche Bestimmungen finden sich
in angelsächsischer Zeit für die Freien unter dem Bürgschaftssystem, bei dem ebenfalls der alte
Grundsatz der Freizügigkeit nicht aufgehoben war. Kein Hläford darf den unter ihm sitzen-
den Freien am Hläford-socn (Aufsuchung eines anderen Herrn) hindern, aber der Abziehende
77 *
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1212 —
und weist ihn in einer Form in sein neues Besitztum ein, in welcher sich
wiederum die ganze Poesie deutsch-bäuerlicher Rechtsfassung ausspricht \
Fest aber wird das neue Verhältnis erst nach Jahr und Tag, nachdem eine
Reklamation seitens des alten „nachfolgenden" Herrn nicht stattgefunden hat;
mit diesem Termin tritt auch an einzelnen Orten erst die volle Zinspflicht
für den herkommenden Mann ein 2.
Kein Zweifel, dafs mit einem in der eben beschriebenen Weise geregel-
ten Recht freien Zuges noch nicht jene Freiheit der Person gewonnen ist,
welche uns heutzutage unerläfslich scheint. Und auch die so vorhandene be-
schränkte Freizügigkeit galt nur für die bestgestellte Klasse der alten Grund-
holden^, die nunmehrigen armen Leute.
Aber welchen Fortschritt bedeutete dies Recht doch gegenüber früheren
Verhältnissen, etwa gar gegenüber den Ausgangspunkten der grundhörigen
Bewegung um die Wende des 9. und 10. Jhs. Neben der Freiheit
des Grundbesitzes war jetzt die Freiheit der Person, wenn auch noch
nicht ungetrübt, so doch in ihren Haupterfordernissen zum gröfsten Teile er-
rungen ; und sie bestand jetzt sogar in vielen Fällen neben ausgedehnter Zins-
pflicht*. Indem sie sich immer weiter ausdehnte, wurde die alte persönliche
mufs sich darüber ausweisen, dafs er bei seinem bisherigen Herrn alle Verbindlichkeiten
erfüllt und dessen Abzugsurlaub erreicht habe, ehe ihn der neue Herr aufnimmt (Edw. H 7;
Athlst. H 22, m 4, V 1; Edm. IH 3; Cn. H 28); vgl. Gneist, Engl. Vfg. S. 24, 25.
1) WGondenbret, G. 2, 541: ob ein fi^embd seelender kehme und begehrt in dem hof
zue wohnen, der sal gähn zu einem hofschultheißen und ihme das anzeigen; dan sal der
scholtheiß den frembden man hohlen hinder sich uf sein pfert und den füren uf die fröen;
und wanehe der frembd uf der fröenen ist, dae es ihme gefält, und springt ab und wilt da
bawen, da sal der scholtheiß ihme abmessen fünfzehn morgen weit und breit und denselbigeu
damit belehnen und ihme ban und frieden gebieten; davon sol derselb man u. g. herrn
geben alle jar fünfthalben zins, ein halb mir. even, drei fröentag und ein angerpfert.
2) Pellenzw. 14. Jh. § 32, G. 6, 627 : wan iemants uis frembden landen mit heuslicher
w^onungh in die Pellenz sich begebe und derselbig hette(n) keinen naichfolgenden herrn, wie
sich der gegen die oberkeit halten sol? antwort: derselbig sol jaer und dage roichlich sitzen,
und nach endungh des jares sol er, so er pleibt, den landherrn zu einem eigenen herrn
erwelen. WMenzweiler 1429 § 5 : wenn ein armman hinder uns herrn von Stulzenberg zöge,
der sol das erst jar fri sein achtens. Vgl. ferner WGalgenscheid 1460, G. 2, 453 ; WUrbach
1480, G. 1, 630; WMeddersheim 1514 § 12; WBlieskastel 1540, G. 2, 29; WWallmünster,
G. 2, 38; WRoxheim und Braunweiler § 18.
^) S. dazu weiter unten über die Eigenhörigen.
*) S. dazu schon oben S. 923—4; ferner CRM. 2, 203, 1263, Auseinandersetzung
zwischen dem Erzstift Köln und der Gräfin Mechtild von Sayn: die Gräfin beheldit zu irme
dienste inde zu ierre urbure Sechteme inde Gilstorp mit alle deme, dat darzu gehorit. si
beheldit oug alle die man, alle die dienstman, alle die hoveslude, alle die waiszinsege lüde,
ove wilchis rehtis si sint, mit alme irme gude, die wonechtich sint an der siden des Rines,
da Kolne ane steit, so war si gehorin, dat si van irme dienste niet mugin virfarin, so war si
varin, noch die unse ensulen van unseme dienste niet varin, so war si varin. WRemich
1477, G. 2, 241: das alle burger und inwonner des hofs von Remich friburger und auch
sust quit los und ledich sin sullent und u. gn. 1. h. sinen amptluden und allen anderen
— 1213 — Soziale Gliederung.]
Bindung des Grundholden an den Fronhof vernichtet; und an ihre Stelle trat
jene halb- oder ganzöffentliche Unterordnung des armen Mannes unter den
Grund- oder Landesherrn, deren Aufkonnnen schon früher aus der blofsen
Veränderung der Benennung für die einstigen Grundhörigen gefolgert wurde. —
Aber waren denn in der That von vornherein alle Grundholden nicht
mehr direkt an die Person des Grundherrn, sondern an die Dingverfassung der
einzelnen Fronhöfe gefesselt?
Ganz evidenterweise trifft diese Behauptung, welche allen unseren Er-
wägungen von S. 1177 ab zu Grunde liegt, nicht zu für die Ministerialen, falls
man diesell)en anfangs noch als Grundholde rechnete : sie stehen unter Dienst-
recht, nicht unter Hofrecht; gerade die direkte Bindung an die Person des
Herrn ist für sie charakteristisch. Sie trifft ferner nur teilweise zu für die
Weinbaugenossenschaften mit ihrem besonderen Wingertlehnrecht. Sie trifft end-
lich nicht zu für die Wachszinsigen. Für die Ministerialen und Wingertleute
braucht eine Erklärung dieser Ausnahmestellung im jetzigen Zeitpunkt unserer
Untersuchungen nicht mehr gegeben zu werden ; sie liegt schon in demjenigen
begründet, was oben S. 902 f. und 1167 über die Ministerialität und S. 1168 f.
über die Weinl)aulelmgenossenschaft ausgeführt ist. Anders steht es mit den
Wachszinsigen ^ Für sie ist die Ausnahmestellung erst zu beweisen und zu er-
klären. Und die mit dieser Forderung gestellte Aufgabe , zu deren Lösung
wir nunmehr schreiten, wird uns zugleich noch auf andere Verhältnisse inner-
vort aller andern heischungh, forderongen und schetzongen, es were dan sache das si erb-
schaft umb ire zins bestanden betten oder ander schult scbuldigb weren, die sollen sie be-
za! en denjengen, den das geburt, und vermitz das si ere schuld bezalt betten, so sullen und
mügen si anderswohin zehen wanderen faren und fließen in andere lande, hinder ander
berrn, und ire kinder bestaiden und bienlichen, wo si hin wullent. WThaben 1487, *USMax.
1484 Bl. 25^: wisent och die scheffen mit ortel und recht die lüde alsamen im banne van
Thaben frie vermitz rente zins und gulde, und vermitz ir bestentenis, sie da van schuldich
sint nach scheffen urtel dem proste imd den scheffen, und mogent anderswo zihen und
wanen und bidderkommen nach allem irem wailgeval, und sal sie nimant darin irren, und
van dem kauf sint sie nimant it schuldich, dan als vorg. steit. WRapwiler 1547 § 3, G. 2,
101 : wer ein erbtheil hait entpfangen und bestanden also guit , daß man ein dreistempe-
lichen stoil daruf stel, der ist meim herrn dem probst ein bestheupt schuldig, er wone, woe
€r wil. WBech bei Echternach § 19: weisen die scheffen, dasz der (Abt von Echtemach)
die underthanen des hofes zu B. vermitz kirmet und zins vor freie leut halten sol. Auch
die erbzinsigen Bauern in Brandenburg waren freizügig, an die Scholle gebunden werden sie
erst 1518, s. Borahak 1, 122.
^) Aufser ihnen könnten vielleicht noch die Fiskalinen für unsere Erörterungen in
Betracht kommen. Sie fallen indes für die Moselgegenden infolge zu geringer Ausdehnung
des Quellenmateriales weg. Man vgl. übrigens MR. ÜB. 1, 29, 775, cit. oben S. 650 Note 3;
UPrüm No. 6, No. 33 dazu Cesarius S. 162 Note 1, No. 37; ferner die Quellen über den
Fiskus Kröv (s. oben S. 180 f.) und dazu WGüls 1385, Zs. d. Berg. Gv. 18, 158: der Vogt
hat nach Martin van ieklichem huse zu Gulse, da ein man inne woint, ein vaitpenninc,
uzgescheiden die huser, die der lüde sint, die dat Riebe anhorint, die dienstlude sint u. gn.
herren von Triere, und der scheffen huser zu Gulse. Zur Freizügigkeit der Reichsleute
s. auch Loersch S. LXII.
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1214 —
halb der spätmittelalterlichen Entwicklung der landarbeitenden Klassen führen,
welche einen weniger tröstlichen Anblick bieten, als ihn die bisherigen Er-
örterungen gew^ährt haben.
Für die Wachszinsigen ist es in der That vor allem bezeichnend, dafs
sie mit ihrer Person, ihrer Zins- und Dingpflicht nicht einem Fronhofe, son-
dern dem Herrn direkt unterstellt sind; eben hierauf beruht zunächst ihre
Trennung von den gemeinen Grundholden ^ Hiermit schliefsen sie sich aber
zugleich an das alte Verhältnis jener hörigen Klassen an, welche in früh-
karolingischer Zeit, namentlich unter dem Namen der Liten, der vielfach
ungebrochenen Unfreiheit noch kräftig gegenüber gestanden hatten ^ : die
Wachszinsigkeit ist nichts weiter, als die gemäfs der Grundhörigkeit des eigent-
lichen ]\fittel alters umgeformt fortdauernde Hörigkeit der älteren Zeit. Der
Beweis für diesen Zusammenhang läfst sich direkt urkundlich erbringen^ , und
ihm entsprechend münden alle noch bis zum Schlufs der Karolingerzeit oder
auch länger erhaltenen Spuren alter Hörigkeit, die Verhältnisse der Mundi-
lionen, Censualen, Tributarii schliefslich entweder in die Wachszinsigkeit, das
ius legitimorum servientium * , aus oder gehen zu Grunde ^. Am Schlüsse des
1) Charakteristisch tritt das vornehmlich zu Tage in MR. ÜB. 3, 220, 1223, Siegburg r
mulier quedam, E. nomine, de iure curtis nostre [später heifst es servitus curtis] in Beddin-
dorp in ius cerocensualium Sibergensis ecclesie se cum filio suo A. et filia E. transferri
postulavit, et ad hoc facilius impetrandum pecuniam optulit taxatam ad coemptionem
bonorum, de quibus in predictam curtim 12 d. solvantur annuatim. nos ergo . . nichil
ecclesie per hoc deperire, immo accrescere sentientes, cum . . curti fieret recompensatio et
mulier ciun sua posteritate nichilominus in iure cerocensualitatis ecclesie remaneret, (con-
sensimus). ipsam ergo coram scabinis curtis nostre in B., cui a progenitoribus suis erat
obligata, et coram advocato W., qui et iuri suo acceptis ab ea 30 s. renuntiavit, a Servi-
tute curtis absolutam sollempniter in ius cerocensualium ecclesie nostre assumpsimus,
deceraentes, ut in festo sancti Mauritii et sociorum eins tam ipsa quam quilibet de sua
progenie in perpetuum super altare beati Michaelis Sibergensis censiun suum deferant, singuli
videlicet 2 d. annuatim.
2) Zum Erlöschen des alten Litenstandes s. oben S. 1151 Note 2. Ein Lite u. a. noch
Lac. ÜB. 3, 4, 794.
^) Trad. Fuld. S. 367, 759: ein Unfreier wird an das Kloster geschenkt eo videlicet
pacto, ut pro data oblatione sine censu optimo lidorum uteretur iure, nullius advocati vel
iudicis obnoxius dominio, nisi qui praeesset Fuldensi coenobio.
*) Lac. ÜB. 1, 97, 157, 1020: legem legitimomm servientium; s. unten S. 1220 Note 1.
^) Dafs diese einzelnen Verhältnisse sich nicht getrennt erhalten, hat an sich nichts
Verwunderliches; mit Recht bemerkt Hanauer, Paysans S. 115, über die feinere Einteilung
der Unfreien in liti , fiscalini, lazzi etc. : ces distinctions ont leur valeur fiscale pour le tarif
des compositions ; elles n'influent guere sur la Situation reelle de l'homme. Im speziellen
vgl. zum Schicksal des römischen Kolonats v. Maurer, Fronh. 1, 317; ziu' Ausbildung eines
besseren Standes kirchlicher Unfreien Regino, Caus. synod. 1, 381, 382, 416, 417. Censuales
im Sinne von Wachszinsigen finden sich MR. ÜB. 1, 83, 853: Jemand schenkt an SMaximin
96 mancipia, ex quibus 7 a iugo servitutis solutos ad ipsam ecclesiam censuales feci; vgl.
ferner MR. ÜB. 1, 120, 886, Braubach: curtis una et de vineis aripennes 5 cum homi-
nibus 5, qui ea possident et fructificant , mancipia quoque censualia, quicquid [1. quotqot]
— 1215 — Soziale Gliederung.]
früheren Mittelalters bildete daher die Wachszinsigkeit die einzige über der
Grundhöriiikeit stehende bessere Hörigkeitsform innerhalb des regelniäfsigen
gTundherrlichen Nexus, und ihr Wesen war so fest umschrieben, dafs dessen
charakteristische Vorzüge im Einzelfall sogar zur Begründung einer besseren
Grundhörigkeit ausgenutzt werden konnten ^
Dabei war ihr ursprünglicher Typus bis tief in die Stauferzeit hinein un-
verändert geblieben. Noch immer bildete die ausschliefsliche personale Bin-
dung an den Herrn unter Wegfall jeder Fronhofszugehörigkeit und jeder
Vogtei^ den Kernpunkt des Verhältnisses^, und mit ihr verband sich, ja aus
ihr folgte der Wegfall jeder grundhörigen Bindung des Eigentums : der Wachs-
in eodem morantur pago [Heinrichi] et in pago Loganacensis. S. auch noch UPrüm No. 109,
Flacht, doch s. auch unten S. 1223 Note 1. Zu den Mundiliones vgl. UPrüm No. 43, und
dazu MR. ÜB. 1, 104, 871 : mancipia mit Äckern an Prüm übergeben ea videlicet ratione, ut
defensionem et mundeburdem et salvationem de prefato monasterio eiusdemque abbate
habeant. Eben dieser Schutz aber war Sache des Herrn bei Wachszinsigkeit, s. oben im
Text und Lac. ÜB. 1, 38, 73, 882. Zu späteren Muntluden s. WRommersheim 1298, G. 2,
520. Auch die Tributarii gehören hierher, s. Mir. s. Verenae c. 18, 11. Jh., und doch wohl
auch die Clientes, s. UlMettlach No. 7; Ennen, Qu. 1, 501, 1119. Zu den Ausdrücken
Cerocensualis , lus cerariiun, Census cerarius s. Lac. ÜB. 1, 170, 263, 1104; Düsseldorf
St. A., Pant. Or. 26, 1181, cit. oben S. 870 Note 2; MR. ÜB. 3, 220, 1233. — Auf wachs-
zinsige Verhältnisse gehen wohl auch noch Mir. s. Ger. Tüll. c. 2 und c. 10, sowie Cantat.
s. Hubert, c. 27, 9. Jh.
1) S. Westd. Zs. Bd. 3, Korrbl. No. 123, 1199, cit. oben S. 872 Note 2; ferner schon
MR. ÜB. 1, 558, 1150, Bestätigung des Erzbischofs Albero für die Neuordnung der Verhält-
nisse der SchiiFenburger Eigenleute: notum facimus tam futuris quam presentibus, qualiter
hec familia a Servitute dominorum suorum videlicet Adelberti et filiorum eius Friderici et
Conradi in libertatem servitii ecclesie dei genitricis Marie, que est in Schephenburc , manu-
missi sunt hac videlicet ratione: ut, cum ad annos 15 vel plus 16 sive nubant sive coniugio
carere velint pervenerint, persolvant censum ad altare eiusdem ecclesie singulis annis duos
d. in festo purificationis eiusdem genitricis dei. quod si impedimento aliquo interveniente
uno anno persolvere non potuerint, in subsequentibus, cum primum poterunt, restituant, quod
neglexerint. post mortem autem eorum de his, qui inter pares suos coniugium duxerunt,
ecclesia melius vestimentum vel melius animal, quod potius elegerit, sibi sumat; si vero in
extraneam vel alienam cuiuscunque conditionis familiam nupserint, duas partes totius sub-
stantie vel possessionis de mortuo viro accipiat ecclesia, de muliere vero tertiam partem.
ceteri utique, qui suas familias pro remedio animarum suarum eidem ecclesie dederunt,
eodem suo iure donaverunt.
^) Sigeh. Mir. s. Max. 2, 25: regi serenissimo Ottoni videlicet primo ea luce Treveris
existenti . . puerum suae regali magnificentiae praesentasti [abbas Wickere], utque testamento
suo traditionem pueri praedicti confirmaret necnon ab omnibus advocatis ipsum puerum
memoratum eiusque pastores absolveret, et ut nulli beneficiarentur , exorasti. quam denique
petitionem piis votis morem gerens fieri decrevit, et chirographum inde conscribi sigillique
sui impressione anno eius [decimo] tertio iussit communiri. Lac. ÜB. 1, 504, 1187: quia
vero advocatorum insolentia plus nocere quam prodesse consuevit, propter ipsorum impor-
tunitatem constitutum est, ut [cerocensuales] nullum omnino preter solum archiepiscopum
Coloniensem habeant advocatum.
^) Dafür mannigfache Belege in den folgenden Noten.
[Gruudherrlichkeit und Vogtei. — 1216 —
zinsige konnte frei über dasselbe verfügend Entsprechend der personalen
Bindung an den Herren gestalteten sich ferner die Einzelpflichten des Wachs-
zinsigen aus. Die Dingpflicht zunächst verband ihn zum Besuch eines Dinges,
welches unter dem Vorsitz des Herrn je nach der Zahl der Wachszinsigen
entweder direkt und für sich als Ding der Wachszinsigen, oder auch kombiniert
mit dem Dienstmannending gehalten werden mochte, jedenfalls weder mit
irgendwelchen Vogtdingen noch mit irgendwelchen Grunddingen des Herrn zu-
sammenfiel^. Die Zinspflicht weiterhin war el)enfalls nur auf den Herrn be-
zogen : ihm war unter Ausschlufs eigentlichen Kopfzinses ^ eine geringe, meist
2 bis 4 d. für Männer, 1 bis 2 d. für Erauen betragende Summe in Wachs
oder auch in Geld vom Zeitpunkte der Mündigkeit oder der Verehelichung ab
zu zahlen*. Und zwar erfolgte diese Zahlung, wie besonders und wiederholt
^) Lac. ÜB. 1, 38, 73, 882: Ewerwin und seine Schwester Lantswint quendam ex
nostris prospicientes devotum ac fidelem nobis fideliter servientem vernaculum nomine
scilicet Salafridum et coniugem eins nomine Liebuni . . a iugo servitutis de servitio publico
ingenue relaxamus cum filiis et filiabus, sicuti per hanc absolutionis cartam a die presente
visi sumus fecisse . . . eant, pergant, per portas intrent et exeant apertas nullo obstaculo
resistente, mundaburdem vero aut patrocinium eligant sub ecclesia dei et sancti Ipoliti . .
ea rationis causa, ut singulis annis ad supradictam ecclesiam sancti Ipoliti unusquisque
eorum in festivitate eiusdem martyris 2 denaratas cere persolvere satagerit, nihil magis de
propria facultate dantes; post obitum uniuscuiusque eorum preter tantum quod obtimum
liabent aut in equis sive in bubus seu in porcis aut in ceteris rebus dare festinent. Im
übrigen haben sie volle Disposition über ihr Vermögen. Lac. ÜB. 1, 46, 84, 907 lassen sie
dieselben noch mehr frei, hier der Zusatz: peculiare vero si habuerint aut postea elaborare
potuerint, sibi teneant possideant suisque posteris iure hereditario possidendum derelin-
quant excepto capitali, . . quod deferatur ad aecclesiam. Man vgl. auch den Unterschied
zwischen Cerocensualen und den Mancipia dotalia in MK. ÜB. 1, 386, 1052, cit. oben
S. 656 Note 5.
2; Vgl. darüber vornehmlich Kindlinger, Hörigkeit S. 26 f., wo diese und andere
Eigenheiten der Wachszinsigkeit sehr gut behandelt sind. Aus unserem speziellen Material
s. MR. ÜB. 1, 345, 1056 bzw. 1112, cit. oben S. 1128 Note 3; und Lac. ÜB. 1, 154, 239,
1086: tantum generalia placita in anno observet. Vgl. auch Lac. ÜB. 1, 144, 222,
1056 — 75: Gräfin Irmintrud universos servientes, quos in Ulis habuit partibus [lun Rees], sub
censu duorum d. (Coloniensi) contulit ecclesie eo tenore, ut ad similitudinem aliarum ecclesiarum
sub canonica religione viventium, sub solius archiepiscopi potestate constituti nulli archi-
diacono, nulli decano nisi suo preposito [zu Rees] ceterisque magistris infra claustrum con-
stitutis de qualicunque causa respondeant. Vgl. ferner auch noch oben S. 1040, und Kind-
linger, Hörigk. S. 519, 1405, cit. oben S. 1129 Note 2. — Zur Hochgerichtspflicht der
Wachszinsigen vgl. Lac. ÜB. 2, 683, 1275, cit. oben S. 1035 Note 5.
3) S. Lac. ÜB. 1, 97, 1-57, 1020, cit. oben Note 2; St. A. Düsseldorf Pant. Or. 26,
1181, cit. oben S. 870 Note 3.
■*) MR. ÜB. 1, 151, 905, die ingenua Wieldrud ergiebt sich an Münstermaifeld cum
consensu senioris mariti zinsig: me cum omnibus successoribus meis sancto Martino in
censum contrado ea videlicet ratione, ut omni vitae meae tempore duos d. in cera in pre-
dicti sancti festivitate annaliter persolvam. successores itaque mei, si quando ad aetatem per-
venerint, ut ipsum censum persolvere queant, hoc ipsum facere ullo modo non dimittant. Die
— 1217 — Soziale Gliederung.]
festgestellt wird, ohne jegliche Vermittlung eines vom Herrn angestellten
Dritten; wo gröfsere wachszinsige Familien bestanden, bildeten sie eine
freie Zinsgenossenschaft, deren Zinse dem Herrn gemeinsam durch einen
Hauptmann (Zinsträger) aus ihrer Mitte überbracht wurden ^ Wie Dingpflicht
und Zinspflicht wurden schliefslich auch Kurmede und Heiratsgebühr, soweit
Urkunde ist nach Datierung und Besiegelung unecht, giebt aber das Verfahren richtig
wieder. Sigeh. Mir. s. Maximini c. 2 § 25: Reinerus . . et Engela de Braubach liberi ex
liberis pareutibus orti se et unicum filium suum Adalmanum sancto Maximino tradiderunt,
ea conditione, ut ipse puer quoad viveret posterique sui, qui masculi essent 2 d., feminae
vero 1 d. ad altare beati Maximini in festivitate sancti Maximini persolverent ; post mortem
vero illorum, quod melius haberent in pecoribus sive vestibus, ecclesiae cederet. Vier de-
nariatae cere sind genannt Lac. ÜB. 1, 121, 189, 1054; 1 d. für eine Frau Lac. ÜB. 1, 127,
197, 1061; 2 d. für eine Frau St. A. Düsseldorf, Pant. Or. 26, 1181, cit. oben S.870 Note 3.
S. auch noch Kindlinger, Hörigkeit S. 234, 1113: Berewic von Koblenz wird an SStephan-
Mainz geschenkt eo iure, ut in festivitate sancti Stephani 4 d. semper, quamdiu viveret, ad
supradictum persolveret altare, et post terminum huius vite preciosissimam vestem vel s. d. ; und
Lac. ÜB. 1, 504, 1187: Lambertus de Wede et Lambertus filius sororis sue de Nuereburch
Hadewigem Bertam Volsuindem ancillas suas manumittentes ecclesie sancti Clementis in Ein-
dorp contradiderunt, et quicquid iuris et potestatis in eis habebant, cum suis heredibus et
coheredibus resignaverunt et exfestucaverunt: hac videlicet conditione adiuncta, ut tarn ipsae
quam quilibet de earum posteritate quolibet anno in medio maio ad altare sancti Clementis
duos d., postquam matrimonium contraxerint, persolvant. — Neben der Zahlung einer ge-
ringen Summe kam freilich auch noch die ursprünglichere Belastung mit meist 1 Ib. Wachs vor,
s. z. B. Honth. 1, 91, 693. Diese Belastung mit Wachs erklärt sich daraus, dafs Wachs-
zinsigkeit zumeist durch Schenkung an die Kirche entstand (s. unten S. 1220 f.): dieser aber
wurden Wachskerzen bei Prozessionen (Flod. z. J. 920, MGSS. 3, 369) oder bei bezw. zum
Zweck von >vimderbaren Heilungen (G. ep. Camerac. 1, 31; Mir. s. Bernw. Codd. 3 — 5),
überhaupt gern Mittel ad luminaria concinnanda (G. ep. Camerac. 1, 39) geschenkt. Übrigens
waren derartige Wachslasten der Cerocensualen keineswegs gering, vgl. das oben S. 505
Note 5 Bemerkte, und hierzu noch weiter MR. ÜB. 2, Nachtr. 9, c. 1200: tribus candelis
ex talento cere factis; MR. ÜB. 2, 259, 1210: de una Ib. cere fient due candele, que in-
cendi debent sero et ardebunt tota nocte. Ennen, Qu. 2, 53, 44, 1214 endlich kommt
eine candela unius libre vor, sowie auch solche zu Vh Ib. S. auch noch WEschweiler 1401,
G. 2, 263.
1) Zum Institut des Hauptmanns s. oben S. 650 f., für unseren speziellen Fall Lac.
ÜB. 1, 154, 239, 1086: eligant autem inter se unum de comparibus suis, qui censum aliomm
recipiat et fideliter respondeat. MR. ÜB. 1, 405, 1102: quedam matrona Hildigardis vocata
nobilis, sed ex familia sancti Salvatoris [Prüm] orta, Mathildis de Lizendorf filia, a Novo
monasterio [Münstereifel] migrans Coloniae habitaverit; quae ad monasterium veniens ob
emolumentum animae suae et posterorum suorum parentum ante altare domini nostri et sal-
vatoris mundi Ihesu Christi libero arbitrio devovit, singulis annis se daturam ad illud sanc-
tum altare cum filiis suis per singulorum capita denariatas totidem cerae pretio nummi aut
totidem eiusdem monetae, cuius filiorum nomina haec sunt: Wiricus, Mathildis, Hildegardis,
Margareta, Albero. et constituit, ut senior suae stirpis per subsequentes generationes hoc
spontaneum debitum a reliquis acceptum ad altare sancti Salvatoris annuatim aut deferat aut
transmittat. Lac. ÜB. 1, 504, 1187: nullum etiam habebunt super se censualem magistrum,
sed quicunque maior natu fuerit in eorum cognatione, censum prefatum ab aliis colliget
annuatim et memorato monasterio representabit.
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1218 —
sie überhaupt bestanden \ direkt auf den Herrn bezogen. Von ihnen findet
sich die Heiratsgebühr nur sporadisch^: sehr begreiflich, da die Freiheit wachs-
zinsigen Eigentums feststand und Verheiratung an genossige Leute überhaupt
nur da in Frage kommen konnte, wo die Wachszinsigen eines und desselben
Herrn sehr zahlreich waren. Viel regelmäfsiger erscheint dagegen die Kur-
mede, wenn auch vielfach in reduzierter Gestalt (meist nur 6 d. oder 1 s.)^;
^) Sie fehlen z. B. Lib. aur. Epternac. (Gotha) Bl. 64 a , actum anno xix regnante Ka-
rolo rege: ego in dei nomine Nandingus . . trado famulam unam cum infantibus suis a die
presente liberos, atque ingenuos eos dimitto. tam illi quam cognatio eonim, qui fuerint ex
eis proereati, tamquamsi ab ingenuis parentibus fuissent nati aut procreati, eant pergant
per partem, quam voluerint, nisi tantum nt annis singulis ad festivitatem sancti Willibrordi
in luminaribus denariatam cere [Bl 64^] solvere studeant ad ipsam ecclesiam, ubi ipse
sanctus corpore requiescit. et mundoburdum vel defensionem vobis de ipsa ecclesia habere
cognoscatis, et dum advixeritis mihi servitium impendere debeatis, et nulli heredum ac pro-
heredum meorum quicquam se habere cognoscant. MR. ÜB. 1, 257, 10. Jh., Rihdahc schenkt
an SFlorin quedam mee proprietatis mancipia: ab omni iugo mee meorumque servitutis pos-
terorum absolvo . . . mancipia . . et omnis posteritas illorum annuatim in assumptione sancte
Marie duas cere denaradas persolvant. habeant autem portas apertas exeundi et redeundi
quocumque voluerint, salvo permanente censu. MR. ÜB. 1, 430, 1115: der Abt Poppo von
Prüm übergiebt Becelam cum omni prole trium filiarum eins . . an Münstereifel unter folgen-
der lex, ut nemo de hac predicta progenie nubendi licentiam ab aliquo quereret sive redi-
meret, neque illud quod vulgo solet dici ervideila latine autem hereditaria pars vocatur,
nemo de eadem progenie solveret, sed omnis census et iustitia eorum in hoc solo penderet,
ut in festo (Crysanti et Darie, iii kal. dec.) ad altare . . sive vir sive femina copulata con-
iugio denariatam cere pro lumine . . persolverent.
2) Lac. ÜB. 1, 504, 1187: pro licentia vero matrimonii contrahendi neque vir neque
femina amplius quam sex d. dare cogantur. MR. ÜB. 3, 220, 1223: ad nubendi autem li-
centiam dabunt 6 d. et in obitu femine Optimum lineum, viri Optimum vestimentum. Ennen,
Qu. 2, 96—97, 83, 1225: die Lasten der Cerocensualen werden dahin festgestellt, dafs ßie
zur Verlobung 7 d. zahlen, 6 an den Kustos und 1 an den von diesem mit dem Einsammeln
des Zinses Betrauten, bei der Hochzeit 2 d., beim Tod das beste Kleid (vestis optima, qua
vel vir vel mulier vivens indui solebat faciente fidem eo custodi) an den Kustos.
8) Zur Kurmede vgl. Lac. ÜB. 1, 38, 73, 882, cit. oben S. 1216 Note 1 ; Sigeh. Mir.
s. Maximin. c. 2 § 25, cit. oben S. 1216 Notel; Kindlinger, Hörigkeit S. 234, 1113, cit. oben
S. 1216 Note 4; MR. ÜB. 3, 220, 1223, und Ennen, Qu. 2, 96—97, 83, 1225, beide cit. oben
Note 2; femer Ennen, Qu. 1, 618—9, 118, 925—936: ego E. et Th. uxor mea de libera
natione parentum progeniti simul cum tribus filiis nostris et una filia . . nosmet ipsos non
exacte, sed voluntate spontanea tradimus [an SUrsula] . . in proprios, ea videlicet ratione,
ut prenominati filii nostri et filia singuli per se deneratam 1 de cera in luminaribus annis
singulis illuc ad missam sancti Ipoliti persolvant, nos autem, qui parentes illorum sumus, abs-
que nullius census redditione securi simus et maneamus, nihil debentes nee reddentes. et
si quis ex eis obierit, nihil magis ad praefatam ecclesiam reddere debitus sit, quam unam
rem, quae pretium unius solidi valeat, aut s. 1. Reine, nicht abgelöste Kurmede findet sich
u. a. auch noch Ennen, Qu. 1, 592, 100, 1185: prout iuris est cerecensualium , singuli an-
nuatim 2 d. . . persolvent; post obitum quoque suum mulieres quidem in lineis, viri vero in-
differenter quicquid habent pretiosius in vestimentis . . solvent. Lac. ÜB. 1, 504, 1187:
post obitum autem suum mulier optimam quam habebit vestem de lino textam ecclesie
predicte transmittet, vir autem vestem dabit cuiuscunque generis habuerit meliorem. Aus
— 1219 — Soziale Gliederung.]
zudem wird seit Beginn des 12. Jhs. betont, dafs man diese Last freiwillig
auf sich genommen hahe: ein Zeichen ihres bald eintretenden Verfallest
Die Wacliszinsigkeit in der geschilderten Weise, als freiere Form gnmd-
herrliclier, unmittelbar persönlicher Bindung hält sich nun bis ins 13. Jh.
hinein noch immer im Zusammenhang mit dem ursprünglichen Charakter der
alten, seit karolingischen Zeiten untergegangenen Hörigkeit, aus welcher sie
geflossen.
Die alte Hörigkeit war durch Übergabe und durch Freilassung entstanden.
Eben diese Entstehungsfonnen dauern jetzt für die Wachszinsigkeit fort. In
freierer Art zunächst die Übergabe. Der Grund für eine freiere Ausgestal-
tung gerade der Übergabe, welche unter dem Grundtypus der Wachszinsig-
keit die verschiedensten Modifikationen (im äufsersten Westen und daran an-
schliefsend in Frankreich sogar eine wieder für sich ziemlich festgeschlossene
Form, die Kollibertät 2) zuliefs, liegt darin, dafs Übergaben fast nur noch an
Kirchen nach wunderbaren Heilungen, aus besonderer Frömmigkeit und aus
sonstigen rein geistlichen Motiven statthatten. Diese Motive waren aber Ge-
meingut der ganzen Nation: so dafs sich auf Grund ihrer Wirkung Personen
sehr verschiedenen Standes zur Hörigkeit ergaben. Natürlich stipulierten sie,
wie denn der Modus der Stipulation ganz in ihrer Hand lag, je nach ihrem
früherer Zeit vgl. Lac. ÜB. 1, 98, 159, 1014—21; 90—91, 147, 1015; Ennen, Qu. 1, 493,
33, 1064.
1) MR. ÜB. 1, 405, 1102: libero animi proprii voto hoc posteris suis statuit, ut post
Separationen! corporis et animae suorum vestimentorum optima quaeque mas et femina sine
ulla ambiguitate ad eandem ecclesiam persolvens transmittat, quibus spontaneis non servili-
bus votis persolutis sie posteros suos utriusque sexus liberos voluit remanere. Man vgl. auch
Lac. ÜB. 1, 154, 239, 1086: libera femina . . Dutha deo sanctoque Adalberto ad altare in
Sorun libertatem suam offerens hoc modo sese et omnem posteritatem suam censualem con-
stituit: sive masculus sit sive femina, postquam legitimum matrimonium inierit, unum d. sol-
vat singulis annis, tantum generalia placita in anno observet, cum pari suo absque licentia,
cum dispari per licentiam matrimonium ineat, in morte omni penitus exactione careat.
2) Zur Kollibertät vgl. Lamprecht, Beiträge S. 81 ff. und 151 f. Für das Eindringen
dieser zunächst französischen Form vgl. man Mir. s. Mansueti c. 5: Drogo miles notissimus
. . um geheilt zu werden, imposito cervici vinculo, sancto se ex libero in servum dedicat
et Votum censuale die certo devovet. Er wird geheilt. S. ferner Mir. s. Gorgonii c. 17,
MGSS. 4, 244: ein geheilter Wahnsinniger non immemor . . sui corrigia discinctus Collum
suum circumdedit atque per eandem se sancto Gorgonio famulum contradidit . . . quamdiu
in hac carne deguit, debitum tot annis pensum suo exsolvit . . adiutori. Chron. s. Mich.
Vird. c. 36, MGSS. 4, 86, ca. 1030: ein Blinder innexo sibi ligamine colli sese mancipat
sancto eo pacto, ut omni annorum, dum advixerit, recursu pro reddita sospitatione persolvat,
quod vovit devotione spontanea. Ges. Heisterb. Dial. mai. 7, 38, S. 51 : tanta circa se be-
atae dei genitricis beneficia ... in tantum in illius amore accensus est, ut in quadam pau-
pere ecclesia, in eius honore dedicata, conscio sacerdote, fune collo suo iniecta, servum gle-
bae se illi super altare offerret, solvens singulis annis censum de capite suo, qualem servi
originarii solvere consueverunt. Eigentümlich, aber in diesem Zusammenhange erwähnens-
wert ist Arnold de s. Emmer. 1, 12: nobiles quidam viri [Nachkommen des Mörders des h.
Emmeram, welche diesen sich versöhnen wollten] capita cum manibus religiöse altari [sancti
Emmerammi] imponentes professi sunt se martiri perpetuos censuales.
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1220 —
Stande sehr verschiedene Bedingungen der Abhängigkeit. Doch ergiebt sich
für dieselben als Grundlage im allgemeinen das wachszinsige Verhältnis ^
Viel deutlicher aber liegt der Zusammenhang der alten Hörigkeit und der
späteren Wachszinsigkeit auf dem zweiten Entstehungsgebiete beider Formen,
in der Freilassung, zu Tage. In fränkischer Zeit hatte die Kirche, welche trotz
ihrer steten auf Befreiung der unteren Klassen gerichteten Predigt^ der ab-
soluten Freilassung keineswegs hold war^, es durchzusetzen gewufst, dafs die
Freilassung womöglich zu ihren Gunsten, unter Bindung der Freigelassenen
an Schutz und Gerichtsvertretung der Kirche, erfolgte. Auf diese Weise
^) So durchaus deutlich Lac. ÜB. 1, 9, 15, 794 — 800: matrona nomine R. et filii eins,
cum essent libere conditionis a cunctis progenitoribus suis, instinctu dei commoniti et reli-
giosorum viromm consilio inducti legitima traditione et sine omni contradictione se cum
omni successione ad altare beati Severini . . cerecensuales pro remedio animarum suarum
tradiderunt, ea tamen conditione, ut singuli huias posteritates homines, qui ad annos per-
venerint virilis etatis, singulis annis in festo praenominati confessoris duas nummatas cere
ad idem altare persolverent , pro licentia vero maritali custodi altaris 6 d. , in morte autem
uniuscuiusque viri sive mulieris 6 d. tantum etiam custodi assignarent. Vgl. femer Transl.
s. Liborii c. 28; Lac. ÜB. 1, 97, 157, 1020: quedam libera femina Meinza precibus et pro-
missis prepositi A-i et H-i advocati [des SAdalbertstifts-Aachen] cuidam Bodekino servienti
ecclesie sancti Adalberti in Aquisgrani legali matrimonio nubens liberiatem suam deo sancto-
que martyri Adalberto cum bona voluntate obtulit; et legem legitimorum servientium, qui
neque censum capitis solvunt, neque placitum alicuius advocati servant, sponte sua subivit;
et eandem legem legitimorum servientium omni propagini sue relinquens karta et sigillo tra-
ditionis sue memoriam sibi et posteris suis confirmari fecit. hec determinatio sub anathe-
mate confiniiata est a tota congregatione ecclesie, ne aliquis a legitimo iure servientium
audeat eos infringere. *0r. Koblenz St. A. ca. 1220, vgl. MR. Reg. 2 No. 1518 a: der Edle
und Freie Everard von Dorswilre begiebt sich mit seiner Familie unbeschadet seiner Freiheit
in den Dienst der Salvatorsabtei zum Dank für seine Genesung daselbst nach mehr als
SOjähriger Lähmung und verpflichtet den Ältesten seines Stammes zu jährlicher Entrichtung
von 2 Tauben oder 2 d. an die Kirche. S. auch noch MR. ÜB. 1, 151, 905, cit. oben S. 1216
Note 4; Ennen, Qu. 1, 618—9, 118, 925-36, cit. S. 1218 Note 3; Lac. ÜB. 1, 154, 239, 1086,
cit. S. 1219 Note 1; MR. ÜB. 1, 405, 1102, cit. S. 1217 Note 1; Lac. ÜB. 1, 504, 1187, cit.
oben S. 1216 Note 4, auf S. 1217. Mit dem Beginn des 13. Jhs. lassen dann freilich diese
Deditionen sehr nach ; charakteristisch ist, dafs schon bei den Heilungen am Grabe des h. Bem-
ward sich keiner der Geheilten zur Dedition verpflichtet fühlt. Aus späterer Zeit vgl. man noch
die spärlichen Nachrichten MR. ÜB. 3, 255, 1225; 1471, 1258; Hennes ÜB. 1, 428, 1323. —
Übrigens bewegte sich auch der Eintritt in den Kirchendienst in der Form der Dedition,
vgl. aus ältester Zeit schon MR. ÜB. 1, 19, 765, vom Mönche Egid in Prüm: ubi ego co-
mam capitis mei propter nomen domni deposui. Thietmar 4, 47 wird ein Mönch als altaris
(cuiusdam) servus bezeichnet, Alp. de div. temp. 1, 13 heifst es von einem Bischof: dominus
. . illum ad suam servitutem advocavit, und V. loh. Gorz. c. 45 wird Johann als Adele
Christi mancipium bezeichnet. S. auch noch Cesar. Heisterb. Dial. mai. 4, 51, und MR. ÜB.
3, 605, 1237. — Über das Herabsinken Freier zu Unfreien zur Sühne eines Verbrechens s.
Hanauer Paysans S. 134. Ein ähnlicher Fall Bd. 3, No. 178, 1349.
2) S. z. B. Lac. ÜB. 1, 34, 73, 882; V. loh. Gorz. c. 7.
^) Das betont neuerdings wiederum Foumier, AflFranchissements du 5 au 13 siecle,
Revue hist. 21, 1 ff". Man vgl. auch Regino, Gaus. syn. 1, 366.
— 1221 — Soziale Gliederung.]
entstand in fränkischer Zeit eine grol'se Anzahl von Hörigkeitsverhältnissen ^ die
absolute Freilassung dagegen verschwand allmählich gänzlich ; in unserer Gegend
reichen die Freilassungsurkunden des früheren Mittelalters nicht über die Mitte
des 9. Jhs. hinaus^. Statt dessen treten nunmehr die Freilassungsurkunden
auf Wachszinsigkeit, die ingenuitatis cartae cerariae, auf ^ ; sie sind nichts an-
deres als die Fortsetzung jener alten Freilassungsurkunden der fränkischen
Zeit zur Hörigkeit ; wie diese, so sind auch sie einziges Beweismittel der Frei-
heit *, und in ihrer Ausdehnung auf Laienkreise ^ ergeben sie sogar den einzig
gebräuchlichen Freilassungsmodus der deutschen Kaiserzeit.
Eine Änderung in dieser Lage wird sehr drastisch durch eine Freilas-
sungsurkunde zu voller Freiheit vom J. 1223 angedeutet, der ersten vollen
Freilassung, welche seit dem J. 851 innerhalb der Moselgegenden wiederum
erfolgt^. In der That war das System der Wachszinsigkeit mit dem herauf-
kommenden 13. Jh. in seiner bisherigen Durchbildung antiquiert^; und mit
ihm und seiner alten Form erstarb der letzte Nachhall der sozialen Bildungs-
fermente fränkischer Zeit, soweit die letzteren zwecks Vermittlung der grofsen
^) Darüber Fournier a. a. 0.
2) S. Testam. Grim. 633 I d: omnimodis volo, quantumciimque per tabulas vel per
epistolas seu quolibet titulo ingenuos dimisi seu et per epistolas meas ad loca saneta seu
merentibus personis contuli aut donavi, firma stabilitate permaneat. Vgl. ferner Honth. Hist.
1, 91, 698; MR. ÜB. 1, 79, 848; 81, 851. Zu grofsen Freilassungen in merowingischer Zeit
s. Roth, Feud. S. 312—313. Vgl. auch Waitz, Vfg. 5, 225; Hanauer Paysans S. 122 f.
^) Die Urkunde Lac. ÜB. 1, 38, 73, 882 heifst ingenuitatis carta ceraria. An Freilassungs-
urkunden selbst vgl. Ennen, Qu. 1, 463, 10, 942; *0r. von 1079 Koblenz St. A. (vgl. Goerz
MR. Reg. 1, No. 1460); Lac. ÜB. 1, 157, 243, 1079—89; Westd. Zs. Bd. 2 Korrbl. No. 123,
1199; s. auch Lib. aur. Epternac, cit. oben S. 1218 Note 1; MR. ÜB. 1, 83, 883, cit. oben
S. 1214 Note 5; Lac. ÜB. 1, 38, 73, 882, cit. oben S. 1216 Note 1; MR. ÜB. 1, 257, 10. Jh.,
cit. oben S. 1218 Note 1.
*) *Düsseld. St. A. Pant. Or. 31, (1200): Wachszinsige haben ihre Urkunden verloren
und bitten um Erneuerung derselben, da das Privilegium neglectum eos in gravamen indebi-
tum et errorem posset deducere. S. auch Ennen, Qu. 2, 96 — 97, 88, 1225.
■^) Diese ergiebt sich doch wohl aus Thietm. 7, 49.
^) S. oben Note 2 und nunmehr dazu MR. ÜB. 3, 204, c. 1223: comes Henricus de
Gemino-Ponte intuitu divine remunerationis et ob reverentiam ecclesie Wadegocingensis Mer-
bodonem textorem de Vrolspach ab omni exactione et vexatione et servitio, quo ei tenebatur
in iure, liberaliter absolvit, ea pia devotione, ut liberos suos, qui sunt de familia ecclesie,
liberius et quietius de cetero possit procurare. Aus späterer Zeit vgl. auch noch
Hennes ÜB. 1, 476, 1365: ich Coenraet von Schonecke der aide ritterdoen kunt . .
daz id mit minen gehenknisse und willen is, daz Rulle von Pedernache, der min
man ist und mir zogehoert, bi di Deutschen herren zo Kovelentze komt und ir broder
Wirt, und ich kein recht von ime un von sime gode und luterlich durch gods willen im-
meime gevorderen enwil, und gheven den vorg. herren Rullen vorg. vri und ledich mit
sime gode.
'^) Die letzten ihm angehörigen Urkunden der Moselgegend sind MR. ÜB. 3, 765,
1243; 1373, 1256. Nach Kindlinger, Hörigkeit S. 34 f., 717 ff. verschwänden freilich die
Wachszinsigen erst spätestens im 16. Jh. Hierzu vgl. oben den folgenden Text.
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1222 —
konstitutiven Gegensätze von unfrei und frei zur Bildung einer personalen
Hörigkeit geführt hatten.
Aber in veränderter Bildung lebte die alte Wachszinsigkeit noch weiter :
sie verquickte sich mit dem Gedanken der Vogteihörigkeit, wie ihn gerade das
13. Jh. besonders weit entwickelt hatte, und so entstand eine neue Form,
welche für unsere Gegend besonders deutlich aus einem Trierer Dokument
der Mitte des 14. Jhs.^ erhellt und sich am besten als persönliche Schutz-
hörigkeit bezeichnen läfst^.
Im Trierer Urbar des 14. Jhs. werden nämlich für die Jahre 1340 bis
1350^ 53 Fälle verzeichnet, in welchen einzelne Personen oder Familien, zu-
meist bessere Leute, Handwerker, Wirte, Krämer, Meier, Meiersanverwandte
und Hausbesitzer aus Trier und dessen näherer Umgebung, in einem Falle
auch fremde giamdherrschaftliche Unterthanen *, in den persönlichen Schutz
des Erzbischofes treten. Zu diesem Zwecke tragen sie sich, bisweilen unter
Dienstversprechen, dem Erzbischof im Beisein des Trierer Pallastschultheifsen ^
und Pallastkellners *^ auf und versprechen aufser ihren Leistungen als Landes-
eingesessene' die Zahlung eines Zinses, welcher zu verschiedenen Terminen
an den Trierer Pallast als den Haupthof der erzstiftischen Herrschaft liefer-
bar ist ^. Dieser Zins selbst besteht entweder aus Geld, gewöhnlich 5 s., aber
auch 2V2, 6, 10, 14, 15, 20 s. bezw. 1 kleinem gl, oder aus Naturalien,
Hafer, Wachs, Pfeffer und Ingwer; er kann auch dinglich radiziert werden.
Durch eine derartige Auftragung wird nun ein meist lebenslängliches, in
einigen Fällen^ auch erbliches Verhältnis begründet, welches dem Zinsmann
Exemtion von der gewöhnlichen Gerichtsbarkeit sowie Gerichtsstand vor dem
Trierer Pallast für hohe und niedere Sachen ^^ sichert. Es braucht nicht erst
betont zu werden, wie innig hier die Grundlagen der alten Wachszinsigkeit
und der modernen Vogteihörigkeit verschmolzen sind; und es scheint, als wenn
verwandte Verhältnisse auch aufserhalb des Trierer Erzstiftes nicht selten
vorgekommen seien ^^ Wie lange sich diese persönliche Schutzhörigkeit er-
halten hat, läfst sich nicht angeben ^2; da ich indes im 15. Jh. Spuren derselben
1) Unten im Anhang unter No. 1 abgedruckt.
2) Die authentische Bezeichnung eines in diesem Verhältnis gebundenen Mannes würde
etwa sein homo domino censualis ad vitam causa protectionis.
^) Nur vier Fälle, darunter die drei letzten Nummern, liegen später.
4) S. No. 43.
5) No. 44, 46.
6) No. 47, 48.
■^) Namentlich der Bedeleistung, s. No. 30, 47.
^) Nur einmal, No. 45, an den Schultheifsen von Saarburg.
9) S. No. 24, 29, 30, 43.
^^) De alto et basso: No. 44, 46, 47.
") Vgl. *BaId. Kesselst. S. 711, 1343 Apr. 2, Urk. Walrams Grafen von Zweibrücken:
vort wan uns etliche lüde, umb daz wir sie schirmden, etviel havirn globet haitten jerlichen
zu gebene . .
^2) Vorhanden ist sie wohl noch Honth. Hist. 2, 271, 1376.
— 1223 — Soziale Gliederung.]
vergebens gesucht habe^ so steht zu vermuten, dai's sie — und mit ihr die
Wachszinsigkeit — seit dem 14. Jh. endgültig ausgestorben ist. Trifft aber
diese Vermutung zu, so würde die persönliche Schutzhörigkeit als die Form
erscheinen, in welcher das alte Institut der Wachszinsigkeit zur Bildung von
persönlichen Schutzvogteien und damit zur Entwicklung eines Elementes der
sich im 14. Jh. entfaltenden Landesgew^alt ausgenutzt ward.
So scheint es denn, dal's die Wachszinsigkeit völlig im Sande verlaufen
sei, ein absterbender Zweig früherer sozialer Entwicklungen, ohne für die
weitere Standesbildung der landarbeitenden Klassen sichtbare Folgen zu hinter-
lassen.
Allein täuscht nicht alles, so scheint dem nur so. Mit der Wachszinsig-
keit hatte sich das Prinzip direkter Abhängigkeit vom Herrn, wie es für die
minderfreien Stände der Frankenzeit charakteristisch gewesen war, bis tief
in das Mittelalter hinein, wenn auch auf einen Punkt beschränkt , so doch in
eben diesem Punkte lebenskräftig erhalten. Wie wenn ihm jetzt eine be-
stimmte Strönmng in der Entwicklung der allgemeinen Grundhörigkeit ent-
gegenkam? Falls sich aus der Grundhörigkeit mit ihrer Fesselung der
Person an die Hofesverfassung und damit an das Hofding einzelne Elemente
absonderten und für sich zu existieren begannen: mufsten diese Splissen
unfertiger sozialer Bildung nicht leicht dem Grundherrn zu direkter Behand-
lung nach Analogie der Wachszinsigkeit, nur nicht in dem milden Abhängig-
keitssystem dieser zufallen? Konnte nicht auf diese Weise, in einer Analogie-
bildung schlechterer Art zur Wachszinsigkeit, eine neue Leibeigenschaft entstehen?
Schon früh begegnet innerhalb der Hofesverfassung unter dem Namen
der Präebendarii, Haistaldi, später unter demjenigen der Proprii, Capitales oder
Hovetlude, Gensuales, Censiti, Censiticii oder Zinsleute u. a. m. eine Klasse
der Bevölkerung, welche allerdings dem Bereiche eines besonderen Fronhofes
zugehört^, aber kaum oder gar nicht begütert ist^. Es sind die nachgeborenen
1) Höchstens wäre hier *Abschr. Koblenz St. A. MC. YIII Bl. 155a— 155 ^ No. 455,
reg. Goerz Regg. der Erzbb. S. 239, vom 5. Apr. 1475, anzuführen.
2) Zu dem Kamen vgl. für Prebendarius UPrüm No. 43, auch schon Cap. de villis
c. 31, und dazu oben S. 1147 ; für Haistaldus Ces. zu UPrüm S. 145 Note 3, s. oben S. 436 im
Text und S. 797 Note 6, vgl. auch Waitz, Vfg. 5, 261; für Proprius Kremer Akad. Beitr.
2, 203, 1074; Cesarius zu UPrüm S. 162 Note; fiir Hovetman oder Capitalis Cesarius zu
UPrüm S. 178 Note 1 ; für Censualis MR. ÜB. 3, 1082, 1250 ; für Censitus oder Censiticius
Westd. Zs. 2, Korrbl. 122, 1198; MR. ÜB, 3, 1351, 1256; zu Zinsmann WOlingen 1545
§ 10, wo neben Hoebsleuten Zinsleute erscheinen. Friiher hatte wenigstens das Wort Cen-
sualis einen anderen Sinn, vgl. oben S. 1214 Note 5. Zum Beweis der Hofhörigkeit vgl. die
vielfachen Citate unten S. 1225 Note 6, und zunächst CRM. 2, 211, 1264, Saynische Erbteilung:
omnes etiam fideles ministeriales et homines, cuiuscunque iuris fuerint, qui ratione patris ad
nos iure hereditario devolvi potuerunt, attinentes dominus castrorum Seine Hachenburch
Weitersberg Yresprecht et Holstein, quocunque devenerint vel ubicunque manserint ex ista
vel illa parte Reni, nobis et nostris heredibus remanebunt. similiter dicimus de fidelibus
ministerialibus et hominibus castrorum de Spanheim Dille Starkenburg et Ellenbach predicto
3) S. Seite 1224.
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1224 —
Söhne der vollberechtigten Gehöfer. Sie bleiben entweder im vollen Besitze
des Hofesherrn und sind ihm dann gegen Lebensunterhalt im Hofe zu un-
gemessenem Dienste als Hirten, Knechte u. dgl. verpflichtet, oder aber sie
kaufen sich von diesem Dienste los und wandern aus dem Hofe^ Im letzteren
Falle werden sie als Usvertige, Uswendige, Wildfänge, Extranei, Percomma-
nentes, Solivagi und anderswie bezeichnet^, dringen schon im 11. Jh. in die
Städte ein^, bleiben aber trotz Ablösung ihres persönlichen Dienstes, häufig
patri nostro hereditarie attinentibus , quod fratri nostro servient suo iure, ubicunque
manserit.
2) Zu S. 1223. Hierzu vgl. UPrüm No. 43 : sunt in prefato (? Fey) de terra iurnales 5, quos
tenent prevendarii; ferner Cesarius zu UPrüm S. 158 Note 8: haistaldi vocantur manentes in villa,
non tarnen habentes hereditatem de curia, nisi areas tantum et communionem in aquis et
pascuis; s. auch S. 156 Note 2: haistaldi appellantur homines habitantes in curiis nostris non
habentes hereditatem ex eis, nisi hareas tantum et communionem in pascuis in aquis et silvis.
Vgl. ferner UPrüm No. 24: si haistaldus (von Mehring nach Prüm) pondus portat in angaria:
kein Gespann.
^) Cesarius zu UPrüm S. 162 Note: quandocunque femine ecclesie nostre servos pro-
prios duxerint et ex illis filios genuerint, . . filii illi omnibus diebus vite sue servi perma-
nebunt nostri, qui vulgariter appellantur (h)oveiungere ; et si nobis placuerit, dabitur eis pa-
nis et vestimentum, et omnibus diebus vite sue in curiis nostris permanebunt: vel custodient
pecora vel minabunt aratrum tarn ipsi quam filii eorum. et si volumus tali servitio carere,
possiunus redemptionem ab eis accipere. S. dazu auch Ces. zu UPrüm S. 195 Note B, cit. oben
S. 781 Note 2, und aus früherer Zeit MR. ÜB. 1,406, c. 1103, Prüm: quisquis huiusmodi iuris est,
ut ad bubulcum iure possit constringi, et qui censum de capite suo persolvit, hie si extra potestatem
fugerit, vel in tali loco, ubi magister eins iustitiarn ab eo habere non potest, constiterit, advocatus aut
missus eins cum legato abbatis illuc eat et fugitivum atque rebellem ad curtim propriam constringat.
2) Zu Usvertig s. WThron, Toepfer ÜB. 1, 282; für Uswendig unten Anhang No. 2,
1467 ; zu Wildfang WMeddersheim 1514 § 12. Von den lateinischen Ausdrücken sind be-
legt Extraneus UPrüm No. 24 und URheingrafen ; Percommanens MR. ÜB. 1, 61, 835; Soli-
vagus Lac. ÜB. 1, 86, 139, 1003. Auch Absus, Ces. zu UPrüm S. 170, gehört wohl hierher.
Anderswo sind wieder andere Ausdrücke gebräuchlich, s. Bodmann, Altert. 775, ca. 1280:
Thüringer in Mainz ausgestellte Urkunde de hominibus, qui hintersedel dicuntur . . apud nos
vero eileftege lüde; vgl. dazu Bodmann S. 774. Beispiele der Verteilung und des Wanderns
solcher Hof höriger bieten MR. ÜB. 1, 61, 835: im Wormsgau in loco, qui dicitur Albulfi
villa [Albisheim] mansum videlicet indominicatum, sed et in Gouvirkhesheim necnon in
Stetin; inter prescripta loca mansi 13 cum mancipiis utriusque sexus de percommanentibus ;
UPrüm No. 45, Villance: absi homines ex nostra familia, qui infra potestatem nostram
sunt sine mansis, . . si foris potestate nostra sunt . . .; abse femine ex nostra familia, sive
inf^'a potestate nostra sint, sive extranea. URheingi-afen : hec sunt nomina illorum extra-
neorum attinentium in Swabeheim, quorum ringravius advocatus existit. Folgen 14 Namen,
deren Träger also in den Saurschwabenheimer Hof gehören. URheingrafen : der Rh. hat a comite
de Seine omnes homines pertinentes Rense ex ista parte nemoris, quod [so zu 1.] dicitur San. Es
sind wohl 26 Erwachsene. WMeddersheim 1514 § 12: wildfäng sind gleich der gemeinen
u. gn. h. hohe und niedere [erg. büß schuldig] wie ein anderer nachfar, als lang er da sitzt.
WThron, Toepfer 1 S. 282 : ein usvertig man, der da der vodien halt, der sal komen zu der
dinge eins, ist er nit ansprechich, sa mach er gaen, war er wil. Hierzu s. WBacharach, G.
2, 221 : komet ein man oder wip zo wanen in unser herren lande in die dele, man ensol
neit vragen wan er komme, wil er van dan zehn, so sal man ime helfen m des Reichs
straifsen ind sal in neit halden.
^) Kremer, Akad. Beitr. 2, 203, 1074: servi Nuxiensis opidi, omnes etiam alii ad
1225 — Soziale Gliederung.]
wohl auch unter Überwindun.u' ihrer an sich sehr geringen sozialen Würdigung ^
mit Dingpflicht und Zinspflicht dem Hofe verbunden, von welchem sie aus-
gegangen sind^.
Denn diese hofhörigen Leute, wie wir auswärtige sowohl als im Hofbereich
wohnende Mitglieder dieser Klasse zusammenfassend nennen wollen, sind im
übrigen zum Fronhofe zunächst in derselben Lage, wie die vollen Gehöfer.
Sie unterliegen der vollen Dingpflicht ^, nur dafs sie, wie es scheint, in spä-
terer Zeit die Entwicklung grundhöriger Strafgerichtsbarkeit nicht mitmachen*,
und dafs die Städte eine solche Dingpflicht in ihnen ansässiger Wildfänge
nicht immer dulden ^. Sie unterliegen auch der Zinspflicht, wenngleich natür-
lich infolge kaum vorhandenen dinglichen Zinssubstrates Zinse mit Ausnahme
des Kopfzinses nicht regelmäfsig und nie sehr umfassend vorhanden sind^'.
So tritt der Kopfzins um so mehr in den Vordergrund, zumal er nicht, wie
bei den vollen Gehöfern, im Laufe der Zeit radiziert werden kann ^ : seit dem
13. Jh. heifsen die Hofhörigen deshalb geradezu Kopfzinsleute. Der Zins
selbst ist meist nicht übermäfsig hoch; gewöhnlich beträgt er 1 bis 15 d., für
Weiber der Regel nach die Hälfte ^ ; auch wird er in einem Falle aus dem Ende
ciirtes Herd et Ucklichem pertinentes, qui proprii homines dicuntur . ., manumissi sunt et
eifecti cerocensuales ecclesiae Nuxiensis.
1) Adalb. V. Henr. c. 15: (eum) per capillos arripuit et humo tenus quasi bubulcum
vilissimum deiecit.
2) S. ]Vm. ÜB. 3, 1082, 1250.
^) S. namentlich den im Anhang unter No. 2 gedruckten Brief von 1467.
*) WKröv, G. 2, 375, cit. oben S. 181 Note 5.
5) MR. ÜB. 2, 171, 1197, cit. oben S. 869 Note 2.
^) Vgl. z. B. UPrüm No. 29, Trittenheim: haistaldus de vino mo. 5., femer WNieder-
mendig 1382, G. 2, 491, cit. oben S. 799 Note 6.
7) S. dazu oben S. 1181.
^) Vgl. UPrüm No. 103 : sunt in Deventre haistaldi 3, unusquisque illorum solvit d. 12.
Lac. ÜB. 1, 86, 139, 1003: man schenkt an Deutz tres curtes . . et quicquid ad eas per-
tinet prediorum vel mancipiorum tali traditione et pro lege, qualem nobis persolvere sole-
bant, scilicet ut vir, qui ibi solivagus dicitur, persolvat 11 d., similiter et mulier. MR. ÜB. 1,
No. 302, 1030: in (sancte Marie ad martyres) curiam [in Gondorf] spectant homines singuli
de capitali censu annuatim 12 nummos debentes. Cesarius zum UPrüm S, 178 Note 1,
Kreuzberg an der Ahr: homines illuc attinentes, qui appellantur hovetlude, alibi morantes
solvimt de capitibus suis annuatim mr. vel circa hoc ... et sciendum est, quod omnes ho-
mines, et mansionarii et capitales, quando moriuntur, [quod] curmede solvunt. UStift 417,
Niederberg bei Koblenz: homines attinentes curie N. quilibet vir solvit in censu in festo
Martini 6 d., mulier 3 d. in festo Andree. UStift 418, Ochtendunk: archiepiscopus habet
etiam ibidem homines attinentes curie, qui bona non habent de curia; solvunt censum annua-
tim, aliqui 6 d, vel minus, mulieres 5 d. vel circa hoc in festo Martini. *UPolch (SMa-
theis) Hs. Koblenz CXJaBl. 60 *: qui non est scabinus, tenetur singulis annis, videlicet ge-
sw6ren maindach post nativitatem Christi, in curia personaliter presentare 6 d., et vidua 3 d.
*Lib. aur. Eptern. in Gotha, Bl. 122 a, unter Abt Bartholomaeus : quidam homines in civi-
tate Leodicensi constituti, quorum nomina hec sunt: Philippus et Hermannus atque Richerus
cum sorore eorum Gesla necnon et progenie sua: censuales sunt beati Willibrordi, in cuius
Lamprecht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 78
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1226 —
des 12. Jhs. ausdriicklich von 15 auf 10 d. ermäfsigt^ Neben dem Kopfzins
aher galt für alle Hofhörigen die Kurmede ^ und bei unbeerbtem Todfall Heim-
fall alles Besitzes ^, auch die Heiratserlaubnis war wie bei den vollen Gehöfern
notwendig*.
In der eben geschilderten Art blieb nun die Hofhörigkeit vielfach bis
über das Mittelalter hinaus bestehen; es liegen, wie so häufig in der Ent-
wicklung unterster sozialer Zustände, Verhältnisse vor, welche sich vom 10.
bis zum 16. Jh. kaum wesentlich geändert zu haben scheinen.
Aber nicht überall hielt sich die Hofhörigkeit. Öfter wurden Fronhöfe
ohne die zugehörigen Hof hörigen veräufsert; derartige Fälle lassen sich schon
im 11. Jh., besonders aber seit dem 13. Jh. nachweisen^. Aber auch
aufserhalb solchen besonderen Anlasses haben die Grundherren spätestens seit
€cclesiam singulis annis dare tenentur d. pro quolibet capite generis ipsorum. ut autem pre-
dicti homines cum posteritate sua inviolabiliter hec observent, presens scriptum sigillo nostro
placuit corroborare, quatinus a nullo impiorum pertubentur; et si quis eis violentiam intulerit,
iram dei omnipotentis et sancti Willibrordi noverit se incursurum. Des weiteren s. noch
MR. ÜB. 1, 406, c. 1103, cit. oben S. 1224 Note 1; MR. ÜB. 2, 171, 1197, cit. oben S. 869
Not» 2, und unten No. 2 im Anhang, 1467.
1) Westd. Zs. Bd. 2, Korrbl. 122, 1198, Urkunde des Propsts Gebuin von Ravengiers-
burg: nos misericordia commoti censitic['?7is ecclesie nostre in villa, que vocatur Mengeres-
rod, et in aliis huic adiacentibus hanc gratiam concessimus per presentes, ut unusquisque
yillanus, qui omni anno solvere debuerat 15 d., dabit 10 super altare sancti Christophen, et
unaqueque femina persolvat 5; et sie liberi sint imposterum ab omnibus prestationibus et
immunes, servitiis in his exceptis. si quis autem eorum berede superstite mortuus fuerit,
dabit ecclesie nostre predicte optimum caput pecudis sui, et mulier optima vestis [!], sicut
exactum est ab antiquo, iure tarnen advocati nostri in omnibus salvo.
2) Zur Kurmede s. Cesarius zum UPriim S. 178 Note 1, cit. oben S. 1225 Note 8;
femer MR. ÜB. 2, 171, 1197, cit. oben S. 869 Note 2; Westd. Zs. Bd. 2, Korrbl. 122, 1198,
cit. oben Note 1 ; unten Anhang No. 2, 1467.
^) MGLL. 2, 284, 1231, De propriis hominibus ecclesiarum, qui ad civitates fugiunt:
si qua ecclesiarum proprium hominem habuerit, qui ad civitatem aliquam se transtulerit et
sine berede decesserit, digno suo iure eidem ecclesie non obligato, omnes proprietates ipsius
ipsa ecclesia, cuius fuisse dinoscitur, hereditet pleno iure. Dies Thema wird ferner umfassend
behandelt in der Const. in fav. princ. MGLL. 2, 292.
4) *WPolch (SMatheis), Hs. Koblenz CXIa Bl. 60 a; zum Polcher Hof gehören 23 Eigen-
leute, sie sitzen in Polch, Kochern, Brohl bei Andernach, Kobem, Münstermaifeld, Alken,
Boppard, Koblenz, Andernach. Omnes homines predicti, qui extra curiam . . matrimonialiter
contraherent sine [licentia] curtarii, prodidissent corpora et res ad gratiam curtis. Vgl. auch
Bd. 3 No. 270. § 4, 1497.
^) MR. ÜB. 1, 324, ca. 1045: Graf Kadelo giebt an das Stift partem hereditatis et pro-
prietatis, quam de chorte Prumizvelt scilicet nominata possedit et tenuit . . exceptis quatuor
suis servientibus A. D. E. F. cum omnibus illorum prediis et mancipiis, et preter eos , qui in
aliis aliorum prediis sedent, reliquos omnes ubicunque locorum essent supradicte legationi
addidit. MR. ÜB. 3, 1351, 1256 : die Abtei Laach verkauft an Gr. SMartin-Köln curtim . . et
omnia bona, que habemus in parrochia Winningen, que spectant ad ius et proprietatem mo-
nasterii nostri in Lacu, hominibus dumtaxat ecclesie nostre censitis exceptis. Aus späterer
Zeit s. noch CRM. 3, 324, 1346.
— 1227 — Soziale Gliederung.]
Beginn des 13. Jhs. die liof hörigen Leute massenhaft aus dem Hofesverband
zu ihrer persönlichen Verfügung an sich gezogen. Der Beweis wird durch
eine grofse Anzahl von Einzelfällen ^ , namentlich a])er durch die Thatsache
erbracht, dafs etwa seit dem dritten Jahrzehnt des 13. Jhs. eine ganz über-
raschende Anzahl unfreier Hausdiener in den Quellen erscheint ^i sie können
nur durch Einzelveräul'serung aus der Masse der Hofhörigen gewonnen sein.
In der That ist gerade die nunmehr bald eintretende absolute Veräufserungs-
freiheit der Grundherren gegenüber den alten Hofhörigen das charakteristische
Zeichen vollendeten Überganges^. Mit ihr verschieben sich die alten wohl
*) Vgl. u. a. URheingrafen 13. Jh. Anf. : H. habet in beneficio a ringravio omnes ho-
mines inter Wissebura et Waldaphen morantes ecclesie in Blidenstat attinentes preter hos
mulieribus suis matrimonio copulatos. MR. ÜB. 3, 26, 1214 : Reiner von Werdorf schenkt an
Wadgassen Erwinum de Wervele et uxorem suam Idam cum ipsorum liberis. Von ihren
Oütern keine Rede. *Andernach Schreinsr. No. 103, G. 1247, 1215: Johannes de Ludens-
torp una cum omni tribu sua Henri cum Vaccam proprium suum existentem Andernaci co-
ram scabinis beate Marie in Hammenroth libere eum contulerunt, et ita ut annuatim dimidiam
Ib. cere predicte conferat ecclesie. *Andernach Schreinsr. No. 128, G. 1888, 1228: D. mi-
les et P. frater eins et heredes ipsorum Gerlacum Carin, quem habebant iure hereditario
tanquam proprium, ad claustrum beate virginis in Andernaco libere obtulerunt. *Andernach
Schreinsr. No. 127, G. 1887, 1228: Radolfus et Fridericus de Bleide et sui heredes Metthil-
dim cognomine Schonam ad clau[s]trum beate virginis Marie in Andernaco monastice reli-
gionis, cum ad ipsos tamquam propria pertineret, libere obtulerunt. idem vero Metthildis
ad prefatum claustrum se et suos heredes reddidit censuales annuatim in Ib. cere. S. auch
MR. ÜB. 3, 462, 1232, cit. oben S. 869 Note 4.
2) S. MR. ÜB. 3, 218, 1223: H. sacerdos de Arweiler quoddam praedium in Bacheim
comparavit denariis suis, quod devote cum quadam puellula libere tradidit ecclesie de (Nie-
derehe). S. ferner MR. ÜB. 3, 385, 1230—31 ; 399, 1230 ; 568, 1236 ; auch Arch. Clervaux
S. 687, 1406.
^) S. Hennes ÜB. 2, 309, 1290: Wilhelm von Inne schenkt an das Deutschordenshaus
Saarburg quinque s. censuum Metensium d. annuatim super quodam prato sito in Breiden-
bach, quod iacet iuxta Enkenroit, quod est meum verum allodium, quod habet a me Isen-
bardus et Irmengardis eins uxor ac ipsorum heredes de Breidenbach predicto iure heredi-
tario, tanquam veros census in perpetuum possidendos; ac etiam contuli predictis commen-
datori et fratribus predictum Isenbardum meum hominem ipso iure, quo michi servire sole-
bat. S. ferner Bd. 3, 91, i f., 1291; Geschlechtsregister Isenburg usw. Urk. S. 101, 1306;
Bd. 3, No. 105, 1323; No. 166, 1345 ; Guden. CD. 2, 1140, 1348. Aus späterer Zeit s. auch noch
*Abschr. Koblenz St. A. Adel v. Bicken, 1410 November 30, inseriert in den Belehnungs-
brief des Erzbischofs Otto v. Trier von gleichem Datum, der den Schnitt für den Pergament-
streifen des Siegels trägt, aber nie besiegelt worden ist, vgl. Goerz Reg. der Erzb. S. 148:
ich Gerhart von Bicken dun kunt allen luden: als seliger gedechtenis der erwirdige her
Wemher etzwan erzebuschof zo Triere , dem got gnedich sin wille , etzwan Robine von
Bicken mime vatter selige gegeben und geluwen hatte bis an sin siner nakomen und stifts
widderrufen Stinen von Wulterode mit aller der geburte, die von der vurg. Stinen komen
muchte und gekumen ist, welche frauwe vurg. dem stifte von Triere von doede mins seligen
vatters angefallen und mit irme gepoete ledich wurden waz : bekennen ich uffentlich an disme
brieve, daz der erwirdige in got vatter und herre her Otte erzebischof zu Triere min gne-
diger lieber herre mich von besundern sinen gnaden begnadiget und mir die vurg. Stine mit
alle irme gesiechte, daz von ir komen ist und komen wirdet, von nuwes zu rechten manlehen
geluwen halt, und ich han si auch itzunt liflich von dem vurg. mime gnedigen herren in
78*
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1228 —
konsolidierten Verhältnisse; schon in der zweiten Hälfte des 13. Jhs. sehen
wir Scharen ehemals hofhöriger Leute in fremden Besitz gelangt und fast
vogelfrei behandelt. In einer Sühne zwischen dem Wildgrafen Konrad und
dem Grafen Gerlach von Veldenz vom J. 1259 heifst esM nos [Konradus]
homines beati Eemigii, ubicunque locorum in nostra iurisdictione fuerint com-
morantes, quos actenus habuimus, dicto G. reddidimus, ut de cetero sibi et
suis heredibus attineant, exclusis tantum hiis, qui in die beati Andree, quo
concordia est effectui mancipata, in villa Uffinbach fuerant residentes ; excluso
etiam Petro de Kirwilre, qui nostro et heredum nostrorum sunt et erunt,
quamdiu vixerint, dominio attinentes. nee prefati de Uffinbach et de Kirwilre
homines nostri cum hominibus dicti G. matrimonio se coniungent, nee eiusdem
homines prefati G. se coniungent, ut predictum est, cum nostris hominibus
prenotatis; sed si fecerint, nos de nostris et G. de suis capiemus emendam,
prout nostre placuerit voluntati. item homines sancti Maurizii, quos erga Eck-
bertum de Eibolskirchin comparavimus , sine aliqua diminutione donavimus
nepoti nostro G. supradicto.
Mit dieser Loslösung vom Hof wurden natürlich auch die alten Benen-
nungen der Hof hörigen unpassend ; es stellen sich nunmehr andere ein, welche
vereinzelt schon seit Beginn des 13. Jhs., dreister seit etwa dem dritten und
vierten Jahrzehnt dieses Jhs. den Begriff eigenhörig umschreiben-, bis dann
mit der Wende des 13. und 14. Jhs. der dem neuen Verhältnis entsprechende
Ausdruck leibeigen mehr oder minder sieher gewonnen wird^.
sin siner nakomen und Stifts wegen entphangen und entphain an disme brieve mit truwen
hulden eiden und diensten, als sulicher lehenne und dez stifts von Triere recht und gewon-
heit ist.
1) MR. ÜB. 3, 1507, 1259.
2) Es findet sich tanquam proprius domini *Andernach Schreinsr. No. 127, G. 1887,
1228; 128, G. 1888, 1228; proprius domini *Andernach Schreinsr. No. 103, G. 1247, 1215;
attinens domino, attingens dominum URheingrafen 13. Jh. Anf.; CRM. 2, 285, 1277; Bd. 3,
128, 30, 1323; 494, i, 1324; 523, 22, 1346; angehörig WKröv, G. 2, 375, cit. oben S. 181
Note 5; WBreisig 1363, cit. oben S. 765 Note 1; iure proprietatis attinens domino Bd. 3,
96, 8, 1291; allodialiter seu iure proprietario pertinens domino Bd. 3, 194, 9, 1345; homo
domini Cod. Salm. 139, 1320, cit. oben S. 868 Note 3 ; lüde des Herren *Lib. aur. Epternac.
Bl. 134 Gothaer Bibl. : Heinricus advocatus in Waldorf habet in feodum homines of dem
Hontsrucke nominatos sent Willibrords lüde, s. auch MR. ÜB. 3, 1507, 1259; Cart. Claire-
fontaine 180, 1378, cit. oben S. 923 Note 4. Doch bezeichnet der Ausdruck homo noster
an sich kein Eigentum, da er auch vom Lehnswesen gebraucht wird, s. z. B. MR. ÜB. 3,
472, 1232; Hennes ÜB. 1, 227, 1273, beide cit. oben S. 888 Note 1. Zum Ausdruck eigen
lehnman s. WPeterswald 1512, G. 2, 418, cit. oben S. 1031 Note 3.
^) Vgl. schon MR. ÜB. 3, 674, 1240 : ein Ritter in Boppard schenkt an Marienberg
cum pleno dominio quicquid iuris habebam in filiabus Gerlaci de Seiewege in Campe, Ger-
tnrde videlicet Odilia Bertheide et Methilde, quas iure proprietario tamquam verus dominus
quiete tunc possidebam. Attinens cum corpore findet sich in einer Urkunde von SPeter-
Mainz schon 1289, Kindlinger, Hörigkeit S. 4. S. ferner Kindlinger S. 337, 1299: zu Lutz
ein scholtheiß, de si [die Frau Lise von Schöneck] anehorit mit dem live. Bd. 3, 155,
17, 1333 spricht dann von eigenluden, und Guden. CD. 2, 1128, 1352, Olbrück, von leib-
— 1229 — Soziale Gliederung.]
Denn jetzt war die alte Klasse der hofhörigen Leute allerdings leibeigen
geworden, und man schied sie demgeniäfs sehr genau von der Klasse der
Grundholden (servi): das 13. und 14. Jh. hat die Ausdrücke attinere iure
proprietatis und attinere iure servitutis wohl auseinander zu halten gewufst^
Dieser neuen Lage entspricht denn auch ein neues Recht und andere Pflichten.
Die Zinse der leibeigenen Leute wachsen allmählich zu bedenklicher Höhe, es
finden sich z. B. schon im J. 1320 einmal 20 s., 1 mir. Roggen und 1 mir. Hafer ^
Dagegen konnte in Ausnahmefällen die Kurmede fehlen^. Nocli mehr a])er
veränderte sich die Dingpflicht der ehemals Hof hörigen. Sie wurden nunmehr
zu einem besonderen Dingvolk unter dem Leibherren — also ganz analog den
Wachszinsigen — formiert, mit eigenem Recht und eigenen Gerichtstagen.
Über das Nähere unterrichtet keine Quelle gegenständlicher wie eine Münster-
maifelder Aufzeichnung aus der ersten H. des 14. Jhs.*. Est notandum,
heilst es hier, quod omnes supradicti homines ac omnes ad . . preposituram
pertinentes tenentur venire in die sancte Katherine virginis [November 25]
ad curiam prepositure infra muros Monasterienses, et eadem die ibidem iudicio
dicto dink interesse et satisfacere, videlicet masculi dicti vulgariter homines
sancti Martini quilibit 6 d. exceptis scabinis, et mulieres 3 d. vidue vero 2 d.
cum ob.; homines autem nuncupati in vulgo homines sancti Severi masculus
7 d. , mulier 1 pullum. et si non satisfacerent de censu predicto ipsa die
Katherine, tunc sine emenda possunt satisfacere usque in diem lune post nati-
vitatem domini dictam gesworen maindach, quando secundum dink presidetur;
et si usque tunc non satisfecerunt, tunc cediderunt in penam 20 d. unusquis-
que hominum predictorum, et illa pena duplicatur usque feriam secundam
post pascha, quando fit secundum dink, necnon triplicatur feria secunda^ post
nativitatem beati lohannis, quando fit tertium dink, et extunc si non satis-
fecerit nec^ gTatiam . . prepositi obtinere meruerit, tunc scultetus . . prepositi
ponet eum in penam, que dicitur gevrönit, et extunc potent prepositus et of-
ficiatus suus manus apponere ad corpus et res; et si non posset eum attingere
lieber Zugehörigkeit; vgl. auch Bd. 3, 194, 9, 1345: homines ad dominum allodialiter seu
iure proprietario pertinentes cum omnibus eorundem hominum successione rebus corporibus
atque bonis, sowie auch CRM. 3, 324, 1346: lüde, die uns nu von irem libe sunderlichen
angehorent. Der direkte Ausdruck leibeigen findet sich an der Mosel wohl nicht vor Schlufs
des 15. Jhs., s. Bd. 3, 300, 25, 1497. Kindlinger, Hörigkeit S. 179, kann den Ausdruck auch
ganz allgemein nicht vor 1483 nachweisen; in Westfalen erscheint er zuerst um die Mitte
des 16. Jhs. (a. a. 0. S. 3 f.), und in den Luxemburger Weistümern kommt er, so viel ich
gesehen, gar erst im WSchönfels 1682 zum erstenmal vor.
1) Vgl. Bd. 3, 96, 4, 1291 mit 494, 5, 1324.
2) Cod. Salm. 139, 1320, cit. oben S. 868 Note 3.
3) WTholey 1587, G. 3, 787.
*) *UMünstermaifeld Hs. Koblenz CXIa Bl. 15 b, CXI^ Bl. 18a, s. oben S. 1032
Note 3. Vgl. dazu auch Bd. 3 S. 523 c, 1346.
^) In Hs. B. durchstrichen und übergeschrieben quarta.
6 Hs. B. Bl 18K
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1230 —
propter distantiam vel potentiam, timc anno finito et revoluto . . officiatus
domini . . archiepiscopi, si requiratiir ex parte . . prepositi, iudicium faciet et
habebit unani partem, prepositus vero duas partes emendamm^ ^Et est
sciendum, qiiod omnes homines, tani masculi femine quam scabini, quilibet
eorumdem tenetur unum d. in ultimo termino videlicet feria secunda^ post
lohannis, qui dicitur luitdink*, et ex illis denariis dantur cellerario domini
Treverensis 3 s. et 6 d. in recognitionem iudicii prenotati. Est etiam sciendum^
quod . . officiatus prepositure tenetur . . preposito de dictis hominibus in die
sancte Katherine virginis unam mr. et cuilibet probende Monasteriensis ecclesie
unum pullum in carnisprivio.
Derartige Einrichtungen, wie wir sie hier in Münstermaifeld getroffen
finden, waren aber natürlich nur da möglich, wo ein gröfserer Stock von Leib-
eigenen vorhanden war; wo dieser fehlte, scheint einfach die Disziplinargewalt
des Herrn wie einst in fränkischer Zeit eingetreten zu sein. Nun war es den
Eigenleuten allerdings möglich, diese so wenig sichernde Dingpflicht abzu-
kaufen, und es scheint in der That nicht selten zu ihrer Ablösung gekommen,
zu sein-^, aber immer blieben doch solche Abkaufe im ganzen unwirksam,
vielmehr bildete sich seit spätestens dem 13. Jh. eine fluktuierende Masse
wirklich leibeigener Leute aus.
Und w^as schlimmer war, diese neugebildete Klasse gewann Einflul's auf
die alte Grundhörigkeit. Mit dem Verfall der Fronhofsverfassung waren die
alten Gehöfer seit der Wende des 12. und 13. Jhs. gewifs nicht selten des
Schutzes entkleidet, welchen ihnen das Hofding für die Integrität ihrer Rechts-
stellung auch anderen Ständen und fremder Gewalt gegenüber geleistet hatte.
Und keine neue Form autonomen Schutzes trat an diese Stelle. Was lag
näher, als den einzelnen Gehöfer aus den Trümmern der alten Fronhofsver-
fassung herauszuziehen und als direkt an die Person des Herrn gekettet in
Anspruch zu nehmen ? Wo aber dieser Weg eingeschlagen wurde, da bestand
1) Hs. B. fügt hierzu auf Bl. 19^ hinzu: propter quod preco sive nuntius dicti
sculteti Monasteriensis habet quolibet anno ab ipso preposito 1 mir. siliginis et 1 mir. avene
in Kailthe; de quibus solvit Johannes |de Kailthe filius Theoderici multoris 6 sum. siliginis
et 6 sum. avene de bonis suis ibidem, videlicet de uno agro continente iurnale unum et
quartam partem iurnalis dictum Broilrestucke situm supra Eodilbergh.
2) Am Rande dieses Paragraphen in Hs. B.: Presedi ego Nicolaus de Cussa pre-
positus 1439 in die 2 iulii que fuit 2a 4* feria post lohannis.
^) Hs. B. durchstrichen, darüber quarta.
*) Hs. B. setzt zu hora nona.
s) Hs. der Trierer Stadtbibl. 1486, vgl. Wyttenb. u. Müller G. Trev. 2 Animadv. S. 17,
1456: item sal man keinen man in den rait zu Trier inholen, der einichen heren junkeren
oder herrschaft von eigenschaft wegen verbunden si oder sich von sine heren abgekauft habe
vermitz zins krit peffer mass geld oder dienst, das er mit sime libe geben muesse. Kind-
linger, Hörigkeit S. 727, 1602: Abkauf aus kurpfälzischer Leibeigenschaft gegen Heraus-
gebung von 3 fl. per 26 albus und der gebürlichen Tax. Doch mufs in jedem einzelnen Fall
der Kurfürst gefragt werden.
— 1231 — Soziale Gliederung.]
die Gefahr der Yerwechselimg oder wenigstens der dem Verfahren gegenüber
den eigenhörigen Leuten analogen Behandlung.
In der That weisen eine Reihe von Symjjtomen seit etwa dem vierten
Jahrzehnt des 13. Jhs. auf eine Entwicklung in dieser Richtung. Alte Grund-
holde werden unter willkürlicher Aufhebung der Adscriptio glebae veräufsert^
ja im Beginn des 14. Jhs. glaubt man gelegentlich die Thatsache der Adscriptio
besonders, als wäre sie eine Ausnahme, betonen zu müssen^. Seit dieser
Zeit aber macht die Verquickung von Grundholden und Eigenhörigen auch in
der sozialen Wertschätzung bemerkenswerte Fortschritte. In Urkunden, welche
über Gnmdholde handeln, tritt eine Terminologie auf, welche man bisher nur
in Urkunden über Eigenhörige zu vernehmen gewohnt war, selbst da wo sie
etwa noch mit Grund und Boden übertragen werden ^ ; und allmählich gewöhnt
man sich daran, auch die Grundholden als Leibeigene anzusehen und zu be-
zeichnen. Abgeschlossen liegt dieser Gebrauch freilich erst aus dem 16. Jh.,
nach der Zeit der grofsen Bauernunruhen, vor*; nunmehr findet er sich bis-
weilen sogar füi' Vogteileute ^. Mit diesem Verfall sozialer Wertschätzung der
Grundholden bleiben aber auch materielle Folgen nicht aus; namentlich zwingt
man den Grundholden Fronden auf, welche bis dahin als unerhört galten^.
^) MR. ÜB. 3, 1011, 1249: Mechtild Gräfin von Sayn schenkt an Herchingen ciirtim
nostram in Man(u ?)chenrode cum nemoribus et ceteris attinentiis exceptis hominibus. CRM.
2, 285, 1277, Urkunde der Familie von Wildenberg: nos unanimi consilio . . Wenzonem
cnvülaniim in Nova-curia et Hedewigim uxorem suam legitimam cum liberis eorum homines
hactenus nobis liberaliter attinentes domno Theoderico preposito et conventui in Ravengirs-
burg tam pro remedio animarum nostrarum quam hereditatis nomine cum Ernesto nepote
nostro liberaliter dedimus perpetuo possidendos et habendos. Vgl. auch schon MR. ÜB. 3,
361, 1228.
2) Vgl. die Urkunde vom J. 1319 über die besessen lenlude in Bd. 3 No. 96, und
dazu Bd. 3, 494, 2, 1324.
3) Vgl. z. B. Bd. 3 No. 125, 1332.
*) So behandelt z. B. das WEsch § 2 die Ausdrücke eigenschaftleut , inwohnder und
eigenleuth als identisch, und im WPleizenhausen 1582, G. 2, 188, werden die Hofleute gar
als ,Niedereigentumb' bezeichnet. In ähnlicher Weise wechseln im WMatzen 1544 § 3, 15
und 17 die Ausdrücke arme underthaene, arme leute und unerthane, arme angehorige uner-
thaene leute für dieselbe Klasse der Grundholden. Vgl. auch noch die Linsterer Herren-
erklärung 1552, Hardt S. 447 — 451, und WGreisch 1583 § 2: erkennen mir eigenschaftleut
zu sein mit leif und gut, mit ploch und wagen zu froenen, und die underthanen sich ab-
zukaufen, wie in anderen herschaften.
^) WTholey 1584, G. 3, 766. Dagegen unterscheidet z. B. der Erblehenbrief von
Wiltz, 1631, ganz konsequent zwischen leibeigenen Schaftgütern und Freischaftgütern, wie
auch zwischen Grund- und Lehnherr und Grund- und Schaftherr.
^) S. z. B. Wiltzer Erblehenbrief 1631, § 15: und sein alle die in denselben dorferen
inwohnende undertanen meistenteils leibeigenleut und etzliche allerlei frönden, so oft und
dick sichs gebürt und sie geboten wurden, auszurichten verpfligt und underworfen . . . wie
ingleichen, wenn sie zur jagd geboten werden. Diese Fronde hier zum erstenmal in den
ganzen Luxembiu-ger Weistümem. Vgl. ferner WHeimbach 1602 oder 1603. Besonders
lehrreich ist aber WSchönfels 1682. Es handelt sehr ausführlich über die Fronden der
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1232 —
Welches aber war die innere Kraft, welche diesen Verfall bewirkte?
Sie ist, abgesehen von der Bedeutung anderer später anzuführender Er-
scheinungen, zum guten Teile, vielleicht überwiegend, in der drückenden Aus-
gestaltung der Eigenleute zu einem ländlichen Proletariat zu suchen, welches
an den Kräften der Grundholden nagte und sie schliefslich mit sich ins Ver-
derben hinabzog.
Die Entwicklung in dieser Richtung läfst sich auf Grund der uns vor-
liegenden Prämissen und mit Zuhilfenahme einiger weiterer Erörterungen un-
schwer zeichnen, sobald man dem Charakter ländlicher Entwicklungsreihen
Rechnung tragend sich entschliefst, ihre Wurzeln über Jahrhunderte rück-
wärts zu verfolgen.
Täuscht nicht alles, so war die Zahl der Unfreien und Minderfreien am
Schlufs der Völkerwanderung in Deutschland keine allzu gTofse ^ Sie kann
auch bis in die Höhe der Karolingerzeit, wenigstens so weit es sich direkt
um Unfreie handelt, nicht übermäfsig gewachsen sein, anderenfalls wäre die später
einsetzende freiheitliche Entwicklung zur Grundhörigkeit durch einfachen Zuschufs
wenn auch immerhin zahlreicher freier Elemente nicht erklärlich. Aber nun-
mehr freilich, spätestens seit Ende des 8. Jhs., nahm die abhängige Bevöl-
kerung des platten Landes ganz aufserordentlich zu. Ein sehr beträchtlicher
Bruchteil der Altfreien verschmolz mit den bisherigen Minder- und Unfreien
um die Wende des 9. und 10 Jhs. zum Körper der Grundholden, und die so
entstandene abhängige Gruppe vermehrte sich in der Folgezeit noch sehr durch
die markhörigen Leute und schliefslich durch die Vogteileute.
Da fragt es sich nun, mit welchen Besitzmitteln die ländliche Bevölkerung
des 9. Jhs. in diese Entwicklung der deutschen Kaiserzeit eintrat, welche
schliefslich mit fast voller Einbeziehung aller Landwirte in die Grundhörigkeit
oder in ein dieser korrektes Verhältnis endete.
Der individuale Wirtschaftswettbewerb, wie er in unseren Gegenden
wesentlich seit dem 6. Jh. durch Änderung der Gesetzgebung auf dem Gebiete
des Immobiliarrechtes entfesselt wurde, hatte sich vornehmlich auf die ver-
mehrte Besiedlung des Landes geworfen. Man teilte die alten Hufen noch nicht ;
die Erscheinung, dafs jüngere Söhne neben dem ältesten Erben auf der Hufe des
Vaters sitzen blieben, war noch ungewöhnlich ^ ; diese Söhne zogen in den Wald.
Derartigen, von Generation zu Generation der Vermehrung der Bevölkerung pro-
portional wachsenden Angriffen hielten aber leicht zugängliche und gut lohnende
Waldbestände nur bis in die frühere Karolingerzeit hinein ausgiebig Stand. Seit-
dem war die Rodung im ganzen und grofsen schon mit Kapitalaufwendungen
Schönfelser Eigenleute — hier auch in den Luxemburger Weistümem zum erstenmal das
Wort Leibeigenschaft, s. oben S. 1228 Note 3 — : bei vielen Paragraphen befindet sich eine
AUegation des Grundherrn, die meist die Frohnden verschärft angiebt.
^) S. dazu V. Inama, Wirtschaftsg. 1, 70. Anders in Frankreich, s. Guerard, Irmi-
non 1, 358.
2) Vgl. u. a. auch Ed. Roth. 167, MGLL. 4, 38.
— 1233 — Soziale Gliederung.]
verknüpft, deren Höhe nachgeborene Söhne wenig- bemittelter Gemeinfreier von
einer Beteiligung am Ausbau ausschlofs. Diese Söhne blieben darum, wenigstens
teilweis, daheim, und somit begann die Zersplitterung der alten Hufen. Und
mag sie auch de facto durch Vermeidung von Realteilungen noch um
eine oder die andere Generation aufgehalten worden sein; im 9. und 10. Jh.
bestand sie und tiitt in den Urkunden offen zu Tage.
Nun waren aber die meisten alten Hufen in dieser Zeit in einer oder
der anderen Weise schon in grundherrliche Verbände getreten oder drohten
wenigstens in dieselben hineinzugeraten; die geschilderte Entwicklung wurde
also unmittelbar für die Grundhörigkeit bedeutsam. Inwiefern dies der Fall,
das läfst sich aus dem Quellenmaterial des 9. und 10. Jhs. glücklicherweise
noch einigermafsen erkennen, denn eben dieser Zeit gehören eine Reihe von
Urkunden an , welche über die Anzahl der auf je einer oder einigen Hufen
sitzenden Grundholden wenn auch nicht stets zweifellos berichten ^ Da ergiebt
^) Ich stelle im folgenden das gesamte vorhandene Material chronologisch zusammen.
ME. ÜB. 1, 76, 762: unter 36 Unfreien 23 Männer, 18 Frauen; MR. ÜB. 1, 44, 806, auf
einem Mansus ein Servus, s. dazu Neugart, CD. Alam. S. 71: casatum unum cum hoba sua,
dagegen Trad. Lauresh. 1094: mansum, ubi tres homines manere possunt. Im MR. ÜB. vgl.
weiter Bd. 1, 52, 820, cit. oben S. 868 — 364 im Text: mansa duo et manentes duodecim, es
werden aber 18 Familien aufgezählt, nur ist aus einer der Mann gestorben. Bd. 1, 55, 828:
7 Manzipien (8 Männer und 4 Frauen) wurden gegen 14 (11 Männer und 3 Frauen) getauscht.
MR. ÜB. 2, 20, 832: auf 3 Hufen in Matzen 3 Manzipien (2 m., 1 weibl.) mit 6 Kindern
(8 m., 8 weibl). Lac. ÜB. 1, 22, 46, 884: an der Ruhr 2 Mansi mit 5 Manzipien his
nominibus Unina, Sigifrid, Radgis, Ratruut, Frithuric. MR. ÜB. 1, 64, 836: zu 7 Hufen
58 Manzipien (80 m., 28 weibl.), also auf die Hufe ca. 8,25 (4,25 m., 4 weibl.). MR. ÜB.
1, 58, 844: im Bitgau vermutlich 1 Curtilis und 8 Hufen mit 9 Familien in 88 Personen,
nemlich 32 erwachsenen und 56 unerwachsenen. MR. ÜB. 1, 83, 858: (1 Mühle und)
12 Hufen mit 90 Manzipien (ca. 50 m., ca. 46 weibl.), also auf die Hufe exkl. Mühle ca. 8
(4 m., 4 weibl.). MR. ÜB. 1, 89, 855: das Benefiz Albrichs besteht aus 2 mansi cum octo
iugeribus in Hoffelt und Barweiler w. Adenau, und 22 mancipia utriusque sexus et etatis
desuper residentia vel illuc pertinentia. CRM. 1, 3, 855: zur Sinziger Kapelle gehören ex
una ripa fluminis [Are] mansus IV2 et ex altera medius, cum domibus etc.; dazu 4 männ-
liche mancipia, necnon et alia mancipia utriusque sexus atque censuales homines ac cereariz
ibidem aspicientes. MR. ÜB. 1, 93, 856: ein Bifang bei Ottenheim mit 14 Manzipien (2 m.,
12 weibl.), wohl 2 Familien. MR. ÜB. 1, 108, 867: in Wanlo bei Erkelenz inter silvam et
terram bunnaria 54 cum mancipiis 3 (1 m. , 2 weibl.) und 10 Kindern; Mann, Frau und
7 Kinder, Schwester des Mannes mit 3 Kindern. Ebd. in Boslar und Jülich 2 Hufen mit
4 Manzipienfamilien nebst Kindern; doch ist der Text verderbt. MR. ÜB. 1, 112, 870:
bei Aachen 2 mansa und terra indominicata, dazu 2 Familien Unfreie. MR. ÜB. 1, 119, 881,
Waldhausen, Amt Weilburg: 1 casa indominicata mit IV2 eingefronter Hufe, darauf 6 Man-
zipien (4 m., 2 weibl.) mit 11 Kindern; 2 Ehen zu 7 bez. 4 Kindern. MR. ÜB. 1, 120, 886,
Remagen: 25 mancipia censualia (15 m., 10 weibl.), dabei 8 Parteien Kinder; ebd. Vilipp:
9 mancipia censualia (2 m., 7 weibl.) und 10 Kinder, nemlich 2 Ehen mit 1 bzw. 2 Kindern,
eine Frau mit 8, eine Frau mit 4 Kindern ; diese mancipia censualia sind aber Wachszinsige
oder Hofhörige. — MR. ÜB. 1, 153, 909: in Bui'meringen 247 iugera de terra arabile mit
23 Manzipien (10 m., 7 weibl.) und 10 Kindern, also auf 1 Mann ca. 15 iugera; und in
Efslingen 216 iugera mit 27 Manzipien (15 m., 12 weibl.) und einer Anzahl Kindern, also
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1234 —
sich denn allerdings gegenüber der Thatsache, dafs sich im 9. Jh. noch öfter
unbesetzte (pfleglose) gmndherrliche Hufen finden^, eine schon recht weit
vorgeschrittene Anhäufung der grundhörigen Bevölkerung auf den ein-
zelnen Hufen: neben selteneren Fällen, in denen je eine Familie und eine
Hufe sich decken, steht die ziemlich häufige Erscheinung, dafs auf eine
Hufe je sechs, ja je acht erwachsene Grundholde kommen, Ziffern, welche
auf 1 Mann ca. 14 iugera. Cardauns, Rh. ürkk. 1, 338, 922 : 1 Hufe in Flodorf bei Zülpich
mit 1 Servus. Lac. ÜB. 1, 48, 87, 927: 30 mansi cum totidem mancipiis utriusque sexus ea
inhabitantibus. MR. ÜB. 1, 173, 936: in Marienflofs bei Bolchen (Ardennen) mansum indo-
minicatum cum terris indominicatis, ubi possunt seminari 148 mir. annone, et duobus pratis
indominicatis ad 30 carr. feni, et alios mansos serviles 4V2, et quicquid ad eundem mansum
indominicatum pertinere videtur in pratis etc., et mancipia utriusque sexus 26. Cardauns,
Rh. Urkk. 1, 342—3, 941: mansa laetilia 3 cum 3 servilibus et 5 hominibus ea inhabitan-
tibus. Ennen, Qu. 1, 462, 10, 942: in Merlesheim (Zülpichgau) ein praedium mit 7 Unfreien
(6 m., 1 weibl.), einer der Männer cum duobus parvulis pueris. Lac. ÜB. 4, 604, 945: in
villa Reinsa [Rhens] nominata ecclesiam 1 cum 27 mancipiis et insuper 8 hominum beneficia,
de prato ad duas carr. cum arpennis 6 ac 9 particulis arpennarum. MR. ÜB. 1 , 184 , 946 :
12 mansi in Boewingen (Luxemburgische Ardennen) mit 15 mancipia utriusque sexus ent-
sprechen 9 mansi mit 12 mancipia utriusque sexus in Lens in der Auvergne. MR. ÜB. 1,
199, 955: in zwei Dörfern der Grafschaft Ivois 2 mansi indominicati mit 6 appendices (dazu
noch ein Weinberg, eine Mühle und Wald für 100 Schweine) und 27 Manzipien (12 m.,
15 weibl.) mit 37 Kindern (also im ganzen 64, nicht, wie die Urkunde zählt, 66 Seelen),
darunter 9 ganze Ehen mit 0. 0. 1. 1. 2. 4. 5. 6. 7 Kindern. MR. ÜB. 1, 206, 960: ein
Mansus in Mamern cum ancilla A. et [3] filiis. MR. ÜB. 1, 220, 964, Leuken im Saargau:
airalis von 73 Morgen mit 7 Manzipien (5 m., 2 weibl.), darunter zwei volle Ehen. Ebd.
6 Hufen mit 14 Manzipien (8 m., 6 weibl.), darunter 6 volle Ehen. MR. ÜB. 1, 260, 989,
Oeren: 14 Manzipien (8 m., 6 weibl.) mit 21 Kindern, darunter 4 Ehen mit 2. 2. 4. 4 Kin-
dern, 4 Frauen mit 1. 2. 2. 4 Kindern, 2 Frauen, quae adhuc sunt absque liberis. — Lac.
ÜB. 1, 101, 162, 1027: 12 mansos et 24 mancipia. Lac. ÜB. 1, 145, 224, 1073—75: ein
Mansus, quem quidam Bemhardus nomine tunc inhabitabat et mancipia 11 numero, nemlich
Ozo et Alvecha cum propagine filia filiorumque suorum. Lac. ÜB. 1, 146, 225, 1073 — 75:
eine Hufe cum uno homine. Lac. ÜB. 1, 146, 127, 1073—75 : 2 Hufen in Deutz mit 5 Man-
zipien, nemlich Guso mit seiner Schwester Goza und seinen 3 Töchtern. UlMettlach No. I
Ende 11. Jhs.: 2^/2 mansi una cum mancipiis supersedentibus werden an Mettlach geschenkt.
Es sitzen darauf W. et uxor eins; B. et G.; E. et E.; R. et R.; W. B. et omnes, qui de
eorum progenie provewiwn essent. 4 Familien, 2 Unverheiratete: fuerunt autem eadem die
de progenie supradict^ familie 33 anime, de quibus . . dominus (donator) sibi duos excepit,
Williman et Mania. Williman licentia domini sui postea accepit uxorem de familia sancti
Petri et permansit cum ceteris. — Lac. ÜB. 1, 168, 261, 1102: 4 mansi cum 8 mancipiis.
MR. ÜB. 1, 558, 1150: Bestätigung des Erzbischofs Albero für die Ordnung der Schiffen-
burger Eigenleute. Es sind 47 Männer, 47 Frauen und 19 Kinder, von ihnen sitzen 8 M.,
3 F. in Linden bei Giefsen, 9 M., 16 F. in Leikestern, 5 M., 2 F. in Hagen, 2 M., 3 F. in
Husen, 1 M., 3 F., 4 K. in Wetzlar, 2 F. in Mulenheim, 1 M., 1 F. in Werhtorf, 3 M., 3 F.,
4 K. in Girmes, 1 M. in Bukenheim, 1 M., 1 F., 6 K. in Rockenberg, 1 M., 1 F., 5 K. in
Happershovon, 5 M., 6 F. in Burchardesvelt, 2 M. in Dorffe, IM., 1 F. in Blasbach, 2 M.
in Dodenhovon, 2 M. in Wisecho, 3 M., 5 F. in Liehe. UlMettlach No. XVI 13. Jh. Anf.:
1 mansus in Losheim, darauf 5 mancipia : B. et frater suus R. et mater ipsorum cum duabus
filiabus suis.
') S. u. a. oben S. 722.
— 1235 — Soziale Gliederung.]
nach der Zähl weise der Urkunden eine Besetzung mit je drei oder vier Familien
andeutend Und das alles, obgleich die Kinderfrequenz innerhalb der Ehen an-
scheinend nicht hervorragend ist ^, wenn auch neben ihr ein aller Wahrscheinlich-
keit nach sehr hoher Prozentsatz unehelicher Kinder steht. Denn die vielen für
sich stehenden Mütter, welche in den Urkunden vorkommen, sind schwerlich stets
oder auch nur überwiegend Witwen, vielmehr ist bei ihnen aulsereheliche
Konzeption anzunehmen : fiihrt doch eine Urkunde vom J. 964 ganz naiv neben
derartigen Frauen zwei andere Mädchen ein, quae adhue sunt absque liberis.
War dies nun der Status des 9. und 10. Jhs., wie er aufserhalb der
S. 1233 Note 1 angeführten Einzelnachrichten namentlich auch aus einigen genauen
Angaben des Prümer Urbars erhellt, nach welchen gegen Schlufs des 9. Jhs.
ein sehr bedeutender Prozentsatz aller Hufen sogar in den Ardennen schon
zersplittert erscheint^, so konnte man der Entwicklung etwa vom 10 Jh. ab
nicht ohne schwere Befürchtungen entgegensehen. Mag nun die absolute Ver-
mehrung der Bevölkerung ganz oder nur annähernd in den oben S. 163 be-
rechneten Prozentsätzen vor sich gegangen sein, jedenfalls müssen wir vom
Beginn der Ottonenzeit bis zum Beginn der Stauferzeit mindestens eine Ver-
doppelung der nunmehr durchaus überwiegenden grundhörigen Bevölkerung
annehmen ; und der agrargeschichtliche Ausdruck dieser Thatsache liegt um die
Mitte des 12. Jlis. in dem jetzt völlig zu Tage tretenden Verfall der Hufen-
verfassung vor^.
Es hätte um diese Zeit zu einer agrarischen Revolution infolge unzu-
reichenden ökonomischen Substrates für die wachsende Bevölkerung kommen
müssen — und in der That fehlen Anzeichen in dieser Richtung nahezu bis
zum Beginn der Stauferzeit nicht ^ — , wenn nicht die Entwicklung selbst
mehrere Auswege auf einmal an die Hand gegeben hätte.
Es kam zu einem letzten Ausbau des Landes, an dem sich alle Stände
aufs gründlichste beteiligten, bei welchem aber den Grundholden als der acker-
bauenden Klasse der Löwenanteil zufallen mufste; die Kreuzzüge absorbierten
einzelne Kräfte, beträchtlichere Massen schon die Kolonisation des deutschen
1) Über das Verhältnis der Unfreien zu den Hufen (Familien usw.) s. auch noch
V. Abbe, Viersener Programm 1885 S. 1*0 f., sowie aus früherer Zeit v. Maurer, Fronh.
1, 335.
2) Ebenso urteilt v. Inama, Grofsgrundh. S. 114 Note 8; s. auch Wirtschaftsg.
1, 514-5.
3) S. Bd. 2, 145 ß.
*) S. zu den Bemerkungen dieses Absatzes oben S. 864, auch S. 368 und 376.
5) S. schon oben S. 864 Note 2; auch Chron. s. Hub. c. 59, MGSS. 8, 598. Bonvalot
S. 68—69 führt u. a. an den Aufstand der Unfreien von SMartin-Metz um 950, Calmet 2
2, 203, und die Auswanderung von 800 unfreien Familien des Metzer Stiftes nach Italien im
J. 1014; ferner bemerkt er, wie im J. 1057 die Hörigen des Stiftes Toul, in Vaucouleurs ein-
geschlossen, ihre Freiheit ohne Erfolg 3 Monate gegen die Truppen des Grundherrn ver-
teidigen, sowie dafs Herzog Simon IL von Lothringen im J. 1177 die aufständischen Saarbauern
bei Remich schlägt.
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1236 —
Ostens, eine sehr zahlreiche Menge aber vor allem wohl die städtische Ent-
wicklung. So fühlte man sich um die Wende des 12. und 13. Jhs. auf dem
platten Lande erleichtert; es kam sogar zu einer gewissen Knappheit der
Arbeitskräfte ^
Aber die Vermehrung der Bevölkerung hielt nicht inne. Nach unseren
Berechnungen oben auf Seite 163 stieg die Einwohnerzahl der Moselgegenden
von 220 000 im J. 1200 auf 450 000 im J. 1800; ein nicht geringes Quantum
dieser Zunahme wird den drei letzten Jahrhunderten des Mittelalters gut-
geschrieben werden müssen.
Unter dem Einflufs dieser Vermehrung der Bevölkerung vollzog sich
nun die soziale Entwicklung der landarbeitenden Klassen, von welcher wir
oben sprachen. War das Geleise, in welchem diese Entwicklung verlief, durch
soziale und rechtliche wie halbstaatliche Verhältnisse bedingt, so erhielt sie
doch Anstofs und Intensität nicht zum geringsten Teile aus den eben erörterten
Umständen, unter welchen die Bevölkerungszunahme vor sich ging.
Denn jetzt konnte fast nicht mehr geteilt werden. Seit dem 13. Jh.
war in der Dismembrierung der Güter wie in der Parzellierung des Grundes
und Bodens ein Sättigungspunkt erreicht, welchen die volkswirtschaftliche
Entwicklung des 14. und 15. Jhs. mit den ihr zu Gebote stehenden Mitteln
nicht wesentlich verschieben konnte: eben von ihm aus gewann sie vielmehr
ein anderes soziales Aussehen bis zur Entfaltung völlig neuer Seiten ihres
Charakters.
Die hofhörigen, nun eigenhörigen und leibeigenen Leute wurden immer
zahlreicher, der Besitz immer geringer, die Lebenshaltung stets unsicherer.
Gewifs mögen viele von diesen Leuten in die Städte gezogen sein und dort nicht
zum geringsten zur Bildung eines städtischen Proletariats beigetragen haben, wie
dieses seit der Mitte des 15. Jhs. überall, und je älter eine städtische Ent-
wicklung, um so eher erscheint ^ ; aber eine noch gröfsere Anzahl dieser Eigen-
1) S. oben S. 137, 287, 913.
2) Ich habe auf einige Momente dieser Entwicklung schon Conrads Jahrbb. N. F. 11,
356 aufmerksam gemacht. So gab es z. B. 1520 in Augsburg 3000 Nichtshäbige, vgl. Hering,
Theol. Stud. und Kritiken 1884, 256 f. Dies Proletariat ist es, welches in den spätmittel-
alterlichen Stadtrevolutionen zum erstenmal bedeutsam in die politische Entwicklung eingreift,
so in Rotenburg 1450, Wien 1462 und 1500, Köln 1482 und 1513, Augsburg 1491, Erfurt
1509, Konstanz 1511, Speier 1512, Worms 1512. Später halten diese Proletarier es dann
sehr bezeichnender Weise gern mit den aufständischen Bauern, vgl. z. B. über die Sympathieen
der Schmiedezunft in Mühlhausen i. E. H. Mofsmann, Mulhouse pendant la revolte des
paysans, in Ristelhuber Bibliogr. alsacienne 1871, S. 138; Hartfelder S. 58 f. Die gleichen
Sympathieen herrschen in Colmar, Hartfelder a. a. 0. S. 101 f., hier speziell seitens der
Reb- und Ackerleute; ebenso seitens der Handwerker in Speier, Hartfelder S. 246 f. Vgl.
ferner den Versuch der ,Zünftigen' in Freiburg i. B., Hartfelder S. 305. Auch Breisach ist
unsicher, Hartf. S. 330 f., und in Strafsburg giebt es noch 1527 eine den Bauernkriegen
verwandte Regung, Hartf. S. 438. — Es würde eine lohnende Aufgabe sein, Entstehung und
Bedeutung dieses städtischen Proletariats im Mittelalter genauer zu untersuchen.
— 1237 — Soziale Gliederung.]
leute blieb doch auf dem Lande, schmuggelte sich in die alten Marknutzungen
ein, erwarb hier und dort eine Scholle Landes und fristete im ganzen ein
elendes Dasein. So erwuchs von Generation zu Generation drohender ein
Stand ländlicher Proletarier, welcher sich an den beiden grofsen Institutionen
des platten Landes, die Markgenossenschaft und der Grundherrschaft, gleich
gefahrdrohend festsaugte und aus ihrem Mark heraus ein Schmarotzerleben zu
führen unternahu].
Gleichzeitig mit der Entwicklung dieses ländlichen Proletariates erfolgte
aber auch eine Zersetzung der grundgesessenen Hörigkeit, des alten Stammes
der Grundholden. Aus diesen Grundholden helfen sich jetzt eine ganze An-
zahl kräftiger Elemente zu einer neuen Freiheit empor \ so die Weinbauern^
und vor allem der Pächterstand. Wer sparen gelernt hatte und einigermafsen
kapitalkräftig war, der brachte es seit der Stauferzeit wohl ziemlich leicht
zum freien Pächter; schon im zweiten Viertel des 13. Jhs. schwoll die dahin
gehende Bew^egung mächtig an, und gegen Schlufs des Mittelalters brachte
sie es nochmals zu besonders kräftigen Impulsen^. Aber dieser fortwäh-
rende Aderlafs der alten Grundhörigkeit, welcher den Hofgenossenschaften
fortdauernd gerade die besten Kräfte entzog, mufste schliefslich zum Unheil
der verharrenden Elemente ausschlagen. Die verbleibenden Grundholden be-
gannen zu sinken; die Unterschiede zwischen ihnen und den Leibeigenen ver-
wischten sich, eine gleiche Behandlung beider Klassen in Dienst und Leistung
wurde versucht und oft genug erreicht*.
Nun hätten freilich solche Versuche doch nicht völlig glücken können,
hätten sie sich nicht unter dem Verfall der alten Wirtschaftsmächte des früheren
Mittelalters überhaupt vollzogen. Wie wenig glücklich ist doch die Ansicht,
dafs sich innerhalb der mittelalterlichen Grundhörigkeit soziale Verschiebungen
überhaupt nicht ereignet hätten, dafs die Grundherrschaft eine Kraft gewesen
sei, welche die ihr einverleibten Teile der Bevölkerung in die eisernen Fesseln
völliger und sich auf Jahrhunderte* gleich bleibender Uniformierung geschlagen
habe. Das Gegenteil trifft zu; schon früh bringen es einzelne Grundholde,
wenn auch selten so doch hier und da zu angesehenster Stellung ; vom Bischof
Durand von Lüttich besagt die Grabschrift:
Quos tulerat dominos, Msdem famulantibus usus
In theatro mundi fabula quanta fuit^.
^) Sie erscheinen später als potiores sive ditiores des Dorfes, s. Stat. cap. mral. in
Wadrill 1590, Blattau 2, 362, cit. oben S. 535 im Text. Vgl. auch oben S. 889, sowie über
die Squatters oben S. 123.
2) S. oben S. 917.
3) S. oben S. 890 Note 1.
*) Dieselbe war natürlich mit der Usurpation gröfserer Dienste und Leistungen der
Grundholden als der bisherigen verbunden. Zu den Jagdfronden s. z. B. oben S. 786.
5) Wattenbach Gqu. 2, 103 Note 5; vgl. Chron. Median! mon. c. 11, MGSS. 4, 91,
um 980.
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1238 —
Wir haben aber soeben gesehen, wie im späteren Mittelalter inmitten
der Grundhörigkeit eine Anzahl von Spaltungen aufklaffte, welche sich zwischen
den stärksten Gegensätzen alles sozialen Daseins, zwischen frei und unfrei,
zwischen unabhängiger Pacht .und Leibeigenschaft bewegten. Unter der Ein-
wirkung dieser Spaltungen zerrifs der alte Halt der Grundherrschaft wie der
Markgenossenschaft. Für die Grundherrschaft bedarf dies keiner Ausführung:
was hatte freie Pacht und Leibeigenschaft noch mit dem grundherrschaftlichen
Organismus der Ottonen- und Salierzeit gemein? Aber das Gleiche gilt für
die Markgenossenschaft. Die freie Pacht vermochte sich kaum dem schwer-
fälligen Turnus, der bedächtigen Wirtschaftsberatung der Markgemeinde ein-
zuordnen ; und am Substrat derselben, an der Allmende, zehrten die leibeigenen
kleinen Leute. Es waren mutatis mutandis dieselben Gründe, welche schon
die alte Markgenossenschaft der Urzeit in merowingisch-karolingischer Zeit zu
Fall gebracht hatten, das Auftreten des Anspruches individualer Wirtschafts-
disposition besonders kapitalkräftiger Genossen und der Andrang unaufhalt-
samer Bevölkerungsvermehrung mit der Konsequenz agrarischer Splitterung.
Zerfielen aber Grundherrschaft und Markgenossenschaft des Mittelalters
unter der Einwirkung dieser Elemente, bis sich aus ihren Trümmern Patri-
monialherrschaft und Personalgemeinde erhoben, so sank mit ihnen die auf
beiden beruhende Grundhörigkeit, und indem sie fiel, assimilierte sie sich
der Leibeigenschaft.
Und das Unglück wollte, dafs dieser soziale Umschwung mit der Entwicklung
einer positiv schlechten materiellen Lage der landarbeitenden Klassen zu-
sammentraf.
Nie war wohl im ganzen Verlaufe des Mittelalters die wirtschaftliche Si-
tuation der landarbeitenden Klassen im ganzen günstiger gewesen wie im 13. Jh.
Koch besafs in dieser Zeit die freie Arbeit, soweit sie schon bestand, die hohe
BeW'ertung, welche sie im gesamten früheren Mittelalter auszeichnet \ und
zugleich waren die Besitz- und Ertragsverhältnisse des grundhörig gebundenen
Landes glücklicher ausgestaltet wie je bisher. Der Wert des Bodens w^ar seit
dem 9. Jh. etwa um das siebzehnfache gestiegen; und da die Abgaben der
Grundholden von demselben meist schon im 9. Jh. fixiert worden waren, so
entsprach dieser Steigerung der Landesertragsfähigkeit eine sehr weitgehende
Reduktion der alten Grundzinse^. Ist in dieser Thatsache schon ein
bedeutsamer Verfall der alten grundherrlichen Zinsbezüge zu Gunsten der
Grundholden ausgesprochen, so w^ar derselbe noch fühlbarer in den allerdings
nicht allzu häufigen Fällen, in welchen die Naturalzinse seit dem 9. und 10. Jh.
in Geldzinse verwandelt worden waren. Hier betrug nämlich der Ausfall infolge
^) Die Gründe hierfür habe ich in Conrads Jahrbb. Bd. 11, 334 entwickelt.
^) S. oben S. 868. In Hannover vervierzehnfacht sich der Bodenwert in der Epoche
von etwa 1600 bis 1860, s. Graf Goertz S. 16.
— 1239 — Soziale Gliederung.]
der gesunkenen Kaufkraft des Geldes und der IMünzverschlechterung bis zum
13. Jli. nochmals mindestens die Hälfte des an sich schon, im Verhältnis zum
Steigen der Grundrente, so sehr gesunkenen Zinswertes ^
Mochten diese Vorgänge sich nun auf einfache Abschwächung der alten
Grundzinse beschränken oder auch noch deren doppelte Verminderung durch
Ablösung mit einschliefsen, jedenfalls gaben sie dem Grundholden des 13. Jhs.
eine bis dahin unerreichte wirtschaftliche Selbständigkeit. Bedenkt man aber,
dafs für den Grundholden mit dem vollsten Auswirken der alten grundherr-
lichen Verfassung zugleich auch absolute Rechtssicherheit des Besitzes seit
spätestens ebenfalls dem 13. Jh. bestand^, so begreift es sich ohne weiteres,
wie sich mit dieser Zeit ein allseitiges materielles Wohlbehagen in den land-
arbeitenden Klassen einstellen mufste. Dies Wohlbehagen wurde auch durch
die gleichzeitig eintretende, vornehmlich seit dem dritten bis fünften Jahr-
zehnt des 13. Jhs. bemerkbare Steigerung der Preise nicht merklich gemindert^:
w^ar doch eben diese Preissteigerung, wie auch die verwandten Ereignisse im
10. bis 11. Jh., im 16. und in der 1. H. des 17. Jhs., wie in den letzten
Jahrzehnten unserer Geschichte, nur der Ausdruck neu erwachender wirt-
schaftlicher Initiative und energischer Neugestaltung des materiellen Volks-
lebens*. Und brachte es diese Initiative im 13. Jh. auch vor allem zur Ent-
wicklung der städtischen Geld Wirtschaft, so ging sie doch auch den ländlichen
Verhältnissen keineswegs verloren. Die 1 and arbeitenden Klassen wurden be-
häbiger, kapitalskräftiger ^, und so begannen sie mit Meliorationen auf Grund
ihres alten Besitzstandes^ oder versuchten sich unter Abstreifung der Gnmd-
hörigkeit in freier Pachtnutzung '^.
Dieser Aufschwung dauerte auch noch tief bis ins 14. Jh. hinein'^. Zwar
w^urde durch die immer weiter greifende Verbreitung der freien Pachten schon
eine Entwicklung angebahnt, in welcher die Grundrente nicht mehr in so
überwiegendem Mafse wie bisher dem nutzenden Landwirt, sondern zu
gröfserem Teile dem landwirtschaftlich indifferenten Gmndeigentümer zufiel:
die persönliche Freiheit des Pächters wurde mit einer Ableitung der bisher
besonders günstig zufliefsenden Betriebsmittel erkauft, deren Fehlen w^enig
später, im 15. Jh., bitter empfunden werden mufste. Aber vorläufig, im
1) S. oben S. 863. Vgl. auch MK. ÜB. 3, 312, 1227: die Leute in Winningen weisen,
quod cum defectus [vini] esset generalis, 2 s. vel 30 s. pro ama solvere tenerentur. Macht
die karr, zu 79, 2 — 9 Gr.: das sind Preishöhen des 9. — 10. Jhs. Vereinzelt kommen
freilich Zinserhöhungen im 11. und 12. Jh. vor, s. Waitz, Vfg. 5, 269 ff. Man vgl.
auch S. 780.
2) Vgl. z. B. MR. ÜB. 2, 43, 1149.
3) S. Bd. 2, 616.
*) Über diesen Zusammenhang s. Lamprecht in Conrads Jahrbb. N. F. 11, 333.
5) S. oben S. 912.
6) S. oben S. 428.
"") S. oben S. 622.
[Grundherrlichkeit und Vogtei. — 1240 —
14. Jh., stand der Landwirt noch gut, die Preise der Landesprodukte stiegen,
die Kornpreise speziell erreichten in der 2. H. dieses Jahrhunderts ihren
Kulminationspunkt während des ganzen Mittelalters ^ Und auch für die
niedrigen landarbeitenden Klassen, die jetzt so reifsend zunehmenden eigen-
hörigen Leute, war die Lage eine dauernd, ja sogar steigend günstige. In-
folge der Entvölkerung des platten Landes im 12. und 13. Jh., sowie der
freiheitlichen Bewegung in der Grundhörigkeit in eben dieser Zeit und über
diese hinaus^ war für die Löhne auf dem Lande eine Steigerung ganz unver-
meidlich, und sie trat denn auch in der 2. H. des 14. Jhs. in ausreichendster
Weise ein, nachdem sie ein bis zwei Generationen vorher infolge der unglaub-
lichen Münzdepravationen dieser Zeit etwas zurückgehalten worden war^.
Und so läfst sich denn das 14. Jh. im grofsen und ganzen immer noch als
ein landwirtschaftlich glückliches bezeichnen.
Im 15. Jh. dagegen hörte die alte Gunst der Lage auf. Zunächst sank
der Arbeitslohn. Freilich wurde dies Sinken durch ein noch viel stärkeres
Hinabgehen der Landesproduktenpreise zunächst scheinbar ausgeglichen*. Es
wäre indes falsch zu schliefsen, dafs nun die Lage des ländlichen Arbeiters
eine günstige hätte bleiben müssen. Das Bestimmende in der Entwicklung
des 15. Jhs. war noch keineswegs das Schicksal der ländlichen Arbeiterklasse,
sondern vielmehr das Schicksal der bäuerlichen kleinen Besitzer^. Diese aber
wurden durch das Sinken der Landesproduktenpreise um so härter betroffen,
als dasselbe bis zum zweiten Viertel des 16. Jhs. anhielt*^, während im übrigen
mit der Wendung vom 15. zum 16. Jh. eine immer energischere Steigerung
der Preise eintrat.
So war es der kleine, wenig kapitalkräftige Bauer, welcher seit dem
Beginn des 15. Jhs. Schwierigkeiten zu empfinden, seit der 2. H. des 15. Jhs.
zu leiden begann ^ ; eben jener Bauer, welcher sich nicht aus der Grundhörig-
keit in den freien Pächterstand hatte emporschwingen* können, der zudem
durch schon geschilderte Vorgänge in Grundherrschaft und Markgenossenschaft
dem Stande der Leibeigenen zugedrängt wurde. Wer zweifelt, dafs die Ge-
fahr, welche in dieser Richtung lag, durch die ungünstige materielle Lage
aufs bedenklichste erhöht wurde. Der Teil der Bevölkerung, welcher der
1) S. Bd. 2, 617 f.
2) S. Bd. 2, 617. Über die analoge Bewegung im 19. Jh. nach der französischen
Revolution und der Aufhebung der Feudallasten s. Lamprecht in Conrads Jahrbb. N. F.
11, 329.
3) Dazu s. Lamprecht a. a. 0. S. 327, 331.
4) S. Bd. 2, 617-618.
•^) S. oben S. 622 f.
ß) S. Lamprecht a. a. 0. S. 334.
'') Diese Erscheinung ist in Deutschland ganz allgemein, in Schleswig-Holstein ist im
15. Jh. sogar der Grofsgrundbesitz in gedrückter Lage, s. G. v. Buchwald in Zs. f. schlesw.-
holst. Gesch. 12, 84.
— 1241 — Soziale Gliederung.]
Paria der volkswirtschaftlichen Entwicklung ist, ist fast stets auch derjenige
der sozialen Schichtung.
Für das Gros der landarbeitenden Klasse des späteren Mittelalters kam
aber noch hinzu, dal's sie schliel'slich auch Paria der geistigen Bildung der
Nation wurdet Wie auf materiellem Gebiete, so war auch im geistigen
Leben der Nation eine gewisse Arbeitsteilung innerhalb der intellektuellen und
moralischen Interessen nach Ständen eingetreten. Aus dem Urgründe gemein-
samen nationalen Geisteslebens hatte sich die geistliche Bildung des Klems
im frühen Mittelalter, seit der Stauferzeit die dichterische Empfindungsweise
des Ritters emporgehoben; eben jetzt arbeiteten die Städte an der Entwick-
lung einer besonderen biirgerlichen Bildung. Nur der Bauer befand sich noch
im Banne der alten geistigen Gesamtverfassung. Aus tausend Zeugnissen der
ländlichen Weistümer tönt es zu uns herüber wie ein verlorener Laut aus der
Urzeit unseres Volkes; und ich bedauere, dafs es die Ökonomie der hier ge-
pflogenen Erörtenmgen verbietet, diesen reichen Stoff über Sitte und Recht,
Poesie und Humor, Alltagsleben und Hochzeitsgebrauch in eigener Zunge reden
zu lassen^. Aber was uns in ihm so besonders anheimelt, die noch nicht
vollzogene Trennung von Sitte und Recht, die Vermischung logisch-scharfer
und dichterischer Rechtsform, das Hineinragen des Humors in alle Lebens-
äufsenmgen — ein Umstand, aus welchem man gar neuerdings die glückliche
1) S. dazu Gothein, Westd. Zs. Bd. 4, 16 ff.; Lamprecht, Preufs. Jahrbücher
Bd. 56, 189 f.
2) jc]2 denke, auf diesen Pimkt anderwärts zurückkommen zu können. Man vgl.
J, Grimm, Von der Poesie im Recht, Zs. f. geschieht!. Rechtswissensch. Bd. 2, 25 f.;
0. Gierke, Der Humor im deutschen Recht, Berlin 1871 ; die Schriften von Osenbrüggen, und
neuerdings auch Heusler 1, 68 ff., auch unten Bd. 2 die Einleitung. — Von den Quellen-
stellen sind diejenigen von besonderem Interesse, welche denselben Rechtsbrauch in der
Auffassung etwa eines Klerikers und eines deutschen Schöffenkollegs überliefern. Man vgl.
z. B. WLangenfeld § 7 u. 8, G. 6, 557 (s. auch WLangenfeld 1517, G. 2, 592): wäre auch
sach dasz ein man rumig würd, so sol man das guet steinig machen jähr und tag, bisz jähr
und tag umb ist. kombt der man dan nicht wiederumb, so sol man dreitheilung machen
aus dem gut, und der herr von Blankenheim die zwoe theilung hoelen und der voigt von
Schönecken die dritte, ist es aber sach dasz erbschaft pleiblichs [1.: pfleglos] lieget, sol der
voigt von Schönecken kommen auf einem weiszen pferd und sol mit ihm bringen zwen man,
einer vor ihm und einer hinder ihm , und auf die vorgemelte hofgericht [= Hofreite] reiden
und sol einen abstoszen, wer ihme beliebt, dan sol ein herr von Gerolstein da sein und
sol den man mit den gueteren belehnen. Fast denselben hier geschilderten Rechtsbrauch
drückt das lateinische WLonguich 1408, cit. oben S. 752 Note 1, auf S. 753, folgendermafsen
abgeblafst aus: si advocato in Longuich pro tempore displiceret, quod huiusmodi bona
dimissa nimis diu in manibus domini abbatis sive in froengewalt iacerent et quod tallias et
exactiones suas inde sibi non darentur [!], tunc ipse advocatus potest unum legalem virum in
sella sua pendentem cum duobus censibus et una emenda ducere ad villicum domini abbatis
praedicti in Longuich, qui vir sie ductus erga ipsum villicum bona huiusmodi acceptare et
villicus sibi ea sub testimonio scabinorum in Longuich cum dictis [censibus] et una emenda
assignare debebit, etiam talis vir huiusmodi census prius domino abbati praedicti monasterii
et tallias deinde de dictis bonis advocato in Longuich dare et praesentare debet.
Lamprecht, Deutsches Wirtschaftslehen. I. '9
[Grundhen-liclilieit und Vogtei. — 1242 —
Lage des Bauernstandes im 15. Jh. hat deduzieren wollen — dies und vieles
andere machte im 15. Jh. eben das Unglück der Bevölkerung des platten
Landes aus. Es war in keiner Weise mehr zeitgemäfs; es trennte diese Be-
völkerung von den übrigen fortgeschritteneren Bestandteilen der Nation. Schon
im gewöhnlichen Leben hat der Bauer, der „arme Mann" des 15. Jhs. , von
dieser Lage eine dumpfe Empfindung gehabte Daher sein Hafs gegen den
Städter, sein Abscheu gegen das römische Kecht, das er bei weitem früher
wegen seiner gänzlichen Unvereinbarkeit mit seinen eigenen Rechtsanschauungen
verwarf, ehe er von ihm direkt fühlbaren Schaden erlitten haben mochte^.
Wie aber mufste dieses Gefühl zu schlimmem Bewufstsein erwachen, sobald
der Bauer anfing, zur Besserung seiner Lage, wenn auch zunächst in oft un-
geordneter und formloser Weise, positive Forderungen aufzustellen. Schon in
der 2. Hälfte des 15. Jhs. wurde er hierzu getrieben, und nun zeigte es sich:
die einzelnen Stände der Nation in Stadt und Land, Bürger und Ratsherr,
Ritter und Landesherr, verstanden den Bauer nicht mehr; die Basis ihrer
Argumentationen, die Art ihrer Begründungen war von der der landarbeitenden
Bevölkerung absolut und unüberwindbar verschieden.
Damit war die Revolution eingeleitet. Wo Gründe nicht mehr ver-
standen werden können, hilft nur noch die ultima ratio der Gewalt.
Und nunmehr wirkten noch eine Reihe nur begleitender, ich möchte
fast sagen sekundärer, mit den eben geschilderten primären Gründen mehr
oder minder direkt zusammenhängender Elemente mit, welche man gewöhnlich
für die agrarischen Bewegungen des 15. und 16. Jhs. deshalb verantwortlich
macht, weil sie den Ereignissen Färbung und Individualität geben. Hierhin
gehören die Eingriffe der Grundherren in die Allmende, die Bedrückung der
Bauern durch die emporkommende Territorialgewalt, die Überlastung des
ländlichen Etats durch mafslose Forderungen der Kirche, die ländliche Ver-
schuldung an die Kapitalisten benachbarter Grofsstädte wenigstens in den
Hauptgegenden der Aufstände^, vielleicht auch die Einführung des römischen
Rechtes und anderes mehr.
1) Vgl. H. V. Bezold, Die armen Leute und die deutsche Litteratur des späteren Mittel-
alters, Sybels Zs. 41 (1879) 1 ff.
2) Der Frage nach der Bedeutung des römischen Kechtes für die agrarische Entwick-
lung um die Wende des 15. und 16. Jhs. trete ich hier nicht näher, da sie nur unter ein-
gehendster Kenntnis der Dokumente auch des 16. Jhs. zu lösen ist. Für das 15. Jh. aber
mit Ausnahme vielleicht des Schlufsjahrzehnts möchte ich den Einflufs römischen Kechtes
auf die agrarische Entwicklung an der Mosel so gut wie verneinen. Man vgl. übrigens Honth.
Hist. 1, 638; 806 Note 6; 810 Note 6; 816 Note; ferner zur späteren Deterioration des
deutschen Hörigkeitsbegriffes durch Einführung des römischen Kechtes Kindlinger, Hörigk.
S. 36 f. Übrigens ist, wirft man die Frage nach dem Einflufs der verschiedenen Kechte auf,
ebensosehr wie das römische Recht auch das kanonische Kecht in die Diskussion zu ziehen,
vgl. Hering, Theol. Studien und Kritiken 1884, 235 ff.
3) S. dazu auch oben S. 624.
Anhang.
1. Notate über Ergebung zu 'persönlicher Schutzhörigkeit an die Erzbischöfe von Trier,
1340—1369,
Trierer Urbarhs. Koblenz St. A. (vgl. Bd. 2 S. 170, wo die Notate schief als Lehnsregister bezeichnet
sind, und S. 690) Bl. 29^ f. Nach fremder Abs.
HÜ sunt census ad vitam cedentes domino archiepiscopo Treverensi
in die beati Martini solvendi a quibusdam civibus civitatis Treverensis, qui
exempti sunt a iurisdictione sculteti et iustitie secularis pretorii Treve-
rensis, qui coram domino Treverensi vel eins cellerario palatii tenentur
respondere.
1. Primo Ebirhardus et Phiela dicta Vladenfrouwe coniuges 10 s. Treverenses et
unum talentum cere ad dies vite supra domum, que quondam fuit Hentzemanni de Bredenis,
Sita in Orreo^ inter monasterium sancte Katherine et muros Treverenses, contigua ex una
parte domui dominorum de Himenrode uf deme Kalchove, ac domui Tisonis naute nati quon-
dam dicti Hutzint parte ex altera.
2. Item 2 Iwanus et Metlena coniuges 5 s. supra domum ad Rubeam-caligam prope
domum Rudeleri supra ripam ad dies vite.
3. Item Gertrudis relicta Ruperti fabri 14 s. de domo sua prope curiam Wilrebet-
nach sitam.
4. Item Hennekin dictus Rusche et eins uxor tenentur singulis annis de domo eorum
Sita uf der Ecken inter textores Treverenses 10 s.
5. Item Rudegerus de Longo-fonte tenetur 15 s. Treverenses die Martini causa pro-
tectionis.
^Hii subscripti fecerunt se domino censuales ad eorum vitam causa
protectionis.
6. Primo Contze de Detzme* tenetur 5 s. annuatim.
7. Item Gerhardus sutor de Bakonde-^ 5 s. annuatim
8. Item Petrus de Bakonde 6 s. annuatim.
9. Item Isinbardus de Clusserde^ 5 s. annuatim.
^) Kloster Oeren in Trier.
2) Am Rande mortuus.
3) Bl. 30 a,
*) Detzem, Rechteck 8d der Orientierungskarte zu Bd. 3.
5) Bekond bd.
6) Klüsserath 8d.
79
[Grundherrlichkeit und Vogtei, — 1244 —
10. Item Johannes dictus Kuse de Clusserde 6 s. annuatim.
11. Item Thomas de Trittenheim ^ 10 s. annuatim.
12. Item Ludewicus faber de Chisserde 5 s.
13. Item Johannes villicus dictus Zappe de Clusserde 5 s.
14. Item Fridericus filius Bonifatii de Clusserde 5 s.
15. Item Ludewicus eins frater 5 s.
16. Item H. dictus Wentze et lutta eins uxor in Emsche'-^ commorantes tenentur sin-
gulis annis festo Martini 12 s. Treverenses causa protectionis.
17. Item Iselmus de Loisme^ 1 mir. avene festo Martini.
18. Item Theodericus curtarius de Issel* tenetur unum talentum cere ad dies vite
festo Martini causa protectionis.
19. Item Rintzenberg commorans in Novo-vico Treverensi imum talentum cere ad
dies vite sue festo nativitatis Christi, quod sit exemptus a iurisdictione sculteti Treverensis.
20. Item Hennekin filius Hennekini de Czider gener Henrici olim villici in dem Mais
tenetur ad dies vite sue circa festum pasche unum talentum piperis super dohium ipsius, que
quondam fuit Abelonis dicti Eppe extra Vetus-castrum.
21. Anno XLo. Item lohannes opilio de Esch-^ et Johannes eins filius commorantes
in Nuwerod*^ facti sunt homines domini, et tenentur ad eorum vitam circa festum pasche
unum talentum piperis et unum talentum zinziberis causa protectionis, et promiserunt domino
servire, sicut alii sui homines.
22. Anno XLo. Item lohannes filius Walpurgis de curte in Nuwerod commorans in
curte Specht effectus est homo domini, et tenetur singulis annis presentare ad palatium
Treverense unum mir. avene et tenetur domino servire, sicut alii sui homines.
22 « . ^Item anno xxxix o xv a die martii Gerhardus et Hennekin eins filius de Issele
et Conemannus de Sweich^ filius Veldentzer promiserunt domino Treverensi fideliter custo-
dire fluvium Moselle in suis districtibus , ne extranei piscatores sine licentia domini Treve-
rensis vel eins officiatorum piscentur in ea; et supradicti Gerhardus et Henricus de Issele
et Conemannus de Sweich possunt piscari cum instrumentis sicut piscatores Treverenses, et
tenentur singulis annis circa Martini predicti Gerhardus 20 s. , Henkln eius filius 10 s. et
Conemannus 10 s.^- Non solvunt, quia non observatur eis promissio, videlicet quod deberent
ponere in Mosella querderusen, quod eis non permittitur.
[23\. ^Item Thomas curtarius domini abbatis sancti Maximini in Detzme.
25. i^^Item Simon scultetus de Nickele^^ effectus est homo domini anno Liiio xxiii
augusti pro 1 fl. parvo solvendo singulis annis festo Martini causa protectionis. ^^'^on plus,
quia obiit^^.
1) Trittenheim 8e.
2) Ensch 8d.
3) Losheim Ud.
<) Issel 8d.
5) Esch im Maifeld 4f, oder Esch an der Alzig 10a.
6) Naurath 8d.
7) Durchstrichen.
8) Schweich 8d.
9) Dieses Notat ist durchstrichen, vgl. hierzu die Bl. 29h eingetragenen Notate:
24. Item lacobus de Detzme filius lohannis de Keverich effectus est homo domini hereditarius pro 5 s.
Treverensibus Martini anno XLVIII^, et tenetur domino servire sicut alii sui homines.
23. Item Thomas curtarius domini abbatis sancti Maximini in Detzme frater lacobi de Detzme predicti
effectus est homo domini pro 5 s. Treverensibus singulis annis dandis Martini XLVinO, et tenetur servire domino
sicut alii sui homines.
Von diesen leiden Notaten ist das erste durchstrichen.
10) Bl. 30b.
11) Nicl<weil(r?
12) Späterer Zusatz.
— 1245 — Anhang.]
26. 1 Item Gobelo ciirtarius in Celle ^ apud Merinche tenetur singulis annis dare circa
festum pasche, quamdiu vixerit, causa protectionis 10 s. Treverenses^
26**. ^Item Rudegerus de Longo-fonte tenetur singulis annis circa festum Martini
causa protectionis 15 s. ^ Mortuus est^.
26 ^ . Item de domo Rubea sita in vico Pontis , quam Arnoldus de Arluno olim
5enescalcus comitatus Lutzelnburgensis tenet a domino archiepiscopo Treverensi in feodum,
cedunt singulis annis 4 s. census.
27. Item lohannes dictus Krinetzer commorans iuxta Vetus-castmm tenetur ad dies
vite sue singulis annis festo nativitatis beati lohannis baptiste causa protectionis faciende
sibi ex parte domini Treverensis 20 s. d. Datum anno XLio.
28. Item anno xlviio die beati Kiliani Ludewicus Petri de Kirsch* effectus est
homo domini pro 1 mir. avene Martini persolvendo.
29. Item anno XLio die Simonis et lüde Arnoldus de Fönten lutta eins uxor et eorum
liberi elfecti sunt homines domini hereditarii pro uno mir. avene et uno talento zinziberis vel
piperis quolibet anno festo Martini.
30. Item Petrus filius Greissner de Portz-^ effectus est homo domini hereditarius et
tenetiu' solvere exactiones et cetera sicut alii sui homines in terra. Datum anno xlviio
XII a februarii. solvit 1 mir. avene annis singulis.
31. Item Gerhardus opilio de Riol® effectus est homo domini pro 10 s. Treverensibus
Martini.
32. Item Petrus de Vüme'^ pro 6 s.
35. Item Reinherus HuUin commorans in Erbach^ pro 10 s.
34. Item Gobelinus de Epternacho^ quolibet anno festo pasche pro duobus talentis
videlicet uno piperis et uno zinziberis.
35. Item lacobus apothecarius quolibet anno festo pasche pro duobus talentis vide-
licet uno piperis et uno zinziberis.
36. Item lacobus filius lohannis dicti Stozers de Hetzilrod^^ effectus est homo domini
die 4 a septembris anno XLII pro 1 mir. avene Martini persolvendo.
37. Item Stephanus de Erlebac sub anno xlii 10 s., et fuit in principio, quo fuit
homo effectus.
38. Item Lampertus de Nidecke ^^ prope Treverim commorans effectus est homo
domini circa lohannis annis XLlii pro uno mir. avene quolibet anno Martini persolvendo.
39. Item lohannes de Reclusorio ^^ Coloniensis diocesis effectus est homo eodem tem-
pore pro 20 s. Treverensibus eodem festo persolvendis.
40. Item .Mathias de Nenche^^ effectus est homo domini die ixa maii anni xliiii
pro 1 mir. avene Martini persolvendo.
41. Item anno XLsexto die iiia decembris Heinricus ;de Sidelingen^* dictus de
Leone commorans ad sanctum Mathiam^^ et Iliana coniuges effecti sunt homines domini ad
vitam eorum pro 20 s. Treverensibus quolibet anno Martini persolvendo.
1) Gestrichen.
'^) Zellerhof bei Mehring 8d.
3) Zu diesem Notat s. oben No. 5.
*) Kirsch 8d.
5) Portz 10c.
•>) Riol 8d.
') Föhren 8d.
^) Erhach Kr. Simmern, Kr. Kreuznach oder Kr. SGoar.
9) Echternach 8c.
10) Hetzerath 8e.
11) Nidegcien Kr. Düren.
12) ? Klausen gab es in der Kölner Diözese u. a. zu Hüls, Koenigshoven, Mondorf, Siegburg und Stotzheim,
a. Ilgen in Ergänzungsbeft 2 der Westd. Zs. S. 188.
'3) Nennig 10t.
1*) Siedlingen.
13) SMatheis, Trierer Vorstadt.
[Gnindherrliclikeit und Vogtei. — 1246 —
42. Item anno . .Mn iulio Henkln Apnarts^ son de Bakonden homo domini ad
vitam quolibet anno pro 1 mir. avene.
43. 2 Anno domini etc. quinquagesimo xxima mensis novembris sunt recepti pro
hominibus domini nostri Balduini archiepiscopi Treverensis infrascripti de villa Hetzelroit
cum suis heredibus sub conditionibus anotatis videlicet hü: primo Theodericus Birman,
Theodericus Schowinberger , Mathias dictus Neigelchen, Th. de Sweich, Th. dictus Hitzsch-
bart et Henkln dictus Schonwerg in hunc modum, quod dominus non intendit iniuriari
domino abbati Prumiensi nee ipsos proloqui in iure sibi competenti, ita quod quilibet horum
predictorum dabit annuatim in festo beati Remigii domino nostro predicto pro censu perpetuo
in simul inter eos computando quinque mir. avene mensure Treverensis eademque ad pala-
tium Treverem deducent suis periculis et expensis.
44. Anno L™o secundo die beate Margarete in presentia H. sculteti Kempe Henne-
kinus filius Schusseler effectus homo domini de alto et basso ; dabit domino causa protectionis
specialis singulis annis die beati Remigii 1 mir. avene.
45. ^Petrus de Portze opilio factus fuit homo domini, ut dicit, anno L^^, quolibet
anno pro 1 mir. avene, de quibus satisfecit sculteto de Sarburg.
46. Anno domini MocccoLnono xiii a die iunii in presentia H. Kempe sculteti Petrus
Gerhardi de Ittele* commorans in Clüssart eifectus homo domini de alto et basso; dabit
domino protectionis causa specialiter singulis annis in nativitate Christi 5 s. Treverensium
denariorum.
47. Anno domini mocccolxiiio xxiiiia aprilis Gerhardus de Issel et Henkinus
Ente in presentia H. Kempe sculteti et Gobelini cellerarii palatii eifecti sunt homines domini
de alto et basso, et quando dominus noster Treverensis petit subsidium ab hominibus et
villa de Irank^, iidem Gerhardus et Henkinus debent domino, quantum positum fuerit super
eos per scabinos, absque tamen fraude, adeo, sicut morarentui' in Irank.
48. Anno domini mocccolxix secundum stilum Treverensem die dominica qua
cantatur Ecclesia dei letare receptus est pro homine domini nostri Cunonis archiepiscopi
Treverensis Hennikinus filius Stinen curtarius prepositi Lucemburgensis in presentia domini
Gohelini prepositi sancti Simeonis, cellerarii palatii Treverensis, domini Everhardi scolastici
dicte ecclesie et centiu-ionis in Urin^, et dabit singulis annis 2 talenta cere in festo pasche
ad dies sue vite.
2. Abt Anton von SMaximin ersucht Bürgermeister und Rat von Köln um ihren Beistand
hei der Einforderung des Besthau/pts von der Witwe eines zu Köln ansässig geivesenen
und dort verstorbenen., in den Maximiner Hof zu Bübenach gehör'igen Mannes , welcher
bis zu seinem Tode sich mit einem von seinen Freumden im Jahrgeding dargebrachten
hl. Zins als solchen belcannt hat. 1467 Januar 22.
Or. Pap. mit Spur des rückseits angehängten Siegels, Köln St. A. Abs. des Herrn Dr. Keu/senj.
mitget. durch Herrn Frof. Dr. Loersch in Bonn.
Den ersamen wisen unde vursichtigen burgermeister unde ganzem rade der stat zu
Collen, unsern lieben herren unde besunderen guten frunden.
unser innich gebet unde, was wir guts vermoegen, zuvor.
Ersamen vursichtigen lieben herren. Uch geliebe zu wissen, so wie das wir unde
unser gotshuß ein dorf unde einen frihen hof genant Reuenach bi Cofelentz gelegen, darinne
^) ? vertdscht.
2) BL 3Sa.
S) Zu diesem Notat s. oben No. 30.
^) Ittel 8c.
5) I^rang 8d.
^) Euren 9c.
^ 1247 — Anhang.]
vnr vierzehen scheifen unde geiicht haben, den wir imde unser gotshuß von keiserlicher gift
mit aller herlicheit friheit unde gerechticheit nach wistomp der vorgenanten vierzehen scheffcn
allezit von anfank derselber gift biß an dissen hutigen tag gerugelich unde gerestlich sonder
einichen wederstant gebrucht genutzt unde besessen hain. unde under andern vil herlicheiden
unde friheit, uns dieselben schefFen wisent, so sint etzliche ußwendige lüde weder unde fort
gesessen in steden unde in dorfen, die danne von alters heruß hofslude geheißen sint; die-
selben sint nu plichtich unde schuldich, zu allen jaregedingen in den vorgenarten hof
Revenach zu kommen unde sich gehorsam da zu erzeigen vermitz einen hl. zinßs durch sich
selbst oder iemantz anders von sinen wegen, also hait es sich nu begeben, daß binnent
jarsfrist vur datum dißs briefs einer uwer mitbiu-ger, mit namen Johan F6ck, ein becker,
von dodes halben abgangen ist, dem got gnedich si, derselbe auch derselber hofsmanne einer
gewest ist biß an sin ende, imde ist allejerlichs vermitz den vurgenanten hl. zinßs durch sine
frunde uns imde dem hofe gehorsam, derselbe unde ein jeglich hofsmanne derglich ist nu
uns unde unserm gotzhuße schuldich , so schier er von disser erden gescheiden ist, ein best-
heupt zu geben, auch nach wistomp der vorgenanter scheffen, deß wir auch an sinen mit-
genoißen zu heben alzit in gerugelichem besesse gewesen sin unde noch hutbitage sin.
sulche vorgenante bestheupt hain wir nu durch unsern keiner an des vorgenanten Johans
F6cken hußfrauwe, burgers zu Collen, gutlich dun fordern: hait uns nit von ir mögen ge-
digen. bitten wir uch, so wir fruntlichts mögen, dieselbe uwer burgers gutlich zu under-
wisen, uns sulche bestheupt zu vernugen, uf daß uns nit noit si, sie vurter mit recht danunbe
zusuchen . hettent ir aber einichen zwivel, daß unser vurfarn oder wir sulchs in obgenanter
maiße nit also besessen unde herbracht betten, so truwen wir, uch des zu siner zit, ob got
wil, genuchlich zu underwisen; danne uns enzwivelt nit, ir sit woil in der wißheit unde ver-
nimft, daß ir je noide mit wissen uwem underthanen gestaden sultent, daß uns oder einichem
gotzhuße sulche alt herkommen beseß unde herlicheit abgezogen sulde werden, des wir uns
auch genzlich zu uch versien. unde was uns in diesen sachen von uch wederfaren mach,
begeren wir uwere gutliche beschreben antwert mit diesem boten, uns wissen darnach zu
richten, der almichtige got si mit uch.
Geben zu sant Maximin under unserm secreten ingesigel des domstags nehst nach
sant Agneten dagh in jaren unsers [herm] xiiiic unde Ixvi nach gewoinheit des stiftz zu
Trier zu schriben.
Anthonius von gots gnaden
abt zu sant Maximin.
PraesentationsvermerTc Anthonii abbatis sancti Maximini Treverensis — anno Ixvii die
25. februarii^.
1) Die Stadt Köln hat den Brief anscheinend nicht beantwortet, wenigstens findet sich, wie Dr. Keufsen fest-
gestellt hat, im bezüglichen Briefbuche lieine Anschreibung.
1
VIII.
Zur EntwicklungsgescMclite der Landes-
gewalt.
1. Die Bildung des Territoriums.
Mit dem nun folgenden Abschnitt kommen wir zum letzten gröfseren Thema
unserer Erörterungen ; es soll gezeigt werden, wie aus der bisher geschilderten
Entwicklung der realen Kräfte des Mittelalters heraus die Landesgewalt und
damit der moderne Staat erwuchs. Ein an sich schwieriges Unternehmen, dem
im Rahmen dieser Untersuchungen noch eine beträchtliche Anzahl besonderer
Hindernisse entgegensteht: so dafs man gut thun wird, an die folgende Dar-
stellung mit mehr Zurückhaltung heranzugehen, als gegenüber den bisherigen
Ausführungen erforderlich ist.
Mafsgebend für eine solche Rücksicht ist vor allem die veränderte
Stellung des Quellenstoffes. Bis hierher konnte froh aus dem Vollsten ge-
schöpft werden : für jede Erscheinung der materiellen Entwicklung bot sich eine
Fülle von Material dar, welches ein und dieselbe Abwandlung an einer grofsen
Anzahl verschiedener und doch im grofsen Ganzen konformer Einzelentwick-
lungen der vielseitigsten Betrachtung eischlofs. Jetzt sind wir im wesentlichen
auf die Quellen zur Geschichte eines Territoriums, des Kurfürstentums Trier,
angewiesen; andere Territorien, wie Luxemburg, Saarbrücken, Salm, Sponheim,
kommen daneben nur hier und da in Betracht.
Und ist die Entwicklung des Kurfürstentums Trier für die hier auf-
tauchenden Fragen besonders günstig?
Übersieht man die gesamte Territorialentwicklung in Deutschland, so wird
man den raschesten Aufschwung und den nachhaltigsten Erfolg in denjenigen
Landesteilen finden, welche entweder dem Kolonialgebiete des 13. Jhs. oder dem
Mündungsgebiete der grofsen deutschen Flüsse angehören. So tritt der Ordens-
staat im 14. Jh., Tirol im 15. Jh. besonders hervor, und in der Blüte der
teiTitorialen Entwicklung, den beiden späteren Grofsstaaten Österreich und
Preufsen, vereinigen sich beide Gesichtspunkte: Österreich wird grofs durch
die zentrale Lage des Urterritoriums im Kolonialgebiet der unteren deutschen
Donau, Preufsen durch die Vereinigung des Kolonialgebietes Brandenburg
[Entwickliuig der Landesgewalt. — 1252 —
mit einigen Territorien des rheinischen Mündungslandes. Das Kurfürstentum
Trier aber gehört den begünstigten Entwicklungszentren der Landesgewalt
nicht an.
Dazu ein weiteres. Der Einflufs, welchen die Reformation auf die Ent-
wicklung der Territorialhoheit ausübte, ist bekannt. Wer mithin ein Spiegel-
bild der deutschen Territorialentwicklung auf Grund genauer Untersuchungen
über ein Territorium geben will, wird ein Gebiet aufzusuchen haben, wo den
Einwirkungen der Reformation genügender Spielraum gelassen wurde. Trier
gehört am allerwenigsten zu diesen Territorien.
So zeigen schon ein paar Gesichtspunkte allgemeinster Art in ihrer An-
wendung auf unser besonderes Gebiet, dafs dasselbe, sonst so vorzüglich ja
vielleicht einzig für unsere Untersuchungen geeignet, uns hier im Stiche läfst.
So paradox es klingt : die bisher angestellten Erörterungen müfsten, sollten sie
auf rheinischem Boden bis ins 18. Jh. oder gar bis zur Gegenwart fruchtbar
fortgeführt werden, nach dem Norden übertragen werden: die neuere Wirt-
schaftsgeschichte des Rheinlandes kann nur vom Niederrhein aus geschrieben
werden.
Zudem aber kann es unsere Absicht nicht sein, auch nur auf Grund
trierischer Akten einen Überblick der gesamten Territorialentwicklung zu geben.
Unser Material begrenzt sich zeitlich auf das Mittelalter, d. h. es sehneidet
mitten im Eroberungszuge der Landesgewalt innerhalb der eben gewonnenen
Grenzen des Territoriums ab; über den Verlauf dieses Zuges seit Beginn des
16. Jhs. können wir uns nur Ausblicke und Ansichten gestatten.
Und auch für das Mittelalter bestehen beengende Grenzen. Die Ent-
wicklung der Territorialhoheit des Landesherrn ist voll verständlich nur unter
genauestem Eingehen auf die Reichsgesetzgebung bzw. die königliche Privile-
gierung; eine Geschichte der Landeshoheit von dieser Seite aus zu geben,
kann nach dem ganzen Charakter unserer auf autonomes Quellenmaterial ge-
stützten Untersuchungen nicht die Aufgabe sein. Ferner hat uns bisher
nur die Geschichte des platten Landes beschäftigt; im Territorium aber be-
ginnen auch die Landstädte als Teil des landständischen Korpus Einflufs auf
die fürstliche Gewalt zu gewinnen. Da uns die geschichtliche Unterlage
zur Charakterisierung dieses Einflusses fehlt, wir auch die Einwirkung der
fürstlichen Gewalt auf die Städte und die bürgerlichen Zustände auf Grund
unserer bisherigen Erörterungen nicht abschliefsend zu beurteilen vermögen, so
bleibt nichts übrig, als auf eine volle Darstellung derjenigen Seiten der
Territorialentwicklung zu verzichten, in welcher die Landstädte aktiv oder
passiv eine hervorragende Rolle spielen.
Wir müssen daher mit einer gewissen Resignation Musterung über die ein-
zelnen Gebiete der Territorialentwicklung halten, welche nach Lage der Dinge im
lokalen Umkreise unserer liisherigen Erörterungen für eine eingehendere Dar-
stellung entweder hervorragend ungeeignet oder hervorragend geeignet sind.
— 1253 — Bildung des Territoriums. j
Ungeeignet ist die ständische Entwicklung \ weil ihr die Städte ange-
hören, weil die Trierer Akten fiir sie nur spärlich flielsen, weil sie endlich
erst seit der 2. Hälfte des 15. Jhs. in eigenkräftiger Fülle einsetzt. Denn die
Stände, Vertreter ländlicher und städtischer Interessen zugleich, brauchen den
Fürsten, kommen zu einer ständig andauernden Thätigkeit im Interesse des
Landes und der Landesgewalt erst dann, als es darauf ankonnnt, in innerer
Gesetzgebung die seit Mitte des 15. Jhs. immer mehr aufklaffenden wirtschaft-
lichen Gegensätze von Stadt und Land zu versöhnen; und der Fürst seiner-
seits wendet sich an die Geldbewilligung der Stände erst dann, als er zur
Führung einer kräftigen äul'seren Politik seit der zweiten Hälfte oder spätestens
dem Ende des 15. Jhs. kostspieliger Söldnerheere bedarf^.
Bis zu einem gewissen, freilich viel geringeren Grade ungeeignet ist ferner
die landesherrliche Zentralverwaltung. Die Quellen zu ihrem Verständnis flielsen
im Trierschen, wie auch anderwärts^, während des 14. und 15. Jhs. nur spärlich;
Original-Schreiben und Konzepte der Zentralstelle treten in gröfserer Fülle
und andauernd erst mit Mitte des 15. Jhs. auf^. Zudem aber entwickelt sich
die fürstliche Zentralverw^altung in Einrichtung des kollegialischen Systems
und fester Scheidung der Departements für allgemeine Regierung, für Wirt-
schaftsverwaltung, Rechtssprechung, Kriegswesen u. a. m. erst aus häufiger
Anwendung der landesfürstlichen Verordnungsgewalt und aus der Territorial-
gesetzgebung heraus, d. h. erst nachdem die Stände in volle Thätigkeit ge-
treten sind, also erst im 16. Jh. Was vor dieser Zeit in deutschen Territorien
an Zentralverwaltung bestand, war relativ einfach und in den einzelnen Ländern
sehr verschieden entwickelt, bedarf trotz einiger einschlägigen Arbeiten fast
überall noch genauerer Untersuchung, wird aber für die allgemeine Verwaltungs-
geschichte schwerlich von gröfserem Interesse sein^. Denn die späteren deutschen
1) Damit natürlich auch die Verwaltung, welche die Stände auf Grund der Steuer-
bewilligung entfalten. Kiu'ze Darstellung derselben bei Ritter S. 732 — 33.
^) In dieser durch gegenseitige Bedürfhisse begründeten Harmonie der Interessen sieht
Ritter S. 732 mit Recht den Kern für die gedeihliche Entwicklung der landständischen Ver-
fassungen, wenn er zusammenfassend sagt: Der Gedanke dieser Verfassung war Vereinigimg
der Elemente der öffentlichen Gewalt und mittels dieser Vereinigung Schutz und Erweiterung
der Macht des Fürstentiuns nach aufsen, der Rechte seiner Angehörigen nach innen.
^) Charakteristisch ist in dieser Hinsicht, dafs die Hofordnungen fast überall erst der
2. H. des 15. Jhs. angehören. Besonders früh liegen die Hofhaltungsordnungen der nieder-
bairischen Herzöge Otto Ludwig und Stephan vom 10. Mai 1293 und 20. August 1294, in
Quell, u. Erört. 6, 12—14, 52—60, Ried CD. Rat. 1, 650; s. dazu Riezler, Bair. Gesch.
2, 508 ff.
*) Die ältesten derartigen Akten enthält das Koblenzer St. A. unter Kurf. Trier, Staats-
archiv, Geh. Kabinet, Personalien der Erzbischöfe; Bd. 1 reicht von 1456—1490; Bd. 2 von
1490—1503. Genauer und zahlreicher werden die Akten erst etwa mit 1486.
^) Bezeichnend ist, dafs es im Reiche erst unter Sigismund zu einer eigenen Verwal-
tungsorganisation kam; bis dahin hatte wenigstens seit Karl IV völlige Fusion der betr.
königlichen Hauslandesverwaltung und der Reichsverwaltung bestanden; s. Seeliger S. 25, 61.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1254 —
Zentralverwaltungen, vor allem die des Reiches, knüpften weniger an die kleinen
Versuche des deutschen Mittelalters, als an fremde Entwicklungen an. So
kommt das Reich nach dem Scheitern der Mairschen Verwaltungsreform in den
Jahren 1463 — 64 zu einer angemessenen Zentralverwaltung erst unter Kaiser
Max nach französisch-niederländischem, unter Karl V. nach teilweis spanischem
Vorbild ^ und an diesem Vorgang lehnt sich der junge Absolutismus der Terri-
torialfürsten des 16. Jhs. an.
Mit der Zentralverwaltung aber erscheint für unsere Erörterungen teil-
weis auch die Geschichte der Landeshoheit ungeeignet. Zwar bleibt es rätlich,
die Entwicklung der Trierer Landeshoheit im Mittelalter unter Heraushebung
der generellen Gesichtspunkte zu verfolgen, so weit dies heute, bei dem Fehlen
einer allgemeinen Geschichte der Landeshoheit im Mittelalter, möglich ist.
Allein die volle Entfaltung der Landeshoheit gehört der Periode unserer
Darstellung noch nicht an. Die Landeshoheit im Sinne des Absolutismus
erwächst erst aus dem von der landständischen Gesetzgebung etwa seit Schlufs
des 15. Jhs. sich völlig loslösenden landesherrlichen Verordnungsrecht des
Fürsten ^, und aus der Möglichkeit, dieses Verordnungsrecht auch ohne ständische
Mitwirkung durch das Mittel einer gut funktionierenden Zentralverwaltung
wirksam und anwendungskräftig zu machen. Sobald die Landesgewalt dieses
Verordnungsrecht entwickelt hat, beginnt sie dann vermöge desselben die
Autonomie der alten lokalen Verwaltungskörper, der Landstädte, der Mark-
genossenschaften und Grundherrschaften, schliefslich auch die generelle Selb-
ständigkeit der Stände aufzusaugen : so entsteht die absolutistische Landeshoheit
seit etwa Mitte des 16. Jhs.
Im Gegensatz zur Schwierigkeit der Behandlung von Ständen, Zentral-
verwaltung und Landeshoheit im Rahmen unserer Erörterungen ergiebt sich
nun als durchaus darstellbar die Entstehungsgeschichte des Territoriums und
der Lokal Verwaltung^. Sehr begreiflich: diese unteren Bildungen noch halb
autonomer Art gehören dem Werden der Landesgewalt im Mittelalter an, sie
bilden die Grundlage jener mit ihren Verzweigungen in weit spätere Zeiten
hineinragenden oberen Gewalten, deren volle Untersuchung abgelehnt wer-
den mufste. Und damit fallen einige doch bedeutende Momente innerhalb
der Entstehungsgeschichte der Landesgewalt in den Kreis unserer Er-
örterung. Die Untersuchung der Bildung des Territoriums führt uns von
^) S. dazu Meiller, Herald.-geneal. Zs. Bd. 1, 23 f., und neuerdings Adler, Zentral-
venvaltung unter Kaiser Maximilian I S. 3 ff.
2) Ein erster Ausdruck desselben sind die zuerst seit Ausgang 15. Jhs. stärker vor-
kommenden allgemeinen Landesordnungen, eine Zusammenstellung der wichtigsten bei Ritter
S. 787 Note 1.
^) Abgesehen freilich von der Gerichtsverwaltung: hier brachte die Rezeption des
römischen Rechtes zumeist erst im 16. Jh. mit der Umgestaltung des Rechtes und der
Rechtssprechung auch eine Neuordnung der Gerichtsverfassung.
— 1255 — Bildung des Territoriums.]
den die Landesgewalt direkt konstituierenden Kräften weiter auf die militärische
Gewalt als die jene Kräfte zusammenfassende Bildung und eröffnet damit
einen fruchtbaren Gesichtspunkt auch für die Geschichte der Kriegsverfassung ;
in der Lokalverwaltung aber tritt uns das wesentlichste, bisher noch im Gegen-
satz zu der ziondich regen Forschung über die Zentralverwaltungen kaum be-
achtete Element entgegen, welches die deutschen Fürsten selbständig als Basis
eines künftigen Absolutismus geschaffen haben.
Und so werden denn unsere Untersuchungen am besten so zu gliedern
sein, dafs zuerst von der Bildung des Territoriums, dann von der mittelalter-
lichen Entwicklung der Landeshoheit, endlich von der Entstehung der landes-
herrlichen Verwaltung, vornehmlich der Lokal Verwaltung gesprochen wird.
In diesem Teil hat uns zunächst die Frage nach der Bildung des Terri-
toriums zu beschäftigen. Wir sind auch schon in der Lage, die nähere
Disposition für ihre Beantwortung zu entwickeln : es handelt sich zunächst um
die konstituierenden Kräfte der Landesbildung, dann um die militärische Ge-
walt, welche dieselben zusammenfafst.
Unter den konstituierenden Kräften aber können wir wieder halbstaat-
liche, staatliche, und bei geistlichen Fürstentümern wie Trier auch kirchliche
Gewalten unterscheiden. Von ihnen sei zunächst die Rede.
Als halbstaatliche Gewalten sind Grundherrlichkeit und Vogtei zu nennen,
neben ihnen aber auch die Lehnsherrlichkeit, welche in der Bildungsepoche
der Territorien schon längst von ihrer einst ausschliefslich politischen Höhe
bis zu halbstaatlicher, ja teilweis völlig privatrechtlicher Ausnutzung herab-
gesunken war^
Von diesen Gewalten bildet nun die Grundherrlichkeit in ihren unendlich
verschiedenen Abstufungen^ seit etwa der Mitte des 12. Jhs.^ zweifellos das
Hauptfundament* für die Entwicklung des Territoriums; Wesen und Lage der
Grundherrschaft geben die Grundlage für Bedeutung und Ausdehnung des
späteren Landes ab.
Aber nicht jede Grundherrschaft war als territoriales Substrat geeignet.
Am wenigsten natürlich die etwa seit Mitte des 13. Jhs. vornehmlich aus-
gebildete Eentengrundherrschaft ^, in welcher der Grund und Boden kaum noch
^) S. oben S. 627. Zur ursprünglichen Abgrenzung des politischen Lehnswesens von
der älteren wiederum mehr privatrechtlichen Bildung s. Waitz, Vfg. 6, 15.
2) S. oben S. 991 f., 1061.
3) S. z. B. über Abt Marlrvs-ard von Fulda (1150 ff.) und sein Bestreben, auf die Grund-
herrschaft der Abtei hin eine Territorialgewalt zu begründen V. Abbee, Beitr. z. G. d. Abts
M. von F., Viersener Progi-amm 1885, S. 4.
*) Die Markherrlichkeit allein kommt daneben wenig in Betracht, s. oben S. 1014—15.
Zur Allgemeinheit der hierher gehörigen Erscheinungen s. Schulte zu Fritz, Das Territorium
des Bistums Strafsburg, Osten'. Mitt. 7, 181.
^) S. dazu oben S. 886.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1256 —
als Träger von Herrschaftsrecliten , sondern fast nur als Träger von privaten
Nutzungsrechten erscheint. Ihr gegenüber kommt für die Bildung der Terri-
torien fast ausschliefslich die alte Grundherrschaft in Betracht, wie sie über
möglichst grofse Strecken ausgedehnt ist, hier und da mit gewissen Zentral-
punkten und räumlich geschlossenen Herrschaftsrechten, wie z. B. dem Wild-
bann ausgestattet erscheint \ und endlich bis in das 14. Jh. hinein noch wirk-
liche, in Regie betriebene Fronhöfe und einen sich noch immer erweiternden
Kreis dienender Hufen unter völlig festgehaltener Abhängigkeit vom Fronhof
aufweist ^.
Wo aber eine derartige Grundherrschaft als günstige Unterlage für die
Bildung eines Territoriums bestand, da handelte es sich noch immer darum,
sie durch Umformung und Abrundung für die neue Aufgabe geeigneter zu
machen. Zu diesem Zweck bedurfte es zunächst eines festeren Zusammen-
schlusses und einer strafferen Arrondierung der Fronhöfe in sich ^. Dann aber
galt es, die klaffenden Lücken zwischen der Streulage der einzelnen Höfe thun-
lichst auszufüllen: es wurden zwischenliegende Besitzungen bisweilen gepachtet*,
noch lieber in Pfand genommen, wenn irgend möglich gekauft. Und diese
Transaktionen erstreckten sich nicht blofs auf einzelne Höfe und die verschiedenen
Arten der Grundherrlichkeit, je tiefer wir diese Dinge ins 14. Jh. hinein ver-
folgen, um so mehr handelt es sich um teilweisen oder vollen Erwerb ganzer
Städte, Territorien, Länder mit aufs verschiedenartigste abgestuften Hoheits-
rechten ^. Von besonderer Wichtigkeit aber mufste es bei energischer Auf-
nahme dieser Bestrebungen sein, das Reich mit seinem Besitz allmählich aus
dem Bereich des künftigen Territorialgebietes zu entfernen ; wurde seine Macht
nicht mehr gefühlt, so waren die kleinen Herren der beachtenswertesten
Stütze beraubt und konnten um so eher überwältigt werden. Die Fürsten
zeigen daher schon früh einen besonderen Eifer, allen Reichsbesitz innerhalb ihrer
Machtsphäre aufzusaugen; am frühesten hatte wohl das Reichskirchengiit unter
diesen Bestrebungen zu leiden^. Wurden zu dessen Schutze noch im 13. Jh.
Vorkehnmgen getroffen, so räumt dagegen seit Beginn des 14. Jhs. das Reich alle
seine Positionen; König Ludwig erlaubt z. B. im J. 1314 dem Erzbischof Balduin
von Trier, quod omnia bona imperii, ubicunque in sua dioecesi reperiantur ob-
1) Vgl. oben S. 705.
2) S. oben S. 743.
5) S. oben S. 740.
*) S. oben S. 946 Note 1.
•^) Zur Verpfändung s. z. B. Cod. Salm. 77, 1281; CRM. 3, 53, 1314; zum Verkauf
Cart. Orval 672, 1340; WSGoar 1384, G. 4, 737, § 6; *Koblenz St. A., Dipl. Prumiense
Bl. 22a, 1469.
ß) Zur Einverleibung von Reichskircbengut in den Territorialbestand der Kirchenfürsten
s. Ficker, Reichsfürstenstand S. 337 ff.; Berchtold, Landeshoheit S. 88 ff. Verboten wurde
sie 1216 durch die sententia de non alienandis principatibus, Berchtold a. a. 0., welche frei-
lich einen noch weitertragenden Sinn hatte.
— 1257 — Bildung des Territoriums.]
lijiata, coniuiictiin vel divisim eo pretio modo et forma, qiiibus sunt obligata,
rediinore valeat ac eo iure teuere ^ ; und wenig spätere Gnadenbeweise gehen
noch weiter-.
So bildete sich denn seit spätestens der 2. Hälfte des 13. Jhs. ein stets
festeres grundherrschaftliches Substrat für die Ausgestaltung eines künftig ge-
schlossenen Territoriums ; und mit seiner Herstellung wurde zugleich der Grund-
herrschaft innerhalb des territorialen Embryos eine andere Funktion und ein
vom Bisherigen abweichender Charakter gegeben. Das Ziel der hier ein-
setzenden Bestrebungen war die Übernahme der bisher mit der grundherr-
schaftlichen Organisation verkniipften halbstaatlichen Herrschaftsrechte, also
der Grundherrlichkeit, auf die Territorialverwaltung, und die Umbildung der
verbleibenden Gütermasse zum landesherrlichen Domanium. Dies Ziel wurde
nun freilich im Mittelalter noch nicht völlig erreicht, immerhin aber wurden
beachtenswerte Versuche in dieser Richtung unternommen und teilweis auch
mit Glück durchgeführt. Mafsgebend für sie war vornehmlich das Aufkommen
der freien Pachtformen. Mit der freien Pacht war die trotz vieler Rückfälle
in das alte System immer wieder benutzte Möglichkeit gegeben, die wirt-
schaftliche Seite des Fronhofsmeieramtes an einen kapitalreichen Pächter zu
verpachten, für die obrigkeitliche Seite aber einen besonderen Territorialbeamten
zu ernennen^. So entsteht seit der 2. Hälfte des 12. Jhs. der von uns schon
wiederholt betonte Unterschied zwischen Wirtschaftsmeier und Schultheifs, und
der Schultheifs entwickelt sich zum Richter des territorialen Untergerichtes*.
Und wie in der eigentlichen agrarischen Grundherrschaft, so lag in den ander-
weitigen wirtschaftlichen und rechtlichen Annexen derselben die Möglichkeit
einer verwandten Trennung vor. Mit den Fronhöfen waren vielfach Kirchen-
sätze verknüpft^, jetzt konnte der Fürst diese Kirchensätze aus der Grund-
herrschaft herausziehen und ihre Pflege durch eine besondere landesherrliche
Patronatsverwaltung besorgen lassen. Ferner hatten die Forsten in älterer
Zeit in nächster Beziehung zur Fronhofsverwaltung gestanden^; jetzt trennt
man sie von derselben ab und regelt ihre Verwaltung nach den Ämtern der
neu begründeten Landesverwaltung ^
Liefs aber der Landesherr auf diese Weise seine Grundherrschaft, die
Hauptgrundlage der Territorialbildung, nach den ersten sicheren Fortschritten
eben dieser in das neue grofse Ganze aufgeben, so liegt die Annahme nahe genug,
1) Honth. Hist. 2, 93, 1314.
2) Generalvollmacht für Erzbiscliof Balduin zum Erwerb der Keichsgüter 1321 Aug. 19,
unvollständig gedr. Honth. 2, 99, reg. Dominicus S. 187, s. auch Honth. Hist. 2, 624. Im
übrigen vgl. Goldene Bulle c. 10.
3) S. oben S. 947, 973; Bd. 3 No. 162, 1344.
*) S. oben S. 735 f., 1053, 1057 f.
^) S. oben S. 118 f., 240, 1006.
«) S. oben S. 494 f.
■^) S. Bd. 3 Xo. 260, 1478.
L ampreclit, Deutsches Wirtschaftsle'ben. I. 80
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1258 —
dafs er verwandte Bestrebungen auch gegenüber den fremden Grundherrschaften
geltend gemacht haben wird, w^elche innerhalb der sich schliefsenden Grenzen
seines Territoriums lagen. Diese Grundherrschaften waren nun aber teils geist-
lich, teils gehörten sie dem Adel und der Kitterschaft an, d. h. sie waren
in der Gew^alt eben jener Klassen, welche seit dem 13. Jh. die Stände des
Territoriums zu bilden begannen ^ Mafsregeln des Territorialherrn gegen
fremde Grundherrschaften fielen also im wesentlichen mit Mafsregeln gegen-
über ständischen Personen zusammen und gehören mithin der Entwicklungs-
geschichte der Landeshoheit an. Darum ist von ihnen erst im zweiten Teile
dieses Abschnittes zu sprechen.
Die zweite halbstaatliche Gewalt, deren Entwicklung von gröfster Be-
deutung für die Ausgestaltung des Territoriums wurde, ist die Vogtei.
Sehen wir hier von der bei geistlichen Fürstentümern früher oder später
eintretenden Notwendigkeit ab, zunächst die eigene immunitätsherrliche Be-
vogtung abzuschütteln ^, so sind für die Ausbildung der Landesgew^alt nament-
lich die vollen Gerichtsvogteien von Bedeutung gewesen, also die Mark- und
Fronhof- oder Grundgerichtsvogtei und die Immunitätsvogtei : ist doch in ihnen
eine der Haupt])estimmungen der erwachsenden Landesgewalt, der Rechts- und
Friedensschutz, besonders deutlich und organisiert ausgeprägt^. Daneben
kommen dann noch die Kirchenvogteien im Sinne landesherrlichen Patronats-
wesens^, die Markvogteien , endlich auch die bald auf Wachszinsigkeit, bald
auf sonstiger Schutzhörigkeit beruhenden Personalvogteien ^ in Betracht, welch
letztere sich einzelne Landesherren Avohl innerhalb ihres Machtbereichs mehr
oder minder ausschliefslich vorbehielten^.
Die Summe dieser verschiedenen Bildungen ging aber nicht roh und
einfach in die territoriale Entwicklung auf, vielmehr suchte man auch hier den
in früherer Zeit vielfach ohne sichere Grundsätze und durch die Laune des
Zufalls erworbenen Bestand in sich zu befestigen und abzurunden. Zu diesem
Zwecke begann nun ein mit jeder Generation steigender Neuerwerb von Vog-
teien durch Kauf, Pfandnahme und Befreiung der Bevogteten von gewissen
Lasten^; schon seit der Stauferzeit wurde es Brauch, dafs der Landes-
*) Das gilt wenigstens im allgemeinen. Ein Privileg aber der Ritterbürtigen als alleiniger
Grundherren, wie es v. Below S. 30 annimmt, läfst sich in keiner Art erweisen.
2) Das geschah in Trier 1197, s. MR. ÜB. 1, 165, 116, 1197; 2, 168, 1197; G. Trev.
Cont. 4 Add. 2, MGSS. 24, 393; UStift 14. Jh. Anf., Lac. Arch. 1, 258; vgl. auch Honth.
Hist. 1, S. 469 f.
3) S. oben S. 1136.
^) S. oben S. 1066 Note 2.
^) S. oben S. 1222 f. *
«) WRommersheim 1298, cit. oben S. 1068 Note 9, auf S. 1069.
■^j Vgl. für Trier Honth. Hist. 1, 635, auch AVIrsch usw., Lac. Arch. 1, 256; im all-
gemeinen s. auch Waitz Vfg. 7, 335 f. Um ein spätes, besonders gut dokumentiertes Beispiel
zu nennen, so kommt die Vogtei Schoenecken bei Prüm 1381 an Wenzel von Boehmen
— 1259 — Bildung des Territoriums.]
heiT der Zukunft zum Vogt der im Bereiche seines Einflusses belegenen geistlichen
Orundherrschaften erwählt ward\ und seit dem 14. Jh. wurden seinem vogteilichen
Schutze, seinem scliirm, verspreche und verantwurtunge - auch eine grolse An-
zahl weltliclier Grundherrschaften in direkter Anerbietung ihrer Besitzer unter-
stellt^. Zu alledem kam speziell fiir die Bischöfe noch der besondere Vorteil
eines 1180 erfliefsenden , übrigens durch lang eingebürgerte Gewohnheit vor-
bereiteten Reichsspruches, welcher die Behandlung der geistlichen Vogteien in
ihrer Diözese fast völlig ihrem Ermessen unterwarf*. So bildete sich denn
ein fester und territorial fast völlig geschlossener Kern landesherrlich-vogtei-
lichen Einflusses aus^, und von diesem aus versuchten die Landesherren nun
auch die Bedeutung der sonst vorhandenen Vogteien entweder zu schwächen
oder sich anzueignen. Am schärfsten gingen sie dal)ei gegen die Fronhofs-
bzw\ Gnmdgerichtsvogtei vor^. Das zu erreichende Ziel war freilich hier be-
sonders klar: es kam darauf an, die landesherrliche Hochgerichtsbarkeit ent-
weder direkt oder im Sinne einer Immunitätsvogtei möglichst fest über die
(*Koblenz St. A. Rep. Piiim 133a, Kopie 18. Jhs.), 1384 Dez. 7 kauft sie Erzbischof Kuno
von Trier, vgl. *0r. Koblenz St. A. Rep. 140, dazu zwei *Orr. in Trier 1384 Dez. 7 und
1385 Jan. 13. — Zur Befreiung Bevogteter s. MR. ÜB. 3, 33, 1215; 35, 1215; 444, 1231;
Biittinghausen, Beitr. 2, 325, 1234; MR. ÜB. 3, 565, 1236.
1) S. oben S. 1132, 1134.
2) S. Bd. 3 Wortr. u. d. W. schirm.
^) S. dazu oben S. 1006 f., ferner auch aus späterer Zeit mehr oder minder hierher
gehörig Bd. 3 No. 156, 1343; No. 172, 1347; CRM. 3, 515, 1367: Graf Johann von Sayn
übergiebt dem Erzbischof Kuno von Trier seine Grafschaft, seine Lande und Testen, Burgen
und Städte Sayn, Hachenburg, Freufsberg, Weitersburg, Friedewald und Bendorf auf dessen
liCbenszeit in Schutz; dazu CRM. 3, 547, 1374: Graf Johann von Sayn überträgt dem Erz-
bischof Kuno von Trier seine Leute in dem Gerichte zu Kunen-Engers. S. auch CRM. 4,
276, 1460; 277, 1460; und besonders erwähnenswert Ferdinand S. 99, 1367: Erzbischof Kuno
übernimmt den Schutz der Stadt Trier gegen 3000 Ib. gl. Trierisch unter Beibehaltung des
Schiedsspruches Karls IV. zwischen ihnen.
*) MGLL. 2, 164: quod episcopus vacantem sibi cuiuscunque loci advocatiam vel in
manu sua quantocumque vult tempore retinere potest, vel alii cuicunque dare. Über vor-
bereitende Schritte in dieser Richtung s. Berchtold, Landeshoheit S. 137; vgl. auch oben
S. 231 Note 3, sowie Ennen, Qu. 1, 462—63, 10, 942; 503, 41, 1130; MR. ÜB. 2, 350, 1139.
Zu den Konsequenzen s. *Abschr. Koblenz St. A. 1220, vgl. MR. Reg. 2 No. 1458: Erz-
bischof Dietrich spricht Kloster Lonnich von der Vogtei des Trierer Ministerialen Marsilius
von Gondorf frei, welche letzterer sich angemafst hatte, trotz früherer päpstlicher und erz-
bischöflicher Privilegien, und bestimmt, dafs das Kloster nur dem Erzbischof von Trier unter-
geben sein solle. In diesen Zusammenhang gehört wohl auch *Chartul. Koblenz St. A. 1257,
MR. Reg. 3 No. 1384: Erzbischof Arnold von Trier überträgt dem Abt von SMartin-Trier den
Schutz von Himmerode gegen alle Anfechtungen einer gröfseren spezifizierten Güterschenkung.
Reg. über letztere MR. ÜB. 3, 984 und MR. Reg. 3 No. 1474.
•^) So werden z. B. im Bereich des Luxemburger Landes vom ULuxemburg bei vielen
Orten nun Vogteiabgaben verzeichnet, s. Bd. 3 Wortr. u. d. WW. salvement und voerie, wo
aber nur ganz signifikante Stellen verzeichnet sind.
®) S. dazu schon oben S. 1110.
80*
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1260 —
fremdhenlichen Fronhofsvogteien hinwegzuspannen ^ Aber auch die fremd-
herrlichen Immunitäts- oder Hochgerichtsvogteien wurden beunruhigt, man
suchte sie entweder lehnsweise oder amtsweise dem landesherrlichen Einflüsse
zu unterstellen^.
Nun gelang freilich die Ausschliefsung fremdherrlicher Vogtei vom Landes-
gebiet oder wenigstens ihre Unterwerfung unter landesherrliches Ermessen
keineswegs völlig und besonders früh; aber immerhin stand doch schon bei
Beginn des 14. Jhs. dem Landesherrn eine wohlgeschlossene Summe vogtei-
licher Herrschaftsrechte zu Gebote, bei denen es sich nach den Bedingungen
fragen mufste, unter welchen sie sich der erwachsenden Landesgewalt ein-
reihen liefsen.
Da kommt nun eine Einrangierung im grundherrlichen Sinne, so dals
die Besitzungen des Bevogteten als Pertinenz der vogtherrlichen Grundherr-
schaft behandelt werden, nur in ältester Zeit bei solchen Grundherren vor,
welche später Landesgewalt erlangen^; sie gehört nicht eigentlich der Ent-
wicklungsgeschichte des Territoriums, sondern vielmehr derjenigen vogteilicher
Drangsale im 11. bis 13. Jh. an. Späterhin dagegen wird die Vogtei bei ihrer
Einreihung in die Landesgewalt ganz vorwiegend als Gerichtsbarkeit überhaupt
gefafst* und demgemäfs entsprechend den usurpierten Rechten staatlicher Ge-
1) Man vgl. in diesem Sinne CRM. 3, 589, 1381 : die Rede von der vodie der dorfer
Builche und Morshusen . . beheltliche . . doch der obersten herschaft und des hoengerichts
derselben dorfere [an das Stift] . ., die nit zu derselben vodien gehorent, und auch mit
sulichen vurwerten, die (demErzbischöfen) die uberbracht binnen den vorg. dorfern und vodie
deden oder die sust da verbrechen, daz man sie halden und vahen wurde, daz man die füren
und antwerten sal gefangen in eine mins vurg. heren von Triere und sins stifts vesten, und
sie da gevangen halden ; und waz besserungen von dem gevellet, die sal halb mins heren von
Triere . . und halb min sin, beheltnisse doch mime vurg. heren . . des hoengerichts und
busen, die lif und gut antreffent, und waz darzu gehoeret, darane ich kein recht han oder
haben sal. Schon sehr früh ist die Richtung ausgeprägt in MR. ÜB. 3, 725, 1241 : Matheus
dux Lothoringie et marchio dilecto suo domino Winemaro de Mandresem salutem . . abba-
tissa et conventus de Orreo Trevirensi sua nobis insinuatione monstrarunt, quod vos super
curia in Fleriche et appenditiis eins, que movet de feodo nostro, iustitiam, quam debetis de
hominibus ipsius ecclesie, eisdem non exhibetis. cumigitur a nobis tamquam a summo advo-
cato super eadem requirant sibi iustitiam exhibere, licet alias vobis scripserimus super eodem,
iterum vobis mandamus rogantes, quatinus dicte ecclesie de Orreo ita iuris plenitudinem
exhibeatis, quod de cetero de vobis ad nos non habeant materiam conquerendi; alioquin
talem iniuriam sibi fieri ulterius non sustinebimus. Das ist freilich ein Ton und eine Art zu
verfahren, welche um diese Zeit in Trier und an der Mosel noch unbekannt waren, vgl.
MR. ÜB. 3, 254, 1225.
2) Vgl. oben S. 234 und ULuxemburg 372, le, Viviers: messires at la haute justice
ou ban de Wiviers et le tient li vocis [Vogteileute] de monsignour en fies ou d'arrier-fies.
^) S. Chron. s. Mich. Vird. 32, MGSS. 4, 84, um 1035, cit. oben S. 1127 Note 3,
dazu ebd. c. 11, S. 82, um 1020.
4) S. oben S. 1135.
— 1261 — Bildung des Territoriums.]
ricbtsbarkeit einverleibt ^ wenn sich aucli mit ihr seit Mitte des 13. Jhs. noch
viel allgemeiner die Idee landesherrlichen Schutzes verl)and -. Indem al)er nun
die Vogtei wesentlich als Gerichtsherrlichkeit aufgenonnnen wurde, ergab sich so-
fort das Bestreben, die nicht selten lokal zersplitterten und verstreuten vogteilichen
Jurisdiktionsrechte zu lokal geschlossenen zu machen. Eine solche lokale Ab-
grenzung und Einbettung aber liefs sich nun am einfachsten im Anschlüsse an
die Bezirke der eben in Ausbildung begriffenen Territorialverwaltung durchführen.
Wie aus den zerstreuten Fronhofsbeziehungen der altlandesherrlichen Grundherr-
schaften unter später genauer zu schildernden Vorgängen die Ämter der terri-
torialen Lokalverwaltung erwuchsen, so wuchsen aus zersplitterten Vogteirechten
und sonstigen Resten staatlicher Rechtssprechung günstigen Falles Amtshoch-
gerichte in diese Ämter hinein^. Und an diese neuen Hochgerichte, denen
sich die Grundgerichte als Stellen niedrigster Instanz unterordneten, wie an
deren lokal geschlossene Bezirke lehnte sich dann auch die alte Idee allgemeinen
vogteilichen Schutzes an. Im Weistum des Amtes Nürburg vom J. 1515 heilst
es : der untersaesse im lande von Nürburg, welchem herrn er auch zugehoere,
der sich gebruicht wassers und weiden im land, schirm und schuiringe gesint
vom herrn, der sal dienen an dat huis Nürburg gleich andern undersaessen
und angehoerigen sonder argelist. und umb dat er dat doin sal, so sal der
herr demselbigen manne seine haefe lif und gut verantworten binnen dem
lande vur sinen vianden*. Aus dieser allgemeinen Schutzgewalt heraus ent-
wickelte dann der Landesherr wiederum die Präsumtion allgemeiner Ver-
waltungshoheit für den gleichen Bezirk.
Hilft die Vogtei in dieser Weise auf der Basis giundherrlicher Wirt-
schaftssubstrate zumeist indirekt den späteren Verwaltungszusammenhang der
Ämter mit entwickeln, so sind doch vogteiliche Gewalten bisweilen noch viel
unmittelbarer an dieser Bildung beteiligt. Dies ist namentlich da der Fall, wo
sich eine alte Vogteiberechtigung auf lokal geschlossenem Gebiete schon an
sich zur vollen Amtsthätigkeit im Sinne der Lokalverwaltung des 14. Jhs. aus-
geweitet hatte; hier bedurfte es natürlich nur der Anerkennung des Vogtei-
bezirkes als Amtes durch Eingliederung desselben in ein umfassenderes terri-
toriales Verwaltungssystem ^, um die Vogtei verwaltungsbildend zu machen.
1) S. oben S. 1068; Arch. Clervaux 1026, 1454, cit. oben S. 1071 Note 2; S. 1132,
1136. Aus späterer Zeit s. noch Honth. Hist. 2, 346, 1406; 374, 1428; 423, 1456; 456, 1471;
und dazu WFrisingen 1541 § 23. Zu verwandten Verhältnissen in Österreich vgl. Hasenöhrl
S, 55. Umgekehrt entwickelt der König sein Verhältnis zuerst zu gewissen Klöstern, später
zu allen Unterthanen im Sinne der Vogtei, er ist später des Reiches Vogt; s. Waitz.
Vfg. 7, 338 f.
2) S. oben S. 171 und 177, 1136 f.
3) S. oben S. 186 ff. und 1138.
*) WNürburg 1515, G. 2, 612.
^) Ein Beispiel bieten die späteren Ämter Oberwesel (und Boppard), vgl. MR. ÜB. 3,
1406, 1257 ; CRM. 3, 37, 1309 : K. Heinrich giebt Oberwesel und Boppard an Erzbischof Balduin
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1262 —
Die Grundlagen einer ganz ähnlichen Entwicklungsmöglichkeit bestanden aber
auch bisweilen aufserhalb der eigentlichen Vogtei. So z. B. bei Wildbann-
rechten. Der Wildbann umfafste stets ein räumlich begrenztes Gebiet, er
konnte sich völlig im Sinne einer Vogtei entwickeln \ und diese Vogtei konnte
dann bei Einrangierung in ein Territorium ohne weiteres zum Amt werden.
Das scheint beispielsweise der Entwicklungsgang im trierischen Amte Monta-
baur gewesen zu sein.
Können auf diese Weise Grundherrlichkeit und Vogtei meist kombiniert^
bisweilen auch wohl isoliert, als direkte Grundlage der territorialen Ämter-
bildung in Anspruch genommen werden, so hält sich das dritte halbstaatliche
Moment der Territorialbildung, die Lehnsherrlichkeit, diesen Vorgängen gegen-
über etwas abseits. Aus den Lehnsauftragungen — nur von diesen, nicht von
den Verlehnungen kann natürlich im vorliegenden Zusammenhang die Rede
sein — erwachsen vielmehr wesentlich jene Teile des späteren landesherrlichen
Territoriums, welche mit demselben in loserem zumeist nur durch ständische
Vermittlung hergestellten Zusammenhange bleiben. Eben in diesem Sinne aber
wird der Erwerb durch Lehnsauftragung innerhalb der Bildungsgeschichte de&
Territoriums wichtig namentlich für solche Herrschaftsrechte, deren direkte
Inkorporation durch Kauf und Rechtsgeschäfte gleicher wirtschaftlicher Wirkung
aus irgendwelchen Gründen nicht möglich war^.
Natürlich sind auch diese Herrschaftsrechte und deren lokale Substrate
sehr verschiedener Natur. Nur seltener werden im Lehnsauftrag ausgedehnte
Grafschaftsrechte, vielleicht gar volle Grafschaften erworben^, ebenso wie es
nicht häufig ist, dafs abgesehen von den auf Zeit lautenden, daher hier aufser
Betracht bleibenden Lehnsdienstverträgen Lehnsverbindung mit einzelnen ein-
fachen Personen begründet wird *. Häufiger dagegen kommt es schon vor, dafs
Treu- bzw. Lehnsverhältnisse ganzer oder zerstückelter Ministerialitäten oder
Lehnsgenossenschaften auf den Landesherrn übertragen werden^; wenn auch
in gubernationem, quatinus eidem archiepiscopo tamquam gubernatori et advocato vestro vel
eins substituto suo nomine pareatis. S. dazu Küster S. 85 Note 1.
1) S. oben S. 111, 479.
2) Man vgl. hierzu und zum folgenden u. a. nur die von Dominicus aufgeführten Lehns-
erwerbungen des Erzbischofs Balduin, a. a. 0. S. 83; 113 Note 3; 119 Note 3 und 120
Note 1; 127 Note 1; 159; 162 Note 2; 186 Note 1; 190 Note 3; 193 ff.; 262 ff.; 265
Note 1-3; 270 Note 3; 273 ff.; 408 ff.; 411 ff.; 505 ff.; 506 Note 1; 579 Note 1; 583;
592 Note 3. S. auch Loersch , De ortu etc. S. 16 f. : de territorio luliacensi conubiis feudo-
rumque consociatione adaucto.
^) Lehnsauftragungen ganzer Grafschaften an Stifter kommen seit 11. Jh. namentlich
in Lothringen vor, s. Waitz, Vfg. 7, 261. Für unser Gebiet vgl. u. a. MR. ÜB. 2, 124,
1192; 3, 952, 1248.
*) S. Bd. 3 No. 178, 1349.
5) S. Bd. 3 No. 107, 1324; auch *Bald. Kesselst. S. 372, 1343: Boemund von Nail-
bach trägt an das Erzstift Trier auf alle unser edeln man, die lehen von uns . . haben
— 12G3 — Bildung des Territoriums.]
hier durch Lehnsauftrag nicht eine neue Lehnsverbindung begründet wird, sondern
nur derartige verwandte oder schon völlig gleichartig bestehende Verhältnisse
durch Zession auf den Landesherrn übergehen. Bei weitem am verbreitetsten aber
ist die Lehnsauftragung von Grundherrschaften , speziell von kleineren weithin
über mehrere Quadratmeilen verstreuten Grundherrschaften des sich eben bilden-
den niederen Adels und der freien Herren^ : ohne Ausnahme fast, soweit sie inner-
halb der jMachtsphäre des Territoriums liegen, konnnen sie in einen Lehns-
nexus und damit in eine, künftige Unterthanschaft vorbereitende Beziehung
mit dem Territorium ^. Eine ganz besonders betonte Form des Lehnsauftrages
adliger Grundherrschaften bildet dabei der Burgenauftrag: wir werden später
sehen, dafs er eine ganz spezifische Bedeutung hatte, und können seine Wich-
tigkeit schon jetzt an der aufserordentlichen Höhe der Sunnnen erkennen,
welche für Burgenaufträge gezahlt wurden^. Mit den Lehnsaufträgen von
Burgen an den Landesherrn, wie sie seit Mitte des 12. Jhs. reifsend zunahmen,
wurde nun aber dem Lehnsherrn, abgesehen von der nicht selten ausdrücklich
stipulierten Lehnskriegspflicht der Vasallen, namentlich das Öffnungsrecht an
der Burg zuerkannt, d. h. im w^esentlichen die rechtliche Möglichkeit, sich
jederzeit auf die Burg zur Verteidigung zurückzuziehen, und das im Einzelfall
mehr oder minder fest umschriebene Recht, die zeitweise Auslieferung der
Burg zur bedingungslosen militärischen Unterstützung in lehnsherrlichen Kriegen
zu verlangen^.
[omnes fideles] . ., daz er [Balduin] sie mag manen und manschaft an sie vordem glicher
wis, als wir . , mochten.
1) Zu Bedeutung und Charakter dieser Gnindherrschaften s. oben S. 702 if. Man
sehe u. a. Bd. 3 No. 93, 1316; CRM. 3, 548, 1574. Eigentümlich ist eine am Schlüsse dieses
Teils mitzuteilende *Urkimde des Bald. Kesselstadt S. 374, 1344 Febr. 2.
^) Im Laufe dieser konzentrischen Bewegung im Lehnserwerb des Landesherrn werden
dann exzentrisch gelegene Lehnsverhältnisse ttbgestofsen , ebenso wie von den Grundherr-
schaften einzelne fernliegende Höfe aufgegeben wurden, vgl. CRM. 3, 455, 1359: die Abtei
Korvei erlaubt dem Grafen Johann von Sponheim und seinen Erben, sich wegen der Lehen-
güter in der Pfarrei Traben und der lehenrührigen halben Burg Starkenburg einen andern
beliebigen Lehenherrn zu wählen.
3) Hier einige Daten in dieser Hinsicht. MR. ÜB. 2, 124, 1192: an Trier wird lehns-
weise aufgetragen castrum Virneburg una cum comitatu für 1600 Ib. Treverenses (etwa
370 000 M. nach heutiger Kaufkraft des Silbers). MR. ÜB. 3,- 664, 1239: Lehnsauftragung
der Burg Leyen bei Uerzig für 120 mr. (etwa 30 000 M.). MR. ÜB. 3, 739, 1242: Lehns-
auftragung der Burg Waldeck an Köln für 200 mr. kölnisch (etwa 50 000 M.).
*) S. zu diesen Fragen MR. ÜB. 1, 551, c. 1148, der Graf von Viandcn Lehnsmann
des Erzstiftes: de omnibus predicti comitis . . castris (nos archiepiscopus) . . auxilium habe-
bimus ; licebit quoque nobis de hiis castris quemlibet hostem nostrum impugnare, preter solum
abbatem Prumiensem, cuius homo ligius est. Zur Bedeutung des Wortes ligius s. Waitz,
Vfg. 6, 42; auch *Scheckman Spec. feud.: vasallus potest esse unius vel plurium, sed legius
vel ligius nisi dumtaxat unius . . . omnis homo ligius est vasallus, sed e contrario non
omnis vasallus est ligius. Über die Burgenauftragung belehrt weiterhin MR. ÜB. 1, 571,
1152: die Grafen von Sayn tragen den Erzbischof Hillin von Trier das Castrum und die
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1264 —
Neben der Abmndung der territorialen Bildung durch Herbeiführung
von Lehnsaufträgen steht nun freilich mit teilweis entgegengesetzter Tendenz
die Thatsache massenhafter Verlehnungen von Kechten und Grundstücken aus
dem landesherrlichen Besitzet Allein man darf sich den Einflufs derartiger
Curia Sayn zu Lehn auf eandem fidelitatem facientes, quam legii homines facere consueverunt,
quod, si nos guerram cum aliquo habere contingeret, contra quem nobis adiutorium prestare
non possent, de castro exire et eins potestatem absque eorum exheredatione nobis dare debent,
ita quod finita guerra ad castrum tamquam ad suum feodum redeant. Dafür erhalten sie
100 libratas de beneficio primo vacante in beneficium. Bei Handwechsel wird weder
Hergewede noch Hersture gezahlt. MR. ÜB. 1, 616, 1159: Johann von Siedelingen erhält
gewisse Rechte zu Lehen tali conditione, ut castrum suum Siedelingen, quod erat suum
proprium, reciperet in feodo ab (archiepiscopis) . . in perpetuum. Weiteres über die
Burg s. MR. ÜB. 1, 627, 1161. MR. ÜB. 3, 664, 1239: die Herren zu Leyen
tragen für 120 mr. ihre Burg Leyen bei Uerzig an Köln auf profitentes, quod nos . .
ecclesie . . in omnibus necessitatibus suis idem castrum libere aperiemus, de ipso tamquam
homines sui contra omnem hominem servituri. MR. ÜB. 3, 995, 1249: Meffried, Herr von
Neumagen, trägt seine Allodialburg Claracosta dem Grafen von Luxemburg zu Lehen auf,
ita quod dictum castrum ego et heredes mei debebimus reddere et deliberare dicto comiti et
heredibus suis ad voluntatem suam, et quotienscunque eis placuerit. et de dicto castro cum
appenditiis debent et possunt dictus comes et heredes sui adiuvari contra omnes principes,
archiepiscopos, nobiles vel innobiles et etiam contra omnes homines, qui vivere possunt et
mori. Ganz ähnlich lautet der Lehnsauftrag der Burg Arras an die Grafen von Luxemburg
MR. ÜB. 3, 996, 1249. Zum Charakter des Offenhauses s. genauer *0r. Koblenz St. A.
Prüm Rep. No. 62», 1343 Juni 24, Kuno von Clemency (Künzich) hat seine Burg als Offen-
haus an Prüm aufgetragen: ouch sullen mine vorg. herren von Prume, wanne sie enthalden
sin wollen, mich zitlichen lassen wiszen, wieder wen si enthalden sin wollen, und uf daz ich
und min erben unser gut dannen gefuren mögen, und sullen die vorg. herren von Prumen
dan daz hus in ire hüte und koste nemen und halden, als lange der crieg wert, wider den
die sie enthalden sint, und wanne der crieg uz ist, so sullen sie mir und minen erben daz
hus wieder inantwerten an allerhande argelist und geverde. Vgl. ferner noch Ennen, Qu. 1,
603, 108, 1193; Acta acad. Theod.-Palat. 2, 288, 1220; Lac. ÜB. 2, 245, 1239; CRM. 2,
160, 1254; Lac. ÜB. 2, 585, 1268; Honth. Hist. 1, 801—2, 1273; Guden. CD. 2, 980, 1300;
CRM. 3, 90, 1318; 118, 1323; 132, 1325; Bertholet 4, 376, dazu Würth-Paquet , Publ. de
Luxemb. 14, 78. In diesem Zusammenhang sei auch noch erwähnt Honth. Hist. 2, 174 — 175,
1353: Karl IV. weist das Reichslehen Gerlachs von Braunshorn zu EUenz und Poltersdorf
(Reichsburg Beilstein) an Trier. Ähnlich Honth. Hist. 2, 191, 1356 für Elz. — Das älteste
Beispiel für ein Offenhaus, welches Waitz Vfg. 8, 202 Note 6 kennt, ist vom J. 1110. Vgl.
auch Honth. Hist. 1, 471.
^) S. dazu oben S. 703, 713, 875. Nach dem *Register zum Bald. Kesselst. S. 2 sind
von Erzstift Trier in der 1. H. des 14. Jhs. Feoda simplicia ausgethan: Rinenses 45, Super
Mosellam 42, Meinefelt 11, Eiflia 27, Hundisrucke 27, andersite Rins 14, Lutern 28, Sarkauwe
et Lutzelenburg 36, Inferiores 12 [nördlich vom Erzbistum], Superiores 6 [südlich vom Erz-
bistum]. Das genannte Register verzeichnet Lehen der Grafen und Herren von Barrum,
Hennenberg, Nife, Veldentia, Sarepons, Katzenelbogen, Salme in Ardenna, Solmße, Seina,
Spaenheim, Limpurg, Isenburg, Runkel, Eppenstein, Trimperg, Wilhauwe, Reinbach, Saffen-
berg, Rennenberg, Hamerstein, Bruberg, Hoenvels, Sleida, Blankenheim, Kerpena, Rifer-
scheid, Cronenberg, Duna, Mailberg, Vinstingen, Kirkel, Hunoltstein, Vienna, Rodemacra,
Rupes, Novumcastmm, Falkenstein in dem Wasechin, Brandenburg, Septemfontes , Wiltz,
Falkenstein in comitatu Lutzelenburg, Meisenberg, Usildingen, Berperg, Bolche, Berewart,
Ham, Vispach, Berge super Elsenze, Keile in Bellevans.
— 1265 — Bildung des Territoriums.]
Verlehnungen wenigstens in der späteren Entwicklungsi)erio(le des Terri-
toriums doch auch nicht als allzu grofs vorstellen. Wir Johannes gi'ave
van Sarb rucken, heifst es in einer Urkunde vom J. 1313, tun kunt allen,
daz her Simont von Kastele riethere ist unser man wurden und unser erben,
er und sine erben, van soligme gute, daz er van uns hat zu Bur])ach, also
das die lute die er van uns hat sullent und sint schuldich zu kumene in alle
unser jardinc, also sie bietheire gedan haut, und was i)eninge besserunge und
busen sie wurden [heben] uf deme vorg. irme gute ufe der lute erbe, daz sal hern
Simondes sin, und ist das hohe gereithe und busen van walde und van waigen
und so was ussewendich dez gutes ist unser, und sol her Simont unde sine
[erben] vermannen vor uns und alle die unser das gut van Liebenberch in
unsern weigen^ Man sieht in diesem Falle besonders deutlich, dafs die Ver-
lehnung landesherrlichen Gutes in dem Verhältnis dieses Gutes zur jeweilig
bestehenden Gewalt des Landesherrn fast nichts ändert; dem Belehnten fallen
mit der Nutzung des Gutes nur die Revenuen, nicht die Herrschaftsrechte zu.
Zudem aber bestand überall die grofse Mehrzahl der Lehen aus Mannlehen ^,
und damit war in absehl)arer Zeit auf einen ^ grofsen Prozentsatz von Heim-
fällen zu rechnen ^, falls es die Vasallen nicht vorher auf geraden oder krummen
Wegen zur Allodifizierung des Lehngutes gebracht hatten*.
Welches al)er war nun das durch Lehnsauftrag wie Belehnung gegen-
über dem Landesherrn begründete Verhältnis? Es war zunächst nicht das
der Unterthanschaft , d. h. der Unterordnung unter die Landeshoheit: viele
Vasallen sind nie Unterthanen ihrer landesfürstlichen Lehnsherren geworden.
Es bezog sich im wesentlichen nur auf die Lehnskriegspflicht , von welcher
bald genauer die Rede sein wird^, und auf die Dingpflicht im fürstlichen
Lehnshof. Und auch die letztere Pflicht stand bei Lehnsauftrag in früherer
Zeit so ohne weiteres noch nicht fest. Anfangs wurde wohl nur vertragen,
dafs die Lehnsauftragenden, falls sie in Lehnssachen am Lehnshofe Recht
suchten, bei Weigerung ihres Gegners vor diesem Gericht zu erscheinen der
1) Kremer, Ardenn. Geschl. Cod. dipl. S. 406, 1313. Sehr belehrend ist in dieser
Hinsicht auch der *Entwurf eines Lehnsbriefes Johanns von Schieiden über die Prüraer Herr-
lichkeit Schoenberg (Kr. Malmedy) vom 27. Aug. 1409, Koblenz St. A. Dipl. Prüm.
ßl. 136 b f.^ partiell ausgeführt unter d. 9. April 1423.
2) So bestehen in Trier mit wenigen Ausnahmen nur Mannlehen, Honth. Hist. 1,
636 f.; Beispiele von Weiberlehen ebd. S. 637 f. Zum Begriff Mannlehen s. *USMax. 1484
Bl. 14a Sauerschwabenheim: Hans Jude [habet] 18 albos in feodum und ist ein manlehen:
hoc est, si decesserit sine berede virili, tunc idem feodum revolvetur ad monasterium.
3) S. dazu Honth. Hist. 2, 656—670 auf 14 zweispaltigen Folioseiten den von Peter
Maier 1537 aufgestellten Katalog der Nomina principum, comitum, nobilium dominorum,
equitum etc. archiepiscopatus Trevirensis vasallorum aut burgmannorum , quorum familiae
extinctae sunt.
*) S. dazu oben S. 878 ff.
^) Vgl. vorläufig MR. ÜB. 3, 215, 1223; 227, 1224; 1159, 1252.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1266 —
Unterstützimg des Lehnsherrn sicher sein sollten ^ ; erst später kam es zum
Versprechen des Auftragenden, sich in jedem einschlagenden Falle dem Lehns-
hof zu stellen^, sowie zur Abgrenzung der vor den Lehnshof gehörigen Materien^.
Wie man aber die Aussteller von Lehnsaufträgen dem Lehnshofe einver-
leibte, so geschah es auch sonst mit allen Grofsen des Landes, auf deren Ver-
hältnisse der Lehnsbegriff anwendbar schien *. So sind die Vertreter hervor-
ragender geistlicher Institute Lehnshofsgenossen ^ ; auch juristische Personen
konnten dem Lehnshof angehören^; und wo es anging, suchte man in geist-
lichen Territorien den Immunitätsvogt durch Belehnung unter die Spruchgewalt
der Lehnsgenossenschaft zu bringen'^. Daneben erscheint dann schon früh —
in Trier scheint das bereits beim ersten sichereren Auftauchen des Lehnshofes
um die Mitte des 12. Jhs. der Fall zu sein — die Ministerialität als Teil-
nehmerin am Umstand^: so dafs dem Lehnshofe in der That alle diejenigen
Elemente innerhalb der künftigen Territorialgrenzen angehören, welche in sich
oder durch ihren Zusammenhang mit der Person des Landesherrn eine be-
1) MR. ÜB. 1, 571, 1152: si autem in predicto Castro ab aliquo gravarentur et in
nostra curia iustitiam ei voluerint exhibere, contra illum nos et ecclesia nostra pro posse
nostro eis auxilium prestabimus.
2) Honth. Hist. 2, 150, 1342, Friede des Wildgrafen mit Balduin: so ensollen wir
wider unseren eg. herrn von Triere nit dun ; und wes wir mit ime seinen mannen burgmannen
und undeitanen, geistlichen und werentlichen , die unser eg. herre von Triere verantworten
wolde, oder sie mit uns zu dune oder zu schaffen gewinnen, des sollen wir recht geben und
nemen vor unserem eg. herrn von Trier nach seiner wolgebornen manne orteil und dasselbe
dun und halden. und sal derselbe unser herre, nachdem daß die klage an ihn bracht wirt,
binnen sechs wochen ende geben, und sollen auch wir die tage, die unser eg. herre uns
daenbinnen bescheidet, vor ihme leisten.
3) Honth. Hist. 2, 145, 1340, Lehnsrevers des Grafen von Sayn für Trier: si aliquid
dissensionis seu quaestionis inter praedictum dominum nostrum Trevirensem seu ecclesiam
eorumve subditos quoscunque et nos et nostros haeredes aut subditos qualitercunque emer-
serit, aut si ipsi agere nobiscum habebunt aut nos cum eisdem: super his coram praed.
domino nostro archiepiscopo et suis successoribus iuri stabimus dando et recipiendo iuxta
definitionem et sententiam nobilium vasallorum praedicti domini nostri archiepiscopi et suae
ecclesiae Trevirensis. S. dazu Honth. Hist. 2, 148, 1342; auch WAmel 1472 § 10.
*) Zur Bildung der Lehnshöfe und der Lehnsgerichtsbarkeit, auf welche hier nicht
genauer eingegangen werden kann, vgl. für die früheste Zeit Waitz, Vfg. 6, 71; 8, 72 f. Zur
speziellen Ausbildung des Trierer Lehnshofes s. Honth. Hist. 2, S. 7—8; subsidiär gilt in ihm
das gemeine Lehnsrecht. Vgl. für ihn auch noch MR. ÜB. 3, 609, 1238—39; 1120, 1251;
CRM. 3, 318, 1345; 322, 1346.
^) S. MR. ÜB. 1, 572, 1152; vgl. auch MR. ÜB. 1, 352, 1059.
^) CRM. 3, 377, 1351: gewisse Lehen sollen Balduin und das Trierer Stift dem ge-
stiebte van Colne, as verre si van em zu lene rurent, dun vermannen na derselver lene
rechte, mit eime edeln manne ove mit eime dumproiste ove dumdechen der kirche zu Treire.
^) S. oben S. 11.33.
^) MR. ÜB. 1, 571, 1152. Zum ersten Auftreten des Trierer Lehnshofes s. auch Honth.
Hist. 1, 471.
— 1267 — Bildung des Territoriums.]
sondere Bedeutung beanspruclien könnend In dieser Ausdehnung konsolidiert
sieh nun der Lehnshof rasch ; speziell in den geistlichen Territorien wird seine
Existenz und sein Vollstreckungsrecht seitens des Reiches im Privileg von 1220
anerkannt und gesichert 2, und in Trier erhält er im J. 1309 die vollste Un-
abhängigkeit seiner Rechtssprechung vom Reichshofgericht abgesehen vom Fall
der Rechtsverweigerung^, späterer detaillierterer Privilegien nicht zu gedenken*.
Eine derartige Konsolidation unter gleichzeitig zunehmender Festigung
der Territorialbildung überhaupt konnte für die landesherrliche Gewalt nicht
ergebnislos verlaufen. Zunächst wird im Lehnshof ein gern und fast überall
regelmäfsig benutzter Rekrutierungskörper für den Hofrat gefunden, jene nach
Zahl und amtlicher Stellung vielfach unbestimmte Masse von Ratgebern, welche sich
schliefslich zum festen Kern der Zentralverwaltung zusammenballt^. Ferner aber
gewöhnt man sich an die Forderung, im Lehnshof alle landeseingesessenen
freien Herren und Ritter vertreten zu denken^ und ihn selbst hiermit als
spezifisch ritterschaftlich-ständisches Gericht anzusehen, dessen Zugehörige wenn
auch noch nicht einfache Unterthanen, so doch auch nicht mehr Vasallen im
Sinne der wenigen grofsen aufser Landes gesessenen Lehnsträger sind.
Kommt nun in den letzteren, schon jenseits der zeitlichen Grenze unserer
Erörterungen liegenden Erscheinungen bereits eine weitentwickelte Energie der
Landeshoheit zum Ausdruck, so ist freilich zu bedenken, dafs diese Energie
ihren Urspnmg und ihren Bestand keineswegs blofs der Amalgamierung der
bisher betrachteten halbstaatlichen Gewalten verdankte, dafs sie vielmehr nicht
1) Im J. 1599 hat das Trierer Erzstift zu Vasallen 17 Grafen, 8 Freiherren, 162 ein-
fache Adlige; Honth. Hist. 3, 190 ff. S. auch Bd. 2 S. 226 Tab. ^; oben S. 884 Note 4,
auf S. 885.
^) Confoederat. 1220 § 5 : si quis (principum ecclesiasticorum) vasallum suum , qui eum
forte offendit, iure feodali convenerit et sie feodum evicerit, illud suis usibus tuebimur. S.
auch schon MR. ÜB. 2, 148, 1196, K. Heinrich VI. für Trier: quia questio apud vos fuit,
quod dilectus noster lohannes Treverensis archiepiscopus homines suos super feodo ad ius
per 14 dies debebat vocare, quidam affirmabant per sex septimanas per trinam vocationem,
curiae nostrae dictavit sententia, quod idem archiepiscopus homines suos super feodo ad
14 dies tantum per trinam vocationem vel ad sex septimanas peremptoriter teneatur citare.
3) S. Bd. 3 No. 89, 1309.
*) Honth. Hist. 2, 121, 1382; 167, 1346, dazu Honth. Hist. 2, 176, 1354 und
Dominicus S. 591.
^) S. dazu Waitz, Vfg. 7, 309 f., weiter unten Teil 3 dieser Abschnittes und schon
hier Catal. abb. Eptern. I, MGSS. 23, 33: Abt Gerhard (1110 ff.) quaeque potuit laicis feodavit,
quomm consilio depravatus succidi fecit circiunadiacens nemus; Ennen, Qu. 2, 36, 30, 1209:
Graf Dietrich von Kleve verschenkt Eigentum sano et maturo consilio fidelium nostrorum; . . .
nomina autem fidelium nostrorum . . hec sunt: B. decanus Xantensis; C. canonicus de
Wischele, I. de Husdenne, I. burggravius de Clivo, B. Strunckede dapifer, H. de Gladebach
pincerna, R. de Sulen, Th. de Vunderin, Ph. de Humphe, R. Zobbo.
ß) Vgl. WRommersheim 1298 § 24: vorter haet der scheffen gewist, aef eman guet
ligen het in der apdien van Prume, dat neit anger noch zinsen engeve noch vronedage, dat
sal man van eime apt und sime goitzhusse zo lehen halden.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1268 —
minder durch das Einströmen von Überresten der Reichsgewalt in die terri-
toriale Entwicklung gespeist ward. Diese Überreste aber waren sehr ver-
schiedener Natur und konnten auf sehr verschiedenem Wege auf die Landes-
gew^alt übergegangen sein.
Fassen wir zunächst den letzten Punkt ins Auge, so ging der Erwerb
von Eeichsrechten zu Gunsten späterer Landesgewalt wohl in den meisten
Fällen durch Usurpation vor sich. In dieser Hinsicht w^urde z. B. das alte
Amt des Grafen nicht mehr nach Amtsweise, sondern nach Lehnsweise ange-
sehen, und als Lehen wurde es erblicht Dem Grafschaftslehen aber ordneten
sich wieder die Hunnenlehen, hier und da wohl schon seit karolingischer Zeit,
unter ^. Nicht minder häufig, nur in etwas späterer Zeit, wurde Reichsgerichts-
barkeit auf vogteilichem Wege usurpiert, indem der werdende Landesherr an
Orten mit noch nicht geordneter Gerichtsverfassung, besonders in erwachsenden
Städten, als allgemeiner Vogt angesehen und seiner Vogtgewalt Gerichtsbarkeit
inhärent gedacht wairde ^. Und wie die Könige das Lehnsverhältnis des Hunnen
zur Grafschaft, des Grafen zum Reich anerkannten, so blieb ihnen auch im
Falle vogteilicher Usurpation von Gerichtsbarkeit schliefslich nichts anderes
übrig als zuzustimmen*.
Eine andere Erwerbsart für Reichsgew^alt w^ar in der königlichen Privi-
legierung gegeben, d. h. in der Exemtion vom Einflufs gewisser Reichsrechte.
Eine solche Privilegierung hatte bei den Eximierten naturgemäfs die Entwick-
lung positiver Gew^altbefugnisse im Sinne der erlassenen Verpflichtungen zur
Folge. Der bedeutendste hierher gehörige Fall ist der der Immunität: aus
ihr heraus entwickelte der Immunitätsherr ohne weiteres eine Gerichtsbarkeit
im Sinne der Grafschaftsverfassung des Reiches. Weiter sind hierher diejenigen
Befreiungen von finanziellen Leistungen zu ziehen, bei welchen dem Befreiten
die Erhebung dieser Leistungen zu seinen Gunsten zufiel.
Eine dritte, namentlich in späterer Zeit häufige Erw^erbsart für Reichs-
gewalt ergab sich aus der einfachen Übertragung von Reichsrechten seitens
des Königs im Sinne von Privatrechten ^. So w^urden namentlich alle nutzbaren
Rechte verliehen, Märkte, Zölle, kurz alle Regalien, al)er auch die Gerichts-
barkeit. Natürlich waren derartig verliehene Rechte am allerwenigsten an die
1) S. oben S. 200.
2) S. oben S. 200 Note 1.
3) S. oben S. 1136.
*) Ein Reichsspruch von 1218, welchen ich wie Berchtold S. 96 verstehe, giebt die
Gerichtsbarkeit in den Marktorten dem betr. Marktherren mit Ausnahme der Exekution in
Kriminalfällen. S. ferner CRM. 3, 60, 1314: König Ludwig bestätigt dem Erzbischof Balduin
die Immunität der Städte Saarburg, Welschbillig, Bernkastei, Mayen und Montabaur nach Art
der königlichen Städte (so schon Rudolf CRM. 2, 338, 1291).
^) Beispielsweise s. CRM. 3, 62, 1314: K. Ludwig bestätigt Balduin die Verpfändung
von Boppard und Oberwesel und fügt derselben wegen weiterer 22 000 mr. hl. das Galgen-
scheider Gericht, die Zölle und das Münzrecht daselbst hinzu.
— 1269 — Bildung des Territoriums.]
Person gebunden, welcher sie ursprünt>licli vom König übertragen worden waren ;
sie wurden allgemein Gegenstand vermögensrechtlichen Verkehrs, und so wurde
es denn im Verlaufe der deutschen Kaiserzeit sehr bald möglich, fast alle Arten
staatlicher Gewalt auf dem Wege privaten Erwerbes überhaupt zu erlangend
Innerhalb der an sich unteilbaren Reichsgewalt aber lassen sich mit Rück-
sicht auf ihre spätere territoriale Zersplitteiiing am besten drei Seiten unter-
scheiden, die Heeresgewalt, die Gerichtsgewalt und die finanziell-administrative,
sowie die mit dieser verbundene polizeiliche Gewalt^. Die hervorragendste
unter ihnen ist in der Bilduugszeit der Territorien bei weitem die Gerichts-
gewalt ^, denn die Heeresgewalt w^ar schon im Verfall, während die admini-
strativen und polizeilichen Befugnisse erst im Beginn ihrer Entwicklung standen :
die Gerichtsgewalt kann daher recht eigentlich als der Kern jener staatlichen
Rechte bezeichnet werden, welche vom Reiche an die Territorien übergingen.
Was zunächst die Heeresgewalt angeht, so hatte sie gegenüber dem Ver-
fall der alten gemeinen Dienstpflicht nicht mehr viel zu besagen. Soweit aber
die allgemeine Heeresfolge noch bestand, ging sie nicht vom Reiche direkt,
sondern vielmehr durch das Medium der Immunitätsherrschaften und -vogteien
wie der selbständigen Grafschaften an das Territorium über*. Direkt von-
1) Für spätere Zeit s. das Regest CRM. 4, 342, 1476 : die Brüder Johann und Friedrich,
Herren zu Pirmont und zu Ehrenberg, verkaufen an Erzbischof Johann ihre Hochgerichts-
und andere Rechte zu Lutzerath, Strozbusch, Bertrich, Driesch, Kenfus, Kliding, Urschmitt,
Beuren, SAldegimd, Bremm, Eller, Ediger und Gevenich. Ausgenommen von solchem Erwerb
sollten nach der Sententia de non alienandis principatibus vom J. 1216 und deren Vorläufern
(s. Ficker, Reichsfürstenstand S. 292 f.) zu landesherrlicher Gewalt erwachsene und demgemäfs
auf ein Temtorium bezogene Komplexe ehemaliger Reichsgewalt sein. Doch wurde dieser
Grundsatz durch c. 10 der Goldenen Bulle wenigstens für die Kurfürsten wieder schwankend ;
und in späterer Zeit kehrte man sich jedenfalls im Mosellande nicht mehr an ihn. SMaximin
fällt 1570 definitiv unter Trier, Prüm 1575 bezw. 1C79. Freilich leisten beide Abteien der
Inkorporation noch lange Widerstand.
2) Alle diese Teilgewalten finden sich in den späteren Territorien wieder, wie die
folgenden Noten darthun. Man vgl. auch den ersten kaiserlichen Belehnungsbrief für Trier
vom J. 1-309 bei Honth. Hist. 2, 603, 1809: (Imperator Baldewino) regalia feoda principatus
pontificalis, quem obtinet, . . concessimus et ipsum archiepiscopum investivimus de eisdem,
administrationem temporalium et iurisdictionem plenariam principatus eiusdem ecclesie (ei) . .
committentes. Ferner wird bei versetzten Ämtern 1599 vorbehalten die landfürstliche Obrig-
keit, als folg, reis, appellation und religion; Honth. Hist. 3, 194. Im einzelnen s. noch
WBeltheim 1377, G. 2, 204 f.; 1482, a. a. 0. 208; WMünstermaifeld 1372 und ebenso W. von
1417, G. 2, 458; WUrbach 1480, G. 1, 627; WWeiher bei SGoarshausen 1543. — Über
die P'ridericianischen Privilegien mit besonderer Rücksicht auf Trier s. Honth. Hist. 1,
633—634.
3) In dieser Hinsicht führt Waitz, Vfg. 8, 93, durchaus zutreffend aus, dafs die Ge-
richtsgewalt namentlich im 10. bis 12. Jh. als Mittelpunkt aller staatlichen Gewalt betrachtet
werden mufs; ihr Besitz wurde die Grundlage für eine nicht blofs obrigkeitliche, sondern
herrschaftliche Stellung.
*) Vgl. oben S. 1120.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1270 —
Seiten des Reiches erhielten die Landesherren aus der Heeresgewalt alter Zeit
wohl nur das königliche Quartiernahmerecht eingeräumt; für Trier speziell
erfolgt die Zuweisung nach längeren selbständigen Versuchen der Landesherren
im J. 1376 ^ Aber auch die Lehnskriegsverfassung , wie sie nach dem Ver-
lust der allgemeinen Dienstpflicht im Reiche entwickelt wurde, blieb von den
Landesgewalten nicht ungestört, schon am Schlüsse des 12. Jhs. erscheint sie
zu Gunsten der Territorien unterbunden^. Wenn aber seitdem eine gröfsere
Auflösung und Aneignung derselben durch die Territorien nicht stattfindet,
so wird das weniger dem Mangel an fürstlicher Initiative, als dem kläglichen
Zustande dieser Verfassung selbst zuzuschreiben sein. Schon längst stand die
Lehnskriegsverfassung nicht mehr im Vordergrund der militärischen Bestre-
bungen ; bei dem Mangel einer kräftig organisierten Offensive war man in der
Stauferzeit zu nachdrücklicher Betonung der Defensive übergegangen; der
Burgenbau nahm bisher nicht geahnte Dimensionen an. Auf diesem Gebiete
vor allem suchen sich daher die gleichzeitig in Entwicklung begriffenen Terri-
torien in den Besitz der Reichskriegsgewalt zu setzen. Ursprünglich hatte der
König das Recht alleinigen Burgenbaues ^ ; dieses Recht mufste gebrochen werden.
So beginnen die erwachsenden Landesgewalten denn, sehen wir von angeblichen
immunitätsherrlichen Burgbaurechten älterer Zeit ab*, etwa seit Schlufs des
12. Jhs., vermutlich auf lehnsrechtlichem Boden fufsend ^, ihre ausschliefsliche
Berechtigung zur Anlegung von Burgen innerhalb ihres territorialen Bezirkes
zu betonen^; und seit dem J. 1220 prägen sie ihre Usurpation in immer
1) S. Bd. 3, 220 No. 1, dazu Bd. 2, 251; und Honth. Hist. 2, 746, 1376: quoties
archiepiscopus Trevirensis pro imperatoris . . imperii aut ecclesiae suae negotiis in expeditione
fuerit, in quemlibet locum ipse seu eins capitanei et marscalci cum comitiva sua diverterint,
victualia hosi)itia et alia necessaria sicut ipse Imperator et Imperium possint licite et libere recipere.
2) Die Constitutio de expeditione Romana (entstanden um 1190) ist nichts anderes, als
eine wesentlich im fürstlichen Interesse abgefafste Festsetzung der Kriegsdienstpflichten der
Vasallen und Ministerialen eines Territoriums. So mit Recht Spannagel S. 68.
3) Waitz, Vfg. 8, 208.
*) S. oben S. 1030 Note 3, 1072. Zum vogteilichen Burgenbau s. oben S. 1071 f.
^) Die Belehnten dürfen ohne Zustimmung des Lehnsherrn keine Burg bauen, MR.
ÜB. 2, 104, 1190. S. auch aus späterer Zeit *Abschr. 14 Jhs., Trier Stadtbibl. Bald.
Kesselst. S. 211, 1330 Aug. 10: Wir Arnold heire von Blankinheim dun kunt allen luden,
daz wir unser gut zu Pisport zu Boveris und zu sente Michaele und waz darzü gehöret, von
deme hochwerdigen in gode vadere und herren unserm herren hern Baldewine erzebiscofe zu
Triere zu andern unsern lenen, die wir von ieme und sime vorgenanten stiefte han, zu
rechteme lene han entfangen, und geloben vor uns unser erben und nahkomen, daz wir uf
deit gut dkeine nummer burchlichen bü begrifen noch buwen solen, ane also viele, daz wir
den torn, den wir han, zu Pisport, mögen in alsolichen büwe halden, als er bizher gewest ist,
und den nit fester zu machene.
^) Als vorbereitend läfst sich schon ansehen MR. ÜB. 1, 598, 1157: König Friedrich I.
bestätigt Trier omnia . . castra, omnes villas et possessiones ad tuum episcopium pertinentes.
Zur Sache selbst vgl. G. Trev. Cout. 4 Add. 2, MGSS. 24, 393: Erzbischof Johann
[1190—1212] virum nobilem de Koverna pro eo, quod extra castrum suum aliud de novo
— 1271 — Bildung des Territoriums.]
l)räziseren Reichsspriichen und Privilegien zu wirklichem Reichsrechte um^
Seit dieser Zeit bis tief ins 14. Jh. hinein unterliegt dann nur noch die An-
lage neuer Städte königlicher Geneliniigung - ; das Recht des einfachen Burgen-
baues dagegen gilt durchaus als landesherrlich^. Und so gestatten die nun-
mehr fest abgeschlossenen Landesgewalten fremden Burgenl)au innerhalb des
TeiTitoriums meist nur unter dem Versprechen der Lehnsauft ragung zum
exstruxerat, cepit et accepto in proprietatem Castro dimisit eum et castrum dimisit ei (vgl.
MR. ÜB. 2 S. 323). G. Trev. Cont. 4 Add. 2, MGSS. 24, 392, um 1204: Erzbischof Johann
destrimt castrum, quod comes de Crstris Interim constmxerat in Berincastel. post paucos
annos comes Viandensis castrum edificare cepit non longe a civitate in Quintinberch iuxta
fontem Milonis; Johann zerstört es. Zur ersten Nachricht s. MR. ÜB. 2, 189, 1199—1200:
in der Bernkastler Vogtei soll weder der Vogt (Graf von Blieskastel) noch der Inhaber der
Grafenrechte (Erzbischof) Burgen bauen, nach gegenseitiger Vereinbarung.
^) Vgl. die Confoederat. 1220 § 9 : nulla edificia, castra videlicet seu civitates, in fundis
ecclesiarum vel occasione advocatie vel alio quoquam pretextu constriiantur; et si qua forte
sunt constructa contra voluntatem eorum, quibus fundi attinent, diruantur regia potestate.
Über vorbereitende Schritte seit etwa 1180 s. Berchtold, Landeshoheit S. 144, auch
V. Maurer, Einl. S. 38, und aus unserer Gegend Remling, Speier. Urkb. 1, No. 124, 1206:
K. Philipp verbietet den Ausbau einer Burg bei Kreuznach, quia castrum illud fuit edificatum
in bonis Spirensis ecclesie. Wer es gebaut hat, wird nicht gesagt. Aus späterer Zeit s. die
Reichssprüche von 1231, MGLL. 2, 283; von 1232, a. a. 0. 291; von 1279, a. a. 0. 1279;
von 1294, a. a. 0. 461 § 2. Speziell für Trier vgl. aufserdem Honth. Hist. 2, 121, 1332,
Urkunde K. Ludwigs: inhibemus et iniungimus universis et singulis . . ne quisquam aliqua
fortalitia munitiones aut castra infra leucam unam a locis iurisdictionis aut districtus archi-
episcopi et ecclesie Trevirensis, quam prerogativa venerande senectutis merito precellentem
pre ceteris decernimus huiusmodi privilegio decorari, sine expresso consensu suo erigere
collocare vel facere valeat seu audeat in futurum. Erweitert Honth. Hist. 2, 168 — 169, 1347,
Urkunde Karls IV: inhibemus, ne quisquam aliqua fortalitia castra vel oppida in fundo
Trevirensis ecclesie vel aHaium ecclesiarum seu monasteriorum Trevirensis civitatis et dioecesis
vel in ipsius ecclesie Trevirensis iurisdictionibus aut districtibus , etiam ratione alicuius pro-
prietatis allodii aut feodi advocatie seu aliquo quoquam pretextu, vel infra unam leucam a
locis iurisdictionis aut districtus pretacte ecclesie Trevirensis . . sine expresso consensu suo
erigere collocare constmere vel facere valeat seu audeat in futurum, et id ipsum nobis et
nostris successoribus esse volumus interdictum volentes, ut si quisquam in hoc contraire pre-
sumpserit, ut ultra penas infrascriptas per archiepiscopum et ecclesiam predictos suosque
fautores sine iuris iniuria impugnari et edificium dirinli valeat et repelli. S. auch noch die
Privilegien von 1354 und 1376, Honth. Hist. 2, S. 3.
2) Vgl. Boehmer, Reg. imp. No. 302-4, 1310; für Trier speziell Bd. 3 No. 103, 1321,
und — trotz des in vorhergehender Note angef. Privilegs von 1347 — Honth. Hist. 2,
2C4, 1357.
3) *Bald. Kesselst. S. 430, Beschwerdepunkte Balduins gegen die Stadt Trier, 1351,
§ 27: item sal nieman keinen burglichen bü han oder machen in unserm lande ane unsern
willen, si enruren von uns, daz an vil enden gebrochen ist von etzlichen burgern von Triere.
Die Gräfin Loretta von Sponheim fängt den Erzbischof Balduin, weil dieser innerhalb seiner
Diözese, aber auf dem Sponheimschen Gebiete Birkenfeld einen burglichen Bau begonnen;
s. Dominicus S. 243.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1272 —
Offenhaus ^ und nehmen schliefslich auch die sonstige Landesbefestigung völlig
in ihre Hand^.
Zu noch weitergehenden Konsequenzen führte die Aufsaugung der Ge-
richtsgewalt des Reiches durch die Territorien. Die Gerichtsgewalt des Reiches
fand ursprünglich ihren doppelten Ausdruck in der Gerichtsbarkeit des Königs,
und in der Gerichtsbarkeit der Hunnen und der Grafen: einer Gerichts-
barkeit, welche, ursprünglich nicht virtuell verschieden, in der Karolingerzeit
getrennt, später wiederum völlig identisch in die Hochgerichtspraxis des eigent-
lichen Mittelalters verlieft. Dazu kam dann in der zweiten Hälfte des Mittel-
alters noch ein dritter nicht völlig legitimer Ausdruck der Reichsgerichtsgewalt
in der Vehme.
Alle diese verschiedenen Existenzformen der Reichsgerichtsgewalt mufste
nun das Territorium entweder in sich aufzunehmen oder völlig von sich aus-
zustofsen suchen. Ausschliefslich der letztere Weg wurde gegenüber der Vehme
betreten; speziell für Trier werden die Funktionen der Vehmgerichte im J. 1458
aufgehoben*. Der ausschliefsliche Weg der Aufnahme dagegen ward für die
Hunnen- und Grafengerichtsbarkeit eingeschlagen, während für die königliche
Gerichtsbarkeit die Mittel der Aufnahme und des Ausschlusses in gleicher Weise
zur Anw^endung gelangten.
Am einfachsten verlief demgemäls, abgesehen von der Vehme, die Ent-
wicklung auf dem Gebiete der Hunnen- und Grafengerichtsbarkeit: hier ge-
langten die Landesherren nach dem ersten Übergang voller Grafschaften an
einzelne Stifter unter Otto III. ^ durch Reichsspruch vom J. 1232 in den aus-
schliefslichen Besitz der Cent- und damit auch der Grafengerichtsbarkeit inner-
1) MR. ÜB. 3, 1335, 1256: Ludwig Walpod von der Neuerburg und Ernst von Vh^ne-
burg treten ein Stück Land am Holzbach bei Puderbach an den Kölner Erzbischof ab.
Dieser gestattet ihnen auf demselben die Anlage der Burg Reichenstein und giebt ihnen die-
selbe zu Lehen. S. ferner Bd. 3 No. 93, 1316; die eigentümHche Urkunde No. 111, 1325;
*Bald. Kesselst. S. 233, 1335; Honth. Bist. 2, 152, 1342; auch *0r. Koblenz St. A. Prüm
Rep. No. 62 a, 1343 Juni 24.
2) S. dazu aufser Bd. 3 No. 253, 1471, WDietz 1424 § 1: so wo lüde in der grafschaft
von Dietze graben ufwerfen schlege setzen oder zunen, ohn der hern oder irer amptlude
willen und wissen, die haint verbrochen die höchste wette, als dicke und viel als sie das
thunt, und als manch persone da ist. Ferner § 2: so wer in der grafschaft [D.] erbliche
buwe machet und erbliche Strassen verbuwet, des sollen die herrn der grafschaft wern mit
gewapneter haut mit mannen und mit burgmannen, mit schilde und mit schwert und mit
siner [!] macht. WUrbach 1480, G. 1, 630 : nur der Graf von Wied darf in der Grafschaft Testen
bauen und Wasser dämmen, aufser zur Bewässerung, wozu es auch andere können.
3) S. z. B. *Bald. Kesselst. S. 640, 1337: Johan von Wizkirche verkauft alle mine
hogerichte, daz man nennet die hunrie um, Grimburg gelegen, an das Erzstift für 150 Ib.
Turonenses. S. auch oben S. 209, 211; vgl. dazu Waitz, Vfg. 8, 47 f.
*) Honth. Hist. 2, 432, 1458; s. auch die unten im Anhang abgedruckte Urkunde.
•^) Waitz, Vfg. 7, 255 f., s. auch a. a. 0. S. 259.
— 1273 — Bildung des Territoriums.]
halb ihrer Territorien ^ Freilich blieben trotz dieses Reichsspruches in Heini-
gereden und freien Hochgerichten noch lange Reste der alten freien Reichs-
gerichtsbarkeit erhalten, aber sie bildeten doch nur noch spärliche Ausnahmen
und unterlagen allmählich den (in Trier seit Mitte des 14. Jhs.) gegen sie ge-
richteten Angriffen^.
AVeniger sicher und rasch vollzog sich die Auseinandersetzung der Landes-
gewalt mit der personalen Gerichtsbarkeit des Reichsoberhauptes. Die ersten
grofsen Vorteile, welche hier mit Beginn des 13. Jhs. errungen wurden, kamen
nur den geistlichen Fürsten zu gute. Der erste derselben betraf die Voll-
streckungsgewalt des Königs: der geistliche Bann sollte nach gewisser Dauer
die Reichsacht nach sich ziehen ^. Der zweite ergab sich mit der Konföderation
vom J. 1220: es wurden Beschränkungen der bei Anwesenheit des Königs mit
der landesfürstlichen Rechtssprechung konkurrierenden königlichen Jurisdiktion
durchgesetzt*. Diesen Vorteilen folgte dann für Trier erst im 14. Jh. • — zu-
erst im J. 1314 — das Privilegium de non evocando ^ und noch später das
Privilegium de non appellando. Beide waren zudem keineswegs sofort völlig
wirksam. Das Privilegium de non evocando erscheint, obwohl durch die Goldene
Bulle sattsam bekräftigt, doch schon 1362 und 1364 wieder angezweifelt und
durchlöchert^, und im 15. Jh. wurde es dann so vernachlässigt, dafs es Kur-
1) S. oben S. 190, 1137, MGSS. 2, 292, 1232: centumgi^avü recipiant centas a domino
terra vel ab eo, qui per dominum terre faerit infeodatus. locum cente nemo mutabit nisi
Gonsensu domini terre. ad centas nemo sinodalis vocetur. In Salzburg beruht die Landes-
hoheit auf dem Erwerb der Grafengerichtsbarkeit, Nachweis von E. Richter; s. auch Schulte
in Österreich. Mitt. 7, 181. Zur Bildung geistlicher Territorien im Sinne von Herzogtümern
auf Grund von Grafschaftsrechten vgl. Waitz, Vfg. 7, 166. Im übrigen s. auch Warn-
könig 1, 274 f.
2) S. oben S. 189 f., und Honth. Hist. 2, 9?, 1314; 94, 1314; 195, 1356.
3) S. dazu Berchtold S. 52 f., für Trier speziell nochmals CRM. 3, 60, 1314. Daneben
veraltete auch schon das Einholen des Blutbannes vom König, s. Berchtold, Landeshoh.
S. 161; Stobbe in Zs. f. d. Recht, Bd. 15, 90.
4) Berchtold S. 149 f.
5) CRM. 3, 61, 1314, König Ludwig für das Erzstift Trier: nobiles et vasallos castrenses
et ministeriales, cives, opidanos et quoscunque subditos ecclesiasticos et seculares suos et
ecclesie sue promittimus conservare per sacrum Imperium et tueri in libertatibus, bonis,
statutis et consuetudinibus suis hucusque habitis per eos et usitatis, et quod nullum ex
premissis ad iudicium curie nostre evocabimus nee evocari permittemus, quamdiu Treverensis
archiepiscopus paratus fuerit facere querelantibus de eis iustitie complementum , decernentes
exnunc irritum et inane quicquid contra premissa vel aliquod premissorum ullo unquam
tempore fuerit attemptatum. So war schon auf Zeit von K. Heinrich VII. versprochen worden.
S. femer Goldene Bulle c. 11, Harnack, S. 223: ut nulli comites barones milites feudales
vasalli castrenses milites clientes cives burgenses, nulle quoque persone Coloniensi Magun-
tinensi et Trcverensi ecclesiis subiecti vel subiecte . . extra territorium . . ad quodcunque
aliud tribunal . . vocari debeant. Rechtszug aus dem Territorium ad imperialem curiam nur
bei Rechtsverweigerung.
6) S. Ferdinand S. 37, 81 f.
La mprecht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 81
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1274 —
fürst Johann im J. 1562 geradezu wiedererwerben miü'ste. Er erhielt es aber
nur bis zur Höhe von 500 gl. Gold ; ganz und ohne Einschränkung wurde es
erst durch kaiserliches Privileg vom J. 1721 wiedergewonnen ^ Und auch das
Privilegium de non appellando fand vielfachen Widerstand. Im J. 1458 hatte
Kaiser Friedrich dem Erzbistum Trier die Gnade gethan, dafs hinführo alle
und iegliche des stifts von Trier underthanen, die dahe vermeinen, dafs sie
an den werentlichen gerichten, die da an denselben stift von aigenschaft zu-
gehören oder in desselben stifts hochgerichten gelegen seint, beschwerdt sein
oder werden, sich an . . [den] erzbischof zu Trier ohne mittel berufen oder
appelliren, und sich da ihres rechtens erholen und bekommen mögen ^. Gleich-
zeitig war das Trierer Hofgericht eingesetzt und mit demselben für den
Erzbischof die kaiserliche Bestimmung getroffen worden, ob er, sein nach-
kommen und Stift von Trier mit einigen iren undertanen, in was Standes
wurden oder wesen die wären, icht zu tun hätten oder zu tun gewonnen, daß
sie dan dieselben ihre undertanen für sich und dasselb sein hofgericht heifchen
und forderen, und dan die Sachen nach erkantnuß ihres richters, den sie ie
zu Zeiten darunib setzen werden, und ihre rate, die darumb zu recht sitzen,
außtragen mögen, als recht, unge verlieh ^. Aber gleichwohl mufste der Erz-
bischof im J. 1476 gegen eine Ladung des kaiserlichen Kammergerichtes auf
unmittelbare Appellation aus einem Dorfgericht protestieren*.
Blieb so der Übergang der vollen personalen Gerichtsgewalt des Königs
auf den Landesherrn während des Mittelalters für immer ein frommer Wunsch
der Fürsten, so gewannen sie um so mehr durch Erwerb und Ausbeutung der
administrativen Gewalten des Reiches.
Nun hatte freilich das Reich diese Gewalten nur sehr einseitig entwickelt.
Sehen wir von der für sich stehenden Administration des Fiskalgutes ab, inner-
halb welcher das Reich ja nur als eine besondere Art von Grundherrschaft
erscheint, so waren von ihm fast ausschliefslich diejenigen Verwaltungszweige
ausgebildet, in welchen es sich um finanzielle, rezeptive Thätigkeit handelte;
eine präventive Thätigkeit, eine verwaltungsmäfsige Fürsorge für irgendwelche
Zwecke geistiger oder materieller Kultur hat dem Reiche völlig ferngelegen.
Dementsprechend ist die Reichsverwaltung, soweit sie eingehender ausgebildet
ist, in überwiegender Weise Finanzverwaltung; die spärlichen Zweige polizei-
licher Thätigkeit lehnen sich durchaus an die Finanzverwaltung an.
Und selbst die Finanzverwaltung war wieder in Zielen wie Mitteln sehr
begrenzt. Die aus der Römerzeit stammenden, noch über die Merowingerzeit
hinaus beibehaltenen Reste einer wirklichen Steuerverwaltung waren mit dem
Erlöschen des Tributums zu Grabe getragen worden ; an Stelle der Steuerverwal-
1) S. Honth. Hist. 3, 916.
2) Honth. Hist. 2, 433, 1458.
3) Honth. Hist. 2, 434, 1458.
*) Goerz, Regg. der Erzb. zum 27. Febr. 1476.
— 1275 — Bildung des Territoriums.]
tung trat eine blofse Verwaltung von Regalien. Die Regalien aber bezogen
sich, abgesehen von einigen kleineren Einkünften in regalischem Sinne, wie dem
Fundrechte und dem Rechte herrenlosen Gutes ^, auf den Grund und Boden
oder auf den Verkehr : in Bodenregal und Verkehrsregal erschöpfen sich mithin
neben den Domanialrevenüen im grofsen und ganzen die Wirtschaftseinkimfte des
deutschen frühmittelalterlichen Staates. Dabei umfafste das Bodenregal im
wesentlichen den Dem und den Medem, den Wildbann für Wald und Wasser,
die Bergwerke^, und wenn man will auch die Strafsen, das Verkehrsregal
dagegen bezog sich auf Zoll und Geleit, Markt und Münze, sowie auf den
Judenschutz.
Alle diese Teilregalien versuchten nun die Landesherren in ihre Gewalt
zu bekommen; mit ihnen mufste ihnen zugleich die Verwaltungshoheit des
Reiches und damit die Möglichkeit einer viel intensiveren Ausnutzung generell
erworbener Verwaltungsbefugnisse zufallen.
Am zeitigsten ging das Bodenregal in seinen verschiedenen Bestandteilen
an die Landesherren über^, solange sich auch noch hier und da Spuren der
alten königlichen Rechte hielten*. Dem und Medem wurden fast überall
schon in frühester Kaiserzeit dem Reich entfremdet ; ihre definitive Übertragung
an die Landesgewalten erfolgte am Schlüsse des 13. Jhs.^. Auch der Wild-
bann fiel den späteren Landesherren bereits in der ersten Hälfte des Mittel-
alters zu; seit Mitte des 14. Jhs. ward er schon zum freien Besitz der Bann-
wälder und Bannwässer erweitert^.
Und das Verkehrsregal folgte dem Bodenregal. Die Zölle und das sich
an dieselben anschliefsende Geleit wurden schon in der Fridericianischen Ge-
setzgebung der ersten Hälfte des 13. Jhs. weithin landesherrlich; spätere
Privilegien um die Wende des 13. und 14. Jhs. ergänzten dann die noch
fehlenden Freiheiten'^. Ähnlich erging es mit Markt und Münze, deren Ent-
wicklung man bei der engen Zusammengehörigkeit beider kurz am besten am
Münzrecht verfolgen kann. Hier entfaltet sich in rascher Folge aus Münz-
1) S. Waitz, Yfg. 8, 247, 275 ; Schwab. Landr. Lafsb. c. 197, 1. Zum Übergang dieser
Rechte auf die Landesherren s. WWincheringen 1494 § 15, cit oben S. 629 Note 5; vgl.
auch WTholey 1527 § 11; WBerburg 16 Jh. § 27.
2) Wenigstens wird man die Bergwerke in dem oben gewählten System dem Boden-
regal zuteilen können. Zur Berghoheit im Moselland s. Bd. 2, 389 f., auch WMeddesheim 1514
§ 15: heimlich fünde und berg werke wiesen sie den heiTn.
^) S. darüber auch v. Maurer, Einl. S, 113.
*) S. MR. ÜB. 1, 532, 1144, K. Konrad III. bestätigt den Springirsbacher Besitz: nee
Uceat alicuius conditionis persona in villis vel locis, ubi possessiones habuerint, introitus vel
exitus eis interdicere, non aquam vel silvam communem vel pascua sive publicum rerum usum
ullatenus prohibere. Vgl. ferner Honth. Hist. 2, 204, 1357, cit. Bd. 2, 238 Note 1.
5) S. oben S. 395.
6) S. oben S. 464, 475 f.
'^) S. Bd. 2, 275 ff., auch Waitz, Vfg. 8, 282 f.
81*
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1276 —
privilegiimi Münzrecht zu eignem Schrot und Korn, aus Münzrecht territoriales
IVIünzmonopol, aus territorialem Münzmonopol landesherrliches Münzregal: mit
dem Beginn des 14. Jhs. schon stehen wir am Schlüsse der Entwicklung ^
Am spätesten endlich fällt das Judenrecht an die Territorien ; hier bedurfte es
der grausamen Erfahrungen in den Judenhetzen am Schlüsse der ersten Hälfte
des 14. Jhs., ehe die Keichsgewalt wenigstens in unseren Gegenden den Schutz
des verhafsten Volkes völlig und in Form eines Privilegiums in die Hand der
Territorialgewalt legte 2.
So könnte man denn glauben, mit etwa Mitte des 14. Jhs. seien die neuen
Landesgewalten allseitig und definitiv in den Besitz der Verwaltungshoheit des
Reiches gelangt. Diese Vermutung liegt um so näher, als die Goldene Bulle
in der That wenigstens den Kurfürsten alle wichtigen Regalien zuweist.
Gleichwohl ist diese Anschauung unrichtig. Das Reich hatte auch auf dem
begrenzten Gebiete der Regalien seine Verwaltungshoheit nie bis in die untersten
Volksschichten wirksam ausgestaltet; nur an den wichtigsten Punkten, wo es
keiner Ausl)ildung eines weithin verzweigten lokalen Beamtentums bedurfte,
war es zur Ausbeutung seiner Regalien administrativ thätig geworden. So
konnten sich denn die unteren lokalen Bildungen autonomer Art, Markgenossen-
schaften, Grundherrschaften, Städte, von vornherein an die Ausbeutung der-
jenigen regalischen Vorteile wagen, zu welchen das Reich mit seiner ober-
flächlichen Verwaltung nicht hinabreichte. Dementsprechend usurpierte man
überall und massenhaft schon seit dem 10. Jh. den Dem und den Medem
des Bodenregals ^ , forstete seit Beginn des 11. Jhs. Wald und Wasser ein*,
legte Wegegelder und Grundzölle an ^, bildete ein besonderes niederes Markt-
recht aus^, ja entwickelte — was das Reich nie vermocht hatte — eine volle
eigene Besteuerung in Fronden und Ungeld. Und da die freien Markgenossen-
schaften allmählich unter der Einwirkung der Grund- bzw. Markherrlichkeit
unmündig wurden und verkümmerten, so befanden sich am Schlüsse der
Stauferzeit vor allem Städte und Grundherrschaften weithin in Besitz und
Verwaltung niederer regalischer Rechte.
Dies war der Zustand, welchen die Landesherren vorfanden, als sie sich
allmählich durch generelle Verleihung von obenher in den absoluten Besitz
territorialer Regalienhoheit gesetzt hatten. Natürlich mufsten sie diese absolute
Hoheit nunmehr gegenüber den landsässigen Grundherrschaften und Städten —
1) S. Bd. 2, 352 ff.
2) S. Honth. Eist. 2, S. 3, 1356; vgl. auch Dominicus S. 492—3, dazu a. a. 0.
S. 497 Note 3. Doch reifst schon Erzbischof Hemrich (1260—86) den Judenschutz an sich,
G. Trev. c. 185; s. auch *Baid. Kesselst. S. 209, 1329; Bd. 3, 169, § 5, 1338.
3) S. oben S. 106.
4) S. oben S. 110.
5) S. Bd. 2, 271.
6) S. Bd. 2, 262, auch 257.
— 1277 — Bildung des Territoriums.]
abgesehen etwa von ihrer eigenen Grimdlierrschaft — zu wirkungsvoller An-
wendung bringen: mit dieser Notwendigkeit begann ein Kampf, welcher das
ganze spätere Mittelalter füllt, ja über dasselbe hinausreicht, und deshalb von
uns hier nicht genauer zu verfolgen ist^ Übrigens wurden doch nicht alle
Regalien in diesen Hader autonomer und landesherrlicher Interessen hinein-
gezogen. Auch die viel konzentriertere landesherrliche Administrationsgewalt
vermochte auf langehin noch nicht in die tiefsten Kreise regelnd einzudringen
und wieder zu erwerben, was die Oberflächlichkeit der alten Reichsverwaltung
verloren hatte. Und so blieben denn in besonders starkem Mafs lokal ver-
teilte und namentlich in Realrechten niedergeschlagene Regalien nach wie vor
in privatem Besitz, so das Bodenregal im Dem, im Medem und teilweise auch
im Wildbann ^ , ferner das Regelungsrecht des Gemäfses ^ u. a. m.
Auch suchte die landesherrliche Gewalt ihre Haupterfolge keineswegs in
der absoluten Revindikation alles dessen, was ursprünglich einmal Regal ge-
wesen war: ein solches Bestreben hätte von vornherein an dem Widerstand
scheitern müssen, welcher jedem durch jahrhundertelange Unordnung ge-
schaffenen Zustande an sich innewohnt. Viel wichtiger war es für die Landes-
herren, aus der Administration der Regalien heraus, zunächst zur Sicherung
einer prompten Verwaltung dieser selbst, dann aber auch für weitere Ziele,
eine reiche Fülle jener polizeilichen und präventiven Gewalt zu entwickeln,
zu deren Entfaltung das Reich stets nur in geringem Mafse gelangt war. So
konnte man von der Administration des Marktes aus allmählich eine volle
Kontrolle für die Weiterbildung des Stadtrechtes, speziell des Genossenschafts-
imd des Verwaltungsrechtes, gewinnen; so liefs sich die Verwaltung der Zölle
zur Ausbildung des Geleitsrechtes, die Wahrung des Geleitsrechtes zur Ein-
richtung einer Landespolizei erweitern *. Schwierigkeiten standen einer solchen
Entwicklung nur da im Wege, wo das Reich schon aus seiner Verwaltung
heraus zum Gedanken umfassenderer polizeilicher Befugnisse gelangt war,
diese Befugnisse aber nicht mit den Regalien, von welchen sie ausgingen, an
die Landesgewalt übertragen hatte. Der Fall kommt, soviel ich sehe, in
unserer Gegend nur für 6in Regal vor, für das Marktregal. Auf seiner Basis
hatte allerdings schon das Reich eine Oberaufsicht über die städtische Ent-
wicklung begründet, und dies Oberaufsichtsrecht ging erst im J. 1346, ge-
1) Zum Verständnis vgl. man Bd. 2, 276. Noch in den sechziger Jahren des 14. Jhs.
wird dem Erzbischof das Recht landesherrlichen Acciseverfügungsrechtes von den Koblenzern
bestritten, Ferdinand S. 37 ; vgl. dazu Ferdinand S. 95, 1365 : die Stadt Trier erklärt, der Erz-
bischof Kuno habe ihr erlaubt, das Wegegeld weiter zu erheben bis auf Widerruf des Erz-
bischofs oder seiner Nachfolger.
2) S. dazu oben S. 392 f.
3) Doch vgl. Scotti, Chur-Trier 1, 272, 1527; Cod. Sahn. No. 387, 1539, Weisung für
die Grafschaft Salm: die Unterthanen sollen in nafs und trocken landesherrliches Gemäfs
haben. Auch in Österreich soll nach LK. § 47 ein Mafs und Gewicht gelten, Hasenöhrl S. 54.
4) S. Bd. 2, 290, dazu Cart. Clairefontaine 48, 1270: und Honth. Hist. 3, 51, 1577.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1278 ■ —
sondert vom Marktrecht, an das Kurfürstentum Trier über^ Im übrigen
aber war das Kurfürstentum von Reichs wegen ungehindert wie in der Aus-
beutung der Regalien, so in der Erbreiterung der auf dieselben begründeten
polizeilichen Hoheitsrechte. Mit diesen Gewalten aber wie mit der Überweisung
von Heeresgewalt und Gerichtsgewalt hatte das Reich in der That die Eck-
steine geliefert, auf welchen mit Hilfe von grundherrlichem, vogteilichem und
lehnsherrlichem Baumaterial der neue Territorialstaat erstehen konnte.
Aber Trier war nicht nur Kurfürstentum, es war noch viel früher Erz-
stift. Sollte nicht auch diese kirchliche Eigenschaft die Begründung der Landes-
gewalt wesentlich gefördert haben, um so mehr da das Territorium im wesent-
lichen innerhalb der Diözesangrenze verlieft? Vergegenwärtigen wir uns diese
Seite der Entwicklung, welche auch schon im Mittelalter in der klaren Gegen-
überstellung von ecclesia und auctoritas im Sinne kirchlicher und weltlicher
Gewalt, sowie von dux und pastor im Sinne weltlicher und kirchlicher Führung
zum Ausdruck gelangte^, innerhalb der Ökonomie unserer Untersuchungen
mit wenigen Bemerkungen, welche den reichen Stoff nur andeuten, nicht er-
schöpfen können.
Da ist vor allem zu beachten, d^fs der bischöflichen Gewalt im Gegen-
satz zur Staatsgewalt von jeher ein stark betonter administrativer Zug inne-
wohnte. Die merowingischen Bischöfe hatten die reichen Verwaltungserfahrungen
der römischen Kultur in die fränkische Zeit hinübergerettet ; wesentlich auf Grund
eben dieser Thatsache waren ihre Nachfolger in karolingischer wie ottonischer Zeit
zu umfassendster Beschäftigung in die Staatsverwaltung einbezogen worden*.
Den landesherrlichen Bischöfen des 12. und der folgenden Jahrhunderte war
1) Honth. Hist. 2, 170, 1346, Karl IV. für Trier: archiepiscopo suisqiie successoribus
concedimus, ut ipsi in civitatibus oppidis et villis suis commimitates societates fraternitates
statuta precepta ordinationes concilia et rectores, quibuscunque censeantur nominibus, absque
beneplacito arcbiepiscoporiun statutos vel statuendos ordinatos vel ordinandos, quando et
quotienscunque ipsis expedire visum fuerit, deponere valeat et cassare. Doch vgl. dazu den
Reichsspruch von 1218, Huillard-Breholles 1, 2,557 — 559: Trevirorum archiepiscopus . . per
sententiam indixit, nos [regem] nee posse nee debere in civitate . . principis Basiliensis dare
vel instituere consilium citra eiusdem episcopi assensum et voluntatem atque suorum in eodem
episcopatu successorum.
2) Bisweilen wurde auch die Diözese geradezu als territorium bezeichnet, s. Otto
V. Freising 1, 62: Bobardiam villam regalem in territorio Treverorum super Rhenum
positam. Später freilich hält man die Unterschiede besser auseinander.
3) S. G. ep. Vird. con. c. 11, MGSS. 4, 49, c. 1038; MR. ÜB. 2, 189, 1199-1200.
^) Vgl. beispielsweise Honth. Hist. 1, 169, 817: Erzbischof Hetti als kaiserlicher Legat
an den Bischof Frothar von TuU de verbo imperatoris, ut solerti sagacitate provideas cum
summa festinatione omnibus abbatibus abbatissis comitibus vasallis dominicis vel cuncto populo
parochiae tuae, quibus convenit militiam regiae potestati exhibere, quatenus omnes praeparati
sint (zum Heereszug nach Italien). Aus ottonischer Zeit vgl. zur Verquickung geistlicher
und weltlicher Angelegenheiten G. ep. Camerac. 1, 73, 946: Otto I. kommt nach Kammerich
visitaturus quippe, quomodo dominus Fulbertus episcopus in rebus aecclesiasticis se haberet.
— 1279 — Bildung des Territoriums.]
deshalb eine Verwaltungsthätigkeit, wie sie die nun erwachsende Landesgewalt
erforderte, nicht neu; sie hatten ihre auf dem weiten Gebiete kirchlicher
Administration gewonnenen Erfahrungen nur den nun auf sie einstürmenden
analogen Bedürfnissen weltlicher Art anzAipassen. Kein Zweifel, dafs schon
mit der Thatsache dieser Vorbereitung auf kirchlichem Gebiete an sich ein
grofser Vorteil der geistlichen Landesherren gegenüber den weltlichen ge-
geben war.
Aufserdem aber wurden die geistlichen Fürsten auf weltlichem Gebiete
doch auch durch den thatsächlichen Gehalt jener Verwaltungshoheit unter-
stützt, welche ihnen auf kirchlichem Gebiete zustand.
Schon das allgemeine geistliche Oberaufsichtsrecht mul'ste hier von gröfster
Bedeutung sein ; liefs sich doch auf Grund desselben eine Kontrolle aller geist-
lichen Institute auch nach weltlicher Seite hin — d. h. aller geistlichen Grund-
herrschaften — ausübend Zudem aber lag hier ein der Möglichkeit seiner
Ausdehnung und Wirkung nach unbestimmtes Kecht vor, welches sich durch
kräftige Hände sehr wohl in ein völliges Abhängigkeits- und Treuverhältnis
der untergebenen geistlichen Institute ausarbeiten liefs ^.
Ferner stand dem geistlichen Landesherren das ganze Gebiet geistlicher
Rechtssprechung zur Verfügung; und diese Rechtssprechung begann sich in
unserer Gegend eben seit Anfang des 13. Jhs, in einer besonderen Gerichts-
verfassung auszuprägen: es entstanden die Trierer Offizialate zu Trier für das
Trierer Oberstift, etwas später zu Koblenz für das Unterstift und zeitweilig
wohl auch zu Ivois für die Terra Gallicana^. Mit der Entwicklung einer
1) S. Lac. ÜB. 1, 50, 91, 931; 52, 93, 941; MR. ÜB. 1, Nachtr. 4, 1071.
2) Albero von Montreiül erreicht es, dafs alle Äbte in der Diözese ihm Treue schwören,
s. Brower 14, 44; 2 S. 44; Waitz Vfg. 7, 218.
^) Zu den Vorläufern der Offizialatsverfassung s. Beauchet, Origines de la Jurisdiction
ecclesiastique , Nouvelle revue hist. de droit Irangais et etranger 1883 Sept. — Okt., dazu
Revue hist. 24, 198; vgl. auch Schulte, Strafsburger ÜB. Bd. 3, Einl. S. XVII f. Zur
Entwicklung des Trierer Offizialats vgl. Honth. Hist. 1, 639; 2, 8, 331, 541, 549, sowie
unten Bd. 3 Namenreg. unter Trier, Geistl. Verwaltung; an allgemeinen Urkunden Honth.
Hist. 2, 263, 1374; Blattau 1, 279, 1449; 2, 64, 1533; Honth. 3, 48, 1576. Im ein-
zelnen s. für das Offizialat Trier MR. ÜB. 3, 77, 1217 : C. dei gratia cantor Trevirensis vices
domini archiepiscopi agens in hac parte entscheidet einen Streit über den Patronat der
Kirche zu Deudesfeld. Diesen Entscheid sub pena excommunicationis auctoritate domni
archiepiscopi precipimus observari. MR. ÜB. 3, 176, 1221 : W. dei gratia maior decanus
officialis domini archiepiscopi totumque capitulum Treverense beurkunden Schenkung eines
Hauses etc. seitens eines Domherrn 'an einen Subdiakon und dessen Schwester. S. ferner
MR. ÜB. 3, 278, 1226, gedr. oben S. 324 No. 1, und dann die entscheidende Urkunde MR.
ÜB. 3, 345, 1228. Aus späterer Zeit s. noch CRM. 2, 197, 1263: Entscheidung einer Klage
coram decano sancti Gastods in Confluentia officiale curie Treverensis, dazu G. Trev. c. 136:
lohannes decanus sancti Castoris in Confluentia, qui tunc erat officialis Trevirensis. Ferner
wird Honth. Hist. 1, 822, 1287 ein advocatus curiae Trevirensis genannt, und Honth. Hist.
1, 825, 1292 ein notarius fidelis et iuratus curiae Trevirensis ab officiali dictae curiae specia-
liter destinatus [ad negotium quoddam]. Ein späteres Statut betr. das Trierer Offizialat ist bei
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1280 —
besonderen Gerichtsverfassung* ergab sich zugleich eine sorgfältigere Zuständig-
keitsbegrenzung fiir die geistliche Rechtssprechung; in dieser Hinsicht ist es
für unseren Gegenstand besonders wichtig, dafs alle Streitigkeiten zwischen
kirchlichen Instituten und Laien , d. h. im wesentlichen zwischen weltlichen
und geistlichen Gmndherren, immer ausschliefslicher schon seit Beginn des
12. Jhs. vor den geistlichen Richter gezogen wurden ^ und dafs den Offizialaten
die Einzwing-ung kirchlicher Subsidien, wie sie häufig genug für Landeszwecke
verwendet wurden, mittelst Bannandrohung zugewiesen ward^. Damit aber
waren dem Landesherren aufserhalb jeder Beeinflussung seitens des Reiches^
immerhin mächtige Mittel zur Abschliefsung des Territoriums und der Landes-
gewalt an die Hand gegeben.
Fast noch absoluter wie auf dem Gebiete geistlicher Oberaufsicht und
Rechtssprechung war der bischöfliche Fürst auf dem Gebiete kirchlicher Ver-
mögensverwaltung. Das kirchliche Vermögen der Diözesen w^ar ursprünglich
ein einheitliches gewesen, es hatte nur der Verfügung der Bischöfe unter-
Scotti, Chur-Trier 1, 296, 1533 gedruckt (s. dazu oben), ein *Katalog der Trierer Offizialen
endlich von 1289 — 1578 befindet sich in einer Hs. 18. Jhs. aus Hontheims Nachlafs in einem
Sammelbd. des Koblenzer St.A. — Zur Entstehung des Offizialats Koblenz s. MR. ÜB. 3,
972, 1244, zu seiner Wirksamkeit u. a. Bd. 3 No. 100, 1321; CRM. 3, 257, 1340. Ein
Advokat der Koblenzer Kurie begegnet Honth. Eist. 1, 40, 1309, ein Eid des Koblenzer
Offizials steht Honth. Hist. 2, 458, 1472. — Zum Offizialat Ivois s. Cart. Orval 539, 1285: nous
maistres Jehans de la Freteit, chanonnes de Ivois et officiaus en Roumance terre a reverent
peire Henri, par la grace de dieu archivesque de Trieves; daneben Cart. Orval
545, 1289: nous maistres Ponchars, dis de Sathanay, officiaus en Romanche terre home
reverant monsignor Henrit de Winstenges, par la grace de deu archidiacre en l'eglise de
Trives. Zu den Archidiakonatsoffizialaten s. auch noch Cart. Orval 442, 1269: nos Nicholes,
dolens de la crestienteit de Givegni, et Jakes, vestis de Sethenai et officiaus ä home hono-
rable monsignour Thierit, par la grasse deu grant prevost de Trieves et archidiake; Cart.
Orval 474, 1273: Jaques vestis de Sathenai et officiaus monsignor Thierrit; Honth. Hist. 1,
822, 1287: ein officiaus seu iudex venerabilis viri domini Henrici de Vinstingen. Vgl. dazu
Honth. Hist. 1, 822 Note b.
^) Honth. Hist. 1, 529, 1135, Urkunde Alberos von Trier: tunc enim pastor bene dicitur
vigilare et laborare, cum non solum caelestia verum etiam temporalia alimenta ovibus suis
[den Klöstern] impendit ac ministrat easque a morsibus luporum protegit et servat. Deshalb
zieht er Vogteistreitigkeiten zwischen dem Kloster Senones und dem Grafen von Salm vor
sich. Aus späterer Zeit *Cod. Himmerod. Bl. 63 a, und Honth. Hist. 1, 816, 1282: der Erz-
bischof will einen Streit zwischen Robin von Kobern und SCastor-Koblenz entscheiden ; unde
officialis Trevirensis de speciali mandato ipsius domini archiepiscopi quosdam testes super
iuribus partium recepit in forma iuris et diligenter examinavit et ipsorum depositiones in
scriptis redigi fecit. Das Urteil wird an SFlorin-Koblenz überlassen.
2) S. Honth. Hist. 2, 39, 1309, und Cod. dipl. Rommersd. 63, 1437: das Konzil zu
Basel beauftragt den Propst von SGeorg und den Dechanten von SAndreas zu Köln, die
Abtei Rommersdorf von der Exkommunikation, welche das Offizialat zu Koblenz wegen der
Weigerung, die ausgeschriebenen Subsidiengelder zu zahlen, über dieselbe verhängt habe, zu
befreien und in dieser Angelegenheit endgültig zu entscheiden.
^) Zur Beeinflussung seitens höherer kirchlicher Gewalten s. die vorhergehende Note.
— 1281 — Bildung des Territoriums.]
standen. Diese Regelung der kirchlichen Frühzeit wirkte als Grundanschauung
noch aul'serordentlich lange nach, die ganze deutsche Kaiserzeit stand noch
unter ihrem wenn auch allmählich immer mehr verblassenden Eindruck ^ : so
dafs die bischöflichen Landesherren mit ihr sogar noch in die Bildungszeit der
Territorialgewalt eintraten. Ausgeschieden aus dieser Vorstellung waren in
früherer Zeit eigentlich nur die Eeichsabteien ; für sie machte der König Eigen-
tumsrechte geltend. Allein auch hier drängte sich die allgemeine Ansicht vom
Charakter des Kirchenvermögens doch immer wieder auf: daher die frühen
territorialen bzw. diözesanen Einverleibungsversuche gegenüber den Eeichs-
abteien^ und späterhin die andauernde Einmischung in ihre Verwaltung^ bis
zur schliefslich doch nicht vermiedenen Inkorporation*. Sehen wir aber von
^) Charakteristisch ist in dieser Hinsicht, dafs Regino in seinen Caus. syn. über das
Verhältnis der Klöster zimi Stifte nahezu keine Bestimmungen hat ; das Klostervermögen galt
eben noch nicht als ausgeschieden. Dagegen bringt dann App. 2, 4, 5 S. 425 — 26 ; 28 S. 440
einschlägige Bestimmungen. Im einzelnen s. Mir. s. Apri c. 20; Ennen, Qu. 1, 458 — 460, 8,
922; Testam. Brunonis archiepiscopi, Ennen, Qu. 1, 467, 13, 965; G. ep. Virdun. cont. c. 7,
MGSS. 4, 47; Ennen, Qu. 1, 470, 16, 976—984; MR. ÜB. 1, 256, 981; 315, 1041; 324,
ca. 1045, cit oben S. 898 Note 3; Lac. ÜB. 1, 131, 203, 1064—6; MR. ÜB. 1, 380, 1084;
G. Trev. cont. 1, 22, MGSS. 8, 195, um 1114; Ennen, Qu. 1, 536, 63, 1152; MR. ÜB. 2, 86,
1187. Besonders bezeichnend ist MR. ÜB. 1, 348, 1056: Heinrich HI. schenkt an SSimeon-
Trier 3 Hufen in Mertloch ea videlicet ratione, ut episcopus eiusdem loci nullam potestatem
super illud predium habeat, ... et si ullus episcopus [gemeint ist natürlich der Trierer]
dehinc prefatum predium illis fratribus velit auferre, iterum hoc ad regales manus redeat.
Sogar über den Privatbesitz des Klerus konnte der Bischof in älterer Zeit verfügen, s. Ennen,
Qu. 1, 462, 10, 942. — Vgl. auch oben S. 676.
2) S. z. B. MR. ÜB. 1, 511, 1139, K. Konrad HI. überweist die Angehörigen von SMaximin
an das Stift: archiepiscopo . . obediatis et ei servitium, quod hactenus regno et nobis de
eadem ecclesia proveniebat, . . exhibeatis. Die entgegengesetzte Strömung vertritt MR. ÜB.
1, 434, 1116, Heinrich V. für SMaximin: ut abbatia . . nulli unquam sedi vel ecclesie quolibet
Ingenio vel quacunque occasione subdetur, nullius persone magne vel parve violentiam sive
dominationem patiatur; sicut sub antecessoribus nostris usque ad presens ab omni inquie-
tudine inmunis extiterat, ita quoque sub nostro successorumque nostrorum mundiburdio ac
defensione perpetualiter libera permaneat.
3) S. z. B. Bd. 3 No. 72, 1291; No. 118, 1329; Honth. Hist. 2, 242, 1367, cit. Bd. 2,
642 Note 1. Vgl. auch Honth. Hist. 2, 117, 1322: K. Ludwig verpfändet dem Erzbischof
Balduin für 3000 mr. Silber das Recht, die Äbte von Echternach und Prüm zu belehnen, und
dazu *Lib. aur. Eptern. Bl. 132 ^ , luramentum abbatis in susceptione regalium : Ich Ropricht
abt zu Echternach geloben und sweren dem hochwirdigstem hochgepornem fursten minem
gnedigsten herren von Trier in namen von wegen und us bevelhe des allerdorgluchstigsten
gi'oeßmechtigsten fursten und herren herren Maximilians Roemschen konings mins aller-
gnedigsten heiTen, das ich siner koniclichen maiestat und siner genaden nakomen Romschen
koningen und keisern und dem hilgen Rieh so lang ich leben getruwe und holt wil sin, iren
schaden warnen raet helen und bestes werben, auch in rait ader dait nummer gesin, das
iren maiestaten an iren personen eren und wirden hinderlich mögt gesin, und alles das thun,
das min vorfaren dem hilgen Rieh schuldich und pflichtich sin gewest; als mir got helf und
die hilgen.
*) Vgl. beispielsweise für Prüm speziell MR. ÜB. 3, 560 1236; femer die *Inkor-
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1282 —
den Reichsabteien ab, so verfügte der bischöfliche Landesherr, soweit ihn
nicht päpstliche Eingiiffe ^ und wohlerworbene Rechte Dritter behinderten, frei
über den Zehnteitrag der Diözese ^, er besafs eine sehr bedeutende Einwirkung
auf Personal- und Vermögensbestand der Pfarreien ^, und er disponierte, hatte
er sonst die Macht dazu, aufserhalb der Tragweite bestehender autonomer
Rechtsordnungen nahezu unbehindert über Personalbesetzung, Vermögens-
verwaltung und Vermögensbestandteile der kirchlichen Institute*. Diese Dis-
positionsrechte ermöglichten eine Ausnutzung der Wirtschaftskräfte speziell der
geistlichen Institute im einzelnen, über welche man wahrhaft erstaunt ist,
wenn man sie, wie z. B. im Moselland für das Kloster Himmerode um die
Mitte des 14. Jhs., detailliert kontrollieren kann^; und sie gestatteten vor
porationsakten von 1347 in Koblenz St. A. Rep. Prüm No. 67 — 73, auch im angef. Rep.
No. 75, 1350; No. 76, 1350; No. 79, 1354.
1) S. z. B. *0r. Koblenz St. A. o. D., vgl. Goerz MR. Reg. 2 No. 51, (1154): die
päpstlichen Legaten benachrichtigen das Trierer Domkapitel, dafs sie die Verleihung der
Kirchenpfründe zu Vilmar seitens des Erzbischofs Hillin an die Abtei SMatheis bestätigt
haben. Vgl. MR. ÜB. 1, 638.
2) S. Gart. Orval 368, 1260.
3) S. z. B. *Vallendarer Kopiar 15. Jhs. Bl. 23, Koblenz St. A., vgl. Goerz, MR. Reg. 2
No. 263: Erzbischof Hillin bestätigt den Erbpachtsvertrag des Pastors zu Kesselnheim mit
W. von Vallendar für einen der Kesselnheimer Kirche zu Urbar gehörigen Weinberg. *0r.
Trier Stadtbibl. 1227 Nov. 6, vgl. Goerz, MR. Reg. 2 No. 1821: Propst, Dechant und Dom-
kapitel bestätigen dem Kloster Niederprüm die vom verstorbenen Abt Gerard von Prüm per
manus des Erzbischofs Johann gegebene Schenkung der Kirchen Rommersheim und Mehring.
S. auch Stat. synod. 1310, c. 69, Blattau 1, 102, cit. oben S. 938 Note 4, auf S. 939.
4) Vgl. Lac. ÜB. 1, 146, 225, 1073—75; 111, 179, 1043; MR. ÜB. 2, 63, 1169—83:
Erzbischof Arnold bestätigt rogatu des Domkapitels im.pressione sigilli sui einen Pachtvertrag
des Domkapitels. MR. ÜB. 2, 292, 1190—1212, Erzbischof Johann ordnet die Verhältnisse
von Geren neu: quia vero sunt quidam, qui ab eadem ecclesia iure et lege hominii feoda
habere noscuntur, statutum est, ut homines feodati archiepiscopo in loco illo videlicet apud
Horreum hominium faciant et feoda sua de manu archiepiscopi in presentia conventus illius
recipiant et fidelitatem ecclesiae iurent. in qua ordinatione hoc cautum est, ut si feodum
absque legittimo berede vacare contigerit, ipsum liberum et libere ad usum et ad Stipendium
dominarum cedat, si vero in conferendo feodo iustis heredibus quicquam feodali iure dare
contigerit, quod vulgari appellatione herwede dicitur, id ipsum quoque ad communem utili-
tatem et usum dominarum debet transire. MR. ÜB. 3, 216, 1223: Erzbischof Dietrich ver-
ordnet die Einziehung jeder vakanten Präbende des Stiftes Pfalzel auf ein Jahr zum Besten
der Wiederherstellung der Kirche. MR. ÜB. 3, 691, 1240: Dechant und Kapitel von
SSimeon ecclesiam in Hoingen et quosdam alios reditus refectorio . . deputatos aliquando
processu temporis de assensu et auctoritate [archiepiscopi] in usus multo meliores duxer[unt]
convertendos, statuentes, quod in choro distributio fierit eorundem. Vgl. auch noch Bd. 3,
37, 25, 1274; 44, 21, 1265; sowie Stat. s. Castor. 1451, Blattau 1, 368: quod in hiis, in
quibus requiritur auctoritas vel consensus archiepiscopi, capitulum nihil statuat sine auctoritate
et consensu praedictis. Aus späterer Zeit vgl. noch Stat. Boem. 1290, Blattau 1, 61; und
Bd. 3 S. 464 Note 1. — Andererseits genossen die kirchlichen Institute freilich auch den
besonderen Schutz des geistlichen Landesherren, s. G. Trev. c. 269, sowie mancherlei Be-
freiungen, s. MR. ÜB. 1, 650, 1167; 3, 100, 1220; Honth. Hist. 2, 109, 1326.
^) S. Bd. 3 No. 191.
— 1283 — Bildung des Territoriums.]
allem die Schaffung und Besoldung eines besonders befähigten und ausnahmsweise
zahlreichen Landesbeamtentunis grol'senteils auf Grund kirchlicher Pfründenleihe^
Neben alledem aber war es möglich, von diesem weitgehenden Dis-
positionsrechte des bischöflichen Landesherren über den Kirchenbesitz aus ein
wohlgeordnetes System direkter Besteuerung zu entwickeln. Die kirchliche
Steuerveifassung , welche schon sehr früh eingehend ausgebildet worden war,
traf in der Entstehungszeit der Landesgewalt sowohl die Pfarreien wie die
kirchlichen Institute. Für die Pfarreien galt noch, wenn auch bereits im Ver-
fall begi'iffen, die alte Kathedralsteuer ^ ; für die kirchlichen Genossenschaften
war allmählich die Subsidiensteuer aufgekommen^. In Trier wie auch sonst
spielten nun wohl die Subsidien vor dem 13. Jh. noch keine grofse Rolle.
^) Wie sehr die Bischöfe die Lösung der Personalfragen in der Hand hatten, zeigt
G. Trev. Cont. 5, MGSS. 24, 413, über Erzbischof Arnold [1242—1259]: omnes archidiaconi,
quos ipse temporibus suis instituit, viri strennui et discreti, ipsius erant consanguinei et
amici; et fere omnes prelature suis diebus Treveri vacaverunt, quas ipse prudenter de per-
sonis idoneis restauravit, tarn in abbatiis quam in aliis prelaturis. S. auch G. Trev. c. 277:
Jacob von Sirk (1439— 1456) nonnullos capitulares canonicos domino archiepiscopo lacobo rebelles
variis laboribus ac sollicitudine . . dignitatibus et beneficiis in ecclesia Trevirensi privari
aliisque personis sibi acceptis de bis provideri fecit, maximis inde litium anfractibus ortis;
nihil tamen destituti proficientes omnes passim obierunt. unde elfectum est, ut archiepiscopus
usque ad finem vitae a reliquis in timore et reverentia haberetur nihil quod expeteret abnuere
ausis. Diese Macht wurde nun günstigenfalls zur Besoldung zahlreicher Landesbeamten
ausgenutzt, s. G. Trev. c. 230: Erzbischof Balduin legistas . ., canonistas, physicos, artistas, philo-
sophos, capellanos, clericos, laicos etiam multos, milites, nobiles, domicellos aliosque mini-
steriales numero multum valde multiplicatos , suo ministerio deputatos, decenter sustentavit,
quos omnes et singulos alios archidiaconos, quosdam praepositos, nonnullos decanos scholasti-
cosque praebendatos, canonicos et pastores fieri procuravit, nam de tam excellenti magnatorum
progenie extitit oriundus, quod nullum habuit affinem seu cognatum, quem ad praeposituram
maiorem vel aliquem archidiaconatum vellet promovere. unde Godefridum in maiorem prae-
positum, alterum vero suormn paedagogorum in maiorem decanum sublimavit. Für spätere
Zeit s. bei Honth. Hist. 2, 530, 1500, das Verzeichnis der vom Erzbischof für die verschie-
denen Stifter präsentierten Capellani; vgl. dazu Honth. 2, 625, 1531.
2) Nach dem UStift S. 427 — 428 betrug das Servitium magnum archiepiscopi in decania
Keimtam de iure cathedratico bei 23 zahlenden, 4 nicht zahlenden Mutterkirchen unter
einem Schwanken von 4 unciae Vk mr. bis 8 unciae 12 mr. : 160 unciae (Trev.) 71^2 mr.
9 Ib. (Trev.), der Zins von den 20 zahlenden, 6 nicht zahlenden Kapellen bei einem
Schwanken zwischen 6 d. und 2 unciae: 18 unciae 76 d. Vgl. ferner Lac. ÜB. 1, 176,
272, 1109; 191, 291, 1120; MR. Reg. 2 No. 927 (1202); dann zwei **Orr. Düsseldorf
St. A. 1202, MR. Reg. 2 No. 927 und 928, sowie die Reg. 2 No. 961 und 962 vom J. 1203,
No. 1221 vom J. 1214, No. 1338 vom J. 1217, und No. 1931 vom J. 1230. S. auch
Quix, Cod. Aquens. No. 156, 1233: H. dei gratia Trevirorum archiepiscopus . . capitulo
Aquensi . . . cum in ecclesiis de Winninghen et de Kesselheim nostre diocesis contra
consuetudinem ratione cathedratici nostri anno presenti receperimus duas mr., nos con-
suetudinem earundem nullatenus infringere volentes, de cetero secundum consuetudinem
hactenus habitam quatuor mr. volumus esse content! debitis annis de qualibet ipsarum pro
omni iure, quo tenentur, persolvendis, et hoc presentibus protestamur. Übrigens war das
Kathedraticum wie viele andere Leistungen vielfach in die Hände der Archidiakone ge-
kommen, s. den Freiheitsbrief für Lonnich bei Honth. Hist. 2, 109, 1326.
3) Vgl. auch Waitz, Vfg. 8, 403.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1284 —
Seitdem aber nehmen sie tiberall an Höhe und Regelmäfsigkeit zu^; in Trier
betragen sie in einem kontrollierbaren Fall der ersten Hälfte des 14. Jhs. —
für das Jahr 1339 — nach heutiger Kaufkraft des Silbers 220000 M.^ und
um die Wende des 14. und 15. Jhs. werden etwa 40000 M. nach unserem
Gelde als gewöhnliche Jahressubsidie der Institute des Trierer Unterstiftes an-
gesehen^. Das sind in Anbetracht des Umfangs der Landesbedürfnisse jener
Zeit sehr bedeutende Summen ; die von Honth. Hist. 3, 202 erzählte Nachricht
wird in allen ihren Teilen richtig sein, wonach die Beitragspfiicht des Klerus
zu den ständischen Landsteuern anfangs die Hälfte, später ein Drittel, dann
ein Viertel des Gesamterfordernisses betragen habe, bis sie im J. 1603 auf
ein Fünftel herabgesetzt ward.
So sind es denn neben geistlicher Rechtssprechung und kirchlichem Ober-
aufsichtsrecht doch vor allem die reichen seitens der Kirche gebotenen finan-
ziellen Mittel, welche der Entwicklung der geistlichen Landesgewalt im Vorzug
vor der weltlichen Territorialbildung zu gute kommen. Aus dieser Thatsache
erklärt sich die Erscheinung, dafs sich geistliche und weltliche Fürstentümer
in der Ausbildung der Territorialhoheit späterhin nicht eben wesentlich unter-
scheiden: die kirchliche Verwaltungshoheit lieferte den bischöflichen Landes-
herren nicht allzuviele von den laienfürstlichen Rechten grundsätzlich ver-
schiedene Gewalten, sondern setzte sie blofs anfangs in den Besitz einer
stärkeren finanziellen Macht, deren Wirkungen von denjenigen der Wirt-
schaftskräfte sonstiger Territorien nicht qualitativ, sondern nur quantitativ ver-
schieden sein konnten.
Und so hat denn die kirchlich - administrative Gewalt der geistlichen
Fürsten in der Entwicklung der Landesgewalt schliefslich nicht diejenige
Rolle gespielt, welche man ihr auf den ersten Blick zuzuschreiben geneigt
sein kann; sie hat nichts wesentlich Neues zur sonstigen Entwicklung hinzu-
geliefert: auch in den geistlichen Territorien bleiben einst staatliche Hoheits-
rechte und halbstaatliche Gewalten, wie sie oben geschildert sind, die kon-
stitutiven Elemente der Landesentwicklung.
Wie aber wurden diese Elemente nun zusammengefafst? Welche Kraft
schuf aus ihrem zeitlichen und räumlichen Durcheinander, dem Wirrwarr ihrer
^) Für die Trierer lautet die erste völlig zweifellose Nachricht in den G. Trev. c. 199 :
Boemund (1286—1299) saepius ab ecclesiis subsidia postulabat. Doch vgl. schon G. Trev.
Cont. 5, MGSS. 24, 413: Erzbischof Arnold (1242—1259) pacem et concordiam cum ecclesiis
suis habuit . ., que sibi etiam in omnibus necessitatibus plurimum serviverunt. Vgl. dazu
G. Trev. Cont. 5, MGSS. 24, 409.
2) s. Bd. 3 No. 292.
3) Honth. Hist. 2, 325. Im J. 1541 beträgt nach Honth. Hist. 2, 679 das Subsidium
consuetum cleri inferioris Trevirensis [d. h. das Simplum] 1224 fl. 13 alb. 3V2 d., das Simplum
des Clerus superior 960 fl., es sind nach unserem Geld ca. 13 000 bzw. 10 000 M. Die Sub-
sidie von SMaximin speziell beläuft sich nach den *Distr. SMax. pro pensionibus, 15. Jh.
4. Viertel, auf 56 Ib., et facit una Ib. 10 alb., et totalis summa Ib. facit 23 fl. 8 alb. Es
sind das nach unserm Geld vermutlich gegen 700 M.
— 1285 — Bildung des Territoriums.]
qualitativ so verschiedenen Abgrenzung und Ausbildung das einheitliche Ganze
des Territoriums?
Die Antwort auf diese Frage läl'st sich nur aus einer genaueren Be-
trachtung des positiven Bildungs- und Erwerbsvorganges eines Territoriums
gewinnen. Bei diesem Punkte aber sind wir gerade für Trier trefflich be-
richtet: seit Schlufs des 12. Jhs. bis tief ins 14. Jh. hinein besteht hier
eine nahezu ununterbrochene Reihe von Spezialaufzeichnungen , welche über
die ErwTrbsmafsnahmen der einzelnen Erzbischöfe fast durchweg bis ins
kleinste belehrend Aus ihnen ergiebt sich, dafs nach kleineren Anläufen die
energischsten Schritte zum territorialen Abschlufs der erzstiftischen Herrschaft
vornehmlich in der 2. Hälfte des 13. Jhs. unternommen worden sind. Und
hier stehen die Erzbischöfe Heinrich von Vinstingen (1260 — 1286) und Boemund
von Warnesberg (1286 — 1299) durchaus im Vordergrunde. Heinrich gab
während seiner Regierung nach heutigem Kaufpreis des Silbers für Lehns-
erwerb etwa 1450 000 M., für direkten Erwerb etwa gleichviel, im ganzen
gegen 2 800000 M. aus, Boemund, soweit sich nachrechnen läfst, für Lehns-
erwerb 896000 M., im ganzen 1210000 M. : beide verbrauchten mithin zur
Abnmdung der Landesherrschaft jährlich etwa 100000 M.^. Die damit einge-
leitete Bewegung wurde dann nach der kurzen Regierung Diethers (1300 — 1307)
von dem grofsen Erzbischof Balduin (1307 — 1354), dem Bruder Kaiser Hein-
richs Vn., zu Ende geführt; unter ihm erreichte das Trierer Territorium im
wesentlichen seinen späteren dauernden Bestand^ und zugleich den nahezu
völligen Abschlufs seiner landeshoheitlichen Rechte*.
Übersieht man nun aber die Einzelvorgänge des Erwerbes, so fällt es
1) Zu den Erwerbungen der früheren Trierer Erzbischöfe s. Honth. 1, 340, ferner 471,
635; 2, 7. Die Erwerbungen Hillins (f 1169) werden G. Trev. Cont. 3, MGSS. 24, 380,
231 ff. verzeichnet, diejenigen Johanns I. (1190 — 1212) sind in einem besonderen, u. a. MK.
ÜB. 2, 298 und G. Trev. Cont. 4 Add. 2, MGSS. 24, 393, 8 f. gedruckten Verzeichnis enthalten,
s. Bd. 2, 690 Note 4. Zu den Erwerbungen Dietrichs (1212—42) s. MGSS. 24, 403, nf.;
zu denen Arnolds (1242—59) MGSS. 24, 409, 5o f.-, 413, is f. Für die Erzbischöfe Heinrich
(1260 — 86) und Boemund (1286—1299) liegt wieder ein besonderes Verzeichnis der Erwerbungen
vor, s. dazu Bd. 2, 690 Note 5. Unter dem folgenden Erzbischof Diether (1300—1307) ist
dann nicht viel erworben worden; um so mehr dagegen unter dessen Nachfolger Balduin
(1307 — 1354), dem eigentlichen Vollender des Trierer Territoriums; seine Erwerbungen sind
sogar in Verse gebracht, s. G. Trev. c. 259, Wyttenbach und Müller 2 S. 270—271; vgl.
dazu Dominicus S. 464 Note 3.
2) Berechnungen nach dem Note 1 erwähnten Verzeichnis in der *Rezension des
Bald. Kesselst. S. 505.
^) S. Honth. Hist. 2 , 1 f. ; Dominicus S. 15. Zur späteren Ausdehnung s. Honth.
Hist. 2, 118—119, 1332; CRM. 3, 558, 1376; Honth. Hist. 2, 265, 1376 u. a. m.
*) Nachdem seit der sententia de non alienandis principatibus 1216 die Fürstentümer
nicht mehr Reichsämter, sondern endgültig Reichslehen waren (s. Berchtold, Landeshoheit
S. 91), wird in Trier der Abschlufs der Landeshoheit etappenweise bis zur Goldenen Bulle,
spätestens mit dem Privileg Karls IV. vom 31. Mai 1376 (Honth. Hist. 2, 265) erreicht.
Über den Streit der Erzbischöfe mit der Stadt Trier s. Schoop, Verfassungsgeschichte der
Stadt Trier bis zum J. 1260, in Westd. Zs. Erg.heft 1, und Ferdinand S. 35 ff.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1286 —
sofort auf, welche hervorragende, ja einzige Rolle innerhalb derselben der
lehnsweise oder allodiale Ankauf von Burgen spielt. Die Bewegung, welche
zuerst im Reiche von den Staufern, in unseren Gegenden von dem kölnischen
Erzbischof und Reichskanzler Philipp von Heinsberg eingeleitet worden war\
beginnt im Trierschen ganz sichtbar und fast ohne jede Vermittlung mit Erz-
bischof Johann (1190 — 1212), und sie dauert seitdem ununterbrochen an ^, bis
unter Balduin der enorme Bestand von über 100 landesherrlich-allodialen oder in
lehnsweise offenen Burgen eiTeicht wird ^. Seit Balduin aber tritt dann ein merk-
^) Caes. Heisterb. Dial. mai. 4, 38: Philippus archiepiscopus Coloniensis, dum propter
castra, que emerat beato Petro, multis debitis esset obligatus . . . Vgl. auch Hecker,
Philipp I. von Köln, S. 116 ff.
2) G. Trev. Cont. 4 Add. 2, MGSS. 24, 395, so: Erzbischof Johann (1190—1212) de
novo castrum quoddam, quod Grimburg appellatur, construxit, quod situm est in medio pos-
sessionum maiorum et meliorum archiepiscopatus et fere omnium ecclesiarum in civitate
Trevirensi sitaram. MR. ÜB. 3, 478, 1233: Erzbischof Dietrich schenkt die Burg Monkler
an das Erzstift. MR. ÜB. 3, 675, 1240: pro edificatione novi castri Kilburg verkauft Erz-
bischof Dietrich für 200 Ib. Treverenses Besitzungen des Erzstifts capituli nostri Treverensis
accedente consensu. Für Erzbischof Arnold vgl. G. Trev. Cont. 5, MGSS. 24, 410, 3i. G.
Trev. c. 184: Erzbischof Heinrich (1260 — 1286) Berincastel castrum erexit a fundamento,
Meiene villam condidit et ibidem castrum construxit, quod ecclesiae Trevirensi subiugavit, in
Confluentia de domo Wilhelmi militis, quae dicebatur Archa, castrum fortissimum maximis
impensis comparavit [s. dazu Bd. 2, 517], castrum Sarburch, palatium Trevirense et etiam
Palzele, Grimbergh, Pilliche, Novum castrum, quod dicitur Meirmunt [add. Cod. Eberhardski. :
Manderscheit, Marienberch, Ehrenbreitstein, Montabuir, Hardinvels] magnis aediiiciis somptuo-
sissime renovavit. S. auch G. Trev. c. 190, sowie Dominicus S. 157. G. Trev. c. 199:
Boemund (1286—1299) munitiones et castra totius diocesis plurimum emendavit: inferius
castrum de Numagio Alben et domum quae Baptismus dicitur erexit a fundo; Monthabor
Hardenvels Pillich Meiene et alia castra plurima et precipue Berencastel aulis, cameris, muris,
turribus et propugnaciüis ac diversis aediiiciis copiose decoravit. Dazu kommt der Erwerb
von Kochem. Trithem. Chron. Sponh. z. J. 1289: Erzbischof Boemund construxit a funda-
mentis novum castellum in Numachen iuxta Trittenheim. Iura et institut. eccl. Trev. aut.
Leimbach (Wyttenb. u. Müller 2, 185): Erzbischof Diether (1300—1307) erbaute Ruimstein
castrum. — Zum Ganzen s. auch noch Honth. Hist. 1, 245. Erzstiftische Burgen hatte es
freilich immer gegeben, s. MR. ÜB. 1, 24, 772; und G. Trev. 30, MGSS. 8, 172, Adelbero,
der Bistumsprätendent, giebt um 1015 seine Ansprüche auf: palatium et sua castella et
omnia sua contradidit. Auch begann man die Wichtigkeit der Burgen an der Mosel eben-
falls schon um die Mitte des 12. Jhs. zu erkennen, s. MR. ÜB. 1, 551, c. 1148: die Burg
Arras war dem Erzstift verloren gegangen, ac per hoc tota pene fuerat Treverensis ecclesia
depressa et pessumdata.
^) Nach dem *Register des Balduineum Kesselst. S. 2 f. sind um 1340 vorhanden fol-
gende 103 genannte Castra, que a domino Treverensi dependent in feodum : Eremberg, Brole
etc., Stirburg, Eltze, Longuion, Mussy, Vernich, Nassowe, Lurenburg, Hademar, Bilstein et
Mengerskirchen, Seine, Kirberg, Winterberg, Neve, Starkenberg, Traenrebach et Bille, Richen-
berg (prope Katzenelboge) , Stalecke, Stauf (Geminiponti) , Lehenberg, Sancti Laurentii, Li-
ningen, Dietze et alia, Virnenburg et Bosse, Monreal, Kaldenburne, Wildenburg, Wellestein,
Buschfeit, Semern, Moinchwilre, Nuwenbeumburg, üben (comitis irsuti), Nuwenburg (comitis
irsuti), Solmße, Weitersberg (Isenburg), Grenßowe, Schadecke, Molsberg, Helfenstein et Spur-
kenberg, Kempenich, Lisheim, Uren, Aldendüne, Wilre; (Manderscheit), Broeche et Clussart,
Sente Johansberg (wildegravii de Duna), Crampurg, Heinzenberg, Overstein, Wißkirchen,
— 1287 — Bildung des Territoriums.]
lieber Stillstand ein; es werden zwar hier und da noch einige Burgen hinzu-
erworben \ aber im ganzen ist die Höhe der Bewegung überschritten.
Schon nach diesem zeitlichen Verlauf zu urteilen liegt die Vermutung
nahe, dafs die Bewegung mit der Entwicklung der Landesgewalt unmittelbar
zusammenliängt : sie umfafst genau die Epoche der Territorialbildung. Und
ein solcher Zusammenhang ist ja begreiflich genug: den künftigen Landes-
herren mufste daran gelegen sein, jeden Abschnitt neuen Erwerbes durch
Burgen und Öifnungsrechte zu sichern. Indes diese Erklärung genügt nicht
völlig. Auch die früheren Erzbischöfe waren erwerbslustig und kriegerisch
gewesen 2. Warum verfielen sie nicht auf den gleichen Gedanken?
Es liegt auf der Hand : die Erklärung für die Thatsache, dafs die lokale
Befestigung und allgemeine Angliederung der sich enger schliefsenden Teil-
rechte der Landesgewalt auf militärischem Wege durch Burgenbau erfolgte,
kann nicht in der Geschichte des Territorialerwerbs allein gefunden werden,
sie mufs vielmehr in der allgemeinen Geschichte des Kriegswesens begründet
sein. Wir werden daher den — wie sich später zeigen wird, für die Ge-
schichte der Territorialverwaltung recht wichtigen — Vorgang der räumlichen
Schliefsung des Territoriums auf dem Wege des Burgenbaus nur dann völlig
verstehen, wenn wir ihn der allgemeinen Entwicklung des deutschen Kriegs-
wesens einzureihen versuchen. Und so führt uns denn der Gang unserer Er-
örterung allerdings von der Untersuchung der Territorialbildung zunächst ab zur
Vergegenwärtigung der Grundlagen frühmittelalterlichen Kriegswesens und damit
zur Untersuchung des Verfalls jener auf ältester Basis beruhenden karolingischen
Heeresverfassung, von welcher schon öfter gelegentlich gesprochen worden ist.
Der bewegende Gedanke dieser Heeresverfassung, die allgemeine Dienst-
pflicht und dementsprechend die allgemeine Wehrhaftigkeit , ist nun im
Grunde genommen niemals gesetzlich und rechtlich beseitigt worden:
auch den niederen Schichten, speziell dem Bauer, wurde die Waffenfähigkeit
niemals aberkannt^. Es wäre auch falsch, irgend eine direkte Einwirkung
Lievenberg et Leie, Hoenberg oppidum, Odenbach, Dagestul, Mosle, Ippelbure, Swarzenberg,
Baldeneltze, Ruissberg, Tris, Bischofstein, Smideburg, Belle, Arras, Brule (prope Rinecke),
Domus regia Bopardiensis, Siefscb, Geispusch, Wacbenlieim, Winchern, Wunnenberg, Hunolt-
stein (advocatia), Schussel, Pumer, Kethge, Guntravia, Senheira, Studernheim, Bertingen, Yurne
et in Ponte, Huisbach et in Ponte, Rumstein et plura alia, Moncler et alia, Somerauwe, Esch-
lingin, Erlebach et Derenbach, Esch, Wil Flache Lockwilre, Sidelingen, Wiltberg. S. dazu
das Burgmannenregister aus dem Koblenzer Balduineum bei Honth. Hist. 2, 5 ; auch G. Trev.
c. 227; Erzbischof Balduin plurima castra et fortiora iuxta praedonum fortalitia, per que
ipsi iugiter tanquam obsessi habebantur, malis eorum gratibus fonditus aedificavit, et sie eos
ad pacis observantiam, quantumque magnos, violenter coartavit.
1) S. z. B. G. Trev. c. 270 : Erzbischof Werner (1388—1418) baut Wernerseck, erneut
das castrum ad muros Witlich; vgl. auch G. Trev. c. 273 über Erzbischof Otto (1418—1430).
2) Sie ziehen z. B. in eigener Sache zu Felde, so Adalbero II. von Metz (929—962),
Adalbold von Utrecht (1020—1027), s. Alp. de div. temp. 2, 3. S. auch MR. ÜB. 1, 304,
1031; G. Trev. Cont. 1, 22, MGSS. 8, 195, um 1114.
^) Wie sie aber durch Änderungen im Kriegswesen selbst (weite Züge — daher Rofs-
dienst) allmählich zurückgedrängt wurde, setztWaitz, Vfg.8, 125 f., aufs anschaulichste auseinander.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1288 —
der verschiedenen Arten mittelalterlicher Hörigkeit, besonders etwa der
Grundhörigkeit, in dieser Richtung anzunehmen. Die deutsche Grundhen-
schaft trug nicht anders wie die Vogtei und die Landesgewalt einen Rechts-
charakter, der allgemein anerkannt wurde ^ und sich gar bald in der Unver-
letzlichkeit der Person aussprach. Der persönlichen Freiheit ohne richterlichen
Spruch beraubt zu werden war auch für den Grundholden, abgesehen von den
Fällen handhafter That, rechtlich undenkbar; Zahlungssäumnis für Gerichts-
gelder sollte nur Pfändung, nicht Verhaftung nach sich ziehen 2; und wo
irgend möglich setzte man an die Stelle persönlicher Festnahme die Ver-
pflichtung zur Bürgenstellung ^. Auch der Hausfriede der armen Leute er-
scheint auf das energischste gewahrt; die Einforderung von Herrenzinsen
gestattete seinen Bruch keineswegs — zumeist besteht die Bestimmung, die
Zinse sollten über das Gatter oder wenigstens die Hausschwelle gereicht
werden* — ; und mehrfach drückt sich die strenge Konstruktion des ältesten
Hausfriedens noch in dem Rechte aus, Diebe und Heimsucher im Haus bei
handhafter That straflos oder so gut wie straflos zu töten ^.
Eine derartig feste und selbst durch vorhandene Abhängigkeitsverhält-
nisse niemals gebrochene Auffassung persönlicher Selbständigkeit schliefst von
vornherein den Gedanken aus, die landarbeitenden Klassen des Mittelalters
seien absolut wehrlos und unkriegerisch gewesen.
Aber freilich besteht daneben die Thatsache, dafs die alte Heeres-
verfassung, welche eben diese Klassen zu grofsen Wirkungen vereint hatte,
den neuen Anforderungen der deutschen Kaiserpolitik in keiner Weise zu
entsprechen vermochte, und dafs das Reich hier wie auf so vielen andern
Gebieten seine gänzliche Unfähigkeit zur zeitgemäfsen Umformung der alten
^) G. abb. Trudon. 11, 16: dillgebatur a familia aecclesiae valde, eo quod tractabat
eam honorifice et Theutonicorum disciplinato more. S. auch v. Maurer, Fronh. 1, 263.
2) AVArenberg und Mühlen 1463: wer ein wette verbroichen hat und ein wette zu
bezailen hat binnen dem kirspel, sitzit u. gn. h. zu dienste, fuere und rauch heldet und
zuebrochen halt, den ensolle man nit antasten stocken noch plochen, sunder man sulle ine
pfenden darvor, wan is gehandelt were worden vur dem gericht.
^) WHammerstein 1563 § 4: wer einiche burger, der da verbracht hette leif und gute,
sofern derselbig bürgen setzen mag vor lif und guts, so sal der her die von ime nehmen;
kan ers aber nit gedun, so mag der her inen da verwaren nach s. gn. willen.
4) S. z. B. WOensheim 1437, G. 2, 800; WRemich 1477, G. 2, 241, cit. oben S. 1181 Note 6.
■^) WLosheim 1302 § 9: si Reinaldus et filii et fratres sui aliquem furem super ipso-
rum allodio capient, eum suspendere debent in festo domus, qui vulgariter dicitur virst, sub
tecto, ita quod (sol eum) superlucere et ventus eum superflare non possint; et si contrarium
fieret, debet advocato restitui ad emendam. Angebl. Rheing. Landr. 14. Jh. Ende, § 72:
werez daz ein man, der in sime eigne hus gesucht wurde, manlichen daz virwerte und den
hussucher unde alle sine midegesellen, die da mide weren, doit sluge, der sulde gelden mime
heiTi von elken irslagen man 4 d., und is min her ader sine nachkomen plichtig, den man
darumb zu schüren und zu beschermen und auch zu virsunen gein des doden ader der doden
fruntschaft, und im ein festen vreden zu geben.
— 1280 — Bildung des Territoriums. J
VerfossuiigsgTuiKllagen bewies. So wurden denn die landarheitenden Klassen
nicht wehrlos, aber ihre AYehrhaftigkeit veraltete, bis sie nach langem Schlafe
von den Territorialgewalten langsam und unsicher zu neuem Leben geweckt
ward. Diesen Prozefs haben wir für unsere spezielle Aufgabe jetzt in einigen
Zügen weiter zu verfolgen.
Am einfachsten konnten sich noch diejenigen Teile der alten Heeres-
verfassung erhalten, welche sich nicht auf den Krieg direkt, sondern auf seine
Vorbereitung bzw. Verhütung bezogen, also die Pflichten der Verpflegung und
Ausrüstung, der Fortifikation und des Sicherheitsdienstes.
Von ihnen wurden die Verpflegungs- und Einquartierungsdienste in
ihrem fast ausnahmslosen Übergang auf die Immunitäten oder auf diesen
analoge spätere Bildungen zumeist rein finanziell gefafst und damit zu einer
Steuer- oder Zinslast umgebildet \ teilweise auch abgelöst^. Daneben erhielt
sich wohl überall das Recht der Kriegsherren auf Requisition beim Heeres-
durchzug ^.
Etwas anders verlief die Geschichte des Ausrüstungsdienstes, speziell
der Pferdelieferung und Stellung von Heeresrüstwagen. Hier gingen die alten
Grundlagen der Veranlagimg wohl fast ausnahmslos schon früh verloren*,
aber die Territorialgew^alten entsannen sich später der alten Verpflichtungen
und ordneten sie von neuem durch Abgrenzung der Zeitdauer und Übertragung
der Last auf ganze Höfe oder Dörfer, hier und da auch auf freie Hufen ^.
^) S. oben S. 1024 f., 1121.
2) S. oben S. 1027.
3) S. WBernkastel 1513, Toepfer 1, 121, cit. oben S. 1026 Note 3; ferner WNieder-
emmel 1532, G. 2, 353: so unser gn. her als unser gewalt-, schirm- und grunther lege vor
stetteu flecken oder schlossern in stifts noten, und abgienge an essenfleisch, so hat er die
macht, daß er mag greifen zu Emmel in die herde und mag holen idel kuhe und
hornlos ochsen und sunst kein ander viehe, und das darumb, daß dem armen man
sein ploch nit beraujDt und den armen kindern die milch nicht genommen werde, und uf daß
unser gn. her das Trierische stift bei altern^ herkhomen behalte, und so die name des vihes
wie obg. beschehen ist, so sal ein zender die klock leuthen und sal die name und grif jedes
vihes legen in die gemeinde, uf daß ein man oder zwene die nit allein tragen. Vgl. auch
WNiederbachem 1460, G. 1, 594 Note, und das eigentümliche Stück der G. Trev. c. 342.
*) S. oben S. 1025; v. Below S. 29 Note 99.
•5) S. Bd. 3 No. 212, 1385; WMayen, G. 2, 483: wanehe die burger not halben uß-
ziehen moesten, sein die hern in dem closter zu Meien und der Mergenstader hoibman,
Trierischs hoibman daselbst, auch Trierischs hoibman zu Alzens, bede sanct Thomas hoef
zu Kierich und Berentzheim, ieder uf erforderen zwei pferd und einen halben wagen zu geben
schuldig. WHerbizheim 1458, G. 2, 23: wan ein bischof zu Metze uszuhet zu felde und
drie dage im felde gelegen hait, sanct Steffens eigen zu beschütten, so mag ein caißfoigt von
Alban in den hof gebieten nach zweien wagen, die sollent sie im iglichen mit fünf pherden
und zweien knechten und ein ladfasse gein Alban vor des bischofs huse schicken, und damit
drie frieschelinge, zwene von recht und einen von gnaden, der sol iglicher also gut sin als
18 s. d. Wüdem, G. 2, 65 : als es sach were daß u. gn. h. von Lothringhen kriegh hette,
vor Städte und Schlosser zu zehen, so mach seiner f. gn. gebot zu Udern in dem hof ge-
schehen; so sol man ihm einen wagen mit zweien ronkbäumen und vier pfert mit einem
L am p recht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 82
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1290 —
Nicht minder wurde seitens der Landesgewalten der Wachtdienst, eben-
falls durch Übertragung auf Höfe und Dörfer, neu geordnet^, nachdem er
schon früh fast dm-chweg, sei es durch die Markherrlichkeit, sei es durch die
Immunität, unter kümmerlicher Radizierung meist auf die einzelnen Haus-
haltungen ^ von der alten Behütung der Landwehren, Strafsen und Gebücke^
auf die Bewachung der Burgen abgelenkt worden war*. Und den Burgen
fielen denn auch alle früheren allgemeinen Fortifikationsfronden zu; anfangs
nur selten, häufiger erst seit dem 13. Jh. machte sich daneben das Bestreben
zur Befestigung der Dörfer, natürlich unter Zustimmung der Landesherren,
geltend^. Die Fortifikationsfronden aber konnten von sehr verschiedenen
Grundlagen, von der markherrlichen Centena wie der Immunität wie bis-
weilen sogar dem Wildbann aus entwickelt sein^; schliefslich fielen sie wie
auch die Verproviantierungspflichten fast sämtlich der Landesgewalt zu und
wurden nunmehr unter Beseitigung älterer unter sich abweichender Veran-
lagungen'^ organisch und in milderen Anforderungen als bisher weitergebildet ^.
knecht zustellen, und sol der knecht u. g. h. vierzehen tagh nachziehen; und wan die 14 tagh
aus sein, so solle er dem knecht geleit gehen, daß er seinem meister möge heimkommen
mit dem wagen. WMatzen 1544 § 10 u. 11 erwähnt eine ganz freie Hufe uszgenomen dem
lantfursten mit wagen und pferden, wie gewoinlich und ubigh, zu theinen. — Vgl. auch
Stenzel S. 197 f.
^) Honth. Hist. 2, 474, 1485: me ist geordent und vertragen, daß die von Merzig un-
sern iglichen herrn oder unsern naecommeuden und erben, so wir des noit haben und ge-
sinnen werden, zum jare eins und nit mehe, seß gerüster und gerarder schützen sollent
schicken ane eine ende umb seß muilen wegen nahe bei Merzig, in schlösse statte oder
pletzen, dar sie bescheiden werden, doch alles uf unser der fürsten und desihenen, der
solcher schützen gesinnen wirdet, koste, daeselbst einen maent lank und neit lenger zu be-
lieben und willenklich zu tune, das man ine bevehlen wirdet und gewanlich ist; und zu us-
gang des maents sollent sie macht hain widder aneheimisch zu kommen, sonder unser der
fürsten ader unser naekommene und erben ader auch unser amptlute zorne und ungnade, alles
ungeverlich. S. dazu WMerzig 1529 § 19. Vergl. auch Bd. 3 No. 231, 1418—1439; Honth.
Hist. 2, 706, 1547.
^) Schon MR. ÜB. 3, 738, 1242—43, wird unterschieden zwischen homines ad Hunol-
stein castrum pertinentes, qui eidem Castro tenentur custodiam exibere, und alii homines ad
custodiam dictam non obligati ad idem castrum pertinentes. Vgl. ferner WHaltenbach-Bicken-
bach 1647, G. 2, 237, cit. oben S. 100 Note 2, und auch W. im Hamme 1339, G. 2, 85.
^) Noch erhalten WSandweiler 1604 § 40 : wan durch die hohe obrigkeit auf dem
platten land weg und steg zu wachen verordnet wird, seien sie . . mit ihren wehr und wapfen
zu thun schuldig (die freien Unterthanen des Gerichtsherrn). Über Landwehren, Gebücke,
Knicke u. dergl. s. Stenzel, Kriegsverf. S. 204 f.; Mones Zs. Bd. 6, 47.
4) S. dazu oben S. 1011, 1030.
5) S. oben S. 298, auch Bd. 3 No. 276, 1501. Ein Befestigungsbrief für ein Dorf vom
J. 1469 bei v. Below S. 34 Note 116. Über Dorfbefestigung, speziell Festungsausbau der
Dorfkirchen s. auch Mones Zs. Bd. 6, 42 f., sowie Wörner und Heckmann, Orts- und Landes-
befestigungen des Mittelalters mit Rücksicht auf Hessen und die benachbarten Gebiete, Mainz 1884.
6) S. oben S. 1011 und 1030; MR. ÜB. 1, 410, 1106; 616, 1159; 2, 211, 1202.
'^) S. z. B. MR. ÜB. 1, 308, HI, 1037 angebl. (12. Jh.): Propst Adalbero von SPaulin
8) Siehe S. 1291.
— 1291 — Bildung des Territoriums.]
Viel weniger umfassend als die Org'anisation der alten Kriegsverwaltung
orlüelt sich die Organisation des Kriegsauszuges. Zwar ging auch er in den
meisten Fällen nicht völlig zu Grunde, aber er bestand doch auch nicht
mehr aus eigener Kraft: die Thatsache, welche seinen völligen Verfall ver-
hinderte, war nur in der engen und ursprünglichen Verquickung von Ileeres-
und Gerichtsverfassung gegeben. Wie in der Urzeit, so zog auch noch im
^littelalter der Umstand bewaffnet zum Hochgericht, und zwar sowohl in der
freien Markverfassung wie auch in Herrengerichten, im letzteren Falle unter
Führung sei es des Vogtes sei es eines sonstigen herrschaftlichen Richters ^ ;
nur wenige und späte Ausnahmefälle aus der zweiten Hälfte des 15. Jhs.
lassen auf Abnahme der alten Gewohnheit schliefsen^. Mit der gerichtlichen
schenkt an SMatheis die Orte Nennig Palcem Dilmar und Heifant unter Übertragung der alten
gutsherrlichen Eechte, hoc dumtaxat excepto, ut quelibet domus dictarum villarum uno die
singiüis annis unius viri labore pro Castro nostro Sarburch [Vh — 2 Meilen von den Dör-
fern] laborare tenebitur et tenetur ad edictmn illius, qui ipsum castrum tunc pro tempore
titulo possederit iusto, adicientes, ut si que domus dictarum villarum aut omnes huiusmodi
laborem redimere voluerint et decreverint, obulo Treverensi bono et legali singiile domus
singulis annis redimere valebunt, ac deinceps anno illo ab omni exactione et Servitute quan-
tum ad predictum castrum S. libere manebunt et absolute. Ähnliche Veranlagung noch
WSArnual, G. 2, 19 ; dagegen Veranlagung der Verproviantierung auf den Hof im Sinne von
Schutzrecht *USMax. 1484 Bl. 52 ^ : der Hof Osperen zahlt jährlich pro defensione ad
castrum Lucenborich 45sum. grani, 6 gr. ; ad castrum Everlingen 4 mo. grani; ad castrum
Oislingen 2 mo. 4 sum. avene; ad castrum Rupis IV2 mo. 3 sum. avene. Eigentümlich ist,
wenn auch in anderweiten Fällen analog vorkommend, UStift 415, Koblenz: archiepiscopus
si reedificare vult Confluentiam , omnes, qui de Pinga sunt, ex utraque Reni parte, debent
adiuvare; et ob hoc nulluni unquam ex eis exigitur vadimonium. simili modo debent adiu-
vare, qui de Cochcheme sunt et qui de Ve . . cirni eiusdem vadimonii intermissione. illi, qui
de Tuitione et Turisburg, qui antiquitus pertinebant Confluentiam, illi poterunt reverti, si
quam patiuntur iniuriam, sed ex debito, si imperabitur eis, debent edificare turrim unam cum
clausura interruptionis unius. S. auch WGenz'ngen, G. 2, 156: wer es sache daß man uf
dem hof leutet, und wer dan nicht alsbalt kompt, der verleuret 6 s. item hat die gemein
ein wachthaus zue Bingen, und wen es sach were daß die stat feintschaft hette, so muessen
wier dasselbig mit zwaien persohnen behüeten unt bewachen, wan wier erfordert werden ; da-
gegen dörfen wier kein zol geben, was wier in unt außer der stat führen, und wo es sach
were daß wier feintschaft im lant betten unt gen Bingen kemen, so mögen wir unser kühe
in ihren statgraben treiben, bis so lang daß wier sie wieder holen.
8) Bericht über Dienste im Amt Montjoie, v. Below S. 28 Note 96, 1536: alle, die
gespan halfen, . . sint van altz her verpflicht und verbunden uf dat sloss m. gn. h. zu dienen,
und dat ist mit underscheit: ein ort ist schuldich bouwholz, dat ander, wes zum bouw van
noeden ist, und fort anderen allerlei profanden und etlichen allerlei fruichten, und de freien
den win. Blankenheimer Statut 15. Jhs., Ann. d. bist. Ver. f. d. Niederrh. 9—10. 126: den
dienst van ein ind van anderen zo hoelen ind zo voeren , ind auch die holzvoiren [auf die
Bui-g], dat stelle men mit dem gelichstem ind unlestigstem den untersaissen , dat men Ä^an;
ind desselven gelichs mit allen anderen dinsten. Zum Schanzen- und Burgbau vgl. auch
Stenzel, Kriegsverf. S. 205; Spannagel S. 11.
1) S. oben S. 1013, 1031, 1120, 1125, auch WRommersheim 1298, cit. oben S. 1120
Note 5, auf S. 1121.
2) S. WBeltheim 1483, G. 2, 208: were ein mistedich mensche, davon man rechten
82*
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1292 —
Folge aber war die Folge bei handliafter That bis zu völliger Identität ver-
bunden; auch sie erhält sich daher bis gegen Schlufs des Mittelalters ^ Die
Folge bei handhafter That aber ging nun wieder unmerklich in eine solche
bei Landgeschrei, in Landesschutz, über: ein Massenangriff auf Herd und Heim
unterlag keiner anderen Behandlung als die einfache Heimsuchung durch
Einzelverbrecher ^.
So ergiebt sich denn allein schon aus der Fortdauer der Gerichtsfolge
in Waffen auch die Aufrechterhaltung des Auszuges zum Landesschutz. Dies
ist nun in der That die Form, unter welcher sich die alte Pflicht der Freien
zur Reise auch unter herrschaftlicher Gewalt, unter Vogt und Immunitätsherr,
bis ins spätere Mittelalter erhält^; überall tritt uns diese Pflicht zur Landes-
sol, da sollent u. g. h. 24 gewapenden dem lande zu sturunge thun, ob iemant sie überfallen
wolt, das sie den rucke davon betten, der sol u. g. h. von Trire zwölf tbun, u. g. b. von
Spanbeim 6 und unser jungberre von Winnenberg 6 ; und wan die gededen das, so sollen sie
inziegen in eine berberge, binnen dem geriebt ine gelegen were, da sol man ine tbun bauwe
und ruwefoiter und ein messelicb kost, da sol der lantman gemeinenklicb bitredden und das
verfacben, daz solicb dorf den last nit alleine enbabe. Vgl. aucb in dieser Ricbtung WGal-
genscbeid 14G0, G. 2, 455; WWeiden 1478, G. 2, 137.
1) Vgl. WLeudesdorf 1362, G. 1, 830: daß die gemein dem vait nit furter scbuldig
[sei] nazuvolgen vur einige geweltligbe sacbe , dan als weit das gericht zu Ludestorf geit.
WAndernacb 1498, G. 2, 630 — 31 : ob einicb uflauf binnen Andernacb von fremden luden
geschege, den ein scbultbeiß nit bezwingen moichte und die burger darumb anriefe, ime solicb
gewalt belfen zu scbirmen, obe sie des nit doin ensulden und obe sie des nit deden, was sie
unserm gn. b. darumb gewedt baben? daruf sprecben wir vur recbt, wan eincber uflauf in
viu'ß. maissen geschege, des ein scbultbeiß von wegen unsers gn. b. nit bezwingen enmocbte
imd die burger ime solches belfen zu schirmen anriefe, sulden sie doin, und were des nit
endede, moichte der scbultbeiß die mit recht vurbeischeu, nach aensprach und antwort wulde
der scheffen recbt wisen. S. ferner WWilwerscbeid 1507 § 16, cit. oben S. 1114 Note 2;
WBerburg 1595 § 3 und WHolzfeld und Saxenhausen 1664: der Schultbeifs hat den An-
griff, ist der scbulteiß aber zu schwach, so solle er die burger ansprechen, ist aber kein burger
bei bant, alsdan sol er die lebenleut ansprechen.
2) Ein frühes Beispiel s. Lambert z. J. 1066, MGSS. 5, 172. Aus späterer Zeit s.
WNeumünster 1429, G. 2, 33, cit. oben S. 1137 Note 4, und ins Einzelne gehend WHerbiz-
beim 1458, G. 2, 23: wurde das gut im lande umbgeslagen und umbgenommen, und keme
desbalben ein lantgeschrei, und erbutte ein caißfoigt in dem hofe den armen luten, das si zu
ime kement, im helfen solich gut zu entschutten, das sollent sie dun; und welicher des nit
endete und ober sine gebot daheim blibe, der ist dem caißfogt 5 s. d. zu bussen verfallen;
es were dan das er eine kintbettern bette, der solle nit witer ziehen, wan das er des nachts
Widder beim möge kommen bi sin kintbettern. und ist der caißfoigt schuldig, obe er nit mocht
das gut, so sanct Steffens luden so sanct Marien luden genomen were, zumale beschütten,
das er sanct Steffens gut Hesse und sanct Marien gut beschütte, obe er mochte, und wan
ein caißfoigt usziehet, sanct Steffens eigen zu beschirmen, und in den hof gehütet, das die
man gein Alban koment, die stat zu behüten, das sollen sie \iun und sollent da buden einen
dag und eine nacht in irem costen; und wer ir darafter me bedarf, der sol so libe mit ine
reden, das sieme blibent.
^) S. oben S. 1120, vgl. auch WKesseling 1395, G. 2, 637: do mande sie der vagt . .
so weme sie dat hohe gericht die klockenschlage inde die volge alda zu Kesselink zuwisen
ind in den dorfern zu Weidenbach Stapfei ind Crainscheit; des weisten sie die folge alda
— 1293 — Bildung des Territoriums.]
wehr bei Landesnot, wenn auch meist auf kurze Dienstzeit berechnet, ent-
gegen ^ ; überall noch erscheint der Bauer waffenfähig mit Schwertmesser und
Spiels, Beil und Knotenstock ^ , und reisefertig bis zur Landesgrenze. Erst
im 16. Jli. verliert sich hier und da dies Auszugsrecht der landarbeitenden
Klassen^, nachdem es noch im 12. und 13. Jh. in der Loi de Beaumont*,
und im 14. und 15. Jh. hier und da in kleinen Territorien eine Reorgani-
sation erfahren hatte ^.
meim herrn van Colne ind seim gestiebte under der baner von Are uis und heim, ind geime
lierrn melie. Über die Teilnabme der Rbeingauer Gemeinden an den Kriegszügen der Erz-
biscböfe von Mainz giebt Roth, Rhenus 1, 18, Mitteilungen aus dem Hattenbeimer Rechnungs-
buch von 1452 und 1471. Honth. Hist. 2, 466, 1480 bezeichnet Erzbischof Johann die Teile
des Trierischen Heeres mit unsern heubtleuten, dienern, steden, landschaft und andern volke,
reisigen und zu fueß. Aus früherer Zeit ist eine Stelle bei Bruno de hello Saxonico c. 26, lehr-
reich; in ihr wird eine Versammlung der Sachsenbauern noch ohne weiteres magnus exercitus
genannt. Über das Volksaufgebot des 10. — 12. Jhs. s. neuerdings Spannagel, Zur Gesch. des deut-
schen Heerwesens, Diss. Lips. 1885, S, 4 f. Es stirbt nach ihm im wesentlichen mit Heinrich IV.
als ausschlaggebend aus; in Ungarn und Boehmen ist es noch im 12. Jh. in Geltung. Dafs
aber die Bauern noch im 12. Jh. ganz allgemein die Folge haben, zeigt der Weifsenbui'ger
Landfriede Friedrichs I. von 1179, dessen Bedeutimg von Spannagel S. 10 nicht voll ge-
würdigt wird. Im übrigen s. zum Aufbieten der Unterthanen bei Landesnot noch die ge-
nauen Angaben bei Hasenöhrl S. 41 ff.
1) S. MR. ÜB. 2, 37, 1095, cit. oben S. 1120 Note 3; WRommersheim 1298, cit. oben
S. 1120 Note 5, auf S. 1121; vgl. ferner Stenzel S. 199; v. Below S. 45 Note 164.
2) S. Bruno de hello Saxonico z. J. 1080; Ennen, Qu. 1, 489, 81, 1083; Ces. Heisterb.
Dial. mai. 10, 64, cit. oben S. 497 Note 3; WRommersheim 1298, cit. oben S. 1120 Note 5,
auf S. 1121. Dagegen ist der landstädtische Bürger besser bewaffnet; so zieht z. B. nach
der Echternacher Freiheit v. J. 1236 § 15 der Echternacher Bürger aus mit equus und arma-
tura, wenn er das nicht hat, habebit wambaisum, lanceam et capellum ferreum.
^) WWelmich 1507: dieweil sie an ort des stifts sitzen [d. h. in kurfürstlich Trierer
Grundeigen sind], haben sie nie gereist, und auch dieweil sie aichten und froenden uf die
bürg [Duremberg]. Sie tragen nämlich den Proviant nach dem Durenberg (jetzt Burg Maus)
hinauf. WCessingen 1568 § 8 : seien [die Unterthanen] ungelt-, weggelt- und zollfrei vennitz
deme sie, wanehe das banner flucht, dem grundherrn dienen mit einem wagen und 4 pfer-
den und einem lebenen hauen, daruf 6 wochen und 3 tag in des herrn kosten und hof be-
lohnung, und suUen haben ein hauve, ein achst, ein sens imd ein sichel. S. dazu § 26 : wan-
-ehr man banerleute monstert und ufermahnt, seint sie zu erscheinen nicht schuldig, angesehen
sie den wagen halten müssen, wie obstehet, wanehr das banner fleucht. S. auch WMerzig 1529
§ 19: wen u. gn. h. in krieg komt und gesinnen wurd an uns zu M., dan sollen wir geben
6 schützen uf der nechsten Schlosser eins 6 wochen lank uf unsern solt und des fürsten kosten,
und ob sich sulches begebe in dem jar, wanne man hie . . die Schätzung gibt, in demselben
jar sollen wir der 6 schützen frei sein, und wanne sich begebe ein gemeinlicher auszuk, han
wir die freiheit hie nit weider zu ziehen, dan aus und in mit Sonnenschein.
*) S. MR. ÜB. 3, 1435, 1258, cit. oben S. 700 im Text.
^) S. z. B. WBendorf 1403 § 3: zue welche zeit unse junkheren grave zu Saiue sie uns
geböden oder geboden betten oder noch gebuden, uszuziehen und irs lands zu weren, so
ist geweiset vor recht und gewonheit, das iglich hove bestellen sol 3 gewapnete, und 3 hove
3 herwagen. § 4 : ob die gemeinde gewornet wurde umb gemeine not binnen dem dorfe oder
erbaussen des dorfs not zu beschtitten, so sol ein ieglich hove auch bestellen 3 gewapnete
beiste, so dick dies not gepurte.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1294 —
Aber auf die Dauer liefs sich diese Landwehr auch für die gröfseren
Territorien nicht entbehren. Ihre Wiederbelebung, wie sie um die Wende
des 16. imd 17. Jhs. fast überall eintrat \ ging von der Einrichtung der land-
städtischen Auszüge aus. Hier war schon in der zweiten Hälfte des Mittel-
alters ein im w^esentlichen innerhalb der Landesgrenze verlaufendes Miliz-
system entwickelt worden^; jetzt übertrug man dieses System auf das platte
Land. Ln Trierer Lande speziell hatte sich der alte Auszug des Mittelalters
verhältnismäfsig sehr lange erhalten; er trat noch in den Jahren 1567 und
1568 — wohl zum letztenmale — in Thätigkeit^. Dann aber beginnen die
Reorganisationsentwürfe*, welche schliefslich in den Jahren 1609 und 1619
zu einer völligen Milizverfassung führen^. Diese Heeresverfassung hat dann
unter wiederholten Auffrischungen bis zum Einmärsche der französischen
Revolutionsheere bestanden^; dienstpflichtig war nach ihr um das Jahr
1678 jeder männliche Unterthan im Alter von 20—54 Jahren, unter den
Söhnen einer Witwe nur der tauglichste, ausgenommen waren Gebrech-
liche und in herrschaftlichen und Gemeindediensten Stehende. Eine Aus-
hebung nach diesem Grundsatz ergab im genannten Jahre für das Niederstift
222 Korporale und 4526 Gemeine^.
Nach dieser kurzen Übersicht des Verfalls unserer ältesten Heeres-
verfassung läfst sich ohne weiteres ermessen, inwiefern die kriegerische
Kraft der landarbeitenden Klassen im 12. bis 14 Jh. zur Bildung territorialer
flacht Verwendung finden konnte. An die Mobilisierung des alten Auszuges zu
dem genannten Zwecke konnte damals nicht mehr gedacht werden ; in Betracht
kommen konnten nur die für Verpflegung und Ausrüstung, namentlich aber For-
tifikation und Sicherheitsdienst verfügbaren Kräfte. Suchte man sie aber für
territoriale Zwecke von neuem zu organisieren, wie dies vielfach wirklich ge-
1) S. Stenzel S. 199 f., 289 f.
2) Zur Bedeutung der Landstädte für die Miliz s. Stenzel S. 195 f., Bruder S. 12, aucli
V. Below S. 44 f. Aus unserer Gegend ist besonders lehrreich W. von Thal und Haus
Schöneck, G. 2, 562: wan der herr, so Schönecken schleußt und entschleußt [der Vogt des Abts
von Prüm als Landesherrn], vehde oder feintschaft hat und der herschauwen im land ließ uf-
gepieten, sollen sie auch in der freiheit herschauwen, dergestalt, mit der sonnen aus mit der
sonnen in, und wen die zeit umb ist, und der herr mit wegreisen muß und begehret die burger-
schaft mitzuziehen, sol mans nit abschlagen und volg thun, dessen solle der herr inen die kost
geben gleich seinen reisigen ; wer sach daß einiger burger verwundt oder verletzet wurd, sol der
herr inen thun theilen. so auch einer oder mehr gefangen werden, sol der herr die lösen;
bleibt einer oder mehr tot, sol der herr weih und kinder nehmen und versorgen.
3) Honth. Hist. 2, 533.
*) S. u. a. Honth. Hist. 3, 184, 1598.
^) Verordnungen des Kurfürsten Lothar vom 19. Sept. 1609 und 27. März 1619. Vgl.
auch die Rhenus 2, 74 abgedr. Ordnung des Trierer Schützenauszuges, angebl. 17. Jhs.
^) Vgl. das bei Wyttenbach und Müller, G. Trev. 3 Animadvers. S. 86 ff. gedruckte
Tableau für Emchtung einer erzstiftischen Miliz vom 26. Febr. 1794. Zur Aushebung sollen
gelangen 58 Compagnieen mit 6000 Mann.
') Scotti, Chur-Trier 1, 663.
— 1295 — Bildung des Territoriums.]
schall, so konnten sie natürlich nur in der Defensive, unter Anlehnung an lokal
befestigte Punkte zur Wirkung konunen. Der Inhaber herrschaftlicher Gewalten,
welcher zum Landesherrn werden wollte, war daher bei Ausnutzung der
militärischen Kräfte des platten Landes notwendig auf den Burgenerwerb
hingewiesen.
Zum selben Ergebnis absoluter Notwendigkeit zahlreicher fortifikato-
rischer Anlagen führt aber auch die Betrachtung derjenigen Kriegsverfassungen,
welche für die Offensive an Stelle des alten Landesauszuges getreten waren.
Es sind das, sehen wir vorläufig von dem zur Bildungszeit der Territorien
erst wenig entwickelten Söldnervvesen ab, wohl überall zwei, die Dienstkriegs-
verfassung und die Lehnkriegsverfassung. Beide sind innerhalb der für die
spätere Bildung der Territorien wichtigen Zustände im wesentlichen gleich-
zeitig erwachsen ; für ihre Erörterung aber wird es von Vorteil sein, zuerst die
Lehnkriegsverfassung zu besprechen, da die Dienstkriegsverfassung zu der
Zeit, in welcher sie in den Vordergrund tritt, auch schon in die Entwicklungs-
wege der Lehnkriegsverfassung einzumünden beginnt.
Mit den veränderten Kriegszielen des Reiches und der dieser Verände-
rung analog umgemodelten Taktik — Zurücktreten des Fufsvolkes, Betonung
der Reiterei — mufste die Lehnkriegsverfassung seit dem 9. Jh. auch in die
unteren politischen Bildungen des Reiches ihren Einzug halten; verlangte das
Reich von den ihm unterstehenden Gewalten militärische Kontingente in
Lehnsweise, so mufsten solche Kontingente von den Untergewalten schliefslich
wieder auf dem entsprechenden Wege aufgebracht werden. Nun waren freilich die
Reichskontingente keineswegs hoch, auch für die geistlichen Kontingentsherren
nicht ^ , obgleich diese verhältnismäfsig höher als die Laien belastet waren ^ ;
man konnte sie sogar leicht durch eine kleine Anzahl von Vasallen, sozusagen
in Generalentreprise, aufbringen lassen^. Indes zu den Reichsanforderungen
^) Nach dem Heeresanschlag unter Otto IL für Italien (JafFe Bibl. 5, 471) stellen je
100 loricati (Panzerreiter) Köln, Strafsbiirg, Augsburg; 70 Trier, Salzburg, Regensburg; 60
Yerdun, Lüttich, Würzburg, Fulda, Reichenau; 50 Eichstädt, Lorsch, Weifsenburg; 40 Kon-
stanz, Chur, Worms, Freising, Prüm, Hersfeld, Elwangen; 30 Kempten; 20 Speier, Toul,
Sehen, SGallen, Murbach; 12 Cambrai. Der Trierer Erzbischof ist unter Lothar mit 100 Mann
eingeschätzt, kommt indes nur mit 67: G. Alber. c. 15, MGSS. 8, 251, 1136. Zur Inter-
pretation dieser Stelle s. Waitz, Vfg. 8. 136 Note 4; der Text wird zu belassen sein, wie ihn
die Hs. hat. Für Heereszüge in Deutschland gilt wohl die doppelte Zahl, vgl. Waitz, Vfg.
8, 137, welcher das mit Recht aus dem Vertrag zwischen Trier und den Grafen von Arl
schliefst, MR. ÜB. 1, 338, 1052, cit. oben S. 899 Note 3. Übrigens nahmen die Anforde-
rungen des Reichs im Laufe der Jahrhunderte nur sehr langsam zu, nach Chron. reg. 1166
S. 116 der Oktavausg. geht Erzbischof Reinald von Köln cum centum loricatis militibus nach
Italien (s. oben), nach CRM. 2, 354, 1293 will der Trierer Erzbischof den K. Adolf gar nur cum
50 militibus seu militaribus personis nach Italien begleiten, und nach der Reichsmatrikel von
1521 bzw. 1545 stellt das Kurfürstentum Trier nur 40 Mann zu Rofs, 184 zu Fufs, Honth.
Hist. 3, 203.
2) S. Spannagel S. 22 und die dort angeführte Litteratur, auch S. 32.
3) S. MR. ÜB. 1, 338, 1052, cit. oben S. 899 Note 3.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1296 —
gesellten sich bei der Unfähigkeit des Reichs zum Friedensschutz je länger je
mehr die territorialen Bedürfnisse. Für sie mufsten viel bedeutendere Wirtschafts-
kräfte angespannt ^ , viel gröfsere Kontingente aufgestellt ^ , eine weit ansehn-
lichere Zahl von Vasallen in Bereitschaft gehalten werden. Aus diesem Zwange
heraus entwickelt sich zumeist im 9. bis 11. Jh. die territoriale Lehnkriegs-
verfassung.
Innerhalb dieser Verfassung war nun die militärische Wirkungsfähigkeit
der Vasallität von jeher eine beschränkte. Galt sie nach Reichslehnrecht über-
haupt nur für das Reich ^ , nach den meisten auf gewohnheitlichem Einzel-
vertrag beruhenden Landesrechten ursprünglich in allgemeiner Leistung — falls
der Vertrag nichts Besonderes über Banneramt, Marschallamt u. dgl. auswies* —
^) ME. ÜB. 1, 254, 980 : cum ipsius episcopii maxima pars militibus esset in bene-
ficium distributa. Anselm. Leod. 2, 29: Bischof Notker von Lüttich giebt von den bischöf-
lichen Gütern partem tertiam bis, qui militiam exercerent. S. ferner G. Trev. 1114, MGSS. 8,
195, 18, cit. oben S. 711 Note 1, und aus späterer Zeit Ges. Heisterbac. Dial. mai. 2, 27 :
clericus quidam Parisiis ante paucos annos verbum terribile contra episcopos locutus est, di-
cens: omnia credere possum, sed non possum credere, quod unquam aliquis episcopus Ale-
manniae possit salvari . . . quia pene omnes episcopi Alemanniae utrumque habent gladium
spiritualem videlicet et materialem ; et quia de sanguine iudicant et bella exercent, magis eos
soUicitos esse oportet de stipendiis militum, quam de salute animarum sibi commissarum.
2) So stellt Trier einmal unter Erzbischof Albero (G. Alb. c. 15) 500 Reisige auf;
freilich führt nach G. Alb. 19, MGSS. 8, 253, der Graf von Luxemburg und Namur
gegen Trier sogar 1500 milites. Aus der Abschlufszeit der Territorialbildung beachte man
die folgenden Nachrichten unter Anwendung der Bd. 2 S. 3 ff. begründeten Vorsicht : G. Trev.
c. 188: Erzbischof Heinrich von Vinstingen erscheint zur Wahl Rudolfs armipotens et glo-
riosus pre ceteris principibus universis cum 1800 armatis tarn militibus quam annigeris et
vasallis. Nach CRM. 2 S. 381 erhält er von Rudolf freilich auch für Wahlunkosten 1555 mr.
bonorum et legalium Aquensium et Hallensium d. Ann. Colmar., Boehmer Fontes 2, 29 : Erzbischof
Boemund kommt mit 3000 Reisigen zur Wahl K. Adolfs ; s. femer ebd. z. J. 1303 : der Erz-
bischof Diether zieht gegen Koblenz mit 500 equis phaleratis, und vgl. auch Kyriander 237,
1304 : die Stadt Trier will Erzbischof Diether mit 300 armati unterstützen. Erzbischof Bal-
duin kommt wenig später zur Wahl K. Ludwigs mit 4000 Mann, s. Dominicus S. 144. Er
schickt ferner zur Schlacht von Mühldorf nach Brower 1500 Mann, s. die Angaben bei Do-
minicus S. 191 Note 1, und stellt zum Kampfe gegen Metz 300 Reiter und dem entsprechen-
des Fufsvolk, Dominicus S. 216. Zu kleineren Kriegsunternehmungen unter Erzbischof Bal-
duin s. CRM. 3, 226, 1337, Bündnis wider den Wildgrafen Johann von Dann: Erzbischof
Balduin mit 30 Mann mit Helmen, der Graf von Veldenz ebenso, der Wildgraf mit 20 desgl.,
die Herren von Dann mit 20 und nochmals 20 desgl. Schon im 15. Jh. wuchs dann die
Gröfse der Heere aufserordentlich, s. Stenzel S. 186.
^) Homeyer Ssp. 2, 2, 377; vgl. auch Spannagel S. Uff.
4) S. den Libellus de hb. eccl. Epternac, MGSS. 23, 69, 1192, und *Bald. Kesselst.
S. 166, 1323: der Burggraf von Hammerstein erhält ein neues Lehen und verpflichtet sich
dafür für sich und seine Erben zu tragen banderiam et alia insignia ipsius archie])iscopi ac
suorum successorum, ubicumque fuerint, contra eorimi inimicos et rebelies aut ecclesie Tre-
verensis. — Zum Marschallamt, dem eigentlichen Heerführeramt (Stenzel S. 120 ; MR. ÜB.
8, 959, 1248), vgl. MR. ÜB. 3, 121, 1220, cit. oben S. 883 Note 3; CRM. 3, 517, 1368.
— 1297 — Bildung des Territoriums.]
gegen jeden Feind mit Ausnahnie des Königs ^ , so treten doch schon
früh stärkere, bahl zu besprechende Begrenzungen auf, und im 14. Jh.
ist eine Beschränkung der Lehnkriegspfiicht auf die Landesverteidigung nicht
ungewöhnlich^. Fernerhin war auch die Dauer des kriegerischen Auszuges,
soweit er auf eigene Kosten des Vasallen erfolgte, ziendich kurz bemessen;
der gewöhnlichste Termin ist der von sechs Wochen; nach dieser Zeit tritt
der Vasall in die Verpflegung des Herren^.
Machten derartige Bestimmungen das vasallitische Heer von vornherein
zu einer wenig schneidigen Waffe des Kriegsherrn, so ergab sich aufserdem
innerhalb des ursprünglichen Umfangs der Verpflichtungen seit dem 12. Jh.
ein immer bedenklicherer Verfall der Leistungsfähigkeit, innerhalb der einmal
erw^orbenen Kriegstechnik ein immer offener zu Tage tretender Mangel an
taktischer Fortliildung. Mit dem 12. und 13. Jh. kamen die grofsen Städte
auf und mit ihnen die drohende Zukunft ausschlaggebender Verwendung des
Fufsvolkes, aber die Lehnkriegsheere brachten es ihr gegenüber zu keiner
durchgreifenden Umgestaltung der Taktik. Eben diese Städte suchten sich
in Ergänzung ihrer eigenen kriegerischen Macht durch Abschliefsung von Lehns-
verträgen im Sinne von Aufsenbürger- später Glevenbürgerbriefen in den
Besitz der kriegerischen Kräfte des platten Landes zu bringen*: und die
Lehnsherren eben dieses Landes, die künftigen Territorialherren, fanden kein
völlig wirksames Mittel, um diese Ablenkung der ihnen zunächst offenstehenden
Quelle militärischer Macht zu verhindern-^. Schlimmer war es noch, dafs das
ganze Lehnssystem in sich an einem unheill)aren Schaden krankte, w^elcher
seit Schlufs des 11. Jhs. immer weiter um sich frafs. Die vasallitische Heeres-
pflicht beruhte auf der Treue gegenüber dem Lehnsherrn: von dieser Seite
aus betrachtet konnte also ein kriegsfähiger Mann nur Vasall eines Herrn
sein, jedes Eingehen vasallitischer Pflichten gegenüber mehreren Herren war
logisch undenkbar und mufste praktisch zu heillosen Verwirrungen des mili-
tärischen Pflichtgefühls führen. Nun wurde es aber gleichwohl ganz allge-
mein Sitte, mehrerer Lehnsherren Vasall zugleich zu sein. Es war ja nun
^) So wenigstens nach dem Roncalischen Lehnsgesetz Friedrichs L, 1158: ut in omni
sacramento fidelitatis Imperator nominatim excipiatur.
2) S. V. Below S. 17—18, vgl. auch S. 78.
3) Vgl. z. B. *0r. Koblenz St. A. Prüm Repert. No. 18, 1261 Okt. 5, Lehnbrief Wal-
rams, Bruders des Grafen von Jülich, über das ehemalig Hochstadensche Lehen von Prüm:
promisimus (Prumiensi) abbati, cum a nobis requisierit, cum centum hominibus per 6 ebdo-
madas nostris expensis et dampnis servire; et si ultra hoc tempus nostri indigeat, suis ex-
pensis sibi ulterius serviemus; et omnia faciemus ad ipsius profectum, que homo legius suo
domino facere tenetur.
■*) S. dazu Stenzel S. 154 f. So waren z. B. die Grafen von Luxemburg und die
Grafen von Sponheim Aufsenbürger der Stadt Trier, a. a. 0. S. 155. Vgl. auch Kyriander
242, 1321: Johann von Sierk verspricht der Stadt Trier mit 15 armati zu helfen, und Ky-
riander 243, 1327: Wirich Landir verspricht das Gleiche mit 2 armigeri.
5) Stenzel a. a. 0. S. 162 f.; s. auch Goldene Bulle c. 16.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1298 —
in solchem Falle möglich, einer Kollision der eingegangenen Verpflichtungen
durch vertragsmäfsige Ausnahmen innerhalb der eigentlich allgemein bindenden
Dienstpflicht auszuweichen^; allein wie wenig konnten derartige künstliche
Mittel bei einem allgemeinen Durcheinander von Anrecht und Verpflichtung
auf die Dauer nützen. Schon am Schlufs des 11. Jhs. war man soweit ge-
kommen, dafs man dem gewöhnlichen Lehen — welches ja ursprünglich ex-
klusiv sein sollte — das ligische Lehen als nunmehr eigentliches, durchaus
ausschliefsliches, nur 6inem Herren geltendes Lehnsverhältnis entgegensetzte^.
Natürlich nicht auf lange; sehr bald wird auch mit dem ligischen Lehns-
verhältnis eine Mehrzahl von Lehnsherren für einen Vasallen vereinbar
gehalten ^.
Die Folgen dieser Vorgänge mufsten sich natürlich in einer Depravierung
des ursprünglich rein persönlich und durchaus ausschliefslich auf lebenslänglicher
Treue beruhenden Lehnsverhältnisses zu einem blofsen Kriegsdienstvertrag auf Zeit
zeigen, wobei freilich die äufseren Formen des Lehnsvertrages noch lange gewahrt
bleiben konnten. Diese grundstürzende Änderung, die Ablösung des alten
vasallitischen Verhältnisses durch den Lehndienstvertrag, vollzieht sich lang-
sam etwa seit Beginn des 13. Jhs.*, und sie wird begleitet und in ihrer
weiteren Verbreitung durch den Lauf des 13. Jhs. hin ermöglicht durch das
Aufkommen einer besonderen Art des Lehnsauftrages, von welchem schon oben
1) S. oben S. 1263 Note 4, und Waitz, Vfg. 6, 42. Auf ligisches Lehen geht wohl auch schon
MR. IIB. 1, 394, 1097 vielmehr 1096, vgl. Goerz Reg. 1 No. 1539: ego Egilbertus . . Tre-
virorum archiepiscopus licet indignus comiti Willelmo [von Luxemburg] pro fidelitate, pro
devoto obsequio, pro certo et indubitato contra omnes preter regiam potestatem ferendo
auxilio, quod mihi et beato Petro promisit et iuravit, sexcentos mansos in beneficium collau-
davi. Im übrigen vgl. z. B. noch MR. ÜB. 3, 1159, 1252, der Pfalzgraf belehnt den Grafen
Gottfrid von Eppenstein mit der heimgefallenen Grafschaft Wied: eadem enim cometia pala-
tinatui Rheni sie est astricta, quod quicunque eandem possidet, comiti palatino Rheni tamquam
homo fidelis, quod dicitur vulgari[ter] ledig mane, contra quemlibet inimicum suum assistere
tenetui\ Bertholet 4, 376: Jaques de Cons (la grande ville, Lothringen) fait comiaitre, qu'il
est devenu homme lige de W. comte de Luxembourg, qui pourra s'aider du chäteau de
Bethenges contre tous les hommes. Comme il en a regu 50 Ib. de Metz, il lui assignera
500 Ib. de Metz.
2) S. z. B. CRM. 2, 160, 1254: Johann Herr zur Nürburg und sein erstgeborner Sohn
Cunzo versprechen dem Erzbischof Conrad von Köln von ihrem Schlofs aus wider jeden zu
dienen, ausgenommen wider das Reich und ihre Verwandten, den Grafen Gerhard von Neuen-
ahr und Gerlach von Saffenberg.
3) Charakteristisch ist MR. ÜB. 3, 215, 1223, Wildgraf Konrad wird Luxemburger
Vasall: feci ligium et fidele hominium contra omnes homines praeter dominum imperatorem
et comitem palatinum Rheni, quibus principaliter ligio hominio sum astrictus, et tarn ego quam
heredes mei comiti de Luccenburch in perpetuum simili hominio astringemur. Ganz ähnlich
MR. ÜB. 3, 227, 1224.
*) S. z. B. MR. ÜB. 3, 10, 1213: Rheingraf Werner verspricht dem Grafen von Weil-
nau Hilfe gegen den Grafen von Katzenelenbogen cum 30 armatis militibus et totidem armi-
geris. MR. ÜB. 3, 670, 1239 : Wildgraf Konrad verspricht Mainz zu dienen cum 60 militi-
bus et armigeris 40 per 5 annos.
1299 —
Bildung des Temtoriums.]
S. 883 f. gesprochen worden ist^ Das Ergebnis war schliefslich der Über-
gang des alten Leims wesens in ein höheres Soldwesen mit Kriegsdienstverträgen
auf Zeit oder gar wohl zum besonderen Behuf bestimmter Fehden ; in dieser
Form blüht die neue Einrichtung im 14. Jh. 2. Im 15. Jh. tritt dann der
Verfall auch dieses letzten Auswuchses des alten Leimskriegsverhältnisses ein ^ ;
^) Hand in Hand damit ging die Veranschlagung der Lehen in Geld, wenn auch diese
Art der Veranschlagung vereinzelt schon früher vorkommt, s. Waitz, Vfg. 6, 23. Zu der
Art, wie Dienstichen in dieser Form anfangs veranschlagt wurden, dem Werte nach in Geld,
schliefslich aber doch thunlichst in Naturairenten angelegt, giebt einen guten Beleg MR.
ÜB. 3, 1172, 1252; s. auch a. a. 0. No. 1191, 1253.
2) Zur Form der Dienstlehen des 14. Jhs. vgl. Bd. 3 No. 78, 1300; No. 81, 1301;
CEM. 3, 7, 1301; 58, 1313; Bd. 3 No. 93, 1316; Bd. 3, S. 425 Note 5, 1338; *Bald. Kesselst.
S. 407, 1347 : Ich Johan hern Johans Boßen van Waldecke ritters son dun kunt . . , dat . .
her Baldewin erzbischof zu Triere mich . . zu dienen gewännen hat, also dat ich in dienen
sal mit eime gecronten helme und mit zwein panzieren wol geriden und gezuget wider ire
viande. Honth. Hist. 2, 201, 1357: der Edelknecht Heinrich von der Leien tritt in den
Kriegsdienst des Erzbischofs, wanne min eg. herr mir einbudet mit munde oder brieven, daß
ich ime selbdritte mit glevien wol erzuget und gerieden einen crieg allus sal dienen, da ich
is mit eren gedun mag, und sal mir dun koste geben, als ich komen bi sinen fründ, da er
herberge heldet, und sal auch mir dun reichen mine kuntlichen Verluste, und der sal [ich] verliben
bi sinen marschalk oder heubtmane des krieges, wie er di saßet. Zur Ausrüstung einer
Gleve s. Stenzel , Kriegsverfassung S. 102 f. Im übrigen vgl. für Kriegswerbungen des in
dieser Hinsicht besonders eifrigen Erzbischofs Balduin Dominicus S. 141 Note, 157 Note 5,
185 Note 2, 187 Note 3, 194, 292 Note 3, 312 Note 2, 327 Note 2, 391 Note 3, 407 ff.,
455 Note 1, 472 f., 499 Note 5, 502 Note 3, 527 Note 2, 556 Note 2; s. auch G. Trev.
c. 251 : Balduin sammelt momentaneum . . exercitum nobilium plus quam 1000 galeatorum.
Aus späterer Zeit vgl. noch Honth. Hist. 2, 208, 1359; CUM. 3, 507, 1366; 556, 1378; Honth.
Hist. 2, 443, 1461; CRM. 4, 413, 1468; Honth. Hist. 2, 566, 1504; 579, 1506; s. auch Bd. 3
Wortr. u. d. WW. dienst, reisig man.
^) Die folgende Zusammenstellung Trierischer Reverse nach Goerz, Regg. der Erzbb.,
zeigt, wie gegen Schlufs des 15. Jhs. militärische und Verwaltungszwecke bei Begründung
neuer Dienstverträge immer mehr vermischt werden, mithin der absolute Lehnskriegsrevers
früherer Zeit verschwindet.
Dauer des
Dienst-
Datum
Name
Dienstes
Jahre
geld
in gl.
Pferde
Bemerkungen
1472 Jan. 1.
D. Freengen
1
40
4
selbdritter, mit 2 reisigen
Schützen.
Jan. 23.
Ein Mann
1
6
1
1474 Nov. 25.
Graf V. Virneburg und
Neuenahr
1
500
40
in Harnisch gerüstet
Nov. 30.
Jacob von Soetern
4
20
2
1475 Jan. 4.
Burggi-af V. Rheineck
1
100
10
wohlgerüstet.
Apr. 24.
Eng. Hurt v. Schöneck
1
100
10
darunter 8 gewappnet.
1476 Okt. 14.
Adolf von der Mark
1
80
8
in Harnisch wohl gerüstet,
(wird 1477 Okt. 13. wiederh.)
[Entwicklung der Landesgewalt.
- 1300 —
die ritterlich-adligen Söldner in Lehnsweise werden abgelöst durch die ein-
fachen Söldner in Landsknechtsart und in der Weise einfachen Lehnsvertrages ;
der Adel zieht sich vom kriegerischen Leben mehr zurück, er denkt mehr an
den Anbau seiner Güter ^, so dafs ihm eine reichsgesetzliche Bestimmung
einige Generationen später den Kriegsdienst unter fremden Herren im Sinne
der Verträge des 14. und 15. Jhs. geradezu und offenbar mit Erfolg verbieten kann^
Ein Rückblick auf die Phasen, welche die mittelalterliche Lehnskriegs-
verfassung durchlaufen hat, zeigt, dafs den erstehenden Territorialmächten
etwa schon seit Beginn des 12. Jhs. mit den Mitteln der vasallitischen Kriegs-
führung nicht gedient sein konnte. Die vasallitischen Kräfte versiegten seit-
dem, und soweit sie sich noch erhielten, hatte der Landesherr sie nicht mehr
in seiner Hand. Aber während die Lehnskriegsverfassung verfiel, entwickelte
sich, me oben S. 1263 gezeigt, fast seit eben dieser Zeit oder wenigstens seit
Mitte des 12. Jhs. das Burgenlehnrecht immer mächtiger; hier lag der Ersatz
füi' die Einbufse an jenen vasallitischen Kräften, welche für den offenen Krieg
Datum
Name
Dauer des
Dienstes
Jahre
Dienst-
geld
in gl.
Pferde
Bemerkungen
1478 Apr. 11.
1479 Jan. 18.
Juni 17.
Okt. 2.
1482 Dez. 24.
1486 Apr. 25.
1487 Apr. 17.
1488 Apr. 28.
Juli 24.
Aug. 25,
1490 Dez. 24,
1494 Juni 28.
1497 Aug. 6
1498 Mz. 12.
Burggraf von Eheineck
Glockenpeter z.S Wendel
Clas von Drachenfels
Engelb. vom Stein
Wilh. von Runkel
Hans Albich
Hans Burkart
Wecker Graf von Zwei-
brücken
Thielm. von Ellenz
Joh. von Hatzfeld
Dietrich vom Stein
Hilger von Prüm
Ph. V. Huchelnheim
Friedr. v. Sombreff
1
6
5
3
2
Lebenszeit
Lebenszeit
1
1
12
4
6
80
8
6
1
50
5—6
60
4
60
6
8
1
6
1
300
34
24
3
100
8
')
1
12
1
50
4
100
10
selbsechster.
als Rottmeister, dazu 4 mir.
Korn, 8 mir. Hafer,
in Harnisch wohl gerüstet,
in Harnisch wohl gerüstet,
wird Rat und Diener.
oberster Hauptmann über
Reisige und Fufsvolk.
selbzweiter.
1) 1 mir. Korn, 12 mir. Hafer,
1 Sommerhofkleid,
dazu 1 Sommerhof kleid.
selbdritter, als Helfer und
Diener; dazu 1 Hof kleid.
als Rat und Helfer.
Charakteristisch ist CRM. 4, 385, 1491, S. 703, Testament des Grafen Gerhard von Sayn,
Ennahnung an die Erben: auch sullent si sich hueden vor sweren dinsten mit ruterwerk
der fursten, want Ungnade davon entsteit, so man schaden enpfeit, so man den gerne ge-
keret sege.
1) S. Stenzel S. 285, 287.
2) Rtabsch. 1570 § 4. Um dieselbe Zeit verbietet auch schon Brandenburg fremde
Kriegsdienste des landsässigen Adels, s. Stenzel S. 240 Note 2.
— 1301 — Bildung des Territoriums.]
iiielit mehr zu mobilisieren waren. Und wir haben gesehen, dafs die erwach-
senden Landesgewalten diese neue Wendung der Dinge eifrig ausnutzten.
So führte denn die Entwicklung der alten Heeresverfassung wie der
militärischen Lehnsdienstpflicht in gleicher Weise zu der Notwendigkeit, seit
Mitte des 12. Jhs. die Defensive, d. h. den Burgenbau, besonders zu betonen:
um diese Zeit waren eben alle bisher für die Offensive benutzten Kräfte zer-
klüftet und unbrauchbar geworden.
Aber gewährten nicht um eben diese Zeit andere Kräfte des Volkslebens
die Mittel zur Ausbildung einer neuen Offensivmacht?
Es hätte hier an zwei schon vorhandene Bildungen angeknüpft werden
können, das freie Söldnerwesen und die Ministerialität.
In der That sehen wir nun das freie Söldnerwesen in der Epoche be-
ginnenden deutlichen Verfalls der Lehnkriegsverfassung einen ersten grofsen
Aufschwung nehmen: in den Kriegen der ersten Staufer, namentlich Fried-
richs L, spielen Brabanzonen und Sarjanten, oder wie die aus freien Land-
fahrern und entlaufenen Hörigen zusammengesetzten Mietstruppen sonst
heifsen^ eine grofse Rolle ^. Allein diesem Anfang entspricht die weitere
Entwicklung wenigstens in Deutschland nicht. Während die Söldnerheere in
den französisch-englischen Kriegen des 13. und 14. Jhs. eine grofse, bald für die
Landesruhe in friedlicher Zeit gefahrvolle Bedeutung gewinnen, verhinderte in
Deutschland der Zerfall des Reiches in kleine Territorien und die damit Hand
in Hand gehende Entblöfsung der Regierungsgewalten von grofsen materiellen
Mitteln ihr Aufl^ommen. Denn Soldheere erfordern vor allen Dingen starke
finanzielle Aufwendungen; ihre endliche und dauernde Einführung in Deutsch-
land gegen Schlul's des 15. Jhs. war nahezu gleichbedeutend mit dem Eintritt
voller Entwicklungsfreiheit für die an die Steuerbewilligiing anknüpfenden land-
ständischen Rechte^.
3Iit den bisherigen Bemerkungen ist aber natürlich nicht ausgesprochen,
dafs die Entwicklung der Soldkriegsverfassung in ' Deutschland während des
13. und namentlich 14. Jhs. stillgestanden hätte. Im ersten Zeitraum dieser
Epoche nahmen namentlich die Städte Söldner an*, im zweiten die grofsen
Bünde -^ und hier und da auch schon die Territorialgewalten, die letz-
^) Zur sozialen Rekrutierung der gemeinen Söldner s. oben S. 1157, ferner Alp. de
div. temp. 2, 7 und 11; Ann. Corb. 1147, MGSS. 3, 6; Ges. Heisterb. Dial. mai. 1, 16.
^) Über Söldner in deutschen Heeren bis zum Ende des 12. Jhs. handelt neuerdings
in besonderem Abschnitt Spannagel S. 71 f. Er findet sie zuerst in der 2. H. des 11. Jhs.,
dauernd aber nur in Niederlothringen (Cambrai, Lüttich). Wichtiger Faktor im Reichsheere
werden sie zuerst unter Friedrich I. S. ferner Stenzel S. 243 ff. Besonders lehrreich sind
aus früherer Zeit G. ep. Leod. 2, 55, ca. 1060; Lambert z. J. 1074, MGSS. 5, 217, 33; Bert-
hold z. J. 1075, MGSS. 5, 279, 12 ; Chron. Casin. 3, 70, 1080. Zu dem Soldheere Reinaids
von Dassel s. Ennen, Qu. 1, 552—3, 75, 1167.
•'^) S. oben S. 1253, auch Stenzel S. 273 ff., 281 f.
*) S. Stenzel S. 163.
1) S. Stenzel S. 185 f.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1302 —
tereii u. a. auch in der Weise, dafs sie aus ihnen streifende Korps nach Art
einer Landgensdarmerie organisierten ^ . Wirklich in Flufs kam diese Entwick-
lung aber erst im 15. Jh., nicht zum geringsten wohl durch die Anforderungen,
welche die Hussitenkriege an die Organisation des Reichskriegswesens stellten^.
In unserer Gegend speziell finden sich nicht mehr nach Lehnsweise gegebene
Triersche Solddienstbriefe massenhafter schon seit Anfang des 15. Jhs.^; um
etwa 1450 zeigen sich die Anfänge des miles perpetuus^; 1497 bei der Belage-
rung von Boppard ist neben den Cadres der alten Heeresverfassungen auch
ein Söldnerheer beteiligt^; unter Lothar von Schönburg (1581 — 1599) endlich
wird ein stehendes Söldnerheer eingerichtet^.
1) Sehr interessant ist in dieser wie in anderer Hinsicht der folgende Brief, *0r.
Koblenz St. A., Erzstift Trier Staatsarchiv, Pgt., wohl 1337 : Dem edeln hoegelobeten fürsten
und mime gnedigen herren . . Baldewin von gotz gnaden erzebischof zu Triere pleger des
heiigen stüls zu Mentze und des bistummes zu Spire . . enbeiht ich Heinrich von Flecken-
stein ein ritter min gewilligen dinst zu allen ziden gereiht, herre wiszent, alz ich von uch bin
gescheden umbe daz ambaiht des bistummes zu Spire hie diszite Rines mir zu lihenne von
üwern gnaden , daz han ich mich berathen miht min ifründen und die ouch des Stiftes
frünt sint, daz ich von zwölf kneithen miht mir gewaffent zu ritenne und das bistumme zu
beschirmenne nemmen wil seizhündert phünt hl. ein jar umbe ufrüstunge derselben
kneithe, also wanne sie in dem bistumme sint, daz sie ouch in des Stiftes kosten süllent sin ;
und von fünßig kneithen die vesten zu behütenne von ieklichemme seszehen phünt hl. ouch
ein jar, und süllent die in minre koste sin ane des Stiftes schaden, und dünket daz alle
mine frünt, wie es wenig gnüg sie. und were ouch daz ich oder dieselben diener oder an-
dere, die von des stiftes wegen und miht üwerm willen bie mir werent oder bie dem stifte,
ilit vürlürent, das sülte ouch von des stiftes wegen vürgülten werden, daz got wende, daz ich
dem stifte zu Mentze die vesten sülte antwürten, die Sicherheit wil ich uch, domitte uch
wol begnüget [vgl. dazu Dominicus S. 339 f.]. und waz domitte uwerz willen sie, daz enbiethent
mir oder unserme scriber zu Luterburg miht diszem boden. Datum in Benheim crastino puri-
ficationis beate virginis. Zusatz des Mainzer Domdechanten , durch dessen Hand der Brief
an Erzbischof Balduin ging: Herre disen brief han ich uffegebrochin ; und waz auwer welle
sie, daz lant mich endelich. wissen mit eime lofenden boden. ex parte decani Maguntini.
Rückseite: . . Reverendo in Christo patri ac domino . . domino Baldewino sancte Treve-
rensis ecclesie archiepiscopo. In der Ecke links der Vermerk: pactum H. Vlekstein petitum.
Erzbischof Balduin ist von 1331 Mai 9 bis 1337 Mai 31 als Pfleger von Speier nachweisbar,
vgl. Remling, Gesch. d. Bisch, zu Speier 1, 593; Dominicus, Baldewin von Lützelburg S. 299;
Goerz, Reg. der Erzb. S. 74—80. Das Schreiben fällt vermutlich in das Jahr 1337, vgl. Do-
minicus a. a. 0. S. 339 — 340. Diesem Datum widerspricht auch der Titel Balduins als
Pfleger von Mainz nicht unmittelbar, denn die Übergabe der Pflegerschaft dauerte bis in die
ersten Monate des J. 1337 hinein, wie die Urkunden der Übergabe im Koblenzer St. A.
zeigen. — Man sehe auch Bd. 2, 293, und vergl. zu ähnlichen Einrichtungen Bd. 3 Wortr.
u. d. WW. beriten, waegenbereider, sowie Bd. 3, 204, 4, 1349; 211, 15, 1350. Doch kaim
hier auch Geleitsluxus vorliegen, s. Parc. 1, 212: Gahmuret hat 16 Knappen, darunter 6 in
Eisen gewappnet. Vgl. auch noch Bd. 3 No. 268, 1495.
2) S. Stenzel S. 259 f.
^) Sehi' bezeichnend ist in dieser Hinsicht Honth. Hist. 2, 372, 1426.
*) Honth. Hist. 2, 416, 1450.
^) Honth. Hist. 2, 505, 1497 : Erzbischof Johann mit 700 Fufsknechten vor Boppard.
6) Siehe S. 1303.
— 1303 — Bildung des Territoriums.]
Alle diese Vorgänge liegen indes, wie man sieht, viel zu spät, um für
die Bildung der Landesgewalt wesentlich in Betracht zu kommen; namentlich
für die kritische Zeit dieser Entwicklung trägt das Söldnertum, weil noch zu
jugendlich, wenig aus. Das letztere gilt nun aber auch von der Ministerialität,
nur aus entgegengesetztem Grunde : sie ist in der entscheidenden Epoche schon
zu alt, ja in militärischen Dingen fast l)is zur Verwischung ihres ursprünglichen
Charakters veraltet.
Die ursprüngliche Kriegsdienstpflicht der Ministerialen war fast unbe-
gi'enzt gewesen, wie ihie Administrationspfiicht , und sie hatte dem offenen
Krieg wie dem Burgendienst in ebenmäfsiger Weise gegolten ^ Im Banne
dieser Pflichten, zahlreich an Kriegern^ und ungebrochen an Kraft, war die
Ministerialität ursprünglich die breite Grundlage, auf deren niederer Dienst-
barkeit sich das Lehnskriegswesen erhob. Allein mit der zunehmenden
Schwächung des kriegerischen Lehnsverbandes gewann diese Grundlage immer
mehr an eigenständiger Bedeutung; schon im 11. Jh. besteht eine Bewegung
in dieser Kichtung^, im 12. Jh. kommt es dann zum vollen Emporblühen
kriegerisch -ministeri alischer Selbständigkeit^. Das Zeichen, unter welchem
sich dies Emporkommen vollzieht, ist die Aufnahme in die Ritterschaft; sie
erfolgt vielfach schon um die Wende des 1. und 2. Viertels des 12. Jhs.,
ziemlich allgemein wenigstens bis zur Mitte dieses Jahrhunderts ^, und mit ihr
läuft eine letzte grofse Vergabung dienstherrlichen Eigens an die aufstrebenden
dazu von 5 Grafen je 20 Pferde, von 13 Herren viermal 10, fünfmal 4 und viermal 3 Pferde,
im ganzen 172 Pferde. Hierzu sollen stofsen aus Mainzer Hilfe 400 Pferde, ebensoviel von
der Pfalz und vom Landgrafen von Hessen; 200 zu Fufs, 110 Pferde von Christoph von
Baden, vom Herzog Johann vom Hunsrück 30 Pferde, vom Herzog von Jülich 50 Pferde.
Weiter sind aus fast dem ganzen Erzstift 800 Gräber zusammengebracht. Vgl. dazu ebd.
S. 509 : Inventar des Geschützes vor Boppard. In Summa lagen »ob die 12000 [!] man vor Bopart^ .
ö) Honth. Hist. 2, 533. Zur Reorganisation des Trierer Söldnerwesens durch Kurfürst
Johannes Hugo s. die Verordnung vom 8. Jan. 1680.
1) Einen Nachhall aus dieser älteren Zeit bietet noch WHamm 1339, G. 2, 83: vortme
so solen die dinstlude sente Petirs dienen unsme heren von Trieren und sime stifte bit deme
live und sich gewaipint und gerieden haldin, darna sie it vormoigen, in des Stiftes kost, di
dinstlude aver, die der moigen nit inhaint, die solen unsme hern dienen uf des Stiftes kost
uf sinen vestenin, so it deme stifte noit doit. S. aach WKröv, cit. oben S. 1173 im Text.
Vgl. im übrigen noch MR. ÜB. 1, 382, 1082—1084. Über Ministerialen als Burgmannen s.
Waitz, Vfg. 5, 348, über die spätere Abgrenzung ministerialischer Kriegsdienstpflicht v.
Below S. 19 ff.
2) S. MR. ÜB. 2, 328, 1190-1212, das Verzeichnis erzstiftischer Ministerialen im
Koblenzer Gebiet.
3) S. oben S. 713, 1170.
*) Über wenig angenehme Äufserungen derselben s. Waitz, Vfg. 5, 345; 7, 49—50.
'^) Der Eintritt der Ministerialität in das Rittertum ist in dem SMaximiner Dokument
von 1135 teilweis, im Ahrer Dienstrecht von 1154 völlig vollzogen, Spannagel S. 46. Im
übrigen s. noch oben S. 1170; und G. Godefr. (1124—1127), MGSS. 8, 202, cit. oben
S. 881 Note 2. Die späteren Landesritterschaften konstituieren sich fast ausschliefslich aus
der Ministerialität, v. Below, S. 11—12, S. 71 Note 269. Diese Ansicht ist insofern be-
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1304 —
Dienstmannen parallel . Beides, soziale Hebung wie materielle Verbesserung,
sehr begreifliche Erscheinungen: sollten die Ministerialen im Kriegsdienst den
Lehnsverband ablösen, so mufsten sie hierzu vor allem durch Erhöhung ihrer
persönlichen Bedeutung befähigt werden.
Indem man auf diese Weise vorging, erhielt man denn in der That einen
für kriegerische Offensive wie auch — um hier sofort auch die andere Seite
zu betonen — friedliche Verwaltung in hohem Grade geeigneten sozialen
Körper: in seiner Begründung und Verwendung beruht nicht zum geringsten
Teile die Gröfse der staufischen Politik.
Aber waren die Vorzüge dieser neuen Bildung dauerhaft? War es
denkbar, dafs man an dem der Unfreiheit entstammenden Dienst jener Krieger
festhalten konnte, welche man sozial und materiell der rechtlichen Basis ihres
Standes unendlich weit entrückt hatte? Sollte der ritterliche Dienstmann
nicht dem frei-vasallitischen Ritter nacheifern?
Die Fragen gerieten in Flufs durch ein schon in früherer Entwicklung
gegebenes Moment. Die Erscheinung, dafs die Dienstmannen Vasallen ihres
Herren waren, bestand schon in den ersten Jahrhunderten deutscher Kaiserzeit
ziemlich allgemein^; und sie wurde in einzelnen Fällen schon seit dem 11. Jh.,
gewöhnlicher wohl seit dem 13. Jh. dahin ausgedehnt, dafs ein Ministerial zu-
gleich auch von anderen Herren belehnt sein konnte^. Bedenkt man zugleich,
dafs die Lehen im Laufe der deutschen Kaiserzeit bald erblich geworden
waren*, so ist die Frage ohne weiteres begründet, inwiefern sich denn die
Ministerialität noch mit der Vasallenstellung des Ministerialen vertragen
konnte. Die Entwicklung des 13. Jhs. giebt hierauf stillschweigend Antwort,
indem sie den ministerialischen Charakter der Dienstmannen immer mehr zu-
rückdrängt, den vasallitischen immer mehr betont. Und so ergiebt sich denn
um die AVende des 13. und 14. Jhs. eine Konstellation, nach welcher das
spezifisch Ministerialische der Hauptsache nach verschwunden, die Ministerialität
in den einfachen Lehnsverband aufgegangen ist'^. Ziehen wir aus der bisher
gründet, als der spätere ritterschaftliche Körper jedenfalls ganz überwiegend aus ehemaligen
Ministerialengeschlechtern bestanden haben wird.
1) S. oben S. 881, 1170.
2) In diesem Sinne hat die Bamberger Ministerialität schon um 1060 vasallitischen
Charakter, Spannagel S. 46.
3) S. oben S. 1172, und v. Below S. 9.
*) S. oben S. 880 f. Das wurde freilich für Dienstlehen noch geleugnet von einem
Reichsspruch v. J. 1192, MGLL. 2, 195: nullus ministerialis alicuius ecclesie feodum, quod
habet ab ecclesia iure ministerialium, filio suo, qui sue non est conditionis, vel alii persone
in fraudem ecclesie vel subterfugium potest vel debet concedere. In einem Vertrage zwischen
dem Pfalzgrafen Heinrich bei Rhein und dem Bischof von Bremen vom J. 1219 wurde da-
gegen festgesetzt, dafs die Güter der Ministerialen, welche sie vom Pfalzgrafen nach Dienst-
recht überkommen hatten, jetzt von ihnen nach Lehnrecht erhalten würden; s. Stenzel,
Kriegsvf. S. 112.
•^) S. dazu oben S. 1176—77.
— 1305 — Bildung des ToiTitoiiums.]
verfolgten Erörterung den Schlafs auf unsere Hauptfrage nach der Bedeutung
der Dienstkriegsverfassung für die Bildung der Landesgewalt, so ergiebt sich,
dafs die ^finisterialität an sich in dieser Richtung wenig geleistet hat, und
dafs sie, so weit sie hier als schon im Lehnsnexus befindlich in Betracht
kommt, einer Epoche der Lehnskriegsverfassung angehört, in welcher derselben
die ^löglichkeit kräftiger Offensive zu Gunsten der Territorialbildung längst
abhanden gekommen war. Und somit bleibt nach einer Revision der Geschichte
mittelalterlicher Kriegsverfassung nichts übrig, als anzuerkennen, dafs in der
Bildungsepoche der Territorien vom 12. bis 14. Jh. sich alle alten Formen
offensiver Kriegsführung überlebt hatten, neue dagegen noch nicht zu mafs-
gebender Bedeutung gelangt waren, dafs dementsprechend die Defensivmittel
ein ganz aufserordentlich und äufsergewöhnlich hohes Gewicht in der Kriegs-
iiihrung besafsen, und dafs somit ihre Stärkung eine der Hauptaufgaben wer-
dender Landesgewalten bilden mufste.
Von diesen Gesichtspunkten aus ist der territoriale Burgenerwerb des
12. bis 14. Jhs., wie wir ihn uns schon oben S. 1263 von der einen Richtung
lehnsherrlicher Entwicklung aus vorführten, überhaupt zu betrachten. Nun ist
es aber natürlich, dafs eine so lebhafte Bewegung, wie sie sich im territorialen
Burgenerwerb der gedachten Zeit vollzog, nicht ohne nachhaltigen Einflufs auf
die ganze Organisation und den Zusammenschlufs des Territoriums bleiben
konntet Und das eben ist der Punkt, von welchem aus der Burgenerwerb
uns hier interessiert, und von dem aus eine genauere Untersuchung von Burgen-
bau und Burgenverwaltung nunmehr, unter Kenntnis der Grundzüge der
Kriegsverfassung, erforderlich und lohnend wird^.
Die ältesten Burgen, welche an der Mosel schon im 8. Jh. erwähnt
werden^, sind schwerlich mittelalterlichen Ursprungs. Es mufs vielmehr an-
genommen werden, wie das neuerdings namentlich die Ausgrabungen in Neu-
niagen zeigen, dafs schon die Römer in der späteren Zeit ihres rheinischen
Aufenthaltes aus den monumentalen Bauten ihier früheren und schöneren Kultur
1) Zur Wichtigkeit der Burgen für die Territorialentwicklung s. auch Loersch, De
ortu etc. S. 49.
2) S. zum folgenden namentlich Honth. Hist. 1, 245 über den Ursprung der Burgen;
er weist die frühesten mittelalterlichen mit Recht dem 10. oder höchstens 9. Jh. zu. In
römischer Zeit nimmt er Burgenbau namentlich unter Galien an. tJber Burgenbau seit Ende
9. Jhs., vornehmlich früh in Lothringen, s. auch Waitz, Vfg. 8, 200. Vgl. ferner Bodmann,
Rheingau 1 S. 137 ff. über Burgen und Burgmannschaften des Rheingaus ; Frey, Königliches
Gut, S. 285f., über Reichsburgen und Burggrafen; und Baumann, Gesch. d. Allg. 1, 348, über
die Entstehung der Burgen im Allgäu Ende 11. Jhs. und 12. Jh. 1. H. Die hauptsächlichste
archäologische Litteratur über den rheinischen Burgenbau habe ich in Conrads Jahrbb. N. F.
Bd. 11, 321 Note 2 zusammengestellt, es befindet sich unter ihr kein abschliefsendes
Werk. Die Monographieen sind meist völlig unbedeutend. Unter diesen Umständen würde
eine umfassende historisch - archäologische Bearbeitung des rheinischen Burgenbaues ein
grofses Verdienst sein.
3) S. z. B. MR. ÜB. 1, 24, 772.
Lamp recht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 83
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1306 —
rohe Steinburgeu gegen den Andrang innerer wie äufserer Feinde zusammen-
gehäuft haben. In diese Burgen zog sich dann der einwandernde fränkische
Adel, und sie genügten seinen Bedürfnissen bis zum Schlufs der friedlichen
Zeiten der Karolinger.
Erst mit dem 9. Jh., mit den Normannenzügen ^ und dem Verfall des
Reiches, beginnt die Zeit mittelalterlichen Burgenbaues; die gTöfsten spä-
teren Vesten werden schon in den nächsten Generationen nach der Wende
des 9. und 10. Jhs. entstanden sein, und bald ergab sich dann auch
schon ein erstes Aufkommen kleinerer Raubnester ^. Abgeschlossen ist diese
erste Epoche wohl im wesentlichen mit dem Beginn des 11. Jhs., denn nach
der Mitte dieses Jhs. finden wir schon derartig befestigte Verhältnisse, dafs
die Benennung gräflicher und freier Geschlechter nach gewissen Burgen Sitte
werden kana.
Ein neuer Impuls zum Burgenbau ergab sich wieder etwa seit Mitte des
12. Jhs.; für ihn war das immer massenhaftere Auftreten der Vogtei^ und der
Beginn landesherrlicher Bestrebungen mafsgebend*; unter dem Einflufs der
letzteren dauerte er wohl mindestens bis zur Mitte des 14. Jhs. fort^.
Das Schlufsergebnis dieser Entwicklung war eine wahre Überfüllung
der Rhein- und Mosellande mit grofsen und kleinen Befestigungen. Noch jetzt
zählt man in den Regierungsbezirken Koblenz und Trier, selbst unter
Weglassung einiger Kreise, 161 beachtenswerte Burgruinen^, und wieviel
Burgen sind nicht völlig oder nahezu unauffindbar verschwunden, darunter so-
gar Hauptburgen berühmter Geschlechter, wie der Grafen von Hochstaden '^.
Schon das Mittelalter hat in dieser Hinsicht aufgeräumt ^, Könige und Bischöfe
in früherer^ wie Landesherren in späterer Zeit^^ zerstörten die kleineren
^) Zur Einwirkung derselben in dieser Richtung s. Regino Chron. z. J. 882, die Normannen
in Prüm : triduo commorantes omnem in cireuitu regionem depopulati sunt, in quo loco [Prüm ?]
innummera multitudo peditum ex agris et villis in unum agmen conglobata eos quasi
pugnatura aggreditur. sed Normanni cernentes ignobile vulgus non tantum inerme, quam
disciplina militari nudatum, super eos irruunt; töten sie. Vgl. auch über die an die Nor-
mannen zu zahlende pecunia collatitia Richer, 1, 48; Flod. z. J. 924, MGSS. 3, 373, ii; z. J.
926, a. a. 0. 376, 25. Zur analogen Wirkung der Ungarnkriege s. Cardauns, Rhein. Urkk.
1, 334, 922.
2) S. Flod. z. J. 947, MGSS. 3, 394, 26; MR. ÜB. 1, 211, 963; Flod. z. J. 959, MGSS.
3, 404, 35; auch oben S. 1064; und im Gegensatz hierzu Liudpr. Antap. 2, 24.
3) S. oben S. 1071.
*) S. oben S. 1286 Note 2.
^) In ÖsteiTeich mehren sich die Burgen namentlich während des Interregnums,
Hasenöhrl S. 43.
®) S. Bd. 2, 23 ff. Die Burgen zwischen Idar, Hahnenbach u. Simmer verzeichnet Dominicus
S. 263.
^) S. Weidenbach, Grafen v. Are S. 138—139; Cardauns, Conrad von Hostaden S. 62.
^) So ist z. B. die Bui^g Heinzenberg am Simmerbach noch 1395 vorhanden, s. Toepfer,
ÜB. 2 No. 93, aber schon 1464 zerfallen, s. Back 1, 39.
») S. oben S. 1064.
lö) S. oben S. 1065 Note 2.
— 1307 — Bildung des Temtoriiims.j
Raubnester ; andere wurden aus militärischen Gründen, weil andere Burgen
bedrohend, gebrochen ^ ; einige endlich wurden zu frommen Stiftungen umge-
wandelt -. Aber gleichwohl bliel) die bei weitem grofsere Anzahl aller Burgen
unter eifriger fortifikatorischer Fürsorge der Besitzer bestehen ^ , bis sie der
Yandalismus der Franzosen im 17. Jh. und der revolutionäre Freiheitstaumel
am Ende des vorigen Jhs. brach und zerstörte.
Zieht man die mittelalterlichen Zahlen in Betracht, so wird man nicht
irren, wenn man die einstige Anzahl der Burgen in unserer Gegend auf gut
300 berechnet: besafs doch um 1340 Trier allein über 100 Burgen allodial
oder leimsweise*, hatte doch im 13. Jh. die Abtei Echternach 30, das Ge-
schlecht Boland 17 Burgen, und befanden sich doch im J. 1437 in dem Mosel-
amt und dem Amt Kreuznach der Grafschaft Sponheim 18 Burgen '\ Es gab
kaum ein freies oder ritterliches Geschlecht, welches nicht mindestens in Ge-
meinerschaft eine Burg besafs^; und sogar zur Offensive nutzte man den
Burgbau aus, indem man bei Belagerungen einer Burg eine Gegenburg zur
Zwingimg des Feindes errichtete^.
Nun waren freilich diese Burgen von sehr verschiedener Gröfse und
dementsprechend vielfach abgestufter militärischer Bedeutung. In der älteren
Bauperiode mochte man wohl kaum Burgen in unserem Sinne des Wortes,
sondern nur spärliche Steinringe auf abgelegenen Höhen als Bückzugspunkte
^) Vgl., freilich aus später Zeit, G. Trev. c. 304: Joh. Christoph von Soetern reliquias
veteris castri Helfenstein demolitus est, ne ex illo adversi quidpiam Erenbreitsteiniano accideret.
2) So Siegburg, Arastein, vgl. S. 1064 Note 1, weiter die Marienburg, s. auch MR. ÜB.
1, 425, c. 1112, für Laach: castelliun ecclesie vicinum quieti fratrum prospiciens destruxi,
et bona ad ipsum prius pertinentia fratribus ibi deo et beate Marie famulantibus tradidi.
3) S. z. B. Damianus Dhame Honth. Prodr. S. 1045, cit. oben S. 851 Note 1.
*) S. oben S. 1286.
^) S. dazu Y. Meinwerci Paderb. ep. 41 : Athelbero praepositus monasterii sancti Paulini
Treverensis ortus de Lucelingeburch, vir potens et dives valde ; habens inter alia bona haere-
ditaria castella haec: Sarburg Berencasdel Rudiche. Mon. Epternac, MGSS. 23, 69; Gisleb.
clu'on. Hanon. 1184, MGSS. 21, 540: Wernerus de Bollanda . . castris 17 propriis et villis
multis ditatus et hominiis 1100 [!] militum honoratus. Vgl. dazu freilich das Lehnsbuch
Werners 11. v. Boland S. 32: Werner hat 4 Burgen. Sponheimer Ordnung 1437 § 29: diß
sint die slosse, die in daz ampt an der Musel gehorent, mit namen (Gräfenburg bei Trarbach,
Trarbach, Starkenburg bei Trarbach, Alienbach im Idarwald, Birkenfeld, Frauenberg bei Ober-
stein, Hen-stein bei Oberstein, Dill bei Kirchberg, Kastellaim, Winterburg). Das Amt Kreuz-
nach hat 8 Schlösser. — Vgl. im übrigen noch G. Trev. c. 46, cit. oben S. 177 im Text,
und G. Alberon. 20, MGSS. 8, 253: Albero nimmt 30 munitiones comitis Namucensis.
^) Zu den Gemeinerschaften, auf welche hier nicht genauer eingegangen werden kann,
vgl. MR. ÜB. 3, 10, 1213; 3, 192, 1222; 471, 1232; Geschlechtsreg. Isenburg usw. Urkk.
S. 159—160, 1269; *Kop. Cardonense, Trier Dombibl. Bl. 15^, 1330 Okt. 23; Hennes, ÜB. 2,
461, 1356; Toepfer, ÜB. 2, 357, 1450; vgl. auch Dominicus S. 392 Note 1, und Mones Zs.
Bd. 6, 45, wo auch der Nachweis, dafs öfter Klöster zu einer Gemeinerschaft gehörten.
■') G. Trev. Cont. 4 Add. 2, MGSS. 24, 392, um 1204.
83*
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1308 —
erbaut habend Aber auch in späterer Zeit blieben die baulichen Anforderungen
bei kleinen Burgen nach unseren Begriffen minimal. Lagen sie auf der Höhe,
auf Fels oder auf altem Weinbergsgrund ^, oft abgelegen von reicherem An-
bau^, so bestanden sie wohl der Hauptsache nach fast nur aus dem steinernen
Bergfried, nur wenige andere Bauteile mögen in Stein aufgeführt gewesen sein.
Und an diese Ausführung wurden die niederen Burgherren denn auch später
noch, in der landesherrlichen Zeit, durch ausdrückliche Anordnung seitens der
Landesgewalt gefesselt*. Lagen die kleinen Burgen aber in Dörfern und
kleinen Städten — und meist gab es hier deren mehrere, in Sinzig z. B.
sieben^ — so bestanden sie meist nur in Steinhäusern oder Steintürmen, welche
unter die Holzbuden der Bauern, am liebsten in einen Fronhof des Burgherrn
gebaut waren ^. Derartige Steinhäuser sind noch heutzutage an der Mosel
mehrfach, mit am besten in Gondorf, erhalten; in Karden befindet sich sogar
noch ein hierher gehöriger Prachtbau des romanischen Übergangsstiles, die
sog. Karbüsch, welche aus einem zweistöckigen Wohnhaus (a) nebst Speicher-
1) Das hat Naeher, Bonner JBB. 76, 91—175, m. E. überzeugend begründet. Vgl,
auch G. abb. Lob. c. 25, MGSS. 4, 66, 23, 954 : cum plaustrorum vel qualiumcunque surculorum
vel sepium impedimentis (montem) in modum munitionis cingit.
2) S. MR. ÜB. 1, 166, 926, cit. oben S. 401 Note 2; Bd. 3, 58, 25, 1269.
3) CRM. 3, 896, 1352.
*) Vgl. Bd. 8, 115, 4, 1316; 135, 13, 1325; CRM. 3, 169, 1330: ouch ensolen wir noch
unser erven den vorg. torn zu Smideburg nummer hoher laisen gemachen von steinwerke,
wan drie getreueze hoch, der ieclich si zwelf fuos hoch zum meisten und nit hoher, und
daruf mögen wir setzen einen heim von holzwerke nit dan zu eime gedeche. *Bald. Kesselst.
S. 233, 1335 Mai 1: die Edelknechte Nicolaus und Johann v. d. Hain tragen dem Erzstift
Trier ihre burgstad zu der Motten bie Lebach auf. Der Erzbischof Balduin erlaubt ihnen,
daz wir mögen daselbes zu der Motten büwen ein steinen hüs von vier wenden ane kalk
nicht dan mit steinen und mit erden gemuret, also daz die müre in der erden vier fuze und
ober der erden dri füze dicke sie und nicht me, unde daz man die viere wende bewerfen
mag, wanne sie alsus voUenbracht werden, mit einem ducke kalke, unde keinen steinen buw
insal man uf daz lehen nicht mer buwen. *0r. Koblenz St. A. 1339 Jimi 18 : Wilhelm Herr
von Manderscheid verspricht den zu Manderscheid und Kail begonnenen Bau in der Mauer
nur 32' hoch über die Erde zu führen, ein gestülptes Dach aufzusetzen und keine Planken
um den Bau zu ziehen. Vgl. auch Bd. 3 No. 111, 1325.
•5) S. oben S. 706.
^) S. MR. ÜB. 1, 325, c. 1045 : idem predium, quod M. . . in villis, que vocantur Ura
Odolvinga Wilre Soevenicha Bevera et in ceteris locis reliquit . . excepta una curte, que
cum lapidea domo in eadem constructa sita est in valle Treverica (Euren, Udelfangen, Trier-
weiler, Sirzenich (?), Biewer, gegenüber Trier 1. d. Mosel auf dem Raum von ca. ^U Quadrat-
meile). MR. ÜB. 3, 58, 1216: Ritter haben in Kruft dimidiam partem turris . . et domos et
possessiones eorundem et quicquid prediorum in prefata villa habebant in agris in rure et
casalibus. 8. ferner MR. ÜB. 3, 597, 1237; Bd. 3, 30, 24, 1263; CRM. 3, 91, 1318: zwei
Brüder empfangen mansionem nostram, que turris dicitur, in Kettiche sitam vom Erzstift
Trier zu Lehen. Ob der alte Wartturm zwischen den Erzstiftern Trier und Köln, jetzt
WeifsenturmV S. Günther a. a. 0. S. 184 Note. Zum Sinn des Wortes Haus vgl. WFötz
1560 S 3, cit. oben S. 739 Note 1.
— 1309 — Bildung des Territoriums.]
räumen und einem turmartigen zur Verteidigimg eingerichteten Anbau (b)
mit Treppe (c) besteht.
Wo solche Anlagen noch unter den sonst allgemein verbreiteten Holzhäusern
als besonders verteidigungsfähig gefafst wurden, da kann es schliefslich nicht
wunder nehmen, wenn auch die Kirchen als feste Orte galten, deren Sicher-
heit oft der einer kleinen Burg gleich geachtet wurdet
Indes neben diesen geringen Anlagen stand nun doch eine ganz be-
trächtliche Anzahl gTofser Burgen, so die Reichsburgen, die landesherrlichen
Burgen — in Trier unter Erzbischof Balduin etwa 23 mit einem Etat von
294 Burgmannen ^ — und einzelne andere bedeutende Vesten. Ihre Anlage
war nicht leicht ^ , der Bau war kostspielig, und auch die Erhaltung forderte
bei der exponierten Lage meistens auf Höhen beträchtliche Mittel *. Auch hier
mag nun der ältere Bau, abgesehen von dem steinernen Bergfried, meist aus
^) Ces. Heisterl). Dial. mai. 10, 19: tempore discordiae inter Ottoiiem et Philippum in
Oratorium sancti Goaris confessoris, quod situm est in territorio Treverensi et est firmissimum
tum propter situm loci tum propter structuram, provinciales se suaque transtiderunt. S. auch
Hist. Mart. Trev., MGSS. 8, 221, 1072.
2) S. Honth. Hist. 2, S. 5—6. Vgl. auch Otto von Freising 1, 62, 1150: duas arces
fortissimas, quarum altera super Mosellam Cohina, altera super Kheni litus posita Rinecca
[vocatur], expugnavit, in Cohina praesidia ponens, alteram igni tradens.
^) Zur Anlage vgl. aus früher Zeit Alp. de div. temp. 2, 2 (Wasserburg), und auch
Lambert z. J. 1063, MGSS. 5, 167. Vgl. ferner CRM. 2, 193, 1262 : Erzbischof Arnold hatte
zum Bau von Stolzenfels (1242—59) vom Propst Werner von SCastor 400 mr. kölnisch ge-
liehen; Erzbischof Heinrich zahlt jetzt diese Summe mit je 80 mr. jährlich ab.
*) G. Trev. c. 190, 1279: das castrum Maleberch cum advocatia de Wittelich für 1400 Ib.
Metensium d. gekauft (später heifst es ebda, für 2050 Ib. Treverensium d.), und in renovatione
muri et aedificiorum dicti castri 500 Ib. Trev. d. verwandt. Toepfer ÜB. 3, S. 67—68, 1508—1528:
nach einer Baurechnung im St. A. Koblenz war Salentin von Isenburg bis zum Jahre 1528
Amtmann und Pfandinhaber der Herrschaft Hunolstein und verbaute während dieser Zeit am
Schlosse und an den Wirtschaftsgebäuden die Summe von 2102 gl. Der Kalk wurde von Wasser-
billich, die Steine zu den Thüren und Fenstern von Birkenfeld geholt. Namentlich wurde
in den Jahren 1510 und 1511 ein neuer Turm, ein neues Haus vor der Küche und ein neuer
Stall gebaut; 1514 die userste brück mit einer vallebrücken , ferner das dachwerk uf dem
windelstein, sowie die vallebrücke und treppe an derbinnersten porten neu hergestellt; 1516
das Bollwerk abgebrochen; 1517 die Gesindestube hergerichtet, das Backhaus abgebrochen und
neu aufgerichtet, auf dem Saal gemauert und neue Fenster in des gnädigen Junkers Stube
und Kammer gemacht; 1523 die Mühle repariert; 1528 die Schmiede erbaut.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1310 —
Holz bestanden haben ^ ; findet sich doch einmal eine Anlage, welche auf Be-
nutzung eines grofsen Baumes hinausläuft. In der Chron. reg. heifst es zum
J. 1205 von der herzoglich limburgischen Burg Herzogenrath: castrum Kode
usque ad murum interiorem totaliter igne consumpser(u)nt. succiderunt et
tiliam, que diversis edificiis mirabili structura in modum propugnaculi in altum
latumque deducta, intuentibus quidem delectabile prestabat spectaculum, subtus
eam vero ambulantibus vel sedentibus optabile prebebat umbraculum^. Indes
bald kam man doch von dem Holzbau ab: Thore und Stirnmauern, Vor-
burgen und Kapellen ^ , und wohl auch die Burghäuser der Lehnsherren , falls
die Burg Offenhaus war*, wurden regelmäfsig von Stein errichtet, und man
scheute sich im Einzelfall nicht, zu diesem Zwecke das Steinmaterial zerstörter
Kirchen zu benutzen^. So entstanden denn jene stattlichen Burgen, an
deren Fufs sich schutzsuchende Ansiedlungen anlehnten '^, die Nürburg, Kochem,
Vianden u. a., deren Substruktionen und Aufbau noch heute oder bis vor
kurzem die Bedeutung jener Kräfte ahnen liefsen, welche sie errichtet. Im
Mittelalter aber waren diese Burgen mit Hausrat ', Waffen und Munition ^ ge-
füllt und wohl verproviantiert^, so dafs der Belagerer nach Aussaugung der
Umgegend meist eher Hunger litt als die Belagerten ^^. Vor allem aber dienten
1) Darauf weist das häufige Verbrennen von Burgen hin, s. z. B. Flod. z. J. 956,
MGSS. 3, 403, 39; s. auch Bd. 3, 252, 1, 1386; und oben S. 1309 Note 2. Zur Seltenheit
steinerner Türme s. Thietm. 7, 22.
2) Chron. reg. Oktavausg. S. 176.
3) S. zum Bau dieser Stücke Ann. Bland, z. J. 1127; CRM. 3, 10, vor 1302: Philipp
von Heinsberg, der spätere Kölner Erzbischof, occupavit montem Rinecke et destructa quadam
Camera lapidea ecclesie Coloniensis in civitate Coloniensi posuit eandem in montem ipsum
Rinecke cum pinaculo aureo, sicut adhuc apparet. postmodum idem Philippus . . circum-
cinxit montem illum muro. CRM. 3, 244, 1339: uns huis zu Broel, turn ind porze ind vur-
burge alumme oven ind neden; s. auch Bd. 3 Wortr. u. d. W. berchvride. Zu den Kapellen
vgl. MR. ÜB. 1, 551, c. 1148: der Graf von Vianden wird mit einem Teile der Burg Arras
belehnt exceptis porta et capella et puteo; ferner Bd. 3 No. 145, 1339. Nach der Speierer
Amtsordnung von 1470 § 2 soll in jedem Schlofs eine Kapelle sein.
*) Guden. CD. 2, 980, 1300, Wilhelm von Honnef für Johann von Saffenburg: domum
unam infra muros munitionis mee in Bodendorp, 30 pedes in longitudine et 25 in latitudine
continentem, ab ipso teneo et possideo.
5) G. Godefr. 4 (1124-1127), MGSS. 8, 202.
^) Die sog. villae oder suburbia (urbs = castrum Chron. reg. 1206, S. 180). Zu Stellung
und Schicksal derselben vgl. Richer 2, 56; Flod. z. J. 943, MGSS. 3, 389, 45; MR. ÜB. 3,
1357, 1256; Bd. 3, 81, 28, 1280. S. auch Wigands Archiv 3, 109: Anbau des Dorfes Fürsten-
berg in W. 1450 von den Einwohnern der Dörfer Vesperte, Dorsel und Eilern unter dem
Schutz der Burg Fürstenberg.
'^) Derselbe war allerdings noch gering, s. Bd. 2, 539. No. 13.
^) Vgl. u. a. Mones Zs. Bd. 6, 60 f. : Waffen und Munition auf den pfälzischen Burgen
am Mittelrhein 1412 — 19; ebenso zu Ettenheim, Kenzingen, Herbolzheim und Nürnberg,
1444 und 1449.
'') S. dazu Bd. 3, 439 Note 1.
10) Vgl. z. B. Flod. z. J. 960, MGSS. 3, 405, u: ad cuius (munitionis = castri) obsi-
dionem properans B. loca circumquaque rebus exhausta repperit, sicque alimentis abundantem
— 1311 — Bildung des Territoriums.]
sie einer besonderen kriegerischen Organisation zur Grundlage, welche ihren
eigentümlichsten Ausdruck im Institut der Burgmannen gefunden hat.
Die Besatzung der Burg zerfiel vernmtlich von jeher in zwei scharf ge-
gliederte Teile, die gemeinen Söldner und die Burgmannen. Die Söldner sind
in freiem Lohnvertrag angenommen und jederzeit entlafsbare ^ niedere Dienst-
knechte ^, welche zu kriegerischen Zwecken als Turmhüter, Pförtner, Wächter,
oder zu wirtschaftlichen Zwecken als Hausverwalter, Köche, Eseltreiber, Vor-
ratshüter, Feldaufseher u. dgl. Verwendung fanden^. Von jedem höheren
Posten waren sie ausgeschlossen; schon der Blidenmeister gehörte den Burg-
obsidet liostem. Nach G. Trev. Cont. 5, MGSS. 24, 409, kostete die Belagerung? von Arras
imter Erzbischof Arnold (1242 — 1259) sine dispendio aliorum [so zu 1.] 3000 carr. vini,
100 000 mir. annone et pecuniam infinitam [?].
1) MR. ÜB. 8, 912, 1247 : in einer Erbteilung behält die Gräfin von Sayn die Löwen-
burg, quamdiu vixerit. et homines, quos ipsa statuerit in turrim ibidem, sibi facient fidelitatem
consuetam . . . ipsa etiam poterit illos a turri amovere pro sua voluritate et alios in eorum
lociun substitüere. Geschlechtsregister Isenburg usw. Urkk. S. 71, 1263: Gerlacus dominus
de Limpurch omnibus . . esse notum volumus, quod quoscunque custodes seu vigiles in turri
de Cleberg locaverimus, iidem sororio nostro Godefrido domino de Eppinstein et Godefrido
filio suo suisque liberis et nobis in custodia et observatione turris predicte obedientes erunt
per omnia aequaliter et fideles.
^) Als solche haben sie wohl von jeher bestanden, wie sie sich denn auch durchweg
erhielten; s. in V. Bald. Leod. c. 22 (1009—18), cit. oben S. 880 Note 10, den Gegensatz von
vigiliae und milites; ferner Lambert z. J. 1075, MGSS. 5, 227, 42; Chron. reg. z. J. 1205,
S. 178 ; Alb. Argent. 1347 : populus Leodiensis expugnans quoddam castrum episcopi Leodiensis
custodes castri evicti decapitavit, nobiles et plebeios.
3) Vgl. Bd. 2, 530, No. 2, 13. Jh. 1. H.; MR. ÜB. 8, 1357, 1256 scheidet für Killburg
genau castrenses, burgenses oder cives, vigiles et portarii. MR. ÜB. 3, 755, 1242: auf dem
castrum Saarburg befinden sich castrenses et custodes turrium. Die Burg Grimburg gehört
zu ^h dem Erzstift, zu V4 SPaulin, zu V4 dem Domstift. Pro custodia castri G. famulis turris
ibidem (sancti Paulini) prepositus de quarta parte eum contingente 6 mir. siliginis et sum.,
sex s. sex d., capellano quinque s., vigilibus quinque s., portario 15 d. persolvet. S. ferner
Bd. 2, 581, No. 3, 1327—28; Bd. 3, 161, 13, 1336—45; Honth. Hist. 2, 316, 1400; Bd. 2,
537, No. 11, 1432; 539, No. 13, 1464—65; Honth. Hist. 2, 579, 1497; auch Bd. 8 Wortr.
u. d. WW. portarius, portier, turnhuder, turnkneclite, vigiles, waite, wechter. Besonders
lehrreich sind die Anordnungen des Blankenheimer Statuts 15. Jlis., Ann. d. hist. Ver. f. d.
Niederrh. 9 — 10, 122 ff. Auf der Burg befinden sich neben den Territorialverwaltungsbeamten
ein Burggraf (über diesen s. unten Teil 3), ein Koch, ein Scheuerknecht, zwei Pförtner, ein
Tunnkuecht, eine Magd. Den Koch sal men doe halden, as men eins plach, . . dat hie selve
sin holz houwe ind indrage, want man dat nu narre bi die burgh voirt. Ebenso holt er
Wasser. Der Scheuerknecht hat in der Nacht in der Scheuer zu wachen. Zwei portzener,
der sal einre ein halve nacht wachen; ind men sal si darzo halden, dat si die poertzen wael
bewaeren ind hueden. Der tornknecht sal alle dink mit helfen doin, des dages den dorn
hueden, ind des nachtz ein halve nacht wachen. Über die Magd fehlt genauere Bestimmung.
Ferner aber soll man einen dinghen, die buißen der kost ein halve nacht wache, ind der auch
die benden, die wieren, die beche ind die buische verwaer truwelich ind eirbarhch. man
mach ouch deme mit darinne dingen, of einighe botschaften in den landen zo doin weren of
gevielen, dat hir die zo doin willich si.
[Entwicklung der Lanclesgewalt. — 1312 —
mannen an ^ Aufser ihnen aber gab es auf der Burg, nehmen wir die späteren
Lokalbeamten der Territorialverwaltung aus, meist nur noch einen höheren
Posten, welcher der Burgmannenschaft nicht eingereiht war, den des Kaplans ^.
Die Burgmannen selbst waren nun, abgesehen von dem gemeinen Wacht-
dienst, die eigentlichen kriegerischen Verteidiger der Burg^. Anfangs und
noch bis zum Schlufs des 12. Jhs. waren es wohl durchweg Ministerialen*, es
mufs angenommen werden, dafs sie den Burgendienst auf Zeit unter einander
abwechselnd versahen^. Allein mit Beginn des 13. Jhs. erfolgte dann für diesen
Dienst die Ausbildung einer besonderen noch lange von anderen Lehnsarten
genau unterschiedenen Lehnsform ^, des Burglehens. Diese Lehnsform ver-
1) *Balcl. Kesselst. S. 184, 1316: Thilemanus balistarius de Sarburch wird castrensis
in Saarburg. S. auch Chron. reg. z. J. 1249, S, 197.
2) Zu seiner Notwendigkeit vgl. oben S. 1310 Note 3. S. auch Blankenheimer Statut 15. Jhs.,
Ann. d. bist. Ver. f. d. Niederrb. 9—10, 125 : die zwein paffen [aus der Umgegend der Burg]
suUen alle dagbe alle ir gezide buiden ind ordenklicb verse in der capellen lesen, as des [ge-
woinlicb is. so] suUen si zo ses uiren luiden, asdan aldae alle ir gezide bis an die vesper
lesen, ind sullen it so stellen, dat a?>z seien [?] alle dagbe ein misse in der capellen gescbeie ;
ind na middagbe zo drin uiren sullen si luiden, ind dae asdan vesper ind complet lesen . . .
item der pastor sal zwein dagbe in der wecbe in deme dach misse doin, die zwein dagbe sal
men ime die kost geven.
3) Zu ihrer Entwicklung vgl. Honth. Hist. 1, 636; Stenzel S. 107 f.; Waitz Vfg. 6, 32;
Bd. 3 u. d. WW. bürgman, castrensis.
4) S. V. Meinwerci c. 41, 1020; Ennen, Qu. 1, 542, 66, 1153: castellum . . Vden-
kircben cum ministerialibus, cum servis ancillis et omnibus appenditiis suis ; Heinemann Cod.
Anhalt. 1 No. 496, 1166: castrum Scbonenbürcb cum omnibus suis pertinentiis , liberis et
ministerialibus, villa quoque Wisde et curia Wogenbeim [Oberwesel und Jugenbeim]. Viel-
leicht gehört hierher auch noch G. Trev. Cont. 4 Add. 2, MGSS. 24, 392, um 1204, Erzbischof
Jobann zieht gegen eine Burg: Johannes igitur collecto exercitu castrum obsedit, aliud ipse
in proximo monte edificavit et sie obsidionem solvit. infra paucos dies per eins industriam,
vino optimo ibidem tabernario exposito, castellani servi comitis facti sunt -temulenti; eisque
sie soporatis, castellani episcopi castrum comitis invaserunt et conbusserunt. quo facto epis-
copus delevit et suum. Vgl. auch Waitz, Vfg. 8, 204.
•'') Einen Beweis aus unseren Gegenden habe ich freilich nicht zur Hand. Nach dem
Tecklenburger Recht müssen die ministeriales infeudati 14 Tage nach Ankündigung zur Burg-
hut kommen und 4 Wochen auf eigene Kost in der Burg bleiben; s. Stenzel, Kriegsvf. S. 110;
auch oben S. 1303, spez. Note 1.
^) 8. dazu Westd. Zs. Bd. 2, Korrbl. No. 218, 1215: Ego Cunradus comes Silvester
scire volo, quod ductus aliquamdiu inani opinione putabam, quod de advocatia in Simeren
castrensis consessio michi deberet ministrari in Castro Dune, quam cum a Cunone ibidem
advocato exigerem, recusavit una cum matre mea constanter asserente necnon et hominibus
et consessoribus meis veraciter affirmantibus, quod ipsa advocatia iustum esset feodum et non
consessorium. bis igitur assertionibus et veritatis experimento commotus vane opinioni mee
finem imposui, nam memoratam advocatiam cum omnimodo iure prelibato Cunoni et suis
successoribus iusto et hereditario feodo concessi. Lehnsbuch Werners IL v. Boland S. 32:
erga S. de H. comparavi in B. 80 iug. 4 minus et 3V2 curias, de quibus bonis H. de W. tali
modo inbeneficiavi, ut medietatem pro certo babeat beneficio, et aliam partem de me habens
castellanus sit in Stouf loco mei. CRM. 2, 390, 1254: Mechthild von Sayn erklärt, quod
omnia feoda, que ego quibusdam castellanis de Wede [es sind 3] solvo, sunt feoda, que
dicimtur hantlen; et solvi ea et adliuc solvo de bonis meis, ubi michi placuit et placet.
— 1313 — Bildung des Territoriums.]
pflichtete den Belehnten in der Weise der damals aufkommenden Dienstlehns-
verträge gegen Anweisung bestimmter Einnahmen in Geld- oder Naturairenten
zur lebenslänglichen oder auf Zeit normierten Burghut ^ Natürlich war der
Dienstlehnsvertrag jedermann zugänglich; auch Grafen und freie Herren, be-
sonders gern Edelknechte, gingen ihn ein, wenn auch die ersteren vielfach
unter Stellung eines Ersatzmannes^; und als gewifs darf nach früheren Er-
örterungen über den Eintritt der Ministerialität in den Lehnsverband gelten,
dafs auch die zur Burghut verpflichteten Dienstmannen sich dem neuen Ver-
hältnis einordneten^.
Auf diese Weise wurde nun für die ganze Periode der Territorialbildung
und über diese hinaus ein Kern von kriegerischen Verteidigern der Burg
gewonnen, der zum gröfseren Teile dauernd, zum geringeren auf Requisition
in gefahrvollen Zeiten zur Burghut verpflichtet war *. Die Zahl der einer Burg
CRM. 3, S. 705, 1363: suliche manlen und burglen, als man jerliclien von der herschaft zu
Bielstein hantreichet, die sich an 18 gl. von Florenz und nit hoer treffent. Cod. Salm. 310, 1419 :
zu burglehne des slosses Mailberg und zu rechten manlehene suliche gude hernach geschrieben :
ziun ersten ein huis und zwene garten zu Mailberg, daz ist burglehen zu Mailberg; item ein
teil des zehenden zu Minrelitghe; item eine schüre zu Segendorf; item zweie mir. fruchte zu
Steden, item zu Wilßacker ein teil an dem höbe und zehenden.
1) Zu frühen Beispielen s. oben S. 883 Note 2; femer MR. ÜB. 2, 191, 1201:
Heccheman armiger et castrensis de Sarburch hat Zehnten in der Parochie Wincheringen.
Würth-Paquet Reg. Publ. Luxemb. 14, 86, 1227: Frederic avoue d'Arlon fait connaitre, qu'il
doit faire la garde (du chäteau d'Arlon probablement) pour Ermesinde comtesse de Luxembourg
et marquise d'Arlon, aussi souvent qu'elle le demandera. S'il neglige de faire cette garde, la
comtesse peut saisir ses fiefs. Wiederholt 1237, und hiernach Bertholet 5, 78. MR. ÜB. 3,
715, 1241 ein Embrico castrensis de Richenstein mit regulär ausgebildetem Burglehen.
2) S. z. B. MR. ÜB. 3, 658, 1239 : die Grafen von Luxemburg werden mit Bitburg als einem
Burglehen für die Trierer Burg Killburg belehnt, ibidem pro se militem locaturi, qui habebit
ab episcopis Treverensibus pro eo, quod vulgariter dicitur sezlen, quicquid sibi a comite
Lucillinburgensi pro residentia in dicto Castro facienda fuerit assignatum. MR. ÜB. 3, 959, 1248;
der Junggraf von Leiningen wird Burgmann zu Winzingen mit einem Lehen von 300 mr.
kölnisch (72 000 M.). promisimus . . omni tempore necessitatis in eodem Castro residentiam
nos facturos. tempore vero absentie nostre duos milites ibidem locabimus nostrum defectum
supplentes et indesinenter aliorum more castrensium residentes. Geschlechtsregister Isen-
burg usw. Urkk. S. 95, 1288, Erzbischof Heinrich von Mainz urkundet: nobilem virum Lude-
wicum de Isenburg in castrensem castri nostri Ameneburg acquisivimus nobis et nostre ecclesie
Moguntine, habituram pro se unum castrensem nobis placentem, qui suo nomine in dicto
Castro vel opido faciet continuam residentiam personalem, et cui de feodo castrensi, quod
eidem nobili assignamus vel quod habebit a nobis, duarum mr. redditus assignabit, dantes
sibi propter hoc centum mr. d. Aquensium legalium et bonorum.
3) Man vgl. z. B. WZolwer 1591 § 1, wo wohl die vermutete Thatsache noch nachklingt.
*) S. noch Lehnsbuch Werners II. von Boland S. 34 f.; MR. ÜB. 3, 1452, 1258:
Gerhard von Urlei wird Burgmann auf der Neuerburg mit residentia continua et personalis
für verlehnte 80 Ib. trierisch, etwa 8000 M. unseres Geldes, dazu Honth. Hist. 1, 760, 1263,
cit. oben S. 884 Note 2; Honth. Hist. 1, 756, 1263; Cod. Salm. S. 40 Note XVI, 1289;
Bd. 3 No. 74, 1293; Honth. Hist. 1, 831, 1300: Friedrich von Dann empfängt Lehen vom
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1314 —
zugehörigen Burgmannen schwankt natürlich sehr nach der Bedeutung der
Burg selbst; in den Trierer Burgen treffen wir in der 1. Hälfte des 14. Jhs.
überall mindestens auf 3, höchstens auf 40, im Durchschnitt auf etwa 13 Burg-
niannen^ Von ihnen wohnten die zu dauernder Hut Verpflichteten auf der
Burg selbst oder im unmittelbaren Bereich der Burg in besonderen ihnen in
Lehnsweise zugewiesenen kleinen Häusern, den sog. Burgsessen ^ ; noch heut-
Erzstift und wird Burgmann auf Manderscheid, verpflichtet sich singulis annis per ^/2 annum
residentiam continuam facere in Castro de Manderscheid . . et succurrere in armis dicto
domino Trevirensi et eins successoribus secundum decentiam nostri Status, quotienscumque
super hoc fuerimus requisiti ; Bd. 3, 107, i, so, 1301 ; 109, 6, 1301 ; Dominicus S. 268 f.,
271—72, 560 Note 2, 577 Note 2 und 3. CKM. 3, 102, 1320; 117, 1323; 130, 1325; 163,
1329; Honth. Hist. 2, 114, 1329, Burglehen in Grimburg: residentia personalis cum armis et
equis, ut moris est. Bd. 3, 485 Note 1, 1339; 486 No. 31, 1350; CRM. 3, 564, 1377; Bd. 3
No. 209, 1379; CRM. 4, 27, 1408. S. auch Bd. 3 Wortr. u. d. WW. castrensis, residentia,
und vgl. Bd. 3, 109, e, 1301.
1) Die gröfseren Burgen unter Balduin zählt Honth: Hist. 2, S. 5 — 6, nach dem Koblenzer
Balduineum auf. Es sind nach den beigegebenen Tafeln 23 mit 30, 11, 6, 3, 16, 14, 28, 13,
23, 3, 6, 13, 40, 7, 21, 7, 6, 8, 3, 22, 4, 3, 7, im ganzen 294 Burgmannen. Dagegen weist
das *Register zum Bald. Kesselst. S. 2 f. an ausgethanen Feoda castrensia auf für Covelenze 1,
Covern 3, Thuron 7, Tris 3, Cochme 6, Clotten 4, Baldenawe 2, Berencastel 6, Erenbretstein 7,
Hartenfels 9, Monthabur 16, Baldenstein 2, Sternberg 4, Baldenecke 3, Smideburg 9, Sancti
Wendelini 4, Stolzenfels 11, Bopardia 2, Monster 2, Meien 17, Manderscheid 7, Koppe 2,
Kilberg 7, Mailberg 2, Pilliche 5, Arras 1, Novumcastrum 27, Sarburg 13, Erimburg 16. Im
übrigen vgl. noch Westd. Zs. Bd. 2, Korrbl. No. 218, 1215; MR. ÜB. 3, 345, z. J. c. 1235,
dazu Bd. 2, 169 Note 1 ; CRM. 3, 131, 1325: auf Schmidtburg Heinrich der Wildgraf Burg-
herr und 6 Ritter nebst 1 Knappen als burchman uf dem vorg. hus Smideburg; CRM. 3,
273, 1341: auf Stolzenfels 4 ritterliche Burgmänner; Honth. Hist. 2, 316, 1400: Castrenses
in Montabaur. Es sind 53 Burgmänner, welche zusammen 410 fl. 4 alb., also durchschnittlich
etwa 8 fl. beziehen. Dabei kommen Schwankungen zwischen 1 fl. 12 alb. und 20 fl. vor.
Nach dem Kataster von 1663 endlich gab es in Altenahr (erzbischöflich kölnische Burg) 12
Burgmänner aus hohem und niederm Adel, welche das Präsentationsrecht zur Pfarre Altenahr
besafsen, wobei jedoch der Kurfürst mit 4 Stimmen konkurrierte: Weidenbach, Grafen v. Are
S. 133.
2) S. G. Trev. c. 259, 1352, cit. oben S. 1065 Note 2; MR. ÜB. 3, 845, 1245: ego Her-
mannus de Veldenze notum facio . . , quod Henricus cognomento Vus homo meus de Numagen
bona, que a me acceperat apud prefatum castrum, domum videlicet et ortum adiacentem, in
manus meas resignavit. CRM. 3, 487, 1363: ein Koberner Burglehen umfafst eine hobestad
uf der bürg, einen garten under der bürg daselbis in den heseln, einen wingarten gelegen
nidenwendig der niderster beche zu Covern, den wingarten den man nennet Geisloch, und
einen andern wingarten an Langendal an der bach daselbis zu der siten der beche gen Covern,
und trift unden allernest an die Musel zu dem wege daselbis, dieselben zwene wingarten ge-
achtet sin an zwene morgen oder umb die maze. Arch. Clervaux 634, 1400: Jacques de
BoUant et Frederic seigneurs de Stoltzenburch declarent avoir acquis zu burchmanne Gerart
de Wilz dit Rotart et lui ont assigne un terrain pres du chäteau, ä l'effet d'y construire une
maison, plus un jardin dit Guldemvoes et une rente de 4 fl. ä Hosy. Toepfer 2, 229, 1432:
ein burgseß gelegen inwendig in der bürg zu Hunolstein. Vgl. ferner noch Toepfer 2, 239,
1435; Honth. Hist. 2, 387, 1436; Toepfer 2, 261, 1438; und W. von Thal und Haus Schöneck,
G. 2, 560: binnent der freiheit sollen zwen stät sein, nemblich ein burgmansstat und ein
— 1315 — Bildung des Territoriums.]
zutage kann man an der Mosel mehrfach, z. B. bei der Ehrenburg, die Ruinen
solcher Burgsesse sehen. Und so waren denn unter dem gröl'sten, andauernd
verpflichteten Teil der Burgmannen alle jene Vorbedingungen gemeinsamen
Lebens gegeben, welche nach den sozialen Gewohnheiten des Mittelalters ohne
weiteres zu einer genossenschaftlichen Bildung führen.
Es liegt unseren Erörterungen fern, die Lebensbedingungen dieser ver-
nuitlich schon zur Zeit ausschlielslich ministerialischer Burghut entwickelten
Genossenschaften im einzelnen zu untersuchen^, wie sie aus dem lehrreichen
und eingehenden Material der Burgfrieden leicht zu erkennen sind^, uns ge-
nügt hier festzustellen, dafs durch die genossenschaftliche Bindung eine ein-
heitliche, unter dem Burgherrn oder einem Mandatar desselben auch recht-
lich gebundene und gerichtlich abgeschlossene Lebensgemeinschaft entstand^,
welche Schutzmacht wie Verteidigungskraft der Burg zu lebensvollem Ausdruck
zu bringen vermochte.
Und eine derartige Organisation der Burghut, welche die Burg von vorn-
herein nicht gegenüber der Umgegend militärisch abschlofs, sondern das Be-
dürfnis des umliegenden Landes nach Schutz vielmehr durch das Mittel der
Burgsesse mit den Interessen der Burg fest verknüpfte*, sollte für das platte
burgerstat, und es solle niemants binnen der freiheit wonen, er habe der zweier stät einen. Nach
Weidenbach, Grafen von Are S. 142, (imd Baersch Eifl. ill.) bestand dementsprechend an der
Südseite der Nürbiurg eine eigene Abteilung für die Burgsesse der Burgmänner. Toepfer 1,
102, 1291 nebst Note finden sich noch sehr interessante Nachrichten über ein festes Burgsefs
der Burg Bernkastei.
1) Aus früherer Zeit vgl. in dieser Richtung MR. ÜB. 3, 164, c. 1220; 1379, 1257;
Toepfer 1, 100, 1291; namentlich aber Westd. Zs. Bd. 2 Korrbl. No. 218, cit. teilweis oben
S. 1312 Note 6, und MR. ÜB. 3, 1472, 1258 : der Wildgraf Konrad teilt letztwillig seine Burgen
unter seine Söhne de consilio et assensu nobilium meorum castrensium. Drohung: welcher
der Söhne sich nicht fügt, castrensium omnium consilio carebit et auxilio. Zeugen sind
2 domini genannte freie Herren, und 15 Leute^ vermutlich alles Ministerialen.
2) Ich verzeichne zu den Bui'gfrieden Guden. CD. 2, 1246 betr. den Landskroner Burg-
frieden; Isenburger Bfr. 1334, Geschlechtsregister Isenburg usw. Urkk. S. 126 f.; Hammer-
steiner Bfr. 1351, CRM. 3, 375, vgl. a. a. 0. 431, 1356; 484, 1362; Kempenicher Bfr. 1389,
CRM. 3, 619; Leyener Bfr. 1394, CRM. 3, 633; Wartensteiner Bfr. 1402, CRM. 4, 8;
Hammersteiner Bfr. 1410, CRM. 4, 41 ; 1461, a. a. 0. 287, vgl. a. a. 0. 3, 375, 1351 ; 484,
1362; Ehrenbürger Bfr. 1413, Acta acad. Theod.-Palat. 6, 461; Guden. CD. 2, 1313,
1450; Schoenecker Bfr. 1415, G. 2, 565 f.; Sinziger Bfr. 1426, CRM. 4, 128, s. S. 241
Note; 1428 Bfr. der vorderen Grafschaft, 1437 der hinteren Grafschaft Sponheim, CRM. 4,
137, 169, s. dazu CRM. 5, 151 und 152, 1557; Elzer Bfr. 1430, CRM. 4, 143; Beilsteiner
Bfr. 1435, CRM. 4, 162; Olbrücker Bfr. 1478, CRM. 4, 346; Schmidtburger Bfr. 1504, CRM.
5, 18; WRohi- 1, 585, G. 2, 577.
3) S. Bd. 3 No. 132, 1336; W. von Thal und Haus Schöneck, G. 2, 560: die Burg-
mannenstätten und Bürgerstätten sollen haben zwen richter, nemblich die burgleut einen
burgmansrichter, und die burger einen burgerrichter, ab dem willen wa iemants zu thun hette,
daß man doch alle zeit einen richter finde.
*) S. z. B. WZolwer 1571 § 1: wie viel bui^gleut zu der herschaft Z. gehörig und
wer diselben sein? erkennen, dasz in dem dorf Z. 5 sitzen ... ist noch einer gewesen . .,
derselbig ist gar ausverstorben, und haben die herren das gut angenommen und zinsbar gemacht.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1316 —
Land ohne Bedeutung gewesen sein? Das Gegenteil leuchtet ein; die Burgen
sind höchstens in ältester Zeit blofse Verteidigungsstätten des Burgherrn, be-
festigte strategische Punkte für die militärische Sicherung der herrschenden
Geschlechter gewesen; sehr bald wurden sie jedenfalls vornehmlich, ja teil weis
ausschliefslich zum direkten Schutzmittel des umliegenden Landes.
In älterer Zeit bis tief ins 9. Jh. hinein hatten sich die Bewohner des
platten Landes bei Feindesgefahr mit ihrer Habe auf unzugängliche Höhen,
in Steinringe, wie es deren im Mosellande sehr bedeutende giebt \ oder in rasch
hergestellte Befestigimgen geflüchtet^. Daneben war jedenfalls seit ältester
Zeit die Flucht in die Stadt hergebracht; noch im 13. Jh. klingt ihre frühere
Bedeutung in einer Bopparder Nachricht deutlich nach^. Endlich mochten
schon Burgen und burgähnliche Anlagen beim Nahen des Feindes in
Betracht gekommen sein, namentlich soweit sie mit Fronhöfen verbunden
waren: so erklärt sich wohl auch das später ziemlich allgemeine Asylrecht
der Burgen*.
Geregelter und ausgedehnter wurde aber der Schutz letzterer Art
erst mit der aul'serordentlichen Zunahme des Burgenbaues seit der Staufer-
zeit. Jetzt erschien das Land vollauf mit Burgen besät ^, und gerade
den bebautesten Gegenden — nicht den Gebirgseinöden , wie eine weitver-
breitete Ansicht meint ^ — schlössen sich die wachsenden Anlagen an. Dabei
1) Vgl. z. B. Westd. Zs. Bd. 2 Korrbl. No. 149 über den Steinwall zu Otzenhausen.
2) S. Regino Chron. z. J. 892 : Arduennam intrabant, ubi quoddam castrum in quodam
praeeminenti loco noviter constructum, in quo innumera multitudo vulgi confugerat, adgre-
diuntur et absque mora expugnant.
^) MR. ÜB. 3, 597, 1237 : in Boppard de novo editicabit domum in ipsa area tante ampli-
tudinis et spatii, quod capere valeat omnes homines ad eandem curtem ab antiquo spectantes,
statutis temporibus anni placita sua more solito inibi celebraturos. et sciendum, quod procu-
rator ecclesie presidens placitis recipiet in ea census suos certis boris a feodalibus curie,
vicissim etiam eisdem sua iura daturus ibidem, que eis debentur. bello quoque ingruente
communi ruriculis in adiacentibus villis demorantibus cum mobilibus rebus eorum et iumentis
domus supradicta patebit, donec pace restituta possint ad propria secure reverti, illis inquam
solummodo, qui ad ipsam domum pertinere dinoscuntur.
*) WBockenau 1487 § 8 : der Hof soll in gudem gewunlicbem buwe und bescblaizzen sein,
also, abe vientschaft queme, so sal sich ein hofman naber tun und of ein sit rucken und
dieselben, die in dem hoefe von vorclit wegen fliegen, zu sich nemen, und sal die dure, zu
der kuchen galt, mraen, of daz man zu noeden sie balde moecht treffen und ufthun.
"VVHelfant, G. 2, 258: abe es sich begebe, das fientschaft were, so sol sent Matheis hoif zu
Heifant solche freiheit haben, so die nachparn ihr vehe darin flegen, sol gefreihet sein. Wenn
freilich v. Maurer, G. der Fronh. 1, 112, 136, jeden Fronhof als Burg ansieht, so ist das viel
zu weit gegangen.
^) In Österreich sollte keine neue Befestigung im Umkreis einer Rast (1 bis 2 Meilen)
von einer schon bestehenden Burg oder Stadt gebaut werden, Hasenöhrl S. 47.
^) Die Widerlegung dieser immer wieder gehörten Meinung ergiebt sich aus einfacher
Einsicht der Karte 8 in Bd. 2. Die kleinen Raubnester liegen freilich, soweit sie nicht
Zollburgen sind (s. MR. ÜB. 1, 185, 947, cit. oben S. 1018 Note 1), vielfach im tiefen Ge-
— 1317 — Bildung des Territoriums.]
wird der Zusammenhang zwischen Burgenbaii und grundherrlichem Schutz
immer deutlicher. Die Burgen liegen nunmehr stets in einem Komplex von
Fronhöfen der l)urgherrlichen Grundherrschaft und nicht selten auch im Treff-
punkt der für die Transporte dieser Grundherrschaft wichtigen Wege^; ja es
konnnen nicht selten Burgen vor, welche nur 6inem Fronhof angeschlossen
sind - und wohl gar mehr oder minder mit der Wirtschaftsverwaltung desselben
verschmelzen^.
birge, s. CRM. 3, 396, 1352: Johann von Schieiden als Landfriedensvogt hat zu thun haupt-
sächlich mit Vesten bei Limburg und nemlich in der Eifelen.
^) S. schon MR. ÜB. 1, 6, 636: locus domus und castrum Teulegium [Tholey
Kr. Ottweiler] cum campis pratis silvis et mancipiis, cum omni iure suo, cum appenditiis
villares seu reditibus cum domibus inexquisitis. MR. ÜB. 1, 275, 998, das kaiserliche
Kastell Saarbrücken mit Zubehör : cum predio Völklingen nominato et Quierscheid et Warna,
cum Omnibus ad iamdictum predium pertinentibus, villis terris cultis et incultis familiis utriusque
sexus forestis ecclesiis teloneis mercatis aquis piscatiouibus molendinis silvis, cum omnibus
pertiuentiis, que dici vel nominari possunt. Vgl. ferner MR. ÜB. 1, 335, 1051, dazu Bd. 2,
367; MR. ÜB. 1, 308, angebl. 1036—37 (12. Jh.); Ennen, Qu. 1, 542, 66, 1153;
G. Trev. Cont. 4 Add. 2, MGSS. 24, 395, so, cit. oben S. 1286 Note 1 ; MR. ÜB. 3,
738, 1242—43; Cod. Salm. 71, 1279: die Herren von Vinstingen verkaufen an Trier für
1400 Ib. d. Metensium castrum nostrum, quod habemus in Mailberg, cum villis videlicet Sütze,
Stadevelt et Alve attinentibus eidem, necnon advocatiam nostram de Wittelich cum villis
quibuscunque et universis ac singulis redditibus proventibus honore dominio directo sive in-
directo, hominibus castrensibus vasallis mansionariis feodalibus sive non feodalibus, cuius-
cunque conditionis existant vel quibuscunque nominibus appellentur seu censeantur, terris
agris cultis et incultis pratis silvis nemoribus pascuis vineis aquis decursibusque aquarum
viis et inviis piscatiouibus iurisdictionibus ac quibuscunque aliis iuribus corporalibus et in-
coi-poralibus, et cum omnibus aliis suis attinentiis seu appenditiis ad ipsum castrum necnon
advocatiam predictam quomodolibet spectantibus. So auch Bd. 3 No. 297 c, 1324; CRM. 3,
240, 1338: das Schlofs Dill besteht in ipso Castro et eins suburbio, villis et curiis Dille,
Lainsheim, Dreise, Cruzenach, Swabeheim, Claustro, Aldenfeld, Perdesfelt, Capellen apud
Kirberg, Kiren, Imtzenrodern, Gemunde, molendino zu den Hecken, Kerwilre, Dilledorf, curia
ante castrum Dille, molendino et valle ibidem, Seibach, Belthe, Keltrod, Ruchenhorn, Buchen-
buren, Soren, Walenowe, molendino in Hunwilre, Lutzenhusen, Nidernwilre et quinque silvis,
videlicet Belgerstrud, Steinberfrod, Dille, Eichholz et nemore dicto der Scheit, cum dominus
castrensibus fidelibus ministerialibus hominibus villis iurisdictionibus altis et bassis pratis
pascuis aquis aquarum decm^sibus piscatiouibus venationibus nemoribus redditibus iuribus ac
pertinentiis universis ad ipsas castrum suburbium dominium necnon villas et curias predictas
spectantibus, prout ad nos pertinebant. Dazu s. *Bald. Kesselst. S. 299, 1338: zu dem castrum
Dille gehören die hove zu Laineheim und zu Dreise, die verpachtet man iedes iars umb
hundert mir. fruchte und umb zehene oder zwenzig mir. darzü, darnach daz fruchte wissent,
oder man snidet die fruchte und dut sie selber in, des ist ein deil weise und ein deil rocken,
ouch werdent da ses und drizzieg s. hl., davone gibet man den . . scheffen ein essen umb
sente Mertins dage. ouch verpechtet man den win alda umbe siben fuder oder umbe echte,
als iz gerächt an dem jare. ouch horent zu deme hove zu Lainsheim siben scheifen, die
sint schuldig des hoves recht zu sprechene. Aus späterer Zeit vgl. noch CRM. 3, 324, 1346;
Guden. CD. 2, 1339, 1466, cit. oben S. 963 Note 1.
2) MR. ÜB. 1, 571, 1152: castrum, quod Seina dicitur, et ipsam curiam de Seina;
MR. ÜB. 1, 605, 1158: castrum de Nassoue et curiam adiacentem mit 40 mansi. S. auch
oben S. 1308 Note 6.
^) URheingrafen : castrum cum multis hominibus, vindemiis, agris dominicalibus , qui
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1318 —
Da kann es denn nicht wundern, wenn die Burgen mit dem umgebenden
Lande in allgemeine grundherrliche Beziehungen traten. Sehen wir von der
direkten Einnahme von Zinsen aus den unterstellten Fronhöfen ab \ so wurden
auch von den dem Burgherrn nicht unmittelbar grundhörigen Umwohnern
oft auf weite Entfernung hin Grundzinse als Schutzgeld unter dem Namen des
Schirmhafers, Burgfoders u. dgl. erhoben ^ ; und nicht minder wurden Fronden
für Verproviantierung und Burgbau gefordert^. Dazu kam endlich noch, dafs
die Burgen zumeist in die Einung einer benachbarten Markgemeinschaft ein-
bezogen waren*, anfangs Teil hatten an deren Allmendegenul's und schliefslich
es nicht selten zur ganzen oder partiellen Markherrlichkeit brachten^.
Die Burgen eines Territoriums aber mufsten nun mit all diesen Be-
ziehungen um so mehr in den Vordergrund treten, je mehr sich dieselben bei
ihnen durch Verbindung mit anderen Arten halbstaatlicher Gewalt kräftigten.
bundin dicuntur, et mansis censualibus. S. auch MR. ÜB. 1, 425, c. 1112: Pfalzgraf Sigfrid
castellum ecclesie [Lacensi] vicinum . . destruxi et bona ad ipsum prius pertinentia fratribus
. . tradidi; und vgl. Alp. de div. temp. 2, 20, cit. oben S. 133 Note 2.
^) MR. ÜB. 3, 71, 1217: ein Jahreszins von 50 mir. sigilinis Trierer Mafs des Erz-
stifts von Altrich aus presentabitur vel in Novo castro vel in ripa Moselle apud Kesten,
videlicet prout magis nobis [dem Erzbischof Dietrich] aut nostris successoribus videbitur
expedire. Vgl. auch Hennes ÜB. 1, 457, 1344, und teilweis schon hierher gehörend Cod.
Salm. 347, 1473: das schloß Malberg mit seiner freiheit, hogericht und zubehoer; item die
fischerie nach aldem wißtomb der scheffen zu Malberg dient jarlichs 9 mir. kornsz 6 weiße pf.
100 eigere und all woch als gut als 5 weiß pf. und die inwoner des daels, so vil der uf dieß
schloß gehören, dhienent jars 2 wechter und jarlichs uf sant Endrestag von zinsen von burger-
gut 14 weißpf., und sollen auch alle gepürliche befredung thun von zunen und in das huß
zwen tag zu dienen, deß sint [sie] alles anderen dienstes und der schatzong gefreihet von
den herren von Malberg, item darüber in dem dhael, das dient 3 fl. und 6 weißpf. und
einen wachtel und 3 alb. und alle woch 6 hl. werths wecken.
2) S. oben S. 1066 Note 3, 1068 f., auch *Bald. Kesselst. S. 299, 1338: ouch gibet
man uz dem hove zu Dreise echte mir. rocken den . . tornknechten und den . . wechtern zu
Spainheim uf der bürg, und gibet man 2 fuder wins hern Heimliche von Bacherach und ein
fuder wines hern Wolfram von Lewenstein rittern iedes jars zu manlene.
^) UStift S. 397, Saarburg: homines curie de (Bilzingen) de littore in castrum (Saar-
burg) superportabunt vinum et annonam episcopi. CRM. 3, 324, 1346: die Leute des Thaies
Grensau sollen mit füren zu ziten dinen uf die bürg Gransoie und daz darzu gehöret, zu
unsers henken von Trire teile, ane keinen andern dinst zu dun. S. auch Cod. Salm. 347,
1473, cit. oben Note 1.
^) CRM. 3, 169, 1330: die bürg Smideburg mit den burgman . . dem burgfrede, und
dazu wazzere, weiden, anehow, viescherie. S. auch MR. ÜB. 2, 25, 1177, cit. oben S. 205
Note 1.
■^) So ist wohl Bald. Kesselst. S. 152, 1319, cit. oben S. 701 Note 2, zu verstehen.
S. auch *Bald. Kesselst. S. 253, 1334: nemus nostrum dictum Swarzerdin prope castrum
Coppenstein situatum cum universis eiusdem nemoris appenditiis, ac omnia bona nostra in
villis Windecke et Molkenrod cum agris, pascuis, campis, pratis, silvis, aquis aquarum decur-
sibus, piscariis, venationibus ac aliis universis ac singulis eorundem bonoriun iuribus et
pertinentiis, et quicquid aliud in predictis nemore et villis sive locis ac eorum confiniis
habemus. Man vgl. auch Honth. Hist. 2, 115, 1329.
— 1310 — Bildung des Territoriums.]
Schon oben S. 1071 ist bemerkt worden, dafs sich seit etwa dem 12. Jh. vog-
teilicher Schutz wirkungsvoll kaum ohne den Besitz einer Burg ausüben liefs :
nun war der landesherrliche Schutz seit dem 13. Jh. gewifs der wirksamste,
er nahm nach Ausdehnung wie Rechtsinhalt aulserordentlich zu, und seine
Durchführung knüpfte sich natürlich an die landesherrlichen Burgen ^
Und auch das dritte territoriale Bildungselement halbstaatlicher Natur,
die LehnsheiTlichkeit, blieb dieser Entwicklung nicht fern. Wie die Allodial-
burgen des Landesherrn in Lehnsweise verwaltet wurden und zu ihrer Ad-
ministration ein besonderes Burgmannenrecht und Burggrafenrecht — von
letzterem wird unten in Teil 3 dieses Abschnittes die Rede sein — geschaffen
i^au'de, so gerieten die meisten fremden Burgen innerhalb des Territoriums
als Offenliäuser in Lehnsabhängigkeit vom Landesherrn, und nach der Aus-
dehnung ihrer Lage wie dem Wirkungskreis der von den Territoriall)urgen
aus zu leistenden militärischen Hilfe ^ richtete sich nicht zum geringsten der
spätere endgültige Abschlufs der Landesgrenze.
Bei dieser Lage der Dinge war es natürlich, dafs sich mit dem vollen
Älafse halbstaatlicher Gewalt auch die Fülle der vom Reiche abgeleiteten
hoheitlichen Gewalt, mithin jener ganze neue Komplex von Rechten, welchen
wir im Beginn dieser Erörterungen als Landesgewalt kennen gelernt haben,
sozusagen lokal auf die Burgen niederschlugt. In kleineren Territorien galt
die Burg der Landesherren als das Zentrum der neuen Territorialgewalt; in
diesem Sinne wird schon im J. 1192 von dem castrum Virneburg una cum
comitatu ac universis . . iurisdictionibus, pertinentiis et appenditiis gesprochen *.
In gröfseren Territorien dagegen, in welchen dem Landesherrn eine Anzahl
von Allodialburgen zu Gebote standen, wurden diese die Mittelpunkte ver-
^) Zur weiten Verbreitung der Verknüpfung grundherrlicher und vogteilicher Eechte
im Burgenbesitz s. Cod. Salm. 71, 1279, cit. oben S. 1317 Note 1, auch Toepfer 1, 106, 1292:
ego Conradus comes silvestris domicellus de Duna notum facio . ., quod castrum de
Duna . ., curtim de Husin ac villam meam Caffelt cum omnibus et singulis eorum iuribus et
attinentiis, item homines meos, qui sunt servi mei, ac alios homines meos, qui appellantur
homines sancti Eemigii, teneo et habeo in feodo ab abbate monasterii sancti Maximini extra
muros Treverenses.
2) Zur Ausdehnung derselben vgl. Honth. Hist. 2, 124, 1334: Erzbischof Balduin ver-
bündet sich mit Herzog Raoul von Lothringen zur Hilfe a Castro nostro Grimberg ad decem
leucas contiguas circumcirca infra quindenam a tempore monitionis per literas suas apertas
desuper factas cum quinquaginta hominibus, armis et equis bene expeditis, vel paucioribus
niunero, prout ipse nos aut officiatum nostrum in Sarbourg, qui fuerit pro tempore, requisierit
super eo. Nach Guden. CD. 2, 1000, 1311, ist der Verteidigungsbezirk der Burg Landskron
auf 3 Meilen im Umkreis festgesetzt.
3) S. in dieser Richtung schon MR. ÜB. 2, 25, 1177, cit. oben S. 205 Note 1; und
MR. ÜB. 2, 104, 1190: castrum Treis des Erzstifts cum omni banno et districto suo, et cum
omnibus ad ipsum peitinentibus. Vgl. auch oben S. 732, und Cod. Salm. 71, 1279, cit. oben
S. 1317 Note 1; CRM. 3, 240, 1338, cit. oben S. 1317 Note 1; Cod. Salm. 347, 1473, cit.
oben S. 1318 Note 1.
4) MR. ÜB. 2, 124, 1192. S. auch WStrohn [1381] 1510, G. 3, 804—5, cit. oben
S. 1078 Note 3.
[Entwicklung der Landesgewalt. . — 1320 —
waltimgsmäfsiger Geltendmachung der neuen Landesgewalt; nach ihrer Lage
und zum guten Teile nach der Ausdehnungsmöglichkeit ihrer Schutzpflicht
wurden die neuen Territorialverwaltungsbezirke geschaffen; und nicht ohne
Gmnd heifsen diese Bezirke im Westen unseres Gebietes, im Flandrischen und
anderswo Kasselreien, Chastelerien oder Chatellanien.
Ist es aber die eigentümliche Entwicklung der Kriegsverfassung gewesen,
welche eine lokale Anordnung und Verteilung der erwachsenden Landesgewalt
auf die Burgen herbeiführte, so mufs der Burgkommandant der erste Beamte
der lokalen Landesverwaltung gewesen sein. Das ist das erste Thema pro-
bandum, welches sich für die Entwicklungsgeschichte der Territorialverwaltung
ergiebt. Bevor wir aber in seine Erörterung im dritten Teil dieses Abschnittes
eintreten, ist es nötig, die innerhalb des Territoriums erfolgende Ausweitung
der liandesgewalt zur Landeshoheit zu übersehen, wenigstens soweit sich diese
Ausweitung noch im späteren Mittelalter vollzieht. Denn man wird die Bil-
dungsgeschichte der Landesverwaltung in eben dieser Zeit nicht verstehen
können, wenn man nicht die Kräfte der zentralen Landesregierung völlig
übersieht, welche in ihr zur Wirkung gelangen.
A 11 h a 11 g,
Erzhiscliof Johann von Trier sclireibt an den Freigrafen Johann Hackenberg über das
erzstiftische Privilegium de non evocando. 1467 April 18.
Or. Koblenz St. A., Bl. 29 des iJipl. Prumknse.
Johann van goitz gnaden erzbischof zu Triere etc. kurfurste Johann Hackenberg zur
Nuwerstat frigreve in dem Suderlande, uns sind zwene dine brieve vurbraicht worden, in
den du imseren lieben getreuwen schoultheissen, zenderen, scheiFenne, meigeren und gemeinden
unsere gerichte und dorfere zu Sweich und zu Merinke van clage wegen unsers lieben ge-
treuwen Bernhartz van Waveren gebietende bist, das sie sich mit demselben clegere in
freuntschaft sliechten und scheiden in vierzien tagen nach ansehen dinre brieve ; und geschege
des nit, so setzes du ine ein richtlichen rechtage zur Nuwerstat an den frien stoile nidden
vur der portzen gelegen im Suderlande, uf den anderen mantag nach deme sondage phings-
tage nehstkompt etc., wie dine brieve das furter besagent. daruf verkundigen wir dir, das
wir als ein kurfurste des heiligen Kichs van loblicher gedechtenissen Komischen keisern und
koningen und sunderlich von unseren gnedigen herren dem keisere, der itzont ist, und van
unsers stifts wegen begnadet und gefreiheit sin, das niemands, er si auch wer er wulle,
einchen imseren und unsers stifts mannen, burgmannen, dienstmannen, bürgere oder untertane
umb eincher sache willen an einche keiserliche königliche oder andere gerichte buissen un-
seren stifte gelegen ziehen sulle ader möge, herumb und in kraft solicher unser und unsers
Stifts privilegia und freiheit heischen und forderen wir die obgen. unsere imdertanen gemein-
lich von dir und dem gen. freihen gerichte an diesem unserem offenen brieve vur uns und
unsere rete zu rechte, dan wir sin derselben unser undertanen mechtig, das sie dem obgen.
cleger umb sine forderonge binnen geburlich zit und an gelegen orden vur uns ader unsen
reten thun sullent, so vil si ime van eren und rechts wegen plichtig zu sin erkant werden.
Urkund de. Geben zu Paltzel uf sontag iubilate anno domini m^cccc^lxseptimo.
Laniprecht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 84
2. Die Landeshoheit.
Im bisherigen Verlauf dieses Abschnittes sind die Vorgänge geschildert
worden, in welchen sich, aus den verschiedensten Quellen gespeist, einheitlich
gefafst durch militärische Kräfte und Mafsnahmen, allmählich die Landesgewalt
entwickelte. Nachdem somit das Territorium zur Unterlage eines besonderen
fürstlichen Machtbereichs herangereift war, kam es weiterhin darauf an, die
fürstliche Gewalt systematisch durch Umformung der bestehenden territorialen
Verfassungs- und Verwaltungszustände zu einem stets erweiterten Ausdruck zu
bringen. Die in dieser Richtung geltend gemachten Bestrebungen füllen das
spätere Mittelalter und die folgenden Jahrhunderte ; in ihrem Verlauf erwächst
die Landesgewalt zur Landeshoheit. Die volle Entwicklungsgeschichte der
Landeshoheit ist somit ^ nicht Gegenstand unserer auf das Mittelalter be-
grenzten Studien. Gleichwohl mag es gestattet sein, hier kurz diejenigen
Anschauungen zusammenzustellen, welche sich schon aus dem mittelalter-
lichen Quellenmaterial zum Thema ergeben.
Die Landeshoheit^, soweit sie sich im Mittelalter ausbildet, lehnt sich
naturgemäfs in Konstruktion und Charakter ihrer Teilgewalten noch eng an
den Charakter des mittelalterlichen Staates an: Militärhoheit und Gerichtshoheit
bilden ihren Kernpunkt. Aber daneben wird doch schon den anderen eben-
bürtigen Teilgewalten der modernen Staatshoheit ein gröfserer Spielraum ge-
lassen, als dies in der alten Reichsverfassung der Fall war. So namentlich
der Finanzhoheit und der allgemeinen Verwaltungshoheit; die Landesherren
dulden je später um so weniger jene EingTiffe seitens autonomer Verfassungs-
kräfte in diese Gewalten, welche im alten Reiche so häufig waren und so her-
voiTagend zu dessen Verfall beigetragen haben. Wir werden daher die Fort-
schritte der Landesgewalt zur Landeshoheit in völlig gleichmäfsiger Weise
1) S. auch schon oben S. 1251 f.
2) Zum Ausdruck landfurste s. Bd. 3, 274, ss, 1462; 291, is, 1477.
— 1323 — Die Landeshoheit]
sowohl auf militärischem, wie auf gerichtlichem, finanziellem und administrativem
Gebiete zu suchen haben.
Mit dieser allgemeinen Erörterung sind aber die Fragen zur Lösung
unserer Aufgabe doch noch nicht richtig gestellt. Vorausgesetzt ist bisher ein
völlig gleichmäfsiges Verhältnis des Landesherrn zu allen Territorialeingesessenen.
Dies Verhältnis bestand in Wirklichkeit nicht. Stand der Fürst dem grölseren
Teil der Territorialbevölkemng auf Grund ehemaliger alleiniger Grundherr-
schaft oder Vogtei als voller Landesherr mit der Forderung ausschliefslicher
Unter thänigkeit gegenüber, so bestanden daneben doch grofse Stücke des Terri-
toriums aus fremden Grundherrschaften und halbselbständigen Städten, deren
Verhältnis zum Landesherrn sich zunächst vertragsmäfsig zu regeln pflegte.
Seinen Ausdruck fand dies Verhältnis im Laufe des späteren Mittelalters in
einem Ständewesen, in welchem die Grundherrschaften und Städte immer fester
zu einem halbstaatlichen Körper zusammenwuchsen. Natürlich war daher die
Einwirkung der Landesgewalt auf die Stände eine andere, als auf die Unter-
thanen ; bildete sich die Landesgewalt hier relativ leicht zu voller Landeshoheit
heran, so bedurfte es dort längerer Zeit, gröfserer Kämpfe und anderer Mittel
zur Erringung des gleichen Zieles. Das Verhalten der Landesgewalt zu den
Ständen bedarf somit gesonderter Untersuchung. Dieser Sachlage entsprechend
werden wir die Entwicklung der Landeshoheit zuerst gegenüber den unmittel-
baren Unterthanen, dann gegenüber den Ständen zu erörtern haben.
Treten wir nun in die Geschichte der Landeshoheit gegenüber den Unter-
thanen ein, so ist zunächst über die militärische Seite der Entwicklung
wenig mehr zu sagen; alle hierher gehörigen Erscheinungen sind schon oben
S. 1287 ff. besprochen; es bedarf höchstens noch des Hinweises, dafs das
Recht auf Landesverteidigung und Auszug späterhin allgemein als hoheitlich
gefafst wau'de^
Um so ausfiihrlicher ist über die Entwicklung der Gerichtshoheit und
ihre allmähliche Ausgestaltung in einer veränderten Gerichtsverfassung zu
sprechen. Nicht als ob mit dem Eingreifen der Landesgewalt sofort eine
systematische Neugestaltung eingetreten w^äre: dazu war diese Gewalt selbst
zu schw^ach, und der Trümmerhaufe alter Bildungen, wie ihn der Zusammen-
sturz der Reichsgerichtsverfassung seit der Mitte des 12. Jhs. ^ und der kor-
porativen Gerichtsinstitutionen in der zweiten Hälfte des Mittelalters^ lieferte,
zu übermächtig. Aber allmählich mufste sich doch die Landesgewalt unter
diesen Trümmern einzurichten suchen, um so mehr, je mehr sich das Reich
auch als Oberinstanz * und auf dem Gebiete der Gerichtsvollstreckung zurück-
1) S. z. B. Honth. Hist. 2, 761, 1553; 3, 194, 1599, cit. oben S. 1269 Note 2.
2) S. u. a. Waitz, Vfg. 5, 177 f.
3) S. u. a. oben S. 1154 f.
*) S. darüber oben S. 1272 ff.
84*
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1324 —
zog•^ und sie miifste daran denken, unter Benutzung des noch brauchbaren
Vorhandenen und unter Stärkung der eigenen Bedeutung eine neue territorial-
abgeschlossene Gerichtsverfassung zu begründen.
Versuche in dieser Kichtung konnten am ehesten an die Person des
Landesherrn als obersten Hortes des Rechtes anknüpfen : wurde doch bei einer
solchen Auffassung der landesherrlichen Gewalt nur eine im Reich hergebrachte
Anschauung auf die Territorien übertragen. Nun hatten die Herren künftiger
Territorien schon früh persönlich, über alle Gerichtsinstanzen hinweg, eine aus-
gedehnte schiedsrichterliche und vergleichende Thätigkeit auszuüben begonnen ;
an der Mosel ist sie seit Mitte des 12. Jhs., in den geistlichen Territorien ganz
besonders bei Streitsachen kirchlicher Institute, gewöhnlich ^. Mit ihr verband
sich aber seit der zweiten Hälfte des 13. Jhs. ein weiteres: die Bürgschaft
für anderweitig oder auch in landesherrlichem Kompromifs geschlossene Ver-
gleiche, sei es durch direkte Beurkundung oder durch Besiegelung der Ver-
gleichsurkunden, auch hier wieder vornehmlich bei Streitsachen geistlicher In-
stitute oder Belehnter^. Indem nun bei solchen Vergleichen die Bürgschaft
immer stärker betont wurde *, wurde dem vergleichenden und bürgenden Landes-
herrn geradezu das Recht eingeräumt, bei Bruch des Vergleichs den schuldigen
Teil entweder direkt zu bestrafen — hierzu bot namentlich die Banngewalt
1) S. Honth. Hist. 2, 271, 1376. Welche seltsamen Leistungen die Landesherren als
Gerichtsvollstrecker schon um die Mitte des 14. Jhs. wagten, zeigt Bd. 3, No. 178, 1349^
vgl. dazu oben S. 1220, Note 1 Schlufs. Aus späterer Zeit s. Cod. Salm. No. 387, 1539,
AVeisung für den Grafen von Salm als Landesherrn: dafs ghein gefangener ohn (des Landes-
herrn) willen seines gefenknus erledigt soll werden.
-) S. z. B. MR. ÜB. 1, 521, c. 1140 — 1150: dominus Waltherus de Sigesperc super usuario
aque, quantum ad litus [das Saarufer] ville de Bus pertinebat, quod etiam ad feodum suum
spectare ipse asserebat, diu ecclesiam Wadegotiensem calumpniatus est ; que querela mediante
comitissa Gisela de Sarbrucken in hunc modum est decisa: videlicet quod prefatus Walterus
ipsius interventu, quicquid iure feodoli inter duo littora a comitissa Mechtilde de Honburch
cuius fuit proprietas possidere videbatur, et preterea transitum liberum per pratum ad molen-
dinum super litus situm prefate comitisse Mechtildi resignavit, quod ipsa comitissa una cum
prefato domino Waltero et filio eins Willelmo in manus Simonis comitis de Sarbrucken con-
tradiderunt et per eins manum deo et sancte Marie pro remedio anime sue obtulerunt. MR.
ÜB. 2, 4*, 1170: Ravengiersburg klagt gegen seinen Vogt vor Erzbischof Christian von Mainz,
und zwar nimmt man schliefslich den Erzbischof als Schiedsrichter. Honth. Hist. 1, S. 788,
1269 : cum ego Gerlacus facerem exactionem in aliquos homines ecclesiae sancti Simeonis
apud Hoingen, et super hoc nos capitulum referremus ipsi domino Gerlaco quaestionem, eo
quod ad nos dictos homines libere et absolute pertinere diceremus, quos idem dominus Ger-
lacus ad suam advocatiam de Hoingen spectare dicebat: pariter in hoc consensimus, quod
coram domino nostro archiepiscopo Trevirensi iuri stabimus super eisdem.
3) S. z. B. Bd. 3, 17, 35, 1260; Goerz Regg. der Erzb. S. 50 zu Mai 1261, S. 51 zu
Nov. 1261, S. 52 zu Mai 21 1273, S. 53 zu Sept. 20 1275; Bd. 3, 85, le, 1280; Goerz Regg.
der Erzb. S. 56 zu März 3 1284, S. 57 zu März 2 1291 usw., auch Bd. 3, 253, s, 1388.
4) S. z. B. Bd. 3, 120, 37, 1820.
— 1325 — I^ie Landeshoheit]
der geistlichen Landesherren ein sehr l)equemes Mittel ^ — oder vor sein Forum
zu ziehen. Räumte man imn aber dem Landesherrlichen Schiedsrichter diese Ge-
walt ein, so mufste man ihm natürlich auch das Literpretationsrecht des Ver-
gleichs zugestehen^. Und bald, im Laufe des 14. Jhs., schritten die Landesherren,
wenigstens in Trier, noch weit über die genannten, um etwa 1300 eireichten
Vollmachten hinaus: sie warnen vor Abweichungen vom Vergleich^, ja sie
bestrafen ohne weiteres jede Kontravention'*.
Bedenkt man hierbei, dafs das Austragsverfahren schon um 1170 so häufig
war, dafs es neben dem ordentlichen Gerichtsverfahren als gleich wichtig ge-
nannt wird^, ja dafs in Luxemburg um 1280 ein besonderer Justitiar in seiner
Durchführung beschäftigt erscheint ^, so begreift man ohne weiteres den aufser-
ordentlich weitreichenden Einflufs, den seine Existenz für die Begründung einer
besonderen territorialen Gerichtsverfassung haben mufste.
Schon im Beginn des 13. Jhs. war der künftige Landesherr nicht mehr
imstande, die für das Vergleichsverfahren notwendigen thatsächlichen Unter-
lagen allein festzustellen, um auf sie hin das schiedsrichterliche Urteil zu fällen ;
er betraute mit dieser Thätigkeit besondere Ausschüsse, welche zumeist aus
dem Kreise der höfischen Berater ad hoc geschaffen wurden^. Im 14. Jh.
fungieren dann diese Kommissionen ganz regelmäfsig und erscheinen nunmehr
meist aus landesherrlichen Beamten, speziell aus Mitgliedern des um die Person
des Landesherrn fluktuierend gebildeten Rates zusammengesetzt^; noch liefs
sich die Vorbereitung schiedsrichterlicher Thätigkeit in derartigen Einzel-
kommissionen bewältigen^.
Indes je mehr sich das Territorium abschlofs, je mehr der Landesherr
^) S. Bd. 3, 84, 25, 1280; 105, ^le, 1297. Die Bannandrohung konnte auch von einem
Officialat ausgehen, s. Dipl. Prumiense Bl. 137» , 1315, cit. oben S. 970 Note 4.
^) Zu der Natürlichkeit dieses Interpretationsrechtes vgl. u. a. oben S. 987 § 15.
3) Bd. 3, No. 134, [1336].
4) Bd. 3, 240, 37, 1373.
5) MR. ÜB. 2, 4*, 1170, cit. oben S. 1094 Note 2.
6) Bd. 3, 85, 10, 1280. Dieser Justitiar fand aber vermutlich auch in der Grund-
herrschaft eine Verwendung ähnlich der der Prümer Oberschultheifsen von 1291 , s. oben
S. 734.
'^) MR. ÜB. 2, 213, 1203: der Hof (grangia) Winterbach wird in seinen strittigen
Grenzen neu bestimmt. Erzbischof Johann ad silvam ipsam accessimus, ubi diligenter inqui-
sita veritate a circumiacentibus tam nobilibus quam ministerialibus necnon et rusticis, de
consiUo prudentum virorum, quos ad hoc decrevimus convocandos, . . litem determinavimus. . .
procm-avimus etiam precidi arbores et signari, novas quoque et expressas per loca disponi ad
habendam in posterum plenam et perpetuam notitiam terminorum. Folgt die Grenzbeschreibung.
Vgl. auch unten S. 1330 Note 3.
8) S. z. B. Bd. 3, No. 117, 1328; No. 196 und 197, 1357, s. auch noch No. 249, 1469.
^) Bisweilen fällt den Kommissionen wohl auch das gesamte Verfahren einschliefslich
der Aussprache des Urteils — aber dann doch unter selbstverständlicher Zustimmung des
Landesheri-n — anheim, vgl. Guden. CD. 2, 1095, 1344: Ortolfus consul Trevirensis, deno-
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1326 —
allen Territorialeingesessenen als oberster Vogt und Richter erschien S um so
stärker mehrten sich die Ansprüche auf schiedsrichterliche Thätigkeit^. Zu-
gleich nahmen sie jetzt einen anderen Charakter an. Bisher hatten beide
Parteien kompromittiert; jetzt gewöhnen sich die niederen Territorial-
eingesessenen daran, gegen vermeintliche Rechtsvergewaltigungen von irgend-
welcher Seite, nicht blofs von selten der gegnerischen Partei, sondern auch
von selten des Richters, Hilfe beim Landesherrn zu suchen: sie appellieren^.
So heilst es z. B. im § 4 des Weistums von Lischberg, Igel usw. aus dem
Anfang des 14. Jhs. : ob den eg. dorferen gewalt geschee in den dingen [Ge-
richtshandlungen], daz mag ieclich dorf sinen heren clagen [dem Grundherrn,
Hochgerichtsherr ist SMatheis]; und enmoichten die heren dez nit geriechten,
so sullen sie iz clagen ii. h. von Triere als eime obersten richter. Die mit
derartigen Bestimmungen eingeschlagene natürliche Richtung der Appellation
an den Landesherrn fand übrigens bald ihre gesetzliche und dauernde Be-
stätigung durch die Verleihung des Rechts de non evocando und de non ap-
pellando von selten des Reiches^. Natürlich aber nahmen mit dem immer
häufigeren Einlaufen von Appellationen und Klagen, wie mit der Legalisierung
des Instanzenzuges durch das Reich die Geschäfte der landesherrlichen Ver-
gleichs- bzw. Gerichtsausschüsse immer mehr zu, und es fragte sich bald, ob
ad hoc gewählte Kommissionen zu ihrer Bewältigung noch genügten. Die
Frage wurde dahin beantwortet, dafs man entweder, wie in Luxemburg am
Schlufs des 14. Jhs., den ganzen Rat mit ihrer Besorgung betraute^, oder
aber für sie, wie in Trier im J. 1458, ein besonderes Hofgericht aus dem Rate
ausschied^. Mit einem solchen Hofgericht war dann aber eine wahrhafte
oberste Gerichtsinstanz im Territorium gewonnen, deren Bedeutung weit über
diejenige des alten Lehns- und Dienstmannendings hinausging, wenn man diesem
wohl auch ab und zu Fragen nicht lehns- oder dienstherrlichen Rechtes vor-
gelegt hatte ^. Jetzt erst war eine Zentralstätte gewonnen, von welcher aus
minatus ab archiepiscopo iudex in causa prosecutionis damni [illati cuidam hominum suoram
Wesaliensium Grailoni Volkenbach per Henricum de Schonenburg, dum illum prehendit ex-
cruciavit pretiavit' et in summum coniecit excidium] cum assessoribus suis pronuntiat, patra-
torem in simimam mille mr. argenti libellatam condemnando. Ein Beispiel für die Thätig-
keit besonders eingesetzter Gerichtskommissionen aus der Zeit unmittelbar vor der Errichtung
des Hofgericlits s. noch bei Loersch, Ingelh. Oberhof S. 514.
1) S. oben S. 1136.
2) S. z. B. oben S. 955, feiner oben S. 675 Note 9; Bd. 2, 648 Note 2.
^) Schon in Büchl. 1, 506 findet sich ze hove kumen = vor den Richter gehen. Vgl.
ferner Bd. 2, 652, speziell Note 5.
4) S. darüber oben S. 1273 f.
^) Cart. Clairefontaine 187, 1385.
6) S. oben S. 1274. Zur Thätigkeit desselben s. u. a. Bd. 3, No. 270, 1497.
'^) Namentlich solche , in welchen der Landesherr Partei war. So lädt z. B. Erzbischof
Kuno im J. 1362 die Stadt Koblenz in einem Streit wegen der Accise vor sein Manngericht.
— 1327 — Die Landeshoheit]
die landesherrliche Gerichtsgewalt zur vollen Geltung gebracht werden
konnte.
In der That beginnt eine weitergreifende landesherrliche Regelung der
alten Zustände überkommener Gerichtsverfassung von oben her in Trier erst
nach der Kreierung des Hofgerichtes. Zwar war schon vorher für das Trierer
Stadtgericht eine Regelung vorgenommen worden ^ ; zu einer Verbesserung un-
leidlicher Zustände auf dem Lande aber konnnt es erst im Beginn des 16. Jhs. ^,
und eine allgemeine Untergerichtsordnung wird gar erst im J. 1533, zwei
Generationen nach Begründung des Hofgerichtes erlassen^. Und auch jetzt
noch geht man gegeniiber dem geschichtlich erwachsenen Wirrwarr von Ge-
Die Koblenzer bestreiten aber die Kompetenz, s. Ferdinand S. 37. Dagegen kommen 1364
der Erzbischof und die Stadt Trier überein, ihre Streitigkeiten dem königlichen Gericht zum
Entscheid vorzulegen, a. a. 0. S. 81 f. Der Lehnhof gehörte an sich nicht direkt der terri-
torialen Entwicklung an, namentlich nicht, nachdem er mit dem Dienstmannending ver-
schmolzen war (s. Bd. 8, 116, se, 1318). Zur Bedeutung und dem Schicksal dieser uns hier
nicht weiter interessierenden Instanzen s. oben S. 1038 f., 1170, 1266 f., ferner CRM. 3,
318, 1345; 322, 1346; Honth. Hist. 2, 167, 1346; 176, 1354; Dominicus S. 591.
^) Die Trierer Schöffenordnung von 1400, Honth. Hist. 2, 767, ist gemacht vom Erz-
bischof mit rade unsers capitels und frunde, und auch mit wissen und rade der (Trierer) bür-
geren; der Erzbischof ordiniert und setzt sie. Ebenso heifst ein Nachtrag von 1422 (Honth.
Hist. 2, 792) satzunge und ordinatio. Von Hontheim nicht beachtete StücKe der Schöffen-
gerichtsordnung von 1400 hat herausgegeben Kraus in den Berichten der Trierer Ges.
f. nützl. Forschgn. 1869 — 1871, S. 33 f. Ein verwandtes Stück aus früherer Zeit ist
Goerz Regg. der Erzbb. S. 54 zum 15. Novbr. 1277, s. unten S. 1344 Note 1. Vgl. femer
noch in diesem Zusammenhang die * Beschwerden Balduins gegen die Stadt Trier 1351, Ar-
ticuli contra scabinos, im Bald. Kesselst., wovon einiges gedruckt oben S. 1054, Note 3;
femer die Koblenzer Schöffenordnung von 1515, gedr. Scotti, Chur-Trier 1, 233—55.
2) Vgl. z. B. CRM. 5, 83, 1516: Vertrag zwischen dem Erzbischofe Richard von Trier
und dem Grafen Philipp von Virnenburg, eine verbesserte Kriminal-Gerichtsordnung in der
Pellenz betreffend.
^) Von der Untergerichtsordnung steht bei Scotti, Chur-Trier 1, 305 das Inhalts-
verzeichnis ; gedruckt ist sie 1537 und 1539 bei Ivo Schöflfer in Mainz. Ich eitlere nach
der Ausgabe von 1539. Spätere Ordnungen werden in unserer Darstellung nicht mehr in
Betracht gezogen. Das hauptsächlichste spätere Material ist etwa das folgende: im 16. Jh.
eine neue Hofgerichtsordnung von 1569, s. Honth. Hist. 3, 17, vgl. auch 47, 1576; eine ge-
meine Amtsordnung vom 14. Mai 1576; eine Reformatio iudiciorum von 1587, teilw. gedr.
bei Wyttenb. u. Müller, Gesta Trever. 3 Animadv. S. 12-13, s. auch Honth. 3, 149, 1587.
Ziun 17. Jh. vgl. Scotti, Chur-Trier 1, 619, 1640: zeitweilige Errichtung eines zweiten Hof-
gerichtes in Trier neben dem in Koblenz; dasselbe wird aber 1652 wieder mit dem Kob-
lenzer vereinigt, vgl. Honth. Hist. 3, 674. Ferner erscheint im 17. Jh. unter Karl Kaspar
ein allgemeines Landrecht: Landrecht des Erzstiftes Trier, Trier 1688, 109 SS. Es wird er-
neuert und veraiehrt in Trier 1772 ausgegeben und ist neu gedruckt bei Maurenbrecher, Rhein-
preufs. Landr. 2, 42—206, und Scotti, Chur-Trier 2, Nr. 330. Zum 18. Jh. ist fernerhin
noch der Erlafs einer neuen Hofgerichtsordnung im J. 1719 (200 SS.) zu erwähnen, s. da-
zu Honth. Hist. 3, 903 ff., auch 918, 1722. Im übrigen vgl. zur Entwicklung der Trierer
Gerichtsverfassung vom 16. bis ins 18. Jh. noch Honth. Hist. 2, 541; 3, 207.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1328 —
richten tliiinlichst schonend vor. Noch erscheinen nach der Untergerichts-
ordnung als Richter Schultheifsen, Meier und Vögte, als Urteiler Schöffen und
Geschworene, und als ihr Zweck wird nur angegeben, damit hinfuro an be-
rürten undergerichten formlicher dann biß anher gehandelt, die proceß ver-
stendlicher fürgenommen, instituiert und gebessert, auch, soviel immer möglich
bei den undergerichtspersonen , dem gemeinen beschriebenen rechten gemeß
procediert und geurtheilt, die irrigen und untüglich und bösen mißbreuch, so
nicht allein der Vernunft sonder auch aller erbarkeit und redlicheit zugegen
und wider erfunden, hingenommen, nichticheit des proceß verhtit und menig-
lichem fürderlichs rechten verholfen, auch fride und einigkeit desto baß ge-
pflanzet und erhalten werden möge. Dementsprechend beziehen sich die
hauptsächlichsten Neuerungen nicht auf die Verfassung, sondern auf das
materielle und vornehmlich das prozessuale Recht; in die Verfassung greift
höchstens ein die Trennung des Schöffenamtes von der Beschäftigung als
Fürsprech sowie die Bestellung von Gerichtsschreibern, welche Gerichts-
bücher zu führen haben für alle gerichtshandlung , bei- und endeurteil,
auch appellation, heischung und gebung der apostel, darzu alle contract, als
keuf, verkeuf, übergab, donation, erbung, einkindschaft u. dgl., item testament,
so die vor geiicht gemacht und aufgericht würden. Eine weitergehende
Änderung endlich wird bezüglich der bislang bestehenden Oberhofszüge ge-
troffen, oder wie sich die UGO. S. XXVII ausdrückt, des Brauchs, das die
Schöffen nach beschluß der Sachen gelt von den partheien gefordert und bei
anderen gerichten, die etwa den handel nit recht oder villeicht weniger als
die ersten Schöffen verstanden, rat geholt, demnach von einem hof oder gericht
zu dem anderen gefaren und unsere unterthanen dardurch mit vergeblichem
Unkosten merklich beschwert haben. Statt solcher nunmehr regellos erscheinender
Oberhofszüge wird jetzt eingeführt der Zug der Stadtgerichte des Oberstifts aus-
schliel'slich des Amtes Kochem an das weltliche Gericht zu Trier, der Stadtgerichte
des Unterstiftes und des Amtes Kochem an das weltliche Gericht zu Koblenz, und
der Dorfgerichte an das jedesmal nächste Stadtgericht, niemals aber aufser
Landes, sowie bei schweren Sachen nach Trier oder Koblenz ^ Dabei bleibt
natürlich die Appellation aller Gerichte an das Hofgericht nach wie vor
bestehen.
Aus diesem weitherzigen System der Untergerichtsordnung von 1533 darf
man aber keineswegs schliefsen, dafs die Einwirkung der Landesgewalt auf die
1) Man vgl. zu diesen Bestimmungen Scotti, Chur-Trier 1, 244, Koblenzer Schöffen-
ordnung von 1515, § 22: Wir wollen auch und ordenen, das unser scholteiß und scheffen
nit verpflicht sin sollen, ob es schon von den parthien samptlich ader sonderlich begert v^au'de,
in Sachen, die under zwenzig gl. sin, sich an irem oberhoif an unserem scheffengerichte
binnen unser stat Trier zu erfaren, und das umb zu vermiden unnützen und groißen kosten,
der den parthien mit solichem erfaren ufget. — Die Tendenz, die Städte zu hervorragenden
Stätten der Rechtssprechung bzw. Rechtsfindung zu machen, ist übrigens viel älter, vgl.
MR. ÜB. 3, 198, 1223; Stat. synod. 1227 c. 11, Blattau 1, 27.
— 1329 — Die Landeshoheit.]
territorialoii Gerichtszustände abgesehen von der Zentralstelle vom 14. Jh. bis
zu den dreiisiger Jahren des 16. Jhs. an sich gering gewesen sei. Der Landes-
gewalt standen anlser der bislang betrachteten Einwirkung vom Hofgericht
bezw. von der Person des Landesherrn aus noch andere Handhaben für die
Umformung der alten Gerichtsverfassung zu Gebote.
Sehen wir hier zunächst von der Entwicklung der fremdherrlichen Grund-
gerichte (Patrimonialgerichte) ab, so war für die landesherrlichen Grundgerichte
in unserer Gegend, und ganz besonders ausgedehnt im Erzstift Trier, schon
um die Wende des 12. und 13. Jhs. eine Verschmelzung erfolgt, in welcher aus
mehreren Fronhofsgerichten 6in Gericht unter Vorsitz eines Schultheifsen ge-
bildet ward^ Diese anfangs korporativen Gerichte hatten sich dann in der
zweiten Hälfte des Mittelalters, wie die meisten Fronhofsgerichte überhaupt,
zu lokalen Gerichten mit räumlich geschlossenen Gerichtsbezirken ausgestaltet ^.
Über ihnen standen, teilweis mit einem mehr oder minder ausgebildeten In-
stanzenzug, wie in allen alten Immunitäten^, Hochgerichte zunächst für Straf-
sachen, da, wo die Teilnahme altfreier Leute erhalten war, auch wohl noch
für Streit um echtes Erbe und Eigen. Diese Hochgerichte in ihrer sehr ver-
schiedenartigen Ausdehnung ergriff nun die Landesgewalt und pafste sie, be-
günstigt durch den allgemeinen Zug der Entwicklung, aus Korporationsgerichten
wieder räumlich begrenzte Gerichte erstehen zu lassen*, durch Teilung und
Zusammenlegung von Gerichtsbarkeiten ^ in ihrer Bezirksabgrenzung allmählich
so viel als möglich den Amtsbezirken der neugebildeten Territorialverwaltung
an^. Nicht überall wurde diese Anpassung völlig erreicht^, stets aber ist ihr
1) S. oben S. 1052 f.
2) S. oben S. 1200 f.
3) S. oben S. 1113.
*) S. oben S. 1154 f.
5) S. oben S. 186.
^) S. oben S. 186 if., und ziun Beispiel die oben S. 191 citierten Nürburger Weistümer,
sowie CRM. 5, 113, 1538, W. über das Amt Bergpflege: zum ersten erkennen wir unsern
gn. herrn von Trier vur einen gewaltigen herrn dies lants und ein schirmherrn. zum zweiten
weisent wir unsenn gn. herrn alle gewaltsachen, alle doerengestoeß , die in frevel geschehen,
die zu boissen nach zimlichkeit. zum dritten weisen wir unserm gn. herrn wasser und weid
zu, des sal unser gn. herr den armen man laßen gebrauchen und nit zu versagen in kein weiß,
zum vierten weisen wir zu unsenn gii. herrn den hohen walt, den fogel in der luft, den fisch
im wasser, dat fließende ist, dat wilt in der hecken, also ferre unser gn. herr oder siner gn.
diener bezwungen moegen. fortan sal unser gn. herr beschurren und beschirmen witwen und
weisen, den herkommenden man mit seinem rüstigen spieß gleich den inwendigen; usgehalten
Gulleß Revenach und Metterich mit iren insonstlichen herrn bei alter herlicheit und freiheit
zu laßen, als von alters her breuchlich ist.
'') S. oben S. 191 f. Auch anderswo geschah das nicht, s. für Schleswig-Holstein
Haussen, Abh. 2, 545. Über die Schwierigkeiten informiert z. B. CRM. 5, 44, 1507: in
Bruttig Trier grundhochherre und richter, die Grafen von Sponheim vogthem, welche daselbst
über soliche . . vogtie sieben scheffen haben, die über eigen und erbe daselbst richten und
dem Vogt) auch . . gerechtikeit und gefelle wisen. Zum Hochgericht gehen die Trierer
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1330 —
Zweck durchsichtig : die alten Strafgerichte sollen als Amtsgerichte den Grund-
Berichten des Amtes übergeordnet werden, sie sollen zu einer zweiten Instanz
dieser Grundgerichte in Zivilsachen durchgebildet werden, und über ihnen soll
sich das Hofgericht als diitte Instanz und oberstes Landesgericht erhebend
Innerhalb dieser Anpassungspraxis aber stiefs die bisher beibehaltene
Schöifengerichtsverfassung mit einem Element zusammen, das für sie schliefs-
lich sehr gefährlich Averden sollte, dem territorialen Beamtentum, speziell dem
Amtmann als Vorstand des Amtsbezirkes.
Der Amtmann hatte als solcher, wenn er nicht nebenher Schultheifsen-
oder Vogtfunktionen versah, keinerlei gerichtliche Befugnisse. Aber er war
der allseitige Vertreter des Landesherrn im Amtsbezirk. Wie wenn ihm
der Landesherr seine schiedsrichterliche Thätigkeit für das Amt mehr oder
weniger übertrug? Schon seit der Wende des 12. und 13. Jhs. wurden, wie
wir sahen, vom Landesherrn der Zukunft Kommissionen und Einzelpersonen mit
dem Auftrage der Vorbereitung schiedsrichterlicher Erkenntnisse ins Land ge-
schickt^, vereinzelt finden sich auch Einzelpersonen direkt mit dem Schieds-
richteramt betraut^. Es lag nahe genug, diese letztere Befugnis im 14. Jh.,
mit der vollen Begründung der Amtsverfassung, für jedes Amt mehr oder
minder ausgedehnt dem betreffenden Amtmann zu überlassen, um so mehr,
als den Amtleuten für ihr Amt schliefslich die volle gerichtliche Vollziehungs-
gewalt ^ und die Verantwortlichkeit für die Thätigkeit der Schultheifsen als
Richter der Grundgerichte ^ zugeschoben wurde. Noch mehr aber mufste die
schiedsrichterliche Thätigkeit der Amtleute da in den Vordergrund treten, wo
sie gleichsam als landesherrliche Fiskale zu fungieren*^ und speziell das
Interesse der fürstlichen Unterthanen gegenüber Grundherren und Städten zu
vertreten hatten: wer ez auch daz den burgern und armen luten . . icht an-
Leute nach Kochern und Baldeneck vor den Amtmann, ebenso in Mittelgerichtssachen, die
Sponheimer nach Kastellaun. Jetzt wird nun die Gerichtsverfassung durch Vertrag zwischen
beiden Parteien vereinfacht. S. auch CRM. 5, 70, 1513; 88, 1524.
1) Vgl. dazu Honth. Hist. 2, 541.
2) S. oben S. 1325 Note 8, vgl. auch MR. ÜB. 2, 128, 1192; 2, 224, 1206; 2, 296,
1211—1212, cit. oben S. 178 im Text; MR. ÜB. 3, 669, 1239; Bd. 3, 68, 34, 1275; Arch.
Maximin. 2, 377, 1333, cit. Bd. 2, 654, Note 1.
3) MR. ÜB. 3, 486, 1233: Streit zwischen Himmerode und Udo sowie Heribert von
Waldeck. Der Erzbischof, der am Hof lager zu Boppard ist, diem partibus apud villam Urcige
constituimus, ubi scultetus noster E. de Minheim ex mandato nostro veniens . . rem perdux(it)
[als Schiedsrichter].
*) Speierer Amtsordnung 1470, § 43 : die Amtleute haben die Gerichtsexekution, auch
für Todestrafe, ohne vorherige Anfrage beim Fürsten.
^) Speierer Amtsordnung 1470, § 17: die Amtleute sind für frome erber redliche ver-
stendige Schultheißen und Schöffen in ihren Ämtern verantwortlich.
^) Speierer Amtsordnung 1470, § 18: die Amtleute sollen unfeile, bruche, dibstal und
andere mißhandelunge tragen und flißliche herfaren han, das die nit undergetruckt oder un-
gestraft hingelegt werden.
— 1331 — I>ie Landeshoheit]
lege . . , ez were gegen fuvsteii heireii ritteni knechten oder stetten, da sollent
die amptlute . . denselben alleniole furderlich und beholfen sin zu glichem
billigem lantleuligem rechten und ustrag, heilst es in § 4 der Sponheimer
Ordnung von 1437; und es wird fortgefahren, die Amtleute sollten die Sache
vor den Landesherrn bringen, falls ein gütlicher Austrag nicht gelänge. Hier
ist es keine Frage: neben den alten Grundgerichten des Amtes wächst eine
neue schiedsricliterliche Thätigkeit des Amtmanns heran, wie sich einst neben
den alten Landgerichten des* Reichs die schiedsrichterliche Thätigkeit des künf-
tigen Landeslierrn erhoben hatte. Und diese Thätigkeit mufste um so mehr
bis zur vollen Rechtssprechung erstarken, je weniger die alten personalen
Grundlagen der Grundgerichte vorhielten. Hier beruhte alles auf der Tüchtig-
keit der Schöffenbank. Aber die Schöffen fanden sich nicht in das neue, seit
dem 16. Jh. aufkonunende Recht und das schriftliche Verfahren; sie wurden
zudem in ihren Rechten, z. B. der Asylfreiheit \ vielfach beschränkt und an
zahlreichen Orten nicht mehr oder nicht blofs gewählt, sondern vom Gerichts-
herrn gesetzt oder auf Präsentation erkoren^. All diese Erscheinungen, wie
das langsame und schwerfällige Verfahren, mufsten die Bedeutung der Grund-
gerichte abschwächen, diejenige der einfachen und raschen Rechtssprechung
des Amtmanns erhöhen. Und so finden wir die letztere denn in Luxemburg
schon gegen Schlufs des 16. Jhs. durchaus überwiegend. Im WBerburg vom
J. 1595, § 6, heifst es: wiew^ol in allen der herschaft B. angehorigen dorferen
sonderliche meier und scheffen gesetzt sind, so haben doch dieselbige in keinen
anderen Sachen dan was marken und ihre heingedingte gepotten anlangt zu
erkennen, sondern werden alle actiones aufserhalb criminalsachen [d. h. alle
Mittelgerichtssachen] für dem ambtman und seinem lieisitz in dem pforthaus
gütlich und gerichtlich verhandelt; und kan der beschwerte teil von seinem
urteil, ob er wil, für die herschaft, auch von derselbigen an den hohen rat zu
Lützemburg appelliren^. Zugleich zeigt diese Stelle, welches schliefslich das
Schicksal der alten Grundgerichte war: sie wurden ihres spezifisch gericht-
lichen Charakters entkleidet, nur noch die alte Rechtssprechung des Mark-
dings verblieb ihnen*. In anderen Territorien verlief nun die Entwick-
lung fast noch rascher, wie in Luxemburg; in Trier speziell scheint die
Rechtssprechung des Amtmanns schon im Beginn des 16. Jhs. genauerer
1) S. z. B. oben S. 1056 Note 2.
2) Das gilt sogar für Städte wie Boppard, s. Bald. Kesselst. S. 215, 1330, cit. oben
S. 1051 Note 1 : vgl. auch Bd. 3, 483 No. 8 ii. 9, 1350.
3) Schon citiert oben S. 304 Note 2, auf S. 305.
*) Hierin beraht der Kern dessen, was Stölzel S. 364 ff. über die späteren Rügegerichte
beibringt. Die Kompetenz dieser Gerichte beruht nicht auf einer neuen Bildung, sondern
vielmehr auf dem Umstand, dafs den üntergerichten nach tJbergang der politisch-gericht-
lichen Funktionen an die Amtleute noch immer die Kompetenzen ihres alten autonomen , nur
lange Zeit mit dem politischen Gericht verquickten Wirtschaftsgerichtes bleiben mufsten.
Vgl. dazu die Auseinandersetzungen oben S. 269.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1332 —
Ordnung unterzogen zu sein^ Später bemerkt dann Moser, Trier. Staats-
recht S. 200, allgemein von der Trierer Gerichtsverfassung: in denen Stätten
ist ein Schultheis oder Vogt und ein Gericht wenigst von 7, an vilen Orten
aber von 14 Schöffen; ingieichen eine von Churfürst Franz Ludwig (1716 — 1729)
angeordnete Amtliche Verhör von 4 Personen, nemlich einem ritterbürtigen
Amtmann, einem Amtsverwalter, Kellner und Schultheifsen ; und haben die
gemeine Unterthanen und Burger in erster Instanz die Wahl, ihre Klagen und
Nothdurft an ein- oder dem anderen Ort anzubringen^.
Es ist indes nicht unsere Aufgabe, diese Übergänge der Rechtssprechung
aus den mittelalterlichen Schöffengerichten an das territoriale Beamtentum der
späteren Zeit genauer zu untersuchen: stellen wir nur fest, dafs Anfänge in
dieser Richtung schon am Schlüsse des Mittelalters völlig zu Tage liegen und
sich genügend stark betont zeigen, um die später erfolgende Umwandlung der
Gerichtsverfassung auch ohne tiberwiegende Inanspruchnahme der Rezeption
des römischen Rechts zu erklären.
Und so ist denn die Bahn, auf welcher sich die Entwicklung der terri-
torialen Gerichtshoheit bewegt, schon im Mittelalter klar erkennbar vorge-
zeichnet: Entwicklung schiedsrichterlicher Thätigkeit in der Zentralstelle wie
in den unteren Verwaltungsstellen, Umgestaltung derselben zur Rechtssprechung
und Aufsaugung der Jurisdiktion der älteren Gerichtsverfassung durch diese
Rechtssprechung, in der Zentralstelle direkt, in den unteren Verwaltungsstellen
(Ämtern) nach lokaler Anpassung der alten Gerichtsverfassung an diese Ämter.
Weniger bedeutsam, als die Entwicklung der Gerichtshoheit, verläuft die
Entfaltung der landesherrlichen Finanzhoheit während der letzten Zeiten des
Mittelalters. Man hatte sich allerdings auch hier, wie innerhalb der Gerichts-
verfassung, aus einem bunten Wirrwarr von Einzelfunktionen zu bestimmterer
Einheit emporzuarbeiten : das allgemeine Ziel der Zentralisierung war in beiden
Fällen das gleiche. Allein während auf dem Gebiete der Gerichtsverfassung
die Hindernisse nur in dem Chaos der alten Einrichtungen an sich lagen, kam
bei der Finanzverwaltung noch die Unmöglichkeit hinzu, sich aus den Fesseln
jenes langsamen Übergangs von der Natural- zur Geldwirtschaft zu lösen,
durch welchen die Vielheit der Erhebungsarten, die Mannigfaltigkeit der
finanziellen Quellen, kurz der ganze Charakter des bisherigen Verwaltungs-
systems zum guten Teil unabänderlich bestimmt schien. So konnte es nur
darauf ankommen, die alten Bezugsrechte thunlichst zu vereinfachen und zu
unifizieren, und wenn möglich, neben ihnen allein auf Grund der Landeshoheit
neue Finanzquellen spezifisch geldwirtschaftlicher Art zu entwickeln. In diesen
beiden Richtungen bewegt sich die finanzielle Thätigkeit der spätmittelalter-
lichen Landesherren.
1) Hierauf läfst § 28 der Trierer Kellnereiordnung von 1509 schliefsen. Die Trierer
Amtsordnung von 1574 ergiebt dann schon sehr ausgedehnte Jurisdiktionsbefugnisse des Amt-
manns. Vgl. auch WBischofsdrohn 1560 § 5; Scotti, Chur-Trier 1, 568, 1597; 716, 1688; 717,
1688; und unten S. 1397 f.
^) Auch die diesem Satze noch lolgenden Nachlichten bei Moser sind sehr lesenswert.
— 1333 — Die Landeshoheit.]
Der alte Bestand finanzieller Bezüge innerhalb des Territoriums erfiol's
aus der Grundherrschaft in Donianialrevenüen ; aus der Vogtei in Beden und
bald nahezu grundherrschaftlich charakterisierten Rechten, von denen die ersten
unter dem sich stetig aufdrängenden Zug der Radizierung standen und von
ihm nur mit Mühe und auf dem Wege der Erpressung freigehalten werden
konnten^; ferner aus lehnsherrlichen Einnahmen, Lehnwaren u. dgl. Alle
diese Rechte, speziell diejenigen der Vogtei und der Gmndherrschaft, suchte
man nun zu unifizieren; im wesentlichen dadurch, dafs man die gnmdherr-
lichen Einnahmen soweit als möglich im Sinne indirekter Steuern entwickelte,
sie in dieser Form von der nunmehr in Regie oder in reiner Pacht betriebenen
Verwaltung des Domaniums loslöste, und ihnen die vogteilichen , meist zu
grundherrlichem Charakter entwickelten Abgaben anschlofs^. Dabei war es
dann vor allem das Bestreben, die eigentlichen Grundzinse und Renten rein
privatrechtlichen Charakters in den Hintergrund zu stellen, dagegen die grund-
bezw. vogtherrlich entwickelten indirekten Abgaben besonders zu betonen. So
fliefsen z. B. schon nach dem Luxemburger Urbar aus dem Beginn 14. Jhs.
die Haupteinnahmen der Luxemburger Grundherrschaft bezw. Vogtei nur aus
Bede und aus Bannwein, Zoll, Abgaben von Bannöfen, Bannmühlen, Bann-
walkereien, Bannbrauereien, aus Dem und Landrecht, aus Aus- und Ein-
weisungsgeldern, Erlaubnisgeldern fiir Fischerei, Jagd u. a. m. Der Erfolg
dieser langsam vor sich gehenden Umwandlung war schliefslich ein bedeutender ;
das Domanium wurde frei für eine rationelle Eigenwirtschaft oder ein ver-
ständiges Verpachtungssystem, und die alten grundherrlichen und vogteilichen
Abgaben konnten in Vereinfachung und Zentralisierung einer heilsamen Reform
unterworfen werden.
Handelt es sich bei den finanziellen Rechten, welche auf halbstaatlicher
Gewalt beruhen, wesentlich um Vereinfachung der alten Einnahmen und ihrer
^) S. das in dieser Hinsicht ausgezeichnet charakterisierende c. 126 der Stat. synod.
1310, Blattau 1, 146: circa quaestas collectas seil tallias sciendum est, quod, si dominus in
concessione rei suae instituit, quod possit talliare homines et colonos, hoc licite facere potest;
imo colonus de hoc aliquid ex certa scientia retinens vel subtrahens vel Celans ad restitu-
tionem tenetur, dum tarnen antiqua et solita tallia fiat et talis etiam, quae scitur et probahi-
liter creditur, quod ab initio ex iusta causa fuerit imposita. verumtamen si non fuerit dic-
tum, quota tallia fiat, sed in concessione rei fuit indeterminate dictum, quod dominus in tali
homine vel cassamento possit talliam facere, intelligendum est de moderata tallia considerata
hominis facultate et cassamenti qualitate. si vero dominus immoderate extorsit, debet ad re-
stitutionem per sacerdotem induci; sed si colonus non exactus tacite vel expresse ahsque
domini dolo et fraude aliquid ultra domino offert, dominus gratis recipiens restituere non
tenetiu". secus tarnen est, si violenter aut minis vel terroribus extorsit. quodsi forte ipse
et eins praedecessores tot exegerint ab hominibus suis, quod si venderet quidquid haberet
restituere non posset, tunc consulat ei sacerdos, ut remittat hominibus in recompensationem
aliquam servitutem vel aliquos census , ad quos ei forte tenentur, vel concedat eis aliquam
libertatem vel constniat hospitale vel aliquid aliud pium agat cum consensu damna passorum
seu successonim illoiTim.
2) S. dazu oben S. 1257.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1334 —
Erhebung, so bedurfte es bei den Rechten, welche aus der Übertragung von
Reichshoheit ei^ossen, vielmehr einer Anpassung und Erweiterung. In diesem
Sinne wurden hauptsächlich die Regalien behandelt, weniger die alten an die
Territorien übergegangenen Grafenrechte, welche schon früh grundherrschaftlichen
bezw. vogteilichen Charakter angenommen hatten^. In welcher Weise man
mit den Regalien verfuhr, ist schon oben S. 1276 f. erörtert worden: man
brachte zum erstenmal ihren Charakter voll, bis in die lokalen Verhältnisse
hinein zur Anwendung und scheute dabei den Kampf weder mit Markgenossen-
schaften noch mit Grundherrschaften und Städten ; höchstens dafs man ihnen
die finanzielle Ausnutzung einzelner Regalien unter landesherrlicher Aufsicht
überliefs ^. Der allgemeine Erfolg dieses Vorgehens aber spricht sich darin aus,
dafs die Regalien am Schlüsse des Mittelalters im Gegensatz zu den halb-
privatrechtlichen indirekten Steuern aus Grundherrschaft und Vogtei als die
eigentlichen öffentlich-rechtlichen indirekten Steuern des Territoriums erscheinen.
Zu diesen indirekten Steuern kamen nun aber noch direkte Landes-
steuern : eben auf diesem Gebiet liegt eine folgenreiche Erweiterung der terri-
torialen Finanzhoheit im späteren Mittelalter vor, welche um so bedeutungs-
voller war, als sie durch die gewöhnlichen Schäden der frühmittelalterlichen
Finanzverwaltung, namentlich die Privilegierung zu Steuerfreiheit, nur wenig
mehr beeinträchtigt wurde ^. Ausgehend von dem Gedanken landesherrlich-
vogteilichen, wenn man will auch gerichtsherrlichen Schutzes*, entwickeln die
1) Zu den Grafenrechten s. oben S. 168, ferner Waitz, Yfg. 7, 25 f., 47, 420 f.; 8, 393.
2) S. CRM. 3, 466, 1360, cit. oben S. 319 Note 3; auch Scott! , Chur- Trier 1, 272,
1527, Kompetenzregelung zwischen Schultheifs und Schöffen bezw. Bürgermeister und Rat in
Koblenz, § 3 : das der landesherrlichen Obrigkeit unmittelbar zuständige Aichungs-Recht des
trockenen und nassen Mafses und des Gewichtes soll vom landesherrlichen Schultheiss und
Scheffen ausschliefslich unter Zulassung des zeitlichen Bürgermeisters als blofsen Zuschauers
ausgeübt , jedoch die Mafsen, Kannen und Ellen [Normalmafse] beim Bürgermeister und Rat
hinterlegt werden und bleiben.
3) Es kommen zwar auch jetzt noch Privilegierungen und Reduktionen vor, s. z. B.
Goerz, Regg. der Erzb. z. J. 1319 Juli 14-, Bd. 3 No. 223, 1409; No. 237, 1450; im all-
gemeinen aber werden Steuernachlässe nur aus besonderen wirtschaftlichen Gründen und auf
Zeit gewährt, s. z. B. CRM. 8, 21, 1304: K. Albrecht befreit die Bopparder Bürgerauf
1^|2 Jahr a solutione sture et exactionis cuiuslibet; und namentlich Honth. Hist. 2, 373,
1427 : da unsere stat zu Cochme lange zit und noch hude bi tage gelüden haint und lident,
und besunder wan die pestilence und sterben also sterkehch und schedelich dieselbe stat
geschwechet hant, daß wir vergenklichkeit derselber stede . . versoriet hain, so verleiht ihr
der Erzbischof auf 10 Jahre Steuerfreiheit. Zu landesherrlichen Steuemachlässen und -Be-
freiungen s. auch noch- oben S. 604 Note 2, und Bruder S. 79 f.
*) Ritter S. 15, wie v. Below S. 25 bezeichnen die Bede allgemein als öffentliche, auf
Grund von Gerichtsbarkeit erhobene Abgabe. Dies trifft in dieser Allgemeinheit nicht zu;
es giebt z. B. auch grundherrliche Bede. Doch kann man die oben besprochene Bede wohl
als gerichtsherrliche bezeichnen, insofern Vogtei und Gerichtsherrlichkeit im Rahmen der
Landeshen-lichkeit in einander übergingen, s. oben S. 1135, 1258, 1260, 1268. S. auch
UErzstift No. 8, lo; 12, 9; 13, 57, 14, 2; 20, 3; vgl. 44, 5; 46, 3; und ferner zur Vorgeschichte
dieser Steuer oben S. 1027 f.
— 1335 — I^ie Landeshoheit]
Landesherren für diejenigen Teile des Territoriums, welche ihnen direkt unter-
stehen, also nicht den Ständen angehören, eine rohe Vermögens- oder Ein-
konmiensteuer , welche sich im Erzstift Trier seit Mitte des 13. Jhs. nach-
weisen läfst\ um diese Zeit indes schon allgemein verbreitet und herkömmlich
gewesen zu sein scheint^. Der Form nach erscheint die Steuer als Bede,
entsprechend ihrer vornehmlich vogteilichen Begründung; in den geistlichen
Territorien scheint sie sich im Erhebungstermin gern an die hergebrachte
Hebungsart der Kathedralsteuer angeschlossen zu haben ^. Diese Bede war
ganz allgemein sehr einträglich* und bedingte — abgesehen von aufser-
ordentlichen Mitteln, wie z. B. der materiellen Inanspruchnahme der Juden
vornehmlich bis zur Mitte des 14. Jhs. — recht eigentlich den Fortschritt
der Territorialfinanzen zu geld wirtschaftlicher Behandlung, da sie im Gegen-
satz zu vielen anderen indirekten Abgaben der Regel nach in Geld erhoben
wurde. Zugleich bildete sie gegen Schlufs des Mittelalters wohl das Rückgrat
des gesamten Landesbudgets, da man auf ihr Einkommen in veranschlagter Höhe
mit ganz anderer Sicherheit rechnen konnte, wie auf den gleichwertigen Ein-
gang von Naturalintraden. Ihrem geldwirtsehaftlichen Charakter entsprechend
1) S. G. Trev. Cont. 5, MGSS. 24, 409, um 1250, zm^ Belagerung von Arras durch Erz-
bischof Arnold: ecclesie quoque et civitates diocesis Trevirensis de mandato domini pape
voluntarium sibi subsidium impenderunt; immo plures ex eis sepe, cum necessitas incubuit,
in auxilium personaliter advenerunt. Vgl. auch G. Trev. c. 184: Erzbischof Heinrich (1260
bis 1286) metas iurisdictionis ecclesie Trevirensis fidiicialiter dilatavit ac totam provinciam
suis temporibus feliciter gubernavit. Im c. 185 heifst er vir . . prudentissimus in acquirendo
transitorias huius mundi facultates, et omni carens religionis disciplina . . clerum et religiosos
semper habuit exosos .... quasdam exactiones fecit fieri per omnes villas sibi subiugatas;
et maxime a ludeis sub sua defensione constitutis, quos ipse specialiter protexit, thesamimi
infinitum extorsit. Sehr eigentümlich ist WPrüm 1640, G. 3, 835: wan m. gn. her [von
Prüm] gelts not het, so ist ieder bürger ihm schuldig zu lehnen 2 s.; und so m. gn. h.
solches gütlich widerumb gibt, so mag [er] ihm mehr lehnen.
^) S. Ces. Heisterb. Dial. mai. 2, 8: quidam episcoporum tarn graves in plebem sibi
subiectam hodie faciunt exactiones, sicut personae seculares. isti sunt ficus malae, malae
valde. valde timendum est talibus, ne sibi cathedras praeparent iuxta sedem usurarii in in-
ferno, quia usura et exactiones violentae nil aliud sunt, nisi praedationes et rapinae.
^) Honth. Hist. 2, 365, 1419, Urkunde Erzbischof Ottos: wan und welche zit wir
voUest in unserm stifte und lande heischen und legen, als über das dritte jähr gewonlich ist,
so ^Mlllen wir von unsere burger der stede zu Monthabur nit me heischen zu iglichen vollest
dan echt hundert guder silberner Rinischer gl., der sie alle jar binnen der vier jaren uf sent
Martins tag zweihundert geben und hantreichen sullen. Hieraiit vgl. man Lac. ÜB. 1, 173,
268, 1106; Blattau, Stat. synod. 1, 7, 1155. Im Gegensatz zur vierjährigen Bede wird dann
die gmndheiTliche Bede wohl auch exactio annualis genannt, s. Bd. 3, 407, is, 1328.
*) In der terre de Kulant des ULuxemburg S. 388 beträgt die Gesamteinnahme 123 Ib.
6 s. Turonenses, 103 mo. Roggen, 142 V2 mo. Hafer, 17 Hühner, 7 Kapaune, 6 Schweine,
3 Ib. Wachs; davon kommen auf die Taille 116 Ib. Turonenses, 21 mo. Roggen, 41 V2 mo.
Hafer; d. h. mindestens *k der Einnahmen. Reuland war ein Schlofs — das Ganze ein
kleines Amt. Das ist nun allerdings im Vergleich mit sonst sehr hoch. Doch vgl. auch UStift
S. 398, Irsch und Serrig; *USElisab. Hosp. Bl. 54 a; Bd. 3 No. 288, 1328; U2Mettlach
S. 191. 1329.
[Entwicklimg der Landesgewalt. — 1336 —
spielten die landeshenlichen Städte bei ihrer Aufbringung die gröfste Rolle ^;
der Eintlufs, welchen diese Städte später unter den Landständen erhalten,
wird nicht zum geringsten auf die Thatsache zurückzuführen sein, dals ihr
namhafter Beitrag zur Landesbede die Fürsten zu besonderer Rücksichtnahme
auf ihre Wünsche veranlassen mul'ste^.
Neben der allgemeinen Landesbede gab es nun in den geistlichen Terri-
torien mindestens schon seit dem 13. Jh. eine weitere direkte Besteuerung
wenigstens des Klerus, von welcher bereits oben S. 1283 f. gesprochen ist,
die Subsidienbesteuerung. Diese Besteuerung, in ihrer Einführung schon
früh durch päpstlichen Einflufs unterstützt und auch später mit Hilfe des-
selben besonders für aufserordentliche Fälle erhöht und aufrecht erhalten^,
verlor indes in Trier ihre Bedeutung wohl schon seit Mitte des 14. Jhs.
und sicher im Laufe des 15. Jhs.^; namentlich wurde ihre Höhe im Ver-
hältnis zu den Gesamteinnahmen des Territoriums immer geringer^. Um so
wichtiger war es, dafs ihre Veranlagung vermutlich als Vorbild der ständischen
Besteuerung diente^, welche vom 14. Jh. ab einen immer gröfseren Einflufs
auf die Entwicklung der territorialen Finanzen erhielt.
^) S. Hontli. Hist. 2, 143, 1340: die precaria seu stura zu Neustadt am Speierbach wird
auf 100 Ib. hl., die cisa vulgariter dicta ungelt ebda, auf 72 Ib. hl. jährlich berechnet. S.
ferner Bd. 3, 454, 33, 1344; und Honth. Hist. 2, 365, 1419, cit oben S. 1335 Note 3.
2) Über die finanzielle Bedeutung der landesfürstlichen Städte für die Territorialver-
waltung im allgemeinen s. Bruder S. 11 f.
3) S. G. Trev. Cont. 5, MGSS. 24, 409, um 1250, cit. oben S. 1335 Note 1; femer
wird Honth. Hist. 2, 88, 1314 eine päpstliche Urkunde für Erzbischof Balduin erwähnt mit
der Erlaubnis, 10000 Ib. auf die Trierer Kirche zu erheben. Vor allem aber vgl. Honth. Hist.
2, 457, 1472. Zur Möglichkeit dieser päpstlichen Einmischung vgl. MR. ÜB. 1, 368, 1069;
592, 1155.
^) Von einer letzten grofsen Auffrischung erzählen die G. Trev. c. 276: Erzbischof
Jacob (1439 — 1456) war ein unzuverlässiger schlauer Geschäftsmann, extorsit maximam sum-
mam imponendo subsidia. Nach Note d. ex ms. bei Wyttenb. u. Müller 2, S. 326 dissidium
cleri et civitatis componit persuadetque clero auxilium charitativum , salvo iure libertatis et
exemptionis eorum ab omni vectigali. sie consensit clerus in tributum sexannale pro vino
vendibili pendendum civitati; sed observatum est postea, hac re plurimum imminutam [so
statt immunitam] esse cleri liberatem, dam rapiebat fiscus, quod non accipiebat Christus.
'-) S. oben S. 1284.
^) Wenigstens wurde das Subsidium auch durchaus auf die einzelnen geistlichen In-
stitute als Ganzes, nicht auf die Pertinenzen der Institute veranlagt, s. Bd. 3, 437, 20 f.,
1339, und namentlich Honth. Hist. 2, 39, 1309: der decanus ecclesie sancti Florini in Con-
fluentia, collector subsidii . . Baldevini . . archiepiscopi in partibus inferioribus , hatte von
der Kirche von Hönningen, welche dem Stift SSimeon inkorporiert war, das Subsidium ver-
langt; er erklärt jetzt: cum ratione subsidii dictae ecclesiae de Hoingen non soluti una cum
collega nostro sententiam excommunicationis suspensionis interdicti in dictam ecclesiam de-
canum et capitulum praedictos ac vicepastorem eiusdem promulgaverimus ac diligenti inqui-
sitione posthabita et investigatione nobis sit facta fides, dictos decanum et capitulum sicut
alias conventuales ecclesias unica solutione subsidii ipsis in ipsorum ecclesiam impositi super
universis beneficiis et ecclesiis eis incorporatis exoneratos esse debere, sententias praed. in
persona« decani et capituli praed. ac ipsorum nomine in ecclesiam de Hoingen praed. latas,
— 1337 — I>ie Landeshoheit.]
Wie schon oben bemerkt wurde, traf die landesherrliche Bede nur die
direkten landesherrlichen, nicht die ständischen Unterthanen^ Diese That-
sache nnii'ste um so mehr als Unrecht empfunden werden, je mehr das Terri-
torium an staatlichen Leistungen für alle Landeseingesessenen aufzuweisen begann,
und je deutlicher der Einflufs der Stände auf die Landesregierung sichtbar wurde.
Wie der Klerus als Berater des Erzbischofs zu Zahlungen für das Stift her-
angezogen worden w^ar, so wurden nunmehr auch die Stände auf Grund ihres
Beratungsrechtes zu Leistungen verpflichtet; neben die Subsidien, welche der
Klerus als geistlicher Stand zahlte, traten die ständischen Beiträge von
Bürgertum und Ritterschaft. Und so ergiebt sich denn am Schlufs des Mittel-
alters eine zwiefache direkte Besteuerung des Territoriums, die der landes-
herrlichen Unterthanen in der Bede, und die der Stände in den ständischen
Beiträgen und Subsidien: eine Besteuerung, welche beiderseits nicht über die
Anfangszeit der volkswirtschaftlichen Revolution der Stauferzeit hinaufi-eicht
und als geld wirtschaftlich in Gegensatz tritt zu den indirekten, aus grundherr-
schaftlichen, vogteilichen und altstaatlichen Rechten hergeleiteten Auflagen
meist naturalwirtschaftlichen Charakters.
Wie sich aber auf finanziellem Gebiete noch am Schlüsse des Mittel-
alters in den bestehenden Steuerverhältnissen deutlich genug die verschiedenen
Strömungen halbstaatlicher, einst reichsrechtlicher, und endlich neuerdings be-
gründeter landeshoheitlicher Gewalt unterscheiden lassen, auf welchen die ein-
zelnen Landeseinnahmen beruhen — nur dafs je länger je schärfer und
umfassender der Einflufs der Landeshoheit hervortritt — : so ist das auch auf
dem Gebiete der Landesverwaltung der Fall: auch hier eine Entwicklung der
Verwaltungshoheit, welche ursprünglich an Grundherrlichkeit, Vogtei wie auch
Lehnsherrlichkeit anknüpft, dann die vom Reiche überkommene Verwaltungs-
macht ausbeutet, schliefslich aber sich immer mehr auf eigne Füfse stellt.
Die Punkte, in welchen sich die erwachsende administrative Gewalt des
Landesherrn in der Ausnutzung halbstaatlicher Kräfte ausbildet, sind schon in
Teil 1 dieses Abschnittes besprochen; ebenso ist auf S. 1277 die Bedeutung
der Reichsgewalt für die Entwicklung der territorialen Verwaltungshoheit ge-
streift worden. Es ergab sich da, dafs namentlich die administrative Aus-
beutung der Regalienrechte von Wichtigkeit war; so entwickelte sich bei
energischerer Ausbildung der Landesgewalt aus dem Markrecht ein allgemeines
landesherrliches Oberaufsichtsrecht über die Landesstädte und deren Ver-
fassung, aus Zoll- und Acciserecht die Oberaufsicht und rechtskräftige Be-
willigung von partikularen Bannrechten und Monopolen wie von kommunalen
quas praesentibus revocamiis et annullamus, revocatas et annullatas publice nuntietis senten-
tiis in vicepastorem dictae ecclesiae impositis siio robore diiraturis. — Freilich hatte man
auch im Reich schon einmal unter Heinrich V. den Versuch gemacht, eine allgemeine, wohl
auf die selbständigen Gewalten zu repartierende Steuer einzuführen, s. Waitz, Vfg. 8, 400.
*) S. noch Berg. Landr. 48, Lac. Arch. 1, 99.
Lamprecht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 85
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1338 —
Steuern namentlich indirekter All ^ , aus dem Geleitsrecht eine allgemeine
Polizeihoheit über das platte Land mit der Konsequenz der Aufstellung einer
Landgendarmerie ^ und einer Regelung der Verhältnisse fahrender Leute ^,
aus dem Bodenregal endlich ein durchgreifendes Aufsichtsrecht über alles Öd-
land wie auch über die grofsen Wälder des Territoriums*.
Allein über diese Rechte, wie sie noch aus alten Wurzeln der sich bil-
denden Landesgewalt abgeleitet werden können, spannte sich nun immer
kräftiger der einheitliche, in sich abgeschlossene, für sich bestehende Begriff
einer landesherrlichen Verwaltungshoheit, ein Begriff, dessen Wichtigkeit ohne
weiteres aus dem Umstände erhellt, dafs auf ihn schon seit Schlufs des
15. Jhs. ein umfassendes landesherrliches Verordnungsrecht konstruiert wurde,
aus dessen unablässiger praktischer Anwendung seit etwa Mitte des 16. Jhs.
dei' territoriale Absolutismus erwuchs.
Diese Verwaltungshoheit konnte nun schon im Mittelalter geltend gemacht
werden gegenüber den Markgenossenschaften und den Grundherrschaften, den
beiden grofsen Verfassungsinstituten des platten Landes, und gegenüber den
Territorialstädten. In der Tliat sind die Landesherren in allen drei Rich-
tungen vorgegangen. Hiei- aber interessiert zunächst nur die Entwicklung
ihrer Thätigkeit gegenüber den Markgenossenschaften, denn Grundherrschaften
und Städte waren zugleich Stände des Landes, so dafs eine Schilderung der
Einwirkung der Landeshoheit auf sie dem zweiten Absatz dieses Teiles, der
Darstellung des gegenseitigen Verhältnisses von Landeshoheit und Stände-
autonomie, vorbehalten bleibt.
Im Verhältnis der Markgenossenschaften zur Landeshoheit aber ist im
wesentlichen wieder nur von den Dorfmarkgenossenschaften zu red^n, einmal,
weil gegen Schlufs des Mittelalters der gröfste Teil der alten Markgenossen-
schaften schon in Dorfgemeinden zerfallen war, dann aber, weil die Landes-
regienmgen alle besonderen markgenössischen Bildungen der Vergangenheit,
soweit sie individuell geformt waren, zu Gunsten weniger Typen zu beseitigen
suchten ^, ein Bestreben, welches die landesherrliche Begünstigung und wirkliche
Überhandnähme der Dorfgemeinde als des einfachsten Typus sehr begreiflich
macht.
In der Dorfgemeinde also und im Verhältnis der Gemeinden zu einander
vor allem wirkte sich die neue landesherrliche Verwaltungshoheit aus.
Dabei war die Form, in welcher das im Verhältnis der einzelnen
Gemeinden zu einander geschah, sehr einfach; sie ist uns auch schon aus
1) Vgl. Bd. 3 No. 200, 1364; No. 252, 1471; s. auch v. Maurer, Dorfvf. 1, 364 f.
2) S. oben 8. 1302 Note 2.
3) S. die Bettlerordnung von 1533, Blattau 2, 81; Scotti, Chur-Trier 1, 298.
*) S. oben S. 90, 108, 139 Note 7, 506, 507 f.; vgl. auch unten S. 1346 Note 7 und
S. 1356 Note 5. Am Schlufs des INIittelalters artete das Aufsichtsrecht der Wälder sogar schon
in Wildbahneinforstungen aus, s. oben S. 113.
">) S. oben S. 274-5.
1339 — I>ie Landeshoheit.]
der Entwicklung lanclesheiTlicher Gerichtshoheit bekannt ^ : der Landesherr be-
anspruclite /Ainächst das Schiedsrichteranit bei allen Streitigkeiten der Dörfer
untereinander, besonders wenn es sich um AUnienderechte handelte, und zog,
nachdem dieses Schiedsrichteramt gebräuchlich geworden war, alle auf diesem
Gebiete entstehenden Differenzen entsprechend dem auch sonst beliebten Ver-
fahren vor den Hofrat bezw. das Hofgericht. So wurde denn schliefslich das
Hofgericht kompetent für interkommunale Prozesse.
Viel wichtiger war es indes, der Verwaltungshoheit innerhalb der Verfassung
der einzelnen Dorfgemeinden selbst Platz und Gehör zu verschaffen ^. Hier kam
es vor allem darauf an, die autonomen Vorstände, Zender, Heimburgen, Bürger-
meistei-, daran zu gewöhnen, sich als landesherrliche Beamte anzusehen, sowie
gleichzeitig ihre von alters her festgehaltene Bedeutung für die Gerichts-
verfassung zu mindern. Das zw^eite Ziel w^urde dadurch erreicht, dafs man
diesen Beamten thunlichst jede exekutorische Funktion benahm^, das erste
dadurch, dafs man ihnen und dem ihnen unterstehenden autonomen Verwal-
tungskörper eine besondere fides publica von Landes wegen, namentlich durch
Verleihung eines Siegels, beilegte*. So kam es, unter dem gleichzeitig wir-
kenden bedeutsamen Einflufs der Vorstellung einer vollen Unterthanenschaft
unter dem Landesherrn, dazu, dafs schon am Schlüsse des Mittelalters die
alten autonomen Behörden der Markgenossenschaften sich als landesfürstliche
Beamte fühlten und wenige Generationen später geradezu als solche bezeichnet
wurden: im Kurfürstentum Trier werden schon gegen Schlufs des 15. Jhs.
Zender ohne w^eiteres vom Landesherrn ernannt^, und in der Einleitung der
Trierer Amtsordnung vom J. 1574 spricht der Kurfürst von allen seinen
burgemieistern, räthen, heimburgen, geschw^orn usw.
Mit der Inkorporation der Gemeindebehörden in das Landesbeamtentum
aber ging notwendig die Kreierung eines Oberaufsichtsrechtes über die Ge-
meindeverwaltung Hand in Hand. Lendesherrliche Beamte wohnten der
Weisung des alten Gemeinderechts bei ^, zu deren eventueller Erzwingung sich
der Landesherr für berechtigt hielt ^; landesherrliche Beamte griffen in das
markgenössische Einungs-(Straf-)recht ein ^ ; speziell aber wairde die kommunale
Finanzverwaltung unter landesherrliche Kontrolle gestellt^. Die Folge der
1) Vgl oben S. 1325 f., s. auch oben S. 274, und noch Bd. 3 Ko. 249, 1469.
2) Zum folgenden vgl. auch v. Maurer, Markenvf. S. 95 f.; Dorfvf. 2, 163 f., 172 f.
202 f.
3) S. oben S. 220 f.
4) S. z. B. Bd. 3 No. 175, 1347.
5) S. Bd. 3 No. 268, 1495, dazu S. 1008 Note 4, auch v. Maurer, Dorfvf. S. 275.
6) S. WWiebelsheim 1498.
') S. Bd. 3 Xo. 261, 1479.
8) S., WBischofsdrohn 1550 § 8, cit. oben S. 308 Note 2.
^) Speierer Amtsordnung 1470 § 3: ein jeder Amtmann sol dabi und mit sin, die
dorfrechnung jerlichs geschee in iedem dorf sins ampts, und wes sich erfindt unnutzlich uß-
85*
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1340 —
letzten ^lafsregel war dann ein von Generation zu Generation erweitertes Ver-
tiigimgsrecht des Landesherrn über den Gemeindegnmdbesitz, die Allmende^.
Ein solches Verfügungsrecht, in der Grundherrschaft und auch in der Vogtei
auf Grund von Markherrlichkeit ganz gewöhnlich, konnte nun freilich im Be-
reich der Landesgewalt aufserdem bemhen und beruhte gewifs in vielen Fällen
auf alter Immunität und aus ihr erwachsener Hochgerichtsbarkeit des Landes-
herrn^. Allein neben diesen Entstehungsgründen tritt doch seit Beginn des
13. Jhs. immer deutlicher ein besonderes landesherrliches Verfügungsrecht zu
Tage. Schon mit der Entstehung eines territorialen Befestigimgsmonopols
fiir den Fürsten im Beginn des 13. Jhs. war ein starker Anlafs zum Eingriff
in die Allmenden gegeben^; jede Dorfbefestigiing auf Gemeindeboden war jetzt
vom Landesfürsten abhängig. Sehr verschärft wurde aber dieser Einflufs
durch die Reichsschlüsse von 1291, welche, noch auf Grund der alten An-
schauung vom königlichen Bodenregal, den Landesherren wesentliche Rechte
gegeniiber den Allmenden übertrugen*. Gleichwohl findet sich noch im 14. Jh.
hier und da eine Reaktion der alten markgenössischen Autonomie gegen das
landesherrliche Verfügimgsrecht ^, ehe sich dasselbe etwa seit der zweiten
Hälfte des 14. Jhs., wesentlich unterstützt durch die Auffassung des Fürsten als
landesherrlichen Vogtes und einer ihm als solchem zustehenden Markherrlich-
keit ^, völlig Bahn brach. Wenig später freilich finden wir dieses Verfügungs-
recht weithin ausgebildet; der Landesherr weist Fremde, namentlich seine
Beamten, in die Nutzung der Allmenden ihres Aufenthaltsortes ein ^ ; er regelt
Genufs und Bebauung der Marken^; ja er gewährleistet schliefslich den Ge-
gaben und uncostens geschiecht, das sollichs abgestalt und aller uncoste vermitten werde^
und was den dorfern und armen luten zu gute kommen möge, daran zu sin daß es geschee,
es si liep oder leit, und das die armen lute ire sachen vorderlicli ußrichten und nit verharren
darin mit costen.
1) S. zum folgenden auch Ritter S. 739.
2) S. oben S. 256 if.
3) S. oben S. 1270 f., speziell S. 1272 Note 2, vgl. auch Bd. 3 No. 253, 1471 (das
dort genannte Dorf Merl ist nicht erzstiftisches Domaniiun , s. Bd. 2 , S. 175 — 6), und Bd. 3
No. 276, 1501.
4) 8. oben S. 108, 288.
•5) S. z. B. CRM. 3, S. 249, 1326, cit. oben S. 387 Note 2; s. auch S. 295.
6) Darüber vgl. oben S. 1261, auch v. Maurer, Dorfvf. 1, 71 ; Fronh. 3, 1 f., 9 f.
') S. Bd. 3 No. 224, 1409; No. 262, 1482; Scotti, Chur-Trier 1, 642, 1663. Vielleicht
gehört hierher schon Arch. Clervaux 110, 1320, Urkunde Johanns von Böhmen und Luxem-
burg: volentes Henkinum dictum Fakeler de Mullendorf villicum nostrum in Steinsei propter
fidelia et utilia sua servitia, quibus nobis hactenus complacuit, prerogativa specialis gratie
prevenire, ipsum et heredes suos ab omnibus servitiis illis , ad que de bonis suis , que in
Kobstal et alias ubicunque exnunc obtinent, tenebantur et astricti fuerant hucusque, liber-
tamus, volentes eos huiusmodi bona sua, participando tarnen in campis et pascuis, sicut hac-
tenus consueverunt a servitiis ut premittitur possidere et tenere libera et exempta.
^) Speierer Amtsordnung 1470 §11: die amptlude sollen auch fliß tun, wie die dorf
an iren almenden oder sust mit schulden zinsen oder gulten besweret sin entlediget, auch
1341 I^ie Landeshoheit]
nieiiKieii ihr Allineiideeigeiituiu \ eine RechtshandlLiiig , welche die al)Solute
Veifiiguiigsfreiheit des Landesherrn über die Alhnenden vorauszusetzen scheint ^.
In einem Falle aber läl'st sich sogar ein weit über die landesherrlichen
Allnienderechte hinausreichender Eingriff des Landesherrn in die private Yer-
fügungsfreiheit des Einzelnen über seinen Grund und Boden nachweisen, l^ehufs
Sicherung der Leistungsfähigkeit von Grund und Boden für territoriale Zwecke.
Nach § 12 der Speierer Amtsordnung vom J. 1470 sollen nämlich die Amtleute
darauf achten, dafs die Güter nicht an von Landbede und Landsteuer Freie
veräussert und nicht mit Zinsen überlastet werden. Das ist nun freilich ein
Eingriff, für welchen Beispiele aus unserer Gegend nicht anzuführen sind^;
so beträchtlich auch das Verfügungsrecht des Landesherrn über Dorfgemeinde
und Dorfgemeindebesitz entwickelt war.
Eigentümlich bleibt es bei dieser Lage der Dinge, dafs territoriale Dorf-
ordnungen in unserem Gebiete, wie auch andern Orts, erst sehr spät, zumeist
erst im 18. Jh., vorkommen ^, während sich doch generelle Regelungen der wirt-
schaftlichen Nutzungen von Mark und Allmende schon viel früher, seit Aus-
gang des 15. Jhs., vorfinden^. Der Grund hierfür liegt wohl in der trotz
aller Uniformierungsbestrebungen doch noch immer jeder gemeinsamen Re-
gelung widerstrebenden Mannigfaltigkeit der Dorfverfassungen ^: dieser bunte
Wechsel der Zuständigkeiten, dieses lokal völlig verschieden erscheinende Durch-
einander von Recht und Verpflichtung hat die Selbstverwaltung der Dorf-
gemeinden noch lange wenigstens vor einer völligen Aufsaugimg durch den
Beamtenkörper des absolutistischen Staates bewahrt.
Eben diese Thatsache mannigfachster Abwechselung in den vorhandenen.
sollichs von tag zu tage abgelost werde, und das sie ire almende und weide ufrechts er-
halten und nit veii\^usten, darzu ire greben, banzune, stege und riegel nit vergen laßen
sondern ufrechts halten, derglich mit iren weren, die zu haben und zu halten, wie ine dan
von alter her ufgesest worden ist.
^) Goerz Reg. der Erzb. 1467 Mai 20: Erzbischof Johann IL bestätigt der Gemeinde
Merl auf ewige Zeiten die Weide. Vgl. auch Bd. 3, 286 b, 1471; No. 256, 1474.
^j S. dazu Thudichum, Gau- u. Markvf. 8. 294 f , über das Einziehen von Allmenden
durch die Landesherren.
^) Ein gleich rigoros, aber noch viel früher entwickeltes landesherrliches Verordnungs-
recht findet sich wohl nur in Österreich, man denke an die Mafsnahmen Rudolfs IV., seine
Ablösungsgesetze vom J. 1360, seine Aufhebung der Grundherrlichkeit in den landesfürst-
lichen Städten vom J. 1360, sein Verbot der Zünfte vom J. 1361.
*) S. Haussen, Abh. 2, 103; Lamprecht in Conrads Jahrbb. N. F. Bd. 11, 366 f.
^) S. z. B. die pfälzische Allmendordnung für die Kellnerei Waldeck, Mones Zs. 1,
434, 1483; aus späterer Zeit vgl. auch Scotti, Chur- Trier 1, 729, dazu oben S. 582 Note 2.
^) Zu andern Gründen vgl. u. a. Haussen, Abh. 2, 536 f., 562. Dafs der oben angegebene
Grund ein hervorragend wichtiger war, zeigen die Gegenden der Loi de Beaumont; hier war
die Dorfgemeindeverfassimg infolge der Verbreitung der Loi an sehr vielen Orten nahezu iden-
tisch entwickelt ; die Folge war eine unvergleichlich viel frühere volle Zenlittung der Selbst-
verwaltung durch die absolute Monarchie schon im 16, und 17. Jh., s. Bonvalot S. 528 f.,
über die Art des Verfalls S. 530 f.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1342 —
auf den Yerfassimgstrümmern von Jahrhunderten mit mehr oder minder
starker Energie erbauten Institutionen mufs nun aber auch bei Vergegen-
wärtigung des Verhältnisses zwischen Landesherrschaft und ständischer
Autonomie und bei Darstellung seiner Entwicklung stetig berücksichtigt
werden. Auch hier ist ein wesentlicher Teil des Verständnisses mit dem An-
erkenntnis der Thatsache gewonnen, dafs die Landesherren gar nicht imstande
waren, eine Politik grosser und uniformer Richtung gegenüber ständischen
Gnmdherrschaften wie Städten einzuschlagen, von denen jede ein historisch
erwachsener Körper für sich, ein kleiner, durchaus individuell gestalteter Halb-
staat war. Erwägt man nun zugleich, dafs der Landesherr für die Führung
des Gesamtstaates auf den guten Willen dieser kleinen, innerhalb des Terri-
toriums in gefährlicher Ausdehnung und Verteilung^ gelagerten Halbstaaten an-
gewiesen war, so wird man nicht erwarten, dafs er die neu erworbene
Landeshoheit diesen Bildungen gegenüber allzu früh und allzu energisch an-
zuwenden vermochte.
Am wenigsten gilt das noch vom Verhalten der Landesgewalt gegenüber
den Städten, das den allgemeinen Bemerkungen auf S. 1252 entsprechend hier
mit wenigen Strichen charakterisiert werden soll. Die Städte in unserer
Gegend waren im allgemeinen von geringer Bedeutung und Anzahl ^ ; vielfach
erst im 13. und 14. Jh. gegründet oder aus Landorten zu Städten umgewan-
delt^, zudem auch in der neuen Daseinsform erst sehr spät, teilweis niemals
aus den ländlichen Verhältnissen völlig ausgeschält *, brachten sie es zu keiner
imposanten Vertretung städtischer Interessen, und nötigten deshalb auch die
Landesherren nur selten, ihre Verfassungen und Autonomieen durch Verord-
nungen einschränkend zu umschreiben.
Eine Ausnahme machten in dieser Beziehung fast nur die Städte Koblenz
und Trier; wie sie bei weitem früher als die andern Städte, schon im Be-
ginn des 13. Jhs., in die Territorialbildung eingriffen^, so wurden sie erst
1) Im J. 1575 besitzt die Ritterschaft fast ein Drittel der im Kurfürstentum belegenen
Güter, Moser, Staatsrecht S. 182. S. auch WBettemburg 1594 § 40 f.
2) S. V. Restorff, Topograph.-statist. Beschreibung, 1820. Auch im Jülichschen gab es nur
19 Städte, 3 Freiheiten, 2 Thäler, im Bergischen 8 Städte, 9 Freiheiten; v. Below S. 33—34.
3) S. z. B. Dominicus S. 591, Note 4; auch Honth. Hist. 1, 824, 1291: König Rudolf
giebt dem Ort Mayen die Immunität, indulgentes et concedentes eidem loco et civibus eiusdem
necnou ceteris personis quorumcunque locorum ad dictum locum se transferre volentibus, ut
omni iure honore et honesta consuetudine, quibus cetera nostra et imperii oppida muniuntur,
gaudeant et utantur. et ob hoc damus predicto archiepiscopo et suis successoribus, ad quos
dictum oppidum devolvi contigerit, plenam et liberam potestatem per se vel vicarium animad-
vertendi in facinorosos et punire scelera necnon iustitias altas exercere, salva iustitia et
iurisdictione in predicto oppido iure vel consuetudine competente.
^) Auch in grofsen Städten verlor sich die Grundherrlichkeit erst spät, z. B. in Basel
erst Ende 14. Jhs., s. Bruder S. 45; vgl. auch Arnold, Eigentum S. 284.
■''•) Mll. ÜB. 2, 202, 1202: zum erstenmal besonderes Hervortreten der cives ecclesie
Trevirensis (gemeint ist die Stadt Trier, nächstdem Koblenz), welche neben Prälaten, Klerikern,
— 1343 — I^ie Laudeshoheit.]
sehr spät, im 16. Jh., zu dauernderer Anerkennung der Landeshoheit gebrachte
Eine Schilderung der Einzelvorgänge aher, welche schliefslich zu dieser Unter-
werfung führten, liegt aulserhalh des Zieles unserer Erörteningen ^. Nur das
6ine entnehmen wir der Thatsache dieser Kämpfe, dals die Verfassung dieser
Städte, wie auch anderer, in denen verwandte Kämpfe weit weniger hart-
näckig und aufregend verliefen, schliefslich keineswegs uniform sein konnte;
fast überall war durch hin- und herschwankende Kompromisse im Verlaufe
längerer Perioden eine individuelle Begrenzung der Rechte von Stadt und
Landesherrn geschaffen, welche bis tief in die Zeiten absolutistischer Landes-
hoheit hinein durch einen besonderen Eid des Landesherrn beim Regierungs-
antritt verbürgt und aufrecht erhalten wurde ^.
Innerhalb dieser abweichenden Zustände der einzelnen Städte läfst sich
aber doch eine Anzahl ihrem Kern nach gleichmäfsig wiederkehrender Er-
scheinungen beobachten.
Zunächst ist fast durchweg die landesherrliche Militär- und Finanzhoheit
in identischer Weise abgegrenzt ; überall finden wir die Forderung eines Miliz-
auszuges im Landesinteresse * und die Forderung ständischer Beisteuer ^ unter
Überlassung gewisser, zumeist indirekter Steuererhebungsrechte an die Stadt zu
kommunalen Zwecken.
Auch die landesherrliche Gerichtshoheit findet fast durchweg den gleichen
Ausdruck. In Vertretung des Landesherrn als Gerichtsherrn in bürgerlichen
und Strafsachen wie in Sachen freiwilliger Gerichtsbarkeit^ funktioniert ein
Schultheifs, unter ihm ein Schöffenstuhl ^ und Gerichtsverfassung wie Gerichts-
Äbten und Ministerialen von K. Philipp privilegirt werden (namentlich Zollfreiheiten — gegen
den Erzbischof).
1) Koblenz lehnt sich sogar im J. 1561 noch einmal gegen die Kurfürsten auf, s.
Moser S. 193.
2) Eine Aufzählung der wichtigsten Urkui^den über das Verhältnis zwischen Stadt Trier
und Erzbischof findet sich Wyttenb. u. Müller 2 Animadv. S. 6 u. 7. Im übrigen vgl. noch
aus neuester Zeit Schoop, Verfassungsgeschichte der Stadt Trier von den ältesten Immuni-
täten bis zum Jahre 1260, Westd. Zs. Ergänzungsheft 1, S. 65—162; hier am Schlufs,
S. 1-52 ff., die wichtigen Aktenstücke aus dem J. 1351. Zum 14. Jh. sehe man namentlich
auch noch Honth. Hist. 2, 233, 1364, und Ferdinand, Cuno von Falkenstein, Diss. Münster
1885, S. 35-55 (oben S. 1285 Note 4).
^) S. z. B. *Lib. aur. Epternac. Bl. 132^, luramentum abbatis civibus prestandum: Er-
wirdiger heiT her apt : uwer gnade geloft scholtiss richter scheffen gemeine burger undersaess
und inwaner der stat Echternach zu halten und zu laissen bi alder herlicheit friheit und her-
komen, als uwer vorfaren ept gedaen haut und schuldig sint zu duen? — Was uwer genade hi
geloeft und gesprochen halt, das nempt ir uf uren orden und conscientz also zo halten und
nit anders, und keinen scholtiss richter scheffen burger undersaess und inwaner der stat Echter-
nach forter anzufirtigen noch zu drengen dan mit scheffenurteil und recht.
^) S. oben S. 1294.
^) S. darüber schon oben S. 1336.
«) S. Honth. Hist. 1, 824, 1291, cit. oben S. 1342 Note 3; und oben S. 935.
^) Vgl. z. B. Honth. Hist. 1, 819, 1283: eine Anzahl von Bürgern wird aus Koblenz
accedente consensu archiepiscopi exiliert ; kommen sie in die Stadt, so per scultetum et oppi-
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1344 —
zug erscheineu durch landesherrliche Verordnungen ^ , bisweilen unter Beirat
der Bürger^, geregelt. Anfangs ist der Schultheils zugleich auch noch Stadt-
haupt, also ganz allgemein Vertreter des Landesherrn als Stadtherrn, so noch
um die Wende des 13. und 14. Jhs. in Koblenz und Trier ^. Später, mit
voller Ausbildung der Amtsverfassung geht diese Funktion zumeist an den
Amtmann des Bezirkes über, welchem die Stadt angehört, und der Schultheils
wird rein auf die gerichtlichen Funktionen beschränkt*.
Aber unter dem fürstlichen Beamten, in welchem die Stadtherrschaft
danos capiantur et domino archiepiscopo . . tradahtur; si quis autem ipsos reos defensaverit
vel colloquium seu tractatus aliquos habuerit cum eisdem sine licentia sculteti et illius, quem
ad hoc dominus arcliiepiscopus deputaverit, vel si quis scultetum non iuverit ad dictos reos
capiendos, si reversi fuerint sine licentia domini archiepiscopi, vel alias dictum scultetum in
exhibenda et exequenda iustitia impediverit vel auxilium requisitus non prestiterit vel se
armaverit seu campanam ad convocationem faciendam pulsaverit seu pulsari mandaverit sine
licentia sculteti seu eins vices gerentis sculteto absente, aut siquis dominum archiepiscopum
Trevirensem in Castro edificando cum suis pertinentiis impediverit vel suos aut etiam
novas conspirationes confederationes societates seu consilia ac nova statuta in preiudicium
domini archiepiscopi Trevirensis et iurium suorum ordinaverit vel alicui tractatui liuiusmodi
interfuerit aut impedimentum aliquod iurisdictioni sue prestiterit . . . , aut si quis in mortem
ludeorum, damnum et dispendium rerum et personarum earundum conspiraverit aut quovis
ingenio vel arte machinatus fuerit, et convictus de predictis vel aliquo eorum per duos idoneos
testes cives sive oppidanos Confluentinos fuerit: bona sua quecunque cedant domino archi-
episcopo extunc ipso facto, et persona ipsius sit in eiusdem domini arbitrio et potestate.
Honth. Hist. 2, 35, 1308, Vertrag zwischen Erzbischof Balduin und der Stadt Trier; clamores
et quermonie coram sculteto nostro faciende exnunc in antea fient, sicut antiquitus sub Henrico
et Arnoldo quondam archiepiscopis Trevericis et aliis predecessoribus ipsorum fieri con-
sueverunt; de quibus clamoribus et ceremoniis ac emendis inde contingentibus scultetus noster
Trevirensis se reget iuxta iudicium scabinoram nostrorum Trevirensium, ac iura et consue-
tudines eorundem scabinorum observabit, sicut tempore dictorum predecessonmi nostrorum
extitit observatum. et vice versa dicti scabini ipsi sculteto assidere tenebuntur et se habebunt
ad usus dicti sculteti, prout tempore Henrici et Arnoldi predictorum facere consueverunt. Zu
früheren Zeiten s. für Trier MR. ÜB. 3, 1468, 1258, cit. oben S. 1042 Note 2; für Koblenz
MR. ÜB. 3, 489, 1246.
^) S. z. B. *Übersetzung 15. Jhs. in den Ämterbuch der Stadt Münstermaifeld Bl. 73^,
Koblenz St. A., 1277 Novbr. 15: Erzbischof Heinrich bezeugt, dafs wir mit vorsichtigem be-
raide und von raide birfer und guder lüde viertzehen scheffenne in unserme slosse Munster
in dem Meinfeit gemacht und gesatzt hain, den wir verübende sin und wollen, das sie haben
dieselbe friheit uberal, die da haint und der sich frauwent unsere scheffenne hir vorgeschr.
und wir wollen darzu auch, das dieselben unsere scheffenne über die urteil, der sie nit wise
sint und sich daruss nit gerichten kunnent, vor unsern Trierschen scheffen rait und gewisheit
schuldig suUent sin zu suchen. In wellichs dings gezochnisz und ewige vestikeit hain wir
den gedachten unsem Munstersen scheffen in dem Meinfeit gegeben und geben in diese
genwertige schrift mit vestenunge unsers siegeis bekreftiget. Geschehen und gegeben zu Munster
in dem Meinfeit im jaire unsers herren mcclxxvii des xvii kaienden im maende december etc.
2) Honth, Hist. 2, 312, 1400; Erzbischof Werner giebt die Trierer Schöffenordnung
mit rade unsers capitels und frunde, und auch mit wissen und rade der . . bürgeren.
3) S. S. 1343 Note 7.
*J S. wohl schon Honth. Hist. 2, 111, 1327; und Bd. 3, 486, 25, 1350. Bisweilen wurden
auch Amtmanns- und Schultheifsenfunktionen völlig fusioniert ; der Name ist dann bald Amtmann,
— 1345 — I>ie Landeshoheit.]
des Landesherrn in Erscheiiiiing trat, entwickelte sich nun schon früh die Ver-
waltungsautononiie der Bürger. Aus dem Schöffenkollegium und aus anderen
Ek^nenten, deren genauere Charakterisierung uns hier fern liegt, erwuchs der
Rat, am frühesten wohl in Trier um die Mitte des 12. Jhs. \ ü])erall al)er im
Laufe der folgenden Generationen^. Diese Bildung w^urde durch den Landes-
herrn wenigstens in späterer Zeit so viel als möglich gehennnt ^ ; und als sie nicht
mehr rückgängig zu machen war, w^urden doch noch die ältesten und mit der
Landesgewalt am engsten verknüpften Bildungselemente hei der Zusammen-
setzung des Rates besonders begünstigt *. Im übrigen mufste sich die Landes-
gewalt zunächst mit einem Kontrollerecht über die Ratsverwaltung begnügen,
wie es sich ohne w^eiteres aus dem fürstlichen Rechte der Bewilligung von
Städtesteuern sowie aus der Handhabung des Marktrechtes ergab ^. Neben
dieser Kontrolle der Ratsverwaltung aber wurde auch noch eine Oberaufsicht
über die sonstigen autonomen Bildungen in der Stadt beansprucht und viel-
fach bis zu weitgehendem Eingriffsrecht entwickelt. So über die alte Mark-
verwaltung der Bürger^, über Bildung und Fühmng der gewerblichen Kor-
porationen^ u. a. m. In der Folge derartiger Eingriffe aber vollzog sich der
schliefsliche Übergang der städtischen Polizei an die Landesgewalt ^ und damit
die Eröffnung eines ausgedehnten Spielraums für die Auswirkung der Ver-
w^altungshoheit überhaupt.
Gegenüber diesen schliefslichen Erfolgen der Landeshoheit auf städtischem
Gebiete bleibt die Entwicklung derselben auf dem platten Lande, gegenüber
den Grundherrschaften, etwas zurück. Die Gründe hierfür sind vornehmlich
sozialer und politischer Natur. Unter den grundherrschaftlichen Ständen des
platten Landes ist der Fürst in sozialökonomischem Sinne anfangs doch nur
bald Schultheifs, s. Bd. 3, 109, 23, 1302, vgl. dazu WErpel 1383 § 29, cit. oben S. 1052,
Note 1; ferner WSaarbrücken 1321; WKreuznach G. 2, 151.
1) MR. ÜB. 1, 627, 1161, vgl. No. 628, 1161.
2) S. dazu oben S. 322 Note 1.
^) S. noch aus dem 14. Jh. Honth. Hist. 2, 111, 1327: die Bopparder bekennen dem
Erzbischof, daß wir einen raite gemachet hätten, des wir nit thun ensolten, und sine ambt-
lute und sein gerichte zu Bopparte gehindert hain und gecrenket.
*) Scotti, Chur-Trier 1, 272, 1527, Kompetenzregelung in Koblenz, § 6: in Gemäfsheit
älterer Satzungen sollen, wenn der alte und neue Rat der Stadt Koblenz in wichtigen, den
gemeinen Nutzen der Stadt oder der Bürgerschaft betreffenden Angelegenheiten versammelt
wird, auch alle Schöffen dazu berufen werden, welche den Ratschlag mit fassen und voll-
bringen helfen sollen. Bei Verhandlungen solcher Sachen aber, welche Personen der Schöffen
oder des Rates betreffen, sollen diese nebst ihren Verwandten und Anhängern, welche Schöffen
oder Mitglieder des Rates sind, während jener Verhandlung abtreten.
5) S. dazu u. a. Bd. 2, 322, 1356, Einleitung; ferner Bd. 2, 514, vgl. auch oben S. 1277
und S. 1337.
6) Dagegen Widerspruch der Stadt Trier im J. 1351, s. oben S. 307 Note 2.
') *Koblenz St. A. MC. Illb Bl. 224^— 2241^ No. 493, und gesonderte Kopie 18. Jhs.
auf Pp., wahrscheinlich aus dem MC. IIP, reg. Goerz, Regg. d. Erzbb. S. 134, 1410 Okt. 13;
*Goerz, Regg. d. Erzbb. z. J. 1469 Apr. 13.
^) S. Scotti, Chur-Trier 1, 367, 1562: Rats- und Polizeiordnung für Koblenz.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1346 —
primus inter pares ; als zumeist gröfster Gmndherr des Landes hat er dieselben
Interessen wie die grundherrlichen Stände, nur in verstärktem Mafse; jeder
Schlag, welchen er gegen die Grundherrlichkeit als solche unternimmt, kann
auf ihn selbst empfindlich zurückwirken. Zudem ist er adlig, zu Schildesamt
geboren, wie die ständischen Grundherren auch^ Endlich aber sind nicht
sämtliche Stände des platten Landes ohne weiteres dem Territorium ein-
geordnet. Die Standeszugehörigkeit wurde anfänglich durch Lehnsverbindung,
ohne die Notwendigkeit räunüichen Zusammenhangs der lehnsrührigen Gnmd-
herrschaft mit dem Territorium, begründet^, und nicht selten gab es auch später
noch Stände, welche dem Territorium nicht zugerechnet wurden^. Nun waren
das allerdings Ausnahmen, im allgemeinen kamen die ständischen Grundherr-
schaften später dazu, Teile des Landes zu bilden, namentlich so weit es dem
Landesherrn gelang, den schützenden Arm des Reiches für sie unerreichbar
zu machen *. Aber immerhin sahen diese inkorporierten Stände doch Mitstände
neben sich, auf welche die Territorialhoheit und vor allem die Verwaltungs-
hoheit des Landesherrn keine Anwendung fand, eine Thatsache, welche sie zu
gTöfserem Widerstand ermutigen mufste.
In Wirklichkeit sind darum viele der ständischen Grundherren von dem
belebenden Hauch der neuen Territorialbildung nur obenhin berührt worden;
und im ganzen verkümmerten ihre Herrschaften infolge hermetischen Ab-
schlusses, bis die französische Revolution mit denselben aufräumte^. Die
Grundherren seilest aber gingen teilweis schon früh dazu über, ihren Einflufs
auf Land und Landesregierung nicht so sehr auf der Basis der Grundherr-
lichkeit , wie auf bureäukratischem Wege , durch massenhaften Eintritt in das
höhere Landesbeamtentum, auszuüben^.
Dieser ganzen Konstellation entsprechend macht die Landeshoheit gegen-
über den ländlichen Grundherrschaften nur geringe Fortschritte, namentlich
gelingt es ihr nicht, in die Verwaltung derselben, abgesehen von der Gerichts-
verwaltung, irgendwie tiefer einzudringen; das einzige, was hier noch während
des Mittelalters geleistet wird, ist die Entwicklung eines Oberaufsichtsrechtes
über den Betrieb gmndherrlicher Wälder ^ Was aber Militärhoheit und
1) S. oben S. 1162 f., 1258, auch S. 1142 f.
2) S. oben S. 1262 f.
^) So gehölten z. B. zu den Trierer geistlichen Ständen die exterritorialen Abteien
Echternach, Prüm und SMarien-Luxemburg, s. Honth. Hist. 2, 533 f.
4) S. oben S. 1256.
5) S. schon oben S. 973.
^) Charakteristisch ist in dieser Hinsicht die Klage in den G. Trev. 276 über Erz-
bischof Jacob (1439—1456): de suis incolis nemini confidit, forensibus a quacunque patria
venientibus servitia secreta commisit.
'^) S. schon oben S. 1338 Note 4, an Urkunden u. a. Cod. Lac. 168, 1344, cit. oben
S. 477 Note 3; und Bd. 3 No. 167, 1345. Wie notwendig die letztere war, zeigt Lager, Mett-
lach, Reg. 1491 Okt. 7, 1492 Jan. 13, Febr. 3, cit. oben S. 516 Note 4. Zu Eingriffen der
Landesherren in private Waldverwaltung s. auch Bitter S. 739, und unten S. 1356 Note 5.
— 1347 — I^ie Landeshoheit.]
Finanzhoheit des Landes gegenüber den Grundheri Schäften betrifft, so waren
dieselben durcli das territoriale Burgbaunionopol ^ und die vasallitische Militär-
pflicht der Grundherren ^ , sowie durch die Zerstörung der grundherrlichen
Regalien^ und die Entwicklung ständischer Steuern* geregelt.
Auf gerichtlichem Gebiete waren die Standesherren selbst zunächst der
Einwirkung jeder unteren Gerichtsinstanz entzogen; schon früh gehen sie vor
dem Lehnshof zu Recht '^, und man sucht sie mit Erfolg durch interterritoriale
Verträge^ wie durch besondere Abmachungen'^ für inmier an diesen Gerichts-
stand zu gewöhnen. Die Entwicklung der territorialen Gerichtshoheit aber
fand weniger auf diesem Gebiete Platz, wie vielmehr auf demjenigen der
standesherrlichen Gerichte.
Die ständische Gerichtsherrlichkeit konnte nun entweder auf landesherr-
licher Immunität oder auf alter Vogtei, welche sich jetzt mit der Grundherr-
lichkeit immer mehr verquickte, oder auf alter Grundherrlichkeit beruhen.
Der erste dieser Fälle war relativ selten und kommt in der Ausbildungs-
zeit der Landeshoheit kaum noch stärker in Betracht; schon im 13. Jh. beginnt
der Verfall der wenigen landesherrlichen Immunitäten^.
Auch über den zweiten Fall ist nicht viel zu sagen. Wo sich die
Vogtei rein ohne grundherrliche Zuthat erhielt und sich darum auf keine aus-
gebreitetere Verwaltung stützen konnte, da hat sie der Landesherr wohl meistens
an sich gerissen oder mindestens der Territorialgerichtsbarkeit eingeordnet^.
Wie aber stellte sich die landesherrliche Gerichtshoheit zu den grund-
herrlich-ständischen Gerichten? Es handelt sich hier um Unter-(Grund-)gerichte
und Hochgerichte. Da gilt nun vor allem der allgemeine Grundsatz, dafs die
Untergerichte, soweit es nicht anders möglich, den Grundherren als Patri-
monialgerichte überlassen bleiben, wobei dann die thunlichste Unterordnung
derselben unter landesherrliche Hochgerichte angestrebt wird^^, bisweilen in
der Form, dafs der Landesherr von ihm in Anspruch genommene Teile der
1) S. oben S. 1270 f.
2) S. oben S. 1296 f.
3) S. oben S. 1276 f.
*) S. oben S. 1336 f.
5) S. oben S. 1164 f., 1265 f.
^) Über derartige Verträge von Trier mit Köln 1454, mit Mainz 1484, mit der Pfalz
1489, mit Hessen 1514 s. Honth. Hist. 2, 318 f.
'^) Sehr häufig versprechen Adlige des Territoriums : alsofern sie wider den erzbischofen
oder seine unterthänige zu thun hätten oder sie mit uns, des sullen sie und wir recht geben
und nehmen vor dem erzbischofen und seinen amptleuten na irer manne urteil. S. dazu
Honth. Hist. 2, 6.
8) S. oben S. 1022 f.
9) S. oben S. 1259 f.
^^) S. oben S. 1036—37. Eine verwandte Unterordnung hatte ursprünglich auch in der
alten Reichsverfassung bestanden, s. oben S. 207.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1348 —
Untergerichtsbarkeit abgiebt, dagegen aber volle Hochgerichtsbarkeit über die
Insassen des Untergerichtes erlangte Die Hochgerichtsbarkeit dagegen wird
überall, wenn irgend möglich, dem Landesherrn vorbehalten^. Daher gestattet
man den Grundherren schon in der zweiten Hälfte des 13. Jhs. die neue Ein-
richtung von Hochgerichten nur noch in Ausnahmefällen^, für welche es im
14. Jh. Regel wird, dafs die Erlaubnis nur für Allodialgut und unter Vor-
behalt der landesherrlichen Gerichtshoheit gegeben wird*. Später aber geht
^) Besonders deutlich ist in dieser Richtung, wenn auch aus späterer Zeit, Honth.
Hist. 2, 761, 1553, Ausgleich zwischen Trier, vertreten durch den Amtmann Burggrafen von
Grimburg, und den Vormündern der Kinder Kaspars von Hagen über die Rechte in Nonn-
weiler: so sol unser und unsers erzstifts zender zu Nonweiler unsere chur- und lantfürstl.
hohe oberkeit, wie von alters zu Nonweiler herbracht ist, vortmehe, one in- oder widderrede
dero von Hagen, dingen und weisen, also das uns unsern nachkommen und stift unverhindert
zustein volgen und werden sol alles das, so der hohen oberkeit von rechts oder gewoinheit
wTgen der laut anhengig ist, es sei erzbergwerk, item über hals und bauch zu richten, dergl.
die Zulassung der medomgueter, die Schätzung, auch volgh und reis in kriegs-leuf oder-fellen
und alles anders, so zu der hohen oberkeit gehoert, nichts darvon us- noch abgescheiden ;
dargegen sollen die obg. von Hagen und ire vormonder von derselben wegen macht haben,
innerhalb Nonweiler bezirk, wie der uf den Kirchennachtagh gewiesen wirt und herbracht ist,
zu jagen, zu fischen und in bürgerlichen gerichtlichen Sachen, als umb eigen und erb, schuld,
schaden und farende häb, auch umb harruppen und streich zu handien. S. ferner CRM. 5,
271, 1761, Auszug aus dem Vergleiche zwischen dem Erzbischofe und dem Domkapitel zu
Trier die Gerichtsbarkeit zu Niedermendig betreffend: 1. das würdige dhomcapitel begiebt
sich aller iurisdictionsansprach , welche es in dem ort Thür und dessen bezirk zu haben
vermeinet; 2. ihro churf. gn. und dero erzstift übergiebt dem würdigen dhomcapitel die
demselben bis hiehin wiedersprochene iurisdictionem civilem zu Niedermendig, soviel die erste
Instanz betrifft ... 5. die landeshoheit, das merum. Imperium, die criminaliurisdiction und
was diesem anklebig, bleibet wie bis hiehin, also künftig privative dem hohen erzstift Trier
ohne alle exception, restriction oder modification.
2) S. oben S. 1259 f.
3) S. z. B. Bd. 3, 81 10, 1280.
*) S. Arch. Clervaux No. 221, 1340: Johann der Blinde von Luxemburg erlaubt dem
Gerhard von Ham, quod ponere possit ponat et statuat super proprium suum allodium altam
iustitiam seu iurisdictionem, que pertineat et pertinere dinoscatur ad domum suam de Ham,
ad vallem et ad omnem attinentiam ipsius domus tenendam et possidendam perpetue et here-
ditarie de berede in heredem, salvo iiu-e alte iustitie nostre in Bidebourch locis universis,
quam gratiam et iustitiam supradictas eidem Gerardo et suis heredibus pro nobis nostrisque
successoribus comitibus Luccemburgensibus, ut dictum est, in augmentum feodi nostri, quod
a nobis obtinent, concedimus et in perpetuum donamus. *Koblenz St. A. MC. HI^ Bl. IP
No. 22, reg. Goerz Reg. der Erzb. S. 125, 1398 August 18: Wir Werner von gotz gnaden
erzbischof zu Triere etc. dun kund und erkennen mit diesem brieve: wan zusschen unserm
amptmanne von Sarburg und unsern vorsthubern von Zerve in unsern wegen uf eine site
und dem erberen Wilhelme probste zu sent Pauline bi Triere und sinen scheffen zu Zerve
uf die andere site zweiunge gewest ist von dem gerichte uf desselben probsts und siner
probstien gude zu Zerve und darumb gelegen, han wir nach der Sachen erfaren und sin von
herkomen und auch mit brieven, die der stift von sent Pauline von seliger gedechtenisze
etzlichen unsern vurfaren erzebischofen halt, genzeliche underwist: daz alle gerichte hoe und
nieder, auch über hals und heubt, uf den straissen und anders binnen den ederen zu Zerve
— 1349 — I^ie Landeshoheit]
man noch weiter; die alten ständisclien Hochp^erichtsherren, welche man nicht
hat beseitigen können, verlieren diese oder jene obersten gerichtsherrlichen
Funktionen, beispielsweise das Begnadigungsrecht ^ ; und ihre Gerichtsherrlich-
keit erscheint als eine von der eigentlichen landesherrlichen Gerichtshoheit
abgetrennte und von derselben überragte Gerechtigkeit, deren Verhältnis zur
Landeshoheit der Einzelregelung vorbehalten bleibt^. Abgesehen von diesem
Eindringen der territorialen Gerichtsbarkeit in die ständischen Gerichts-
verfassungen des platten Landes ist es aber durchaus gewöhnlich, dafs neben
des vurg. probsts und siner probstien ist und sin sal (und enbuissen den ederen uberal uf
desselben probsts und probstien gude zu Zerve gehoerig ist daz gerichte über hals und heubt
unser und unsers Stifts von Trire), und alle andere gerichte uf der vurgen. probsts und
probstien guden und alle boessen und was davon gevellet des egen. probsts und probstien
sint und sin sullen. des heizen wir uch unsern amptman und keiner zu Sarburg und unsere
vorsthuber vurgen., daz ir dem probste probstien und stifte zu sent Pauline vurg. daz vurgen.
ir gerichte boessen und gevelle ungehindert lazent und sie darbi behaldent und uch der in
unsern wegen nit annemet. Zu Urkunde aller vurgen. sachen han wir Wernher erzebischof
obengen. unser ingesiegel an diesen brief dun henken, Der gegeben ist zu Sarburg do man
zalte na Cristus geburte druizenhundert echt und nuinzig jair uf den echtzenden dag
im augste.
1) S. oben S. 195.
2) S. dazu das sehr lehrreiche Beispiel in Honth. Hist. 3, 806, 1682, Austrag zwischen
Laach imd Trier betr. das Dorf Kruft: es ist und bleibt (dem Stift) auch in temporalibus
besagter orthen die hohe landsfürstliche obrigkeit, kraft deren dan ihre churf. gn. für sich
und dero nachkommen besagtes gotteshaus und dessen dorf Cruft änderst nicht dan des erz-
stifts aigene orthen und unterthanen in ihren landsfürstlichen schütz haben erhalten, und wie
dabevor allezeit geschehen, also forthin gegen männiglich zu fried- und kriegszeiten nach ver-
mögen vertreten, auch mit durchzügen nachtlägeren und quartieren gleich anderen des erzstifts
orthen zu verschonen suchen solle. Dabei bleibt Laach ,Hochgerichts-, Grund- und Erbherr';
auch soll Kruft nie einem Trierschen Amt einverleibt werden. Zum Genaueren vgl, Honth.
Hist. 3, 807, 1682: civilsachen die Crufter in persohn oder ihre güther betreffend sollen bei
dem gericht zu Cruft oder dem herrn praelaten in prima instantia ventilirt und nach des
erzstifts landrechten judicirt werden, wan dan des hofgerichts Ordnung nach die summ ap-
pellabel, so sol denen partheien dahin zu appelliren freistehen, auch auf deren ansuchen
nothige processus erkant und demselbigen gebührliche parition und folge geleistet werden, in
peinlichen sachen aber, so leib- oder lebensstraf nach sich ziehen mögten, sol dem gericht
zu Cruft die Cognition und nahmens des gotteshaus die execution gelassen, bedenkliche bei-
und endui'theil aber bei dem oberhof zu Coblenz darinnen in alle weg eingeholt und denen
gemäß verfahren werden, was ein zeitlicher praelat und convent gegen ihre unterthanen zu
Cruft, oder diese gegen jene für strittigkeiten jetzo haben oder künftig überkommen würden,
die Solen, wan änderst in gute nicht beigelegt werden könten, wozu sie dan von ihro churf.
gn. commissarios erbitten mögen, dem herbringen nach ahm churf. hofgericht fürgenohmen
und daselbst mit recht abgethan und erörtert werden; doch daß demjenigen theil, so sich
durch urtheil beschwert achten wolte, an die höchste reichsgerichte zu appelliren oder aber,
wan die summ nach des erzstifts privilegiis nicht appellabel, alsdan bei ihrer churf. gn. umb
revision unterthänigst anzusuchen bevorbleibet. Sehr instruktiv für verwandte Verhältnisse
in fi'üherer Zeit ist auch Kremer, Ardenn. Geschl. Cod. Dipl. S. 462, 1346: wir Johannes
grave von Sarbmcken . . dunt kunt . . das ume solichen misehel, der da was tuschent uns
unde der vrouwen van Castele, alse van der vrouwen luden van Burbach, da ist beret, wa
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1350 —
der ständischen Gerichtsexekutive überhaupt die Yollstreckungsgewalt des
Landesherrn subsidiär in Wirkung tritt ^
Indes der Einflufs der territorialen Gerichtshoheit ist nicht l)lofs auf
dem Gebiete der Gerichtsverfassung bemerkbar, sondern mindestens ebenso-
sehr auf einem weiteren Gebiete, welches wir etwa als der heutigen Verwaltungs-
gerichtsbarkeit entsprechend bezeichnen können. Es handelt sich da im
wesentlichen um die Regelung der Beziehungen zwischen den Standesherren
als Grundherrschaften unter sich wie zu den alten Korporationen und als
solchen halböffentlichen Bildungen des platten Landes, den Markgenossen-
schaften und den Hofgenossenschaften. Die Tendenz der Landesherren ist hier
stets die gleiche : sie suchen die Regelung aller vorhandenen gegenseitigen Be-
ziehungen und speziell das Ausgleichsrecht für etwa auftauchende Streitigkeiten in
ihre Hand zu bekommen. So treten die Kurfürsten des Trierer Territoriums schon
seit Mitte des 14. Jhs. als Ordner der Verhältnisse einzelner Gmndherrschaften
zu einander auf^ und wissen ihren Anspruch in dieser Richtung im 15. Jh.
zum herrschenden zu machen^. Nicht minder übernehmen sie seit Schlufs
des 14. Jhs. die Vermittlung zwischen Gmndherrschaft und Markgenossen-
der vrouwen lüde van Castele sezent ufe unser voidien bit füre und bit vlammen, die sollen
uns dienen ho unde nider an unser genade, ar sie sollent die voidie lasen ligen; wa unser
lüde uffe der vrouwen voidie sezent, die sollent dasselbe dun. item sint schuldich der
vrouwen lüde in alle unser usw. s. weiter oben S. 203 Note 2 bis: under fonf s., die sint
der vrouwen. item swanne wir banwin legen in unserm hof zu Malestat, so insollent der
vrouwen lüde van Burbach in dem höbe nergend anderswa trinken noch win holen, wände
zu unserm banwine, in aller masen alse ander unser hobeslude da zu Malestat, ane geverde.
item sint der vrouwen lüde van Burbach schuldig zu unserm hornbrast, zu unserm hogerehte,
zu imserm gescreie zu comen und zu loifene, unser gut zu beschudene, es enwere danne also,
daz wir uffenen krieg hetent. ouch sint schuldich unser lüde der vrouwen luden ir gut
helfen zu beschuden, so die vrouwe niet ufenen krieg enhet. item ist daz hogerehte un alle
hoe buesen in dem hohe zu Malestat unser durch das jar an imannes widersprechen.
1) S. UMünstermaifeld, Hs. Koblenz St. A. CXIa Bl. 15^, CXI^ Bl. 18a, u Jh. 1 H.,
cit. oben S. 1230 im Text. WSPaulin 1380, Zerf § 6, G. 6, 516: mins heren von Triere
amptman, der ist schuldig des probstes amptman zu helfen gewalt abezudune, so man des
gesinnet; allenfalls auch Bd. 3 No. 220, 1396; WKersch 1593, G. 2, 274, cit. oben S. 220
Note 2, auf S. 221.
2) S. zu den Anfängen Bd. 3 No. 173, 1347. Noch nicht durchgesetzt erscheint der
Anspmch Töpfer 1, 288, 1357: ich Baldewin scholtissen Simons soin von Bernkastei dun
kont allen luden und bekennen an desem brieve, das ich geloift han und uffentlich zu den
heiligen gesworen, so wat anspräche ich han oder haben mach biz uf disen hudigen tag an
de lüde, de zu der herrschaf von Hunoltzstein gehorent, si sin man ader wif, edel oder un-
edel, daz ich davan zu rechte stan sal zu Hunoltzstein in deme gereichte und nit vurwerter.
^) S. z. B. Töpfer 2, 488, 1486 : Nicolaus, Vogt und Herr zu Hunolstein, schreibt dem
Erzbischof Johann von Trier, sein Neffe der Rheingraf habe die Dörfer Malborn und Licht
von der Herrschaft Hunolstein pfandweise inne und dieselben jetzt in Schätzung gelegt, was
unbillig sei; er habe seinen Neffen gebeten, das abzustellen, dieser aber habe es ihm ab-
geschlagen ; da nun beide Dörfer im erzbischöflichen Hochgericht Grimburg liegen, so ersuche
er den Erzbischof, die Sache zu entscheiden. Doch kann man hier auch nur einfache An-
wendung des Forum rei sitae sehen wollen.
— 1351 — I^ie Landeshoheit]
Schaft^; eine Vermittlung, welclie um so notwendiger wurde, je mehr sich
auch die kleinen Grund her ren aus den alten markgenossenschaftlichen Ver-
bänden zurückzogen-. Am wichtigsten aber war doch die oberhoheitliche
Stellungnahme der Landesherren zwischen Standesherren und Grundliolden,
zwischen Grundherrschaft und Hofgenossenschaft. Zwar störte hier die Landes-
hoheit die korporative Rechtsentwicklung, vorausgesetzt dafs sie unter An-
erkenntnis der Landeshoheit in den obersten Rechtsbeziehungen, z. B, in
Fragen des Strafrechts, vor sich ging, keineswegs ^ ; wie andere genossenschaft-
liche Rechtskreise ^ , so blieben auch die standesherrlichen Baudinge in ihrer
unmittelbaren Rechtssphäre frei von landesherrlichem Einflufs ^. Allein schliefs-
lich ergaben sich doch einige Koinzidenzpunkte. Zunächst auf dem Gebiete
der Strafrechtspflege. Hier konnte dem Landesherrn die Anwendung der
standesherrlichen Disziplinargewalt über die Grundholden nicht gleichgültig
bleiben; spätestens in der 2. Hälfte des 16. Jhs. setzt er sich mit Erfolg
ihrer unbeschränkten Anwendung entgegen, indem er die Polizei bezw. die
Gerichtsbarkeit der Landesbeamten für sie eintreten läfst^. Ein weiteres Ge-
biet landesherrlichen Einflusses eröffnete sich im Falle der Rechtsverweigenmg
seitens des Baudingherrn; auch hier trat die territoriale Rechtssprechung in
die Schranken ^ Schliefslich aber machte sich, schon seit dem 14. Jh. durch die
1) S. Bd. 3 Xo. 137, 1336; 265, 1490; auch Cod. Lac. 247, 1443: Erzbischuf Jacobs
zu Trier Vergleich zwischen den Klöstern Laach, Himmerode und U. L. Frauen bei Ander-
nach und der Gemeinde Leudesdorf, wonach letztere die Höfe der ersteren gegen eine mit
75 fl. ablösbare Rente von 3 fl. von allen Lasten usw. freispricht, mit Ausnahme der Stellung
eines Gehamischten in Kriegszeiten und eines Wächters und Schützen, wenn es not thut.
2) S. oben S. 279 Note 1, 1165 f.
^) Cart. Orval. 298, 1247: Graf Heinrich von Luxemburg versichert, quod nullam iuris-
dictionem reclamamus nee reclamare volumus in curte de Longuion, quae spectat ad ecclesiam
^sanctae Mariae ad martyres Trevirensem, pro eo, quod nos magistram R. et omnia bona sua
sub protectione nostra recepimus et tutela.
*) Töpfer 2, 446, 1469: weres auch daz die werkemeister oder knecht zweidrechtig
worden, is were umb Scheltwort ader derglichen, so geben wir ime die macht, daz unter sich
zu verrichten und zu vereinigen nach iren besten sinnen, ane unser gericht und amptlude
darüber zu suchen; dez sal auch ein iklicher gehorsam sin bi einer gebürlicher penen, sie
under sich setzen werden; usgenomen was an den lip und bluit zu recht treffen, daz sal
unser amtman oder scholteß, zu wilichera unsern gebiet dez geschre bracht und verhandelt
worden, richten nach lauf dez gerichtz.
5) S. oben S. 1036.
®) Trierer Amtsordnung 1574, § 27, 28: das keinem herren von adel ader imand an-
dern gestattet werden sol, seine leibeigene leuth, die in unserm gebiet und obrigkeit gesessen
sind, selbsteigener that zu pfenden, anzugreifen, wegzuführen, sondern was der leibsherr an
seinen leibeigenen zu prechen, das sol vor den ambtleuthen geschehen, der ime, wozu er
recht hat, fürderlich verhelfen sol. und sollen die leibeigene leuth in unser obrigkeit ge-
sessen zu allen diensten und gehorsam, wie sonst andere unsere underthanen, angehalten
werden, doch dadurch ihren leibsherren an ihren rechten nichts benommen sein. Man vgl.
auch Scotti, Chur-Trier 1, 652, 1674, cit. S. 614 Note 2.
") S. oben S. 1086.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1352 —
Übernahme fremder Grimdholden in besonderen landesherrlichen Schutz und ähn-
liche Mafsnahmen vorbereitet \ wohl seit der 1. Hälfte des 16. Jhs. ein verstärkter
Einllufs des landesherrlichen materiellen Domanialrechts auf die Rechtsbildung der
standesherrlichen Grundherrschaften geltend ^, etwa in der Weise, wie im früheren
Mittelalter das fiskalische Recht des Reiches die privaten Rechtsbildungen an-
derer Fronhöfe beeinflufst hatte. Und so war denn in der That gerade auf
diesem Gebiete ein gewisser Anfang landeshoheitlicher Einwirkung vorhanden,
welcher von dem Eifer des voll entwickelten Lokalbeamtentums bald zu Über-
griffen benutzt ward^.
Wir haben aber diese Entwicklung nicht weiter zu verfolgen ; stellen wir
aus ihren Anfängen wie aus den Fortschritten der einzelnen Wirkungsrich-
tungen der Landeshoheit bis zum Schlüsse des Mittelalters überhaupt nur fest,
dafs der Weg zur Schaffung eines territorialen Staates mit Erfolg eingeschlagen
war. War aber das staatliche Ziel einmal erkannt, so mufste die Landeshoheit
ohne weiteres auch noch zu einer Reihe von Fragen der inneren wie äufseren
Politik Stellung nehmen, deren Behandlung den mittelalterlichen Staatsgebilden
an sich fern gelegen hatte. Grade in diesem Punkte zeigt sich am besten das
Werden des neuen Territorialstaates und des modernen politischen Gedankens ;
waren in unseren Gegenden die Ausdrücke Territorium und Landesherr schon um
die Wende des 11. und 12. Jhs. im technischen Sinne ausgeprägt*, so formt der
Staat der Neuzeit aus der Landesgewalt heraus doch erst durch viel spätere und
langsam erweiterte Aufnahme allgemeiner civilisatorischer Anforderungen seine
politischen Ziele. In der Aufnahme dieser Ziele aber erwächst das Territorium
eben zum einheitlichen Körper, zum wahrhaften staatlichen Individuum. Im
einzelnen lassen sich bei diesem Bildungsprozefs zwei Richtungen unterscheiden,
eine nach aufsen gehende und eine auf das Innere gewandte; von ihnen, von
den Anfängen einer äufseren wie inneren Politik des Territoriums als eines
Staates, soll im folgenden noch die Rede sein.
In den äufseren Beziehungen kommt das Territorium unter diesem Ge-
sichtspunkte als politischer Körper, Rechtskörper und Wirtschaftskörper in
Betracht.
Am frühesten natürlich als politischer Körper. Als solcher war das
Territorium vor allen Dingen bündnisfähig und zum Abschlufs von Territorial-
verträgen berechtigt; auf diesem Grundrechte beruht z. B. das ganze Land-
friedenswesen des späteren Mittelalters; die Bündnisfähigkeit wird in diesem
Punkte auch noch reichsrechtlich besonders anerkannt^.
1) S. oben S. 1246 No. 43, 1350.
2) S. die Notizen aus SKatharina bei Linz, cit. oben S. 1188 Note 2.
3) S. Bd. 3 No. 242, 1462.
4) S. Rössel ÜB. 1, 3, 1085; Waitz, Vfg. 5, 182 Note 3; und Waitz, Vfg. 7, 306 f.
5) Goldene Bulle c. 15, Hamack S. 227: Verbot aller Bündnisse unter Reichs-
angehörigen, ausschliefslich der Landfriedensverbände. Es ist nicht direkt bemerkt, ob dies
Verbot auch die Kurfürsten treffe.
— 1353 — I^ie Landeshoheit.]
Als einheitlichor Eeclitskörper erscheint das TeiTitoriuni seit etwa dem
zweiten Viertel des 14. Jhs. Die ersten Thatsachen, in welchen diese Eigen-
schaft zum Ausdruck konnnt, beziehen sich auf die höchste Gerichtsbarkeit der
Landesherren, also die Strafgerichtsbarkeit; sie liegen in den interterritorialen
Auslieferungsverträgen zunächst für Hochverräter, dann für Verbrecher über-
haupt vor^ Später wird dann die Landeshoheit viel allgemeiner für die
Handlungen der Landeseingesessenen verantwortlich gedacht^; damit tritt die
Idee eines partikularen Landesrechtes auf. Im Sinne des letzteren liegt es,
wenn man auch die sozial höchststehenden Landeseingesessenen, die Stände,
seit Mitte des 15. Jhs. durch interterritoriale Verträge an die ausschliefsliche
Rechtssprechung der heimischen Landesgewalt zu gewöhnen sucht^.
Die grölste Mühe verursachte endlich die Betonung der Wirtschafts-
einheit des Territoriums nach aufsen hin. Sie wurde auch anfangs keineswegs
in der Weise erreicht, dafs man das Territorium als einheitlichen Wirtschafts-
körper anderen Territorien gegenüber ausspielte, sondern vielmehr nur in der
Erscheinung geltend gemacht, dafs die einzelnen Landesherren in voller Ver-
tretung ihrer Territorien gewisse allgemein empfundene, also interterritoriale
Wirtschaftserfordernisse gemeinsam regelten. So kamen die Territorialgewalten
schon seit etwa Mitte des 14. Jhs. zum Abschlufs von Münz-, Zoll-, Geleits-,
Strafsen- und Schiffahrtsverträgen*; ihr gröfstes Werk in dieser Hinsicht ist
in unserer Gegend die Begründung des rheinischen Münzvereins im J. 1386-^.
Nachdem die Landesherren indes als Interpreten der Wirtschaftsbedürfnisse
ihrer Territorien nach aufsen hin aufgetreten waren, kann es nicht wunder
nehmen, wenn sie nun dieselben Territorien nach aufsen hin auch als selb-
ständige, individuale Wirtschaftskörper hinstellen wollten. Die Bewegung in
dieser Richtung, welche schliefslich im System des Merkantilismus ihren Avissen-
schaftlichen Ausdruck findet, beginnt schon gegen Schlufs des 15. Jhs., ihre
^) Auslieferungsverträge für Verbrecher zwischen den einzelnen Territorien erwähnt
Bonvalot S. 306 für sein Gebiet aus den JJ. 1115 (noch gi'undherrlich), 1259, 1382, 1387,
1392, 1395, 1400. Für Trier speziell sind die frühesten Stücke wohl aus der 1. Hälfte des
14. Jhs., s. Bd. 3 No. 106, 1324; CEM. 3, 238, 1338. Im allgemeinen s. auch noch Grün-
hagen, Schlesien unter Karl IV., Schlesische Zs. Bd. 17, 26.
2) S. z. B. Töpfer 2, 431, 1466: Kurfürst Ruprecht von Köln schreibt an den Kur-
fürsten Johann von Trier, dafs Heinrich, Vogt und Herr zu Hunolstein, von ihm die Be-
zahlung einer Schuld gefordert habe, und da er nicht sogleich zahlen konnte, so habe der
Vogt mit dem von Winneberg kürzlich einen Einfall in sein Land gemacht und daselbst ge-
raubt und gi'ofsen Schaden angerichtet. Da nun der Einfall aus, in und durch des Kurfürsten
von Trier Lande geschehen sei, so verlange er Zurückgabe des abgenommenen Gutes und
Bestrafung des Vogtes und des von Winnenberg.
3) S. oben S. 1347 Note 6.
*) S. dazu im genaueren Bd. 2 Abschnitt 4, S. 236 ff., vgl. auch Honth. Hist. 2, 319 f.
•'^) S. Bd. 2, 460 ff.
Lamprecht, Deutsches Wirtschaftslehen. I. 86
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1354 —
ersten deutlicheren Symptome sind Ausfuhrverbote für Getreide und Edel-
metalle \
Bedeutender noch für die Zukunft, wie die äufsere Politik, waren die
ersten Anfänge einer auf Verwirklichung umfassender staatlicher Ziele gerich-
teten inneren Politik der Territorien, wie sie schliefslich hier und da schon
seit Ende des 15. Jhs. in völligen Landesordnungen ^ zum Ausdruck gelangen.
Das erste Ziel, welches auf diesem Gebiete erreicht werden mufste, war
selbstverständlich die vollständige Verwirklichung des mittelalterlichen Staats-
gedankens; der Rechtsschutz mufste durchgreifend gehandhabt, Euhe und
Ordnung dauernd geschaffen werden. Die erste Mühe galt hier der Weg-
räumung einer Anzahl erheblicher Hindernisse: die Grundruhr wurde auf-
gehoben^, das Recht kriegerischer Brandschatzung begrenzt*, das Fehderecht
unaufhörlich bekämpft^, die alten Asyle, welche den gerichtlichen Straf-
vollzug vielfach illusorisch machten^, thunlichst eingeschränkt'. Dazu kam
dann als positive Mafsregel die Entwicklung einer Landespolizei auf der
Grundlage alter Wachtfronden ^, oder die Begründung einer Landgendarmerie
auf dem Prinzip des Soldwesens ^. Der Erfolg dieser Mafsregeln blieb nicht
1) S. Goerz, Regg. der Erzb. 1491 Dez. 13, dazu oben S. 597, und Ritter S. 741. Ein
Ausfuhrverbot für Gold und Silber bei Goerz, Regg. der Erzb. 1495 Aug. 11.
2) S. oben S. 1254 Note 2.
3) S. Bd. 2, 293.
*) Honth. Hist. 2, 299, 1396, Einung zwischen Köln und Trier : wir vurg. herrn ensullen
auch kein dingsal oder brantschatzungen nemen oder unser frunde lassen nemen, wir enwerden
des dan semmentlich zu rade; und wo und wanne wir die dingsal und brantschezonge er-
lauben zu nemen , so sal die iglichem von uns herrn vallen und werden zu glichem deile na
marzale der reisiger gewapneter lüde, die dan in dem velde waren.
5) Vgl. aufser Bd. 2, 292 f., Arch. Clervaux 167, 1331: Nicholaus, dit Brabant
de Ulmena, Chevalier, et Edmond, moine a Prüm, son frere, promettent entre les mains de
Jean de Kerpen, prevot de Treves, pour eux et pour les leurs d'observer la paix et
l'armistice conclus avec Walter de Clervaux. S. ferner *0r. 1338 Mai 27: Ich Walrave greve
von Zweinbrucken dunt kunt allen luden, daz ich vor mich und vor herrn . . Baidenaren
von Odenbach ritter uud vor alle unsere helfer und dinere versichert han und versichern an
diseme brieve unsers herrn von Trire . . amptlude zu Castele und die ime bevolin sin oder
werden. Vgl. ferner WAmel 1472 § 10; Honth. Hist. 2, 251, 1371, und dazu Limb. Chron.
c. 92, 1371, cit. Bd. 2, 292 Note 3.
6) S. oben S. 1059 Note 1.
'') S. oben S. 1331.
8) S. oben S. 1011 Note 2, auf S. 1012.
9) S. dazu oben S. 1277, 1302 Note 2, und Bd. 2, 293; zur Polizeigewalt der Grafen
s. Waitz, Vfg. 8, 60. In Flandern sind die Bereiter sehr alt, s. Warnkönig 2, 172 f.; im
13. Jh. sind sie schon völlig ausgebildet, als Polizeimacht ursprünglich des Grafen, dann des
Chatelain. Die niederösterreichische Polizei für das platte Land (Landprofofs) wird erst
1570 infolge der Brandschatzungen entlassener Landsknechte eingerichtet, vgl. A. König, Die
n.ö. Landprofofsen, Bll. d. Vereins f. Landeskunde von Niederösterreich N. F. 13, 247 ff. —
Zur Anknüpfung dieser wie einer Anzahl anderer Entwicklungen an die alte Regalienhoheit
s. oben S. 1277 und 1337 f.
— 1355 — I^ie Landeshoheit.]
aus und wurde schliefslich durch die Reichsreforiuen der Maxiniilianischen
Epoche noch verstärkt; war schon seit Mitte des 14. Jhs. gröfsere Landes-
sicherheit eingetreten, so genofs man seit Mitte des 16. Jhs. völliger Ruhe^
Aber die Landesherren begnügten sich nicht mit Durchführung des
mittelalterlichen Staatsideals ; sie schritten , zur Verwirklichung einer ganzen
Anzahl von neuen Wohlfahrtszwecken fort. Am frühesten geschah das wohl
in Form der Fürsorge bei besonderen Notständen oder bei besonders dürftigen
Verhältnissen. So wurde das Magaziniersystem gegen Hungersnöte seit dem
14. Jh. immer reicher entwickelt"; so half man bei Brand und Verwüstung
durch Steuernachlafs ^ , bei wirtschaftlichen Krisen durch Schuldmoratorien * ;
so nahm man die soziale Fürsorge für Bettler und Landstreicher in das Pro-
gi'amm der Landesverwaltung auf^. Aber bald ging man weiter. Der Ge-
danke positiven Schaffens für Wohlfahrtszwecke des Territoriums kam auf;
schon im 14. Jh. sorgten die Landesherren für Wege- und Brückenbau und
Besserung der Leinpfade^, und im 16. Jh. suchten sie dem Verkehr durch
Märkte und Verkaufsordnungen '^, dem Ackerbau durch territoriale Kolonisation
zu helfen^. Von diesen Mafsregeln war es dann nur noch ein Schritt bis zu
dem Anspruch, das wirtschaftliche Leben der Landeseingesessenen überhaupt
von Landesobrigkeit wegen gewissen Regelungen zu unterziehen : und mit ihm
erwuchsen die ersten noch unzusammenhängenden Anfänge einer territorialen
inneren Wirtschaftspolitik. Diesem Ideeenkreise gehört es an, wenn die Durch-
führung eines Münzsystems unter Valvation oder gar Verbot anderer Münzen
1) S. oben S. 592 Note 2; 1865; 1286 Note 2, auf S. 1287; Bd. 2, 293; und Ritter
S. 745.
2) S. oben S. 596, vgl. auch S. 838, 844, sowie G. Trev. c. 273: Otto [1418—1430] fuit
maximus elemosinarius, nam inter innumera optimi animi bona illud quoque non minimum laudi
suae accedit, quod omnia castra suae ecclesiae reformavit et reaedificavit eaque frumento et
vino abundantissime replevit, non suae avaritiae causa, sed in pauperum subsidium necnon
ad reprimendum eo facilius hostes in futurum, nam pauperibus sibi subditis et maxime
niralibus advenientibus in omnibus suis cellerariis et castris siliginem in bono foro vendi et
concedi fecit, animo nihil ab eis rehabendi. sed ne occasio otiandi daretur ipsis pauperibus,
procui'avit recipi ab eis cautionem de restituendo huiusmodi siliginem, licet nihil ab eis
repetiit.
^) S. dazu oben S. 1334 Note 3 über Kochem. Aus anderer Gegend vgl. noch
V. Below S. 38 Note 131, 1449: Lennep erhält die Accise, weil die Stadt infolge verderfliches
brantz ind schaden van veden ind auch sust zurückgegangen war. Ein allgemeines Trierer
Brand- Versicherungs-Institut wird erst 1783 errichtet, findet aber zunächst keinen Anklang;
s. G. Trev. c. 379, 1783.
*) Honth. Hist. 2, 621, 1529.
">) FAne Ordnung der Bettler vom Erzbischof Johann von Metzenhausen von 1533 im
Cod. dipl. Trev. Ms. tom. I erwähnt G. Trev. 3 S. 4 Note d, vgl. Scotti, Chur-Trier, 1, 293.
Zur landespolizeilichen Seite der Sache vgl. oben S. 1338.
6) S. Bd. 2, 242 f.
^) S. Honth. Hist. 2, 755, 1551, s. dazu Bd. 2, 270.
«) Vgl. Lamprecht in Conrads Jahrbb. N. F. Bd. 11, 339.
86*
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1356 —
versucht wird^ wenn der Landesherr die Kegelung der Heimatsverhältnisse
der Unterthanen in die Hand nimmt ^ und den Übergang von Grund und Boden
in das Eigentum der toten Hand verbietet^, wenn er weiterhin gemeingültige
Wirtschaftsordnungen, z. B. für den Weinbau, erläfst* und die Bewirtschaftung
der Privatwälder landesherrlicher Oberaufsicht unterstellt^.
Die Wirkung solcher Mafsregeln konnte nicht zweifelhaft sein, namentlich
sobald sie aus ihrer Vereinzelung heraus zu einem abgeschlossenen System
ergänzt wiurden: sie mufsten die Durchbildung des Territoriums zu einem
besondern, für sich bestehenden, originalen Körper zur Folge haben. Das
aber war überhaupt, bald mehr bald minder ausgeprägt, die Konsequenz der
neuen staatlich-territorialen Politik: indem sie das aus den verschiedensten
Bestandteilen zusammengesetzte, durch militärische Kraft zusammengehaltene
Ter}*itorium mit einem immer dichteren Netz wirtschaftlicher, rechtlicher und
politischer Beziehungen umstrickte, wurde sie recht eigentlich erst Schöpferin
des neuzeitlichen Territorialstaates. Durch militärische Machtentfaltung war
aus dem losen Zusammenflufs halbstaatlicher Kräfte und abgeleiteten Reichs-
rechts die Landesgewalt gebildet worden, die Landeshoheit erwuchs aus dieser
Gewalt durch konsequente Weiterbildung der in ihr beruhenden Befugnisse
unter dem einheitlichen Gesichtspunkte des modernen Staatsideals.
J) S. Bd. 2, 361, speziell Note 3; aucli S. 359 Note 5.
2) Vgl. die Einungen (uniones vicinales) seit Honth. Hist. 2, 344, 1406, dazu oben
S. 1209 Note 2, aus späterer Zeit Honth. Hist. 3, 40, 1574; 157, 1586; 159, 1588; 166, 1590;
Scotti, Chur-Trier 1, 544, 1590; Honth. Hist. 3, 243, 1609; 923, 1723. S. auch oben
S. 1208 f.
^) Honth. Hist 2, 619, 1528: Erzbischof Jacob an den Schultheifs uf der Alben: Lieber
getreuer, uns langet an, wie der abt zu Bruweiler in willen und arbeit ste, etliche gueter
uf der Alben an sich und sein gotteshaus zu bringen etc. nu sein wir in meinungen und
ganzen willens, kein erbgueter an soliche geistlichen hinfurther kommen zu laissen; demnach
dir mit ernst bevehlend, obgedachter abt oder iemants der seinen an dich gesinnen wurde,
ime derhalb gericht und recht zu thun, du wullest ime ein solichs abschlagen, nit bescheiden
thun, und ime gemelte unsere meinongen und willen vorhalten, sich darnach haben zu richten.
*) S. oben S. 583 Note 10, sowie S. 1341 Note 5.
•5) S. darüber, soweit es sich um standesherrliche Wälder handelt, schon oben S. 1338
Note 4 und S. 1346 Note 7. Eine kurfürstlich trierische verbesserte Wald- und Forstordnung
vom 31. des Heumonats 1786 im St. A. Koblenz, 48 SS. mit Anlagen Litt. A— E; |s. auch
oben S. 517 Note 9, auf S. 518. Vgl. ferner die Mitteilungen Winters zur österreichischen
Forstverwaltung in den Bll. des Vereins f. Landeskunde von Niederösterreich, N. F. 16, 273 ff.
3. Die Landesverwaltung.
Der Fiskus Sinzig war wohl der gröfste von allen Fisci der Mosel- und
Mittelrheiugegenden, ursprünglich umfafste er 5 bis 6 Quadratmeilen ^ Kein
Wunder daher, wenn sein Hauptort Sinzig zugleich Pfalzort war; in der mit
einer Kapelle des heiligen Petrus versehenen Pfalz pflegten die deutschen
Herrscher von der Karolingerzeit ab namentlich dann zu weilen, wenn sie vom
Rhein hinweg nach Aachen ziehen wollten^. Das Fiskalgebiet selbst blieb in-
des nicht lange ungeschmälert; schon im 8. Jh. kam der westliche Teil mit
dem Orte Kefsling an Prüm^, und im J. 1065 wurde gar der Kern des Be-
zirkes, das Pfalzdorf Sinzig, mit seinen Hörigen, Weilern, Wingerten, Mühlen,
Fischereien, Einkünften und Gefällen, Münze, Markt, Zoll und Gerichtszwang
an das Erzstift Bremen geschenkt*. Nun scheint allerdings diese Schenkung
nur auf etwa drei Menschenalter Bestand gehabt zu haben, denn von den
ersten Zeiten Friedrichs I. ab halten sich die Staufer häufig und bisweilen
längere Zeit in der wiederum villa regia genannten Pfalz auf^; indes hat
1) S. oben S. 714 f.
2) Vgl. MR. ÜB. 1, S. 18, 762: Sentiaco palatio. S. ferner Einh. Transl. ss. Petri et
Marcell. c. 44, 45, 828: villa regia, cui Sinciacus vocabulum est. Hier bleibt Einhard über
]S"acht, sicher in der Pfalz. Pfalz ist Sinzig auch noch 842 : Nith. Hist. 3, 7, MGSS. 2, 667.
Über die Kapelle des h. Petrus s. CRM. 1, 15, 855.
3) Vgl. MR. ÜB. 1, 15, 762.
^) Lappenb. Hamb. ÜB. 1, 94.
^) Bei Otto V. Freising 2, 3, 1152, heifst Sinzig wieder villa regalis; und 1158 hält
sich Kaiser Friedrich I. in Sinzig auf, Urk. mit Actum Sinzeke im MR. ÜB. 1, S. 673 und
mit Actum in regia villa Sinzeche CRM. 1, S. 362; apud Sinzeche Lac. ÜB. 1, 315,
1174, apud Sinzeke Lac. ÜB. 4, 633, 1174. Der Kaiser empfängt ferner französische Ge-
sandte zu Sinzig: Ann. Col. max., MGSS. 17, 790; das Jahr ist 1181, s. Goerz, MR. Reg. 2,
461; Säur, Forsch, z. D. Gesch. 8, 553—4. K. Heinrich VL ist in Sinzig 1192, Quix, Cod.
Aqu. 1, 50, 1193; Stumpf, Acta imp. 264, No. 191. K. Philipp ist April 1207 in Sinzig,
Ann. Col. max., MGSS. 16, 822; K. Heinrich VII. endlich ist 1225 in Sinzig, Huillard-
Breholles 26, 858.
[Entwicklung der Lanclesgewalt. — 1358 —
allem Anscheine nach die zeitweise Veräufserung doch genügt, um die alte
Fiskalverfassung zu stürzen. Mit dem Wegfall des Pfalzdorfes wurde die
Stellung des karolingischen Iudex naturgemäfs gegenstandslos; die einzelnen
^Meier der Fronhöfe — also auch der des nunmehr erzstiftisch bremischen
Hofes Sinzig — wurden selbständig. Das blieb auch so, als spätestens um die
Mitte des 12. Jhs. der Pfalzort wieder an das Keich kam; in Sinzig selbst
gab es auch jetzt, wie in allen andern Fronorten des Pfalzgebietes, blofs noch
einen königlichen Meier ^; handelte es sich um Angelegenheiten und Versamm-
lungen der gesamten Pfalzeingesessenen, so stand nicht ein Schultheifs, sondern
das Kollegium der Meier an der Spitze derselben^.
Dieser Abänderung alter Verfassungsgrundlagen folgte aber mit dem
13. Jh. die Ausbildung einer besonderen Kommunalverfassung im Orte Sinzig:
schon im J. 1227 findet sich hier ein Magister ville, und im J. 1289 ist der
Abschlufs in der Gliederung von Bürgermeister, Ratsmannen und Bürgerschaft
erreicht^. Diese Aussonderung seit dem 13. Jh. gestattete natürlich ganz
anders, wie im 11. Jh., eine besondere Verpfändung oder Veräufserung des
Pfalzortes Sinzig*; und so finden wir denselben 1267 im Besitz des Erzstifts
Köln, 1276 in dem der Grafen von Jülich, 1277 wieder unter Köln, 1295
von neuem an Jülich verpfändet, 1298 nochmals an Köln gegeben, 1348 end-
gültig vom Reich an Jülich entfremdet, 1352 von Jülich an das Erzstift Trier
verpfändet, bis er endlich durch Erbschaft an die Herzöge von Berg fiel.
Die bisher betonten Momente, der frühe Untergang der oberen Fiskal-
verwaltung und die zeitige Aussonderung des Pfalzortes Sinzig aus dem Fiskus
mit der Konsequenz vollständig eigner Verfassungsentwicklung desselben er-
möglichten es nun, dafs sich auf dem Boden des alten Pfalzgebietes aufser-
halb des Pfalzvorortes auch noch zwei gröfsere, der Ministerialität angehörige
Amtsbildungen entfalteten. Es sind dies die spätere Burggrafschaft Landskron
und die Burggrafschaft Hammerstein.
1) Ann. d. hist. V. 23, 266, 1162: Adalbero villicus de Senzecho. Quix, Cod. Aqu.
1, 73, 1222: Gerhardus de Sinceke villicus; Lac. ÜB. 2, 162, 1229: Herimann Meier von Sinzig.
2) Äufserst charakteristisch ist Quix, Cod. Aqu. 2, 105, No. 149, 1227: Auflassung in.
curia de Sintzge coram villicis, ministerialibus, scabinis et mansionariis eiusdem ville. Die-
selbe Auflassung findet in Aachen dagegen coram advocato, sculteto, scabinis, burgensibus,
militibus et hominibus imperii statt. Das Kollegium der Sinziger Villici ist wohl auch unter
den iudices in Guden. CD. 2, 969, 1280 zu verstehen: iudices, milites, filii militiun ac
universitas opidanorum in Sinziche bezeugen einen Akt freiwilliger Gerichtsbarkeit des Ger-
hard von Landskron. Daran das sigillum oppidi nostri. Doch scheint bei weniger wichtigen
Angelegenheiten der Sinziger Meier allein die Sache des ganzen Bezirks geführt zu haben,
vgl. Quix, Cod. Aqu. 1, 73, 1222.
3) Quix, Cod. Aqu. 2, 105, No. 149, 1227 : Riquinus magister ville, Georgius campanarius
von Sinzig; Guden. CD. 2, 973, 1289: nos magister civium, consules et universi cives
de Sinzege.
•*) Doch scheint hier noch der ganze Pfalzbezirk verliehen zu sein, vgl. CRM. 2^
227, 1267.
— 1359 — I)ie Landesverwaltung.]
Von ihnen gehört die Burggrafschaft Hammerstein allerdings dem Fiskus
Sinzig nicht eigentlich an, sie liegt auch räumlich entfernter von ihm, als vom
PMskus Andernach. Indes linden sich seit dem 13. Jh. doch viele Beziehungen
der Hannnersteiner Burggrafen zu Sinzig: abgesehen von einein späteren Burgen-
besitz ^ und den engen Familienbeziehungen zur leitenden Sinziger Familie^
haben sie teil an Rechtspflege und Gerichtsgefällen ^: so dafs eine Feststellung
der Entwicklung ihres Amtes auch für die Sinziger Fragen von Interesse ist.
Freilich ergiebt sich da keine Sicherheit über Zeit und Art der Einbeziehung
der Hammersteiner Burggrafen in die Sinziger Verfassung; war in letzterer
Beziehung wohl das Bedürfnis mafsgebend, der alleinstehenden Burggrafschaft
irgend wTlche feste Einkünfte zuzuweisen, so mufs in ersterer Hinsicht ange-
nonnnen w^erden, dafs es nach dem Übergang des Fiskus Andernach an das
Erzstift Köln im J. 1167 passend erscheinen mochte, die Burg Hammerstein
nunmehr dem nächstgelegenen noch unveräufserten Fiskus, d. h. eben Sinzig,
für die Gewinnung derartiger Einkünfte anzuschliefsen. Die Burg Hammer-
stein selbst w^urde nach ihrer Zerstörung im J. 1021 * auf Befehl Heinrichs IV.
im J. 1071 wieder aufgebaut^, schon 1074 ist dann an ihrem Fufse eine Zoll-
stätte vorhanden^, unter deren Verkehr sich der im J. 1139 zuerst genannte
1) Guden. CD. 2, 988, 1306: die Burggrafen von Hammerstein haben ein festes Haus
in Bodendorf.
2) Guden. CD. 2, 976, 1298: der jüngere Gerhard von Landskron heiratet Beatrix,
Tochter des Burggrafen von Hammerstein.
3) Vgl. CRM. 2, 274, 1276: Graf Wilhelm von Jülich (seit 1276 ist Sinzig im Besitz
des Grafen) bestätigt den Burggrafen von Hammerstein iura sua in bonis de Sinzeche;
gaudeant libere ab hoc tempore ut antea tertia parte iudiciorum, precariarum seu petitionum
exactorum donorum et aliorum ibidem emergentium quorumcumque in bonis predictis, prout
hec omnes progenitores ipsorum burgraviorum ac etiam ipsi a retroactis imperatibus et
regum Romanorum temporibus habuerunt. Dagegen haben sie nichts in personis rebus et
servltiis emergentiis Judeorum et Cauvercinentium residentium vel venientium apud Sinzeche,
nisi de causis in iudicium tractis, de quibus nos auctoritate imperi'i libere disponere poterimus.
S. ferner Ernst, Hist. du Limbourg 6, 206, 1226: die Burggrafen von Hammerstein haben
den dritten Teil des Rostant genannten Rechtes in Sinzig vom Reiche zu Lehen. CRM. 9,
156, 1253: Friedrich Burggraf von Hammerstein und Gerhardus dominus de Landiscrone
promulgieren eine in Sinzig gemachte Schenkung. Unter den Zeugen auch die mansionarii
de Sinzeche, qui vulgo dicuntur hovinnere. CRM. 2, 227, 1267: Erzbischof Engelbert ver-
sichert, quod nos dilectos fideles nostros Arnoldum et lohannem burgravios de Hamerstein,
Gerardum et Theodericum de Lanzkronen fratres ceterosque milites, ministeriales, et universos
opidanos de Sinzeche tenebimus et conservabimus apud Sinzeche in omni iure et libertate, que
hactenus ab imperio tenuerunt ac antiquo.
*) Vgl. MR. ÜB. 1 S. 345, 1020; Goerz, MR. Reg. 1, 1215—16; s. neuerdings
K. Menzel, Irmengard von Hammerstein, in Maurenbrechers Taschenbuch VI, 5, 89—119.
^) Lambert z. d. J., MGSS. 5, 180.
«) Schannat, Hist. Wormat. 2, 342, 1074; Ludwig, Reliqu. 2, 180, 1112; Schannat
a. a. 0. 2, 86, 1184; Moritz, Worms S. 153, 1208.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1360 —
Ort (Ober-, Nieder-)Haiiimerstem entwickelt haben mag^ Von der Besatzung
der Burg hört man wohl zum erstenmal durch einen Brief der Bamberger
Stiftsherren an Kaiser Heinrich V., der von Ministerialen, qui apud Hamerstein
praesident, spricht^. Befehlshaber war damals wohl der Reichsministeriale
Engelbert, den wir 1120 als königlichen Kommissar (Gesandten), 1129 am
Königshofe zu Duisburg treffen^. Ihm folgte der Ministeriale Ludwig, der
zum erstenmal (1163) Burggraf genannt wird^; er war zugleich Vogt der
Deutzer Abtei für Remagen^. Der Nachfolger Ludwigs endlich, der Burggraf
Arnold (mindestens 1202 — 1218) erscheint als einer der hervorragenderen
Eeichsdienstmannen ^ dieser Zeit; er ist oft am Hofe und schwört im J. 1207
mit andern Ministerialen für den König ^ Unter ihm lernen wir eine ganze
Anzahl von untergeordneten Hammersteiner Rittern kennen, so Hermann und
Arnold, Ludwig und Konrad ^.
Zeichnet sich die Hannnersteiner Entwicklung dadurch aus, dafs man in
ihr ein Reichsministerialengeschlecht in relativ früher Zeit zu bedeutendem
Einflufs erstarken sieht, ohne dafs ein genauerer Einblick in die Entwicklung
möglich wäre, so ergiebt sich für die Entwicklung der Burggrafschaft Lands-
kron gerade das umgekehrte Verhältnis: sie liegt später und läfst sich
weiter ins Detail hinein verfolgen. Beiden Burggrafschaften aber ist es ge-
meinsam, dafs sie Ämterbildungen auf neuen Burgen, auf verfassungsgeschicht-
lich voraussetzungslosem Boden, und damit in für ihre Zeit besonders moderner
Erscheinung zur Auswirkung bringen.
Die frühesten Ministerialen, welche wir in Sinzig kennen lernen, sind
Rudolf 1158; Eppo und Reinger 1162; Konrad 1174, wenig später Heinrich;
vielleicht gehörte auch der Stiftsherr Johannes von SFlorin - Koblenz (1191)
einem Sinziger Ministerialengeschlecht an^. Von allen diesen Dienstmannen
wissen wir fast nur die Namen; bedeutend wird erst der von 1207 ab nach-
weisbare, um 1228 verstorbene Gerhard [L] von Sinzig ^^. Er findet sich oft
1) Vgl. MR. ÜB. 1 S. 560, s. aucli CRM. 1 S. 431, 1179. Zu den sonstigen Schick-
salen der Burg s. Giesebrecht 3, 715, 811.
2) Cod. Udal. 223, 1111—1125.
3) Brower. Ann. 2, 14, vgl. Goerz, MR. Reg. 1, 1716; Lac. ÜB. 1 S. 201, 1129.
*) Lac. ÜB. 1 S. 299. Vgl. sonst über ihn CRM. 1 S. 297, 1145; Kremer, Orig. Nass.
2, 186, 1159, sowie:
5) Ann. d. hist. Ver. f. d. Niederrh. 23, 265, 1162.
6) Vgl. über ihn CRM. 2 S. 79, 1202; Wegeier, Laach 2, 15, 1210; MR. ÜB. 3 S. 17,
1213; Huillard-Breholles l^ 408, 1215; MR. ÜB. 3 S. 54, 1216; S. 80, 1218.
'') Lac. ÜB. 2 S. 11.
«) Vgl. CRM. 2 S. 79, 1202; MR. ÜB. 3 S. 4, 1213; 2 S. 254, 1204; 3 S. 193, c. 1209
(zur Datiemng letzterer Urk. s. Goerz, MR. Reg. 2, 1896).
^) CRM. 1 S. 362, 1158; Ann. d. hist. Ver. f. d. Niederrh. 23, 265, 1162; Lac. ÜB.
4, 633, 1174; Erhard, Cod. Westf. 2, 256; MR. ÜB. 2, 118, 1191.
^ö) Lac. ÜB. 2 S. 11, 1207; Goerz, MR. Reg. 2, 1862, 1228.
— 1361 — l^ie Landesverwaltung.]
am Hofe ^; seit 1216 ist er Prokurator sämtlicher Reichsgüter des linken Rhein-
ufers von der Mosel abwärts^; späterhin hat er auch das Sinziger Königs-
meieramt inne ^.
Ein dauernder Anlals zu weiterem Aufschwung aber wurde für die
Ministerialität — und vermutlich besonders für das Geschlecht Gerhards —
erst durch die angeblich im J. 1206 erfolgte Erbauung der Burg Landskron'^
gegeben. Als sich König Friedrich IL im J. 1214 im Lager vor der Burg be-
fand, versprach er dem Ministerialen Gerich win von Sinzig für den Fall der
Erobenmg der Burg sub fide regia pro . . fidei et devotionis (suae) obsequiis . .
(Landscron) castri palatium . . custodiendum ; [ceterum] de bonis nostris et
imperii tibi assignabimus, quod tu ipsum castrum in L. simul cum palatio . .
possis conservare. ad haec parentes et amicos tuos, qui sunt castellani in ipso
Castro Landiscron, quos ibi locavit . . rex Philippus, ibi habitare volumus . . .
insuper officium in Sinzeche cum omni iure et codicibus suis tibi committimus,
ita ut tu nobis inde solvas debitam annuam pensionem^. Die hiermit ge-
schaffene Lage wurde im J. 1226 durch einen weiteren Gnadenbeweis noch
besser gestaltet ; damals gab der König an Gerichwin ins patronatus in Kunigs-
felt tali modo, quod nullus ibidem instituatur clericus, nisi faciat residentiam
in villa prenotata, et in capella nostra Landscron tam per se tam per alium
procuret divina officia celebrari^. Gerichwin scheint sein Amt bis zum
J. 1230 — vermutlich bis zu seinem mit dem Ableben Gerhards I. nahe
zusammenfallenden Tode — geführt zu haben; zum letztenmal erscheint er
im J. 1227, am Hofe Heinrichs Yil. zu Oppenheim \ Sein Nachfolger war
Gerhard [IL] von Sinzig, der vermutlich von c. 1230 bis 1284 Befehlshaber
von Landskron war^. Wir finden ihn 1230 als Mann der Grafen von Geldern,
1) So im J. 1207 in Köln, Lac. ÜB. 2 S. 11; 1212 in Aachen, Lac. ÜB. 2, 40; 1215
in Aachen, Huillard-BrehoUes l^^, 408; 1222 in Aachen, Lac. ÜB. 2, S. 79; Butkens, Troph.
1, 68; Quix, Cod. Aqu. 1, 50; 1225 in Kaiserswerth, Lac. ÜB. 2 S. 66.
2) MR. ÜB. 3, 47. Über eine verwandte Stelle in Boppard s. oben S. 726 Note 2.
3) Quix, Cod. Aqu. 1, 73, 1222: Albero Sconevedere de Sinceke . . predium, quod
habuit apud Consdorp, Sinceke, Westheim et alibi . . iibenim dimisit et hoc manifeste fecit
in iudicio de Sinceke, Gerhardo de Sinceke villico presidente, in presentia ministerialium
imperii, scabinorum et hominum totius ville, qui omnes vinum testimoniale de hoc facto . .
biberunt.
*) 1212 erteilt K. Otto IV. auf Landskron der Kapelle unter der Burg einen Schutz-
brief und Abgabenfreiheit; Goerz, MB. Beg. 2, 1180. Cesarius von Prüm nennt um 1222 im
LTPrüm S. 175 Note 1 Landeski'on castrum regium.
">) MR. ÜB. 3, 19, 1214.
6) MR. ÜB. 3, 292, 1226.
'^) Lac. ÜB. 2 S. 77.
^) 1285 ist über die Erbschaft eines Burggrafen Gerhard von Landskron Streit, Guden.
CD. 2, 971. Dieser Gerhard lebte noch 1284, vgl. die Zeugenreihe in CRM. 2, 314. Er
hatte ferner Dietrich und Lufried zu Brüdern, mit welchen beiden er 1248 (Guden. CD. 2,
945), mit deren ersterem er 1267 (CRM. 2, 227) zusammen genannt wird. Dietrich war 1276
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1362 —
von Nainur und Vianden; später ist er auch noch Jülichscher Mann geworden ^
Im J. 1230 in die Reichsdienstmannschaft übergegangen^ ist er sicher schon
1231 fest im Amt verwendet^, 1233 befindet er sich in Sinzig*, 1238 kommt
er vom Reichsdienst aus Italien heim-^, seit 1241 zeigt er sich evident im
Besitz des Sinziger Königsmeieramts ^, 1244 wird er zuerst ausdrücklich Burg-
graf von Landskron genannt'. Nach Lage der Sache ist indes kein Zweifel,
dafs Gerhard von vornherein Burggraf war und zugleich das Meieramt führte,
sonst hätten 1231 und 1233 für ihn ergangene Befehle^ keinen Sinn. In diesem
kombinierten Amt blieb Gerhard nun sein Leben lang, mehr als ein halbes
Jahrhundert; es ist leicht begreiflich, dafs es seiner, nach allem, was wir wissen,
kraftvollen Persönlichkeit gelang, in so langer Zeit unter den mannigfachen
Reichswirren zu einer im Sinne des Lehnswesens nahezu selbständigen Herr-
schaft zu gelangen, welche sich schliefslich über die Burg und ihr Gebiet so-
wie fast alle Reste des Fiskalbezirks erstreckte, soweit sie nicht der Stadt
Sinzig angeschlossen waren. Schon 1246 ist der König in seiner Schuld und
mufs ihm 5 mr. Rente und einen Wald für Burgbauauslagen in der Höhe von
100 mr. verpfänden^; 1248 erscheint das Burggrafengeschlecht in der Auf-
lösung aller Reichsverwaltung auf kurze Zeit nahezu selbständig. Damals
schwören Gerhard von Sinzig und seine Brüder dem Stift Köln Urfehde:
contra . . ecclesiam Coloniensem de Castro Landscrone nichil attemptabimus
aut faciemus, nee guerram ipsis movebimus . .; et si forte hi, qui maiorem
nobis potestatem habent in ipso Castro, vellent movere guerram . . ecclesie . . ,
nos pro posse nostro a tali proposito removebimus eosdem ; et si ipsos revocare
tot, vgl. CRM. 2, 276; Lufried ist vermutlich schon vor 1267 gestorben, da er CRM. 2, 227
nicht mit genannt wird. Steht so auf der einen Seite fest, dafs ein und derselbe Gerhard
von 1248 bis 1284 Burggraf auf Landskron war, so ist es wahrscheinlich, dafs er sehr alt
geworden, da er seine beiden vor 1267 bezw. 1276 gestorbenen Brüder weit überlebte. Es
steht also nichts im Wege, ihn für denselben Gerhard zu halten, der schon 1231 als erster
Ministeriale in Sinzig erscheint, s. MR. ÜB. 3, 429, um so mehr, als für die Jahre 1231 bis
1248 keinerlei Anzeichen vorliegen, dafs während dieser Zeit mit dem häufig genannten
Namen Gerardus im Anfang und Ende der Periode zwei Personen bezeichnet würden. Auch
Guden., CD. 2, 935, identifiziert den 1230 und 1248 genannten Gerhard. Übrigens ist es hier
nicht unsere Aufgabe, die Genealogie der Burggrafen von Landskron zu erledigen.
1) Guden. CD. 2, 935, 1230; MR. ÜB. 3, 1091, c. 1250.
2) Guden. CD. 2, 936, 1230.
3) :MR. UB. 3, 429, 1231.
^) :VIR. UB. 3, 475, 1233.
•^) MR. UB. 3, 610, 1238: Gerhard von Sinzig heifst vallettus et fidelis imperialis,
kommt aus Italien zurück mit 5 servientes und 7 equitature.
6) ISIR. UB. 3, 746, 1242.
7) MR. UB. 3, 788, 1244.
«) MR. UB. 3, 429, 1231; 475, 1233. Über diese Befehle s. bald das Genauere unten
S. 1365 Note 4.
9) MR. UB. 8, 869, 1246.
— 1363 — Die Landesverwaltung.]
non possunius, iios . . arcliiepiscopo ad tres septiiiianas prediceiims^ Ein
Ausdruck dieser voniehmlicli infolge der Zerrüttung des Reiches erworbenen
Selbständigkeit wird auch im Titel gewonnen; 1253 nennt sich Gerhard
niclit mehr burgravius sondern dominus de Landiscrone, bald darauf kommt
auch das einfache Gerhardus de Landiscrone statt des bisherigen Gerhardus
de Sinziche vor^. Doch erfolgt nach dem für das Reich verhängnisvollen
Schlufs der vierziger Jahre des 13. Jhs. nochmals eine Periode stärkerer Heran-
ziehung zum Reichsdienst, welche durch eine Urkunde des erwählten Königs
Konrad vom J. 1251 eingeleitet wird, in welcher dieser den Burggrafen vom
Tode Kaiser Friedrichs IL benachrichtigt und ihm Schadloshaltung für alle
bisher zu Gunsten des Reichs gemachten Ausgaben verspricht, sobald er an
den Niederrhein komme ^. Zu mehr als dieser blofsen Ankündigung brachte
es indes erst das Regiment der Könige Wilhelm von Holland und Richard
von Kornwallis, für welche die Sinziger Dienstmannen um so wichtiger sein
mufsten, je mehr der Schwerpunkt ihrer Thätigkeit an den Niederrhein fiel.
Unter ihnen finden wir Gerhard im J. 1255 als kaiserlichen Kommissar nach
Dinant bestimmt, und im J. 1258 mit zwei Rittern gegen Worms entboten*.
In gleicher Zeit erhielt aber Gerhard von König Richard auch eine neue Be-
stallung als Burggraf von Landskron. Diese Bestallung ist für die nun-
mehrige Stellung der Königsgewalt zum ehemals völlig abhängigen Ministerialen
bezeichnend : protestamur, quod nos Gerharde burggravio de Landscron, dilecto
fideli nostro, castrum nostrum in Landscron commisimus eodem modo
tenendum, quo ipsum castrum hactenus tenuit et possedit^. Das ist alles:
die Bestallung ist zur reinen Formalie geworden : in der That war der Burg-
graf schon damals nahezu nur noch im Sinne des Lehnswesens abhängig : seine
Freiheiten wuchsen von Jahr zu Jahr. Schon Gerhard IL war Schwager des
Grafen von Neuenahr geworden ; sein Sohn Gerhard HL heiratete die Tochter
eines reichen Kölner Schöffen^; so wurde die soziale Stellung der Familie
durch vornehme und reiche Verwandtschaft gehoben. Zugleich sorgten die
Könige durch stets erweiterte Belehnungen für die Vermehrung des Besitzes ^ ;
1) MR. ÜB. 3, 953, 1248.
2) CRM. 2, 156, 1253; MR. ÜB. 3, 1451, 1258; Guden. CD. 2, 953, 1266. Dagegen
nennt sich Gerhard bei Guden. 2, 948, 1249, selbst noch miles de Sinzeke burgravius in Landis-
crone. Ähnlich ist der Ausdruck in einer Urkunde Wilhelms von Holland, MR. ÜB. 3,
1308, 1255.
3) MR. ÜB. 3, 1101, 1251.
4) :\IR. ÜB. 3, 1308, 1255; 1451, 1258.
5) MR. ÜB. 3, 1402, 1257.
6) Vgl. MR. ÜB. 3, 1168, 1252; Guden. CD. 2, 962, 1276.
'^) Guden. CD. 964, 1276: K. Rudolf erneuert dem Miles Gerhardus de Lantzkrone
concessiones donationes et infeodationes villarum Conixfelt de Heckenbach cum hominibus
iuribus et iurisdictionibus, cum siivis et nemoribus infra limites earundem . . sitis . . , prout a
nobis et sacro Romano imperio dependent et prout ipse et sui progenitores ea hactenus . .
possederunt et tenuerunt . . . ipsumque G. et eins heredes utriusque etiam sexus infeodamus
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1364 —
und die Burggrafen kauften selbst zur Arrondierung noch fehlende Teilet
Auf diese Weise entstand ein Durcheinander allodialen, feudalen und ministe-
rialischen Besitzes, dessen Scheidung infolge gleichmäfsiger wirtschaftlicher Be-
handlung schon nach dem Tode Gerhards IL zu Streitigkeiten führte, welche
nur durch Schiedsgericht zu schlichten waren. Zugleich aber finden wir bei
diesem Erbgang den Gesamtbesitz schon als völlig einheitliche Erbmasse be-
handelt; in der Auseinandersetzung der erbenden Söhne Gerhard IE. und
Otto heifst es, ohne dafs die Ansprüche des Reiches weitere Beachtung finden :
1) dat her Gerart havin sal die burch zu Landiscrone, bid ludin ind bid gude,
dat zu dis husis hudin gehört, als id sin vadir hatte vanme Riche, ind Otte
nit; 2) dat her Gerart ind Otte deilin solin bescheidinliche al sulch erve, als
ir vadir und ir mudir hattin, so wa id si gelegin ; 3) ove her Gerart ind Otte
zveinde wurdin umb ir erve, dat her Gerart spreche, id horte zume Riche,
ind Otte spreche, id horte zu irme erve, dat sal ervarin her Heinrich dir Gude
[Rittergeschlecht in Sinzig], der aide, bid warheide ove bid rechte^. Der
hier erhaltene Eindruck weitgehender Verfügungsfreiheit des Erblassers bezw.
der Erben verstärkt sich noch bei der Lektüre des Testamentes, welches
Gerhard IIL als dominus castri de Landscrone^ im J. 1311 machte*; hier ist
von ministerialischer Abhängigkeit gar nicht mehr die Rede. Alledem aber
entspricht es, wenn die BurggTafen nach den letzten Diensten unter König
Richard im 13. Jh. niemals wieder zu Reichsdienst aufgeboten worden sind,
wenn sie statt dessen vielmehr Ämter seitens einiger Territorialherren an-
nehmen, deren Führung neben dem Reichsamt schlimme Verwicklungen nicht
ausschlofs und deshalb vom Gesichtspunkte einer energischen Reichsverwaltung
aus nicht statthaft war^.
Gleichwohl müssen doch auch noch am Schlufs des 13. Jhs. die nunmehr
freilich eigenmächtig ausgeübten Amtsfunktionen der einstmaligen einfachen
Reichsdienstmannen als der Kern der burggTäf liehen Macht bezeichnet werden.
Worin bestanden aber jene Funktionen? Die beste Einführung zu einer Ant-
wort auf diese Frage gewährt ein Rezefs vom 2. Mai 1242 betr. Abrechnung
Gerhards von Sinzig über seine villicatio coram officiatis [regis Conradi IV.] ^.
Sie ergiebt folgende Posten:
de eisdem villis. S. ferner Guden. CD. 2, 975, 1296; vgl. auch Guden. CD. 2, 955, 1270:
die Inhaberin eines Landskroner Lehens und ihre Erben übertragen dasselbe an Gerhard
den Burggrafen; sie versprechen, quod in primo adventu gloriosissimi domini Komanorum
regis [Ptichardi] procurabunt, ab ipso assignari et concedi prenotato Gerardo suisque here-
dibus feodum memoratum.
1) Guden. CD. 2, 956, 1271.
2) Guden. CD. 2, 971, 1285.
3) Guden. CD. 2, 997, 1310.
4) Guden. CD. 2, 1002, 1311.
5) Guden. CD. 2, 973, 1289; 986, 1305.
6) MR. ÜB. 3, 746, 1242.
V
J5 5J
— 1365 — Die Landesverwaltung.]
Einnahme:
[Pecunia] Redditus 28^/4 mr.
ludei 5 ,,
Uxor prepositi 15 „
Precaria 50 „
ludei 15 „
Exactiones in hostes imperii 105 „
Annona Siligo 38V2 mir.
Avena 30 mir. = 8^/4 mr.
Vinum 16 carr.i.
Summa 227 1/2 mr.2.
Ausgabe:
[Pecunia] Rest der vorigen Rechnung . . . . 28 mr. 8 s. — d.
Militia Gerhards, alte Schuld 20 „ — „
Feuda castelli [Landscron] 14 „ — „
Blide 18 „
Expensa pro rege in Sinzich 62 „ 2 ,, 2 „
Expensa pro militibus regis 31 „ 9 „ — „
Expensa messis et autumni 6 ,, 4 „ — „
Dextrarii pro regis servitio 91 „ — „ — „
Balistarii sex per tres menses 18 „ — „ — „
Expensa pro rege apud Treverim 8 Ib. — „ — „
Expensa Gerardi Aquis, Colonie, Moguntie . 10 mr. — „ — „
Summa 306 mr. — s. — d.
Computatis hinc inde singulis et universis nos [rex] tenemur solvere eidem Gerardo
78 mr. et dimidiam mr.; et habebit officimn usque ad festum sancte Margarete
proxime fiiturum.
Aus dieser Kechnimgsablage folgt, clafs die Grundlage des Sinziger Burggrafen-
amtes eine doppelte war, eine militärische und eine administrative. Gerhard
von Sinzig war, als er diesen Rezefs erhielt, einmal Burggraf (im spezifischen
Sinne des Wortes) von Landskron, andrerseits Königsmeier von Sinzig. Da-
bei wurden die beiden Ämter noch im Sinne einer blofsen Personalunion in
den Händen Gerhards vereint; das Meieramt wird ihm nur bis nächste Maga-
rethen verlängert. Indes diese Verlängerung war doch nur noch formal.
Schon Gerich win hatte 1214 neben der Burg Landskron das Königsmeieramt
Sinzig erlangt und wenigstens bis zum J. 1222 behalten^; auch Gerhard hat
das Meieramt sofort mit dem Burggrafenamt erhalten*, und er ist noch 1246
^) assignata duci Brabantie.
*) Nach der Urkunde.
3) S. oben S. 1361 Note 3.
*) Das geht fast sicher schonlaus der Bestimmung der Urkunde MR. ÜB. 3, 429, 1231
über die Abrechnung hervor. Völlig klar aber ist MR. ÜB. 3, 475, 1233, K. Heinrich an
die Sinziger Ministerialen: volentes universa bona et res ditioni nostre attinentes tam in
possessionibus quam in fermis illesas nobis et imperio conservari necnon fermam nostram
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1366 —
im Besitz desselben \ trotz der im Rezefs gegebenen, scheinbar definitiv ab-
schliefsenden Verlängerung auf nur eine Etatsperiode. Weiterhin haben wir
allerdings keine urkundlichen Nachrichten; nach dem ganzen Habitus mittel-
alterlicher Verfassungs- und Verwaltungsverhältnisse aber unterliegt es wohl
keinem Zweifel, dafs beide Ämter gewohnheitsmäfsig in den Händen des Burg-
grafen blieben und dadurch auch realiter vereinigt worden sind.
So war denn der Burggraf vor allem militärischer Beamter: er wahrte
die Burg, sorgte für deren bauliche Instandhaltung, befehligte die Besatzung,
zog auf Königsgebot ins Feld^. Aber er war zugleich Verwaltungs- und vor
allem Finanzbeamter: er trieb Bede und Steuern ein, erhob die Natural-
einkünfte des Königshofes, stand mit der Zentralverwaltung in amtlichem,
namentlich Finanzsachen betreffenden Schriftwechsel^. So wie sich uns das
Amt um die Mitte des 13. Jhs. darstellt, ist es daher gleichmäfsig aus modernen
militärischen Bedürfnissen und aus der Übernahme alter grundherrlicher Ver-
waltungsgeschäfte entstanden. Dazu kommt endlich noch ein dritter Bestand-
teil: Gerhard von Sinzig wird noch 1255 als allgemeiner Reichskommissar
nach Dinant gesandt : wie früher am Hofe, so behielt sich auch noch jetzt der
König die generelle Verwendung seiner Dienstmannen zu jeder, z. B. diplo-
matischer Vertretung vor.
Stellt nun diese Entwicklung der Sinziger Verhältnisse, welche wir für
die staufische Periode im gesamten Deutschland in besonders deutlich beglau-
bigter Weise urkundlich übersehen können*, eine Ausnahme dar oder ist sie
in ihren Hauptzügen typisch?
Zur Antwort sind doppelte Vergieichsmomente heranzuziehen. Inwiefern
ist die Entwicklung derjenigen anderer Fiskalgüter analog; und inwiefern ent-
banni custodie subiacere, fideli nostro Gerharde de Sinzech dedimus in mandatis, ut si qui
mandati nostri transgressores extiterint, eosdem iuxta honorem nostrum et imperii debeat
emendare. Dazu sollen die Ministerialen dem König helfen.
1) Im J. 1246 fand die Rechnungslegung, wie ähnlich 1242, kurz vor Juni, wohl im
Mai statt, vgl. MR. ÜB. 3, 874, 1246 Juni 9: quod a nobis novissime recessisti.
2) S. oben S. 1362, auch MR. ÜB. 3, 869, 1246; 1451, 1258.
^) Aus dem Schriftwechsel sind einige sehr lehrreiche Stücke erhalten. MR. ÜB. 3,
763, 1243: kgl. Befehl an Gerhard von Sinzig, quatenus a ludeis de Sinzche statim visis
litteris 500 mr. debeas assignare curie nostre et per captivitatem, si necesse fuerit, extorquere.
MR. ÜB. 3, 788, 1244 : Gerharde de Sinzech, burcgravio de Landescrone, fideli nostro, plenam
dedimus facultatem, quod pro necessitatibus • nostris et imperii ab hominibus nostris, ubi-
cumque in baiolatione sua viderit expedire, exigat et extorqueat, que nunc necessario duxerit
exigenda. Dazu (MR. ÜB. 3, 787) eine Ausschreibung von 60 mr. Precaria der Christen und
20 mr. Precaria der Juden. MR. ÜB. 3, 874, 1246: K. Konrad IV. Gerharde de Sinzege
burgravie et fideli . . mandamus, . . quatenus, iuxta quod a nobis novissime recessisti, Cun-
rado de Bruneche . . 100 mr. Colonienses de ludeo, quem detines captivum, . . persolvere
non omittas.
*) S. Bd. 2, 781 Note 3, vgl. auch oben S. 728. Frey, Königliches Gut S. 285 f.
stützt sich ebenfalls namentlich auf die Sinziger Urkunden, verarbeitet sie aber nicht ein-
dringend.
— 1367 — Die Landesverwaltung.]
spilcht sie, falls sie mit dieser zusammenfällt, den Vorgängen in den nicht-
königlichen Grundherrschaften ?
Der genaueren Prüfung der ersten Frage werden wir eigentlich durch
den Wortlaut einer Stelle im Kleinen Kaiserrecht 2, 119 überhoben: der keiser
hat in etzlichen landen um ein bürg oder um ein stat ligende zehen dorfe oder
zwelf, und hat ober der dorfe terminunge einen man gesatzt. Das hier ge-
schilderte System ist das Sinziger; man könnte diese Worte geradezu als Motto
über die Sinziger Spezialgeschichte setzen. Und hierzu stimmen nun auch die
Einzelnachrichten über andere Fisci zunächst der Rheinlande: überall die
gleiche Entwicklung, ein Burggraf oder Amtmann an der Spitze je eines alten
Fiskalgebietes, und in gleicher Weise in kriegerischen Geschäften wie auf dem
Gebiete friedlicher Verwaltung thätig^
Aber die Voraussetzung einer solchen Thätigkeit war ein bis zu einem
gewissen Grade lokal geschlossenes Gebiet, welches die Umgebung des burg-
gräflichen Sitzes bildete ; nur in diesem Falle vermochte der Burggraf die erste
Bedingung gedeihlicher Verwaltung, die militärische Sicherung des Schutz-
gebietes, durchzufiihren. Diese Voraussetzung traf nun für die Fisci zu; ur-
sprünglich absolut kompakte Bezirke waren sie auch noch im 12. Jh., der
Bildungszeit des burggräflichen Verwaltungssystemes , trotz mancher Ver-
gabungen, wie wir sie ja bei Sinzig beobachtet haben, doch im ganzen noch
räumlich geschlossen.
Eben diese Eigenschaft aber fehlte, wie in Abschnitt VI Teil 1 ausge-
führt ist, dem sonstigen grundherrlichen Besitz, jener Grundlage der späteren
Landesgewalt. Indes der ursprüngliche Mangel wurde eben in der Bildungs-
periode der Territorien je länger, je mehr überwunden. Schon öfter ist im
einzelnen darauf hingewiesen worden, wie viele Bestrebungen hier gerade auf
einen lokalen Abschlufs des Gebietes und seiner Unterabteilungen hinaus-
kamen. Schon die Betonung landesherrlich- vogteilichen Einflusses^, wie er
fast stets vom Stützpunkt einer Burg aus wirksam wurde, mufste zu einer
Bezirksabgrenzung zwischen den landesherrlichen Hauptburgen führen; dieser
Begrenzung aber lief eine Zusammenfassung der landesherrlichen Gerichts-
kompetenzen in einer teilweis neuen, ebenfalls in territorialem Abschlufs
gipfelnden Gerichtsverfassung ^ , sowie die Ausbildung besonderer räumlich be-
grenzter Rechtsgebiete für die landarbeitende Bevölkerung durch kräftige und
1) S. oben S. 726 Note 2, auch MR. ÜB. 3, 224, 1224: König Heinrich VII. bestätigt
Marienberg als königliches Geschenk 6 mr. dimidia carr. vini de vineis nostris, quas edicto
regali precipimus, ut quicunque noster aut successorum nostrorum officiarius in Bopardia ex-
titerit, sine aliqua diminutione vel excusatione vel occasione seped, ecclesie de fisco regio
ad usus fratrum et sororum annuatim persolvat. Aufserhalb unserer Gegenden vgl. über die
Burggrafen namentlich von Goslar und Nürnberg Waitz, Yfg. 7, 52 f., s. auch Nitzsch,
Minist, und Bürgert. S. 144 f.
2) S. oben S. 1259, auch S. 1138.
3) S. oben 1188, 1154 f., 1261, 1329.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1368 —
weise Handhabung der Unterzugsrechte ^ parallel. Sehen wir nun aufser diesen
hauptsächlichsten Momenten noch eine Anzahl mehr vereinzelter Einflüsse in
gleicher Richtung wirksam ^ , so begreifen wir ohne weiteres, wie sich innerhalb
der Territorialentwicklung sehr bald eine ausgesprochene Richtung zur Bildung
von Territorialunterbezirken und zur Abgrenzung derselben nach landesherr-
lichen Hauptburgen zeigen mufste. Damit war aber schon seit etwa der
zweiten Hälfte des 12. Jhs. die Aufgabe der Bildung einer Territorial Verwaltung
nicht eben viel anders zu lösen, wie die Aufgabe einer sachgemäfsen Behand-
lung der Reichsverwaltung. Im Reiche keine durchgehenden Verwaltungs-
substrate mehr, sondern nur noch die alten, ursprünglich geschlossenen, jetzt
durch Vergabung und Verkauf mehrfach durchlöcherten Fiskalgebiete mit dem
Zentrum einer Reichsburg — über jedem von ihnen als militärischer und ad-
ministrativer Beamter der Burggraf; in den Territorien noch keine völlig
festen und lokal geschlossenen Unterbezirke, aber doch Ansätze zu solchen
um das Zentrum einer landesherrlichen Allodialburg — und über ihnen eben-
falls ein militärisch-administrativer Beamter, ein Burggraf.
Aber woher kommen nun diese Burggrafen? Was sind ihre Funktionen,
welches das Schicksal ihrer Verwaltung?
Finden wir in den Fiskalgebieten die Burggrafen, abgesehen von manchen
früheren Nachrichten, in den uns interessierenden Gegenden und entsprechend
dem am Beispiel von Sinzig festgestellten Amtscharakter etwa seit Mitte des
12. Jhs. ausgebildet^, so begreift es sich ohne weiteres, dafs die territorialen
Burggrafen sich in der gleichen Gegend erst etwas später finden werden. Erst
mit der Wende des 12. und 13. Jhs. begann im Moselland der eigentliche
Burgenausbau* und damit die völlig klar zu Tage tretende Gründungsperiode des
Territoriums; erst mit dieser Zeit treten auch die territorialen Burggrafen auf^.
Das schliefst natürlich nicht aus, dafs sie sich anderwärts viel früher finden,
1) S. oben S. 1154 f., 1208 f.
2) S. oben S. 1261 f., auch Töpfer ÜB. 1, S. 57 Note, zur Bildung des Amtes
Baldenau.
3) S. oben S. 1360.
*) S. oben S. 1286.
■^) Natürlich ist bei den hier in Frage kommenden Burggrafen von der Stellung der
usurpatorischen Burggrafen Dietrich und Ludwig zu Trier in der Mitte des 11. Jhs. abzu-
sehen, s. oben 8. 824 Note 3. Im übrigen kommt zunächst in Betracht MR. ÜB, 3, 152,
1194: Helias castellanus de Elze. Das Wort castellanus ist freilich doppelsinnig, es kann
auch Biu-gmann bedeuten, s. oben S. 1312 Note 4 letztes Citat, und ebd. Note 6; doch heifst
es hier wohl Burggraf. Die Urkunde scheint von einem Schreiber aus dem Westen geschrieben
zu sein, da sich auch villanus für rusticus findet, ein in Urkunden deutscher Provenienz nicht
eben häufiges Wort, s. z. B. aus gleicher Zeit MR. ÜB. 2, 133, 1194 (SThomas-Andernach) ;
136, 1194 (Mainzer Urkunde). Den nächsten Burggrafen erwähnt MR. ÜB. 2, 261, 1210;
hier unter den Zeugen H. burchgi-avius de Ysenbui^h (so liest das ÜB. des Kl. Rommers-
dorf Koblenz St. A. MC. CXIIIb Bd. 2 S. 275, in welchem diese Stelle nur erhalten).
Femer s. MR. ÜB. 3, 412, ca. 1230.
— 1369 — Die Landesverwaltimg.]
SO schon im 11. Jh. in Flandern nnd in der Lütticher Gegend^: hier begann
eben die Territorialbildung viel frülier. Wichtig aber wird die Betonung dieses
Unterschiedes für die Frage nach dem Ursprung dieses territorialen Burg-
grafentums: gehört es ursprünglich der Territorialentwicklung des äuisersten
deutschen Westens an, um dann vom Reich und den Territorien in das heutige
Deutschland übernonnnen zu werden, oder ist es ursprünglich nur Institution
der Reichsdomanialverwaltung , deren Verpflanzung in die Territorien zu ver-
schiedenen Zeiten, je nach früherem oder späterem Eintritt der Entwicklungs-
periode der Landesgewalt, stattfindet? Die Frage l)leibt nach Lage unseres
Quellenstoffes unentschieden ; die Präsumtion scheint vorläufig dafür zu sprechen,
dafs das Reichsburggrafentum älter ist^. Ist diese Annahme richtig, so würde
die alte karolingische Fiskalverfassung, in welcher zum erstenmal in Deutsch-
land der Gedanke einer wahrhaften Landesverwaltung verwirklicht war, noch
in ihrem Verfall während der deutschen Kaiserzeit die ursprüngliche Kraft der
gi^ofsen in ihr enthaltenen Ideen bewährt haben: wie sie zur Zeit Karls des
Grofsen der Ausdruck eines Staatsgedankens war, welcher w^eit über das ge-
wöhnliche ^lafs mittelalterlicher Anschauung hinaus einem politischen Wohl-
fahrtsideal zustrebte, so würde sie nunmehr, in der Salier- und Stauferzeit,
als Vorbild für die erste Einrichtung einer Territorialverwaltung gedient haben,
deren schliefslicher Erfolg ebenfalls kein anderer sein sollte, als die Verwirk-
lichung des sich schon in der karolingi sehen Renaissance ankündigenden ab-
solutistischen Staates mit seinen Wohlfahrtszwecken.
Für das 13. Jh. erlauben uns nun unsere Quellen eine ziemlich genaue
Übersicht über die Funktionen des territorialen Burggrafen. Sie sind natürlich
zunächst militärische ; der Burggraf ist Kommandant einer landeshenlichen Burg,
er hat Aufsicht und Befehl über die Burgmannschaft, er löhnt dieselbe aus bezw.
zahlt ihre Lehnsgelder, er kauft sie aus der Gefangenschaft los und ent-
schädigt sie für etwaige Verluste an Kriegsmaterial^. Soweit sich die mili-
^) Ein Chatelain von Gent zuerst genannt 1039 oder 1057 (Warnkönig 2, 88), von
Brügge 1046 (ebd. 2, 154), von Ypem 1072 (ebd. 2, 207). Aus der Lütticher Gegend s. Cantat.
s. Huberti 20, MG8S. 8, 579—80, ca. 1070, cit. oben S. 1131 Note 2; und Cantat. s. Huberti
93, MGSS. 8, 625, 1103: Bovo castellanus Mirveldensis (ein Burggraf des Bistums Lüttich)
schädigt die Abtei Hubert und ihren Abt Wiredus ; nam violenter pervasis quibusve reditibus
silvae, qui eatenus erant ecclesiae, vastatis etiam sartis rusticorum, eo quod illa sine suo
pemiissu fecissent, piscatores quoque ecclesiasticos ad Lumniam transmissos missis apparitori-
bus cepit et in Castro custodiae mancipavit. Zu dem Eindringen des Wortes Capitaneus in
Siiddeutschland vgl. Lamprecht in Conrads Jahrbb. N. F. Bd. 11, 354.
2) S. Xitzsch, Minist, u. Bürgert. S. 144 f. über die Widukindschen Burggrafen.
^) Cod. Salm. 53, 1267: Venerabili viro domino suo domino comiti de Salmis Nicho-
laus advocatus de Hunolstein suus castrensis et fidelis tam debitum quam paratum ad queque
beneplacita famulatimi. Benignitati vestre duxi significandum, quod a filio domini lohannis
comitis de Spanheim pro famulis, qui adhuc in captivitate detinentur, cautionem fideiussoriam
recepi sufficientem in summa ducentarum mr., pro quibus vero mr. me apud vos tenore pre-
sentium obligatiun esse recognosco, rogans omni quam possum ampliori studio, quatinus hos
Lamprecht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 87
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1370 —
tärischeii Funktionen des Burggrafen über seinen Sitz hinaus auf das Schutz-
gebiet der Burg erstrecken, nehmen sie natürlich vogteilichen Charakter an.
Nur selten ist die Vogtei des Schutzgebietes in besonderem Amt verliehen \
meist ist der Burggraf zugleich der geborene Vogt des Schutzgebietes^, wie
denn die Burgen nicht selten zunächst vogteilicher Zwecke halber angelegt
sind ^. Als Vogt aber ist der Burggraf in den meisten Fällen zugleich Führer
des Landesauszuges im Schutzgebiet*, so dal's er mit den Funktionen des
Burgkommandanten diejenigen des Landwehrkommandeurs vereinigt.
Diesen militärischen Pflichten hält die administrative Thätigkeit des
Burggrafen so ziemlich die Wage. In dieser Hinsicht erscheint er als oberster
Aufsichtsbeamter für die Verwaltung der grundherrlichen Einkünfte des Landes-
herrn im Schutzgebiet, und mit der Oberaufsicht verbindet er die verantwort-
liche Rechnungsablage über die Gesamtrevenüen '^. Zur Bewältigung des
Schreib Wesens steht ihm ein Bureau zur Seite ^•, nicht selten mag wohl der
Burgkaplan zugleich den Sekretär abgegeben haben.
Im Gegensatz zu den militärischen, vogteilichen und administrativen Ver-
pflichtungen hat der Burggraf durchaus keine richterlichen Funktionen, oder
braucht sie wenigstens nicht zu haben. Gewifs wird er bisweilen Richter
des Dings seiner Burgmannen gewesen sein, aber dies Amt konnte auch
tres servos, quos dominus comes Barrensis detinet captivatos, Henricum Halleruni et Gabel-
lonem fratrem ipsius necnon et Th. de Kumberna absolvi procuretis. paratus enim ero vobis
tarn de dampno quam de pecuuia principali per omnia respondcre. Man vgl. auch noch aus
späterer Zeit Arch. Clervaux No. 171, 1332; und CRM. 3, 496, 1363.
1) S. z. B. aus später Zeit Bd. 3 No. 241, 1461, dazu oben S. 1107.
2) S. Würth-Paquet, Reg. Publ. Luxemb. 15, 80, 1257, cit. oben S. 1068 Note 6; Lac.
ÜB. 2, 531, 1263; Bd. 3 No. 85, (1303); Ann. d. bist. Ver. f. d. Niederrh. 44, 93, (1448), cit.
oben S. 1089 Note 2.
3) S. oben S. 1071 f., und MR. ÜB. 2, 61, 1169—83: Arnulf von Walcourt, erzbiscböf-
licher Vogt des Hofes Merzig, bittet den Erzbischof, ut ei in proprietate ecclesie nostre . . in
loco . . Schive castrum ediiicare permitteremus • . . nos . . castrum in partibus illis proprium
habere propter incursus raptorum necessarium animadvertentes . . id fieri concessimus . . .
4) S. oben S. 1115.
'^) Bd. 3 No. 285, 1277 — 1291: erzstiftisch kölnische Einnahmen zu Rhens, gebucht
vom Rheinecker Burggrafen, s. S. 329, i5: anno (1277) burgravius de Rinecke incepit recipere
redditus domini in Rense. Honth. Hist. 2, 34, 1306: Frater Ditherus archiepiscopus dilecto
suo burggi'avio in Sarburg, qui est vel pro tempore fuerit ibidem, salutem et omne bonum.
Cum nos alias Henricum dictum Wünne uxoremque suam ac heredes suos quoscunque legitimos
propter gi^ata servitia nobis et ecclesie nostre per dictum Henricum et suos olim impensa et im-
posterum impendenda ab exactionibus precariis et talliis bonorum suorum quorumcunque
exemerimus et exemptos in perpetuum habere volumus, vobis qui estis aut pro tempore erit
mandamus seriöse volentes, ut eundem Henricum uxoremque suam legitimam ac liberos ab
Omnibus exactionibus talliis et precariis quibuscunque exemptos et privilegiatos inviolabiliter
observetis.
6) Hierhin gehört der Bd. 3, 48, 23, 1265 genannte notarius burgi-avii, s. auch Bd. 3
Wortr. u. d. W. escrivain dou chastel. Dagegen ist der in den Rhenser Rechnungen Bd. 3
No. 285 genannte Officiatus ein Kellner, s. oben S. 997 Note 5.
— 1371 — I^ie Landesverwaltung.]
für sich vergeben sein ^ ; und gewifs wird er vom Landesherrn oft als scliieds-
richterlicher Konnnissar beschäfti<it ^ , aber diese Thätigkeit hing ganz vom
Belieben des Landesherrn ab. Im ganzen bleibt es somit charakteristisch, dafs
der Burggraf in keinerlei Verhältnissen autoritativ thätig ist, welche, wie die
Gerichtsverfassung, mit der alten Reichsverfassung unmittel])ar zusammen-
hängen; er ist durchaus und allein Diener seines Herrn, und seine Funk-
tionen erstrecken sich nur auf Verhältnisse, welche wie Grundherrschaft,
Vogtei und Fehdegewalt im Sinne des 12. und 13. Jhs. privatem Recht ent-
wachsen sind und höchstens als halbstaatlich gelten können.
Man mufs diesen Gesichtspunkt im Auge behalten, will man sich die
für Begründung des Burggrafentums vorhandenen Möglichkeiten vergegen-
wärtigen. Es handelt sich hier nach allem, was wir gesehen, nicht um Deri-
vation aus irgend einem Amt der alten Reichsverfassung; der Amtscharakter
der Burggrafen ist ein rein privater. Somit kann der Burggraf nur aus dem
dem Landesherrn privatim zur Verfügung stehenden Material zur Begrün-
dung einer Verwaltung hervorgegangen sein; er mufs anfangs entweder Mini-
sterial gewesen sein oder vertragsmäl'sig gew^orbener Freier.
Von diesen beiden Möglichkeiten ist nun die auf Ministerialität zurück-
gehende offenbar früher ins Auge gefafst worden. Die ältesten Burggrafen
sind zweifellos Ministerialen^; noch spät, in den ersten Zeiten des 13. Jhs.,
finden wir kleinere Burgen der Sorge von Unfreien anvertraut, welche sich
eben erst aus der untersten Stufe der Hörigkeit zur Ministerialität zu erheben
suchen*, oder auch abgetretene Burgteile in Offenhäusern an besondere Mini-
sterialen als Hüter übergeben^. Nun mufste aber das Dienstverhältnis der
ministerialischen Burggrafen schon früh seinem Verfall entgegen gehen. In-
folge des grofsen sozialen Aufschwungs der Ministerialen bis zur Mitte des
1) S. Bd. 3 No. 132, 1336; dazu oben S. 1315, spez. Note 3.
2) Ann. d. hist. V. f. d. Niederrh. 23, 176, 1267: A. dapifer de Hart . . aliique mi-
lites, scilicet I. de Hart, Th. et E. de Waggendorp, Th. de Virmennich, milites et castellani . .
Engelberti Coloniensis arcMepiscopi ab eodem missi questiones diversas . . inter . . conven-
tum de Steinveit . . et . . dominum C. de Sleida . . audivimus.
3) S. oben S. 1360 f., ferner Waitz, Yfg. 5, 329 Note 2. Über Ministerialität und Verwal-
tung s. auch noch Waitz, Vfg. 5, 333 f.; Nitzsch, Minist, u. Biirgert. S. 70 und 245.
*) Ces. Heisterbac. Dial. mal. 4, 88: duae cognationes militum in espiscopatu sunt
Coloniensi tam multitudine quam divitiis et probitate fortes satis atque magnanimes. ex
quibus una illarum de villa Bacheim originem ducit ; altera de villa, quae Gurzenich vocatur . . .
et illi de Giu-zenich in terminis suis fecerunt sibi domum munitam, in nemore, non quidem
timore inimicorum, set ut ibi possent confluere quiescere et simul procedendo illos acrius
impugnare. liabentes autem servum quendam originarium, Steinhardum nomine, fidei eins
claves munitionis commiserunt.
^) MR. ÜB. 3, 136, 1220, die Burg Veldenz Lehen von Verdun: aulam suam episco-
palem, quam habet episcopus in castro Valdencie, intrabit ibidem episcopus in guerra sive
extra guerram pro velle suo, ibidemque suos et sua, quandocunque voluerit, collocabit. S.
dazu MR. ÜB. 3, 1188, 1253: in dem erzstiftischen Burgteil auf Arras wohnen ständig die
Trierer Ministerialen Winand und Friedrich genannt Vögte von Merl.
87*
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1372 —
12. Jhs. ^ trat eine Loslösimg derselben von den lokalen Interessen der
Grundherrschaft ^ und damit von den Verwaltungsinteressen der auf der Basis
der Grundherrschaft erwachsenden Landesgewalt ein; zugleich begann sich
das Ministerialenverhältnis langsam in ein Vasallitätsverhältnis zu verschieben.
Die Folge dieser Vorgänge war, entsprechend der Entwicklung auf dem Ge-
biete der Meierämter ^, die allmählich eintretende Verselbständigung und
Vererblichung der ministerialischen Burggrafenämter, wie sie in einzelnen
Fällen schon in der ersten Hälfte des 12. Jhs. voll zum Ziele führte* und im
allgemeinen im 13. Jh., trotz eines Verbots infolge der Reichsgesetzgebung vom
J. 1219^, allerseits durchgesetzt ward^.
Und so war denn trotz aller Vorsicht die Verwaltung der Burgen und
ihres Schutzbezirkes aus dem Wege des Dienstrechts wieder auf den alten,
auf Grund der Erfahrungen ottonischer und salischer Zeit so verabscheuten
Weg des Lehnsrechts abgelenkt. Seit Mitte des 1 2. Jhs. fing es an sich gleich
zu bleiben, ob eine Burg nach Dienstrecht an einen Ministerial oder nach
Lehnsrecht an einen freien Mann vergeben wurde; und wir finden demgemäfs
in der That seit etwa 1148 Lehnsvergabungen von Burgen, welche sich in
zahlreicheren Beispielen bis zur Mitte des 13. Jhs., vereinzelt sogar bis etwa
zur Mitte des 14. Jhs. verfolgen lassen^. Natürlich aber war die Folge dieser
1) S. oben S. 1303.
•^) S. oben S. 1170.
3) S. oben S. 767 f.
■*) Zu noch früherer Zeit s. Warnkönig 1, 277 f., 284 f., 297 f.; 2, 207; vgl. Waitz,
Yfg. 5, 328 Note 2.
5) MGLL. 2, 216.
«) Vgl. Libellus de lib. eccl. Epternac, MGSS. 23, 69—70, 1192, cit. oben S. 881
Note 2; CRM. 3, 10, vor 1302, Aussage des Erzbiscbofs Wikbold von Köln über Rheineck:
castrenses, capellanus, custodes turrium, vigiles, portenarii sunt archiepiscopi et ecclesie Colo-
niensis; . . quilibet castrensium habet 6 mr. annuatim ab ecclesia Coloniensi, et burg-
gravius 12; . . burggravius nihil aliud iuris habet in Castro predicto, et alii custodes castri
habent redditus suos de ecclesia Coloniensi, prout hec sunt manifesta in terminis illis. Da-
bei sind die Burggrafen mit der Burg als dominium et ligium castrum ecclesie Coloniensis
belehnt. Der Erzbischof behauptet ferner, quod nullus debet esse custos castri Rinecke,
qui dicitur burgravius, . . nisi sit iure ministerialitatis ecclesie Coloniensi aifectus, sicut et
quedam alia castra ab ecclesia Coloniensi tenentur et teneri debent secundum approbatam et
antiquam consuetudinem ecclesie Coloniensis. S. dazu MR. ÜB. 3, 858, 1246: ein seitens
Köln einzusetzender burcgravius in castro Hostaden.
') S. MR. ÜB. 1, 551, c. 1148: der Graf von Vianden wird mit einem Teile der Burg
Vianden belehnt, unter der Bedingung, ut neque in turri neque in aliqua parte castri . .
quemquam ibi locare presumat nisi (archiepiscopi) permissione et consilio et ordinatione. Er
versichert das , ebenso die einliegenden Mannschaften ; stellt ferner dem Erzbischof Geiseln,
quod . . omni tempore et in omni necessitate et voluntate nostra . . castrum nobis paratum sit
et ad quaslibet utilitates . . semper sit apertum. Der andere Teil der Feste verbleibt den
Erzbischöfen. MR. ÜB. 1, 610, c. 1158: Erzbischof Hillin von Trier belehnt die Grafen von
Luxemburg mit der Burg Nassau in hunc modum, ut omni tempore omnibus etiam necessi-
tatibus nostris contra omnes homines nobis . . idem castrum libere . . pateret et eiusdem
— 1373 — Die Landesverwaltung.]
Lehnsvergabungen im wesentlichen die gleiche, wie die der Vergabungen nach
Dienstrecht; auch hier trat Erblichkeit ein^, von welcher sich die Landes-
gewalt nur durch Abkauf befreien konnte.
Indes seit Beginn des 13. Jhs. trat nun eine neue Lehnsform auf, in
welcher es möglich war, nach Art der sonst vorkommenden Dienstlehens-
verträge auf Zeit auch Burgbewachungs vertrage in den sogenannten Burglehen,
und in gleicher Weise Burgkommandoverträge abzuschliefsen^. Beutete man
nun diese Form der Dienstlehnsverträge bezw. des Burglehnsvertrages für die
Bestallung der Burggrafen aus, so war es möglich, den Lehnsvertrag auf kurze
Termine zu l)eziehen und damit das Lehnburggrafentum dem erforderten Be-
griff des Amtsburggrafentums aufserordentlich nahe zu bringen. Der Fort-
schritt in dieser Richtung ist in unserer Gegend urkundlich deutlich zuerst
in der Überlieferung der siebenziger Jahre des 13. Jhs. zu verfolgen: seitdem
geht nach sicherer urkundlicher Bezeugung innerhalb des Burggrafenamtes der
Dienstlehnsbegriff langsam in den vollen Amtsbegriff über.
castri custodes nobis . . fidelitatem facerent. et . . locum in eodem Castro nobis ad edifican-
dam nobis domum et capellam retinuimus, qui noster erit proprius, cum ibidem presentes
fuerimus, et cum inde recesserimus, cum predicta possessione ipsis in ius redibit feodale.
S. ferner vor allem MR. ÜB. 2, 61, 1169—83, Urkunde Erzbiscliof Arnolds von Trier: Ar-
nulplms de Walecurt etc. (s. oben S. 1370 Note 3) . . . id fieri concessimus. nostr^ itaque pactionis
est castrum ibidem edificatum, quod ipse a nobis et successores eins in beneficio habebunt,
ad tuitionem terrQ nostre et ad omnes usus et necessitates nostras contra omnium hominum
inciu'sus semper paratum esse debere, et tam ipsam turrim cum castellanis quam ipsum totum
ambitum castri contra quemlibet hominem ad mandatum nostrum aperiendum fore . . . castrum
nobis et successoribus nostris absque omni contradictione patebit . . . castellani, quibus
custodia turris commissa erit, nobis et successoribus nostris fidelitatem iurabunt et iuramento
et fidelitate nobis tamquam ei astricti erunt, ita, ut si forte inter nos aliqua dissensio . . orta
fuerit, de eodem castro nee eum contra nos nee nos contra eum iuvabunt; sed nee ipse
contra nos guen-am inde exercebit . . . intra ambitum autem castri aream idoneam ad edi-
ficandam nobis domum propriam et capellam ad arbitrium nostrum nobis reservabimus, quam
iure feodi nulli obligabimus, et hominem convenientem ad custodiam domus nostre et victua-
lium , si ea ibi habuerimus , preficiemus. Der Vertrag v^^ird gesichert durch von Arnulf zu
eventuellem Einlager gestellte Bürgen; ferner durch eventuelle Exkommunikation und Bann
für das Land Arnulfs und Verfall seines Lehens ohne weiteres gerichtliches Urteil. Vgl.
noch MR. ÜB. 2, 289, 1190-1212, s. auch a. a. 0. 298; 3, 658, 1239; 683, 1240; 1014,
1249; Honth. Eist. 1, 408, 1277; dazu Bd. 3 No. 102, 1321; No. 154, 1342. S. auch
CRM. 3, 216, 1336, Urkunde des Marsil von der Arken armiger opidanus Confluentinus : me
recepisse recognosco in feodum ligium et aperibile fortalitium meum in Guntravia et curiam
eidem adiacentem, in qua torcular strenui viri lohannis dicti Groise de Guntravia consan-
guinei mei esse consuevit, una cum officio dicto schutzampt, cuius fortalitii partem mediam
cum curia et officio predictis a prefato lohanne de peraiissione et consensu reverendi in
Christo patris et domni Baldewini archiepiscopi Treverensis, a quo dictum fortalitium curia
et ofiPicium in feodum dependebant et dependent, pro certa summa pecunie comparavi.
1) S. Lac. ÜB. 3, 1, 1300; Bd. 3, 150, n, 1331; 173, 26, 1340.
2) S. oben S. 1312 f.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1374 —
Bevor wir indes diesen wichtigen Prozess im einzelnen verfolgen \ wird
es gut sein, sich seinen allmählichen Abschlufs zunächst an einer Änderung
der Terminologie zu vergegenwärtigen. Der alte Vorstand der Burg und des
Burgenschutzgebietes nach Dienst- bezw. Lehnsrecht hatte Burggraf, nur in sel-
tenen Fällen Amtmann geheilsen; der neue Vorstand desselben Bezirks nach
reinem Amtsbegriff heifst sehr bezeichnend Amtmann : eben dieses ursprünglich
jeden Beamten bezeichnende Wort wurde für ihn als den jetzt x«t e^ox^v
nach Amtsweise, im Gegensatz zur dienstlehnsweisen Verwaltung, funk-
tionierenden Vertreter des Landesherrn bald mit Vorliebe, später technisch
ausschliefslich angewendet^. Nachdem schon seit etwa 1220 der Ausdruck
1) Gegenüber dieser Entwicklungsgeschichte des Amtsbegriifes findet sich bei v. Below
S. 32 Note 107 die bisherige Anschauung mit den Worten vertreten: Eine Neigung,
die ministeria in beneficia zu verwandeln, ist zwar auch bei den Ministerialen vorhanden ge-
wesen. Aber sie ist doch keineswegs durchgedrungen; dafs sie unterdrückt ist, bildet den
wichtigsten Punkt in der Geschichte der deutschen Territorien. S. Brunner bei Holtzendorff
Encycl.* S. 235 oben. Demgemäfs gelingt es den Landesherren, mit ihren Ministerialen die
Herrschaft des Lehnswesens auf dem Gebiete des Beamtentums zu brechen.
-) Der Ausdruck officium löst im allgemeinen den früheren Ausdruck ministerium ab,
wenngleich der letztere sich natürlich in beschränkter Weise und namentlich in der deutschen
Fomi dienst hält, s. Bd. 3 Wortr. z. d. W. Im übrigen vgl. zu diesem Vorgang UPrüm No. 23:
siuit in Merxh in ipso ministerio mansa ledilia 44. An Stelle des Ausdruckes ministerium
braucht das UStift 13. Jhs. in diesem Sinne officium, s. Bd. 2, 173. Im übrigen s. noch an
frühesten Zeugnissen MR. ÜB. 1, 166, 926: officium advocationis ; MR. ÜB. 1, 167, 926:
ministerium advocationis, vgl. dazu oben S. 1114 Note 1, S. 1121 Note 2; MR. ÜB. 1, 406, c. 1103,
cit. oben S. 1125 Note 5; MR. ÜB. 2, 61, 1169—83, cit oben S. 1130 Note 2; und Ges. zu
ÜPrüm S. 166 Note 1 : mansi 49 . . unum retinet minister sive villicus noster de officio suo.
Aus spätester Zeit bietet das interessanteste Beispiel wohl die Bezeichnung der Vögte von
Geislingen; sie werden bald advocati, bald ministri oder officiales (deutsch Amtleute),
bald sculteti genannt. Der erste bekannte ist Ulrich minister von 1281 ; der zweite Albert
genannt Kuchalmer minister oder officialis, 1281 — 1291; vgl. Klemm, Beitr. zur Gesch. von
Geislingen, Württemberg. Vierteljahrshefte Bd. 7, 214 — 15. Über ministerium s. noch Nitzsch
S. 66, im Verhältnis zu officium Waitz, Vfg. 5, 324; über die besondern ministri obsequii
(Leute, welche den Dienst um den Herrn haben) V. Herib. Colon, c. 9, MGSS. 4, 747, 22.
Im allgemeinen wird man sagen können, dafs der Ausdruck officium für Arnt gewöhnlich
wird, sobald man sich daran gewöhnt, sich unter ministeriales einen besondern Stand, unter
ministerium ein besonderes soziales Verhältnis zu denken. — Der nun allgemein aufkommende
Ausdruck officiatus, officialis, officiarius (die Formen gehen noch lange durcheinander, ehe
officialis speziell auf den Richter der geistlichen Kurie bezogen wird, vgl. MR. ÜB. 3, 162,
ca. 1220; 604, 1237; 718, 1241; 888, 1246; 912, 1247; Hennes ÜB. 2, 243, 1277; und viel-
leicht gar noch Bd. 3, 198, 12, 1347 — s. dagegen Honth. Hist. 1, 822, 1287, cit. oben S. 1279
Note 3, auf S. 1280), bedeutet ursprünglich jede Art von Beamten, vgl. MR. ÜB. 1, 396,
1098: Güter an SSimeon geschenkt, quicquid est faciendum vel disponendum, totum per officiarium
fratrum fiat et disponatur et in usum prebende eorum conferatur. S. femer Lac. ÜB. 1,
365, 1149, cit. oben S. 1126 Note 1; ÄIR. ÜB. 2, 5* 1171: der scabinatus in Andernach ein
officium; MR. ÜB. 2, 82, 1186; 86, 1187; 147, 1196; üSMax. S. 446, Naurath8e, cit. oben
S. 431; MR. ÜB. 3, 162, ca. 1220; 604, 1237; 718, 1241; 888, 1246. Diese Bedeutung bleibt
auch noch später für viele Einzelfälle bestehen, (in denen also bei lateinischem Text officia-
tus nicht mit Amtmann, sondern mit Beamter zu übersetzen ist), s. G. Trev. c. 131, ca. 1260;
— 1375 — I^ie Landesverwaltung.]
Amtmann, ofliciatus, sachlich gleichbedeutend mit Burggraf gebraucht ist^
finden sich dann von den achtziger Jahren des 13. Jhs. bis id)er die Mitte des
14. Jhs. hinaus Stellen, in denen auch eine formale Gleichstellung beider Be-
ziehungen nachweisbar ist-. Wenig später wird wohl auch hier und da
das Wort Amtmann entgegen früherem Gebrauch geradezu mit besonderer
Betonung zur Bezeichnung des Befehlshabers einer Burg verwendet^. Das hin-
dert indes nicht, dafs sich gerade für diese Funktion bis ins späteste Mittelalter
das Wort Burggraf erhält*; ja aus der Thatsache, dai's die späteren grofsen
Ämter oft eine Anzahl von Burgen umfassen^, wird es- erklärlich , dafs man
c. 172, ca. 1265; *Koblenzer Baurechnungen 1277—1289; Töpfer ÜB. 1, 68, 1279; Bd. 3,
103, 9, 1297; Cod. Lac. 112, 1298. Aus dem 14. und 15. Jh. sind besonders bezeichnend in
dieser Richtung CRM. 3, 16, 1303: officium sive auctoritas consulatus . . in Confluentia;
Bd. 3, 137, 13, 1325; WOckfen 1325 § 12, cit. oben S. 1010 Note 9; CRM. 3, 148, 1326,
§ 1; 171, 1331; WSalmerohr, cit. oben S. 1104 Note 1; WAnwen, 1362 § 8; Honth. Hist.
2, 242, 1367, cit. oben S. 642 Note 1 ; Cod. Salm. 262, 1391 : alle die amptlude [zu Hunol-
stein] . . mit namen bourgknechte , portener, turnknechte und wechter uf der bürg; Stat.
Wetzlar. 1433, Blattau 1, 261, cit. oben S. 977 Note 2; WRemich 1462, 1477, G. 2, 241,
cit. oben S. 1181 Note 6; WMandern, Arch. Maximin. 9, 237, § 1, cit. oben S. 775 Note 4;
WOlingen 1545 § 10; WWiltz 1631 § 47. Demgegenüber ist ein Übergang zur spezifisch
technischen Bedeutung Amtmann vielleicht schon zu bemerken MR. ÜB. 3, 888, 1246 : ab Omni-
bus iudiciis captiosis per totam terram ac iurisdictionem meam volo [der Graf von Sayn]
omnes officiales meos deinceps omnino cessare ; et omnia pedagia nova si qua inventa fuerint
dimittantur. Mit immer gröfserer Sicherheit läfst sich der Übergang verfolgen MR. ÜB. 3,
912, 1247, Auseinandersetzung zwischen der Gräfin von Sayn und den Gebrüdern von Spon-
heim: ut vitetur discordia, consentimus, quod quamcunque penam pecuniariam propter ex-
cessus suos incurrerint homines comitisse in nostra iurisdictione manentes, officialis comitisse
accipiat ad opus suum; et quamcunque homines nostri incurrerint manentes in iurisdictione
comitisse, officiales noster accipiet ad opus nostrum. pro maiori autem delicto, sicut pro
iudicio colli et capitis et simili, ipsa iudicet in sua iurisdictione de quolibet, et nos similiter
in nostra; MR. ÜB. 3, 1188, 1253, p]rzbischof Arnold : nullum officiatum vel castrensem illo-
nun de Schoninberch vel de Ulmen locabimus in ipso Castro (Arras); CRM. 2, 177, 1258,
cit. oben S. 389 Note 2; Bd. 3, 68, 36, 1275; Hennes ÜB. 2, 243, 1277: in Kaiserslautern
neben den autonomen Behörden ein officialis regis. — Zu dem früheren Ausdruck agens, ac-
tionarius, actor, auch exactor und peractor für Beamte, speziell Finanzbeamte vgl. MR. ÜB.
1, 6, 636; 17, 763; 22, 770; 27, 782; 62, 835; 73, 845; 252, 979; und sogar noch MR. ÜB.
2, 1*, 1169, cit. oben S. 1023 Note 4, auf S. 1024. Vgl. zu dieser Note auch noch Bd. 3.
Wortr. u. d. WW. ampt tf., officium ff.
1) S. Guden. CD. 2, 57, c. 1220; MR. 3, 470, 1232; Honth. Hist. 1, 766, 1267; Ge-
schlechtsreg. Isenburg u. s. w. Urkk. S. 54, 1275.
2) Lac. ÜB. 2, 815, 1285; Bd. 3, 111, 9, (1303); 167, n, 1337; CRM. 3, 291, 1343:
Wyfs, Limburger Chronik S. 100 Note 2, zum 24. Juli 1347; Honth. Hist. 2, 184, 1355.
3) S. WKröv 14. Jh., G. 2, 377: der amptman von Wittlich oder weme die bürg zu
der Neuerburg von u. h. wegen bevolhen were ; vgl. ferner *Bald. Kesselst. S. 326, 1341 Febr. 5 ;
Bd. 3, 483, 6, 1350; Limb. Chiron, c. 56 ed. Wyfs S. 50, 20 f.: ein Amtmann feuert die
Limburger zum Sturme auf Gretenstein an. Auch im Burgfrieden von Schmidburg vom
J. 1504, CRM. 5, 18, erscheint der Amtmann ganz als Burggraf.
^) S. z. B. Bd. 3 No. 269, 1496.
5) S. Sponheimer Ordnung 1437 § 29, cit. oben S. 1307 Note 5; und Honth. Hist 2,
295, 1393: Unterordnung der Burg Schwarzenberg unter das Amt (Burggrafschaft) Grimburg.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1376 —
später liier und da die speziellen Kommandanten solcher Amtsburgen unter
der Bezeichnung Burggrafen als Untergebene des Amtmanns trifft ^ Daneben
hält sich dann der Titel Burggraf für den Vorsteher eines Amtes, da wo er
als solcher hergebracht ist, wie z. B. in den Ämtern Kochem, Saarburg und
Grimburg, noch lange 2, mehrfach bis zum Schlüsse des Mittelalters^, ehe er
der Gleichmacherei der entwickelteren territorialen Zentralverwaltung verfällt.
Im 16. Jh. schwindet er dann freilich; seitdem heifsen wenigstens im Trierschen
alle Vorstände von Ämtern Amtleute^, auch für Kochem und verwandte Ämter
ist der alte Titel beseitigt. Die Geschichte dieser Titulaturen ist nicht ohne
Interesse; sie zeigt, dafs der Begriff des reinen Amtes schon seit der zweiten
Hälfte des 13. Jhs. allgemeiner für die Burgen und Burgenbezirksverwaltung
gewonnen war^, so dafs es nur darauf ankam, ihn anzuwenden.
^) Besonders deutlicli ist das Blankenheimer Statut 15. Jhs., Ann. d. h. Yer. f. d.
Niederrh. 9 — 10, 122: zu Blankenheim soll sein der amptman mit eime knecht, item einen
bui'chgreven , item ein keiner, item einen koch, item den scholtissen zo perde, item einen
Schurenknecht, item zwein portzener, item einen tornknecht, item ein maet. Dabei soll
(S. 123 — 124) der burghgreve . . vlisliche ind truwelich zoseen mit up ind zo , dat dat
aventz ind morgens 20 gueder zit gescheie , ind wail hesorgen. auch sal hie die wechter
wael wachgende halden. hie sal auch binnen der burch, ind mit dem, dat dat gesinde doen
sal, wael mit zoseen, dat dat truwelich ind wael gescheit, des si van geheiße ind bevele des
amptmans, des scholtissen ind des kelners doin sulden. Ferner vgl. aus früherer Zeit Honth. Hist.
2, 188, 1355, Amtsrevers für die Burg Neumagen, auf Lebenszeit, seitens des Nikolaus Vogt von
Hunolstein, aber nur die militärische Seite : und was lüde gerechtes gulde und herrschaft zu
der eg. vesten gehorent, deren sal ich mich nit annemen noch nimand von minen wegen, dan alleine
zu beschuden, wan min vorg. herr sine nakome und der stift sullen di bestellen mit iren ampt-
lüden wie in fuget; und welich amptman zu ziden di gulde hebet, der sal mir allejärlichs
hantreichen an körn zwei mir. und ein swin, die da gevallent von der mülen, an haveni nun
mir., an wine ein fuder und vierzig hünre, die da gevallent von den lüden, und sal ich die-
selben vesten beköstigen behuden und in gudem gewonlichem gebewe und an graven halden,
besser dan si itzund sin. Ähnlich ist wohl Bd. 3, 486, No. 34, 1350, gedacht.
2) S. zur früheren Zeit MR. ÜB. 3, 1071, 1250; Bd. 3 No. 90, 1310; *Bald. Kesselst.
S. 874, 1344; CRM. 3, 564, 1377; oben S. 212.
^) So werden Burggrafen neben den Amtleuten noch Honth. Hist. 2, 491, 1493,
genannt.
*) Nur Amtleute, keine Burggrafen, erscheinen z. B. Honth. Hist. 2, 621, 1529;
193 f., 1599.
^) Der Gegensatz von Amt und Lehen ist allerdings schon viel früher ganz gut be-
kannt gewesen, s. Waitz, Yfg. 6, S. 11 Note 1, S. 25 Note 1. Wirklich praktisch konnte er
aber erst werden, als es möglich war, die freie Besoldung einzuführen, d. h. mit dem Auf-
kommen der Geldwirtschaft; s. dazu oben S. 724, 768 f., 835, und die unten folgenden Aus-
führungen über Beamtenbesoldung. Dementsprechend wird der Gegensatz allgemein nutzbar
gemacht und in weiteren Kreisen anerkannt erst im Laufe des 13. Jhs., vgl. UStift 401, wo
es vom forestarius (Inhaber des Forstamts) heifst: (is), cui ipse [archiepiscopus] hoc officium
commiserit: non enim est beneficium; und ferner Bodmann, Rheingau 1, 480, 1267 sowie
1316: Erzbischof Peter von Mainz officium custodie seu banni ferarum . . non iure feodi sed
puri ministerii contulimus (Hermanno Potoni). Bd. 3 , 101 , 38 , 1293 findet dann der Gegen-
satz in der Bezeichnung eines Amtmanns als fidelis et officiatus schon einen Ausdruck,
— 1377 — i^ic Landesverwaltung.]
Seine Anwendung aber konnte nur dadurch durchdringen, dalis man den
Begriff des Dienstk^hns alhnählich inuner ausschliei'slicher in den des Amtes
übergehen liefs. Urkunden, welche diesen Übergang l)ezeichnen, setzen, wie
schon S. 1373 gesagt, etwa mit den siebenziger Jahren des 13. Jhs. c^n. Am
ehesten hierher zu rechnen ist wohl eine Wieder Verhältnisse behandelnde Urkunde
vom J. 1275, in welcher ein Amtmann den Burgmannen absolut gleichgestellt
erscheint, mithin w^ohl auch im kontraktlichen Abhängigkeitsverhältnis der
Burgmannen zum Landesherrn steht ^. Deutlicher spricht schon eine Urkunde
von 1293; hier ist der Amtmann noch völlig Lehnsmann des Herrn und steht
demgemäfs zu ihm im Treuverhältnis, die besondere zum Amtsbegriff neigende
Form des Dienstlehnsverhältnisses aber findet einen scharfen Ausdruck in der
Thatsache, dafs der Amtmann seine Stelle auf Kündigung eventuell sofort
aufzugeben hat^. Man sieht: hier ist die Form des Lehnsw^esens noch fest-
gehalten, der Geist des Vertrages aber läuft auf ein Amtsverhältnis hinaus.
In dieser Richtung erfolgen dann bald auch äufsere Konzessionen. Zwar lileibt
für das ganze Verhältnis der Ausdruck des Lehens noch lange bestehen ^, aber
welcher in seiner an der betr. Stelle völlig nebensächlichen Einführung darauf schliefsen
läfst, dafs um diese Zeit die Erkenntnis seiner Existenz ganz allgemein verbreitet war. Aus
späterer Zeit ist namentlich Bd. 3 No. 112, 1325, und CRM. 3, 508, 1366, ein nach Amts-
begriffen abgewandelter Lehenrevers, interessant. Wie schwer tibrigens während des 13. Jhs.
dies Prinzip des Beamtentums in kleineren Territorien durchführbar war, ergiebt die Ge-
schichte des Hauses Hunolstein in seinem Verhältnisse zur Grafschaft Salm im 13. Jh. 2 H.,
s. die ürkk. Cod. Salm. S. 37 f., 1276-1294.
^) Geschlechtsregister Isenburg u. s. w. Urkk. S. 54, 1275: die Gräfin von Wied hat
ihre Grafschaft an Köln vorläufig abgetreten. An der Spitze mit dem Sitze Wied steht seit-
dem ein Amtmann; inde die burchmanne inde die thurenlude inde der porzennere inde dei*
amptman van Wiede inde die andere lüde, die darzu gehorent, so welches rechtes sie sin,
die sulen derselver vrouwen dieselve truwe inde hulde halden inde leisten, die si ire schuldich
waren, e si uns hulden.
2) CRM. 2, 351, 1293: Johannes de Turri officiatus . . archiepiscöpi apud Are . . re-
cognosco, quod, cum idem . . archiepiscopus castrum Are fidelitati mee commiserit cum suis
attinentiis universis, ipsum castrum (omni tempore requisitionis) . . restituam et deliberabo,
nee ex aliqua causa . . castrum . . potero retinere. Er beschwört diesen Revers.
^) CRM. 3 , 13 , 1302 : Conradus de Schonecke affinis et fidelis noster et officiatus
noster [archiepiscöpi Coloniensis] in Rense; der Erzbischof giebt ihm in augmentum feodi
sui, quod a nobis et ecclesia nostra in feodo tenet et possidet, in feodo . . (quasdam) vineas.
Lac. ÜB. 3, 69, 1308, Urkunde des Grafen Heinrich von Luxemburg, Wahlversprechen für
Köln: promisimus, quod dominus noster Baldewinus archiepiscopus Treverensis, frater noster,
constituet . . Ropertum comitem [de Virneburg] officiatum suum in Cocheme, Monasterio
Menevelt et Meiene, sibi dictas munitiones cum suis attinentiis tamquam officiato committendo
ad dies vite sue, dum tamen ipse Ropertus non committat infidelitatem contra ecclesiam
Treverensem. Vgl. dazu CRM. 3, No. 40, 1309 (nicht 1310, s. Dominicus S. 70 Note 4).
Hierher gehört femer wohl auch Arch. Clervaux No. 124, 1323: Mathias . . Moguntine sedis
electus et consecratus strenuo militi Gotfrido dicto Stal de Biegen officiato suo in Trowen-
stein gratiam suam et omne bonum. Vt super bonis, que prope castrum Trowenstein in loco
dicto in dem Eigen a nobis et ecclesia Moguntina tenes in feodum, Elizabeth uxori tue legi-
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1378 —
bald baut man doch auf den allgemeinen Lehnseid noch einen besonderen
Amtseid auf^ Und schliefslich schwächt sich die Betonung des Lehnswesens
zu einer so allgemeinen Form ab, wie etwa in der Urkunde in Bd. 3 vom
J. 1324, wo es S. 131, n vom Amt heifst: (princeps) castrum . . et opidum
. . custodienda fideliter (officiato) commisit, dabei aber zugleich absolute
Widerruflichkeit der Stellung zu jeder Zeit ausgemacht wird. Mit solcher
Abschwächung war das alte Dienstlehnsverhältnis schon gänzlich illusorisch
gemacht. Ein offener Bruch aber, ein rücksichtsloser Übergang zum Amts-
wesen liegt dann in der Urkunde No. 112 des dritten Bandes vom J. 1325
vor, speziell in den Notizen auf S. 138, 23 ff.: hier sind Lehnsbegriff und
Amtsbegriff klar gegeneinander abgegrenzt, und zugleich erfolgt der Entscheid
für den Amtsbegriff bis zu dem Grade, dafs er sogar bei lebenslänglicher
Überweisung eines Amtes und Übernahme der vasallitischen Dienstpflicht für
den Kriegsfall als durchaus mafsgebend hingestellt wird. Es ist kein Zweifel:
mit dem Anbruch des zweiten Viertels des 14. Jhs. hat der Amtsbegriff völlig
gesiegt; einzelne Rückfälle aus späterer Zeit können diese Thatsache nicht
verdecken, sondern in ihrer meist sehr lehrreichen Fassung nur bestätigen.
So wenn es in einem Amtsrevers des Ritters Johann vom Steine für Ober-
wesel vom Jahr 1341 (Bd. 3 No. 153) S. 181, 23 f. heifst, der Amtmann
solle das verliehene Amt hanthaben verantworten halden und schirmen, und
die lute zu rechte und zu bescheidenheit halden na (s)iner möge, »vortme
als von der ierlicher gulde, die von dem ampte vallet, sal ich alle jar, diewile
ich mins vorg. herren amptman da bin, nemen zehen punt hl. zu manlehen,
und mime herren oder deme er ez bevelt daz uberige von der gulde reichen«.
Ist es nun aber zweifellos , dafs mit dem Beginn des zweiten Viertels
des 14. Jhs. der Sieg des Amtsbegriffs über den Begriff des Dienstlehens
entschieden ist, so ist doch immer noch die Frage aufzuwerfen, ob sich denn
dieser Sieg erst mit den übersichtlichen, soeben benutzten Nachrichten aus
Urkunden der Wende des 13. und 14. Jhs. entscheidet. Der Begriff des Dienst-
lehens kamja viel früher auf, seine Anwendung im Burglehen erfolgte seit Beginn
des 13. Jhs. ^: sollte es mehrere Generationen gedauert haben, bis man aus
time iisque ad siimmam ducentarum mr. d. Coloniensium tribus hl. pro d. computandis do-
nationem propter nuptias facere valeas, ad tempus vite sue, tibi presentibus liberam concedi-
mus facultatem, nostrum huiusmodi donationi adhibendo consensum. Man vgl. auch noch
Bd. 3 No. 104, 1322; No. 111, 1325.
1) CRM. 3, 371, 1297: Graf von Neuenahr fecimus fidelitatis homagium (electo
Coloniensi) de castris Schoinsteine et Novo-castro ac de opido seu villa Aspach et bonis seu
officiis ad hec pertinentibus . . . promisimus iide prestita corporali et iuramento interposito,
quod dicta castra et opidum . . conservabimus ad omnem voluntatem (electi), nee . . dabimus
in manus alicuius ex quacunque causa, nisi de mandato et iussu (electi) . ., nee ratione ex-
pensarum nee ex alia causa qualicunque requisiti per . . (electum) ipsa castra et opidum . .
deliberare et reassignare aliquatenus differemus.
2) S. oben S. 884 f.; 1298 f.; 1312 f., vgl. auch S. 773 Note 4.
1379 — I^ie Landesverwaltung.]
seiner Anwendung für das Burgenkonimando die Konsequenz der Anits-
bildung zog?
Vereinzelte urkundliche Zeugnisse zeigen uns den Anitsbegriff in der
That schon viel früher ausgebildet, nur dafs sich aus ihnen bei ihrer aufser-
ordentlichen Dürftigkeit ein genauerer Nachweis für die Entstehung des Anits-
begriffes nicht entnehmen läl'st; einer der häufigen Fälle, wo das volle Ver-
ständnis einer neuen Entwicklung in ihren Anfängen durch den Charakter
eben der ältesten Quellen erschwert wird. So erscheinen Amtleute im Sinne
der Beamten des 14. Jhs. schon sehr früh im Westen unseres Gebietes, be-
sonders in Luxemburg^; seit etwa 1220 finden sich verwandte Funktionäre
am Obern Älittelrhein (Mainz, Pfalz) 2; um die Mitte des 13. Jhs. treten
sie im Trierschen^, in Koblenz und den Rhein abwärts seit etwa dem
J. 1260 auf^
1) Aus Zeugnissen des MR. ÜB. s. Bd. 3, 1001, 1249; 1396, 1257; vgl. auch noch
Bd. 3 Wortr. u. d. WW. prepositus, prevost. Sollte hier französischer Einflufs vorliegen, sich
vielleicht gar bis zur Mosel erstreckt haben? S. dazu oben S. 79. Auch die flandrischen
Amtleute hiefsen in der ältesten Zeit praepositi (prevots), so schon 1110 in Ypern (Warn-
könig 2, 198); die Benennung ballivus (bailli) tritt erst seit Ende 12. Jhs. ein. Für die
deutsche Entwicklung vgl. man noch Honth. Hist. 2, S. 2; Bodmann, Rheingau 1, 511;
Küster S. 56 ff.; Baumann, Gesch. des Allgäus 1, 305. Zum alten Beamtenrecht der frän-
kischen Monarchie s. W. Sickel in Westd. Zs. Bd. 4, 345 f.
2) Guden. CD. 2, 57, um 1220: Sifridus [Erzbischof von Mainz] in iudicio coram do-
mino Theoderico Trevirorum archiepiscopo , qui ad mandatum domini Henrici regis Romani
iudicio presidebat, constitutus . . per suum advocatum conquestus est de uxore quondam
Philippi de Bolandia, quod violenter detinuit res ecclesie, videlicet castrum Erenfels, quod
castrum Philippus de Bolandia construxerat nomine archiepiscopi et cum rebus suis et cum
auxilio hominum suorum, tempore quo idem Philippus ftiit officialis domini et in termino
ad idem officium spectante. Urteil: quod dominus rex deberet (archiepiscopum Moguntinum
inducere in talem possessionem, de qua dictus officialis suus eiecerat eum infra terminum sui
officii). MR. ÜB. 3, 1129, 1251 : Pfalzgraf Otto bei Rhein universis iudicibus suis vel procura-
toribus seu cuiuscunque officii nomine censeantur in Furstenberch et Bacharacum tam presen-
tibus quam futuris. Hennes ÜB. 1, 188, 1260; 193, 1261 kommen officiati in Trechtinghausen
Boppard Oberwesel Braubach vor, man vgl. dazu Hennes ÜB. 1, 293, 1283: universi officiati
et thelonearii des Grafen von Katzenelenbogen in Boppard; Hennes ÜB. 1, 319, 1290: Pfalz-
graf Ludwig universis officialibus suis videlicet vicedominis notariis procuratoribus scultetis
theloneariis ac aliis quocunque officii nomine censeantur in Furstenberch et in Bacheraco.
3) MR. ÜB. 3, 1188, 1253: Urkunde Erzbischofs Arnold von Trier: nullum officiatum
vel castrensem illorum de Schoninberch vel de Ulmen locabimus in (Arraz) Castro. Hier
deutlich unterschieden zwischen Burglehnleuten und dem beamteten Vorstand d. h. Burggrafen.
S. auch Bd. 3, 68, 36, 1275.
*) CRM. 2, 208, 1264, cit. oben S. 1079 Note 4 und S. 1108 Note 5; Honth. Hist. 1,
766, 1267, Interrogatoria Clementis pape IV. facta Henrico archiepiscopo: An ipse teneat
castrum Confluentie? respondit quod sie; sed est ibi quidam officialis, qui ipso invito stat
in officio. Lac. ÜB. 2, 586, 1268: A. comes de Monte universis officiaHbus suis, dapiferis
advocatis scultetis neenon ceteris officiatis, qui per districtus sui territorium successione per-
petua fuerint constituti vel nunc existunt, salutem et fidem presentibus adhibere: die Rhein-
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1380 —
Die Bewegung, >Yelche im 14. Jli. vollendet erscheint, war mithin keines-
wegs gering vorbereitet; schon ein Jahrhundeit früher lassen sich ihre Spuren
verfolgen. Nun aber, seit etwa den dreifsiger Jahren des 14. Jhs., tritt in
unseren Gegenden eine Konsolidation des neuen Amtswesens ein; es bilden
sich feste Bestallungspatente aus\ deren Wortlaut bald im selben Amte von
Amtmann zu Amtmann unter verbessernden Amendierungen forterl)t^, bis seit
dem zweiten Viertel des 15. Jhs. die aus den Erfahrungen mehr als eines
Jahrhunderts zu festen Bestimmungen kodifizierten Amtsordnungen einsetzen^.
Mit dem Aufkommen einer solchen Konsolidation erwächst für uns
die Aufgabe, den Amtsbegriff des 14. und 15. Jhs. durch Schilderung der
lalii-e der Abtei Altenberg bei Mülillieim sei dienst- und steuerfrei. Guden. CD. 2, 962, 1276:
der Erzbischof von Köln weist an 8 mr. reditus . . in censibus nemoris apud Namede, per
manus ofticiati nostri Andernacensis singulis annis recipiendos. Guden. CD. 2, 973, 1289:
dominus Gerhardus de Landscrone ist jüliclisclier Anitmann in Sinzig; der Graf von Jülich
bekennt, quod nos omnia, que (Gerhardus) officiatus noster apud Sinzege per computationem le-
gitimam poterit edocere, nos sibi [debere] . ., antequam removeatur de commisso sibi per
nos officio, persolvemus. CRM. 2, 347, 1292: I. de Rinberg dapifer et officiatus reverendi
patris domini archiepiscopi Coloniensis in Weide [Wied] trifft nach Urteil der autonomen Ge-
richte in einer Streitsache Entscheid. Erzbischof Sigfrid von Köln bestätigt dies im selben Jahre.
S. auch noch CRM. 3, 1, 1300. — Zui' Mhesten Geschichte der Amtsverfassung am Nieder-
rhein vgl. noch Lac. ÜB. 3, 67, 1308; (86, 1310); 150, 1315; 228, 1327; Guden. CD. 2, 1038,
ca. 1328; 1054, 1332; Lac. ÜB. 3, (243, 1329); (253, 1331); (271, 1333); 312, 1337; 344, 1839.
1) Die Tendenz läfst sich etwa seit Mitte der dreifsiger Jahre des 14. Jhs. verfolgen,
s. zunächst Bd. 3 No. 127, 1333.
2) S. Bd. 3 No. 135, 1336—1345; No. 183, 1350; vgl. No. 267, 1459. — Die Zahl
der seit den dreifsiger Jahren des 14. Jhs. ausgestellten Amtsbestallungen bezw. Amtsreverse
ist eine ungemein grofse, vgl. nur Bd. 3 No. 296, 1350. Im Bald. Kesselst, finden sich Burg-
grafem-everse S. 160, 216, 315, 337, 499, 585, 776; Amtsreverse S. 574, 581, 584, 612, 628,
633, 653, 658, 659, 664, 672, 694, 707, 711, 716, 726, 757, 759, 761, 780. Von diesem Reich-
tum der Quellen wird man allerdings in den Urkundenbüchern unserer Gegend nichts gewahr- ;
nach ihrem Inhalt lassen sich auch nicht einmal die Grundzüge der Entwickelimgsgeschichte
der Amtsverfassung ahnen.
^) Die erste Amtsordnung unserer Gegend ist die freilich aus besonderem Anlafs ent-
standene Sponheimsche vom J. 1437, gedi\ Mones Zs. Bd. 6, 385 ff. Dann folgt, wenn auch
nicht ganz unserem Gebiete angehörig, die schöne Speierer Amtsordnung vom J. 1470, ge-
druckt in der Sammlung der hochfüi-stlich-speierischen Gesetze und Landesverordnimgen Thl. 1,
S. 1 ff'., Bruchsal 1788. Sie wendet sich zunächst an die Oberamtleute, den Vogt am Bmh-
rain, den Amtmann zu Lauterburg und den Landschi-eiber , diese sind mit Ausnahme des
Landschi-eibers mit den Trierer Amtleuten zu parallelisieren. Im übrigen ist sie, wie ihr
Schlufs mid auch der ganze wohlabgerundete Inhalt zeigen, nicht die erste derartige
Verordnung. Viel später als im Sponheimschen und Speierschen kam man im Trierschen
zu einer allgemeinen Amtsordnung; die erste im J. 1574 erschienene Amtsordnimg enthält
zudem fast nur Vorsclu'ifteu über die Gerichtspraxis der Amtleute. Dann arbeitete man im
J. 1654 wieder an einer Landes- und Amtsordnung, s. Scotti, Chur-Trier 1, 629; es ist die
im J. 1668 erschienene. Eine dritte Amtsordnung endlich wurde am 3. Februar 1719 aus-
gegeben. Ich benutze hier nur die älteste Ordnung von 1574, welche bei Honth. Hist. 3, 40
gedmckt ist, und zwar nach einer Kopie vom 27. Februar 1603 in der Trierer Stadtbibl.
Trevirensia 1541 Schrank II, S. 105 f.
— 1381 — Die Landesverwaltung.]
Einzelfunktioiien des Amtnianiis zur vollen Deutlichkeit zu bringen. Wir er-
örtern zu diesem Zwecke die persönliche Stellung des Amtmanns, sein Verhältnis
zur Zentralstelle und seine Funktionen im Amtsbezirke selbst nach unten hin.
Zum Verständnis der persönlichen Stellung des Amtmanns sind die
Fragen der Anstellung, des Gehalts, der Entlassung und der Pension zu be-
sprechen.
Die Anstellung geschah stets durch den Landesherrn persönlich; meist
scheint auch die Einfiihrung in das Amt durch landesherrlichen Akt, in Form
einer Proklamation an die Amtseingesessenen, erfolgt zu sein^ Die Amtsdauer
wurde dabei in sehr verschiedener Länge in Aussicht genommen; iiberwiegt
im ganzen wohl stets das Prinzip, sich in allgemeinster Form auf gegenseitige
Kündigung zu vereinbaren^, so finden sich daneben doch namentlich in spä-
terer Zeit Abgrenzungen auf ein halbes bis zu zehn Jahren, ja auch Verleihung
auf Lebenszeit ist zu keiner Zeit völlig ausgeschlossen. Damit war aber
natürlich die Gefahr gegeben, das Amt wieder erblich werden zu lassen, und
dementsprechend trifft man denn in der That im 15. Jh., zu einer Zeit, wo
das Verderbliche früherer Vererblichungen nicht mehr genugsam bekannt sein
mochte, vereinzelt Amtsverleihungen auf zwei Generationen, also mit stark
erblicher Tendenz, oder gar zu voller Erblichkeit^. Mit der Annahme des
1) S. Bd. 3, S. 486, 25, 1350; No. 188, 1351.
2) S. Bd. 3 No. 158, 1343; S. 213, 17, 1351. Dieses Kündigimgsrecht ist gegenseitig,
s. Bd. 3, 217, 37, 1351.
^) Amtsernemiimgen erfolgen: auf ein halbes Jahr 1480 Aug. 15 [alle ohne Zusatz an-
geführten Daten sind den Goerzschen Regg. der Erzbb. entnommen]; auf em Jahr 1492 Juli 26;
Siiii zwei Jahre Bd. 3 No. 183, 1350 ; 1490 März 22, Dez. 26 ; 1496 März 26 ; auf drei Jahre CRM. 3,
391, 1352; Bd. 3 No. 264, 1488; 1498 Mai 1; auf drei bis vier Jahre 1499 März 15; auf
vier Jahre Bd. 3, 179, 24, 1340; auf sechs Jahre Bd. 3 No. 184 § 11, 1350; 1494 April 19;
auf zehn Jahre *Bald. Kesselst. S. 727, 1348; 1499 März 2; auf Lebenszeit Bd. 3, 137, 12,
1325; S. 155, 10, 1333 (hier aber das Recht des Abkaufs mit 1000 Ib. hl. ausbedungen); 246,
5, 1380; No. 225, 1411; 1415 Apr. 8; 1421 Mai 13; 1423 März 23; 1437 Febr. 16; 1499
März 15; auf zivei Generationen 1415 März 21; *Koblenz MC. VII Bl. 595 b— 596 a, No. 1730,
Goerz, Regg. der Erzbb. S. 299, 1496; erblich CRM. 4, 155, 1434; 310, 1467. Die Ver-
leihung auf zwei Generationen steht *Koblenz. St. A. MC. Illb Bl. 266^— 267a, No. 620,
reg. Goerz, Regg. der Erzbb. S. 140: Wir Wernher etc. dun kunt allen luden, wan wir
Conraid Kolben van Boparten den alden unsern lieben getruwen unsern und unsers Stifts von
Triere amptman zu Baldenecke und siner zugehore gemachet han na Inhalt sulichen briefs,
als uns derselbe Conraid darüber halt gegeben, so bekennen wir ufenlich an diesem brieve
und reden in guden tniwen, daz wir unsere nakomen und stift denselben Conraide imib
nutzen getruwen dienst, die er uns und unserm stift getan halt, aislange er lebet, und na
ime sinen son Conraid Kolben, auch als lange er lebet, bi dem ampte sullen lazen und sie
davon nit entsetzen, is enwere dan sache daz dieselben Conraid und na ime Conraid sin son
kuntlichen wieder uns, unser nakomen und stift oder wieder sulichen brief, als uns der aide
Conraid itzunt gegeben hait und sin vurg. son na ime geben wirdet, deden; und nit e mugen
wir unser nakomen und stift sie und irer iglichen, welcher unser amptman were und an
dem gebrechen funden wmxle, von dem ampte entsetzen, welche zit auch der aide Conraid
Kolbe abegegangen ist und der vurg. Conraid sin son an daz ampt kompt, so sal er uns
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1382 —
Amts war dann weiterhin die Leistung eines Amtseides, speziell auf Auft^echt-
erhaltung der Artikel des Amtsreverses ^ bezw. auf getreue Ausfühmng sonst
bestellender Ordnungen^ verbunden.
unsern nakomen und stift einen brief über daz ampte geben und uns unsern nakomen und
Stift darüber globen und eide dun, als sin vater gatan halt, usgescheiden [Bl 267'^] alle
argelist und geverde. Des zu Urkunde und ganzer stedicheit han wir unser ingesigel an diesen
brief dun henken. Datum Erembretstein anno domini MCCCC xniimo luxta stilum scribendi
in diocesi nostra Treverensi feria quinta post dominicam iudica.
1) S. Bd. 3 No. 127 § 8, 1333; so schwört auch der Oberamtmann, s. Bd. 3 No. 184
§ 15, 1350.
2) S. *0r. Koblenz St. A., Erzstift Trier Staatsarchiv, an Pgtstreifen hängen die drei
runden braunen Siegel, nur No. 2 ist vollständig erhalten (*Abschr. Trier Bald. Kesselst.
S. 707 mit dem Regest Promissio trium Baurorum pro Bacherach, 42 1 Jan.; 1343
Januar 1): ^Yir Heinrich Beier von Boparten Simon und Heinrich sine soene rittere
dun kunt allen lüten: wan der erwirdiger in gode vader und herre her Baldewin erze-
bischof zu Trire und der dorchlüchte förste her Johan kunig von Behemen gi-ave zu
Lutzeinberg uns zu iren amptluden zu Stalberg Stalecke Brunshorn Bacherach und Stege
Rinboln und in dem nüwen gerichte und waz darzü gehoerit benant han, und unser vorgen.
herre von Trire uns daselbes zu sinen sines Stiftes und nachkomen amptluden gesatz und
gemacht hat: des han wir ouch itzunt alle dri und unser iglich unserm vorgen. heiTen dem
erzebischof und sinen nachkomen und dem stifte von Trire mit unsern trüwen globt und
zu den heiigen gesworn und globen an disem brieve, in mit den vorgen. festen delren und
guden und mit allem dem, daz darzü gehorit, gehorsam zu sine und zu wartene als ir ge-
truwe amptlude und in alle die artikel stücke und püncte und ir iglich stede und veste zu
haldene in alle der wise, als die brieve begriffen und geschriben stehen, die die edeln
fursten her Ruprecht und her Ruprecht palentzgraven an dem Rine und herzogen in Beiern
unsenn vorg. herren von Trire von den egen. vesten delren und guden gegeben han, uzge-
scheiden allerlei argelist an allen disen stücken und an ir iglichem. Und des üz einem
urkimde und stedikeit han wir unser ingesigel an disen brief gehangen, Der gegeben ist na
Crists geborte drüzenhundert jar und darna in dem zwei und virzicstem jare uf den heiigen
jars abint. *Bald. Kesselst. S. 780, 1352 Febr. 22: wen sie dan zu eime amptmanne dar
setzen wullen, der sal geloben und sweren genzlichen an allen iren artikeln und stucken zu
haldene die brive, die unser vorg. herre von Trire und seligis gedengnisses her Johan
kuning zu Behem uf eine siten und die vorg. hochgeborn fursten her Ruprecht und her
Ruprecht uf die ander site underein gegeben han umb die vorg. vesten Stalberg Stailecke
und Brunshorn und waz darzü gehöret. Honth. Hist. 2, 184, 1355, Einigung zwischen den
drei rheinischen Erzbischöfen : is sullent auch unser ieglichem der vorg. drier herrn amptlude
und bui'ggreven, die eime sint oder fürbaß werden, in unsers ieglichen lande und vesten ge-
sessen nach gelegenheide der vorg. zile und termine alle diese vorg. puncte und articul und
ieglichen besunder in guten trewen geloben und uffenliche zu den heiligen schweren, ge-
trewlich zu halden und zu vollenfüren, als verre sie das ruret, von uns iegliches wegen. *0r.
Koblenz St. A. Rep. Prüm No. 191, 1414 Febr. 4: Ich Diederich von Gumerspach dun kunt
allen luden und bekennen uffenliche an diesem brieve, daz der erwirdige in gode vader und
herre her Wernher erzbischof zu Triere min lieber gnediger herre mich sinen und sins Stifts
amptman irer slosse Prume und Murlebach und waz zu denselben slossen gehöret gemachet
halt, und sal ich die lüde rechte herlicheide und gude zu denselben slossen und ampte ge-
hörig getruwelich als ein amptman na minen besten sinnen und vermugen hanthaben schinnen
und verantwerten in aller mazen, als derselbe min herre von Triere und der erwirdige herre
her Friederich von der Sleiden administrator der abbatien und gotshuses zu Prume daz
undereinander haut beredt verbrievet und versiegelt.
— 1383 — Die Landesverwaltung.]
Mit der AblegTing dieses Eides trat der Amtmann in den Genufs eines
besthnmten Gehaltes, das in der ältesten Zeit auch noch Pacht genannt wird \
um das vertragsmäfsige Verhältnis voll zu kennzeichnen. Das Gehalt bestand
zunächst in einem Fixum von Einzeleinkünften, Geldrenten Naturalbezügen
und dergl., so dafs der Amtmann in dieser Hinsicht fast als Herr einer kleinen
Rentengrundherrschaft erschien 2. Später läfst sich dann die Richtung ver-
folgen, auf diesem Gebiete zu unifizieren und zu einem thunlichst weitgehenden
Ausdruck des Gehaltes in Geld zu gelangen^. Daneben aber hat der Amt-
mann an ordentlichen Einläinften noch eine bestimmte Quote der Bede *, hier
und da auch des Erlöses aus Juden und Kauwerzinen^, sowie aus den Früchten
sei es der niedern, sei es auch der gesamten Rechtssprechung^. Neben diesen
1) Bd. 3, 179, 21, 1340; 198, 9, 1845; auch *Bald. Kesselst. S. 780, 1852 Febr. 22:
die wingarten, die zu den eg. vesten gehorent, die ich buwen sal, und sal davon jerliche
mime eg. herren von Trire ein fuder wines uz dem wingarten, den man nennet den Ketzer,
geben, wo man aber daz fuder wines uz dem Ketzer genzliche nit haben müchte, waz daran
gebreche, daz sal ich im erfüllen uz dem andern besten wingewaße, der zu den besten ge-
höret, vortme waz hunere zu den eg. guden jerliche ervallen und die achte von dem lande,
die sullen min sin alleine; und waz andere gulde renthe und nütze von den vorg. guden und
landen mime eg. herren von Trire komen, die sal ich glichhalb haben, und daz ander halb-
teil so balde sie gevallent mime eg. herren von Trire, oder wem er daz bevelet, antwerten
und reichen ane hinderniß. wanne aber min eg. herre von Trire wil, so mag er wem er
wil bevelen, dz er sin halbteil der gülden renthe und nütze selber von erst ufhebe.
2) Man vgl. z. B. Bd. 3 No. 189, 1337. Im übrigen s. Bd. 3 No. 127, 1333; No. 190
§ 5 f., 1851; S. 231, 35, 1358. Ein Oberamtmann über 5 Ämter hat nach Bd. 3 No. 184
§ 9, 1350, jährlich die landesherrlichen Revenuen zu Limburg und 600 gl. Aufser den
Quellenstellen in Bd. 3 s. auch noch Honth. Hist. 2, 209, 1359, Amtsrevers Peters von der
Leien für Saarburg, auf unbestimmte Zeit: und umb die vorgenante bürg, stad und ampt zu
handhaben zu beschirmen und zu verantworten sol mir min vorg. herr alle jare und na
martzal der zit, daß ich ir amptman da verbliben, sinem keiner zu ziden zu Sarburg dun
geben zwölf mir. rocken, drissig mir. habera Sarburger maß, ein fuder wines, zwei schwin,
als sie zu winachten vellich sin; auch sol ich haben das holz, das an dem zolle zu Sarburg
vellet, binnen der zit da ich amptman verbliben. Sponheimer Ordnung 1487 § 8: die Amt-
leute erhalten jähi^lich 100 gl., 5 fudere wins, 60 mir. korns, 150 mir. habern , hauwe , stro
und auch brennholz nach notdurft ungeverlich, ferner zur wochen ein dienst fische. Dazu
werden sie geritten gehalten und haben beim Umritt im Amt freie Herberge. Nicht selten
haben die Amtleute für die ihnen absolut notwendigen Pferde noch besonders angewiesene
Nutzungen von Wiesen oder Lieferungen von Futter, s. z. B. Bd. 3 No. 185 § 5, 1836—1345 ;
No. 158 § 5, 1343.
3) Vgl. schon oben S. 769.
*) S. unten Note 6 passim.
5) S. Bd. 3 No. 158 § 5, 1343.
^) Diese Einnahme hat noch eine volle, nicht uninteressante Entwicklung durchgemacht.
Anfänglich bisweilen etwas unbestimmt (s. Bd. 3 No. 108, 1324; S. 181, 30, 1841) geht sie
doch im wesentlichen in einem Drittel der Gerichtsfilichte vom Niedergericht auf, s. Bd. 8,
135, 23, 1325; No. 185 § 3, 1336—1345; No. 158 § 3, 1843; No. 182, 1-350; S. 231, 33,
1358; Honth. Hist. 2, 209, 1359; 864, 1419; vgl. auch *Bald. Kesselst. S. 727, 1344 Jan. 30:
Diderich von Rinberg ritter und Gerdrud sin eliche husfrouwe reversieren sich wegen des Amts
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1384 —
ordentlichen Einnahmen aber stehen noch aufserordentliche , namentlich Ent-
schädigungsgelder. Die gröfste Rolle spielen hier Zahlungen zur Schadlos-
haltung bei kriegerischen Expeditionen ^ , für Verluste von Pferden ^, Loskauf
von Gefangenen^ und Ähnliches. Die Schadenberechnung war hier oft nicht
einfach, und so begreift es sich, wenn für dieselbe zumeist die Einsetzung einer
besonderen Schiedskommission zwischen Landesherrn und Amtmann vereinbart
Münstermaifeld (stad ampt und plege) auf 10 Jahre. Unter den Einnahmen stehen die
büßen, die under sechzig Schillingen der werunge sin, die der scheifen teilet . . . was abir
büße gevallen, die der scheffen nicht enteilet, die über sechzig s. sint, und von totslagen,
und die lip und goit anruren, davon erhalten sie nichts. *Bald. Kesselst. S. 780, 1352
Febr. 22 : und umb daz daz ich die eg. vesten, die ich bekustigen und behuden sal, und daz
ampt diebaz behuden und hanthaben müge, so hait mir min eg. herre, als lange ich amptman
da bin, zu dem ampte da gelazen: von erst alle die buzen, die im in dem ampte gevallen
mugen, die ich doch von den luden gnediglich sal heben, ane die büße, die lif und gut an-
treffen, die hait er im behalden alleine. Dasselbe besagt auch Bd. 3 No. 230 § 2, 1420. Seit
dem 15. Jh. beginnt nun aber auch ein Anteil der Amtleute an den Hochbufsen einzutreten, und
zwar in der Höhe eines Zehnten, der als Weinkauf bezeichnet wird, s. Bd. 3 No. 240 § 12,
1464 ; S. 295, 13, 1488 ; und Blankenheimer Statut 15. Jhs., Ann. d. bist. Ver. f. d. Mederrh.
9 — 10, 122 — 123: der amptman sal hain van iegelichen scha/i sin gewonlich gelt zo meie
ind zo herft, ind darzo von allen büßen, die uns da vallent, den zenden d., wat der is, die
boven vunf mr. sin, die hie of der scholtisse uisdedingten. Wenig später aber werden in
weiterer Ausbildung dieser Richtung dem Amtmann die minderen Bufsen nicht mehr blofs
zu einem Drittel, sondern zu gröfseren Teilen oder wohl gar völlig überlassen, s. Bd. 3
No. 240 § 12, 1464; S. 295, 12, 1488. Eine allgemeine Ordnung dieser Verhältnisse scheint
bis zum 17. Jh. nicht eingetreten zu sein, s. Scotti, Chur-Trier 1, 585, 1611: die in den
Ämtern vorfallenden groben Exzesse, als Ehebruch und dergleichen Vergehen, welche grofse
Bufsen nach sich ziehen, dürfen von den Amtleuten, in Gemäfsheit bestehender Vorschrift,
nicht eigenmächtig mit Strafe belegt, sondern müssen von denselben dem Landesherrn, unter
Angabe der Vermögensverhältnisse des Exzedenten und mit Beantragung der Strafe angezeigt
werden, wonach letztere landesherrlich bestimmt werden wird. Zugleich wird den Amtleuten
zugesichert, dafs; insofern ihre Bestallungen ihnen einen Anteil an dergleichen Geldbufsen
zusichern, sie desfalls gehörig berücksichtigt werden sollen. — In den ältesten Urkunden
sieht man übrigens noch deutlich die Ableitung vom vogteilichen Drittel der Gerichtsfrüchte
in der Immunität (s. oben S. 1115), welches seinerseits wieder nur Nachbildung einer Besol-
dungsart der fränkischen Grafen war; s. MR. ÜB. 2, 61, 1169 — 83: der Vogt Amulph von
W^alecurt (s. oben S. 1370 Note 3 und S. 1372 Note 7, auf S. 1373) des erzbischöflichen
Hofes Remich petitiones . . sive exactiones, quocunque modo in prefata curia fiant vel in
valle illa, sive in annona sive in nummis, ex equo dividemus, et quod de dimidia parte
tercie parti, quam ei [archiepiscopo] recognoscebamus, supererit,' ad augmentum feodi et
nominatim ad custodiam castri habebit. de placitis autem tertiam solummodo partem accipiet.
et nee in placitis nee in petitionibus vel per se vel per nuntios suos nos aliquo modo
circumveniet. ministeriales autem nostri et officiales, scolteti forestarii bubulci piscatores
et alii ad cottidianum servitium nostrum specialiter deputati ab omni exactione liberi erunt.
1) S. Bd. 3 No. 165, 1345.
2) Ein Tarif für Schadloshaltung bei getöteten Pferden entwickelt sich in Österreich
schon unter Albrecht IL, ca 1350, s. Bruder S. 8.
3) S. Bd. 3 No. 190 § 4, 1351; No. 244 § 7, 1464. ~ Genaueres über die Schadlos-
haltung s. Bd. 3 No. 184 § 7, 1350; No. 187 § 9, 1351; No. 190 § 4, 1351; No. 230 § 3,
1420; No. 244 § 5 f., 1464.
— 1385 — I^ie Landesverwaltimg.]
wiixP. Die Zahlung derartiger aui'serordentlicher P^ntschädigimgsgelder er-
folgte natürlich stets auf besondere Anweisung der Zentralstelle. Die Zahlung
des ordentlichen Gehaltes dagegen lag nur ausnahmsweise^ in den Händen der
Zentralstelle, der Landrentei oder der Siegelämter ^ meistens war der Kellner
des Amtes selbst oder derjenige eines Nachbaramtes mit der Auszahlung bezw.
Anweisung betraut^. Nur selten kommt es daneben vor, dais sich, in der ver-
derblichen Weis(^ früherer Zeit, der Amtmann selbst direkt aus den Revenuen
des Amtsbezirkes bezahlt macht. Im wesentlichen ist dies nur da der Fall,
wo das Amt dem Amtmann verpfändet oder sonstwie zur Ausbeutung über-
geben ist'*; hier nimmt der Amtmann natürlich alle Amtsintraden ein und
führt nur den Überschufs über seinen Gehalt bezw. die ihm sonstig geschuldete
Zins- oder Amortisationssumme und eventuell auch iiber die gesamten Unter-
haltungskosten von Burg und Amt ab'^.
Stand der Amtmann schon durch die Regelung der Gehaltszahlung in
den meisten Fällen ganz anders zur Disposition des Herrn, wie irgend eine
Beamtenklasse der deutschen Kaiserzeit ^, so wurde die hiermit begründete
neue Auffassung des Beamtencharakters noch in sehr bemerkenswerter Weise
durch die Konstruktion der Entlassungsmöglichkeit verschärft. Wie auch immer
die Vereinbarungen ül)er die Amtsdauer lauten mochten ^ fast stets war es
dem Landesherrn auf Grund meist sehr unbestimmt formulierter Aussetzungen ^
möglich, seine Amtleute sofort oder nach einer kurzen Kündigungsfrist von
vier bis sechs W^ochen^ zu entlassen, ja bisweilen ist sogar eine Entlassung
1) S. Bd. 3 Xo. 135 § 6iL, 1336—1345; No. 198 § 7, 1358; No. 244 § 6, 1464.
2) S. Bd. 3, S. 232, 3, 1358; *0r. Koblenz St. A. Rep. Prüm No. 191, 1414: iif daz
daz ich steteHche zu Murlebach huishalde und wane, so sullen der vurg. min herre sine
nakomen und stift von Triere mir iglichs jares, als lange ich ir amptman an den vurg. enden
bin, dun geben und hantreichen zwei stucke wins, zehen mir. korns und drutzehendenhalben
gl.; nemeliche den win und körn in siner kelnerien zu Witlich, den win zu sente Mertins
dage im winther, daz körn zusehen zwein unse frauwen dagen assumptio und nativitas, und
daz gelt vurg. sal mir ein iglicher des vurg. mins lierren und sins stifts siegiller zu ziden zu
Triere jerliche in den cristheiligen dagen geben und hantreichen.
3) S. Bd. 3 No. 127 § 1, 1333; No. 135, 1336—1345; No. 195, 1356; No. 244 § 11,
1464; No. 273, 1499.
*) S. Bd. 3 No. 182, 1350; *Bald. Kesselst. S. 780, 1352 Febr. 22.
5) S. Bd. 3 No. 140 § 1, 1337; No. 153, 1341.
6) S. dazu oben S. 724, 768, und namentlich S. 835.
■') Also sogar bei lebenslänglicher Ernennung, vgl. Bd. 3 No. 128, 1333.
8) S. z. B. Bd. 3, S. 155, ii, 1333; No. 149, 1340; No. 184 § 13, 1350. Gewöhnhch
war die Endassung bei Gefangenschaft des Amtmanns, s. Bd. 3 No. 127 § 6, 1333; No. 135
§ 8, 1336—1345; No. 165, 1345; s. auch CRM. 3, 391, 1352: auch sal ich die vesten
Sterenberg allezit bestellen, wi iz mit mir queme, ab ich dodes wegen abegenge gevangen
oder anders mines libes entweldiget werde, daz god wende, daz min vorg. herre von Trire
und sin stift irer vesten wol sicher sin, daz man in die antwerte, wanne si des gesinnent
mit münde oder mit iren uffenen versigelten briben.
0) S. Bd. 3 No. 182 § 6, 1350; S. 213, n, 1351.
La m pr echt, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 88
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1386 —
ohne Angabe jeden Grundes möglich ^ Demgegenüber war es gewifs ein ge-
ringer Trost, dafs auch den Amtleuten das Kündigungsrecht vielfach zustand^.
Helfen konnte hier allein eine Vereinbarung, wonach Klagen des Amtmanns
gegen den Landesherrn gerichtlichem Spruch oder schiedsrichterlichem Ent-
scheid unterworfen wurden^; ein Ausweg, welcher denn auch schon früh,
namentlich für Differenzen bei der Kechnungslage , wenn auch keineswegs
regelmäfsig gewählt ward*.
Dem entlassenen Amtmann aber stand noch keinerlei Anspruch auf
Wartegeld oder Pension zu: noch war der herrschende Gesichtspunkt nicht
der bureaukrati scher Anstellung bezw. Entlassung durch den Landesherrn,
sondern vielmehr derjenige gegenseitigen Vertrages zwischen zwei gleich un-
beschränkten, darum sich auch aus gleichen materiellen Gesichtspunkten be-
handelnden Parteien. Eben von diesem Gesichtspunkte aus, zur Symptomatik
der allmählich eintretenden bureaukratischen Behandlung des Beamtentums, ist
die Geschichte der Pension von besonderem Interesse. Der moderne Begriff
der Pension wird dabei keineswegs leicht gewonnen. Hervorragende Beamte
belohnt man zunächst nicht durch einen Pensionsanspruch, sondern durch
direkte Gehaltserhöhung^ oder allenfalls durch Verleihung landesherrlicher
Güter an sie selbst und ihre Erben auf Widerruf®. Später, im 15. Jh.,
geht man dann etwas weiter, indem man verdienten Amtleuten die Erlaubnis
zur Ausnutzung landesherrlicher oder landesherrlich-grundherrlicher Monopole,
zugleich im Sinne der Verbesserung des eigenen Besitzstandes, übergiebt^.
1) S. Bd. 3 No. 135 § 7, 1336-1345; No. 140 § 2, 1337.
2) S. S. 1385 Note 9.
^) S. *Bald. Kesselst. S. 665, Balduinsteiner Amtsrevers, 1339 März 29: bei Streitig-
keiten mit dem Stift soll der Amtmann vor dem Stift zu Gericht stehen, und zwar für geist-
liche Dinge vor den geistlichen Richtern, ginge iz aber werntliche sache an, so sal ich vor
minem egen. herren oder sinen . . nakomen oder iren amptluden, die sie darbi schicketen,
nach ire manne orteil recht geben und nemen. Vgl. ferner Bd. 3 No. 182 § 7, 1350;
No. 187 § 10, 1351; vgl. auch noch No. 278, 1502.
4) S. Bd. 3 S. 185, 4, 1343; No. 187 § 13, 1351.
s) S. Bd. 3 No. 195, 1356.
6) S. Bd. 3 No. 201, 1369.
-') S. *Koblenz St. A. MC. III b Bl. 168S No. 378, reg. Goerz, Reg. der Erzb.
S. 129, 1404 Sept. 10: Min herre von Triere hait Thielmanne von Grimburg sime amptmanne
zu Swartzenberg gegimnet, suliche wiherstad und mule darane mit irem zugehore zu Thiel-
manswilre gelegen wieder zu buwen und mit siner koste ufzurucken, und daz er der ge-
bruchen muge, als lange er amptman zu Swartzenberg si. und welche zit mime herren oder
ime nit me gefuglich were, daz er amptman zu Swartzenberg bliebe, so sal ime min herre
sine nakomen und stift von Trire den buw zu bescheidenheid wiederkeren und bezalen, und
sollent Thielman oder sine erben alsdan mime herren oder stifte die mule und wiher unbe-
kiault und fri wieder in geben. *Koblenz St. A. MC. VIII. Bl. 13^, No. 39, reg. Goerz,
Reg. der Erzb. S. 215 (der statt Wanchenheim Wachenheim Mauchenheimer liest), 1463
Febr. 19: Wir Johan etc. tun kunt und bekennen uifentlich an diesem brieve: so als eine
w^uste stat eins wihers, der vurmails vergenklich worden ist, zusehen Luitzkirche und Niddern-
— 1387 — I^iG Landesvei-waltimg.]
(liesoll )en wohl auch in den unentgeltlichen Alhnendegenufs ihres Wohnortes
einweist ^ oder eine Erniäfsigung der landesherrlichen Lasten für ihren Faniilien-
besitz und eine besondere Inschutznahme ihrer Familie ausspricht 2. Das ist
aber alles, was im 15. Jh. erreicht wurde ; zur prinzipiellen Anerkennun geiner
Pensionspflicht hat es die mittelalterliche Landesverwaltung niemals gel)racht^.
Erglebt sich gerade aus diesem Punkte, wie wenig der mittelalter-
liche Amtmann schon Staatsbeamter in unserm Sinne und im Sinne der ab-
soluten Monarchie war, wie vielmehr sein Verhältnis zum Landesherrn im
Sinne privaten Vertrags aufgefafst wird, so begreift es sich auch, dafs ein
solches Verhältnis nicht zu einer so festen Eingliederung des Amtmanns in
eine Beamtenhierarchie Anlals geben konnte, wie sie für die vollendete Bureau-
wiirtzbach in dem ampt von Blieskastel liget, han wir unserm amptman zu Bliesekastel und
lieben getruwen Simond Wanchenheime von Zweinbmcken gegunet und erleubt gunnen und
erlauben ime vur uns unsere nakomene und stifte in craft dieses briefs, das er solichen
wiher widder ufrusten und eine mule darane machen muege, doch also das er darane bis
an die hundert oberlendsche Einsehe gl. und darüber nit verbuwe. und wir geredden
und versprechen darumb vur uns unsere nakomene und stifte in craft dieses brieves, den
obgenanten Simond Wachenheime und sine erben solichs wihers mitsampt der mulen ge-
nießen und gebruchen und alle nutze und geveihe davon schinende geben zu laissen also
lange und bis zur zit, das wir ader unsere nakomene und stifte ine soliche hundert gl. ader
sovil sie bis an dieselbe somme hundert gl. darane verbuwet betten, widdergeben usgericht
und bezalt hain. und sobalde auch dem benanten Simond ader sinen erben soliche buwe,
sovil sich an gleublicher rechnunge erfindet bis an die somme hundert gl. mid darüber nit,
usgeracht und bezalt ist, alsdan sal solich wiher mitsampt der mulen an uns unsere
nakomene und stifte anstont widder komen und fallen, sunder des vurg. Simonds ader siner
erben hindernis ader inredde in einche wise ane argelist.
1) S. Bd. 3 No. 224, 1409; No. 262, 1482.
''') S. »Koblenz St. A. MC. VIII Bl. 155 a — 155^ , No. 455, reg. Goerz, Regg. der Erzb. S. 239,
1474 April 5: Wir Johan etc. tun kunt und bekennen uffentlich an diesem brieve, das wir
angesiehen haben anneme flissige getruwe dienst, die unser amptman zu Witlich und lieber
getruwer Dietherich von Lontzen genant Robin uns und unserm stift zu dick mailen unver-
drossenlich getaen hait; und hain alsdarumb, demselben Dietherichen zu besundern gnaden,
Irmgin siner magt und irer beiden naturlichen kinden diese hernachgeschr. guter und gulte,
die Dietherich derselben Irmgin und den itzgemelten sinen kinden gekauft gegeben und ufge-
tragen hait, gefriet und begnadet frien und begnaden vur uns unsere nakommen und stift in
craft disses brieves also: das die vurg. Irmgin und ire egemelte kinder solcher guter halb
von allen beten schetzungen froenden diensten und andern bürden unser stat Witlich gefriet
sin sullen, ane unsern unserer nakommen unser amptlude keiner ader imands anders irrunge
intrag ader hindernis in einche wise. darzu so haben wir Johan erzbischof zu Trier etc.
obgenant die vurg. Irmgin mitsampt Dietherich Robins und iren naturlichen kinden ol)gerurt
in unsern und unsers Stifts schirme und versprechnis genomen, also das wir sie und ire gut
vur gewalt schüren schirmen und bi recht hanthaben sollen und wollen sunder alle argelist.
3) Doch auch nicht in Bd. 3 No. 262, 1482. Im übrigen vgl. zur Steuer- und Fronden-
freiheit der Beamten noch Goerz, Regg. der Erzb. z. d. JJ. 1471 Aug. 25, 1474 Apr. 5,
1481 Mai 27, 1486 Juli 13, 1494 Apr. 15; und zur Frage der Beamtenpensionen Goerz,
Regg. der Erzb. z. d. JJ. 1474 Mai 1, 1481 Juli 20, 1482 Apr. 20, 1489 Novbr. 16?, 1492
Mai 17, 1501 Febr. 3.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1388 —
kratie bezeichnend ist. Im Verhältnis zu den späteren Lokalbeamten der
Landesverwaltung war der mittelalterliche Amtmann ganz aufserord entlich selb-
ständig. Zwar wurde er ab und zu, als blofser Mandatar des Landesherrn^
von diesem direkt mit einer Anzahl von Kleinigkeiten, welche sich schwer in
bestimmte Kessorts abgrenzen lassen, behelligt \ im übrigen aber war er in
seinem Amte nahezu Selbstherr ^: schworen ihm doch sogar neu eintretende
Amtsunterthanen anstatt des Landesherrn ^, und führte er unter Umständen
sogar selbständige Verhandlungen mit den Grenznachbarn*.
Bei dieser Lage der Dinge bedarf es nicht weiterer Belege für die Be-
hauptung, dafs die Stellung der Amtleute gegenüber der Zentralstelle eine sehr
freie war. Wie dringlich hier in späterer Zeit die Notwendigkeit einer engeren
Verbindung empfunden wurde, zeigt eine Anzahl von landesherrlichen Reskripten
des 16. Jhs., welche schliefslich in der Weisung der Amtsordnung vom J. 1574
§ 31 gipfeln : gleichfals sollen unser ambtleuth und bevehlhaber unsern befelch-
schriften, so ihnen aus unser canzlei zugeschickt werden, wan sie von einem
unserer secretarien underzeichnet, ob sie gleich von uns selbst nit underschrieben,
ohne einichen verzugh gehorsam leisten, und was darinnen ihnen befohlen wurd,
unweigerlich volnziehen; es were dan das ein ambtman kuren oder befinden
wurde, das der befelch aus bösem bericht und verschwiegener warheit bei uns
erlangt und ausbracht were, und er bessere und unpartheilige Information thun
konte: das sol er unverzüglich zu unser canzlei berichten und bis uf fernem
bescheid stellen und Inhalten. Im Mittelalter wäre eine solche enge Bin-
dung der persönlichen Verantwortlichkeit des Amtmanns noch undenkbar ge-
wesen; hier vollzog er die meisten Amtsgeschäfte lokaler Art ohne irgend-
w^elche Ingerenz der Zentralstelle und war für diese nur ausführendes Organ
an der obersten Stelle empfundener Bedürfnisse^. So begreift es sich, dafs
1) Vgl. Bd. 3 No. 191 und No. 296.
2) Oder wie es Haussen, Abli. 2, 538, treffend ausdrückt : die Amtleute regierten mehr
als die Zentralregierung. Charakteristisch ist auch Speierer Amtsordnung 1470 § 42 : die
Amtleute werden aufgefordert, die Amtsordnung öfter durchzulesen und etwaige Vorschläge
zur Verbesserung vorzubringen.
3) S. Bd. 3 No. 156, 1343.
*) Speierer Amtsordnung 1470 § 21 : bei Verhandlungen mit Grenznachbam wird ruhige
Sprache empfohlen.
■'') Über die Art, wie die Anzeige eines ausgeführten Befehls der Zentralstelle durch
Transfix gegeben wurde, s. Cod. Lac. 186, 1356. Anders wurde die Sache erst dann, als
das Schreibwesen voll in die Landesverwaltung eindrang. Das ist indes kaum vor beginnen-
dem 16. Jh. der Fall gewesen, wenn auch die Anfänge stärkeren schriftlichen Verkehrs bis
in die Mitte des 15. Jhs. zurückreichen. Von gröfseren Korrespondenzen, welche indes
sämtlich noch für die grofse Selbständigkeit der Amtleute sprechen, sind erhalten a) Briefe
betr. den Amtmann zu Grimburg 1452 — 53, Regesten bei TöjDfer 2, 368, vgl. auch Bd. 3
Xo. 238; b) Korrespondenzen mit dem Amtmann von Salm, meist in Bd. 1 und 2 der
Originalschreiben in Koblenz St. A. (s. oben S. 1253 Note 4), von folgenden meist bei Goerz,
Regg. der Erzb. registrierten Daten: 1486 Sept. 2, 21, 28, Novbr. 20, Dezbr. 26; 1487 Dezbr.
21; 1488 Apr. 2, Juni 26, Okt. 2 [steht in Bd. 1]; 1490 Apr. 23, Aug. 3; 1491 Dezbr. 7;
— 1380 — Die Landesverwaltung.]
eine ordiiuiigsiiiäfsige Kontrolle der umfassenden schiedsrichterlichen Thätig-
keit des Amtmanns erst im 16. Jh. erreicht \vard\ während der Schlufs des
Mittelalters es nicht weiter gebracht zu haben scheint, als bis zu der Be-
stinnnung, dafs der Amtmann niemand hindern solle, klagend an der Zentral-
stelle zu erscheinen^. So ist es auch ohne weiteres zu verstehen, dafs das
System der gegenüber dem Amtmann entwickelten Kontrollen im wesentlichen
auf gelegentliche persönliche Visitationen des LandesheiTU oder einzelner Mit-
glieder der Zentralstelle bezw. zeitweilige Zitation des Amtmanns an den Hof ^
und auf Revision seiner Rechnungslagen hinauslief.
Die Rechnungslage selbst ist aber nun im Einzelfall sehr verschieden
weit entwickelt. Am besten und vollendetsten übersehen wir ihr System nach
der Speierer Amtsordnung vom J. 1470. Hier erscheinen die Amtleute allehi
— nicht noch neben ihnen ein besonderer Finanzbeamter, der Kellner, —
dem Landschreiber (Rentmeister) für die Revenuen verantwortlich; sie legen
über Einnahmen und Ausgaben im Amt Rechnung*. Dabei ist die Amts-
rechnung liis Sonntag Invocavit einzuliefern; sie soll sich über alle Ein-
nahme und Ausgalje erstrecken, es si an wine, körne, fruchte, gelte, freveln,
feilen und unfellen . . , und zu wellicher und ieder zit bestimt, wan und von
wem sollichs gefalle, wie es ußgeben und ingenomen si. Ferner soll der hußrat
auch gerechnet werden, was des abgee und geließert werde und wievil zu ieder
zit vorhanden si; und derselbe nuwe hußrat sol zu ieder zit in die register
des hußrats gezeichnet werden^. Wie ein Liventar des Hausrats vorhanden
sein soll, so auch ein solches der Renten und sonstigen Zinsen: die ampt-
1492 Febr. 9, Juni 22, Novbr. 27, 30; 1493 Juni 20; 1494 Novbr. 9, 16; 1495 Jan. 29,
Apr. 20, 22 [2 Briefe], Mai 4, Aug. 27; 1496 Jan. 8, Febr. 26, Apr. 24, Mai 1, 12, 18;
1497 März 19, Apr. 1, 18, Sept. 11; dazu Briefe vom Salmer Amtmann in Bd. 2 der
Originalschreiben von 1490 Apr. 19, Aug. 8; 1491 Aug. 19; 1492 Febr. 4 more Leodiensi,
24, Apr. 6, Juni 18, 24, 27, Aug. 2, 13, Novbr. 26, Dezbr. 2; 1494 Novbr. 3, 11; und end-
lich an den Erzbischof eingesandte Kopieen von Salmer Verwaltungsakten von 1492 Aug. 14
[französisch, nach Bastnach] nebst Antwort, und von 1494 an capitaine Irnoit in Bastnach
[cest nuyt sent Lynair], sowie 1494 Novbr. ?, Novbr. 11 ; c) Korrespondenz mit dem Amt-
mann von Saarburg, 1498 Jan. 29, 30 [mit der Erlaubnis, an den Erzbischof adressierte
Aktenstiicke zu öffnen], Aug. 7, Dezbr. 29; 1499 Jan. 27, Febr. 21, Juli 1, Aug. 25; 1500
Febr. 22, Juli 10; 1502 Juli 11, Novbr. 7. Leider ist eine lunfassende Ausnutzung dieser
fast durchweg sehr lehrreichen Korrespondenzen durch die Ökonomie unserer Erörterungen
ausgeschlossen.
1) Trierer Amtsordnung 1574 § 22 und 23.
2) Speierer Amtsordnung 1470 § 41 : die amptleute sollen auch keinen armen , er si
wer er wolle, verhindern imbilligen oder gremen, der vor unser selbs persone kommen und
sin Sache furbringen will, und ine darumb desto geneigter sin, dan wo wir des von ine
geware wurden, hetten wir zu keinem gefallen, und wan wir erfunden, unser armen lute uns
unwarheit furbringen, darumb wollen wir sie selbs tun strafen.
^) S. Speierer Amtsordnung 1470 § 6.
*) Speierer Amtsordnung 1470 § 26.
•^) A. a. 0. § 35.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1390 —
lute sollen auch die niiwen zinsbucher in eren und wesen halten und Hiß tun,
was von zinsen von nuwem erfunden oder suß genieret wurden, die auch darin
zu schriben^ In gleicher Weise endlich soll Klarheit über das Einkommen
der Amtleute selbst geschaffen werden; die Amtleute haben zu diesem Zweck
Verzeichnisse ihrer Besoldung einzusenden, und geschiecht sollichs in der
meinunge nit, das wir ine iren solte mineren wolten, sondern eines ieden
ampts gelegenheit gruntlich wissen mögen ^. Gleich gründlich wie die Bud-
getierung wird nun auch die Rechnungslage selbst behandelt^; vor ihrer jähr-
lichen Wiederkehr sollen alle Gefälle beigetrieben werden : obe das nit beschee,
solten (die Amtleute) das darlegen; die Reste werden dann im Rezefs ver-
zeichnet^. In der Rechnung sind ferner die einzelnen Posten wohl zu unter-
scheiden, so sind z. B. die Einnahmen von Ausleuten (auswärtigen Eigenleuten)
gesondert zu verrechnen^. Für die Ausgaben sind Quittungen als Beleg bei-
zubringen, so speziell für Löhne und Besoldungen •^. Eine Ausnahme scheinen
nur die Ausgaben im täglichen Domanialverkehr zu machen, wie er sich unter
Aufsicht des dem Amtmann unterstehenden Kellners abspielt; hier giebt der
Amtmann wohl nur eine Aufstellung im ganzen, wird aber dadurch kon-
trolliert, dafs er in diesen Sachen (wegen der Drescherlöhne, des Zehnts, der
Kelterweine) mit dem Kellner genau abrechnet, und zwar mit Kerbhölzern,
deren eines der Lohnarbeiter, eines der Kellner führte Ist so schon für die
Rechnungslage eine Anzahl von Kautelen getroffen, so erfolgt schliefslich nach
Abschlufs derselben noch eine Generalkontrolle mittels Durchsicht der Bestände
im Amte selbst: iglicher amptman, was er in sin rechenunge verrechnet und
schuldig blibe des remanets, sol er daran sin, das sollichs in kellern kästen
und schuwern alles funden werde, und was er an barem gelt schuldig blibe,
sol er dem landschriber uberantwurten, oder wie wir das bescheiden zustunt,
mit deme die rechnunge beschlossen wirt^.
So deutlich wie in der Speierer Amtsordnung ist nun sonst die Rech-
nungspflicht des Amtmanns in unseren Gegenden nicht betont. Diese Erschei-
nung hängt damit zusammen, dafs sich an der Mosel wie auch sonst meist
neben den Amtleuten noch besondere, aus dem Villikat der alten landesherr-
lichen Grundherrschaft herauswachsende Finanzbeamte entwickelt haben, die
Kellner^: so dafs hier eine Zweiteilung der Funktionen eintrat, während die
1) A. a. 0. § 29.
2) A. a. 0. § 34.
^) Charakteristisch für sie wie für das ganze System ist Speierer Amtsordnung 1470
§ 39 : genaue Bestimmungen über die Behandlung der verschiedenen einfliefsenden Münzsorten.
*) A. a. 0. § 36.
'-) A. a. 0. § 37.
6) A. a. 0. § 32.
7) A. a. 0. § 38.
8) A. a. 0. § 15.
9) S. darüber unten S. 1410 ff.
— 1391 — Die Landesverwaltung.]
Kellner im Speierseheii wesentlich in ihrer alten Stellung als landesherrliche
Meier unter den Amtleuten erhalten blieben. Indes ist doch auch sonst der
Amtmann keineswegs von jeder Rechnungslage ausgeschlossen. Zunächst liegt
ihm wohl stets die Rechenschaft über die seiner P'.intreibung überlassenen
Fructus iurisdictionis ob\ wenn dieser Posten sich auch im Trierschen in den
Kellnereirechnungen verrechnet findet^. Ferner aber kommt es bei aul'ser-
ordentlichen Fällen (z. B. der Ernennung eines Oberamtmanns über mehrere
Ämter) ^ wie in der Frühzeit der Amtsentwicklung, wo die Funktionen zwischen
Amtmann und Kellner noch nicht erfahrungsmäfsig genau geschieden erscheinen,
vor, dafs die Amtleute auch zu umfassenderer Rechnungslage herangezogen
werden^. Und in der That hatten sie ja, besonders soweit sie zugleich Burg-
grafen waren, direkt unter sich eine mit genügend grofsen finanziellen Mitteln
arbeitende Verw^altung, über deren Stand eine Oberaufsicht auszuüben man
mit Recht beanspruchen konnte. Später aber, nach voller Ausl^ildung des
Kellneramtes, erscheint eine umfassendere Rechnungslage der Amtleute wohl
nur da, wo denselben ein Amt pfandweise oder unter verwandten Be-
dingungen übertragen war^.
Dieser geringen Rechnungsthätigkeit entspricht es denn auch, wenn die
Amtleute erst sehr spät mit vollkomnmeren bureaumäfsigen Hilfsmitteln aus-
gestattet werden. Wenn es auch schon früh verwandte Aufzeichnungen ge-
geben haben mag^, so hören wir doch im Sponheimschen erst 1437, im Trier-
schen erst 1548 von der Einführung offizieller Amtsbücher ^ d. h. von Büchern,
1) S. Bd. 3 No. 135 § 4, 1336-1845.
2) S. z. B. Bd. 3 No. 294, 1344-45, S. 454.
^) S. Bd. 3 No. 187 § 12, 1351.
*) S. Arch. Clervaux No. 66, 1300; Bd. 3 No. 90, 1310; Arch. Clervaux No. 191,
1336; Bd. 3 No. 140, 1337; No. 157 § 1, 1343.
5) S. z. B. Bd. 3 No. 244 § 10, 1464.
^) Honth. Hist. 2 , 201 , 1357 : Heinrich von der Leien hat zu zahlen solche broche
und ubergrieft, die Johan von Steine amptman zu sente Wendeline gezeichent und die [der
Erzbischof] an mich gevordert hat.
■') Sehr interessant ist namentlich Sponheimer Ordnung 1437 S. 393 — 4, zu Art. 23:
unser herren habent ire oberamptluden und den lantschribern entpholen von des gultbuches
wegen, daz sie riten sollent iglicher in sin ampte von stat zu stat, von dorfe zu dorfe, und
ein gultbuche verschriben und machen uf daz allergrundlichiste und beste, es si an beten,
an sturen, zollen, ungelten, zinsen, feilen und an andern renten, auch an fruchten, wine, hunren,
cappen, gensen und anders, nutzit ußgenomen, wie und wovon ein iglichs gefellet. und sollent
daz hergrunden an den scheifen und gemeinde so heimelich so offlich, als sie dunket, damit
daz ganz hergrundet möge werden, und sollent alte und nuwe zinsbuchere und gultbuchere
vor sich nemen, umb daz ez allez destu eigentlicher zu wege bracht werde und nutzit ver-
geßen werde oder dahinden blibe. imd wan daz also voUenbracht ist, so sal iglichem herren
von iglichem amptman der bucher einez geantwort werden in glicher forme. Vgl. auch Scotti,
Chur-Trier 1, 322, 1548, Befehl an jeden Amtmann, daß du anstunt ein amptbuch machen
und ufrichten und darin alles das, was du amptshalb von diesem tage an hinfuro handien
vertragen und entscheiden wirdest, vleißgih ufschreiben und registriren lassen wullest, der-
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1392 —
welche neben einer Buchung von Einnahme und Ausgabe vor allem auch die
fortlaufende Führung eines Amtsurbars enthalten sollten ^ Später wird dann
freilich ihr Inhalt ein viel mannigfaltigerer; nach der Bestallung besonderer
Amtsschreiber zur Führung der Bureauarbeiten des Amtmanns sollen die Trierer
Amtsbücher vom J. 1574 u. a. enthalten das Amtsurbar einschliefslich der Ver-
pflichtungen gegen auswärtige Herrschaften, die Weistümer des Amtes und die
Protokolle der Vergleiche und Scheidungen im Gerichtsverfahren vor dem
Amtmann ^.
Nach dieser Entwicklung der bureaumäfsigen Unterstützung des Amtmanns
bis zum 16. Jh. unterliegt es schon keinem Zweifel mehr: der mittelalterliche
Amtmann war mehr ein Mann der kräftigen That, als der überlegten Ver-
waltung ; er vertrat zunächst noch die Interessen des mittelalterlichen Staates ;
seine Hauptaufgaben waren polizeiliche : Aufrechterhaltung der Ordnung, richter-
liche: Schiedsspruch und Vergleich der Streitenden, und erst in zweiter Linie
handelte es sich bei ihm um eigentlich administrative und finanzielle Funktionen.
Die polizeilichen Funktionen des Amtmanns aber beruhten vor allem
wieder auf seiner ursprünglich militärisch-vogteilichen Stellung. In ihr wie in
der ganzen Thätigkeit des Amtmanns wird aber wohl kaum ein Element mehr
betont, wie das des vogteilichen Schutzes ; von der frühesten bis zur spätesten
Zeit unterläfst es kein Amtsrevers, die Amtseingesessenen vor allem dem Schutze
des Amtmanns zu empfehlen^. Aus diesem Schutze folgt dann direkt die
Bürgschaft des Amtmanns für Landesruhe und Landessicherheit, und so
wird der Amtmann zum obersten Lokalbeamten der Landespolizei ^ ; eben in
maß, so sich würd zutragen, daß wir davon berichts bedürfen wurden, daß wir dan bei dir
oder in dem amptbuech befinden und du uns denselbigen bestendiglichen tbun und zu-
schreiben lassen mögest vor eins.
1) S. Bd. 3 No. 281 § 3, c. 1530.
2) S. Trierer Amtsordnung 1574 §§ 1—7, 12. S. auch Ungefährliche Verzeichnuß etlicher
Titul. so zu einem Ampts-Buch gebraucht werden mögen, welche auch zur Instruction, wie
die Yerneuerung der Zins- und Gült-Bücher soll vorgenommen werden, dienstlich, in Wencker,
Apparatus et instructus archivorum, Strafsburg 1713, 4^, S. 426 — 433.
3) S. z. B. Bd. 3 No. 85, [1303]; No. 127 § 2, 1333; No. 140 § 2, 1337; No. 149,
1340; No. 153, 1341; No. 135 § 12, 1336-45; No. 182 §§2—4, 1350; No. 187 § 1, 1351;
No. 244 § 1, 1464. S. auch noch *Bald. Kesselst. S. 780, 1352 Febr. 22: Ich Wemher
Knebil von Katzinelnbogen ritter dun kunt allen luden und bekennen uffenlichen an disem
brive, daz der ei-werdige min herre her Baldewin erzebischof zu Trire mich zu Stalberg
Stalecke Brunshorn Bacharach und Stege Rinbulle und in dem nuwen gerichte und waz darzü
gehöret sinen amptman gemachet hait und mir dieselben vesten und laut mit irem zügehore
bevolen hait. und sal ich dazselbe ampt beriden hanthaben, gude, rechte, lüde edil und
unedil riche und arme geistliche und werntliche, die in daz ampt horent, verantworten und
die schirmen geruliche nach aller miner müge und na minen besten sinnen, und sal ich mime
vorg. herren von Trire sine lebetage in welchem wesen er were mit den vorg. vesten delen
und güden und mit allem dem, daz darzü gehöret, gehorsam sin und warten als ein getruwe
amptman.
*) S. CRM. 3, 224, 1337; 314, 1345; auch WLeudesdorf 1382, G. 1, 831, cit. oben
— 1393 — Die Landesverwaltung.]
dieser Eigenschaft zunächst ist er Befehlshaber einer kleinen, im Amtssitz
lagernden Polizeitrupi)e zur Bereitung des Amtsbezirks ^ Nicht minder aber
folgt aus der Schutzpfiicht des Amtmanns die Veri)flic]itung guter Behandlung
der Amtseingesessenen eben von Amts wegen; dem Amtmann wird jede Be-
lästigung der Unterthanen verboten^. Ich enwil auch niet, sagt der Graf von
Blankenheim im Blankenheimer Statut 15. Jhs., dafs der Amtmann min under-
S. 1132 Note 3. Zur Durclifiihrung ist ferner sehr charakteristisch *Kol)lenz St. A., Kurf.
Trier Staatsarchiv, Geh. Kabinet, Personalien der Erzhischöfe, 1472 Dez. 12: Unserm ampt-
man in Hamme und lieben getrmven Clais Stetgis von Tris, Johan von gots gnaden etc.:
Lieber getruwer. Uns ist furkomen, so wie die von Cochme etliche plege us unserm stifte
nuwelings vur sich verbott und bescheiden haben gehabt und daselbs under ine beslossen,
uf nehst montag zu Tris zusamen zu komen, also haben wir daruf den unsern zu Celle im
Hamme und der pflegen darzu gehörig tun schriben und verbieten der dinge muessig zu
geen und ghen Tns als obg. stet nit zu komen. ist darumb unser ernstlich bevelhe , das du
solichs mit den im Hamme verhinderes und nach dem besten darfür sis, das sie in solicher
obg. gestalt ghen Tris uf nachstkomende montag nit komen. Geben zu Erembreitstein uf
sant Lucien abent anno etc. lxxiio. S. dazu *Koblenz St. A. , Kurf. Trier Staatsarchiv,
Geh. Kabinet, Personalien der Erzbischöfe, 1472 Dez. 12: Unsern lieben getruwen zender
scheffen etc. zu Celle im Hamme und der plegen darzu gehörig, Johan von gots gnaden erz-
bischof zu Trier etc. : Lieben getruwen. Als wir itzt wieder anheimsch in unsern stift sin
kommen, hait uns gleublich angelanget etlicher der unsern handel in unserm abewesen, und
besunder wie deshalb unser burger von Cochme uch und andern haben beschrieben ader
verbodt zu eime heimlichen gespreche ghen Cochme uf unser lieben frauwen tag conceptione
daselbs etwas versamelunge der unser si gewest und nach etlichen ergangen redden die
meinunge, das bis nehst montag ein ander verhantlunge zu Tris gescheen sulle: soliches be-
fremdet uns etwas fast und vil mer der burger zu Cochme gedurstikeit , das sie sich der
oberkeit annemen verbodunge uwer [uch] und ander zu machen, besunder in unserm abwesen :
dan were ine ader andern den unsern icht angelegen, sie mochten uns billicher darumb be-
schicket ader unser zukunft erwartet und iren bresten geofFenet haben, doch wie dem [si],
wir bevelhen uch mit ernst gebietende, angesehen wie ir uns gewant sit, das ir in keinen
wege zu der nehsten versamelunge ghen Tris koment oder schickent noch uf der von Cochme
oder ander angeben uch zu einchem heimlichen gespreche reizen ader bewegen laissent, als
wir uns des zu uch genzlich versehen, dan ist uch ichts anligens ader brestens, so mogent ir
bi uns senden, wir wollen die uwern gnediclich hören und frilich gutlich antwort geben
laissen. Geben zu Erembreitstein uf samstag nach conceptione Marie anno etc. lxxiio.
1) S. CRM. 3, 148, 1326 § 8: Erzbischof Balduin beklagt sich über die Bopparder, dat
si sime amptmanne virboden haut, dat he numme wan dri knechte mit drin svertin halde;
ferner oben S. 1302 Note 2, 1337; Bd. 3 No. 183, 1350; No. 244, § 8, 1464; No. 264, 1488.
2) S. Bd. 3, S. 135, 39, 1325; No. 238, 142; No. 244 § 2, 18, 1464; Speierer Amts-
ordnung 1470 § 5: Geschenkannahme durch die Amtleute verboten, aufser ^2 Viertel Wein,
1 — 2 Kapaimen, Gänse oder Hühner oder dergliche eßende speise; s. ferner a. a. 0. § 8:
die Frondienste sollen gefordert werden, so es (den Unterthanen) am allerlidlichsten und be-
quemlichsten ist; auch soll man das Fronholz spärlich brennen; und a. a. 0. § 10: Verbot,
die Unterthanen mit unentgeltlicher -Speisung (atzunge) zu bedrängen. Vgl. auch noch Bd. 2
S. 655, und * Kirchenarchiv SGangolf-Trier, 1499: er sal auch dieselben unsere bürgere
und undersaißen zu dheinen ungewoenlichen diensten froenen achten ader anderen beschwer-
nissen dringen, sonder er sal is dabei laissen, als is bi unsern vorfaren seligen und iren amptluden
gehalten ist worden.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1394 —
saissen bidde eine zu dienen, is si vil ofte weinich, want ich si mit niemans
nie beladen enwille hain, dan mit mir selver^ Und in der Sponheimer Amts-
ordnimg von 1437 § 10 heilst es: die Amtleute sollend von niemand . . in
u. h. lant keinerlei schenke oder miete nemen von golde oder von silber; ob
aber ir eim icht geschenket wurde von hüten deschen messern, oder ob eim
hunre oder cappen geschenkt wurdent, daz mochte er wol nemen ungeverlich,
doch daz sie nitdesteminre den luten gliche und gemeine Stent. Mit diesen
Bestimmungen hängt es zusammen, wenn dem Amtmann keinerlei Eingriffe
polizeilicher Willkür gegenüber den Unterthanen gestattet werden; er soll
weder an Personen noch an Sachen Hand legen ohne gerichtliches Urteil^.
Mit dieser vogteilich-polizeilichen Stellung verbinden sich nun aber aufs
engste die militärischen Funktionen des Amtmanns. Man kann von einer
doppelten Grundlage derselben sprechen ; sie beruhen einmal auf der ursprüng-
lichen Stellung des Amtmanns als Burggraf, dann aber auch auf seiner ur-
sprünglich vasallitischen Pflicht militärischer Dienstleistung laut Dienstlehns-
revers^; eben diese Pflicht militärischer Dienstleistung hatte sich ja von jeher
mit dem Burggrafenamt verknüpft. Als Burggraf war der Amtmann vor allem
kommandierender Burgmann der Burg, welche seinen Amtssitz bildete; in
frühester Zeit wachsen sogar die Amtleute bisweilen direkt aus einem Burg-
mannenverhältnis zur Amtsburg in ihre Amtsstelle hinein*. Als Kommandant
hatte der Amtmann dann den Befehl über die gesamte Burgbesatzung, und
zwar sowohl über das eigentliche Soldburggesinde wie die nach Lehnsrevers
dienenden Burgmannen ^. Dabei verfügte er über das Gesinde völlig unbe-
dingt: er nahm es in Sold^, es schwor ihm nach dem Landesherrn ^, nicht
selten beköstigte und löhnte er es auch aus^, falls die Zahlungen nicht dem
1) Ann. d. bist. Ver. f. d. Niederrh. 9—10, 122.
2) S. Bd. 3, S. 131, 16, 1324.
3) S. dazu Bd. 3, S. 138, 23, 1325.
*) So wird die Bestallung zu Amt Stolzenfels, Bd. 3, S. 155, e, 1336, ausgestellt für
Everhart Brenner ritter von Lonsten bfirgman zu Stolzenfels. S. auch Bd. 3 No. 165, 1345.
^) Sponheimer Ordnung 1437, zu § 19: dem Kreuznacher Amtmann ist entpholen, den
burgfreden zu Cruzenach zu sweren, nachdem ime daz gehurt als eime amptman. Ziu' mili-
tärischen Stellung des Amtmanns zu den Burgmannen seiner Burg, wie zu deren Unterhalt
und Verteidigung s. vor allem den Burgfrieden von Schmidburg, CRM. 5, 18, 1504, welcher
sehr genau Auskunft giebt.
6) S. Bd. 3 No. 127 § 4, 1333; No. 190 § 9, 1351; No. 198 § 1, 1358; No. 244
§ 9, 1464.
') S. Bd. 3 No. 127 § 3, 1333; No. 135, 1336—1345; No. 210 § 3, 1380.
«) S. z. B. Bd. 3 No. 230 § 2, 1420, und vgl. auch Honth. Hist. 2, 340, 1404,
Amtsrevers Dietrichs von Kesselstadt für Daun : schloß , und herrschaft von Dune mit den
dorferen Crove, Kinheim, Kinnel, Kinheimerburen, Rile und Bengele, das da Riche heischet
. . . uf mine kost, und nit uf mines herrn kost. Er hat aber ein sehr hohes Gehalt, zahl-
bar durch den Kellner in Kochem. Ich sal auch stetlich uf und in der bürg zu Dune mit
minem gesinde huishalden und wonen und mich stetlich halten selbsiebende reisiger ge-
— 1395 — I^ie Landesverwaltung.]
Kellner vorbehalten waren ^ Den Burgniannen dagegen stand der Amtmann
weniger selbständig gegenüber; obwohl es auch hier in Einzelfällen vorkommt,
dafs er völlig in die Stellung des Landesherrn ihnen gegenüber einrückt^.
Wie das Kounnando, so hatte der Amtmann auch die Verantwortung für die
bauliche Instandhaltung den* Burg^; doch sollen die Amtleute nach den Ord-
nungen späterer Zeit nur kleinere Bauten ohne Wissen der Zentralstelle aus-
führen*, für gi'öfsere Bauaufwendungen dagegen deren Erlaubnis einholen und
mit dem Landesherrn über den Ersatz der Kosten besondere Vereinbarung
treffen °. Neben der eigentlichen Amtsburg aber standen auch die übrigen oft
zahlreichen landesherrlichen Burgen des Amtsl)ezirks mit seltenen Ausnahmen ^
unter der Aufsicht und dem obersten, ursprünglich bisweilen alleinigen Kommando
des Amtmanns ^ ; die dort kommandierenden Burggrafen oder Unteramtleute wur-
den in einzelnen Fällen sogar nicht von der Zentralstelle, sondern vom Bezirks-
amtmann eingesetzt^, und jedenfalls hatten diese Burggrafen ihr Gesinde mit
Rat und Willen des Amtmanns bezw. auch des Amtskellners zu wählen ^, und
dieses schwor dem Amtmann vor dem eigenen Burggrafen ^^.
wapender und echt reisiger pferde, vier thornknecht, einen portener und einen waenknecht
uf mine kost, und nit uf mins herrn kost.
1) S. Bd. 3 No. 135, 1336—45.
2) S. Bd. 3 No. 140 § 1, 1337; No. 198 § 1, 1358.
3) S. Bd. 3 No. 127 § 2, 1333; No. 158 § 2, 1343; No. 182 § 5, 1350; No. 210 § 6,
1380; s. auch *Bald. Kesselst. S. 659—660, 1338 Sept. 29, H. Birnschure est biu-gravius
Malberg ad vitam, cum promissionibus : wo auch wir zu solichem küntlichen buwe [an der
Burg] holzes bedorfen , daz sullen wir in unsers vorgen. herren weiden nemen und houwen
und sullen ez uns unsers herren armen luten von den ampten zu Kilburg und zu Malberg
heiiiz helfen foren, ez sin steine oder holz, des wir zu buwe da bedorfen.
*) Speierer Amtsordnung 1470 § 28 : die Amtleute dürfen ohne Wissen der Zentral-
stelle nicht bauen, aufser Dächer und Schwellen zu halten. S. auch Bd. 3 No. 281 § 12, c. 1530.
•5) S. Bd. 3 No. 229, 1415.
6) S. Bd. 3, S. 210, 13, 1350.
■^i S. Bd. 3 No. 135, 1336—45; Sponheimer Ordnung 1437 § 2: der Amtmann soll sin
ampt in slossen, stetten, dörfern und andern allen herlichkeiten und zugehörungen . , hant-
haben, versprechen und verantworten. Speierer Amtsordnung 1470 § 1: der Amtmann hat
soliche schloße und stette, so ime von unser wegen bevolen sint, in guter acht zu haben.
S. dazu auch noch a. a. 0. § 23: die Amtleute haben die Oberaufsicht des Hausrats in
den Burgen, der Geschütze, des Werkzeugs sowie der Verproviantierung.
8) S. Bd. 3 No. 182 § 5, 1350; *Koblenz St. A. MC. IP , Bl. 269a No. 257, Goerz
Regg. der Erzb. S. 102, 1368 Febr. 3: Adolphus dictus Renner de Wevelinchoven fidelis
noster, quem nobilis Gerardus de Bilsteine canonicus Coloniensis consanguineus noster nunc
officiatus dicti castri et officii de scitu et voluntate nostra suum in eodem Castro et officio
subofficiatiun constituit, nobis ad usus redemptionis et absolutionis prefati castri et officii in etc.
9) *Bald. Kesselst. S. 628, Obligatio Balduinstein Th. de Stafle pro 400 fl., 1335 Febr. 9:
Diderich von Staffele Ritter reversiert sich für biu-g Baldenstein mit allem, daz darzu gehöret,
als man und dinstman des Erzbischofs. Er soll die Burgleute rekrutieren mit rade und mit
willen unsers burgreven und kelneren . . zu Montabür.
i<>) *Bald. Kesselst. S. 574—5, 1331 Febr. 20: der Lombarde Jacomin von Monkler
erhält ein Unteramt unter Grimburch, SWendel. Er soll daselbst einen burglichen Bau
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1396 —
Über das Burgkommanclo hinaus war der Amtmann ursprünglich noch
durch seine Stellung nach Dienstlehnsrecht zu militärischen Leistungen ver-
pflichtet. Diese Verpflichtung wurde auch späterhin beibehalten; ganz allge-
mein leisten die Amtleute Tage, wie der mittelalterliche Ausdruck lautet, wenn
auch auf Kosten und Verlust des Landesherrn ^ ; und diese Leistung kann ge-
legentlich noch dadurch erhöht werden, dafs der Amtmann sich nach besonderer
Vereinbanmg zur Haltung einer kleinen Kriegstruppe bereit erklärt^. Mit
dieser Stellung, wie mit der aus vogteilichen Befugnissen folgenden Berechti-
gung des Amtmanns zur Führung der alten Heeres- und Gerichtsauszüge der
Amtseingesessenen war es nun ohne weiteres gegeben, dafs der Amtmann zum
eigentlichen militärischen Befehlshaber und militärischen Verwaltungsbeamten
des Amtes heranwuchs ; so finden wir ihn schon im Mittelalter direkt thätig ^ ;
erricliten, die Knechte desselben sollen schwören mime vorg. herren [von Trier] oder sime ampt-
manne zu Grimberg, wer da ein burgreve wirt zu ziden. an mines herren stad züvorenz, und
mir danach also sime amptmanne zu Sante Wandaline. *Bald. Kesselst. S. 658, 1338 Jan. 20:
H. de Clotten est burgravius ibidem ad vitam, wird auch Amtmann genannt. Seine Knechte
hulden und schwören dem Burggrafen von Kochern und ihm. *Bald. Kesselst. S. 659 — 660,
1338: die Burgleute von Malberg schwören dem Amtmann zu Killburg und dem Burggrafen
zu Malberg; es sind 1 portener 2 turnknechte 2 wechter. Dagegen heifst es von den Burg-
mannen nur : ouch sullen wir und globen von bevolnisse und geböte unsers vorg. herren alle
die burgman von Malberg manen darzü halden und twingen von unsers herren wegen mit
iren burglehen und wie wir mögen, daz sie sitzen und unsern herren und deme stifte von
Triere tun, als sie schuldig sint zu tune. *Bald. Kesselst. S. 664—5, Promissio Th. de Stafle
pro Baldinstein 39, capitulum Treverense habet similem, 1339 März 29: auch sal ich allezit
portener turnknechte wechter und behuter der vorg. bürge nemen und setzen, die dem stift
von Triere angehorent und die in mins egen. herren von Trire und sines Stiftes lande und gerichte
geborn und geseßen sint. Sie sollen dem Burggrafen von Montabaur anstatt des Erzbischofs
und Stiftes schwören, dann dem Amtmann. Töpfer 1, No. 284, 1355: Revers des Nicolaus
von Hunolstein, daß ihm Erzbischof Boemund von Trier die dem Erzstift gehörige Feste
Neumagen an der Mosel auf Lebenszeit verliehen hat. Und sal ich diselbe vesten beköstigen
beiluden und in gudem gewonlichem gebewe und an graven halden besser, dan si itzund
sin auch sullen mine diener, 'den ich die egen. veste bevolen zu huden, von erst e
ich si dar setze und e si mir einiche globnüsse oder eide dun, globen hulden und schweren
einem amptman zu ziten zu Witlich in mines egen. herren und sines Stiftes wegen, mit der-
selben vesten getrewlich zu warten und gehorsamb zu sin in aller der massen, als vur ist
begriffen.
1) S. Bd. 3 No. 182 § 4, 1350; auch No. 184 § 5, 1350; No. 187 § 6, 1351; No. 190
§§ 2 und 3, 1351 ; No. 244 § 6, 1464.
2) s. B(], 3 No. 230, 1420.
3) S. z. B. Bd. 3 No. 212, 1385, aus späterer entwickelterer Zeit Honth. Hist. 3, 184,
1598, Erzbischof Johann an alle Amtleute : nachdem bei diesen beschwerlichen kriegsleuften
und hochgefehrlichen geschwinden practiken hochnötig, gut und fleißig ufsehens zu haben,
wiewol wir mit niemants in ungutem etwas zu schaffen wissen, so ist unser gnedigst bevehlen,
du wollest in unsern ämbtern deiner Verwaltung alsbald eine generalmusterung anstellen, da-
bei den underthanen ernstlich auferlegen, sich mit nothwendigen wehren gefast und in guter
boreitschaft fertig zu halten ; auch diejenige under inen, so in kriegssachen am besten erfaren
und versucht, aussetzen, womit sie auf unser erfordern an ort und ende, sie hinbescheiden
— 1397 — I)ie Landesverwaltung.]
von diesem Gesichtspunkte aus ist es auch erst voll zu verstehen, wenn den
Amtleuten Kriegsführung auf eigene Faust auf Grund ihrer Anitsbefugnisse ver-
boten wird^
Die Notwendigkeit, ja iiberliaupt Denkbarkeit dieses Verbotes zeigt
wiederum besonders deutlich den schon früher betonten Charakter ungemeiner
Selbständigkeit, welcher den Territorialbeamten des späteren Mittelalters inne-
w^ohnt. Eben auf dieser selbständigen, unabhängigen Stellung bauen sich nun
diejenigen Funktionen auf, w^elche der Amtmann auf dem Gebiete der Ge-
richtsverwaltung und Rechtssprechung ursprünglich besitzt oder später über-
nimmt. Da ist der Amtmann vor allen Dingen in umfassender Weise Ver-
treter des Landesherrn als Gerichtsherrn; er übt den Gerichtsschutz in
jedem Sinne aus^ und tritt von diesem Standpunkte aus auch als subsidiärer
Richter der grundherrlich-standesherrlichen Dinge auf, falls sich die grund-
herrlichen Beamten als machtlos erweisen^: eine Befugnis, welche begreif-
licherweise mannigfache Übergriffe veranlafste *. Regulär lag aber neben
dieser Befugnis die Gerichtsexekution in der Hand des Amtmanns ; eine Pfän-
dung ohne sein Zuthun w^^r durchaus verboten ^ Aus dieser gerichtsherrlichen
Schutzpflicht wie seiner nicht seltenen kommissarischen Thätigkeit in schieds-
richterlichem Entscheide bei Streitigkeiten, besonders zwischen dem Landesherrn
und den Grundherren ^, entwickelte nun der Amtmann unter Zulassung, ja bald
Begünstigung der Zentralbehörde schon bald nach dem Aufkommen des Amts-
begriffes die Anfänge jenes Vergleichs- und Schiedsgerichtsverfahrens, dessen
Entfaltung zu voller Richterthätigkeit schon oben S. 1330 f. erörtert worden
ist. Die Details dieser Entwicklung weiter auszuführen ist hier nicht am
Platze ^ ; stellen wir nur fest, dafs dem Trierer Amtmann im Verlauf derselben
werden, mit ihren wehren bereit erscheinen iird unserer Verordnung darunder erwarten
moegen; wie ingleichem daß sie gute hut und wacht anstellen halten und sich selbsten am
besten vorsehen, vor allen dingen aber hastu auf gute kuntschaft auszuschicken und daran
nichts zu ersparen, was dir auch von einem oder anderm ort des kiiegswesens und dahero
antrowender gefahr in ein und andern weg zukömbt, uns bei tag und nacht unseimblich zu
berichten. Ganz ähnlich Scotti, Chur-Trier 1, 594, 1619.
1) S. Bd. 3 No. 158 § 7, 1343; No. 184 § 3, 1350; No. 187 § 4, 1351; S. 232, 5, 1358.
2) S. Bd. 3 Xo. 127 § 2, 1333; S. 483,6, 1350.
3) S. UMünstermaifeld, Hs. Koblenz CXJa Bl. 15^, CXIt> b1. 18a, dt. oben S. 1230
im Text.
*) S. Bd. 3 No. 242, 1462; Honth. Hist. 3, 50, 1577, cit. oben S. 1059 Note 2.
5) S. Bd. 3 No. 150, 1340; No. 184 § 6, 1350; S. 229,35, c. 1350; Honth. Hist. 2, 644,
1533: Erzbischof Johann HI. weist zur Exekution aller gerichtlichen Urteile — auch auf Re-
quisition der beiden Offizialate — wie aller sonstigen Gerichte die Amtleute aufs strengtse an
und bestimmt ihr Pfändungsrecht genauer. Vgl. auch WLeyen 1555, G. 2, 505 : es gebe auch
ein gemeind jerlichs dem amptman 40 weisspfg. der Ursachen halben, das der amptman dem
heimburger erleubt, wen hinlich oder breuloft, das alsdan keiner den andern heiligen oder
kommern dorf.
6) S. z. B. Bd. 3 No. 180, 1349.
') Zu den Etappen im Mittelalter vgl. u. a. Bd. 3, S. 68, 3c, 1275 ; *Bald. Kesselst.
[Entwicklung der Landesgewalt. — • 1398 —
auf Grund der Amtsordnung vom J. 1574 etwa folgende Befugnisse zustanden:
die Feststellung der Gerichtsstrafen im gewöhnlichen Verfahren unter Teihiahme
von Kellner und Amtsschreiber sowie Beirat des Schöffenstuhls und Richters
je nach Mafsgabe der besonderen Umstände, die Oberaufsicht über die ge-
wöhnliche (Schöffen )gerichtsbarkeit und die in derselben zugezogenen Bechts-
beistände, das Recht, gegen Prozefswut einzuschreiten \ die Gerichtsexekutive
für die Patrimonialgerichte und die geistlichen Gerichte, endlich und vor allem
eine mit der gewöhnlichen Gerichtsbarkeit bevorzugt konkurrierende Rechts-
sprechung auf Grund früherer Thätigkeit in Vergleich und Schiedsgericht.
Noch viel mehr, wie die Entwicklung einer richterlichen Stellung, fällt
die Durchbildung der administrativen Funktionen des Amtmanns in die Zeiten
jenseits des Mittelalters: was hier für das 14. und 15. Jh. anzuführen ist,
bildet nur bruchstücksweise und in sich vielfach noch wenig zusammenhängende
Anfänge einer später sehr ausgebreiteten Thätigkeit. In den Vordergrund
treten dabei noch Leistungen, in welchen der Amtmann nur als Geschäfts-
fülr-er des Landesherrn erscheint, so die Vertretung der Person des Landes-
herrn bei Akten freiwilliger Gerichtsbarkeit^, die Vereidigung autonomer Be-
amten an Stelle des Landesherrn ^, die Kontrolle der landesherrlichen Domänen
und Domanialrevenüen, sowie die Stellvertretung der landesheiTlichen Domanial-
1325 Juli 26 : Giselbrecht gen. Pelegrin von Gliperch gelobt dem Erzbischof Balduin von Trier
gehorsam zu sein und recht vür sinen anbitluden und nirgen anderswa [zu] geven und [zu]
nemen. Sponheimer Ordnung 1437 § 5 : wer ez daz die burger und armen lute undereinander
ich zu schaffende gewönnend von angevellans erbs und guts wegen oder sust umb ander
spenne, da ein teile von dem andern rechts begerte, da sollent die amptlute allemale be-
stellen, dem clager eins unverzogenen rechten geholfen werden in dem gerichte, da daz erbe
gevallen ist oder da der sitzet, dem man zusprichet, nach desselben gerichts laufe recht und
herkomen . . , es were dan ob die parthien mit irer beider wissen und willen übertragen
werden mochtent. Der § nennt das hilfe dez rechten oder gutlicher teidinge. Speierer Amts-
ordnung 1470 § 20: was kleine Sachen sint, daran nit großes oder mergliches gelegen ist
(in Streitsachen, vornehmlich wohl Vermögensfragen), das sollen die Amtleute selbständig
erledigen und mündlich berichten, wann sie an den Hof kommen. S. dazu auch noch a. a. 0.
§§ 7 und 19.
1) S. dazu schon Blankenheimer Amtsstatut 15 Jhs., Ann. d. bist. Ver. f. d. Niederrh.
9 — 10, 123: wir willen auch, dat ir die arme lüde ind undersaissen vlisselichen ind truwe-
liche verhoidt, dat sie sich under sich mit gedingen noch mit hadelien noch mit anderen
tuisserien nich enverderven.
2) Töpfer 2, 224, 1430: Nicolaus Vogt und Herr zu Hunolstein verspricht, über den
Verkauf seines Zehenten zu Guntzenraid an den SKatharinenaltar in der Kirche zu Büsch-
droyn bis nächsten Martinstag den Kaufbrief zu fertigen und mit Konsens des Erzbischofs
von Trier durch Daniel von Kellenbach, Amtmann zu Baldenau, den Zehenten gerichtlich
zu übeiiveisen.
3) S. Bd. 3, S. 182,11, 1342. ^^Tolch, G. 2, 470—471: so was ampter man da setzet,
es sei heimburgen geswornen schützen klockener und froenen, die gelobent eim amptman von
Covern von unsers gn. h. wegen oder dem vogt von Covern, und dan den erben darnach,
und schwören dan mim herrn den erben und den nachparen, mallich zu seinem rechten ; dan
tut man inen ban und frieden, als von alters herkomen ist.
— 1399 — I>ie Lamlosverwaltung.]
beaiiiteii bei Verwaltuiif>- von Kaniiiier^ütc^'ii und Kamniergefällen in deren
Verhindenmg ^ Daneben sind es l)esonders Oberaufsichtspflichten, welche
relativ früh ausgebildet erscheinen. Seit der zweiten Hälfte des 15. Jhs. er-
scheinen die Amtleute mit der Aufsicht und Hegung der Landeswälder, der
Fischereien und Jagden beauftragt 2, schon früher läfst sich in einzelnen Fällen
ein Beaufsichtigiuigsrecht der landesherrlich verliehenen Monopole nach-
weisen^. Hieran schliefst sich dann die Kontrolle ülier die Bevölkerungs-
bewegung* sowie über einzelne Berufsstände, z. B. die Geistlichkeit^. Vor
allem aber wird eine gewisse Einwirkung auf die Genossenschaftsbildung
gewonnen*'; die Rechte autonomer Körperschaften werden beaufsichtigt^ und
die Öffnung ihrer Weisungen nur unter Beisein des Amtmanns zugelassen®,
bis sich aus kleinen Anfängen ein umfangreicheres Eingriffsrecht entwickelt^.
Am spärlichsten endlich findet sich der Gedanke wirtschaftlicher und sozialer
Fürsorge in den Befugnissen des mittelalterlichen Amtmanns vertreten, ob-
gleich sich aus dem Umfang vogteilicher Zwangsgewalt ein Recht sozial-
ökonomischer Exekutive mindestens ebenso leicht hätte entwickeln lassen, wie
1) S. Bd. 3 No. 124, 1332; No. 205, 1374; Speierer Amtsordnung 1470 § 22: die
Amtleute haben die oberste Kontrolle der Domänen in ihrem Amt, speziell auch der Schäfe-
reien, der Fischteiche, Weinberge, gegenüber den Schultheißen, Schäfern, Fischern, Windel-
boten. Vgl. auch Scotti, Chur-Trier 1, 590, 1616, sowie Sponheimer Ordnung 1437, S. 393
zu Ai-t. 19: amptman und lantschriber sollent daz plazampte und spielegelt verlihen und
versorgen zum besten, als sie dunket bequemelich und notzlich sin. sie sollent auch die
buwegarten [?, bungarten] verlihen, so sie beste mögen, nach nutze unser hern ; und wie sie
ez understent zu verlihen, daz sollent sie verzeichen und daz bringen an unsere hern, ob ez
also woil gefalle.
2) S. Bd. 3 No. 244 § 4, 1464; No. 264, 1488; No. 281 § 7 f., c. 1530; vgl. schon
S. 150,25, 1331. S. auch noch Speierer Amtsordnung 1470, § 33: die Amtleute haben die
Waldordnungen jährlich zu erneuern; Holz darf, aufser für bestehende Fordemngen, nur auf
Befehl der Zentralstelle verabfolgt werden.
3) S. Bd. 3 No. 200, 1364.
4) S. Kindlinger, Hörigkeit S. 566, 1429, cit. oben S. 1203 Note 1 ; Speierer Amts-
ordnung 1470 § 9: die Amtleute haben über aufsor Landes ziehende oder heiratende Unter-
thanen zu berichten.
'^) Speierer Amtsordnung 1470 § 4: die Amtleute sollen alle amtseingesessenen Geist-
lichen getmwelich schimien (vgl. dazu G. Trev. c. 269) und acht uf sie haben, das sie ein
erbar wesen füren und den armen luten ein gnugen tun mit dem gotsdienst. Bei Kontraven-
tion Bericht an den Bischof. Vgl. auch Speierer Amtsordnung 1470 § 40: die Amtleute
sollen den Geistlichen bei Erhebung ihrer Gefälle behilflich sein, aber auch bei Nichtsolvenz
für die Unterthanen eintreten, dan uns nit liep were, unser armen lute on not mit geistlichen
geriechten besweret sollen werden, dan wir auch unser geistlichkeit ire gerechtigkeit, desglich
den geistlichen geriechten ire oberkeit und gerechtigkeit nit benemen lassen wollen, auch nit
gestatten, die armen lute durch die geistlichen geriechte zu vil und groß beschediget werden,
über ihr vermögen.
6) S. schon oben S. 1398, Note 3.
') S. Bd. 3 No. 191 k, c. 1354; Bd. 2, 322, 1356.
8) S. Bd. 3 No. 261, 1479; WWiebelsheim 1498; WMeckel 1669 Einl.
9) S. z. B. WBischofsdrohn 1550 § 8, cit. oben S. 308 Note 2.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1400 —
ein Zwangsrecht für Zwecke der direkten Verwaltung thatsächlich entwickelt
worden ist^ Diese Seite gehört der Ausbildung landesherrlicher Rechte
und damit amtmännischer Funktionen im Mittelalter noch kaum an; das
einzige, was hier zu nennen wäre, ist die Thätigkeit des Amtmanns auf
dem Gebiete der — freilich zunächst militärischen — Magazinierung ^ und
eventueller Fruchtverleihung an Arme in teuerer Zeit^, und allenfalls noch
seine Thätigkeit auf dem Gebiete der Strafsenverbesserung *.
Nach alledem wird man auch von der Entwicklung der finanziellen Befug-
nisse des Amtmanns im Mittelalter wenig erwarten, um so weniger, als ihm, wie
wir noch genauer sehen werden, für das finanzielle Gebiet im Kellner ein beson-
derer Beamter zur Seite trat. In der That besteht nun seine Hauptwirksamkeit
auf diesem Gebiete, sehen wir von gewissen, oben S. 1389 f. besprochenen Rech-
nungslagen ab, fast nur darin, dafs er eine bestimmte Zwangsgewalt zur Einnahme
der landesherrlichen Revenuen durch den Kellner^, sowie auch hier und da
1) S. Bd. 3, S. 220, 19, c. 1350.
2) S. dazu oben S. 596 Note 3; auch Bd. 3 No. 281 § 11, c. 1530, sowie Speierer
Amtsordnung 1470 § 31 : der Amtmann hat zu magazinieren, fruchte und wine in den slossen . .
uf den mißwachse oder Unfrieden zu halten.
^) Speierer Amtsordnung 1470 § 30 : bei Notdurft hat der Amtmann den Unterthanen,
aber nicht vor Mittfasten, Frucht zu leihen. Vgl. a. a. 0. § 3: die Amtleute sollen achten,
das das almusen, so man jars von unsen wegen spulget zu geben denihenen, die des notdürftig,
gegeben und suß an kein ander ende gewant werde.
•*) S. z. B. Scotti, Chur- Trier 1, 317, 1543: bei der dringend nötigen Herstellung des
Leinpfades an der Mosel werden die erzstiftischen Beamten, jeder insbesondere, folgender-
maßen angewiesen: du wullest anstunt und unverzügliche den leinpfat in deinem ampt mit
vleiß besichtigen; und wo du behndest, daß derselbig ingefallen zu schmale oder sonst nit
were, wie er billig sein sulte, alsdan bei denjenigen, die mit iren guetern anstossen, mit
allem ernst daran sein und verfuegen, daß solicher mangel zum allerfürderlichsten gebeßert
und der leinpfat nach notturft gemacht werde, und laße dich an demselbigen, es beruere
wen es wulle, nichts irren noch hindern, dan ob sich imant des widdersetzen oder sperren
würde, so bestelle du was von noethen ist zu machen, und laße darnach, die sich sperren,
in den heusern oder mit der erpschaft umb so viel pfenden, daß man den uncosten davon
bezalen und diesem gebrechen, gemeinem nutz zu gutem, einmal abhelfen muge etc. Ein
verwandter Befehl ergeht 1548, Scotti, Chur-Trier 1, 323.
•5) S. Bd. 3 No. 135 § 11, 1336—45; No. 183, 1350; No. 187 § 2, 1351; No. 190 § 7,
1351; No. 244 § 3, 1464; Sponheimer Ordnung 1437 § 7: die Amtleute sollen den lant-
schribem beholfen und beraten sin, ob sie ir iergend zu bedorfent oder anrufent, unsern
herren ire nutze und gevelle inzunemende und inzubringend. Speierer Amtsordnung 1470
§ 25: die Amtleute haben die Eintreibung der grundherrlichen Gefälle des Bischofs wie der
Landsteuern; s. auch a. a. 0. § 14: dem Amtmann oder defsen Kommissar liegt die Ver-
teilimg der Landbede in den Dörfern ob; und femer § 16: die Amtleute sollen Besthäupter
und Gerichtsstrafen rasch, binnen 5 — 6 Tagen, einfordern. *Kirchenarchiv SGangolf-Trier,
1499: er sal auch unserm keiner zu Cochme zur zit, alsferre er magh, furderlich und be-
holfen sin, so der keiner des noit halt und is auf ine gesinnet, unsere und unsers Stifts renthe
und gulthe zinse und gevehle in dieselbe unsere kelneri fallende und dienende inzogewinnen.
Ein Beispiel Bd. 3, S. 221, 23, c. 1350.
— 1401 — Bie Landesverwaltung.]
zui* Erhebung- von Einnahmen geistlicher Institute^ in Anwendung bringt,
sowie für die Wiedereinbringung abhanden gekommener Einkünfte kraft eben
dieser Zwangsgewalt sorgt ^. Im übrigen a})er fehlt ihm jede finanzielle Ini-
tiative ; er hat weder mit der Domanial- und sonstigen Gefälleverwaltung, noch
auch mit der Verwaltung der Zölle ^ und verwandten technischen Verwaltungen
irgend etwas direkt zu thun. Eine bei der grofsen Selbständigkeit des Amt-
manns sehr weise Einrichtung : was man vom eventuellen Eingreifen der Amt-
leute in die Finanzverwaltung erwartete, zeigt das Verbot, dafs kein Amtmann
seinen Amtsbezirk eigenmächtig mit Schulden belasten* oder ohne besondere
Anweisung mit einer Bede belegen-^ solle.
Diese vollständige Loslösung des Amtmanns von den technischen Ver-
waltungen, namentlich — mit Ausnahme gewisser Gerichtsbufsen — von jeder
Rezeptur, wie seine geringe Thätigkeit auf dem Gebiete eigentlicher Verwal-
tung, für welche eine sichere und dauernde lokale Abgrenzung absolute Not-
wendigkeit ist,- gestatteten nun in der Begrenzung der Amtsbezirke noch auf
lange Zeit hin eine Freiheit, welche zuerst in Erstaunen versetzt. Bestand
z. B. das Erzstift Trier im 14. Jh. aus etwa 30 bis höchstens 40 Ämtern, so
sehen wir diese Zahl um etwa 1530 ohne grofsen Zuwachs an neuem Terri-
torialgebiet, zumeist durch einfache Teilung, auf etwa 50 angewachsen. Und
dieser Zersplitterungsbewegung folgt dann etwa seit dieser Zeit wieder eine
Tendenz zur Zusammenfassung; durch das Mittel zunächst der Personal-
union, welches man schon früh gelegentlich anwandte^, erscheinen im J. 1599
aus 52 alten Ämtern 43 — die übrigen 9 waren verpfändet — zu 21 Amts-
verwaltungen kombiniert. Später aber scheint man dies System der Kombi-
nation im ganzen beibehalten und im Laufe der Zeit aus ursprünglich nur
personell unierten Ämtern wirklich einheitliche Amtsbezirke ge])ildet zu haben ;
so erklärt sich eine Zahl von 37 Ämtern ohne Rest an Verpfändungen um
etwa 1740 und eine Zahl von 38 Ämtern gegen Schlufs des vorigen Jhs. ^
1) S. Bd. 3 No. 220, 1396; Speierer Amtsordnimg 1470 § 40, cit. oben S. 1399 Note 5.
2) S. Bd. 3, S. 138,15, 1325; No. 158 § 1, 1343.
^) S. schon MR. ÜB. 2, 61, 1169 — 93: ante idem castrum niülum a descendentibus vel
ascendentibus per Saroam theloneum exigetur, nee eis aliqiia molestia vel dampnum inferetiir.
Vgl. ferner *Bald. Kesselst. S. 780, 1352 Febr. 22: ouch sal ich [der Amtmann] keinerlei
recht han uf dem Eine noch uf dem zolle zu Bacharach als von dises ampts wegen, dan von
den fleschin, die man an dem zolle hebet, die sullen mir halb und daz ander halbteil dem
schriber, den min eg. hen-e von Trire zu ziten hait an demselben zolle oder wem er wil,
werden ; und sal man mir jerlich von dem zolle ein par cleider und winter- und sommerrScke
geben und reichen und nit me. were iz aber daz min eg. herre von Trire oder iman von
sinen wegen an mich gesunnen, daz ich in an dem vorg. zolle oder an andern stucken in
deme ampte behulfig were in eincherhande wise, daz sal ich tun getrüliche mit aller miner muge.
4) S. Bd. 3 No. 165, 1345; No. 135 § 10, 1336-45; No. 184 § 2, 1350; No. 190 §8,
1351; CRM. 3, 391, 1352; Bd. 3 No. 210 § 6, 1380; No. 225, 1411.
5) S. Bd. 3 No. 187 § 3, 1351.
6) S. Bd. 3 No. 127, 1333; Honth. Hist. 2, 263, 1419.
'^) Die Quellen zur vollständigen Kenntnis der Ämterabwandlung im Trierschen sind
L amp recht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 89
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1402 —
Wenn nun aber die ganze Thätigkeit des Amtmanns im Mittelalter eine
Teilung der einzelnen Amtsbezirke so leicht machte, dafs aus den Ämtern des
14. Jhs. die beträchtlich höhere Zahl gleicher Verwaltungen im Beginn des
sehr verstreut und sehr verschiedener Art; der übersichtlichste Quellenstoff, alte Landkarten
(Aufzählung bei Moser, Staatsrecht S. 184), geht leider nicht weit genug zurück. Im folgenden
gebe ich eine Reihe sonst signifikanter Stellen, ohne eine abschliefsende Sammlung anzustreben,
wie denn überhaupt eine Feststellung der Details im Wechsel unseren Zwecken völlig fern liegt.
Honth.Hist. 2, 118—119, 1332: König Ludwig bestätigt dem Erzbischof Balduin Trevirim, Sarburg,
Marcetum, Grimberg, Pillich, Kilburg, Malberg, Manderscheit, Witlich, Berncastel, Baldenowe,
Baldeneck, Cell im Hamm, Cocheme, Clottene, Esch, Tris, Garden, Alkene, Maiene, Münster,
Gonfluentiam, Capelle sub castro Stolzinvelz, Nidenlahnstein, Baldenstein, Monthabur, Hartenvels,
Ludendorf Trevirensis dioecesis, Sancti Wendelini Metensis, Schmidburg Moguntinensis dioe-
cesis. Die hier genannten 30 Orte sind mindestens zum gröfseren Teil Amtsorte, zum Be-
weis vgl. man im *Bald. Kesselst, für SWendel S. 574, 1330; Kapellen-Stolzenfels S. 584, 1324;
Niederlahnstein S. 612, 1332; Balduinstein S. 628, 1334, S. 664, 1339; Manderscheid S. 653,
1337; Klotten S. 658, 1337: Malberg S. 659, 1338; Münstermaifeld S. 726, 1343. Zu Alken s.
CRM. 3, 303, 1344. Freilich gab es noch mehr Ämter, als nach den angef. Orten benannte,
z. B. Wolfstein, *Bald. Kesselst. S. 638, 1336; 672, 1339; 761, 1350; Oberwesel, *Bald.
Kesselst. S. 694, 1341; Blieskastel, *Bald. Kesselst. S. 711, 1343; Lautern, *Bald. Kesselst.
S. 716, 1343; S. 759, 1349; vgl. auch Bd. 3 Wortr u. d. W. amptman. Zur 2. H. 14 Jhs.
s. Honth. Hist. 2, 238, Sp. 1, 1367, giebt eine Beschreibung des zum Castrum Sarburg zuge-
hörigen Amtes Saarburg. Weiterhin ist die Rede vom Amt Pfalzel, dem officium palatii, dann
vom districtus von Welschbillig und Bernkastei. Ferner werden 24 fette SchM^eine ge-
nannt, persolvuntur in officiis palatii Treverensis, sancti Vandalini, Saarburg, Grimburg et
Welschpillich. Honth. Hist. 2, 265, 1376, das grofse Privileg Karls IV., zählt als Trierisch auf:
civitatem, oppida, villas, castra et fortalitia sua et ecclesiae predictae, scilicet Treverim cum
advocatia, Sarburg, Moncler, Sarstein, Marcetum, Freudenberg, Grimburg, Pillig, Kilburg, Mail-
burg, Manderscheit, Litiche, Irang, Pfaltzel, Wittlich, Novum castrum, Esch prope Wittlich,
Ensch, Berncastel, Baldenaw, Baldeneck, Cellis in Hammone, Sanct Marienburg, Arras, Beilstein,
Briedal, Cochme, Clotten, Esch, Treis, Balden-Eltz, Garden, Alken et castrum Thuron, Covern,
Meien, Monasterium-Meinfelt, Kerlich, Gonfluentiam, Capellen cum castro Stolzenfels, Ehren-
breitstein, Niederlahnstein, Sternenberg, Welmich, castrum et vallem Baldenstein, Limburg,
Monthabaur, Hartenfels, Molsberg, Nidderbrechen, Gunen-Engers, Vallender, Argenfels, Hoen-
ningen, Giuns et Leudesdorf Trevirensis dioecesis; sancti Wendalini et Gastil Metensis dioecesis;
ac Schmidburg Moguntinensis dioecesis, necnon Dhune, Ulmen et Hillesheimb Goloniensis dioe-
cesis. S. dazu CRM. 3, 558, 1376, und das oben zu Honth. Hist. 2, 118—19, 1332 Bemerkte.
Honth. Hist. 2, 491, 1493: Erzbischof Johann proklamiert Jakob von Baden zum Goadiutor
gegenüber den amptleuden, burggraven, kelneren, meieren, zolschreibern und Schultheißen unser
stat, schloß zu Sai'burg, Paltzel und Welschpillig, sanct Wendelin, Liebenberg, ßliescastel,
Schmidburg, Grimburg, Hunstein, Baldenauw, Berncastel, Bilstein, Baldeneck, Alken, Boparten,
Steraenberg, Stoltzenfels, Welmich, Baldenstein, Dietz, Brechen, Molsberg, Limburg, Haßel-
bach,. Hartenfels, Monthabuer, Erembreitstein, Engers, Hammerstein, Arenfels, Kerlich, Coveren,
Meien, Weraherseck, Kempenich, Dune, Castelberg, Hillesheim, Schoneck, Kilburg, Esch,
Numagen, AVittlich, Cochme, Ulm, Keisersesch und Covelenz. Honth. Hist. 2, 621, 1529,
ein Generalerlafs des Erzbischofs, geht an die Gerichte, Offizialate, Amtleute und Kellnereien
zu Trier und Koblenz, an die Gerichte, Amtleute und Kellnereien zu Boppard Wesel Limburg
Montabaur, an die Amtleute und Kellner zu Münster Kochem Mäzen Wittlich Berncastel
Sarburg Zell und Dann. Blattau 2, 86—87 : die Versendung der Druckexemplare der Bettler-
ordnung von 1533 erfolgt an 6 Städte imd die Ämter Koblenz, Kapellen, Bergpflege, Boppard,
Wesel, Wellmich, Steraenberg, Niederlahnstein, Erenbreitstein, Haselbach, Baldenstein, Limbiu-g,
— 1403 — Die Landesverwaltiing.]
16. Jhs. hervorgehen konnte, so fragt es sich, welche Anlässe denn zu einer
solchen Teilung hindrängten. Diese Frage aber führt zur Geschichte des
Amtsbegriifs im 14. und 15. Jh.
Wir haben oben S. 1373 f. gesehen, in welcher Weise im Verlauf etwa
der ersten vier Generationen nach dem Beginn des 13. Jhs. der Amts])egnff
im Gegensatz zu dem alten Lehnsbegriff, dem ministenalischen Dienstbegriif
und schliefslich auch dem modernen Dienstlehnsbegriff gewonnen wurde. Auf
diesem Amtsbegriff baute sich nun die Lokalverwaltung der Territorien des
14. und 15. Jhs. auf. Aber sollte seine Existenz so absolut unangefochten
geblieben sein ; sollte sich nicht eine Reaktion der im Lohns- und Dienstbegriff
grofs gewordenen Familien und Geschlechter erhoben haben, aus welchen man
doch schliefslich die Beamten der neuen Landesverwaltung nehmen mufste?
Zudem war die Existenz dieses Amtsbegiiffs innig verquickt mit der Älöglich-
keit reiner, geld wirtschaftlich gedachter Gehaltzahlung. War diese Zahlung
schon völlig durchfiihrbar, und konnte sie, wenn einmal in der ersten Hälfte
des 14. Jhs., in einer Periode besonders glänzender Finanzen^, durchgeführt,
Montabaur, Felsberg, Brechen, Engers, Hartenfels, Argenfels, Hammerstein, Kobern, Schmidtberg,
Schöneck (Hiinsr.), Mayen, Münster, Kaisersesch, Uhnen, Dann, Schöneck, Schönberg, Hildes-
heim, ^Manderscheid, Welschbillig, Wittlich, Saarburg, Pfalzel, Killburg, Grimburg, Hunstein,
Baldenau, SWendel, Blieskastel, Schwarzenberg, Bernkastei, Zell, Kochem, Baldeneck. An
verwandten Nachrichten s. noch Honth. Hist. 2, 701, 1544; Scotti, Chur-Trier 1, 322, 1548;
Honth. Hist. 2, 754, 1550; 3, 174, 1592. Honth. Hist. 3, 193, 1599, Stand der Ämter:
1) Trier — Pfalzel — Grimburg: komb. Statthalter u. Amtmann von Fels, 2) Saarburg — SWendel:
Amtm. V. Soetera, 3) Bernkastei — Hunolstein — Baldenau: Amtm. v. Elz, 4) Kilburg: Dom-
dechant, 5) Welschbillich : Chorbischof, 6) im Hamm und zu Baldeneck: Amtm. v. Kesselstadt,
7) Wittlich — Bruch: Amtm. v. Fels, 8) Manderscheit— Cröv: Obervogt und Amtm. v. Kessel-
stadt, 9) Kochem — Dann— Ulmen: Amtm. Landhofmeister Zand v. Merl, 10) Schöneck — Schön-
berg—Prüm: Amtm. V. Schönenburg, 11) Prüm: Mannrichter v. d. Leyen, 12) Fumay— Fepin—
Kevin: Officir Nollet, 13) Awans: Officiatus Nollet, 14) Gusten: Amtmann v. Metternich,
15) Koblenz— Bergpflege— Engers : Amtm. v. Scharfenstein, 16) Ehrenbreitstein: Ambt- und
Haubtman v. Scharfenstein, 17) Boppard— Wesel— Welmich : Amtm. v. d. Leyen, 18) Mon-
tabaur—Molsberg : Amtm. Hofmarschall V. Elz Obrist, 19) Limburg— Camberg — Tilmar: Amtm.
V. Heyden, 20) Münstermaifeld— Kobern : Amtm. v. Soeteren, 21) Mayen— Kaisersesch : vacat,
22) Hammerstein: Amtm. Haußmann v. Namedy. — Versetzt sind: 23) Kempenich, 24) Hön-
ningen, 25) Hartenfels, 26) Werheim, 27) Baldenstein, 28) Schmidtburg, 29) Wartenstein,
30) Blieskastel, 31) Schwarzenbürg. Moser, Staatsrecht S. 184 giebt (1740) als Trierer Ämter
an a) im Oberstift 24 : Pfalzel, Welschbillig, Killburg, Wittlich, Neumagen— Drohn, Schönecken,
Schönberg, Hillesheim, Dann, Ulmen, Manderscheid, Baldeneck, Kochern, Zell, Schmidtburg,
Wartelstein, Benikastel, Baldenau, Honstein, Grimburg, SWendel, Sarburg, SINIaximin, SPaulin;
b) im Niederstift 13: Koblenz— Bergpflege, Ehrenbreitstein— Äugst, Engers, Hammerstein,
Boppard, Oberwesel, Montabaur, Limburg, Kamberg, Münster, Mayen, Herschbach, Grenzau.
Nach dem Tableau für Errichtung einer erzstiftischen Miliz, 1794 Febr. 26, aus einem Generale
Kurf. Clemens Wenceslaus, gedr. Wyttenbach u. Müller G. Trev. 3 Animadv. S. 86—87, be-
stehen um diese Zeit 38 Ämter. — Vgl. auch Honth. Hist. 3, 1—12. — CRM. 5, 278, 1776
unterrichtet über die spätere Vei-waltungseinteilung der hintern Grafschaft Sponheim.
^) Über die Gründe einer wohl in den meisten Territorien besonders günstigen Finanz-
lage während der 1. Hälfte des 14. Jhs. s. unten S. 1472 ff.
89*
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1404 —
im 15. Jh. unter teilweis erschwerenden Umständen, zur Zeit stärkerer
militärischer und administrativer Anspannung der territorialen Kräfte, aufrecht
erhalten w^erden?
Wenn aber die angeregten Zweifel Leben gewannen, so mufsten sie in
einer Kückbildung des Amtsbegriffs mit seiner Dispositionsfreiheit über die
Kräfte der Beamten Ausdruck finden. In der That tritt mehrfach eine solche
Rückbildung ein; ihre Etappen können mit den Worten: Verpfändung des
Amtes ^ , Verleihung auf Lebenszeit ^ , Verlehnung ^ , Erblichkeit ^ : bezeichnet
werden, und in ihrem Gefolge, als ihre Konsequenz stellte sich jene Zer-
splitterung der Ämter ein, welche sich oben konstatieren liefs.
Diese Zersplitterung und die ihr folgende Wiedervereinigung hinderte
aber nun bei dem Charakter der mittelalterlichen Amtmannschaft keineswegs
die feste Ausbildung einiger vornehmlich und technisch administrativer Ämter.
Von ihnen und ihrem Verhältnis zur Amtmannschaft ist noch zu sprechen, be-
vor ein voller Überblick über die Lokalverwaltung der Territorien gewonnen
werden kann.
Dem Charakter jener Elemente gemäfs, aus deren Zusammenschlufs sich
die Landesgewalt entwickelte, handelte es sich hier zunächst um die ver-
waltungsmäfsige Umbildung von drei grofsen Machtgebieten, der Grundherr-
schaft des Landesherrn als der domanialen Basis für die gesamte Territorial-
bildung, der landesherrlichen Vogtgewalt als des für Polizei und Gerichts-
verfassung entscheidenden Elementes, endlich des Regalienbesitzes für die Aus-
bildung indirekter Belastung. In welcher Weise traten nun diese Elemente
in die Lokalverwaltung der Amtsbezirke ein, in welches Verhältnis wurden
sie zum Verwaltungsbereich des Amtmanns gebracht?
Bei den Regalien handelte es sich im wesentlichen um Münze, Geleit und
Zoll bezw. Accise. In allen diesen Verwaltungszweigen ist von irgendwelchem
Anschlufs an die Amtsverwaltung nicht die Rede. Die Münze steht zunächst
absolut für sich; die persönliche Thätigkeit der Münzer verteilt sich auf nur
wenige Ämter; die gesamte Münzverwaltung steht direkt unter der Zentral-
1) Zu Amtsverpfändungen s. Bd. 3 No. 90, 1310; CRM. 3, 110, 1332 (Burg und Vogtei);
*Bald. Kesselst. S. 628, 1335; Bd. 3 No. 182, 1350; No. 193, 1355; Goerz, Regg. der Erzb.
z. J. 1358 Febr. 8; (Bd. 3 No. 210 § 7, 1380); (No. 229, 1415); Töpfer 2, 317, 1446; Bd. 3
No. 267, 1459; No. 244, 1464'; No. 263, 1486; No. 273, 1499: * Kirchenarchiv SGangolf-Trier
1499. Im J. 1599 sind 9 Ämter versetzt, s. Honth. Hist. 3, 193, cit. S. 1401 Note 7, auf S. 1403.
Die Konsequenz der Verpfändung war natürlich die Innehaltung des betreifenden Amtes durch den
Gläubiger bis zm- Zahlung der Pfandsumme, s. Bd. 3, S. 228, 1355, und *Bald. Kesselst. S.
628, 1335 Febr. 9 : Dietrich von Staffel wird Kommandant der Burg Baldenstein gegen Zah-
lung von 400 fl. Der Erzbischof kann ihn nicht entsetzen vor Zahlung von 400 punt hl. oder
iren wert an gereitem gelde, einen deinen gl. von Florentien vor 1 punt hl. oder einen grozzen
Türnose vür zwenzig hl. Die Pfandbriefe konnten auch an andere übertragen werden — und
damit auch das Amt, s. Bd. 3 No. 263, 1486; und *Kirchenarchiv SGangolf-Trier 1499.
2) S. oben S. 1381 Note 3.
3) S. Bd. 3 No. 233, 1434.
— 1405 — ■ Die Landesverwaltung.]
stelle ^ Das Gleiche gilt aber auch für den Zoll und verwandte Verwaltungen.
Auch hier ein absolut für sich stellendes Beamtenpersonal ^, eine von der
Lokalverwaltung in keiner Weise abhängige Kontrolle^, eine Berührung mit
der Amtsverwaltung höchstens in Form von Geldanweisungen auf die Zoll-
verwaltung seitens der Zentralstelle *, wie solche Anweisungen gegenüber jedem
dritten vorkommen konnten. Somit stand die gesamte Regalienverwaltung
der Lokalverwaltung fern; nichts beweist hierfür wohl bündiger als der Um-
stand, dafs Teilverwaltungen dieses Verwaltungszweiges häufig genug verpachtet
wurden ohne irgendwelche Rücksicht auf das Amt, in dessen Bezirk sie lagen ^.
Bildete sich die Regalienverwaltung somit als ein völlig für sich stehen-
der Teil der Territorialverwaltung aus, so war das Schicksal der Vogtei ein
anderes. Nur selten finden wir innerhalb der Landesverwaltung des 14.
und 15. Jhs. besondere Vogtämter ne])en den Amtmannschaften ^; das Ge-
wöhnliche ist der völlige Untergang der Vogtei als einer durch ein besonderes
teriitoriales Amt vertretenen Gew^alt. Sehr natürlich: die Vogtgewalt als
Landesschutzgewalt war an den Amtmann übergegangen; sie bildete bis zu
d6m Grade den Kern seiner Amtsgewalt, dafs die Amtleute in manchen Terri-
torien geradezu Vögte hiefsen^. Weiterhin war mit der ausgebildeten Vogt-
gewalt oft eine weitgehende, aus gerichtlicher Vertretung entwickelte gerichts-
herrliche Gewalt verbunden gewesen. Sie erscheint jetzt ebenfalls an den
Amtmann übertragen und spricht sich nunmehr in der gerichtlichen Exekutions-
gewalt desselben aus. Dagegen w^ar der Gerichtsvorsitz im allgemeinen eben-
sowenig Sache des Amtmanns, wie einst des Vogtes; zu seiner Handhabung
ist eine neue Geiichtsverfassung aus der Grundherrschaft heraus durch Schei-
dung der administrativen und gerichtlichen Funktionen des Meieramtes und
Übertragung derselben auf getrennte Schultheifsen- und Wirtschaftsmeierämter
entwickelt w^orden.
Bevor wir aber diese Bildung und ihre Stellung innerhalb der lokalen
Landesverwaltung erörtern, ist es nötig, die Stellung der landesherrlichen
Orundherrschaft innerhalb dieser Verwaltung überhaupt ins Auge zu fassen.
Und da ergiebt sich denn, dafs die technischen Verw^altungen der Grundherr-
schaft ebensowenig eine absolute Verbindung mit der Amtmannschaft einge-
gangen sind, wie die Regalienverwaltung. Es läfst sich das ziemlich allseitig,
1) S. Bd. 2, 373 f.
2) S. Bd. 2, 285.
3) S. Bd. 3 Wortr. u. d. W. cista.
*) S. Bd. 3 No. 142, 1338. Hierüber hinaus geht nur Bd. 3, 468, 29, 1356.
5) S. oben S. 964, speziell Note 2; Bd. 2, 373 f.
6) S. oben S. 1107 und S. 1370 Note 1, dazu WHamm 1339, cit. S. 1068 Note 9, S. 1115
Note 2; Bd. 3 No. 241, 1461; WErpeldingen 1585, Hardt S. 223; vgl. auch Grimm RA. 756
Note, Jülich: unsere amtleute, vögt, Schultheißen, richter, scheffen, boden, fronen, honnen
und andere unsere befehlshaber.
^) S. oben S. 1136 Note 1.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1406 —
bei der Forstverwaltimg und Bauverwal tung ebensowohl wie bei den Meier-
änitern verfolgen.
Die Forstverwaltung nahm von jeher eine besondere Stellung ein\ wenn
sie auch stets zur Fronhofsverwaltung in näherer Beziehung stand; und die
Abwandlung der Amts-, Lehns- und Dienstbegriffe vollzieht sich in ihr beson-
ders rasch, ja fast vorbildlich für die allgemeine Entwicklung. So sehen wir
in ihr bereits in dem ersten Viertel des 13. Jhs. den Amtsbegriff über
den Lehnsbegriff siegen ^ : ein Vorgang, der allein schon zeigt, dafs die Forst-
verwaltung im Beginn der Territorialentwicklung nicht in enger Verbindung
mit der Amterbildung gestanden haben kann. In der That war sie von jeher
der Zentralstelle direkt unterstellt^; und dieser Zustand bleibt auch der Regel
nach noch über das 14. Jh. hinaus erhalten. Dementsprechend werden die
einzelnen Jäger — und die Jäger spielen noch eine gröfsere Rolle als die
stationären Förster — von der Zentralstelle unter bestimmter Vereinbarung
mit dem jeweiligen Amtmann in die Ämter deputiert; von einer Unterstellung
derselben unter die Amtsverwaltung verlautet nichts *. Eine Änderung beginnt
sich in diesen Dingen erst im Laufe des 15. Jhs. vorzubereiten. Je mehr die
Forsten wegen ihres Holzreichtums, und nicht mehr blofs wegen des Wild-
standes, wirtschaftlichen Wert erhielten, um so mehr mufste es sieh um dauernde
örtliche Aufsicht, um so weniger um blofs vorübergehende Jagdausbeutung
handeln. Diese Aufsicht aber wurde nun, wie wir sahen ^, seit der zweiten
Hälfte des 15. Jh. den Amtleuten anvertraut. Damit mufste auch leicht ein
bald genauer zu entwickelndes Aufsichtspersonal ihrer Einwirkung verfallen»
Anzeichen hierfür lassen sich schon in dem Bd. 3 No. 260 gedruckten An-
1) S. oben S. 494 ff.
'^) UErzstift Abschn. de officio foresti S. 401, 13 Jhs.: im Hochwald darf niemand
jagen oder fischen oder roden nisi permissioue episcopi vel eins, cui ipse hoc officium com-
miserit, non enim est beneficium. S. weiter MR. ÜB. 3, 162, ca. 1220: die Jäger des Grafen
von Luxemburg werden officiales genannt, imd Bodmann, Eheingau 1, 480, 1267: Werner,
Erzbischof von Mainz, überträgt an Conrad Halbir von Rüdesheim und dessen Erben offi-
cium seu ministerium custodie ferarum, quod vulgariter dicitur wildforsterambacht, in foresta
nostro . . cammervorst . . , ut inde feras fideliter custodiat, feripetas ad iustam sui cohercitionem
perducat, amplius et nobis . . , si quando [so zu 1.] venandi causa ibidem divertere nos con-
tigerit, in hospitio et annona feris et piscibus vehiculis etiam alimonia canum et accipitrum
ceterisque necessitatibus inserviat, prout alii custodes ferarum hactenus consueverunt ; in re-
staurum cuius servitii dedimus et concessimus . . eidem huobam unam predicti foresti . . titulo
officii i)redicti excolendam pariter et habendam iure usufructuario perpetuis futuris temporibus
necnon et immunitatem bonorum suorum que nunc possidet ab omni onere decimationis.
Dazu s. Urkunde des Erzbischofs Peter vom J. 1316 (a. a. 0. S. 480): officium custodie seu
banni ferarum . . non iure feodi sed puri ministerii contulimus (Hennanno Potoni) suisque
successoribus.
=*) S. oben S. 494 f.
*) S. Bd. 3, S. 265, 2, 1420; auch Bd. 3, 410, 9 f., 1327—28; 410, u f., 39, 1327—28;
Trierer Kellnereiordnung 1509 § 19.
') S. oben S. 1399.
— 1407 — I^ie Landesverwaltung.]
stellungspateiit eines Lokalförsters vom J. 1478 erkennen. Zwar wird hier
eine Unterordnung unter den Amtmann noch nicht ausgesprochen; aber es
wird doch schon der Wirkungskreis des neuen Beamten nach einem Amts-
bezirk abgegrenzt. Da konnte die Ausbihlung einer Kontrolle durch den Amt-
mann wohl aur Frage der Zeit sein^
Während die Forstverwaltung auf diese Weise, ursprünglich völlig los-
gelöst von der Lokalverwaltung, doch mit zunehmender Intensität der Wirt-
schaft gegen Schlul's des Mittelalters in gewisse Berührung mit den Ämtern
zu treten beginnt, scheint sich die Bauverwaltung ^ stets nur von der Zentral-
stelle abhängig gehalten zu haben: wenigstens gab es noch um die Mitte des
14. Jhs. im Tri ersehen nur 6in Bauamt, dessen Angestellte bei Bedarf durch
das ganze Land versendet wurden, ohne dafs sie am Orte ihres jeweiligen
Aufenthalts in Unterordnung unter die Lokalverwaltung traten^.
Dem Bauamt und der Forstverwaltung gegenüber ninrnit nun die eigent-
liche grundherrschaftliche Domanialverwaltung in den Meierämtern insofern
eine etwas abgesonderte Stellung ein, als es sich hier von jeher nicht um eine
einheitliche, zentralisierte Verwaltung, sondern stets um eine grofse Reihe
lokal verteilter Verwaltungen handelte. Gleichwohl treten auch die Meier-
ämter in keine direkte Berührung mit der Verwaltung des Amtmanns. Der
Grund liegt in dem Umstand, dafs die Meierämter des 14. Jhs., ja schon des
13. Jhs. nach Ausscheidung der Gerichtsfunktionen mit Ausnahme des Vor-
sitzes in den hofgenossenschaftlichen Baudingen zu einfachen Zins- und Renten-
rezepturen, hier und da unter Aufrechterhaltung einer kleinen Eigenwirt-
schaft, geworden waren. Sie waren mithin rein finanzielle Ämter geworden*:
der Amtmann aber hatte gerade mit der lokalen Finanz Verwaltung, wie wir
schon bemerkten, fast nichts zu schaffen. Diese Verwaltung war Sache des
Kellners: ihm unterstanden daher die Meier als Unterbeamte.
Nun hatten sich aber die gerichtlichen Funktionen des Meiers auf den
Schultheifsen übertragen: aus den Hofgenossenschaften mehrerer Meierämter
war der Regel nach ein Gericht gebildet worden, dieses hatte sich mehr oder
minder vollendet auf einen fest umgrenzten Bezirk projiziert, es war zum
Grundgericht geworden, und an seiner Spitze stand nunmelir als besonderer
Gerichtsbeamter der Schul theifs '^. Für diese Schultheifsen war eine Ordnung
^) S. dazu schon oben S. 125 f.
2) S. UStift S. 411: dolabra, id est redditus, qui sie vocantur eo, quod ad edificium
pertineant.
3) S. Bd. 3, S. 220 No. f., c. 1350; vgl. Bd. 3, S. 410, 28, 1327-28.
*) S. dazu oben S. 873.
'-) S. oben schon S. 176, 231, dann S. 735 f., 772, 873, 1052 f., 1057 f., 1257; Bd. 2,
172 f. Dabei braucht die Bezeichnung Schultheifs für den Vertreter dieses Amtes nicht
stets vorzukommen, wie denn auch der Ausdruck Schultheifs während des^ späteren Mittel-
alters in mannigfach anderen Verhältnissen gebraucht wird. S. dazu z. B. oben S. 1009;
1041; Bd. 3, 112, i3, 1325; WAuw 1483^ Arch. Maximin. 1, 349, cit. oben S. 1098 Note 1;
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1408 —
ihres Veiiiältnisses zum Amtmann um so weniger zu umgehen, als sich der
Amtmann im Besitz der gerichtlichen Zwangsgewalt befand ^ Die Abgrenzung,
welche sich hier herstellte, verlief nun ganz in der Weise der alten Scheidung
zwischen Vogtei und Gerichtshaltung ^ : der Amtmann übernahm die Exekution
in den Schultheifsenämtern seines Bezirks, der Schultheifs den Gerichtsvorsitz
in seinem Amt^; nur selten gelang es dem letzteren, auch die gerichtliche
Zwangsgewalt zu erwerben*. Dafür steht ihm aber wohl bisweilen das Ver-
eidigungs- und Bestätigimgsrecht der autonomen Beamten seines Gerichts-
bezirkes zu ^. Einen andern Weg schlägt die Entwicklung anfangs nur in den
gröfseren Städten ein. Hier hatte das Amt des Schultheifsen sich schon früher,
\ST)etzem 16 Jh., Trierer Stadtbibl. 1642 Bl. 75 a, cit. oben S. 1036 Note 4. Zu verwandten
sonstigen Vorkommnissen s. oben S. 1057 Note 3.
1) S. oben S. 1405.
2) S. oben S. 1112.
^) Zu dieser Ordnung s. aus späterer Zeit die ausführlichen Bestimmungen der Amts-
ordnungen, z. B. Sponheimer Ordnung 1437 § 6: ieglicher amtman sol in eim ieglichen dorf
und gerichte mit dem Schultheißen daselbs bestellen und versorgen, daz derselbe schultheiße
im alle vierteil jars verschrieben gebe alle freveln, die in demselben gerichte verschuldet
sint und sich hergangen haut; und waz umb ein iegliche frevel herkomt si; und sol dan der
amptman soliche freveln in biwesen eins Schultheißen und anderer erbarer lute, ob er die zu
im geziehen mag, verteidingen, und den mit ime uberkomen lassen, der die frevel ver-
schuldet hat, nach dem dan die frevel ist. und waz also darus laufet und geet, daz sol der
lantschriber in demselben ampt innemen und in sin rechnung setzen und daz ganz ver-
rechenen. Weitere Eingriffe des Amtmanns zeigt schon die Trierer Amtsordnung 1574 § 11:
die Amtleute, Kellner und Amtsschreiber setzen die Gerichtsbufsen : alsdan zu erkundigung
notwendiger wahrer umbstende unsere ambtleuth keiner land- und ambtschreiber sich jeder-
zeit bei scholtheisen burgermeistern meiers gerichten heimburgem geschworen und gemeinden
berichts werden zu erholen wissen. S. auch noch Blankenheimer Amtsstatut 15. Jhs. , Ann.
d. hist. Yer. f. d. Niederrh. 9—10, 123, unter dem Amtmann ein Schultheifs: want der
scholtiß ein pert hait, ind zu Keile, zo Gunderstorf, zo Woisben [!], zo Holsmolen ind so
vast an allen enden des landes boeden sint, so endarf er niet [so zu lesen] lantboeden in
deme huise noch in der kost halden; ind der scholtiß [folgt in Ennens Ausgabe eine völlig
unverständliche Zeile], want it seiden velt, die gericht zo besitzen, so hait hie dat bas zo
beriden, dan einre zo belofen, hie voert it auch lichtlicher in dat huis zo perde, dan it einre
zo vois droege, ind dat allet binnen min zitz, korzer, ind endelicher, dan anders. Aus
früherer Zeit vgl. zum Verhältnis von Amtmann und Schultheifs schon MR. ÜB. 3, 1443,
1258, wo der Vogt ganz Amtmannsstelle einnimmt; s. dazu WBacharach 1386, G. 2, 216,
cit. oben S. 1050 Note 1, 1109 Note 1; CRM. 3, 208, 1264, cit. oben S. 1108 Note 5;
UMünstermaifeld, Hs. Koblenz St. A. CXJa Bl. 15 ^), CXP Bl. 18a, cit. oben S. 1229 im
Text; Bd. 3, 112, 26, 1309; G. Trev. c. 258, 1348: Auftreten der Geifsler, welche dominus
Balduinus non per plebanos, quos laici interfecissent, sed per suos burchgravios , scultetos
et scabinos executioni mandavit, et eos vix extirpavit.
*) S. oben S. 1126 f. Zum Übergang der Vogtei an den Schultheifsen s. auch Kind-
linger, Hörigk. S. 73.
5) S. WObeimendig 1452 § 13, G. 6, 645, cit. oben S. 1007 Note 2; Arch. Maximin.
1, 565, 1484, cit. oben S. 1049 Note 2. In beiden Fällen freilich handelt es sich nicht um
landesherrliche Schultheifsen. Im übrigen stand das im Text genannte Recht bekanntlich
den Amtleuten zu, s. oben S. 1398.
— 1409 — I)ie Landesverwaltung.]
wie sonst im 13. Jh., zu grofser Bedeutung emporgeschwungen; und so kam
es, dals liier den Schultheifsen anfänglich zugleich die Funktionen des Amt-
manns zufielen ^ Indes seit dem zweiten Viertel des 14. Jhs. änderte sich das
nicht selten^; vielfach treten Amtleute als besondere Vertreter des Landes-
herrn neben den Schultheifsen auf^ und wissen allmählich die Befugnisse des
Schultheifsen mehr oder minder an sich zu ziehen. So kann es kommen, dafs
sich in einzelnen Städten die Funktionen des Schultheifsen und Amtmanns
völlig verquicken ; worauf denn zur Bezeichnung des vollen Amtsumfangs bald
der Name Schultheifs, bald der Ausdruck Amtmann Verwendung findet*.
Wurde durch diese Verschmelzungsvorgänge das Verhältnis zwischen
Amtmann und Scliultheifs in den Städten vielfach bis zur Unkenntlichkeit ge-
trübt und verschoben, so traten auch auf dem platten Lande verwandte Ver-
dunkelungen infolge der immer stärker entwickelten amtmännischen Rechts-
sprechung ein. Wir haben sie hier nicht näher zu verfolgen; im allgemeinen
lief die Entwicklung darauf hinaus, die Schultheifsen und mit ihnen die alte
Rechtssprechung immer mehr von den Amtleuten abhängig zu machen ^.
Übersieht man nun das gesamte Gebiet der landesherrlichen innerhalb
der Amtsbezirke verlaufenden Verwaltung, soweit diesellie sich auf Grund der
Bildungselemente der Landesgewalt selbständig entwickelte, so wird das Er-
gebnis darin gefunden werden müssen, dafs nur wenige Zweige dieser Ver-
waltung in engere Beziehung zur Amtmannschaft traten. Zwar die Vogtei
verschmolz mit der Amtmannschaft, die Gerichtsverwaltung wurde im Stadium
des Rechtsvollzugs an sie gekettet, aber die Regalienverwaltung ordnete sich
ihr nicht unter, und die grundherrliche Verwaltung wurde absichtlich von
ihr getrennt. Eine derartige Ausbildung bedeutete indes keineswegs eine Un-
fähigkeit der Lokal Verwaltung zur Assimilation von Verwaltungen, auf deren
Kern hin schliefslich das Territorium entwickelt worden war ; sie lief vielmehr
auf den weisen Gedanken hinaus, den Amtmann von jedem Eingriff in die
1) Die karolingisclien ludices werden in den Städten zu Schultheifsen, s. oben S. 727.
2) S. oben S. 727 Note 3 Schlufs; und S. 1343 f.
^) S. z. B. Guden. CD. 2, 986, 1305; W. comes de Monte viris providis et honestis
sculteto scabinis consilio ceterisque oppidanis suis Remagensibus salutem et aflfectum sincerum.
Gerhardum de Landescrone vobis pro officiato mittimus atque damus, mandantes et volentes,
ut sibi in omnibus obediatis tamquam nobis. Datum anno m. ccc. quinto in die epiphanie
domini. Der Schultheifs anscheinend rein auf die Gerichtsbarkeit beschränkt auch Bd. 3,
No. 131, 1335.
*) So steht schon MR. ÜB. 3, 658, 1239 an der Spitze von Bitburg ein scultetus,
welcher die Kammereinkünfte der Luxemburger Grafen sammelt. In den Münstemiaifelder
Akten des 14. Jhs., beispielsweise Bd. 3, 510, e, 529, 3i imd 521, is, 4o, 523, 9, wechseln
die Ausdi'ücke Schultheifs und Amtmann für denselben Beamten; und das WMünstermaifeld
1417, seinem Charakter nach aus Ende 13. oder Anfg. 14. Jhs., nennt da den Schultheifs, wo
WMünstermaifeld 1372 den Amtmann hat. S. auch oben S. 1344 Note 4.
^) Vgl. oben S. 1330 f.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1410 —
Finanzverwaltimg fern zu halten und für diese eine besondere Beamtenkate-
gorie zu entwickeln: die Kellnert
Kellnereien im Sinne der späteren Amtskellnereien sind genau seit Be-
ginn des 14. Jhs. nachweisbar^; seit etwa den dreifsiger Jahren des 14. Jhs.
treten sie dann zahlreicher auf^; bis zum Schlufs des Mittelalters werden im
Trierer Kurfürstentum etwa 20 genannt*. Um 1599 sind im gleichen Terri-
torium in 43 alten zu 21 neuen Bezirken kombinierten Ämtern 24 Kellnereien
vorhanden, doch keineswegs so, dafs im allgemeinen auf ein neues Amt jedes-
mal eine Kellnerei käme; es giebt vielmehr in 6 Ämtern überhaupt keine
Kellnerei, und in 9 kombinierten Ämtern bestehen 1 bis 3 Kellnereien ^. Schon
aus diesen Angaben folgt, dafs die Entwicklung der Kellnereien, obwohl später
liegend, als diejenige der Ämter ^, sich keineswegs völlig den Amtsbezirken
angeschlossen hat. Wie eine Personalunion in der Verwaltung mehrerer Kell-
nereien möglich war'^, der nicht selten eine Verschmelzung der Verwaltung
gefolgt sein mag, so konnten stets mehrere Ämter nur eine Kellnerei haben;
und andererseits ist in einzelnen kleinen Ämtern, namentlich da, wo der landes-
herrliche Domanialbetrieb gering war oder fehlte, nie eine Kellnerei eingeführt
worden^. In diesem Falle führte der Amtmann seinerseits auch die Finanz-
^) Quellen zur Geschichte der Kellnereien sind zunächst die allgemeinen Urkunden,
dann speziell die Kechnungen, Dechargen und Kellnereiordnungen. Von den letzteren
kommen aus unserer Gegend in Betracht die Sponheimer Ordnung von 1437, Mones Zs. Bd. 6,
390 ff., und die Trierer Ordnung von 1509, Bd. 3 No. 280. Zur Quellenkunde der Rechnungen
s. Bd. 2, 180 ff. Dechargen sind Bd. 3 S. 170 Note 1 verzeichnet, aufserdem vgl. die
Urkunden von 1411 April 25, 1443 Aug. 3, 1466 Febr. 11, 1467 Juli 13, 1476 März 11 in
Bd. 3, und Goerz, Regg. der Erzbb. zum 5. Febr. 1473, 25. Juli 1477, 4. Juni 1480, 7. Mai
1494, 17. März 1496, 14. Febr. und 28. März 1498, 28. März 1500, 11. Febr. 1502, auch
zum 11. Jan. 1329, und zu Aug. 1360—1361 (S. 352).
2) S. für Welschbillig *0r. Koblenz St. A., Erzstift Trier Staatsarchiv, 1301 Juni 25;
für Münstermaifeld Bd. 3, 109, 24, 1302; für Koblenz CRM. 3, 29, 1307, cit. oben S. 815
Note 9; für Arlon Bd. 3, 358, 23, 1309. Doch gehört hierher vielleicht schon der officiatus
des Burggrafen von Rheineck in der Rhenser Rechnung Bd. 3 No. 285, 1277 — 1291, vgl.
oben S. 997 Note 4.
3) S. Bd. 3 Wortr. u. d. WW. cellerarius, keiner.
^) S. Bd. 3 Wortr. u. d. W. cellerarius. S. auch G. Trev. c. 275, um 1435: in
Limpurch, Monthabor, Erenbreitstein, Monasterio-Meinfelt, Meien, Kochern, Witlich, Sarburch
ac aliis cellerariis totius diocesis Trevirensis.
•-) Honth. Hist. 3, 196, 1599.
^) So ist z. B. im J. 1310 in Saarburg eine Kellnerei anscheinend noch nicht vor-
handen, s. Bd. 3 No. 90, wohl aber 1327 schon ganz ausgebildet, s. Bd. 3 No. 288.
■^j S. Bd. 3 No. 226, 1411; No. 236, 1443.
8) So hat Manderscheid weder 1337 (Bd. 3 No. 140) noch 1599 (s. Note 5) eine
Kellnerei. Zu kleineren kellnereilosen Ämtern des 14. Jhs. s. Arch. Clervaux No. 171, 1332:
. . nos Johannes dictus Schillinch miles de superiori Lainstein . . Eimodus . . Fridericus de
Deipurg . . Simon dictus Broitsaich et lacobus dictus Hunczwin armigeri de Lainstein inferior!
notum facimus . ., nos quitantias recepisse ex parte domini nostri Baldewini Treverensis
archiepiscopi per , . strenuum militem dominum . . Eberhardum dictum Brenner militem
— 1411 — I^ie Landesverwaltung.]
Verwaltung \ wie er denn auch in Amtsbezirken mit Kellnereiverwaltung die
Kellnergeschäfte bei Abwesenheit des Kellners oder Vakanz versah-, während
sich nie der umgekehrte Fall einer Führung von Amtsgeschäften durch den
Kellner findet. Indes ist doch trotz dieser Abweichungen im allgemeinen an
der Anschauung festgehalten worden, dafs jedem Amtsbezirk auch im ganzen
ein Kellnereibezirk entspreche^.
Die Kellner dieser Bezirke waren nun Beamte genau im Sinne der
Amtleute*; sie erhielten Gehalt, standen zur uneingeschränkten Disposition
des Landesherrn, waren für ihre Verwaltung verantwortlich u. a. m. Schon
früh, spätestens seit Schlufs des 12. Jhs., finden sich hier und da Finanz-
beamte in diesem Sinne ernannt^; indes durchschlagend und der neuen
Amtsverfassung einigermafsen angepafst treten sie doch erst im 14. Jh. auf^.
Das Bedürfnis, welchem ihre Einrichtung entsprang, ist im wesentlichen ein
doppeltes. Einmal genügte das Meiersystem nicht mehr, nachdem man inner-
burgraviiim in Lainstein, quivis nostrum pro siia portione iit patebit inferius: videlicet ego
Johannes supradictus miles pagatus siim in quinquaginta Ib. hl., ego Eimodus arniiger supra-
dictus in quadraginta, nos vero . . Fridericus de Deipurg et . . Simon Broitsach armigeri
predicti quilibet nostrum pagati sumus de triginta Ib. hl., ego vero lacobus Hunczewin pre-
dictus in quindecim Ib. hl. sum pagatus, protestantes quod nos supradicti recepimus pecuniam
memoratam ex parte reverendi domini nostri supradicti pro servitio nostro inpenso seu adhuc
inpendendo, si necesse fuerit, contra prepositum Bunnensem . . . Item ego E. miles supra-
dictus dedi lohanni de Dicheim armigero 29 Ib. hl. et 4 s. hl. pro equo, quem perdidit apud
Maguntiam anno supradicto. CRM. 3, 496, 1363: Ich Gerart ein here zo Erinberg bekennin
mich in desim offin breve, dat mir Richsint amptman zu Kestillon zein gl. gegevin hait van
mine burchlein, dat ich daselvis hain van mine herin greve Walraven van Spainheim, unde
san in der los unde quit in desen quitanzbreve.
1) S. dazu oben S. 1398—1399.
2) S. Bd. 3 No. 124, 1332.
3) S. Bd. 3, 264, 18, 1420; Scotti, Chur-Trier 1, 339, 1550, cit. unten Bd. 2, 384 Note 1.
4) S. Bd. 2, S. 531 No. 3, 1327—28; Sponheimer Ordnung 1437 § 13: die Land-
schreiber erhalten jährlich 20 gl., 1 fuder wins, 10 mir. korns und 10 mir. habern, dazu
werden sie beritten gehalten. S. a. a. 0. auch § 24.
•5) S. MR. ÜB. 2, 103, 1190: der Erwählte Johann verpfändet an das Domkapitel die
Höfe Pfalzel, Ehrang und Kordel ; die Einnahmen soll eine Viererkommission des Domkapitels
sammeln. A predicta tamen universitate proventuum totam annonam et iura minuta excipi-
mus, que per ministros nostros, qui nobis fidelitatem iuraverunt, percipiemus. MR. ÜB. 3, 604,
1237: der Graf von Sponheim hat in Böckelheim einen officialis, welcher im Fall der Ab-
wesenheit seines Herrn für diesen Zahlungen zu leisten hat. MR. ÜB. 3, 820, 1245, die Gräfin
von Veldenz urkundet: reddet autem annuatim colonus curtis nostre, qui hoveman dicitur,
in Mulenheim decem mir. siliginis et decem am. vini mensure usitate ibidem, recipiendas de
nostro torculari de vinea, que Isanes dicitur, et decem s. monete Treverensis; et colonus
curtis nostre in Andelle novem mir. siliginis. Über diesen coloni steht, wie MR. ÜB. 3,
821, c. 1245, zeigt, ein procurator in Veldencia, welcher die Anweisungen zur Auszahlung
erteilt. Vgl. auch allenfalls MR. ÜB. 1, 416, 1108, cit. oben S. 834 Note 6.
«) S. oben S. 1410 Note 2; vgl. auch Landau, Salgut S. 235 ff. Über die Stellung des
Kellners als Wirtschaftsverwalters (Meiers) und seine Entwicklung im 18. Jh. orientiert gut
Heisig S. 50-51.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1412 —
halb der landesherrlichen Grundherrschaft die landwirtschaftliche Verwaltung
des Domaniums von der Rezeption der grundherrlichen Renten zu lösen be-
gonnen^ und gleichzeitig die Rezeptur einer grofsen Anzahl vogteilich-landes-
herrlicher Gefälle in die Hand bekommen hatte. Da kam es darauf an, den
Meier des Hauptortes innerhalb eines bestimmten Rezepturbezirks mit beson-
derem Ansehen zu bekleiden und ihn mit Funktionen auszustatten, für deren
Abgrenzung die althergebrachten Kellnereien der geistlichen Institute das Vor-
bild abgegeben zu haben scheinen^. So entstanden landesherrliche Kellner,
welche zugleich noch Meier eines Hauptortes waren ^, demgemäfs noch dem
Bauding des Hauptortes präsidierten* und ein mehr oder minder grofses
Domanium, namentlich gern ein Weingut^, in Regie verwalteten^. In dieser
Lage erhalten sich viele Kellnereiverwaltungen bis zu der meist jenseits unserer
Zeitbegrenzung liegenden Periode, in welcher die Verpachtung auch dieser
Regiegüter aufkam^. Andrerseits aber bestand für die erwachsenden Landes-
herren schon früh das Bedürfnis, in ihren gröfseren Burgen neben dem Burg-
grafen einen besonderen Beamten mit der Finanzverwaltung zu betrauen. So
entstanden auf diesen Burgen wiederum besondere Kellner — in Trier sind sie
schon im ersten Viertel des 13. Jhs. nachweisbar^ — , deren Amtsbereich sich
1) S. oben S. 1333.
2) S. oben S. 829 f., auch S. 815 Note 1. Dagegen hat der alte Hofbeamte unter dem
Namen Cellerarids (vgl. z. B. MR. ÜB. 1, 391, 1097) mit der hier erörterten Entwicklung
nichts zu schaffen.
^) Solche sind noch ganz evident die Kellner der Speierer Amtsordnung vom J. 1470.
*) S. z. B. Mayener Baugeding 18. Jhs. § 4, G. 6, 635, cit. oben S. 1035 Note 3.
5) Trierer Ordnung von 1509 § 20.
^) Trierer Ordnung von 1509 § 15; WSerrig Irsch Beurig 16. Jhs. § 12.
'^) Sehr früh wird die Verpachtung schon im Sponheimschen versucht, s. Sponheimer
Ordnung 1437 § 19: waz guter die herschaft bißher selber gebuwet hat, da sollent die lant-
schribere mit hilfe und rate der oberamptlute dieselben gutere umb einen jerlichen zinß
understen zu verlihend, die man anders verlihen mag, umb daz unsere herren solichs costen,
der bißher daruf gegangen ist, abe siend.
8) S. Bd. 2, 530 No. 2. Hierher ist wohl auch MR. ÜB. 3, 363, 1229/30 zu ziehen:
der Graf von Sayn spricht von R. de M. cellerarius noster in Seina. Ein solcher hinter der
sonstigen Entwicklung zurückgebliebener Burgkellner ist der von Blankenheim im 15. Jh., s.
das Blankenheimer Statut 15. Jhs., Ann. d. bist. Ver. f. d. Niederrh. 9—10, 124: der keiner
sal alle fruchte ind körn ontfangen ind innemessen ind die widder uismessen ind aveleveren,
ind daevan claere ind eirbare bewisonghe ind rechenschaf doin van innemen ind uisgeven.
desselven gelichs sal hie doin van alre provianden, it si vleis, butter, kese, vische groene
of droege gesalsen of frische, win, hier, broet, untzel, was, oellich, ind van alre provianden.
ouch sal hie die burgh ind cameren reinen, ind den huisraet wal bewaeren, ind dat daeinne
is vur regen, sne, gewidder zo besorgen, dat et onvorderf liehen blieve, ind darzo mit
finsteren ind dueren zo beslissen ind bewaeren. Neben ihm steht dann noch — ein sonst
nie vorkommender Fall — ein besonderer Geldeinnehmer, a. a. 0. S. 125: men sal mit
Goebelgin oeverkommen, dat hie die her&st- ind meieschatzonge , brachen, zinse ind alle
ander gevelle, it si rente of anders, dat zo gelde kompt ind gevelt, upheve ind dat an kleine
kochen overmitz den scholtißen, an manlen, an gesindeloen ind an ander behoeve, des dae
— 1413 — I^ie Landesverwaltimg.]
schlielslieh mit der ümwandlun«»- des Burggrafen zum Auitmann auf den somit
gewonnenen Amtsbezirk erweiterte. Dabei w^ar es denn nicht ausgeschlossen,
dafs beide ^lomente zusammentrafen oder sich in dieser oder jener Weise durch-
kreuzten: dalier denn jene Mannigfaltigkeit der Abgrenzung im Verhältnis zu
den Amtsbezirken, auf w^elche oben hingewiesen wurde.
Wie aber auch diese Abgrenzung sich im einzelnen ausgestaltete, immer
blieb doch der Kellner als reiner Finanzbeamter auf die Unterstützung des
Amtmanns für die Exekution seiner Fordemngen angewiesen^: ein Umstand,
der denn eine Kooperation beider Teile nach mancher Seite hin, bei Bestellung
des Burggesindes ^ , bei Bewilligung städtischer Accisen ^ , nur nicht auf reiii
tinanziellem Gebiete zur Folge hatte.
Als Finanzbeamter aber war der Kellner vor allem mit der Erhebung
aller landesherrlichen Forderungen, der Steuern*, Domanialrenten ^, Gerichts-
bufsen*' betraut. Alle diese Einnahmen bildeten den Kellnereifonds, der nur
noit wirt sin ind gevallen, mach keren ind widder uisgeven ovirmitz raide ind mit willen
des amptmans, des scholtißen ind des kellners, ind also, dat hie des antfenkenisse ind in-
nemens ind uisgevens allet berechenen ind bewisen könne overmitz die dri vurg., die eme
auch, as oft si it vur sich selven doin sulden, die rechenschaf sullen helfen machen ind
doin; ind darzo sullen si hain hern Johan den huiscappellaen pastor zo Weisben, die inne
die rechenschaf schriven ind helfen machen sal. item her Peter [der zweite Kaplan] sal
dem keiner auch mit raide overmitz des amptmanne raide ind hülfe dem keiner sins ont-
fenkenisse ind uisgevens der ft-uchte und provianden ind sine rechenschaf daevan schriven
und helfen machen, ind gevilt is, so it wael mach, dat der keiner binnen of buissen huis
zo doin bette ind onmoissich were, so sal der vurg. her Peter ieme helfen in bottelrien ind
kelren dat gesinde levern, ind truwelich daeinne dat beste doin.
1) S. Bd. 3 No. 135 § 11, 1336—1345; No. 183, 1350; No. 190 § 7, 1351; Honth.
Hist. 2, 364, 1419, Stellung zum Kellner: ich sal sulche boissen und gevelle und vurter alle
rhente und gülden in die vurgenante ampte gehorich und gevallende eime keilner zu ziten
zu Cochme getrewlich helfen inforderen und ingewinnen, so er des an mich gesonnen wirdet.
ich sal auch die deine boissen also guetliche heischen und heben, daß die arme lide des-
halben unverderblich werden. Die kleinen Bufsen gehören dem Amtmann zur Hälfte. Spon-
heimer Ordnung 1437 § 26: die lantschribere sollent auch keinerlei verteidingen noch sich
deheinerlei gewalts annemen one wissen der oberamptlute. Vgl. ferner Bd. 3, No. 244 § 3,
1464; Ordnimg von 1509 § 6.
2) S. Bd. 3 No. 127 § 3, 1333.
3) S. Bd. 2, 322, 1356.
*) S. Bd. 2, 186, 1432—3.
s) S. z. B. Ordnung von 1509 § 4.
^) Hierzu s. aufser dem ersten Citat in Note 1 noch Bd. 3, 455, i f., 1344 — 1345;
465, 5 f., 1345—1346; No. 135 § 3, 1336—1345; Honth. Hist. 2, 209, 1359, Amtsrevers fiir
Saarburg: auch hait mir min eg. herr gelassen alle die bussen und frevel, die binnen der
eg. zit in dem ampte von seßich s. peningen Trierischer werunge oder darunter vallent, die
der scheffen deilet, die ich doch gnediglich und den lüden unverderflich heben mach, was
andere bussen da vallent und alle hoebussen, die lif und gut antreffen, die hat min vorg. herr
ime und sinem stifte behaldich, und die sal ich einen keiner zu ziten zu Sarburg lassen
heben. Der Kellner setzt mit dem Amtmann die Bufsen, Ordnung von 1509 § 28.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1414 —
ausnahmsweise noch durch Kauf ^ oder Überweisung von Einnahmen, besonders
Naturalien, aus anderen Kellnereien ^ oder aus der Zentralstelle ^ erhöht wurde.
Da die Einnahmen noch zum grofsen Teile in natura erfolgten, so fiel dem
Kellner natürlich auch die Erhaltung derselben in gutem Zustande bis zum
Verkauf, darunter besonders auch die Besorgung, ja bisweilen auch der teil-
weise Ausschank der Weine* zu.
Bei dem teilweis sehr prekären Charakter der verschiedenen Einnahme-
quellen lag dem Kellner eine umfassende Inspektion derselben ob; er war
zu diesem Zwecke sogar beritten^. So revidierte er zwei- bis dreimal jährlich
den landesherrlichen Domanialbesitz ^, beging die Weinberge ^, beaufsichtigte die
Strafsen mit Rücksicht auf die Bedürfnisse und Anordnungen der Zollverwal-
tung^, inspizierte die Bauten^, bereiste die Städte zwecks Revision der Accise-
rechnungen^^. Mit der Inspektion hing die Konservierung aufs engste zusammen
sie verursachte namentlich für den Domanialbesitz viele Mühe. Der Kellner
bearbeitete die Personal Verhältnisse der eingesessenen Eigenleute zur Erhebung
von Kopfzins, Heiratsabgabe und Kurmede ^\ er verpachtete das Domanialgut,
und zwar bei einjähriger Pachtzeit selbständig, sonst unter Einwilligung der
Zentralstelle^^, er wies in den Pachtbesitz unter Übergabe eines Verzeichnisses
1) S. Bd. 3, 466, 26, 39, 469, i f., 1345-1346.
2) S. Bd. 3, 466, 9, 477, lo, 1345-1346.
3) S. Bd. 3, 407, 9, 1327.
*) S. Ordnung von 1509 § 20; Bd. 3, 464, 27, 1345. Eine Versilberung der Natural-
einnahmen erfolgte nur auf Befehl der Zentralstelle, s. Ordnung von 1437 § 21, von
1509 § 22.
5) Ordnung von 1437 § 13, vgl. S. 1411 Note 4.
^) Ordnung von 1509 § 5.
^) S. Bd. 3 No. 254, 1472.
8) Ordnung von 1509 § 29.
9) Ordnung von 1509 § 24.
1^) Honth. Hist. 2, 373, 1427, Erzbischof Otto überweist die Kochemer Steuern für das
Erzstift auf 10 Jalire der Stadt zur Melioration: die vurg. unsere bürgere und wer von der
stede wegen die zise ufhebent, sollent allejerliclis in biwesen eines iglichen unsers kelners zu
ziden zu Cochme redeliche und gude rechenschaf doin von solcher zisen, welche sie auch
von imseren vurfaren und unseren gnaden in der vurg. stat ufhebent, und sulche zise mit
raide unsers kelners in derselben stede nutz besserung buwe und urbar keren. Vgl. auch
Bd. 2, 322, 1356.
") S. WMayen §§ 11 und 12, G. 6, 637, cit. oben S. 1204 Note 4; oben S. 1247, 1467.
12) Ordnung von 1509 § 25. Zur Anwendung vgl. oben S. 965; Bd. 3, No. 240, [1460];
und *Koblenz St. A. MC. VIT Bl. 311b_312a, No. 899, reg. Goerz, Kegg. der Erzbb.
S. 243, 1476 Juni 26: Wir Johan etc. tun kunt und bekennen öffentlich an diesem brieve:
wand der ersame unser lieber andechtiger Engelhart von Entzberg dechan imd unser kehier
zu Munsteraieinfelt von unserm geheische und bevelhe erblich verluwen halt Kuntz Johan
snider von Macken und Eifgin Fremden Johans tochter von Macken vm- sich und ire libs-
erben unser und unsers Stifts hoifgin daselbs zu Macken mit huis hoif garten schüren und
andern zugehorungen, wie Mertin Bisz von Dumershusen das halt ingehabt besessen und
genossen ungeverlich (welche hoifgin halt dri gunsten, nemlich in der Werhecken zwi stucke,
— 1415 — l^iG Landesverwaltung.]
der Einnahineberechtigungen ^ ein 2, er empfing die Pachtsununen^. Wie die
Verpachtung, so ordnete er auch die sonstige Bewegung im Domanialvermögen,
er scldofs sogar Kaufs- und Verkaufsgeschäfte namens des Landesherrn ab'^.
Den Einnahmen des Kellners aber standen sehr ausgedehnte selbständige
Ausgaben gegenüber. Hierhin gehörte zunächst die Zahlung aller durch Ver-
fügung des Landesherrn oder der Zentralstelle auf die Kellnerei dauernd oder
einmalig angewiesener Summen und Renten^, die Bestreitung der Gehälter
für die Beamten innerhalb ^ und bisweilen auch einzelne Beamte aufserhalb ^ der
Kellnerei, die Deckung für Baumaterialien und Bauten ^, Landesbestellung, Herbst
die andere gunst in der Hoensbacli vur Lenskomp ein stuck an den Molenweg, und die
dritte gunste ein stuck zusehen den weiden und ein stuck an dem Ewesser weg und ein
uf dem Scheibweg, mit drien stuckelgin wiesen in Falbach und an der Leien uf der auwen),
also das die vurgenant lüde und ire libserben das gemelt hoifgin [Bl. 312 f^] mitsampt dem
gelende darzu gehörig in gudem wesen buwelich halten sollent, als lentlich und gewonlich
ist, imd uns unsern nakommen und stift ierlichs zu sant Mertins tag im winter davon zu
pachte geben und liebern eim keiner zu ziten zu Monstermeinfelt in die kelnerie dritthalb
mir. habera Monsterer maisse und darzu einen bock: — so haben wir Johan erzbischof
zu Trier etc. obgenant zu solcher verlihunge unsern guden willen gunst und verhengnis getan
und gegeben, tun und geben viu* uns unsere nakommen und stift in kraft dies briefs. Datum
Confluentie quarta post lohannis baptiste anno Mo cccco lxxvio.
1) S. Bd. 3 No. 124, 1332.
2) *Koblenz St. A. MC. VIII Bl. 96 ^ No. 286, Goerz, Regg. der Erzb. S. 223, 1466:
und sint dies hernach geschrieben solche zinse erbe und gutere zu dem obgemeltem unserem
hoefe zu Oichtendunk gehörig und unserem hoeftnan zusten sollent, als unser kelnere und
dienere in eime registere bezeichent geben haint.
3) S. Bd. 3 No. 194, 1356; No. 219, 1395; No. 222, 1408; *Koblenz St. A. MC. YIII
Bl. 96b, 1466, cit. oben S. 970 Note 1, und a. a 0. MC. VII Bl. 335a— 335^, 1482, cit.
oben S. 954 Note 8, auf S. 955.
*) Honth. Hist. 2, 157, 1345 : Koblenzer Bürger verkaufen dilecto viro domino Petro
dicto Sure cellerario reverendi in Christo patris ac domini nostri domini Baldewini sancte
Trevirensis ecclesie archiepiscopi , sacri imperii per Galliam archicancellarii , in Confluentia
ementi et recipienti nomine iamdicti domini Trevirensis et suorum successorum omnium et
pro ipsis domos nostras. Das Geld (200 mr. d.) zahlt der Kellner aus, ihm wie dem Erz-
bischof wird auch Verkaufsbürgschaft geleistet.
^) Sponheimer Ordnung 1437 § 17 : ein lantschriber sol soliche manschaften gulten und
zinse, die versichert und verbürget sint, zu einer ieglichen zit geben, als sich daz geburet und
verschrieben ist, und auch versigelte quittancien von den nemen, den die gulte gehöret, umb
daz icht Schadens uf unsere hen-en getrieben werde mit manung und leistung. S. auch
Bd. 8, 457, 8 f., 460, 23 f., 1344; 467, 30, 476, 32 f., 1345; No. 214, 1388. Zur Honorierung
einer Einzelanweisung durch den Küchenmeister s. Bd. 3, 410, 27, 1327 — 1338; über das
Anweisungssystem selbst vgl. oben S. 882.
6) S. Bd. 3, 410, 2 f., 1327; No. 135 §§ 1, 2, 1336-1345; Bd. 2, 187, 1432—1433;
Bd. 3 No. 244 § 11, 1464; 298, 29, 1495; Bd. 2, S. 530, 537, 539.
") S. Bd. 3 No. 195, 1356; No. 264, 1488.
8) Ordnung von 1509 §§ 23, 24; s. auch Bd. 3, 412, 17, 1327; 458, 12, 1344-1345;
470, 17 f., 1345—1346; Bd. 2, 186, 1432-1433.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1416 - —
und Ernte S Hanclwerkskosten ^ , Fuhrlöhne ^ und Burgenverproviantierung ^
u. a. m. Ferner sind hier die Verpflegimgskosten für solche Personen zu
nennen, denen von der Zentralstelle ein Verpflegungsschein für die Reisen im
Lande bewilligt war-^, also für Amtleute, Räte des Hofes, Marschälle, Ge-
sandte u. dgl. Über die Kosten dieser Verpflegung wurde ein besonderes
Buch geführt, das im Trierschen den Titel Liber domini führte und für jede
Verpflegungsstation einzeln geführt ward^. Der nach Abzug der genannten
wie anderer Einzelausgaben verbleibende Rest an Einnahmen aber wurde an
gewisse Zentralstellen, im Trierschen nach der Trierer Pallastkellnerei und
nach der Kellnere! Koblenz, gegen Quittung abgeführte
Die rechnungsmäfsige Bewältigung einer so ausgedehnten Verwaltung
verursachte natürlich eine Masse von Schreibwerk ; der Kellner mui'ste deshalb
Schreibens und Rechnens kundig sein, und nicht selten war ihm noch ein
Schreiber als Unterbeamter zugesellt*. Das Schreibwerk war aber mii so
gTöfser, als dem Kellner auch die Herstellung eines Etats der Beamtengehälter ^
und die Aufstellung eines Gültbuches ^^ seiner Kellnerei in zwei Exemplaren
1) S. Bd. 3, 410, 5 f., 1327; 457, n f., 459, i f., 1344—1345; 467, 35 f., 1345-1346;
Bd. 2, 186, 1432-1433.
2) S. Bd. 3, 410, 22, 1327.
3) S. Bd. 3, 410, 32, 1327.
4) S. Bd. 3, 413, 5, 1327.
•^) Ordnung von 1509 § 17. Doch konnten die Kellner auch sonst Freunde und Be-
kannte anständig beherbergen, s. a. a. 0. § 16; vgl. auch Speierer Amtsordnung 1470 § 24:
die amptlude sollen ußwendig den slossen thedungen mit armen und zukomenden luten und
deßhalb kein costen in slossen ufriechten; obe man aber zu ziten eim fremden oder suß eim
biederman einen eredrunke in slossen gibt, ist nit an gelegen.
6) Vgl. Bd. 2, 251 ; Ordnung von 1437 § 27, von 1509 §§ 16—18. Im speziellen s.
Bd. 3, 408, 34 f., 1327—1328; No. 290, 1333; Bd. 2, 183, 1343—1344; Bd. 3, 459, 12, 461,
25, 1344; Bd. 2, 187, 1432 — 1433. Eine besondere Regelung dieser Frage besteht im Spon-
heimschen, s. Sponheimer Ordnung 1437 § 8: wenn die Amtleute in ihrem Bezirk umreiten,
in welichs sloß sie dan kement, da sol ine der keller daselbs hauwe und futer von u. h.
wegen geben, und so manigmale sie daselbs brachen werden, daz sol ein lantschriber bezalen
und daz in sine rechenung schriben. doch sol der amptman zu einer ieglichen zit ein ver-
sigelte recesse hinderlassen dem keller, darin er sich herkennen sol, daz er uf daz male da
gewesen si und gehabt habe so vil male und so vil habern etc. und wan der lantschriber
solich gelt dem keller bezalet, so sol der keller im dieselbe versigelte herkentnisse wider
geben, umb daz er die an die rechenung lege, so er rechenen wirt. Dazu vgl. a. a. 0. § 9:
wer ez auch daz den amptluten uswendig der herschaft [d. h. ihres Amtes] geburte zu riten
von u. h. Sache und notdurft wegen, waz sie da verzerend, daz sol ein lantschriber von
u. h. wegen usricliten und bezalen; doch daz dem lantschriber aber ein versigelte recesse
geben werde.
■^) S. Bd. 8, 410, 30, 411, 17, 1327; 460, u, 1344—1345; 467, 24 f., 1345—1346.
») S. Bd. 2, 183, 1343—1344; »Koblenzer Kellnereirechnung 1432 Bl. 19 a; Ordnung
von 1509 § 5.
») Ordnung von 1509 § 27.
^^) Dies der Name in der Ordnung von 1437 § 22.
— 1417 — Die Landesvei-waltung.]
für Kellnerei und Zentralstelle oblagt welches das landesherrliche Urbar, ein
Verzeichnis der landesherrlichen Lasten und die Weistünier ^ des Bezirkes ent-
halten sollte.
Die Rechnunsislage selbst sollte auf einem Abschlul's der Geldeinnahme
am 1. Januar und der Naturaleinkiinfte am 2. Februar jedes Jahres
basieren^; das Etatsjahr lief dabei von Johanni zu Johanni*. Die Revision
und Entlastung fand gewöhnlich im Friihjahr, also vor Schlufs des Etats-
jahrs, statt '^, vermutlich weil man bei mangelndem Voranschlag den Ab-
schlufs thunlichst früh übersehen wollte, um demgemäfs finanziell ins Groi'se
verfügen zu können. Die Auf Stellungsformen der Rechnung waren dabei schon
frühzeitig gut entwickelt, auch war die Hinterlegung eines Duplikats in der
Kellnerei ^ und die Belegung der einzelnen Posten durch Quittung angeordnet ^ ;
in den meisten der hierher gehörigen Punkte läfst sich ein stetiger Fortschritt
von der karolingischen Rechnungslage des Capitulare de villis ab verfolgen^.
1) Ordnung von 1509 § 3, 7. Die Aufnahme erfolgt wohl meist im Herbst, s. Bd. 2,
662. Zu Erneuerungen vgl, Scotti, Chur-Trier 1, 530, 1587: die sämtlichen erzstiftischen
Kellner werden in Erneuerung eines ihnen bereits erteilten Befehls angewiesen, alle in ihren
Kellnereibezirken zu erhebenden Zinsen und Konten unter Zuziehung der »Vorgenossen« zu
erneuem und dieselben nebst einer Beschreibung der zur Entrichtung verpflichteten Güter in
ein besonderes, dieser Aufzeichnung ausschliefslich gewidmetes Buch einzutragen. Zur Er-
füllung dieser Vorschrift soll den Kellnern der erforderliche Beistand von den churfürstlichen
Lokalbeamten pflichtmäfsig geleistet werden. Scotti, Chur-Trier 1, 607, 1623: unter An-
weisung zur genauen Befolgung einer wegen Verwaltung der landesherrlichen verrechneten
Ämter im Jahre 1610 im Druck erlassenen (Kellnerei-)Ordnung werden die churfürstlichen
Beamten aufgefordert, — behufs der landesherrlichen, beim jetzigen Regierungsantritte er-
forderlichen Kenntnisnahme der gegenwärtigen Beschaffenheit der ihnen anvertrauten Kellne-
reien — , ihren jüngsten Kellnereirecefs, und was seithero bis auf dato ab- und zukommen,
ob und wieviel und weme einige fruchten und anders verkauft, verborgt, in andere kellereien
geliefert, und was noch im Vorrat vorhanden, ob auch noch ichtwas und bei weme ohn-
geliefert ausstendig, auch was jetzt kauf und lauf der fruchten seie, und dan letzlich ob
auch alle landesheiTliche renthen und gefel in guetem schwang, oder vor und nach etwas
nachteiligs eingerissen sein mag, sofort einzusenden und resp. desfalls zu berichten.
2) Daher denn auch die Kellner oft bei Weisungen zugegen sind; s. WRoth 1398,
G. 6, 563; WPallast 1463, G. 2, 286; WWiebelsheim 1498; WMeckel 1669; WMayen § 4,
G. 6, 635.
3) Ordnung von 1509 § 9 und 10.
4) S. Bd. 3 No. 228, 1328; No. 294, 1345; No. 295, 1346; No. 226, 1411; Bd. 2,
185, 1432—1433; Bd. 3 No. 247, 1467. In der Karolingerzeit lief es vom 25. Dez. zum
25. Dez., s. oben S. 807. Vgl. auch unten S. 1475.
^) Im Sponheimschen um Sonntag nach Pfingsten, s. Ordnung von 1437 § 28. Vgl.
ferner Bd. 3 No. 288, 1328 (10. Mai); No. 294, 1345 (1. Juni); No. 295, 1346 (2. April);
No. 226, 1411 (25. April); No. 247, 1467 (13. Juli); No. 257, 1476 (11. März).
6) Ordnung von 1509 § 9.
7) Bd. 3, 414, 27, 1328; Ordnung von 1509 § 11.
8) S. oben S. 804 ff.; den Rezefs Gerhards von Sinzig vom J. 1242, oben S. 1365;
ULuxemburg, Terra d'Ardenne, S. 373; auch die Koblenzer Baurechnungen 13. Jh. 2. H.,
Bd. 2 S. 519.
Lamprecht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 90
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1418 —
Die Rechnung selbst zerfiel dabei seit der vollen Ausbildung der Kellnereien
in der ersten Hälfte des 14. Jhs. in ihrer ausführlichsten Form in sechs Teile,
den Rezefs (Entlastungsurkunde) des Vorjahrs, das Einnahmeverzeichnis, das
Ausgabeverzeichnis, die Bilanz, den neuen Rezefs, das Verzeichnis verbleiben-
der Aufsenstände. Diejenigen Abteilungen, für welche Rubriken in Betracht
kamen, weisen zumeist folgende Untergliederung auf: a) grofse Einnahmen:
Weizen, Spelz, Gerste, Roggen, Hafer, Heu, Geld ; b) Hülsenfrüchte ; c) Tiere :
Ochsen, Klihe, Schafe, Schweine (Schinken), Gänse, Hühner; d) kleine Ein-
nahmen: Wachs, Pfeffer, Butter, Öl, Seife, Fett, Sal^, Kraut, grüne und ge-
salzene Fische, Hölzer, Tuche ^
Mit der Abfassung dieser Rechnung, welche gemäfs den Einnahme- und
Ausgaberegistern vom Kellner selbst mundiert und nochmals revidiert wurde ^,
verband sich nun eine der wesentlichsten Kontrollen der Kellnereiverwaltung
durch die Zentralstelle. Der Kellner präsentierte, nach eventueller Revision
der in seinen Speichern ruhenden und seit dem 2. Februar des Rechnungs-
jahres kompleten Naturaleinkünfte^, seine Rechnung persönlich beim Landes-
herrn *. Dieser liefs sie nun durch einen oder mehrere Revisoren der Zentral-
stelle prüfen-^, und entlastete dann, wohl auf deren Bericht hin, den Kellner.
Auch sonst fehlte es nicht an Bürgschaften und Kontrollen für die Amtsführung
des Kellners. Oft wurde schon l)eim Antritt des Amtes eine Kaution, sei es
materieller, sei es moralischer Art, gefordert ^ ; genügte sie nicht, so hielt sich
der Landesherr im Notfalle aufs strengste an das Privatvermögen des Kellners^.
Daneben wurden dann persönliche Kontrollen durchgeführt, sowohl durch
Revision seitens eines Beamten der Zentralstelle^, wie schon in karolingischer
Zeit^, wie durch zeitweise Aufnahme neuer Urbare seitens besonders zu-
sammengesetzter Kommissionen^^. Ferner bestand eine Reihe sachlicher Kon-
trollen und Garantieen: überall wurden Quittungen erfordert ^^; der Kellner
1) Hierzu s. Bd. 3, 405, 21, 1327—1328; Bd. 2, 183, 1343-1344; Bd. 3, 454, 19, 1345:
463, 36, 1346; Bd. 2, 185, 1432-1433.
2) S. Bd. 3, 478, 13, 479, 27, 1345—1346; Bd. 2, 185, 1432—1433.
3) Ordnimg von 1509 § 8.
*) Ordnung von 1509 §§9 und 12.
^) Spuren solcher Durchprüfung s. in Bd. 3, 418, 28, 1334; 463, 20, 1345, vgl. 463, 34.
Der Rezefs wird vom Revisor sell)st geschrieben.
6) *0r. Koblenz St. A. 1352 Mai 18: die Äbte von Busendorf und Tholey leisten
Bürgschaft für den Mönch Arnold von Weifskirchen, welchen Balduin zum Kellner in
Tholey annimmt.
') S. Bd. 3 No. 171, 1346; No. 189, 1351; No. 207, 1376.
' «) S. dazu Bd. 2, 532-533.
9) S. oben S. 807.
1^) S. ULuxemburg S. 364 No. V, S. 370, 15; vgl. auch Ficker, Wiener SB. 14, 208,
um 1309: Bericht über eine von K. Heinrich veranlafste Untersuchung über die Einkünfte
der Reichsvogtei im Speiergau.
^1) S. z. B. Ordnung von 1437 § 22.
1419 — I^ie Landesverwaltiing.]
durfte keine Geschenke annehmen ^ ; er mufste seine landwirtschaftliche Eigen-
produktion wesentlich l)eschränken ^ ; er sollte seine Produkte nicht neben dem
Gut des Landesherrn lagern^. Endlich aber suchte man durch die Aussicht
auf besondere Belohnungen die Redlichkeit der Kellner zu stärken*.
Alle diese Mafsregeln wurden sehr wesentlich durch den Umstand
imterstützt, dal's der Kellner keineswegs die einzige Rezeptur in seinem Be-
zirke besafs, wenn er auch häufig genug ein Hauptgiit der Kellnerei in Regie
hatte ^ und unter ihm eine Anzahl von Wagenbereitern und Landboten direkt
fiir die Zuführung der Einnahmen thätig w^aren^'. Vielmehr stand unter dem
Kellner noch eine ganze Reihe lokaler Rezepturen. So W'urden z. B. Gemeinde-
abgaben gern durch den Zender gesammelt und von diesem insgesamt an den
Kellner abgeliefert ^ ; Gerichtsbufsen und vielfach auch andere Abgal)en wurden
zunächst an den Schultheifsen gezahlt und erflossen erst aus dessen Kasse an
die Kellnerei^. Kurz es gab solcher lokaler Rezepturen so viele, dafs eigens
1) Ordnung von 1437 § 24, von 1509 § 26.
2) Ordnung von 1509 § 28.
3) Ordnung von 1509 § 23.
*) *Koblenz St. A. MC. YIII Bl. 322^ No. 986, reg. Goerz, Regg. der Erzb. S. 289,
1494 Apr. 15: Wir Jolian etc. tun kunt und bekennen öffentlich an diesem brieve, das wir
angesehen und betrachtet hain getruwe und flissige dienste, die unser lieber getruwer Johan
von Lernen uns und unserm stifte ein gude zit von jaren, er unser kehier im Hamme gewehst
ist, getaen halt; und haben als darumb demselben Johan als unser diener so lang er in
leben ist begnadet und gefriet begnaden und frien ine auch vur uns unsere naekommene und
Stift in kraft dis brieves von allen und iklichen froenen und anders, damit unsere bürgere
<ler pflegen im Ham uns und unserm stifte verplicht sin, sunder argelist und geverde. Und
des zu Urkunde hain wir unser ingesigel an diesen brief tun henken, Der geben ist zu Erem-
breitstein uf dinstag nach dem sondage misericordia domini anno etc. cxiiio.
•5) S. oben S. 1412, besonders Ordnung von 1437 § 20, von 1509 §§ 15, 20. Die in dem
Eegiebau beschäftigten Knechte und Mägde geloben dem Kellner anstatt Landesherrn Treue,
Ordnung von 1509 § 14.
6) Ordnung von 1509 §§ 3 und 5. Doch stehen die Wagenbereiter vor allem wohl
unter dem Befehl des Amtmanns,' s. Bd. 3 No. 258, 1477.
^) S. WGalgenscheid 1460, G. 2, 453 ; WSerrig Irsch Beurig 16. Jhs., cit. oben S. 316
Kote 6; WMünstermaifeld 1589, G. 2, 460: weist der scheffen des hofs, das ein ieglicher
heimburger aus den sechs dorfern sollen ihre zins an frucht und korngelt uf den benanten
tag bezalt sein; und bedeuten, das rechte zeit sei zu sant Martinstag. und wanehe ein
keiner den heimburgern obg. einen tag darnach setzt zu bezalen vor den weinachten, darauf
sollen sie ganze bezalung thun; und ob das nicht geschehe, sal ein keiner macht hau, ein
ganze gemein darvor zu penden; und ein heimburger des dorfs, an dem gebrech ist, hat
macht den fiuler zu penden, also das sich die gemein Schadens enthebe.
^) Sponheimer Ordnung 1437 § 14: alle nutze, rente und gevelle . . von golde und
von Silber, ez si in stetten dorfern oder anderswo, an beten, sturen, zollen, zinsen, heupt-
rechten, vellen, freveln, einungen, bussen und besserungen und anders, was von gelte gevellet
oder gevallen mag, daz sol ieglicher schultheiße in eim ieglichen dorf dem lantschriber hant-
reichen und niemand anders, und ir einer dem andern darum ein versigelt quittancien geben,
die man an die rechenunge legen sol. S. auch a. a. 0. § 16. S. ferner Bd. 3, 408, 2, 1327 ;
465, 16, 1345—1346; Ordnung von 1509 § 5.
90*
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1420 —
die Bestimmung getroffen werden konnte, es solle an jedem Orte der Eegel
nach nur eine Unterstelle der Kellnerei bestehen ^ Bei weitem die wichtigsten
Unterrezepturen aber sind die Meiereien ^, mochten ihre Inhaber nun zu reinen
Beamten geworden sein^ oder die Stelle in Pacht bezitzen^. In ihnen fliefsen
alle landesherrlichen Gefälle der nächsten Umgegend zusammen, neben dem
Domanialinteresse vertreten sie jetzt auch völlig die Steuerinteressen de&
Landesherrn ; in lAixemburg sind sogar die Burgen mit ihren lokalen Bezügen
aus Bann wein u. a. m. stets einem nahe gelegenen Meieramt untergeordnet^.
Und so erscheint denn die Kellnerei im wesentlichen geradezu als eine Ober-
rezeptur jener Meiereien, aus deren Mitte sie in den meisten Fällen hervor-
gegangen ist, und in eben dieser Stellung liegt eine nicht geringe Bürgschaft
für ihre gesunde Verwaltung.
Es begreift sich aus dieser Konstruktion einer der hauptsächlichsten
Kontrollen wie aus der ganzen bisher betrachteten Organisation der Kellnerei^
dafs die Stellung des Kellners gegenüber der Zentralstelle noch eine ver-
hältnismäfsig sehr selbständige war^. Die Kellnerei hat das alte natural-
wirtschaftliche Anweisungssystem noch nicht völlig abgestreift, sie ist noch in
ebenso hervorragendem Sinne Ausgabe- wie Einnahmestelle. Noch ist es bei
dieser Konstmktion möglich, dafs die Ausgaben bei einer Kellnerei die Ein-
nahmen in einer Weise übersteigen, welche das Eintreten des Kellners mit
seinem persönlichen Vermögen erfordert, eine Möglichkeit, aus welcher sich
beiläufig in den Zeiten schlechter Finanzpolitik während der zweiten Hälfte
des 15. Jhs. im Kurfürstentum Trier unerträgliche Mifsstände entwickelten ^
Und neben dieser zu weit gehenden Selbständigkeit des Kellneramtes einer-
seits welch enge Bindung des Kellners an die Befehle der Zentralstelle andrer-
^) Sponheimer Ordnung 1437 § 15: in einer ieglichen stat und dorf sol nit me dan einer
sin, der u. h. nutze und gevelle innimpt, und die er furbasser dem lantschriber antwurten soL
2) S. Bd. 3, 408, 13, 1327; 456, ö f., 1344—1345, dazu Bd. 2, 184; ferner Scotti, Chur-
Trier 1, 339, cit. Bd. 2, 384.
3) S. z. B. Töpfer, ÜB. 1, 68, 1279; Cod. Lac. 112, 1298. Über den ViUicus in
Flandern s. Warnkönig 3, 138 f.
*) S. Koblenz St. A. MC. VIII Bl. 96 b No. 286, reg. Goerz, Kegg. der Erzb. S. 223,
1466, cit. oben S. 970 Note 1. Die Pächter hatten eventuell die Einnahmen zu buchen, s.
oben S. 947, so dafs ihre Bewegimgsfreiheit gegenüber den Villici früherer Zeit (s. oben
S. 834) sehr beschränkt war.
•^) S. z. B. ULuxemburg S. 382, lo. Vgl. auch ULuxemburg 377: zum Meieramt
Lignieres gehört auch ein Hof in Warizy, wo der Graf nur den Schaft hat. Ähnlich gehört
S. 378 die Vogtei von Vivier zum Meieramt Ortho. Überhaupt bietet das ULuxemburg zu
dem hier erörterten Thema eine Fülle von Belehrung im einzelnen; eine Besprechung der
Bedeutung desselben fiir die Geschichte des Finanzwesens behalte ich einer besonderen
Studie vor.
^) Ebenso unabhängig stand der Kellner dem Amtmann gegenüber; die Befehle der
Zentralstelle an ihn erfolgen direkt, nicht durch den Amtmann, s. Goerz, Regg. der Erzb. z.
1368 März 28.
'') S. Bd. 3 No. 239, 1456; No. 246, 1466; No. 257, 1476.
— 1421 I^i^ Landesverwaltung.]
seits. Der Kellner kann Naturaleinnahnien nur auf Befehl des Landesherrn
versilbern ^ ; er kann Vorräte seiner Kellnerei in eine andere nur iussu doniini
überführen^; Quittungen über Auszahlungen aus einer Kellnerei werden in
frühester Zeit auf den Landesherrn ausgestellt^; Kleinigkeiten wie das Um-
füllen der Weine werden von der Zentralstelle aus angeordnet*. Es ist das-
selbe Schwanken, wie bei der Anitniannschaft , im ganzen und grofsen eine
über das Mafs moderner Vorstellung weit hinausschiefsende Selbständigkeit
<ier Beamten, auf der andern Seite eine kleinliche Bindung an diese und jene
AVillküräui'serung der Zentralstelle.
Und das ist denn überhaupt der Charakter dieser ersten Landesverwal-
tung: keine Einordnung der einzelnen Instanzen in einen w^ohlabgewogenen
Oeschäftsverkehr , keine sichere Abgrenzung der Verwaltungskompetenz, son-
dern andauernde Selbstherrlichkeit in den unteren Kreisen gegenüber ruck-
weisen und willkürlichen Anordnungen der Zentralstelle. Geholfen konnte
hier nur werden durch Ausbildung einer mehr kollegialen Verwaltung in den
unteren Kreisen, wie sie durch die Kreierung von Amtsschreibern und Bildung
eines Kollegiums aus Amtmann, Amtsschreiber und Kellner für viele Ver-
w^altungsgebiete des Amtsbezirks seit dem 1 6. Jh. geschaffen wurde, und ferner
durch eine völlige Umgestaltung der Zentralstelle im Sinne einer Gliederung
in Departements, wie sie ebenfalls erst im 16. Jh. bewufst erstrebt ward.
Welches aber war denn nun die Geschichte der Zentralverwaltung bis
-zu dieser Zeit?
Aus der Mitte des 14. Jhs. ist uns das folgende für die Beantwortung
dieser Frage, welche uns nunmehr zu beschäftigen hat, besonders bemerkens-
w^erte Aktenstück erhalten^: Wir Dederich von Ettinc borchman m. h. van
Trere und zu Monrea?, und Henrich van Merthelache ein borchman zu Mon-
rea? doen kont allen luden . ., dat wir in boetsceffe u. fr. frauwen Marien
Tan Cleve frauwen zu Monrea? [Witwe von Virneburg] reden an u. h. hern
Baldewine erzebischove zu Trere, as um de loesunge der Pelenzen, de eme
verlacht was van hern Henriche selegen van Virninborch und frauwen Marien
vurg. sinre elicher frauwen [Urkunde von 1335, CRM. 3, 211], und sprachen
u. h. vurg. van Trere selber zu, dat wir da weren van u. fr. weghen van
Cleve vurg. und gesunnen eure losongen der Pelenzen, und hurten gerne de
breve van der Pelenzen, wie si stunden van worde zu worde, of dat wir uns
des debaz gerichten muchten na den breven, want u. fr. ir geld begaet hette
binenander, um die Pelenze zu loesene. do antworte uns u. h. van Trere,
geldis bedürfe he wal, he wulde de breve doen suchen van der Pelenzen, und
1) S. oben S. 1414 Note 4; Bd. 3, 476, 3, 1345—1346; Ordnimg von 1437 § 21, von
1509 § 22.
2) Vgl. Bd. 3, 466, 9, 477, lo mit Bd. 3, 376, le, 1345-1346.
3) S. Bd. 3, 109, 21, 1302.
*) S. Bd. 3, 461, 18, 1345-1346.
■^) S. CRM. 3, 402, 1.353.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1422 —
wat de sprechen, dat wiüde he nemen. und heis he uns des andern dagis
oder des zweiten wederkonien, um de breve zu hurinne. des quomen wir
weder für u. h. van Treren vurg. of de zit, und suhlen de breve huren lesen,
do sprach u. h. vurg., he hette de breve verloren, dat wir hinder uns reden
an u. fr. vurg. und brechten ire loesebreve, die wulde he ummer sehen, und
dat gelt : he wulde gelich bid u. fr. doen van Cleve. do vraden wir hern
Petern Sarazzen und den andern raet u. h. vurg., want de breve sprechen
dusint Ib. hl., de pillich zuzubrenghene weren, bid wat muntzen wir wereu
und bezalen muchten? ind wem wir dat gelt geben sulden, as wir weder
quemen? des antAverte uns her Peter Sarazzen, wir sulden [is] geben hern
Gerarde dem rentmeistere , de da bi eme stont, de sins hern rente plege in-
zunemene, und sulden geben einen alden schilt für sevenschen s., und einen.
Tornoes für echtzen hl., want brechten wir zumal hl., u. h. von Trere inneni
er niet^ ond gaf uns her Peter vurg. dat ende van monde u. h. vurg., und
spracli uns darfur: were och sache dat u. h. vurg. der breve niet invunde,.
he wulde u. fr. bid dem capittele as sicher machen, dat si und ere erben
des nummer anspräche geliden insulden. des begate uns her Peter vorg. einen
brief van u. h. van Triere an den borchgreben van Cochme, want surgelich
was, de breve und dat gelt zu furinne sunder geleide, as wir eme saden, dat
he de breve und dat gelt zu Trere in sinen wegen geleite, dat dede der
borchgrebe und geleite dat gelt zu Trere, und ward dat gelt intfangen, gezalt
und gewogen van u. h. wegen van Trere. och inwoMe der rentmeister des
geldis van der Pelenzen niet nemen, he inhette de breve gesehen van der
losongen der Pelenzen: de he sach und eme wal genugede van den breven.
und och moesten wir u. h. van Trere für bezalen zweihondert aide Schilde,,
de eme m. fr. und ir man von andere scolt schuldich woren. und do wir
allit dat gedaen hatten, as wir van u. h. van Trere und sime rade gescheiden
woren, und dat gelt wal bezalt hatten van der Pellenzen zu der vordersten,
schulde, do besehen wir unse breve weder, af Sicherheit darfur, as geret was.
des sprach u. h. vurg. weder uns, sine frunt hetten in underwist, dat de-
losonge der Pelenzen nemans me inwere, dan des prostis van Aghe; niet me
inkonde uns wederfaren, dan dat wir gelt und breve u. h. lesen vurg. Die
beiden Burgleute bezeugen schliefslich, omnia premissa de verbo ad verbum . ..
sie esse. '
Inhaltlich dieser in hohem Grade in die Geschäftspraxis einführenden.
Urkunde kommen also Geschäftsführer eines Dritten zur Abwicklung einer
])estimmten Sache an den Trierer Hof. Sie werden zunächst vom Erzbischof
empfangen; dieser leitet die geschäftliche Behandlung der Sache ein. Nach
diesem ersten Akt spielt sich die Fortsetzung im erzbischöflichen Rate ab, als
^) So wird zu lesen sein. Günther liest: want brechten wir zwey Malder Hailere unse
Hern von Trere Innemer niet. San-azin will sagen: bringt ihr die Summe nur in Hellernj
so nimmt das der Erzbischof nicht.
— 1423 — I^iG Landesverwaltung.]
dessen Spieeher Herr Peter Sarrazin, als dessen Mitglied u. a. der Rentnieister
Gerard erscheint. Peter Sarrazin verhandelt nun mit den fremden Geschäfts-
führern in der Weise, dals er sich in den einzelnen Stadien der Verhandlung
mit dem Erzbischof [und jedenfalls auch dem Rate] verständigt und dann
vom Munde ^ des Erzbischofs Antwort erteilt, auch einschlägige Urkunden und
Befehle an die Lokalverwaltung von demselben erwirkt. Nach Abschlui's der
Verhandlungen empfängt endlich der Erzbischof die Geschäftsführer wiederum
persönlich und teilt ihnen den gemäfs dem Bericht des Rates gefafsten end-
gültigen Entscheid mit.
Neben den Verhandlungen im Rat spielt aber noch eine Geschäftsscene
vor der zentralen Finanz Verwaltung. Wir finden an ihrer Spitze den Rent-
meister Gerard; er bucht keine aufserordentliche Einnahme ohne Einsicht
von Urkunden und scheint bei grofsen Zahlungen Geldsorten nur nach den
im Rate festgesetzten Bedingungen annehmen zu wollen; zugleich ist er Mit-
glied des Rates.
Bringen wir die hiermit gewonnenen Kenntnisse^ auf die allgemeinste
Formel, so finden wir an der Zentralstelle unter dem Erzbischof einen Rat
mit einem Kabinetsminister an der Spitze, eine Finanzverwaltung mit einem
Rentmeister an der Spitze, und als allgemeine Voraussetzung schriftlichen Ver-
fahrens auf Bericht des Rates eine Kanzlei. Der Geschäftsgang im Rate aber
ist der, dafs der Erzbischof sich Einleitung und Abschlufs der Geschäfte per-
sönlich vorbehält, ihre Verhandlung im einzelnen aber wie ihre Durchführung
gemäfs dem Schlufsentscheid dem Rate überläfst.
Sehen wir also von der technischen Voraussetzung jedes gröfseren Ge-
schäftsbetriebes, der Kanzlei, ab, so haben wir um die Mitte des 14. Jhs. zwei
Verw^altungen an der Trierer Zentralstelle zu unterscheiden, den Rat und die
Finanzverwaltung. Von ihrem Entstehen und Wesen soll nunmehr im einzelnen
die Rede sein.
Zunächst vom Rat.
Natürlich hat eine beratende Zentralstelle von jeher in jedem gröfseren
Verwaltungsbezirke, welcher späterhin zum Territorium erwuchs, d. h. in jeder
GrundheiTSchaft, bestanden^. In geistlichen Herrschaften, wo die Quellen einen
genaueren Einblick gestatten, setzt derselbe sich aus den geistlichen und welt-
lichen Grofsen des Verwaltungsgebietes zusammen*. Die geistlichen Grofsen
1) Es ist das lateinische de iussii, s. Bd. 3. 486, 1350.
2) Vgl. zu denselben Seeliger S. 93 ff.
3) Zum folgenden s. u. a. Waitz, Vfg. 7, 309 f. ; v. Maurer, Fronh. 1, 206 f.
^) MR. ÜB. 1, 134, 893: Bischof Rodbert von Metz schenkt an Kloster Neumünster
cum consultu fidelium nostrorum, clericorum scilicet et laicorum. Ennen, Qu. 1, 459, 922:
der Kölner Erzbischof handelt consultu fidelium nostrorum tarn clericorum idoneorum, quam
etiam laicorum nobilium. Lac. ÜB. 1, 52, 93, 941 : der Erzbischof von Köln verschenkt res
ecclesiae Coloniensis cum consultu et consensu der fideles tam clerici quam laici. S. auch MR.
ÜB. 1, 338, 1052, cit. oben S. 1073 Note 8.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1424 —
erscheinen dabei früli genau abgegrenzt als Prälaten \ und unter ihnen nehmen
dann in den Diözesen wieder die Domkapitel bald eine besondere Stellung
ein^. Die weltlichen Grofsen setzen sich anfangs vornehmlich aus den be-
lehnten freien Herren und Grafen zusammen; bald aber erscheinen neben
ihnen, spätestens seit Ausgang des 11. Jhs. deutlich beteiligt, die Ministerialen^;
und schliefslich beginnt um die Wende des 12. und 13. Jhs. auch eine Be-
teiligung der Bürger einzusetzen^.
1) Lac. ÜB. 1, 166, 257, 11. Jh.: Uuerdensium congregatio fratrum . . suis fidelibus
atque prelatis id sibi consiliantibus consona et communi collaudantia laudaverunt atque
statuerunt. MR. ÜB. 1, 616, 1159: Belehnung de consilio prelatorum et fideliiun nostrorum,
unterzeichnet Dompropst, Dechant, 3 Archidiakone , die Grafen von Kirberg und Veldenz,
einige freie Herren und Ministerialen. MR. ÜB. 1, 610, 1158: Erzbischof Hillin von Trier
belehnt die Luxemburger Grafen mit Burg Nassau und Zubehör deliberato ecclesie nostre
liberorum et ministerialium consilio. Es sind als Zeugen unterzeichnet: Dompropst und
Dechant, 3 Archidiakone; die Äbte von SMaximin, SMatheis, SMaria-ad-martyres , SMartin,
Springiersbach, Himmerode; die Pröpste von SPaulin, Pfalzel, Münstennaifeld und SCastor-
Koblenz ; der Domkustos und ein Kapellan [wohl beide im erzb. Rat] ; Laien : die Grafen von
Ysenburg und Sayn, die freien Herren von Ehrenbreitstein , Braubach, Burgen, Bettingen,
Neumagen, Kerpen, und 16 Ministerialen, darunter der Marschall und 2 Schenken.
2) Ennen, Qu. 1, 580, 93, 1179: der Kölner Erzbischof verschenkt Kammern in der
Nähe der Kölner Münze de consilio priorum et fidelium nostrorum, capituli etiam maioris
ecclesie Coloniensis consensu accedente. MR. ÜB. 3, 21, 1214: Erzbischof Theoderich be-
stätigt SMaria-ad-martyres den Besitz der ihm von Erzbischof Johann zugewendeten Ehranger
Pfarrkirche de communi consilio et consensu capituli nostri contra malorum incursus. S.
ferner MR. ÜB. 3, 73, 1217; 75, 1217; 82, c. 1218 usw.
3) S. schon MR. ÜB. 1, 171, 929, Erzbischof Rutger will sich über Stiftsgüter im Elsafs
(Gimbrett bei Strafsburg?) informieren: nos ergo missos nostros Waltercherum vasallum nostrum
et cum illo Qualterum Rodingum et Albuinum famulos nostros illuc direximus, qui perspectis
et inquisitis omnibus renuntiaverunt nobis, nichil aliud ibi esse nisi mansum indominicatum
et alios mansos 9 absolutos absque ullo homine, de pratis autem ad carr. 5. Er vertauscht
das per consensum nostrorum fidelium clericorum atque laicorum. Vgl. zu dieser Urkunde
MR. ÜB. 1, 610, 1158: Erzbischof Hillin 150 mr. in manu quarundam personarum ecclesie
nostre, liberorum etiam et ministerialium nostrorum posuimus, et ut ex eis aliquod allodium
emerent pro restauratione curie nostre Pardenheim, que nobis aliquantulum imminuta vide-
batur, precepimus. Dieser immunitio hatten geistliche und weltliche Grofse wie Ministerialen
der Kirche zugestimmt (s. a. a. 0. 605, 1157). S. ferner MR. ÜB. 1, 501, 1089, der Abt
von Prüm schenkt Nochern an SGoar: inito consilio sapientes suos de omni abbatia cuius-
cunque conditionis, monachos sive clericos, liberos, ministeriales, ad locum prefatum coadunavit
et villam . . coram omnibus . . tradidit. MR. ÜB. 1, 639, 1163: Erzbischof Hillin bestätigt
Forstrechte des Klosters Oeren consilio et consensu personarum liberorum hominum et ministe-
rialium nostrorum. Vielleicht gehört hierher schon V. Bald. Leod. c. 24 : die Gräfin L. schenkt
von ihrem AUod fidelis usa clientelae consilio; sie will nichts thun sine eorum consultu.
4) MR. ÜB. 2, 328, 1190—1212, Urkunde Erzbischof Johanns: nos ad preces dilecti
nostri Anselmi abbatis sancti Maximini pueris Cononis dicti advocati in Confluentia, qui
ministeriales sunt beati Maximini, de consilio et consensu fidelium nostronmi tam ministe-
rialium quam civium in Confluentia et circa Confluentiam manentium tale ius et libertatem
concessimus, ut, ubicunque ipsi infra terminos nostrae iurisdictionis fuerint, ab omni petitione
et exactione sicut ministeriales beati Petri sint exempti et omni iure gaudeant et utantur,
— 1425 — Die Landesverwaltung.]
Laniie bevor indes diese Vervollständigung erreicht ward, welche schliefs-
lich im Beginn des 18. Jhs. auch einen reichsgesetzlichen Ausdruck fand\ war
man in dem beratenden Körper von der blol'sen Ratserteilung zur Forderung
eines Zustimmungsrechtes zu l)estimmten Handlungen der Herrschaft fortge-
schritten. Mit dem allmählichen Durchdringen dieser Forderung, deren Ge-
schichte hier nicht weiter zu verfolgen ist^, wurde aber natürlich der beratende
Körper zur berechtigten Behörde, zu einer Yerfassungsinstanz, deren Kompe-
tenz und persönliche Rekrutierung genauer Begrenzung bedurfte; und er
verlor damit jene Eigenschaften freier beratender Meinungsäufserurig und un-
gebundener Wahlfähigkeit seiner ÄTitglieder, welche ihn ursprünglich charak-
terisiert hatten.
So mufste der Herr der Grundherrschaft bezw. des sich l)ildenden Terri-
toriums nach einem Ersatz für sein altes Ratskollegium suchen; er musste
einen neuen Kreis vertraulicher Berater l)ilden, welche ohne irgendwelche ver-
fassungsrechtliche Stellung nur ihm verpflichtet waren ^. Das Personal hierzu
quo ministeriales beati Petri gaudent et uti consueverunt. Honth. Hist. 1, 760, 1263: Mit-
besiegelung eines erzbischöflichen Burglehnbriefes in . . rei testimonium durch die Stadt
Trier. Zum Abschlufs der ganzen Bewegung im ständischen Sinne s. für Trier CRM. 3,
155, 1328, Sühne Erzbischof Balduins mit der Gräfin Loretta von Sponheim: und want wir
dit gedan hain von willen rade und gehenknisse unses capitels und uns gestiechts man und
der stede, so band die vorg. unse capitel kuning [der Graf von Luxemburg und König von
Böhmen] und edel man uns gestiechts und die stede ir ingesiegel gehangen an diesen brief.
Folgen die Besiegelungen mit ausführlicher Motivierung CRM. 3, S. 267 f. Als Städte und
edle Mannen sind genannt: die Grafen von Luxemburg, Sayn, Saarbrücken, Yeldenz, Katzen-
elenbogen, Virnebm^g, die Raugrafen; die Herren von Blankenheim, Manderscheid, Dann;
die Städte Trier, Koblenz, Boppard, Wesel, Montabaur. Vgl. auch noch S. 1344 Note 2.
*) Vgl. das Gesetz K. Philipps vom J. 1205 (Verfügungen von Fürsten nur communi-
cante sibi meliorum terrae baronum et ministerialium consilio), den Reichsschlufs von 1231,
MGLL. 2, 283, und Schlufs von 1287 § 44, a. a. 0. S. 452. Zur Ausführung vgl.
oben S. 1037 Note 5, 1292, und MR. ÜB. 3, 71, 1217: Erzbischof Dietrich vererbpachtet
den Wald Veivere u. a. m. comrnunicato consilio praelatorum nostrorum nobilium et mini-
sterialiiun, quorum discreta circumspectione honestas ecclesie Trevirensis gaudet ad meliora
provehi.
2) Für Trier vgl. G. Trev. Cont. 1, 22, MGSS. 8, 196, 1079—1101, cit. oben S. 712,
Note 2; G. Alberonis 27, MGSS. 8, 257. Zustimmung zu Regierungshandlungen der Grafen
von Jülich und Berg erwähnt v. Below S. 6 erst seit d. J. 1226.
^) Das sind die familiäres, welche seit Schlufs des 11. Jhs. neben den verfassungs-
mässigen Beratern vorkommen, s. Lac. ÜB. 1, 157, 244, 1090: Erzbischof Hermann III. von
Köln entscheidet einen Streit zwischen SMaria-ad-gradus und Brauweiler prudenti priorum
et familiarium nostrorum consilio. Vgl. ferner MR. ÜB. 2, 6*, 1171, Urkunde Abt Roberts
von Prüm: dum vero, quod mente conceperam, sepius inter familiäres meos pia sollicitudine
retractarem . . , quatinus subtili indagatione et sapienti consilio providerem .... Nach dem
Testament des Erzbischofs Johann (f 1212), MR. ÜB. 2, 297, sind ständig am Hofe neben
19 Ministeralen 2 edle Herren und ein Magister — wohl der Anfang eines Rates. S. dazu
MR. ÜB. 3, 327, 1227, cit. oben S. 847 im Text. Auch für die Ausübung des Rechtes des
Consilium bezw. des Consensus der Landesstände machte sich doch früh eine Beschränkung
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1426 —
boten spätestens seit Beginn des 12. Jlis. die Ministerialen; sie haben das
ganze 12. Jh. hindurch die intimen Berater ihrer Herren gebildete
Aber auch hier schob sich seit etwa Mitte des 12. Jhs. die allgemeine
Entwicklung der sozialen und Verfassungsverhältnisse immer bestimmter
zwischen den freien Verkehr der Käte und des Landesherrn. Die Ministerialen
bildeten zugleich den Rahmen für die Zentralverwaltung der Grundherrschaften
bezw. erwachsenden Territorien wie für die Hofv^erwaltung ^ ; so sind im Erz-
stift Trier z. B. von ihnen die Ämter des Marschalls, Truchsessen, Schenken,
Kämmerers, Thürhüters, später auch des Speisers besetzt^. Mit dem Eindringen
geltend; nach Ennen, Qu. 2, 273, 273, 1248, ist lur kleinere Mafsregeln des Erzbiscliofs von
Köln nötig consilium priorum, qui commode haberi possunt, für gröfsere consilium eorundem
prioium et capituli Coloniensis.
^) MR. ÜB. 1, 396, c. 1098: familiaribus , qui arcliiepiscopatus servientes dicuntur, et
hoc, si necesse est, probare possunt. MR. ÜB. 1, 483, 1135, SMaximin: nach dem Dienst-
ding der Ministerialen abbas si in proximo die . . de privatis negotiis vel communibus cum
ministerialibus aliqua tractare voluerit, sive nos [der Vogt] presentes sive absentes fuerimus,
absque expensis eorum ipsos detinebit. Am Hofe des Stiftes SSeverin-Köln finden sich Ennen,
Qu. 1, 503, 42, 1099—1131 elf, a. a. 0. 592, 100, 1185 fünf Ministerialen. S. ferner Lac. ÜB.
1, 367, 1149, für Kaifenheim: qualiter bonae memoriae Bertolfus abbas Brüwilarensis eccle-
siae hominibus ad ius curtis nostre Kevenheim pertinentibus tempore necessitatis subvenerit
et ampliando eorum beneficia inopiam eorum alleviaverit. hiis enim infortunio et miseria pro-
fligatis, quam predonum inmanitas igne et rapina inflixerat, ne tantis malis exaeerbati eflfu-
gerentur et predia ecclesiae horum recessu vastarentur, consilio usus est fratrum suorum, lai-
corum etiam, scilicet ministrorum suorum, qualiter ea emendarentur. quorum communi deli-
beratione et consilio bona ecclesie, que vulgari lingua sellant nuncupantur, ad predictam
curtim pertinentia predictis hominibus ad ea, que primitus possederant beneficia, tradidit et
confiraiavit. V. comit. de Arnstein: ministeriales suos velut socios sie amabat, quorum con-
silio super coniugalis copulae matrimonio perurgetur, quia rei sie poscebat utilitas. — In
frühester Zeit, vor den Anfängen der Ständebildung, suchte man wohl auch die Vasallen in
dieser Weise heranzuziehen, s. V. Vodalrici c. 5, MGSS. 4, 393, 42 f.: similiter et de vasal-
lis suis semper secum aliquos sapientissimos habere voluit [Vodalricus], si ei aliquod negotium
de aecclesiasticis rebus vel de secularibus ad tractandum deveniret, ut eorum consilio caute tractare
et regere semper paratus esset. Hierhin gehört vielleicht auch MR. ÜB. 1, 305, c. 1033, cit.
oben S. 894 Note 3. Auch in späterer Zeit finden sich noch derartige Versuche, s. oben
S. 1267; sie erklären sich aber durch den Umstand, dafs mittlerweile die Ministerialen zu
Vasallen geworden und in den Lehnsverband eingetreten sind.
2) S. im allgemeinen, aufser oben S. 820 f., auch MR. ÜB. 3, 1168, 1252: eine Schuld-
verschreibung des Grafen von Neuenahr bezeugen milites, der Sohn des Grafen et Herbordus
de Ludorf servus noster, quibus mediantibus res fuit ordinata. Chron. ep. Mettens. 1186: der
Bischof Bertram von Metz steht gegen Kaiser Friedrich, deshalb ad iram et indignationem
princeps incitatus bona eins universa confiscari fecit totimique episcopatum Metensem per
ministeriales suos [unter Werner von Bolanden, Chron. reg. 1187] in facti huius vindictam sa-
siri. — Ausgenommen sind hiervon nur die gröfsesten Verwaltungen, in welchen auch Freie
Verwendung fanden, s. z. B. Ennen, Qu. 1, 466, 13, 965.
3) Vgl. für den Marscalcus MR. ÜB. 1, 604, 1157; 610, 1158; den Dapifer MR. ÜB.
1, 604, 1157; den Pincema MR. ÜB. 1, 604, 1157 (zwei pincenie MR. ÜB. 1, 605, 1157;
610, 1158); den Camerarius MR. ÜB. 2, 297, c. 1212; UStift S. 321 No. 11; MR. ÜB. 8, 713,
1241 ; den lanitor MR. ÜB. 2, 297, c. 1212. Später wird auch noch ein Speiseramt erwähnt,
— 1427 — Die Landesverwaltung.]
des Lehnsbegriffs in die Ministerialität begannen nun diese ursprünglich in
freier Wahl des Herrn* besetzten Ämter seit der zweiten Hälfte des 12. Jhs.
Lehnsäniter zu werden, und im ersten Viertel des 13. Jhs. war die Entwick-
lung soweit abgeschlossen, dafs die Lehnserblichkeit der Hauptämter im J. 1219
reichsgesetzliche Anerkennung fand-. Damit war nach zwei Seiten hin eine
Stellung erreicht, welche die alleinige Rekrutierung eines freien landesherr-
lichen Rates aus den Ministerialen unmöglich machte: einmal waren die
^linisterialen nunmehr volle Vasallen, hierdurch fest dem sich soeben bilden-
den Körper der Landstände einrangiert, und somit in der oben geschilderten
Lage der alten im Ständewesen aufgegangenen Räte ; weiter aber waren sie jetzt
im Besitz von Erbämtern, also in einer verfassungsmäfsig feststehenden eigen-
rechtlichen Stellung zur Herrschaft, welche ihre Fähigkeit als unparteiischer
Berater oft beeinflussen mufste.
Es war daher um die Mitte des 13. Jhs. nötig, einen neuen Rat zu
schaffen, wie es nötig war, ein neues Beamtenpersonal für die Zentralstelle
zu entwickeln^. Beide Aufgaben wurden, wie sie schon in der Blütezeit
Honth. Hist. 2, 352, 1411. In Jülich existieren anfangs sogar nur Truchsefs, Schenk und
Marschall, der Kämmerer kommt erst im 14. Jh. auf, s. Loersch De ortu etc. S. 35.
1) S. oben S. 1168 Note 5.
2) Reichsspruch 1219, MGLL. 2, 216: mortuo uno episcopo et alio substituto omnia
ofticia vacant exceptis quatuor principalibus , dapiferi videlicet et pincerne, marschalci et
camerarii. Die Erblichkeit der grofsen Ministerialenämter an der Mosel ist freilich erst nach
diesem Datum, nicht schon für das 12. Jh., bezeugt, vgl. MR. ÜB. 3, 121, 1220: Ego Henri-
cus de Duna etc., quod dominus noster Walramus de Limburg comes de Lucemburg et do-
mina Ermesindis uxor eins marscalciam comitatus Lucemburgensis michi et heredibus meis in
feodo et homagio contulerunt perpetuo possidendam. cum predicta etiam marscalcia centum Ib.
Metenses mihi contulerunt, et donec eas reposco, medietatem omnium proventuum in silva de
Kirvant mihi et heredibus meis possidendam assignarunt. cum autem illas centum Ib. rece-
pero, super waragiam ponere vel de ipsis terrani teneor comparare, que ad prefate marscal-
cie officium pertinebit. villam quoque meam , que Altare nuncupatur, quam presens ab ipsis
habemus in feodo, ad petitionem meam ad feodum eidem marscalcie fecerunt pertinere.
MR. ÜB. 3, 713, 1241: Erzbischof Dietrich dilecto ministeriali nostro G. de Esch favemus,
ut percipiat omne ius, quod ratione camere nostre a nobis in feodo debet teuere. *Bald.
Kesselst. S. 427, 1349, Feudum lohannis de Treveri: officium pincernatus [das schenkeampt
als manlehen]. CRM. 3, 517, 1368 : Lehenrevers für das Sponheimsche Marschallamt. Honth.
Hist. 2, 352, 1411: Friedrich von Brandenburg empfängt zu rechtem Mannlehen die Lehen
und Güter, als ein obrister spiser des stifts von Trier von demselben stift gehaibt hait.
CRM. 4, 186, 1440: Lehenrevers Hermanns Herrn zu Helfenstein über die Burg gleichen
Namens, das Truchsessenamt und andere Triersche Lehen. Novillan. c. 44: quidara Gerardus
tenuit bona in feodum in Remich, in Ellingen, in Keckesdorf, in Willesdorf, et inde ianitor
abbatis; ille Gerardus adhuc fuit sub abbate Bartholomeo [Wende 12. u. 13. Jhs.], sed et
eodem tenore Wilhelmus de Trutinga [Trautingen] habuit feodum in Willesdorf et circa Tru-
tingam et apud Broich iuxta Modevort, unde et ipse ianitor domini abbatis. 1599 bestanden
an erzstiftischen Beamten der Marschall, Hofmeister, Kämmerer, Truchsefs, Schenk und
Speiser, Honth. Hist. 3, 191.
3) Zur Art des Übergangs vgl. schon jetzt CRM. 2, 327, 1287: der Erzbischof von
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1428 —
der Ministerialität gemeinsam gelöst worden waren, so auch jetzt wieder ge-
meinsam ins Auge gefafst und auf demselben Wege durchgeführt, auf welchem
man ein neues Lokalbeamtentum zu schaffen in Begiiff war : durch Anwendung
des aus dem Lehnsbegiiffe zum Amtsbegriffe überführenden Lehnsdienstvertrages
zur Kreierung von Räten.
Anfänge in dieser Richtung scheinen sich alsbald nach dem Aufkommen
des Lehnsdienstvertrages überhaupt^ zu zeigen; schon der Erzbischof Johann
von Trier (f 1212) scheint einige nach dem neuen Prinzip angestellte Räte
gehabt zu haben ^. Der erste sichere Ratsrevers neuer Art aber fällt erst
in die Mitte des 13. Jhs.^. Und bei der unmittelbar von der Persönlichkeit
des Landesherrn abhängenden Entstehungsmöglichkeit der Institution dauerte
es noch lange, ehe von einem wirklich ausgebildeten Rate die Rede sein konnte.
Noch in der zweiten Hälfte des 13. Jhs. war im Erzstift Trier die ganze Ein-
richtung formlos und der Zusammensetzung der Räte nach dem gröfsten
Wechsel unterworfen*; erst mit dem Beginn von Balduins Regiment in den
ersten Zeiten des 14. Jhs. scheint eine Kräftigung soweit eingetreten zu sein,
dafs man einigen Ratsmitgliedern die Verwaltung des Erzstifts bei langdauernder
Abwesenheit des Landesherrn anvertrauen konnte^. In den dreifsiger Jahren
Köln suis diligenter comiserat officiatis, videlicet Arnaldo militi dapifero suo de Wede dicto
Dumbelir atque Conrado dapifero suo de Waidenburg, ut . . concordiam reformarent.
1) S. oben S. 1298.
2) Das Testament des Erzbiscbofs Johann, MR. ÜB. 2, 297, nennt unter der mit Legaten
hedachten Familia den Dekan Jakob [er war wohl Kanzler], ferner den Kaplan Heinrich und
5 Namen vermutlich auch von Kaplänen; dann Henricus cocus (Kiichenmeister). Hierauf
folgen die Namen von zwei edlen Herren und der eines Magisters. Ferner die zwei Pfarrer
von Andernach und Koblenz, der Priester von Ehrenbreitstein , der Schulmeister Hugo von
SCastor-Koblenz , der erzbischöfliche Vikar Peter, der Vogt Cuno und sein Sohn. Dann
19 Ministerialen, darunter der lanitor und Kämmerer, der Kapellan, 11 andere Personen,
vielleicht auch noch teilweis Ministerialen. Schliefslich 2 persönliche garciones, 2 garciones
de camera, 3 de coquina, 7 servi novi de Palatio und 7 andere genannte Diener. Im ganzen
70 Personen. Hier sind die vor den Pfarrern stehenden Personen wohl als Räte zu fassen.
Im übrigen ist bekanntlich ein erster ständiger Rat am Königshof in der 1. H. 13. Jhs.
eine Ausnahme, s. Isaacsohn De consilio regis etc., Diss. Berol. 1874. Über Territorialräte
des 13. Jhs. s. v. Below S. 82; Lamprecht in den Forschungen z. d. Gesch. 23, 97 Anm. 1.
^) MR. ÜB. 3, 959, 1248: der Junggraf von Leiningen wird besonders geehrter pfalz-
gräflicher Burgmann in Winzingen, der Vertrag heifst familiaritatis ordinatio et amicitie
connectio. Das Lehen beträgt nach unserm Geld 72000 M.
*) G. Trev. c. 191 : Hie idem pater Henricus [1260—1286] habuit modum laudabilem
et consuetudinem memoriae dignam. cum enim tractaret de statu et negotiis temporalibus
suae diocesis, assumpsit sibi viros consultissimos in rebus temporalibus expertos, prout immi-
nentis negotii perplexitas requirebat. si circa milites aut vasallos causa agebatur, assumpsit
barones et nobiles probatae prudentiae, si circa clerum et ecclesiasticam libertatem negotium
vertebatur, consuluit viros litteratissimos ; si circa cives, idem fecit prudentiores assumens, quem-
libet venerans et salutans laeto vultu et benigno, prout requirebat Status et conditio eonm-
dem. nee mutavit mores prescriptos, dum coram eo ventilabantur negotia ludeorum.
^) S. *Epistolarcodex Balduins Bl. 5^, 1312 Novbr. 30, dazu P'riedensburg in Westd.
— 1429 — Die Landesverwaltung.]
des 14. Jbs. tritt dann die feste Bezeichnung fiir den Rat als Freund,
wenig später als Heimlicher auf^, und um die Mitte des 14. Jhs.
kann das Institut als völlig ausgebildet angenommen werden^, wenn wir
Zs. Bd. 3, 301 No. 28. Zu Analogieen aus späterer Zeit s. *Koblenz St. A., Kurf. Trier
Staatsarchiv, Geh. Cabinet, Personalien der Erzhischöfe, 1467 Januar 21 : Wilhelm von Baden
Amtmann zu Saarburg an die Zentralverwaltung, Johann und Wilhelm Herren von Vilez [?]
und Eberhard von der Arken, die Statthalter des Erzbischofs (der Erzbischof war eine Zeit
lang aufser Landes, vgl. Goerz Regg. der Erzb. S. 225, zu 1466 Novbr. 24); geben under
minen ingesegel uf mitwoch nehst nach dem zweinzigsten dage anno etc. lxvi. Berichtet
über Verhandlungen mit Luxemburg, deren Abmachungen von Heinrich von Warsperg ge-
brochen sind, sowie seine Mafsregeln gegen Heinrich von Warsperg, unter Übersendung einer
Abschrift des an diesen gesandten Briefes und der darauf erfolgten Antwort, sowie der von
der Luxemburger Seite in dieser Sache erlassenen Schriftstücke. Diese mittel und ander,
die hernah geschrieben stont, biden ich uch mich zu underwisen, wie ich mich darinne
halden solle, nastdem das mins gnedigen herren gnad nit inlendich ist. Folgen neue zweifel-
hafte Fälle: Gefangennahme zweier Unterthanen [armman] in Nennich durch Arnold von
Vels und Wirich von Putlingen, und ähnliches. Da biden ich uch, gut frunt, mir zu schriefen
und zu wissen laissen, wie ich mich in diesen vurg. Sachen halden sol, wan solich homut
und gewalt nie me geschieht ist in dem hogericht von Sarburg, und wer meins gnedigen
herren gnad inlendich gewest, so het ichs nit dabi gelaissen. Got si mit uch. Vgl. auch
G. Trev. c. 293, Erzbischof Johann IV. (1540 — 1547) wird alt: coeperunt ergo totius diecesis
gubernacula a consiliariis pendere, quapropter summum capitulum ei coadiutorem designavit . .
cum spe futurae electionis. Im übrigen erfolgt in früherer Zeit nie die Einsetzung eines
Regentschaftsrates, sondern eines Regenten, s. oben S. 1302 Note 2, 1337; vgl. auch Bd. 3
No. 179, 1349; Xo. 184, 1350; 187, 1357. — Wenn bei Königswahlen Trierer Räte genannt
und mit hohen Summen bedacht werden, so ist hier schwerlich an die Räte der gewöhnlichen
Verwaltung, sondern an aufserordentliche Bevollmächtigte zu denken, s. CRM. 2, 349, 1293,
K. Adolf bekennt sich schuldig: providis viris consiliariis venerabilis archiepiscopi Treveren-
sis principis nostri dilecti tenemur in 2000 mr. Coloniensium d. bonorum et legalium ratione
labonim et expensarum, quas fecerunt in electionis negotio. Die Räte werden nicht genannt.
S. ferner CRM. 3, 63, 1314: consiliarii Balduini, qui pro (Ludowici regis) promotione actenus
laborarunt.
^) Die gewöhnlichste Bezeichnung ist des hern frunde, s. Bd. 3, No. 137, 1336 ; *Arch.
Maxim. 4, 650, 1377; Bd. 3, No. 163, 1344; später auch rete und frunde, s. Bd. 3 No. 249,
469, No. 261, 1479. — Lateinisch amici domini, Bd. 3, 431, le, 1340; 457, 7, 31, 1344—1345;
485, 11, 489, 9, 12, 1350; bezw. consiliarii et amici G. Trev. c. 267, 1362—1388. Daneben
tritt dann etwa seit Mitte des 14. Jhs. der Ausdruck Heimlicher technisch auf, wenn er auch schon
zur Bezeichnung eines Rates viel früher bekannt war, s. Tristan 8589: heimlichaere, und die
Bezeichnung consecretalis bei Ennen, Qu. 1 , 433 , 5 , 874. Für sein Aufkommen vgl. Bd. 3,
231, 13, 1358; Ferdinand S. 79—80, 1363; G. Trev. c. 267, 1362—88 (intimi consiliarii et
amici); Honth. Hist. 2, 293, 1388; 297, 1395 (fruntschaft, heimelicheit und raid); Bd. 3, 255, 35,
1395. S. auch Bd. 3 Wortr. u. d. WW. amici domini, frunde, frundschaft, heimelicher,
heimelichkeit, helfer und diener, rait, raitman.
2) Ich schliefse das namentlich aus dem Umstand, dafs bei Austragsgeschäften, welche
eine Hauptdomäne des voll entwickelten Rates bilden, bis zur Mitte des 14. Jhs. noch häufig
Kommissionen vorkommen, welche nur aus Amtleuten der Lokalverwaltung bestehen, s. CRM.
2, 327, 1287; Bd. 3 No. 180, 1349; S. 223, u, c. 1350; auch Bd. 3, 151, 3, 1331; 220, 2,
c. 1350.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1430 —
auch zahlreichere Ratsrevei-se eM seit den siebeiiziger Jahren des 15. Jhs.
kennend
Die allgemeine Stellung der Räte war anfangs ganz die der auf
Dienstlehen angenommenen Beamten^; später tritt die volle Beamtenstellung
ein. Doch dauert es bei den Räten weit länger wie bei den Amtleuten,
ehe der Begriff des Amtes völlig durchgeführt wird. Es treten hier zwei
]\Iomente hindernd dazwischen: einmal die Thatsache, dafs die Räte am Hofe
des Herrn, mithin in gewissem Sinne als Gäste desselben lebten^, ihm über-
haupt persönlich nahe standen • — daher die Bezeichnung als Freunde — ; dann
die häufige Verwendung des Ratstitels und etwa mit ihm zu verknüpfender
Emolumente seitens des Landesherrn zu dem blofs politischen Zwecke, sich die
Anhänglichkeit einflul'sreicher territorialadliger oder sonstiger Herren zu ge-
winnen*. Aus dem zweiten Moment folgte sehr leicht eine Abblassung der
Ratsfunktionen, welche erst dann für die wirklich funktionierenden Räte völlig
vermieden ward, als man sich entschlofs, den Ratstitel teilweis eben nur als
Titel zu verleihen und zwischen wirklichen und Titularräten zu unter-
scheiden^. Das erste Moment aber hinderte auf lange die Ausgestaltung eines
wirklichen Gehaltes und damit der notwendigsten materiellen Unterlage für
die volle Ausprägung des Amtsbegriflfes. Statt eines Gehaltes finden sich noch
lange gelegentliche Schenkungen oder Belehnungen im Sinne eines Entgeltes
für einzelne Leistungen^; erst später, und zuerst bei den wirklich voll am-
1) Vgl. Goerz, Regg. der Erzb. zu 1477 Okt. 9; 1478 Mai 8; 1485 April 11, Dez. 28;
1488 Sept. 3; 1489 Jan. 1, Nov. 17; 1492 Jan. 1, Nov. 17; 1492 Apr. 23; 1494 Dez. 10;
1497 Juli 17, Aug. 23; 1501 Dez. 25; 1502 Juni 4. Die grofse Zunahme mit etwa 1488 er-
klärt sich freilich daraus, dafs seitdem die Dienerbücher erhalten sind, s. dazu Bd. 2, 576
und 689, wo beidemale statt 1448 vielmehr 1488 zu lesen ist.
2) S. oben S. 1428 Note 3.
^) Sie sind auch in Kost des Herren, Bd. 3, 431, le, 1340.
*) S. CRM. 3, 307, 1344; Bd. 3 No. 198, 1358; Hontli. Hist. 2, 293, 1388; 297, 1395;
Bd. 8 No. 218, 1395; No. 259, 1477.
s) S. Arch. Clervaux 716, 1409; *0r. Koblenz St. A., Erzb. Trier Staatsarchiv, an
breitem Pergamentstreifen hängen Reste des ganz zerbrochenen Siegels mit Rücksiegel, 1374 Juni 7 :
Ludovicus dei gratia Francorum rex universis presentes litteras inspecturis salutem. Reguni
et principum omnium ea debet esse cura ferventior et precipua sollicitudo, ut eas in con-
siliis suis assument personas, quas et fama referente scientiaque et virtutimi meritis inci-
tantibus prestantiores esse noverunt, et maxime cum excellentiori generis nobilitate letantur
et ampliori dignitate ceteros antecellunt. notum igitur facimus, quod nos attendentes Airtuturn
et meritorum excellentiam prudentiam fidem et integritatem carissimi et dilectissimi consan-
guinei nostri lohannis archiepiscopi Treverensis sacri imperii principis electoris nobilissi-
mumque genus, a quo ipse et sua domus traxerunt originem, qui nobis et nostris etiam
proxima consanguinitate iunguntur, eundem consanguineum nostmm in consiliarium nostmm
retinuimus et retinemus per presentes et in aliorum consiliariorum nostrorum numero tenore
presentium aggregamus, volentes ut deinceps honoribus privilegiis libertatibus prerogativis
et aliis quibuscumque iuribus, quibus consiliarii nostri uti et gaudere consueverunt, utatur et
gaudeat.
6) S. Bd. 3, S. 490 Note 16, 1851; *UMünstermaifeld, Hs. Koblenz CXI^^ Bl. 35 ^
— 1431 — Die Landesverwaltung.]
tierenden, darum auch andauernd beschäftigten Räten tritt eine völlige und
sichere Gehaltszahhuig ein^
Indes diese Räte auf Grund von anfangs Dienstlehens-, später Anitsrevers
waren keineswegs die einzigen Mitglieder des sich l)ildenden Rates; neben
ihnen stand noch eine weitere Gruppe, die der Kapläne^. Wir können die
Bedeutung dieser Kapläne, deren sich auch in weltlichen Territorien stets
mindestens einer findet^, in älterer Zeit nur am Königshofe verfolgen. Hier
ist ihre Stellung deutlich und bekannt genug * : sie bilden das beamtenmäfsige,
an den verschiedensten Orten bepfründete Personal des Kanzlers; mit ihrer
Hilfe wird die Leitung der Verwaltungsgeschäfte im Reiche bewältigt. In
diesem Sinne entwickelte sich aber die Thätigkeit der Kapläne auch in den Terri-
torien ; auch hier stellen sie das Personal der Kanzlei für jegliche schriftliche Ge-
schäftsführung ^ ; so finden wir in Köln am Schlufs des 11. Jhs. mindestens 8^, in
Trier um die Wende des 12. und 13. Jhs. wohl 6 Kapläne'^ thätig. Die Zalü
steigt in Trier seitdem entsprechend der zunehmenden Ausdehnung der Geschäfte ;
um 1500 giebt es hier 19 amtierende Kapläne, Stellen sind wohl für höchstens
1348: Propst Elias macht Friedlich von Elz zu seinem Mann umb gunst dienst und sunder-
licher heimelicheit und gnade, die wir zu F. . . dragin und he umb uns zu mainchen stunden
wail verdienet halt. Volles Gehalt für die Hof- und Regierungsbeamten besteht in Österreich
und Bayern wohl schon in der 2 H. 14. Jhs., am Kaiserhof erst unter Sigismund; Seeliger
S. 78—79.
1) Vgl. z. B. Bd. 3 No. 271, 1497; auch G. Trev. c. 292, 1540. Den vollen Amts-
begriff setzt auch voraus CRM. 4, 385, 1491, S. 707, Testament des Grafen von Sa)!!:
bidten wir Gerhard und Sebastian unser sone, das si unser rethe dienere und gesinde in
aller maissen bi sich wollen behalten in iren landen, als wir si gehait hain und bis noch
behalten, die ine anders doeglich sin. Im übriger ergiebt sich die volle Amtsqualität der
-wirklich funktionierenden Räte für schon viel frühere Zeit aus den später folgenden Bemer-
kungen über die einzelnen Ämter.
2) S. MR. ÜB. 2, 86, 1187 den Ausdruck capellani vel officiati.
^) Ein Capellanus am Jülicher Hof des 13. Jhs., s. Loersch, De ortu etc. S. 38. Vgl.
ferner Bd. 3, 41, s, 1264, und CRM. 3, 236, 1338: es urkundet Johan der schriber des
■edlen herren grefin Johannes von Spanheim.
"*) Vgl. beispielsweise G. ep. Leod. 2, 50 : als Wazo zum Bischof von Lüttich gewählt
wird, sind einige dagegen : ex capellanis potius episcopum constituendum, Wazonem nunquam
in curte regia desudasse, ut talem promereretur honorem. Cod. Udalr. 7, Jaflfe S. 28, 1007 :
Heinrich II. schickt duos ex suis capellanis nach Rom. Chron. Casin. 4, 108, MGSS. 7, 821,
1137; MGSS. 5, 237, ss, Lambert z. J. 1075; s. ferner Herim. Aug. Chron. 1047, MGSS. 5,
126; Ann. Rod. Ernst S. 13, um 1120: Conradus . . sacerdos, cum ministerialis regni esset et
Henrici imperatoris capellanus.
5) Zu den Anfängen s. Lac. ÜB. 1, 33, 67, 874: Ego Adiluuinus indignus diaconus ad
vicem Adilloldi presbiteri atque cancellarii subscripsi.
6) Lac. ÜB. 1, 138, 245, 1091; 183, 281, 1116.
^) Nach dem Testament des Erzbischofs Johann (f 1212), MR. ÜB. 2, 297, gab es
höchst wahrscheinlich einen Kanzler (den Dekan Jacob) und 6 Kapläne; der Hauskaplan des
Erzbischofs hatte wie in Köln den Titel Kapellar. Aus früherer Zeit s. fiir Trier noch MR.
ÜB. 1, 610, 1158.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1432 —
26 vorhanden ^ Dabei läfst sich wohl schon im 14. Jh., sicher gegen Schlufs
des 15. Jhs. die Beobachtung machen , dafs man zu Kaplänen gern juristisch
gebildete Geistliche nahm^: so treten im Laufe der Zeit die Kapläne den
Laienmitgliedern des Rates, welche meist aus dem Adel gewählt wurden, als
zumeist rechtsgelehrte Räte entgegen, und der ursprüngliche Gegensatz zwischen
Laien- und Klerikerräten wandelt sich in einen solchen zwischen adligen und
rechtsgelehrten Räten. Voll zum Ausdruck gelangt zeigt sich diese Wendung
im Etat der Trierer Zentral Verwaltung vom J. 1599; hier bestehen die Ge-
meinen Räte aus 15 adligen und 23 rechtsgelehrten Räten ^.
Die Stellung der Kapläne war schon im 14. Jh. keine geringe*; sie
wurden Herr tituliert^; unter ihnen stand eine Anzahl von Notaren,
Schreibern und Boten ^; sie konnten kleinere Summen ohne weiteres auf die
Zentralkasse anweisen^. Ihre Thätigkeit ging, abgesehen von den Geschäften
im Ratsplenum oder in Ratskommissionen, in der Führung der Kanzlei auf.
Diese Führung umfafste das Briefwesen, die Oberrevision der Rechnungen^,
und teilweis sogar das eigentliche Rechnungswesen^.
An der Spitze der Kapläne stand der Kanzler. Die Würde, wenn auch
nicht der Name, ist sehr alt, der älteste Trierer Kanzler ist der zum J. 707
1) Honth. Hist. 2, 530, 1500: Verzeichnis der amtierenden Capellani domini. Es sind
bepfründet im Domkapitel 2, in SSimeon 1 , in SPaulin 1 , in Pfalzel 1 , in Killburg 1 , in
Karden 2, in Münstermaifeld 1, in SFlorin-Koblenz 2, in SCastor-Koblenz 2, in Limburg 1,
in Wetzlar 1, in Dietkirchen 1, in Gmünden 1, in SGoar 1, in Weilburg 1; frei sind SMartin-
Oberwesel, SMaria - Oberwesel , Ivois, Itgenstein, Boppard, Dietz, Prüm. Es waren also
19 Kapläne vorhanden; besetzt werden konnten vermutlich 26 Stellen. S. auch Honth. Hist.
2, 625, 1531; und vgl. auch oben S. 974 Note 4.
-) Erzbischof Balduin hatte gern Legisten und Kanonisten in seiner Umgebung, Honth.
flist. 2, S. 8 : dieselben können nur als Kapläne angestellt gewesen sein. Unter den Kaplänen
bei Honth. Hist. 2, 530, 1500 ist aber u. a. auch Richard Graeman genannt, s. zu ihm Bd. 3,
301, 15.
3) S. Honth. Hist. 3, 194 f.
^) Für noch frühere Zeit s. V. Herib. Colon, c. 9, MGSS. 4, 747.
^) Vgl. auch *Cod. Himmerod. Bl. 63 a, 14. Jh. 2 H.: Supplicatio cuiusdam domini Tre-
verensis, ut ipsum dominum informet, ne patiatur nos compelli contra ius per creditores
fratris H. de Nüssia ad Solutionen! suorum debitorum. Anrede: venerande magister et do-
mine precarissime. Es kann mit dieser Anrede nur ein Kaplan gemeint sein.
®) Darüber später S. 1441.
'') Bd. 3, 433, 31, 1.340: der Kaplan Werner weist dreimal kleinere Summen zur Aus-
zahlung aus der Zentralkasse an.
^) S. dazu unten S. 1443 und S. 1477. Wegen dieser Revisionspflicht können einzelne
Kapläne auch den Finanzbeamten bei grofsen Geschäften zur Kontrolle beigegeben werden, s.
Bd. 3, 428, 15, 1339: recepit dominus Wernherus [ein Trierer Kaplan] in uno sacco Anglie in
Colonia pro expensis 75 clipeos valent 100 fl. [4400 M.]. Das englische Geld nimmt der
Kaplan in Köln in Begleitung des jüdischen Buchhalters lacobus des Jacob Daniels in
Empfang; S. 430, 3, 1.339. S. auch noch S. 430, 24, 1339; 435, 29, 1341.
^) Bd. 3, 436, 25, 1341 : ein Kaplan führt über einen Teil der geistlichen Permutationen
Rechnung (computat) neben dem Siegler des Officialats.
1433 I^ie Landesverwaltimg.]
bejilaubiiite Priester und Weihbischof Huneio^ In späterer Zeit entschwindet
dann die Kanzlerliste teihveis unserer Kenntnis; der erste Kanzler, welcher
mit einem Kaplan zusannnen genannt Avird, ist wohl ein Domkustos des
Jalires 1158^ Mehr hervor tritt aber die Würde erst in den Quellen des
i4. Jhs.^. Hier erscheint neben unbedeutenderen Namen der Koblenzer Stifts-
herr Wicker von Birizel als Kanzler; er führt u. a. im J. 1339 die Subsidien-
verhandlunizen mit P^ngland und spielt im J. 1344 auf dem Reichstaii' zu Frank-
furt eine Rolle. Zugleich mehren sich die Geschäfte des Kanzlers um diese
Zeit so, dafs aus seinem Amte unter p]rzbischof Balduin ein besonderes Ge-
heimsekretariat zur persönlichen Disposition des Erzbischofs dauernd abgezweigt
erscheint *.
Um eben diese Zeit, speziell für das Jahr 1350, übersehen wir die
laufende Amtsthätigkeit des Kanzlers genauer an der Hand des Bd. 3 No. 296
gedruckten Fragments eines Kanzleijournals % welches behufs Aufnahme der
Siegeleinnahmen und Botenkosten geführt wurde. Kanzler ist um diese Zeit
Gerhard, bepfründet mit der Kantorei des Stiftes SPaulin-Trier; von ihm ist
^) MR. ÜB. 1, 7a, 707 (nach verb. Pariser Abs.): Ego Warembertus presbiter iubente
domino meo Leodoiiio archiepiscopo et ex permissu seniore meo Huncione presbitero et ad-
manuense hanc donationem perscripsi et ipse manu propria subtus roboravi. Huncio unter-
schreibt als presbiter et admanuensis.
2) MR. ÜB. 1, 610, 1158.
•^) Trierer Kanzler des 14. Jhs. kennt Honth. Hist. 2, S. 12, nur zwei, den Magister
Konrad z. J. 1313, und Wicker z. J. 1344. Der letztere wird auch als Protonotar bezeichnet.
Über seine Thätigkeit auf dem Frankfurter Reichstag s. Honth. a. a. 0. Er ist wohl schon
identisch mit dem Honth. Hist. 2, 139, 1339 genannten Witel von Birgel, welcher die Trierer
Subsidienverhandiungen mit England nebst anderen Trierer Räten führt, und mit dem Bd. 3,
431, 21, 1340 — 41, zum Kaiser reitenden Magister Wicker, welcher wiederum vermutlich
identisch ist mit dem bei Goerz, Regg. d. Erzh. S. 83, zum 8. Sept. 1340 erwähnten Stifts-
herm von SCastor-Koblenz Wiker von Birgel, den Erzbischof Balduin von der persönlichen
Residenz in Koblenz dispensiert sehen will, da er um seine Person beschäftigt sei. Wiker
wird in Diensten des Erzbischofs noch erwähnt 1344 — 45, s. Bd. 3, 459, 12 ff., 461, 25, 35.
Aufser den genannten beiden Kanzlern kommen aber für die erste Hälfte des 14. Jhs. noch
in Betracht der SPauliner Sänger Gerhard, s. oben im Text S. 1433—1434, und vielleicht auch
der Bd. 3, 427, le, 1338 genannte magister Rudo/^j/Mts nunc . . ofiiciatus.
*) G. Trev. c. 229: zu Balduins Zeit besteht ein seriatus [1. secretus] camerarius,
Kabinetsekretär des Erzbischofs, er ist immer bei ihm. S. ferner Bd. 3, 223, is, c. 1350,
eine sehr interessante Urkunde; Honth. Hist. 2, 248—249, 1368: Herbord de Hexheim von
Erzbischof Kuno secretarius noster, auch consiliarius noster genannt. Völlig klar wird die
Stellung des Geheimsekretärs durch Bd. 3 No. 279, 1502. Im 16. Jh. war eine Zeit lang
der Dr. iur. Wilhelm Kyriander Sekretär und Registrator der Kanzlei, der spätere Trierer
Stadtsyndikus und Verfasser der Annales civitatis Augustae Trevirorimi; s. Honth. Hist. 2, 555.
'') So ist die a. a. 0. gedr. Urkunde genauer zu bezeichnen. Es gab für Ausfertigung
von Trierer Urkunden drei grofse Siegel, vgl. G. Trev. c. 272, 1398, wo von den sigilla can-
cellarie archiepiscopalis und curiarum nostrarum Trevirensis vel Confluentine die Rede ist.
Zur Vei-waltung des Trierer Officialatssiegels gehört die Urkunde Bd. 3 No. 292 ; unsere Ur-
kunde Bd. 3 No. 296 bezieht sich aui-das Kanzleisiegel.
Laraprecht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 91
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1434 —
speziell ein Kaplan, Johannes, mit der Führung der Registratur und Bureau-
rechnung beauftragt ^ ; ein Auftrag, welcher diese und jene eigene Registrierung
des Kanzlers nicht ausschliefst^. Neben dem Registrator Johannes lernen wir
auch noch einen anderen besonders l)eschäftigten Kaplan der Kanzlei kennen,
den Johannes Galliens, welchem die Expedition in französischer Sprache unter-
steht^. Die Thätigkeit des Kanzlers selbst bestand nun darin, die Relation
zu übernehmen, d. h. die ihm vom Erzbischof gewordenen Aufträge wo-
möglich in der Form des Diktates in kanzleimäfsige Sprache und Form zu
bringen und für deren Ausführung zu haften*, bezw. auf sie einlaufende Ant-
worten zur Einsicht des Erzbischofs zu bearbeiten. Nur selten übernahm ein
Kaplan bei einzelnen Sachen stellvertretend für den Kanzler diese Arbeit; wo
es geschah, wurde der Registratur ein entsprechender Vermerk einverleibt^.
Aus der Zeit nach dem J. 1350 bis zum Schlufs des 15. Jhs. wissen wir
nichts Eingehenderes über die Thätigkeit der Trierer Kanzler, wenn wir auch
deren Namen kennen lernen. Es scheinen indes gröfsere Veränderungen nicht
vor sich gegangen zu sein. Eine um so stärkere bereitete sich vor. Im 14. Jh.
und meist auch im 15. Jh. waren die Kanzler einfache geistliche und im
wesentlichen technische Beamte gewesen®. Jetzt, im 16. Jh., waren sie zu-
meist juristische Doktoren, dazu teilweis Angehörige der erzstiftischen Ritter-
schaft, unter ihnen Leute wie Ludolf von Enschringen^ und Johann Wim-
^) Bd. 3, 480, 10. In früherer Zeit erscheint in dieser Stellung ein Kaplan Ditmar, vgl.
Bd. 3, 423, 15, 1337: Jacob Daniels zahlt domino Ditmaro pro pretio nuntioruni 14 s. gr.
antiqu. 12 maii 38.
2) Bd. 3, 482, 16. Für Kapläne und Schreiber figurieren übrigens besondere Kanzlei-
Einnahmen (wohl Taxen), s. 480, le; 485, is; 486, 15; 488, 12.
^) Bd. 3, 489, 15: Brief nach Bastogne (offenbar französisch) ad dictum domini lohannis
Oallici, qui litteras scripsit; vgl. auch S. 488, u f.
*) Zum Sinne von referre vgl. Hs. Trierer Stadtbibl. 29, bei Wyttenbach u. Müller 2,
S. 328 Note c, cit. unten S. 1441 Note 2.
^) Bd. 3 No. 296 , 1350 , S. 484 , 7 : der Erzbischof trifft eine Mafsregel ad preces do-
mini Gerlaci Moguntini [es ist der Erzbischof von Mainz], ad relationem magistri Jiodiilfi,
qui de hoc respondebit. Schon vorher erfolgt S. 483, 4 eine Amtsverleihung per magistrum
HoAulfum, und später S. 486, 11, 24 die Verleihung von Judenhäusern per magistrum Rodul-
fum. Es ist wohl der S. 487, 3 genannte magister Uodulfus de Frideberg, der Ansprüche
auf die AYetzlarer Propstei machte. Ähnlich findet sich a. a. 0. S. 485, 1 eine Zollbefreiung
ad litteram domini Henrici Epternacensis, qui litteram [die Zollbefreiung] expedivit. Heinrich
war wohl Kaplan, s. Bd. 3 Namenreg. u. d. W. Henricus dominus Epternacensis. Schliefslich
vgl. noch a. a. 0. S. 487, is: Interdiktsnachlafs sub sigillo secreto in pendenti, ad mandatum
domini, et ad relationem dominoram Theoderici et Wernheri. Werner ist ein sehr bekannter
Kaplan, s. Namensregister u. d. W. Wfernherus de Casle; Dietrich ist wohl auch Kaplan und
vermutlich identisch mit dem 483, 15, 491 n, genannten Th. und den 486, 15 genannten Th.
de Didishem.
6) S. Ilonth. Ilist. 2, 332.
"•) Hs. Trierer Stadtbibl. 1346: habuit Joannes [archiepiscopus] cancellarium Ludolfum
ab Enscringen . . omnis antiquitatis cultorem ac solertissimum indagatorem, philosophum
— 1435 — I^ie Landesverwaltung.]
pheling^ Mit dieser Änderung der personalen Rekrutierung nahm das Kanzler-
amt schon im 16. Jh. einen entschiedenen Anlauf dazu, erstes Landesamt zu
werden. Dies Ziel ward dann in der Folgezeit erreicht; die Kanzler des 17.
und 18. Jhs. sind zweifelsoline die ersten Minister des Landes^.
Wenn aber nun so aus der geistlichen Hälfte des Rates schon im Ver-
laufe des 15. Jhs. das erste Amt des Landes zu erwachsen drohte: wie stellten
sich hierzu die Laienräte des Rates? Ordneten sie sich dem althergebrachten
Kanzleramt unter? Versuchten sie eine Sonderbildung durch Aufstellung eines
eigenen Vorstandes ihrer Ratshälfte?
Es ist hn hohen Grade bemerkenswert, dafs die aufstrebende Terri-
torialverwaltung des 13. bis 15. Jhs. einen Versuch im letzteren Sinne unter-
stützte ; und es beweist für den grofsen Umfang der dieser Verwaltung seitens
der Laien gewidmeten Kräfte, dafs dieser Versuch zunächst völlig gelang. Er
gewann Leben im Hofmeisteramt ^.
Das Hofmeisteramt in der Bedeutung des Wortes im späteren Mittelalter
ist im Erzstift Trier vollständig spontan^ im Laufe der ersten Hälfte des
14. Jhs. entstanden, wenn es auch in dem Amte des Viztums, Prokurators
oder Ökonomus in der ersten Hälfte des Mittelalters einen Vorläufer besafs.
Das letztere Amt war ursprünglich ein geistliches^, wurde aber im Trierschen
spätestens während des 11. Jhs. weltlich und lief nunmehr ziemlich formlos
auf die oberste Verwaltung der Grundherrschaft und des Landes hinaus. Bis-
weilen mit der Vogtei zusammenfallend geriet es doch schliefslich in rein
ministerialische Hände, und wurde nun in der ersten Hälfte des 12. Jhs. zu
energischer Bevormundung der Erzbischöfe ausgebeutet^. Die damit verbun-
summum, sagacissimum iuris interpretem. *Stat. fakult. iuridicae univ. Trevirensis (Trierer
Stadtbibl. No. 1188): Ludolphus de Enschringen, artium magister Erfordiensis, decretorum
Eomanus, legum vero Fen-ariensis doctor et primus in studio Trevirum iuris civilis lector
Ordinarius primusque ab universitate deputatus rector parochus ecclesie in Epternaco, decanus
ecclesie sancti Paulini.
1) J. Wimplieling war Rat unter 8, Kanzler unter 2 Erzbischöfen, s. Hontb. Hist. 2, 554.
2) S. Honth. Hist. 8, 217 f.
3) Zur Entwicklung des Hoftneisteramtes im allgemeinen s. neuerdings G. Seeliger,
Das Hofmeisteramt im späteren Mittelalter, Innsbruck 1885 ; dazu die Rezension von Wenck,
DLZ. 1885, 1273, sowie Lampreclit in Conrads Jahrbb. N. F. Bd. 12.
*) S. Seeliger a. a. 0. S. 10.
5) S. zu ihm schon oben S. 824; Honth. Hist. 1, 341, 468 f.; Waitz, Vfg. 7, 312 f.
Zum Titel prociu-ator s. noch Bd. 3 Wortr. u. d. W., auch MR. ÜB. 3, 820—821, c. 1245.
Zum Ursprung s. Uhlhom 1, 408 Note 53; zum geistlichen Charakter V. Herib. Col. c. 9,
MGSS. 4, 747.
6) S. ZU dieser Entwicklung aufser MR. ÜB. 1, 818, 1042 als wichtigste Stelle früher
Zeit MR. ÜB. 1, 361, 1065, Erzbischof Eberhard tauscht mit Nopelo in der Gegend der
Lieser (bei Wittlich): et precepto nostro accepit idem Nopelo per manum adyocati Gerunc
vice Teodorici comitis et procuratoris nostri . . agram. Dafiir giebt er andere Äcker : quo . .
91*
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1436 —
dene aufserordentliche Ausweitung der Amtsfunktionen, namentlich durch den
Viztum Ludwig, scheint aber spätere Erzbischöfe zur Beschränkung, ja völliger-
Vernichtung des Amtes veranlafst zu haben. Jedenfalls hat das spätere Hof-
meisteramt mit der Entwicklung des Viztumamtes nichts zu thun; es knüpfte
vielmehr an die einfachen Funktionen eines Hofhaltsinspektors an, wie eine
direkte Nachricht aus dem Anfang des 13. Jhs. für Köln^ und deutliche spä-
tere Spuren auch noch für Trier ^ beweisen. In welcher Weise sich der Auf-
schwung von diesem Ausgangspunkt zu der Höhe der Mitte des 14. Jhs. voll-
zogen hat, bleibt völlig dunkel.
In Trier ist der erste und einzige Mann, weichen wir in seiner Thätigkeit
als Hofmeister genau verfolgen können — wenn er auch nirgends direkt so
genannt wird — Herr Peter Sarrasin von Echternach^. Er ist um die Mitte
des 14. Jhs. der Vorsitzende des weltlichen Teiles der Räte und hat zu ihnen,
eine analoge Stellung, wie der Kanzler zu den Kaplänen; namentlich ver-
mittelt er wie dieser im allgemeinen den Verkehr zwischen dem Gros der
Räte und dem Landesherrn ^. Dabei steht er zugleich in einem wenn auch
supranominatis advocato nostro et procuratori in domo nostra apud Altreiam idem Nopelo
publice et legaliter tradidit. Unter den Zeugen nur Gerunc. Gerune kommt sonst nicht
wieder vor; er ist offenbar Lokalvogt, vermutlich Fronhofsvogt von Altrich. Dagegen ist
Graf Dietrich der Hauptvogt; als solcher kommt er MR. ÜB. 1, 337, 1052 in der Zeugen-
reihe vor. Dafs er identisch mit dem zum J. 1066 von Lambert vicedominus, von Sigebert
comes Trevirorum genannten Dietrich ist, weist Honth. Hist. 1, 407 Note a nach. Im J. 1075
dagegen erscheinen Vicedominat und Vogtei getrennt, s. ME. ÜB. 1, 375, 1075. Hier ist
Hauptvogt des Erzbischofs Udo ein Graf Beinbald, Viztum dagegen Adalbert, allem Anschein
nach ein Ministerial. So bleibt es auch im 12. Jh., wo wir besonders den Viztum Ludwig
genauer kennen lernen; s. die Zusammenstellung der Quellen bei Honth. Hist. 1, 468. Er
wird burgravius, custos Palatii, primor Trevirorum genannt, dicebat se in beneficio tenere
Palatium, atque omnes reditus episcopales in illud deferendos, et quod ipse pascere deberet
episcopum cum suis capellanis, et caetera omnia ad episcopatum pertinentia de suo esse
beneficio . . , sui . . iuris . . esse terram regere omniaque in episcopatu disponere et militiam
tenere . ., cumque vinum et annona . . et caetera ad victum (archiepiscopi) pertinentia
secundum antiquam consuetudinem ad Palatium deferrentur, predictus L. omnia includens
. . (archiepiscopo) per singulos dies distribuebat. Er hat einen procurator Palatii unter
sich. Diesem procurator Palatii begegnen wir auch später wiederholt unter dem Namen
magister Palatii, Palasmeister ; er ist später der eigentliche Haushofmeister anderer Terri-
torien und darf mit dem Regierungshofmeister nicht verwechselt werden; MR. ÜB. 2, 286,.
1212; Bald. Kesselst. S. 431, 1351, cit. oben S. 1129 Note 1; *U. SElisab. Hosp. Bl. 56 b
15. Jh.: Johannes dictus palasmeister.
1) Ennen, Qu. 2, 34, 29, 1205—1208.
-) Bald. Kesselst. S. 431, 1351, cit. oben S. 1129 Note 1. — In Luxemburg entsprach
dem deutschen Hofmeister der Seneschall, s. Bd. 3 Wortr. u. d. W. sceneschaut, auch Seeliger
S. 16 Note 2.
^) Zu seiner Persönlichkeit s. Bd. 3, S. 490 Note 16.
*) S. oben S. 1421 f., und Bd. 3, 490, 22, 1350 Apr. 24: ein Bote nach Echternach ge-
sandt, ut P. Sarrasin statim veniat ad dominum ad deliberandum super negotiis agendis per
KicoJaiim de Gimenich Colonie et Boemie; s. dazu Bd. 3, 491, 4, 1350 Apr. 25: iterata vice.
— 1437 — I)ie LandesverwaltLing.]
])eschräiikteii und unter Kenntnis des Kanzlers verlaufenden direkten Verkehr
mit der Kanzlei , speziell für selbständige Anordnung von Briefexpedition ^ ;
•eben hierin zeigt sich die erste Spur einer Erhebung ül)er den zunächst eben-
bürtigen Kanzler zum ersten Rate des Landesherrn. Leider erlaubt nun unser
Quellenmaterial nicht, das weitere Vorgehen der Hofmeister gegen die Kanzler
-zu verfolgen; aus den dürftigen Nachrichten ergiebt sich nur, dafs der Hof-
meister um die Mitte des 15. Jhs. noch mindestens die Position Sarrasins völlig
innehatte^; und aus den Notizen vom Schlufs des 15. und Beginn des IG. Jhs.
folgt, dafs damals der Hofmeister vor dem Kanzler rangierte^. Dann aber
erfolgt der schon oben angedeutete Verfall des Amtes; binnen wenigen Gene-
rationen überholt der Kanzler den Hofmeister völlig und wird zum ersten
ut P. Sarrasin veniat ad expediendum Kicolaum de Gimenich, et quod faciat festiiiare nobiles
'{unlesbares Wort ; etwa zu ergänzen : amicos] debentes venire ad dominum, ut idem IsicoJaus
ante recessum audiat singulos tractatus.
1) Bd. 3, 488, 14 f., 1350, Ernennung von Meiern im heutigen belgischen Luxemburg :
dedit litteras P. Sarrasin scientibus [so zu lesen] dominis . . cantore et lohanne Gallico ; qui
P. respondebit de pecunia. Bd. 3, 491, s, 1350: ein Bote geht nach Hillesheim an zwei
Adlige cum litteris P. Sarrasin et ad eins iussum pro caballo domino mittendo. Expediert
durch die Kanzlei.
2) S. Bd. 3, 276, 26, 1452.
3) S. Bd. 3, 299,25, 1496; Honth. Hist. 2, 621, 1529; s. auch noch die Bestallung
Bd. 3 No. 277, 1501, und dazu Honth. Hist. 2, 686—7, 1542 : Peter von Daun wird zum Hof-
meister, Rat und Diener ernannt ; er soll wesentlich an unserm hof sein . . , sich auch mit
Schickung in- und ußerhalb unsers Stifts, dahin wir sein von nöthen haben werden, brauchen
laßen. Er erhält jährlich durch unsern renth- oder khamermeister 100 goldgl., durch unsern
hoefschneider zwei unsere ein sommer- und ein wintherhoeftuch, wie andern unsern hoef-
rethen. Hierzu vgl. das auch sonst lehrreiche *Verzeichnis der Personen, so teglichs zu hoif
sin, aus dem Dienerbuch des Koblenzer St. A., ca. 1500: Unser g. h. von Trier; unser g. h.
coadiutor; min g. h. von Wirnenburch, 8 pers., 8 pert; Junker Gerlach von Isenburgh, 6 pers.,
6 pert; Junker Henrich von Permont 6 pers., 5 pert [erhielt 1486 das Amt Kobern, Bd. 3
No. 263] ; der hoifmeister, vier pers., 4 pert [war 1486 Hermann Boos von Waldeck, Bd. 3,
294, 12 ; seit 1501 Paul Boos von Waldeck, Bd. 3, 305, is f.] ; Junker Frederich Zandt, 3 pers.,
3 pert; Casper von Develich [war 1502 Küchenmeister imd Rat, Bd. 3, 306, lo]; mins gn. h.
artz, zwoe pers., 1 pert; Thobuisch der aide, zwoe pers., 1 pert; Thobuisch der junge ; herre
Johan capellain; Philips Baiss, zwoe pers., 2 pert; herre Jacob organist ; Schere Hentberg [?] ;
Eckart snider; Dederich; Daune; zweine edelknaben; Hanz smit marsteller; Rentmeister
und sin knecht; der aide Bartholdus; Gorge; Petrus; Huprich; Nicolaus; Bartholdus der
junghe; Mathias; Ailbricht; Henselen; der Wael; Hanz Hesse; Hanz Boitzbach; ein becker
und sin knecht. — Kuchenschriber ; meister Mertin; Lucas sin knecht; Dederich von Seine;
Paltzge Hentgin; Cleisgin und 2 kuchenknaben ; ein prantknecht; ein metzeler und sin knecht;
ein almoser; ein hauwebender; ein portener. — Nuwer; Bernhart rechener; Bernhart von
Witlich; Grimburch; Steinenbach; Gressenich; Burenfrunt; This smit; Ternus von Witlich;
Colbe; Haiswin; Foiss trompter; Huprich Rutterbloth; Reinhart von Baden. — Herman;
Adam; Ulricht; Hentgin vombe Nuwerburg; Swiger; Berenhanz [die letzteren sechs als Boten
bezeichnet]. — Sehs jeger; ein wiltschutze. — Im ganzen 100 Personen, von denen 11 zur
Küche gehören, 7 Jäger, 6 Boten waren; dazu 30 Pferde ausschliefslich des kurfürstlichen
Marstalls.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1438 —
Minister des Landes. So spärlich indes diese quellenmäfsigen Notizen sind^
so wenig braucht man über die allgemeinen Gründe für den Verfall des Hof-
nieisteramtes im Zweifel zu sein: die Zeit einer auf blofse persönliche Er-
fahrung begründeten Laienverwaltung, wie sie mindestens bis tief ins 15. Jh.
hinein gedauert hatte, war mit dem 16. Jh. vorüber; ihr mufste jetzt eine
Regierung gelehrter Verwaltungsbeamter folgen, deren neue Existenz allerdings,
kaum deutlicher als durch den Sieg des Kanzlers über den Hofmeister gekenn-
zeichnet werden konnte.
Indes kehren wir zum Rate des 14. und 15. Jhs. in seiner zwiespältigen
Zusammensetzung aus Laienräten und Kaplänen zurück: wie verteilten sich
in ihm die Geschäfte?
Seinen bezeichnendsten Ausdruck findet die Geschäftsverwaltung dieses Rates
im Kommissionswesen ^ Die Geschäfte des Landesherrn wuchsen mit der stets
weiter erstarkenden Territorialbildung von Tag zu Tag, und mit ihrer Zunahme
war ein stets erneuter Wechsel der einzelnen Geschäftsbeziehungen untereinander
verbunden: wie hätte man da feste Ämter kreieren sollen? Nur für die tech-
nischen Geschäfte, welche absolut einheitlich betrieben werden mufsten, die
Kriegsverwaltung, die Finanzen, das Schreibwesen , später auch die oberste
Rechtssprechung, bildete man besondere Ämter aus, im übrigen überwies man
alle administrativen Sorgen an besondere Kommissionen mit aus Laienräten
und Kaplänen gemischter Besetzung. So gab es schiedsrichterliche Kom-
missionen", Kommissionen zur Prüfung von Rechnungslagen ^ und von Grenz-
streitigkeiten*, zur Hörung von Weistümern'^ und zur Urbaraufnahme ^ , zur
Abschätzung von Kriegsschäden ^ und zum Erlafs von Lokal Verordnungen ^,,
sogar die politischen Verhandlungen wurden durch Kommissionen geführt^.
^) Zum verwandten Charakter früherer Verwaltungen s. schon oben S. 825, 830, 843.
Durch denselben wurde die oben besprochene erste Form landesherrlicher Zentralverwaltung
aufs beste vorbereitet.
2) S. schon oben S. 1325, speziell Note 9, sowie Bd. 3 No. 137, 1336; No. 146 § 3,
1340.
3) S. z. B. Bd. 3, S. 464 Note 1, 1338; *Mayener Kellnereirechnung vom J. 1345„
Koblenz St. A.
*) Bd. 3 No. 163, 1344; *Arch. Maximin. 4, 650, 1377.
'') Bd. 3 No. 261, 1479.
«) ULuxemburg S. 370, i5.
'') Bd. 3 No. 244 § 6, 1464.
8) Mones Zs. Bd. 1, 434, 1483; Honth. Bist. 2, 621, 15-39.
^) S. Honth. Hist. 2, 139, 1339: die Subsidienverhandlungen mit England führen ex
parte domini archiepiscopi die milites Johann von Braunshorn und Paul von Eich [so zu lesen],
der armiger und magister coquine Tilman von Rodemacher, und die magistri clerici domini
archiepiscopi Witel [1. Wiker, s. oben S. 1433 Note 3] von Birgel, Budolf dictus Lasse und
Dietrich Hacke. Ferdinand S. 79—80, 1363 : Erzbischof Kuno benutzt zu Verhandlungen mit
Köln den Wilhelm grafe zu Wiede, Conrad probst zu sencte Mauritien zu Mentze, Herburd
von Hexschem und meister Thomas, unsir hemelichen. — Einzelverhandlungen sind gegenüber
bolchen Kommibsionsverhandlungen selten, s. Bd. 3 No. 278, 1502.
— 1439 — I^ie Landesvei waltung.]
Dabei ist nicht zu leiijinen, dais die Zentralverwaltuiig durch diese Behandlung
eine groi'se Beweglichkeit erhielt, ähnlich wie die Stadtverwaltung durch die
Ausbildung ihrer geschickten Freunde in gleicher Zeit. Schon rein äufserlich :
alle Räte waren beritten und entschieden oder informierten sich wenigstens an
Ort und Stellet Aber auch der Sache selbst nach: diese Verwaltung konnte
jedem an sie herantretenden Bedürfnis rasch durch neue Organisationen
gerecht werden. Dabei war der Verkehr mit dem Landesherrn ein sehr ein-
facher; jede Kommission hatte einen Vorsitzenden, nur dieser berichtete an
den Fürsten^.
Auf der andern Seite läfst sich nicht verkennen, dafs bei einem solchen
Geschäftsbetrieb eine feste Verbindung mit der Lokalverwaltung nur sehr
schwer herzustellen war. In der That liegt hier der gröfste Fehler der
Organisation. Kontrolle wie Befehlsausgabe an Amtleute und Kellner blieben
mangelhaft; sie behielten etwas Willkürliches und waren an keine feste
Instanz gebunden^; sie geschahen sozusagen nur ruckweise; am besten kam
man noch aus, wenn man die Lokalbeamten zeitweilig an die Zentralstelle
zitierte*, wie man umgekehrt die Räte stets in das Land schickte. Eine
andere Konsequenz des Systems begann sich erst gegen Schlufs des Mittelalters
zu zeigen: da sämtliche Kommissariate ihre Einheit nur im Landesherrn bezw.
dessen Hofmeister und Kanzler fanden, so wuchs an diesen Stellen mit Zu-
nahme der Intensität der Verwaltung die Geschäftslast derartig, dafs sie nicht
mehr zu bewältigen war. Gegen diese Kalamität gab es nur das radikale
Mittel der Delegation bestimmter Geschäfte an bestimmte Ressorts. Aber wie
schwer mufste sich der Landesherr darein fügen, dasselbe anzuwenden. Bisher
hatte er alles selbständig erledigt; eine Delegation kam einer Beschränkung
des souveränen Verfügungsrechtes gleich. Und so begreift es sich, dafs man
sich wenigstens in Trier zu einer Übergabe bestimmter Geschäftssachen an
gewisse Ressorts behufs selbständiger Erledigung vor dem 16. Jh. noch nicht
entschlofs ^.
Dagegen drängte die zunehmende Geschäftslast wie die Ausbildung der
Jurisdiktionshoheit doch schon um die Mitte des 15. Jlis. zur Ergänzung der
alten technischen Zentralstellen für Schreibwesen, Krieg und Finanzen um eine
neue, das im J. 1458 geschaffene, aus Räten des gemeinen Rates zusammen-
1) S. z. B. WManderscheid 1506, G. 2, 603, cit. oben S. 1026 Note 3.
2) S. Bd. 3 No. 137, 1336.
^) So stehen z. B. die Kellner nach der Trierer Ordnimg von 1509 noch im allge-
meinen in direktem Verkehr mit den Landesherrn, doch nach § 22 mit dem Herren aeder
wer das befeie haed; ähnlich § 23.
*) S. Bd. 3 No. 243, 1462; Speierer Amtsordnung von 1470 § 6.
^) Bei grofsen Verwaltungen, so im Reich, mufste die Entscheidung natürlich früher
getroffen werden. Zu den Stadien ihrer Entwicklung s. Seeliger S. 96. Für Trier vgl. auch
noch Honth. Hist. 2, 355, 1417; Cod. Salm. 372, 1508.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1440 —
gesetzte Hofgericht. Aber gerade hier zeigt sich recht deutlich, wie schwer
es war, die 6h\e bisher Grofses wie Kleines gleich umfassende Zentralstelle von
Fürst und Kat zur Anerkennung des Ressortgedankens, sogar unter Vorbehalt
des obersten landesherrlichen Entscheides, zu vermögen. Ol) wohl das Hof-
gericht schon über 10 Jahre bestand, finden wir doch noch im J. 1469 eine
schiedsrichterliche Kommission des Rates thätig^, und noch im J. 1490 funk-
tioniert sogar der ganze Rat mit dem Landesherrn an der Spitze in diesem
Sinne ^.
Dieser Widerwillen der Zentralstelle gegen jedes Ressortwesen verleiht
einer Betrachtung der wirklich schon seit alter Zeit abgezweigten technischen
Verwaltungen erhöhtes Interesse. Es handelt sich da um Marschallamt, Kanzlei
und Finanzverwaltung. Von dem ersten ist freilich beim Stande unserer Quellen
nicht viel zu sagen; eine Erörterung der Geschichte der Kanzlei weiterhin
liegt unserer Aufgabe fem, soweit sie diplomatische Untersuchungen benötigt;
so wird denn die Darstellung der Finanzverwaltung für uns von besonderer
Bedeutung sein.
Wie oben ausgeführt, war das alte ministerialische Marschallamt vielleicht
bereits in der zweiten Hälfte des 12. Jhs., sicher im 13. Jh. erblich geworden^;
ein pfalzgTäf lieber Marschall Zumo, welcher im J. 1248 erscheint, war wohl
schon in Lehnsdienstweise angestellt*. Seit der ersten Hälfte des 14. Jhs.
finden wir ferner am Trierer Hofe nahezu ständig und in Amtsweise einen
Marschall thätig, welcher anfangs die Funktionen des Kriegsministers und des
Heerführers in sich vereint^. Seit etw^a Mitte des 14. Jhs. treten dann aber
neben ihm Kriegshauptleute, capitanei, auf ^, deren Stellung zum Marschallamt
nicht recht klar wird; zu vermuten ist, dafs sie den Marschall als Heerführer
wenigstens teilweis ersetzten. Als Kriegsverwaltungsbeamter aber bot der
Marschall die Kriegsverpflichteten nach wie vor zum Heerzuge direkt oder
durch Rottmeister als Unterorgane auf^, wie er denn auch die Soldverhältnisse
der Truppe regelte^ und die besonderen Entschädigungen für Kriegsverluste
1) Bd. 3 Nö. 249, 1469.
2) Bd. 3 No. 265, 1490. Eine gi^öfsere Stütze erhielt die Ausscheidung des Hofgerichts
durch die Berufung wirklich rechtsgelehrter Räte, s. Bd. 3 No. 271, 1497, auch Honth. Hist.
2, 555. Später ist dann das Hofgericht völlig vom Rat getrennt, nach dem Etat von 1599
(Honth. Hist. 3, 194 f.) besteht es aus einem Direktor, 6 Assessoren, 2 Sekretarien. Minde-
stens der Direktor ist zugleich Mitglied der Gemeinen Räte.
3) S. oben S. 1427, auch S. 1296.
*) S. MR. ÜB. 3, 959, 1248.
•^) S. Bd. 3, 417, 5, 1334: Ausgaben in Wittlich pro marschalco [Gerardo] domini equi-
tanti cum alia familia domini versus Elze, pemoctanti in Witlich. Ähnlich S. 417, 34, 1335.
S. auch Bd. 3 Wortr. u. d. W. marschalcus.
6) S. Honth. Hist. 2, 201, 1357, cit. oben S. 1299 Note 2; Honth. Hist. 2, 746, 1376,
cit. oben S. 1270 Note 1 ; Honth. Hist. 2, 466, 1480, cit. oben S. 1292 Note 3 (auf S. 1293).
'') S. Bd. 3, 294, 24, 1495.
^) Bd. 3, 425, 19, 1138: Anweisung von Kriegssold durch Jakob Daniels de iussu
Gerardi marschalci.
— 1441 — Die Landesverwaltung.]
der Lehnsverpflichteten entweder allein oder als Vorsitzender einer Rats-
kommission feststelltet
Mehr wie liber das Marschallamt ist über die Kanzlei zu sagen. Ab-
gesehen von Kanzler und Kaplänen gab es hier ein zahlreiches Unterpersonal :
Notare '^ Schreiber^, welchen Kanzler und Kapläne diktierten*, endlich Boten
für Austragung einzelner Briefe wie von Rundschreiben '^, welche bis zu durch-
schnittlich 20 Kilometer auf den Tag zurücklegten ^. Die Kosten für die Unter-
haltung dieses Unterpersonals wurden wohl völlig durch die Einnahmen aus
Siegel bezw. Taxe eingel)racht ; tmg doch schon allein das Trierer Offizialats-
siegel in den Jahren 1339 und 1340 313 Ib. 15 s. Trierisch, etwa 17300 M.
nach unserem Gelde^.
Die Thätigkeit in der Kanzlei galt nun teils der Expedition, teils der
Registratur, teils endlich dem Rechnungswesen. In der Expedition, deren ver-
schiedene kanzleimäfsige Formen uns hier nicht interessieren^, trat natürlich
mit zunehmender Entwicklung des Territoriums eine immer gröfsere Arbeits-
häufimg ein^. Etwa mit dem Anfang des 13. Jhs. beginnen sich die landes-
1) Honth. Hist 2, 201, 1357, cit. oben S. 1299 Note 2; Bd. 3 No. 198 § 7, 1358.
2) Vgl. Ferdinand S. 94, 1363 : Papst Urban V. erlaubt dem Erzbischof Kuno vier Notare
(tabelliones) anzustellen und schreibt den von denselben zu leistenden Eid vor. S. auch MR.
ÜB. 3, 1057, 1250.
^) Goerz, Regg. der Erzb. z. 1369 Aug. 9 kommt ein Schreiber und inniger diener des
Erzbischofs vor.
*) Bisweilen auch der Erzbischof, s. Hs. Trier Stadtbibl. 29 cit. bei Wyttenbach und
Müller 2 S. 328 Note c, von Erzbischof Jakob (1439 — 56): ferunt eum in cancellaria seden-
tem pluribus copiosam dictandi scribendique materiam retulisse, ac demum in fine, quod
cuique exarandum tradiderat, ubive inceperit vel cessaverit, fortissima memoria recitasse.
5) S. Bd. 3 No. 85, 1803; S. 482, 31, 1350.
6) Der Bote Schedil läuft in etwa einem Monat 630 km, Bd. 3 No. 296, 1350. Im
übrigen vgl. zur Lage der Boten noch Bd. 2, 534 f., aus früherer Zeit Berthold z. J. 1076,
MGSS. 5, 282, 34; Cod. Udalr. 97, c. 1101; und zu dem Fleischermeister von Trier als erz-
bischöflichem Boten M. Baer S. 237 — 238, und unten S. 1470 Note 1. Lehrreich ist auch *Koblenz
St. A., Kurf. Trier Staatsarchiv, Geh. Kabinet, Personalien der Erzbischöfe, 1487 : Hogeborn forst,
gnedige leif herre. Uwer forstlichen gnaden intbeiden ich minen willigen dinst und wat ich ver-
mach, alz ich uwer forstlicher gnaden dan zo zwen moilen heibofen geschreben hain gehat an-
treffende dei lüde van Geissen, deiselben üch dan versat hain in hende Geratz van Palant her
zo Rulant, so halt uwer forstliche gnade mir almail laissen antworden durch minen boiden : uwer
forstliche gnade sulle mir mit uwer forstlicher gnaden boiden ein antwort schreiben, darna
ich mich halden sulle, daz dan neit gescheit enist. also gnedige leif herre bidden ich uwer
forstliche genade mir ein antwort doin schreiben uf min vurschrift, in dem besten wis darna
zo richten. Der almechtige got wil uwer forstliche gnade bewaren in gesontheit mir laissen
gebeiden. Geschreben uf sondach na unser leifer frauwen dach nativitas anno Ixxxvii. Johan
van Lontzen genant Roben, amptman zo sent Vit.
'') S. Bd. 3 No. 292. Eine Gebührentaxe der Kanzlei bei Goerz, Regg. der Erzb. zum
9. April 1426.
8) Vgl. dazu Bd. 3 Wortr. u. d. W. littera.
^) Zu Entwicklung und Charakter der Kanzleithätigkeit s. auch schon oben S. 841 f.
und Bd. 2, 667, 673.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1442 —
herrlichen Verwaltimgsordres zu entwickeln, wenigstens gehören die ältesten
uns erhaltenen Stücke dieser Zeit an^; sie häufen sich bis zum Eingang des
14. Jhs. derartig, dals in Trier unter Erzbischof Balduin (1307 — 1354) ihre
begriffliche Trennung als Temporalien von der Abteilung der Perpetualien,
also der Verfügungen und Beurkundungen von Geschäften dauernden Charakters,
durchgesetzt wird^. Dabei berechnet Dominicus die Zahl der aus Balduins
Zeit erhaltenen Urkunden auf etwa 1800 Stück ^; nach Bd. 3 No. 296 gehen
von Mitte März bis Ende April des Jahres 1350 etwas über 100 Urkunden
allein durch das Trierer Kanzleisiegelamt, von welchen uns nachweislich blofs
zwei erhalten sind : man suche sich demgemäfs eine Vorstellung von der that-
sächlich zur Zeit Balduins von der Trierer Kanzlei aus expedierten Urkunden-
masse zu machen^. Die Zahl der expedierten Nummern scheint nun seit
Balduins Tod ein Jahrhundert lang nicht wesentlich gestiegen zu sein, bis nach
Mitte des 15. Jhs. der Aufschwung des Aktenschreibwerks und eine Zunahme
der Urkundenausstellung zugleich eintrat^. Die Geschäftslast der Kanzlei
wurde dadurch so vermehrt, dals man sich damals entschlossen haben mag,
Abschlufs und eventuell Beurkundung kleinerer Geschäfte, z. B. der Paeht-
kontrakte von weniger als einjähriger Dauer ^, der Lokal Verwaltung zu über-
tragen.
Gleichzeitig mit der Zunahme der Expeditionsthätigkeit schliff sich auch
die unbeholfene und schwerfällige urkundliche Ausdrucksweise der alten Zeit
ab. An ihrer Stelle entstand im Laufe des 14. Jhs. ein klarer und kurzge-
fafster lateinischer Aktenstil, wie ihn die Stücke des Himmeroder Formelbuches
widerspiegeln ^ ; und neben demselben entwickelte sich ein in seiner prägnanten
Kürze noch nicht wieder erreichter, wahrhaft klassischer deutscher Verwal-
tungsstil, für welchen beispielsweise die Urkunden No. 132, 134, 173, 175 des
dritten Bandes aus den JJ. 1336 und 1347 ein glänzendes Zeugnis ablegen®.
Mit der Erhöhung der Expeditionsthätigkeit nahm natürlich auch die
Registratur immer gröfseren Umfang an; schon die Führung des Journals be-
^) S. MR. ÜB. 2, Nachtr. 7, um 1200; 295, 1203-1212; 296, 1211—1212. In der
königlichen Verwaltung sind die Dinge natürlich viel früher entwickelt, s. Cod. Udalr. 49,
Jaffe S. 109.
2) S. Bd. 2, 681 ff. Im Fürstentum Breslau existieren seit 1331 libri perpetuomm für
Eintragung definitiver Verfügungen über Immobilien, im Gegensatz zu den von 1307 ab er-
haltenen libri reemendorum für Eintragung von Renten auf Wiederkauf, s. Cod. dipl. Silesiae
Bd. 4 S. 18.
3) Dominicus S. 7, vgl. Bd. 2, 681.
4) Vgl. auch Bd. 3, S. 480, Note 1.
•^) Vgl. Bd. 2, 681, 687.
^) S. Trierer Kellnereiordnung 1509 § 25.
7) S. Bd. 3 No. 191 ; vgl. schon Bd. 3 No. 124, 1332.
^) S. auch Grimm, Poesie im Recht S. 45: der Kanzleistil ist im 15. Jh. zumeist voll
der trefflichsten Formen, der treuherzigsten Wörter und gar gefüger Wendungen.
— 1443 — I^ie Landesverwaltung.]
anspiiichte in der eisten Hälfte des 14. Jhs. die Kraft eines Kai)lans ^ Nicht
minder schwierig mochte sich die Aufbewahrung und Disposition der Eingänge
gestalten, um so mehr, als bei der Kontinuität der mittelalterlichen Rechts-
verhältnisse auch Eingänge längst verflossener Jahrhunderte nicht selten zur
Hand genonnnen werden mul'sten ^. Indes bestand doch wohl schon ein Unter-
schied zwischen der Registratur^ zur Aufbewahrung jüngster Verwaltungssachen,
Rechnungen u. dgl. und dem eigentlichen Archive^. Das letztere wurde für
die laufende Verwaltung auch teilweis durch die umfangreichen Kopiare er-
setzt; eben darum wurde auf deren Vervollständigung seit dem 14. Jh. grofse
Sorgfalt verwendet und für umfangreiche Teile derselben im 15. Jh. die Glaub-
würdigkeit der Originale erwirkt^.
Neben Expedition und Registratur endlich spielt das Rechnungswesen in
der Kanzleithätigkeit eine grofse Rolle. Es kommt dabei weniger die Buch-
fühmng in Betracht ^, welche im ganzen nur für das eigene Ressort betrieben
ward und somit wesentlich mit der Journalführung zusammenfiel, als die Revision.
Die Kanzlei war zugleich die Oberrechnungskammer; sie prüfte die Kellnerei-
reehnungen wie die Rechnungen der SpezialVerwaltungen, der Zölle usw., wie
auch die Hauptrechnung ^. Diese Prüfung erforderte aber in ganz anderer
Weise Zeit und Genauigkeit als heutzutage, ganz abgesehen von der Unbeholfen-
heit der in der Registratur der Kanzlei beruhenden schriftlichen Kontrollehand-
haben schon aus einfachen äufseren Gründen: die alte Abfassungsform der
Rechnungen war noch längst nicht der neueren Form der Kolonnenanordnung
gewichen ^, und die Zahlen wurden noch vielfach mit den äui'serst unhandlichen
römischen statt mit arabischen Ziffern ausgedrückt^.
1) S. oben S. 1434.
2) S. Bd. 2, 667 Note 4.
^) Sie ist wohl Bd. 3, 112, ss, 1310 mit archa bezeichnet. Zur Einverleibung der Rech-
nungen, sicher der Zollrechnungen und der Kellnereirechnungen, aber wohl auch der Küchen-
rechnungen, vgl. Bd. 3, 429, 11 f., 1339; 426, u, 1338—1339; 430, 9, 1339-1340; 433, t f., 1340.
*) Schon in der Invent. Celsi 2, 15, 978 kommt ein Archivar des Stiftes Trier vor, epis-
copii clavicularius. Zum Inhalt des Archives vgl. Stat. Boem. 1289, Blattau 1, 59; und *Bald.
Kesselst. S. 532, 1338 Okt. 23: Nos lohannes decanus totumque capitulum ecclesie Moguntine
notum facimus universis et recognoscimus publice per presentes, quod reverendus in Christo
pater et dominus Baldewinus sancte Treverensis ecclesie archiepiscopus mitram sive infulam
et baculum pontificales necnon calicem unum cum quibusdam libris privilegiis litteris registris
rotulis et scripturis, que ipse dominus Treverensis archiepiscopus, dum provisionem sive am-
ministrationem dicte nostre ecclesie Moguntine habuit, retinuit apud se et reservavit, nobis
restituit liberaliter ac de eis nobis et nostre ecclesie satisfecit. In cuius rei testimonium si-
gillum nostrum ad causas presentibus est appensum. Datum anno domini mo ccco xxxviii, x»
kalendis novembris.
'') S. Bd. 2, 680 Note 5.
6) S. oben S. 1432 Note 9.
'') S. dazu oben S. 1432, unten S. 1477.
8) S. dazu Bd. 3 No. 285, 1277—1291 ; No. 293, 1341—1342.
^) S. Bd. 3, S. 420 Note a. Die Folge war ein häufiges Verrechnen bei Addition und
Subtraktion, vgl. Bd. 3, S. 419.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1444
Die letzten Bemerkungen führen uns schon vom Geliiete der Kanzlei
hinüber auf das Feld der Finanzverwaltung, deren Geschichte an letzter Stelle
erörtert werden sollte. Zu ihrem Verständnis bedarf es aber weiteren Aus-
holens.
Die grofse wirtschaftliche Revolution, welche mit dem Übergang von der
Naturalwirtschaft zur Geld Wirtschaft und dem aus ihr resultierenden Empor-
blühen einer ersten wahren Stadtwirtschaft seit etwa dem Beginn der Staufer-
zeit verbunden war, machte sich zunächst in den autonomen Bildungen des
platten Landes wenig umfangTeich geltend. Hier war die Anwendung von
Tauschwerten beim Kauf noch bis ins 14. Jh. hinein nichts Ungewöhnliches \
die Güterbewegung blieb in sehr mäfsigen Grenzen ^ und die Wirtschafts-
anschauungen bewegten sich, je tiefer man im Volksleben hinabstieg, um so
länger auf naturalwirtschaftlicher Grundlage. Der Bauer hielt sich noch bis
mindestens zum Schlüsse des Mittelalters an die Kerbholzrechnung ^, die Kirchen
nahmen wie bisher ihren Zehnt, und auf dem Gebiet der Grundherrschaften
machte das Reluitionswesen nur sehr langsame Fortschritte *. Dementsprechend
1) S. Bd. 2, 375; ferner MR. ÜB. 1, 537, ca. 1145: decimam [Riolae invadiatam abbas
sancti Mathiae redemit] 12 mr. examinati argenti et 4 carratis vini et 2 amis; MR. ÜB. 2,
139, 1195: man kauft 100 iurnalibus et 50 mr.; CRM. 3, 186, 1332: 20 mir. comgeldes und.!
vonf pont hallergeldes. S. femer Bd. 3, 422, is, 1336; 427, lo, 1338; 429 Note 3, 1350;
No. 191 1, c. 1350, s. dazu auch *Cod. Himmerod. Bl. 58 a, 14. jh. 2. H.: (Premissa salutatione
sincera) amice carissime. Habita deliberatione cum conventu nostro super pensione nobis per
nos facienda scitote, quod multum libentius habebimus bladum quam pecuniam, unde signi-
ficetis nobis, ad quem locum illud nobis presentari facietis et quo tempore, et illo habito
vobis quitantiam trademus ad libitum vestre voluntatis. Feliciter valete. Arcli. Clen^aux
333, 1355: Nicolas de Redingen et Hennekin de Decker . . . declarent avoir vendu ä
Nicolas dit Netz, bourgeois de Luxembourg, une rente de trois mir. de froment, de 4 mir.
de seigle, mesure de Luxembourg, et 8 chapons, sur leurs biens de Redange, pour un prix
d'un cheval entier, avec engagere de ses biens ä Hanse et ä Milroyt; il accorde en meme
temps audit Welter la faculte de degager les biens de Bithl, Wisenbach et Budingin. MR.
ÜB. 3, 1248, 1254 ist sehr instruktiv für die Bedingungen, unter denen eine gröfsere Zahlung
vor sich ging. — Zur Geschichte des mit dem Tausch eng zusammenhängenden Preiskampfes
vgl. Cantat. s. Huberti c. 60 f., MGSS. 8, 599; Bd. 3, 44, 5 f., 1265; Gregorjus 3110 f., und
Ges. Heisterb. Dial. 3, 37: duo cives Colonienses inter cetera sua peccata confessi sunt duo
peccatorum genera, quae quidem in se valde sunt magna, licet propter usum, mercatoribus
maxime, parva videantur et quasi nulla, mendacium scilicet atque periurium. <' domine« in-
quiunt, «pene nihil possumus emere, nihil vendere, nisi oporteat nos mentiri, iurare et saepe
periurare . .» ait sacerdos: «utimini consilio meo, et bene cedet vobis. nolite mentiri, nolite
iurare, sicut mercatiun vestnim dare vultis, sie eum laudate.» S. auch Lamprecht, Beiträge
S. 131 flf.
2) S. oben S. 689 Note 3. MR. ÜB. 3, 386, 1230—1231, spricht von den possessiones
immobiles, que quidem res mobiles facillime dilabentes stabilitate precedimt.
3) S. Bd. 2, S. 6 Note 1 ; auch Loersch, Ingelh. Oberhof No. 238.
*) S. oben S. 795 f., 839, auch Bd. 2, 381. Am frühesten abgelöst werden Natural-
abgaben bei Zöllen, s. Bd. 2, 302; dann Naturalabgaben in der Nähe gröfserer Städte, s. Bd.
2, 214, 14 Jh. Anfang.
— 1445 — I^iö Landesveiwaltung.]
war nocli im 15. Jh. die Mobiliiirhinterlassenschaft auch der höchsten Kreise
auf dem phitten Lande eine verhältnismäi'sig geringe ^
Am ehesten wurden nun diese konservativen Tendenzen des Landlebens
im Umkreis grolser Städte gebrochen; hier zeigt sich schon im 12. Jh. eine
andere Bewegung 2, das platte Land in Flandern bot schon im 13. Jh. einen
vom lieutigen nicht sehr verschiedenen Anblick^. Diese unmittelbaren nach-
barlichen Einwirkungen aus den Zentralstellen der neuen geldwirtschaftlichen
Bewegung wurden nun allerdings an der Mosel wie im gröfsten Teile des
sonstigen Deutschlands nicht unmittelbar gefühlt; hier besteht noch l)is ins
13. Jh. hinein fast unberührt der Charakter reiner Naturalwirtschaft '*. Allein
seitdem bricht sich die geldwirtschaftliche Richtung eigenmächtig immer stärkere
Bahn durch Entwicklung der Pachten^. Mochte die Pacht auch noch lange
in Naturalien gezahlt werden^, mochte anfangs ein Stand kapitalkräftiger
Pächter fehlen^, immer handelte es sich jetzt doch um die Verwendung
gröfseren Kapitals zur Hebung des Anbaues, und diese Verwendung war
möglich, da man die wachsende Kapitalbildung ^ des platten Landes und
auch der Städte dem Boden dienstbar machen konnte. Und so war denn
vorauszusehen, dafs namentlich auf dem Wege der Pachtentwicklung die neue
geldwirtschaftliche Phase auch auf dem Lande, wenn auch erst im Verlauf von
Generationen, Fufs fassen würde.
Indes die Territorialbildung wartete diesen Erfolg nicht ab, um sich die
Vorteile der Geldwirtschaft zu nutze zu machen. Zwar v/ar sie in ihren
Lokalverwaltungen an den langsamen Fortschritt des Landes selbst gebunden;
noch bis zum Schlüsse des Mittelalters bestehen die Einnahmen der Kellnereien
zum guten Teile aus Naturalien^, erfolgt eine Regelung ihres Budgets in der
alten Weise, dafs für bestimmte Verwendungszwecke bestimmte Einnahmen
ein- für allemal angewiesen sind. Indes strömte aus den Einnahmeteilen dieser
Kellnereien in barem Gelde wie aus den Zöllen, der Münze und ähnlichen
Verwaltungen doch eine Geldsumme in der Landeshauptkasse zusammen, an-
sehnlich genug, um eine Anknüpfung an Geldwirtschaft und Geldmarkt zu ge-
^) CRM. 4, 355, 1480: die Mobiharhinterlassenschaft der Gräfin Johanna von Virne-
burg wird auf 700 gl. geschätzt, etwa 12 800 M. unseres Geldes. Dagegen hinterläfst Heinrich
der Erwete in Köln im J. 1232 aufser vielen Liegenschaften 1800 nir., etwa 475 000 M. un-
seres Geldes, Ennen, Qu. 2, 136, 132.
2) S. oben S. 796.
3) Warnkönig 1, 86.
^) S. oben S. 461 f., auch S. 685.
-) S. oben S. 972.
ö) S. oben S. 945, 966.
'') S. oben S. 946, 967.
8) S. oben S. 677, 687.
^) S. aufser den im dritten Bande publizierten Rechnungen auch Bd. 2, 215 No. 7,
1301; 155 Xo. 4, 1329.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1446 —
statten. Indem nun diese Anlehnung seit der zweiten Hälfte des 13. Jhs. ge-
sucht ward, wurde den Territorien zum erstenmal das Machtmittel des Kredits
umfangreicher erschlossen : sehr bald scheint man von ihm ganz allgemein und
weitreichend Gebrauch gemacht zu haben.
Da fragt es sich, in w^elchen Formen und Instituten organisiert der Kredit
um diese Zeit zur Verfügung stand.
Die hervorragenden Bankhäuser der älteren deutschen Kaiserzeit waren
die geistlichen Institute gewiesen ^ Mochte auch noch im Beginn des 11. Jhs.
ein Kreditverkehr unter ihnen und etwa gar von ihnen nach den Haupt-
zentren des damaligen Geldmarktes nicht ausgebildet sein^, — später pflegte
man ihn dadurch zu begründen, dafs man bei Gebetsverbrüderungen zugleich
gegenseitige Geschäftsunterstützung ausmachte^ — , sicher ist, dafs schon im
10. und 11. Jh. die Stifter und Klöster vielfach Darlehnsgeschäfte im kleinen
machten*, und dafs um die Mitte des 11. Jhs. die Könige Heinrich III.
und Heinrich IV. sich ihrer Hilfe bei Aufnahme von Geld bedienten^. In der
That w^urden gröfsere Kapitalien in den geistlichen Instituten als Ergebnis sorg-
samer anderthalbhundertjähriger Wirtschaft w^ohl erst um die Mitte des 11. Jhs.
frei^; und dementsprechend nahm das Geldgeschäft erst etwas später einen
völlig gewöhnlichen Platz in ihrer Wirtschaftsgebarung ein. Ausgebildet wurde
dabei neben dem Depositengeschäft ^ w^ohl namentlich das Darlehen auf dem
Wege der älteren Satzung oder auf anderen Zinsgenufs verheifsenden Um-
w^egen^; mit beiden verbanden sich dann alle Arten gewöhnlicher bankmäfsiger
^) S. dazu Brefslau, Konrad IL, Bd. 2, 390; neuerdings Hoeniger in Zs. f. d. Gesch.
der Juden in Deutschland Bd. 1, 83 ff.
2) Das ist doch wohl aus Chron. s. Michael. Virdun. c. 17, MGSS. 4, 83, um 1020 zu
schliefsen: Abt Xanter nimmt einen Mönch von Rom mit nach Deutschland, damit er das
in Rom versprochene Geld nach Italien bringe.
3) S. Ennen, Qu. 2, 192-193, 195, 1239.
*) S. Hoeniger a. a. 0.
5) Waitz, Vfg. 8, 238.
6) S. oben S. 685.
'') Ann. Corb. 1145, MGSS. 3, 9: fames aspera, et fures plures ex militibus fortioribus
factione perniciosa conglobati, multos in hac terra" durius angebant, denique Yuldensem
ecclesiam . . multis thesauris spoliabant et nonnullas alias huius terrae rebus propriis et eis
aliunde illatis , . privabant. Ges. Heisterbac. Dial. 2, 34 : usurarius quidam cuidam ordinis
nostri cellerario quandam pecuniae suae summam commisit reservandam, quam ille signatam
in loco tuto iuxta pecuniam monasterii reposuit. postea cum usurarius depositum repeteret,
celerarius arcam reserans neque illam neque suam invenit. MR. ÜB. 3, 602, 1237 : Urkunde,
in welcher jemand sein Eigentum während einer Kreuzfahrt durch Deposition beim Kloster
Himmerode schützt. Ähnlich IMR. ÜB. 3, 612, 1238— 1239 (3 Urkk.). S. auch Bd. 3, 57, 33, 1269.
8) S. oben S. 849 Note 3 und 4; aufserdem MR. ÜB. 1, 535, 1145: ein Allod an Laach
für 92 mr. argenti verkauft, es werden wegen zu geringen Preises 40 mr. zugelegt. MR. ÜB. 2, 16*,
1172: Heinrich von Gladbach verkauft zu 5 mr. verpfändete Wingerte zu Lieser an SMaria-
ad-martyres für 6 mr. unter Zustimmung seiner Erben. MR. ÜB. 2, 3^, 1213: Heinrich von
Isenburg empfängt von Laach 230 mr., und zwar: 1) am 13. Januar 60 mr., 2) am 1. Mai 60 mr..
— 1447 — Die Landesverwaltung.]
Geschäfte. Die ungestörte Blüte dieser Geschäfte scheint dem 12. Jh. und dem
Anfang des 13. Jhs. angehört zu haben. Dann trat eine Behinderung zunächst
durch die strengere Betonung des Zinsnahmeverbots seitens der allgemeinen kirch-
lichen Äleinung ein ^ ; speziell in der Diözese Trier wurde der Geistlichkeit im
J. 1238 jedes kaufmännische Geschäft verboten 2. Ferner mufste in noch viel
höherem Grade der Umstand l)eengend wirken, dafs der Reichtum der kirch-
lichen Institute seit etw\i Mitte des 13. Jhs. mit dem Verfall der alten Grund-
herrschaft wesentlich zurückging. Indes sehen wir nichtsdestoweniger die geist-
lichen Institute noch das ganze 13. Jh. hindurch und über dasselbe hinaus
3) am 13. Juli 60 mr. (diese Summe ausgezahlt in Köln), 4) am 11. Novbr. 40 mr. Macht nur
220 nn-. Posten 2 ist falsch zusammengerechnet, macht in Wahrheit 83 mr. Dann kommen
freilich 243 mr. heraus, was aber unter Zinsenberechnung vom Tage des Kaufs an (6. Jan.
1213) richtig sein wird. URheingrafen : de centum mr., quas dominus Eberhardus clericus de
Pathenheim tulit de monte sancti Ruperti ad Bolandiam, ringravius nihil percepit. Ebd. :
exposuit ringravius predium in Egelsheim claustro in Eberbach pro 10 mr. ad memoriale [so],
eo pacto, quod cum heredes ringravii 20 mr. eidem claustro dederi[n]t, predium liberum sit.
Ebd.: ein predium für 15 mr. verpfändet claustro beati Petri in Kruzenache. URupertsberg
885, zu dem Abschnitt Census [nicht im MR. ÜB.] : das Kloster giebt Didoni de Bergen 7 un-
cias pro 3 iug., ita ut si ipse d. nobis retulerit, 3 iugera sibi rehabebit. MR. ÜB. 3, 465,
1232 : interessantes Zinsgeschäft von Himmerode, die Preise (1 mir. siliginis 3 s., 1 mir. avene
18 d.) = 49,68 Gr. sind viel zu gering. S. femer aufser Bd. 3, 41, 11, 1264 noch *0r. Koblenz
St. A., Abtei Himmerode, 1275 März 25: Nos Arnoldus filius quondam Weraeri militis de
Develich et Sophia uxor eins vendimus manu sociata viris religiosis . . abbati et conventui
de Hemmenrode ordinis Cisterciensis Treverensis diocesis duas mr. census pro certa pecunie
summa nobis ab eisdem numerata, quos census eisdem singulis annis in festo beati Martini
hiemalis in perpetuum in usualibus d. legalibus tenemur persolvere et solvemus de tribus
particulis vinearum, videlicet duabus in dem Vriversdale et una uf den Wicken in parrochia
de Ludensdorf constitutis, promittentes bona fide. quod crementum dictarum vinearum a dicta
villa Ludensdorf nullatenus deducemus, nisi prius ipsis religiosis dictum censum integraliter
solvissemus. si vero ipsis dictum censum dicto termino non solveremus, eligimus arbitrium
et volumus, ut manus apponatur ad dictas vineas, usque dum de duabus mr. predictis eis sit
integraliter satisfactum.
1) Ges. Heisterb. Dial. 2, 30: tanta est virtus contritionis, ut nullum ei obstare possit
peccatum, non periuria, non homicidia, non furta nee usurae quidem. Ges. Heisterb. Dial.
12, 24: ein gestorbener Wucherer in Lüttich ab episcopo de cimiterio eiectus (est).
2) Stat. synod. 1238 c. 9, Blattau 1, 37 : omnem negotiationem clericis inhibemus bene-
ficiatis vel in sacris ordinibus constitutis; vgl. schon Stat. synod. 1227 c. 10, Blattau 1, 26.
Wie kontrastiert hiermit die Auseinandersetzung Bruder Berchtolts (1, 18, 34 f.): sMaz (dem kouf-
manne) ze gewinne gevellet an dem koufe, daz er durch gewin koufet äne gevaerde (daz mein
ich • daz er nicht für hat gekoufet üf die lenge der zit, üf daz naeher, unde niht gedinges
git üf daz jär umbe daz tiurre) oder dämite du nieman betriugest, daz hastü mit rehte, wan
man dines amtes in keine wise geraten mac. wir möhten der koufliute niemer enbern, wan
sie füerent üz einem lande in daz ander, daz wir bedürfen, wan es ist in einem lande daz
wolveile, so ist in einem andern lande jenz wolveile; unde davon sullent si diz hin füeren
und jenz her, davon sullent sie ir Ion ze rehte haben : daz ist ir gewin, den sie ze rehte
gewinnent.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1448 —
Bankgeschäfte betreiben \ weniger die Stifter^, mehr die modernen, in ihren
Existenzgrundlagen nicht vom Ruin der alten Grundherrschaft ergriffenen In-
stitute, namentlich die Cisterzienser^ und den Deutschen Orden*. Indes diese
Institute stehen nunmehr, im 13. Jh., nicht mehr allein auf diesem Ge-
biete; neben ihnen kommen zunächst je länger je mehr die Bürger^ und ver-
einzelt auch der hohe Adel^ in Betracht. Ein Verzeichnis der Schulden des
^) S. schon oben S. 1446 Note 8 gegen Schlufs.
2) S. wohl CRM. 2, 193, 1262, cit. oben S. 1309 Note 3, namentlich aber Bd. 3,
16, 31, 1316.
3) S. schon oben S. 1446 Note 8; Bd. 3, S. 35 f.; *Cod. Himmerod. Bl. 8b^ s: rogo
vos . . , quatenns 7 fl., quos vobis ad vestram monitionem solvere promitto, pro quibus decre-
tales vel alios libros equivalentes loco pigneris vobis mittam, . . velitis accommodare. Der
Cod. Himmerod. unterrichtet überhaupt bezeichnenderweise mehr iiber Geldgeschäfte als über
Ackerbau; an der Zentralstelle treten die direkten Interessen des letzteren zurück. S. ferner
MR. ÜB. 3, 1063, 1250, aus den Statuten des SElisabeth-Hospitals zu Trier: officium magistri
sive provisoris, qui de consensu omnium fratrum eligendus canonice existit, taliter describitur :
quod imiversi redditus ad fraternitatem spectantes discretioni eiusdem committuntur ad aug-
mentandum debito modo, qualibet negotiatione illicita evitata, et perfecto computo, si quid
fuerit ultra necessitates fratnim, temporibus ad hoc statutis fratribus tenebitur respondere. —
Die Cisterzienser trieben übrigens auch flott Handel, vgl. Ces. Heisterb. Dial. 7, 41 : hoc anno
cum naves ordinis per Zelandiam timore praedonum transire non auderent, rumor venit Co-
loniam, quod omnes essent depraedatae. et dixerunt quidam: «iuste actum est cum eis,
monachi avari sunt, mercatores sunt, deus illorum avaritiam sustinere non potest. » S. dazu
MR. ÜB. 3, 9-3, 1218: Himmerode wird vom Herzog von Brabant befreit ab omni thelonio
seu vienagio apud Antwerpiam ; und MR. ÜB. 3, 357, 1228 : Heinrich Herzog von Lothringen
schenkt an Himmerode eine Geldrente vom Tuchhause zu Antwerpen zum Ankauf von Heringen.
*) Hennes ÜB. 2, 297, 1288: Heinrich Graf von Sponheim bevollmächtigt die Deutsch-
ordensbrüder zu Koblenz, eine bei ihnen deponierte Summe von fünfzehnhundert mr. dem
Grafen Johann von Sayn zu übergeben. Hennes ÜB. 1, 362, 1302: Graf Diether von Katzen-
elenbogen leiht vom Koblenzer Deutschordenshause 200 mir. siliginis Coloniensis mensure.
Hennes ÜB. 2, 365, 1303: die Stadt Koblenz leiht vom Deutschordenshause 200 mr.
•^) Ces. Heisterb. Dial. 2, 31 : dixit fuisse quendam usurarium divitem nimis, qui diversarum
ecclesiarum thesauros loco pignoris tenebat . . . habebat enim duas arcas plenas auri et argenti,
pignora etiam plurima in vasis libris variisque ornamentis, frumentum vinum et supellectilem
multam pecoraque infinita. MR. ÜB. 3, 528, 1235: der Abt von Laach hat an Papst Gregor IX.
berichtet, quod Ricardus civis Metensis et quidam alii laici Metensis et Trevirensis civitatum et
dioecesis multa extorserunt et adhuc extorquere nituntur ab eo per usurariam pravitatem. Deshalb
befiehlt der Papst Untersuchung der Sache, s. weiter hierzu MR. ÜB. 3, 572, 1236. Lac.
ÜB. 2, 527, 1263 : Papst ürban IV. ermächtigt den Erzbischof von Köln, die demselben und
dessen Vorgängern von nonnuUi laici diversarum civitatum et diocesium abgedrungenen Zinsen
auf die Kapitalschuld abzunehmen und ferner keine Zinsen zu zahlen. S. ferner Bd. 3, 100, si,
1291; und *Cod. Himmerod. Bl. 41a, 14 jh. 1. H.: Schuldschein des Marienklosters bei An-
dernach über 240 mr. d. pagamenti Andernacensis für den discretus vir Iphannes vel litte-
ranim presentium conservatori [d. h. den Inhaber: Wechsel] mit Angabe des Zahlungs-
termines. Sogar Wucherbauem gab es, Ces. Heisterb. Dial. 2, 7: erat ibi quidam rusticus
. . opere usurarius.
*^) üRheingrafen : der Rheingraf hat 346 mr. 16 d. auf Pfänder hinausgeliehen, in
15 Posten von 5—52 mr. Die Pfänder hat er zum kleineren Teile zu Lehen gegeben. S.
dazu MR. Uß. 3, 364, 1229: Borg von 168 mr., welchen Bischof Sifrit von Regensburg
— 1449 — I)ie Landesverwaltung.]
in der Saargegend heimischen Ritters Wilhelm von June vom J. 1290 lautet
auf folgende Posten: Vernero dicto Slikere tres Ib. et 19 d., uxori H. dicti
Kaure 24 s. cum dimidio, Folmaro fabro dicto Xulderclop 14 s., Folmaro ante
portani de Saraponte 8 s., Reimerico civi Metensi 8 Ib. duobus s. minus, mo-
nialibus de Freistorf 5 s., monialibus de Novo monasterio 10 s., apud Kilebure
5 s., apud Yune 20 s. in debitis communis, apud Vilarium monachis 10 s., et
apud Wadegosingam monachis 7 s. cum dimidio; usque ad summam 16 Ib.
computata^ Dies Verzeichnis zeigt klar, wie noch am Schlufs des 13. Jhs.
das Darlehnsgeschäft zwischen Bürgern und geistlichen Instituten geteilt war.
Aber jenseits des ersten Jahrzehnts des 14. Jhs. finden wir fast nichts mehr
von dieser Teilung; nur spärliche Depositen erinnern noch an die einstigen
Bankgeschäfte der geistlichen Institute^, im übrigen sind diese als kredit-
gewährende Macht verschwunden. An ihre Stelle ist eine neue Macht getreten,
die Judenschaft.
Die Juden finden wir im Mosellande schon bis zur Mitte etwa des 13. Jhs.
in allen Orten ansässig, welche entweder alte Fisci sind oder später in Reichs-
besitz gekommen waren. Seit Ende des 13. Jhs. bezw. seit Beginn des 14. Jhs.
sitzen sie denn auch in allen gröfseren sonstigen Städten des Mosellandes über-
haupt^; kaum eine unter denselben ist von ihnen übergangen, und wo sie selbst
bei seinem Bruder, dem Rheingrafen Emicho, in 6 Summen von 20, 40, 25, 25, 43, 15 mr.
angelegt hat.
1) Hannes ÜB. 2, 311, 1290.
'■^) Hennes ÜB. 1, 414, 1318, vgl. 417, 1319: im Deutschordenshause ist das Silberzeug
eines Verstorbenen aufbewahrt. Hinterlegung von wichtigen Verträgen zu Münstermaifeld und
zu SFlorin - Koblenz, Dominicus S. 394. Bd. 3, 176, is, 1340: 1000 aurei regales cum
clippeis signati boni et legales deponiert im Deutschordenshaus Koblenz. S. auch Töpfer, 1,
347, 1371, cit. oben S. 849 Note 5.
^) In MeU sind die Juden schon nach V. Adalb. 2, 9 sehr zahlreich; für Trier vgl.
G. Trev. Cont. 1, 8. u. 17, MGSS. 8, 182 u. 190, 1066 u. 1096; MR. ÜB. 2, S. 354, 12. Jh.;
UStift S. 400; MR. ÜB. 3, 543, 1235; 570, 1236; seit 1338 sollen es höchstens 50 Haus-
gesesse sein, Bd. 3 No. 141, 1338; für Boppard MR. ÜB. 3, 61, 1216: 7 Juden genannt,
s. ferner MR. ÜB. 3, 224, 1224; 596, 1237; ein vicus ludeorum MR. ÜB. 3, 1053, 1250,
s. dazu *Bald. Kesselst. S. 243, 1331 : Johannes de Bopardia miles natus quondam Cünonis
dicti unter den . . Juden; für Sinzig MR. ÜB. 3, 746, 1242; 763, 1243; 787, 1244 usw.; für
Könifjstvinter: Ges. Heisterb. Dial. mai. 10, 69; für Kochern MR. ÜB. 3, 699, 1241—1242
(2 Juden); Bd. 3, 172, 3, 1339; für Kröv MR. ÜB. 3, 699, 1241—1242; für Koblenz CRM.
2, 212, 1265; Hennes ÜB. 1, 296, 1284; ein cimiteriiun ludeorum iuxta Confluentiam *Bald.
Kesselst. S. 161, 1322; iiiv Oherivesel G. Trev. c. 196, 1287, schon Vertreibung; für Ander-
nach CRM. 2, 325, 1287, schon Vertreibung. S. femer für Luxemburg Arch. Clervaux 31,
1276; WiUUch Arch. Clei-vaux No. 136, 1326; Töpfer 1, 201, 1330; Limburg *Bald. Kesselst.
S. 727, 1344; Münstermaifeld *UMünstermaifeld, Hs. Koblenz CXJt Bl. 42, 1337: ein Jude
früher dort ansässig, jetzt verschwunden; Bd. 3, 172, i8, 1339; Saarburg (Arch. Clervaux
184, 1334: ein nach Trier gewanderter Saarburger Jude); Bd. 3 No. 155, 1342; Mayen
Bd. 3, 172, 8, 1339; mehrere Juden; Dann (Bd. 3, 172, 13, 1339: zwei nach Dann genannte
Juden); Bd. 3, 172, 26, 1339; Lehmen Bd. 3, 172, 25, 1339; Blieskastel (Bd. 3, 187, 5, 1343:
Annahme, dafs Juden ins Land kommen würden); Bernicastel *Bald. Kesselst. S. 729, 1343
Dez. 9.
Lamp recht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 92
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1450 —
nicht einheimisch sind, da sind es wenigstens ihre Doppelgänger in dem uns
hier interessierenden Sinne, die Lombarden ^ und Kauwerziner^. Dabei bilden
die Juden jeder Stadt, in welcher sie einigermalsen zahlreich sind, eine Ge-
meinde. Dies nicht blofs im kirchlichen und politischen Sinne ^ ; auch für ihre
Geschäfte erscheinen sie in vielen Beziehungen, wo die Gemeinde nicht grofs
war, in gemeinsamem Handeln; und wo die Gemeinde umfangreicher ist, da
traten wenigstens häufig eine Anzahl von Juden zu einer kaufmännischen Ge-
sellschaft zusammen '^. Durch dies Moment wie durch die enge Geschlechts-
gemeinschaft unter ihnen bei begrenzter nationaler Basis erklärt sich die That-
sache, dafs sich die jüdischen Geschäfte schon im 14. Jh. in relativ sehr wenigen
Händen, welche aber mit weitreichenden Verbindungen arbeiten, vereint finden.
Die Erscheinung ist eine ähnliche, wie sie unser Jahrhundert in der Periode
1) Lombarden sind wohl schon früh in Köln ansässig, s. Bd. 2, 339, Note 1 ; femer schon
früh auch in Trier: zur Vermittlung des Geldverkehrs mit der Kurie mercatores Romani G. Trev.
c. 143, c. 1263; s. dazu Bd. 3 No. 54, 1276. Der erste sichere Lombarde ist Facinus, Goerz,
Regg. der Erzb. S. 54, zum 15. Juni 1279. S. ferner für SchönecJcen bei Prüm Cod. Salm.
92, 1290; für Oherwesel Hennes ÜB. 1, 364, 1303 (mehrere); für Siegburg Lac. ÜB. 3, 61,
1308; für Ähnceiler *Dipl. Prüm. Bl. 88^ f., Koblenz St. A., 1314; für MonTder *Bald.
Kesselst. S. 574—5, 1331. Zur Stellung der Lombarden im 14. Jh. vgl. Bd. 3 No. 129,
1335; sowie *Bald. Kesselst. S. 574 — 5, 1331 Febr. 20: Commissio sancti Wandalini lacobo
Lombardo. Revers ausgestellt von Jacomin von Moncleir Lamperter für daz ampt [zu
SWendel] und darzü wat er [Erzbischof Balduin] da itzünt hat von gülde und gevellen, daz
in der parre zu sante Wandaline gelegen ist in dorfe und in velde . . uzgenomen deme
kirchsatze daselves und sinen wolgeborn luden und mannen, die darzü gehören, auf Lebens-
zeit. Was min herre oucli hernamales in dem gerichte [von SWendel ; es ist ein Hochgericht]
gewänne, daz sal sin sin; waz aber ich da gebezzerte oder koufte oder anders gewünne, daz
sal min sin mine levedage, und darnach mines herren und sines stieftes. Stirbt Balduin, so
soll der Amtmann gleichwohl bleiben kraft der verliehenen Bestallung.
2) Kauwerziner werden schon Stat. synod. 1227 c. 10, Blattau 1, 26, genannt, vgl.
auch noch Bd. 3, 187, s, 1343. Nachweisbar sind sie in Sinzig wohl 1276, s. CRM. 2, 274,
cit. oben S. 1359 Note 3; in Trier *UElisab. Hosp. Bl. 41a, c. 1280: Baldewlnus dictus
auwercin; in Kolern CRM. 3, 516, 1348.
3) S. UStift S. 400: MR. ÜB. 3, 543, 1235: universitas ludeorum Treverensium ; vgl.
auch ]MR. ÜB. 2, S. 354, 12. Jh. : an das Trierer Domkapitel solvunt ludei 6 d. de cimiterio
eorum (in Trier).
*) MR. ÜB. 3, 543, 1235: vier Juden, darunter ein Jude Daniel, vielleicht Vorfahr
der grofsen Familie des Jacob Daniels im 14. Jh., erbauen in Trier vier Häuser; sie bilden
eine Zinsgemeinschaft (communitiis) zu diesem Zweck. Honth. Hist. 2, 2(3, 1304: 250 mr.
monete currentis in Kocheme, welche apud ludeos de Kocheme deponiert werden sollen.
Bd. 3, 172, 3, 1339: Salomoni thelonario in Cochme et suis consociis mille mr. Brabantinas,
schuldig seit 1333. Daneben macht Salomon auch einzeln Geschäfte, a. a. 0. Z. s if. *Bald.
Kesselst. S. 636, 133*7: Friedrich, erstgeborner des Herrn Friedrich von Croninberg, Herr
von No%ami castrum und Frau verkaufen an Isaak quondam Sandormanni Meier seinen
Schwiegersohn, Isaac und Salmann und ihre in hac parte complices für 1500 Ib. Turonensium
parvorum [180 000 M.] ilu-e iurisdictio in Wasweiler u. a. m.; s. dazu Arch. Clen^eaux 180,
1334, cit. unter S. 1453 Note 2. Man vgl. auch die Phrase inter ludeos ponere, Bd. 3,
•520, 19.
— 1451 — l^ie Landesverwaltung.]
vor der Emanzipation der Juden erlebt hat, wie sie noch heute in den jirofsen
jüdischen Bankhäusern fortwirkt. Dabei ist es aus später erhellenden Gründen
von besonderem Interesse, diese Thatsache an einem speziellen Trierer Bei-
spiel zu verfolgen. In Trier lebt in den dreifsiger und vierziger Jahren des
14. Jhs. ein sehr angesehener Jude lacobus Danielis^ Er hat einen Sohn
Daniel, dessen Schwiegervater Samuel Maldir von Saarburg ist^, ferner zwei
Schwiegersöhne, Salman Grutzingesson ^ und Älichael^. Daniels ist ein unge-
mein begüterter Mann: 1336—1341 steht er an der Spitze der erzstiftischen
Finanz Verwaltung^, für welche schon früher sein angeheirateter Verwandter
Samuel IMaldir thätig gewesen war ^ ; in dieser erzstiftischen Stellung folgt ihm
vom J. 1341 ab sein Schwiegersohn Michael^. Um nur eins seiner selb-
ständigen Geschäfte zu nennen, so leiht er im J. 1345 an den Speierer Scholaster
Otto von Schonenberg 800 fl. aurei parvi de Florenzia, etwa 35 200 M. unseres
Geldes, rückzahlbar in vier Jahren ^. Bei weitem die meisten Geschäfte macht
Jakob Daniels nun aber nicht allein, sondern in Gemeinschaft mit einigen
andern Juden. So schuldet ihm, sowie Isaak dem Kleinen und Aaron von
Witlich, Juden zu Trier, das Erzstift Mainz im J. 1836 1661b. 5 s. grofser
Turnose, wdederzuzahlen in gleichem G ekle oder in „deinen gl. von Florenze,
ie einen deinen gl. vor den Schilling großer turnoße" gerechnet, angewiesen
auf die Zölle zu Oberlahnstein und Ehrenfels ^. Diese Schuldsumme beläuft
sich nach unserem Gelde auf etwa 190 000 M. Und mit den genannten beiden
Trierer Juden ^ bezw. deren Familien steht nun Jacob Daniels auch sonst in
Verbindung: Samuel wilne deinen Isaackes son erscheint mit einem andern
Juden Abraham von Resten im J. 1342 als in freundschaftlichster Beziehung
zu Jakobs Sohn Daniel ^ ; und mit Aaron von Wittlich kauft der alte Jakob im
J. 1336 die Burg Schwierzheim^^ und im J. 1337 auf Rückkauf ausgedehnte
Besitzungen des Grafen von Zweibrücken ^^ Dabei beschränken sich die
Geschäftsverbindungen Jakob Daniels keinesw^egs auf dem Trierer Platz;
während die kleineren jüdischen Firmen im Trierschen Wechsel auf ihn ziehen ^^,
1) Bd. 3 No. 155, 1342 wird er ,her' tituliert. Es ist freilich eine Jiidenurkimde.
2) Bd. 3 No. 155, 1342.
3) Töpfer ÜB. 1, 255, 1346.
*) S. Bd. 3 Xo. 291.
5) S. Bd. 3, 412, .36, 1327—28.
6) S. Bd. 3, 435, 25. Töpfer ÜB. 1, 255, 1346.
^) *Bald. Kesselst. S. 731, 1345 Febr. 21.
«) *Bald. Kesselst. S. 788, 1336 Okt. 21.
^) Sie hängen vermutlich mit den Arch. Clervaux No. 136, 1326 gelegentlich einer
Summe von 200 Ib. hl, 10 600 M., genannten Juden Isaak und Salomon von Wittlich so zu-
sammen, dafs Isaak mit unserem kleinen Isaak identisch ist, während Salomon Vater
Aarons ist.
10) S. Bd. 3, 420 Note 5.
11) S. Bd. 3, 420 Note 4.
12) Z. B. Houdein und Sohn, wohl in Kochem, Bd. 2, 422, 3i, 1337.
92*
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1452 —
arbeitet er selbst mit grolsen jüdischen Banquiers in Straisburg, Metz und Köln
und den hinter ihnen stehenden Konsortien. So besorgt er bei den Metzer Juden
für das Trierer Erzstift eine Anleihe von 8000 Ü.\ etwa 350000 M., so zahlt
er in Köln durch das Haus Aaron und Baruch^ aus, und negoziiert in Strafs-
burg ebenfalls für das Trierer Erzstift eine Anleihe ^ bei einem jüdischen Kon-
sortium unter Führung des Vivelin Rode oder Rote*, mit welchem er auch
sonst Geschäfte macht •^.
Natürlich ist ein Bankhaus, wie Jakob Daniels, nicht ohne bestimmte
Voraussetzungen denkbar; seine Existenz in der ersten Hälfte des 14. Jhs.
beweist völlig sicher für eine schon längere Thätigkeit der Juden in Geld-
geschäften.
Indes waren die Juden keineswegs von jeher im Mittelalter Banquiers
oder gar Wucherer gewesen^. In den ersten Jahrhunderten der Kaiserzeit er-
scheinen sie vielmehr als Handelsleute , speziell lag der Handel mit Unfreien
in ihrer Hand ^ Aber auch den Weinhandel scheinen sie hier und da besessen,
bisweilen sogar als Wirte fungiert zu haben ^. Daneben endlich waren sie die
berufenen Ärzte dieser Zeit^. Von diesen Positionen ging ihnen nun im Be-
ginn des 13. Jhs. zunächst diejenige als Arzt verloren; ein Spruch des Trierer
1) Bd. 3, 424, 17, 1338; 430, 3, 1339.
2) Bd. 3, 420, 16, 1336.
3) Bd. 3, 419, 42, 1339.
^) *Bald. Kesselst. S. 788, eingelegter Zettel, 1344 Dec. 25 : Walraf , Graf von Zwei-
brücken, bekennt sich dem Trierer Juden Jakob Daniels sone und dem Strafsburger Juden
Vivelin Rote um 1090 Ib. hl. schuldig, zu bezahlen Dez. 25 1345 121 Ib. hl. usw. alle Jahre;
als Pfand dafür soll der Erzbischof von Trier innehalten die Stadt Zabern und die Burg
Stouf, auf welche damit im ganzen 6500 Ib. geborgt sind (von diesen Juden). Über letztere
Summe lautet ein 1344 Aug. 29 für Jakob Daniels und Vivelin Rote ausgestellter *Brief
auf S. 787 des Bald. Kesselst.; vgl. auch Bd. 3, 193, i, 1345.
•^) Bd. 3, 430, 81, 1339, vgl. auch S. 459, si, 1344.
^) Vgl. zum folgenden, aufser dem Buche Stobbes (Die Juden in Deutschland, 1866)
und Röscher, Ansichten der Volkswirtschaft ^ Bd. 2, 311 ff., Waitz, Vfg. 5, 370; Bonvalot
S. 364 f.; Hanauer, Etudes 1, 524 f.; Dominicus S. 403; Heusler, Institutionen 1, 147 f., und
neuerdings Hoeniger, Zur Gesch. der Juden Deutschlands im frühern Mittelalter, Zs. f. d.
Gesch. der Juden in Deutschland Bd. 1, 65 ff.
") S. u. a. Thietm. 6, 36; Canap. V. Adalb. c. 12.
8) V. Adalb. 2, 6.
9) G. ep. Leod. 2, 44; G. Trev. Cont. 1, 21, MGSS. 8, 195: Erzbischof Bruno (An-
fang 12. Jhs.) häufig krank, propter quod exquisitissimos semper secum solebat habere
medicos. habebat autem inter eos ludaeum quendam losuae nomine phisicae artis erudi-
tissimiun, compotistam peroptimum, hebraicarum litterarum et totius ludaismi perfectissimum,
quem circumdabat militaris habitus. Er wird schliefslich getauft; der Erzbischof hält ihn
sehr gut, er bittet die Gläubigen, quia genus illud hominum multum est in fide instabile
semperque desiderat in vitae necessariis habundare, quatinus ubicumque ille ipsis manentibus
superveniret , providerent ei necessaria cum caritate. Min. s. Mathie, MGSS. 8, 232: ein
kranker ludeorum quoque auxilia ac vetularum carmina consuluit.
— 1453 — Die Landesverwaltung.]
Provinzialkonzils vom J. 1227 machte ihnen — aus welchen Gründen, untc^r-
suclien wir hier nicht ^ — die Ausübung dieses Berufs so gut wie unmöglich ^
Allmählich trat dann aber auch der Warenhandel zu gimsten des Goldhandels
zurück. Auch hier verzichten wir auf Nachweis der Gründe, welche diesen
Wandel herbeiführten — hierzu bedarf es einer viel genaueren Kenntnis der
•deutschen Handelsgeschichte, als wir sie bisher besitzen — : genug, dafs seit
Beginn des 13. Jhs. die Juden reich genug waren, um bald in ausgedehntester
Weise Bankgeschäfte zu betreiben^. Vom J. 1213 datiert die erste uns er-
haltene urkundliche Nachricht ülier jüdische Darlehen an der Mosel*; nicht ganz
zwei Jahrzehnte später erscheinen die Juden neben einem stets unbedeutend
bleibenden Element von Kauwerziner schon als Hauptinhaher der Darlehns-
geschäfte^. Und diese Geschäfte sind von nun ab auch urkundlich in rapid
anwachsender Zahl beglaubigte Dabei waren die Zinsen enorm hoch — als
1) Doch vgl. G. Alberonis 28, MGSS. 8, 258 : Albero hatte als Arzt den Lombarden
Philipp. Ces. Heisterb. Dial. 9, 56: Coloniae in ecclesia sancti Andreae canonicus qnidam
•exstitit ordine sacerdos, arte medicus.
2) Stat. synod. 1227 c. 8, Blattau 1, 24: praecipimus , quod sacerdotes illiterati non
conferant cum ludaeis coram laicis et sacerdotes praecipiant omnibus subditis suis, ne aliquam
potationem vel medicinam ab eis sumant.
3) MR. ÜB. 3, 61, 1216: der Jude Isaak erbaut in Boppard auf einer area, que ad
bona Ravenbergensis ecclesie pertinebat, domum lapideam. MR. ÜB. 3, 224, 1224, Boppard:
domus Simonis quondam ludei postea baptizati. MR. ÜB. 8, 368, 1229—1230: Daniel civis
Treverensis domum quandam, quam in censu 50 s. tenebat a nobis, . . ludeo Rüben vendidit
pro quinquaginta decem [!] Ib. monete Treverensis. Es sind nach unserm Gelde ca. 10 300 M.
MR. ÜB. 3, 746, 1242; 787, 1244: die Juden geben der Regel nach in Sinzig 20 mr., die
Christen 60 mr. Precaria. 20 mr. sind 4800 M. nach unserm Gelde. Im Jahre 1243 aber
iN'erden von den Juden auf einmal 500 mr. (120000 M.) verlangt: MR. ÜB. 874, 1246
Konrad IV. an Gerhard von Sinzig: 100 mr. Colonienses [24 000 M.] de ludeo, quem detines
•captivatum . . persolvere non omittas. S. zu diesen Nachrichten schon oben S. 1366 Note 3.
CRM. 3, 152, 1327: in Boppard 20 mr. et 16 Ib. hl. annui redditus, quos ludei solvunt,
•es sind ca. 3000 M.; vgl. dazu Bd. 3 No. 129: ein 1335 zugelassener Lombarde giebt an
erzstiftischer Steuer pro Jahr 50 Ib. parvorum Turonensium, c. 1200 M. Samuel Maldir
von Saarburg hinterläfst 1342 an guten Schulden 48560 M., an 'swivelheftigen' Schulden
37376 M., zusammen c. 86 000 M.; Bd. 3 No. 155, 1342. Speziell zum Landbesitz s.
*UMünstermaifeld, Hs. Koblenz CXP Bl. 42i> , 1337 : Thilmann Multorlin hat ein eigen
stucke ackirlant, dat ein morgen helt . ., dat emails was Petirs Juden von Muinstere.
*) MR. ÜB. 2, 3a, 1213: Heinrich von Isenburg bezahlt mit vom Kloster Laach ge-
liehenem Gelde u. a. zwei Judenschulden in Köln von 2 und 9 mr.
^) Stat. synod. 1227 c. 10, Blattau 1, 26: praecipimus districte, ne in mutuo ultra
sortem aliquid exigant, et ne propter moram solutionis aliquid petant, ne etiam propter
inducias sua mercimonia carius vendant, et ne pecuniam suam ad Cauwercinos vel ludaeos
ponant propter hierum.
6) Vgl. beispielsweise Lac. ÜB. 2, 829, 1287: das Kloster im Kottenforst gravibus
debitis apud ludeos et alios creditores nostros in magna summa pecunie . . oneratum. *Kobl.
Baurechnungen 1285: der Jude Lewentinus leiht der Stadt Koblenz 25 mr., s. dazu Hennes
ÜB. 1, 296, 1284: Lewantinus und Hainegeda ludei Confluentini (Ehepaar). S. ferner Bd. 3,
122, 6, 1321, und Arch. Clervaux 184, 1334; 186, 1335; 188, ,1335; 190, 1385; 209, 1339;
286, 1349.
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;» oi», ;u« !<»'«, M, *(\mI iinuuhMiui. IM. 4ü>» tf. laas im.no.
^) S, vo»* (»MtMH IM.MNo, n:l. t.MMO. r.MUor l.nr. V\ll\, (U. l:U)S; «mu l.omlttuilo UuUmA
»u Slogliu»^ qulUi^Mt (ItMH ({»nl'iM» \d»>U~\on H<M'g nhor olt\ Aulrhou von JU^OO m\.. »\ liUMHH) M.
\n\xtMVn (JoMow. .\»vh. ('lorv»ni\ No liUl. IJliJO Anr. VJHt l>Vt'>tlO\"io, MMumMu «1«^ N«MhMl>oM»>i,
ron)»Un\o WoHor, noi^HMU' d«» rloivtnu, sa rantlon pour VHU) II». ilo llullo |10(UH> M.j. juum^s
«lo U<u\\' «M SjUoiuou «lo \\oitll<lu\ j\>ilM; 0 li» li«M\(hii iiulruu\o. TopliM' l, ".HU. UUIO; ({o\^
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\l \i>n{(\\\\\h\\n \\\^ {\\u\yWi\\\nn\\\H or(»» 11». jinSOt) M.|, »|U{\m woblÜN \n don^iuus lJo(lolVi<lus
oou\OK \\o \\\\iiW\\, \\\\\\\{\nvi y\y XU'whvww t^l «lon»inuM l"VI»lorl«'us rouios sil\t^N(«M' »lo Kit^
h\^vA\ i\\lvov^nMm \\o llM\w>l(!^nMn lolui'» \o» or«l;U>o\>is Mipor soipsos rontu» lihl(S>s
«ro»Mu«uovl{UV l»>Ät*onn\t. o( y\o i\\\i[\\\H y\\\[\ »lo\n\ui \\\'A\\\\ mUokawwu »('lo\;no pv\Mnisonn\t,
xtUi»t\vlt. Awh. (1ovv<n>\ ISO. WMi .loan. Noi^iour do NalKinstoiw. rho\;Uior \W (»oil«MVivl
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UnnwlInlMMoh, \^l>OM\U«M. loin' i»nout. sh'okI ouga^O A na\or \\y\\\v o\\\ \\\w sonM>»o tlo -100 liwt^s
|»oUti» tnnn\v>ii« |4S000 M.| in» Jnif Kaao, lll?* S{nulon\»)n\u, lls lo (i«M\«lrout ituliMuuo. yU^
n\«Mui^ «juo HOM ortutlouN. S. hiovpu UaM K«^nno1m. S. {VM\, \lVXt, rit. olM^n S. l-IAO Noto 4.
*ilO<l. KosvoUt. S. T.SS. VX\{\ OKt. VM ; (las SiiU Maiur M'huMof o\\wMn IViiMvr .liulrii-
Kvn\ikO\((un\ UMl 11», N •. üwlVor T\nuoso. IDOOvH^ M.» s. v\ho« ^^» U «1 lv>KI KoNs^olst.
S« 7 IS, \\Ul\ M\\\{ 7{ \Vi»' .\k\\u\\\ ^\v\v von spaulum» . . orK(M\uon . .. »hu wir . . (»Umu
Kr»MM'l\»»f \»»\\ IViovl \>nMM\> h«MT«M\ \n\»l MntM\ Ju»I<m\ laum^ svlu»)»li^ jivwost sin . . [\\\\k\
\\yw\\ \K\\\\\y\\\\ \.m1»I»mI»»m\^ \>»m tMMM»t \\\\y\ \ hM'lun»»lovt »lolwo ^nMon oinon «olt" |!| aUlo
l\(nn>iVÄtnrnoso m bo#alonts oä nin»! tUJUUH^ M
•*) S. ol»o»\ s, 1441) Not»> Jl.
M Vw \\\\vv \\yA\i\\\y\\m^ V)il. als ohaiaMow; tisoho Siollon MK l U. Jn T(V^ r:i:>.
K»nna»l W, m\ {W\\m\\ \»n\ Si\\i»iji; « tn»UMs do 8in«tvho strttitn , » MX^ nn\ |lVhU>00 M |
»loUoas a««islji'nrt\'t^ omlo n^^^uv ot j>ov oaj^t(v\ta(»M»\, si ni^vvsso \\w\iu K''\[y\\\\\u''Vx'> [ s. <la»n
K UX\ Nnto a, nml S, VM[\ Xy\w 'X Mlv\ IM X mu), 1\>41 \'M. VvUmW K. Kon-
va»l* \\\{ olonons nos(»T H«M\vions jn>^j\»»sitns ralati»^l»M\NiN nol»is ^nvstitit JUH> \K TwNiwwsos
ot n\*s otvloM» vaptOH avsijina\i\uns nostws ln»lo»>s »\nu ii\(«^jiintaio »vn\n\ snannn. soilicot
U»^l«^\\>amnnu ot lUvKt^limnw m\»»u\ ^vnovnn\ »1»^ t\>H<>^<' <'t ,\a\\n\ \lo r»M\o, \\\ al» oiMlon
a»»i|»n\l »Mnn aooosMwns »lioto j»«vnnio »n*«^^^'^'«^'<'<^*' »lantos oivlom pv^osito potoMatom
\»»\»l»M\»U »l»>nn\H ot »vs o\n\nn» »4\nUnsonnv|no siUi visum iWvit ox^oUii^v v KM. 4, 874»
ItfTOi i^ral \V\l)>olm von Jnlioh, i\n HosiUt> \Un" Kaisovliohon \uvhto in Sinnig. l»ostatijst ilio
alt»My \\tvUto »l»^r lhn>i>iraton von U,^\n\no\>ittMn dasolbst, imlos niohil iiiris Ual»\\orn\\t vol
hal»n\ni s\nn in j»»mm»\\>n \»^l»ns ot sowuiis »Mno\>i^nto^ns) |l^.i o\noi>ivnlii>| InvUvnuu o(
ran\v\vinonti\nn \vxi»lonti\n\» \«^1 vonionti\nn avml Siu>tv\n\ oisi »\o oansis in i\uUoinm
— 1455 — l^it? Laiidesvenvaltimg.]
iiiul . freilich hier weireii viel späterer Judeiiansiedlmig nicht in Betracht
koniinond ^ . Koblenz in frenulen Besitz iielanjj,ten. änderte sich die Lage
der eUiden nicht; sie erscheinen mm als nntreie Untergebene des neuen Herrn,
z.B. in Trier im Beginn des 13. Jhs. als solche des Erzbischofs -. Dieser Zu-
stand trat nun aber auch dann ein, wenn sich Juden, \\ie das im >[oselland
seit der zweiten Hälfte des 13. Jhs. geschah ^ aus alttiskalischen Orten ent-
fernten und in andere Städte zogen; hier traten sie ebenfalls in die Leib-
eigenschaft des Stadtherrn ^. Xun war aber der Stadtherr fast stets schon
in dieser Periode oder wurde wenigstens sehr bald identiscli mit dem Landes-
herrn: so wurden die Juden landesherrliche Knechte; das Beich zog sich
schliefslich völlig von ihnen zurück^. Der AVechsel war für die Juden kein
ungünstiger; der Landesherr vermochte sie besser zu schützen, als der
König; zudem besafsen sie territoriale Freizügigkeit"'. Das letztere ^loment
macht sich bald in einer starken Anhäufung der Juden in den gröfseren
Städten fühlbar: so finden wir einen Wideman von Saarburg und Samuel
Maldir von Saarburg, weiterhin einen Aaron von AVittlich und einen Abraham
von Kesten in Trier ^\ wohingegen die Stadt Trier im J. 1338 ausdrücklich eine
Beschränkung der Trierer Juden auf 50 Hausgesesse stipuliert": in der That
nuii'ste der Aufenthalt in gröfseren Städten für jeden unternehmenden jüdi-
schen Kopf allerseits wünschenswert erscheinen.
Während aller dieser Abwandlungen, dem Verschwinden der Beichszu-
ständigkeit und dem Aufkonnnen landesherrlicher Herrschaft, war nun aber
die privatrechtliche Lage der Juden die gleiche, unbefriedigende geblieben.
Der Jude gehörte mit Leib und Gut dem Landesherrn; dieser konnte ihm de
tractis; de quibus iios [Wilhelm von Jülich] auetoritate iniperii lihero disponere poterinms
quod nobis videbitur expedire.
i) S. oben S. 1449 Note 3.
•-) S. UStift S. 400. und schon G. Trev. Cont. 1, 17, MGSS. 8. 190, 1096: Flucht der
Juden in den erzbischöflichen Palast. Vgl. auch schon a. a. 0. c. S, S. 182. 1066.
^) Bisweilen auch in den Schutz der Stadt; dieses vorübergehende Moment jüdischen
Stadtschutzes wird im J. 1356 für Trier unterdrückt, s. die folgende Note.
*) S. oben S. 1276: speziell Honth. Hist. 1, 796, 1356. K. KarllV. urkundet tur Trier
in Erneuerung älterer Privilegien : in ihre statte Trier Coblenz und andere vesten und schloße
mögen [die Erzbischöfe] zu ihrem willen emptahen setzen und behalten Juden mit irer haben,
von welchen landen daß sie kommen ; und gebiethen bei unsern hulden den vorg. statten Trier imd
Coblenz und allen anderen gemeinden und untersäßigen in stetten und vesten des Stifts zu
Trier, daß sie solch unser sätze und freiheit, als der vorg. erzbischof sein nackkonunen und
der Stift ihi-en Juden geben globen und mit ihren brieten verschreiben, ungekränket und
imgeletzet halten, und daß sie kein Steuer volleist mitgäbe oder schenke an die Juden fordern
heischen ader mit gewalt von ihnen bringen.
^) Der Landesherr schützte sie jetzt überall im Territorium, vgl. CRM. 3, 148, 1326 :
Erzbischof Palduin beklagt sich über die Bopparder, dat si sinen Juden verdriven haven. S.
ferner Bd. :^. No. 160, 1344.
«) Arch. ClervaiLx 184, 1334; Bd. 3, 420 Note 4. 1337: No. 155, 1342.
') Bd. 3 No. 141. 1338.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1456 —
iure alles und jedes nehmen; nicht einmal ein gesichertes Erbfolgerecht war
vorhanden ^
Dieser klaffende Rifs zwischen materieller und rechtlicher Lage mufste
zu höchst abnormen Erscheinungen führen.
Auf der einen Seite lag die Versuchung für den Landesherrn unüber-
windlich nahe, die reichen oder reich werdenden Juden vermittelst jährlicher
Prekareien oder Pachte^ legal zu brandschatzen, und diese Brandschatzung
wohl gar zum integrierenden Bestandteil seiner Finanzpolitik zu machen^.
Auf der anderen Seite mufste sich der Jude daran gewöhnen, va-banque
zu spielen, fürs Leben herauszuschlagen, was herauszuschlagen war. In dieser
Empfindung wurzelt wohl nicht zum geringsten Teile der Wuchersinn der
Juden des späteren Mittelalters. Nimmt man hierzu die generelle wirtschafts-
geschichtliche Erscheinung, dafs fremde Bevormundung in wichtigen Wirt-
schaftsbetrieben stets zu gewaltsamer nationaler Reaktion treibt, so erklären
sich aus allgemeinen wie besonderen Gründen die Judenunruhen des 13. und
14. Jhs. *. An der Mosel begann es in dieser Beziehung zum erstenmal im
J. 1241 unheimlich zu werden; damals übte der König zum letztenmal wirk-
sam den Judenschutz aus^. Dann hatte man im J. 1265 besonderen Anlafs,
die Koblenzer Juden unter den Schutz des Trierer Erzbischofs wie der Stadt
zu bringen ^. Diese Mafsnahme vermochte indes nicht, eine erneute Bewegung
1) Vgl. als bezeichnend Bd. 3 No. 160, 1344; auch No. 155, 1342; s. ferner *Bald.
Kesselst. 1352 Nov. 1 : Erzbischof Balduin verleiht ein Haus mit Backhaus und Garten zu
Karden, das beim Tode des Juden Salman von Kochern ihm verfallen war. Im letzteren
Fall handelt es sich vielleicht um Gut, welches infolge der Judenschlachten herrenlos ge-
worden war.
2) S. schon oben in S. 1453 Note 3 MR. ÜB. 3, 746, 1242; 787, 1244; CRM. 3, 152, 1327;
vgl. ferner .für Trier Bd. 3, S. 422, 9, 1336: von den Judenpensionen dieses Jahres sind
6800 Ib. hl. = 292 200 M. nicht eingegangen. Im J. 1337 werden von den Juden in Trier
eingenommen 2165 Ib. 11 s. 1 hl. = 95 282 M., a. a. 0. S. 422, 23, 1337. Im J. 1338 bleiben
die Juden schuldig de pactis suis 23 000 fl. parvos vel circa = 1 012 000 M., a. a. 0. S. 427, 32.
Im J. 1339 werden von den Juden eingenommen 6000 fl. vel circa = 264 000 M., a. a. 0.
S. 428, 13. Zum Ausdruck Pacht s. auch noch Bd. 3, S. 187, e, 1343.
3) Darüber s. unten S. 1469 f.
*) Die früheren Unruhen waren an der Mosel gering; die ersten antijüdischen Neigungen
waren wohl dogmatischer Natur, vgl. Stat. synod. 888 c. 4, Blattau 1, 4: Guntherus Metensis
ecclesiae primicerius obtulit libellum proclamationis super ludaeos, qui habitant Metis.
quapropter interdictum est iuxta capitula sanctorum patrum, ut nemo Christianorum cum eis
manducat et bibat, vel quicquid comedi aut potari potest, a ludaeis accipiat. Auch die Un-
ruhen der JJ. 1066 und 1096 tragen noch wesentlich religiöse Färbung, s. G. Trev. Cont. 1,
8 u. 17, MGSS. 8, 182 u. 190.
^) G. Trev. Cont. 4, MGSS. 24, 404, 1241 : ludeorum quoque plurimi exultare ceperunt,
Messiam suum venire putantes et liberationem suam eo anno instare ... et aliquibus sus-
picantibus, quod aliquid mali deberent contra Christianos moliri, multorum favorem amiserunt,
sed auctoritate potestatis imperatorie sunt protecti. Schon die Urkunde MR. ÜB. 3, 543,
1235 giebt den Eindruck (vgl. z. B. die Bestimmung: (fenestras) ludei ferro sufficienter
munient), dafs die Sicherheit der Juden in Trier gefährdet war.
6) CRM. 2, 212, 1265.
— 1457 — t)ie Landesverwaltung.]
in Koblenz im J. 1283^ zu hindern, der sich nach vier Jahren Krawalle in
Oberwesel (der h. Werner) und in Andernach anschlössen-. Nach diesen
Skandalen folgte eine längere Zeit der Ruhe; jetzt hatte der Landesherr den
Judenschutz endgfiltig und ernstlich in die Hand genommen, während die Un-
ruhen der achtziger Jahre des 13. Jhs. eben die Übergangszeit von Reichs-
zu Landesschutz bezeichnen. Allein mit den dreifsiger Jahren des 14. Jhs.
wurde der populäre Hafs gegen die immer gefährlicher aussaugenden Juden
so grofs, dafs auch der landesherrliche Schutz nicht mehr vor Gewaltthaten
zuriickhielt. Im J. 1337 begannen, von verarmten Adligen ausgehend, die
Krawalle am jMittelrhein. in Boppard und Oberwesel, wie in Trier ^•, damals
fingen Ausdrücke, wie percussor ludeorum *, die slacht dun ^, an, völlig technisch
ausgeprägt zu werden. Dann erfolgte in der Mitte des Jhs. der Hauptschlag,
von welchem sich die Juden im Mittelalter nie wieder erholt haben. Die
nächste Folge war ihre Vertreibung sogar in Orten wie Trier und Koblenz^,
ob das*Interesse der Fürsten gleich auf sofortige Wiederansiedlung hinauslieft.
Seit den sechziger Jahren des 14. Jhs. treffen wir denn allerdings wieder
Juden in Koblenz^ und Trier ^, sowie an kleineren Orten, wo sie sonst kaum
1) Zur Unterclrückimg s. Honth. Hist. 1, 819, 1283, Koblenz: si quis in mortem ludeorum
damnum et dispendiimi rerum et personarum eorundum conspiraverit, aut quovis ingenio vel
arte machinatus fuerit, et convictus de predictis . . per duos idoneos testes cives sive oppi-
danos Confluentinos fuerit: bona sua quecunque cedant domino archiepiscopo extunc ipso
facto, et persona ipsius in eiusdem domini arbitrio et potestate. S. dazu oben S. 1343
Note 7.
2) G. Trev. c. 196, 1287, De bono Wernero zu Oberwesel: die Juden aus Oberwesel
vertrieben, tantum illi, qui se in castris et munitionibus nobilium recipere poterant, ab huius-
modi plaga vix tuebantur. Fiir Andernacli s. CRM. 2, 325, 1287.
^) G. Trev. c. 257, 1337: quidam depauperati nobiles sibi regem prefecerant, cui nomen
Armleider imposuerunt, qui magnis civitatibus expugnatis ludeos, quotquot invenire poterat,
crudeliter trucidavit. Zum Genauem s. Bd. 3, 168 Note 1; 454 Note 1; Dominicus
S. 403—405.
4) S. Bd. 3 Wortr. u. d. W.
^) Vgl. *Bald. Kesselst. S. 36, 1338 Mcärz 18., s. auch schon oben Note 1.
6) S. Bd. 3, 486, No. 28, 31, 1350; *Bald. Kesselst. S. 429, Beschwerdepunkte Erz-
bischof Balduins gegen Trier, 1351, § 12: Item han ir ingeseßen burger und burgers kint
uß Triere und wider darin unser Juden binnen vonvorten erslagen und ir gut genomen und
h' brieve genomen und verdiliget und darzü unser Juden huser und Iren bischof geraubet
und zübrochen.
^) *0r. Koblenz St. A. 1350 Mai 22. erw. Dom. 532 Note 1: Befehl Karls IV. an
Richter, Schöffen und Btirger von Luxemburg, auf sichere Ansiedlung von Juden Bedacht
zu nehmen. S. dazu Arch. Clervaux 361, 1358: Jean vonme Steine, Jean et Frederic, ses
fils, Chevaliers, declarent que dame Lucart de Bassenhem leur a prete 130 florins, qu'elles a
empruntes pour eux chez des juifs ; ils la tiendront indemne de tout dommage. — In Wittlich
ist 1351 ein Jude, s. Töpfer 1, 266, 1351.
^) Judenhäuser werden vom Erzbischof verpachtet zu Koblenz 1366 Dez. 22, 1367
Mai 12; zu Trier 1369 Juni 3; alle dreimal an Juden; s. Goerz, Regg. der Erzb. zu
den Daten.
») S. Honth. Hist. 2, 227, 1362; Ferdinand S. 92, 1377: auch sullent die Juden, die
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1458 —
eine Rolle gespielt hatten^; zugleich suchte man durch vermehrte Besetzung
mit Lombarden die entstandene Lücke zu füllen^. Und gegen SchluTs des
14. Jhs. schien es sogar, als ob sich die Juden nochmals von dem Unglück
der dreifsiger und vierziger Jahre erholen würden; sie ziehen sich wieder in
die grofsen Städte^ und lösen in den kleinen Orten die Lombarden erfolgreich
ab*. Aber in diesem Aufschwung unterbricht sie eine neue Verstol'sung aus
Trier um das J. 1419^: seitdem finden sie sich bis gegen Schlufs des Mittel-
alters nur noch als verhafste Rasse in einzelnen kleinen Orten des Mosellandes ^.
zu Triere wonent, ungelt zu Triere geben, als andere burger daselbst. Vgl. auch Ferdinand
S. 40. Ein Hauptjude zu Trier war in den achtziger Jahren Menchin, s. Töpfer ÜB. 2, 36^
1380; Arch. Clervaux 549, 1384; 569, 1388; Toepfer ÜB. 2, 75, 1389.
1) S. Töpfer ÜB. 1, 342, 1370; 503, 1378.
2) Honth. Hist. 2, 276, 1376: Erzbischof Kuno erlaubt in einem sehr ausführlichen
Privileg vier Lombarden in einem Hause zu Oberwesel den Aufenthalt auf 9 Jahre; und ein
weiteres Jahr zur Geschäftsabwicklung. Sie werden vielfach eximiert, haben das Monopol
für Oberwesel und Umgegend, ihr Zins beträgt in festo beati Remigii et principio cuiuslibet
anni 90 fl. de Florencia ponderosos et legales vel valorem eorundem nomine annui census.
Sie erhielten schon einige Jahre vorher Privilegien, s. Goerz, Regg. der Erzb. zum 27. und
29. Dez. 1372. S. ferner WBreisig, G. 2, 637, dessen Notizen auf diese Zeit zurück-
gehen mögen.
3) Töpfer ÜB. 2, 94, 1395.
*) So in Oberwesel (s. Note 2) nach CRM. 4, 44, 1410. Auch in Ahrweiler, wo
ursprünglich (*Dipl. Prüm. Bl. 88^ f., 1314) nur Lombarden safsen, vgl. WAhrweiler 1395,
G. 2, 645.
^) Am Schlüsse der Trierer Schöffenordnung von 1400 steht noch eine Verordnung
über die Eidstabung der Juden, Ber. der Ges. f. nützl. Forschgn. 1869 — 71 S. 39. Dann
erfolgt aber die Austreibung c. 1419, s. Honth. Hist. 2, 363 Note a; vgl. Herrn. Korner
Chron. z. J. 1419: Erzbischof Otto confirmatus . . omnes ludeos de sua provincia expulit,
magis eorum exhorrens malitias . . quam ponderans lucrum vel commodum, quod ex eis
habere potuisset. bona vero eorum confiscavit, restituens cuilibet 30 d. in memoriam vendi-
tionis Christi pariter et vindictam. reddidit etiam pignora circa eos inventa omnibus debi-
toribus eorum, quae ipsi pro mutuis a Christianis acceperant, postulans ab eisdem debitoribus
solam summam a ludaeis ipsis concessam. Trithem, Ann. Hirsaug. z. J. 1418: Erzbischof
Otto vertreibt die Juden aus Trier, quorum nullus Trevirim reversus est usque in presentem
diem. erant autem eo tempore in civitate Trevirorum abundantes ludei, propriam et clausam
haud procul a foro habentes plateam, quae et hodie exstans nomen habet ludeorum. Juden-
häuser werden verpachtet zu Trier 1422 (das Hospital), 1424 Aug. 29, 1418—1430, alle
dreimal an Christen, s. Goerz, Regg. der Erzb. z. d. JJ.
^) Töpfer 2, 459, 1474: das Haus eines Juden zu Neumagen geplündert. CRM. 5,
119, 1540: und dieweil sich ein gemein zu Obermendig nit wenig beschwert findet, daß
(unter dem früheren Vogt) ein Judde daselbst zu hauswonong gesetzt wurden und dadurch
allerlei boeßheit, mit namen versetzen und wucheren, entstanden, dergleich auch so allerlei
bubelfolks durch mißbrauch des vergleidens sich zu 0. niddergeschlagen und daselbst bis
noch enthalten hab, . . begeren sie . . , daß erstlich der Judde seiner wonong uß dem dorf
verwesen und hienfurters keiner mehr dahin gesetzt, auch kein frembde totschleger moerder
dieb und dergl. misdedigen über acht oder vierziehen tag ufs langst vergleitet und sunst
auch so wenig als möglich firembde, die nit hoebner seien, daselbst geduldet werden suillen.
Zu den weiteren Schicksalen der Juden vgl. Honth. Hist. 2, 608, 1518; 621, 1529; 762 und
763, 1555; Scotti, Chur-Trier 1, 642, 1663; G. Trev. c. 361.
— 1459 — Die Landesverwaltung,]
Ziehen wir nunmehr aus der Geschichte der Juden einen Schlui's zur
Finanzgescliichte des Territoriums, so wird er dahin lauten müssen, dafs die
Juden mit ihren Kreditinstituten und Banl<firmen für diesellie nur im 13. Jh.
und in der ersten Hälfte des 14. Jhs. in Betracht kommen konnten, })ei ihrer
personalen Stellung zum Landesherrn aber fast unausbleiblich in Betracht
konnnen mufsten.
Wenn wir aber nunmehr mit dieser Direktive in die Geschichte der
Trierer Finanzverwaltung selbst eintreten \ so scheint es sehr natürlich, zu-
nächst die Frage zu stellen, um welche Summen, welche Höhe des Jahres-
budgets es sich bei dieser Verwaltung gehandelt habe.
Angaben über die Einnahme- bezw. Ausgabehöhen von König und
hölierem Adel sind uns aus dem früheren Mittelalter in ziemlicher Menge
erlialten. So hätte z. B. Kaiser Otto I. nach den Angaben der Ann»
Palid. S. 62 und des Ann. Saxo z. J. 968 täglich Naturalservitien im Werte
von etwa 30 Ib. zu verwenden gehabt; wenigstens nach den Ausführungen
von Waitz, Vfg. 8, 274, decken sich die Angaben in ungefähr dieser
Weise. Es wären dies c. 3 780 000 Gr. Silber auf das Jahr oder nach
unserem Gelde unter Annahme heutiger Kaufkraft des Silbers 7 560 000 M.
gewesen^. Eine andere lehrreiche Angabe findet sich bei Adam von
Bremen 3,45; er berechnet den Ertrag einer Grafschaft auf c. 1000 Ib.
argenti, etwa 201600 Gr. Silber oder heutige 220000 M.^ Hierzu ver-
gleiche man den Wert des RuwTrhundertschaftsamtes in der Trierer Gegend
während der ei'sten Hälfte des 13. Jhs. mit mindestens 465 Ib. Trierisch,
66 960 Gr. Silber oder 77 387 M., einer Summe, welche ein Einkommen von
7700 M. voraussetzt*. Eine der letzten und umfassendsten Nachrichten end-
lich über Einnahmehöhen im Mittelalter bringen die Kolmarer Annalen für
die zweite Hälfte des 13. Jhs., Böhmer, Fontes 2 S. XII; sie schätzen die
Einkünfte von Böhmen auf 100000 mr. , von Sachsen auf 2000 mr.^, der
Pfalz auf 5000 mr., von Bayern auf 15 000 mr. Ferner werden geschätzt
Mainz auf 7000 mr., Köln auf 50000 mr., Trier auf 3000 mr. Hier erhalten
wir also auch eine Angabe für Trier; sie würde auf 480 000 M. unseres
Geldes hinauslaufen.
^) S. u. a. auch Warnkönig 1, 284, 290; 3, 123.f.; v. Below S. 25 f.
') Gfrörer, Gregor VII, 1, 547 berechnete ans den Angaben des Ann. Saxo zweifellos
zu hoch 9 300 000 fl. und schlägt zudem die Einnahme aus Geldrenten (im 10. Jh. !) ebenso
hoch an. Aufserdem übersieht er, dafs es sich in den Angaben nicht um die Einnahme^
sondern um die Ausgabe für die Hofhaltung handelt. Die Stelle des Ann. Saxo z. J. 968
lautet: (Otto) Imperator singulis diebus habuit huiusmodi cibum, sicut scriptum invenitur:
1000 porcos et oves, 10 carr. vini, 10 cerevisie, frumenti mir. 1000, boves 8, preter pullos
et porcellos, pisces, ova, legumina aliaque quamplurima. Vgl. auch oben S. 808 Note L
^) Vgl. Waitz, Vfg. 7, 32.
'^) S. oben S. 202, wo die obige Grammsumme statt 6138 Gr. zu lesen ist.
="•) Wohl verdächtig, vgl. Lorenz, Deutsche Gesch. 1, 882 Note 3.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1460 —
Seit dem 14. Jh. aber verstummen Angaben wie die eben zitierten ; erst
im 18. Jh. treten an der Mosel wieder in allgemeinen historischen Quellen
so generelle Schätzungen mit dem Anspruch auf Glaubwürdigkeit auf^ Das
hindert natürlich nicht, dafs auch in der Zwischenzeit allgemeine Angaben,
aber ohne grölseren Anspruch wie den vager Schätzung vorkommen. Hierhin
gehört der bekannte Ausspruch Luthers, zum Leben eines wohlsituierten
Bürgers oder Bauers gehöre eine Jahreseinnahme von 40 gl., zum Leben eines
wohlhabenden Ritters, Grafen, Fürsten, Königs das jedesmal Zehnfache der
Summe des nächstunteren Standes, so dafs also auf den König 400000 gl.
kommen.
Welcher Grund besteht nun dafür, dafs man in der zweiten Hälfte des
Mittelalters nicht leicht mehr so allgemeine Angaben wagte, wie sie im früheren
]\ littelalter häufiger vorkommen? Ohne Zweifel hatte man mit dem Auf-
kommen immer strengerer Anforderungen an die Budgetierung allmählich das
Vage, unmittelbar rechnerisch kaum zu Verantwortende solcher Aufstellungen
erkannt. In der That war es noch im 14. und 15. Jh. eine volle Unmöglich-
keit, Ausgaben und Einnahmen eines Landeshaushaltes in dem uns geläufigen
genauen Sinne zu berechnen. Sehen wir auch ganz von dem Schwanken der
Naturaleinnahmen ab, welches damals noch einen viel gröfseren Einflufs auf
das Jahresbudget hatte, wie heutzutage^, so war es vor allem das An-
weisungssystem, welches eine ausreichende Budgetierung an der Zentralstelle
unmöglich machte^. Nach diesem System war einmal eine ganze Reihe per-
manenter Anweisungen erfolgt, d. h. eine grofse, ja vielleicht hier und da die
überwiegende Masse aller Einnahmen war ein- für allemal für vorgesehene
Zwecke festgelegt und wurde zu diesem Zwecke, ohne rechnerische Spuren an
der Zentralstelle zu hinterlassen, womöglich in wiederum in sich schwer über-
sichtliche Nebenrezepturen ^ abgeführt. Aufserdem aber kam es nach diesem
System zu massenhaften einmaligen direkten Zahlungsanweisungen an untere
Kassen, deren Kontrolle in der Zentralverwaltung wohl stattfinden konnte, aber
schwierig war. Und dieses Anweisungssystem hörte in den Territorialver-
waltungen keineswegs sogleich auf zu funktionieren^; es schleppte sich noch
1) Honth. Hist. 3, 211: unter Erzbischof Franz Georg (1729—1756) aucti domaniales
reditus ad 50 000 imperialium et amplius. servat jjraeterea immensam vim vinorum et annonae
frumentariae, certum adversus inexspectatam communem penuriam remedium. Hierzu stimmt
es, wenn Moser, Staatsrecht S. 206, die kurfürstlichen Kammereinkünfte als um 1721 gering
bezeichnet. Vgl. ferner G. Trev. c. 377, um 1777: Jahreseinnahme der kurfürstlichen Kammer
320 000 Thlr., Schulden derselben 150 000 Thlr., Landesschulden 1 Mill. Thlr. Diese An-
gaben erscheinen durchaus glaubwürdig.
2) Das Schwanken der Einnahmen von Jahr zu Jahr läfst sich gut bei ULuxemburg
S. 359 f. Terre de Byedebourch et d'Epternay verfolgen ; ebenso S. 364 f. Terre de Marville.
3) S. dazu oben S. 834 f., 882, auch S. 300.
4) S. oben S. 837.
'^) S. z. B. Gart. Clairefontaine 53, 1270, für Remich und Grevenm acher : Margareta
comitissa Luceburgensis et Henricus eins primogenitus praepositis villicis ac universis officiatis
suis de Ramur et de Macre et aliis quibuslibet, ad quos praesentes litterae pervenerint,
— 1461 — -Die Landesverwaltung.]
lange fort und ward nur sehr langsam durch ein rigoroses, nach Einnahme
wie Ausgabe in der Hauptkasse zentralisiertes Budgetsystem abgelöst. Aber
auch abgesehen von diesen technischen Schwierigkeiten: wie sollte in einer
Verwaltung, in der unendlich viele Einnahmen auf Spanndienst und Fronde,
auf festen Naturalzins und quotale Abgabe hinausliefen, denn alles und jedes
berechnet und gebucht werden ? Auch hier trat allerdings mit der Hebung von
Geldsteuern, mit dem Aufkonnnen des Subsidiums in der zweiten Hälfte des
13. Jhs. ^ und der Zunahme der direkten Besteuerung besonders im 15. Jh. ^
allmählich eine Änderung ein, allein vorläufig hatte man noch mit der alten
naturalwirtschaftlichen Einrichtung des Budgets zu rechnen. Und eben der
Gegensatz zwischen der genaueren Budgetierung, welche man anstrebte, und
dem nicht mehr genügenden System, welches man vorfand, mag zu einer ge-
wissen Zurückhaltung in der Angabe voller Einnahmehöhen geführt haben.
Hat man nun aber den früheren Angaben des 10. bis 13. Jhs. absolutes
Mil'strauen entgegen zu bringen?
Zur Prüfung kann man ein doppeltes Material verwenden. Einmal kann
man Einnahmen und Ausgaben von Unterverwaltungen heranziehen und aus
ihrer Höhe einen Schlufs auf die Gesamtlage des Landes zu machen suchen.
Am wenigsten würden hier die kleinen Hof budgets der landesherrlichen Grund-
herrschaft zu verwenden sein, sie gehen zu sehr in der Naturalwirtschaft auf;
am brauchbarsten wären — aufser den zu spät erscheinenden Subsidien^ —
die Budgets von Münzen und Zöllen für die Einnahme, die Budgets von
Ämtern und Burgmannschaften für die Ausgabe^. In der That steht hier auch
manch wertvolles ^laterial zur Verfügung, so z. B. die Angabe, nach welcher
die kölnischen Münzeinkünfte im J. 1174 für 1000 mr. (c. 320000 M.), die
Zolleinkünfte für 600 mr. (c. 190000 M.) verpfändet w^urden'\ Allein sehen
gratiam suam et omne bonum. Mandamus vobis et firmiter iniungimus, quatenus omni im-
pedimentoriim occasione cessante dilectis filiabus nostris in Christo abbatissae et conventui
Clarifontis vel eorum certo mandataro viginti in Macre et in Kamur decem am. vini de meliori,
qiiod ibidem nos habere contigerit, deliberetis et deliberari faciatis quolibet anno, altero
mandato minime expectato, quousque vobis aliud dederimus in mandatis. Cod. Salm 275, 1394 :
10 gl. Rente angewiesen in Nuzichen Wahlen Gebenhusen und Noswilre uf die schaffe, die
do gefallent, zu wissen uf die scheffe die zu sant Remeis dage gefallent, fünf alte gl., und uf
die scheffe, die zu osteren gefallent, ouch fünf gl. und obe die vorgenanten dörferen so
crank wurden, dovor got si, dafs der vorgenante CoUin oder sine Hbserben der egenanten
zehen gl. geltz nit jores bezalt möchten werden an den scheifen vorgeschrieben, so bewisen
ich in zehen gl. geltz uf allez min ander gut zu Putelingen und sine zugehörde.
1) S. oben S. 1283 f , vgl. S. 1274.
2) S. oben S. 1334 if.
3) Bd. 8 No. 292, 1339.
*) S. Bd. 2, 530, 531, 537, 539; Bd. 3, 161, lo, 1386—1345.
5) S. Bd. 2, 350. Vgl. ferner oben S. 964 Note 2; auch Bd. 8, 421, 3o, 1336: der
Moselzoll in Koblenz wird auf 200 Ib. hl. = 88 000 M. Einnahme gerechnet; ist so hoch
verpachtet a. a. 0. S. 426, i, 1338.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1462 —
mr ganz davon ab, dafs das vorliegende Material für unser Vorhaben viel zu
lückenhaft ist und viel zu spät einsetzt, so steht doch auch hier das Bedenken
entgegen, dafs die Ausgabeseite bei den vielen nicht berechneten Dienst-
leistungen der Unterthanen an Beamte und Söldner überhaupt nicht in Betracht
kommen kann, dafs aber auf der Einnahmeseite die vollen Revenuen von
Zoll, Münze u. a. m. in den meisten Fällen deshalb an der Zentralstelle und
in den an diese gestellten Rechnungen nicht übersehen werden, weil von ihnen
permanente wie bisweilen sogar einmalige Anweisungen vorher abgezogen er-
scheinend So fällt denn das Material aus dem Budget der Unterverwaltungen
für unsere Prüfung aus.
Aber es bleibt noch ein weiteres Material: direkte urkundliche An-
gaben über die Höhe gewisser Ausgaben oder Einnahmen, welche mit den
Territorialfinanzen irgend welchen Vergleich zulassen. Hierhin gehört zu-
nächst die Angabe der G. Godefr. Trev. c. 2 vom J. 1124, wonach dem
Könige als Preis für Erlangung des Erzstiftes Trier 1100 mr., etwa 420000 M.,
geboten werden^: unter dem Eindruck einiger bald anzuführender That-
sachen wird man annehmen dürfen, dafs dieser Kaufpreis die Schätzung
einer Jahresrevenüe nicht eben viel überstiegen haben wird. Ferner ist in
diesen Zusammenhang eine sehr lehrreiche Urkunde vom J. 1096, MR. ÜB.
1, 394, zu ziehen, nach welcher Graf Wilhelm von 300 Hufen als jährliche
Einkünfte 200 mr., etwa 30000 M. heutzutage, entrichtete. Diese Summe
wird nach dem sonstigen Inhalt der Urkunde ganz den wirklichen Einkünften
entsprochen haben. Nun hatte das Erzstift Trier im Beginn des 13. Jhs.
etwa 620 Hufen im Eigengenufs^, die direkten Einkünfte aus grundherrlichen
Hufen mögen mithin im 12. Jh. etwa 60000 M. betragen haben. Hierzu
stimmen einige spätere Angaben. Im J. 1242, MR. ÜB. 3,755, wird das Castrum
Saarburg mit Ausnahme des Hofes Bilzingen für 1000 Ib. Trierisch (160 000 M.)
auf Rückkauf verpfändet; die Einnahme wird demgemäfs auf 1001b. (16000 M.)
geschätzt*. Saarburg aber war ein Hauptplatz der Trierer Grundherrschaft.
Noch bedeutsamer ist die Nachricht, wonach 8 Höfe der Trierer landesherr-
1) Vgl. z. B. für die Münze Bd. 2, 374.
2) Vgl. hierzu verwandte Angaben über andere geistliche Stellen bei Waitz, Vfg. 8, 408 f.
3) S. oben S. 703.
4) Vgl. zu diesen Angaben oben S. 1263 Note 3, und MR. ÜB. 3, 858, 1246: der
Oraf Friedrich von Hochstaden schenkt seine Grafschaft Hochstaden und die Burgen Alten-
ahr, Hart und Hochstaden an Köln gegen eine Leibrente von 60 mr. kölnisch (15000 M.).
Es sind das aber nicht die einzigen Einkünfte des Grafen. Lac. ÜB. 2, 416, 1255: Erz-
hischof Konrad von Köln überweist seine sämtlichen Besitzungen zu Ehens dem Friedrich
von Schonenburg, welcher die Befriedigung der übrigen darauf angewiesenen Forderungen
übernommen, für 530 mr. in Pfandnutzung: sie tragen etwa 50 mr. jährlich, c. 7500 M. Lac.
ÜB. 2, 952, 1295: König Adolf befiehlt den Vorständen und Bürgern von Sinzig, dem Edelherrn
Gerhard von Jülich, welchem er ihre Stadt für 1000 mr. verpfändet, zu gehorsamen, und be-
stätigt ihre Privilegien. Es sind etwa 140 000 M. Eine weitergehende Verpfändung Lac.
ÜB. 2, 1042, 1300.
— 1463 — l^ie Landesverwaltung.]
liehen Grundherrschaft im J. 1323 3136 Ib. Trieriscli, c. 10500 M unseres
Geldes, trugen ^ Nun hatte die Trierer Grundherrschaft des 13. bis 14. Jhs.
mindestens den siel)enfaehen Umfang des Besitzes der genannten 8 Höfe^,
die Gesamteinnahmen wären also für diese Zeit auf mindestens 73 500 M. zu
veranschlagen.
Vergleicht man diese Nachrichten mit der Angabe der Kolmarer Annalen,
wonach die Trierer Einklinfte in der zweiten Hälfte des 13. Jhs. auf
480 000 M. geschätzt wurden, so zeigt sich kein Grund zum Mifstrauen gegen
dieselbe. Die Einnahmen würden vom Beginn des 12. Jhs. bis über Mitte
des 13. Jhs. von 420000 auf 480000 M. gestiegen sein, die grundherrschaft-
lichen Revenuen wlirden in dieser Periode und noch über dieselbe hinaus
etwa ^'6 bis ^V der Gesamteinnahmen ausgemacht haben ^.
Überraschen könnte höchstens das geringe Steigen der Einnahmen im
Laufe von vier bis fünf Generationen. Allein eben hier bietet die sonst be-
kannte Geschichte des Erzstiftes die vollste Erklärung; gerade seit etwa Mitte
des 12. Jhs. beginnen, von nun ab ohne Unterbrechung, detaillierte Nach-
richten über den Stand des erzbischöflichen Vermögens, welche diese Er-
scheinung aufldären. Diese Nachlichten sind aber, wie sich bald zeigen wird,
für uns überhaupt von viel gröfserem Interesse, als die direkten Angaben über
die Höhe der Einnahmen; sie müssen daher auch noch über das 13. Jh.
hinaus genauer verfolgt werden.
Um die Mitte des 12. Jhs. finden wir die finanziellen Verhältnisse des
Erzstiftes ziemlich zerrüttet; um das J. 1160 wird in Trier zur ersten Ver-
pfändung geschritten, von welcher wir urkundlich wissen*. Da folgt mit Erz-
bischof Arnold (1167—1183) ein g-uter; Wirt; er leiht im J. 1182 80000 M.
an Köln^^ erübrigt jedes Jahr durchschnittlich 50000 M. für Klöster und hat
aufserdem einen Schatz hinterlassen. Doch w^ar diese Fürsorge für den Nach-
folger infolge der Ausübung des Spolienrechts illusorisch*''. Erzbischof Johann
(1190 — 1212) mufste also nach einem siebenjährigen Schisma ökonomisch
wieder von vorn beginnen ^ wobei es ohne Verpfändungen nicht abging ^. Doch
1) S. Bd. 2, 180.
2) S. Bd. 2, 178 f.
3) Vgl. zu der Geringfügigkeit dieses Bruchteils auch oben S. 1460 Note 1.
*) MR. ÜB. 1, 657, c. 1160. Pfandnehmer ist schliefslich das Kloster Himmerode.
4 MR. ÜB. 2, 55, 1182: Erzbischof Arnold von Trier leiht an Philipp von Köln
232 mr. kölnisch gegen Verpfändung der kölnischen Cmiae Rhens Senheim Rachtig Zeltingen.
6) G. Trev. Cont. 3, 5, MGSS. 24, 383: Erzhischof Arnold stirbt 1183; post cuius
decessum parum vel nichil de omnibus divitiis suis, quas in urbe vel castellis reliquerat, ad
effectum suae ordinationis processit, preter hoc solum, quod industria prefatorum abbatum
illa rata manserunt, quae aecclesiis ad elemosinam concessit [es waren c. 2000 mv., nach
unserem Gelde 750 000 M.]. siquidem Wernerus de Bonlanden cum aliis nuntiis imperatoris
omnia ubique invaserunt et copiosas eins divitias in potestatem imperatoris redegerunt.
^) S. MR. ÜB. 2, 103, 1190.
^) MR. ÜB. 2, 155, 1191 — 1196: Johannes . . Trevirorum archiepiscopus notum esse
voliunus . ., quod nos dilecto nostro Wernhero de Bolanden curiam nostram in Partenheim
[Entwicidung der Landesgewalt. — 1464 —
brachte er es schliefslich zu ziemlich erträglichen Zuständen, namentlich wohl
durch Nachmünzung der Kölner Denare in Koblenz \ in einem bei der damaligen
Bedeutung des Kölner Geldes^ sehr lukrativen Geschäft; er ersparte jährlich
etwa 10 000 M. und hinterliefs einen Schatz von 224000 M.^. Von seinem
Nachfolger Dietrich (1212 — 1242) wissen wir in finanzieller Beziehung nur
wenig, auch sein Testament* ermöglicht keine Übersicht. Unter Arnold
(1242 — 1259) scheint dann noch im wesentlichen der alte Zustand des
12. Jhs. bestanden zu haben; zwar kauft dieser Erzbischof Höfe für 140000 M.
auf Rückkauf^, aber er verpfändet auch wieder Saarburg für 160000 M. ^.
Mit Heinrich (1260 — 1286) dagegen beginnt der nachhaltige Aufschwung der
erzstiftischen Finanzen; er wie sein Nachfolger Boemund (1286—1299) geben
jährlich etwa 100000 M., im ganzen über 4000000 M. zur Abrundung des Terri-
toriums aus^ Nun hinterliefs allerdings Heinrich für 5 000000 M. Schulden^,
dieselben müssen aber schon unter Boemund wieder abgetragen worden sein,
da dieser Erzbischof ganz bedeutende Summen für Luxusausgaben, z. B.
30000 M. für den Kirchenschmuck seiner Kapelle zur Verfügung hat'-^. Auf
diese schöne Zeit folgte im Beginn des 14. Jhs., unter Diether (1300 — 1307), zu-
nächst ein Intermezzo schlechter, wohl namentlich auf Kosten ständischer Sub-
sidien geführter Verwaltung ^^ : dann bestieg der grofse Erzbischof Balduin, ein
per manus domni nostri H. gloriosissimi Komanoriim imperatoris pro 100 mr. Coloniensiiim
12 s. pro mr. computatis obligavimus hoc pacto interveniente, ut in festo piirificationis sancte
Marie nos vel successores nostri eam redimamiis ; quod si timc redempta non fuerit, predictus
W. fructus eiusdem ciirie usque ad sequentis festum piirificationis percipiat et sie de anno
ad annum festum piirificationis ad huiiis pecimie solutionem expectetur.
1) S. Bd. 2, 419 f.
2) S. oben S. 1461.
3) S. Bd. 2, 576 g. unter c. 1200.
*) S. oben S. 639 Note 6.
5) MR. ÜB. 3, 1287, 1255, cit. oben S. 847 Note 3, auf S. 848.
^) S. oben S. 1462; die Verpfändung geschah wohl für Wahlkosten.
■^) S. oben S. 1285.
8) G. Trev. c. 178 , 1272 : der Erwählte Heinrich von Trier hat an SMatheis 1000 Ib.
zu zahlen. Nach einer andern Angabe bei Wyttenb. u. Müller 2 S. 101 Note a (und Brower)
machte Heinrich für 33 000 mr. Schulden, mr. qualibet pendente 12 s. 4 sterlingos; nach
G. Trev. c. 184 sind es gar 34000 mr. , nach G. Trev. c. 189 dagegen 33000 mr. sterlingo-
rum, 12 s. et 4 sterlingis pro marcha qualibet computatis. Es wären das nach unserm Gelde
gerechnet ca. 5000000 M.
9) 3000 Ib., vgl. G. Trev. c. 201.
10) S. Dominicus S. 30. K. Heinrich VIT. sagt, CRM. 3, 41, 1310, von seinem Bruder
Balduin: castra mimitiones et redditus archiepiscopatus (Treverensis) reper(er)it per suos
predecessores . . obligata et alienata clerumque principalem sue diocesis sibi subiectum . .
depauperatum. Vgl. ferner G. Trev. c. 219 : Erzbischof Diether statim ecclesie sue terras
plurimas et redditus pignorali cautione et litterali obligatione constangiis gravibus damnisque
datas impignoratasque permaxima debita contraxit, de qiiibus parum dicitur persolvisse.
Trithem. Chron. Sponheim. z. J. 1305, Erzbischof Diether gegen Koblenz: pro hac victoria
incredibiles pecunias exposuit: iinde pene omnes ecclesie reditus et proventus obligavit et
— 14(35 — Die Landesverwaltung.]
Bruder Kaiser Heinrichs VII., den erzbischöflichen Stuhl, 1307 — 1354. Der
erwerdige erzebischof Baldewinus zu Trire, sagt die Limburger Chronik in
c. 32 von ihm , der was ein klein man unde det doch groß werk . . . auch
mach ich denselben Baldewinum glichen als konig David sprichet in dem
seiter: »tibi derelictus est pauper, orphano tu eris adiutor.« daz lut also:
»dir ist bevolen der arme man, den elenden unde weisen saltu zu hilfe stan.«
Balduins finanzielle Anfänge waren nun keineswegs rosig ^; um die schlechte
Wirtschaft seines Vorgängers wett zu machen, hatte er grofse Summen auf-
zunehmen, nicht minder, um eine kräftige Reichspolitik zu treiben.: im J. 1316
schuldete ihm das Reich 3150000 M. ^. Trotz alledem konnte der Chronist
als Facit seiner Regierung den Satz notieren: ecclesiae suae redditus ultra
quam invenit fere duplicavit^. Und wir haben für die Glaubwürdigkeit dieses
Satzes genügende urkundliche Anzeichen zur Hand. Im J. 1339 dominica 4*
aprilis erscheinen im Liber expensarum domini, also im Ausgabebuch des erz-
bischöflichen Hofhaltes, vermutlich für ein Jahr, vielleicht für einen noch ge-
ringeren Zeitraum an Ausgaben 2095 Ib. 8 s. 7 d. Treverenses ^/2 hl., etwa
123000 M., verrechnet^. Während desselben Jahres, im März, kauft Balduin
in Frankfurt für etwa 36000 M. Kristallperlen, Pelze, Hermeline u. a. m.^.
Wo derartige Ausgaben möglich sind, mufs das Gesamtbudget weit über die
480000 M. aus der zweiten Hälfte des 13. Jhs. hinausgegangen sein. Wenn
ich es auf mindestens 1 200 000 M. ansetze, so leitet mich dabei folgende Er-
wägimg. Nach dem lehrreichen Schriftstücke des Bds. 3 No. 291, aus den
JJ. 1336 — 1341, betrugen in diesen Jahren an der erzstiftischen Hauptkasse
durchschnittlich :
odiimi in se tarn clericorum quam laicorum et maxime nobilium provinciae Trevirensis conci-
tavit. S. ferner a. a. 0. z. J. 1307: clerus ecclesie Trevirensis Dietherum . . propter dila-
pidationem rerum ac proventuum ecclesie et alia diversa contra equitatem Romam citari . .
fecerunt — da stirbt der Erzbischof.
1) Vgl. zu den Summen, welche Bakluin im Beginn seiner erzbischöflichen Thätigkeit
aufnahm, Dominicus S. 52— 53. Über die Finanzen Balduins vgl. weiter Dominicus S. 77, 78
No. 1, 100 No. 8, 125 No. 4, 137 No. 2, 141 No., 152-3, 156-157, vgl. 160 No. 1, 161,
186—87, 194, 198, 247 No. 1, 273 No. 4, 454 No. 2, 470 No. 5, 491, 496, 500, 523, 539
No. 2, 541, 579 No. 2 unten, 595.
2) Dominicus S. 153 — 154: Balduin empfängt von König Ludwig bei der Wahl
im ganzen 8000 mr. bar imd 26000 mr. in Pfandschaften. Im J. 1316 schuldet Ludwig
an Balduin 58300 Ib. (*ürk. von 1316 Koblenz St. A., Dominicus S. 158—159.)
3) G. Trev. c. 235. Vgl. auch noch Bd. 3, 428 Note 4; und Bald. Bilder Bl. 6
(12 Bild), Irmer zu S. 28 : currus cum auro et argento domini Trevirensis in via transalpina,
[Römerzug], de quo pluries subvenit regi Romanorum. Es ist ein Karren mit doppeltem Vor-
spann und Begleitmannschaft.
*) Bd. 3, 426, 8, 1339.
5) Bd. 3, 426, 11, 1339.
Laraprecht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 93
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1466 —
die Kassenrestbestände bei Anfang des Etatsjahres 18520 Ib. hl. = ca. 815000 M. unseres Geldes;
die Nachträge zur vorhergehenden Rechnung,
vom Kassenrestbestand abzuziehen, um das
wahre Kredit zu ermessen 14860 Ib. hl. = ca. 665 000 M. „ „
die verlorenen Posten 677 Ib. hl. = ca. 30000 M. „ „
Mithin betrug des Erzbischofs wirkliches Kredit durchschnittlich ca. 120000 M. unseres Geldes.
In einem Budget, wo die Hofhaltung etwa 120000 M. kostet und sich
durchschnittlich am Schlufs des Jahres ein Restbestand von etwa 810000 M.
in der Kasse befindet, mufs der Aufwand für das Land doch mindestens
200000 M. betragen haben: so ergäbe sich eine Einnahme von mindestens
1 200 000 M. Gleichwohl würde nach unseren Budgetierungsgrundsätzen ein
Kassenrestbestand von 810000 M. auf ein Budget von im ganzen 1200 000 M.
als ungeheuerlich erscheinen. Hier ist aber zum Verständnis die Erscheinung
heranzuziehen, dafs in den fünf Jahren 1336 — 1341 der Kassenrestbestand
zwischen einem Maximum von 29 823 Ib. 3 s. hl. und einem Minimum von
9833 Ib. 13 s. 1 hl. schwankte ^ Die Einnahmen waren also höchst ungleich-
mäfsig ; der Überschufs über die absoluten Bedürfnisse konnte fast bis auf das
Dreifache seiner geringsten Höhe steigen. Bei solchen Schwankungen war
offenbar die heutige Art der Budgetierung — genaue in Einnahme und Ausgabe
l)alancierende Voranschläge — nicht durchzuführen; man verfuhr vielmehr in
ganz anderer Weise. Von den Einnahmen brauchte man im Laufe des Jahres, in
w^elchem sie erfielen, nur das für die unab weislichen Verwendungen Not-
wendige; alles ül)rige sammelte man als Restbestand an und disponierte dar-
über erst im Budget des folgenden Jahres. Auf diese Weise war es möglich,
auch ohne unser System der Voranschläge bei gewaltsamen Schwankungen der
Einnahmen eine gesunde Finanzpolitik zu treiben.
Indes halten wir diesen für die ganze Finanzgebarung entscheidenden
Punkt, welcher hier schon erörtert werden mufste, nunmehr bis zur Dar-
stellung der Finanzverwaltung selbst in petto und kehren wir zur Geschichte
der Finanzen zurück.
Nach Balduins Tod dauerten die günstigen Verhältnisse etwa noch eine
Generation an; der letzte finanziell glückliche Erzbischof war Kuno (1362 —
1388), er erübrigte durchschnittlich auf das Jahr fast 200000 M. und mehrte
so den Schatz um 3000000 IM.^. Allein schon unter Werner (1388—1418)
1) Bd. 3, 419.
2) G. Trev. c. 267, 1388: Erzbischof Kuno übergiebt das Erzstift an Erzbischof Werner
ita dumtaxat, ut asseritur, quod in 100000 fl. aut multo amplius repertum est in meliori
statu , quam dominus Cuno . . invenit , quia promptuaria omnia erant plena. Den Schatz,
■vv-ekhen er gesammelt, behält sich Kuno dabei noch vor, wie das auch sein Vorgänger
Boemund gethan hatte. Trith. Chron. Sponheim. z. J. 1388 : Erzbischof Kuno hinterliefs the-
saurum ingentem . . ecclesiamque debitis absolutam et in omnibus victualibus copiosissime
provisam. Also noch im 14. Jh. die volle Schatzpraxis. Schätze sparen von früheren Erz-
— 1467 — Die Landesvervvaltung.]
änderten sich die Dinge: exitus eins ferme pauper, auro consumpto, promp-
tnariis vacuis^ Und so blieb es unter den drei folgenden Erzl)ischöfen Otto
(1418— 1430)2, Ulrich (1430-1436)3 und Raban (1430—1439), wenn auch
unter Otto, besonders wohl infolge erhöhter ständischer Subsidien, eine geringe
Besserung eintrat*: namentlich Raban verschuldete das Erzstift von neuem
mit etwa 11000000 M.^ Nach ihm suchte ein sparsamer und haushälteri-
scher Erzbischof, Jakob (1439—1456), wenigstens durchzukommen'' — aber mit
welchen Älitteln! Thelonium Bopardiense . . impignoravit et cetera officia in
diocesi etiam nobilibus pro pecunia tradidit; de suis incolis nemini confidit;
forensibus a quacunque patria venientibus servitia secreta commisit^. So
brachte es Jakob dahin, das Erzstift ziemlich schuldenfrei (mit 80000 M.
Schulden)^ an Johann (1456—1503) zu hinterlassen. Johann aber mufste
gleich anfangs 1300000 M. für Konfirmation und Pallium aufnehmend suchte
biscböfen namentlich Arnold (1169—1183), s. G. Trev. Cont. 3,5, MGSS. 24, 383, cit. oben
S. 847 Note 3; ferner Johann 1190-1212, MR. ÜB. 2, 297, 224000 M.
1) G. Trev. c. 270.
2) S. G. Trev. c. 273, über Erzbischof Otto (1418—1430): hie dimisit archiepiscopatum
in Omnibus refertum et opulentum et coquinas bene provisas in castris et villis quasi Omni-
bus. S. dazu auch oben S. 1355 Note 2.
^) G. Trev. c. 275: UMch von Manderscheid omnia . . mobilia diocesis consumsit,
et immobilia multa impignoravit alienis.
*) S. oben Kote 2. Um ca. 1400 macht unum consuetum subsidium cleri officialatus
Confluentini 1150 fl. et 5 gr., 40000 M.; vgl. Honth. Hist. 2, 325.
5) G. Trev. c. 275. Die unter Raban (1430—1439) gemachten Schulden des Erzstifts
beliefen sich auf 400000 fl., Raban resignierte endlich für 100000 fl. Im einzelnen vgl. Trith.
Chron. Sponheim. z. J. 1430: Ersbischof Rhaban verpfändet an den Grafen von Virneburg
erzstiftische Güter für 45000 fl.; als Erzbischof Jakob von Sirk einzieht (Trith. Chron. Sponh.
z. J. 1439), ecclesiam Trevirensem omnino depauperatam et omnia castra oppida telonia ac
census impignorata jH'omptuariaque omnia vacua reperit et nihilominus 60000 fl. . . exsolvere
coactus fuit. S. auch Brower ann. msc, Wyttenb. u. Müller 2 S. 325 Note d, 1439: Erz-
bischof Raban telonium urbis Treverensis vectigal mensure et ponderum civitati Treverensi
oppignorat; denique acceptis a summo capitulo 60000 aureorum resignat episcopatui Treve-
rensi; immo totidem aurei putantur soluti eins coadiutori. Dazu stimmt G. Trev. c. 276.
Es sind im ganzen fast 3 000 000 M. unseres Geldes. S. auch noch Töpfer ÜB. 2, 248, 1430 ;
319, 1445.
6) G. Trev. c. 277: licet ecclesia Trevirensis debitorum oneribus nimium fuerit gra-
vata, ipse tamen archiepiscopus, ut erat magni consilii et providentiae , patriam tranquille
rexit tutando subditos spirituales et saeculares pro posse, nee dedignabatur ea de causa sol-
datis et satellitibus grandem exponere pecuniam.
'^) S. zu diesem Citat schon oben S. 1346 Note 6. Vgl. ferner für die Finanzmisere
unter Jacob Wyttenbach und Müller 2, S. 327 Note 6, 1444: Erzbischof Jakob verpfändet
um 900 gute schwere Rhein, fl. , ca. 21 600 M. unseres Geldes, Burg Baldenau, da wir zur
zit so vil gelt nit enhain, um die Schuld abzutragen.
8) Peter Maier De iur. et privil. Trev. (Wyttenb. u. Müller 2, S. 336 Note a): 1456
1 Mai ist Erzbischof Jakob schuldig gewest aller schuld an pantschaften, versatzten schlössen
ampten und sust 2425 fl., davon noch ufzeichnongen vorhanden.
») P. :Maier De iur. et privil. eccl. Trev. (Wyttenb. u. INIüller 2, S. 338 Note c) : pro
pallio et confirmatione sua 41000 fl. in auro.
93*
[Entwicklung der Lanclesgewalt. — 1468 —
dann freilich durch mannigfache Rückkäufe Finanzen und Verwaltung zu heben \
brachte es aber schliefslich doch zu keinem günstigen Abschlufs^.
Mit welcher Sehnsucht mögen die guten Kurfürsten des 15. Jhs. auf die
Zeiten Balduins, Boemunds IL und auch noch Kunos IL zurückgeschaut haben.
Damals blühende Finanzen, eine vorwärts schreitende Landesverwaltung, volle
Durchfühnmg des absoluten Beamtenbegriifs als sicherster Handhabe für die
Entwicklung absoluten Fürstentums — jetzt Schulden über Schulden, admini-
strative Versumpfung, vielfach lebenslänglich vergebene oder verpfändete
Ämter und rascher Aufschwung der ständischen Rechte. Aber die Zeiten von
Balduin bis zu Kuno 11., diese glücklichen ersten Dreiviertel des 14. Jhs.,
waren schon eingeleitet worden durch das rasche Emporblühen der Territorial-
iinanzen unter den Erzbischöfen Heinrich und Boemund, seit spätestens den
sechziger Jahren des 13. Jhs. Bis dahin ein seit Beginn des 12. Jhs. fast
stabiles Budget, kein fest umgrenztes Territorialgebilde, geringe weltliche
Aktionsfreiheit der Bischöfe — seitdem rapide wachsende Einnahmen, Ab-
schlufs des Territoriums, und eine glückliche Entwicklung der Landesherr-
lichkeit.
Welches waren die finanziell bewegenden Gründe dieses Aufschwungs und
der späteren Katastrophe?
Einen Anlafs zu ganz anderer Finanzgebarung der Erzbischöfe Boemund
(1286 — 1299) und vielleicht schon Arnold (1242—1259) als bisher kennen wir
schon: das Aufkommen ständischer Subsidien. Diese Subsidien betrugen im
J. 1339 allein für das Oberstift 220000 M.; sie werden auch sonst nicht
gering gewesen sein.
Aber hierzu tritt noch ein zweites nicht minder wichtiges Moment: die
Benutzung des Kredits, welchen die beginnende territoriale Festigung gewährte,
speziell bei den Juden, oder anders ausgedrückt die Ausnutzung der neu er-
worbenen landesherrlichen Schutzstellung zu den Judengemeinden gegenüber
hervorragenden jüdischen Kaufleuten. Nur aus dem Wegfall dieses Einflusses
seit der jüdischen Katastrophe in der Mitte des 14. Jhs. lässt sich der plötz-
liche Umschwung in der Finanzlage der Erzbischöfe während der zweiten
Hälfte des 14. Jhs. erklären.
Noch gegen Ende des 12. Jhs. sehen wir die Erzbischöfe ausschliefslich
den Kredit geistlicher Institute in Anspmch nehmen^; höchstens dafs neben
^) G. Trev. 280 : Johann von Baden kauft Pfandschaften im Wert von 46000 fl. aurei
zurück.
2) Trithem. Ann. Hirsaug. z. J. 1503: Erzbischof Johann von Baden reliquit ecclesiam
satis tenuem et aere non parum gravatam alieno, cuius inopiae causam nonnulli triplicem as-
signarunt:i) den Krieg mit Boppard, kostete mehr als 100000 fl.;2) die nimia in alienos de-
mentia des Erzhischofs ; 3) die Alchimisten, für welche der Erzbischof mehr als 30 000 fl. aus-
gegeben haben soll; er selbst behauptete freilich nur 500 fl. aurei.
3) S. oben S. 1463 Note 4, vgl. auch S. 1463 Note 5, und ferner MR. ÜB. 2, 103, 1190: der
Erwählte Johann von Trier verpfändet, in pecunia preparata minus sufficienter habundantes
— 1469 — I^it Landesverwaltiing.]
ihm hier und da noch der Kredit des Laienadels in Frage konnnen mochte ' .
Wie sehr änderte sich diese Auffassung im Laufe von zwei Generationen.
Erzbischof Heinrich (1260 — 1286) belegt nur einen geringen Teil der aufser-
ordentlichen von ihm aufgenommenen Summen bei der Geistlichkeit^. Da-
gegen finden wir dann Geistlichkeit und Städte wieder seit etwa 1430 aus-
giebig ausgenutzt^. Wie half man sich in der Zwischenzeit?
Von Erzbischof Heinrich erzählen die G. Trev. c. 184: maxime a ludeis
sub sua defensione constitutis, quos ipse specialiter protexit, thesaurum infini-
tum extorsit*. Und dafs dieses System mindestens bis zum Schlüsse der Re-
gierung Balduins (1354) fortgesetzt wurde, beweist die ganze sofort zu er-
örternde Finanzgeschichte dieser Zeit. Allein bald begnügte man sich nicht
mit der einfachen Ausbeutung der Juden; man fügte das Ausbeutungssystem
selbst der Finanzverwaltung völlig ein. Um die Möglichkeit einer derartigen
Älafsnahme zu begreifen, bedarf es einer kurzen Übersicht der Finanzverwal-
tung bis zum 13. Jh.
In karolingischer Zeit wären am Hofe finanziell namentlich der Kämmerer
und der Seneschalk thätig gewesen, unter jenem stand die Verwaltung des
Schatzes und der Pfalzen, unter diesem die Sorge für die Verpflegung des
Hofes ^. Dies System wurde nun in der ersten Hälfte des Mittelalters beibe-
halten, nur dafs in unsern Gegenden an die Stelle des Titels Seneschalk die
Bezeichnung Küchenmeister trat*^.
Der Kämmerer gab es nunmehr an jedem grofsen Hofe meist mehrere ^ ;
wo nur einer vorhanden war, unterstand ihm wenigstens eine Anzahl von
Unterbeamten (ministri, garciones)^. Im Trierschen fiel dem Kämmerer die
Verwaltung des Schatzes^ und damit auch mit gewisser Vorliebe die Ein-
nahme von Geldzinsen zu^^; ferner überwachte er die gmndherrschaftliche
Verwaltung, vornehmlich soweit es sich in ihr um handwerkliche Fragen für
«t curtes episcopatus avido fenori dampnose exponere formidantes, dem Domkapitel goldene
Kimstwerke.
1) Auf den Gedanken dieser Möglichkeit bringt z. B. das im URheingrafen enthaltene
Yerzeichnis der Verpflichtungen und Ausstände des Grafen. Die Ausstände des Grafen lassen
sich nicht genau übersehen, die Verpflichtungen betragen in 22 Posten 508 V2 mr. und 20 Ib.
= ca. 200000 M. unseres Geldes; die Posten variieren zwischen 6 mr. und 55 mr.
'^2) S. oben S. 1464 Note 8.
=^) S. oben S. 1467 Note 5.
*) S. oben S. 1335 Note 1.
^) S. oben S. 803.
6) S. MR. ÜB. 2, 297, c. 1200.
') S. Lambert z. J. 1063, MGSS. 5, 163; und z. J. 1076, a. a. 0. 247, 26.
8) Nach dem Testament des Erzbischofs Johann (f 1212), MR. ÜB. 2, 297, hat der
Trierer Kämmerer 2 garciones, der Cocus 3 garciones unter sich. S. femer Testam. Brunonis,
Ennen, Qu. 1, 466, 13, 965.
9) G. Trev. Cont. 1, 6, MGSS. 8, 180, c. 1140: der Erzbischof accito mox ad se cubi-
culario suo iussit exhiberi sibi festinato thesauri non modicam quantitatem.
10) Ennen, Qu. 2, 292, 290, 1249.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1470 —
Bauten, Heeresausrüstung u. dgl. handelte \ Wohl unter dem Kämmerer stand
endlich auch die Hauptrezeptur der Trierer Grundherrschaft im Trierer Palast, der
alten, aus Römerbauten zusammengesetzten Residenz der Erzbischöfe ^. Diesem
Palast stand ein besonderer Beamter, der schon im J. 1097 genannte Palast-
kellner, Yor^; er bewahrte die Urbarialakten ^ , sammelte die Trierer Lokal-
einkünfte-^, erhob Dienste und Leistungen an das Erzstift, welche sonst
keinem Hof angeschlossen waren ^, — er war also Meier für den Palast als
Trierer Haupthof ^ — und nahm aufserdem die Naturalüberschüsse aus sämt-
lichen andern Höfen (bezw. später Kellnereien) in Empfangt. Erst im 14. Jh.
begann sich, wie es scheint, neben dem Trierer Palast eine zweite Zentralstelle
in der Koblenzer Kellnerei zu bilden^. Während sich aber so die Einrichtung
1) UStift S. 321 No. 11: scultetiis Treverensis constituet magistmm carnificum, qui
camerarii discipulus est, et ipse ibit ex precepto camerarii in legationem archiepiscopi ad
sex miliaria circa Treverim: vgl. hierzu oben S. 1441 Note 6. S. ferner a. a. 0. S. 322"
No. 13: camerarius est magister omnium scarhuven, glashuven, pereminthuvere. scarhuvere
dabunt archiepiscopo somarios ex mandato camerarii, quando iturus est ad curiam impera-
toris vel in expeditione transalpina; ubi si somarius moritur, capud et cauda inde reducta
redditur camerario, et ipse 5 s. de denariis archiepiscopi dabit illis, quorum fuit somarius.
si vivus reducitur, redditur scarhuveren, et ipsi pascunt eum, quousque iterum requiretur
ab eis.
2) Erwähnt schon Thietmar 6, 25; vgl. ferner G. Trev. 30, MGSS. 8, 172, ca. 1015,.
cit. oben S. 1286 Note 2 ; Residenz noch im 14. Jh., s. Bd. 3, 146, 9, 1328. S. auch Bd. 3,
439 Note 7.
3) S. MR. ÜB. 1, 391, 1097. Im J. 1339 war Palastkellner der spätere Diedenhofener
Pfarrer Simon, s. Bd. 3, 439 Note 7, auf S. 440; 1346 ein Herr Ludwig, Töpfer ÜB. 1, 255;
1359 (s. Goerz, Regg. der Erzb. z. d. J. unter Juni 2), der Stiftsherr H. Kempe von SSimeon ;.
später wird dieser Palastschultheifs , und der Propst Gobelin von SSimeon Kellner, s. oben
S. 1246.
^) S. Bd. 2, 170.
'-) S. oben S. 1222.
6) S. MR. ÜB. 2, 126, 1192; *Trierer Urbarcodex, Koblenz St. A. Bl. 29 a, c. 1340.
'^) Zur genaueren Verfassung vgl. Bd. 3, 302, 27, 1497; das Schöffen- und Huberrecht
des Trierer Palasts von c. 1400, Ber. der Ges. f. nützl. Forschgn. 1869 — 71 S. 41 f., nach
welchem im Palast ein Schöifenstuhl, ein Kellner mit einem Knecht, 2 Wächter und
Pförtner waren, ferner der Meier von Kürenz und 4 Förster dazu gehörten; und W. des
Palastes 1463 , G. 2 , 286 : das unser gn. herre von Treir daselbs plicht alle jairs des nesten
dinstachs nahe der drier konink dag ein jaerdinge ze holden, inmaissen herna folget ge-
scriben. zum irsten, so sal ein keilener von Paltzel ader iemans von sinent wegen als ein
schriber daselbst sin, und sal der scholteß mit den scheffen daselbst nedersitzen in dem
ondersten sale uf oberdeckten benken ader wo is von dem palastmeister ader dem keiner
von Paltzel dan gestalt und geordenet ist, und fraigt der scholtes den scheffen.
8) S. G. Alberonis c. 14, MGSS. 8, 251, 1132; Bd. 3 No. 288, 1.327—1328; S. 166, 10,
1337. Die Übergabe an den Palastkellner erfolgt gegen Quittung, s. Bd. 3, 410, 30; 411, n,
1327. — Eine Abrechnung des Palastkellners mit dem Erzbischof von 1339 steht im Chron.
monet. bei Honth. Hist. 2, 1170, cit. Bd. 3, 439 Note 7, auf S. 440.
^) So führt Oberwesel in dieser Zeit seine Überschüsse nach Koblenz ab, s. No. 294
und 295, 1344—1-346; doch gehen WeinjDroben auch damals noch direkt nach Trier, s. a. a. 0.
— 1471 — Die Landesverwaltung.]
der Palastkellnerei durch den Wechsel der Zeiten hindurch ziemlich unver-
ändert erhielt, vei'fiel das Kännnereranit ; ursprünglich ministerialisch ist es
schon um 1 240 erblich geworden ^ ; später genannte Kämmerer sind nur
Kammerherren in unserm Sinne ^.
Und die Funktionen des Kämmerers, in dessen Händen bisher die
Finanzverwaltung hauptsächlich gelegen hatte, gingen nicht an den Küchen-
meister über — an das alte Küchenmeisteramt schon deshalb nicht, weil das-
selbe, ministerialisch wie die Kämmerei ^, auch wie diese erblich geworden sein
wird. Nun treffen wir allerdings im 14. und 15. Jh. wieder einen in Amts-
weise angestellten Küchenmeister* als Finanzbeamten, indes er ist nur Teil-
verwalter, nicht Generalverwalter der Finanzen. Seine Wirksamkeit erhellt
am besten aus der Amtszeit Thielmanns von Rodemacher, welcher mindestens
von 1327 bis 1338 Küchenmeister war^. Unter ihm stand die coquina, die
parva coquina, die butticlaria, die panetaria^; über sie alle führte er die
gTofse Küchenrechnung, welche mit dem Liber expensarum domini ganz oder
teilweise identisch ist^. Er konnte auch für seine Ausgaben kleine Summen
selbständig anweisen ^, indes im allgemeinen wurde seine Kasse aus der Zen-
tralkasse gespeist'^. Mochte darum auch der Küchenmeister als Mitglied des
landesherrlichen Rates zugleich in mannigfachen Geschäften verwendet werden ^^
S. 459, 36, ebenso einige Lieferungen, a. a. 0. S. 461, 12; 462, 13, 475, is, 1345 — 6. Zur
Abgabe von Geld an die Kellnerei Koblenz gegen (Quittung s. a. a. 0. S. 460, 14, 1344—45;
467, 24 f., 1345—6.
1) S. MR. ÜB. 3, 713, 1241, cit. oben S. 1427 Note 2.
2) S. Bd. 3, 485, 44, 1342; vgl. auch Bd. 3 Wortr. u. d. WW. kamerknecht,
kemmerlink.
^) MR. ÜB. 2, 117, 1191: Abt GottMd von Echternacli bestimmt gewisse Einkünfte aus-
schliefslich zunächst zur Kostenbestreitung einer Bleibedachung, dann zur Fabrik der Kirche. Dazu
eine besondere Einnahmekommission gebildet, bestehend aus W. custos, W. sacerdos, H. cocus
et ministerialis noster. — Im übrigen vgl. zum früheren Vorkommen der Küchenmeister noch
Cantat. s. Hub. 50, MGSS. 8, 593, um 1080: Dodo dispensator episcopalis mense (von Lüttich);
Testament des Erzbischofs Johann (f 1212), MR. ÜB. 2, 297: der Cocus hat 3 garciones
unter sich; Ennen, Qu. 2, 175, 174, 1288: Kölner Ministerialen, u. a. Th. magister coquine,,
R. panetarius. S. ferner noch zum folgenden Bd. 3 Wortr. u. d. W. kuche.
*) Zum 14. Jh. vgl. die folgenden Noten, für die spätere Zeit Bd. 3, 306, 10, 1502.
^) Zuerst erscheint er in der Saarburger Rechnung, Bd. 3 No. 288, zuletzt wohl Bd. 3,
424, 10, 1337—1338; s. auch Bd. 3 Namenregister u. d. W. Rodemachern.
6) S. Bd. 3, 426, 14 f., 1338; 430, 19, 1339; 433, 7, 433, 34, 1340.
'') S. Bd. 3, 426, 8, 1338. 8 Stücke bei erster Abrechnung mit der Zentralkasse ver-
gessener Küchenmeisterrechnung stehen Bd. 3, 426, i4, 1338—1339; 430, 9, 1339—1340;
433, 7, 1340.
^) Bd. 3, 410, 27, 1327—8: der Kellner von Saarburg zahlt cuidam Gileto armigero
2 mir. [siliginis] de iussu magistri coquine. Eine gleich autorisierte Zahlung S. 410, 38.
9) Bd. 3, 426, 8, 1339.
1^) Bd. 3, 409, 31, 1327 Nov. 26: archidiaconus Treverensis et decanus sancti Simeonis
Thielemcmnus magister coquine in der Kellnerei Saarburg; vgl. dazu S. 410, 20, 1327
Novbr. 26: Vetrus decanus cum archidiacono Treverensi in Saarburg; Bd. 3, 417, 11, 1334:
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1472 —
und eine angesehene Stellung einnehmen; in der Zentralfinanzverwaltung
spielte er nur eine untergeordnete Rolle.
Wer übernahm da nun bei dem Wegfall des Kämmerers, dem Zurück-
treten des Küchenmeisters die Aufgabe der obersten Finanzverwaltung? Eine
Zeit lang scheint man sich mit geistlichen Generalrezeptoren begnügt zu
haben 1; dann treten, unter Erzbischof Balduin, jüdische Banquiers an die
Spitze der Finanzen, nachdem sie schon unter Erzbischof Heinrich (1260 —
1286) eine gewisse Rolle im erzbischöflichen Rat gespielt haben^. Der erste
jüdische Finanzminister, welchen wir kennen, ist Muskin oder Mussechin; er
amtiert mindestens von 1323 bis 1336^; nach dem J. 1336 scheint er den
Koblenzer Moselzoll für 88000 M. gepachtet zu haben*; 1339 wird er als ge-
storben angeführt '\ Sein Nachfolger war der uns schon hinreichend bekannte
Jakob Daniels, 1336—1341^; dessen Nachfolger sein Sohn Michael, mindestens
bis 1345, vermutlich bis 1349 ^ Mit den Judenschlachten um die Mitte des
14. Jhs. scheint dann die Reihe jüdischer Finanzminister geschlossen zu haben ^.
Sehr eingehend sind wir, dank der No. 291 des dritten Bandes, über die
Amtsführung Jakob Daniels' unterrichtet. Wir sehen ihn völlig bureaumäfsig
eingerichtet; er hat eine hebräische Kanzlei und führt seine Bücher dem-
gemäfs hebräisch^; er und sein Bureauchef werden offiziell ludei domini
genannt ^^.
Ausgaben der Kellnerei Wittlich pro magistro coqiüne veniente de Reno cum pecunia domini.
Vgl. zu diesen Nachrichten Bd. 2, 532—533.
1) S. Bd. 3, 114, 27, 1312', dazu Namenreg. u. d. W. Anseimus cellerarius und *Bald.
Kesselst. S. 124, 1302 Juni 25, sowie Bd. 3 Wortr. u. d. W. bursa archiepiscopi. In ver-
wandter Weise hat, nach URheingi^afen , Werner von Boland einen Dispensator Burchardus.
S. auch Ces. Heisterb. Dial. 12, 33: Theodericus Traiectensis episcopus, de castro Nureberg
oriundus, servum quendam habebat Everwach nomine providum satis, qui in diversis locis
bona illius dispensavit. erat enim in commisso fidelis, in administratione utilis, diligens ac
circumspectus; propter quod a domino suo amabatur. unde quidam ex officialibus ei detra-
hentes ex invidia accusabant illum apud episcopum dicentes: domine, non fideliter, ut
aestimatis, Everwach bona vestra dispensat ; consulimus, ut cum eo computetis. quod cum fac-
tum fuisset, tam rationabiliter computavit, ut omnem episcopo tolleret suspicionem. habebat
enim omnia notata in cartula.
2) G. Trev. c. 191.
^) S. Bd. 3, 421 Note 3. Der Erzbischof Balduin war ihm eine Summe schuldig ge-
blieben, welche Jakob Daniels in seine Amtsperiode übernimmt, a. a. 0. S. 421, lo, 1336.
*) Bd. 3, 425, 27, 1338; s. auch a. a. 0. S. 421, so, 1336; 429, 7, 1339. Vielleicht
ist er auch identisch mit Mussechin in Koblenz, Gläubiger des Grafen von Virneburg über
1550 mr. (c. 200000 M.) seit 1333, Bd. 3, 172, 2, 1339; in diesem Falle hiefse sein Sohn Got-
schalk, Bd. 3, 172, 24, 1339.
^) Muskin ludeus defunctus, Bd. 3, 172, 22, 1339.
6) S. oben S. 1451.
'') S. oben S. 1451, auch Bd. 3, 435, u, 25; vgl. S. 463, 17, 1344—1345; 479, 24,
1345—1346.
8) S. unten S. 1480 Note 1.
9) S. Bd. 3, 423, 6, 1337—1338.
10) S. u. a. Bd. 3, 437, 13, 1341; 193, 1, 1345.
— 1473 — I>ie Landesverwaltung.]
Um nun die Geschäftsführung selbst kennen zu lernen, bedarf es einer
Einsichtnahme in den nicht vor dem J. 1345 gefertigten^ Rechnungsabschlufs
der Finanzperiode 1336—1341. Hier tritt nun folgendes zu Tage^:
Ib. s. hl. Mark ca.
Die Kassenbestände vor Abzug der Nachträge ergeben 72920 12 6 3208500
Davon gehen ab an Nachträgen zu den einzelnen Rechnungen, gebucht 38 179 6 10 1591 700
do. ungebucht 2171 7— 95500
Blieb als Restforderimg des Erzbischofs an Jacob im J. 1341 . . . 32569 19 — 1521300
Hien-on sind bis ca. 1345 abgegangen als von den Juden gezahlt . . 5774 10 — 254080
Es werden ferner abgerechnet als von den Juden zu erwarten c. . . 12 000 528 000
Bleibt Restforderung des Erzbischofs an Jacob im J. c. 1345 ... 14795 9 8 749220
Hiervon ist zweifelhafte, noch aufzuklärende Schuld 3288 144670
Mithin bleibt als sichere Forderung des Erzbischofs 11507 9 8 604550
Dabei bleibt eine Schuld des Erzbischofs von im J. 1341 35574 10 — 1564180
Hiervon sind bis c. 1345 durch Judensteuern abgetragen 5774 10 — 254080
Bleibt c. 135 als Schuld des Erzbischofs 29800 1310100
Hiergegen steht ein Guthaben des Erzbischofs an die Juden von c. 12000 528000
Mithin bleibt als Schuld des Erzbischofs 17800 782100
Diese Abrechnung ist nur auf Grund folgender Annahmen zu erklären:
die Finanz Verwaltung des Erzstifts wird auf der Grundlage des jüdischen Ein-
kommens im Lande geführt. Will der Erzbischof Kredit in Anspruch nehmen,
so haben ihm die Juden vorzustrecken, entweder selbständig oder durch Auf-
nahme von Schulden ihrerseits^ bei andern Judengemeinden (Strafsburg*,
Metz^). Die auf diese Weise flüssig gemachten Kredite bilden einen gTofsen
Teil des Betriebsfonds der erzbischöflicher Hauptkasse. Zum Entgelt für diese
rücksichtslose Inanspruchnahme gestattet der Erzbischof den Juden vollste
Einsicht in seine Finanzgebarung, indem er einen der ihrigen zum Finanz-
minister macht. In dieser Eigenschaft scheinen sich die hervorragendsten
jüdischen Banquiers ohne bestimmte Periodisierung nach freier Vereinbarung
mit dem Erzbischof abgelöst zu haben.
Ein raffiniert durchdachtes System, den Juden das Odium des Wucher-
treibens zu überlassen, den Vorteil der Wucherfrüchte aber selbst nach
Belieben einzuheimsen; erträglich wohl nur unter den Händen eines so ein-
1) S. Bd. 3, 422, 5—6.
2) S. Bd. 3, 435.
^) Über die jährlich von den Juden 1336—1339 gezahlten Summen s. oben S. 1456
Note 2; zur Art ihres Beitriebs Bd. 3, 169, 21, 1338.
*) S. Bd. 3, 419 Note 2; 435, 31, dazu oben S. 1452 über Vivelin Rode.
5) S. Bd. 3, 424, 17, 1338; 430, 5, 1339.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1474 —
sichtigen Herrschers, wie es Baldiiin war. Natürlich aber mufste dies System
eine volle Identifikation der erzbischöflichen und der jüdischen Geldinteressen
zur Folge haben. In der That sehen wir nun die Juden des Herrn für den
Erzbischof kaufen und Pfandgeschäfte machen ^ ; wir sehen den Erzbischof
Judenschulden quittieren^; wir sehen jüdische Forderungen durch die erz-
bischöfliche Zentralverwaltung, versteht sich gegen angemessene Provision, zur
Einziehung gebracht^. Und diese ganze Verquickung ist möglich doch nur
auf Grund der völlig prekären privatrechtlichen Stellung der Juden *. Aus ihr
als tiefster Wurzel folgt freilich wie diese finanzielle Ausnutzung, so auch die
mächtige Beschützung der Juden durch die Landesgewalt.
Doch vermeiden wir es, weiter auf die heillosen Konsequenzen einzu-
gehen, welche die Geschichte aus der schiefen, zwischen materiellem Über-
flurs und rechtlicher Ohnmacht schwankenden Stellung der Juden unerbittlich
gezogen hat; beschäftigen wir uns vielmehr noch mit einigen Detailfragen
aus der jüdischen Verwaltung der Territorialfinanzen.
1) S. Bd. 3, 420, 24, 1336, dazu Note 4; 420, se, 1336, dazu Note 5; 424, is f., 1338.
*Bald. Kesselst. S. 727 , 1343 Januar 21 : Hartrad Herr von Schönecken verkauft an Jakob
Daniels zu Trier alle sein gut und seine gülte zu Longhen uf der Mosele bei Loisch für
200 kl. gl. von Florenz; Cod. Salm. 173, 1343: Heinrich, Herr von Malberg, vergleicht sich
mit Trierischen Juden über seine bei ihnen gemachten Schulden und giebt ihnen die Villen
Grimolderoit und Rizenrot mit der hohen und niedern Gerichtsbarkeit in Pfandnutzung;
Bd. 3, No. 156, 1343; 166, 1345; dazu Bd. 3, S. 420 Note 4 und 5. Natürlich nimmt das
jüdische Konsortium dafür auch alle Einnahmen an sich, vgl. *Mayener Kellnereirechnung
1345: dedi domino [überschrieben per manus lacobi Danielis ludei] anno Ix» quarto die 9a
iannarii 1499 mr. Hierhin gehört wohl auch *Cod. Himmerod. Bl. 42^2, 1338 — 1350: Ab-
rechnung von Himmerode mit lacobus ludeus de omni debito seu usurarum excrescentiis , in
summa 800 Ib. hl.
2) S. Bd. 3 No. 143, 1339. Hierhin gehört auch *Bald. Kesselst. S. 36 und S. 291,
§ 6, 1338 März 18, Oberwesel: ob kein Jude queme zu Wesele oder anderswa und brechte
brieve von schult, die u. h. gerechent oder gesummet ist, die wir u. h. under unserm deinen
ingesigele nöliche beschreben han gegeben, die schult von den brieven ensal u. h. noch kein
sin ampman gestaden noch darzu vorderen, daz ieman die anderwerbe zale oder keime . .
Juden gebe. Sinn : eine Reihe dem Erzbischofe geschuldeter Summen in Oberwesel (es sind aber
offenbar Schulden an die Juden des Erzbischofs) sind vom Rate in einem Schuldzettel notiert
und dem Erzbischofe bezahlt worden: nun soll sie kein Jude zum zweitenmale einfordern.
S. dazu auch v. Ledeburs Archiv 14, 214, 1343: die Rede von Summen, welche der Graf
von Sponheim unserm eg. herren von Trieren oder sinen Juden schuldig ist.
3) S. Bd. 3, 183, 22, 1342; 455, n, 1344: der Oberweseler Kellner nimmt ein 15 Ib.
hl. . . a quodam ludeo Wormatiensi , qui repetiit virtute cuiusdam littere debitum 30 Ib. in
Wesalia. Vgl. ferner a. a. 0. S. 465, 22, 1345 — 46: der Oberweseler Kellner nimmt ein a
Petro Palzgreben et Henrico Voismoil 8 mr. et 6 s. d. de quadam littera David occisi ludei,
que littera tangebat lohannem dictum Minner tanquam debitorem principalem. Zwei ähnliche
Fälle auch noch im folgenden. Has litteras tres recepi[t cellerarius] a Levi ludeo Con-
fluentino, et (^uasdam alias litteras de mandato amicorum domini.
4) S. oben S. 1453 ff.
— 1475 — Die Landesverwaltung.]
Eine der bemerkenswertesten Erscheinungen in dieser ältesten aller uns
genauer bekannten mittelalterlichen Finanzverwaltungen eines Territoriums ist
schon besprochen worden ^ Es ist die Art der Budgetierung ; sie lief darauf
hinaus, von den Einnahmen im Verlauf einer Jahresetatsperiode nur das Not-
wendigste zu bestreiten, über die Verwendung des somit entstehenden grofsen
Überschusses aber Bestimmung bis nach Abschlufs des Etatsjahres vorzu-
behalten. Die Folge dieser nach Lage der Finanzen sehr weisen Mai'sregel
war in der Verwaltung allerdings die, dal's zu jedem am Ende des Etats-
jahres erfolgenden Hauptrechnungsa])schluls späterhin noch ein besonderer
Kachtragsetatsabschlufs gefertigt werden mufste, ehe sich die Finanzlage völlig
übersehen liefs. Eine solche Übersicht über die Nachtragsetats der fünf Jahre
von 1336 bis 1341 in ihrem Verhältnis zu den Hauptrechnungsabschlüssen,
und eine definitive Abrechnung über dieselben ist es, was in dem kleinen
Bd. 3 S, 419 ff. herausgegebenen Heftchen vorliegt.
Der Hauptrechnungsabschluls erfolgte nun jährlich zu Kemigii, dem
1. Oktober^; das somit entstehende Etatsjahr wurde durch Ostern in zwei
ungleiche Teile zerlegt^. Im Gegensatz zu diesem Hauptabschlufs wurden die
Abschlüsse der Unterrezepturen, speziell der Kellnereien, einem alten Brauche
gemäfs* bis mindestens zu dem vorhergehenden Johanni gefertigt^: ein Ver-
fahren, welches den Vorzug hatte, dafs man im Oktober jedenfalls mit grofser
Sicherheit alle Einnahmen übersehen konnte.
Die Einnahmen dieser Unterrezepturen liefen nun schliefslich , ab-
gesehen von besonderen Anweisungen, sämtlich in der Hauptkasse in Trier zu-
sammen, höchstens dafs in Koblenz für eine Anzahl benachbarter Kellnereien
eine vermittelnde Durchgangsstelle geduldet ward^. Wie die Einnahmen
1) S. oben S. 1466.
2) Bd. 3, 161, 20. Vgl. auch Bd. 3, 162, 21, 1345; 204, 10, 1349, wonach auch die
Amtsperiode der Amtleute sich bisweilen an dieses Datum anschlofs. Das Rechnungsjahr
des Elisabethenhospitals schliefst im 13. Jh. 2. H. mit omnium sanctorum; s. üSElisab. Hosp.
Bl. 51a. In den Stadtrechnungen des 14. Jhs. besteht noch kein bestimmtes Fhianzjahr: s.
für Nüi-nberg Hegel, Chroniken d. d. St. 1, 281; Frankfurt (wenigstens keine Bilanz), Kriegk,
Bürgerzwiste S. 29; Wien, Schalk, Bll. d. V. f. Landeskde. Niederösterreichs 17, 4; Strafs-
burg, Schmoller, (Quellen u. Forschgn, z. Sprach- u. Kulturgesch. 74, 47. Vgl. auch Schmoller,
Epochen der Finanzpolitik, Jahrbuch Bd. 1, 44.
3) Bd. 3, 204, 9, 1349.
*) S. Lac. ÜB. 1, 165, 257, 11 Jh.; MR. ÜB. 3, 320, 1227, cit. oben S. 977 Note 1;
Ennen, Qu. 2, 183, 183, 1238; oben S. 861 § 10, 1296. Dagegen galt für Pachtungen (und
auch für Erbzins in den Städten : Ennen, Qu. 2, 232, 229, 1243) noch lange kein fester Termin,
s. oben S. 965 Note 3.
•5) S. dazu oben S. 1412 Note 7. Nach Fronfasten wurde in Oberlahnstein (mainzisch)
gerechnet, s. Rhenus 1, 61, 1444.
^} In Koblenz scheint der Dechant von SFlorin zeitweilig ein Untereinnehmer der
Zentralkasse zu sein, s. Bd. 3, 421, 26, 1336; 429, 7, 1.339. Vgl. auch noch Bd. 3, 456, 28 f.,
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1476 —
durchweg in die Haiiptkasse flössen, so zahlte auch die Hauptkasse, abgesehen
wiederum von noch starken Resten des Anweisungsverkehrs, allein aus^ Diese
Auszahlungen geschahen auf Zahlbefehl des Landesherrn ^ oder der einzelnen
Beamten als Vorsteher von Auszahlstellen oder einzelner Räte, in den letzteren
Fällen gegen Quittung bezw. Überlassung der Yerbrauchsbelege. So wies der
Küchenmeister auf die Hauptkasse an^, nicht minder der Elemosinar*, die
mit der Lehnsgelderverwaltung beauftragten Personen^, der Marschall^, der
1344—45: der Oberweseler Kellner führt ab nach Koblenz an Jakob Daniels ludeus domini
und Josep de Düsberg ludeus (vgl. S. 479, 17, 1346) 218 mr. 8 s. d. 2 hl.; an den Koblenzer
Kellner Peter Sure 200 mr. d. S. dazu a. a. 0. S. 459, 7, wo von einer vocatio amicorum do-
mini . . trina ad ferendum pecuniam Confluentiam die Rede ist. Weiteres Geld wird aus
Oberwesel nach Koblenz abgeführt S. 460, 7 f., 1344—5. Für das Jahr 1345—1346 s. Bd. 3,
467, 24 : der Oberweseler Kellner führt ab an den Landesherrn per manus Gerhard! capellani
in Confluentia 15. Sept. 1345 138 mr. 10 s. d. 8 d.; an den Koblenzer Kellner Peter Sure
4. Febr. 1346 83 mr. 5 s. d. 4 hl.; an Amtmann und Kellner von Koblenz 334 mr. 8 s. d.
8 d. am 29. März 1346. Doch liefert die Koblenzer Kellnerei wiederum alles Geld an die
Trierer Zentralkasse ab, a. a. 0. S. 425, 27, 1338.
1) Reicht der Geldvorrat der Hauptkasse nicht aus, so wird von ihr auf untere Ver-
waltungen angewiesen und zwar zunächst auf die Zollverwaltung; Bd. 3, 425, le f., 1338.
2) ad mandatum, de iussu domini, s. Bd. 3, 429, 39; 432, 2, 1340.
3) S. Bd. 3, 420, 6; 426, s; s. dazu oben S. 1471 Note 7 und 9.
^) S. Bd. 3, 421, 2; 426, le; 427, 5; 430, 1; 433, 20. Zum Amt des Elemosinars vgl.
V. Herib. Colon, c. 9, MGSS. 4, 748; *Koblenz St. A. MC. VIII, Bl. 143 a No. 415, reg. Goerz,
Regg. d. Erzb. S. 233, 1471 Aug. 25: Wir Johan etc. tun kunt und bekennen uffentlich an
diesem brieve, das wir angesehen und betrachtet haben anneme getruwe flissige dienste, so
Johan von Berberg unser spender und lieber getruwer unserm nehsten vurfaren und auch uns
und unserm stift bisher getaen halt und furbas zu tunde willig ist, und haben als darumb
denselben Johan als unsern und unsers stifts dienere, so lange er in leben ist, begnadet
und gefrihet also das er sine lebtage, so lange und dwile er im furgeburge zu Erembreitstein
ader zu Moelen im Daile und in dem gerichte zu Neremberg mit siner huiswonunge sehszhaft
blibet, von allen und iglichen froenen achten wachen schetzungen diensten reisen und anders
desglich, damit unsere undertanen und bürgere im gerichte zu Neremberg gesessen uns und
unserm stift verpflicht sin, ganz fri und entbonden sin sal; doch also, das der genant Johan
von Berberg von siner erbschaft und gutern in dem egemelten gerichte, die er izunt hette
oder hernach überkommen und eroberen mag, pflichtig und schuldig sin sal bede schetzunge
imd anders zu geben und zu hantreichen, glich als dan dieselben gutere vormails und e sie
an ine sint kommen zu tunde schuldig gewest sint, sunder alle argeliste. Und des zu Urkunde
hain wir unser ingesigel an diesen brief tun henken. Datum Erembreitstein dominica post
Bartholomei anno etc. Ixxprimo.
^) S. Bd. 3 Wortr. u. d. W. liber fidelium. Die Lehns Verwaltung wurde wohl von be-
stimmten Kaplänen der Kanzlei geführt. Auch die Kanzlei wies übrigens bisweilen an, so-
weit ihre eigenen Einnahmen von Taxen u. s. w. (s. oben S. 1441) nicht ausreichten, vgl. Bd. 3,
423, 15, 1337, und oben S. 1432 Note 7.
^) Bd. 3, 425, 19, 1338. Der Marschall regelte wohl auch die Verproviantierung der
Burgen. CRM. 3, 155, 1328, S. 267, betrug die gewöhnliche Verproviantierung: für Kochern
200 mir. Roggen und 12 Fuder Wein; für Manderscheid 100 mir. Roggen und 8 Fuder Wein;
für Bernkastei 100 mir. Roggen und 8 Fuder Wein, alles Trierer Mafs. S. auch Bd. 3,
439 Note 1.
— 1477 — Die Landesverwaltung.]
Palastkellner^ , die Roiseiiiaischiille ^ ; die einzige Verwaltung, welche sich in
Ausgabe und Einnahme von der Haui)tkasse gesondert hielt, scheint die geist-
liche Intraden- und Subsidienverwaltung gewesen zu sein^.
Die Hauptkassenverwaltung führten nun die Juden des Herrn, der
eigentliche Vorstand und dessen Bureauchef, der scriptor ludeus"^. Die
Originalbuchung w^ar hebräisch ^, doch scheint die aus ihr ausgezogene Haupt-
rechnung für den Abschlufs am 1. Oktober lateinisch bearbeitet worden zu
sein^; in ihr wurden zugleich alle eingegangenen Münzsorten unter Kurs-
berechnung in eine einheitliche Münzsorte, unter Jakob Daniels in Ib. hl.
umgerechnet*^.
Auf Vergleichung dieser Hauptrechnung hin mit den Belegen wie nament-
lich mit der hebräischen Buchung^ und mit dem Kassenbestand' am 1. Ok-
tober wurde nun die erste Entlastung erteilt. Die Vergleichung war Sache der
Kanzlei, wie wir auch in anderen Territorien früh wie spät die Kanzlei zur
Kontrolle der Finanzverw^altung herangezogen sehen ^. Wahrscheinlich wurde
nun die Kanzlei in der Weise beteiligt, dafs man aus einer Anzahl von Ka-
plänen und andern Räten eine Revisionskommission bildete, welche dann vor
dem Landesherrn berichtete, worauf dieser in Gegenwart der Rechnungs-
behörde wie der Revisionskommission entlastete. So wenigstens oder analog
1) Bd. 3, 423, 23.
2) Bd. 3, 430, 3, 1339; 431, 21, 1340; 433, 0, 1340. Vgl. Peter Maier (Wyttenb. u.
Müller G. Trev. 2 Animadv. S. 18) 1356: der Erzbischof reist mit 126 Pferden nach Nürn-
berg, er braucht auf 8 Reisetagen 4 clip. aurei, 341 Ib. hl., 31 grossi antiqui. — Im übrigen
\v'urden auch direkt manche Einzelsummen auf die Hauptkasse angewiesen, z. B. komissarisch
festgestellte Entschädigungssummen für besondere Verluste von Beamten im Krieg usw., s.
Bd. 3, 423, 8 f., 1337; 425, 21, 1338; 432, 29, 1340; 433, 1, 1340; einmal auch ein Stück
Baurechnung, 428, 19, 1339, verrechnet wohl nach Angaben des Burggrafen von Kochem.
3) s. Honth. Eist. 2, S. 2-3, sowie Bd. 3, No. 292, 1339—1341: der sigillifer der
Trierer Kurie (und ebensowohl der der Koblenzer Kurie bezw. des Officialats der Terra
Gallicana) führen selbständig Rechnung über fast alle geistlichen Intraden, auch die Sub-
sidien; die Abrechnung erfolgt aber vor den gewöhnlichen Kontrolleinstanzen der welt-
lichen Verwaltmig. Ebenso werden jedenfalls die weltlich-ständischen Beden in gesonderter
Verwaltung erhoben und verrechnet. Zur Verwaltung des erzbischöflichen Privatbesitzes s.
G. Trev. c. 301 : Erzbischof Johann VIT. (1581 — 1599) emit domum zur Goltreben et illuc
bona ista hereditaria collocavit, primus, qui bona familiae et privata ab archiepiscopalibus
separavit et seorsira administravit.
4) Bd. 9, 429, 22, 1339; 437, 13, 1341.
^) Bd. 3, 423, 6, 1337.
6) Bd. 3, 421, 7, 1336; 426, 9, 1338.
") Bei kleineren Verwaltungen geschah die Vergleichung mit dem Kassenbestand durch
Zerbrechen der (wohl thönemen und) nicht aufschliefsbaren Kasse, s. Bd. 3 Wortr.
u. d. W. cista.
^) G. ep. Leod. 2, 69 : der Bischof Wazo abbates et presby teros cum nonnullis ordine
inferioribus clericis in capellam, quae cubiculo contigua est, iubet recipi, ut his coram de
rebus ecclesiae disponeret. In Flandern hat der Kanzler sogar das ganze Rechnungswesen
unter sich; Warnkönig 1, 262 f.; 3, 117 f. S. auch oben S. 1432 und 1443.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1478 —
gestaltete sich der Geschäftsgang l)ei der Entlastung kleinerer Finanzver-
wal tiingen^
Die Älonita der Revisionskommission wurden dann bei Aufstellung des
Nachtragsetats zur Hauptrechnung, der zweiten grofsen Budgetarbeit jeder
Etatsperiode, beriicksichtigt. Dieser Etat scheint im ganzen ebenfalls allein von
dem hebräischen Bureau aufgestellt worden zu sein, indes ist es sehr wahr-
scheinlich, dafs sich an der Aufstellung auch einige Vertreter des Erzbischofs,
wohl wiederum einige Kapläne, beteiligten ^. Jedenfalls aber wurde der Nach-
tragsetat wiederum von der Kanzlei revidiert, und zwar wohl durch einen
1) Zur Geschichte der Entlastung vgl. die Eechuungslage Gerhards von Sinzig im J.
1242 coram officiatis [regis Conradi IT.], oben S. 1364 £ ; ferner Arch. Clervaux No. 66, 1300 :
Kos liopertus comes in Nassauwe omnibus . . volumus fore notum, quod lohannes miles de
Eiberg noster officiatus dilectus in vigilia beate Barbare virginis ad omnem nostram volun-
tatem integre nobiscum conputavit mediantibus viris honorabilibus et discretis videlicet Her-
manno libero de Maguntia, Sigfrido de Lintauwe, . . de Langinauwe militibus, Marquardo pa-
store ecclesie in Eckinstein ac H. scultois ibidem, et hoc tempore sui officiatus. nos omnes
predicti vero provida deliberatione et bono nostro consensu de predicta computatione sumus
contenti. Honth. Hist. 2, 88, 1318: Johann, König von Böhmen, stellt dem Erzbischof Balduin
eine Generalquittung aus mediante computatione finali rationabili et legitima nobis facta et
reddita per eundem anno domini 1313 die penultima mensis ianuarii in civitate Trevirensi
in palatio suo coram nobilibus et discretis viris Henrico comite de Willnove, Egidio domino
de Rodemachra, magistro Conrado cancellario, Roberto archidiacono in ecclesia Trevirensi,
Johanne de Brunshorn et Paulo de Eich militibus necnon Petro de Griffe et Ludowico de
Kansme clericis notariis dicti domini nostri archiepiscopi tam per literas sigillatas quam per
alia documenta appertinentia. Bd. 3 Ko. 288, 1328: Rechnungslage des Saarburger Kellners
nobiscum [dem Erzbischof] in palatio nostro Treverensi am 10. Mai, presentibus Henrico
capellano, ThieJemanno de Rodemacra [Küchenmeister] et Johanne clerico capelle nostre.
Bd. 3 Xo. 292, 1339—1341: der Trierer Sigillifer rechnet ab coram archiepiscopo in palatio
Treverensi presentibus Elia preposito Monasteriensi venerabili, Henrico et G^Yharäo capellanis
nostris necnon lacobo Danielis et lacobo scriptore ludeis nostris. Bd. 3, 456, 22, 1344, Ober-:
wesel: eine Abrechnung des Kellners cum amicis domini, und zwar zu Trier, s. S. 460, 1.
Bd. 3, 462, 15 f., 1345: Rechnungslage des Oberweseler Kellners cum domino in palatio Tre-
verensi am 1. Juni presentibus Wernhero Gerardo Everhardo capellanis et Johanne de Al-
denar pincerna nostris. *Mayener Ivellnereirechmmg, 1345: feria 4 a post festum palmarum
domini lacobus decanus ecclesie sancti Florini Confluentini, Johannes de Uz burgravius in
Maien, Th. de Rinberg scultetus Älonasteriensis, Petrus cellerarius Confluentinus et Petrus
cellerarius Monasteriensis missi per dominum Meien ad audiendum computationem a me
Gobelino habuerunt in pauulo etc. Bd. 3, 478, 20 f., 1346 2. April : Rechnungslage des Ober-
weseler Kellners cum domino in palatio Treverensi presentibus Gerardo cantore ecclesie sancti
Paulini et Everhardo capellanis nostris. Der Recefs trägt das Datum Jvoblenz, 26. April 1346.
Für spätere Zeit s. noch Loersch, Jngelheimer Oberhof 149, 166; und unten Bd. 8, 261, 15,
1411-, Xo. 236, 1443; 280, 33, 1467; 289, 4o, 1476. S. auch Bd. 3 Wortr. u. d. WW.
reces — rechenschaft.
2) Bd. 3, 429, 8 f., 1339. Dafs Ivapläne und Juden überhaupt gemeinsam finanzielle
Angelegenheiten besorgen konnten, ergiebt sich aus der Ivooperation beider zum Empfang
der englischen Subsidien in Köln, Bd. 3, 428, 15, 430, 3, 1339; s. auch Bd. 3, 437, 12, 1341:
Rechnungslage des Sieglers presentibus . . Henrico et Gerhardo capellanis necnon Jacobo
Danielis et lacobo scriptore Judeis nostris.
— 1479 — Die Landesverwaltung.]
Kaplan ^ Auch liier wurde wiederum die lateinische Aufstellung mit der
hebräischen Buchung verglichen ^ , es wurden sonstige laufende Akten , Zoll-
rechnungen^, Lehnsregister ^, wohl auch Kellnereirechnungen * befragt, und
schliefslich zog man auch noch den jüdischen Vorstand ^ wie sonstige gerade in
Betracht kommende Personen^ zu Rate. Erst auf Grund dieser letzten und
genauesten Revision wurde dann für beide Rechnungen, die Hauptrechnung
und den Nachtragsetat, eine gemeinsame Aufstellung vorgenommen und even-
tuell Decharge gegeben. Doch scheint man die schwierige Arbeit der Re-
vision des Nachtragetats und der Aufstellung eines endgültigen Abschlusses
nicht jährlich, sondern nur etwa in fünfjährigen Perioden vorgenommen zu
haben: so wurden z. B. die Etats der Jahre 1336—1341 auf einmal revidiert
und gemeinsam von ihnen entlastet.
Revision und Decharge wurde in diesem Falle nicht vor dem J. 1345
abgeschlossen^: sehr begreiflich, wenn man die Schwierigkeit der Prüfung
bedenkt, welche fast das gesamte Aktenmaterial der Etatsperiode in ihren
Bereich ziehen mufste. In der That w^ar denn der Erfolg der Revision auch
ein nach unseren Begriffen sehr wenig vollkommener; jährlich finden sich
etwa 30000 M. an verlorenen Posten, welche als gezahlt gebucht sind, ohne
dafs sich ein Zahlvermerk findet. Diese Posten stammen vor allen Dingen
aus der Lehensverwaltung ^ — vermutlich erfolgten gerade hier infolge be-
sonders zähen Festhaltens an Naturalbezügen viele Anweisungen auf Lokal-
äniter: diese wurden dann nur im Lehnsbuch gebucht, fanden aber in den
Rechnungsberichten der Lokalämter an die Hauptkasse keine Meldung. Aufser
solchen Fehlern aber kam in den Berechnungen der Zentralstellen selbst
eine ganze Anzahl von Fehlern rein technischer Natur vor, falsches Umsetzen
fremder Münzen in die gangbare Valuta, fehlerhafte Kursberechnung, ja un-
richtige Additionen und Subtraktionen^: Fehler, w^elche jeder milder beur-
teilen wird, der einmal versucht hat, grofse Zahlen in römischen Ziffern nach
den vier Spezies zu behandeln, wie es die Rechner der ersten Hälfte des
14. Jhs. noch meist thun mufsten^^. Wenn die Verbreitung der Schreibkunst
1) Bd. 3, 420, 22, 421, 24 f., 1336; 423, 24, 1337; 425, i, 1338; 430, 7, 25, 431, 2, 1339.
2) Bd. 3, 429, 12, 1339.
3) Bd. 3, 422, ig; 423, 13, 37; 428, 1; 431, e; 434, 26; 435, is.
4) So wohl Bd. 3, 432, 11 f., 1340 die der Palastkellnerei.
5) Bd. 3, 423, 5, 1337.
6) Bd. 3, 424, 3, 1337.
') Bd. 3, 422, 5—6.
^) Sie werden in No. 291, 1336—1341 mit folgenden oder vei-wandten Worten ein-
geleitet: Inventa in libro fidelium domini, nescitur qiiis solverit pecuniam; Inventa in libro
üdelium et alibi, de qiiibus dubitatur, quis solverit pecuniam.
^) S. dazu den Nachweis in der Tabelle auf S. 419 des dritten Bandes.
10) S. Bd. 3, 420 Note a, vgl. oben S. 1443 Note 9.
[Entwicklung der Landesgewalt. — 1480 —
in tiefere Klassen zu folgenreichen Veränderungen in der Verwaltungspraxis
Anlafs gab, so hat die allgemeine Einführung der arabischen Ziffern der Finanz-
verwaltung nicht minder kräftige Impulse gegeben. Jedoch sieht man von den
verhältnismäfsig geringen Aussetzungen ab, welche sich gegen das Rechnungs-
wesen des hebräischen Bureaus und die Revisionsart der Kanzlei im Trierer
Territorium der ersten Hälfte des 14. Jlis. vorbringen lassen, so wird man
nicht umhin können, der binnen kurzer Zeit erworbenen Verwaltungsaus-
bildung dieser Instanzen alle Anerkennung zu zollen.
Aber nicht lange blieb die Verwaltung so geregelt. Schon im J. 1353
erscheinen die Juden für immer aus der leitenden Stelle in der Trierer Finanz-
verwaltung verschwunden, und an Stelle der Juden des Herrn tritt ein Rent-
me^.ster oder Reddituarius auf\ mit Vorliebe ein geistlicher Herr^, welcher
die Verwaltung schlecht und recht führt, ohne dafs man von derselben weitere
lehrreiche Details erführe^. Und so bleiben die Zustände bis über das Mittel-
alter hinaus; die Landrentmeisterei besteht noch im J. 1599*.
Allein wenn sich vielleicht auch auf dem Gebiete der Finanzverwaltung
die Spuren einstiger jüdischer Einwirkung verwischen liefsen, so blieb diese
Einwirkung doch jedenfalls in der Gesamtgeschichte der Territorialbüdung
nicht ohne tief eingreifende Ergebnisse. Wohl schwerlich wird sich in andern
deutschen Territorien die Bedeutung des jüdischen Einflusses bis zur Mitte
des 14. Jhs. in ebenso sicherer Weise veranschaulichen lassen wie in Trier —
wo wird uns denn überhaupt ein gleich übersichtliches Bild einer Landes-
finanzverwaltung gezeigt? — : indes wird es doch möglich sein, in den meisten
Territorien einzelne Spuren einer in analoger Weise ausgebildeten Ein-
wirkung aufzuweisen. Ist dies aber der Fall, so kann den Juden ein be-
merkenswerter, wenn auch erzwungener Anteil an der Entwicklung des
deutschen Territoriums und damit des modernen deutschen Staates nicht
abgesprochen werden. Wir haben früher gesehen, wie es die militärische
Kraft war, in deren Durchbildung es den Landesfürsten gelang, die halb-
1) Zuerst CRM. 3, 402, 1353, cit. oben S. 1422 im Text, der hier genannte Rentmeister
Gerard scheint identisch mit dem noch im J. 1350 als Kanzler genannten Gerhard zu sein,
vgl. oben S. 1438 f. Zum Titel reddituarius vgl. Bd. 3, 261, is, 1412. Das Rentmeisteramt war
auch sonst verbreitet, s. z. B. für Jiilich WWeisskirchen 1493, Arch. Maximin 1, 98, cit.
oben S. 240 Note 5, auf S. 241.
2) Um 1412 war es in Trier wohl ein Adliger, später der Pastor zu Stremich, Johann
vonBechel, s. Bd. 3, 280, 33, 1467; 289, 4o, 1476; Goerz, Regg. der Erzb. zum 15. Juni477;
vgl. noch *Koblenz St. A. MC. VIII, Bl. 201a No. 610, reg. Goerz, Regg. der Erzb. S. 251,
1480 Juni 4: Item hait unser gnediger herre her Johan von Becheln sin finale recesse von
den rentmeisterien und kellnerien zu Cochme geben und damit uf ine genzlich verziegen.
Datum dominica post corporis Christi anno domini 1480.
^) Er zahlt Beamtengehälter aus, Bd. 3, 232, 3, 1358 ; kontrolliert die Unterrezepturen,
Bd. 3, 261, 15, 1412; 280, 33, 1467; 289, 4o, 1476; ist zugleich Rat, Bd. 3, 299, 26, 1496.
') Honth. Eist. 3, 194 f.
— 1481 — Die Landesverwaltung.]
staatlichen Kräfte der Grundherrschaft, der Vogtei und der Lehnsherrlichkeit, wie
die vom Reich abgeleiteten staatlichen Hoheitsrechte zum neuen Begriff der
Landesgewalt, der fürstlichen Hoheit zu einen: jetzt erkennen wir auch die
Quellen jener mächtigen finanziellen Kräfte, deren die Landesherren vor-
nehmlich bis zur Mitte des 14. Jhs. zur administrativen Ausprägung dieser
Landesgewalt, namentlich zur Schaffung eines neuen Beamtenrechts und Be-
amtenstandes bedurften.
Und so bildet denn die Gedankenreihe am Schlüsse dieses Teiles eine
sehr wesentliche Ergänzung zu der im ersten Teile dieses Abschnittes ge-
gebenen Darstellung über die Bildung der Landeshoheit: neben der militäri-
schen Gewalt sind es vornehmlich aufsergewöhnlich reich erschlossene finan-
zielle Kräfte gewesen, welche eine rasche Zusammenschweifsung der Territorien
und der Landesgewalt aus dem Chaos von Landfetzen und Einzelrechten des
früheren Mittelalters ermödichten.
Lam p rech t , Deutsches Wirtschaftsleben. I 94
IX.
Schlufs.
94
Das historische Leben läfst sich ebensowenig wie das vegetative oder
;animalische Dasein von äufseren Erscheinungsformen getrennt denken; es ist
<lie bewegende, ja überhaupt erst verbindende Kraft bestimmter Organismen.
Die wissenschaftliche Forschung ist an sich nicht imstande, dieses Leben
in seiner Gesamtheit wiederzugeben und untersuchend zu erläutern. Sie hat
es nur mit den Gliedern des Organismus zu thun; sie ist bestrebt, deren
Zusammensetzung und Aufbau, ihr Verhalten an sich und im Verhältnis zu
•den übrigen Teilen darzulegen ; versagt ist ihr die Fähigkeit, das Leben an sich
zu erfassen, wie es diese Glieder zu einem Ganzen verbindet.
Auf dem Felde der historischen Wissenschaft aber steht über der Ge-
schichtsforschung die Geschichtsschreibung. Es ist die künstlerische Aufgabe
des Geschichtsschreibers, das Leben historischer Organismen auf dem Wege
der Nachempfindung zu dauernder Gegenwart zu erwecken. Nur in der Ge-
schichtsschreibung, nicht in der Geschichtsforschung können sich Leben und
Wissenschaft, jene oft als unversöhnlich betrachteten Gegensätze, zur höheren
Einheit einer wahrhaft geschichtlichen Anschauung verbinden.
Aber wieviele Schwierigkeiten bieten sich nicht schon auf der ersten
Stufe zur EiTeichung dieses Zieles, auf dem Gebiete der Geschichts-
forschung. Allerdings mag sich die Forschung bei günstigem Thema und glück-
lichem Wurf der Bearbeitung nicht selten über sich selbst hinaus zu einer
Art von Geschichtsschreil)ung erheben. Indes die wenigsten Gegenstände von
wahrhaftem historischen Interesse dulden diesen Übergriff und das mit ihm
verbundene Schwanken zwischen freier Erzählung und methodischer Prüfung;
je verwickelter die Vorgänge sind, je regere Beziehungen einzelner Funktions-
reihen zu einander im geschichtlichen Verlaufe eines bestimmten Organismus
auftreten, um so weniger wird es gelingen, den schmalen Weg der Ver-
mittlung zwischen Darstellung und Forschung sicher einzuhalten.
In unsern nunmehr abgeschlossenen Studien handelte es sich um einen
nach ursprünglichei' Zusammensetzung wie geschichtlicher Entwicklung gleich
J^omplizierten Organismus. Die gesamte materielle Kultur ist in ihrer Ent-
[Sctlufs. ^ — i486 —
faltung von tausend natürlichen Vorbedingungen abhängig; ihre Teilentwick-
lungen in Wirtschaft, Recht und Verfassung unterliegen einer gegenseitigen be-
ständigen und kaum übersehbaren Einwirkung, in welche zudem der in ewiger
Umbildung begriffene Charakter der sozialen Schichtung unablässig eingreift v
und nicht minder drückt schliefslich jede Errungenschaft der idealen Kultur
in Glauben und Wissen, in Dichtung und Kunst den materiellen Kräften ihren
Stempel auf. Wer sollte es da wagen, forschend und darstellend zugleich in
das Labyrinth all dieser Beziehungen einzudringen. Der alleinige Weg
methodischer Erforschung ist hier am Platze; erst nach wiederholten Anläufen
und zahlreichen Untersuchungen paralleler Entwicklungsreihen in verschiedenen.
Gegenden des deutschen Bodens wird eine Darstellung des Entwicklungsganges
im Sinne der Geschichtsschreibung möglich sein.
So war es unsere Aufgabe, in der Geschichte der materiellen Kultur auf
bestimmtem Boden bestimmte Entwicklungsreihen untersuchend zu verfolgen
und dabei die Anordnung der Untersuchung so zu treffen, dafs in der Reihen-
folge der einzelnen Darstellungen immerhin schon jene hauptsächlichsten Stufen
ihrer Entwicklung zur Geltung gelangen, welche eine spätere reine Geschichts-
darstellung aufzustellen haben würde. Von diesem Gesichtspunkte aus wurde
nach einer Feststellung der Zustände ältester Zeit auf Gnmd der fränkischen.
Volksrechte zunächst die Entwicklung der autonomen Wirtschaftskräfte erörtert :.
die Besiedlung, wie sie vornehmlich durch Einzelkräfte und deren korporativem
Verband eingeleitet und durchgefiihrt ward, die Entwicklung der Bevölkerung
und deren selbstständige Wirtschaftsorganisation in Markgenossenschaft und
Agrarverfassung. War so eine Übersicht der autonomen Bildungen erreicht, in.
deren Kreisen die nationale Wirtschaftsarbeit während des gesamten Mittelalters-
überwiegend verlief, so trat von selbst die Frage auf, wie sich denn das Ergebnis,
dieser Arbeit in Charakter und Höhe der Landeskultur ausgedrückt habe. Die
Antwort konnte freudig lauten: schon im 8. und 9. Jh., in höherer Staffel im
12. und 13. Jh. ergiebt sich eine bedeutende Aufspeicherung wirtschaftlicher
Kräfte, welche der anhaltenden Arbeit der einzelnen Volksgenossen zu ver-
danken ist. Diese Kräfte mufsten nun geordnet und dadurch erst völlig
nutzbar gemacht werden : eine Notwendigkeit, welche naturgemäfs zur wirtschaft-
lichen Bevorzugung hervorragend energischer Naturen und sozial besonders
hochstehender Mächte führte. So drängten die Erörterungen über die Landes-
kultur zur Untersuchung der autoritären Bildungen, welche sich auf Grund der
schon stärker angesammelten volkstümlichen Wirtschaftskräfte entwickeln mufsten..
Hier trat uns, der naturalwirtschaftlichen Zeit des 8. und 9. Jhs. entsprechend,
vor allem der Grofsgrundbesitz entgegen; v/ir verfolgten die auf ihn vornehm-
lich gestützte Ausbildung erst pseudopolitischer Befugnisse, dann territorial-
staatlicher Hoheitsrechte unter dem gleichzeitigen Verfall des nationalen Staates,,
und wir erkannten in der gnmdherrlichen Organisation die erste grofse vor-
bereitende Tliat zur Entwicklung des modernen Staates.
Wenn nun aber in der Reihenfolge unserer Teiluntersuchungen doch
— 1487 — Schlufs.]
schon die Hauptzüge der geschichtlichen Gesamtentwicklung zum Ausdruck
gelangten, so ist es verlockend, der damit gegebenen Anregung jetzt etwas
weiter zu folgen. Gewifs wird es möglich sein, unter zeitlicher Anordnung
mancher Thatsachen, welche sich in den bisherigen Teiluntersuchungen mehr-
fach nach sachlichen Gesichtspunkten zerstreut finden, ein allgemeines Bild
der materiellen Entwicklung des platten Landes im deutschen Mittelalter zu
geben. Es mag sein, dafs sich in diesem Bilde mancher lokale, nur für die
Moselgegenden zutreffende Zug finden wird. Aber dieser Fehler wird durch
die Vorteile überboten, welche eine Zusammenstellung gleichzeitiger, in unseren
Untersuchungen an verschiedenen Stellen behandelter Thatsachen für deren
gegenseitige Erklärung und Begrenzung und damit auch für das Verständnis
der gesamten Entwicklung bieten kann. Zudem entspricht es dem Gefühl des
Verfassers, am Schlüsse einer Jahre hindurch andauernden und mit mancher
Mühe verknüpften Arbeit das Ergebnis derselben wenigstens nach der einen
und anderen Seite hin allgemein festzustellen.
Blicken wir von der Schlufsepoche unserer Forschungen um anderthalb
Jahrtausende rückwärts, auf die Zeiten des Cäsar und Tacitus, so erscheint um
diese Zeit die Nation noch nicht geeint, ja der Begriff der Nationalität ist kaum
vorhanden. Die Völkerschaft ist nahezu das alleinige Gefäfs des politischen
Lebens; kaum mehr wie 30000 bis 40000 Seelen werden durchschnittlieh
einen gesonderten Staatskörper gebildet haben. Dieser Zustand dauerte bis
tief ins 3. und 4. Jh. hinein, bis die Überreife des bisherigen politischen Systems,
die Notwendigkeit zusammenfassender Organisation gegenüber dem jahrhunderte-
langen Andränge der Römer, das langsam erwachende Verständnis der gröfseren
staatlichen Organismen im feindlichen Westen, endlich und wohl vor allem der
den Völkerschaften an sich innewohnende Drang zur Ausbildung umfassenderer
Verbände im Sinne einer nationalen Einheit zur Entwicklung der grofsen
deutschen Stämme führte.
Diese Stämme aber beherrschen nun vom 5. Jh. ab grundlegend für alle
weitere Entwicklung mehr als ein halbes Jahrtausend der deutschen Geschichte.
Erst im 11. Jh. erhält der Zug zur nationalen Einigung einen völlig ge-
sicherten sprachlichen Ausdruck in dem Worte Deutsch, das von nun ab den
Sondersinn ,zum eigenen Volk gehöiig' annimmt; und erst um die Wende des
12. und 13. Jahrhunderts singt Walther von der Vogelweide ein erstes Lied
voll wahrhaft nationalen Stolzes.
Diese langsame und syste^natische Durchreifung des Volkes der germa-
nischen Völkerschaftsepoche zur deutschen Nation des hohen Mittelalters wurde
durch die Begründung der merowingischen Monarchie und die Entstehung des
occidentalen Weltreichs der Karolinger nur modifiziert, nicht unterbrochen.
Die merowingischen Herrscher blieben stets weit davon entfernt, ein Reich
einheitlicher Verwaltung zu schaffen, etwa in auch nur gröbster Anlehnung an
jene eindringliche Regierungsform des Kulturstaates, welcher vor ihnen über
diese Gegenden gewaltet hatte: ihr Reich trug, vornehmlich in Deutschland,
[Schlufs. — 1488 —
die, wenn auch abgeschwächten, so doch immer noch genügend gekennzeichneten
Merkmale der einfachen persönlichen Despotie. Diese Könige herrschten, sie
regierten nicht; die deutschen Stämme waren ihnen weniger unterthan als
unterworfen. Stammesart und Stanmieshafs wurden von der Zentralstelle des
Reiches aus niedergehalten, nicht vernichtet: noch blieben die alten Stam-
mesgewalten bestehen, noch lebte teilweis der alte Adel aus völkerschaftlicher
Vorzeit in den überrheinischen Stämmen fort. Auch der Herrschergeist Karls
des Grofsen hat das Stammesleben der deutschen Nation dem Staate mehr
ein- als untergeordnet: indessen stand doch in seinem Reiche, das interterri-
torial und international dem unerreichbaren Ziele einer Verwirklichung des
römischen kulturgesättigten Staatsideales nachstre])te, der Sachse gleichberech-
tigt neben dem Aquitanen, und Alemannen wie Bayern und Italer unterlagen
derselben Behandlung. Es ist eine mit strengem Wohlwollen geleitete Schul-
zeit von fünf bis sechs Generationen, welche die gärenden Nationen des
Abendlandes seit den ersten Tagen des grofsen Kaisers und Pädagogen durch-
machen; eine Periode, die diese Nationen zu selbständigem Leben befähigt
und ihnen auf ihre Sonderpfade die zunächst vielfach unverstandenen, erst im
Laufe von Jahrhunderten zu reichster Frucht erwachsenden Lehren einer höher
stehenden Kultur mitgiebt. Mit rasch wachsendem Einfluls hatte der Karo-
lingerstaat die äufsersten Enden des Occidents umfafst, fern vom Zentrum traf
er in Italien wie Irland - England auf die noch immer lebensfrischen Reste
klassischer Bildung und zog sie an sich: Paulus Diaconus wie Alkuin folgten
mit gleicher Liebe dem kaiserlichen Rufe. So entstand am Hofe ein Brenn-
punkt klassisch - römischer , auf ganz andere Kulturverhältnisse wie die der
Gegenwart berechneter Anschauungen; eine vorfrühe Renaissance kam zum
Durchbruch. Karl der Grofse versuchte, diesen Strebungen litterarisch wie
sozial und politisch Fleisch und Blut zu geben: seine Staatsanschauung ist die
imperatorische, sein Ideal der allen Kulturinteressen offen stehende Staat
höchster Kulturepochen, nicht der primitive Staat germanischer Friedens-
wahrung. Unberechenbar reich ist das Erbteil, welches der grofse Kaiser der
Ausbildung der abendländischen Nationen in der Erinnerung an seinen Staat
mit auf den Weg gab, wenngleich die praktische Durchführung seiner Politik
vor allem an der naturalwirtschaftlichen Lethargie der Zeit scheitern mufste:
nicht umsonst erscheint Karl das ganze Mittelalter hindurch als Heiliger der
Kirche, als Held der Sage, als unerreichbares Ideal des christlichen Herrschers,
bis die natürliche, die aus der Erfüllung der Zeiten geborene Renaissance seine
Ideen zur Wirklichkeit gebar und sein Staatsideal, soweit es anging, verkörperte.
Es ist nötig, sich diese allgemeinen Züge unserer nationalen Entwicklung
zu vergegenwärtigen, will man anders zu einem vollen Verständnis der Be-
deutung der germanischen Völkerschaft als keimartiger Teilform des späteren
Stammes- und Volksstaates gelangen.
Aber war die Völkerschaft des ersten Jahrhunderts vor und nach Christus
überhaupt ein Staat? ' Ging ihr Wesen nicht vielmehr so sehr in der Heeres-
— 1489 — Schill fs.]
\erfassimg auf, dafs sie nur als militärisch geordneter Volksteil im Wander-
verhältnis zu fassen ist?
Aus der Möglichkeit, diese Frage überhaupt aufzuwerfen, entnehmen wir
die Thatsache, dafs innerhalb der Völkerschaftsverfassung militärische Gesichts-
punkte von gröfster Bedeutung gewesen sein müssen. Und in der That, sehen
wir von dem Noniadenzustand der Germanen ab, wie ihn noch Posidonius bei
Strabo schildert und wie er notwendig zur Vorstellung eines reisigen Volkes
nach Art asiatischer Steppenhorden führt: auch noch in der Zeit des Cäsar,
ja fünf Generationen später in der Schilderung des Tacitus erscheint der
Germane vor allem als Krieger, und sein Staat nur als politischer Ausbau
fler Heeresverfassung.
Man hat den germanischen Staat eine Demokratie genannt: eine Be-
zeichnung, welche schon in Anbetracht der Thatsache, dafs die politisch-tecli-
nischen Ausdrücke der Griechen keiner niederen, sondern einer sehr hohen
Kulturstufe angehören, der wirklichen Sachlage nicht entsprechen kann. Die
Bezeichnung führt aber in noch viel weiterer Ausdehnung irre. Der Umstand,
ob der völkerschaftliche Staat mit oder ohne monarchische Spitze schlofs, ist
für die Beurteilung neliensächlich : das durchgehend Bezeichnende bleibt
vielmehr das gegenseitige kameradschaftliche Verhältnis der Volksgenossen.
Noch fühlen sich alle Freien als Genossen eines Heeresverbandes, noch herrscht
unter ihnen kriegerischer Korpsgeist, noch beruht die Stellung aller Staats-
beamten auf ursprünglich militärischem Vorzug. Ja noch mehr: zu Cäsars Zeit
bemht die wirtschaftliche Thätigkeit des freien Volkes zu nicht geringem Teile
noch auf Speererwerb, auf Beuteauszug und Beuteteilung; erst in zweiter Linie
kommt die Okkupation der natürlichen Gaben des Landes in Jagd und Fisch-
fang, in Wonne und Weide, und endlich gar erst in dritter Linie der Acker-
bau in Betracht.
Diese Abstufung des nationalen Erwerbslebens erzeugt den richtigen Vor-
stellungskreis für das Verständnis der ältesten und für immer grundlegenden
Vorgänge unserer Wirtschaftsentwicklung. War der Germane vor allem
Krieger, war er gewöhnt, Beutestücke mit seinen Genossen als Erwerbsstücke
kameradschaftlich zu teilen, so lag ihm nichts näher als der Gedanke, auch
die endgültig erlangte Heimat als wohlgewonnene Beute anzusehen und
zw behandeln. Das ist die Auffassung: der Grund und Boden ist Beute wie
anderer Kriegserwerb : er gehört dem völkerschaftlichen Heere, aber jeder Freie,
jeder Kamerad hat ein wohlerworbenes Anrecht auf seine Nutzung. Die
Nutzungen der Kameraden sind dann natürlich unter sich gleich, gleich, wie
die Stellung der Durchschnittsfreien im Heere, wie die gemeine Freiheit über-
haupt, wie der Genufs von Luft und Licht und Wasser. Nur der Befehlshaber,
der militärisch vorgezogene Adlige, ist auch bei der Landbeuteverteilung be-
vorzugt: der gröfseren Verantwortung, der schwereren Pflichterfüllung dort
entspricht hier ausgedehnteres Recht und reicherer Vorteil. Aber die Grund-
lage aller Verteilungen und Berechtigungen, für die Freien wie den Adel, ist
[Schlufs. — 1490 —
die gleiche: Freiheit ist noch ein rechtlicher wie wirtschaftlicher Begriff; frei
ist nur der vollberechtigte Heeresgenosse mit ganzem Anteil an der Staats-
verfassung und mit vollem Genufs an den Schätzen der Heimat.
Dies die grundlegende Anschauung. Wie verhielt sie sich zum Erwerb
von Grund und Boden? Wie wurde das Recht des Heeresgenossen auf Land-
beute wirtschaftlich zur Geltung gebracht?
Das älteste Zeitalter, wie Cäsars Aufzeichnungen dasselbe schildern, weil's.
noch nichts von der einzig gearteten Bedeutung des Grundes und Bodens in der
Reihe der wirtschaftlichen Güter; es betrachtet ihn wie jedes andere Beutestück;
ja es wirtschaftet mit ihm gleichsam als Fahrhabe unter der Voraussetzung nur
vorübergehender Sefshaftigkeit. Demgemäfs hütet man sich ängstlich vor jeder
Feststellung von Einzelrechten ; nur der Völkerschaft im ganzen, dem gesamten
Heeresauszug der Freien wird ein unmittelbares Eigentumsrecht am Grund und
Boden zugeschrieben; das Volksgebiet ist noch Volkseigentum im privatrecht-
lichen Sinne. In diesem Gebiete erhält dann der einzelne Freie sein Nutzungs-
stück von Staats und Heeres wegen nur von Jahr zu Jahr zugewiesen; die
Beuteverteilung auf den Einzelnen erfolgt auf Zeit und wird nach jeder Nutzung
wideiTufen. Aber wie man jede Beute von selten der Heeresleitung nicht
sofort an die einzelnen Krieger verteilt haben wird, wie man noch heute inner-
halb gröfserer Heereskörper Rationen von der Zentralstelle aus nicht an den
gemeinen Soldaten direkt, sondern zunächst an Unterabteilungen ausgiebt, so
fand auch die Landanweisung nicht an die einzelnen Freien, sondern an mili-
tärische Unterabteilungen zu weiterer Verteilung statt. Diese Unterabtei-
lungen waren die Hundertschaften: Heereskörper von mäfsiger Stärke, welche
durch selbstständigen Zusammentritt mehrerer Geschlechter — bisweilen wohl
auch nur durch ein Geschlecht — und freiwilligen Anschlufs aufserhalb ihres Ge-
schlechtsverbandes stehender Freier an diese Geschlechter gebildet wurden. So
war Gliederung und Funktion des Heeres für die Verteilung der Landnutzung
einfach genug : die grofse Heeres- und Volksversammlung wies als Inhaberin der
Souveränität und Eigentümerin des Volksgebietes den autonom gebildeten Heeres-
körpern der Hundertschaften von Jahr zu Jahr Land an; die Hundertschaften
aber besorgten die Unterverteilung, für welche die gleiche Ausstattung jedes
gemeinfreien Heeresgenossen oberster Grundsatz blieb.
Man kann es nicht verkennen: diese Einrichtung hat etwas Vorläufiges,
sie betrachtet das Völkerschaftsgebiet noch kaum als Heimat, sie sieht in ihm
noch keine bleibende Stätte. Aber die deutsche Geschichte in den ersten Jahr-
hunderten nach Cäsars Kriegen hob diese Voraussetzung auf. Die Römer
schlugen die germanische Kriegs- und Beutelust in eherne Bande; ein Heer
von 60 000 Kriegern, das gröfste, welches Rom je aufgebracht, gab der be-
ständig festgehaltenen Politik, die Germanen in festen Sitzen zu halten,
unwiderstehlichen Nachdmck. So geschah, was die Germanen noch zu Cäsars
Zeit für undenkbar erklärt haben würden: die Völkerschaften wurden unver-
— 1491 — Schlufs.]
brüchlich selshaft, sie erhielten eine Heimat. Was war natürlicher, als dal's sie
nun wirklich heimisch wurden?
Tacitus unterrichtet über die Vorgänge, welche diese Entwicklung einer
vollen Sefshaftigkeit begleiteten.
Bisher hatte sich die Völkerschaft als privatrechtliche Eigentümerin des
Gebietes angesehen, w^elches sie als Kriegsbeute gewonnen hatte; nunmehr
beginnt der staatsrechtliche Gesichtspunkt aufzudämmern. Zwar behält sich
die verfassungsmäfsige Völkerschaftsversammlung, dieses Organ der gesamten
Völkerschaft, auch jetzt noch die gelegentliche Verfügung über jeglichen Grund
und Boden vor — ein Hoheitsrecht, welches später mit andern Rechten gleicher
Ableitung, wenn auch in stets mehr abgeblafster Form, an die fränkischen
und deutschen Könige übergeht — , aber von der regelmäfsigen , periodischen
Verteilung des Bodens tritt sie zurück. An ihre Stelle tritt in dieser Hinsicht
die Hundertschaft. Wurden in früherer Zeit die Hundertschaften in jährlich
wechselnder Weise über das Völkerschaftsgebiet zur Wald- und Weidenutzung
und auch zum Anbau verteilt: jetzt sitzen sie für immer fest auf dem bei der
letzten Teilung gewonnenen Land : sie besitzen nunmehr dies Land kraft Eigen-
tums und mit den Folgen desselben in wirtschaftlich freier Verfügung
und Vererbung. Nicht mehr der Staat ist jetzt Eigentümer des Landes — er
macht nur noch allmählich verschwimmende Obereigentumsrechte geltend — :
die Hundertschaften vielmehr sind nunmehr Eigentümer und Disponenten.
Über die Art der hundertschaftlichen Verfügung über den Grund und Boden
giebt Tacitus einige ausführlichere, leider mehrfacher Auslegung ausgesetzte
Nachrichten. Wie man aber auch ihren Wortsinn deuten mag, sie sind nicht
zu verstehen ohne gewissenhafte Erwägung des allgemeinen wirtschaftlichen
Zustandes der germanischen Zeit. Man wird sich vergegenwärtigen, dafs die
Gebiete der einzelnen Hundertschaften, wie verschieden immer ihre Aus-
dehnung gewesen sein mag, doch auch bei Anwendung des mäfsigsten Durch-
schnittes kaum unter einer Quadratmeile geblieben sein werden; dafs sie
mit Wald und Weide, mit Bruch und Moor bedeckt waren; dafs die Be-
dürfnisse der einziehenden Hundertschaft wohl nirgends zu hastiger Urbarung"^
nötigten. Das Land entsprach im ganzen dem Lebensstand seiner Bewohner;
erst mit der Hebung des letzteren konnte eine arbeits- und kapitalfordernde
Besserung des ersteren eintreten. Aber erst die Sparsamkeit von vielen Ge-
schlechtern schuf ein geringfügiges Anlagekapital, und erst eine Jahrhunderte
umfassende Bevölkerungsvermehrung bot die erforderliche Masse menschlicher
A]'beitskraft. So wird die erste Nutzung des Landes seitens der sefshaft ge-
wordenen Hundertschaften nur obeiHächlich zu denken sein: die okkupa-
torische Thätigkeit in Jagd und Fischfang, in Holzhau und Weide stand im
Vordergrund, die produktive im Ackerbau bildete nur einen aufs bedächtigste
zu erweiternden Anhang.
Und war der Einzelne überhaupt imstande, auf dem Gebiete der Ur-
produktion den ungebrochenen Kräften der ewig sprossenden Waldwildnis, des
ISchlufs. — 1492 —
übermütig anschwellenden Stroms Widerstand zu leisten? Gegen äufsere Feinde
hatte die Hundertschaft als militärisch geschlossene Unterabteilung, als Kriegs-
genossenschaft gemeinsam gekämpft; sollte sie diesen Kampf nicht auch als
Wirtschaftsgenossenschaft aufnehmen gegen jene feindlichen Mächte der Un-
kultur, welche sich der Deutsche noch lange genug im wilden Wald verkörpert
hausend dachte?
So geschah es: als Gemeinde eines abgeschlossenen Gebietes, als Mark-
genossenschaft sorgte man für gemeinsamen Schutz des Weideviehs vor den
Angriifen der Waldtiere, traf man gemeinsame Vorrichtungen zum Fischfang,
rodete, ja säete und erntete man vielleicht anfangs gemeinsam. Damit war die
markgenossenschaftliche Wirtschaft in wesentlichen Punkten eine Gemeinwirt-
schaft ; und es ist nur eine unmittelbare Folge dieses Zustandes, wenn dem ein-
zelnen Markgenossen noch keinerlei festes Eigentum aulser seinem Hofe, aufser
der eigenen Wohnstätte zugesprochen ward.
Allein allmählich wurde man immer mehr sefshaft. Hatte die Markgenossen-
schaft zunächst in gemeinsamem Ringen gegen die neidischen Naturgewalten
der Mark das Wirtschaftsgut der Wohnlichkeit erstritten, so konnte jetzt der
Einzelne auf Grund dieses Erwerbs in Frieden und ohne Stömng seine persön-
lichen Kräfte versuchen ; er konnte Mühe und Kapital dem Boden einverleiben
und durch eben diese Thätigkeit dem Lande einen Wert aufdrücken, den es
bisher nicht besafs. Die Arbeit der Genossenschaft wurde immer überflüssiger,
der Erfolg des Einzelnen immer sicherer und darum sein Eifer immer gröfser;
die Einzelperson begann die Genossenschaft zu überholen.
Eine wirtschaftliche Entwicklung, welche nicht ohne rechtliche Folgen
Weihen konnte vor allem auf dem Gebiete der Agrarverfassung , denn
gerade im Ackerbau — weit weniger, ja in jener Urzeit wohl kaum bemerkens-
wert in der Weide- und Waldwirtschaft — besiegte der Wettbewerb des Ein-
zelnen die genossenschaftliche Thätigkeit. Nun hatten bisher nach der wahr-
scheinlichsten Auslegung der einschlägigen Quellenstellen die Feldstreifen inner-
halb der Gewannen jährlich in der Nutzung der einzelnen Markgenossen
gewechselt; die Markgenossen hatten also einen festen Ackerbesitz nicht, statt
dessen nur feste Ackernutzungsteile gehabt. Dieser Wechsel der Feldstücke
hörte jetzt unter der immer stärkeren Befruchtung derselben durch Arbeit und
Kapital und der damit Hand in Hand gehenden Difl'erenzierung ihres Wertes
auf; der Einzelne erhielt festen Besitz, ja er erhielt mehr, er erhielt neben
seinem festen Hofeigentum festes Ackereigentum.
Individualeigen an Grund und Boden! Das war das letzte, notwendige
Ergebnis der Besiedlung; mit seinem Auftauchen schliefst das erste Zeitalter
der nationalen Wirtschaftsentwicklung. Das Eigentum an Grund und Boden
war binnen wenigen Jahrhunderten herabgesunken vom Staat auf die Hundert-
schaft, von der Hundertschaft auf den Hundertschaftsgenossen. Welchen
grundstürzenden Umschwung aller materiellen Verhältnisse mufste nicht diese
Differenziemng des Gmndeigens nach sich ziehen.
— 1493 — Schlufs.];
Es ist der p:enngste Schaden, dais mit diesem Prozefs die alte ver-^
teilende Wirtschaftsthätiiikeit erst des Völkerschaftsstaates, dann der Hundert-
schaft aufhörte: beide erlahmten und verrosteten langsam, den Rädern einer
Maschine gleich, welcher die bewegende Kraft genonunen ist. Die bewegende
Kraft aber, welche nun vermifst ward, war das ungebundene Kriegerdasein
der Vergangenheit. Bauer werden und Landeigentümer werden hängt in der
(ireschichte unserer Urzeit ebenso zusammen, wie Krieger sein und eigentums-
los oder wenigstens besitzlos sein an Grund und Boden.
Indes mit dem Schwinden des Kriegerdaseins ging der Halt der alteu
Verfassung überhaupt verloren; sie war aus der Heeresverfassung erwachsen,
wie konnte ihr Aufbau bestehen bleiben, wenn die Grundlage schwankte und
endlich hinwegschwand ? Es liegt uns fern, den ganzen Vorgang dieses Absterben»
auch auf politischem Gebiete zu verfolgen ; seit dem Übergang der Landver-
teilung auf die Hundertschaft und dem damit verbundenen Wegfall jeder wirt-^
schaftlichen Funktion der politischen Zentralstelle kann die Entwicklung der
politischen Verfassung unser Interesse nur noch mittelbar gewinnen. Wie aber
stand es mit den Hundertschaften?
Sie waren ursprünglich Heereskörper. Noch mehr: sie waren zugleich
die untersten Körper der Gerichtsverfassung. Der Krieger, welcher seine
Kameraden gegen den äufseren Feind schützen half, hatte Recht wie Pflicht,,
sie auch gegen jene Angriffe zu verteidigen, welche sie innerhalb des Staates
trafen; er sorgte für den Frieden nach aufsen wie im Innern, er war Krieger
zugleich und Urteiler. Heeres Verfassung und Gerichtsverfassung fallen zu-
sammen; sie treffen sich in demselben Rahmen, jede Heeresabteilung ist
auch Gerichtsabteilung. So auch die Hundertschaft. Und die Grundlage
dieser Einrichtung war in der kameradschaftlichen Gleichheit der Freien ge-
geben. Nun war die Hundertschaft aber auch Mark, d. h. Wirtschaftsgenossen-
schaft: auch für dieses Gebiet setzte daher die kameradschaftliche Gleichheit
dieselben Rechte und Vorteile, d. h. die wirtschaftliche Gleichheit aller Ge-
nossen voraus. Diese Wirtschaftsgleichheit war bisher kraft der landvertei-
lenden Thätigkeit der Markgenossenschaften aufrecht erhalten worden, und
sie hatte in einem gleichen und auf alle Söhne freier Krieger in gleich
grofser Ausdehnung vererblichen Anspruch jedes Markgenossen auf Bodennutzung
ihren Ausdruck gefiuiden. Nun trat das Individualeigen an Grund und
Boden ein, der bezeichnete Anspruch verblafste bis zur Bedeutungslosigkeit, die
wirtschaftliche Gleichheit und damit die kameradschaftliche Gleichheit, die
Grundlage des Staates der Urzeit, hörte auf. Wir sehen von den Folgen
des Vorgangs nach oben hin, von der Notwendigkeit eines veränderten
politischen Systems hier ab: für die Hundertschaft aber unterliegt es nach
Lage der geschilderten Entwicklung keinem Zweifel, dafs die alte Har-
monie militärischer, gerichtlicher und wirtschaftlicher Leistungen und In-
teressen unter dem Einflufs entstehenden Individualeigens an Grund und Boden
[Schlufs. — 1494 —
schon mit dem Schlüsse der Völkerschaftsepoche, mit dem Beginn der Stammes-
zeit für immer gestört war.
Die Bewegung griff aber noch tiefer, sie drang hinab bis zu den untersten
Wurzeln alles sittlichen Zusammenlebens, sie erfafste Geschlecht und Familie.
Der Staat der Völkerschaftsepoche zeigt noch nach vielen Richtungen
hin den Charakter einer jugendlichen, unvollendeten Bildung; Ziel und Zweck
des politischen Zusammenlebens sind erst roh, im äufsersten Umrisse erkannt ;
die staatliche Thätigkeit geht fast ganz im Friedensschutz nach aufsen und
innen auf, ja noch ist der Grundsatz staatlicher Friedenserhaltung im Innern
gegenüber dem leidenschaftlichen Eigenwillen der Einzelperson kaum zur vollen
Geltung gebracht. Nichts bezeichnet diesen uranfänglichen Charakter des
germanischen Staates besser als die Bedeutung der Geschlechtszusammenhänge
innerhalb seines Bereiches. Die Zeit war noch nicht völlig vergessen, in
welcher der Staat gegensätzlich zum Geschlechtszusammenhang und schwächer
als dieser bestand; noch schimmerte sogar bis ins 5. Jh. nach Chr. in der
Ordnung und Lebensäufserung des Geschlechts die älteste Form staatlich-
genealogischen Zusammenlebens deutlich genug durch das lockere Gewebe der
modern-staatlichen Funktionen.
Einst war das Geschlecht der Staat; die Naturmacht des Blutzusammen-
hangs bändigte zuerst die rohen Leidenschaften des Einzelnen , lieh dem
Schwachen Schutz und wehrte der Übermacht. Alle fördernden Mächte des
Daseins, sittliche wie materielle, standen damals allein unter der Obhut des
Geschlechts: das Geschlecht regelte das Verhältnis des Einzelnen nach aufsen
hin, gegenüber allen fremden, dem Geschlecht nicht angehörenden Leuten, es
entwickelte eine starke Strafgewalt im Sinne einer Rechtsprechung im
Innern, es ordnete die Verteilung und Vererbung des materiellen Besitzes. Es
bildete einen rechtlich-politischen Verband nach aufsen, einen rechtlich - sitt-
lichen und einen wirtschaftlichen Verband nach innen.
Verbände, deren Wirksamkeit, wenngleich beschränkt und verdunkelt,
doch auch nach der Entstehung des kriegerischen Völkerschaftsstaates, ja so-
gar innerhalb der Stammesverfassung fortdauerte. Hier finden wir, wenigstens
in fränkischem Land, das Geschlecht geordnet nach Familien und einem diese
umgebenden weiteren Verwandtenkreis der nächsten drei Generationen: schon
schält sich als schliefslich allein in alter Festigkeit verharrender Kern aus dem
Geschlecht die Familie in Eltern und Kindern aus, aber noch steht um sie
als schützende Hülle, als wehrender Nimbus die Sippe der nächsten drei
Generationen. Und für diese Ordnung des Geschlechtes dauert noch immer
die Restthätigkeit des alten politisch - genealogischen Verbandes fort. Auch
jetzt hat der neue Staat noch nicht die alleinige Erziehung und Aufsicht,
die volle Rechtsgewährung und den einseitigen Schutz der Einzelperson
übernommen; gerade in den gefährlichsten Lagen tritt das Geschlecht
noch vermittelnd zwischen Staat und Individuum. Und das Geschlecht be-
dient sich dazu der abgeblafsten Funktionen seiner alten Verbandsformen,
_ 1495 — Schlufs.]
des äufsereii Rechtsverbaiules wie des inneren sittlichen Verbandes wie end-
lich des Wirtschaftsverbandes. So ist es zunächst der natürliche Schützer und
Verteidiger der Geschlechtsgenossen im Rechtsgang mit Nichtgesippten; es ge-
währt die Eideshilfe, es zahlt die Restsunnne des Wergeides im Falle der
Zahlungsunfähigkeit des schuldig befundenen Genossen, wie es auch einen
Teil des für einen erschlagenen Sippengenossen zu zahlenden Wergeides er-
hält. Nicht minder - und vermutlich in viel umfassenderer Weise, als unsere
Quellen das erkennen lassen — regelt das Geschlecht die inneren Verhältnisse
der Genossen, soweit sie unter den Gesichtspunkt der Geschlechtsehre und
der Geschlechtsdisziplin fallen. Nach salischem Recht kann ein Gesippter eine
Geschlechtsgenossin, welche durch standeswidrige Heirat die Ehre ihres Ge-
schlechts befleckt, ohne weiteres niederschlagen; ganz allgemein äufseit sich
die Thätigkeit des Geschlechts in dieser Richtung mindestens in einer wohl-
ausgebildeten Obervormundschaft der Gesamtsippe über unmündige Frauen.
Was aber hier unser Interesse vor allem fesselt: in allen diesen Fällen
handelt zunächst die Familie, der engere Kreis des Geschlechtes; erst in
zweiter Linie, zum Zweck der Aushilfe, tritt der weitere Kreis der Ver-
w^andten in Thätigkeit. Und eben diese Gliederung des Geschlechtes, unter
dem Erstarken des Staates für den rechtlichen und sittlichen Schutz der Ge-
nossen allmählich verblassend, gewinnt an Festigkeit und sicherer Durch-
bildung für die wirtschaftlichen Aufgaben. Hier w^ar ein Feld, auf welchem
der Staat seit dem Schwinden völkerschaftlicher Landverteilung in Cäsars
Zeit grundsätzlich unthätig blieb; hier konnte das Geschlecht mit freier
Hand um so mehr leisten, als die wirtschaftlichen Interessen seit erlangter
Sefshaftigkeit unendlich zu wachsen begannen.
Nun hatte eine Wirtschaftsordnung des Geschlechts selbstverständlich
schon vor aller Sefshaftmachung bestanden. Ihr klarster Ausdruck ist die
Erbfolgeordnung. Diese Erbfolgeordnung hatte aber nur für Fahrhabe gelten
können; innerhalb dieses Gebietes statuierte sie unter dem obersten Grund-
satze eines Gesamtobereigentums des Geschlechtes den Übergang des vor-
handenen Besitzes von einem Genossen auf den anderen in bestimmter Stufen-
folge nach der Zugehörigkeit zu Familie und Geschlecht, und berücksichtigte
hierbei Männer und Weiber in gleicher Weise.
Wie aber, als nunmehr, nach erlangter voller Sefshaftigkeit, Grundeigen-
tum entstand? Liefs sich die alte Erbfolgeordnung auf die neuen Vermögens-
objekte ohne weiteres anwenden?
Das salische Recht antwortet mit dem Rechtssatz: de terra nulla in
muliere hereditas. Der Grund für dies neue Recht liegt auf der Hand. Land
war Beute, und Beute gehört nur dem Krieger. Von jeher hat der Deutsche
den Begriff der Freiheit nicht nur rechtlich, sondern eben so sehr wirtschaftlich
gefafst: vollfrei ist nur, wer das volle Recht des Staatsbürgers und die zur
Ausübung dieses Rechts nötige wirtschaftliche Selbständigkeit besitzt. Politische
[Schlufs. — 1496 —
Freiheit und Landbesitz, Kriegsbereitschaft und Befugnis zur Rechtssprechung r
(las alles sind unzertrennliche Vorstellungen des einen germanischen Freiheits-
Itewufstseins. So konnte nicht einmal die blofse Frage auftreten, ob die Weiber
erblterechtigt in Grundeigen seien: solange die Verfassungsgrundsätze der
Völkerschaftszeit bestanden, war jeder in dieser Richtung verlaufende Ge-^
danke thöricht.
Aber diese Verfassungsgrundsätze schwanden; die Übereinstimmung"^
wirtschaftlicher und kriegerischer, politischer und jurisdiktioneller Inter-^
essen im germanischen Freiheitsbegriff löste sich. Wenn der Freie sein
Land nicht mehr kraft periodischer Verteilung als Krieger, sondern ohne
eine Gegenleistung an den Staat kraft gemeinrechtlicher Vererbung besafs,
wenn sein Grund und Boden nicht mehr Nutzungsland unter Volkseigen,
sondern Erbeigen — wohl gar in fremder Nutzung — war: konnte es
dann noch gerecht scheinen, die Weiber von der Erbfolge in einen so wesent-
lichen Besitzteil des Erbes auszuschliefsen , wie es das Landeigen war und
immer mehr ward?
Ein Edikt König Chilperichs vom J. 574 läfst die Weiber auch zur Erb-
folge in Land zu. So war die alte wirtschaftliche Ordnung des Geschlechts-
verbandes, wie sie in der Erbfolge ihren vornehnüichsten Ausdruck fand^
nunmehr auch für Landeigen eingeführt: jetzt hatte der Grundsatz der
Sefshaftigkeit voll gesiegt, jetzt erst war der unumschränkte Begriff des privaten
Grundeigens unabhängig von jedem Aufbau politischer Pflichten gewonnen.
Damit endet eine der denkwürdigsten Umwandlungen unserer Wirtschafts-
geschichte überhaupt: noch vor sechs Jahrhunderten nur Gesamteigen, jetzt
schon Privateigen an Grund und Boden, und in Zukunft ein stets energischerer
Kampf beider Formen und ein stets vollerer Sie^ der letzte^^en. Es sind Gegen-
sätze entfesselt, deren Härten man nimmer völlig ausgleichen kann, um deren
Grenzbestimmung von nun ab auf immer der heifse Streit sozial auseinander-
strebender Interessen entbrennen wird ; aber es ist auch ein Fortschritt erreicht,,
der allein zu höherer materieller und damit auch geistiger Kultur befähigt.
Freilich, die hergebrachte Wirtschaftsordnung wurde durch diese Um-
wälzung zu Siechtum und Tod verdammt. Diese Ordnung knüpfte sich
an die Hundertschaft-Markgenossenschaft. Nicht als ob sie mit ihr völlig und
ausschliefsend identisch gewesen wäre: der hundertschaftliche Verband mili-
tärisch-politischer und wirtschaftlich-autonomer Interessen, dieser eigentüm-
liche Rahmen, in dessen Fassung sich von unten emporgewachsene Wirt-
schaftsorganisationen und von oben her durchgeführte staatliche Einrich-
tungen in mannigfacher Kreuzung trafen, überstand auch diesen Ansturm;
noch l)lieb seine örtliche Ausdehnung und der wesentliche Umfang seiner
Lebensäufseiimiren ungestört. Um so stärker wurden die Personen, die Ge-
nossen des Verbandes getroffen. Das Erbrecht forderte gleiche Verteilung des
väterlichen Grundeigens, der nur einem Hausstand zugemessenen Hufe, auf
alle Kinder: da hätte bei völlig folgerichtiger Anwendung desselben schon die
— 1497 — Schliifs.]
zweite Generation Imngern, die dritte verderl)en müssen. ^lan half sieh mit Aus-
künften ; die eine oder andere Generation hindurch vermied man die Realteilung
oder halbierte nur, viertelte höchstens; vor allem aber mufs das Mittel der Aus-
wanderung jüngerer Kinder , unter thatsächlichem Vorzugsrecht eines , zumeist
wohl des ältesten Sohnes auf das väterliche Erbeigen, ergriffen worden sein.
Und die Auswanderung war noch kein Abschied auf WTite Ferne und Ninnner-
wiedersehen. Rings um die spärlichen Ansiedlungen der Väter lockte noch Wald-
geheimnis, ül)erall zog sich verschwenderische Waldfülle meilenweit hin in die
Berge oder die Ebenen abwärts bis zur nächsten nachbarlichen Siedelung. Furcht-
los drangen die jungen Söhne in das Dunkel, bald hallte der Wald von kräftigen
Axthieben wider, hoben sich Wolken dunklen Rauchs über die Wipfel : und aus
Brennen und Roden entstand eine neue Heimat der Enterbten. Was die
Söhne so begonnen, das setzten Enkel und Enkelkinder fort; in regelmäfsigem
Pulsschlag trieb jede absterbende Generation den gröfsten Teil der neu er-
wachsenden in den Wald, und in reifsendem Fortschritt entwickelte sich der
Ausbau des Landes. Jahrhunderte mag diese Bewegung, hier früher, dort
später einsetzend gedauert haben; nur der Charakter der Ortsnamen deutet
noch heute in oft rätselhafter Kunde auf Zeit und Gang dieser Entwicklung;
aus der Merowingerzeit und dem Anfang der karolingischen Herrschaft, dem
Hauptzeitalter dieses Ausbaues, dringt kaum eine unmittelbare Nachricht über
sie zu uns herüber. Und doch mufs diese emsige Arbeit von Tausenden, dieser
tägliche Kampf mit dem wilden Wald , diese Umschaffung des deutschen
Landes zur brauchbaren Grundlage höherer Kulturentwicklung als eine der
wichtigsten Thatsachen merowingisch-karolingischer Zeit bezeichnet w^erden.
Indes die für unerschöpflich gehaltene Vorratskammer des Waldes leerte
sich dennoch; die Marken wurden im Laufe einiger Geschlechter ausgebaut,
die Welt w^ar vergeben. Es blieb nur die Teilung iibrig. Jetzt setzte der
Grundsatz einer für alle Erben gleichen ErT)folgeberechtigung am Boden
mit flacht ein; die festgeschlossene Wirtschaftseinheit der Hufe wurde zer-
spellt, die Hufenverfassung begann zu verfallen, die wirtschaftliche Grundlage
der alten Freiheit ging verloren.
Ein trauriges, aber auch seitens der Zeitgenossen nicht völlig unerwar-
tetes Ende; schon in einigen jüngeren Bestimmungen des salischen Rechts,
vorab in dem Titel De migrantibus ist es vorausgesehen. Und mehr noch;
es sind Vorkehrungen getroffen , ihm überhaupt vorzubeugen ; ein erster Ver-
such prophylaktischer sozialwirtschaftlicher Gesetzgebung liegt vor. Es wird
bestimmt, dafs auf sermärkische Volksgenossen innerhalb einer Markgenossen-
schaft zur Siedelung und Landnutzung nur unter Zustimnumg aller Markgenossen
zugelassen werden sollen: die Mark wird geschlossen. Es ist; von wirtschaftlicher
Seite aus gesehen, eine kräftige Gegenwirkung des in seinen inneren Lebens-
äufserungen schwankend gewordenen Wirtschaftsinstituts der markgenössischen
Hundertschaft gegen störend wirkende äufsere Einflüsse, dem Kerne nach keine
andere ]\Iafsregel, als die Schutzzollpolitik der spätmittelalterlichen Städte und
Lamprecht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 95
[Schlufs. — 1498 —
der absolutistischen Staaten des 17. und 18. Jhs. Einen andern Eindruck
hinterläfst die Betrachtung vom sozialpolitischen Standpunkte aus : wir begegnen
hier zum erstenmale der für das deutsche Mittelalter bezeichnenden Mafs-
regel genossenschaftlichen Schlusses, dem Gedanken, die wirtschaftliche und
soziale Grundlage eines bestimmten Standes durch prinzipielle oder nahezu
prinzipielle Ausschliefsung aufstrebender Ungenossen zu sichern. So schliefst
sicli später der geistliche Stand wenigstens in den Klöstern, so schliefsen sich
die minister! alischen Genossenschaften und die Zünfte — und so verknöchern
sie insgesamt. Im Zeitalter aufstrebender Tüchtigkeit haben alle diese Ge-
nossenschaften jede Kraft willkommen geheifsen, Raum für alle ist ihre Losung
gewesen ; nunmehr, nach erreichter wirtschaftlicher Höhe und erlangtem sozialen
Typus, schreckt man junge Kräfte ab, zieht sich in sich ein, schreitet nicht
mehr vorwärts und geht deshalb zurück. Das gilt für die Erscheinungen
des späteren Mittelalters wie für die urzeitliche Markgenossenschaft schon seit
dem Beginne des 6. Jhs.
Die Ausschliefslichkeit wirkte natürlich nicht im beabsichtigten Sinne.
Der König hatte mit der alten Staatshoheit der Völkerschaftsversamndung ein
freies Verfügungsrecht über allen Grund und Boden erworben. Dies Boden-
regal war in frühmerowingischer Zeit noch nicht verblafst, es hatte sich noch
nicht in Wüstenei und unwegsame Waldgegend geflüchtet, es konnte noch auf
jeder Mark zur Durchführung gelangen. Nun war dies Recht freilich ursprüng-
lich wohl nur im Sinne eines Aufsichtsrechts bezw. eines Besserungsrechts
bei Unregelmäfsigkeiten der markgenössischen Verfügungsvorgänge über Grund
und Boden gemeint. Wie aber, wenn es die Frankenkönige anders aus-
nutzten — wenn sie es zur Ausstellung von Rodepatenten, zur Einweisung
l)egünstigter Freien in eine beliebige Mark in Anwendung 1)rachten? So ge-
schah es. Überall treten Inhaber königlicher Rodebriefe auf, nehmen auf
Grund ihrer Urkunden Land in den Marken in Anspruch, bauen und ernten,
ohne dafs diesem Vorgehen ein markgenössi scher Widerspruch hätte entgegen-
treten können. Und das neue Briefland dieser Privilegierten befand sich nicht in
der engen Gemengelage des markgenössischen Besitzes, behindert im Anbau
und verzettelt für die Bestellung — frei lag es im Walde, zusammenhängend,
einheitlich kultiviert, nur dem Wirtschaftswillen des Besitzers unterthan. Es
war individuales Rottland, und darum wirtschaftlich freier, als das alte ge-
nossenschaftliche Rottland markgenössischen Besitzes.
Aber auch einfache Markgenossen konnten sich wenigstens nebenher die
Vorteile solchen Rottlandes verschaffen. Nichts war im Wirtschaftsgetriebe
der alten Markgenossenschaft weniger sicher geregelt, als die individualen
Nutzungen am Gemeinbesitz in Weide und namentlich Wald. Noch stand
eine Überfülle jeglichen Waldwuchses zur Verfügung, noch war es eher ge-
meines Verdienst, als genossenschaftlicher Nachteil, wenn jemand den Wald-
wuchs beschränkte, sengte und rodete. So stand die individuale Nutzung
des Waldes, ja die Ül)erführung von Waldareal in Privateigen jedem frei, der
die hierzu erforderlichen AYirtschaftskräfte besafs. Eine weitherzige Anschauung,
— 1499 — Schlufs.]
welche die besseren Wirte innerhalb der Genossenschaft in die ausgiebigste
Praxis umsetzten: bald erhol) sich Neuland aus Wald und Sumpf, junge
Fluren gesonderter Äcker und Wiesen entstanden nel)en den alten Feldern
der markgenössischen Gemengelage, und auch für sie galt die Wirtschafts-
freiheit des königlichen Brieflands.
Diese Wirtschaftsfreiheit zeigt aber nur 6me Seite der vorteilhaften Be-
dingungen alles gerodeten Aufsenlandes ; zu ihr tritt noch eine rechtlich privile-
gierte Stellung. Rottland war kein Erbeigen. Stand das Erbeigen unt(U' dem Bann
des Geschlechtsobereigentums, war seine Vererbung obligatorisch, seine Ver-
äufserung unzulässig: die Errungenschaft im Aufsenland kannte diese Schranken
nicht. Im Rottland entsteht zuerst veräufserungsfähiges Grundeigen, von ihm
aus entwickeln sich zum erstenmale innerhalb des deutschen Rechts die
Formen der freien Landübertragung und des Rechtsganges für Behauptung
und Einklagimg von Grund und Boden. Man erkennt die Bedeutung
dieses Fortschrittes: jetzt erst entwickelt sich ein Verkehr mit Gnmdstücken,
wird die Verteilung des Grundes und Bodens nicht blofs von der Wirkung des
Erbrechts, sondern auch von der Wirkung wirtschaftlichen Wettliewerbs in
Kauf und Verkauf alihängig. Nun erst bedeutet der gute Wirt in voller
Wahrheit mehr, als der schlechte: der urzeitliche Standpunkt wirtschaftlicher
Gleichheit als eines unumgänglichen Bestandteils voller politischer Freiheit ist
überwunden, die Aussicht auf eine soziale Gliederung des Volkes nicht mehr
nach militärischen oder politischen, sondern nach wesentlich wirtschaftlichen
Motiven gewonnen. Zunächst aber mufste eine wenn auch langsame, so doch
nach Endergebnis und weiteren Folgen ungeheure Umwälzung der Grund-
eigentumsverhältnisse das Ergebnis dieser Vorgänge sein.
Wie gestaltete sich das Schicksal der Freien innerhalb dieser Ver-
schiebung ? War ihre Kraft noch zur Ausdauer gestählt in diesem Umschwung,
war ihr j\Iut noch ungebrochen, ihre Umsicht noch allseitig, wie einst in den
Schlachten der Urzeit?
Mit dem Eintritt der fränkischen Monarchie hatte sich die Lage der
Freien, auch abgesehen von den wirtschaftlichen Vorgängen innerhall) der
Markgenossenschaft, von der Einwirkung individualen Immobiliareigens und
freien Bewerbs in der Erringung von Grundeigen , ganz aufserordentlich ver-
schoben. Und nicht blofs die Änderung des politischen Systems, noch mehr
die p]inwirkungen der hohen Kultur der Provinzialen auf den germanischen
Eroberer trugen die Schuld an dieser Verschiebung. Vidi victoribus leges
dederunt: das römische Wort hat sich stets bewährt, wo eine Minderheit
barbarischer Sieger kulturübersättigte und darum schwache Völker zu beherr-
schen suchte.
Der Deutsche, welcher ständig in die Provinzen einrückte oder ihren
Einflufs in anderer Weise dauernd erfuhr, war noch von jenem urkräftigen
volkstümlichen Egoismus durchdrungen, der nur die Volksgenossen als volle
Menschen anerkennt, und dem sogar die idealen Interessen der Religion nur
95*
[Sclilufs. — 1500 —
in nationaler Ausgestaltung zugänglich erscheinen. Es bedurfte einer kosmo-
politisch-kirchlichen Erziehung von mehr als anderthalb Jahrtausenden, ehe
diese trübe und gewaltthätige Empfindung, diese Leidenschaft des nationalen
Egoismus zu dem Nationalstolz unserer Tage abgeklärt wurde. In der Ur-
zeit aber führte sie in der Praxis vor allem zu der Erscheinung, dafs jeder
dauernd unter dem Volke lebende Nichtvolksgenosse , soweit er nicht unter
Gastrecht stand, ursprünglich als Sache, als unfrei betrachtet wurde. Wer
im Volke lebt, aber nicht zu ihm gehört, wer seiner Volkszugehörig-
keit sich durch Verkauf begiebt, wer kriegsgefangen der Heimat zugeführt
wird, der ist unfrei, der unterliegt gleich dem Vieh rein sachenrechtlicher
Behandlung.
An sich waren auch die Provinzialen in germanischem Sinne Kriegsgefangene.
Liefs sich aber der altnationale Grundsatz gänzlicher Verkennung der Menschen-
würde auf sie anwenden? Schon in der germanischen Heimat hatte sich eine
Lücke in der rechtlichen Auffassung'sweise der Unfreien ergeben ; immer wieder
brach doch bei diesen Sachwerten der Mensch durch ; es hatte Unfreie gegeben,
deren Menschenqualität infolge dieser oder jener hervorragenden Eigenschaft
nicht geleugnet werden konnte, und für sie war man zur Anerkennung eines
Halbstandes der Hörigen übergegangen. Jetzt, bei der Eroberung der Pro-
vinzen, lag es nahe, den hochgebildeten Unterworfenen die Stellung etwa der
Hörigen anzuweisen. Damit waren die Provinzialen der germanischen Standes-
gliederung der Form nach eingeordnet : der Sache nach zerstörten sie dieselbe.
Wie konnte es gelingen, die grofse Mehrzahl der Bevölkerung, eine ganze Summe
reich ausgebildeter sozialer Schichten, ein ganzes Volk mit einer durch hohe
Kultur unendlich weit entwickelten Abstufung von Pflicht und Recht in die engen
Schranken eines germanischen Halbstandes zu zwängen ! Wie sollte es auf
die Dauer möglich werden, die ständische Überlegenheit des germanischen
altfreien Hufenbesitzers über den latifundienreichen römischen Tributarius zu
wahren ! Wie konnte überhaupt in einem Lande alter Kultur mit seinen sozial
individualisierenden Anforderungen die ständische Gliederung eines Acker-
bauvolkes gewahrt werden, das nomadischen Zuständen noch kaum ent-
wachsen war!
Wenn sich aber die soziale Schichtung verschob, so konnte das nur zu
Ungunsten der eingewanderten Germanen geschehen. Nicht rechtlicher, wesent-
lich wirtschaftlicher Natur war in den von Rom verlassenen Provinzen die Grund-
lage der sozialen Gliederung; dieser Grundlage mufste sich nunmehr auch die
Stellung des deutschen Eroberers anbequemen. Wirtschaftlich war der Germane
angehender Ackerbauer ; auf diesem Gebiete galt er nicht eben mehr, als seine
Unfi-eien, und oft recht viel weniger, als die neben ihm ansässigen Provinzialen.
So näherten sich in der neu erstehenden Stufenfolge sozialer Schichtung Frei
und Unfrei germanischer Herkunft, jene unversöhnlichen Gegensätze der Urzeit;
und nicht selten erhob sich die soziale Lage des Provinzialen über sie in be-
merkenswertem Abstände.
— 1501 — Schlufs.]
Man kann einwenden, der Deutsche lial)e gleichwohl durch seine Teil-
nahme am politischen Leben einen besondern, auch sozial wirksamen Nimbus
behalten. Aber diese Teilnahme bestand nicht mehr im alten Sinne. Die
Rechte des Freien waren verdunkelt, zusammengeschrumpft, mehrfach in Lasten
verwandelt, die Pflichten waren nicht nur geblieben, sondern verdoppelt.
Krieger zu sein, auf Beute in fremde Lande zu ziehen, war bisher nicht blofs
Ehre und Recht, sondern Gewinn gewesen; kein Germane würde den Heeres-
dienst allein aus dem Gesichtspunkte der Pflicht heraus verstanden haben.
Jetzt hatte der Speererwerb aufgehört, die Kriege hatten politische oder
königlich-persönliche, nur selten der grofsen Menge der Freien unmittelbar ein-
leuchtende Gründe, das Aufgebot führte auf Wochen und Monate fernab von
der Heimat, und die Bewaffnung für den Feldzug, einst billig, jetzt mit vielem
Eisen ausgestattet und theuer, war nur mit Mühe zu erschwingen. Nicht
anders stand es mit dem Gerichtsdienst und dem Verhältnis des Freien zur
Rechtssprechung überhaupt. Der Gerichtsdienst war zur Last geworden, die
Urteilnahme vor dem Volksgericht bildete den wahren Ruin der Freien, welche
die durch Veränderungen im Münzsystem ihrem Werte nach aufserordentlich
erhöhten Bufssätze der alten Volksrechtsbestimmungen kaum noch aufzubringen
vermochten. Und zu den aus alten Rechten erwachsenen Pflichten kam ein
ganzes System neuer staatlicher Anforderungen, welche zwar nicht alle unmittelbar
aus der römischen Verwaltung entnommen, doch aber römischen Verwaltungs-
anschauungen entsprechend entwickelt wurden : die Sorge für die Beherbergung
königlicher Gäste, die Arl^eit an Wällen und Burgen, an Strafsen und Brücken,
und die Übernahme sonstiger Dienste zur notdürftigen Erhaltung der staat-
lichen Kulturanlagen römischen Ursprungs. Diesen Lasten erlag der freie
Deutsche ; seine bevorrechtete Stellung ward zur Plage, sein Recht zur Pflicht,
seine Freiheit zur Abhängigkeit von unbegriff'enen staatlichen Anforderungen.
Die Aufrechterhaltung einer glänz- und vorteilslosen Freiheit seitens der
politischen Gewalten war keine Wohlthat mehr, sondern ein weiterer besonders
eindringlich wirkender Anlafs zum Verfall des altfreien Standes.
So ging die germanische Freiheit ruhmlos zu Grunde; wirtschaftlich zer-
rüttet, sozial zurückgestofsen, politisch vernachlässigt sank sie in sich zusammen,
eine wilde Pflanze, die auf ganz anderen Boden, unter ganz andere Kultur-
bedingungen versetzt keine Möglichkeit des Gedeihens und der Anpassung findet.
Die Freien der Urzeit waren die Nation als solche gewesen; es hatte
keinen eigentlich sozial führenden Stand, nur militärisch und politisch führende
Adlige gegeben. Jetzt war durch Verschmelzung mit der Gliederung der
Provinzialen eine reiche soziale Schichtung eingetreten; die Freien versanken
in deren Tiefen, und die Frage nach der sozialen Führung durch hervor-
ragende Gruppen des Volkes erhob sich zum erstenmale in der deutschen
Entwicklung.
Sie wurde in doppelter und doch einer Antwort erledigt: Kirchenadel
und Laienadel traten an die Spitze der nationalen Standesbildung. Bis tief
[Schlufs. — 1502 —
in die merowingische Zeit hinein waren die Bischöfe von der unterworfenen
Provinzialbevölkerung gestellt worden ; die alten senatorischen Familien Galliens
erscheinen gleichsam in einem Erbanrecht auf die ersten geistlichen Stellen.
Keine Thatsache kann besser die Stellung des kirchlichen Adels auch dann
noch bezeichnen, als an Stelle römischer Geschlechter deutsche Sippen in den
Besitz der Bischofsstühle gelangt waren : der hohe Klerus ist keine zunächst aus
den Tiefen des volkstümlichen Lebens entwickelte Erscheinung ; er ist der hervor-
ragendste Ausdruck des zeitlichen Imports so vieler Errungenschaften aus der
hohen Kultur der Römerzeit, sein Dasein vermittelt Vergangenheit und Gegen-
wart : in diesem Teil des neuen Adels leben starke klassische Tendenzen fort.
Aber läl'st sich nicht annähernd gleiches auch von dem weltlichen Adel der
fränkischen Epoche, dem späteren hohen Adel der deutschen Kaiserzeit behaupten?
Aus dem Amt war er erwachsen; der Vertretung königlicher Verwaltungshoheit
verdankte er sein Ansehen. Diese Verwaltungshoheit aber war kein germa-
nisches Vermächtnis; mochte ihre Ausgestaltung in den Grafschaften noch so
roh sein und noch so wenig an die zu den feinsten Graden der Amtsunter-
scheidung entwickelte Hierarchie der römischen Kaiserzeit erinnern: immer
blieb doch der Gedanke einer grofsen Vollziehungsgewalt des Königs auf dem
Wege der Verwaltung der Endepoche klassischer Staatsbildung abgelauscht.
So stützte sich der neue Adel in jener Zeit der Zweiteilung weltlicher
und geistlicher Bestandteile, deren Kampf das eigentliche Mittelalter erfüllen
sollte, doch anfangs fast gleichmäfsig auf das Fortleben römischer Entwicklungs-
richtungen: gerade indem er, gestützt auf die königliche Macht, dieselben in
den ersten Jahrhunderten fränkischer Staatsbildung energisch vertrat, wurde
er zum Adel.
Da ist es nun von besonderem Interesse zu sehen, wie dieser Adel, über-
mächtig zunächst durch Vorgänge politischer und politisch -kirchlicher Natur,
doch sofort die Notwendigkeit begreift, sich materiell auf der Grundlage der
nun einmal eingetretenen Wirtschaftsentwicklung zu befestigen. Keine der
gröfseren Aufgaben, welche noch für den Verlauf der Wirtschaftsentwicklung
im ersten Jahrtausend unserer Geschichte zu lösen sind, würde wohl mehr
Befriedigung gewähren, als eine Untersuchung der Vorgänge, in denen die
reichen kultursatten Provinzen des Imperiums, welche von den Germanen be-
setzt wurden, wirtschaftlich auf eine von ihnen schon längst überholte Stufe
materiellen Daseins hinabsinken. An Stelle eines fast bis zur Kreditwirt-
schaft entfalteten Wirtschaftslebens Erscheinungen einer mäfsig vorgeschrittenen
Naturalwirtschaft unter gleichzeitigem Fortleben des ausschweifendsten, nur
häfslich ins Barliarische verzerrten Wohllebens hoher Wirtschaftsepochen,
neben Römerstrafsen mit ihren Postrelais Brennkultur und nomadenartige
Weidewirtschaft, neben den verlassenen Trümmern alter Grofsstädte elende
Hütten, neben den Villenvorstädten dieser Zentren mit ihrer einstigen Garten-
kultur, ihren Wasserleitungen und ihren Ziersträuchern wüst bebaute Marken
in Fekkraswirtschaft voll stauender Nässe und wildwachsenden Buschwerks:
— 1503 — Schlafs.]
das sind einige der Gegensätze, welclu^ diese Epoche in sich vereint. Und
aus diesem Zeitalter germanischer Einwanderung schlägt sich schliei'slich eine
Periode fast reinster und ursprimglichster Naturalwirtschaft nieder, in welcher
das germanische Element und seine Wirtscliaftsthätigkeit siegen; Karl der
Grol'se versucht vergeblich eine Hebung des Handels durch Strafsenbauten, wie
durch Anbahnung einer rationellen Mimz- und Handelspolitik, sogar auf land-
wirtschaftlichem Gebiete haben seine vennutlicli römischem Vorbild entnommenen,
jedenfalls der höheren Kultur der Vergangenheit angepafsten Vorschriften über
den Domanialbetrieb kaum grölsere Erfolge gehabt.
Wie konnte dem Adel bei dieser Lage der Dinge der Gedanke nahe
treten, seinen materiellen Stützpunkt anders, als auf naturalwirtschaft-
lichem Gebiete zu suchen. Grund und Boden wurde bald der hervorragendste
Wertgegenstand der Zeit; ihn schenkte man der Kirche, mit seinem Ertrag
wurden die Grafen und andere Beamte besoldet. So bestand beiderseits ein
Kern übertragenen oder geliehenen Bodens; an ihn knüpfte geistlicher und
weltlicher Adel an, um einen weitreichenden Grofsgrundbesitz zu entwickeln.
Bis ins 7. Jh., ja über diese früheste Zeit urkundlicher Sonderbeglaubigung
hinaus reichen die Bestrebungen zur Schaffung von Grofsgrundbesitz zurück ; erst
in späterer Zeit übersehen wir das volle Ergebnis. Da erscheint fast ein Viertel
bis ein Sechstel des gesamten Landes eingeforstet; 12^/o des besten Landes vom
Gesamtareal sind aul'serdem im Besitze des Königs ; und kirchlicher Grundbesitz
von mindestens 9000 bis 18000 Morgen in einer Hand ist gewöhnlich, solcher
von 30 000 bis 60000 Morgen keine Seltenheit. Und wie dicht ist nicht dieser
Grofsgrundbesitz aneinander gelagert! An der Mosel zählt man bis zum 13 Jh.
mindestens 80 einheimische und ebensoviele fremde Grofsgrundbesitzer ; im
16. Jh. aber wird ein Drittel alles Landes als ritterschaftlich bezeichnet;
mindestens ein weiteres Drittel wird den geistlichen Genossenschaften zuzu-
rechnen sein.
Es leidet keinen Zweifel, dafs ein solcher Grofsgrundbesitz bei geschlossener
Lagerung der einzelnen Herrschaften von gar nicht abzuschätzender Gefahr für
die nationale Entwicklung gewesen sein würde. Allein eine solche Lagerung
wurde durch das altbegründete System der Hufenverfassung gänzlich aus-
geschlossen: eben in jener Zeit, in welcher die Freien der steigenden Macht
des Adels zum grofsen Teile zum Opfer fielen, hat die von ihnen früher ge-
schaffene Agrarverfassung mit ihrer Gemengelage, ihren individuellen und kollek-
tivistischen Rechten des Einzelnen die Nation vor der Gefahr einseitiger Boden-
absperrung ganzer Gegenden durch den Adel bewahrt. Nur für die noch be-
stehenden Urwälder liefs sich eine solche Absperrung — und auch hier nur in
der Form königlicher Einforstung — durchführen ; im übrigen war der Adel auf
Hufenerwerb, das heilst auf Ackererwerb in Streulage, angewiesen. Und es fehlte
viel, dafs derselbe Gmndbesitzer das Ganze oder die Mehrzahl der Hufen eines
bestimmten Dorfes in seiner Hand vereinigt hätte. Bei dem hastenden Wettbewerb
geistlicher und weltlicher Mächte auf engbegrenztem Räume war es vielmehr
[Schlufs. — 1504 —
gewöhnlich, dafs mehrere Erwerber in demselben Dorfe zugleich Fufs
fafsten: bis zu einem Dutzend und darüber werden sie später im gleichen
Orte angetroffen. Die Folge war eine Streulage nicht blofs der Äcker im
Hufenbesitz, sondern auch der Hufen im Güterbesitz: nirgends bildeten sich
Grofsgüter nach Art unserer Rittergüter in wenigen Ortschaften, überall nur
einfaches Hufeneigentum in günstigenfalls der Mehrzahl aller Dörfer einer be-
stimmten Gegend.
Schon diese Lage schlofs den landwirtschaftlichen Grofsbetrieb aus. Und
wie hätte man ihn auch sonst im Zeitalter etwa der Karolinger aufnehmen
sollen! Wo sollten sich die noch heute seltenen Meister finden, welche den
verwickelten Mechanismus eines umfangreichen Rittergutes aufzustellen ver-
mochten, wo die Gehilfen, um diesen Mechanismus in Gang zu bringen
und in Betrieb zu erhalten? Es konnte nicht der Sinn der adligen Grofs-
grundbesitzer sein, ihr Grundeigen in Regie auszunutzen. Und hätten sie die
Regie aufnehmen können, sie würden in ihr keinen Vorteil gesehen haben.
Der Grund und Boden w^ar für sie nicht Gegenstand vornehmlich wirt-
schaftlicher Ausbeutung, so wenig wie er es heutzutage für die englischen
Lords ist; er war zunächst politisches Machtmittel. Durch Austhun des
eigenen und mehr noch des aufgetragenen Grundbesitzes Macht über die Ge-
meinfreien zu erhalten : das war der in erster Linie verfolgte Zweck. Und so
traf sich die in der Natur der Volkswirtschaft gegebene Beschränkung mit den
politischen Zielen des Adels in dem einen Punkte leih weiser Einweisung von
Freien in die Hufen des zerstreuten Grofsbesitzes, soweit diese nicht von Un-
freien bearbeitet wurden.
Die vereinzelte Einweisung schlofs aber eine Organisation anderer Art
nicht aus. Konnte man den Grundbesitz nicht wirtschaftlich organisieren, so
gliederte man die Grundbesitzer sozial ; vertrugen die zerstreuten Hufen keine
gemeinsame Regelung, so war eine gleichartige Ordnung der bald freien, bald
minderfreien Hufenbauern nicht unmöglich.
Und lagen nicht gerade in letzter Richtung die Handhaben für eine
allgemeine Regelung auf der Hand? Die Unfreien Avurden vom Herrn in ihren
Kräften, soweit sie Ackerbauer wvaren, schon seit Taciteischer Zeit nicht mehr
einseitig und ausschliefslich ausgenutzt; sie zahlten von ihrem Körper und
zinsten von ilirem Gute ; im übrigen waren sie wirtschaftlich nahezu frei. Jetzt
zinsten auch die beliehenen Freien vom Herrengut. Was lag näher, als für
Freie und Unfreie die gleichen Erhebungsstellen ihrer der Wirtschaftsepoche
gemäis in Arl)eit und Naturalerzeugnissen erfallenden Aligaben zu errichten. Für
je einen Verband von etwa 12 bis 24 Streuhufen wurde auf einer dieser
Hufen eine solche Einnahmestelle errichtet; so entstand das Meieramt mit
seinem ministerialischen Vorstand: ihm unterstanden in wirtschaftlich gleicher
Unterordnung die Hufen der Freien wie der Unfreien. Freilich war damit
der Unterschied zwischen Frei und Unfrei noch keineswegs verwischt; noch
bestand für die Freien wenn nicht die alte Heerespflicht, so doch noch die
— 1505 — Schlafs.]
andere Säule gerinaiiischer Freiheit, die alte Din.upfiicht. Aber sclioii im
Laufe der späteren Karolingerzeit wurde auch sie erschüttert ; wie die Unfreien,
so wurden aucli die Freien schliefslicli dem Meier des Grundbesitzers als
Richter unterstellt. Der Vorgang ist hier nicht genauer darzustellen, noch
weniger die fein abgewogene Ausgleichung unfreier und freier Pflichten und
Eechte zur Grundhörigkeit des eigentlichen Mittelalters, welche bei dieser
Gelegenheit stattfand^: genug, dafs mit dem Beginn des 10. Jhs. die ehemals
freien oder unfreien Leute des Grofsgrundbesitzes als Grundholde, die Grofs-
grundbesitzer als Grundherren in die deutsche Kaiserzeit eintraten.
Mit dieser Verwandlung beginnt die Blütezeit der deutschen Grundherr-
schaft in der Epoche der Sachsen und Salier. War schon früher das weitver-
breitete Gebiet der Meierhöfe mit einem Netze von Transportverbindungen
übei^pannt worden , welche die Leitung aller Zinshebestellen von einem Orte
aus, wie auch die Zusammenführung aller Überschüsse an diesen Ort, an den
Mittelpunkt der Grundherrschaft, erlaubten, so wurde dieses System jetzt noch
vervollkommnet. Damit erstand in ihm das erste gröfsere, wirklich eigen-
ständige Verwaltungssystem des Mittelalters, eine Ordnung, innerhalb welcher
jeder einzelne Bestandteil völlig aus den Bedürfnissen der Zeit erwachsen,
gänzlich der Naturalwirtschaft angepafst war. Und mit diesem System zugleich
bildete sich, ebenfalls aus der Grundherrschaft heraus, in der vollendeten
INIinisterialität das erste gröfsere Verwaltungspersonal des Mittelalters. Eben
dieser Beamtenkörper ist für das System und die Epoche bezeichnend.
Noch handelt es sich hier nicht um den Begriff reinen Amtes; mit der Be-
gründung wirklicher Ämter auf der Grundlage von Naturaleinnahmen hatte
man in der Zeit karolingischer Naturalwirtschaft schlechte Erfahrungen ge-
macht; die Grafen dieser Periode drohten bald nicht zum geringsten eben
dadurch zu freien Edelherren zu werden, dafs sie mit den Naturalrevenüen
sehr bald in den erblichen Besitz des Grundes und Bodens gelangten, aus
welchem jene erflossen. Ministerium aber heifst Dienst, nicht Amt: und in
der That nur auf unfreiem oder sonstwie personal gebundenem Dienst kann in
naturalwirtschaftlichen Zeiten eine w^ahre Verwaltung begründet werden.
Und da der Dienst, sei es in halbstaatlichen, sei es in staatlichen Verhält-
nissen, stets eine der wichtigsten Grundlagen der Standesbildung abgiebt, so
begreift es sich ohne weiteres, wie diese Ministerialität in ihrer Blütezeit, bis
zum Schlufs höchstens des 12. Jhs., zum wahren Ausgangsort der sozialen
Schichtung des hohen Mittelalters werden nmfste: das Handwerk und teilweis
der Grofshandel, der niedere persönliche Dienst und die feinere Landeskultur
z. B. im Weinbau, die Ritterschaft und der Hofdienst, freie Bürger und Bauern,
niederer Adel und höheres Beamtentum des späteren IMittel alters entspringen
eben dieser Bildung. Sie selbst aber nmfste mit dem Aufkommen der Geld-
wirtschaft untergehen. Jetzt fand der unfreie Dienst keinen Platz mehr in
1) S. oben S. 1150 ff.
[Sclilufs. — 1506 —
edlerer Beschäftigimg ; die Ministerialität verschmolz mit der grofsen Menge der
Vasallen, und aus den alten Begriffen des Lehns in Amtweise wie des Dienstes
in Amtweise entwickelte sich langsam im Verlaufe des 13. Jhs. durch das Mittel
des Dienstlehens der wichtige Begriff des modernen Beamtentums mit freiem
Gehalt, mit Absetzbarkeit auf Grund disziplinarischer Vergehen und mit un-
bedingter Ergebenheit an den Landesherrn und dessen Vertreter.
Wir werden später auf diese Gedankenreihe zurückkommen^; hier sei
sie schon angedeutet zum Beweise der entscheidenden Rolle, welche die Grund-
herrschaft, diese vollgültige Verkörperung naturalwirtschaftlicher Verwaltungs-
w^eise und Verwaltungsmöglichkeit, bei der Entwicklung der spätmittelalterlichen
Territorien gespielt hat. Die Entfaltung dieser Territorien, und mit ihnen die
Entwicklung der neueren Staaten, knüpft eben weniger an die politischen An-
schauungsreihen des mittelalterlichen Grofsstaates, als an die der Grundherrschaft
an; die Grundherrschaft, nicht das Reich, ist die Wiege des modernen Staates.
Sehen wir aber vorläufig von diesen später reifenden Früchten der
grundherrschaftlichen Entwicklung ab, Erfolgen, in welchen die Grundherrschaft
sich selbst verzehi-end aufging: auch die ihr selbst noch in den Schofs fallen-
den Früchte ihres Ausreifens bis zum Schlufs der Salierzeit sind bedeutsam
genug. Schon um die Mitte des 11. Jhs. genügen die bisher erreichten Be-
triebsüberschüsse, um eine gleichmäfsig flotte und dem vernünftigerweise
wünschenswerten Intensitätsgrade entsprechende Bewirtschaftung des Landes
zu sichern: nun beginnt das Sammeln der Überschüsse, die Preise fallen, das
Kapital mehrt sich, bankmäfsige Geschäfte werden mit ihm versucht; alle
Vorboten der Geldwirtschaft kommen in Sicht, eine Zeit neuen Aufschwungs
in ungeahnten Formen scheint in Vorbereitung.
Aber das Gegenteil tritt ein. Zwar treibt die alte Grundherrschaft noch
bis ins 14. Jh. hinein spärliche Spätblüten, aber im Ganzen ist ein immer
wuchtigerer Verfall unverkennbar. Die Anhäufung neuen Besitzes durch An-
kauf und Schenkung hört auf; statt dessen werden die ferner liegenden Höfe
veräussert und die Eigenwirtschaften durch Verkauf in Einzelteilung oder durch
Verleihung der grofsen Hoffelder (Beunden) an die Hofgenossenschaften (Gehöfer-
schaften) geschmälert, wenn nicht gar aufgelöst. Die lebendigen Beziehungen der
Zentralstelle zu den Meierämtern, der Meier zu den Hofgenossenschaften fallen
w^eg; statt dessen w^erden die alten Zinsverpflichtungen ihrer persönlichen
Beziehung entkleidet und zu einfachen Renten umgewandelt und die Hufen-
und Hofländereien verpachtet: so wird der Meier zum Pacht- und Renten-
schreiber, die Zentralverwaltung zur Hauptbuchh alterei. In diesem Umsturz
der alten Verwaltung und ihrer Voraussetzungen aber sinken die Einnahmen
aus den Gnmdherrschaften aufs heilloseste; um die Wende des 12. und 13. Jhs.
steht der Laienadel wie der hohe Klerus vor der drohenden Gefahr unaus-
bleiblicher Verarmung ; bald tritt bei den geistlichen Genossenschaften die Ver-
') S. unten S. 1523 f.
— 1507 — Schlufs.]
ringorung der Personalbestände, bei dem Laienadel der von Geschlecht zu
Geschlecht schwerer lastende Fluch der Überschuldung ein; und am Schlüsse
des 13. Jlis. ist der geistliche wie der weltliche Adel politisch und moralisch
entartet, seiner führenden Stelle in der nationalen Entwicklung beraubt, in
denjenigen Gliedern, welche es nicht zum Territorialbesitz und damit zur
Landeshoheit gebracht haben, für lange Zeit dem Spott und der Verachtung
preisgegeben und jedes stärkeren Einflusses auf zivilisatorischem und politischem
Gebiete verlustig. An Stelle des Adels al)er tritt triumphierend zunächst
das Bürgertum die Führung der Nation an; das 14. Jh. ist nach einem Aus-
druck Rankes die plebejische Zeit der deutschen Geschichte.
Die Ursachen aber, welche diesen jähen Verfall der Grundherrschaft be-
wirken, sind nicht einfacher Natur; ja es läfst sich überhaupt nicht kurzweg
von einem Verfall reden.
Wenn sich im 15. Jh. der monarchische Gedanke neben dem städtischen
Republikanismus erhebt, wenn er seit dem Schlufs des Mittelalters in der
Form des Absolutismus kraftvoll die erste Rolle in der deutschen Ent-
wicklung an Stelle des Bürgertums behauptet, so wird man sich zu erinnern
haben, dal's dieser Aufschwung der Territorien olme ihre frühere untrügliche
Fundamentierung auf grofse Grundherrschaften unmöglich gewesen wäre: die
grofsen Grundherrschaften haben in Aufopferung ihrer selbständigen Lebens-
bestimmung das Material zu den Territorien geliefert. Eben hiervon wird
bald noch genauer zu reden sein.
Allein auch solche Grundherrschaften, welche sich nicht zu Territorien
erweiterten, gingen zu Grunde. Es gab noch andere Anlässe genug, welche
zum Verfall der alten Grundherrschaft der Ottonen- und Salierzeit zusammen-
wirkten.
Schon die allgemeine politische läge war den Grundherren ungünstig,
sow^eit sie nicht die Schwäche des Reichs zur Umwandlung ihrer Herrschaft
in ein Territorium ausnutzen konnten. Die grundherrlichen Güter waren weit-
hin zerstreut, die Grundholden nicht militärisch geschult und auf ihrem Streu-
besitz unfähig zu jeglicher Abwehr: da mufste der Mehrzahl der Grundherren
eine kräftige Reichsgewalt willkommen sein. Wie preisen die späteren Chronisten
der geistlichen Gmndherrschaften die friedlichen Jahrhunderte der Ottonen
und ersten Salier; mit welcher Sehnsucht blicken sie auf diese Epoche wie
auf ein goldenes Zeitalter zurück. Seit Mitte des 11. Jhs. aber herrschte in
Deutschland Eisen und Schwert; die Gewaltigen des Reiches standen wider
einander und der Bauer war das Opfer ihres Zwists. Was thun bei der
Schwäche der Reichsgewalt? Man kam zum Gedanken örtlichen Schutzes. Hier
treten die ersten Gottesfrieden auf, hier erwuchs, teilweis auf älterem und
anders gelegtem Grunde, erst jetzt recht das verwickelte System der verschie-
denen vogteilichen Gewalten. Aber die Entfaltung der Vogteien brachte nur
auf kürzeste Zeit Milderung. War der allgemeine Reichsschutz ohnmächtig
gew^orden, so war der örtliche und persönliche Vogteischutz bald übermächtig ;
[Schlufs. — 1508 —
die Vögte wurden zu Vogtherren, und ihr Schutz endete schliefslich mit der
Vergewaltigung des Bevogteten. Wie aber sollte unter solchen allgemeinen
Vorgängen nicht die Organisation der Grundherrschaften gelitten haben?
Nicht minder wurde der grundherrliche Organismus durch Veränderungen
in seinem Innern lahmgelegt. Von vielen anderen Ursachen abgesehen, seien
hier zwei hervoiTagende Gesichtspunkte l)etont. Die Hufenverfassung war wie
Anlafs des grundherrlichen Bildungscharakters überhaupt, so auch Voraus-
setzung der grundherrlichen Organisation gewesen. Dem Meieramt unterstand
eine Anzahl von Hufen. Von der Hufe wurde gezinst und gedient, sie war die
Veranlagungseinheit aller grundherrlichen Bezüge. Aber diese Einheit be-
gann im 12. Jh. zu zerfliefsen. Seit der Karolingerzeit hatten die alten Hufen
dem Teilungsbedürfnis von mehr als einem halben Dutzend Generationen kräf-
tigster Bevölkerungszunahme unterlegen; jetzt war das Grundeigentum schon
sichtlich allgemein zersplittert; schon begann die Frage der Parzellierung der
einzelnen Feldstücke immer dringlicher aufzutauchen; vereinzelt wurden zur
Lösung der eingerissenen Verwirrung bereits Verkoppelungen durchgeführt. Unter
diesen Umständen verschwand die Hufe langsam als Belastungsgrundlage, und
keine neue feste Form trat an ihre Stelle ; zugleich wurden die Grundholden in
ihren Mitteln beschränkter als bisher: war zu Beginn der Kaiserzeit noch die
ganze Hufe das ordnungsmäfsige Bauerngut gewesen, so waren es am Schlufs
des Mittelalters nur deren Hälften und Viertel.
Gesetzt aber auch, die Hufe hätte als Veranlagungsgrundlage die
Stauferzeit und damit den Verfall der Grundherrschaften überlebt, so kann
man sich fast fragen, wer denn die Zinse und Lasten in alter Regelmässig-
keit hätte vereinnahmen und beaufsichtigen sollen. Denn auch der eigentliche
verwaltungsmässige Aufbau der alten Grundherrschaft begann um die Mitte des
12. Jhs. unheilbar zu erkranken. Die Ministerialität, dieser Bildungsboden der
meisten Verwaltungskräfte für die Zentralstelle wie für die örtlichen Hebestellen
der Grundherrschaft, hatte fast zwei Jahrhunderte in anfangs völlig unfreiem,
später nach genossenschaftlicher Weisung begrenztem Dienst der Grundherren
gestanden: jetzt steckte sie ihre Ziele höher. Ihr genossenschaftlicher Zu-
sammenhang, die im Wechsel der Geschlechter angehäufte Geschäftserfahrung, die
steigende soziale Würdigung ihrer Beschäftigung, vor allem ihr reisiger Dienst,
welcher ihr nunmehr Eintritt gewährte in die unter dem Hochdruck der
staufischen Politik in Gärung geratende Masse der Ritterschaft: das alles hob
ihr Selbstbewufstsein und l^egründete ihrer Ansicht nach einen Anspruch auf
wenn nicht rechtliche, so doch thatsächliche persönliche Selbstbestimmung.
Wie aber liefs sich mit solchem Ideal der kleine Dienst im Meieramt und die
voraussetzungslose Abhängigkeit eines Verwaltungsbeamten an der grundherrlichen
Zentralstelle vereinen? Hielt der Grundherr am alten Recht fest, welches ihm
freie Verfügung über Person und Besitz des Ministerialen gab, so suchte der
Ministerial einen Anhalt wider den Herrn in dem Verdienst langjähriger
treuer Pflichterfüllung, und er verdichtete diesen Anhalt zur Auffassung der
_ 1509 — Schlufs.J
Erblichkeit seines Amtes wie seiner Verdienste. Die Äleieräniter wurden so-
mit bald zu allodialen, liald zu vasallitischen Erbämtern, und die Ämter der
Zentralverwaltung folgten dem gleichen Zuge der Entwicklung. Der Organis-
nuis der alten Grundherrschaft stand still, er inkrustierte sich gleichsam, eine
Masse fremder Bestandteile setzten sich an den in Erstarrung geratenden
Gliedern fest und überwucherten den alten Zusammenhang in zerstörendem
Wachstum.
^lan konnte durch Abkauf der Ämter aus den Händen der jMiniste-
rialität und neue Vergabung — nunmehr völlig in Gehalts- und Amtsweise
— helfen wollen. Der Weg wurde teilweis eingeschlagen, der Erfolg war
gering. Denn nicht blofs die Organisation der Verwaltung war verfallen ; die
Grundlagen selbst, auf welche sie aufgebaut war, begannen sich zu ver-
flüchtigen.
Nimmt man die Kaufkraft eines bestimmten Stückes Ackerland im 8.
bis 9. Jh. auf 100 an, so wai* diese Kaufkraft in der zweiten Hälfte des 12.
Jhs. auf 1184,3, im 13. Jh. auf 1671,3 gestiegen. Welchen Aufschwung be-
deutet die Reihenfolge dieser Ziffern: es giebt kein Zeitalter deutscher Ge-
schichte, in welcher eine auch nur annähernd gleich reifsende Zunahme der
Grundrente nachzuweisen wäre. Gewifs wird auch vom 8. bis 13. Jh. die
Einverleibung von Kapital und Arbeit den Bodenwert wesentlich erhöht haben,
wissen wir doch von einem Fortschritt der Wiitschaftsintensität dieser Epoche
von einfachster Dreifelderwirtschaft bis zur Besömmerung der Brache. Allein
diese Erscheinungen erklären das aufserordentliche Steigen der Grundrente nur
zum geringsten Teile. Voll verständlich wird es erst im Lichte der Thatsache,
dafs das 11. und 12. Jh. ^ die letzte grofse Ausbauzeit jungfräulichen Bodens
umschliefst. Man kann sich diesen Ausbau kaum energisch genug denken.
Nicht nur, dafs er an sich bei steigender Bevölkerung selbstverständlich war
— und die Bevölkerung vermehrte sich von 900 bis 1100 um mindestens das
Doppelte, bis 1200 um fast das Vierfache — ; auch die im Verhältnis zu an-
deren Preisen besonders hohen Getreidepreise der deutschen Kaiserzeit mufsten
ihn besonders begünstigen. So wurde denn in einem letzten grofsen Anlauf
die Heimat endgültig erobert; und hiermit wurde der wirtschaftliche W^ert des
nationalen Bodens zum erstenmale wahrhaft übersichtlich und schätzbar. Als
übersichtlich und schätzbar aber erwies er sich zum erstenmale auch begrenzt ;
das Gefühl, dafs Grund und Boden andere Werte, andere Rechte und andere
Pflichten schaffe, als jeder andere Besitz, gelangte zum Durchbruch, und es fand
seinen Ausdruck in einem Vorzugspreise des Bodens vor anderen Gütern. Die
Bodenpreise wurden Monopolpreise: nur in dieser Entwicklung erklären sich
die soeben angeführten Ziffern zur Geschichte der Bodenkaufkraft.
*) Dies ist v/enigstens die für die Moselgegenden speziell in Betracht kommende Be-
grenzung der letzten Ausbauepoche.
[Schlufs. — 1510 —
Es begreift sich, dafs dies Steigen der Grundrente nicht ohne nachhaltige
Einwirkung auf die Grundherrschaft, das hervorragendste Institut des platten
Landes in dieser Zeit, bleiben konnte. Wenn aber diese Einwirkung be-
sonders nachhaltig w^ar, ja fast verheerend genannt werden kann, so liegt
die Erklärung dafür in dem Charakter der Grundhörigkeit und in der auf
ihr beruhenden eigenartigen Behandlung der Zinspflicht innerhalb der grund-
herrlichen Verfassung. Der deutsche Grundholde war nicht unfrei, noch w^e-
niger bildete er ursprtinglich ein Zubehör des Grundes und Bodens. Per-
sönlich frei, im Schutze eines fast überstrengen Hausrechtes Herr seines Heims
und seiner Familie, war er, geeint in genossenschaftlichem Verliande, auch stark
gegenül)er der Herrschaft. Wie einst die Markgenossenschaft auch Arbeits-
geuossenschaft gewesen w^ar, indem sie in gemeinsamem Roden vorging gegen
die feindliche Macht des Urwalds, wie späterhin die Zunft zunächst Arbeits-
genossenschaft ist im Kampfe mit den übermächtigen Wirtschaftskräften des
Grofskaufmanns, so erwächst auch eine Hüfnergenossenschaft jedes Meieramtes
in gemeinsamer Bearbeitung der Herrenfelder und in vereinter Vertretung der
Hofinteressen gegenüber dem Grundherrn. Ja es ist eine noch ältere Grund-
lage, welche in diesen korporativen Bildungen fortlebt. Im Zusammenhang der
Geschlechter hatte die Hundertschaft auf den Schlachtfeldern der germanischen
Urzeit gekämpft und gesiegt ; es war nur die Übertragung eines zugleich natür-
lichen und militärischen Verbandes auf die wirtschaftliche Bezwingung der
Heimatsfluren gewesen, in welcher die Hundertschaft zur Markgenossenschaft
und damit zum Urbild wirtschaftlicher Genossenschaften gew^orden w^ar. Auch
die Grundholden w^aren zu nicht geringem Teile Kinder dieser Urzeit, auch sie
gehörten zur Nation: ist es zu verwundern, wenn sich auch l)ei ihnen die
allerwärts vorhandene Richtung auf eine genossenschaftliche Wirtschaftsgliederung
unverwüstlich geltend machte? Und Genossenschaft bedeutet Selbständigkeit
des Lebens innerhalb des Verbandes; eine Hofgenossenschaft ist undenkbar
ohne Hofautonomie. Es giebt aber unter Deutschen ursprünglich keine andere
Autonomie, als die in gerichtlicher Form geregelte; denn nur in der gericht-
lichen Form war eine über der Selbständigkeit jedes Genossen stehende, gleich-
sam unpersönlich wirkende Zwangsgewalt entwickelt. So w^ar die Hofgenossen-
schaft ein Hofgericht, ihr Brauch ein Recht, ihr Spruch eine Weisung.
Diese rechtlich gefafste Autonomie umspannte das ganze Leben der Hof-
genossen, ihre Gerechtsame nicht minder wie ihre Pflichten. Somit waren ihr
auch Herrenzins und Herrendienst unterworfen: beide wau^den im Hofding als
Recht gewiesen. Das Recht aber ist auf niederen Kulturstufen bei fehlender
geschichtlicher Anschauung und demgemäfs mangelndem Begriff von der Mög-
lichkeit gesetzgeberischer Änderungen ewig und unwandelbar; es kommt von
Alter heraus, es ist gottgegeben, sein Inhalt findet fatalistisch begründete An-
erkennung. So waren auch die Zinse und Pflichten der Grundholden unveränder-
lich ; von der karolingischen Periode ihrer Feststellung an bliel)en sie, was sie
w^aren. Nun mögen sie anfangs ein getreuer Entgelt für die Landnutzung im
_ 1511 — Schlufs.]
Sinne eines Pachtzinses gewesen sein : wie al)er mufsten sie sich im Laufe der
nächsten drei Jahrhunderte verändern bei dem aufserord entlichen Steigen der
Grundrente ?
Kein Zweifel, dafs die Grundherren schon am Schlüsse des 12. Jhs. bei
dem nunmehr bestehenden Verhältnis der Zinse zu den vom Boden ei*fliel'sen-
den Einnahmen wirtschaftlich fast enteignet waren. Hatte die Unterscheidung
zwischen Eigentum des Grundherrn und Besitz des Grundholden an den hof-
hörigen Hufen auch noch im 10. Jh., zur Eintrittszeit völliger Erblichkeit der
hofhörigen Hufen, die Bedeutung gehabt, dafs dem Herrn immerhin ein er-
heblicher Teil des wirtschaftlichen Reingewinnes zufiel, so war diese Auf-
fassung jetzt zum besten Teile beseitigt: das Eigentum des Grundherrn hatte
jetzt vornehmlich rechtliche, weniger wirtschaftliche Folgen.
Wenn sich aber in diesen Vorgängen der unab weisliche wirtschaftliche
Verfall der Aristokratie der deutschen Kaiserzeit ankündigte, so frohlockten
auf der anderen Seite die niederen, land arbeitenden Klassen. Nie vielleicht
hat sich der Bauer im Mittelalter wohler gefühlt, als im 13. Jh.; ein bar-
barisches Wohlleben zog auf dem platten Lande ein, und Grofsmannssucht
und Überhebung w^aren weitverbreitete Krankheiten schwächerer Charaktere.
Kräftige Naturen aber wufsten die Gunst der Lage auszunutzen. Schon die
Kreuzzüge hatten eine gewisse Bewegung der Bevölkerung verursacht; jetzt
erhob sich auf dem Lande alles, w^as die glückliche Konstellation zur An-
sammlung wirtschaftlicher Mittel und erweiterter Anschauungen benutzt hatte,
und eine gärende Unruhe bemächtigte sich gerade der besten Teile des
Landvolks. Jetzt zieht man in die Stadt, um ein neues freiheitliches Leben
als Bürger zu beginnen; jetzt sucht man die weiten Fernen jenseits der Elbe
und an der unteren Donau auf, um auf zwei Dritteln des heutigen deutschen
Volksgebietes ein neues koloniales Deutschland zu begründen. Und auch der
daheim bleil)ende Teil der Bevölkerung rastet nicht. Man w^ar im Verhältnis
zu früher wohlhabend geworden ; man hatte die Augen geöffnet für den Wider-
spruch zwischen dem allgemeinen wirtschaftlichen Wohlbefinden und dem
Mangel des zunächst idealen Gutes rechtlich begründeter Freiheit; und man
war für diesen Widerspruch empfindlich genug, um jedes hilfreiche Mittel zu
seiner Ausgleichung anzuwenden.
Eben in diesem Punkte trafen die Interessen der landarbeitenden Be-
völkerung und der Grundherrschaften noch einmal zusammen. Der einsichtige
Gmndherr mufste sich leicht der Berechnung hingeben, dafs die Aufhebung
der Grundhörigkeit und damit freilich die Aufgabe eines politischen Macht-
mittels seines Standes materiell aufserordentlich vorteilhaft sein wwde, sol^ald
es gelingen mochte, das losgelöste Hofgiit in freie Pacht zu bringen. Denn die
freie Pacht, vornehmlich die Zeitpacht, bot eben jene Sicherheit, welche die
genossenschaftliche Weisung der Grundzinse vernichtet hatte, die Sicherheit
eines mit jeder neuen Verpachtung entsprechend dem Wachsen der Grundrente
gesteigerten Pachtzinses. Dem Grundliolden aber war mit dem Eintritt in
[Schhifs. _ 1512 —
die freie Pachtung ein Mittel zur persönlichen Befreiung aus der Hofgenossen-
schaft gegeben, wenn auch unter materiellen Opfern. Mit dem Beginn des
12. Jhs. war der Zeitpunkt erreicht, in welchem schon mancher Bauer hin-
reichend kapitalkräftig, mancher Grundherr in seinen Mitteln genügend be-
schränkt war, um jenen Erwägungen zu folgen; seitdem mehren sich die
freien Pachtungen von Jahr zu Jahr, und die Aussicht auf eine allmähliche Auf-
lösung der Grundhörigkeit durch freie Vereinbarung scheint eröffnet.
Die Entwicklung des späteren Mittelalters entspricht aber mit nichten
di es er Erwartung.
Gewifs sind es zunächst in der ständischen Entwicklung des Bauerntums
selbst liegende Gründe gewesen, welche den heilsamen Fortschritt grofsenteils
verhinderten. Der Grundholde des 9. Jhs. war mit seinem Gute nicht ver-
wachsen gewesen. Demgegenüber erscheinen die Grundholden schon gegen
Schlufs der Ottonenzeit an die Scholle gebunden. Ein aufserordentlicher Vorteil
war zunächst mit dieser Entwicklung gewonnen: jetzt erst erscheint der Bauer
völlig sefshaft; jetzt erst ist die Möglichkeit gegeben, persönliche Verpflich-
tungen von dem Inhaber des Gutes auf das Gut selbst abzuwälzen, in sozialem
Aufschwung sich freizumachen von der Last persönlicher Dienstbarkeit. Aber
andrerseits: mufste nicht im Laufe der kommenden Generationen, noch dazu
unter dem Eindruck eines fast regelmäfsig wachsenden Vermehrungskoeffizienten
der Bevölkemng, bald die Zeit eintreten, in welcher die Familie , an die Hufe
gefesselt, nicht mehr imstande war, ihre Angehörigen von derselben zu ernähren ?
Nun konnte man gewifs die Hufe l)is ins Vierfache, ja Achtfache teilen —
aber schliefslich war eine Grenze gezogen. Das Endergebnis blieb, dafs sich
eine immer stärker zunehmende Masse hofhöriger Proletarier bildete, eine
Klasse, welche ohne Grundbesitz oder fast ohne Grundbesitz durch nichts ge-
fesselt war, als durch ihre Hofhörigkeit, eine gärende Menge, für welche die
Bezeichnung als Grundholde wie Ironie klang und bald durch den richtigeren
Ausdruck Leibeigene ersetzt ward. Wie sollte diese gegen Schlufs des Mittel-
alters stets drohender anwachsende Bildung zur Wohlthat freier Pachtung er-
zogen werden, da ihr die erste Voraussetzung für die selbstständige Entwick-
lung eines Pächterstandes, eine gewisse Behäbigkeit, eine kapitalbegünstigte
Willenskraft mangelte ?
Auch die allgemeinen Bedingungen für die gesellschaftliche Hebung der
landarbeitenden Klassen lagen ungünstig. Die spätere Stauferzeit hatte eine
reifsende Entwicklung des Handels, eine reiche Entfaltung aller industriellen An-
fänge gebracht ; die Geldwirtschaft w^ar überrasch hereingebrochen ; eine bisher
nie erlebte Preissteigerung bezeichnete eine der gröfsten wirtschaftlichen Ke-
volutionen unserer Geschichte. Es war ein Unglück, dafs dieser Umschwung
mit dem völligen Erliegen aller autoritären Bildungen der alten Zeit, vor-
nehmlich auf dem platten Lande, verknüpft war. Das Königtum erschlaffte,
der Klerus und der Laienadel wufsten sich kaum noch zu halten. So fiel
denn der Segen der neuen Entwicklung zunächst einseitig den Städten zu ; die
— 1513 — Schlufs.]
Anfänge der Geldwirtschaft treten im wesentlichen an die Städte gebunden
auf. Wie anders würde sich die Entwicklung gestaltet haben, hätte ein
noch vollkräftiger Adel die Vorteile der neuen Wirtschaftsform in passender
Übertragung auch dem platten Lande vermittelt, hätte nicht blofs die zur freien
Pacht führende Kapitalbildung der besseren Bauern die nahezu einzige Ge-
legenheit geboten, die Eigenheiten der neuen Wirtschaftsform auch aufserhalb
der Stadt zur Wirkung zu bringen. Indem nun aber die Städte fast allein
sich der geldwirtschaftlichen Errungenschaften bemächtigten, gewannen sie
einen aufserordentlichen Vorsprung vor dem platten Lande, und jener Zwie-
spalt zwischen Stadt und Land trat ein, dessen politische Phase durch
die Kriege des 14. und 15. Jhs. bezeichnet wird, dessen soziale und wirtschaft-
liche Nachwirkungen noch heute nicht völlig überwunden sind. Im späteren
^littelalter aber waren eben diese sozialen und wirtschaftlichen Folgen
wenn auch nicht ohne weiteres sichtbar, so doch ungemein einschneidend:
keine Industrie, kein Handel erblühte auf dem platten Lande; die Kapital-
bildung wurde gehindert und Kapital aus den Städten, wo es überflüssig vor-
handen w^ar, gleichw^ohl nur widerwillig, wucherisch und unverständig geliehen.
Die Folge war ein Stillstand, ja hier und dort wohl ein Rückschritt der länd-
lichen Entwicklung, soweit sie die landarbeitenden Klassen betraf; und das
letzte Ergebnis dieser und anderer unbefriedigender wirtschaftlicher und
sozialer Zustände eine zu blutigen Unruhen gesteigerte und Generationen über-
dauernde Gärung.
So hat der Verfall der Grundherrschaft mit seinen weithin reichenden
Folgen auf sozialem und wirtschaftlichem Gebiete nicht jene Früchte getragen,
welche man nach der allgemeinen Lage des 13. Jhs. zunächst erwarten konnte;
er ist für die untern landarbeitenden Klassen fast nicht minder ein Unglück
gewTsen, wie für die Grundherren selbst. Aber in der sozialen und wirtschaft-
lichen Richtung lag schon am Ende des 12. Jhs. überhaupt nicht mehr die
Hauptbedeutung der Grundherrschaft. War sie auch im 8. und 9. Jh. zunächst
von politischen Gesichtspunkten aus gebildet, dann aber doch bald in rein
wirtschaftlichem Sinne gefördert w^orden, so w^ar die Anschauung, welche sich
im 12. Jh. geltend machte, eine völlig andere: damals erschien die Grund-
herrschaft schon als ein hervorragend rechtliches, oder, besser gesagt, halb-
staatliches Institut; sie w^ar schon der Bildungskeim des spätmittelalterlichen
Territorialstaates.
Wie war sie zu dieser Umformung gelangt?
Man vermag diese Frage nicht zu beantworten, ohne zurückzugreifen bis
in die ursprünglichen Verfassungsbildungen unserer Nation ; denn eben dadurch,
dafs sich die Gnmdherrschaft je länger je mehr mit dem Rechtsinhalt dieser
zertrümmerten Bildungen füllt und auf diesem Wege je länger je mehr die Rechte
staatlicher Lokalverwaltung aufsaugt, wird sie zum wirksamsten Vorbereitungs-
mittel des Territorialstaates.
Wir haben die alte Hundertschaft in früherer Betrachtung in jenem Zeit-
Lamprecht, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 96
[Schlufs. — 1514 —
punkte verlassen, wo sie, wenn auch innerlich vielfach durch neue Bildungen
beengt und in ihrer ursprünglichen Bedeutung untergraben, doch noch äufser-
lich in alter Abgrenzung bestand, in der Weise, wie sie sich in den ersten
Besiedlungs Vorgängen auf heimatlichem Boden niedergeschlagen hatte. In dieser
Form umfafste die einzelne Hundertschaft wohl stets ein nicht unbedeutendes
Areal, lassen sich doch sogar im reich- und frühbesiedelten Moselland Hundert-
schaften bis zur Ausdehnung von fünf Quadratmeilen nachweisen. Für solche
grofse Landstrecken also und ihre anfangs geringe Besiedlung und Bevölkerung
bestand eine einzige und ungeteilte Ordnung, welche wirtschaftlichen und
staatlich - gerichtlichen wie staatlich - militärischen Zwecken in gleicher Weise
diente: sie war der unterste Rahmen, in welchem staatliche Macht überhaupt
noch zur Geltung kam.
Es liegt auf der Hand, dafs eine solche Bildung ihrem Umfange nach
bald dem Andränge vermehrter Bevölkerung und zunehmender Besiedlung zum
Opfer fallen mufste. Schon nach wenigen Jahrhunderten wird namentlich die
Bevölkenmg so gestiegen sein, dafs ein einmütiger Betrieb der Hundertschafts-
geschäfte durch dieselbe, namentlich eine einheitliche Aufrechterhaltung des
Friedens für alle unmöglich ward. Die Notwendigkeit von Unterabteilungen
mufste sich aufdrängen.
Die fränkische Gesetzgebung des 6. Jhs. zog diese Folgerung; die
Hundertschaften wurden in eine gröfsere Anzahl von Zendereien — oft neun bis
vierzehn an der Zahl — zerlegt und letztere als staatliche Polizeibezirke vornehm-
lich der Friedenswahrung bestimmt. Zu diesem Zwecke erhielt jede Zenderei einen
wohl von der Zendereigemeinde gewählten, staatlich bestätigten Vorstand im
Zender oder Heimburgen, welcher durch staatlichen Auftrag zur Friedens-
wahrung verpflichtet ward und zu diesem Zwecke das militärische Führerrecht
der Gemeinde wie das Rügerecht von Verbrechen am Hundertschaftsgericht,
dem alten ordentlichen Gericht der fränkischen Verfassung, erhielt.
So die ursprüngliche Einrichtung. Allein bald wird eine Weiterbildung
dieser Schöpfung des 6. Jhs. eingetreten sein. Sobald sich am ordentlichen
Gerichte der Hundertschaft ein Schöffenstuhl ausbildete, war es natürlich, dafs
die Zendereien ihre Vorstände als Schöffen zu demselben abordneten, kamen
doch diese Vorstände schon auf Grund ihrer Zenderthätigkeit in häufige
Berührung mit der Rechtssprechung. Nicht minder einfach erklärt es sich,
dafs von diesem Zeitpunkte ab allmählich jene Rechte des Hunnen oder
Thunginus, des alten Hundertschaftsrichters, an die Zender übergingen, welche
die örtliche Thätigkeit des Hunnen in den Zendereien betrafen, so namentlich
das Strafvollstreckungs- und das Pfändungsrecht. Auf diese Weise wurde aber
die Zenderei immer mehr ein Gefäis jurisdiktioneller Rechte: die Gemeinde war
zur Spurfolge von Verl)rechern verpflichtet, trat also unter Umständen zu ge-
richtlich-polizeilicher Handlung militärisch — nicht anders wie der Umstand
im Hundertschaltsgericht — zusammen, und ihr Vorstand war schliefslich im
Besitz einer ziemlich ausgedehnten gerichtlichen Vollstreckungsgewalt. Nament-
— 1515 — Schlafs.]
licli der letzte Punkt bedarf der Betonung:: die Vollstreckungsgewalt ist nach
deutschem Recht recht eigentlich das Hauptrecht des Gerichtsherrn. Wie leicht
versteht man es, wenn sich entsprechend diesen Rechten die Zendereien, die
alten Polizeiunterbezirke der Hundertschaft, zu Untergerichten des Hundert-
schaftsgerichts ausbildeten. Das Hundertschaftsgericht nur noch Hochgericht
und insofern im wesentlichen Strafgericht, das Zendereigericht Untergericht und
Civilgericht : das ist die Bildung, welche bis zur deutschen Kaiserzeit, einige
Jahrhunderte vor der endgültigen Zerstörung der Hundertschaftsgerichte im
12. und 13. Jh., wohl überall mehr oder minder erreicht ward. Dem-
entsprechend tritt der Zender nunmehr als Gerichtsbeamter auf; er erhält den
Gerichtsbann vom Hunnen; er verkündet den Spruch des meist mit sieben
Schöffen besetzten Zendereischöffenstuhls.
War aber mit diesem Vorgänge, mit dem Herabsinken eines Teiles der
Rechtssprechung auf Unterabteilungen der alten Hundertschaft, nicht die alte
Einheit der Rechts- und Wirtschaftsinteressen in der Hundertschaft gelöst?
Lielsen die Wirtschaftsinteressen in gleicher Weise wie die Rechtssprechung
eine Trennung ihrer Funktionen und eine Übertragung eines Teiles derselben
auf kleinere Bezirke zu?
Seit Jahrhunderten hatte man jetzt gerodet; an Stelle einer oder weniger
Ansiedlungen in der Hundertschaftsmark war eine grofse Anzahl von Dörfern
und Höfen getreten, die alte Weidenutzung war von Geschlecht zu Geschlecht
mehr der eindringlicheren Nutzung im Ackerbau gewichen. Was war natürlicher,
als dafs sich demgemäfs die gemeinsame Behandlung der Wirtschaftsangelegen-
heiten in der Hundertschaft immer mehr abschwächte und Sonderbildungen
und Sonderberatungen stets vollere Kraft gewannen? Wenn schon die Ge-
richtsverfassung eine Zerlegung der alten allzu grofsen Verbände gefordert
hatte, die Wirtschaftsentwicklung forderte sie noch viel mehr; die Zendereien
bildeten ohne weiteres auch Wirtschaftsverbände.
Aber die Intensität der Wirtschaft nahm noch weiter zu, die Besiedlung
schritt fort, die meisten Zendereien umfafsten bald mehrere Dörfer. Von jeher
hatte wohl die Einzelsiedlung für die aus der gemeinen Mark ausgesonderten
Teile ihres Anbaues, für die eigentliche Feldflur wie für deren nächste Nach-
barschaft in Weide und Wald, eine besondere Regelung des Wirtschaftslebens
getroffen, wenn wir auch aus früher Zeit von solchen Regelungen urkundlich
nichts wissen : jetzt, mit wachsender Intensität des Anbaues, drängten sich diese
örtlichen Regelungen hervor, sie schlössen sich zu einem förmlichen System ab
und führten zu einer Unterabteilung auch der Zendereimark in Dorfmarken.
Und so hatten denn die Fortschritte der Wirtschaft die Entwicklung
der Gerichtsverfassung in ihrem zersetzenden Einflufs auf die räumliche Ein-
heit der Hundertschaft sogar noch überholt; in doppelt und bisweilen drei-
fach wiederholten Ausgestaltungen war die alte Wirtschaftsverfassung von der
Hundertschaft auf die Zenderei, von der Zenderei auf die Dorfgemeinde herab-
gesunken, und schon in der Kaiserzeit zeugten nur noch dunkle Zusammenhänge
96*
[Schlufs. — 1516 —
gemeinsamen Besitzes vornehmlieh an Wald und Weide von dem Bestand des
ursprünglichen Organismus. Ja nicht lange sollte es währen, bis der alte
Gedanke der Wiitschaftsverfassung bei zunehmender Verfeinerung der Dorf-
wirtschaft überhaupt seinem Untergange entgegengeführt wurde. Etwa im
9. Jh. mag die Bildung von Dorfmarkgenossenschaften stärker begonnen haben
und bis zum 12. Jh. ziemlich allgemein durchgeführt worden sein: in der
zweiten Hälfte des 13. Jhs. hören wir bereits von Gemeinheitsteilungen, deren
Folge schliefslich der völlige Zusammensturz der alten markgenossenschaftlichen
Ordnung sein mufste. Freilich zog sich dieser Ruin in seiner sporadischen und
sprungweisen Entwicklung noch lange genug und teilweise bis zur Gegenwart
hin, ehe sich aus der alten Dorfmarkgemeinde des Mittelalters im 16. Jh. die
Personalgemeinde, seit der französischen Revolution die politische Gemeinde
zu bilden begannt
Indes schon mit dem Übergang des Wirtschaftsgedankens der Urzeit von
der Zenderei auf die Dorfmarkgemeinde seit spätkarolingischer Zeit war der
erste und folgenschwerste Schritt zum Verfall der alten Wirtschaftsverfassung
gethan: die Dorfgemeinde bildete der Regel nach kein Untergericht, die
Einheit gerichtlicher und wirtschaftlicher Interessen war gesprengt, die Mark-
einung sonderte sich von der Gerichtsbufse, die genossenschaftliche Verwaltung
verkümmerte in ihrer Trennung von dem belebenden, sie mit staatlichen In-
teressen verknüpfenden Element der Gerichtsverfassung.
In eben dieser Zeit aber, in welcher die alte Verbindung zwischen Wirt-
schaft und Recht sich zu lösen begann, trat die Grundherrschaft der selbständig
gewordenenen Wirtschaftsverfassung näher. Zwar war der grundherrliche Besitz
in Streuhufen gelagert, zwar gab es an vielen Orten mehrere Grundherren,
deren Einflufs sich gegenseitig mehr oder weniger aufhob, aber es waren doch
auch viele Marken vorhanden, in denen sich geschlossenere Besitzungen eines
Grundherrn vorfanden, und wo sie bestanden, da safs auf ihnen gewöhnlich ein
grund herrlicher Meier. Der Grundbesitz war die Basis ^ der Meier das Organ
grundherrlicher Einwirkung; oft kam das Bedürfnis der gesamten Gemeinde
nach Schutz eines Mächtigen hinzu, um dem Grundheri'n noch weiteren Ein-
flufs zu verschaffen. All diese Macht aber wandte der Grundherr regelmäfsig
6inem Ziele, der Vergewaltigung der Markgenossen, zu. In der Mark war
einerseits das Eingriifsrecht des Einzelnen nach deutschem Genossenschafts-
recht weitgehend gewahrt, gleichzeitig aber ein grofser Teil des verfügbaren
Bodens gemeinsamer Nutzung vorbehalten. Beides Einrichtungen, welche dem
Grundherrn w^enig behagten: ihm kam es auf unbekümmerten Ausbau seiner
1) Es bestand die Absicht, diesem Abschnitt als Anhang noch eine längere Untersuchung
zur Geschichte der deutschen Hundertschaft hinzuzufügen zum Zweck des Beweises, dafs
die Entwicklung im gröfsten Teile des übrigen alten (nicht kolonialen) Deutschlands mit der
hier genauer dargestellten Entwicklung an der Mosel im wesentlichen identisch ist. Diese
Absicht mufste aber aus Rücksicht auf die Ökonomie der ganzen Arbeit aufgegeben werden.
_ 1517 — Schlufs.]
Felder und umfassende Urbarung neuer Landstrecken an, und seine Hof-
genossenschaft mochte oft genug in Gegensatz zur freien Markgemeinde geraten.
Diese Bestrebungen und Widersprüche führten den Grundherrn mit überall wieder-
kehrender Notwendigkeit auf den Gedanken, sich zum Herren der Mark, die
Markgenossen zu Nutzniefsern des gemeinsamen, nunmehr markherrlichen
Bodens, alle grundhörigen Hofgenossen zu Märkern, die Märker aber zu einer
mehr oder minder abhängigen Klasse von Hofgenossen zu machen.
Dies Ziel wurde zumeist erreicht. Überall erhob sich siegreich die
IMarkherrlichkeit der Grundherren ; nur wenige Gemeinden traten noch als
freie Markgenossenschaften in die Stauferzeit ein.
Aber die Grundherren beruhigten sich nicht mit der einfachen Mark-
herrlichkeit. Ihre Hofgenossenschaften bildeten zugleich den Rahmen einer be-
sonderen Gerichtsverfassung der Grundholden mit eigenem Schöifenstuhl und
dem Meier als Richter: jetzt traten nun dieser Genossenschaft der Grundholden
die Markholden aus der bisher freien Gemeinde hinzu: sollte sich da nicht
das ])isher personal begrenzte Hofgericht zu einem räumlich geschlossenen, zu
einem Dorfgericht oder Grundgericht erweitern? In der That ergab sich diese
Entwicklung mit ziemlicher Regelmäfsigkeit ; der gTundherrliche Meier ward
zum Grundrichter des markhörigen Dorfes; die alte Markversammlung, seit
etwa dem 9. Jh. ihres Zusammenhangs mit der staatlichen Gerichtsverfassung
beraubt, trat jetzt in die neu entwickelte gnmdherrliche Gerichtsverfassung
ein ; und die Nachbarn verhandelten bürgerliche Streitigkeiten wie Einungssachen
vor dem gleichen grundherrlichen Dorfgericht.
Mit diesem Vorgang war der Eintritt der Grundherrschaft in den
untersten Kreis jener Bildungen, welche aus der Auflösung der alten Hundert-
schaft erflossen w^aren, vollzogen: eben jene Bildung, welche, rein wirtschaft-
licher Natur, über den Kreis der Zendereien, also der untersten zugleich ge-
richtlichen und wirtschaftlichen Verbände, hinausging, war der Vereinsanmng
und der ungenügenden Widerstandskraft einer blofs wirtschaftlichen Grundlage
zum Opfer gefallen.
Aber die Macht der Grundherren griff w^eiter. Nicht selten lagen
mehrere Grundgerichte nebeneinander; in jedem derselben befand sich ein
Meier als Richter und Wirtschaftsbeamter zugleich. Was lag näher, als diese
kleinen Gerichte zu einem Gericht zu verbinden, diesem einen besonderen grund-
herrlichen Richter vorzusetzen und so die seit Entstehung der Grundgerichte
mehr als früher beschäftigten Meier zu entlasten? Und w^ann konnte die Aus-
führung dieses Gedankens von vorteilhafterer Wirkung sein, als in jener Zeit,
in w^elcher sich die ministerialischen Meier selbständig zu machen bestrebten?
So schreitet man in der zweiten Hälfte des 12. Jhs. zur Vereinigung; die
Meier werden auf die blofse Zinseinnahme beschränkt, und ein Schultheifs
tritt an die Spitze der vereinten Gerichte.
Eine Entwicklung von sehr weitgreifender Bedeutung. Jetzt wird die
unterste Ausbildung der Markgenossenschaft, die Ortsgemeinde, wieder jeder
[Schlufs. — 1518 —
gerichtlichen, für sich stehenden Thätigkeit entfremdet, sie sendet nur noch
einige Schöffen in den Stuhl der neuen Grundgerichte, welcher aus den alten
Schöffenstühlen unter Beschränkung der Schöffenzahl zusammengesetzt wird ; im
übrigen ist sie nur noch Wirtschaftsgemeinde. Aber keine freie Wirtschafts-
gemeinde mehr. Der Meier bleibt nach wie vor der Vorsitzende ihrer Mark-
versamndungen, und ihre Strafgelder fliefsen ganz oder teilweis in die Kasse
des Grundherrn. Und wie wirksam war nun erst der Einflufs der gröfseren
Grundgerichte, wie er sich etwa seit Beginn des 13. Jhs. zu äufsern anfing.
Diese Grundgerichte durchsetzten mit ihrer Bildung die alten Zendereibezirke,
ja sie lösten sie zum nicht geringsten Teile auf; und sie traten mit ihrer
Kompetenz in vollsten Wettbewerb mit den Zendereigerichten, auch hier mit
dem schliefslichen Erfolge fast völligen Kuins der alten selbständigen Bildungen.
Damit war die Zenderei, der erste und hervorragendste Unterverband der
Hundertschaft, gestürzt und für die fernere Entwicklung unbrauchbar gemacht,
mochten auch hier und dort noch ausgedehnte Trümmer derselben auf lange
hin den Boden der Gerichtsverfassung bedecken und Neubildungen tadellos
einheitlichen Aufbaues verhindern.
Nun blieb nur übrig, auch die Hundertschaft, deren räumliche Be-
grenzung schon durch die fortwährenden Unterentwicklungen von Zenderei
und Ortsgemeinde schwer gelitten hatte, noch in ihrem Kern, dem Hoch-
gericht, zu treffen.
In merowingischer Zeit war ein Volksbeamter, der Thunginus, Richter
im Hundertschaftsgericht gewesen; der Graf hatte als königlicher Verwaltungs-
beamter mit der Rechtssprechung selbst keinerlei Berührung gehabt. Anders
unter den Karolingern. Jetzt machte sich der Aufschwung des monarchischen
Gedankens auch im Aufbau der Gerichtsverfassung geltend, der Graf wird
zum Richter der Hundertschaftsstätten. Aber diese machtvolle Ausweitung
der königlichen Gewalt hat die Jahrhunderte der Karolinger nicht lange über-
lebt, bald darauf findet sich wieder der Hunne als Richter in der Hundertschaft,
und der frühere Einflufs des Grafen erhält nur noch in dem Umstand einen un-
geschwächten Ausdruck, dafs der Hunne nunmehr vom Grafen belehnt erscheint.
So ist es denn der Hunne, welcher, in karolingischem Sinne zu sprechen, nun-
mehr im Besitz der gräflichen Gerichtsbarkeit erscheint, als Hochgerichtsherr
auftritt. Und er verfügt über seine Gerichtsbarkeit in demselben Sinne, wie es die
Könige und andere Gerichtsherren der deutschen Kaiserzeit thun ; er betrachtet
sie als nutzbares Privatrecht, verkauft, verpfändet, zerstückt sie. Auf diesem
Wege entstehen aus der mäfsigen Anzahl alter Hundertschaftsgerichte Dutzende
von neuen kleinen Hochgerichten, deren Abgrenzung der Laune des Zufalls
anheimgegeben ist; und in ihnen verschwindet fast klanglos der letzte Nach-
hall einer der ältesten Verfassungsgrundlagen unseres Volkes. Die Käufer
dieser Überreste ältester Gerichtsbarkeit aber sind die Grundherren; ihnen
fällt damit das letzte unmittelbare Erbe aus dem einstigen reichen Besitzstand
der Hundertschaft zu.
— 1519 — Schlufs.]
Freilicli hatte sieh auf dem Bod(ui der Grimdlieriliehkeit teilweis schon
früher iierade für den Besitz der hervorragendsten Grundherren eine andere
Bildung von Hocligerichten und durch sie eine Zerstörung der alten staatlichen
Rechtssprechung vollzogen. Im Gegensatz zur soeben geschilderten Sprengung
der Hundertschaftsgerichte durch eine Reilie einzelner autonomer, in langen
Zeiträumen erfolgender und einer Verwitterung gleichender Vorgänge und
Ereignisse vollzog sie sich autoritär, durch einmaligen Akt der Privilegierung
von oben lier. Ihr Ausdruck ist die königliche Immunität; auf Grund der-
selben wurden schon seit dem Ausgang der Karolingerzeit grundherrliche Hoch-
gericlite entwickelt und damit halbstaatliche Gewalten in die Hände von
grundherrlichen Privaten gebracht.
So begreift es sich, wenn die Grundherrschaften der Stauferzeit vornehm-
lich als rechtliche, halbstaatliche Bildungen erscheinen, wenn diesem Charakter
in eben dieser Zeit auch schon in der Schaffung des Richteramtes der
Sclmltheifsen ein nicht mifszuverstehender Ausdruck gegeben wird. Damals
hatte die Grundherrschaft die alte Wirtschaftsverfassung der Urzeit zu nicht
geringem Teile in sich aufgesaugt oder zu nutzlosen Resten verstückelt, sie
hatte die Gerichtsverfassung der Hundertschaft und der Unterentwicklungen
derselben allerorten durchbrochen und vielfach völlig zerstört, sie hatte an die
Stelle der alten Untergerichte und Hundertschaftsgerichte ihre neuen Grund-
gerichte und Hochgerichte gesetzt. Mit dem Verfall der Hundertschaftsver-
fassung aber war der staatliche Einflufs vom platten Lande weithin ver-
schwunden ; an seine Statt war die grundherrliche Einwirkung unter staatlichen
Ansprüchen getreten. Eben diese Einwirkung und nicht minder diese
Ansprüche waren es, welche die Grundherrschaft zur Bildung des Terri-
toriums einbrachte.
War es zu verwundern, wenn einem so machtvollen Eingreifen, welchem
in grofsen Grundherrschaften schon seit der Stauferzeit territoriale Ziele vor-
zuschweben begannen, jene einfachen Freien nicht mehr lange widerstanden,
die sich bisher noch aufserhalb der grundherrlichen Bildungen selbständig ge-
halten hatten?
Etwa um die Mitte des 11. Jhs. begann für diese Freien die Zeit
der Entscheidung; Ovaren sie nicht in besonders günstiger Lage, so dafs
sie in langsamem Emporw^achsen sich den ersten Bildungsanfängen eines
niederen Adels einzureihen vermochten, so blieb ihnen nichts übrig, als in
den Schutz und damit die Abhängigkeit zumeist grofser Grundherren ihrer
Nachbarschaft zu treten. Die Erscheinungen des 8. und 9. Jhs. wiederholten
sich in verjüngtem Mafsstabe; unter ihrer Einwirkung gingen fast allenthalben
jene letzten Reste germanischer Gemeinfreiheit unter, welche die Katastrophe der
Karolingerzeit überdauert hatten. Aber das Los der neuen Schutzbedürftigen
war milder, als das Schicksal der in karolingischer Zeit zu Grunde gegangenen
Freien. Hatte bei diesen Auftragung des Eigentums und persönliche Kommen-
dation schliefslich zur Grundhörigkeit des 10. und der folgenden Jahrhunderte
[Sclilufs. — 1520 —
geführt, war es in der Karolingerzeit, als der Staat seine ersten Hoheitsrechte
noch immerhin kräftig wahrte, nicht möglich gewesen, das Verhältnis schiitz-
mutender Freier zum Schutzherrn anders als in der noch vorwiegend privat-
rechtlichen Form der Zinsabhängigkeit festzustellen, so hatten diese Voraus-
setzungen bis zum 11. Jh. eine Umgestaltung von Grund aus erfahren. Jetzt
waren die grundlierrlichen Schutzherren zugleich Gerichtsherren, wesentliche
Teile staatlicher Hoheitsrechte ruhten fast ohne Vorbehalt seitens des Reichs-
oberhauptes in ihrer Hand; es war eine Schutzaufnahme einzelner Freier und
freier Gemeinschaften möglich, in welcher zunächst blofs das Anerkenntnis der
Gerichtsherrlichkeit als Entgelt für den gewährten Schutz in Betracht kommen
konnte. Auf dieser Grundlage erwächst, besonders kräftig seit der Stauferzeit,
der Stand freivogteilicher und freimarkvogteilicher Leute; dem Vogtherrn
zunächst nur in gerichtlicher, d. h. staatlicher Beziehung unterworfen, scheinen
sie recht eigentlich berufen, das erste Vorbild späterer Landesunterthänigkeit
zu geben. Freilich, Wünsche und Mafsregeln der Vogtherren gehen über die
Zuerkennung dieses einfachen Verhältnisses je länger je mehr hinaus. Neben
den Vogteileuten standen die Grundholden unter demselben Herrn; wie die
Grundholden zinsten, so zahlten auch die Vogteileute zum Zeichen des Schutzes
und der Gerichtsunterthänigkeit gewisse Abgaben und Leistungen; es war ver-
lockend, gleichwie in karolingischer Zeit für kommendierte Freie und Unfreie,
so jetzt für Vogteileute und Hof holde aus der gleichen Zinsunterthänigkeit
den Schlufs derselben gesellschaftlichen Lage, gleicher Stellung zum Herrn zu
ziehen. Und wurde nicht ein solcher Schlufs jetzt, wie ebenfalls schon in der
Karolingerzeit, durch den Umstand sehr erleichtert, dafs die Grundhörigkeit sich
soeben unter dem Einflufs geldwirtschaftlicher Entwicklungen, freier Pachtung,
häufiger Auswanderung, lehnsweiser Ausgestaltung des Weinbaues, viel freier
zu gestalten begann? Schon im 13. Jh. wurde der Charakter der Renten-
grundherrschaft voll durchgebildet ; auch die Zahlungen der Vogteileute konnten
als Rentenzahlungen erscheinen. Und wenn andererseits die Vogteileute nur
der Gerichtsbarkeit des Schutzherrn unterstehen sollten: hatte sich nicht
auch die Grundherrlichkeit in ein zum guten Teile gerichtshen*liches Hoheits-
verhältnis aufgelöst? Diese Züge der Entwicklung traten bald deutlich zu Tage:
mochten auch geringere Unterschiede zwischen Grundhörigkeit und Vogtei bald
mehr bald minder betont bestehen bleiben, im ganzen verschmolzen die grund-
hörigen und die vogteilichen Klassen zu der einen gTofsen Masse der ab-
hängigen, der , armen' Leute des 14. Jhs.
In dieser Vereinigung aber formte sich der Begriff territorialer Unter-
thanschaft. Grundholde und Vogteileute bildeten nicht einige Klassen, sie
bildeten die Klassen der arbeitenden Bevölkerung des platten Landes über-
haupt; in ihrem Zusammenschlufs und ihrer Unterordnung unter den Landes-
herrn auf dem Wege grundherrlicher und vogteilicher Behandlung war ohne
weiteres die persönliche Grundlage der Territorialgewalt, waren zum Lande
die Leute gewonnen.
— 1521 — Schlufs.]
Und die sozial führenden Schichten des platten Landes: der kleine
ministeiialische Adel, die alten edlen Grundherren, die geistlichen Körper-
schaften? Auch sie wurden, wenn auch auf anderem Wege, dem territorialen
Gedanken gewonnen. Die Landesherren griffen hier nicht zu besonderen, erst
zu entwickelnden Mitteln ; es handelte sich hier zunächst nicht um die Bildung
eines neuen, eigenartig territorialen Standes; es kam nur darauf an, das Ver-
hältnis der meisten dieser Gruppen zum Reich mit Geschick auf die Landes-
gewalt zu übertragen. Nun waren die hervorragenderen geistlichen Körper-
schaften wie die grofsen Grundherren innerhalb der künftigen Landesgrenze
dem Reiche seit der Ottonenzeit zumeist vasallitisch verbunden gewesen, der
Begriff der Lehnstreue allein hatte ihr Verhältnis zum Reichsoberhaupt ge-
regelt. An dessen Stelle mufste jetzt der Begriff landesherrlicher Lehnstreue
treten: der territoriale Lehnhof wurde zum Sammelpunkt aller gesellschaftlich
höher stehenden Schichten der Landeseingesessenen. Auch der Ministerialen.
Schon längst hatte bei diesen die Umbildung des alten Dienstverhältnisses in ein
Lehnsverhältnis begonnen; jetzt nun wurden sie den anderen Vasallen in einer
Reihe von Verschiebungen angegliedert und als Stand ritterlicher Herren dem
sonstigen Lehnsstande altadliger Herren untergeordnet. War auf diese Weise der
Einflufs und die Macht auch der höheren Klassen im Territorium dem Landes-
herrn zur Verfügung gestellt, so lälst sich doch nicht verkennen, dafs diese Ein-
ordnung des Adels in die Landesinteressen nur auf ursprünglich rein gegen-
seitigem vertragsmäfsigen Verhältnis beruhte. Es bedurfte der willensstarken
Thätigkeit vieler Jahrhunderte, ehe diese Thatsache und ihr verfassungs-
mäfsiger Ausdruck im Stände wesen verdunkelt und beseitigt, ehe der reine
Unterthanenbegriff für alle Landeseingesessenen entwickelt ward.
Diese Thätigkeit aber mufste eine langsam ordnende sein, sie mufste dem
Durcheinander alter Verfassungstrümmer autonomer Art in Hundertschaft, Zen-
derei und Markgemeinde neuformend und beseitigend entgegentreten, sie mufste
die nunmehr abgelebten Bildungen autoritärer Art in Grundherrschaft und Vogtei
ihren Zwecken in freier Umwandlung anpassen, sollte ein territorialer Organismus
voll neuen Lebens entstehen, dem in voller Seele anzugehören auch die sozial
führenden Schichten des Landes mit Recht gezwungen werden konnten.
Die Thätigkeit der Landesherren in dieser Richtung füllt das spätere
Mittelalter aus, ja sie reicht noch über dasselbe hinaus in fernere Zeiten.
Ausgehend von den alten Rechten der Grundherrlichkeit und der Vogtei,
von dem lehnsherrlichen Zwangsrecht gegenüber dem Territorialadel, endlich
von den allmählich erworbenen Hoheitsrechten des Reichs auf dem Gebiete
der Rechtssprecliung wie der Verwaltung, namentlich der Finanz Verwaltung,
streben die Landesherren nach vereinfachten Verhältnissen unter dem Ziele
der allgemeinen Landeswohlfahrt.
Und wie vortrefflich wufsten sie nicht die Mittel zu entwickeln, welche
sie diesem Ideale näher führen konnten. Vor allem mufste es sich darum
handeln, eine genügende Macht zu entfalten, um die noch verstückelten und
[Schlufs. — 1522 —
zerstreuten Landesteile in dem Gedanken gemeinsamen Schutzes und territorialer
Zusammengehörigkeit zu einem wirklich organischen Ganzen zu verbinden.
Hierzu bedurfte es vor allem starker finanzieller Überlegenheit gegenüber den
Eifersüchteleien der kleinen benachbarten, teilweis vom Landesgebiet völlig
umschlossenen Grundherren. Nur eine völlige Umformung der alten auf die
verschiedenartigsten Gerechtsame begründeten Einnahmen des Landesherren
konnte diesen Zweck erreichen. Sie wurde durchgeführt, so durchsichtig und
so von neuen Finanzanschauungen durchwoben, wie man es nur in der Zeit
beginnender Geldwirtschaft unter weitgehender Verabschiedung naturalwirt-
schaftlicher Finanzgebarung vermochte. Die alten Bezüge grundherrlichen
und vogteilichen wie sonstigen halbprivatrechtlichen Charakters und Ursprungs
wurden soweit als möglich unifiziert und zu indirekten Steuern entwickelt;
ihnen traten die kräftig entfalteten Abgaben und Einnahmen aus einst
reichsrechtlichen Regalien als zweite Steuerquelle indirekter Natur zur Seite.
Und dieser Gesamtmasse indirekter Steuern wurde nun, je weiter die Ent-
wicklung im 14. und 15. Jh. vorschreitet, um so nachdrücklicher und aus-
giebiger ein System direkter Besteuerung gegenübergestellt, dem alle Landes-
eingesessenen, die Unterthanen in der Landesbede, einer rohen Einkommen-
oder Vermögenssteuer, die vasallitischen Stände in Subsidien und Matrikular-
beiträgen unterworfen wurden. Bedeutungsvoll aber stand neben diesen regel-
mäfsigen Einnahmen in der Epoche abschliefsender Territorialgründung , in
dem der Stauferzeit folgenden Jahrhundert bis zu den grofsen Elendsjahren
des schwarzen Todes, der Geifselfahrten und der Judenschlachten, noch eine
Anzahl au fserge wohnlicher Finanzquellen. Täuscht nicht alles, so wurden
in dieser Zeit wie im Kurfürstentum Trier so auch in vielen anderen Terri-
torien die Juden, diese Grofskapitalisten und Grofsbankherren des späteren
Mittelalters, in energischster Weise zur Stärkung der landesherrlichen Finanzen
ausgenutzt. Indem man sie in ihren Privatgeschäften landesherrlich schützte
und wohl gar ihre Geschäftserfahrung zur Führung des Landeshaushaltes
heranzog, fundierte man zugleich auf ihren Kredit und ihren Kapitalreichtum
eine ganze Reihenfolge von Anleihen in nicht mehr zu übersehender Höhe,
deren Mittel zunächst zur thunlichsten Erweiterung und zum völligen Abschlufs
der Landesgrenzen ausgenutzt wurden. Kleine Grundherrschaften wurden ge-
wonnen, Vogteien gekauft und pfandweise erworben, neue Vasallitätsverhält-
nisse begründet, und somit territorialer Zusammenhang, Einheit und Ordnung
durch Erwerb fehlender Rechte und mangelnden Einflusses geschaffen.
Zugleich aber wurden die überschiefsenden nicht unbedeutenden
Finanzmittel zum Ausbau der militärischen Einrichtungen und damit zur
Begründung einer erstmaligen völligen Landessicherheit verwandt. Wo nur
landesherrlicher Einflufs eindrang und sich bald in grundherrlichen , bald in
vogteilichen oder hoheitlichen Rechten niederschlug, da wurden zu seiner Ver-
stärkung Burgen erbaut und mit einer in freiem Soldverhältnis stehenden Be-
satzung unter einem nach Amtsweise geworbenen und absetzbaren Burggrafen
— 1523 — Schlufs.l
belegt. Und wie wohlthätig wirkte diese Sicheiinig des Landes durch gut
verteilte Burgenanlagen zugleich auch nacli anderer Riclitung. Die Unter-
thanen gewölniten sich daran, in dem Burggrafen ihren natürlichen Vorgesetzten
und vom Landesherrn gesetzten Berater zu sehen; so wurde der Burggraf
neben seiner militärischen Stellung zum Landesbeamten, die Burg selbst zur
Amtsstelle, und der ihrem Einflui's unterstehende Gebietsteil des Landes zum
Amtsbezirk. Eine neue Bezirkseinteilung des platten Landes bildete sich auf
der natürlichsten aller Grundlagen, auf der Basis des Friedensbedürfnisses
und des Friedensschutzes, und aus der Militärverwaltung heraus erwuchs eine
erste wirkliche Territorialverwaltung. An diesen Kern lehnten sich nun alle
anderen Verwaltungsbedürfnisse des Landes an. Die Hochgerichte der alten
Verfassung, so verschiedenen Ursprungs und so abweichenden Umfanges sie
sein mochten, glichen sich jetzt mit den neuen Amtsgrenzen womöglich bis
zur Entwicklung eines einzigen Amtshochgerichts aus, und die Schultheifsen
der Grundgerichte wie die wenigen noch vorhandenen Zender der alten freien
Zenderei- oder Untergerichte gaben ihre gerichtliche Vollstreckungsgewalt in
den Schutz, ja bald in die freie Hand des zuständigen Amtmanns. Nicht
minder suchte die landesherrliche Finanz Verwaltung bald mehr bald weniger
Fühlung mit der Bezirksabgrenzung der Ämter. Was auch immer von Ein-
nahmen innerhalb eines Amtes erfiel, was die Schultheifsen an Gerichtsbufsen,
die Meier an grundherrlichen und vogteilichen Abgaben einnahmen, es wurde
an eine gemeinsame Amtshebestelle abgeführt, der ein Kellner in besonderer,
von den Geschäften des Amtmanns getrennter Verwaltung vorstand.
Es versteht sich, dafs die glückliche Ausbildung der neuen Lokalver-
waltung von der nicht minder sorgsamen Entwicklung einer landesherrlichen
Zentral Verwaltung begleitet ward. Der Begriff aber, welcher beide Verwaltungen,
abgesehen von der äufseren Regelung der gegenseitigen Zuständigkeiten, mit
einander verband, war der des Amtes. Das frühere naturalwirtschaftliche
Mittelalter hatte nur den Vasallitätsliegriff einerseits, den Dienstbegriff anderer-
seits zur Führung von Verwaltungsgeschäften in Anwendung bringen können.
Beide Begriffe w^aren der nunmehr erforderten freien und doch zugleich von
Geschlecht zu Geschlecht strenger zentralisierten Verwaltung nicht gewachsen.
Die Vasallitätsverwaltung hatte unter dem Übermafs eingeräumter Selbst-
ständigkeit jede Fühlung mit der Zentralstelle verloren, die Dienstverwaltung
hatte sich, soweit ihr Personal in der höheren Ministerialität nicht zur Lehns-
verwaltung überging, nie zu jener Freiheit erhoben , welche zur Fühnmg ver-
antwortungsvoller Geschäfte unerläfslich ist. So konnte dem neuen Bedürfnis
nur ein neues System der Verwaltung genügen. Es entwickelte sich während
des 13. Jhs. langsam aus den alten Bildungen heraus zum Kernpunkt des
Amtsbegriffes. Seine Ausgestaltung aber war naturnotwendig mit dem Ein-
tritt der Geldwirtschaft gegeben und bedurfte zum Ausreifen nur geringer
Nachhilfe seitens der Landesherren. Die Vasallität hatte, vom wirtschafts-
geschichtlichen Standpunkte aus gesehen, zur Erblichkeit der Ämter geführt.
[Schlufs. _ 1524 —
weil die Amtsbesoldung in Naturalerträgen bestand, mit deren Zuwendung
zugleich die Übergabe des tragenden Fundus verbunden sein mufste, so dafs der
Beamte nicht blofs in den Genufs des Gehaltes kam, sondern auch in den
Besitz der Quelle, aus welcher dieses Gehalt erflofs. Eine solche Begründung
des Gehaltes konnte bei geringer Verwaltungszentralisation nur mit der Erb-
lichkeit der Ämter abschliefsen. Aber jetzt, häufiger etwa seit der zweiten
Hälfte des 12. Jhs., wurde es möglich, Belehnungen auch auf Grund von
Geldzahlungen vorzunehmen ; bei ihnen gelangte der Vasall nicht in den Besitz
jener Einnahmequelle, welche die Zahlung seiner Lehnsgelder ermöglichte.
Bald ging von diesem Punkte aus ein Umschwung des Lehnswesens von den
weitreichendsten Folgen vor sich. Da man durch Zahlung von Lehnsgeldern
die Erblichkeit vermied, so wurden Zeitlehen gewöhnlich ; und indem man zu-
gleich auf Grund jährlicher Lehnszahlungen vom Beleimten jetzt wieder be-
stimmte Leistungen aufserhalb der allgemeinen Forderungen des Lehnsrechtes
verlangte, entstand seit dem Beginn des 13. Jhs. der Begriff des Dienstlehens.
Was aber unterschied ein Dienstlehen auf Zeit noch einschneidend vom Amte ?
Nur wenige Generationen dauerte es, so wurde der alte Lohns- und Dienst-
begriff völlig abgeschüttelt, und aus der Hülle der alten Begriffe schälte sich
rein und klar der neue, in der Landesverwaltung sofort und umfassend zur
Anwendung gebrachte Amtsl^egriff.
Auch die Zentralverwaltung wurde, wie die Lokalverwaltung, auf diesen
Begriff hin entwickelt. Ein Bat, welcher aus gelehrten wie aus ungelehrten
meist adligen Mitgliedern bestand, umgab den Landesherrn und wurde von
diesem durch Annahme der einzelnen Mitglieder in Amts weise nach freiem
Belieben zusammengesetzt. Kein Zweifel, dafs dem Landesherrn in einer
solchen Behörde ein ungemein thatkräftiges Werkzeug zur Verfügung stand.
Und lange genug, bis etwa zur Mitte des 15. Jhs., haben sich die Landes-
herren diesen Rat ungeteilt, in freier Verwendung seiner einzelnen INIitglieder
erhalten. Die Zeit erforderte vor allem das Zusammenschweifsen der ein-
zelnen Landesteile des Territoriums so verschiedenen Ursprungs, eine Aus-
gleichung der örtlich unendlich voneinander abweichenden Rechte und Ansprüche,
eine kräftige Vertretung des Landes nach aufsen hin unter der wechselndsten Auf-
fassung der Territorialselbständigkeit und der mannigfachsten Behandlung des
Reichsgedankens: da war nur eine Zentralverwaltung zu gebrauchen, welche
sich biegsam all diesen Notwendigkeiten anpafste, welche neben der bestän-
digen Bearbeitung fester Verwaltungsgegenstände auch vorübergehenden Bil-
dungen und dem Bedürfnis des Tages gerecht werden konnte. Eine solche
Zentralverwaltung war dieser Rat mit seinem Kommissionensystem, das die
wandelndste Zusammensetzung aller in ihm erhaltenen Arbeitskräfte für jeden
besonderen Zweck zuliefs : eben seine Elastizität, der Mangel einer Ausbildung
von Einzelämtern oder Ministerien in ihm bildet eins der bezeichnendsten
Merkmale des jugendlichen Territorialstaates.
Aber mit dem Schlüsse des Mittelalters begann eine andere Periode der
— 1525 — Schlufs.]
Entwicklung. Jetzt waren die Grenzen des Territoriums geschlossen, eine
freie Stellung innerhalb der Reichsveiiassung durch den längeren thatsächlichen
Bestand umfassender Privilegien gewährleistet, jetzt war eine Übersicht über
die alten Verfassungsbildungen innerhalb des Territoriums gewonnen und ihre
Klärung mit Rücksicht auf das oberste Ziel einer einheitlichen Territorial-
gewalt weithin durchgeführt: das Territorium war aus einem Konglomerat zu
einem Organismus, aus einer Sammlung auseinanderstrebender rechtlicher und
ökonomischer Entwicklungsrichtungen zu einem einheitlichen Staats- und Wirt-
schaftskörper geworden. Mit dieser Umgestaltung zum Individuum machte sich
auch der Egoisnms aller individualen Lebensformen geltend. Ein neues ein-
heitliches Staatsideal, die Wohlfahrt der Landeseingesessenen und des Terri-
toriums, wird nunmehr aufgestellt und seine Verwirklichung mit allen Mitteln
als fürstliches Recht vom Landesherrn beansprucht, ein Abschlufs der Landes-
individualität gegenüber anderen Territorialstaaten zu gunsten bevorzugten Son-
derbestandes wird ins Auge gefafst. So entsteht eine Fülle neuer politischer Ziele ;
das Territorium tritt allseitig als Staat auf und entwickelt eine eigene äufsere
Politik nicht blofs der einfachen Machtbestrebungen, sondern auch der Handels-
vorteile und industriellen wie landwirtschaftlichen Stärkung; und im Innern
versucht der Landesherr zum erstenmale ernsthaft eine Einfügung der noch
widerwilligen Stände in das ordnungsmäfsige Verhältnis der Landeseingesessenen,
wie eine weitgehende Fürsorge für den wirtschaftlichen und sozialen Zustand
der niederen Unterthanen.
Gerade in letzterer Beziehung that jetzt schnelle Hilfe not. Fast seit
Ausgang der ersten Hälfte des Mittelalters waren die niederen Klassen der
Grundholden und Vogteileute sich selbst überlassen geblieben; jetzt seufzten
sie schwier unter den unglaublich verschrobenen Verhältnissen , in welche sie
der Verfall aller unmittell^ar für sie bestehenden Einrichtungen, autonomer wie
autoritärer, gebracht hatte. Von den Markgenossenschaften bestand kaum noch
mehr als der Schatten ihrer früheren Bedeutung; ihre grolsen Verbände, wie
sie auf alter Hundertschaft oder Zenderei beruhten, waren in wirtschaftlicher
Nutzung wie Handhabung der Verwaltung gleich unheilbar verfallen, und die
kleineren Verbände w^aren in die Markherrlichkeit der Grundherren auf-
gegangen oder durch Verkauf oder sonstigen Verlust einzelner gemeiner
Nutzungen gesprengt und geborsten. Auch die Grundherrschaft bot keinen
Halt mehr. Wo w^ar ihre einst den Verhältnissen so w^eise angepafste obere
Verwaltung geblieben? AVo die milde Rechtssprechung der Meierämter, die
regelmäfsige und nicht überhastete Einnahme der Zinse, die Fürsorge für
weiteren Ausbau des Landes zu gunsten jüngerer Söhne der Hof hörigen?
Diese Wohlthaten hatten zum guten Teile auf Einrichtungen eigenartig
naturalwirtschaftlichen Charakters beruht, mit dem Aufkommen geldwirt-
schaftlicher Bestrebungen auf dem platten Lande mufsten sie haltlos zu-
sammensinken. Oder sie waren aus noch nicht vollendeter Urbarung des
Landes erwachsen : der Landesausbau aber verschwand seit Beginn des 13. Jhs.
[Schlufs. — 1526 —
vor der Erscheinung einer wahren Übervölkerung des platten Landes bei nicht
mehr genügendem Nahrungsspielraum. Diesen harten Thatsachen gegenüber
half der Eintritt mancher erfreulichen Entwicklungen, das Aufblühen der
freien Pachtung, die zunehmende rechtliche Freiheit der niederen Klassen, das
Wachstum der Städte , nicht viel : unter dem Verfall aller autonomen und
autoritären Bildungen, unter dem Einflufs mit zunehmender Schwierigkeit zu
beschaffender Lebenshaltung entstand ein ländliches Proletariat, dessen drohende
Bildung sich schon im 14. Jh. erkennen läfst. Und doch waren die Zeiten
des 14. Jhs. noch verhältnismäfsig günstig. Noch stieg der gemeine Tagelohn
bis zur Höhe dieses Jahrhunderts, und fiel er seitdem, so wurde sein Sinken
zunächst doch noch durch eine bei weitem stärkere Abnahme der Produkten-
und Arbeitstierpreise ausgeglichen. Allein im Laufe und besonders gegen
Schlufs des 15. Jhs. verschlimmerte sich die Lage in der bedenklichsten Weise.
Hatte bisher das besitzlose ländliche Proletariat in seiner Not wesentlich
allein gestanden, so begann jetzt auch der kleine Bauer zu kränkeln. Auf
dem platten Lande gab es jetzt fast kein freies Eigen mehr; gewifs wird man
den ritterschaftlichen und geistlichen Besitz am Schlufs des Mittelalters auf
mehr als die Hälfte alles bebauten Areals berechnen können, und ein beträcht-
licher Teil der anderen Hälfte wird als verhältnismäfsig unfruchtbares Ge-
meindeeigentum anzusprechen sein. So war der kleine Grundbesitzer im
wesentlichen auf die Ausbeutung von Herrengut angewiesen; er zinste und
zahlte vom Boden, die Grundrente kam dem Boden nur zu geringem Teile
zugute, die Widerstandskraft gegenüber gröfseren Schwierigkeiten wirtschaftlicher
Natur war nur schwach entwickelt. Nun kam es aber schon gegen Schlufs des
Mittelalters, und noch mehr im ersten Viertel des 16. Jhs. zu einem ganz aufser-
gewöhnlichen Fallen der Getreidepreise, und hiermit zu einer schweren Krise gerade
des kleinen Grundeigentums. Der Bauer überstand sie nicht, der Territorialstaat
war noch zu wenig entwickelt, um ihm durch kräftige organische Mafsregeln zu
helfen : eine dauernde Gärung bemächtigte sich des kleinen Mannes und führte zu
einer Vereinigung seiner Forderungen mit den älteren Klagen des besitzlosen
Arbeiters. So bereiteten sich die schweren Zeiten bäuerlicher Unruhen und
Kriege um die Wende des 15. und 16. Jhs. vor.
Auch die Aussichten des Territorialstaates bei seinem Eintritt in die
Neuzeit waren nicht übermäfsig günstig. Läfst sich eine erste Blütezeit der
deutschen Territorien ziemlich allgemein für die erste Hälfte des 14. Jhs.
nachweisen, so waren die Machtmittel der Fürsten seit dieser Zeit wohl in
den meisten Ländern nicht jenen Erwartungen entsprechend gestiegen, welche
man aus der bisherigen Entwicklung hätte begründen können. Vor allem
waren es die Finanzen, welche von Generation zu Generation mehr Sorge
vemrsachten. Mit der Mitte des 14. Jhs. fielen die aufserordentlichen Ein-
nahmen weg, welche man in reichstem Mafse aus dem Judenschutz gezogen
hatte; wohl schwerlich hat die seit den Greueln des Jahres 1349 gebrochene
Kapitalkraft der Juden jemals wieder eine so hohe Schätzung gestattet, wie
_ 1527 — Schlufs.]
sie vor dieser Zeit gewöhnlicli war. Auf der andern Seite aber wuchsen die
Ausgaben von Jahr zu Jahr mit den erweiterten Aufgaben der Territorial-
gewalt und mit dem sich zu dauerndem Kriegszustand zuspitzenden Gegensatz
zwischen Territorien und Städten. So sind die meisten Territorien nament-
lich in der ersten Hälfte des 15. Jhs. heillos verschuldet; landesherrliche
Bankerotte gehören nicht mehr zu den Seltenheiten. Um aus diesen unerträg-
lichen Zuständen heraus zu gelangen, bot sich nur ein Mittel dar, die An-
rufung der Stände. Man bequemte sich zu ihr, man räumte damit den höheren
sozialen Schichten des Territoriums eine Erweiterung jener politischen Selb-
ständigkeit ein, welche man noch im 14. Jh. völlig vernichten zu können ge-
hofft hatte: die Periode ständischer Kegierung in den Territorien wird ein-
geleitet. Und so schien denn das deutsche Fürstentum von seinem ursprüng-
lichen Ziele der Begründung eines monarchischen Absolutismus entfernter als viel-
leicht jemals vorher. Aber es schien nur so : noch bestanden die kraftvollen
Keime eines künftigen Absolutismus, wie sie im späteren Mittelalter in einer
ausgedehnten landesherrlichen Verwaltung und in der Aufstellung eines neuen
Wohlfahrtsideals staatlicher Entwicklung gelegt waren; aus ihnen erwuchs
schliefslich trotz aller noch zu überwindenden Schwierigkeiten die unbeschränkte
Monarchie des 17. und 18. Jahrhunderts.
A 11 li a n g.
Zeittafel wichtigerer Erscheinungen, welche im Verlauf der vorstehenden Untersuchungen
äatieii ivorden sind.
1. Jahrhundert iF.
Begründung von Grofskulturen längs der Römerstrafsen auf Eifel und Hunsrück; S. 143 f.
3. und 4. Jahrhundert.
Ansiedkmg von Barbaren (Saliern, Sarmaten) in den Moselgegenden; S. 151 f.
5. Jahrhundert.
Abschlufs der fränkischen Wanderungen; S. 3 und 156. [Gegen Schlufs des Jahr-
hunderts:] alleinige Immobiliarsuccession der Söhne, bei unbeerbtem Todfall der Nachbarn
(Markgenossen); S. 44.
6. Jahrhundert.
[Erste Hälfte :] Aufkommen massenhafter Besiedlungen aufserhalb des salischen (Hufen-)
Landes ; S. 45. [Decr. Chlot. u. Childeb. :] Einführung der Zendereien als Unterabteilungen
der Hundertschaft, Übertragung des militärischen Führerrechts, der Pflicht der Rüge und
der Friedensbewahrung in der Zenderei an den Zender; S. 224 f. [Mitte des Jahrhunderts:]
Beschränkung der alleinigen Immobiliarsuccession der Söhne auf salisches Erbe; S. 40 f.
[561 — 584, Ed. Chilp. § 3:] Zulassung der Töchter, Brüder und Schwestern des Erblassers
zur Immobiliarsuccession in salisches Erbe, bei Fehlen dieser Heimfall an die Markgenossen-
schaft; S. 43 f. [Viertes Viertel:] Entwicklung des Veräufserungsrechtes an Grund und
Boden aufserhalb des salischen Landes; S. 49.
8. Jahrhundert.
Spätestens in dieser Zeit Begründung eines im wesentlichen einheitlichen materiellen
Rechtes der Franken auf der Grundlage des salischen Rechtes; S. 6. Zulassung der Schwert-
magen bis zum sechsten Grad und sogar der Kunkelmagen in die Erbfolge an Salland, Ver-
fall des Vicinenerbrechts ; S. 44. Erste Anzeichen der Hufenzersplitterung; S. 366. [Mitte
des Jhs.:] Auftreten der Precaria oblata; S. 891. [8. und 9. .Jh.:] Hauptepoche der Besied-
lung durch den Laienadel im Bifangsystem; S. 123, 419, 698. Allseitige Ausbildung des
Zinslehens; S. 901. [8. — 10. .Jh.:] Fixierung der giimdherrlichen Zinse; S. 621.
9. Jahrhundert.
[Anfang des Jhs. :] Volle Trennung der Bezeichnung des heutigen Ardenner Waldareals
von der früheren Ausdehnung des Begriffs Ardennen; S. 95. [Anfang:] Regelung des Be-
— 1529 — Anhang.]
triebes der königlichen Fisci voiiiehmlich durch Karl denGrofsen; S. 719 f., 802 f. [Anfang
des .Ihs. :] schon Bestand der Dreifelderwirtschaft; S. 545. [817 :] Überweisung des Bezehntungs-
rechts an die Kolonialkirchen; S. 116. Entstehung der Scharmannen; S. 811. [Mitte des
Jhs. :] Aufhören der Freilassungsurkunden zu voller Freiheit, statt dessen Aufkommen derer
zu Wachszinsigkeit; S. 1221. [850—950:] erste Periode der Vogteibedürftigkeit; S. 1065,
s. unten [1050—1350]. [Ca. 860:] Schwinden der freien Hintersassen; S. 1178 Note 1. Ent-
stehung und Ausbildung der Grundherrllclilfeit; S. 992. Schon grundherrliche Zender; S. 1008,
vgl. S. 225. [Ende des Jhs.:] Abschlufs der spezifisch grundhörigen Landnutzungsform;
S. 900, 922 f. [Ende des Jhs.:] Bindung der Grundholden an die Scholle; S. 1190. Entwick-
lung der Immunitätsgerichtsverfassung; S. 1031 f., 1112. Verleihung einfacher Münzprivilegien;
Bd. 2, 352. [Zweite Hälfte des Jhs.:] Auftreten der Precaria remuneratoria; S. 891. Be-
stand eines besonderen (ministerialischen) Weinbaulehens; S. 903 f. Schon Zweifelderwirt-
schaft in der pfälzisch-rheinischen Gegend; S. 546. Schon drei Pflugarbeiten gewöhnlich;
S. 557. Schlufs der ersten Ausbauperiode in vollen Dörfern; S. 109. Beginn des Beunden-
ausbaues; S. 419 f. [Ende des Jhs.:] Beginn des Ausbaues von Eotthufen in Einzelhof-
system ; S. 354. Erstes Vorkommen der Königshufen ; S. 148, 350. [9. — 10. Jh. :] Sichtbarer
Bestand der Hufenzersplitterung; S. 1233 f. [9. — 10. Jh.:] Zeit der grofsen Inforestierungen;
S. 113. [9.— 10. Jh.:] Erste Epoche des Burgenbaues; S. 1306, s. unten [12. Jh. Mitte],
10. Jahrhundert.
[Ca. 900:] Vermehrungskoeffizient der Bevölkerung ca. 3,5^/o; S. 163. [Erste Hälfte
des Jhs.:] spätestens Entstehung der Immunitätsvogtei ; S. 1112. Beginn der sozialen Ein-
wirkung der Vogtherrlichkeit; S. 1139. [Ca. 900:] volle Durchbildung der Grundholden;
S. 1152. [Mitte des Jhs.:] die Gelegenheiten zum Verfall in Unfi-eiheit werden seltener;
S. 1191. Verfall des alten Heerwesens ; S. 1142. Verleihung von Münzprivilegien zu eigenem
Gepräge an Private; Bd. 2, 351. Beginn des Ausbaues in den Forsten; S. 112. [10. Jh. ff.:]
Ausbau der Fluren, vermehrter Squatterausbau ; S. 123, 148.
11. Jahrhundert.
[Ca. 1000:] Vermehrungskoeffizient der Bevölkerung ca. 1,8^/0; S. 163. [Ca. 1000:]
Höhepimkt der bischöflichen Schenkungen an die kirchlichen Korporationen; S. 676. [Mitte
des Jhs.:] Verfall der alten vornehmlich dem Grundbesitz zugewandten kirchlichen Erwerbs-
politik; S. 675, 686. [Zweite Hälfte:] Entstehung der Laienbruderschaften in den Klöstern;
S. 690. [Viertes Viertel:] Betonung der Novalzehnten als bischöflicher Einnahmequelle;
S. 119 f. [Schlufs des Jhs.:] Entstehung eines besonderen stiftischen Verwaltungssystems
auf Grundlage von Pachtung; S. 977. [Anfang des Jhs.:] der Charakter des Landrechts
(Bodenregal) nicht mehr hoheitlich, sondern grundherrlich, das Inforestierungsrecht grund-
herrlich; S. 106, 110. Der erbliche Nutzbesitz der Grundholden anerkannt; S. 1192. Volle
Ausbildung der grundherrlichen Gerichtsverfassung (Bauding, Grundgericht, Hochgericht);
S. 1046. [Anfang des Jhs.:] spätester Termin allgemeiner Verbreitung der Fronhofsvogtei ;
S. 1088. [1030:] erstes Immunitätsvogteilehen ; S. 1123. [Mitte des Jhs.:] erste Immunitäts-
erbvogtei; S. 1123. [Mitte des Jhs.:] Aufkommen von Immunitätsuntervögten; S. 1125.
[Ca. 1050—1350:] Zweite Periode der Vogteibedürftigkeit; S. 1065, s. oben [850—950].
[Zweite Hälfte des Jhs.:] vermutlich vermehrtes Auftreten von Markvogteien ; S. 1076. [Ende
des Jhs.:] Abschlufs der lehnbaren oder absoluten Erblichkeit der Immunitätsvogtei; S. 1124.
[Zweite Hälfte des Jhs.:] Herabsinken des Lehnbegrifts zum Wirtschaftsbegriff; S. 627. All-
mählicher Verfall der Römerstrafsen ; S. 814; Bd. 2, 239 f. Bestand einer lokal entwickelten
Eisenindustrie; S. 555; Bd. 2, 331 f. [Mitte des Jhs.:] die geistlichen Institute beginnen
gröfsere Darlehnsgeschäfte zu betreiben; S. 1446. [Mitte des Jhs.:] Aufschwung des All-
mendeausbaues in Spezialkulturen (Gärten, Wiesen, vor allem Weinberge in Mannwerk- und
Pichtersystem) ; S. 401 f., 409, 915. [Schlufs des Jhs.:] Entwicklung gröfserer Schafzucht; S. 536.
Lamprecbt, Deutsches Wirtschaftsleben. I. 97
[Schliifs. — 1530 —
12. Jahrhundert.
[Ca. 1100:] Vermehrungskoeffizient der Bevölkerung ca. 2,25^/0; S. 163. [Ca. 1100:]
Stärkere Anwendung organisierter Selbsthilfe im Gottesfrieden; S. 1064. Der kaiserliche
Machtspruch nicht mehr zum Schutz kirchlichen Grundeigens verwendet; S. 712. Ausprägung
der Worte Territorium und Landesherr im technischen Sinne; S. 1352. Zeit vermehrten
wallonisch-französischen Einflusses an der Mosel; S. 79. [Ca. 1100:] Ausgang der älteren
Immunität; S. 1019. [Ca. 1100:] Höhepunkt der Klagen über die Immunitätsvögte, beginnen-
der Sieg der Vögte; S. 1127. Die Fronhofsvogteien fast stets erblich; S. 1108. [Erste
Hälfte des Jhs. ff.:] Bildung der freimarkvogteilichen und freigerichtsvogteilichen Klassen;
S. 1140. [Ca. 1150:] Abschlufs der Bildung der Markhörigen; S. 1158. Anfänge städtischer
Autonomie; S. 1345. [Erste Hälfte des Jhs.:] die Ministerialen werden Bitter; S. 1170.
[Mitte des Jhs.:] die Ministerialität mit Lehen gesättigt; S. 713, 879, 881, 1170. Blüte des
Ministerialenrats; S. 1425 f. [Mitte des Jhs.:] spätestens Kadizierung der Gerichtsbarkeit;
S. 1043. Beginn der jüngeren landesherrlichen Immunität; S. 1019, 1023. Der Blutbann in
geisl;licher Hand; S. 1134. Entstehung territorialen Münzrechts zu eignem Schrot und Korn
(Münzmonopol); Bd. 2, 351. Anfänge des territorialen Geleitsrechts ; Bd. 2, 275, 290. Beginn
schiedsrichterlicher und vergleichender Thätigkeit des Landesherrn; S. 1324. [Mitte des
Jhs. f.:] Zweite Epoche des Burgönbaues; S. 1306, 1316, s. oben [9.— 10. Jh.]. [Mitte des
Jhs. :] Zunahme der Lehnsauftragungen von Burgen an die Landesherren ; S. 1263. Beginn von
Burgenvergabungen seitens des Landesherrn in der Weise alten Lehens ; S. 1372. Entstehung
der Burggrafen oder Amtleute zur militärischen und finanziellen Verwaltung der königlichen
Fisci in der Verbindung von Kommandantur- und Meierei-Funktionen; S. 1366 f. [Zweite
Hälfte:] die Lehnskriegsverfassung des Reichs durch die Territorien unterbunden; S. 1270.
[Ca. 1100:] etwa achtzig fremde Grundherrschaften an der Mosel ansässig; S. 134 f.
Schon weite Verbreitung des Allmendeobereigentums (Markherrlichkeit) ; S. 696, 996. Spätestens
Aufkommen der Dorfmarkgemeinden ; S. 274. [Anfang des Jhs. :] Beginn stärkeren Ausbaues
des Landes durch kirchliche Institute (Cisterzienser), Ausbau von Einzelhöfen; S. 121, 688 f.
Pfleglose Hufen werden selten; S. 752. [12. Jh. bis 13. Jh. 1. H. :] Steigen des Bodenpreises
um 4P/o; S. 602. [Erste Hälfte des Jhs.:] Hauptausbauzeit der Weinberge, Beginn des
Terrassenbaues; S. 122,402 Note 3, 404. Entwicklung kleiner selbständiger Weinbergsgüter ;
S. 416. Beginn stärkerer Parzellierung, Einbeziehung von Rottland in die Hufenäcker zur
Kompletierung zersplitterter Hufen; S. 377 f. [Mitte des Jhs.:] offener Verfall der Hufen-
verfassung; S. 367 f., 1235. [Mitte des Jhs.:] Beginn von Privatverkoppelungen; S. 381.
[Mitte des Jhs.:] Einführung des Pflugs als Belastungseinheit; S. 371. [Zweite Hälfte des
Jhs.:] erstes Auftreten von abgewirtschaftetem Ödland; S. 128. [Viertes Viertel des Jhs.:]
spätestens Beginn häufigerer Streitigkeiten beim Markausbau ; S. 270. [Schlufs des Jhs. :]
Aufkommen von vier Pflugarbeiten; S. 558. [Schlufs des Jhs.:] Wiesen werden häufig;
S. 528. Verbreitung der Wiesenbewässerung; S. 529. [Schlufs des Jhs.:] volle Entwicklung
des Begriffs Hochwald; S. 473. [Schlufs des Jhs.:] Aufkommen des Qualitätsunterschiedes
von fränkischem und hunnischem Wein; S. 571.
[Erstes Viertel des Jhs.:] Die Pachtungen kommen auf, am ehesten in den Verwal-
tungen der Stifter, die Erbpacht vielleicht etwas früher als die Zeitpacht; S. 937 f., 972,
980. Teilweiser Übergang der Weinbaulehen in Pachtungen; S. 916. [Mitte des Jhs.:]
Beginn des Übergangs grundhöriger Landnutzungen in freie Pachtung, teilweis sogar AUod;
S. 925 f. Übergang der Precaria remuneratoria in Erbpacht; S. 893. [Viertes Viertel des
Jhs.:] Übergang der Precaria oblata in die Kategorie der Leibrentenverträge ; S. 897. Beginn
der Ablösung grundhöriger Dingpflichten; S. 925 f., 1201. Verfall der grundherrlichen Zinse;
S. 621. [Ende des Jhs.:] Aufgabe der grundherrlichen Beundenregie, Verpachtung (Gehöfer-
schaften) oder Verkauf derselben; S. 438 f. [Ende des Jhs.:] immer stärkere Häufung von
Belehnungen aus der Grundherrschaft; S. 713, 881. Verfall der alten Grundherrschaft, schon
um ca. 1150 entscliieden ; S. 984, 991. [Zweite Hälfte des Jhs.:] deutlicher Verfall der
— 1531 — Anhang.]
Klostereinnahmen; S. 847. Die Meier werden teilweis erblich und Ritter; S. 771 f. Ver-
suche, die Meier auf reines Gehalt zu setzen oder auf andere Weise wieder abhängig zu
machen; S. 769, 772. Ausscheidung des Schultheifsenamts aus dem grundherrlichen Meier-
amt, S. 735 f., Bd. 2, 171 f.
[Anfang des Jhs.:] Aufkommen der Barrenwährung; Bd. 2, 386. Köln verdrängt den
selbständigen niederrheinischen Handel im Oberland; Bd. 2, 339. Vordringen der Kölner
Münze nach Süden; Bd. 2, 416 f. [Mitte des Jhs. bis 13. Jh. Mitte:] der Zinsfufs konsti-
tuierter Erbrente beträgt 10%; Bd. 2, 610. Preissteigerung bis zum 14. Jh.; Bd. 2, 616.
[Mitte des Jhs.:] erste Abschwächung des Erbenwarterechts ; S. 632. [Ende des Jhs.:] Zu-
nahme der klösterlichen Pensionsgeschäfte auf Lebenszeit, Begrtindung von Klöstern aus
Geschäftsspekulation; S. 678, 681.
13. Jahrhundert.
[Ca. 1200:] Vermehrungskoeffizient der Bevölkerung 2, 9<>/o ; S. 163. [Ca. 1200:] Knapp-
heit ländlicher Arbeitskräfte; S. 1236. Günstige Lage der arbeitenden Klassen; S. 870,
1238 f. Erstmalige dichterische Verklärung des landwirtschaftlichen Berufes; S. 463. Zu-
nahme der Klasse freier Diener; S. 1157 f. [Ca. 1200:] endgültige Loslösung der Ministe-
rialität aus den grundherrschaftlichen Beziehungen; S. 1173. [Anfang des Jhs.:] Ausbildung
des Burglehens (Dienstlehens); S. 1312. [Drittes Jahrzehnt:] Zunahme unfreier Hausdiener;
S. 1227. [Ca. 1240:] stärkeres Auftreten von Klausen und Beginenhäusern ; S. 164. [Erste
Hälfte des Jhs.:] Verfall der Wachszinsigkeit ; S. 1221. [Zweite Hälfte:] die Veräufserung
hof höriger Leute nimmt zu; S. 1227. Teilweise Radizierung der Kurmede; S. 1185 f. Ver-
schwinden der altfreien Leute; S. 1152 f. Echtes Eigen in der Hand des Ackerbauers eine
Ausnahme; S, 627. Verfall des ministerialischen Standesrechtes; S. 1175 f. [Schlufs des
Jhs.:] Verschmelzung von Grundholden und Vogteileuten zur Klasse der armen Leute; S. 1140.
[Ca. 1200:] Durchgehende Bedeerhöhung; S. 1606. Entwicklung der Markvogtei zur
Markherrlichkeit; S. 1076, 1085, vgl. S. 996, 1008. [Ca. 1200:] Verfall des grundherrlichen
Transport- und Nachrichtendienstes; S. 810, 817, Beschränkung der Personalbestände der
geistlichen Körperschaften; S. 847. Beginn häufiger Pfarreiinkorporationen in den Besitz
kirchlicher Genossenschaften; S. 687. [Zweites Viertel des Jhs.:] Beginn der Ablässe;
S. 677. Anfang adliger Kriegs- und Raubzüge; S. 1065. [Erste Hälfte des Jhs.:] Schutz-
verbände der Grundherrschaften gegen die Immunitätsvögte; S. 1138. [Mitte des Jhs.:] Be-
ginn der Gesetzgebung gegen den Personalluxus der Geistlichen; S. 852. Einschrumpfen
der Meierei zur Zinsrezeptur; S. 873 f. Verpachtung von Meierhöfen; S. 774. [Mitte des
Jhs.:] Entwicklung der Halfenpacht; S. 962. [Mitte des Jhs.:] Entartung der Landsiedelleihe
zur Erbpacht; S. 960. Zahlreiche Veräufserungen von abgelegenen Fronhöfen; S. 874 f.
[Mitte des Jhs.:] Ausbildung der Rentengrundherrschaft; S. 886, 1255. [Zweite Hälfte des
Jhs.:] Bewegung auf Allodifikation grundherrlicher Lehen; S. 879. [Schlufs des Jhs.:] Ende
der königlichen wie der landesherrlichen Immunität; S. 1024. Letzte Spuren des Amtes des
karolingischen Iudex ; S. 730. Beginn landesherrlichen Verfügungsrechtes über die Allmenden ;
S. 1340. [Ca. 1200:] Zusammenlegung der alten Grundgerichte durch Kombination je eines
neuen Schöffenstuhls aus mehreren bisherigen; S. 1052 f. Existenz weitgehender Dismem-
bration der Hunnenämter; S. 211. Die Zendereigerichte kommen an die Landesherren;
S. 190. Übergang des Burgbaurechtes an die Landesherren: S. 1270 f. [Anfang des Jhs.:]
Abschlufs der ständischen Elemente; S. 1424 f. Anfang landesherrlicher Verwaltungsordres:
S. 1441 f. Aufkommen des Dienstlehens; S. 884 f., 1298 f., 1312 f., 1378. Verleihung von
Burghut in Dienstlehnsvertrag, Entstehung der Amtsburggrafen; S. 1368, 1373. Beginn der
Abgrenzung von Territorialunterbezirken nach landesherrlichen Burgen; S. 1368. [Mitte des
Jhs.:] Verfall der ministerialischen Bm-ggrafen- oder Amtleuteverwaltung in den königlichen
Fisci; S. 1366 f. Bildungsanfänge des landesherrlichen Rates nach Amtsrecht; S. 1428 f.
Bestand einer direkten Landessteuer; S. 1335. Subsidienbesteuerung des Klerus; S. 1283 f.,
97*
[Schlufs. — 1532 —
1336. [Zweite Hälfte des Jlis. :] die Juden treten in landesherrlichen Schutz, ihr Kredit wird
von den Landesherren in Anspruch genommen; S. 1455, 1469. Weiterbildung der älteren
vergleichenden und schiedsrichterlichen Thätigkeit des Landesherrn ; S. 1324 f. Einrichtimg
neuer patrimonialer Hochgerichte von den Landesherren selten gestattet; S. 1348. [1270 f.:]
Übergang des Burggrafentums zu Dienstlehen in das Amtsburggrafentum oder die Amtmann-
schaft; S. 1373 f. Weitere Verbreitung der Geschworenenkollegien als Vertretungskörper der
Markgemeinde; S. 319. [Zweite Hälfte des Jhs. :] Beginn der Bildung von Bezirksgerichten
aus Fronhofsdingen, wie überhaupt der Untergerichtsbezirke; S. 1201 f.
[Beginn des Jhs.:] Abschlufs des regeren Ausbaues an der Mosel; S. 959 Note 4.
[Ca. 1200:] Einfiihrung des Rührens in den Weinbergen; S. 576. [Ca. 1225:] Milderung
lokaler Teuerungen durch Aufschwung des Handels; S. 598. [Mitte des Jhs.:] Abschlufs der
im 9. Jh. begonnenen Verbreitung des Weizens; S. 547 f. [13. Jh. 2. H. bis 14. Jh. 1. H. :]
Steigerung der Bodenpreise um 26%; S. 602. [Zweite Hälfte des Jhs.:] Erweiterung der
Weinbergskulturen, Aufschwung des Weinhandels; S. 569. [Zweite Hälfte des Jhs.:] Nach-
blüte des Hofausbaues auf Allmendebifang ; S. 366, 701. [Ca. 1275:] Besömmerung der
Brache; S. 562. Erste ausgiebige Erwähnung der Butter; S. 535. Völliger Untergang der
Hufenverfassung; S. 369. Auftreten neuer Landgüterformen (Hof, Sassung, Vogtei, Erbe);
S. 375 f. Beginn der Gemeinheitsteilungen; S. 270. Aufhören der hölzernen Dachschindeln;
S. 509. Beginn rationellen Waldschutzes; S. 139. Verschiebung des WildbannbegriflFs zirni
Eigentum am Walde; S. 475.
[Anfang des Jhs.:] Beginn des Lehnsanweisungssystems ; S. 882 f. Aufkommen der
Laientestamente ; S. 639 f. [Ca. 1225 :] Beginn des Widerstands der Laien gegen Übertragung
von Grundbesitz an die tote Hand; S. 657. [Mitte des Jhs.:] Eintritt der Meistbegünstigung
gewisser Erben beim Adel; S. 643. Entstehung der Schaft-, Stock- und Vogteigüter ; S. 655.
[Anfang des Jhs.:] die Bürger, teilweis der hohe Adel, vor allem die Juden beginnen
Darlehnsgeschäfte zu machen; S. 1448, 1453. [Erstes Viertel des Jhs.:] Auffindung der
Lütticher Steinkohle; Bd. 2, 330. Aufschwung des Handels; S. 593; Bd. 2, 241. Die
Reichszölle werden zu Territorialzöllen; Bd. 2, 271, 273. Verfeinerung der alten Transport-
mitteltarifierung bei Zöllen; Bd. 2, 297. [Mitte des Jhs.:] erste wirtschaftliche Juden-
unruhen an der Mosel; S. 1456. [Zweites bis drittes Viertel des Jhs.:] Aufkommen der
Turnosen; Bd. 2, 435. [Mitte des Jhs.:] Verfall der Kölner Münze; Bd. 2, 400 f. Verfall
der Schatzpraxis; Bd. 2, 376 f. [Zweite Hälfte des Jhs.:] Verfall der Barrenwährung;
Bd. 2, 887. Beginn legierter Ausmünzung: Bd. 2, 393. Aufschwung des Weinhandels;
S. 569. Ül)ergang zur Gewichts-CWert-)tarifierung bei Zöllen; Bd. 2, 305.
14. Jahrhundert.
[Ca. 1300:] Aufkommen der spätmittelalterlichen Leibeigenschaft; S. 1228. Vielfache
Verquickung zwischen Gehöfern und Leibeigenen; S. 1231. Die Fronhöfe im wesentlichen
nur noch Substrate von Renten; S. 885 f. Rente oder Land in Rentenweise als Pfandobjekt
verwertet; S. 957, s. 993 Note 2.
[Anfang des Jhs.:] das territorial geschlossene Substrat der Markvogtei verloren;
S. 1086. Endgültiger Untergang des Hunnenamtes; S. 210. Aufgeben des Reichsbesitzes
innerhalb der neuen territorialen Machtsphären ; S. 1256 f. [Erstes Viertel des Jhs.:] Be-
ginn einer territorialen Zollpolitik und allgemeiner Landfriedensbestrebungen; Bd. 2, 277.
Entwicklung der Appellation an den Landesherrn; S. 1326. [Zweites Viertel des Jhs.:]
das Territorium erscheint als einheitlicher Rechtskörper; S. 1353. [Mitte des Jhs.:] Ab-
schlufs teiTitorialer Münz-, Zoll-, Geleits-, Strafsen- und Schiffahrts vertrage; S. 1353.
Entstehung des territorialen Münzregals; Bd. 2, 355. Eintritt gröfserer Landessicherheit
(Verwirklichung des mittelalterlichen Staatsgedankens); S. 1355. Reichere Entwicklung der
territorialen Magazinierung gegen Hungersnöte; S. 596, 1355. [1354:] Überweisung aller
— 1533 — Anhang.]
Reichshoheit über die freien Reichsgerichte an den Trierer Landesherrn, doch halten sich
noch lange freie Heimgerede; S. 190. [Zweite Hälfte des Jhs.:] Sieg des landesherrlichen
Verfiigungsrechtes über die Allmenden; S. 1340. Ausbildung landesherrlicher Gerichts-
barkeit für Streitigkeiten zwischen Ständen, Gemeinden und Hofgenossenschaften des Terri-
toriums; S. 1350 f.
[Anfang des Jhs.:] sicherer Bestand ständischer Besteuerung; S. 1336. Unifikation
der naturalwirtschaftlichen Einnahmen im Territorium; S. 1333. [Zweite Hälfte des Jhs.:]
Verfall der Subsidienbesteuerung des Klerus; S. 1336.
[Ca. 1325 >] völliger Sieg des Amtsbegriffs über den Dienstlehnsbegriff in der Terri-
torialverwaltung; S. 1378. [1330 ff.:] Konsolidation des territorialen Amtswesens; S. 1380 f.
Zusammenfassung der alten Hochgerichtssplissen zu Amtshochgerichten; S. 191 f. Über-
lassung schiedsrichterlicher Praxis an den Amtmann; S. 1330. [Erste Hälfte des Jhs.] :
Abschlufs des Landesrates nach Amtsrecht; S. 1429. Entstehung des Hofmeisteramts;
S. 1435. Entstehung des Geheimsekretariates; S. 1433. Jüdische Finanzminister; S. 1472.
[Mitte des Jhs.:] Auftreten von Kriegshauptleuten neben dem Marschall; S. 1440. Das Ver-
w'altungsschreibwerk wird beweglicher; S. 842.
[Ca. 1300:] Einführung des Heftens und Laubens in der Weinkultur; S. 576. Verfall
der Bierbrauerei im Moselland; S. 586. Volle Ausbildung des Morgens als Belastungs-
einheit; S. 372. Zunahme der Zehntfixierungen; S. 616. Verwischung des Charakters der
Beunde; S. 413, 759. Ausgedehntere Verkoppelungen ; S. 382. Höhepunkt der Landes-
produktenpreise; S. 622. Steigerung des Bodenpreises um 46^/o; S. 602. [Mitte des Jhs.:]
Existenz des Mergeins; S. 560. Beginn massenhafterer Allmendestreitigkeiten; S. 270.
Spätestens detaillierte Regelung der Weidenutzungen, besonders der Schafweideberechtigung;
S. 527, 538. Steinbauten auf dem platten Lande noch Ausnahmen; S. 544. Hier und da
schon Waldmangel; S. 517.
[Ca. 1300:] Aufkommen der Zollerhebung in Tiu-nosen; Bd. 2, 287. Verbreitung der
Juden auf alle Städte, Anhäufung in den gi'öfseren Orten; S. 1449, 1455. Ende des geist-
lichen Leihbankbetriebes; S. 1449. Eintritt völliger Schenkungsfreiheit an die Kirche von
Todeswegen, wie der Schenkungsfreiheit unter Lebenden; S. 639. Sinken des Rentenzinsfufses
(bei Rentenkauf) von 9 auf 8 bis 7^/o; Bd. 2, 610. Erstarkung des Rheinhandels, Beginn
eines Frühjahrsmaximums neben dem alten Herbstmaximum im Schiffsverkehr,'; Bd. 2, 271.
[Zweites Viertel des Jhs.:] Einführung der Goldmünzen in den Verkehr; Bd. 2, 390, 445 f.
[Mitte des Jhs.:] Übergang zur Zollfudertarifierung; Bd. 2, 306. Strafsenbesserung; Bd. 2,
242. Marktschiffsverkehr auf dem Rhein; Bd. 2, 254. [1386:] Begründung des rheinischen
Münzvereins, Bd. 2, 391, 460 f. Verschiebung 'des Wertverhältnisses zwischen Gold und
Silber von 1 : 12 auf 1 : 10; Bd. 2, 376, 606. Vorübergehender 'neuer Aufschwung der
Juden; S. 1458. [Ende des Jhs.:] der Charakter der Handelsbewegung auf dem Rhein noch
wesentlich landwirtschaftlich; Bd. 2, 324.
15. J.ahrhundert.
[Ca. 1400:] Bestand einer Landessicherheitspolizei; Bd. 2, 293. Erste Anfänge einer
büreaukratischen Ausbildung des Beamtentums; S. 1386 f. [Mitte des Jhs.:] erneute Zu-
nahme des Schreibwesens (Akten); S. 1388 Note 5, 1442. [1458:] Schaffung des Trierer
Hofgerichts; S. 1274, 1326, 1439. [Schlufs des Jhs.:] Umbildung der geistlichen Räte in
rechtsgelehrte Räte; S. 1432. Entstehung eines umfassenden landesherrlichen Verordnungs-
rechtes; S. 1.338, 1354, 1380. Anfänge territorialer Markordnungen; S. 1341. Einordnung
der autonomen Gemeindeverwaltung in die Landesverwaltung; S. 1339. Die alten Grund-
gerichte werden unter Übergang der ordentlichen Rechtssprechung an den Amtmann auf
Markdinge reduziert; S. 1331 f. Zunahme der/* direkten Besteuerung; S. 1334 f., 1471. An-
fänge einer inneren territorialen Wirtschaftspolitik; S. 1335.
[Schlufs. — 1534 —
[Erste Hälfte des Jhs.:] Einführung des Räumens in der Weinkultur; S. 576. Starkes
Sinken der Landesproduktenpreise ; S. 622 f. Verfall der Zehntrentabilität; S. 620. [Mitte
des Jhs.:] Existenz von fünf Pfiugarbeiten; S. 558. Vermehrte Fürsorge für den Wald;
S. 468. [Ende des Jhs.:] Einforstung zu Wildbahnen; S. 113. Usurpation von Jagdfronden ;
S. 785. Eintritt ländlicher Verschuldung; S. 624.
[Ca. 1400:] Erwachen der Montanindustrie; S. 516; Bd. 2, 332 f. Die Saarbrückener
Steinkohle schon bekannt; Bd. 2, 230. Sinken des Rentenzinsfufses (bei Rentenkauf) von
8 bis 7^0 auf 5^io, so regelmäfsig seit 1460; Bd. 2, 610. [Schlufs des Jhs.:] Territoriales
Ausfuhrverbot für Getreide und Edelmetalle; S. 1354.
X.
Anhänge. Register.
1. Chronik der elementaren Ereignisse.
Vgl. dazu oben S. 590 ff.
Im folgenden sind diejenigen Quellenstellen in Form einer Chronik vom
J. 700 — 1700, aber unter besonderer Berücksichtigung des Mittelalters, zu-
sammengestellt, welche für den Einflufs elementarer Ereignisse auf das Wirt-
schaftsleben an der Mosel von Bedeutung scheinen. Für die älteste Zeit ist
der Umkreis, aus welchem Quellen benutzt worden sind, weiter genommen;
später, bei gröfserer Fülle der Nachrichten, konnte er enger gezogen werden.
Mafsgebend für die Auswahl und Aufnahme nicht direkt einheimisch erscheinen-
der Quellenstellen wurden von nun ab besondere Beziehungen zur Mosel, etwa
auf Grund von Moselbesitz, wie bei Brauweiler, oder infolge von Handelsverbin-
dungen zum Moselland, wie bei Köln, oder infolge relativer Gleichartigkeit des
Klimas und der Kulturverhältnisse, wie z. B. bei der Lütticher Gegend.
Die Zusammenstellung im ganzen hat nur das Moselland im Auge, sie
beansprucht nicht, auch nur für Nordwestdeutschland eine annähernd voll-
ständige Übersicht der Überlieferung zu gelien. Zu bedauern bleibt es, dafs
bisher eine gröfsere kritische Arbeit auf diesem bedeutsamen Gebiete fehlt.
Sie wäre fiTilich nicht leicht; sie erfordert ausgedehnte chronologische Unter-
suchungen, namentlich bei den nicht sicher datierenden Chroniken; eine wei-
tere Voraussetzung besonders für die früheren Zeiten ist die genaueste Kenntnis
der Ableitungsverhältnisse der Quellen.
Diese Schwierigkeiten lassen sich nur bei wörtlicher Wiedergabe der
Überlieferung in einer einheitlichen Zusammenstellung übersehen, wie denn
auch nur in diesem Falle das Besondere der einzelnen Ereignisse in der Dar-
stellung der Quellen klar hervortritt: eine allgemeine Chronik der Elementar-
ereignisse in diesem Sinne ist eins der dringenderen Bedürfnisse der Wirtschafts-
geschichte. Die bisherigen Zusammenstellungen leiden an dem Mangel, dafs sie
die Quellen nicht selbst zu Worte kommen lassen ; sie bieten infolge dessen nur
ein verwaschenes, für weitere Untersuchungen unbrauchbares Material.
[Anhänge.
1538
Für unseren Zweck kommen da im besonderen folgende Arbeiten in
Betracht :
Schultz, Das höfische Leben der Minnesinger, Bd. 1, S. 102 — 107;
Witterungsnachrichten von 1100 — 1315.
Goerz, Mittelrheinische Regesten zu den betr. Jahren.
Grofsmann, Weincrescenzenchronik, in der Trier. Chronik 1822.
Neumann, Über Weincrescenzen , in den Rheinischen Provinzialblättern
Bd. 2 (1833).
Ladner, Über gute und schlechte Weinjahre; Trierer Jahresberichte 1856,
S. 57— 60; Nachtrag 1857, S. 72.
Lentz, Urkundliche Geschichte der Pfarrei Rachtig; giebt im Anhang S. 83 f.
eine zweihundertjährige Übersicht der Crescenzen (17. Jh. Mitte bis
19. Jh. Mitte) nach dem Frühmessereibuche in Zeltingen.
Arnoldi, Handschriftliche Notizen über Winninger Crescenzen, mit Ladner
compiliert bei:
Beck, Der Weinbau an Mosel und Saar, S. 41 — 55.
Trierer Wochenblatt vom J. 1819: Crescenzen von 1500 ab.
Crescenzen-Chronik an der Mosel von 1638 — 1859, publiciert von E. Kneisel,
(Bernkastei), von neuem abgedr. Ann. des bist. Vereins f. d. Niederrh.
16, 111—114.
Baersch, Statistik von Trier, S. 16 — 18; Weincrescenzen von 1700—1846.
709 Ann. Lauresliam. MGSS, 1, 22. [Ann.
MoseJl MGSS. 16, 494] \ Verniis durus
et deficiens fmctus.
711 Ann. Lauresham. MGSS. 1, 7, 24. [Ann.
Mosel!. MGSS. 16, 494] . Aquae inunda-
verunt valde.
722 Ann. Lauresham. MGSS. 1, 24; [Ann.
Mosell. MGSS. 16, 494]. Magna ferti-
litas.
763—64 Ann. Lauresham. MGSS. 1, 28;
[Ann. Mosell MGSS. 16, 764]. Hibernus
grandis et durus 2.
779 Ann. Lauresham. MGSS. 1, 31; [Ann.
Mosell 3IGSS. 16, 497]. Farnes vero
magna et mortalitas in Francia.
783 Ann. Lauresham. MGSS. 1, 32; [Ann.
Mosell MGSS. 16, 497]. Et fuit estus
tarn vehementer calidus, ita ut plurimi
homines de ipso calore expirarent^.
784 Ann. Lauresham. MGSS. 1, 32; [Ann.
Mosell MGSS. 1 6, 497]. Inundatio aquarum
[perjvalida fuit.
786 Ann. Lau/resham. MGSS. 1, 33. Wunder
mense decembre: unde pavor ingens et
metus in populo irruit, ac mortalitas magna
postea secuta est.
793 Ann. Mosell MGSS. 16, 498. Farnes
vero, quae anno priori caepit, in tantum
excrevit, ut non solum alias immunditias,
verum etiam, peccatis nostris exigentibus,
ut homines homines, fratres fratres ac
matres filios comedere coegit. ostensa
autem eodem anno in ipso regno per
diversa loca vemo tempore falsa annona
per campos et silvas atque paludes in-
numera multitudo, quam videre et tangere
poterant, sed commedere nullus.
794 Ann. Mosell MGSS. 16, 498. Fuit eo
1) Die eingeklammerten Citate deuten auf Entnähme aus Ann. Lauresham.
2) S. hierzu Oeslner, K. Pippin, S. 383 Note 2.
S) Vgl. Abel, Karl d. Gro/se, Bd. 1, S. 376.
— 1539 —
Elementare Ereignisse.]
anno siccitas magna, sed tamen largiente
deo et abundantia bona.
803 Einh. Ann. MGSS. 7, 191. Hac hieme
circa ipsum i)alatium f Aachen j et finitimas
regiones terrae motus factus et mortalitas
subsequuta est.
810 Ann. Lnuriss. mm. 3IGSS. 1, 121.
Mortalitas bovum maxima pene in tota
Europa, necnon et hominiim plurimorum.
811 Ann. Lauriss. min. 3fGSS. 7, 121.
Hiemps fuit durissima, perdurans usque
ad finem martii mensis. Auch Einh. Ann.
MGSS. 1, 198, 27 sprechen von der im-
manitas frigoris.
820 Ann. Fukl. MGSS. 7, 357. Propter
nimietatem pluviarum aere corrupto homi-
niim et boum pestilentia longe lateque ita
grassata est, ut vix ulla pars regni Fran-
corum ab hac peste inmimis posset reperiri.
finiges quoque vel colligi non poterant, vel
collectae piitriierunt. vinum etiam propter
caloris inopiam acerbum et insuave fiebat^.
821 Einh. Ann. MGSS. 1, 208, 36. Autum-
nalis satio iugitate pluviarum in quibusdam
locis impedita est, cui hiems in tantiun
prolixa successit et aspera, ut non solum
minores rivi ac mediocres fluvii, verum
ipsi maximi et famosissimi amnes, Rhenus
videlicet et Danubius Albisque ac Sequana,
caeteraque per Galliam atque Germaniam
oceanum petentia flumina adeo solida
glacie stringerentur, ut tricenis vel amplius
diebus plaustra huc atque illuc commeantia
velut pontibus iuncta sustinerent, cuius
resolutio non modicum villis iuxta Rheni
fluenta constitutis damnum intulit^.
823 Einh. Ann. MGSS. 1,211, 35. In multis
regionibus fruges grandinis vastatione
deletae, atque in quibusdam locis simul
cum ipsa grandine veri lapides atque in-
gentis ponderis decidere visi; domus
quoque de coelo tactae, homines atque
caetera animalia passim fulminum ictu
praeter solitum crebro exanimata dicuntur.
secuta est magna pestilentia atque homi-
num mortalitas, quae per totam Franciam
inmaniter usquequaque grassata est et in-
numeram hominum multitudinem diversi
sexus et aetatis gravissime saeviendo con-
sumpsit.
850 Ann. Fuld. MGSS. /, 36(1 Gravissima
fames Germaniae populos oppressit, maxime
circa Renum habitantes ; nam unus mo. de
frumento Mogontiaci vendebatur decem
siclis [l. solidis] argenti^. Folgen einzelne
charakteristische Geschichten. Ann. Xan-
tens. MGSS. 2, 229. Inundatio aquarum
ipsa hieme humanum genus affligebat; et
sequenti aestate calor nimium solis terram
urebat.
852 Ann. Xant. MGSS. 1, 229. Nimius
ardor solis, et fames subsequuta est; et
pabula animalium defecerunt; et pastus
porcorum exuberans.
857 Ann. Xant. MGSS. 2, 230. Plaga magna
vesicarum turgentiuin grassatur in populo,
et detestabili eos putredine consumpsit,
ita ut membra dissoluta ante mortem deci-
derent. Vgl. Prudent. Ann. MGSS. 1,
449. Hiems asperrima et sicca; pestilentia,
(|ua magna pars hominum absumitur.
860-861 Ann. Xant. MGSS. 2, 230. Hiemps
longissima. Vgl. Prudent. Ann. MGSS.
7, 454. Hiems diutina et continuis nivibus
ac gelu dira, a mense videlicet novembri
usque ad aprilem. S. auch Ann. Weifsen-
hurg. Hiemps magna et mortalitas ani-
malium ^.
861—2 Ann. Xant. z. J. 863 MGSS. 2, 230.
Hiemps turbulenta mutabilis et pluvialis
valde, et pene absque gelu omnino. Da-
her folgt nimia inundatio aquarum.
862 Ann. Laubac. MGSS. 1, 15. Fames
valida.
868 Ann. Fuld. MGSS. 1, 380^. Fontes . .
et flumina propter nimiam imbrium inun-
dationem crescendo intumuerunt et per
diversa loca in frugibus et aedificiis dam-
pnum fecere non modicum. hanc plagam
fames etiam magna cum ingenti pernicie
1) Vgl. Simon, Ludtiig d. Fr., Bd. 1, 302 Note 2.
2) Vgl. auch Ann. Xant. MGSS. 2, 224 und 236.
3) Nach G/roerer, Karol. 1, 156, das zwanzigfache des gewöhnlichin Preises. Vgl. auch Soetheer , Forschungen
zur D. Gesch. 6, 84 f.
i) Tgl. Biimmler, Ost/r. Reich, Bd. 1, 438 Note 38.
°) Vgl. zu diesem und dem folgenden Jahre Biimmler, Ostfr. Reich, Bd. 1, 671 Note 29.
[Anhänge.
1540
hiimani generis per totam Germaniam et
Galliam secuta est. Ann. Xant. MGSS.
2, 233. Autumnali tempore exiit edictum
a regibus, ut ieiunium triduanum generaliter
observetur, imminente terrore famis pesti-
lentiae ; et terrae motus magnus i)er regna.
869 Ann. Xant. MGSS. 2, 233. 15 kal.
martii [Februar 15] statim nimia tempestas
ventorum et inmensa inimdatio aquarum
est siibsecuta, in qua multa improvidi
interierunt. et postea aestivo tempore fames
acerrima in multis provinciis subsequitur,
maxime in Burgundia et Gallia, in quibus
magna multitudo hominum acerbam susti-
nuit mortem, ita ut homines hominum
Corpora comedisse feruntur; sed et canum
carnibus aliqui vesci dicuntur.
873 Ann. Xant. MGSS. 2, 235. Eodem
hiemis tempore insperatum diluvium nive
madens repente inolevit, maxime in litoribus
Rheni fluminis, ex influentia aquarum
multarum. multitudo hominum cum aedi-
ficiis et fi-ugibus innumerabilibus deperiit
. . . postea vero mediante mense augusto
antiqua Egiptiorum plaga, id est locustarum
innumerabilis turma more apium de alveo
exeuntium ab Oriente nova exorta est per
terras nostras; quae in aere volitantes
Yocem subtilem velut aviculi parvi dantes.
et dum elevarentur, coelum vix vehit per
cribram intueri potuit. in plerisque vero
locis pastores eccelesiarum et omnis clerus
cum kapsis et crucibus occurrerunt eis,
misericordiam dei implorantes, ut defen-
deret eos ab hac plaga. non tamen ubique,
sed per loca nocuerunt. item in kalendis
novembris usque ad sexagesimam [874
Februar 14] nix totam supei-ficiem terrae
cooperuit, et diversis plagis dominus
assidue populum suum afflixit et visitavit.
A7in. Stabulens., Beiffenberg, Monuments
7, 202. Pestilentia locustarum. Beghio
MGSS. 1, 585. Locustarum inaestimabilis
multitudo mense augusto ab Oriente veniens
totam pene pervastavit Galliam. Folgt
genauere Beschreibung der Tiere und ihrer
Lebens2veise. Spatium diiu-ni itineris qua-
tuor aut quinque milibus extendebantur.
pervenenmt autem usque ad mare Britan-
nicum superficiem terre cooperientes. Ann.
Fuld. MGSS. 1, 386, 27. Facta est
fames valida per universam Italiam atque
Germaniam, et multi inedia consumpti
sunt, tempore vero novarum frugum novi
generis plaga et prima in gente Francorum
visa Germanicum populum, peccatis exi-
gentibus, non mediocriter afflixit. nam
vermes quasi locustae quatuor pennis
volantes et sex pedes habentes ab Oriente
venerunt, et universam superficiem terrae
instar nivis operuerunt, cuncta, quae in agris
et pratis erant viridia, devastantes. Folgt
genauere Beschreibung. Tantaeque erant
multitudinis, ut una hora diei centum iugera
frugum prope urbem Mogontiam consu-
merent. quando autem volabant, ita totum
aerem per unius miliarii spatium velabant,
ut splendor solis in terra positis vix
appareret . . . quibusdam vero ad occidentem
profectis supervenerunt aliae et per duomm
mensium curricula pene cotidie suo volatu
horribile cernentibuspraebuere spectaculum.
864 Ann. Fuld. MGSS.l, 387 K Hiems aspera
nimis et solito prolixior; nix quoque in-
mensa a kalendis novembris usque in
aequinoctium vernale sine intermissione
occidens magnum hominibus fecit impedi-
mentum Silvas petere lignaque colligere.
unde accidit, ut non solmn animalia, verum
etiam homines plurimi rigore perirent. sed
et Rhenus et Moenus glaciali rigore con-
stricti longo tempore se sub vestigiis in-
cedentium calcabiles praebuerimt. Ann.
Colon. MGSS. 1, 98, z. J. 875. Nix valida.
Hincm. Ann. Bern. MGSS. 1, 497. Hiems
prolixa et fortis, et nix fuit tanta niemietate
perfusa, quantam nemo se vidisse memi-
nerit .... aestas longa siccitatem foeni
et messium inopiam reddidit.
889 if. Bicher 1, 5. Dem Einfall der Nor-
mannen fames valida subsecuta est, cum
triennio terra inculta remanserit. Nach
Ann. Fuld. 889 ^/le mo. frumenti 10 dragmis
veniebat, gallinatius quoque 4 dragmis,
Ovis vero 3 unciis atque vacca 1 abo
[deunce] tollebatur. vini nuUa coemptio
erat, cum vinetis ubique succisis vix eius
aliquid habebatur. Der König ivill nicht
^) S. Amt. Xant. tinter 873.
— 1541 —
Elementare Ereignisse.]
eher ruhen, als bis das crstere Mafs 2 dr.,
der Gcdlinatms 1 d., das Schaf 2 dr.,
die Kuh 3 unciae Ivstet.
893 ^Vi?. ÜB. 1 JN^o. ]27; Stat synod. 888
c. 2, Blattau 7, 3. Peccatis exigentibus
claiulitur coeliim et fit nostris cliebus
saepissime fames. Zur Dcdierung vgl.
Goerz, MB. Reg. z. d. D.
919 Flod. MGSS. 5, 368. Nihil vini in pago
Remense nisi parum admoclum fliit.
921 Fhd. MGSS. 3, 369, 36. Aestus in
aestate magnus, et foeni plurimum. siccitas
ingens tribus fere continua mensibus iulio
augusto atque septembri.
927 Fhd. MGSS. 3, 377, 10. Pestis . .
quasi febris et tussis, quae mixta quoque
mortalitate in cunctas Germaniae Galliaeque
gentes irrepsit.
928 Flod. MGSS. 3, 378, 25. Vindemiae
pene peraguntur infra mensem augustum.
939 Ann, Colon, hrev. 3IGSS. 16, 730.
Terrae niotus. Ann. Colon. MGSS. 1 , 98.
Hiemps valida et mortalitas animalium.
940 Ann. Laub, et Leod. MGSS. 4, 16.
Cometes apparuit et fames subsecuta^
956 Flod. MGSS. 3, 403. Moxque pesti-
lentia super Germaniam omnemque Galliam
effusa interiere nonnulli, plures gravi sunt
langore confecti. Cont. Reginon. MGSS. 1,
623. Ea tempestate gravis per omnes regni
partes pestilentia grassabatur, quae in-
numeram populi multitudinem possim
extinxit-.
96*4 Flod. MGSS. 3, 406. Hiemps magna
et aspera valde fuit usque kal. febr.
975 Ann. Colon. MGSS. 16, 731. Gelu
magnum a kalendis novembris usque ad
equinoctium vernale. Vgl. Ann. Leod.
MGSS. 4, 17; Thietm. 3, 3 (974).
976 Flod. app. MGSS. 3, 408. Circa mensem
augustum 7 d. emebatur vini mo.
977 Flod. app. MGSS. 3, 408, 13. Magna
fuit copia vini, in tantum, ut non amplius
pro uno vini mo. venditores nisi aut quin-
que aut quatuor seu tres d. ab emptoribus
accipiebant.
987 Ann. Colon. MGSS. 1 , 99. Rheni ac
Mosellae fiuminum inundatio insolita^.
988 Ann. Colon. MGSS. 1, 99. Tanta in-
temperies estatis fuit, uti ex aeris inclementia
complures interirent^.
991 Lamb. Ann. Ignis de Reno ascendit et
villas proximas absumpsit.
1003 Ann. Mosomag. MGSS. 3, 161. Carum
tempus; mo. frumenti 8 Ib. emebatur.
1005 Ann. Colon. MGSS. 1, 99. Fames valida.
V. Herib. Col. 9, MGSS. 4, 748. Gallia . .
artabatur famis angustia, et per turmas
dispergebantur, quocumque audiebatur sua
foecundior patria, praecipue ad paternum
Heriberti gremium . . . super hoc in omni
terra celebre nomen eins innotuit. Alp.
de div. temp. 1, 6. Fames et mortalitas
gravissima per totum orbem factae sunt,
ita ut in multis locis prae multitudine
mortuorum et taedio sepelientium vivi adhuc
spiritum trahentes, vi qua poterant reni-
tentes, cum mortuis obruerentur. Vgl:
1006 Sigeb. Ann. MGSS. 16, 731. Fames et
mortalitas tam graviter per totum orbem
invaluit, ut tedio sepeliendi vivi obruerentur
cum mortuis. Vgl. Ann. Laub, et Leod.
MGSS. 4, 18.
1012 Thietmar 6, 50; MGSS. 3, 830, 31.
Inundante Danubio in Bawariis et stagnante
Reno ita ineffabilis populi ac pecoris, edi-
ficiorum quoque et silvarum tali inpetu eru-
tarum multidudo periit, quod omnes harum
habitatores partium sua vel antecessorum
memoria id numquam accidisse firmabant,
hoc gementes ex variis criminibus suis
tunc evenisse, et post haec magnum ali-
quid timentes sibi esse venturum.
Um 1035 Mir. s. Simeon. MGSS. 8, 210.
Nimia aquarum inundatio.
1040 G. Trev. Cont. 1, 6; MGSS 8, 180.
Teuerung: 1 mo. frumenti 25 s.-^.
1042 Anselm. G. ep. Leod. MGSS. 7, 221, 6.
') Vgl. Widtd: 2, 2S {940): Asperrima hiemps, hiemem(iue subsecuta est fames validissima, utid ebd. 2, 32
{942 u. 948): Inundatio nimia, inundationenique 'boiira pestilentia subsecuta est.
2) V. a. starb auch am IS. Mai Erzbischof Rotbert von Trier, s. Dümmler, Otto d. Gr. S. 281 Note 6.
3) Vgl. Steininger, Gesch. der Trevirer 2, 158 Note 2.
*) Vgl. Ann. Ottenbur. 988': Tempestas nimis fervida; Ann. Hildish. et Quedhnb. 988: Tempestatis fervor
nimius . . pene cunctos fructus consumpsit.
5) Zum Vorhergehenden und Folgenden vgl. Rod. Glaber IV, 4; V, 1. Ann. Lanb. 1042 f., MGSS. 4, 19.
[Anhänge.
— 1542
Omni peste cmdelior fames incubuit, quae
sex fere continiiis annis Galliae et Ger-
maniae populum noscitui" oppressisse, cuius
feda ubivis fas est adhuc ^ cemere vestigia.
Folgt Beschreibung der Mafsregeln Bischof
Wazos.
1043 Ann. LauUens. MGSS. 4, ü9. Fames ex-
orta et gelu magnum a calendis decembris
iisque calendas martii. Herim. Äug. z. J.
1043. Aestas pluviosa frugum et vinde-
miamm penuriam effecit.
1044 Herim. Aug. 3IGSS. 5, 67 ff. Maxima
pestis pecudum et hiems satis dura et
nivosa magnam vinearum partem frigore
perdidit et frugum sterilitas famem non
modicam effecit 2. Bernold. Chron. MGSS.
5, 425. Magna vis famis homines immunda
animalia comedere coegit. Ann. Lauhiens.
3IGSS. 4, 19. Fames prevalida.
1045 Ann. Altah. MGSS. 20, 801, 22. (Fames
populi) tarn valida erat per totum regnum
eiusdem anni temporibus, ut grandes vici
plerique vacui remanerent, pereuntibus
habitatoribus ^.
1046 Herim. Aug. MGSS. 5, 125, 36. Magna
mortalitas multos passim extinxit.
1047 Ann. Colon. MGSS. 16, 732. Nix tanta
in occidente cecidit, ut Silvas frangeret.
Ebenso Mar. Scot. z. d. J.
1050 Ann. Brumvilar. MGSS. 1,100. Yentus
gravissimus 5 kalendis iehrMduciif Januar 28].
1053 Herim. Aug. MGSS. 5, 133, 3. Et hoc et
superiore anno frugum penuria facta est
non modica.
1060 LambeH MGSS. 5, 161. . . pestilentiam,
quae tunc temporis vehementer grassabatur
in Gallia [d. h. Westdeutschland]. Vgl.
Beiihold z. J. 1060. Sicut in priori [anno]
mortaUtas multos extinxit.
1068 Ann. Laub. MGSS. 4 , 20. Aquae
inundaverunt, magna et inaudita sterilitas
vini et pomi facta est. Vgl. BeHhold z.
J. 1068. Totus ille annus pluvialis.
\%^ Ann. Laub. MGSS. 4, 20. Hiems
magna et aspera*.
1076 Ann. Brumvilar. MGSS. 1,100. Hiems
continua et aspeiTima fuit, adeo ut Renus
glacie concretus calcabilis meantibus exti-
terit^.
1077 Ann. Colon. MGSS. 16, 732. Facta est
hiemps horrida a festo sancti Brictii usque
ad festum sancti Gregorii. f November 13
bis 1078 März 12]^. Ann. Laub. MGSS.
4 , 21. Gelu permaximum a calendis
novembris usque medium martii. Ann.
Mosom. MGSS. 3, 161. Annus glacialis.
1086 Sigeb. Gembl. 3IGSS. 6, 365. Nimia
aquarum inundatio multis in locis damno
et periculo fuit.
1087 Ann. Brumcilar. MGSS. 16, 725.
Hiemps tenebrosa fuit, et circa medium
ianuarii maxima omnium Germaniae flumi-
num inundatio fuit.
1089 Ann. Mosom. MGSS. 3, 162. Annus
pluvialis. Ann. s. lacob. Leod. MGSS. 16,
639. Pestilentia terribilis et multiplex
ardentium '^.
1090 Ann. Leod. MGSS. 4, 29. Annus
pestilens, multis hominibus sacro igne
computrescentibus. Ann. Laub. MGSS.
4, 21. Orta est pestis in hominibus, quae
arsura dicitur, qua etiam multi perierunt.
Sigeb. Gembl. MGSS. 6, 366. Sterilitas
frugum terrae augescit, et fames paulatim
irre^iit. Vergl. dagegen Bern. Chron.
Magna fames multas regiones repente
afflixit, quamvis non magna sterilitas terrae
praecesserit.
1) Um IO02—IOÖ6.
2) Ygl. Ann. Corb. JIGSS. 3, 6: Vindemia hoc anno periit, sed et mel similiter carum fuit.
3) Vgl. Steindorff, Heinrich III. Bd. 1, 196—198.
<) Vgl. Lambert z. J. 1069, MGSS. 5, 176, 18: Maxima . . vinearum omniumque silvestrium artorum
sterilitas; u. tceiter S. 179, 22, z. J. 1070: silvestrium arborum eadem . . sterilitas permansit. sed vinearum tanta
fertilitas fuit, ut plerisque in locis prae multitudine vix coUigi vindemia possit.
5) Vgl. Ann. Elnon. mai. 1076: Hiems gravissima ineipiens id. novembris et durans usque ad martium. quam
secuta est anno secundo siccitas maxima. Lambert, MGSS. 5, 255, 18: der Winter 1076/77 so kalt, ut a festivitate
sancti Martini [November 11] Rhenus fluvius, glaciali frigore constrictus, pene usque ad kalendas aprilis pedestri
itinere transmeabilis maueret, et plerisque in locis vineta, exsiccatis frigore radicibus. omnino arescerent. Aiich der
Po nur zugefroren, .s. Berthold, 3IGSS. 5, 287, 11.
6) Vgl. Ann. Bland. 1077: Hiemps gravis.
') Vgl. Ann. Formosel. 1089: Pestilentia ignearia ingrassata est, hier ähnlich iviederholt z. J. 1109; s. hierzu
Ann. Bland, z. J. 1109: Incendii plaga in Christianos iterum suscitatur.
— 1543
Elementare Ereignisse.]
1094 Ann. Brumcilar. MGSS. ], 100. ]\Ior-
talitas magna facta est. Bernold, MGSS.
5, 459, 5. In Baioaria magna mortalitas
grassabatur, adeo ut in Ratisponensi civitate
infra 12 septimanas 8500 illa mortalitate
intercepti numerarcntur. sed et alias pro-
vincias eadem mortalitas afflixit, non tamen
adeo, ut Baioariam^. in Teutonicis par-
tibus multa prodigia facta sunt; nam et
homines se ipsos suspenderunt, et lupi
multos manducaverunt. Ann. August.
MGSS. 3, 134. Mortalitas convaluit in-
moderata, adeo ut villae plures existerent
sine cultoribus et ecclesiae sine sacer-
dotibus, pestilentia consumpti. Ann. Laub.
MGSS. 4, 21 . Magna mortalitas hominum
fuit, et Visus est igneus draco volare per
aerem. Ann. Bland. MGSS. 5, 27.
Inundatio magna a pridie id. octobris
usque ad kal. aprilis.
1095 Ann. Leod. MGSS. 4, 29. Fames diu
concepta invalescit. Ami. Bland. MGSS.
5, 27. Sequitur sterilitas anni cum gravi
fame^. Sigeh. Gemhl. MGSS. 6, 367, 4.
Annus calamitosus multis fame laboran-
tibus et pauperibus per furta et incendia
ditiores graviter vexantibus. cum valido
ventorum turbine etiam terrae motus factus
est, media nocte 4 idus septembris [Sep-
tember 10].
1097 Sigeb. Gemhl. MGSS. 6, 367, 95. Nimia
aquarum inundatione autumalis satio im-
peditur et sterilitas frugum terrae sequitur^.
1098 Sigeb. Gembl. 3IGSS. 6', 307-8. Multis
in locis 5 kalendis octobris [September 27]
caelum quasi ardere visum est nocturno
tempore , et secuta est gravis animalium
pestilentia, et segetes nimio imbre et
aurugine con-eptae sunt.
1100 Ann. Argent. MGSS. 17, 88. Fames
incomparabilis et mortalitas horribilis. Vgl.
Ann. S. Blasii, MGSS. 17, 277. Fuit
vero fames valida per tres continuos annos
cepta ab . . anno (1098), sed in medio
maxima, quia erat hiemps durissima, et
semina et arbores defecerunt.
1101 Ann. Ottenbur. Adhuc fames circa
Kenum saevit.
1105 (1106) Ann. Brumcilar. MGSS. 16, 726.
Ubique rapinae et incendia vel cedes
hominum fuerunt.
1107 Ann. Bod. Ernst Hist. de Limbourg
7, 8. Annona erat cara, et plebs est fame
nimis afflicta, quia fructum suum negarat
teira.
1112 Ann. Brumcilar. MGSS. 1, 101. 3
nonas ianuarii [Januar 3] accidit terrae
motus per Universum orbem. Ann. Laub.
MGSS. 4, 22. Aestas nimis arida.
1116 Chron reg. M. Ausg. Magna aeris in-
aequalitas facta est.
1117 Ann. Disib. MGSS. 17, 22, 35. In
octava sancti lohannis ewangelistae
[Januar 3] terrae motus bis inter diem
et noctem tarn terribilis per totum orbem
terrarum factus est, ut multa aedificia
corruerent et homines vix eifugerent; sed
maxime in Italia usiü. Ann. Colon. MGSS.
16, 732. Terrae motus factus est per
multas provincias 3 nonas ianuarii
[Januar 'S] ad vesperum, et cummote sunt
in ecclesiis imagines domini et multa in
eis pendentia. Ann. Leod. MGSS. 4, 30.
Terrae motus magni per loca terroresque de
coelo. Ann. Laub. MGSS. 4, 22. Terrae
motus magnus. Ann. Mosom. MGSS. 3,
162. Terrae motus visum est 3 nonas
ianuarii. Ann. Bod. Ernst S. 22. Terrae
motus factus est magnus in ianuario.
^*S*. 23] Ventus validus factus est in vigilia
Thomae apostoli. [Dezember 21].
1120 EU-ehard. Chron. 3IGSS. 6, 255, 42.
(Dens) in episcopatu Trevirensi mense
iunio suscitata tempestate giaciem mirae
magnitudinis effudit, quae et aedificia
evertit et alia pericula intulit. So auch
in Sachsen , namentlich in der Diözese
Halberstadt. Ann. Bod. S. 25. Yentus
factus est validus. (Ann. Hilde sh.
[Faderb] Fames valida, mo. siliginis
duobus s. venit.) .
1123 Ann. Egnmnd. MGSS. 16, 451. Hiemps
1) Vgl. Ann. August, z. J. 1094.
'^) Dagegen Ann. August. 1095: Hiems varia; comraoda aestatis et auturani temperies; frugum ubique
liabundantia.
3) Ann. August. 1097: Autumnus pene totus pluviosus, inundatio pluviarum et fluminum castra et villas
vicinas Alpibus subvertit.
[Anhänge.
1544
facta est asperrima, ita ut omnem aquam
praeter marinam indifferenter homines cal-
carent gelu solidatam, super terram antem
iter calcabile vix invenire poterant prae
glacie congelata ab aeris densitate.
1124 Ann. JBrunivilar. MGSS. 1,101. Hiems
asperrima fuit, adeo ut Renus glacie con-
cretus calcabilis meantibus extiterit. Ann.
Leod. MGSS. 4, 30. Hiems aspera et
aggestu niviimi nimis humida. Chron. reg.
Maxima fames accidit.
1125 Ann. Leod. MGSS. 4, 30. Hiemps longa
et aspera, et fames valida. Ann. Laub.
MGSS. 4, 22. Hiems contigit asperrima,
quam fames subsequitur prae valida.
1126 Ann. Bland. Iterum fames gravissima
repetita per Flandriam per Lotharingiam
per Franciam per Angliam multa hominum
milia necavit.
1129 Ann. Laub. MGSS. 4, 22. Pestis ignea
in homines furit . . . morticinium pecorum
fuit.
1132 Chron. reg. [Frühjahr]. Vehementissima
vis ventorum innumera edificia subruit.
1133 Chron. reg. Magna inaequalitas aeris et
pluviarum inundatio per totum tempus
messis.
1136 Ann. Leod. MGSS. 4, 30. Aestatis
tempore circa solstitium insolitum calorem
tam terram et germina quam homines et
pecora gravi defectu . . [Lücke].
1137 Chron. reg. Regis (Conradi) tempora
iocunda fuere. nam bona aeris temperie,
omnigena terrae fertilitate, cunctarum rerum
copia non solum per regnum, sed et pene
per totum mundum exuberabat.
1141 Ann. Laub. MGSS. 4, 22. Pestis horrida
ignis et gravissimae debilitatis in homines
furit, et beata dei genitrix miraculis ubique
damit.
1142 Ann. Laub. 3IGSS. 4, 22. Hiems
aspera, fames plurima, languor hominum
extitit. Ann. Leod. MGSS. 4, 31.
Flamma ignis divini multos adurit.
1141 und 1142 G. Alb. v. 207; MGSS. 8,
240, zwei Kriegsjahre: quos hiemes validi
venti pluviaeque fuere cum magno plebis
dampno gemituque secuti. Namentlich
grofse Überschwemmung an der Kill.
1143 Ann. Disib. MGSS. 17, 26. Hiemps
dura. Ann. Colon. MGSS. 16, 783. Ex
habundantia nivium facta est inundatio,
que subruit villas et pontes. Chron. reg.
Hiemps validissima et prolixa . . . tota aestate
et autumpno pluviae intolerabiles. Ann.
Laub. MGSS. 4, 22. Aspera hiems et nix
permaxima super faciem terrae a calendis
decembris usque calendas februarii, et
sequitur fames valida 7 annis.
1144 Ann. Disib. MGSS. 17, 26. Hiemps
valida et ventuosa. Ann. Colon. MGSS.
16, 738. Fuit ventus vehemens vigilia
sancti Sebastiani [Januar 19], qui multa
edificia subruit et tecta turrium et machinas
cum ipsis campanis. Ann. Bodens. JEmst
S. 56. Ventus fuit vehementissimus, quem
semper, ut ferunt, fames sequitur et carum
tempus. eodem anno facta est fames
magna. Diese Nachricht bis carum tempus
wird S. 57 z. J. 1145 wiederholt. Vgl.
Ann. Elnon. mai. 14 kal. februarii tanta
ventorum violentia facta est, ut etiam turres
lapideas, domos et templa deiceret, arbores
etiam et Silvas radicitus evelleret.
1145 Ann. Brumvilar. MGSS. 16, 727. In
maio plus 14 noctibus cometes apparuit.
secuta est cum mortalitate et fames ante
inaudita^.
1146 Ann. Disib. MGSS. 17, 26. Terrae
motus factus est magnus 15 vicibus. Chron.
reg. Cometa apparuit, in cuius ortu
astrologi aiunt famem aut pestilentiam
aut mutationem regnorum prefigurari,
que cuncta nunc impleta sunt. [Bec.
codd. BC] Renus fluvius alveum suum
Coloniae egressus inaudita antea magni-
tudine excrevit. Ann. Colon. MGSS. 16,
733. Fames maxima fuit, quod mir. sili-
ginis pro mr. dabatur in Colonia. Ann.
Brunwilar. MGSS. 16, 727. In tantum
angustia famis per totum orbem praevaluit,
ut panis, qui palma comprehendi queat,
pro d. Coloniensis monete daretur, plures-
que hac inopia praegravati radicibus her-
^) Vgl. Ann. Corb. MSGS. 3, 9: Fames aspera, et fures plures ex militibus fortioribus factione perniciosa
conglobati multos in hac terra durius angebant. denique Vuldensem ecclesiam . . multis thesauris spoliabant et
nonnullas alias huius terrae rebus propriis et eis aliunde allatis . . privabant.
— 1545 —
Elementare Ereignisse.]
ha nun pro ciho uterentur, hoc autem victu
penitus carentes crudele sui mortis inditium
mundo reliquerint. Ann. Bod. Ernf^t S. 60.
Facta est fames validissima et omni adhuc
aetati inaudita, ut mo. Coloniensis pro
12 s. et 6 venderetur d. ; etmo. Traiectensis
pro 3 Ih. et 6 s. Ann. Leod. MGSS. 4,
31. Fames gi'avissima . . multos afflixit.
Ann. s. lacob. Leod. MGSS. 16, 641.
Fames inaudita, mo. siliginis viginti, speltae
undecim s. vix se redimentibus.
1147 Ann. Disib. 3IGSS. 17, 27, 7. Pesti-
lentia magna facta est. Chron. reg. Fames
maxima per totam Galliam et Germaniam,
ita ut nur. siliginis 12 s. emeretur [Rec.
codd. BC setzt zu mense iunio], panis vero,
qui pro d. dahatur, vix pugillum palmae
excederet. erat videre miseriam, eos, qui
nuper deliciose vivebant, pro panis inopia
domos circuire. famem quoque secuta est
ingens pestilentia, ita ut deficientibus
sepulchris multitudo fossis pariter immit-
teretur.
1149 Ann. Bmnwilar. MGSS. 16, 727.
Hiems tarn valida fuit, ut arborum fructus
vinearumque ubertas tota perierit. Renus
calcabilis fuit. Ann. Camerac. MGSS.
16, 318, 31. Hiemps gravis extitit, et
plurima nix, quae a festo sancti Nicholai
[Dezember 6] cepit et usque ad kalendas
martii fere duravit. Ann. Egmund. MGSS.
16, 456. Hiemps tam valida fuit, ut etiam
maria, qui frigore solent esse immunia,
glacie tenerentur, et volucres coeli in
rigorem versae deficerent, et omne, quod
movetur , gelu constringeretur. aestas
eiusdem anni pestibus et valde nociva
fuit, ut multi mortales aeris intemperie
morerenter, pueri, iuvenes, senes, et in
solaTraiectensi civitate quadragintahomines
una die ducerentur ad tumulum.
1150 Chron. reg. Hiemps valida [Bec. codd.
BC setzt zu] et diutuma. Ann. s. lacob.
Leod. MGSS. 16, 641. Hiemps asperrima.
Ann. Bland. MGSS. 5, 29. Hiemps
validissima fuit, perdurante glacie a 5 idus
decembris [Dezember 10] usque ad 14
kalendas martii [Februar 16]. Ann.
Laub. MGSS. 4, 23. Hiems asperrima.
Ann. Erph. MGSS. 16, 20. Sterilitas
frumenti vini; et hiems asperrima et longa
fuit. Ann. Isingr. mal MGSS. 13, 313.
Per triduum, id est in ipsa epiphanie die
[Januar 6], facta est tanta vis algoris, ut
multi homines perirent, arbores et petrae
per medium scinderentur ; lupi silvis egressi
in vicis cum animalibus cubabant. aquarum
fragor longe lateque auditus est.
1151 Chron. reg. Bec. codd. BC. Fames
horrenda,et omnium rerum inaudita penuria.
Ann. s. lacob. Leod. MGSS. 16, 641.
Tempus asperrimum et pluviale. fames
valida. mors in homines. messis tarda,
plus vindemia; mustum vix Lucae ewan-
gelistae [Oktober 18]. Ann. Laub. MGSS.
4, 23. Famis periculo multi intereunt.
annus totus pluvialis. Ann. s. Vinc. Mett.
MGSS. 5, 149. Fames valida. Ann.
Isingr. mai. MGSS. 17, 313. Facta est
fames adeo valida, ut dimidius mo. tritici
pro 30 s. venderetur; 6 panes admodum
parvi pro 7 emebantur s. ipsi principes
aliquot dies sine pane diversis coctionibus
vescebantur, camibus pecorum et herbis
populus vivebat, nonnulla mortalium milia
fame interierunt, ita ut in villis plurimae
domus sine cultore vacuae remanerent.
factum est et hoc mirabile, ut mense maio,
cum pene nullae segetes in agris appare-
rent, in iunio et subsequente mense tantae
subito exortae sunt fruges, ut a rusticis
hoc quasi pro celebri proverbio haberetur,
per hos duos menses deum non aliud
fecisse, nisi fruges de coelo plaisse. per
eosdem menses pluvia continuatim des-
cendit. Ann. Camerac. MGSS. 16, 522,
19. Ante augustum gravis venundatio
tritici subito invaluit, ita dumtaxat, ut
publice Cameracensis mensura plus quam
9 s. venderetur. pestis etiam animalium
gravissima in Unguis eorum extitit, maxime
caballorum. Sigeb. Auct. Aquic. MGSS.
6, 396. Fructus terra habuit uberes; sed
pluviarum inundatione a festivitate sancti
lohannis [Juni 24] usque ad medium
augusti omnia vastante, vix ad maturitatem
perduxit. nam vinum et ceteri fructus ex
parte defecerunt, et quod de uvis coUectum
est, in acorem versum est^.
1) Auch Ann. s. Benign. Div. MGSS, 59, 45: Magna penuria vini.
Lamprecht, Deutsches Wirtschaftsleben. I.
98
[Anhänge.
— 1546
1152 Ann. Laub. 3IGSS. 4, 23. Magna
fluminum inundatio hieme facta est. Ann.
Erpli. MGSS. 16, 20. In mense ianuario
magna inundatio aquae in partibus Reni
fuit.
1155 Chron. reg. Inundatio aquarum insolita
fuit 7 kalendas decembris [November 25].
1156 Ann. Laub. MGSS. 4, 23. Hiems
arida, ver temperatum. initio mensis iunii
maxima et eo tempore inaudita fluminum
inundatio ^.
1159 Ann. s. Vinc. Mett. MGSS 3, 158.
Inundatio aquarum.
1162 Ann. s. Vinc. Mett. MGSS. 3, 149.
Fames valida.
1173 Chron. reg. In kalendis tussis intolera-
bilis et inaudita omne Theutonicum regnum
et precipue Galliam comatam pervasit,
senes cum iunioribus et infantibus debili-
tavit, plures morti addixit. Die Ann.
Colon. MGSS. 16, 733 haben z. J.
1174 Tussis magna fuit^. Chron. reg. Totum
aestivum tempus in pluvias liiemales con-
versum est, unde segetes et vineae sunt
corruptae .... inundatio Reni et fluvio-
rum insolita et diutina^. Ann. s. Vinc.
Mett. MGSS. 3,150. Inundationes aquarum.
Ann. s. lacob. Leocl. MGSS. 16, 642.
Facta est inundatio aquarum [Lücke] in-
firma, amplius vindemia, mustum [Lücke].
1176 Ann. s. Vinc. Mett. MGSS. 3, 150.
Fames valida*.
1179 Ann. Brunwilar. MGSS. 16, 727. Terrae
motus magnus in kalendis augusti.
1185 Chron. reg. In mense octobri insolitus
turbinis ventus adeo vehemens fuit, ut
tecta lapidea arboresque grandes deiceret
et domos plures everteret. Ann. s. Vinc.
Mett. MGSS. 3, 150. Inundatio aquarum.
Ann. Leod. MGSS. 4, 31. Media hieme
florent arbores, nascuntur . . [Lücke].
1186 Ann. Argent. MGSS. 17, 89. Erat
hiems calida, ita quod in decembri et
ianuario multe arbores florerent, in quibus
circa februarium pira quantitate in modum
avellane magna conspiciebantur. sed
proxime sequenti anno circa martium
magna aeris inclementia et asperitas algoris
veniens fere usque ad kalendas iunii
duravit, ita quod in pentecoste, videlicet in
medio maio ^ , nix magna cecidit et fere
omnia poma perierunt.
1187 Chron. reg. In ianuario et februario
aestas quaedam pro hieme apparuit. nam
picae et corvi et diversae aviculae pullos
educarunt in eisdem mensibus, arbores et
herbae diversi generis floribus venustae
conspiciebantur.
1188 Chron. reg. In aprili eruptiones rivulorum
factae, quales ante nemo viderat, sed et
in siccis locis iuxta fluenta maximarum
inundationum ebuUitiones apparuerunt.
aestas sicca et ferventissima fuit.
1189 Ann. Disib. 3IGSS. 17, 30. Ingens
terrae motus media nocte 3 kalendas
martii [Februar 27] factus est. Chron.
reg. kl. Ausg. S. 143. Aestas ferven-
tissima usque ad augustum mensem fuit,
in quo etiam mortalitas hominum et
pecudum immensa contigit.
1190 Chron. reg. kl. Ausg. S. 147. Hiemps
sicca et calida. mortalitas hominum immensa
... in maio grando insolita circa Mogon-
tiam ad 100 villas et amplius omnia
vastavit.
1192 Chron. reg. kl. Ausg. S. 155. Aestas
ferventissima in augusto mense subito
tempore refriguit, unde febres acutae et
quartanae passini in hominibus domi-
nantur.
1194 Chron. reg. In maio vineae floruisse
visae sunt. Ann. Beineri MGSS. 16, 651,
35. Messis bona, vindemia optima.
1195 Ann. Beineri MGSS. 16, 652, 6. Pluvia
iugis a festo sancti lohannis [Juni 24]
usque ad natale domini, et maxime tempore
sationis, ita ut in natale domini vix esset
perseminatum . . . hoc anno mo. siliginis
circa maium 18 s., mo. spelte 9 mo., ordei
octo se redemit. messis pigra, vindemia
^) Ygl. Ann. s. Benign. Div. 1159: Hiemps magna, gelu et nix 4 id. ottobr.
^) Vgl. Ann. Bland. 1173: Pestilentia hominum ex tussi morientium.
'^) Ygl. Ann. Bland. 1174: Pluviale tempus incessabiliter a festo sancti lohannis — in finem anni, et magna
penuria vini et omnium frugum.
<) Vgl. Ann. s. Benign. Div. 1177: Fames valida.
*) Pfingsten fiel 1186 auf den 1. Jvmi, dagegen fiel es 1187 auf den 17. Mai; s. d. folgende Jahr 1187.
1547
Elementare Ereignisse.]
tarda et periculosa. Ann. Argent. 3IGSS.
17, 89. Facta est maxinia fames in terra.
1196' Chron. reg. Penuria frumenti et annonae
magna facta est, quae et in sequentem
annuni usque duravit . . . aestas frigida
et hnmida. Ann. Reineri MGSS. 16, 652,
20. Anniis iste gravis et periculosus;
seges cara . . . pkivia iugis et periculosa;
pauperes maximam victus patiuntui penu-
riam, et maxime circa principium augusti
. . . corpus beati Lamberti propter imnii-
nentia pericula et pluviarum inundationes
et timorem sterilitatis et egrae messis et
parvae in vigilia sancti lacobi [Juli 24]
cum maxima devotione non sine multis
lacrimis in montem Cornelii deportatur
ibique . . celebratur . . . messis tarda
circa festum sancti Bartliolomei [August 24]
yix habuit principium; eodemque tempore
mo. siliginis 18 s. vendiderunt, mo. speltae
8 s. et dimidio . . . satio pulcra, mustum
vix habitum Luce e wangeliste [Oktober 18;]
sie permansit tempus usque ad finem in-
carnationis, hoc est natalis domini. hiemps
prolixa usque ad martium^.
1197 Ces. Heisterb. Dial. 4, 65. Fames vali-
dissima . . incubuit et plurimos extinxit.
Chron. reg. Penuria annonae et frumenti
magna et fames valida, ita quod mir. sili-
ginis in partibus Reni ad 15 s. vendebatiu-.
plaga miserabilis grassatur; nam lupi in
partibus circa Mosellam plures homines
devoraverunt. Ann. s. Vinc. Mett. MGSS.
3, 150. Fames valida; hoc anno venit
quarta frumenti 12 s., et facta est mor-
talitas maxima. Ann. Bein. MGSS. 16,
652, 41. Anni istius periculum vix audeo
scribere, cum nunquam similem viderint
qui vixerunt hoc tempore. multitudo
pauperum fame moritur. cadavera mor-
tuorum animalium indifferenter ab eis
comeduntur, et fere ab universis propter
imminentem necessitatem desperatiu-. mo.
siliginis 18 s., mo. speltae 10 usque ad
festum sancti Barnabe [Juni 11] venditur.
insequenti autem die de mo. siliginis 32 s.
accipiuntur, de mo. speltae 17. procedente
autem tempore, cum messis adesse spera-
retur, malum increvit, et circa festum sancti
lacobi [Juli 25] mo. siliginis 40 s. venditur,
mo. spelte 20 s. pauperes per plateas
iacebant et moriebantur, et ante fores
ecclesiae nostrae, cum matutinae laudes
canerentur, iacebant gementes et morientes,
elemosinam, quae suumo diluculo fiebat,
expectantes. hoc in anno in epiphania
[Januar 6] annona defuit nobis, et plus
quam centum mr. usque ad augustum in
pane expendimus, nee vinum a medio maio
nisi raro usque ad novam vindemiara
habuimus ; cerevisia autem toto anno defuit
nobis. panem vero siligineum 15 diebus
ante augustum comedimus, aquam autem
in conventu indifferenter bibimus.
1198 G. Trev. Cont. 4 Add. 2 MGSS. 24,
392. Fames magna, it ut mir. siliginis
mr. venderetur. Chron. reg. M. Ausg.
S. 166. Penuria annonae magna. Ann.
Rein. MGSS. 16, 654, 15. Mo. siliginis
15 s., mense iunii carius est venditus, mo.
spelte 7 s., mo. ordei 8 s., vini sextarium
14 d. est venditum; et vinum de Rochella
primum in hanc civitatem est advectum
.... 15 die ante natale et tertio similiter
die . . tonitrua . . . fluvius Mosae num-
quam minor visus est, quam fuit hoc tem-
pore, vinum carum; mo. siliginis 12 s.,
mo. speltae septem ante natale domini.
moneta nova.
1200 Ann. Rein. MGSS. 16, 655, 18. Mo.
siliginis pro tribus s. et dimidio, mo. speltae
pro duobus s. siccitas magna a medio mar-
tio usque ad kalendas maii . . inaudita
mortalitas boum per totum Imperium.
1201 Ann. Rein. MGSS. 15, 655, 44. Hiemps
longa a festo sancti Martini [November 11]
usque ad kalendas Martii; annona bono
pretio fuit, sed vinum carum. bona spes
fuit in flore vindemie, sed postea frustrata
est, augusto impediente.
1202 Ann. Rein. 3IGSS. 16, 656, 9. Im Fe-
bruar mo. siliginis 5 s., speltae 40 d., vi-
num 6 d.
1203 Ann. Rein. MGSS. 16, 657, 31. Mustum
Mosellanum 10 d., mo. siliginis 10 s., spelte
autem 5 s., hordei 4 s.
1204 Chron. reg. kl. Ausg., Cont. III S. 216.
Aestas calida et sicca. S. 175 Cont. II vgl.
1) Ygl. Ann. Elnon. mai. 1196: Apud Tornacura rasera frumenti venumdatur 50 s., quod a predecessoribus
Dostris non est auditum.
98*
[Anhänge.
— 1548 —
Cont. III S. 219. Hiems prolixa et as-
perrima fuit. Ann. Bein. MGSS. 16, 658,
13. Mo. siliginis 8 s., speltae 5, ordei 4
venditur in festo omnium sanctorum [No-
vember 1] anni praesentis, vinum 8 d.
1205 Ann. Bein. MGSS. 16, 659, 5. De qua-
litate hiemis huius anni pauca volo scribere
ad cautelam praesentiiim et notitiam futu-
roriim. hiemps hoc anno quinquies respi-
ravit, graviorqiie semper fuit subsequens
respiratio priore: prima respiratio in festo
sancti Martini [November 11], secunda in
festo sancti Andree [November 30], tertia
in festo sancti Marcelli [Januar 16], qiiarta
in festo purificationis [Februar 2], quinta
in -psischn [Aprill 0] . per totum februarium
et totum martium aratra non exierunt ad
colendum, nee cultores ortorum ad labo-
randum. silvestres fere ad villas veniebant,
querentes pascua tamquam domesticae ;mul-
tae tarnen fame periere. mortalitas per-
maxima ovium et ceterorum animalium,
deficiente pabulo et hiemis saeviente peri-
culo. in kalendis martii vix erat aliqua
notitia annonae in satis; sed ex insperato
dominus magnam copiam annonae tribuit,
et estas sicca fuit; a festo sanctae Mariae
Magdalenae [JtiU 22] usque ad kalendas
augusti aestus nimius et intolerabilis fuit,
sed post kalendas quievit . . . messis bona,
vindemia rara. mo. siliginis 10 s., speltae
5, vinum octo d. Ann. Leod. MGSS. 4, 32.
Hiemis maxima asperitas usque ad festum
sancti Beuedicti [März 21]. Ann. Bland.
MGSS. 5, 30. Hiemps valida durante
glacie a 14 kalendis februarii [Januar 19]
usque ad 14 kalendas aprilis [März 19].
1206 Ann. Bein. MGSS. 16, 659, 50. Usque
ad circumcisionem domini [Januar 1] nulla
fuerunt signa hiemis, nee in gelu, nee in
nive; sed a circumcisione domini in 15 se-
quentes dies et non amplius hiemps desevit;
reliquum tempus usque in pascha [April 2]
non quasi ver sed quasi aestas fuit. seges
tarnen cara, vinum carius, et omnia, quae
ad victum hominis prodesse debent, caris-
sima, in alkciis in ovis et carnibus et pis-
cibus. [S. 660, 13] Messis bona, vindemia
optima, in Moseila infra vindemiam sext.
vini pro d. Treverensi; ego, qui interfui,
vidi, apud nos vinum sex d. . . inter festum
sancti lacobi [Juli 25] et ad vincula sancti
Petri [August 1] tantus fervor solis inca-
luit, ut videres messores vim caloris ferre
non valentes passim per agros morientes;
tres fuerunt mortui, quos ego presentium
scriptor agnovi . . hiemps tarda, sed aspera
et februaria. inundatio aquarum maxima,
maxime in Alemannia et Francia, ita ut
Mogus in altitudine 32 ulnarum se extol-
leret, Renus quedam claustra subverteret
et plurima milia virorum mulierum et par-
vulorum submergeret. Ann. Argent.MGSS.
17,90. Datum fuit in Argentina unum quar-
tale vini pro duobus s., sequenti ebdomada
dabatur pro duobus d., et vas vacuum pro
duabus Ib.
1207 Bein. Ann. MGSS. 16, 660, 40. Mensis
maii crudelis fuit, quia sevitia iemis non
naturalis vineas, Silvas quasi quodam igne
combussit; sed pluvia superveniens in ka-
lendis iunii magnam utilitatem vineis prae-
stitit. glacies non modica visa est Bonefacii
martyris [Juni 5], estas sicca, messis pulcra,
satio pulcherrima. vindemia satis tempes-
tiva, sed gelu octobris fere abstulit omnia
vina . . hiems temperata, sine magno gelu
et continuo.
1208 Chron. reg. Jcl. Ausg. S. 183. Aestas
levis et sicca, fertilis et calida, adeo ut mir.
siliginis 6 Ib. et 7 d. emeretur. Bein.
Ann. MGSS. 16, 601, 5. Mo. siliginis
5 s., speltae mo. tribus venduntur, vinum
7 d. . . temperies aeris tarn veris quam
aestatis; habundantia annonae in campis
laudabilis; vinum sicut prius, siligo tribus
s., spelta 30 d. comparatur. sicut a veridicis
relatoribus audivimus, flores visi sunt in
vineis in vineto in prima ebpthomada maii
in montibus . . mensis augusti pluviosus fuit
diebus 15 primis. annone habundantia,
qualis non fuit a quadraginta annis et
supra.
1209 Chron. reg. U. Ausg. S. 230. Aestas to-
nitruis fulminibus et imbribus valde tem-
pestuosa, et hiems nimis asperrima. Ces.
Heisterbac. Dial. 10, 17. Post confirma-
tionem Ottonis in regno [1209] tanta (erat)
abundantia annonae, ut in episcopatu Co-
loniensi mir. 5 vel 6 d. [I. s.] multo tem-
pore venderetur . . tempore abundantiae
pistores modicum lucrantur. Bein. Ann.
MGSS. 16, 661, 30. Annus iste pauperum
gloria, divitum maestitia, habundans ad
— 1549 —
Elementare Ereignisse.]
Votum in annona. mo. siliginis 15 d., spelte
eodem pretio venditur, cetera genera an-
nonae pretio inferiore, vinuni praecii)uum
5 d. sicut anno 1197 mo. siliginis venditus
est 40 s. , ita hoc anno 40 mo. siliginis
dati sunt pro 40 s. [S. 663, 17 ; ScJilufs des
JahresJ Annona bono pretio, siligo duobus
s., spelta 20 d., et hordeum et avena carior
spelta.
1210 Chron. reg. U. Ausg. S. 230. Dezember 20,
tam vehementissimus ventus fuit, ut per
provincias plurima edificia deiceret et ar-
bores maximas funditus evelleret. Bein.
A7in. 3IGSS. 16, 663, 20. Hiems longa
aspera et continua a kalendis ianuarii us-
que ad festiim sancti Mathie apostoli [Fe-
bruar 24], pestilentia murium in agris in
satis et domibus, in villis . . flores praeter
solitum tarde appaioierunt, vix aliqui flores
arborum in aprili apparuerunt, vix enim
apparuerunt spiee in siligine Urbani papae
[Mai 25] . . annona carior solito, siligo 6 s.,
spelta quatuor. [S. 664, 14, Schlufs des
Jahres] Annona bono pretio, vinum sex d.
1211 Bein. Ann. 3IGSS. 16, 664. Hiemis
asperitas . . defectus vini propter vineas
gelu attritas . . abundantia frugum.
1212 Bern. Ann. MGSS. 16, 664. Hiems
temperata . . februarius plurimum ventosus
ciun aquarum inundationibus . . in paras-
ceve [März 23 J per octo dies hiems fuit
asperrima, que omnes nuces abstulit ; mar-
tius tarnen siccissimus fuit. [S. 665, 48]
Annona bono pretio fuit, spelta duobus s.,
siligo 40 d., vinum 7 d.
1213 Bein. Ann. MGSS. 16, 666, 7. Hiems
longa sed temperata a kalendis novembris
usque in pasca [April 14], hoc est Tibur-
tii et Valeriani. processus florum tardus,
sed postea bonus. nivis modicum, sed gla-
ciei plurimum . . circa maium vinum carum
et rarum 8 d., annona bono pretio, siligo
4 s., spelta 28 d. [S. 670, 36', Schlufs des
Jahres j Tres utilitates . . apud nos sunt in-
vente omni memoria digne, videlicet marla,
de qua plurimum impinguatur terra, et terra
nigra carbonum simillima, que fabris et
fabrilibus et pauperibus ad ignem facien-
dum est utilissima, et plumbum, quod apud
nos in pluribus locis est inventum. hiems
longa a kalendis novembris usque ad oc-
tavas pasce [1214 April 6], sed non con-
tinua, annona bono pretio, siligo trium,
spelta duorum s., vinum septem d.
1215 Ann. Bein. MGSS. 16, 672, 45. lems
in februario aspera et sicca, hordeum carius
siligine, avena carior spelta, mo. siliginis
duobus s., spelta 20 d., vinum carius sex
d. venditur . . motus florum et cantus avi-
um tardissimus . . malus pluviosus.
1216 Bein. Ann. MGSS. 16, 674, 16. An-
nona bono pretio.
1217 Chron. reg. kl. Ausg. S. 195. Aestas
sicca et nimium fervida. Bein. Ann. MGSS.
16, 675, 35. Hiems longa, in fine ianuarii et
februarii aspera a festo sancti Severini [Ja-
nuar 8] usque ad kalendas martii. annona
bono pretio, spelta 18 d., siligo 2 s., vinum
7 d. in Leodio nulla certa moneta. [S.
676, 9] Annona in duplo carior solito, si-
ligo quatuor s., spelta tribus . . hoc in anno
in Mosella vinum fuit habundans, sed su-
perveniente repentino frigido cruda reman-
serunt et male defecata, unde multi diversas
incurrerunt infirmitatum molestias.
1218 Bein. Ami. MGSS. 16, 676, 41. lemps
sine ieme et sine nive: annona multo carior
solito ante natale, et post siligo octo s.,
spelta 4 se redimunt. [S. 677 y 8j Messis
optima, vindemia bona, iemps asperrima
a festo omnium sanctorum [November 1]
usque ad festum sancti Andree [Novem-
ber 30], postea pluvialis usque ad natale . .
inaudita pestilentia caulium, non solum per
regna transmontana, sed per totum Impe-
rium.
1219 Bein. Ann. MGSS. 16, 677. Iemps longa
a festo omnium sanctorum [November 1]
usque kalendas martii . . nova moneta pau-
peribus gravissima. vinum quinque d., si-
ligo quatuor s., spelta tribus venduntur . .
sterilitas in satis, ieme faciente; messis
modica et humilis, arescentibus hominibus
prae timore future famis; sed ille, qui pavit
quinque milia hominum de quinque pani-
bus, paucitatem illam panis et vini convertit
in melius, aestas nulla, sed quasi veris
tempora . . cum vindemia esset in ianuis,
repente supervenit intempestivum gelu et
asperitas immitis boree intolerabilis, cuius
initium septima die octobris et per dies octo
continue duravit. quid multa V tunc videres
vineas foliis spoliatas et nudas, racemos
nigros dependentes quasi in clibano de-
[Anhänge.
— 1550
coctos, ita periit vindemia. illud idem
vinum, quod de torcularibus eliciebatnr,
ultra spem habundans inveniebatur. itaque
vinum fuit karum, novum novem, vetus de-
cem d. nonas octobris ortum est tempus
pluviale cum vi ventorum et aquarum fre-
quenti inundatione, quod perseveravit sine
intermissione usque ad natale, et, quod mi-
rum est, sine gelu'et sine nive.
1220 Ann. Bein. 31GSS. 16, 677, 47. Natalis
festivitas ventosa fuit et pluvialis cum aqua-
rum inundatione, subsequensque tempus
simile preterito usque ad conversionem
sancti Pauli [Januar 25J. tunc per tres
dies iemps aliquantulum aspiravit, quarto
autem die pluvia quasi penitus vires re-
sumpsit. [S. 678, 19] Ante festum sancti
lohannis [Juni 24] annona multo carior
fuit solito, siligo 11 s., spelta sex et di-
midio s., hordeum sex s., avena 5 s. ven-
ditur; vinum vile et caro. non solum pau-
peribus sed etiam divitibus hoc anno defuit
annona; solaria, que prius erant repleta,
sunt vacuai et magnum famis esset peri-
culum, nisi habundantia siliginis apud nos
de inferiori terra in vehiculis et plaustris
fuisset allata. annona tamen in campis sa-
tis laudabilis . . ante natale domini nulla
fuerunt higemis signa, sed quasi veris
tempora. siligo 8 s., spelta 4 [s.] et 4 d.
vendebatur, vinum 6 d.
1221 Ann. Rein. MG SS. 16, 678. Hiemps
aspera a circumcisione domini [Januar 1]
usque ad purificationem sanctae Mariae
[Februar 2].
1224 Chron. reg. M. Ausg. S. 255. Hiems
longissima et valde asperrima, fames etiam
magna et inaudita per biennium perdurans.
1225 Ann. Bein. MGSS. 16, 679, 19. Hiemps
asperrima a festo omnium sanctorum [No-
vember 1] usque medium aprilem. annona
bono pretio a messe usque kalendas februa-
rii, postmodum in kalendis maii spelta
10 s., siligo 17, frumentum 20 venditur,
ordeum octo.
1227 Chron. reg. M. Ausg. S. 260. In decem-
bri ventus validus partes edificiorum stra-
vit, arbores radicitus eruit. hiemps nimis
erat pluviosa.
1229 Chron. reg. A7. Ausg. S. 261. Hiemps
erat longa et aspera. Ann. Mozom. MGSS.
3, 164. Tanta fuit inundatio aquarum et
pluviarum, quod rivuli fluentes prae nimio
impetu fecerunt cauvas in teiris ad modum
speluncarum.
1233 Chron. reg. U. Ausg. S. 265. Messis
et vindemia fuit pluviosa, vinum plurimum,
sed vile . . hiems solito asperior inhorruit
et multas vineas ficus et olivas per Italiam,
Franciam et Teutoniam congelavit.
1237 Chron. reg. kl. Ausg. S. 272. Hiemps
remissa, ventis nive pluvia distemperata.
1241 Bhein. Chronik. N. Archiv 4, 74. Tanta
habundantia vini, quod carr. solvit 40 d.
Wormatienses.
1246 Chron. reg. kl Ausg. S. 288. Mense
maio et iunio tanta fuit penuria annone
Colonie, ut raro panis inveniretur venalis.
et id ideo acciderat, quod cives statuerant,
quoü mir. siliginis nonnisi pro 3 s. ven-
deretur, cum in rure plus solveretur . . hie-
mali tempore ultra solitum Renus plurimum
exundavit . . finis aestatis et totus autum-
nus pluviosus fuit, et tempestates marine
multas naves circa Angliam Flandriam et
Daciam obruerunt.
1248 Chron. reg. kl. Ausg. S. 296. Hiems in
partibus nostris tota erat corrupta pluvialis
et omnino remissa, ita quod per totam
hiemem duobus diebus, et hoc interpolatis,
modica glacies est visa. imde in subse-
quenti aestate fruges, licet abundanter
provenissent, fructum speratum non redde-
bant ; sed et vinum, licet multum, non bene
potuit maturari. Bhein. Chronik N. Ar-
chiv 4, 75. Vinum maxime acidum.
1255 Ann. Limb. Dietk. Pons cecidit in Lim-
purg ex aquarum inundantia.
1259 Ann. Bland. MGSS. 5, 31. Factus est
motus terrae nonas maii quinto [Mai 3].
1269 CBM.2, 234. Der Er zbischo[ von Mainz
als Beichsverweser auf Grund der Land-
friedens- und Zollbeschlüsse des Wormser
Beichstags an Schultheifs und Schöffen von
Koblenz : sciatis . . , quod propter caristiam
et communem defectum annone, quem su-
stinuerunt in nostris et superioribus par-
tibus civitates et generaliter omnes prin-
cipales terre nostre, nos fecimus interdici,
ne ad partes inferiores annona per Reni
alveum aliquatenus duceretur, sed ne con-
tra nos sinistre suspitionis materia aliqua-
tenus habeatur, nos interdictum huiusmodi
— 1551 —
Elementare Ereignisse.]
revocamus, ut annonani et res alias diicat
qiiilibet, prout placuerit, et reducat.
1277—1284 Für die Weinkreszenz dieser JaJire
vgl. die Ztisammenstelhmg über das Bhenser
eigene Wachstum des Erzhisdiofs von Köln
in Bd. 3, No. 285, S. 336—337.
1291 Bhein. Chronik N. Archiv 4, 75. Gorgo-
nii [Septcmher 9] factus est terrae motus . .
[S. 76] Prothi et lacincti martirum [Sep-
tember IJJ fiiit terrae motus circa crepus-
ciüum in terra ista Renensi, Wormatie et
prope.
1294 Bhein. Chronik N. Archiv 4, 76. Ma-
xima nix, qualis umquam visa fuit, et du-
ravit quinque ebdomadis.
1295 6r. Trev. c. 208. Per totam diocesim
Trevirensem vinee congelantur, et vinde-
miis cessantibus non pauci ad vindemiandum
vineas intrare dedignabantur.
1296 6r. Trev. c. 208. Inundaverunt aque Tre-
veris, et flumen Mosellae elevatum est super
muros Trevirenses in ripa Mosellae sitos,
ita quod cellaria in medio civitatis sita
aquis replerentur, quod etiam prius nus--
quam visum est a diebus antiquis. (hanc
inundantiam et superioris anni sterilitatem
secuta est foecundissima vindemia). Ann.
s. lacob. Leod. MG SS. 16, 643. Bladi fuit
caristia, et vini quarta 27 Turonensibus
vendebatur, quod numquam ante visum fuit.
1297 Bhein. Chronik N. Archiv 4, 76. Carr.
vini solvit 5 s. hl. in Wormatia.
1302 Ann. Mogunt. MG SS. 17, 3. Amarum
et miserum vinum crevit.
1304 Ann. Mogunt. MG SS. 17, 3. Nullum
frigus compertum est per totam hiemem.
quam hiemem secuta est aestas sine omni
pluvia et tantae siccitatis, quod ad fundum
Remis et putei decreverunt. et hoc anno
crevit vinum tam nobile, quod vinum igno-
bile praeferebatur vino nobilium vinearum.
1306 Ann. Limb. Dietk. Glacies omnes pontes
destruxit in Logena et pontem cum turribus
in Frankenfurt. Vgl. Ann. Franken f.
Boehmer Fontes 4, 394 (cit. Wyfs).
1309 Ann. s. lacob. Leod. 3IGSS. 16, 644.
Hiemps asperrima, deinde aquarum iiuui-
datio maxima.
1310 Ann. Limb. Dietk. Frigus lesit omnes
vineas, et nucum arbores exscindebantur,
eratque in die natalis domini nostri . .
oppressit totum tunc dira caristia
mundum,
atque fames multos dissolvit cor-
pore sanos;
annone maldrum binis marcis fuit
emptum^.
1313 G. Trev. e. 250. Fames permaximaque
caristia in tota ista terra, ita quod mir. si-
liginis vendebatur Treviris pro 50 s. monete
tunc gravis. Cellis in Hammone venditum
est mir. tritici 7 Ib. hl. gravium Treviren-
sium pro 14 hl. etiam pestilentia univer-
salis erat adeo magna, quod multorum
pauperum corpora exanima fame et pesti-
lentia infecta in stratis publicis inveniebantur,
et a pluribus civitatibus magnae generales
foveae in cimiterium consecratae parabantur
et pretia statuebantur, ut ipsa cadavera se-
pulturae traderentur. istae plagae [Pest
und Teuerung] heu post mortem . . Hen-
rici imperatoris . . plus quam per triennium
[1312—1314] . . duraverunt^.
1315 Ann. Leod. MGSS. 4, 33. Valuit mo.
spelte 6 s. veterum gr., fuitque gentium
mortalitas inenarrabilis , et anno sequenti
valuit mo. spelte per totum annum 40 gr.
1317 Ann. Leod. MGSS. 4, 34. Valuit mo.
spelte per totum annum tantummodo 6 gr.
1318 Ann. Limb. Bec. A. ed. Wyfs. In die
Theodori martiris [November 9] fuit motus
terrae.
1324 *UMünstermaifeld Hs. Koblenz St. A.
CXIa Bl. 25(' . Annus non fuit multum fer-
tilis, sed bladum mediocriter crevit.
1335 Ann. Limb. Bec. A. ed. Wyfs. In festo
Simonis et lüde [Oktober 28] flavit maxi-
mus ventus, ita quod talis et huiusmodi
Impetuositas ventorum prius non fuit ho-
minibus tunc viventibus visa, ita quod sub-
vertit arbores magnas turresque ecclesiarum.
Limb. Chron. c. 1. Uf daz fest Simonis
') S. Domiiiicus S. 78.
2) S. Dominicus S. 1.56 Note 1; Broner u. Jlasen 2, 198 cit. nach Tilman Goting Ms. Limpurg. noch au/ser-
dern: quarta avenae solido, pania d. ano, gallina duobus, capo tribus, 26 ova senis d., videlicet argenteis et
gravibus, quo pretio porcellum aestitnasse priscos memini.
[Anhänge.
— 1552 —
unde lüde [OJdober 28] da was der große
wint, der tet großen schaiden, der warf
große huis gezimmer unde torne umb unde
feilet große bäume in den weiden. Ann.
s. Jacob. Leocl 3IGSS. 16, 644. Magna
habundantia vini, tres hame Colonienses
vini sancti lohannis [Jtini 24] pro duobus fl.
1336 G. Trev. c. 256. Turbat vina gelu, ven-
tus segetes, equos sprue [d. h. suffrago, cru-
rum flexural
1342 G. Trev. c. 257. In vigilia lacobi [Juli 24]
maxima erat aquarum inundantia per totum
Rhenum, non a Rheno, sed a fluvio Mogos
dicto, quod tarnen contra suam est naturam,
in flagellum causata, ita quod integrae villae
disruptae et defluxae cernebantur. Limb.
Chron. c. 9. Uf sente Jacobes dag des
heiligen apostolen gelegen in dem erne
[Juli 25] da was große flut und waßer uf
erden . . unde ist dit die erste waßerflut,
die den alten luden indenklich ist.
1347 G. Trev. c. 257. Die exaltationis sanctae
crucis [September 14] vineae et nuces con-
gelebantur caumate pruinali, ita quod ma-
xima vinorum caristia fuerat subsecuta.
1348 G. Trev. c. 258. Primo percussit (genus
humanuni) opidimia, cui gibbus crevit
quacumque corporis parte ; . . secundo he-
meroida; tertio sacro igne , . ita per se-
quentem annum duraverunt.
1349 Limb. Chron. c. 14. Da quam ein groß
sterben in Dusche lande, daz ist genant
daz große erste sterben, und storben si
an den drusen, und wen daz aneging, der
starp an dem dretten dage in der maße,
unde storben die lüde in den großen steden
zu Menze zu Collen unde also meistlichen
alle dage me dan hondert menschen oder
in der maße; unde in den kleinen steden
als Limpurg storben alle dage zwenzig oder
vir unde zwenzig oder drißig, also in der
wise. daz werte in etzlichen stat oder lande
me dan dru virtel jars oder ein jar. unde
storben zu Limpurg me dan vir unde zwen-
zig hondert menschen, ußgenomen kinde.
Nach 1349 (1351 ?) Limb. Chron. c. 16. In
disen jaren was gude zit von fruchten und
von wine.
1355 Bhein. Chronik. N. Archiv 4, 79. De-
coUationis lohannis baptiste [August 29]
fuit ventus validissimus, qui eradicavit ar-
bores infinitas et destruxit sumptuosa edi-
ficia, turrim sancti Yictoris prope Mogun-
tiam, ecclesiam in Castel et quam plura alia.
1356 Limb. Chron. c. 44. In disem selben
jare irhup sich groß jamer unde quam daz
zweite groß sterben, also daz di lüde an
allen enden in Duschen landen storben mit
großen häufen an der selben suchte, als si
Sturben in dem ersten sterben, unde war
ez mit enquam in disem jare, dar quam ez
in dem andern jare, unde ging alumb. auch
so galt daz körn unde di fruchte sin gelt, daz
ez an manichem lande gar hertlichen unde
kumerlichen wart sten, unde sunderlichen
in Hessen in Westfalen unde darumb
unde anderswo, item der win galt groß
gelt, mit namen so galt ein qwart wines
von Eisaßen zu Limpnrg fünf engeisen,
daz ist war, unde der lantwin unde von
Rine einen s. d. Limb. Chron. c. 42. Groß
ertbebunge, der was vil unde geschach gar
dicke, hude und morn, darnach unde abe
me, hi unde da, unde werte daz me dan
ein virtel jares. und sunderlichen uf sente
Lucas dag des heiligen ewangelisten da was
die ertbebunge so groß, daz Basele uf dem
Rine, di herliche stat, wart beweget, daz
si binach zumale vil usiv. Ann. Limb.
Bec. JB. ed. Wyfs. Caristia magna, vende-
batur mensura vini 4 [l. 1] s. d. et 1 hl.
monete Lintburgensis, et duravit ferme per
annum. Vgl. Bec. A. z. J. 1357. Bhein.
Chronik N. Archiv 4, 81. Magna caristia
vini. An7i. Leod. MGSS. 4, 34. Fuerunt . .
menses septembris et octobris adeo plu-
viosi, ut vix semina possent seminari sine
pluvia solo die.
1357 Ann. Limb. Bec. A. ed. Wyfs. Caristia
vini tarn magna, quod quarta vini solvebat
unum s. d. cum hl. monete Limpurgensis ;
et durabat per integrum annum.
1358 Ann. Leod. MGSS. 4, 34. Hiemps mag-
nus a festo beati Thome [Dezember 21]
usque ad pui'ificationem [Februar 2].
1360 Ann. Leod. MGSS. 4, 34. Fuit mensis
augustus adeo siccus, ut vix fuit dimissum
solum instans in collectione bladorum, ce-
pitque mortalitas hoc anno post augustum
per maiorem partem terrarum, ut dicebatur,
et quasi gens infinita moriebatur ex impe-
dimia, et maxime in mensibus septembris
octobris et novembris. et hoc anno cepit
gelu ad festum sancti Nicholai [Dezem-
1553
Elementare Ereignisse.]
ber 0] et terminavit ad . . [Lücke j. fuit-
que magna copia fructuum et vinorum. Ann.
Limb. Dietk. Frigus in vigilia sancti Thome
[Dezember 20] onmes vineas inter Weil-
burg et Laenstein misere destruxit.
1361 Ann. Leod. MGSS. 4, 34. Etiam uior-
talitas. Ami. s. lacob. Leod. MGSS. 4, 644.
Siccitas magna, et habimdantia vini.
1362 Bhein. Chronik N. Archiv. 4,81. Gran-
dines devastaverunt et percusserunt vineas
prope Cruzenach.
1363 Ann. s. lacob. Leod. MGSS. 16, 645.
Hiemps aspera; et Mosa ingelidatus fuit
ab adventu usque ad pasca [April 2].
1364 Bhein. Chronik N. Archiv 4, 81-82.
Volavit maxima multitudo locustarum, ita
quod claritas celi respici vix poterat pre
eorum multitudine, vorantes quasi omne vi-
ridum [!] tam de vineis quam de arboribus
in septembre ; et statim eodem anno seque-
batur magna pestilentia in Cruzenaco. Limb.
Chron. c. 65. Hauvescbrecken . . quamen
unde fingen als dicke in der luft unde in
dem velde, als hette ein groß snie gevallen.
di iilen in di frucht und daden großen vur-
derplichen schaiden unde fingen dan wider
uf, unde herten an von dem erne an, bit
daz sie vurgingen mit eime rifen unde von
kelde, binach ses wochen. [c. 66] Item
in demselben jare galt di quarte wines
zu Limpurg einen s. d. unde einen hl. unde
foUenclichen anderswo sin gelt, daz werte
binach ein jar. Ann. Leod. MGSS. 4, 34.
Cepit hiemps ad festum sancti Nicholai
[Dezember 6], duravit per 14 septimanas
nive existente semper super terram, fuit-
que magna caristia pastinarum animalium.
1365 Ann. Limb. Bec. A. ed. Wyfs. Tertia
pestilentia et minima. Limb. Chron. c. 69.
Daz große drette sterben, unde was daz
sterben meßlicher dan die ersten sterben,
also daz si mit zehen oder zwelf menschen
den dag storben in steden als Limpurg
unde dem glich sint.
1366 *Chron. ep. Treberor. Hamb. Stadtbibl.
Hist. 31 ^ fol. Bl. 189, zitieH bei Wyfs,
Limb. Chron. S. 53 Kote 2. Heuschrecken-
plage. Ann. Leod. MGSS. 4, 35. Incipit
pluvia in primo festo pasce [April 5] et
quasi continue duravit usque mensem au-
gusti; et fuit bladum satis carum usque
post augustum.
1367 Ann. Leod. MGSS. 4, 35. Hiemps quasi
nullus, et fuerunt multa blada et vina.
1368 Bhein. Chron. N. Archiv 4, 82. Fames
maxima fuit in terra llenensi. Limb. Chron.
c. 75 (nicht 1367). Harte zit unde dure jar,
also daz ein mir. korns Limpurger maßes
galt fünf punt hl. unde zwene tornose, und
daz mir. habern galt dru punt hl.; unde
hatten arme lüde großen gebrechen unde
gemangel. die quarte wines galt zwenzig
alder hl. Vgl. Ann. Limb. Bec. A. ed.
Wyfs. Solvebat mir. siliginis quinque Ib.
hl. cum duobus gr. mensure [l: monetej
Limpurgensis et mir. avene tres Ib. hl.
1371 Ann. Leod. MGSS. 4, 35. Parum vini,
adeo ut maxima pars hominum biberet
multas cerevisias et medones.
1372 Ann. Leod. MGSS. 4, 35. Multa vina
et multi fructus, in tantum ut ad nativi-
tatem domini adhuc essent satis in silvis
et in ortis.
1373 Bhein. Chronik N. Archiv 4, 82. Morsus
luporum in homines mirabilis; et statim
sequebatur eodem anno magna pestilentia.
Bhein. Chronik N. Archiv 4, 79. A festo
purificationis / Februar 2] usque ad messem
solvit mir. siliginis Pingwensis mensure 4
Ib. hl. in communi foro, et quartale vini
octo s. hl.; attamen non erat auditus ali-
quis talis defectus, quod aliquis hominum
fame perisset. sed sequenti anno mir. si-
liginis solvit 8 s. hl. et quartale vini 1 s.
in communi foro. Ann. Limb. Bec. A. ed.
Wyfs. Habundantia aquarum . . omnes
molendine quasi fuerunt destructe, quod vix
molares lapides remanserant cessante diluvio
[zunächst an der Lahn]. Ann. Leod.
MGSS. 4, 35. Fuit habundantia bonomm,
precipue fructuum, adeo ut in quadragesima
mo. pomorum haberetur pro tribus antiquis
gr., mo. spelte pro septem antiquis gr.,
sext. ceparum pro uno gr. antiquo, sext.
vero pisorum pro uno antiquo gr. cum di-
midio. fuit etiam habundantia glandium,
ut multi porci in nemoribus canonicorum
istius ecclesie et alibi efficerentur pingues.
1374 Qiiaedam folia mss. cit. bei Wyttenbach
u. maier G. Trev. 2 S. 263 Note d. Mor-
[Anhänge.
1554 —
bus salientiiim . . Treviros incessit^. Rhein.
Lhronik N. Archiv 4, 82. Maxima inim-
datio aquarum per totam Almanniam, et
Renus tantum crevit apud Moguntiam,
quod excessit superiores gradus ecclesie
beate Marie virginis Magimtine nuncupate
Gradus. et solvit mir. siliginis in Wor-
matia 8 s. hl. et quartale vini 1 s. hl.
Limb. Chronik c. 96 [nicht 1373]. Des
donerstages vur fastnacht [Februar 9J da
was ein große flut uf erden unde große
not von waßers wegen, also daz der Rin
und die Lane ober iren rechten staden in
di hohe gingen nie dan ses unde zwenzig
^uße hoch, unde quam di flut von eime
großen snie, der gefallen was . . unde di
flute werte me dan fünf dage unde nachte
uf unde abe, und was groß betrupnisse von
den luden, und daz gevogelze in den hülsen,
hauen unde huiner, sang auch betruplichen . .
auch so was ein fluit zubevor gewest uf den
z weiften dag nach winachten [Januar 6J
di nest was, unde di fluit was diser nit
glich, want dise mer was. Ann. s. lacob.
Leod. MG SS. 16, 645. Maxima habun-
dantia aquarum ubique, maxime circa prin-
cipium ianuarii et februarii. Ann. Leod.
MGSS. 4, 35. Versus ephifaniam fuit
maxima copia aquarum . . periclitabantur-
que multe ville in inferioribus partibus
Almanie ^.
1375 Limb. Chron. c. 109. Da was zumale
ein drucken und ein heize somer, also daz
ez mer dan zwelf wochen ungereigent was.
unde in dem jare wart also gut körn und
fruchte, daz man darvor binnen virzen jaren
desglichen i mochte gesehen, unde galt zu
Limpurg in dem erne daz mir. under der
sicheln einen gl. unde zustunt zehen s. d.;
unde wart gar gut win in der zit. unde des
were gar vil worden, dan di sonne hatte
in vm^brant unde vurheiget. unde galt di
maß des besten wines zu Limpurg echte
aide hl.; unde daz werte fünf jar nach
einander. Ann. s. Jacob. Leod. MGSS. 16,
64h. Vindemia bona. Ann. Leod. MGSS.
4, 35. Fuerunt aque adeo magne in fine
martii, quod multi dicebant, quod in tantum
magne erant, sicuti fuerant anno 1374.
1383 Ann. Limb. Rec. A. ed. Wyfs. Pestilentia
regnavit in Limpurg ita maxime, quod magis
quam 1300 homines moriebantur^. Nach
Her. B. sind es 1400 homines. Limb.
Chron. c. 131. Daz drette sterben in der
maße als di erste sterben waren; dan daz
meßlicher was.
1386 Folia viss. bibl. Trev. bei Wyttenbach
und Müller 2, S. 288 Note c. Plaustrum
vini absque vase vendebatur Treveris uno
aureo ; vas vacuum duobus vel etiam tribus
aureis. Cod. JTimmerod. Trier Stadtbibl.
1438; a. a. 0. Plaustrum vini venit . .
3 fl., et exponenti proprium vas musto re-
pletum fuit pro uno fl.
1387* Ldmb. Chron. c. 141. Da waren gude
jar. da kaufte man uf dem Rine ein gut
fuder wines umb echte gl. unde umb ses
gl. unde umb vier gl., unde redelich gut
win, den ein iglich gut man mochte trinken
ober tafeln, ein fuder umb dri gl., unde
etzliche umb zwene gl. unde kaufte bischof
Adolf von Menze hondert fuder wines umb
hondert gl., unde gap he di vaß zu den
winen.
1389—1400. Fiw diese Jahre vgl. die Angaben
über die Weinpreise in Bd. 3 No. 305,
zusammengestellt oben S. 598 f. unter den
Wein-Einzelpreisen.
1390 Limb. Chron. c. 153. In dem herbeste
da was also vil wines uf der Lane ge-
wassen, als imans uf der Lane gedenken
mochte, also daz ein gut frenz fuder wines
daz galt zu Nassauwß unde in dem terme
echte gl. unde in der maße.
1391 Limb. Chron. c. 157. Krieg im Norden;
darumb wart große durte in disen landen
von gesalzen fischen, also daz ein tonne
heringes galt gerne 9 swere gl.
1392 Limb. Chron. c. 166. Da was wines
gnuch an den stocken, unde quam ein groß
rif unde frost uf sente Matheus dag ewan-
gelisten in dem herbeste [September 21],
1) Vgl. die ausführliche Schilderung der Tanztout Limb. Chronik ed. Wyfs c. 97.
2) "Weitere Xachrichten gieht Wyfs, Limb. Chron. S. 63 Note S.
3) Zur Zahl vgl. Hegel, Städtechron. 18, 188 f.
^) Ob nicht 1S86, s. Wyfs, Limb. Chron. S. 19 Note 1.
1555 —
Elementare Ereignisse.]
unde zuselien demselben dage bit uf sente
Miehahelis dag [Septemher 20] . ., da ir-
frois der win unde di trüben an den stocken
an dem Rine uf der Lane uf der Mosellen
unde allenthalben in Duschem lande, also
daz man die trüben muste stoßen mit gro-
ßen stoßein, also hart waren si. unde di
wine worden also sure, daz si worden
smackende als saft von holzeppeln. der
win hiß ratzeman, unde di quarte wolde
nit gerne gelden 3 hl.
1393 Limh. Cliron. c. 166. Wart gut win,
unde galt di quarte zwene engeis. unde
was der somer also heiß, daz der Rin unde
ander alle flißende waßer also kleine waren,
als man binnen virzig jaren zubefornt i
mochte gesen. unde der nest winter dar-
nach quam, da vil so groß ein snie umb
sente Katherinen misse, als binnen zwenzig
jaren in disen landen i mochte gefallen,
also daz vil lüde, di ober feit sohlen wan-
dern, in dem snie vurdorben unde worden
fonden, da der snie \iirging.
1394 Limb. Chron. c. 177. Gar sure win,
want der froist oberfil den win an den
stocken, e dan he rif worde. unde kaufte
bischof Wernher [von Mainz] hondert fu-
der desselben wines uf der Mosein mit
den vaßen umb virhundert gl., daz was daz
fuder umb vir gl.; unde di worden also
luter uf den heben, daz man si trank vor
winachten uß den glesern.
1395 Limh. Cliron. c. 184. Uf sente Barnabas
dag [Jwni 11] .. wart ein groß ertbebunge,
also daz die lüde sere irschrocken unde
worden irferet . . große sterben in Duschen
landen.
1396 Lirnh. Chron. c. 188 [Februar]. Was
ein große bescheideliche fluit unde ein ge-
weßer, also daz man zu Cobelenze mit
schiffen für in sente Castors gaßen uf den
kornmarkt bis an die brücke, da man geit
ober den graben zu sente Florin, unde ging
in di kirchen unde clostere zu den Barfußen
unde durch den cruzegang.
1397 Ann. Limb. Bec. A. ed. Wyfs. Tempore
maii floruenmt blada simul et botri, et
eodem tempore fuit magna pestilentia, et
in mense iulio eodem anno inventi sunt
botri maturi. Limb. Chron. c. 197 Februar.
Di waßer worden groß, also daz di Lane
bi Limpurg ging ober iren gemeinen floiß
funfzen fuße ho. [c. 202} im . . meige da
stont daz körn unde auch der win in einer
gemeinen blut. unde daz körn in disen
landen vurblude zumale unde wart in dem
meige rihg, unde sneit man rif körn zu
brode in den nest i)ingestheiligen dagen
zu Bojiarten zu Cobelenze unde anders an
vil enden, das mir. korns bleip an eime
gl., unde derselbe win der beste galt vir
hl. ein qwarte zu Limpurg, unde ein qwarte
vur dri hl., vur zwene hl., und einen hl.,
unde was redelich zu trinken, daz werte
ein jar.
1399 Bd. 3, 530, 33. Nulluni vinum vel paucis-
simum crevit.
1408 Ann. Limb. Dietk. Die beati Valerii
[Januar 29] fregit glacies pontem in Wiel-
burg et Dietz necnon omnes ligneos pontes
in Logena Eheno et Eschaffenburg. Ann.
Limb. Bec. A. ed. Wyfs.
Mosel und Riene von lese
alses hart waren bestanden,
daß man zu Covelenz und in viel landen
mit laste darobir mochte gane,
foren karen sledden und wane.
zu nacht Marcelli das geschaich
und wert biß off santa Aldegonden dag
[Jan. 16 bis Jan. 30,'.
1416 Ann. Limb. Bec. A. ed. Wyfs. Circa
festum conceptionis Marie virginis [De-
zember 8] fuit tanta frigiditas hiemis, quod
omnes vinee circa Limpurg eximio frigore
aruerunt; et tempore succedente in mense
apprili sequente vinee excise sunt. Ann.
d. hist. V. f. d. Niederrh. 15, 202—205:
Wasserflut in Münstereifel in der Nacht
vom 6. auf den 7. Juli 1416.
1417 Aim. Umb. Bec. A. ed. Wyfs. Solvebat
mir. siliginis 2 fl., et fuit magna caristia,
durabat per mensem ante messem. et ve-
niente messe magna copia frugum congre-
gata est, videlicet in siligine tritico et
avena, ita quod mir. siliginis statim sol-
vebat 14 gr.
1419 Ann. Limb. Bec. A. ed. Wyfs. Solvebat
mir. siliginis ante messem . . Ib. hl., quod
facit 20 albos minus 2 hl.; sed adveniente
messe et in [l. a] messe per totum annum
solvebat mir. siliginis octo gr. monete Lim-
purgensis, et mir. tritici vix fl., et mir.
avene sex gr. ; et ista venditio frugum du-
rabat a anno vicesimo usque ad annum
[Anhänge.
— 1556
vicesimum primum nativitatis Christi; ex-
tunc mir. siliginis solvebat fl. Ann. Limb.
Dietk. Siligo scindebatur circa festum as-
sumptionis beate virginis Marie [August 15]
triticum citius quam siligo; et mir. venit
8gr.
1420 Urh No. 230. in Bd. 3, S. 264. Dis
jair, wan is miswaß gewest ist . . Wyttenh.
u. Müller. 2, S. 313 Note e. Annus . . in
Omnibus prematurus fuit ; hinc ille versus :
Ruffi [August 27] sancta dies Muselle col-
ligit uvas.
1428 Ann. Limb. Bec. A. ed. Wyfs. Magna
pestilentia in Limpurg a festo penthecostes
r.sque ad nativitatem Christi [3Iai 23 bis
Dezember 25].
1432 Ann. Limb. Bec. A. ed. Wyfs. Tempore
hiemali fuerunt vinee causa nimie frigidi-
tatis et circa Limpurg et circumquaque
abscise et ad nichilum redacte, ita ut in
isto anno nullius utilitatis fuit.
1433 An7i. Limb. Bec. A. ed. Wyfs. Item in
anno {1432 : [so]) iterum vinee corrupte sunt
in hieme et tempore succedente abscise
sunt, et mir. siliginis solvebat 8 gr., et
mir. tritici fl.
1443 Ami. Limb. Bec. B. ed. Wyfs. Rhenus
fuit congelatus, ita quod currus onustos sup-
portaret a festo sancte Barbare usque ad
cathedra Petri [1443 Dezember 4 bis 1444
Februar 22].
1466 Ann. Limb. Bec. A. ed. Wyfs. Mir. si-
liginis solvebat communiter in foro et in
domibus sex gr. , et similiter sexagesimo
septimo vix pro tanto pretio potuit vendi;
et mir. tritici octo aut novem gr.
1467 .^. 1466.
1472 Ann. Limb. Bec. A. ed. Wyfs. Wine
und körne mitsampt aller ander frucht
ganz woilfeil und gude jare.
1473 Ann. Limb. Bec. A. ed. Wyfs. Eine so
waraiber somer, daß keinem menschen zu
der zit nit gedaecht des gelichin mit wine
körn.
1483 Arch. Clervaux 1361, 1483. Mißwachs
und auch der harter theurer zeit der frucht,
sich jetz ein zeit von jaren hiebinnent lan-
des begeben ha(t) [Luxemburg].
1491 Dezember 13 : Goerz, Beg. der Erzb., Aus-
fuhrverbot fü/r Getreide.
1529 Honth. Hist. 2, 620. Mißwachs unrat
und teucrung in das getreid auch wein und
gemeinlich all andere frucht der erden ge-
fallen. Hs. Trier. Stadtbibl. 1346 bei
Wyttenbach u. Müller 2 S. 37ö Note c.
In agro Trevirensi multi novo morbi ge-
nere — sudorem Anglicum vocant — intra
paucissimas horas absumpti sunt.
1536 G. Trev. c. 291. Hiems erat instar veris.
1539 G. Trev. c. 291. Tanta fiüt annonae fer-
tilitas et vini ubertas, ut non sufficerent
vasa. unde cisternae in terram defossae
muratae cum oleo et sevo illitae, aliae as-
seribus vestitae, ut vinum continerent et
servarent.
1540 G. Trev. c. 292. Patria Trevirensis af-
fligitur peste. G. Trev. c. 291. Tanta fuit
aeris siccitas et calor, ut aquae alias pe-
rennes et fontes exsiccarentur, et Rhenus
in multis locis vadosus fiierit, ut pedites
eum transierint. crevit nihilominus vini
praestantissimi et frumenti satis. Chron.
Limb. Ein fuder wein umb 10, 11 auch
12 gl.
1542 Bhenus 1, 20. Umb tritinitatis ist ein
gemein sterben der pestilenz zu Lanstein
gewest, hat gewert uf ^/4 jars. und seint
dik jung und alt gestorben, und das schloß
Laneck bei anderhalb mol aus: also hat
sich der amptman her J. v. E. ein ganz
jar gen Poparthen gethan, bin ich H. G.
zolschreiber ach bei im gewest uf 5 wochen,
und darnoch etlich zeit zu Menz.
c. 1555 G. Trev. c. 294, Bd. 3, 23—24, zum
J. 1557. Cum aliquando anni steriles in-
cidissent atque intempestatis aut pecunie
inopiae aut aquarum eruptione difficilis
esset annonae proventus . .
1565 Ann. Limb. Bec. B. ed. Wyfs; z. J. 1443.
Rhenus congelatus, ita quod currus onustos
supportaret.
1573 Scotti, CJiur -Trier 1, 492. Teuerung.
1581—1599 G. Trev. c. 301. Continua annonae
Caritas . . duo etenim fertiles tantum fuere
anni de novemdecim, scilicet 1584 et 90mus.
. . quia vulgo creditum est, multorum an-
norum continuatam sterilitatem a strigibus
et maleficis diabolica invidia causari, tota
patria in extinctionem maleficarum insur-
rexit . . deficiebat arator et vinitor, hinc
sterilitas. vix putatur saevior pestis aut
atrocior hostis peragrasse Trevirensium
fines, quam hie . . persecutionis modus.
Vgl. dazu Honth. Hist. 3, 174, 1592 Oh
— 1557 —
Elementare Ereignisse.]
tober 2: Voraussieht, daß die bevorste-
hende Weinernte fast schmal und gering
fallen wird. Dasselbe gilt von 1593, Scotti,
Cliur-Trier 7, 562.
1599 G. Trev. 3 S. 58 Note *. Matiu-as uvas
reperit baptista Joannes [Juni 24 J.
1600 G. Trev. c. 302. Plurimi pontes per
dioecesim inundatione aquarum rupti. istum
uf der Alfen Lotharius [archiep.] restauravit.
1615 G. Trev. c. 203. Magnam siiperioris anni
siccitatem secuta est magna vindemia.
1636 G. Trev. c. 306. Confluentiae venditum
unum mir. siliginis 100 fl. et pluris.
1657—1658 G. Trev. c. 311. Frigidiosissima
hiems . . soluto gelu aquarum insolita mag-
nitudo extitit Europae universae formida-
bilis.
1662 G. Trev. c. 316. Parum vini crevit, si-
ligo satis magna, deo gratias!
1663 G. Trev. c. 316. Parum vini crevit, si-
ligo etiam satis magna.
1665 G. Trev. c. 316. Dyssenteria et pestis
fere in omnibus locis. In Köln sterben in
ettva 4 Monaten 4573 Menschen.
1666 G. Trev. c. 316. Grassata circumquaque
pestis.
1667 G. Trev. c. 316. Dyssenteria et pestis . .
Confluentiae et circa partes Trevirenses.
1669 6r. Trev. c. 316. Siccitas tanta fuit circa
has partes Trevirenses, ut . . etiari Con-
fluentiae putei nuUam plane aquam habue-
rint . . bonus satis annus, sed in aliquibus
locis nimis cito advcnit frigus, quod causa-
vit aliquibus plurima damna in uvis et
vineis.
1670 G. Trev. c. 316 ed. Wyttenb. u. Müller 3,
S. 110 — 111. Magnum frigus. Sehr ge-
naue Mitteilungen über den Bhein bei
Koblenz, der zugefroren war'^ . . vinum
satis bonum, sed parum; siligo optima et
satis abundans.
1698 G. Trev. c. 324. Ingens fames et Caritas,
ita ut mir. siliginis 12 immo 16 imperialibus
constiterit, unum plaustrum vini vero Mo-
sellani de 1684 anni crescentia pro 500 usque
imp. Trevirensibus venditum fuerit: adeo
rarae, ob sterilitatem huius et anteriorum
annorum, erant fruges et vina.
1699 G. Trev. c. 324. Annus in frugibus
fructibus et vinis valde ferax in Treviratu
erat.
1) Vgl. damit die Beschreibung des Winters von 1709 6. Trev. c. .383.
2. Bibliographiec
Da F. X. Kraus bald eine eingehende Bibliographie speziell auch der
Geschichtslitteratur des Mosellandes in den Ergänzungsheften der West-
deutschen Zeitschrift publizieren wird, so brauchten die Arbeiten zur all-
gemeinen Provinzial- und Lokalgeschichte in der folgenden Übersicht nicht
berücksichtigt zu werden. Aus demselben Grunde war es möglich, die biblio-
graphischen Details bei Angabe der einzelnen Titel thunlichst kurz zu halten.
A. Bibliographische Hilfsmittel.
Dom C a 1 m e t , Bibliotheque lorraine, ou his-
toire des homnes illustres, qui ont fleuri
en Lorraine, daiis les trois eveches, dans
rarcheveche de Treves, dans le dache de
Luxembourg. Nancy 1751. fol. Ygl. dazu
Calmet, Histoire de Lorraine i, XLIX f.:
Catalogue alphabethique des ecrivains tant
imprimez que manuscrits, qui ont rapport
ä l'histoire ecclesiastique et civile de
Lorraine.
Catalog der Stadtbibliothek zu Aachen. Aachen.
1834.
Catalog der Bibliothek des Kreises Bonn.
Bonn. 1866. 4^.
Catalog der Bibliothek der Stadt Coblenz. 1875.
D r 0 n k e , E. , Beiträge zur Bibliographie und
Litteraturgeschichte , oder Merkwürdig-
keiten der Gymnasial- und städtischen
Bibliothek zu Coblenz. Coblenz. 1837.
Iter literarium (durch die Rheinprovinz)
[Acta ac. Theod. Palat. 3, 18—169.]
Katalog der Bibliothek der Kgl. Regierung zu
Trier. 1847.
Klein, Zur Bibliographie aus den Schätzen
der hiesigen Gymnasial- und vereinigten
städtischen Bibliothek. Koblenz. 1848.
Namur, Catalogue de la bibliotheque de
l'Athenee royal grand-ducal de Luxembourg.
Luxemburg. 1855.
Neyen, A., Biographie Luxemboui-geoise.
3 Bde. Luxembourg. 1876 f. Vgl. hierzu
M. L. G. Biogi'aphie Luxembourgeoise.
Arlon. 1851.
Rouyer, T. , Fragments d'etudes de biblio-
graphie Lorraine. Nancy. 1880.
Schoetter, J. , Catalogue de la Bibliotheque
de Luxembourg. 1875.
B. Zur Quellenkunde.
Becker, A., Das Archiv der Stadt Limburg
an der Lahn [Nass. Ann. 74, 308—317;
ebd. S. 302—308 über das Archiv des
Wilhelmsklosters in Limburg.]
Dronke, E., Über die Gymnasialbibliothek
[zu Koblenz] und einige in derselben auf-
bewahrte Handschriften. Koblenz. 1832.
Friedemann, P., Bodmanns und Kindlingers
— 1559 —
Bibliographie.]
hinterlassene handschriftliche Sammlung
zur Geschichte des Rheingaues [Nass. Ann.
4, 2, 457].
Goetze, Die archivalischen Sammlungen auf
Schlofs Miltenberg in Bayern [von Löhers
Archival. Zs. 2, 146-204].
II gen, Rheinisches Archiv; Wegweiser durch
die für die Geschichte des Mittel- und
Niederrheins wichtigen Handschriften.
I. Teil der Niederrhein. [Westdeutsche
Zs. für Gesch. und Kunst, Ergänzungs-
heft II, hrsgg. von K. Lamp recht]. Ent-
hält auch Vieles für die Moselgegenden
Wichtige.
Papiers de Mabillon contenant principale-
ment les notes prises par ce savant dans
les archives et les bibliotheques de Cham-
pagne de Lorraine et d'Alsace. Hs. Paris
Nat. bibl. 11902.
Q u i c h e r a t, Les manuscrits de la Bibliotheque
de Metz [Catalogue general des Manuscrits
Bd. 5; vgl. A. Archiv f. alt. d. Geschk. 8, 5].
Würth-Paquet, Rapport sur les anciennes
archives du Grand-Duche de Luxembourg
[Publ. Luxemb. 3, 153—174; 4, 75—90].
Vieles auch in den Abt. A. genannten
Schriften. Über die lothringischen Archive
giebt Lepage in seinem 1853 erschienenen
Buche Les communes de la Meurthe,
2 Bde., vielfache Auskunft. Dürftige Aus-
züge aus den Handschriftenkatalogen von
Aachen, Bonn, Koblenz, Kues, Luxemburg,
Trier (Stadt- und Dombibliothek) finden
sich im A. Archiv f. alt. d. Geschkde. Bd.
8 und 11. Kurze Übersichten aller im J.
1882 bekannten Archive habe ich West-
deutsche Zs. Bd. 2, 390 f. zusammen-
gestellt. Man vgl. auch das in Abt. C
angeführte Verzeichnis der Rhein. Weis-
tümer.
C. Regesten.
Goerz, A. , Regesten der Erzbischöfe zu
Trier von Hetti bis Johann II. 814—1503.
Trier. 1859. 4^.
Goerz, A. , Mittelrheinische Regesten, oder
chronologische Zusammenstellung des
Quellen-Materials für die Geschichte der
Territorien der beiden Regierungsbezirke
Koblenz und Trier in kurzen Auszügen.
4 Bde. Koblenz. 1876—1886.
Herquet, Regesten des gräflich Solms-Rödel-
heimschen Archivs zu Assenheim [Nass.
Ann. 13, 49—99].
Kreglinger, Analyse critique de la coUec-
tion des diplomes sceaux cachets etc. du
cabinet de Mr. le comte de Renesse-Breid-
bach. Anvers. 1836. Vgl. dazu
W e i d e n b a c h, Die Freiherren von Breid-
bach zu Bürresheim [Ann. d. bist. V. f.
d. Niederrh. 24, 70—125].
Lager, Regesten der Abtei Mettlach bis zum
17. Jahrhundert [Geschichte der Abtei
Mettlach S. 290—407].
Lepage, H., Catalogue des actes de Ferry III
duc de Lorraine 1250-1303 [604 Nrn.]
in dessen Aufsatz : Opinion de Dom Calmet
sur l'emprisonnement de Ferry III [Me-
moires de la Societe d'archeologie loiTaine
1876].
Liste chronol ogique des edits et or-
donannces de la principaute de Stavelot
et de Malmedy de 650 ä 1793. Brüssel.
1852.
Menzel, K., Regesten der im Archiv des
Vereins für Naussauische Alterthumskunde
und Geschichtsforschung aufbewahrten Ur-
kunden aus den Jahren 1145—1807. [Nass.
Ann. 15, 143—266.]
P e r 1 b a c h, Regesten der auf der Grofsherzog-
lichen Universitätsbibliothek zu Heidelberg
verwahrten Urkunden-Sammlung (des 1829
t J. E. von Fischard, meist SMaximiner
Urkunden). [Mones Zs. 23, 129 f.]
Chartes de la famille de Reinach deposees
aux archives du Grand Duche de Luxem-
bourg (4398 Nrn. vom J. 1221 ab.) [Publ.
Luxemb. Bd. 33, 1877].
Chartularium S ahnen se, Regesten; s.
unter D.
Verzeichnis der Rheinischen Weis-
tümer, Vorarbeit zu der von der Ge-
sellschaft [für Rheinische Geschichts-
kunde] unternommenen Ausgabe. Nebst
einer Orientierungskarte. Trier. 1883.
Wauters, Table chronologique des chartes
et diplomes imprimes concernant l'histoire
[Anhänge.
— 1560
de la Belgique. 5 Bde. Brüssel. 1866 ff.
40.
Weidenbach, Regesten der Stadt Bingen.
Bingen. 1853.
Werveke, N. van, Table chronologique des
Chartes et Docimients concernant la Loi
de Beaumont. [Publ. Liixemb. 32, 140 —
176.]
Würth-Paquet, Luxemburger Regesten,
1198—1482. [Publ. Luxemb. Bd. 14 bis
35.]
Würth-Paquet, Table analytique des char-
tes et des documents concernant la ville
d'Echternach et ses etablissements. Luxem-
burg. 1867 f.
Würth-Paquet et v. Werveke, Archives
de Clervaux analysees et publiees. Luxem-
bm^g. 18ö3. [Publ. Luxemb. Bd. 36, 14.]
D. Publikationen urkundlichen Stoffes ^
Urkunden des Klosters auf dem Beatusberge
bei Koblenz (10 Urkunden von 1153 —
1326). [Reisach und Linde, Archiv für
Rheinische Geschichte 1, 211—240.]
Die Privilegien der Stadt B 0 p p a r d [Wigands
Wetzl. Beitr. 2, 1].
B r e i t h 0 f , L'abbaye d'Echternach 1 597 ;
Extrait d'un manuscrit de l'abbe Berteis.
Echternacher Progymnasialprogramm 1882,
40.
C a r d a u n s, Rheinische Urkunden 10—13 Jahr-
hunderts, aus der Bibliothek der katholischen
Gymnasien in Köln, [jetzt im Kölner Stadt-
archiv] herausgegeben in : Forschungen zur
d. Gesch. 12, 453 ff., Ann. des bist. V. f. d.
Niederrh. 26, 332 ff. und 38, 1 ft\ ; Zs. des
Aachener Geschichtsvereins 1, 120 ff. ; und
Ropertz, Quellen und Beiträge zur Geschichte
der Abtei München-Gladbach. [Vgl. Westd.
Zs. 1 Korrbl. No. 285.]
Codex diplomaticus Nassoicus. Nas-
sauisches Urkundenbuch. Erster Band,
erste Abteilung. Die Urkunden des ehe-
mals kurmainzischen Gebiets, einschliefslich
der Herrschaften Eppenstein, Königstein
und Falkenstein; der Niedergrafschaft
Katzenelnbogen und des kurpfälzischen
Amts Caub. Bearbeitet von W. Sauer.
Wiesbaden. 1885.
Diplomatarium Disibodenbergense [loan-
nis Tabularum litterarumque veterum spici-
legium. Frankfurt. 1724.]
Alte Dorfweisthümer aus dem 15. u. 16.
Jahrhundert [Wigand, Wetzl. Beitr. 1,2;
3, 62-78].
Necrolog der Abtei Engeiport herausgegeben
von V. Stramberg [Reisach und Linde,
Archiv f. Rhein. Geschichte 2, 1 — 95].
E n n e n , Blankenheimer Ministerialenstatut
[Ann. d. bist. V. f. d. Niederrh. 9 u. 10,
122—126].
G i e s e 1 e r , Symbolae ad historiam monasterii
Lacensis ex codicibus Bonnensibus. Bonn.
1826.
Goerz, Luxemburgische Urkunden in dem
königlichen Archiv zu Koblenz [Publ.
Luxemb. 27, 170—175; 28, 193—229; 29,
360—365; 30, 301—306].
G offin et, Cartulaire de Clairefontaine , ou
recueil de documents presque tous inedits
concernant cette ancienne abbaye. Arlon.
1878.
G off in et, Cartulaire de l'abbaye d'Orval,
depuis l'origine de ce monastere jusqu'ä
1) Man vgl. auch noch die ürkundenbeilagen in Werken wie Bertholet, Hist. ecclesiastique et ctvile du
dache de Luxemhourg et comte de Chiny, 8 Bde., 4^, Lnxeitihonrg 1742—43, dem analogen Werke Calmets über
Lothringen u. a. m. Die stadtrechtlichen, vornehmlich statutarischen Quellenpublikationen vou Bacharach, Berg-
zabern, Braubach, Büdingen, Dudeldorf, Echternach, Gerolstein, Grevenmacher, Idstein, Kirchberg, Kirchheim, Kreuz-
nach, Lahnstein, Lechenich, Linz, Luxemburg, Montabaur, Münstereifel, Odernheim, Saarbrücken, Saarburg, SGoar,
SVith, Sinzig, Trier, Wetzlar verzeichnet Gengier, Deutsche Stadtrechtsaltertümer (1882) S. 478—505; es brauchte
also in dieser Richtung oben nur einiges ergänzend angeführt zu werden. Speziallitteratur über einzelne hervor-
ragende hs. liehe Materialiensammlungen, wie über den Liber aureus Prumiensis, die Reihe der erzstiftisch Trierer
Urkundenbücher u. a. m. ist Bd. 2 passenden Ortes angeführt; die Litteratur über den Bd. 2 nicht erwähnten Codex
aureus Epternacensis zu Gotha ist Publ. de Luxembourg Bd. 26, 211—215, zusammengestellt; vgl. auch noch den
Bericht über die Ausgabe der Monumenta Epternacensia in den MGSS, Bd. 23 von Peters, Publ. de Luxembourg Bd. 30,
265—271. — Im übrigens, zum Verständnis der Urkunden noch Marx, Das Tmore Trevirensi' in der Datierung
trierischer Urkunden in früherer Zeit. [Ges. f. nützl. F. 1869—71, 9.]
1561 —
Bibliographie.]
l'annee 1365 inclus. Bruxelles. 1879.
4«.
Goffinet, Ex necrologio in Mariondal, a
me (P. Alexaiulro Wilthoim S. J.) descripta.
[Publ. Luxemb. 29, 353-360].
Urkunden und Acten zur Geschichte von Stadt
und Stift SGoar als Anlagen bei Grebel,
Geschichte der Stadt SGoar S. 421—562.
Günther, W. , Codex diplomaticus Rheno-
Mosellanus, 5 Teile. Koblenz. 1822 bis
1826.
de Haisne, Chartes Luxembourgeoises ä
Lille. [Publ. Luxemb. 32, 306—310.]
Hanauer, A., Les constitutions des campagnes
de l'Alsace au moyen-age. Recueil de do-
cuments inedits. Paris-Strasbourg. 1864.
Hardt, Luxemburger Weistümer als Nachlese
zu J. Grimms Weistiimern. Luxemburg.
1868.
Hennes, Urkundenbuch zur Geschichte des
deutschen Ordens, insbesondere der Bailei
Koblenz. Mainz. 1845.
Hennes, Urkundenbuch des Deutschen Ordens,
insbesondere der Balleien Koblenz, Alten-
biesen, Westphalen und Lothringen. Mainz.
1861.
Reihe von Himmer oder Urkunden, aber
wenige aus dem späteren Mittelalter, passim
beiHeesius,Manipulus rerum memorabilium
claustri Hemmenrodensis. Köln. 1641 fol.
H 0 e n i g e r , R. , Der Rotulus der Stadt Ander-
nach, 1173—1256. [Ann. d. bist. Ver. f.
d. Niederrh. 42, 1—60].
(J. N. ab Hontheim). Historia Trevirensis
diplomatica. 3 Bde. Aug. Vind. 1750. fol.
(J. M. ab Hontheim). Prodromus historiae
Trevirensis. 2 Bde. Aug. Vind. 1757. fol.
Urkunden zum Geschlechtsregister der ur-
alten deutschen Reichsständischen Häuser
Isenburg, Wied und Runkel(327 Nrn.
1194 — 1747) in Geschlechtsregister u. s. w.,
Mannheim. 1775. fol.
(Kindlinger), Urkunden betr. die Schutz-
herrlichkeit über die vormals der ge-
fürsteten Abtei Essen gehörige Herrschaft
Breisich am Rhein, [v. Ledeburs Ai'chiv
2, 312—335.]
Kremer, Originum Nassoicarum pars altera
diplomatica. Wiesbaden. 1779. 4^.
Codex diplomaticus Lacensis (327 Urkunden
und Regesten, 1093—1756) bei Wegeier,
Das Kloster Laach. Bonn. 1854.
Lampreclit, Deutsches Wirtschaftsleben. I.
Archivium domus burgravialis imperii de
Landser on, ea anno 1370 extincta per
haeredes ac successores ditionum amplis-
simarum nobiles dominos de Tomburg,
Eynenburg, Schoenberg, porro illos de
Saffenberg Sombreflf Quad ulterius conti-
nuatum. [Gudenus Cod. dipl. 2, 929—1358.
Frankfurt. 1747. 4^.]
Liel, Das alte Weistum der Stadt Koblenz,
nebst fünf sich auf dasselbe beziehenden
Urkunden des vierzehnten und fünfzehnten
Jahrhunderts. [Reisach und Linde, Archiv
f. Rhein. Geschichte 2, 95—125.]
L 0 e r s c h , H. , Urkunden des 14. und 15. Jahr-
hunderts aus Ingelheimer Urteilsbüchern
mitgeteilt. [Archiv f. hess. Gesch. u. Alter-
tiunskunde Bd. 15.]
— Der Ingelheimer Oberhof. Bonn. 1885.
Chartes Luxembourgeoises. [Publ. Luxemb.
5, 149-158; 7, 197—206.]
Weistümer der Abtei Mettlach. [Lager,
urkundliche Geschichte der Abtei Mettlach.
Trier. 1875. S. 228-407.]
Miraeus, Diplomatum belgicorum libri duo.
Brüssel. 1627.
— Opera diplomatica et historica. 2 Bde.
Brüssel. 1720. Löwen. 1723. fol.
Monuments pour servir ä l'histoire des pro-
vinces de Namur, de Heinaut et de
Luxembourg, publi^s par le Baron de
Reiffenberg (Bd. 1. 4. 5. 7. 8)., L L de
Smet(Bd.2), L. Devillers (Bd. 3), A. Borguet,
E. Gachetet [Liebrecht] (Bd. 6); 1844-1874.
Enthält:
I. Division, Cartulaires: 1. Chartes de
Namur et de Hainaut. 2. Cartulaires
de Cambron. 3. Cartulaires de Hainaut.
II. Division, Legendes: 4—6. Le Che-
valier au cygne et Godefroid de Bouillon,
poeme historique.
III. Division, Chroniques Annales: 7. Le
Roman de Gilles de Chin. 8. Autres
chroniques monastiques du Namurois
et du Hainaut.
Neyen, Revenues et charges du monastere
des dames Chanoinesses de l'ordre de
St. Augustin (vom J. 1784). [Publ. Luxemb.
16, 201—205.]
Nick, Liber donationum ecclesie sancti Severi
Bopardie (aus den Jahren 1290—1300).
[Nass. Ann. 9, 1—49.]
99
[Anhänge.
— 1562 —
Peters, Das Obituarium der Abtei Echter-
nach. [Publ. Liixemb. 27, 140—170.]
Reisach, Graf, Mannbuch der Grafschaft
Sayn (vom Jahre 1475). [Reisach und Linde,
Archiv f. Rhein. Geschichte 2, 125—161.]
— ürkundenbuch der Grafschaft Sponheim.
(26 Urkunden von 1065 bis 1267). [Rei-
sach und Linde, Archiv f. Rhein. Ge-
schichte 2, 235—289.]
Collectio Diplomatum C ad illustrandam his-
toriam comitum a Rieneck (1304—1561)
[Gudenus, Cod. Dipl. 5, 344—600.]
Codex diplomaticus Rommersdorfiensis
(69 Urkunden 1162—1572) [Wegeier, Die
Prämonstratenser- Abtei Rommersdorf. Kob-
lenz 1882; im Anhang.]
Rössel, C, Ürkundenbuch der Abtei Eber-
bach im Rheingau. 2 Bde. Wiesbaden.
1860 f.
Roth , F. W. E., Geschichtsquellen aus Nassau.
1. Die Geschichtsquellen des Niederrhein-
gaues. 3 Teile. Wiesbaden. 1880.
— Bruchstück eines Güterrotuls des Klosters
Rupertsberg 12. Jahrhunderts [Korrbl. des
Gesamtvereins 1882 No. 7 u. 8].
Chartularium Salmense (21 Regesten und
17 Urkunden 1274-1753) [Kremer, Genea-
logische Geschichte des Ardennischen Ge-
schlechts. Frankfurt und Leipzig. 1785.
4P. Codex Diplomaticus S. 59—96].
Codex diplomaticus Salmo-Reifferschei-
danus. Köln. 1858. fol. [Bd. 2 von Fahne,
Geschichte der Grafen, jetzigen Fürsten
zu Salm-Reiflferscheid].
Chartularium Saraepontanum (263 Urkun-
den von 864 — 1475) und Appendix ad Ch.
Saraep. , in qua ius statuarium Saraepon-
tanum. [Kremer, Genealogische Geschichte
des alten Ardennischen Geschlechts. Frank-
furt und Leipzig. 1785. 4^. Codex diplo-
maticus S. 279—628].
Sauer, Die ältesten Lehensbücher der Herr-
schaft Bolanden. Wiesbaden. 1882.
Stehres, Geschichtliche Notizen und Anek-
doten, gesammelt aus Urkunden des
Schlosses zu Erpeldingen. Diekircher Pro-
gramm, 1841—42 (s. Weifs).
T 0 e p f e r , F. , Ürkundenbuch für die Ge-
schichte des gräflichen und freiherrlichen
Hauses der Vögte von Hunolstein, 3 Bde.
Nürnberg. 1866 f. 4«.
Burgfrieden von Uren und Feltz. [Publ.
Luxemb. 7, 1—27.]
Ürkundenbuch zur Geschichte der jetzt
die Preufsischen Regierungsbezirke Coblenz
und Trier bildenden Mittel rheinischen
Territorien, bearbeitet von H. Beyer,
L. V. Eltester, A. Goerz. 3 Bde. Koblenz.
1860 bis 1874.
Wege 1er, Diarium des Trierischen Seki'etärs
Peter Maier von Regensburg über seine
Ein- und Ausgaben , gehaltenen Scheffen-
essen etc. als Schelfen und Scheffenmeister
von Koblenz. 1508 f. [Ann. d. bist. Y. f. d.
Niederrh. 8, 1-16.]
Weifs, Fortsetzung der geschichtlichen Notizen
aus den Archiven des Erpeldinger Schlosses.
Diekircher Programm 1847—48 (s. oben
Stehres).
V. Werveke, Ausgabenregister des Abts
Winand von Echternach, 1440—1448.
[Publ. Luxemb. 35, 508 f.]
— Cartulaire du prieure de Marienthal. Pre-
mier volume 1231—1317 [Bd. 38 (16) der
Publ. Luxemb.] ^
Diplomatarium ecclesiae collegiatae Wetz-
lariensis (211 Urkunden) [Gudenus Cod.
dipl. 5, 1-308].
Urkunden des Marienstifts zu Wetzlar.
[Wigand, Wetzl. Beitr. 1, Heft 2 u. 3.]
Ürkundenbuch der Stadt Wetzlar (bis 1361).
[Wigand, Wetzl. Beitr. 3, 227 u. 329.]
Würth-Paquet et van Werveke, Car-
tulaire ou recueil des documents politiques
et administratifs de la ville de Luxembourg
de 1244 ä 1795. Luxembourg. 1881.
Wyttenbach und Müller, Gesta Trevirorum
integra. 3 Bde. Trier 1886—39. 4«.
E. Verordnungen und Kodifikationen^.
Blatt au, Statuta synodalia ordinationes et
mandata archidioecesis Treverensis. 8 Bde.
Aug. Trev. 1844—49. 4^. Von den früheren
Sammlungen vgl. namentlich :
1) Dieses Ende 1885 erschienene Urkundenbach konnte nur noch für einige Teile der zweiten Hälfte des
ersten Bandes benutzt werden.
2) Die Litteratur der einzelnen Landrechte s. in den angef. Werken von Maurenbrecher und von der Nahmer.
— 1563
Bibliographie.]
Statuta provincialia Treverensis dyocesis.
Colonie. 1506.
Bonvalot, E. , Droits et coustumes de la
ville de Remiremont. Paris. 1871.
Bonvalot, E. , Les plus principales et
generales coustumes du duchie de Lor-
raine, texte inedit avec introduction. Paris.
1878.
Coutumes generales des pays duche
de Luxembourg et comte de Chiny.
Luxemb. 1692. 12». S. dazu: Lands-
bräuche von Luxemburg und Chiny. 1709.
Coustumes generales de la ville de Metz
et pays messin, corrigees en suite des
resolutions des trois Etats de la dite ville
es annees 1616, 1617 et 1618. Avec les
proces - verbaux de correction. Enrichies
d'un commentaire sur les principaux ar-
ticles. Metz. 1738. 4».
Geyer, F., Holzordnung zu Laufenseiden
[Nass. Ann. 7, 2, 251].
Leclercq, Coutumes des pays duche de
Luxembourg et comte de Chiny. 2 Bde.
Bruxelles. 1867. fol.
Maurenbreclier, Die Rheinpreufsischen
Landrechte. 2 Bde. Bonn. 1830—31.
Nahm er, W. v. d., Handbuch des Rhei-
nischen Partikularrechts. 3 Bde. Frankfurt
a. M. 1831 f.
Polain, L., Recueil des ordonnances de la
principaute de Stavelot. 1864. fol.
Recueil d'edits ordonnances declarations et
reglements concernant le duche de Luxem-
bourg et comte de C h i n y. Luxembourg.
1691. 40.
Scotti, J. J. , Sammlung der Gesetze und
Verordnungen, welche in dem vormaligen
Chiu-fiirstenthum Trier über Gegenstände
der Landeshoheit, Verfassung, Verwaltung
und Rechtspflege ergangen sind. 2 Teile.
Düsseldorf. 1832. [Provinzial - Gesetze,
4. Sammlung.]
Sittel, Sammlung der Provinzial- und Par-
tikular-Gesetze und Verordnungen, welche
für einzelne an die Krone Preufsen ge-
fallene Territorien des linken Rheinufers
. . erlassen worden sind. 2 Bde. Trier.
1843.
Würth-Paquet, Recueil d'edits, ordon-
nances, reglements et declarations dans le
ci-devant pays de Luxembourg, en matiere
de bois et forets. Luxembourg. 1825. 12^.
F. Topographie und Statistik.
Ab ich t, F. K., Der Kreis Wetzlar historisch,
statistisch und topographisch dargestellt.
3 Teile. Wetzlar. 1836-37.
Amtsbeschreibung der Grafschaft Spon-
heim von 1601, cit. Gr. Weist. 2, 164.
A x e r , J . C. , Alphabetisches Ortschaftsver-
zeichnis der Rheinprovinz und Westfalens.
Köln. 1880. 4».
Baersch, Der Moselstrom von Metz bis
Koblenz. Trier. 1841. 12o.
— Statistisch-topograi^hische Beschreibung des
Regierungsbezirks Trier. Trier. 1841. 12^.
— Beschreibimg des Regierungsbezirks Trier.
2 Teile. Trier. 1846—49. 4^
Beck, 0., Beschreibung des Regierungsbezirks
Trier. 3 Bde. Trier. 1868.
— Der Weinbau an der Mosel und Saar,
nebst einer von Clotten angefertigten Wein-
baukarte. Trier. 1869.
Bemmel, E. van, et Glavraud, F., La
province de Luxembourg. Voyage ä travers
champs. Bruxelles. 1845.
Bungeroth, Die bäuerlichen Verhältnisse in
der Bürgermeisterei Altenkirchen. [Schriften
des Vereins für Sozialpolitik 22, 177.]
Buss, Die industrielle Gewerbsthätigkeit im
Regierungsbezirk Trier. [Ges. f. nützl. F.
1861—62, 89]. Vgl. weiter Buss in Ges.
f. nützl. F. 1864, 89 ff.; 1865—68, 92 ff.
Dom Calmet, Notice de la Lorraine, qui
comprend les duches de Bar et de Luxem-
bourg, l'electorat de Treves, les trois eveches.
2 Bde. Nancy. 1756. fol. [Neue Ausgabe
in 80. Luneville. 1835-36. 2 Bde.]
Clomes, Versuch einer geographisch - statis-
tischen Beschreibung des Grofsherzogtiuns
Luxemburg. Programm des Athenäums
1839-40. Dazu:
Joachim, Fortsetzung eines Versuchs einer
statistisch-geographischen Beschreibung des
Grofsherzogtums Luxemburg. Programm
des Athenäums 1840 — 41.
Der Regierungsbezirk Koblenz, nach seiner
Lage, Begrenzung, Gröfse, Bevölkerung
99*
[Anhänge.
1564
und Einteilung, samt einem doppelten Ort-
schaftsverzeichnisse. Koblenz. 1817. 4^.
Colchen, Memoire statistique du departe-
ment de la Moselle. Paris. An XL
Crollius, Ch. G., Observationes geographicae
ad illustrandum omnem tractum Mose-
liensem spectantes. [Acta acad. Theod.
Palat. 5, 187—323.]
Dünkelberg, Kulturtechnische Skizzen aus
der Eifel, im besondern aus den Kreisen
Adenau, Dann, Prüm und Mamedy. 1884.
fol. (Auf Anordnung des Landwirtschafts-
ministers ausgearbeitete Denkschrift.)
Eichhoff, J. J., Topographisch - statistische
Darstellung des Rheins, mit vorzüglicher
Hinsicht auf dessen Schiffahrt und Handel.
Köln. 1814. 40.
Allseitiges Gemälde der Eifel und ihrer
nächsten Umgebung, von einen katholischen
Geistlichen der Eifel. Prüm. 1844.
Engling, Die Gemeinde Waldbillig archäo-
logisch-statistisch dargestellt. [Publ. Luxemb.
3, 174—200.]
Esser, Qu., Die Lebensweise der Eifel-
bewohner. [Malmedyer Kreisblatt 1883 ff.]
Fr i edel, Die Wasserverhältnisse und Schiff-
barkeit der Mosel. [Vierter Jahresber.
des Metzer Vereins für Erdkunde. 1882.]
Gavarelle, De, Abhandlung über die Schiff-
barmachung der Lahn, Nahe, Mosel, Saar
und anderer mittlerer und kleinerer Flüsse.
Koblenz. 1806.
Grebe, H., Geologische Mitteilungen aus der
Gegend von Trier. [Ges. f. nützl. F.
1878-81, 68 ff.]
Grövig, N., Das Grofsherzogtum Luxemburg,
Land und Volk in seinen jetzigen po-
litischen und sozialen Verhältnissen. Luxem-
burg. 1857. 40.
Hört er, J. , Der rheinländische Weinbau
nach theoretisch -praktischen Grundsätzen
für denkende Ökonomen. Koblenz. 1828.
Hörn, A. , Das Siegthal von der Mündung
des Flusses bis zur Quelle in seinen
historischen und sozialen Beziehimgen.
Bonn. 1854.
Itineraire de Luxembourg germanique.
Luxembourg. 1844.
Kart eis. Die wirtschaftliche Lage des Bauern-
standes in den Gebirgsdistrikten des Kreises
Merzig (RGB. Trier), insbesondere in den
Bürgermeistereien Wadern, Weifskirchen
und Haustadt. [Schriften des Vereins
für Sozialpolitik 22, 187.]
Kaufmann, A., Zur Litteratur der Rhein-
reisen. [Ann. d. bist. V. f. d. Niederrh.
18, 166-179.]
Kinkel, Die Ahr. Bonn. 1846.
Koch, F. W. , Der Weinbau an der Mosel
und Saar. Trier. 1881.
Kunz, A., Der Kreis SGoar, seine Geographie,
Statistik und Geschichte. Neuwied und
Leipzig. 1877.
Mathieux, Beschreibung des Kreises Schiei-
den. Köln. 1851.
Die Mosel und ihre nächsten Umgebungen
von Metz bis Koblenz historisch - topo-
graphisch. Koblenz. 1841.
Müller, M. J. F., Versuch einer historisch-
statistischen Erdbeschreibung des Herzog-
tums Luxemburg und der Grafschaft Chiny.
Trier. 1794.
— Historisch - topographische Ansichten über
die Ardenne und den Ardenner Wald,
[v. Ledeburs Archiv 7, 75—88.]
— Historisch -topographische Beiträge zur
Kenntnis des Saur-Thales. Trier. 1844.
Reinhardt und Beck, Beschreibung des
Oberamts zu Meisenheim -Neunkirchen.
Meisenheim. 1868.
V. Restorff, Topographisch-statistische Be-
schreibung der königlich preufsischen Rhein-
provinzen. Berlin und Stettin. 1830.
Ristelhuber, L'Alsace ancienne et moderne
ou Dictionnaire topographique historique
et statistique du Haut- et du Bas-Rhin par
Baquol;3e ed. par Ristelhuber. Strasbourg.
1865.
Schenk, C. F., Statistik des Kreises Siegen.
2. Aufl. Siegen. 1839.
Schlickeysen, Topographische Beschrei-
bung des Regierungsbezirks Trier. 1833.
Schnappe r-A r n d t , G., Fünf Dorfgemeinden
auf dem hohen Taunus. Eine sozial-
statistische Untersuchung über Klein-
bauertum, Hausindustrie und Volksleben.
[Schmollers Staats- und sozialwissenschaft-
liche Forschungen Bd. 4 Heft 2,] Vgl.
auch Schriften des Vereins für Sozialpolitik
Bd. 22, 145—169.
Schneider, Das Kyllthal. Trier. 1843.
Sivering, H., Statistique du Grand-Duche
de Luxembourg. Luxembourg. 1865. 8*^.
Statistische Darstellung des Kreises
1565 —
Bibliographie.]
Saarloiiis 1859—61. Älmliclie Dar-
stellungen sind vorhanden fi'ir die Kreise
Kochern, Saarbrücken, Saarburg, Bern-
kastei, Trier, Adenau, SGoar, Simmeni,
Mayen, 1860—1864.
Storck, A. Th., Darstellungen aus dem
preufsischen Rhein- und Mosellande. 2 Teile.
Essen und Duisburg. 1818.
V. Stramberg, Das Moselthal zwischen Zell
und Koblenz. 1837.
Table alphabetique des villes boiu-gs
villages etc. du Grand Duche de Luxem-
b 0 u r g. Luxembourg. 1847 .
Topographische Beschreibung des
Regierungs-Bezirks Trier. Mit einem An-
hange, enthaltend eine Sammlung stati-
stischer Übersichten. Trier. 1833. 4^.
— Trorbachische Ehren-Saul oder ge-
schichtliche Beschreibung förderst der fürstl.
Sponheymischen Ober-Amts-Statt Trorbach
an der Mosel, teils auch anderer Ort in
derselben Gegend, sonderlich des dahin
verbürgerten Hauptfleckens Traben, durch
Johann Ilofmann. Stuttgart. 1669. kl. 8^,
820 SS. ohne Register und Einleitung ^
V. Ulmenstein, Geschichte und topo-
graphische Beschreibung der freien Reichs-
stadt Wetzlar. 3 Bde. Hadamar. 1802.
V a n d e r m a e 1 e n , Dictionnaire geographique
du Luxembourg. Bruxelles. 1838.
Weyden, Das Siegthal. Bonn. 1865. 12^.
Widder, J. G., Versuch einer geographisch-
historischen Beschreibung der kurfürst-
lichen Pfalz am Rhein. 4 Teile. Frank-
furt. 1786—1788. Kl. 8*^.
Wirtgen, Ph. , Die Eifel in Bildern und
Darstellungen. Die Nette. Brohlthal-Laach.
Das Ahrthal. 3 Teile. Bonn. 1867 f.
— Aus dem Hochwalde. Kreuznach. 1867.
Wolter, W. , Geographisch-statistische Dar-
stellung des Regierungsbezirks Koblenz nebst
dem Herzogtum Nassau. Koblenz. 1839.
Zegowitz, Statistique du departement de
la Sarre. Treves. An XL
Zeiller, Topographia Palatinatus Rheni et
vicinarum regionum, mit Kupfern von
Merian. Frankfurt. 1645. fol.
G. Münze und Mafs.
Aldefeld, C. L. W., Die älteren und neuen
Mafse und Gewichte der königlich preussi-
schen Rheinprovinz. Aachen und Leipzig.
1835.
Arnold, Das alte Mainzer Hausgenossenrecht.
[Anz. f. Kde. der deutschen Vorzeit 1857,
85 f.]
Arnoldi, I. v., Beitrag zur Geschichte des
Münzwesens, gesammelt aus Urkunden
des Archivs in Dillenburg. [Nass. Ann. 1,
87—99.]
— (Angeblich von J. J. Bohl) Berichtigun-
gen zur Münzkunde des Mittelalters und
neuerer Zeit. 0. J. 8^. Heidelberg, J. Engel-
mann, Erste Lieferung. Enthält : Münz- und
Medaillenkunde des vormaligen Erzstifts
imd Kurfürstentums Trier; Zeitraum 974
bis 1803. [Ist nach Leitzmann, Wegw.
S. 197, vielmehr von Dinget. Freilich giebt
L. den falschen Verlagsort Koblenz 1830.
Sicher liegt die Arbeit zeitlich nach der von
Bohl über die Trierer Münzen (Kobl. 1823).]
Berstett, A. Frhr. v.. Versuch einer Münz-
geschichte des Elsasses. Freiburg. 1840.
Gr. 4^. Nebst Nachtrag.
Berstett, A. Frhr. v., Münzgeschichte des
Zähringen - Badischen Fürstenhauses und
der unter seinem Scepter vereinigten Städte
und Landschaften. Freiburg. 1846. Gr. 4<^.
Bohl, J. J., Die Trierischen Münzen, chrono-
logisch geordnet und beschrieben. Kob-
lenz. 1823. Nachtragheft Hannover 1837.
[Von der zweiten, umgearbeiteten Auflage
1847 wurden nur 3 Bogen gedruckt.] Man
vergleiche: H. Dannenberg, Nachträge zu
Bohls Buche über die Trierschen Münzen
[(Wiener) Numismatische Zs. 3, 546 f.].
Cappe, H. Ph., Beschreibung der kölnischen
Münzen des Mittelalters. Dresden. 1853.
— Beschi'eibung der Mainzer Münzen des
Mittelalters. Dresden. 1856.
Chälon, R., Recherches sur les monnaies
des comtes de Hainaut. Bruxelles. 1847
bis 1857.
1) Ein Exemplar dieses äufserst seltenen Buches in Besitz von Prof. Birlinger, vgl. Za. f. deutsche Philologie
Bd. 17 (1885), S. 439 f.
[Anhänge.
1566
Chälon, R., Recherches siir les monnaies
des comtes de Namur. Bruxelles. 1860
bis 70. Mit Supplement.
de Cuvry und Settegast, Moneta Wissen-
sis. [Grotes Münzstudien 7, 93 f.]
Dahl, K., Abhandlung von den alten Münz-
sorten und dem Werte des Geldes im
Mittelalter in Vergleichung gegen den
24fl.-Furs zur Erläuterung der Lorscher
und anderer Urkunden. [Geschichte des
Fürstentums Lorsch. Darmstadt. 1812.
Teil 2, 155 f.].
Den Duyts, Notice sur les anciennes mon-
naies des comtes de Flandre, ducs de Bra-
bant, comtes de Hainaut, comtes de Namur
et de Luxembourg, faisant partie de la
collection des medailles de l'universite de
Gand. Gent. 1847.
Engel, Documents pour servir ä la numis-
matique de l'Alsace. Mühlhausen.
Eni er, Die alte Münze in Wiesbaden. [Nass.
Ann. 4, 3, 614.]
G r 0 1 e , H. , Über das Münzwesen der Abtei
Siegburg. [Geschichte der Münzen der Grafen
und Herzöge von Berg, Münzstudien 7, 63.]
— Die Münzen und Medaillen des Hauses
Isenbm^g. [Münzstudien 7, 178 f.]
— Die Münzen der Grafen und Herzoge von
Jülich. [Münzstudien 7, 379-473.]
— Die Münzen der Grafen von Spanheim.
[Miinzstudien 7, 483 f.]
Hanauer, Etudes economiques sur l'Alsace
ancienne et moderne. Tome 1 : Les mon-
naies. S. unter H.
Harster, W., Versuch einer Speierer Münz-
geschichte. [Mitt. des bist. Vereins der
Pfalz Bd. 10. 1882.]
— Urkundliche Nachrichten über den Aus-
gang der Speierer Hausgenossenschaft. [Zs.
f. d. G. des Oben-heins 36, 322—426.]
Hegel, C. , Münzverhältnisse (in der Stadt
Mainz, 15. Jh.) [Chroniken der deutschen
Städte 18, 2. Abt., 91 f.]
Jacob, V., Catalogue des monnaies gauloises
de la ville de Metz. Metz. 1874.
— Catalogue des monnaies merovingiennes
de la collection de Metz. Metz, 1869.
Joseph, P., Beiträge zur pfalzgräflichen und
mainzischen Münzkunde. [Mitteilungen
des historischen Vereins der Pfalz 9, 1 — 49.]
— Die Münzen der Stadt Mainz. [Archiv f.
hess. Gesch. u. Landeskunde Bd. 15.]
J 0 s e p h , R. , Die Frankfurter Münzen. [Mitt.
an die Mitgl. d. Vereins f. d. Gesch. u.
Altertumskunde in Frkft. a. M. Bd. 6.]
— Goldmünzen des 14. und 15. Jahrhunderts
(Disibodenberger Fund). Nebst urkund-
lichen Beiträgen zur Münzgeschichte der
Rheinlande, besonders Frankfurts. [Archiv
des Vereins für Geschichte und Altertums-
kunde in Frankfurt, N. Folge Bd. 8.]
— Der Bretzenheimer Münzfund. [Zs. des
Vereins zur Erforschung der Rheinischen
Geschichte und Altertümer in Mainz, Bd. 3,
179-273].
Isenbeck, J., Das Nassauische Münzwesen I.
[Nass. Ann. 15, 99 u. Zusatz 376].
Ladner, Katalog der in Trier geschlagenen
römischen Münzen der Münzsammlung der
Gesellschaft für nützl. Forschungen. [Ges.
f. nützl. F. 1874-77, 1 f.].
Mone, Über das Münzwesen vom 13. bis
17. Jahrhundert. [Zs. f. d. Gesch. des
Oberrheins 2, 385 f.; vgl. auch Bd. 6,
257 f., und Bd. 3, 317: Münzprägung
rheinischer Fürsten und Städte 1503 bis
1513.]
Müller, Kleine vermischte Beiträge zur
Kenntnis der Schicksale einheimischer
und fremder Münzen im Herzogtum Luxem-
burg und in der Grafschaft Chiny. Trier.
1829.
— Auszüge aus Trierschen Münzverordnungen,
[v. Ledeburs Archiv 9, 162; 14, 241 f.]
Kurze zuverlässige Nachricht von der
gräfl. Wiedischen Münzgerechtigkeit. Neu-
wied. 1763.
Neil er, G. Chr., Kleine Münzschriften,
welche ich hier mit abgekürztem Titel
gebe; Exemplare in der Trierer Stadt-
bibliothek: Brevis Instructio de Solido
Speciei Argenteo apud Treviros. Von dem
Trierischen Schilling. 1759. Instructio Ca-
nonico-Monetaria de Grosso Turonensi et
Trevirensi. 1760. Brevis Instructio de
Moneta Rotata. Von der Rader -Münz.
Instructiones Breves de Denario et Hallensi,
eorumque successiva Declinatione, conco-
mitante Explicatione Solidorum aliarum-
que Monetarum etc. Trier, Eschennann,
1761. De Turonensi parvo seu nigro.
1762. Kurzer Unterricht von denen Alt-
Römischen, Fränkischen, auch gemein
Rheinländischen Pfennigen und Hellern bis
— 1567 —
Bibliogni})hie.]
auf gegenwärtige Zeit u. s. w. 1763. Co-
natus exegiticus etc. 1779. — Aufser-
(lem sind die Teile in Hontheims Hist.
Trever. Diplom. 2, 885—894 und Pro-
drom. Ilist. Trev. S. 632—642 über das
Münzwesen (aus den Jahren 1750 und 1757)
von Neller.
Pfaffen h Oven, F. v., Die Münzen der Her-
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Liege. Bruxelles. 1830-31.
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Robert, N. E., Recherdies sur les monnaies
des eveques de Toul. Paris-London. 1844.
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Nord-Est de la France. Metz. 1862.
Caignart de Saulcy, L. F. J., Recherches
sur les monnaies des eveques de Metz. Metz.
1834. Dazu Supplement aux recherches
sui' les monnaies des eveques de Metz.
— Recherches sur les monnaies des ducs he-
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Schalk, R. , Münzsammlung des Vereins für
nassauische Altertumskunde und Ge-
schichtsforschung. Die mittelalterlichen
und neueren Münzen. Wiesbaden. 1865.
Schneemann, Die Klosterniünzen im Sprengel
der trierischen Erzdiöcese. [Ges. f. nützl.
F. 1858, 2 f.]
— Die Münzstätten der trierischen Fürsterz-
bischöfe. [Ges. f. nützl. F. 1858, 14 f.;
Nachtrag hierzu von Schlickeysen a. a. 0.
1859—60, 52 f.]
— Beitrag zur Geschichte des Falschmünzer-
wesens unter den Römern. [Ges. f. nützl.
F. 1861—62, 17 f.]
Senckler, Übersicht der Münzgeschichte
des Rheinlandes bis zur Mitte des achten
Jahrhunderts. [Bonner JBB. 15, 143 bis
172.]
Wentz, Ausführliche Berechnung aller Münz-
sorten, welche an königlich preufsischen
Kassen angenommen werden. Köln. 1817.
Vergleichende Wertbestimmung ver-
schiedener Geldsorten und Mafseinteilungen
am Niederrhein aus dem 15. Jh. [Lacom-
blets Archiv 1, 207.]
Würdtwein, St. A., Tractus Rhenani chro-
nicon monetarium ab anno 1343 — 1766 e
documentis authenticis confectum. [Diplo-
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H. Rechts- und Wirtschaftsgeschichte.
Achenbach, H. , Die Haubergsgenossen-
schaften des Siegerlandes. Ein Beitrag
zur Darstellung der deutschen Flur- und
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Bach mann, J. H. , Pfalz -Zweybrückisches
Staats-Recht. Tübingen. 1784.
Bär, M. , Zur Geschichte der deutschen
Handwerksämter (über die Trierer Hand-
werksämter). [Forschungen z. D. Geschichte
24, 232-272.]
Beck, L., Beiträge zur Geschichte der Eisen-
industrie [Nass. Ann. 14, 317; 15, 124].
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Rheinprovinz und das altpreufsische Sepa-
rationsverfahren. Cöln. 1859.
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stiques sur les noms de lieux romans et
bas-allemands de la Belgique. [Ann. de
l'Academie d'Archeologie de Belgique
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den Ardennen durch den Benedictiner-
Orden. Echternacher Programm 1851 bis
1852. 40.
Bodmann, T. J., Rheingauische Altertümer,
oder Landes- und Regimentsverfassung des
westlichen oder Niederrheingaues im mitt-
leren Zeitalter. 2 Teile. Mainz. 1819. 4«.
S. auch unter Heufser.
Brants, V., Histoire des classes rurales aux
Pays-Bas jusqu'ä la fin du XIH« siecle.
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et de l'eveche de Metz. [Histoire de
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Chronik der Kresz enzen, s. dieLitteratur
oben S. 1588.
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des 14. Jahrhunderts mit besonderer Be-
ziehung auf Nassau. Wiesbaden. 1865.
Decker, Über die regia villa Flammersheim
[Anhänge.
— 1568
und die daraus entstandene Pfarrei und
Gemeinde Kirchheim. [Ann. d. hist. Ver.
f. d. Niederrh. 24, 126—157.]
Dornbusch, Beitrag zur Verfassungs-
geschichte der Vogtei und Stadt Siegburg
unter den reichsunmittelbaren Äbten im
15., 16. und 17. Jahrhundert, mit beson-
derer Berücksichtigung der Kulturgeschichte.
[Ann. d. hist. V. f. d. Niederrh. 23, 60 bis
143.]
Düntzer, Der M'einbau im römischen Gallien
und Germanien. [Bonner JBB. 2, 9 f.]
Über die Anlage und Bewirtschaftung von
Eichen schäl Waldungen, mit beson-
derer Berücksichtigung der mittleren Pro-
vinzen des preussischen Staats. Berlin.
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Eist, C. V, d., Essai sur nos anciennes
franchises rurales. [Messager des sciences
historiques 1881.]
E n g e 1 m a n n , T h. , Geschichte und Ver-
fassung des Cröverreichs. [v. Ledeburs
Archiv 14, 3—38, 140—166, 204—230,
298-343.]
Engling, Die früher befestigt gewesenen
Kirchtürme unseres Landes. [Publ. Luxemb.
19, 205-215.]
— Der Marscherwald vor, bei und nach dem
Feudalrechte. [Publ. Luxemb. 22, 170 bis
187.]
Esser, Qu., Über einige gallische Orts-
namen auf -äcum in der Rheinprovinz.
Andernacher Schulprogi'amm 1874. 4^.
— Was bedeutet der Lokalname Kahrel?
[Picks Monatsschrift f. d. Gesch. Westdls.
Bd. 7, 296.]
— Zwei verschollene Keltenorte im Regie-
rungsbezirk Koblenz (Sendenich bei Rübe-
nach, Geisenach bei Polch). [Bonner Jahrbb.
Heft 72.]
— Bemerkungen zu den Ortsnamen des Kreises
Malmedy [Kreisblatt für den Kreis Mal-
medy 1882 — 83; ebd. eine Masse kleiner
etymologischer Einzelaufsätze.]
Ferren, J. P. , Essai d'un Systeme du droit
coutiunier luxembourgeois. Luxembourg.
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— Etudes de droit coutumier luxembourgeois.
Luxembourg. 1857.
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Luxembourg. Luxembourg. 1861.
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les noms de lieux du Luxembourg ger-
manique. [Publ. Luxemb. 9, 28—65: 10,
161—207; 12, 26-79; 13, 17-63; 14,
25-66; 15, 12-44; 18, 177—227.]
Friedemann,?., Zur Erklärung nassauischer
Ortsnamen. [Nassauer Annalen Bd. 4, 2,
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Denkschrift der preufsischen Staatsregierung
über die Verhältnisse der Gehöfer-
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Trier. [Aktenstücke des Abgeordneten-
hauses, 13 Legislaturperiode, IIL Session
Nr. 54, 1878-79.]
Gerss, F., Zeitpachtgüter am Niederrhein.
[Zs. des Bergischen Geschichtsvereins 15,
91-96.]
— Höfe und Hofesrecht des ehemaligen Stifts
Essen. [Zs. des Bergischen Geschichts-
vereins 11, 174—200; 12, 121—199.]
Giersberg, Was hat der Ausdruck vinum
hunicum ,Hundswein' zu bedeuten? [Ann.
des hist. Ver. f. d. Niederrh. 17, 61—64].
— Das Erbmarschallamt im ehemaligen Erz-
stifte Köln. [Ann. d. hist. Ver. f. d.
Niederrh. 26 u. 27, 317—331.]
Goetze, Beiträge zur Kenntnis der Kultur-
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anciens noms de lieux dans la Belgique
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Haeften, v.. Die Lehnhöfe am Niederrhein.
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Abteilung: Die Rheinische Ritterschaft.
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wied, Godesberg-Mehlem.) [Lacombl. Archiv
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au moyen-äge. Paris. 1865. 8^. [Sonder-
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et moderne. 2 Bde. Paris und Strafsburg.
1876—78. 8^. (Tome 1: Les monnaies;
Tome 2: Denrees et salaires.)
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"Wahrhafte etc. Geschichte und Bericht über
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Koblenz gehörigen Landesteile. Zweite
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Hettner, F., Drei römische Villen bei Leutes-
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Heufser, Von den Erz- und Erb-Landhof-
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[Ist von Bodmann verfafst, s. Grimm, Weis-
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Heydinger, Studien im Meilenwald. [Ges.
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Hückel, D., Reglementation d'une foret com-
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I n a m a - S t e r n e g g , K. T h. v o n , und H e r z -
söhn, Rheinisches Landleben im 9. Jahr-
hundert: Wandalberts Gedicht über die
12 Monate. [Westd. Zs. Bd. 1.]
Erweisung und rechtl. Ausführung der dem
gräflichen Hause Wied zustehenden Hoch-
und Gerechtigkeiten im Dorfe Irlich
a. Rh. etc. Neuwied. 1770.
Kaufmann, P. , Rheinpreufsen und seine
staatswirtschaftlichen Interessen in der
heutigen Europäischen Staaten-Krise, oder
vergleichende Betrachtungen über den frü-
hem und gegenwärtigen Zustand der
königlich preufsischen Rheinlande, mit
volkswirtschaftlichen Vorschlägen und sta-
tistischen Nachweisungen. Berlin. 1831.
Koehler, G. E., Historisch-juristische Ab-
handluns: von der alten Waldmark und
Ilaingerathe im Rheingau und derselben
älteren und neueren Verfassung. Mainz
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L a c 0 m b 1 e t , Privatrechtliche Bestimmungen
der niederrheinischen Latenrechte. [La-
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— Die Hofesverfassung im Bezirke der Stadt
Bonn. [Lacomblets Archiv 2, 296—319.]
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L a e i s , E. D., Die Stock- und Vogteigutsbesitzer
der Eifel und der umliegenden Gegenden
wider ihre Gemeinden in Betreff streitiger
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Lehne, F., Die Gauen des Taunus und ihre
Denkmäler. [Nass. Ann. 1, i, 1.]
Documentirter Bericht von der Leibeigen-
schaft etc. derer Saynischen im Grund
Seelbach. Neuwied. 1754.
Leonardy, J., Über Trierische Eigennamen.
[Ges. f. nützl. F. 1865—68, 4 f.; 1869-71,
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Longard, Ausführung der Ansprüche der
Grafen von Eltz aus dem Rheinzoll zu
Engers-Koblenz. 1842.
Maeyfs, J. P. , Grundsätze der Landwirtschaft.
Ein Lesebuch für die Landschulen des Grofs-
herzogtums (Luxemburg). Lützemburg. 1826.
[Auch französisch: Principes d'economie
rurale.]
Marjan, H., Rheinische Ortsnamen. Pro-
gramme der Realschule I. 0. zu Aachen
1880 ft\ (bislang 4 Abt.).
Martin, Abwechselnd bewirtschafteter Ge-
meindeacker. [Strafsburger Studien Bd. 1.]
Mathieu, L'ancien regime dans les provinces
de Lorraine et Barrois. Paris. 1879. [Vgl.
dazu F. Brunetiere in der Revue des deux
mondes 1883 Avril: Le paysan sous
l'ancien regime.]
Meaume, Essai sur la chevalerie lorraine.
[Memoires de l'Academie de Stanislas 1869,
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Meitzen, A., Der Boden und die landwirt-
schaftlichen Verhältnisse des Preufsischen
Staates nach dem Gebietsumfange vor 1866.
2 Bde. Berlin. 1868 f.
Mi eck. Über einige Orts- und Flufsnamen
[Anhänge.
— 1570 —
im Trierischen. [Ges. für nützl. F. 1869
bis 71, 46 f.]
— Über die Verbreitimg des Grundwortes
,rath' in Ortsnamen des Regierungsbezirks
und der angrenzenden Landesteile. [Ges.
f. nützl. Forsch. 1872—73, 59 f.]
Mirbach, v., Zur Geschichte des Kotten-
forstes bei Bonn. [xVnn. d. bist. V. f. d.
Niederrh. 33, 106-117.]
M 0 s e r , J. J. v., Staatsrecht des Churfürstlichen
Erzstifts Trier wie auch der gefürsteten
Abtei Prüm und der Abtei Sanct Maximin.
Leipzig u. Frankfurt. 1740. fol.
— Staatsrecht der römischen Reichsgrafschaft
Sayn. 1749.
Müller, A., Vinum hunicum und viniun
francicum. [Ann. d. h. V. f. d. Niederrh.
20, 423—425.]
Müller, Fr., Precis de la legislation rurale
en vigueur dans le Grand-Duche de Luxem-
bourg. Luxembourg. 1860.
Müller, Über die Natur der Grundgüter in
dem Herzogtum Luxemburg. Trier. 1804.
Müller, M. F. J., Das Geschichtliche des
Kur - Trierischen Landrechts summarisch
entwickelt. Trier. (1804.)
Nahmer, W. v. d., Entwicklung der Terri-
torial- und Verfassungsverhältnisse der deut-
schen Staaten an beiden Ufern des Rheins
vom ersten Beginnen der französischen Re-
volution bis in die neueste Zeit. 2 Teile.
Frankfurt. 1832.
Neiler, G. Chr., Opuscula omnia juris
ecclesiastici public! et privati historica
chronologica ac niunismatica etc. 3 Bde.
Köln und Leipzig. 1787. 4«.
Oesterreicher, P. , Neue Beiträge zur Ge-
schichte. Bamberg. 1820 f. [Heft 4, 1824,
S. 44—75 über den Bopparder Königshof.]
Oligschläger, Die Deutung alter Orts-
namen am Mittel- und Niederrhein. [Ann.
d. bist. V. f. d. Niederrh. 15, 58; 21 u. 22,
156.]
0 tt 0 , F., Drei Rodungen in der Gemarkung von
Wiesbaden. [Nass. Ann. 15, 41.]
Pauls, E., Zur Geschichte des Weinbaues,
Weinhandels und Weinverzehrs in der
Aachener Gegend. [Zs. des Aachener
Geschver. Bd. 7, 179 if.]
Pick, R. , Das Amt Löwenberg. [Ann. d.
hist. V. f. d. Niederrh. 25, 271-275.]
Poix de Freminville, La pratique uni-
verselle pour la renovation des terriers et
des droits seigneuriaux. Paris. 1746. 4^.
De Potter en Broeckaert, Geschiedenis
van den Belgischen boerenstand. [Memoires
publ. par l'Academie de Belgique Bd. 32.]
Prost, A., Etüde sur le regime ancien de la
propriete. La vesture et la prise de ban
ä Metz. [Revue historique 1880, 1—68,
301-376, 573—628.]
Quix, C., Die Frankenburg und die Vogtei über
Burtscheid. Köln. 1828.
R e i c h e n s p e r g e r , P., Die Agrarfrage aus dem
Gesichtspunkte der Nationalökonomie, der
Politik und des Rechts, und im besonderen
Hinblicke auf Preufsen und die Rhein-
provinz. Trier. 1847.
Reinhard, J. J., De jure forestali Ger-
manorum, vom Markenrecht. Zweite Auf-
lage. Leipzig. 1759.
Reuter, E. , Les Ardennes beiges au point
de vue militaire et agricole. Bruxelles.
1847.
Roth, Zu den Bleidenstatter und Lorscher
Traditionen. [Korrbl. des Gesamtvereins
1882 No. 5 u. 6.]
Schattenmann, F. C. , Dissertatio de
Oberheimgaraida. Argentorati. 1753.
Schazmann, Cli. D. , De iure et iudiciis
communitatum , quae veniunt sub nomine
marcarum in Wetteravia. Von Marken und
Maerker-Gedingen in der Wetterau. Göt-
tingen. 1746.
Sehen ck, C., Die bessere Einteilung der
Felder und die Zusammenlegung der Grund-
stücke mit besonderer Rücksicht auf das
südwestliche Deutschland. Wiesbaden. 1867.
Schenk zu Schweinsberg, Frhr. , Beitrag
zur Geschichte des heimischen Weinbaues.
[Quartalbl. d. hist. Ver. f. d. Grossh. Hessen
1882.]
Schmidt, Nachrichten über die Gaue des
Herzogtums Nassau. [Nass. Annalen 3, 2,
105; vgl. ebenda 3, 3, 91.]
Schroeder, Das Amtsrecht in der DiifFel.
[Ann. d. hist. V. f. d. Niederrh. 24, 158
bis 169.]
Schwerz, J. N. v., Beiträge zur Kenntnis
der I^andwirtschaft in der Gebirgsgegend
des Hunsrücks. [Mögliner Annalen Bd. 27
(1831).]
— Beschreibung der Landwirtschaft in West-
falen und Rheinpreufsen. Mit einem An-
— 1571
Bibliographie.]
hang über den Weinbau in Rlieinpreufsen.
2 Teile. Stuttgart. 1836.
Simon, M., Annalen der innern Verwaltung
der Länder auf dem linken Ufer des
Rheins. 3 Bde. Koblenz. 1822 f.
Sloet van de Beele, L. A. J. W., De hof
te Voorst. [Letterk. Verh. der Amster-
damer Ak. van Wetensch. Dl. 3. Am-
sterdam. 1863. 4*^.]
— Marken op de Veluwe. [Nieuwe Bijdragen
voor vaderlandsch geschiedenis en oudheit-
konde Dl. 1.]
Stronck, Etymologische Forschungen . .
über die Ableitung von Ortsnamen des
Luxemburger Landes. [Publ. Luxemb. 26,
118-134.]
Kurze doch vollständige Nachricht von der
Verfassung des Nassau-Saarbrückischen
Renovatur- und Steuerwesens. Saar-
brücken. 1772.
Ter quem, A., Etymologies du nom de toutes
les villes et de tous les villages du departe-
ment de la Moselle. Zweite Auflage.
Metz. 1863.
Thudichum, F., Rechtsgeschichte der
Wetterau. Tübingen. 1867 f.
Vanderkindere, Recherches sur l'ethno-
logie de la Belgique. Bruxelles. 1872. Vgl.
femer unten unter Berichtigungen und Zu-
sätze zu Bd. 1 S. 3 Note 1.
— Notice sur l'origine des magistrats com-
munaux et sur l'organisation de la marke
dans nos contrecs au moyen-äge. 8^.
Verhandlungen der Lokalabteilung zu
Prüm des Vereins für gemeinnützige Be-
mühungen zur Beförderung der Landwirt-
schaft etc. in den Eifelgegenden. Prüm.
1833-34.
Vogel, Beiträge zur Geschichte des nassaui-
schen Kriegswesens oder der Landes-
bewaffnung im 16. Jh. [Nass. Ann. 2, 3, 91.]
— Nachricht von einigen ausgegangenen Dör-
fern und Höfen im Herzogtum Hessen.
[Nass. Ann. 4, i, 88.]
Wagner, G. , Das Entstehen und die Fort-
führung des rheinisch-westfälischen Grund-
steuer-Katasters. Aachen. 1855.
Wagner, G. W. J. , Die Wüstungen im
Grofsherzogtum Hessen. 4 Abteilungen.
Darmstadt. 1854—65.
Wiederholdt, J. G., Dissertatio juridica
de judiciis et ordinationibus, quae veniunt
sub nominibus derer Märkergedingen und
Ordnungen. Argentorati. 1728.
Wilhelmj, A. , Beitrag zur Controverse von
Frenze -Win und Hunzig-Win. [Nass.
Ann. 14, 182—247. Nachtrag ebd. S. 444.]
Wilhelmy, Th. , Über die Zusammenlegung
der Grundstücke in der preufsischen Rhein-
provinz, verbunden mit einer Darstellung
der nassauischen Konsolidationen und der
preufsischen Speziaiseparationen. Berlin.
1856.
Wolff, J. B., Recherches sur la langue ad-
ministrative du pays de Luxembourg. Pro-
gramm des Luxemburger Athenäums 1842
bis 1843. 4«.
Würth-Paquet, Releve de quelques localites
luxembourgeoises . . qui ont disparu.
[Publ. Luxemb. 23, 182—204.]
Zangen, C. G. van, Abhandlung über Märker-
recht und Märkergedinge. Giefsen. 1800.
3. Register zum ersten und zweiten Band.
Die Register zerfallen in ein Sachregister und in ein Wortregister; sie beziehen sich
auf Text und Anmerkungen des ersten und zweiten Bandes mit Ausnahme des Schlufs-
abschnittes im ersten Band S. 1483—1534.
Die Citate in Petit gehen auf die Seite, die Angaben in Perlschrift auf die Anmer-
kungen. Der zweite Band ist mit der römischen Ziffer II citiert.
Das Sachregister enthält im allgemeinen nicht diejenigen Materien, welche in den
Inhaltsangaben des ersten Bandes Teil 1 S. XI f. und Teil 2 S. III f., sowie des zweiten
Bandes S. V f. erwähnt werden.
Im Wortregister sind seltenere Wörter der Regel nach aufgenommen, viele andere
Wörter nur in dem Falle, dafs sich eine besonders lehrreiche Bedeutung nachweisen läfst
oder dafs sie an einem Orte stehen, wo man sie nach dem allgemeinen Inhalt des Textes
nicht suchen würde.
1. Sachregister.
Aachener Denare ; II, 427 f.
Aberglaube, ländlicher A. ; 462.
Abgrenzimg kirchlicher Erwerbsbezirke; 694.
der Markberechtigung; 288 f.
Abkauf von Meierämtern; 772. von Vogteien;
1133.
Ablafs; 672; 677.
Ableitungskritik der Quellen; II, 11.
Abscheren des Haupthares; 32.
Absolutismus; 1254.
Abtrieb, Berechtigte; 634 f. Fristen; 634 f.
Recht des A. ; 633 f.
Abwälzung karolingischer Staatslasten; 863.
Abzug Grundholder; 1209 f.
Accise; II, 315; 319; 345.
Achtenschnitt; 432 f.
Achtersend; II, 625.
Achten-ogtei; 1084
Acker; Ackerbau in Konkurrenz mit der
Viehzucht; 332, i. Geräte; 15; 124 f.
Ackergüterausbau; 417. Masse; 307; 343 f.
Preise; II, 577 f. Zins; II, 587 f.
Adel; 53. Amtsadel; 1161. A. und Ausbau;
137. Dienstadel; 58. A. der Urzeit; 1161.
Adscriptio glebae s. Bindung an die Scholle.
Advocatus, karolingischer A.; 1110 f.
Amtsadel; 1161.
Affinierung; II, 393.
Afterverlehnung ; 877.
Agrarische Bewegungen des späteren Mittel-
alters; 1242.
Agrarv^erfassung, Terminologie der A. ; 364, 4 ;
Dorfgemeinde-(Agrar-)verfassung ; 285 ; 304 f.
A. der Urzeit; 444 f. A. und Weistum; II,
633.
Ahrweinbau; 566 f.
1573 —
Sachregister.]
Akten, Material; II, 677. Schreibwerk; 1442.
Stil; 1442. A. zur Bevölkerungsstatistik;
162, 3.
Albus; II, 454.
Alemannen; 154 f. Flurverfassung der A.;
155. Typus der A. ; 155.
Allmende s. auch Mark, Ausbau; 366; 373;
401 f. Ausdehnung; 81 f. Bestand; II, 631.
Bifang; 366. Fronden der Gehöfer; 785 f.
Grundherrlichkeit und A.; 996 f.; II, 631.
A. wird individualer Markgemeindebesitz;
388. Kontrolle durch den Meier; 766 f.
landesherrlicher Einflufs auf die A.; 108,
1340. Nutzungsrechte im allgem. ; 14;
148 f.; 385. der Grundherren; 477 f. der
Handwerker; 465. des Königs; 469 f. der
Schöffen; 465. der Vögte; 477 f. der
Volksgenossen; 464 f. Meliorationen; 298.
Obereigentiun s. Markherrlichkeit. Pacht;
932. Revindikation ; 388. Verleihung; 388.
Verkauf in neuerer Zeit; 81. Verpachtung;
388. Vogtei und A.; 478 f.
Allodifizierung grundhöriger Güter ; 928 f. A.
der Lehen; 877 f.
Almosen, landesherrliches A.; 1400. Ver-
dienstlichkeit der A. ; 670. A. ein Gebet;
672, 1.
Alter der grundherrlichen Schöffen; 1051.
Altfreie und Ritterstand; 1165 f.
Amt, Begriff und Geschichte des A. ; 773;
1377; 1403. Bezirke; 1401 f. Bildung der
Ämter; 1261 f. Amtsbücher; 1391 f.; II,
665; 689; 691. Amtsburggrafen; 1373 f.
Amtseid; 1378; 1382. Amtsgewalt; 1016;
1063. Hochgerichte im A.; 191; 1261.
Amtmann s. d. besonderen Artikel. Amts-
ordnungen;- 1381; II, 665 f. Schreiber;
1392. Urbare; 1392. Verfassung; 191. A.
und Wildbann; 1262.
Amtmann s. auch Amt. A. und Burggraf;
1374 f. Einzelfunktionen; 1381 f. Ent-
lassung; 1385. Gehalt; 1383 f. Gerichts-
früchte; 1383, e (1384). A. als Landes-
anwalt; 1330 f. Kriegsführung; 1396 f.
Kündigungsrecht; 1386. Rechnungslage;
1389 f. A. als Richter; 1.330 f. A. als
Schiedsrichter; 1330 f.; 1397. A. und Stadt-
verfassung; 1344. Vergleichsverfahi'en ;
1330 f.; 1397. A. und Weistum; II, 555.
Anbau, Energie des A. ; 132. Anbaufeld im
Verhältnis zu den Gewannen; 336. Anbau-
formen, Fluktuation derselben; 128 f. mo-
derne Anbauformen; 88. A. auf Hoch-
flächen; 146. Höhe des A. bei den ein-
zelnen Getreidearten; 552 f. saimatischer
A.; 144 f.
Angeln; 4; 157.
Angewande; 340. s. auch Anwende.
Angriff; 912; 918.
Anhäufung der Grundholden auf den einzelnen
Hufen; 1233 f.
Anmärker; II, 6-39.
Anniversarienkalender; II, 674; 694; 704;
711; 717: 719; 744; 765.
Ansetzung neuer Grundhörigen; 136.
Ansiedlung s. Besiedlung.
Anweisungssystem; 300; 832 f.; 834 f.; 882;
1460; 1476; II, 286 f.; 374. s. auch Finanz-
gebarung ; Zahlungsanweisungen.
Anwende, Anwender; 340. s. auch Ange-
wande.
Apanagierung ; 83.
Appellation an den Landesherrn; 1326.
Arbeit, freie A. ; 1186 f.; 1238. gemeine A. ;
16; 18; II, 569. Arbeitstage; II, 604.
Arbeitsteilung; 587. unqualifizierte A. s.
gemeine A.
Archiv; 1443. alte Einteilung; II, 700; 741.
älteste Ordnung; 841. archivalische Hand-
schriften; II, 677.
Ardennen. Vasta Ardinna; 5; 93 f.
Arengen mit Schenkungsmotivierungen; 670 f.
Armut und Freiheit; 1162.
Arpent als Weinbergskomplex; 409.
Arrondierung ; 422 f.
Ärztlicher Beruf der Juden ; 1452 f.
Aschenbrennerei; 516.
Assimilation von lieistungen neuen Besitz-
standes durch die Grundherrschaft; II, 663.
Assise; 1027.
Asylrecht; 1001; 1002,6 (1003). der Burgen;
1316. der Fronhöfe; 1059. grundherrliches;
1023. der Kirchen und Kirchhöfe; 1059, i.
der Schöffenhäuser; 1056.
Aufforstung, preufsische; 91 f.
Aufgebot, grundherrliches oder vogteiliches,,
1120.
Auflassungswesen; 630; 995, i.
Aurei Codices s. Codices aurei.
Ausbau; 45; 110; 402. Adel und A.; 137.
Allmende und A.; 366; 373; 401 f. Be-
siedlung und A.; 1471; II, 17 f. Grofs-
giimdbesitz und A. ; 698 f. Hofausbau; 366.
Medemrecht und A. ; 396 f. Salhöfe und
[Register.
— 1574 —
A. ; 136. Wildfangausbau; 132. Zehntrecht
und A.; 113 f.
Ausdehnung der Allmenden; 81 f. A. der
Grundherrschaften ; 705.
Ausfrieren der Winterfrucht ; 142 f.
Ausfuhrverbote; 594; 597; II, 329.
Ausgang, Urteilsfindung mit A. ; II, 637.
Ausleihegeschäft s. Bankgeschäft und Darlehe.
Auslieferungsverträge für Verbrecher; 1353.
Ausmünzung, Trierer A. ; II, 329 ; 352 ; 372 f.
Quellen der A.; II, 397 f. A. der Kaiser-
zeit bis zimi Verfall der Kölner Münze
(18. Jli. Mitte); II, 400 f.
Aufsenbürger ; 1297.
Aufsenfelder; 400 f.; 453 f.; 561.
Aufsenmark ; 102 f.
Aufsenmärkerschaft; 293.
Aufsereheliche Konzeption; 1235.
Austragsverfahren s. Schiedsrichterverfahren.
Auswanderung; 164 f.; 592.
Autonomie der Markgenossenschaft; 286 f.
städtische A. und Markgenossenschaft; 309.
Bäckerei ; 586 f.
Backofenbann; 1002. vgl. Bannbackofen.
Backsteine; II, 334.
Balduineen; II, 682 f.
Bankgeschäfte der Juden ; 1450 f. der Klöster
und Stifter; 823; 1446 f.
Bann = Mark; 260. Bbackofen; 801; 1000.
Bfeiertag; 253; II, 258. Bfisch; 487.
Bgemäfse; II, 502. Bleibe, königliche; 190.
landesherrliche; 1137. Bmeile; II, 267.
Bmeise; 472; 474, 2; 500. Bmühlen; 801;
999. Bwälder; 96 f. Brauhausbann; 1002.
Banneramt; 1296.
BaiTenwährung; II, 379; 386.
Bauding; 305; 764 f.; 994 f.; 1032 f.; 1035;
1042; 1093; 1148; 1150 f.
Bauern im 12. und 18. Jh.; 870 f. B. und
Ritter; 1165 f. Aufstände der B.; 864.
Bhäuser; 543.
Baugewerk; 588.
Baugründe und Gebäude. Preise ; II, 579 f.
Zins; II, 591 f.
Bauholz; 509 f.; II, 326.
Bauleitung in Koblenz ; II, 517 f.
Baumeister; 772: 906.
Baupolizei; 510.
Bautechnik; 8.
Bauverbindlichkeiten bei Pacht; 949.
Bauverwaltung, landesherrliche; 1407.
Beaumont, Loi de; 135 f.; 701; 791; 871;
1059, 1.
Bede; 605; 1027; 1139. Eintreibung; 220, 2;
Erhöhung; 606. grundherrliche B.; 301;
863. fronhofsvogteiliche ; 1098 f. landes-
herrliche; 301; 1335. markgenossenschaft-
liche; 299. markvogteiliche; 1080 f. Weis-
tumscharakter der B. ; II, 629.
Befestigung der Städte; II, 513 f. s. auch
Burgenbau.
Beginenstiftungen ; 164.
Begnadigungsrecht; 195; 1349.
Begräbnisexspektanz ; 683.
Begrenzungsrecht der Markgenossenschaft ;
295 f.
Beholzigung; 488 f.; 506 f.
Beilage; 958.
Beispruchsrecht; 645.
Beize; 499.
Bekleidungsgegenstände als vogteiliches Ser-
vitium; 1096 f.
Belastung , steuerliche B. durch die Gemeinde
603 f. den Grundherrn; 620 f. den Staat
604 f. Bfreiheit grundhörigen Besitzes
1194. Beinheit des Morgens; 372. des
Pfluges; 371. des Viertels; 372. s. auch
Besteuerung.
Beleidsel; II, 634.
Beleuchtungsstoffe, Preise derselben; II, 565 f.
Beneficium; 891; 893, 5; 899 f.
Bergfried; 1308 f.
Berghoheit; 1275.
Bergweistümer; II, 333.
Bergwerksordnungen; II, 333.
Bernkastler Hochgericht; Schilderung des
B. H.; 170 f.
Beruf als Ferment der Standesgliederung ; 54 ;
1141 f.
Berufsverteilung im Moselland; 73.
Besiedlung und Ausbau; 147 f.; II, 17 f. fis-
kalische B. ; 151 f. germanische B. ; 157 f.
Karten zur B. , Charakter der Karten in
Bd. 2; I, 160 f. Kirchen und B.; 115 f.
Ortsnamen und B.; 135. Bprivilegien,
königliche; 46 f. Bodenregal und B.; 109 f.
Besömmerung der Brache; 88; 561 f.
Besoldungsverzeichnisse ; 1390.
Beständnisbücher ; 935.
Besthaupt; 376; 625; 1086; 1182 f.
Besteuerung, direkte; 1029. Beinheiten; 371 f.
s. auch Belastung.
1575 -
Sachregister.]
Bevölkerung, absolute Veniiehrung der B.;
168 f. Dichtigkeit; 161 f. ethnographische
Zusammensetzung; 149 f. Fluktuation; 130.
Gärung im 12. und 13. Jh.; 868 f. Bstatistik;
II, 6; 50. Aufgaben der mittelalterlichen
B. ; 161. Akten der B. des Mosellandes;
162, 3. neufreie B. des späteren Mittel-
alters; 11531".
Betriebsgemeinschaft; 430 f.; 452.
Betriebsstörung, landwirtschaftliche B.; 979.
Bettlerordnung; 1338; 1355, 5.
Beunde ; 397 f. Ausdehnung für den einzelnen
Fronhof; 759 f. Bauart; 424; 561; 866 f.
Begriff, 423. Bezeichnung; 418 f. Ent-
stehung; 422. Forensen beundepfiichtig
437. Frondienst auf der B.; 430 f.; 760
782 f.; 797. Gröfse; 427 f. Höfe auf ß.
430, 3. Immunität der B. ; 1015, 2. Lage
423 f. Meier und B.; 430 f.; 451; 762 f.
772; II, 166 f. Parzellierung; 440. Pfän-
dungsrecht auf B.; 426. Recht der B.;
425 f. Schicksal der B.; 438 f.; 866 f.
Wirtschaft ; 4 18 f. ; 445. Zahl ; 428 f.
Bevogtete Personen; 1065 f. b. Sachen; 1066 f.
Bewässerung; 529.
Bezehntungsrecht der Kolonialkirchen; 116 f.
Bibelspriiche in Urkunden; 670 f.
Bienen; 10. Fang; 504. Fund; 474, 2; 488.
Becht; 257 f.
Bier; 586; II, 327. Brauerei; 551 f.; 586.
Bifang, 102; 123 f.; 419; 698. Einzelhöfe im
B.; 129; 366.
Bilanzierung, naturalwirtschaftliche ; 838 f.
Bildung; geistige B. und landarbeitende
Klassen; 1241 f. Bildungskosten im früheren
Mittelalter; 845.
Bindung an die Scholle; 1179; 1189 f.; 1231.
hof hörige B. der Grundholden; 1198 f.
Bischöfliche Verwaltimg. Charakter der b.
V.; 1278 f.
Blattgewächse; 561 f.
Blei; II, 304, 330.
Blidenkugeln ; II, 335. Blidenmeister; 1311.
Blockflurverfassung; 358 f.; 404; 655.
Blutbann in geistlicher Hand; 1134 f. könig-
licher; 1273, 3. vogteilicher; 1114.
Blutrache; 20; 23; 26; 56.
Blutzehnt; 540.
Boden, Belastung des B. ; 603 f. Nutzungs-
verteilung ; 625 f. Okkupationsrecht ; 385 f.
Preise; 602 f. Regal; 46; 109 f.; 283,3;
390 f.; 492; 518; 629, 5 (630); 997, 9;
1019; 1022; 1275; II, 238. speziell grund-
herrliches; 106 f. königliches; 103 f. landes-
herrliches; 108. Veräufserung von B. ; 49.
Wert des B.; 1238 f.
Bonitierung; 341 f.; 602.
Bonuarium ; 345 f. ; 347 f.
Bopparder Münze ; II, 457 f.
Boten; 1432; 1441; II, 253 f.; 571 f.
Brabanter Mark; II, 429 f.; 434 f.; 455 f.
Brabanzonen; 1301.
Brache, Besömmerung der B.; 88; 561 f.
Brachen; 557.
Brandbettelbrief; 951, 7 (952).
Brandversicherung; 1355, 3.
Branntwein; 586, 1.
Brauerei; 551 f.; 586.
Brauhausbann; 1002.
Brennkultur; 88; 125 f.; 511 f.
Briefe; II, 705; 721; 744; 746 f.; 759.
Brief land, königlich privilegiertes; 47.
Brockholz; 507.
Brombeerensammeln ; 786.
Brot- und Mehlpreise; II, 559 f.
Brückenbau; 298; 1355; II, 242 f.
Brühl; 404; 425; 530.
Buche, Vorkommen der B. ; 89.
Bücherkataloge; II, 696; 701; 733; 771; 774.
Budgetierung; 805 f.; 1460; 1466; 1474 f.; II,
674. s. auch Finanzgebarung.
Bündnisfähigkeit des Territoriums; 1352.
Bungerte; 563 f.
Bureau des Kellners; 1416.
Eureaukratie ; 1386 f.
Biu'g, Asylrecht der B.; 1316. Bauftrag;
1263. Bbau; 178; 1030; 1305; 1307 f.
Recht des Baues; 1270 f. ; 1347. Territorial-
bildung und Bau ; 1285 f. Besatzungshöhe ;
1314. Berwerb; 1263; 1285 f.; 1305.
Bfoder; 1318. Bfrieden; 1315, 2; II, 625.
Gemeinerschaft; 1307. Bgraf s. den beson-
deren Artikel. Grundherrschaft und B. ;
1317 f. Bhäuser; 1310. Bkaplan; 1312.
Bkellner; 1412 f.; II, 172. Bkommando;
1373. Lehnswesen und B.; 883, 2; 1312 f.;
1319; 1372 f. Bmannen; 1311 f. Ministe-
rialen als Bmannen; 1312. Bmonopol;
1270 f.; 1347. Bnamen; 79. Borte; 149, 1.
Bsesse; 1314 f. Söldner; 1311. B. und
Vogtei; 1319. Wachtdienst; 1030. s. auch
Befestigungsrecht.
Burggraf der Landesverwaltung; 1368 f. der
Reichsverwaltung; 1356 f. Amtsburggraf;
[Register.
— 1576
1373 f. B. und Amtmann; 1374 f. ß. und
Ministerialität; 1371 f.
Bürger im Rat; 1424.
Bürgermeisteramt; 316.
Bürgschaftssystem der Pachtgenossenschaften ;
978.
Buteihmg; 1182.
Büttel; 1060.
Butter; 535. Bpreise; II, 561.
Capitulare de villis. Bedeutung des C. ; 718.
Censualen s. Zinsleute.
Centena; 1011. vgl. auch Zenderei.
Centenar der Karolingerzeit; 222. s. auch
Zender.
Centner; II, 506 f.
Cerocensualen s. Wachszinsige.
Chamaven; 5 f.
Chamavorum lex. Genauer besprochen sind;
10 S. 29 f.; 42 S. 40.
Champart; 919, 4.
Charakteristik des Preises; II, 513.
Chatten; 4; 156 f.
Chrodegangische Reform; 974.
Chronicon monetarium Treverense; II, 399 f.
Cisterzienser; 121; 125; 137; 688 f.
Civis; 1197.
Codices aurei; II, 701; 705 f.; 734 f. ; 737 f.
Constitutio de expeditione Romana; 1270, 2.
Dampfer auf der Mosel; II, 343.
Darlehen, freies ; II, 608 f. Darlehnsgeschäft
s. Bankgeschäft.
Data precaria; 891.
Dechant; 776. Stellung des D. in der Ver-
waltung; 829.
Decharge s. Entlastung.
Decretiones Chlot. et Childeb.; 224 f.
Dekanat, Verhältnis des D. zur Hundert-
schaft; 254, 1.
Dem; 104; 107; 491 f. ; 523 f. Erhebung des
D.; 107 3.
Demonetisierung des Silbers; II, 391.
Denarii Aquenses; II, 427 f.; Brabantini; II,
430 f. breves; II, 452; s. Moneta levis.
Colonienses; II, 412 f.; 457 f. Hallenses;
II, 433 f.; 453 f. Metenses; II, 416; Mogun-
tini; II, 415; Treverenses; II, 408 f.; 452 f.
Turonenses ; II, 431 f. Wedereibenses ; II,
458.
Depositengeschäft ; 1446 f.
Diener, unfreie; 1227.
Dienerluxus; 851 f.; 879 f.
Dienerschaft, ministerialische ; 820 f. Dord-
nungen; II, 693; 697.
Dienst (Festessen); 310; 314.
Dienst, Dadel; 58. Dbücher; 1430, 1; II,
576; 689. Dgut; 1169. Dkriegsverfassung ;
1303 f. Dlehen; 877; 880 f ; 901 f.; 1169.
Dlehensvertrag ; 1313. Dlehensvertrag auf
Burgenkommando; 1373. Dpfiicht, allge-
meine ; 1287 f. Dreverse ; 884.
Differenztarif; II, 347.
Ding. Dakten; II, 758; 782. Dbaum; 1058.
Dhaltung; 1054, 4 (1055). Dpiatz; 1058.
Dpflicht; 922 f. speziell der Grundholden;
1199. der Hofhörigen; 1225. der Leib-
eignen; 1229. der Wachszinsigen ; 1216.
Dismembration der alten Fronhöfe; 867 f.
Disciplinargewalt, grundherrliche ; 1047. über
die Grundhörigen; 723. über das Haus-
gesinde; 1042, 1. der Immunitätsherren;
1118. über Leibeigene; 1230. über Unfreie;
54 f.; 1150.
Domkapitel und Rat; 1424.
Domanialverwaltung der Karolinger; 720; 801 ff.
Domanium, Bildung des landesherrlichen D.;
1257.
Domänenwirtschaft ; 689.
Doppelwährung, faktische; II, 390.
Dorf, Dagrarverfassung; 285; 304 f. Dbe-
festigung; 298; 1290; 1340. Dbesprechung ;
304 f. fränkisches D. ; 7 f. Dgassen; 362;
365. Dgemeinde; 285; 304f.; 1338f. Dge-
mengelageverfassung ; 360 f. Dgründungen;
109. D.- und Hofsystem; 351 f. Dord-
nungen; 1341. Drecht; 299. Dverfassung;
282, 2. Dvertretung, kommissarische; 319.
Dzender; 229; 246 f.; 275, 2.
Dos; 32 f.
Dreifelderwirtschaft; 88; 429; 545 f. s. auch
Felderwirtschaft.
Driesch; II, 166. Djahre beim Weinbau;
579 f. Dwirtschaft; 561.
Droit de parcours ; 526 f.
Dukaten; II, 446.
Dünger; 532. künstlicher D.; 560.
Dunglieferung; 559.
Düngung ; 559 f.
Duplizität der Zender; 314 f.
Durzins; 790; 865. Dsystem bei Kurmede;
1186, 2.
Durchschnittspreise; 599 f.; II, 513. D. der
— 1577
Sachregister.]
Getreidearten als Reduktionsfaktor in der
Preisgeschichte; II, 602.
Ebenbürtigkeit; 1175.
Ecker; 521. Erecht; 484 f.; 491 f.
Edelmetalle, Ausfuhrverbot der E.; II, 329.
Edelmärkerschaft; 278 f.; 998; 1165. s. auch
Markgenossenschaft.
Effektivwert; II, 471; 477.
Egartenwirtschaft ; 561.
Egge; 555.
Ehe. Erecht; 32. Eschliefsung ; 31. Ever-
träge; 628; 641, 3. Recht des überlebenden
Egatten; 645.
Eiche; 89; 126.
Eichgeschäft; II, 481.
Eichung; II, 483. Erecht; II, 268.
Eideshilfe; 29 f.
Eidstabung der Juden; 1458, s.
Eierpreise; II, 561.
Eifel als räiunliche Bezeichnung; 103.
Eigen, echtes; 1153.
Eigenhandel; II, 337.
Eigenleute; 1414.
Eigentum der gesamten Hand; 642. der
Markgenossen an der Mark; 283, 3.
Eindemung; 491 f.
Einforstung; 14; 96 f.; 104; 109f.; 111; 113;
469 f.
Einfronung; 764. E. von Gehöferland; 750 f.
Einigsieute s. Einung.
Einkommensteuer; 1335.
Einlager; 971; 978; 979, i; 1119.
Einmännerei ; 452.
Einquartierung. Edienst; 1024 f.; 1121; 1289.
Elast; 1026. Erechte; 1121.
Einschlag; 484 f.; 491 f.
Einschmelzung ; II, 377 f.
Eintrittsform in den Kirchendienst; 1220, i.
Eintrittsgeld in Klöster und Stifter; 679 f.
Einung; 256; 306 f.; 314; 1339. Eleute; 256.
Einwanderung, germanische; 77 f.; 153 f.
EinWeisungsrecht des Hofes in die grund-
herrlichen Güter; II, 627.
Einwirkung, fremde, auf das fränkische Wirt-
schaftsleben; 19.
Einzelhöfe; 129; 353 f.; 366.
Einzug Grundholder; 1209 f. Egeld; 290, i.
Eisen; 9; 163; II, 330 f. Egewinnung; II,
331. Eindustrie; 555; II, 332; 342. E-
schmelzen; II, 331. Everbrauch; II,
Elemosinar; 1476.
Lamprecht, Deutsches Wirtschaftsleben. I.
Elle; II, 506.
Emailletechnik; II, 378.
Empftingnis; 649; 923; 925 f. ; 941; 954; 994;
1187 f.
Engels, Engelsch, Englisch; II, 452; 468.
Engertahrten; 816 f.; vgl. II, 137; 153; 164;
172; 248; 327.
Entenpreise; II, 549.
Entfronung; 751 f.
Entlastung der Kellnereiverwaltungen ; 1417 f.
der Zentralfinanzverwaltung ; 1477 f.
Entschädigungspflicht des Vogtes gegenüber
dem Bevogteten; 1070.
Entwaldung; 90.
Epidemieen; 590.
Erbe. Ebestandgelt; 941, 5; 954 f. Efolgeordnimg
für Fahrhabe; 38. für Grundholde; 644;
1193. für hinterfällige Güter; 645 f. fiu*
Pachten ; 938 f. Egebühr , grundhörige ;
1182 f. Egut realiter geteilt; 641 f. Eleihe;
893. Emeier; 736; 771f. Epacht; 899, 4;
902; 916 f.; 921; 925; 943 f. Erecht,
Erente s. die besonderen Artikel. Eschaft;
II, 221; s. hereditas. Eschulzen; 737, 1.
Eteilung; 641f. Ezins; 816; 925.
Erben. Beispruchsrecht der E. ; 633 f. Warte-
recht der E.; 632 f. Zustimmungsrecht bei
Veräufserungen ; 633 f.
Erblichkeit grundhöriger Nutzung; 922. der
Fronhofsvogtei ; 1107 f. des Meieramts;
736; 771 f.
Erbrecht; 83. fränkisches E.; 23. E. an
Landeigen; 36 f. des überlebenden Ehe-
gatten; 628 f. E. der Vicinen; 43f. E. als
Weistumsinhalt ; II, 633.
Erbrente aus Leihe mit Zahlungspflicht bei
Handänderung, ebenso ohne Zahlungspflicht,
konstituierte ; II, 609 f.
Erbsenpreise; II, 560.
Erdbeben; 590.
Erlaubnisrecht; 468; 490 f.
Erstgeburtsrecht ; 83 f. E. bei Stockgütem ;
654.
Ertragssteigerung der Landwirtschaft; 601 f.
Erwerbsbezirke. Abgrenzung der kirchlichen
E.; 694.
Erwerbspolitik des weltlichen Grofsgrund-
besitzes ; 697 f. der Kirche ; 637 ; 670 f.
Erzkaplanei, karolingische; 802.
Esel; II, 248.
Ethnographische Zusammensetzung der Be-
völkerung ; 149 f.
100
[Register.
— 1578 —
Exceptio grandiuis et exercitus; 951.
Exkommunikation als Strafe bei Pachtkontra-
ventionen; 955.
Expedition der Kanzlei; 1441 f.
Fabrikate und Rohstoffe, Preise derselben;
II, 563 f.
Fahi'habe prekarisch vergeben; 898, 4. Erb-
folgeordnung für F.; 38. Waldbäume als
F.; 128. Wohnhäuser als F.; 48 f.; 128.
Fähren; 1003; II, 243 f. Fährgeld; II, 245.
Fährrecht; 801. Fährweistümer; II, 244.
Falken; 11.
Fallholz; 506.
Falschmünzerei; II, 358.
Familie. F. und Geschlecht ; 25 f. ; 28 f. ; 36 f. ;
39. Fpraebende; 680, 5. Frecht ; 56 ; II, 633.
Faselvieh, s. Zuchtvieh.
Fafs-Zins; 447.
Fehdepflicht des Vogtes für den Bevogteten;
1071 f.
Fehderecht; 1065; 1354; II, 292 f.
Feiertagsgebote ; 608.
Feld. Fgemeinschaft; 47 f; 49; 441; 444 f.;
449. Fmafse;343f. Fmessung ; 342 f. Ford-
nimgen; II, 783. Fpolizeiakten; II, 782.
Felderwirtschaft; 13; 48; 377; 388. s. auch
Dreifelderwirtschaft, Zweifelderwirtschaft.
Felgen ; 557 f.
Fels. Urbarung auf F.; 122.
Fermente der mittelalterlichen sozialen Schich-
tung; 1139 f.
Fideikommisse ; 643.
Filialen von Klöstern; 831 f.
Finanzgebarung, geistliche; 684 f. karolingi-
sche; 804 f. immunitätsherrliche; 1024 f.
markgenössische ; 300; 1010. naturalwirt-
schaftliche; 300; 832 f.; II, 515. F. des
Reichs; 1274 f. territoriale F. ; 1479 f. Vgl.
auch Anweisungssystem, Budgetierung, Zah-
lungsanweisungen.
Finanzgeschichte. Trierer äussere F.; 1462 f.
Finanzhoheit, landesherrliche; 1332 f.; 1343;
1347.
Finanzminister, jüdische; 1472 f.
Fiskalinen; 1146 f.; 1213, i.
Fiskalische Besiedlung; 151 f.
Fiskus. Freie im F.; 1146. F. und Gerichts-
verfassung; 1110 f F. und Hundertschaft;
730 f. Lokalbetriebe des F.; 724 f. Meier
im F. ; 724 f Oberschultheifsen im F. ; 728.
Reich = F.; 180. soziale Schichtung im
F.; 732. Städte und F.; 727 f.; 731 f.
Umfang der F.; 714 f Verwaltung der F.;
713 f.; 719 f. Vogtei; 730 f. Weinbau im
F.; 135.
Fisch, achtbarer F.; 487. Ffang; 15; 502 f.
Fhandel; II, 327. Fhegung; 501 f. Fpreise;
II, 562.
Fischerei; 75; 469; 472; 480; 486 f.; 494 f.;
500 f. noble Fischerei; 486 f. Fordnungen;
497. Frecht; 283 f.
Flachsbau; 403; 562 f.
Fleischerei; 586.
Fleischtiere; 535 f.; 539.
Florin; II, 445 f.; 460 f.
Flöfserei; II, 326.
Flug; 504 f.
Fluktiation der Anbauformen ; 128 f. F. der
Bevölkerung; 130.
Flur. Begrenzung der F.; 102 f. Charakter
der F. im Moselland; 360 f., spez. 364 f.
Fverfassung; 13; 155. ihre Quellen; II, 779;
783. Fzwang; 14; 546.
Flussläufe; II, 243.
Foder; 1318.
Folge, gerichtliche ; 1291 f.
Forensen; 659, 3. F. beundepflichtig ; 437.
Formalismus des ältesten Rechts; 56 f. der
ältesten Sitte ; 57 f.
Form.elbücher; H, 689; 746 f.; (759).
Forst; 96 f. Famt; 823; II, 171 f. Fbeamte;
493 f. Fronforst; 473; 481 f. spez. 483, i.
Fhufer; 495 f.; 1167. Fmeister; 495 f. Ro-
dung in den F.; 112. Frecht; Ulf.; 470.
Fverwaltung; 90; 1257.
Fortifikationsfronden; 1011; 1030; 1290.
Fragebogen, karolingischer, für Urbarweisung ;
864, 6; II, 633; 660.
Francia Rinensis; 157.
Frank; II, 446.
Franken; 154 f.
Fränkischer Wein; 570 f.
Französischer Einflufs an der Mosel; 78 f.
Frauen. Ffrage ; 849. Siegelfähigkeit der F. ;
629, 1.
Fredus; 1148.
Frei. Freidorf; 194. Freiheit s. den beson-
deren Artikel. Freihof; 194. Freilassung;
1219. Freizügigkeit; 17; 130; 658; 872;
1179; 1203 f.
Freie, f. Arbeiter; 1156 f.; 1238. F. im Fis-
kus; 1146. F. in den Grandherrschaften;
1579 —
Sachregister.]
1178, 1. F. in gruiulhörigem Besitzverhältnis ;
923. F. in karolingischer Zeit; 992 f. ; 1152.
Freiheit. F. und Armut; 1162. Bestreitung
der F. ; 29 f. Charakter der deutschen F. ;
20; 41 f.; 561'.; 289; 1150. F. und Unfrei-
heit als Ferment der Standesl)ildung; 1140 t.
F. der Person in der grundhörigen Ent-
wicklung; 1212.
Fremdenpolizei, grundherrliche; 1004 f.
Frequenzen mittelalterlicher Klöster und Stif-
ter; 844 f.
Frieden. F. der Burg; 1315, 2; 11,625. Frie-
denswahiung; 217; 1062 f.
Friedweide; 525.
Fronbote; 776.
Fronden ; 778 f. spez. 781 f. Allmendef. ; 785 f.
Beundef. ; 430 f. ; 760 ; 782 f. ; 797. Charakter
der F.; 435. markhörige; 1011. Unver-
änderlichkeit der F.; 707 f.; II, 648; 655;
663. Zersplitterung der F.; 865.
Froneinnahmen; 764.
Fronfahrten; 816 f.
Fronforst; 473; 481 f. spez. 483, 1.
Fronhof. Asylrecht des F.; 1059. Beunden
und F.; 759 f. Fronden; 781 f. Hofareal;
753 f. Kreditfähigkeit; 834; 840, 6. Renten-
charakter; 885 f. Rittergut und F.; 753 f.;
758. Servitieu ; 833 f. Spezialbetriebe ; 743 f.
Unterbeamte; 775 f. Vogtei, s. den beson-
deren Artikel. Wirtschaft; 762; s. Grund-
gericht, Grundherrschaft.
Fronhof svogtei; 1088 f. Bede und F.; 1098 f.
Erbliclikeit der F.; 1107 f. Grundgerichts-
vogtei und F.; 1105 f. Immunitätsvogtei und
F. ; 1090 ; 1125 f. Markvogtei und F. ; 1090 f.
Fronmafse; II, 487.
Frucht, glatte - rauhe ; II, 504; 512.
Fruchtbarkeit, natürliche; 86 f.; 597.
Fruchtbäume; 506.
Fruchtwechselwirtschaft; 88; 149.
Frühlingsbegeisterung; 461.
Fuder; II, 510 f.
Fundgewicht königlicher, herzoglicher und
bischöflicher Denare zur Ottonen- und Salier-
zeit; II, 403 f.
Fundrecht; 257 f.; 1275.
Fundstatistik; 141 f.
Futterbau; 88.
Futterkräuter; 561 f.
Oanerbschaft; 278.
Ganggeleit; 1080; II, 634.
Gänsepreise; II, 549. Gänsezins; 539, 3.
Gartenbau; 15 f.; 403; 561 f.
Gärung der ländlichen Bevölkerung im 12. und
13. Jh.; 868 f.
Garzinsigkeit; 793.
Gastfreundschaft, markgenössische ; 466.
Gau. der G. ohne wirtschaftliche Bedeutung ;
198. räumliche Beziehung der Gaunamen;
103.
Gebet. Almosen ein G. ; 672. Ggemeinschaft ;
683; 1446; II, 703; 735.
Gebäude und Baugründe, Preise derselben;
II, 579 f. Zins; 591 f.
Gebücke; 1290.
Gefolgpflicht, militärische G. der Gemeinden;
216.
Gehalt; 1403; II, 574 f.
Geheimhaltung des Besitzstandes; II, 662.
Geheimsekretariat; 1433.
Gehöferschaft; 281; 301 f.; 442 f. AUmende-
fi'onden der G.; 785 f. heutige Ausdehnung;
82. Land der G.; 746 f.; 749 f. Einfronung
desselben; 750 f. Kontrolle und Zinsnahme
von ihm; 763 f. Gesamteigentmn der G. ;
452. Schaft der G.; 447.
Geiseln, karolingische ; 806.
Geistlichkeit. Anzahl der G. im früheren
Mittelalter ; 846, 6.
Geld. Wert, Geschichte, Kaufkraft; II, 605 f.
Gnehmen auf Schaden ; 953, 4. Gpacht ; 945.
Gverkehr ; II, 478 ; 694. Gwirtschaft, s. den
besonderen Artikel. Gzinse; 796.
Geldwirtschaft; 600 f.; 623 f. ; 1444 f. ; 11,377;
381; 386; 619. G. und Markgenossenschaft;
308 f. G. und Pacht; 945; 972; 1445. G.
und plattes Land; 1445.
Geleit; II, 289 f. Gbriefe; II, 290. Gluxus;
1302, 2; II, 255. Gpflicht des Vogtes; 1071.
Grecht; 1302,2; 1338; II, 271; 275. des
Zenders; 217, 2; 259. Gverträge; II, 294, 1.
s. auch Grundgeleit.
Gemäfskontrolle ; II, 481.
Gemeinde. Dorfgemeinde - (Agrar-)verfassung ;
285; 304 f. Gbehörden; 228 f.; 261. als
Landesbeamte ; 1339. Belastung; 603 f. Be-
ratungsplätze; 309. Gefolgspfiicht; 216. G.
und Gerichtsverband ; 188. Kooperation der
G. mit den Gbehörden; 220. kirchliche
Lasten der G.; 603. Nutzungen der G.;
288, 3. Verwaltung im späteren Ma. ; 1339.
Gemeinerschaft auf Burgen; 1307.
Gemeinheitsaufteilungen; 81 f.; 270 f.
100*
[Register.
— 1580 —
Gemeiigelageverfassimg; 85 f.; 335 f.; 360 f.
Generalrezeptoren ; 1472.
Genist; 507.
Genossenschaften, neuere agrarische; 82.
Genufs- und Nahrungsmittel, Preise derselben ;
II, 550 f.
Geologie des Mosellandes; 66 f.
Gerade; 84 f.
Geräte, landwirtschaftliche G. ; 555 f. G. zum
Fischfang; 502 f. G. zur Jagd; 498.
Geraite; 305 Note.
Gerberei; II, 327.
Gerechtsame, fundierte, Preise derselben; II,
585 f.
Gergewannen; 339.
Gericht. Gbezirke, Ausbildung einheitlicher
G.; 1155 f. Gfrüchte; 1383,6 (1384). Gge-
walt des Reiches und der Territorien; 1272 f.
G. =Mark; 260. Gpflicht und Heerespflicht;
217. Gschutz; 217. Gverbände und Ge-
meinden; 188. Gweistümer; II, 666. Gzeug-
nis als Ersatz des Weistums; II, 638.
Gerichtliche Folge; 1291 f. g. Zwangsgewalt;
193. g. Zweikampf; 1114.
Gerichtsbarkeit im Gau; 1137; 1272 f. der
Grundherren; 994 f.; 1056 f.; 1150. über
freie Immunitätseingesessene; 1044 f. per-
sonale G. des Königs ; 1273 f. des Landes-
herrn; 1323 f.; 1343; 1347 f. im Markt;
II, 264. niedere-mittlere; 188; 194.
Gerichtsverfassung. Fiskus und G.; 1110 f.
Neubruchsgegenden und G.; 236.
Gerste. Bau; 551 f. Brot; 553. Preise; II, 558.
Gesamte Hand. Eigen der g. H. ; 642. Liegen-
schaftsübertragung der g. H.; 633 f.
Gesamteigentum, gehöferschaftliches ; 452. G.
des Geschlechts an der terra aviatica; 43.
Geschäftsstil; 1442.
Geschlecht. Charakter zur fränkischen Zeit;
20. Ehre ; 30 f. Familie und G. ; 25 f. ; 28 f. ;
36 f. ; 39. Gesamteigen an der terra aviatica ;
43. Obereigentum; 626. Verband des G.;
22 f. Zeugen aus dem G.; 29 f.
Geschworene; 220; 232; 234; 238; 303; 805
Note; 818 f.; 320 f.; 1006,4.
Gesei; II, 494.
Gesinde, freies; 1157 f.; 1168. niedere Mini-
sterialität; 820 f.; 1167 f. unfreies G.; 1227.
Gesundheitspolizei, ländliche; 808, 2.
Getreide. Anbauhöhe der einzelnen Getreide-
arten; 552 f. Ghandel; 593 f.; 628; II, 825;
488. Gpreise; 595 f.
Gewanne; 13, 3; 48; 336. Technik der Gan-
lage; 399 f. Gausbau; 398 f. Geinteilung;,
885 f. Gröfse der peripherischen G.; 387.
Grodung; 339 f.
Gewebe, Preise derselben; II, 566.
Gewerbesteuer; II, 314.
Gewerf; 1017; 1030.
Gewicht und Mafs; 1276 f.; II, 481 f.;
497. Kontrolle von G. und M. ; 303; 1003; II,.
483.
Gewürzpreise ; II, 561 f.
Glebae adscriptio s. Bindung an die Scholle.
Gleve; 1299, 2. Glevenbürger; 1297.
Glocke; 310, 1: 316.
Gold; II, 329. Wertverhältnis zum Silber j
H, 376; 891; 396; 470 f.; 478; 606. G-
schmiede; II, 878. Gwährung; II, 478.
Gottesfrieden; 1064.
Gottesgewalt; 1047.
Gottesurteile; 1116.
Graben statt des Zauns; 14.
Graf. Entstehung desG.; 60. Besoldung; 1115.
Gerichtsbarkeit; 1272 f.
Grafschaftsrechte. Erwerb von G. ; 1262.
Grangien; 689 f.; 758 f.; 778,3.
Grenze. Charakter der älteren G.; 101 f. G,
zwischen Wald und Neubruch; 101 f. Gbe-
gang; 295 f. Gfrevel; 341, 4. Gmarken; 341.
Gvergehen; 258 f. Gweisung; 296; II, 634.
Grofsanbau, römischer ; 143 f. ; 151 f. ; 534 ; 536 ;,
698.
Grofsgrundbesitz. Ausbau des G. ; 698 f. Aus-
dehnung; 705. Erwerbspolitik ; 697 f. Höhe;
702 f. königlicher G.; 718, 1. Statistik; II,
125 f. Streucharakter; 701 f.; 705 f.; 739 f.
Grofsgüter ; 659 f.
Grofsstädte und Geldwirtschaft auf dem platten
Lande; 1445.
Grund und Boden, Preise; II, 577 f. Zins;
II, 587 f.
Grundbuchwesen; 296 f.; 995, 1.
Grundeigentum. Verteilung des G. ; 12 ; 81 f. ;
362. Mobilisierung des G. s. Güterbewegung.
Grundgeleit ; II, 291 f. s. auch Geleit.
Grundgericht ; 994 f. ; 1012 ; 1033 ; 1036 f. ; 1043 ;
1046 f. ; II, 632. Gerichtsherr und Gerichts-
vorsitz; 1056 f.; 1150. Instanzenzug ; 1037 f.
Rechtssprechung ; 823 f. Schöffenstuhl ; 1048 f.
(Alter der Schöffen; 1051. Amtsdauer; 1051.
Vorbedingungen ; 1050.) schiedsrichterliches
Verfahren; 1151. Schultheifs; 1057. Um-
stand; 1047 f. Vogtei; 1105 f. Zwangsge-
1581
Sachregister.]
walt; 1059 f. s. auch Fronhof, Grundherr-
schaft.
Oriindherrlichkeit. Wesen der G,.; 991 f. G.
als Grundlage territorialer Entwicklung;
1255 f.
Orundherrschaft. Allmenderechte der G. ; 477 f. ;
996 f. Asylrecht; 1023. Ausbau; 182 f. Aus-
dehnung: 705. Bede; 301; 863. Belastung;
620 f. Bodenregal; 106 f. Burgen und G.;
1317 f. Dingplätze ; 1058. Disciplinargewalt;
723; 1047. Einnahmen; 844. fremde G. an
der Mosel; 133, 3. Generalverwalter; 823 f.;
830. Gewaltboten; 772. Gerichtsbarkeit s.
Grundgericht. Handel; 810; 815. Hofämter;
823 f. Immunität; 1023, 4. Klerus und G.;
825 f. Kreditfähigkeit; 834; 840, 6. Lasten-
veranlagung; 784 f.; 789 f. Lehnsauftragung
von G. ; 1263. Lehnsvergabung aus G. ; 875 f.
Lokalmärkte der G.; 815; 1003; H, 257 f.;
260 f. Markobereigentum; 390 f. Mafs und
Gewicht in der G.; H, 482 f.; 510. Medem-
recht; 394 f. militärische Rechte; 1013.
Ministerialität und G.; 819 f. Nachrichten-
dienst; 809 f. Patronate und G. ; 119; 1005 f.
Rechtscharakter der G. ; 1288. Registratur;
841. Reinergebnis; 844 f. G. als Renten-
substrat; 886. Rottabgabe; 390. Rottverbot;
390. schiedsrichterliche Thätigkeit; 1151.
Schultheifsen ; 733 f. Transportwesen ; 744 ;
812 f. Veräufserungen ; 874 f. Verkehrsvor-
teile; 1003 f. Verpachtungen; 931 f. Ver-
schuldung; 839 f.; 847 f. Verwaltungskon-
trollen ; 840 f. Vorkaufsrecht bei Veräufse-
rung hof hörigen Gutes; 1194. Weingüter;
135. Weisung; 1171. wissenschaftliche Be-
handlung der G.; 669. Zahl der G. an einem
Orte; 135. Zehnt und G.; 118. Zentral-
verwaltung; 809 f. Zersetzung; 1237 f.
Orundholde. Abzug; 1209 f. Allmendebestand
der G. ; U, 631. Allodifizierung ihrer Güter;
928 f. Anhäufung auf einzelnen Hufen ; 1233 f.
Beholzigungsrecht ; 488 f. Belastungsfreiheit
ihres Besitzes; 1194. Dingpfiicht; 1199.
disziplinare Behandlung; 723; 1047. Ein-
zug; 1209 f. Entstehung; 992 f. Erblichkeit
der Nutzung; 922. Erbfolgeordnung ; 644 f. ;
1193. Erbgebühr; 1182 f. Familienrecht;
1203 f. Freie im Verhältnis der G.; 923;
1178, 1 ; 1212. Haftpflicht fürVerbindlichkeiten
der Herren; 1194. Heiratserlaubnis; 1203.
holhörige Bindung; 1198 f. Huldigungs-
pflicht 1199. Landnutzimg; 899 f.; 921 f.
Leistungen; 778 f., auch 1180 f. Sittlich-
keit; 1235. Strafrecht; 1199; 1351. Ver-
hältnis in der Stauferzeit; 137. Weisung
der G.; II, 655. Wergeid; 1203. Zersetzung;
1237. Zinspflicht; 1180 f.
Grundrente; 602 f.; 622; II, 617; 619.
Grundruhr; 1354; H, 293.
Grundsteuer; 299; 607; 1083.
Grundzins; II, 587 f.
Grundzölle; 1003; II, 271 f. vogteiliche G.;
1118.
Guldenmünze, rheinische; II, 391; 460 f.
Mainzer; II, 463 f. fremde; II, 424 f. ; 441 f.
Güter, accisepflichtige ; II, 322 f. herrenlose;
1275. hinterfällige; 648 f. konfiszierte;
1118, 2. zollpflichtige; II, 322 f
Güterbewegung; 83; 630 f; 658 f; 1444.
Güterrecht, eheliches ; 32 f.
Haferbrot; 553. Haferpreise; II, 558 f
Haftpflicht grundhörigen Besitzes für Verbind-
lichkeiten des Grundherrn; 1194.
Hagel und Heereskraft; 951.
Hagenhufen; 353, i.
Halfenpacht; 962.
Halfwinner; 981.
Hammerwurf; II, 7.
Hand, tote; 656 f.
Handel, grundherrschaftlicher; 810; 815. H.
im 14. Jh.; 600 f Hgewächse; 562 f H-
masse; II, 491 f; 505; 510. Hmünze; II,
382; 417; 435; 437. Hverträge; H, 295.
Hwaren; II, 322 f.
Handmühlen; 585.
Handschriften, archivalische ; II, 677.
Handwerk, ländliches, der fränkischen Zeit;
10; 16 f.; 18. höriges späterer Zeit; 1167.
H. und Allmenderechte ; 465. Lohn ; II, 570 f.
Hanf; II, 326. Hbau; 562, 7. Hspezialgut;
416, 5.
Haubergswirtschaft; 456; II, 327.
Haufmais; II, 487; 504; 512.
Haupthaar. Abscheren des H.; 32.
Hauptmannschaft; 650 f.; 790; 865; 1217. s.
Steuerverband der Hufe.
Hauptrechnung; 1477.
Haus. Hbau; 509; 543 f. Bauernhaus; 543.
romanisches Haus; 544. — Hdiener, mini-
sterialische ; 820, s. auch 1042, i. H-
friede; 1288. Hgesetze; 643. Hindustrie;
[Register.
— 1582
587. Hteilmiete auf dem Lande;
Hvieh; 10.
Heer. Hgewalt des Reiches; 1269 f. Hkraft
und Hagel; 951. Hpflidit; 217. Hrüst-
wagen; 1289 f. Hsteuern; 1121. Hstrafsen;
H, 236 f. Hverfassung; 1030 f.; 1287 f.
Heilige. Hineinziehung der H. in die kirch-
liche Erwerbspolitik; 673 f.
Heiligenfeste und -Schaustellungen; 677 f.
Heimburge s. Zender.
Heimgerede; 263, i; 304 f.; 322; 1273. freie
H.: 188 f.; 1012. Grundgerichte und H.;
1331. Schöffenstuhl des H.; 305 Note; 320.
Heinrute; 303, s; 344.
Heirat. Herlaubnis; 1203. Hgebühr; 1204;
1217 f. Hkonsens; 1103. Hvergabung ; 1203.
Heller; H, 424 f. spez. 436 f.; 453 f.; 455;
468.
Herberge. Hpflicht; 778; H, 253. Hwesen;
1004; 1026; H, 249.
Herbstmarktpreise; II, 614.
Herde, Stiickzahl derselben; 11 f.
Herdpfennig (markhöriger); 799.
Herdsteuer; 1029.
Hergeräte; 34 f.
Herkommen, altes; II, 649.
Herrenloses Gut. Recht des h. G. ; 1275.
Herrennot; 1047.
Herrschaften und Landgüter, Preise derselben ;
II, 582 f. Zins; II, 593 f.
Hessen ; 155 f.
Heunischwein s. Hunnischer Wein.
Hinterfällige Güter. Erbfolgeordnung der h.
G.; 645 f. Teilbarkeit; 648 f.
Hintersassen, freie; 1149 f.
Hirsche; 497.
Hirten; 524.
Hochbufsen; 1883, 6 (1384).
Hochflächen. Anbauphysiognomie der H. ; 146.
Hochgericht. H. im Amt; 191; 1261. Be-
hörden des H.; 192. Bernkastler H.; 170 f.
freie H.; 189; 1273. immunitätsherrliche
H. ; 1033 f. Kompetenzschmälerungen; 193 f.
Kröver H. ; 180 f. Möglichkeit der Rekon-
struktion der H.; 185 f. Schöffenstuhl; 235.
Umstand; 193; 1013; 1031; 1120; 1125;
1291 f. Verfall; 186 f. H. über zerstreute
Grundstücke; 1043.
Hochwald ; 100 f. ; 473 f. Rodung im H. ; 111 f. ;
475.
Hochwild; 486.
Hochzeitsleute; 465, ö.
Höhe des Grofsgrundbesitzes ; 702 f.
Hof. H. der fränkischen Zeit; 8 f. ganzer —
halber H.; 174, i; 1036, 4 (1037); 1052,4
105.3. H. = Hufe; 267 f. Hämter; 823 f.
1427. Hanlagen; 362; 689 f. Hareal; 753 f.
Hausbau; 701. Hbau; 543 f. Beundehöfe
430, 3. Hgericht; 1041; 1274; 1326; 1339
1439. Gröfse der H.; 659 f. Hhörige s
Grundholde. Hjägeramt; 803. Hmeister
1435 f. Hordnungen; 1253, s. Hquartier-
meisteramt; 803. Hrat; 1267. Hschultheifsen ;
737; 1129 f. Hstellen, unbesetzte; 130 f.;
Hsystem; 7 f.; 84; 351 f.; 354, 2. Hverwal-
tung; 1426. Hvieh; 11. Hweistum; II, 626 f.
Hzaun; 543. Hzender, 210. S. auch Fron-
hof, Grundgericht, Grundherrschaft.
Hohlmafse für Flüssigkeiten; II, 500 f.
Holz. Hbau; 8; 138; 544. Hbestand, Rechte
am H.; 14. Hgewalt; 292; 387. Hhandel;
II, 326. Hkohlen; 516; II, 326; 331. H-
mangel; 517. Hmark; 292; 387. Hpreise;
II, 563 f. Hverbrauch; 516 f.
Honig; 505.
Hopfenbau; 562, 7 (563).
Horaz in Urkunden; 670, 5 (671).
Hospitäler; 848, 4 (849); II, 251.
Hostilicium; 1025; 1121.
Hotelwesen; II, 252.
Hufe. H. als Ackermafs; 367, altkölnische
H.; 345 f. Auffüllung der alten H.; 373
379 f. Reinheit; 347. Fronhof und H. ; 756
Gröfse der H. ; 346 f. Grundholde und H.
1233 f. Hagenh.; 367 f. kölnische H.;347f.
Hland; 334 f. Minimalgröfse der H.; 124
Preise; 368 f.; II, 581 f. Register; II, 779
Rottland und H.; 377 f. Hschlag; 335, 1
Spezialh.; II, 179. Steuerverband der H.
370 f. Tausche; 346. Teilungen; 366 f. H
Verfassung; 332 f. ihr Verfall; 366; 368 f.
1185; II, 670. Hverzeichnis ; II, 757. Zahl
der H. im Fronhof; 741 f. an einem Orte ;
376 f. Zersplitterung;864; 867; 1233. Zinse;
II, 593 f.
Hühnerpreise; II, 549. Hühnerzins; 539, 2.
Huldigungspflicht des Grundholden; 1199.
Hundding; 208, 2; 1046.
Hunde ; 10.
Hundert, grofses und kleines H. ; II, 9 f.
Hundertschaft, älteste H.; 59. Dekanat und
H.; 254, 1. Fiskus und H.; 730 f. Gröfse
der H. ; 264 f. Kontrolle der H. über Ge-
wicht, Mafs, Münze; 259; 302 f.; H, 481.
— 1583 —
Sachregister.]
H. als Wirtscliaftsverbaiul ; 259 f. 11. und
Zondereien ; 265 f.
Hungersnöte; 589 f. Auswanderung bei H. ;
592.
Hunnengerichtsbarkeit ; 1 136 f.
Hunnischer Wein ; 570 f.
Hunsriick; 99.
Hydrographie des Mosellandes; 63 f.
Hypokaustensystem ; 138.
Jäten der Saat; 556.
Jagd; lOf.; 15; 469f.; 480; 485f.; 494f.;
497 f. hohe J. ; 471; 485 f. Jbeute; 14.
Jfronden ; 786. Jgeräte ; 498. Jrecht ; 110 f. ;
283 f. J. auf schädliche Tiere; 300. Jschlös-
ser ; 498. Jtiere ; 498 f.
Jahn; 456.
Jahresbudget, Höhe einzelner J. ; 1459 f. Jahres-
gehalt, Höhe des J.; II, 574 f.
Idarwald; 99.
Identität der räumlichen Abgrenzung staat-
licher und autonomer Verwaltungen; 197.
Immobiliarerbrecht ; 626 f.
Immobilien, Auflassung von I.; 630. Ver-
äufserungsfähigkeit für I. ; 630 f.
Immunität, ältere I. ; 1015 f. grundherrliche ;
1023, 4; 1015 f ; 1268. jüngere L; 1019 f.;
1131 f. landesherrliche L; 1022 f.; 1347.
Beunde-L; 1015, 2. Disziplinargewalt in der
I.; 1118. Finanzwesen; 1024 f. Fronhofs-
vogtei und L; 1090; 1125 f. Gerichtsver-
fassung; 1031 f. Heeresverfassung; 1030 f.
Hochgericht; 1033 f. Steuererhebung; 1017 f.
Ivogtei; 1110 f. Zollfreiheit; 1018.
Individualbürgschaft bei Pachten; 958. Ver-
teilung des Individualgrundeigens ; 83 f. die
Allmende wird individualer Markgemeinde-
besitz; 388.
Industrie und Holzverbrauch ; 516 f.
Inforestierung s. Einforstimg.
Inkorporation von Pfarreien; 687. von Reichs-
abteien; 1281.
Inmärker; 294.
Institute, kirchliche s. kirchliche Institute.
Intercursus; 1205 f.
Introitus iudicum; 1016.
Inventare; 850 f.; H, 708; 715; 746; 767 f
Juchland; 335.
ludei domini; 1472.
Juden, allgemeine Geschichte ; 849 ; 1449 f.
J. als Ärzte; 14521 J. als Bankherren;
1450 f. Eidstabung ; 1458, 5. J. als Finanz-
minister; 1472 f. Handel; 1452. Pachte;
1456. Precarien; 1456. Recht; 1276; 1453 f.
Verwendung im Trierer Landeshaushalt;
1468 f Weinhandel; 1452. Zinsen; 1452;
H, 608.
Iudex, karolingischer; 719 f.; 804 f.; 1044 f.;
1110 f.; 1136.
Jungfernwein; 579.
Juniorat; 941.
Kaiendarien; II, 704; 710; 717; 721; 725;
746; 750; 764 f.
Kalk; II, 527. Kbrennerei; II, 334. Kofen-
bann; 1002. Kpreise; II, 528; 564.
Kameral-Statistik; II, 691.
Kammerforste; 112; 473 f.; 483 spez. 483, 1;
998.
Kammerherren; 1471.
Kämmerer; 803, 1; 1469 f.
Kanon; 943 f.
Kanzlei; 1441 f.; 1477. Expedition; 1441 f.
Rechnungswesen; 1432; 1443; 1477. Re-
gistratur; 1442 f. Stil; 1442.
Kanzler; 1432 f.
Kapellen. Erhebung von K. zu Kirchen ; 252, 3.
Kapitalverwendung ; 133 ; 135. Kzins ; II, 595 f. ;
606 f.
Kapläne; 1431; 1477 f. K. auf Burgen; 1312.
Kappus; II, 327.
Karatbetrügereien; II, 473.
Karins, koninks K. geboet; 172.
Karolingerstaat. Charakter des K. ; 667 f. Do-
mänenverwaltung ; 720 ; 801 f. Erzkaplanei ;
802. Freie; 992 f.; 1152. Finanzen; 804 f.
Geiseln; 806. Heeresverfassung; 1287 f. Jä-
gerei; 803. Iudex; 719 f.; 804 f.; 1044 f.;
1110 f; 1136. Kämmerei; 803. Pfalzämter;
802 f. Rechnungsführung ; 805 f Seneschall;
803. Servitium ; 806. Zentralverwaltung ;
802 f. Zeughäuser; 806.
Kartoffeln. Einführung der K. ; 162.
Käse; 535; II, 327. Kpreise; II, 560 f.
Kastanien; 563; II, 326.
Kataster. Aufnahmen ; 331 ; 608. Bestrebungen
zur Herstellung eines K. ; 331, i. Ein-
tragung; 378 f. Güterbeschreibung nach K-
art; II, 668; 754 f.; 771. Kwesen; 296 f.
Kathedralsteuer; 1283 f.; 1335.
Kauf und Tausch; 1444. K. bricht nicht
Miete; 943.
[Register.
1584
Kaufleute, unfreie; 1166 f.
Kautionen bei Pachtungen; 955 f.
Kauwerziner ; 1450; 1453.
Kehre; 340, 2.
Kellerwirtschaft ; 583 f.
Kellner; 823; 1390; 1399 f.; 1410 f.; II, 172.
Bureau der K.; 1416; II, 183; 185. Burg-
kellner; 1412 f.; II, 172. Entlastung des K. ;
1417 f. geistlicher K. ; 829 f. Meier und K.;
1419 f. Rechnungswesen; 1417 f. Unter-
rezepturen; 1419 f. Verpachtungen durch
den K. ; 1414. S. auch Unterkellner.
Kelten; 75 f.; 149 f.
Kelter; 581. Kbaum; 1002. Kknecht; 906.
Kelto-romanische Kultur ; 3 ; 75 f. ; 142 f.
Kerbholzrechnung; 841; 1390; 1444; II, 6, 1.
Killwald; 96 f.
Kindbede; 1206.
Kindbetterinnen; 465, 5.
Kinderfrequenz grundhöriger Ehen; 1235.
Kindgeding; 117, 5; 1206.
Kirche. Asylrecht der K.; 1023; 1059, 1. K.
und Kolonisation; 115 f.; 699. Kdienst;
1220, 1. K. als feste Plätze; 1309. Frei-
lassung und die K.; 1220 f. Geschworene;
238; 320. Kgründung; 115 f.; 238; 699.
Kgut, Restitution; 712. Unveräufserlichkeit ;
692 f. Hundertschaften und K. ; 246. Khöfe,
Asylrecht; 1059, 1. Kpatronat; 119; 1005 f.
Kraub; 709 f. Salhof und K.; 116. Ksatz;
1257 ; s. Kpatronat. Schutz der K. ; 1062 f.
Kspiel; 248. Kweih; II, 257.
Kirchliche Gewalt und Landesgewalt; 1278 f.
k. Erwerbspolitik ; 637 ; 670 f. k. Gemeinde-
lasten; 608. k. Institute im Verfall; 846 f.
k. Verwaltung; 826; 839.
Klausnerinnenstiftungen ; 164.
Kleebau, Folgen desselben; 162.
Kleinindustrie; II, 333.
Klerus. Teilnahme des K. an der grundherr-
schaftlichen Vei-w^altung ; 825 f. an der land-
wirtschaftlichen Thätigkeit; 462 f. Vervog-
tung; 1062.
Klima des Mosellandes ; 72. Veränderung des
K.; 596, 3.
Klöster. K. als Banken; 849; 1446 f. Be-
amtenwahl; 827 f. Eintrittsgeld zum K.;
679 f. Filialen; 831 f. Gründungen; 681.
königHche K. ; 826, 4. Lebensversorgung;
678 f.; 685. Kordnungen; II, 724; 728; 747;
763; 769. Kreformen; 676 f.; 680; 691.
Verfassung; 826 f. Vermögen; 1281, 1.
Kluckert; II, 446.
Koblenzer Münze; II, 456 f. K. Nachmünzung;
II, 419 f.
Köhlerei; 516.
Köln, Bedeutung für den westdeutschen Han-
del; II, 336 f. K. Ausprägung; II, 401.
Denare; II, 411 f. Münzgeschichte; 416 f.;
457.
König. Die K. als Schenkgeber an die Kirche;
675 f. Khufe; 348 f. Kmeier; 732, 5; K-
Silber; II, 386. Kzins; 1025.
Königliches Allmenderecht ; 469 f. K. Bann-
leihe; 190. K. Blutbann; 1273, 3. K. Boden-
regal; 103 f. K.Gerichtsbarkeit; 1273 f. K.
Grundbesitz; 718, 1. K. Munt; 1068.
Königtum. Ausbildung des K. ; 59 f.
Kollegialsystem der Zentralverwaltung; 1253.
Kollektiveigen an Ackerland ; 284 f.
Kollibertät; 1219 f.
Kolonat, römisches; 891; 1447.
Kolonen, rittermäfsige ; 137.
Kolonialkirchen. Bezehntungsrecht derK. ; 116 f.
Kolonisation der kirchlichen Grundherren;
687 f. der w^eltlichen Grundherren; 698 f.
auf Kirchsatz; 115 f. Kpachten; 959 f.
Kommendation; 899.
Komfort; 545; 852.
Kommissionen in der grundherrschaftlichen
Verwaltung; 823; 825; 830. in der landes-
herrlichen Verwaltung; 1325; 1438 f.
Kommunalverfassung. Entwicklung der K. in-
nerhalb der Mark; 318 f.
Konfisziertes Gut; 1118, 2.
Konsensrecht s. Zustimmungsrecht.
Konsolidation; 85.
Kontelwald; 97.
Konversen s. Laienbrüder.
Konzeption, aufsereheliche ; 1235.
Kooptation; 172; 235; 311, 3.
Kopfzins; 1180 f. Kleute; 1225 f.
Kopfsteuer; 1028; 1098.
Kopiare; II, 677.
Korn (im Münzwesen); II, 393 f.
Kornpreise; II, 618. s. Gerste-, Hafer-, Rog-
gen-, Spelz-, Weizenpreise.
Kourantgeld; II, 383; 417; 435.
Kredit, langfristiger — kurzfristiger ; II, 607 f.
K. als Machtmittel der Landesverwaltung;
1446 f.
Kreditfähigkeit der Fronhöfe und der Grund-
herrschaft; 834; 840, e. der Landesregie-
rung; 1446 f.
— 1585 —
Sachregister.]
Kreuzzugsschenkungen ; 638.
Krieg. Kauszng; 1291. KbesokUmg; II, 572.
Kdienstverfassung ; 1298; 1303 f. Kführung
der Amtleute; 1396 f. barbarische; 128. K-
gewalt, vogteiliche; 1120. Khaui)tleute ;
1440. Kknechte, freie; 1157. Kpiiicht;
1287 f. Kwesen; 1287 f.
Kritik. Keale Kritik und Ableitungskritik der
Quellen; II, 11.
Kröver Hochgericht. Schilderung des K. H.
180 f.
Knimmenschnitz ; 506.
Küchenmeister; 823; 1469 f. Krechnung 1471.
Kultur. Wandelbarkeit der K. ; 128 f. Wasser-
scheide und Kgi'enze ; 65 f.
Kunst und Wirtschaft, vornehmlich im früheren
Mittelalter; 849 f.
Kunstweiden; 91.
Kupfer; II, 330.
Kurien, geistliche; 1276 f.
Kurmede ; 370, 2 ; 647 ; 649 ; 923 ; 925 f. ; 1 182 f. ;
1205; 1210; 1217 f.; II, 231 f. Durzins und
K.; 1186, 2. Hauptmannschaft und K.; 1186, 2.
K. der Leibeignen; 1229.
Kurs; II, 448; 475. Kbezeichnung ; II, 390.
Kurvereinsmünze; II, 468 f. s. Münzverein.
Iiaeten; 151 f.
Lagemorgen; 389.
Lahnweinbau; 569, 5 (570).
Laienbrüder; 678 f.; 690 f.; 773; 819.
Land. Allmenden und Landesherren ; 108; (469);
1340. Amtmann als Lanwalt ; 1330 f. L-
ausbau der kirchlichen Grundherren ; 687 f.
Iherrliche Bannleihe; 1137. Beamtentum;
1346; 1405. Bauverwaltung; 1407. Bede;
301; 1335. Befestigung; 1270 f. Bodenregal;
108. Burgenbau; 1270 f.; 1285 f.; 1316 f.;
1347. Boten; 1419. Budget s. Finanzen.
Domanium; 1257. Dorfordnungen; 1341. L-
eigen s. den bes. Artikel. Lfahren; 1157.
Finanzen; 1332 f.; 1343; 1347; 1466; 1479.
Lfrieden; II, 278; 293 f.; 465 f. Gebiet;
II, 291 f. Gemeindebehörden als Beamte ;
1339. Gensdarmerie ; 1302. Gerichtsgewalt;
1272 f.; 13231".; 1343; 1347 f. Lgeschrei;
1292. Gesetzgebung; 1253 f. Lgewalt s. den
bes. Artikel. Lgüter s. den bes. Artikel.
Grimdherrlichkeit und L.; 1255 f. Heeres-
gewalt; 1219 f. Immunität; 1022 f.; 1347.
Lehngenossenschaften; 918 f. Mafse; II,
489. Lnutzung; 284 f.; 620 f.; 899 f., 921 f.
Lordnungen; 1254, 2; 1354. Markherrlich-
keit und L. ; 1255, 4. Münzmonopol und L.
II, 353. Polizei; 1011, 2 (1012); 1277
1302, 2; 1354; 1392; II, 293. Lprei£e;368f
Produktenpreise; 1240. Lrat; 1423 f. L-
recht; 104f.; 1353. Regalien; 1404 f. Rent-
meisterei; 1480. Lschöfte; 208. Sicherheit;
1063. Lsiedelleihe ; 959 f. Lstädte; 322;
1336; 1342 f. Lstände; 1342 f. Lsteuern;
1333 f. Lstrafsen; II, 236. Lvermes-
sung;341f. Lwehren; 1290. Lwehrpflicht ;
1292 f. Lwirtschaft s. den bes. Artikel. L-
zender; 172 f.; 210. LzöUner; II, 285. s.
auch Territorialität.
Landeigen, Entstehung desselben; 21; 41 f.
Erbrecht an L. ; 36 f. Erbfolgeordnung ; 39 f.
Landesgewalt. L. und Dorfgemeinde; 1338 f.
L. und kirchliche Gewalt; 1278 f. L. und
Grafengewalt; 1272 f. L. und Lehnsherr-
lichkeit ; 1262 f. L. und Markgenossenschaft ;
1338 f. L. und Reichsgewalt; 1268 f. L.
undYogtei; 1068; 1110; 1132; 1136; 1258 f.;
1347.
Landesherr s. Land.
Landgüter und Herrschaften. Gröfse; 83 f.
kleinere L. ; 373 f. Preise derselben ; II,
582 f. Zins; II, 593 f.
Landwirtschaft. Exklusivität der L. bis ins
13. Jh.; 461. Geräte der L.; 9; 555 f. L.
und Kirche ; 462 f. L . und Laien ; 463.
Litteratur der L. ; 464. Rentabilität der L. ;
619 f.
Langhalm ; 525 f.
Lasten, gi-undhörige, markhörige; 797 f. Frei-
heit der Schöffen; 1055; II, 659. Höhe und
Charakter; 778 f. Radizierung; 1180 f. Un-
gleichheit; 708 f. Unveränderlichkeit ; 707 f. ;
II, 648; 655; 663. Veranlagung; 784 f.;
789 f.
Lateinischer Ausdruck in den Urkunden,
Schwierigkeiten desselben; 268.
Laubfallnutzung; 507.
Laubfütterung; 531.
Lebensversorgung durch Klöster ; 678 f. ; 685.
Lederpreise; II, 564 f.
Legierung; II, 379; 393.
Lehen. Ladel;1161f. Allodifizierung der L.
877 f. Anweisung; 882 f. Auftragung; 882 f.
1262 f.; 1298 f. Lbücher; II, 709; 713; 769
778; 782. Burgen und Lwesen; 883, 2
1312 f.; 1319; 1372 f. Dienstlehnsvertrag
[Register.
1586 —
877; 880f.; 901 f.; 1169; 1298 f. ; 1313;
1373; 1428. Ldingpfliclit; 1265 f. Lgelder;
1476. Landgenossenschaften in L. ; 918 f.
Lgut ; 876 f. Lherrlichkeit und Landesge-
walt; 1262 f. als soziales Ferment; 1141 f.;
1161 f. Lhof; 1265 f. Kriegspflicht ; 1263;
1265. Kriegsverfassimg; 1270; 1295 f. li-
gisches L.; 1298. Mannlehen; 1265. Mi-
nisterialität und L.; 901 f.; 1172; 1266 f.;
1304, Lnexus verdunkelt ; 877 f. politisches
L.; 900 f. Lrente; II, 609. Lträger; 790.
Lvergabung aus der Grundherrschaft ; 875 f. ;
882 f. Lvertrag und remuneratorische Pre-
caria; 899. Lverwaltung; 1479. Zeitlehen;
883, 2. S. auch noch Dienstlehen, Pacht-
lehen, Zinslehen.
Leibeigene. Dingpflicht; 1229. Disziplinar-
stellung; 1230. Kurmede; 1229. Zinspflicht;
1229. L. im späteren Mittelalter; 1223 f.
Leibgeding; 896.
Leibrentenverträge; 685; II, 609.
Leibzucht; 940.
Leiengrubenbann ; 1002.
Leiheformen, freiere. Entwicklung der fr. L. ;
889 f. S. auch Landsiedelleihe.
Leinpfade; 1355; II, 242 f.; 276.
Leinweberei; 563; 588.
Leistungen s. Lasten.
Leprosenhäuser; II, 251.
Lesen und Schreiben, Unkunde; II, 643.
Lex Anglionnn et Werinorum; 4. Chama-
vorum; 6. Ribuaria; 5; 156 f. Salica; 3;
6; 157. Im einzelnen vgl. unter Chama-
vorum, Ribuaria, Salica, Thuringorimi lex.
Liber domini; 1416; II, 251. I. expensarum
domini; 1471. Libri aurei s. Codices aurei.
Liegenschaftsübertragung gesamter Hand ; 633 f.
Ligisches Lehen; 1298.
Limburger Münze ; II, 457 f.
Linde. Die L. als Dingbaum; 1058.
Liten; 1151, 2; 1192, 4; 1214.
Litteratur, landwirtschaftliche ; 464.
Lohe; II, 326.
Lohheckenwirtschaft; 88; 126; 511 f.; 515.
Lohnverzeichnis; II, 776. Lohn der Hand-
werker; II, 570 f.
Loi de Beaumont s. Beaumont.
Lokalbetriebe des Fiskus ; 724 f.
Lokalmärkte, gi'undhen-liche ; 815.
Lokalmafse; II, 486; 488; 496 f.
Lokalverwaltung, territoriale ; 1254 f.
Lombarden; 1450; 1452, 1, 3; 1453, 1; 1458.
Losungsrecht; 629 f.
Lotharienses ; 77.
Lotterpfaffen; 1157.
Lübisch; II, 468.
Luft giebt Recht; 1154; 1202.
Lustbarkeiten, öffentliche; 1005.
Luxus, geistlicher des früheren Mittelalters;
849 f. weltlicher; 851 f. Gesetzgebung gegen
den L. ; 852. L. und Komfort ; 852. Diener-
luxus; 851 f. ; 879 f. Gartenluxus; 562. Ge-
leitsluxus; 1302, 2; II, 255.
Magazinierung; 844; 594; 596; 838; 844;
1355; 1400.
Magenhaftung; 23 f.
Mainzer Denare ; II, 415. Gulden ; II, 463 f.
Majorat; 941.
Majoritätsrecht; 46; 310 f.; II, 4.
Malter; II, 508 f.
Mancipium; 1195.
Mannigfaltigkeit von Mafs und Gewicht; II,
484.
Mannlehen; 1265.
Mannwerk; 409 f.
Manuale cellerarie; II, 715.
Manusfirma; 685; 893, 4; 961, 2.
Mark, kölnische; 400 f. Mgewicht; II, 507.
Mwährung; II, 508.
Mark; 463. M. = Gericht; 260. Ämter in
der M.; 311 f. ; 314 f.; 1006 f.; 1079 f. Aus-
dehnung der M. ; 13; 284. Aussonderungen
aus der M.; 273; 389. Begriff der M.; 282 f.
Berechtigungen; 288 f. Mding; 307; 313 f.;
1079. Eigentum an der M.; 283, 3. Finan-
zen; 300; 1010. Gemeinde s. Genossen-
schaft. Genossenschaft s. den bes. Artikel.
Gröfse; 266 f. Mherrlichkeit ; 390 f.; 695 f.;
797 f.; 996 f.; 1078 f.; 1085 f.; 1255, 4. M-
höfe;689. Mhörigkeit ; 797 f. ; 1010 f.; 1158 f.
Kommunalverfassung und M.; 318 f. Kon-
dominat; 278 f.; 697. Landeshoheit und M. ;
1338 f. Mlosung ; 284 f. ; 449 f. ; 629 f. Ober-
eigentum, grundherrliches ; 390 f. Mrecht
ausgebauter Dörfer ; 293 f. Mstreitigkeiten ;
270 f.; 291,3 (292). Subalternbeamte; 315 f.
Mverfassung; 276; 281 f. Mvergehen; 1113.
Mversammlung ; 309 f. Mverwaltung ; 294 f.
Mvogtei s. den bes. Artikel, vgl. auch All-
mende, Aufsenmark, Markgenossenschaft.
Märkergeid; 299.
Markgemeinde s. Markgenossenschaft.
1587 -
Sachregister.]
Markgenossenschaft Autonomie; 286 f. Bede;
299. Besteueningsrecht; 1010. Edehnärker-
schaft s. u. diesem Artikel. Eigentum der
M. an der Mark; 288, s; 388. Einungsrecht
s. Einung. Finanzverwaltung; 300; 1010.
Fischereirecht; 283 f. Gastfreundschaft; 466.
Geldwirtschaft und M. ; 308 f. Jagdrecht ;
283 f. Landnutzungsrecht ; 284 f. Rechnungs-
wesen; 298. Rechtlicher Charakter; 282, 2.
Rügepflicht ; 313 f. Städtische Autonomie
und M.; 309. Steuererhebungsrecht; 298.
Sühnegerichtsbarkeit ; 227, •>. Unterstützungs-
pflicht; 226, 2. Veifügungsrechte; 286 f.;
295 f. Verfall; 1237 f. Waldnutzung; 286.
Weidenutzung; 286. S. auch Mark.
Markt; 1275; II, 256 f. Accise; II, 319. Frie-
den; II, 264 f. Gerichtsbarkeit; II, 264.
grundherrlicher M.; 815; 1003; II, 2-57 f.
260 f. Mplatz ; II, 267 ; 270. Mregal; 1277 f.
II, 263. Mrecht, niederes; 1276; II, 257
262. Mschiffe; II, 254. Wochenm.; II, 260 f.
264.
Markvogtei; 1075 f. Markämter unter ihr;
1079 f. Bede; 1080 f. Markding; 1079.
Fronhofsvogtei und M.; 1090 f.; 1103 f.
Nutzungen; 1106 f. Schutzgeld; 1080 f.
Marmor; II, 334.
Marschallamt; 1296; 1440 f.; 1476.
Martvrologien; II, 702 f.; 721; 750; 764.
Mafs\md Gewicht; 1076; II, 481 f.; 497. M-
bestimmung; II, 497. gehäuftes M.; 788.
Grundherren und M.; II, 482; 484; 510.
Hundertschaft und M.; 259; 302 f.; II, 486.
Kontrolle; 303; 1003; II, 483. Schwan-
kungen; II, 486. Verwirrung; II, 486.
Massenerscheinungen; II, 4; 15.
Masteichelsammeln ; 786.
Materialismus des früheren Mittelalters ; 1162 f.
Materielle Lage der landarbeitenden Klassen
gegen Schlufs des Mittelalters; 1238.
Medem; 103 f.; 105 f.; 107 f.; 112; 392; 475;
514; 919; 1106. Mgut; 406; 425. Mrecht;
394 f.; 453 f.; 475; 493; 514 f. Ausbau im
Mrecht; 396 f.
Mehl- und Brotpreise ; II, 559 f.
Mehlverkauf; 999.
Mehrheitsbürgschaft bei Zeitpachten; 970 f.
Meieramt; 761 f. Abkauf; 772. Erblichkeit;
736; 771 f. Fiskus und M. 724 f.; 732, 5.
Haftbarkeit für Froneinnahmen; 764. Kell-
nere! und M.; 1419 f. Kontrolle der All-
mende; 766 f. des Beundedienstes ; 430 f.;
451; 762 f.; 772; II, 166 f. Landesverwal-
tung und M.; 1407. Lasten; 770. Mini-
sterialität und M. ; 819 f. Priester im M. ;
773. Schicksal des M.; 873 f. Schultheifs
und M.; 728; 735 f.; 772. Servitien im M.;
834. soziale Entwicklung im M.; 767 f.
Verpachtung; 773 f.; 947. S. auch Unter-
meier.
Meilengeld; II, 534.
Meise. Bannmeise; 472; 474, 2; 500.
Meitzen über Königshufen; 353.
Meliorationen der Allmende; 298.
Memoriale; II, 726.
Memorien; 683. Mämter; 835.
Menschenfresserei; 592.
Mergeln; 560.
Merkantilismus; 1353.
Messe; 105, 4; II, 220; 263.
Mefszeit; II, 261.
Metallindustrie; II, 332. Mpreise; II, 567 f.
Meth; 505.
Metzer Denare; II, 416.
Miete wird durch Kauf nicht gebrochen;
943.
Mietstruppen ; 1301 f.
Mietsverträge, freie; 1158.
Milchpreise; II, 561. Mproduktion; 535.
Miles perpetuus; 1302,
Militärhoheit; 59; 1332; 1343; 1346.
Militärische Rechte des Gnmdherrn; 1013.
Miliz; 1294 f.
Minderfreie. Zahl derselben; 1232.
Minderwertigkeit der Münzen; II, 352.
Mineralische Wasser; II, 328.
Minimalgröfse der Hufe; 124,
Ministerialität; 54; 767 f.; 771; 775; 1039 f.
1163. niedere M. (Gesinde); 820 f.; 1128 f.
1167 f. höhere M.; 1129 f. Ämter der M.
822 f.; 835. Burggrafentum und M.; 1371 f.
Burgmannschaft und M. ; 1312. Entstehung
1142; 1167 f. Grundherrschaft und M.
819 f. Kindgeding; 1175. Krieg und M.
713; 880 f.; 1303 f. Lehnswesen und M.
901 f.; 1172; 1304. Markfronden und M.
819. Meieramt und M. ; 819 f. Rat aus
derM.; 1424 f. Ritterschaft und M. ; 1170;
1303. soziale Stellung der M.; 1167 f.
Mischkorn; 552.
Mifswachs; 597.
Mitbesiegelung; 1074; 1424, 4 (1425).
Miteigentum; 642.
Mittelgerichte; 1032, 2.
[Register.
1588
Mittelwald. Entstehung des M.; 131.
Mobiliarvindikation, fränkische; 10, 2.
Mobilisierung der Bevölkerung; 1157. M. des
Grundeigentums s. Güterbewegung.
Modius; II, 510.
Molter; 1002.
Mönche, landwirtschaftliche Thätigkeit der
M.; 462 f. Zudrang zum Mönchsleben im
10. Jh.; 848.
Moneta levis; 11, 416; 420; 428.
Monopole, grundherrliche ; 1003.
Montanindustrie; 516.
MoralischesBewufstsein der fränkischen Zeit; 57.
Moratorien s. Schuldmoratorien.
Moraz; 786.
Mörchen; II, 468.
Morgen als Belastungseinheit; 372. Einteilung
336 f. Gröfse des M.; 344 f. M. als Mafs
338 f. M. als Rodeeinheit; 338 f. Mrute
344.
Morgengabe; 32 f.
Mortemain; 1182.
Moselhufe; 346 f. Mmafs; II, 489; 492. M-
verkehr; II, 341; 350. Mweinbau; 566 f.
Mostartfabrikation; 587.
Mühle. Asyhecht; 1001. Bannm.; 801; 999.
Betrieb s. Müllerei. Gerechtigkeiten; 585.
öffentlicher Charakter der M. ; 17. Recht;
584; 1001. Weistümer; 999.
Mühlsteine; II, 335.
Müllerei; 16; 584.
Münze; 1275 f.; 1404; II, 262; 268. Betrieb;
11, 362 f. Bild; II, 391. Funde ; II, 397 f.
Gewicht; II, 396; 400 f. Hoheit; II, 351 f.
Kontrolle; II, 259; 302 f. Konventionen; II,
389. Mandate; II, 361; 399. Mmeister; II,
374. Monopol, territoriales; II, 353. M. als
Nominalwerte; II, 385. Mordnungen; II, 359.
Pachtung; 964. Politik; II, 354; 356; 465 f.
Polizei; II, 357 f. Privilegien; II, 352; 357.
Probationen; II, 473. Mrecht; II, 351 f.
Reduktion; II, 459 f. Regal; II, 355. Re-
lationen; II, 399; 441; 447; 459. Mstätten
s. den bes. Artikel. Msystem, fränkisches;
17 f. rheinisches; II, 453 f.; 467 f. Um-
lauf; II, 374 f. Unsicherheit; II, 384. M-
verein; 1353; II, 460 f.; 384. Verruf; II,
355; 392. Verträge; II, 399; 464 f. Ver-
waltung; II, 373 f. Verwirrung; II, 383;
424 f. Mwerte; II, 6. Speziell über Effektiv-
wert, Währungswert, Fundwert und Sollwert
s. II, 395.
Münzerhausgenossen ; II, 268; 354; 357 ; 372 f.;
463.
Münzstätten ; II, 362 f. in ursprünglich könig-
lichen Fisci; II, 364 f. durch Münzprivileg
neu begründete; II, 369 f. in den Territorien
entstandene; 11, 371 f.
Mundilionen; 1214.
Munt, königliche; 1016; 1020; 1042; 1068.
Muntschatz; 34.
Muto aureus duplicatus; 446.
Mutterkirchen; 115; IL 258.
Mutungsrecht; II, 329.
Wachbarrecht, 285; 449; 629 f. S. auch Vi-
cinenrecht.
Nachbarschaft; Charakter derselben zur frän-
kischen Zeit ; 20 f. Entwicklung ; 43 f.
Nachenfischerei; 502.
Nachmünzung; 1464; II, 354; 359; 383; 419 f.;
461.
Nachrichtendienst ; 809 f. ; II, 253.
Nachtfischerei; 486; 502, 2.
Nachtragsetat; 1475; 1478.
Nachtseide; 1026.
Nachtweide; 525.
Nadelholz ; 90 f.
Naheweinbau ; 566 f.
Nahrungs- und Genufsmittel, Preise derselben ;
IL 550 f.
Naturalpacht - Geldpacht ; 945.
Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft ; 600 f. ;
623 f.; 1444 f.; II, 375. vgl. auch Geldwirt-
Schaft, naturwirtschaftliches Anweisungs-
system; 8321; n, 515.
Naturgefühl. Mittelalterliches N.; 461.
Natürliche Bedingungen. Veränderung der n.
B. durch den Anbau; 131. n. Recht; 11,
649.
Neki'ologien; II, 697; 703; 708 f.; 717; 721;
727; (735); 754; 759; 761; 764; 769 f.
Neubruch. Gerichtsverfassung im N. ; 236;
266. ■ Grenzen ; 101 f. Pachtverträge aufN.;
124. Standorte; 160. Technik; 124. Ver-
bot; 111. Wald und N.; 101 f.; 123 f. Zehnt;
119 f; 698.
Neufreie Bevölkerung des späteren Mittelalters ;
1153 f.
Niederrhein. Hofsystem des N.; 8; 354, 2.
Verkehr von demselben; II, 339.
Niederwald; 514.
Nobilis Anglie; II, 446.
— 1589
Sachregister.]
Noble Fischerei ; 486 f.
Nomina hehition bei Münzen; II, 448; 474.
Nominalwerte. Miinzen als solche; II, 385.
Nonnenklöster, wirtschaftliche Entwicklung der
N.; 848 f.
Normalien; II, 268; 483; 485 f.; 494 f.
Normalkurs; II, 448 f.
Notare; 1432; 1441. Notarius imperii oder
imperialis aule; 726, 2.
Novalzehnt s. Neubruchzehnt.
Nufsbaumzucht ; 563 f.
Nüsse; II, 326.
Nutzung an der Allmende; 14; 148 f.; 284 f.;
464 f.; 1106 f. am Boden überhaupt; 604 f.;
625 f.
Obedientiensystem ; 975 f.
Oberaufsichtsrecht, geistliches; 1279.
Obereigentum. 0. des Geschlechts ; 626. des
Grundherrn; 390 f. des Vogtes; 1073.
Oberhöfe; 1037 f.; II, 652.
Obermärkerschaft; 314; 478 f.; 1076.
Oberrechnungskammer, die Kanzlei als 0. ;
1432; 1443; 1477.
Oberrheinischer Verkehr; IL 340.
Oberschultheifsen; 734; 1127.
Oberweseler Münze; II, 457 f.
Oblata precaria; 891 f.
Obstgärtnerei; 563 f.
Ödhufen; 123. Ödland; 89 f.; 92. s. Wild-
fänge.
Öffnung, jährliche des Weistiuns; II, 641.
Öffnungsrecht der Burgen; 1263; 1272; 1319.
Ökonomus; 14.85.
Öl; II, 327. Ölbereitung; 564; 587.
Offenhäuser; 1263, 4 (1264).
Offizialatsverfassung ; 1279 f.
Ohm; II, 510 f.
Okkupationsrecht; 385 f.
01k; 405; 425.
Orographie des Mosellandes; 69 f.
Ortsgemeinde; 275 f. Stellung des Ortsge-
meindeverbandes in der deutschen Verfas-
sungsentwicklung; 169.
Oitsgmndungen urkundlich überliefert; 135.
Ortsnamen, lateinische ; 150. keltische; 150 f;
154 f. slavische; 152. auf -heim, -ingen,
-bach, -weiler, -feld, -rath, -scheid, -hofen
und -hausen; 153 f.; s. auch noch S. 135;
II, 45.
Ortsstatistik. Verwendung der 0. zur Bevöl-
kerungsstatistik; 163.
Otternfang; 500, 1.
Ottonenzeit. Wohlstand der 0.; 78.
Pacht. Bauverbindlichkeiten bei P. ; 949.
Pbücher; II, 698; 710f.; 712; 721 f.; 723 f.;
731; 743; 753; 755; 757; 763; 766 f.;
768 f.; 773; 775 f. Pdinge; 982. Empfäng-
nis; 941. Erbpacht s. unter Erbe. Erb-
folgeordnung; 938 f. freie P.; 137; 1257.
Geldwirtschatt und P.; 972; 1445. Ge-
nossenschaften ; 977 f. Halfenp. ; 962. In
dividualbürgschaft bei P.; 958. Inventar
946. Kaution ; 955 f. Kolonisationsp.; 124
959 f. Kontravention; 955. Plehen: 902
983. Meierämter in P. ; 773 f. ; 947. Münzp.
964. Neubruchp.; 124. Pfandsatzung bei
P. ; 955 f. Pschilling ; 943 f. Synchronis
mus der Pformen; 937 f. Ptermin; 965, 3
Vitalpacht s. u. d. W. Zeitpacht s. u
d. W.
Pächterstand; 938.
Pagament; II, 389 f. Pgulden; 11,474. P-
mark; II, 456 f.
Palastkellner; 1476. Pverwaltung; 1470.
Paraveredi; 1025; 1121.
Parcours, droit de ; 526 f.
Parforcejagd; 499.
Parke; 562, 5.
Parochialaufzählungen ; 249, 2; 252, 2. P-
gemeinderecht; 239, 5.
Partikularmarkgenossenschaften ; 277 f.
Parzellierung, gegenwärtige; 84 f. frühere
Höhe; 379 f. der Weinberge; 407 f.
Patrimonialgerichte ; 1347 f.
Patriziat, kleinbürgerliches; 1165.
Patronat s. Kirchenpatronat.
Pensionen; 1386 f. Pgeschäfte; 678 f.; 685.
Pschweine; 770; 787,5. Pstatute; 977 f.
Psystem; 975 f. Verleihungen an Aus-
wärtige; 980, 3.
Perpetualien ; 1442; II, 681 f. Erhaltimg der
R; 935.
Persönlichkeit, zui' Geschichte derselben; 27.
deutsche P. zur fränkischen Zeit ; 19 f. ; 56 f.
Problem einer Geschichte der P.; 19.
Personalbestände von Klöstern und Stiftern;
845 f.
Personallasten. Radizierung der P. in natural-
wirtschaftlicher Zeit; 291.
[Register.
1590
Petrus Brabantie; II, 446.
Pfalz; 721; 11,250. Ämter; 802 f. Bauten;
544. Pgraf; 802.
Pfändungsrecht. grundherrliches P. in den
Beunden; 426. P. desZenders; 193; 219 f.
Pfandi'echtalsWeistumsinhalt; 11,633. Pfand-
satzung bei Pachtungen ; 955 f.
Pfarreiverleihungen ; 686.
Pfarrkirchenbesitz ; 656.
Pfennig, ewiger; II, 262.
Pferde. Lieferung von P.; 1025; 1289.
Preise; II, 544 f. wilde P.; 497. Zucht;
12; 76; 77, 4; 532 f.
Pflasterung; II, 334.
Pflug; 555. Bedienung; 556. P. als Be-
steuerungseinheit; 371. Pfahrten; 557 f.;
783. Pfronden; 421; 430f.; 435; 437.
Pfund, karolingisches ; 11, 400. Trierer; II, 402 ;
506 f.
Pichterbau; 409f.; 903f. Pgüter; 411 f. s.
Weinbau.
Pilger als Boten; II, 253.
Platzregen. Wirkung von P. ; 545.
Politisches Lehen ; 900 f.
Polizei; 1011, 2 (1012); 1277; 1302,2; 1354;
1393; II, 293. spez. Münzpolizei; II, 357 f.
geistliche P. ; II, 361 f.
Pontaticiun; 1017.
Ponten; 1003; II, 245 f.
Prachtbauten. Schicksal der römischen P. ; 78.
Praebendae sine mensa; 974.
Praebendesystem in den Klöstern; 983, 5.
Prägekosten; II, 391.
Prälaten; 1424.
Prämonstratenser ; 137.
Präsentfisch; 487.
Precaria; 685; 891 f.; II, 91; 97; 99; 101.
p. data 891. p. ludeorum; 1456. p. oblata;
891. p. remuneratoria; 899. Zinszahlung
bei Precaria ; 895 f.
Precarium; 891.
Preise; II, 512 f. Charakteristik; II, 513.
Entwicklungsreihen; II, 611 f. P. der
fränkischen Zeit; 17. Pgeschichte ; II, 601 f.
Pkampf; 1444, 1. Pschwankungen ; 591 f.;
597 f. Psteigerungen; 1239; II, 616. Ptaxen;
II, 513. Zusammenstellung vonP.; II, 6,1.
Prekarei s. Precaria.
Pressionsmittel, geistliche P. für Schenkungen ;
670 i
Priester als Meier; 773.
Prior. Stellung des P. in der Verwaltung ; 829.
Privatwald; 14, 3; 48; 104, 2; 108.
Privilegierung, königliche P. und Landes-
gewalt; 1268.
Privilegium de non appellando, de non evo-
cando; 1273 f.
Problem einer Geschichte der deutschen Per-
sönlichkeit; 19.
Produktenpreise; 1240. Sinken der P. im
15. Jh.; 622 f.
Projektion, räumliche, der Wirtschafts- und
Rechts verbände; 263 f.; 269.
Prokurator; 1435.
Proletariat, ländliches; 1232 f. städtisches;
1236.
Proprietas; 891, 2 (892).
Propst; 733. Stellung des P. in der Verwal-
tung; 829. P. als Zwischeninstanz zwischen
Zentral- und Lokalverwaltung der geistlichen
Grundherrschaften; 831 f.
Prozessionen; II, 257. Pverbände; 252 f.; II,
257 f.
Pseudomarkgenossenschaften ; 280.
Quartiernahmerecht, königliches; 1270. Q-
meisteramt; 803.
Quellen, Ableitungskritik; II, 11. zur G. der
Flurverfassung; 331; II, 779; 783. zur G.
der staatlichen Verbände; 195 f. zur G.
der Stiftsverwaltung; 973, 1. Urbarkiitik ;
II, 59 f.
Radizierung. Tendenz der Naturalwirtschaft
zui' R. von Personallasten; 291; 1180 f.
Rat; 1423 f. Bildung; 1428. Bürger im R.;
1424. Domkapitel undR. ; 1424. Dorfrat;
320,1; 322,1. Gehalt; 1430. Geschäfte;
1438 f. R. in Kleinstädten; 320, 1; 322, 1.
kommissarische Thätigkeit des R. : 1438 f.
Ministerialen im R.; 1426. rechtsgelehrte
Räte ; 1432. städtische Räte ; 1345.
-rath; 170.
Raubbau ; 127 f.
Raubburgen; 1316, 6.
Raubritterwesen; 1065; 1163; II, 292.
Raubwesen; 57 f.
Rauchbrot, Rauchhafer, Rauchhuhn (mark-
hörig); 799 f. Rauchzins; 396, 3.
Räumliche Projektion der Wirtschafts- und
Rechtsverbände; 263 f.; 269.
Real; II, 446.
1591 —
Sachregister.]
Realteilung; 377; 641 f.
Rechnungen; II, 692; 695; 696; 698; 708; 712;
714; 751; 753; 757; 759 f.; 762; 768; 771;
777; 779 f.; 781. Rführung s. Biulgetierung.
Manipulationen; II, 5. Münze; II, 450.
Rlage s. Entlastung.
Recht. Ranschauung, fränkische-römische ; 4.
Rcharakter der Grundherrschaft; 1288. der
Markgenossenschaft; 282, 2. Einflufs des
R. auf niedriger Kulturstufe ; 6 f. Rfindung ;
11, 636. Rformeln; 7, 1. rechtsgelehrte
Räte; 1432. natürliches R.; II, 649. R-
schutz; 133. Rsprechung; 823 f.; 1279 f.
Rsymbolik; 7; II, 493. Territorialität des
Rs.; 1155 f.
Rechtsverband des fränkischen Geschlechts
gegenüber der staatlichen Rechtsordnung;
23 f.
Rechts- und Friedenswahrung. Geschichte
derselben ; 1062 f.
Rechts- und Wirtschaftsverbände in der räum-
lichen Projektion; 263 f.; 269.
Reduktion mittelalterlicher Münzen; II, 391 f.
Reduktionstafel; II, 479 f. Rfaktoren in
der Preisgeschichte; II, 602. R. der Zinse;
708.
Reformation und Territorialentwicklung; 1252.
Regalien; 1018; 1275 f.; 1334; 1337; 1347;
1404 f.; II, 263; 335. s. auch Bodenregal.
Registratur der grundherrschaftlichen Verwal-
tung; 841. der Kanzlei; 1442 f. R. und
Weisung; 842 f.
Regularklerus. finanzielle Schädigung des-
selben durch den Neubruchszehnt; 120 f.
Reich. Rabteien; 682; 693; 1281. Rächt; 1273.
Rburgen; 1170. Rburggrafen; 1356 f. R-
finanzen; 1274 f. Fiskus und R.; 180. R-
geleit; II, 291 f. Gerichtsgewalt; 1272 f.
Gerichtsverfassung; 1135. Rgut; 1256 f.
Rhof kämmerer ; 726, 2. Rhofnotar; 726, 2.
Rkirchengut; 1256, 7. Kriegsgewalt; 1269 f.
Landesgewalt und R.; 1256 f.; 1268 f. R-
ministerialität; 732; 1021. Rschöffenbare ;
732. Rschultheifsen ; 727. Rverwaltung;
1276; 1356.
Reinergebnis der grundherrschaftlichen Ver-
waltung ; 844 f.
Reisemarschälle; 1476. Rpflicht; 1291 f.
Reispreise; II, 560.
Reiten; II, 248.
Reitpferde; 533.
Rekonstruktion der alten Hufeneinheit; 347.
Relation; 1434.
Reliquiare der spätromanischen Zeit; II, 378.
Reliquien. Schaustellung von R. ; 677 f.
Reluitionswesen; 795 f.; 839; 1444; II, 381.
Remuneratoria precaria; 891 f.
Renovation von Urbaren; II, 667; 669.
Rentabilität des Landbaues; 619 f.
Renten. Entwicklung der R. auf dem platten
Lande ; 886 f. der Fronhof als Renten-
substrat; 885 f.; 1255 f.; II, 635. Lehens-
renten; II, 609.
Rentmeister; 1480.
Requisitionsrecht ; 1289.
Ressortbildung; 1439.
Restitution von Kirchengut; 712.
Retraktrecht ; 1208.
Revindikation der Allmende; 388.
Rezefs; 1418.
Rheinweinbau; 566 f.
Ribuaria lex. Genauer besprochen sind ; 12, 2
S. 26 f.; 58, is S. 31; 35, 3 S. 31; 81
S. 32; 37 S. 32 f.; 56 S. 38 f.; 60, 2 S. 47
und 49.
Ribuarier; 5; 155 f.
Rinderpreise ; II, 545 f. Rzucht ; 534 f.
Rinensis Francia; 157.
Ripaticum; 1017.
Ritter und Altfreie; 1165 f. R. und Bauern;
1165 f. ritterbürtige Schöffen; 1050. Fron-
höfe und Rgut; 753 f.; 758. Rgiiter in
neuer Zeit; 83. rittermäfsige Kolonen; 137.
R. und Ministerialen; 1170; 1303.
Robertusgulden ; II, 446.
Rodung noch Hauptmittel materiellen Fort-
schritts; 123 f. Abgabe; 390. R. in den
Forsten; 112. Fronden; 148; 688. Fron-
tage; 124; 136; 390, 2. Gemeinschaft der
R.; 337, 3; 338; 398 f. Gewannenr.; 339 f.
R. im Hochwald; 111 f.; 475 f. Hufen in
R.; 353 f. Hufenland und R.; 377 f.
Morgen in R.; 338 f. Patente; 46 f.; s.
auch Besiedlung. Verbote; 390.
Roggenpreise ; II, 555 f.
Rohstoffe und Fabrikate. Preise derselben;
II, 563 f.
Rolle; II, 105; 109; 214.
Romanische Häuser; 544.
Römische Kultur im Moselland ; 74 f. Recht ;
1242. Strafsen; H, 239 f. Villen; 145.
Wirtschaftshöfe ; 145.
Rofsarztgewerbe ; 587.
Rotten s. Rodung.
[Register.
— 1592 —
Rottmeister ; 1440.
Rotulus s. Rolle.
Rügepflicht der Markgenossen; 313 f. des
Zenders; 218 f. Rgerichte; 1331.
Rühren; 757 f.
Rüstwagen; 1289 f.
Rusticus; 1197.
Rute ; 343 f. grofse R. ; 344, 3 ; 346. Morgenr.
344.
Rutschpfennig; 793.
Saatpflügen; 557 f.
Sacebaronen; 59.
Säkularisation; 709 f.
Salgiit; 334. s. Salland.
Salhof ; 746. S. als Herd des Ausbaues ; 136.
Kirche als Pertinenz des S. ; 116.
Salica lex. Genauer besprochen sind Tit. 60
S. 22; 58 S. 23 f.; 29; 62 S. 28; 70
S. 30 f.; Extrav. 96 S. 31;73 S. 33 f.;
44 S. 34 f.; 59 S. 37 f.; 45 S. 42; 46 f.;
14, 4 S. 46 f.; Extrav. 74 S. 48; 27, 23
S. 48; Extrav. 98 S. 49.
Salier; 151 f.; 157.
Salland; 39; 44 f.; 745 f.; 749 f. Gröfse;
753 f. spezifisches S. und Gröfse desselben ;
755 f. Verpachtung von S. ; 762. S. zehnt-
frei; 118. s. auch Salgut.
Salmenfang; 501; 962,7 (963). Swässer; 501.
Salpeter; II, 333.
Salz; II, 328. Sgüter; II, 328. Smafs; II,
498. Smonopol; 1004.
Salzehnt; 107 f.; 611.
Samtmarkgemeinden; 275.
Sanior pars; 827.
Sarjanten; 1301.
Sarmaten ; 144 f. ; 151 f.
Satzung, ältere S. ; 1446 ; II, 609. jüngere S.; 958.
Sauhatz; 499.
Saumtier; II, 249.
Schaden. Geldnehmen auf S.; 953, 4.
Schädliche Tiere. Jagd auf s. T. ; 300.
Schafe; 12. Preise; II, 548. Weide; 537 f.
Zucht; 90; 515; 527; 536 f.; 563.
Schaft; 376, 1; 447; 605; 1027; II, 629. S-
gut; 83 f.; 651 f.; 660 f.; 1029; 1086; II,
221. Sregister; II, 779.
Schankmonopol ; II, 259.
Schardienst; 810 f. Shufen; 820.
Schatzpraxis; II, 377 f.
Schaustellungen von Heiligen und Reliquien;
677 1
Schenkungen, kirchliche S.; Klauseln der-
selben; 682 f. Motive derselben; 670 f.
Sfreiheit unter Lebenden; 639. S. von
Todes wegen; 638 f.; 685; 696 f.
Schiedsrichterstellung des Amtmanns; 1330 f.;
1397. des Grundherrn; 1151. der Hof-
genossenschaft; II, 636. des Landesherrn;
1324 f.
Schieferberge; 580, 3.
Schieferbruchpacht ; 944.
Schieferung; 574; 577.
Schiff'ahrts- und Handelsverträge; H, 295.
Schiffel Wirtschaft; 72; 88; 128; 394; 397;
511 f.; 515; 536; 539; 767.
Schiffsbau; II, 326.
Schiffsmühlen; 585.
Schildgulden; II, 446; 450 f.
Schirmhafer; 1318.
Schlagschatz: II, 269; 391.
Schleifsteine; II, 335.
Schliefsung der Mark nach aufsen; 466.
Schmalzpreis; II, 561.
Schmiede; 16; 587.
Schöffen. Asylrecht; 1056. Bücher; II, 642;
647; 661; 689; 721; 725. Ernennung; 192.
Hochgerichtssch. ; 235. Kooptation; 172;
235. Landschöffen; 208. Lastenfreiheit;
1055; II, 679. Mäntel der Seh.; 1056.
Nutzungsvorteile in der Allmende; 465.
Schordnung; 192 f. ritterbürtige Seh.; 1050.
Schrein; 631, 1. Stuhl; 1048 f. des Heim-
gerichts; 305 Note; 390. Zahl der Seh.;
1052.
Schöffenbare Familien; 1051. Reichsschöffen-
bare; 732.
Scholaren; 1157.
Schonung des Wildes; 498.
Schreiben und Lesen, Unkunde; II, 643.
Schreiber; 1392; 1432; 1441; II, 183; 185.
Schreibwerk; 315; 825; 841 f.; 1442; 11,667;
673.
Schreinswesen, kleinstädtisches; 297, 1. der
Schöffen; 631.
Schrot; II, 392.
Schuldmoratorium; 624; 1355.
Schultheifs; 59; 176; 231; 733 f.; 772; 873;
1052 f.; 1257; 1407 f.; II, 172 f. Seh. und
Meier; 728; 735 f.; 772. Hofsch.; 737;
1129 f. Obersch.; 728; 734; 1127. Reichs-
sch.; 727. Stadtsch.; 730; 1330 f.; 1343 f.;
1408 f. s. auch Erbschulzen.
Schutz. Schbriefe; 1019. Schgeld; 1068, 9
1593
Sachregister.]
(1069) ; 1080 f. ; 1096. Schhörigkeit ; 1222 f. ;
1243 f. kirchlicher Seh.; 1062 f. Schver-
bände gegen die Vögte; 1133.
Schweigen ; 536 f.
Schweine. Mast; 484; 491 f.; 521. Pensions-
schw.; 770; 787,5. Preise; II, 546 f. Ter-
minologie; 11. Zucht; 11 f.; 520 f.
Scutum secundum; II, 451.
Seelgeräte ; 835 f.
Seilmessung; 343.
Selbsthilfe. Geschichte der S. gegenüber dem
Staat; 1064 f. gegenüber den Vögten;
1132 f.
Send; 239. S. und Feldmessung; 342 f. S-
weistum; 11, 625; 657.
Seneschalk; 803; 1469.
Seniorat; 1151, i.
Series viventium; II, 704; 710; 735.
Servitium; 833 f.; 1115 f.; 1119. grundheiT-
liches ; 833 f. karolingisches ; 806. S. des
Meiers; 834. vogteiliches; 1082; 1095 f.
Servitutsmarkgenossenschaften ; 277.
Servus; 1195 f.
Sicherheit der Zinseinlieferung; 792 f.
Siegel; II, 643 f. Sfähigkeit der Frauen;
629, 1.
Silber. Ankaufsmonopol ; II, 387. Bergwerk ;
11,329; 388. Knappheit; II, 387. Königs-
silber; II, 386. Währung; II, 397; 478.
Wertverhältnis zum Golde; II, 376; 391;
396; 470 f.; 478; 606.
Sippenbegriff; 631. Sfriede; 27.
Sitte. Charakter der ältesten S. ; 57 f.
Sittliclikeit unter den Grundholden; 1235.
Solatium; 823.
Solidarische Zinszahlung; 790.
Söldner auf Burgen; 1311.
Soldwesen, einfaches; 1300 f. höheres; 1299.
Sonderhirt; 997.
Sonderungen; 414 f.; 912; 915.
Soonwald; 99.
Soziale Frage nach der Ausgleichung zwischen
Armut und Reichtum; 1163. soziale Schich-
tung; 51 f.; 1139 f. in den Fiskalgebieten;
732.
Speerschufs; II, 7.
Speichergebühr; II, 316.
Spelzbau; 550 f. Spreise; II, 558.
Spezialbetriebe. Stellung der S. in der Fron-
hofsverfassung ; 743 f. Spezialkopiare ; II,
688; 718; 731. Spezialkulturen ; 400 f.
Lamprecht, Deutsches Wirtschaftsleben. I.
Spezialvogteien ; 1067. Spezialurbare; II,
661.
Spielleute als Boten; II, 253.
Sprachgrenze, französisch-deutsche; 78.
Springprozession; 678, i.
Squatter s. Wildfang.
Staatsrat, karolingischer ; 802 f.
Staatliche Verbände. Quellen zur Entwick-
lungsgeschichte der st. V. ; 195 f.
Stadt. Amtmann und St.; 1344. Stbau; II,
514. Stbefestigung; II, 513 f. Stbrände;
138; 544. Einflufs der St. an der Mosel;
73. Sterweiterung ; II, 514 f. Fiskus und
St.; 727 f.; 731 f. Landstädte; 322, i;
1336; 1342 f. Stadtluft macht frei; 1154,5.
Markgenossenschaft und St.; 309. Polizei;
1345. Rat; 1345. Schultheifsen ; 730;
1330 f.; 1343 f.; 1408 f. St. als Zufluchts-
ort; 1316.
Stahl; II, 331.
Stal; II, 481; 490; 494.
Stallfütterung; 531.
Stamm und Völkerschaft; 59.
Stammgut; 40.
Standesbildung s. soziale Schichtung.
Stände (politische); 1342 f. Akten; II, 682.
Entstehung; 1425. Steuern; 1336 f.; 1347.
Standgeld; II, 270; 314.
Standesherren ; 1345 f.
Standort intensivsten Neubruchs bis 13. Jh.
Mitte; 160.
Standeszugehörigkeit , territoriale. Charakter
der St.; 1346.
Statistik der Bevölkerung s. Bevölkerung, der
Orte; 163. Kameraist.; II, 691.
Steinbau; 544. Stbruchbann; 1002. Sthäuser;
1308 f. Stindustrie; II, 334. Stkohlen; II,
330. Stpreise; 11,564. Stringe; 1307 f.;
1316. Ststrafse; II, 240.
Sterling; II, 423; 426.
Steuer, direkte; 1334 f.; 1461. indirekte;
1333 f. Erhebungsrecht der Immunität;
1017 f. der Markgenossenschaft ; 298. Frei-
heit des Adels und des Klerus ; 606 f.
Heerst; 1121. kirchliche St.; 1283 f.; 11,381.
Landesst.; 1334 f.; 1461. Nachlässe; 1234;
1355. ständische St.; 1336 f.; 1347. St-
verband der Hufe ; 370 ; s. Hauptmannschaft.
Stverfassuug, grundherrliche ; 369 f. mark-
genössische ; 298 f. vogteiliche ; 369 f.
Stickholz; 515; 580; II, 326.
101
[Register.
— 1594 —
Stifter. Bankgeschäfte der St.; 1446 f. Eintritts-
geld; 679 f. Statuten; E, 693; 695; 697;
699; 734; 750; 758; 761 f.; 765; 768. Ver-
mögen; 974. Verfassung; 828 f. Verwal-
tung; 973 f.
Stockgut s. Schaftgut. Stpfennig; 490. St-
reckt; 510.
Stoppelweide; 526.
Strafrecht der Grundholden; 1199; 1351.
Strafsenfriede; 259. Heerst. ; II, 236 f. Land-
st. ; II, 236 f. Römerst. ; II, 239 f. Steinst. ;
II, 240. Verkehrsst; II, 236 f. Vicinalst.
II, 236 f. s. auch Wege.
Streichmafs ; II, 487; 504; 512.
Strepitus iudicii; 954.
Streu- und Laubfallnutzung; 507.
Streucharakter des Grofsgrundbesitzes ; 701 f. ;
705 f. ; 739 f.
Stückelung; II, 392.
Stürme. Wirkungen der St. ; 544 f.
Stutenherden; 533, 7.
Successionsrecht s. Erbfolgeordnung.
Subsidium; 1283 f.; 1336; 1461; 1468.
Substrat für grundherrliche Lastenveranlagung ;
784 f.; 789 f.
Siihnegerichtsbarkeit der Markgenossen ; 227, 2.
Supplementum ; 958.
Symbolik des Rechts ; 7 ; II, 493. der Zahlen ;
II, 8.
Synchronismus der Erb-, Vital- und Zeitpacht;
^932; 935.
Synodalstatuten; II, 681 f.
Tagelöhnerordnung; II, 783. Tmärsche; II,
255.
Tageslohn; II, 617. T. des gewöhnlichen
Arbeiters als Reduktionsfaktor in der Preis-
geschichte; II, 603. Tverbrauch; II, 573.
Taille; 1027.
Tarife ; 11, 295 f.
Tarifierung auf das Transportmittel; 11, 296 f.;
314. nach dem Gewicht; II, 303 f. nach
der Stückzahl; II, 304. nach Zollfuder; II,
305 f. Diiferenztarif ; II, 347.
Taubcnhaltung; 539, 4. Tpreise; II, 549.
Taubholz; 506.
Tausch. T. von Hufen; 346. T. und Kauf;
1444. T. innerhalb der kirchlichen Verwal-
waltungspolitik; 692 f. Twerte; II, 375.
Taxatoren, vereidigte; II, 634.
Taxen; 594; II, 513.
Technik des Neubruchs; 124.
Teichwirtschaft ; 504.
Teilbarkeit der hinterfälligen Güter; 648 f.
Teilbau; 395; 750; 774; 907 f.; 909 f.; 918 f.;
944; 962; 966.
Teilung und Zusammenlegung von Grund-
stücken; II, 634. T. von Hufen; 366 f.
Temporalien; 935; II, 684 f.; 687; 689.
Termen; 85.
Terminologie der Agrarverfassung ; 364, 4.
lateinische; 331, 1; 335, 7.
Terra aviatica. Gesamteigentum des Ge-
schlechts an der t. a. ; 43.
Terragium; 103 f.; 391 f.
Territorialität der Münzsysteme; II, 381 f.
des Rechtes; 1155 f. der Zölle; II, 275.
Territorium s. Land.
Testierfreiheit; 639 f.
Teuerung; 591 f.
Textilindustrie; 587 f.; II, 334.
Thalbildung im Moselland; 69 f.
Theloneum s. Zoll.
Theorieen über die Regelung der Gemeinde-
nutzung; 288, 3.
Thonwarenpreise ; II, 564.
Thunginus ; 58 f.
Thuringorum lex. Genauer besprochen sind;
14 S. 27 f.; 6, 5-7 S. 35; 6 S. 40 f.
Titelsucht, mittelalterliche; 822.
Titularräte; 1430.
Tochterklöster; 831.
Tote Hand; 137. neuerer Besitz der t. H.; 83.
Totgefundene. Recht der Aufhebung von T. ;
13, 3; 223, 1.
Totholz; 506.
Traditionsbücher; 841.
Transport. Dauer; II, 254 f. Kosten; II,
254 f. Mittel; 9. Preise; II, 571 f. Twesen;
744; 812 f.; II, 247.
Tributarii; 1214.
Tributum; 105; 1017; 1024; 1027.
Trier als Verkehrsmittelpunkt; II, 342.
Trierer Pfund; II, 402. Denare; II, 408 f.
Depravation des Münzfufses; II, 418. Ent-
wertung der Denare; IL 420; 425. Präge-
technik; II, 403. spätere Schicksale; 11,
452 f.
Trift, gemeine; 389.
Trinkkonsum; 569.
Trockenmafse; II, 497 f.
— 1595 —
Sachregister.]
Trummen; 85.
Tiimosen: II, 287; 344; 424 f. spez. 435 f.;
438; 450; 454 f.
Cbergangsstil des 12. und 13. Jhs. Wirt-
schaftliche Basis des Ü. ; 849 f.
Überlebender Ehegatte. Erbrecht des ü. E.;
628 f.
Überlieferung und Weisung; II, 642 f.
Überproduktion. landwirtschaftliche Ü. im
15. Jh.; 623.
Überschwemmungen; 590.
Übersicht über den Fluren Charakter des Mosel-
landes; 360 f. spez. 364 f.
Übertriebsrecht; 526 f.
Umfang der Fisci; 714 f.
Umlauf der Münzen; II, 374 f.
Umstand im Grundgericht ; 1047 f. im Hoch-
gericht; 793; 1013; 1031; 1120; 1125;
1291 f.
Unfreie; 53 f.; 1227. Disziplinargewalt des
Herrn; 54 f.; 1150. U. der Karolingerzeit;
992. u. Kaufleute; 1166 f. Wergeid; 55.
Zahl; 1232.
Ungeld; II, 312; 315; 322; 488; 514 f.
Ungleichheit der grundhörigen Lasten; 708 f.
Unifikation der Lokalmafse; II, 488. der
Handelsmafse ; II, 489.
UnqualiUzierte Arbeit s. Arbeit, gemeine.
Unruhen, agrarische, im früheren Mittelalter;
1235.
Untergerichte. Entstehung der U. ; 1046 f.;
1202. Uordnung; 1327.
Unterkellner; 829.
Untermeier; 744; 776.
Unterrezepturen der Kellnerei; 1419 f.
Untersuchungsmethode der Markverfassung;
276.
Unterthan; 1197.
Untervogt; 1104; 1108 f.; 1125.
Unterzug; 1205 f.
Unveränderlichkeit der grundhörigen Lasten;
707 f.; II, 648; 655; 663.
Unverletzlichkeit der Person; 1288.
Urbar; 369; II, 57 f.; 657 f. Amtsu.; 1392. Uaus-
zug; II, 672. Hofu. ; II, 661. Katastern.;
II, 668; 754 f.; 771. Kritik derU.; II,
59 f. Registratur; 841 f.; II, 666. Reno-
vation; II, 667, 669. Schema, karolingisches
s. Fragebogen. Spezialu.; II, 661. Ur-
kunden und U.; H, 671; 673; 751. Ver-
zeichnung; II, 663. Weisung; 11,633; 660.
Urbarialien, kleinere; II, 667.
Urbarung auf Fels; 122.
Urdorftheorie ; 269, 2.
Urholz; 506.
Urkunde. Aufbewahrung und Gewährleistung
von U. ; II, 647. U. ins Deutsche übersetzt;
II, 748; 760; 780. U. und Urbar; 11,671;
673; 751. Uwesen, trierisches; II, 685;
687.
Urteilsfindung mit Ausgang; II, 637.
Usurpation von Reichsrechten durch die
Landesherren; 1268 f.
Valvation; II, 382; 462; 468.
Vare; II, 641.
Vehme; 1272.
Vener; II, 468.
Veräufserungsrecht an Grund und Boden ; 49 ;
630 f. Veräufsermigen aus der Grundherr-
schaft; 874 f.
Verdunkelung des Lehnsnexus ; 877 f.
Vererblichung der fränkischen Staatsämter
und der Ministerialenämter; 835.
Verfall der kirchlichen Institute des Mittel-
alters ; 846 f.
Verfassung der Klöster. Verhältnis der K.
zur Klosterverwaltung; 826 f.
Verfronung; 751 f.; 793 f.; 1100 f.
Verfügungsfreiheit über verlehnten Besitz;
876, 4.
Vergleichsverfahren des Amtmanns; 1330 f.;
1397.
Verkauf. Vabgabe; 1005; II, 314; 320. V.
von Allmende; 81. Vordnungen; 1355; II,
270.
Verkehr. Abgaben; II, 312. Art; II, 343 f.
Aufschwung; II, 349. Belastung; II, 348.
V. der fränkischen Zeit; 17 f. Frieden;
n, 295. Höhe; II, 335 f. Kontrolle; 259;
302 f. Maxima; II, 348. Politik; II, 268.
Strafsen; II, 236 f. Verbindungen; II, 335 f.
Vorteile, grundherrliche ; 1003 f. Zeiten;
II, 345 f. Zölle; II, 284.
Verkoppelung; 381 f.; 422; 693 f.
Verlehnung; 882 f.; 1264 f.
Verleihung von Allmende; 388.
Vermehrung der Bevölkerung, absolute; 168.
Vermessung des Landes; 341 f.
101*
[Register.
— 1596
Vermögen, freies; 658; II, 576. kirchliches;
239 f.; 1280 f. Vsteuer; 1335.
Verordnungsrecht des Landesherm ; 1253 f. ;
1338. des Zenders; 318.
Verpachtungen; II, 732. von Allmende; 388.
von grundherrlichen Verwaltungen ; 931 f.
Verpfandung; II, 378.
Verpflegungsdienst; 1024 f.; 1121; 1289.
Verproviantierungspflicht ; 1290.
Verrufimg von Münzen; II, 355; 392.
Verschuldung der Grundherrschaften; 839 f.;
847 f. der kirchlichen Institute; 858, s.
ländliche; 624 f.; 1242. territoriale; 1463 f.
Versicherung gegen landwirtschaftliche Unfälle ;
979.
Versteigerung; 964, 4.
Verteilung der Berufe; 73. des Grundeigen-
tums; 12; 81 f.; 362.
Vertrag und Weisung; II, 651 f.
Vervogtung des Klerus; 1062.
Verwaltung der Klöster. Verhältnis zur Kloster-
verfassung ; 826 f.
Verwaltungsfürsorge im Mittelalter; 1274.
Verzeichnisse verlehnten Gutes; II, 664.
Vicinalstrafsen; II, 236 f.
Vicinenrecht ; 43 f. spez. Erbrecht; 43 f.
sonstiges Recht ; 45 f. s. auch Nachbar-
recht.
Vieh. Vfinder; 526. Vhaltung; 540 f. V-
handel; 11,323. Hofvieh; 11. Vpreise; II,
544 f.; 603; 618. Vverstellung; 1147. V-
trift; 126. Vwirtschaft; 10. Vzucht; 332, i;
582 f.; 540 f.
Vierfelderwirtschaft ; 546.
Viertel als Belastungseinheit; 372.
Villen, römische; 145.
Villenverfassung, karolingische; 719f. Schick-
sal der V.; 726 f.
Villikationsvertrag; 961 f.; 980.
Visitationsrecht der Bischöfe; II, 663.
Vitalpacht; 936 f.; 958 f.
Viztum; 733; 824; 1435.
Vogtei. Abkauf von V.; 1133. Allmende-
vogtei, s. u. d. W. Allmende. Ämter und
V.; 1261 f. Vogtämter; 1107; 1370; 1450.
Vogtamtmann; 1108. Beamtentum und V.;
1261 f.; 1405. Vbedürftigkeit; 1065. Be-
rechtigung zur V. ; 1067 f. Besthaupt; 1086.
Blutbann; 1114. Burgen und V.; 1071;
1309. Vding;1084f. Entschädigimgspflicht
für den Bevogteten; 1070. Fehdepflicht;
1071 f. fiskalische V.; 730 f. Fronden;
1118. Fronhofsvogtei , s. u. d.W. Geleits-
pflicht; 1071. Grundgerichtsvogtei, s. u. d.
W. Grundzölle ; 1 1 18. Vgüter ; 83 f. ; 651 f. ;
660; 1029; 1086. Heiratskonsens; 1103.
Vhof; 1084. Immunitätsvogtei, s. u. d. W.
Konsensrechte; 1073; 1103. Kriegsgewalt;
1120. Kumulation von V. ; 1065, 4. Landes-
gewalt und V.; 1068; 1110; 1132; 1136;
1258 f.; 1347. Vlasten; 605. Vleute;
1159 f. Markherrlichkeit und V.; 1085 f.
Marknutzung von V.; 477 f.; 1106 f. Mark-
vogtei, s. u. d. W. Vmeier; 1084; 1108.
Mitbesiegelungsrecht; 1074. Schutzverbände
gegen V.; 1133. Schweigende V.; 1090, 2.
Selbsthilfe gegen die V.; 1132 f. Servitien;
1082; 1096 f. Spezialv.; 1067. Steuerver-
fassung ; 369 f. Untervogtei, s. u. d. W.
Vertretungspflicht für den Bevogteten ; 1072 f.
Wesen der Vogtei; 1069 f.
Völkerschaft und Stamm; 59.
Volleist; 680.
Vorgezimmer; 318, 1.
Vorhure; 923; 954; 1187 f.
Vorkaufsrecht; 633, 1; 1194.
Vorlese; 427; 997.
Vormundschaft; 30 f.
Vorschnitt; 427; 997.
Vorwerk; 690; 754.
Vulbort; II, 637 f.
Wachs; 505 f.; II, 327. Wbedüifnis der
Kirche; 1216, 4 (1217).
Wachszinsige; 505, 5; 1129; 1198; 1213 f. ,
Dingpflicht; 1216. Übergabe zu W. ; 1219 f.
Zinspflicht; 1216 f.
Wachtdienst; 782; 1030; 1290.
Waffen, bäuerliche; 1293.
Waffenfähigkeit; 1287 f.
Wagen; II, 248.
Wagenbereiter; 1419.
Wahlbeamte des Mittelalters. Schulung der
W.; 315.
Wahlkapitulationen; II, 682.
Währung; H, 363; 391 f.
Waid; H, 326. Wbau; 562, 7 (563).
Wald, absoluter Waldboden; 86; 110. W-
akten; II, 690; 783. Ausdehnung, heutige;
89 f. Bannwald; 96 f. Bäume; 128. Ein-
Iteiung; 506. Erbengenossenschaft; 280;
1597 —
Sachregister.]
292, 1 (298); 301 f. W. in fränkischer Zeit;
14. Gebniuch vom 8.— 10. Jh.; 469 f. W-
höfe; 689. Wlichtung; 101 f. Namen; 93 f.
Neubruch und W.; 101 f.; 123 f. Ord-
nungen; 468; 481; 494; 497. Preise; 139;
II, 579. Privatvogtei; 479. Schmieden; II,
831. Schonung; 498; 519. Schutz; 90;
108; 110 f.; 139 f.; 506; 507; 1338; 1346, 7;
1856; 1399; 1406. Teiking; 139. Vermes-
sung; 139. Verwüstung; 95 f. Vogtei;
477 f. Weide; 484 f.; 525 f. Zerstörung;
138.
Walpode; 209.
Wandelbarkeit der Kulturen ; 128 f.
Wanderungen, fränkische ; 3 f. germanische ;
155 f.
Waren. Ausbildung qualifizierter W.; 18.
Handelsw.; II, 322 f.
Wariner; 4.
Wartegelder; 1386. Erben warterecht; 632 f.
W^asgenwald; 99.
Wassennühlen ; 585.
Wasserscheide und Kulturgrenze ; 65 f.
Wechsel; 1451. Wbank; II, 262; 268.
Wege. Bau; 1335; II, 242 f. Geld; II, 271.
Servitute; 284, 3; 333; 335. Sperrungen;
II, 289. s. auch Strassen.
Wehr; 472; 502 f.
Wehi'haftigkeit; 1287 f.
Weide; 12. Wgemeinschaft; 286. Wnutzung;
520 f. oifene W.; 525. Stoppelw.; 526.
Waldw.; 484 f.; 525 f.
Weidenhieb; 580. Wkultur; 580.
Weilerausbau in Stockgütersystem; 655. W-
bildung, alemannische ; 358 f. W. aus Ein-
zelhöfen entstanden; 354 f.
Wein. Ausbau; 402. Ausschank; II, 325.
Bann; 801. Bau s. den bes. Artikel. Bauern;
902 f.; 1167. Berge s. den bes. Artikel. Be-
steuerung; 1005, 2. Export; 569. Güter;
135; 411 f.; 416 f. Handel; 1452; II, 324.
Jahre, gute und schlechte; 597, 4. Lese;
582 f. Mafs; II, 500f.; 510 f. Orte; 402, 3;
II, 54. Preise; U, 550 f. Qualitäten; 570 f.
Transport; 11,825. Zapfmonopol; 803; 1004.
Weinbau; 16; 403 f.; 565 f.; II, 618. Alter;
565 f. Ausdehnung; 132; 569 f. Bestellung;
572 f. Ding; 915. Drieschwirtschaft und W. ;
579 f. Fiskus und W.; 135. Lehen; 908 f.
Medemgutund W.; 406. Recht; 918 f. Pro-
duktivgenossenschaft; 914. Standort; 122.
Ten-assenbau ; 122 ; 404 f. ; 567 ; 572. Ver-
breitung; 565 f. Zinsgenossenschaft; 914.
s. auch Pichterbau.
Weinberg. Ausbau; 898. Verbreitung des Be-
sitzes; 415. Erbpacht; 917 f. Förster; 582.
Gemeindebesitz; 399. Gewanne; 406. inner-
städtische W. ; 405. Mobilisierung; 416.
Parzellierung; 107 f. Preise; II, 578 f. Re-
visionen; 915. Schlufs; 581 f. Zins; 590 f.
Weistum; II, 624 f. Agrarverfassung und W. ;
II, 633. Amtleute und W^; 11, 655. Bede
und W.; II, 629. Erbrecht und W.; II, 633.
l erichtszeugnis als Ersatz des W. ; II, 638.
Gerichtsw.; II, 666. Grenzw.; 296; II, 634.
Hofw.; II, 626 f. Wkopiare; II, 661. W-
kritik; II, 459. Mühlenw.; 999. Öffnung;
II, 641. Pfandrecht und W.; II, 633. W-
sammlungen; II, 677 ; 696; 706; (719); 720 f.;
(722); 724; 728; 780; 743; 748; 768 f.; 765;
767; 774; 776; 778; 782. Sehner- oder
Sendw.; II, 625; 657. Urbarw.; II, 633; 660.
Weisung; 778. Wberechtigung, Eingriffe der
Grundherren bezw. Territorialherren in die-
selbe; II, 656. feierliche W.; 1131. Frei-
heit der W.; II, 647 f. W. von grundherr-
lichem Gesamtrecht; 1171. W. von Gewicht
und Mafs; II, 481; 483 f. W^pflicht und
Wrecht des Hofes für grundherrlichen Besitz-
stand und dessen Rechte ; II, 628 ; 657. Re-
gistratur und W. ; 842 f. Überlieferung und
W.; II, 642 f. Urbarw.; II, 683; 660; 671.
Vertrag und W.; II, 651 f.
Weizenbau; 547 f. Wbrot; 558. Wpreise; II,
554 f.
Wergeid der Grundholden; 1208. der Un-
freien; 55.
Wetterauer Münze; II, 458.
Wetzlarer Münze; II, 457 f.
Wiederbewaldung; 181.
Wiese; 12. Ausbau; 898 f. Bau; 408 f.; 527 f.
Bewässerung; 529. Gemeinbesitz; 898 f. Ge-
wannen; 404. Preise; H, 578. Übertrieb;
530. Zins; H, 590.
Wildacker; 397. Wbann; llOf.; 470 f.; 1067;
1118; 1262; 1275. Wbahn; 113; 476; 1338,4.
Wfang; 101; 109; 123; 132; 148; 164. W-
folge; 470 f. Wland; 110; 118; 127 f. W-
park; 497 f. Wpreise; II, 563. Wstand;
497 f. Pferde, wilde; 497.
Windelbote; 772; 905 f.
[Register.
1598
Wmdfall; 506. Wmühlen; 585.
Wingert s. Weinberg.
Winter, starke und lange; 597, 3.
Winterfrucht. Ausfrieren der W. ; 142 f.
Winzer; 16.
Wirtschaft und Kunst, vornehmlich im früheren
Mittelalter; 849 f. W. und Wissenschaft,
vornehmlich im früheren Mittelalter; 845;
849 f.
Wirtschaftsgebäude; 9. Whöfe, römische;
145.
Wissenschaftliche Behandlung der Grundherr-
schaft; 669.
Wissigenacht; II, 641.
Wittum; 33.
Wochenfeiertage; II, 521 f., s. Arbeitstage.
Wmcärkte; II, 260 f.; 264.
Wohlstand der Ottonenzeit; 78.
W^ohnhaus als Fahrhabe; 48 f.; 128.
Wolf; 497. Wjagd; 471, 3. Wvertilgung;
724.
Wollproduktion; 536.
Wucherverbot, kirchliches; 1447.
Wüstungen; 129 f.; II, 42.
Zahl. Z.- und Massenerscheinungen; II, 4; 6.
Z. der Grundherr Schäften an einem Orte;
135. Zmünze; II, 450. Z. grundherrlicher
Schöffen; 1052. Symbolik der Z.; II, 8. Z.
der Unfreien; 1232.
Zählweise, fränkische; 17.
Zahlungsanweisungen, einmalige; II, 289.
s. auch Anweisungssystem und Finanzge-
barung.
Zauberei; 723.
Zaun; 8; 14; 138, 3; 543. Zwesen; 341; 425;
434; 528; 533 f.
Zehnt; 608 f. Befreiungen; 121. Begrenzungen;
114, 4; 249. Beschreibungen; 98. Bezirke;
114 f. Druck; 128. Erträge; 617 f. Fi-
xierung; 615. grundherrlicher Z. ; 118. Neu-
bruchsz.; 119 f.; 689. Pacht; 614 f.; 932 f.
Zpflicht bei Teilbau; 910. Recht am Z.;
113 f.; 1282. Revindikation; 611. Tarife;
615 f. Verkeppelung; 383. Wiesen; 616.
s. auch Salzehnt.
Zeidler; 495; .504.
Zeitkurs; II, 448.
Zeitlehen; 883, 2.
Zeitpacht; 916 f.; 921; 936 f.; 963 f.; 968;
970 f.
Zellen als Zwischenstellen zwischen Zentral-
und Lokalverwaltung der geistlichen Grund-
herrschaften; 831 f.
Zender; 173; 182 f.; 314 f. Zbote; 316. Be-
fugnisse, ursprünglich staatliche; 222. vom
Hunnen abgeleitete; 222 f. Dorfz.; 229;
246 f.; 275, 2. Duplizität; 314 f. Familien;
221. Friedenssicherung; 217. Geleit; 217, 2;
259. Gemeinde und Z.; 220; 228 f.; 261.
Hofz.;210. Landz.; 172 f.; 210. Pfändungs-
recht; 193; 219 f.; 302. Rügepflicht; 218 f.
Verordnungsrecht; 318. Zwerk; 881. s. auch
Centenar.
Zenderei. Geschichtliches zur Erforschung des
Charakters der Z.; 206, 3. Gröfse; 265 f.
Zahl im Verhältnis zur Hundertschaft; 265, 1.
s. auch Centena.
Zentralverwaltung, grundherrschaftliche ; 809 f. ;
822 f.; 843. karolingische ; 802 f. Kollegial-
system; 1253. territoriale; 1253; 1421 f.
Zersetzung der Grundherrschaft; 1237 f. der
Grundholden; 1237.
Zersplitterung der Fronden und Zinse; 865.
der Hufen; 864; 1233. des Hufsallandes ;
867, 1.
Zeugen aus dem Geschlecht; 29 f.
Zeughäuser; 723. karolingische; 806.
Zeugnisgebühr bei Weisung; II, 659. Zzwang,
grundherrlicher; II, 640.
Ziegelbrennerei; II, 527.
Ziegenpreise; II, 548.
Ziffern, arabische-römische ; 1443; 1470.
Zimmerei; 588; 776 f.
Zinn; II, 304; 330.
Zinse; 778 f., spez. 787 f. Abkauf; 795 f.
Ablösung; 795 f. Belastung; 791 f. freier
Z.; 137. Zfufs; H, 606 f. Geldz.; 796. Z-
genossenschaft im Weinbau ; 914. Hühnerz.;
539, 2; II, 7. Zgut; II, 222. Judenz.; 1452;
II, 608. Zkategorieen; 788 f. Königsz. ; 1025.
Ziehen; 900 f. Zleistungen ; II, 375. Zleute;
1214. Znachlafs; 872; 969. Nutzungsz.;
620 f. Zpflicht; 922 f.; 1180 f.; 1229.
Reduktion; 708. Reluition; 795 f. Säum-
nis; 793 f. Sicherheit; 792 f. Termine;
813. Weigerung; 870. Zahlung bei der
Precaria; 895 f. solidarische; 790. s. auch
Erbe.
Zoll; 1017; 1275; 1405; 1414; II, 268 f.;
— 1599 —
Sachregister.]
271 f.; 290 f. Abgaben; II, 302. Befreiung;
II, 279. Belastung, subsidicäre; II, 310. Be-
seher; II, 285. Burgen; 1316, 6. Einnahmen;
II, 273. Erhöhung; 601, 2. Freiheit; 1018;
1021. Fuder; II, 287; 305 f.; 344. Gesetz-
gebung; II, 273. Instruktion; II, 286. Kiste;
II, 286. Knechte; II, 285. Linien; II, 284.
Nachlafs; II, 282. Ordnungen; 767. Pach-
tungen; 964. Plackerei; II, 348. Politik;
n, 277. Polizei; II, 273. Rechnungen; II,
286; 343; 760. Regal; II, 272. Schreiber;
II, 289. Stätten; II, 285; vgl. 279. Tarife;
1119; II, 279. Territorialität des Z.; II, 275.
Turnos; II, 287 f. Verein; II, 279. Ver-
gabung; II, 272. Verkehrzölle; II, 284. Ver-
legungen; II, 274.
Zöllner; II, 285.
Zuchttiere; 12; 76; 77,4; 532 f.; 540 f.; 1010;
II, 631.
Zudrang zum Mönchsleben im 10. Jh. ; 848.
Zugvieh; 535; 555 f.
Zusammenlegung von Grundstücken; II, 634.
Zwangsgewalt, gerichtliche; 193; 1059 f.
Zweifelderwirtschaft; 88; 377; 546; 551; 561.
s. auch Felderwirtschaft.
Zweikampf, gerichtlicher; 1114.
2. Wortregister.
Man vgl. die allgemeinen Bemerkungen über die Anordnung des Registers oben
S. 1571, sowie das Wortregister in Bd. 3 S. 591—608.
abbatia; 207.
abbatizare; 1196, 7 (1197).
abkauf; 1086, 2.
abreinen; 341.
abrenuntiatio ; 637, 1.
absare; 750; 911, 3.
abschofs; 519, 2.
abornement; II, 634.
absus; 750 f.; 1224, 2.
abteie; 746, 2.
abtreten; II, 637; 648.
abtrift; 635, 3 f.
abusio ; 1097, 2.
accensa; 938, 4 (939)-, 958, 5. s. acens, ad-
censare, ascensa.
accessorium; 1453, 4.
acens; 938, 4 (939). s. accensa, adcensare,
ascensa.
achasius ; 32 f.
acht, aicht; 390, 1; 418 f.; 1091, 4; 1094, 2
(1095); II, 180. s. agbta, ahtin, ätte.
achten; 781.
achtervaid; 172, e; 1084, 3. s. aftervaid.
achtullg; 557, 6.
acbtweid; 538, 2.
aichtwise; 425, 2.
acker s. ecker, ackerswin.
acker; 419, 6.
ackersatz; 522.
ackerschatz ; 107, 3.
ackerswin; 522.
actio in factum; 954, 3.
actionarius; 1374, 2 (1375).
actor; 858; 1374, 2 (1375).
actu residere; 974, 4.
acutarius (canis); 11; 1.
adaquare; 1017, 6 (1018); 1021, 3 (1022).
adaquatura; 859.
adcensare; 938, 4 (939). s. accensa, acens,
ascensa.
adelige guter; 924, 2.
adheredare; 995, 1.
adimpletio; 583.
admallare; 1016, 4.
admanuensis; 1433, 1.
administratio ; 975.
admissarius; 12, 2.
adpretiare pretium; 18.
adterminare; 120, 2.
advena*, 615, 1; 869, 2.
adveniens homo; 866, 4.
advocaria; 1091, e (1092).
advocatio; 980, 3; 1114, 1.
advocatura; 1074, 4.
advocatus generalis; 1136, 1. tacendus 1091, 6.
aedituus; 821; 1063, 7 (1064).
afgain; 294, 2 (295).
afterdinktag ; II, 658.
aftervaid; 1085, 1. s. achtervaid.
agens; 819, e; 1374, 2 (1375).
aghta; 930, 2. s. acht, ahtin, ätte.
agraria lex; 106, e; 396, 2.
1601
Wortregister.]
agrarium; 104, 4.
agi'icola; 981, 3.
agriniensor ; 342.
ahngenoß s. ohngenoß.
ahtin; 1035, 5. s. acht, aghta, ätte.
aicht s. acht.
airalis; 332. s; 375; 756, 3; 1233; (1234).
aisentia; 527, 2.
albergaria; 204. "•
albus; II, 435; 454.
alienus; 1159, 2.
allodium; 374; 626, e; 748 f.
almende, almeide, almeinda; 148, 3; 174, 3;
425, 7; 1066, 5.
almoser; 1437, 3.
alste, geschworne; 318, 4; 320.
alta iurisdictio ; 886. a. nemus; 120,3.
amicus domini; 1429, 2.
ammethuobe ; 773, 4.
amptbuch; II, 691.
amptmannia; 608, 2.
amputare; 576, 1.
ancinga; 420, 2.
-anciim; 154 f.
anerben; 278.
anersterben; 1065, s; (1066).
anfirtigen; 1343, 3.
anfora; 944, 2.
angargnago ; 533, 6.
angaria; 810, 1; 816; 872, 2; 1091, 2; 1223, 2
(1224); II, 137.
angariare; 816, 1.
angehörig; 1228, 2.
angel; 817, 5 (818). s. anger.
-angen; 154.
anger: 1267, c. s. angel.
angerfahrt; 817, 5.
angerpferd; 817, 5 (818); 1212, 1.
angerwagen; 817, 5.
angh; 502, 2.
anegreth; 912, 1.
anhau, anhauwe, anhou, anehow; 108, 6; 260,
1; 483; 1318, 4.
anhoerig, anhorich ; 765, 1 ; 799, g.
anehorin mit dem live; 1228, 3.
anime redemtio; 670, 3.
annale (placitum); 324; II, 730.
anniversarii dies; 683.
annona ; 549 f.
ansatz; 615, 2.
anstöfser; 180; 294, 1; 296.
antecessus; 924, 3 (925).
anteniatutinalia pascua; 525, r,.
aneval; 1210, 2.
anvertigen; 959, 4 (960).
amvant; 340.
anwender, anwande; 340.
apothecarius ; 821; 855 f.
apparitor; 833, 2; 1369, 1.
appellabel; 1349, 2.
appelleren; 1039, 1; 1040, 2; 1041.
aratratus; 371; 430; 785, 2; 797, 2 (798);
II, 166.
aratrum; 371. a. nemorale; 125, 1.
aratura; 420 f.; 782.
araturia terra; 346; 419.
arbeit; 310, e (311).
arbinumja; 40.
archa, arca; 1443, 2; 1446, 7; 1448, 4.
Ardinna vasta; 95.
areale; 374, 2. s. arialis.
argentaria; II, 329.
argentum probatum; 407. a. examinatum,
publicum, purum; II, 386.
cirialis; 416, 3. s. areale.
aripenna, aripennis; 409; II, 100. s. arpenna,
arpens.
armarium ; 850, 1.
amiarius; 829, 1.
armman; 432; 510, 3; 556, e; 1042, 3; 1082, 1;
1129, 2; 1135, 2; 1197; 1429, 1.
armorum proclamatio; 1122, 1.
arpenna, -is; 414; 417, 1. s. aripenna, arpens.
arpens; 409. s. aripenna, arpenna.
arrenda; 947, 3; 949, 4.
arrendarius; 947, 3; 949, 4.
arte; 393.
articulatio; 894, 2.
artifices; 54.
ascensa; 938, 4 (939). s. acens, accensa, ad-
censare.
ascus; 17, 4.
asilis; 787, 3. s. assile, axilis.
aspe; 508, 1.
aspellis; 30.
assentia; 1078, 1. /
assessor; 215, 3; 883, 2.
assile s. asilis, axilis.
assisa; 769, 3; 1080, 4; 109^,-3; 1109, 2; II,
271.
atepluge; 421; 785, 2.
atha s, acht.
ätte; 745, 3. s. acht, aghta, ahtin.
attinens cum coi'pore; 1228, 3.
[Register.
— 1602 —
attractum 333: 400.
aiidientia; 1119. s: lUS.
aiiditio; 1116. 2.
aufiichtig: 768, 11 (769).
aiüa; 747, 2: 765. 1: laSS, 2.
aureus cuni leone; 11. 446.
ausfaren; 1209.
ausmahlen: 10C>2. 3.
ansmerker: 294.
aiiswegen; 222. 2.
aufswendig: 243. 2: 1Ö4S.
avena combusta: oo3. 4.
aviatica, avica terra ; 39 f.
axilis; 509, 0. s. asilis, assile.
^accinus: S50. 2 i^SSl).
bache: n. 312.
backesmagt ; 1002. 5.
baenner des reichs; 183.
biüolatio; 1366, 3.
balcarius: n, 78.
balistima; ü. 342.
balistaiius ; 1312. 1.
baUivus-, 1379, 1.
balnearia stiipa: 332, 2.
ban und vrede: 317, 1.
banc, grif liehe: 222, 2.
bandage; 174.
banderia: 1296. 4.
bandsch: 487, 6.
bangarten: 564, 1.
banlieiTe. banneheiT; 696, e: 1009, 1.
banmeile: ü, 8.
banmeisa: 474. 2: 500, 2.
bannalis fumus: 1000. 2; 1002, 5.
bannita fera; 1CK)9. 3 (lOlOi. b. vinuni: 997. 1.
bannus: 104, 5; 248; 260, 4: 4C>6: 407, 3: 419:
996, 3. b. ferarum; 111, 1. b. venaticus:
494. 4 (495). s. wiltban.
banviertel: 11. 501.
banweide; 220. 2 (221).
banwin: 1004. 2: U, 180.
barenrecht: 1182 f.
barfaes: 1071, 2.
bargus: 14, 3; (2).
barka: 489. 1.
barlois: 1182, 1.
baro: 1169. 3.
Bartnißhöner: IL 7.
bassum et altum iudicium: 1043. 3. b. et a,
iurisdictio ; 886.
baugedingh; 1035. 3. s. bouding, budink,
buvredink.
baumeistems. bawmeister: 648. 2: 765. 1. s.
bomeister, bümeister.
bavarium; 504.
beboesemen: 1176, 1.
becbenscbwein : 492: 523.
bede: 299: 1027, öf.
bedecora, bedkora: 30j: 1029. 1.
bedegelt: 1083. 0.
bedeieude: 183.
bedellus: 431: 777. e: 1060. 2. s. buddel.
befelcbscluitt : 1-388.
beforchung: 11, 757.
befreden: 389. 4.
befiirsten: 516. 2.
begehen und beleiden: II, 634. s. beleiden,
begenkenis: 959, 4 (960).
begrifen mit dem eide: 1051, 1.
beie (= bienei: 504. t.
beleiden; 953. 1: EL. 634. s. begehen,
bekerben; n, 6.
bend. bende. bende : 418 f.: 866,2: SS7; 1311;
II, 231 f. s. beunde, biunt, bunde. bunne.
beraden: 1205. 4 (1206).
berauchen: 1083. 3.
bergaria: 293.
berglehen: H, 330.
bei^gmeister: 11, 332.
bergrecht: IT. 332.
bergueria; 536. 4.
berisz: 1158. 10.
bersarius: 803.
beschönner: 1089, 2: 1098, 2 (1099).
beschreiben: ü. 6.
beschi-ien: 223. 1.
beschütten: 1293, 5.
beschüttung: 636, 1.
besessen lenman: 1231. 2. s. lenman.
bespeiTen; 258.
besseren: 174. e: 577. 1, 0.
befsening: 550; 950. 0.
bestechen; 750, 5.
bestehauft. besthaupt; 376, 2: 930: 1182. if.:
1247: n. 6:35: 670.
bestehen; 959. 4 (960).
bestender: 136: 451; 913, 4; 948, 5; ü, 228;
330.
bestentnis. 940, if.; 958. 2: 1056, 1.
besthaubtig; 649, 5; 799, 0.
bestappen, bestuppen: 962. t (963): 968, a
l969i.
— 1603 —
Wortregister.]
\
besü'ichin; II, 487.
bet, ganzes, zerbrochenes; 64-5, 2; 1082, 1.
betkrank; 1106, 3.
beugen; 574; II, 536.
beunde s. bend, biimt, bimde, bunne.
beverarius; 803.
bewischen; 750, 5.
biblioteca; 850, 2 (851).
biederman: 1416, 5. s. birbe lüde.
bienvogel; 505.
bieten mit der sonnen; 218.
bifang; 123 f.; 158.
bifiu'ca; 555.
bilaege; 958, 2.
birbe lüde; 311, 3. s. biedennan.
birsen; 499.
bitredden; 1291, 2 (1292).
bitschel; 616, 3.
biunt; (419, t). s. bend, beimde, bimde, bunne.
bleumen; 1029, 1.
bloich; 588, 12.
bluotsturzung ; 1042, 1.
bode, geswoeren; 1060, 3.
bodwin: 908.
bogen : 573.
boil; 503, 2.
boitghen; 240, 0 (241).
bomester; 910, 11 (911). s. baumeistems,
bümeister.
bonuariiun ; 345 f. s. bimuarinm.
bonum; 37-5, 1.
bornholz; 508, 4.
botschaft; 1008, 1.
bouc: II, 376.
bouding; 1160, 1. s. baugedingh, budink,
buwedink.
bovarius; 1128, 3.
brabiren; 564, 6.
braech, braghe; 547, 2, 3; II, 215.
brache, die; 558, 7.
brachen; 558, t, 9; -574 f.; 577; II, 536.
braechfelt; 547, 3; II, 231. s. brochfelt.
brachialis dieta; 785, 2.
brachiiun seculare; 955, 2.
brantschatzimg; 1354, 4.
brassina; 586.
brat, braz, braiz; 787, 3.
brauch, gemeiner; 327.
brasare; 586, 2.
brechen den pflüg; 371, 1.
breme; 509.
brenngeld; 919, 6.
brevis denarius: II, 452.
briga; 1054, 4 (1055).
brochfelt; 561, 4. s. braechfelt.
brockholz, broholz; 507.
broeling; 484; 492. s. bruling.
brul: 425. 2.
bruling; -523. s. broeling.
burglicher bü; 1271, 3.
bubelfolk; 1458, 6.
buddel, buedel, buedell; 230; 431: 1060, 2, e.
s. bedellus.
budeilen; 1182, 4 f. s. buteil.
budeigelt; 964, 4.
buden; 786, 3.
büdenband; 1047, 0.
budink; 450: 764, 11 (765); 76-5, 1; 1036, 4
(1037); 1101, 1; 1125, 5. s. baugedingh,
bouding.
büerde, vierte; II, 228 f. s. biu'de.
buirsprake; 304, 2.
bümeister, buwemeister; 652,2; 735,4; 772,5;
906, 3; 1125, 5 (1126); II, 639. s. bau-
meistems, bomester.
bunde; 1317,3 (1318). s. bend , beunde, biunt,
bunne.
bungart: 403; 403, 1; 564, 1.
bunne : (428, 0). s. bend, beunde, biunt, bunde.
bunuarium; 348; 408. s. bonuarium.
bürde; 944, 2. s. büerde.
burgban; 1115, 2.
biu'gensis ; 1311, 3.
burgermeister; 311, 4 (312); 316, 5.
biu'ghfoder; 1066, s.
burgfrede; 1318, 4.
burgravius ; 1372, e ; 1435, 6 ; (1437).
burglen; 1312, 6 (1313).
burgseß; 1314, 2.
burg^vardus: 499, 9.
biu'sa; 1097, 1.
buscus; 126, 0.
buteil; 869, 2. s. budeilen.
buthinim; -535, 7.
buticularius : 803, 2.
butticlaria; 1471.
buwedink, bmvegedinge: 765, 1; 1054, 3;
1104, 1. fries b.; 1094, 2 (1095). s. bau-
gedingh, bouding, budink.
buwehoifstat ; 799, 0.
calcatorium; 911, 3.
calcofen; II, 334.
[Register.
1604
caltorium; 581, 2.
camba; 586, 2; II, 140 f.
Camera; 1039, 3; 1040, 5. c. iustitia; 1040, 5.
camerarius; 1426, 3 f.; 1470, 1. c. imperialis
aule; 726, 2. c. secretus; 1433, 4.
camerknecht ; 943, 5.
camervorst, camerforst, camerworst ; 451 ; 478, 2 ;
483; 520, 5.
campana; 310; 311; 856.
canipanarius ; 240, 1 ; 243.
campestria; 419.
campio; 27.
campus; 13, 2, 3; 419.
camsil; 587, 7.
cana/era; 562, 7; II, 64.
cancellaria; 1433, 5; 1441, 2; II, 700.
cancellarius; 1431, 5; 1434, 7; 1477, 7
(1478).
candela. locare apud c. ; 619, 1.
capellanus; 1283, 1; 1431, 2 f.; 1435,6 (1436);
1477, 7 (1478 f.). capellani domini; 974, 4.
capellariiis ; 1431, 7.
capillaturiae ; 32, 1 ; 34.
capitale ; 224; 226 ; 946, 2 ; 1182 f. c. dampnum;
293. capitalis; 1223 f. c. census; 870, 3.
capitaneus; 1270, 1; 1440.
capucium; 1056, 1.
Caput melius; 961, 2.
carnificum magister; 1470, 1.
carpentarius ; 776, 7; II, 527.
carpentum; II, 248.
carpimis: 150, 4.
caiTada; 11, .500.
caiTalis evectio; II, 280.
can'uada s. corvada.
carruca; 409, 2.
carrucalis dieta; 785, 2.
casa; 8, 5; 23.
casale; 291, 2.
casatus; 1233, 1.
cassamentum; 1.333, 1.
castanearum silva; II, 178; 206.
castellanus; 881, 5 (882); 902, 4; 1131, 2;
1312, 4 f.; 1368, 5.
casticium; 398.
castrensis; 883, 2; 1065, 2; 1311, 3 f. c. bene-
ficium; 883, 2. c. feodum; 854, 2.
casus fortuitus; 985.
catena; 150, 4.
cathedraticum ; 240, 4; 1283, 2.
cauwercinens, cauwercinus; 14.50, 2; 1453, 3;
1453, 4.
cedua silva; 514, 7.
cedula; 842, 5; II, 519.
cella; 831.
cellerarius maior; 829, 5.
cementarius; 588.
censa; 938, 4 (939).
censalis s. censualis.
censiticius; 872, 2; 1223 f.
censitus; 1223 f.
censualis; 1018, 2; 1065, 4 (1066); 1128, 3;
1195; 1214 f.; 1223 f.; 1233, 1; 1243. c. ius;
938, 4. c. terra; II, 206.
census dispositus ; 370, 2. c. legitimus ; 992, 4.
c. regalis; 1025, 4.
centa; 311, 4 (312); 1273, 1.
centanarius; 315, 2. s. centenarius.
centena; 224 f.; 300; 1011.
centenarius; 198; 225 f.; 249, 1. centenarii
dies, opus; 801, 3; 1011, 1. s. centanarius.
centenera; 764, 9.
centgravius; 311, 4.
centua; 405, 1; 408, 3.
centumgravius ; 1273, 1.
centurio; 198, 1; 200; 249, 1; 291, 3 (292);
1007, 1, 3; 1014, 4; 1088, 4; 1136.
cerarius. c. carta; 1221, 3. c. census; 1214, 5
(1215). c. ius; 870, 3; 1214, 5 (1215).
cerealis. 821; 855 f.; 1128, 3.
cerearius; 1233, 1.
cereus paschalis; 505, 5.
cerifex; 505, 3.
cerocensualis ; 1035, 5; 1214, 1, 4; 1224, 3
(1225).
cervicale; 852, 4.
cervus stadalis uaidaris; 15, 1.
cespes; 354, 2.
-cetum; 158.
chachie; II, 240.
chandinaria; 18, 3.
charitativum auxilium; 1336, 4.
chevauchee; 1025, 2.
cliirotheca; 295, 2.
choreae; 309.
chorog; 54, 2.
chorveia; 1125, 3. s. corvada, corvidica,
croada, croeria.
chrene crüd; 23 f.; 28.
chunnas; 17, 5.
churmund; 649, 3; 650, 3.
cicenus; 10, 3.
cimiterium; 309, 1.
cinber; 782, 1.
— 1605
Wortregister.]
cingere; 574.
cinsera; 764, 9.
cisa; 1336, 1; 11, 315.
cista; 1477, 5. c. privilegiorum ; II, 700.
civile ius; 916. c. iustitia; 291, 2.
civilitas; 887, 1.
civis; 291, (-2), 3; 316, 5; 1197. c. Romanus
52, 3.
clarificatio; 583.
Claims ; 563, 2.
claustrum; II, 252. claustri opus; 828.
clausura; 581, s; 781; II, 362.
clavicularius ; 1443, 4.
clavorius faber; II, 725.
clericus; 1453, 4; 1477, 7 (1478).
cletis; 15, 1.
cliens; 1214, 5 (1215).
clientela; 1424, 3.
closure; 271.
clude: II, 268; 322.
cocus; 1428, 2; 1469, s; 1471, 3.
coemptio; 632, 4.
cohereditas ; 278.
coheres ; 272, 3 ; 281 ; 291, 2, 3 ; 299, 3 ; 634, 3, 4.
s. conheres.
colere; 1178, 1.
collaborare; 253, 5.
collatio ecciesiarum; II, 212.
collatitia pecunia; 1306, 1.
collaudantia; 1424, 1.
collecta; 606; 1020, 3 (1021); 1080, 4;
1331, 1.
collimitare; 295, 2.
colonarium ius; 960, 1 (961); 961, 3.
colonus; 129, 3; 448, e; 773, 2; 959, 3; 960, 1;
976, 7; 985; 987: 99-3, 3; 1042, 4; 1045;
1077, 0 (1078); 1088, 5; 1102, 1; 1178, 1.
c. equestris; 137.
com, chom, commer; 546, 7. s. künde,
comes forestarius; 494, 4; 495.
comitia; 1027, 4; 11.37, 4.
comitiale opus; 1030, 3 (1031).
comitiva; 1270, 1.
commanere; 332, 7; 779, 7.
commarca; 102; 268; 756, 3.
commorari; 277, 3.
commune; 911, 2.
communio; 284, 2; 285, 4; 292, 1.
comparatum; 333.
comparochianus ; 232; 248.
comparticeps ; 232; 248.
compensionarius ; 981, 1.
compositus mansus; 354; II, 100.
comprehensio ; 386, 4.
compromissio ; 1206, 3.
comprovincia ; 717, 4.
concambium; II, 393.
conceptio; 717, 4.
concivis; 731, 5; 1202, 2.
conditio-servitus ; 872, 1.
condivisor (s. mitteiler); 648, 3.
conductitius ; 754, 1; 769, 3; 777, 7.
conductor; 976, 7.
Conductus ecclesie; 118, 6. c. et protectio;
1020, 3.
confessor; 830, 3.
confideiussor ; 970, 6 (971).
confinium; 716.
confrater; 679, 2.
conheres; 648, 2. s. coheres.
coniacere; 268.
coniectus; 1017, 1; 1045, 2 (1046).
conmansionarius ; 646, 2.
conscientz; 1343, 3.
conscribere; II, 756.
conscriptio; II, 759.
consecretalis ; 1429, 2.
consensus; 1423, 4 f.
conservator; 1448, 4.
consessio castrensis; 1312, e.
consessor; 1312, 6.
consessorium feodum; 1312, e.
consiliarius ; 1429, 1; 1430, 5; 1433, 4.
consilium; 1424 f. c. populi; 298, 6 (299).
consocius; 1079, 2; 1450, 4.
constangia; 1464, 5. s. custengia.
consuetudinarium servitium; 679.
consuetudo novarum villarum; 135. c. terre
et iuris; 1038, 2.
consulcatus; 381, 3.
consultus; 1423, 4 f.
contectalis; 629, 1.
conteit; 1027, 4.
contributio; 951, 5.
contubernium ; 58, 1.
conucla; 31.
conversio; 678 f.
conversus; 773, 3.
converti; 679, 1.
convicini; 484.
convillani; 299, 4.
convivales denarii; 837.
convocatio; 1343, 7 (1344).
coquina; 1428, 2; 1467, 2; 1471. c. parva;
[Register.
1606 —
147. liber c; II, 775. magisterc; 1438,9;
1471, 3 f.
corbis ; 945, i.
corvada; 420 f.; 781, s; 785, 2. s. chorveia,
croada, croeria, und;
corvidica ; 1025, 4.
cortilus; 333, 2. s. curtilis.
cotliurnus; 1097, 1.
cottidianus ministerialis; 917, e; 1023, 1;
1127, 3; 1128, 3; II, 254. c. servitium, c.
servitor; 833, 3.
covis ; 150, 4.
crassare ; 291, 2.
creda; 390, i.
creditarius; 849, 4.
croada; 451; 949, 2; II, 107; 168; 206; 221;
223; 226. s. chorveia, corvada, und:
croeria; 424, 7.
cubicularius ; 1469, 9.
cubiculum; 239, 2.
cultilis; 417, 2.
cultura; 420 f.; II, 145; 166; 209.
cupa; 945, 1.
cüpelle; 1018, 2 (1019).
curia; 754, 1; II, 172.
curialis; 1079, 4; 1108, 5. c. placitum; 851, 1.
curialitas; 981, 3; 1069, 2.
currus; 11, 529.
curtarius; 773, 2; II, 227; 639.
curtelanus; 773, 2.
curtile, curtilis; 332 f.; 1192, 5. s. cortilus.
curtis ; 7, 2 ; 332 f. ; 374 f. ; 739 ; 754, 1 ; II, 172.
c. dominica; 721; 755. c. iudicialis ; 754, 1.
custengia; 484. s. constangia.
custodia et tuitio; 1068, 6.
custosbanni; 1076. c. palatii; 1435, 6 (1436).
custus; 484; 970, e (971).
dabrastobus ; 787, 3. s. daurastuva.
dachsgeld (= dem); 465, 4.
dagescalcus; 1128, 3.
dampnum legale; 978, 1.
dapifer; 1427, 2.
dativus; II, 358. d. et usualis; II, 388.
daubes holz; 516.
dauerde; II, 312.
daurastuva; 515; 787, 3. s. dabrastobus.
debitalis; 928, 2 (929 j.
decanus; 239; 721, 2.
decima; 104; 609; 921, 2. d. etnona; 129, 1.
s. auch dema.
decimalis pactio; 933, 1.
decimatio; 114, 3; 117.
decimator; 199, 1; 614, 4; 976, 7.
declinare; 1160, 5.
descena; 553, e.
defensio; II, 636. d. et mundiburdium ; 1096, 1.
d. et patrocinium; 1020, 3 (1021). d. et
promotio; 1069, 2.
defectus monete; II, 393 f.
delegare; 631, 1; 899, 3; 935.
delegatio; 938, 4; 944, 1.
dem; 316, e; 483; 491 f. ; 997, 9; 1067, 3.
dema ; 523 f. s. auch decima.
demare; 523, 1.
demeratum vinum; 956, 1.
denarialis; 52, 3.
denarius testimonialis ; 982, 1.
denc s. ding,
denombrement ; II, 660.
depactare; 865, 9 (866).
depascere; 297, 4; 481, e (482).
deputatus; 1147.
describere; II, 663, 666.
descriptio; II, 663; 674; 757; 771.
deservire; 987.
desertus; 117; 129, 3.
dextrarius; 533.
dielploch; 507, 10.
diemb s. dem.
diener; 1196, 7 (1197).
dienst; 1374, 2; 1383, 2.
diepschilling; 306, 1 (307).
dies; 336, 4. d. banni; II, 258.
dieta; 336, 4; 437. d. manualis; 785, 2.
digestio; 584.
diheme s. dem.
dil; 581, 7.
dilatio; 765, 1.
dimidia curtis; 813, 2; 1053. d. mansus;
776, 7 (777). d. portio; 911, 1.
dimidietas; 915, 3; 917, e; 981, 3.
dinestpenninge ; 1121, 1.
ding, dink; 765, 1; 1047, 3; 1229 f. d. et
rinc; 927, 4; 928, 2; 1043, 5; 1113, 1; II,
632. ungeboden d.; 186, 1. wislikes d.;
765, 1.
dinger: 245, 2.
dinkgeit; 1033, 1; 1042, 3.
dinggericht; 1047, 5.
dinkhaus; 309, 1.
dinkheller: 193, 3.
dinghoif; 194.
— 1607 —
Wortregister.]
dinglich; 993, 3; II, 658. d. gut; 747, 1.
dinklichof; 1032, 2.
dingman; 1118, 3.
dingsal; 1354. 4.
dingstol: 1033, 4 (1034).
dincsuche; 927, 4.
dincvogt; 1092, 4; 1122, 7; 1132, 2; 1224, 1.
directaneus; 1123, 1.
discoloratum viniim; 584.
dispensare; 1472, 1.
dispensator; 803; 1471, 3; 1472, 1.
districtus; 248; 1016, 4; 1319, 3.
ditiores; 1237, 1.
diurnalis; 336, 4.
divisor; 342.
dobbelen, doppelen; 854.
doerengestoeß; 1320, e.
doetholz: 489; 490, 3. s. dotholz.
dolabrum; 1407, 1.
dolare; 385.
domare; 322.
domicilium; 275, 3; 375.
dominatio; 748, 1. d. plena; 292, 1.
dominicalis ; 748. d. homo; 865, 6. d. ten-a;
419 f.
dominicare; 750; 1101, 1.
dominicatus (subst.); 1099, 4 (1100).
dominicus; 747. d. ciirtis; 721; 755.
dominium directum - utile ; 626, 1. d. et pro-
prietas; 928, 2 (929). ius d. seu quasi;
1072, 5.
dominus terre; 986; 1136, 1.
domus; 8, 3; 332.
dona; 344, 1.
donatio; 908, 2. d. et precaria; 892, 2. d.
inter vivos; 638, 1. d. propter nuptias;
954, 3.
donativus; 787, 5.
donatus; 846, 9.
doppelen s. dobbelen.
doppelung; 793, 3.
dorfrechnung; 1339, 9.
dorfrecht; 299.
dorpf; 154, 1.
dotholz; 507, 3. s. doetholz.
doufholt, doufhout; 484; 506, 7.
drauf; 1160, 5 (1161). s. druifen.
dreger; 508, 3.
dresch s. driesch.
dresselarius ; II, 216.
driesch, drisch, dresch, dreiß, driß; 128, 1;
405,4; 451, 1; 561, 3; 576, r, (577); 579, n
(580); 751, 3 (752); 865, 4.
drift; 525, 4.
driß s. driesch.
drißiger; 920, 1.
dristellig; 1186, 1.
druifen; 1081, 5 (1082); 1082, 1. s. drauf,
duale; 346, 1; II, 501.
ducere; 778, 1.
ducillatio; 584.
duellum; 1117, 1.
duip stein s. thonus.
duirzinsig guet; 765, 1; II, 627 f. s. durzins.
dumerlink; 107, 3.
dunkrecht; 438, 5 (439).
durzins; 370; 1182, 1; II, 711. s. duirzinsig.
dwankmoele; 1002, 2.
ebrius; 80.
ecclesiasticus ; 52, 3; 1017, 3; 1042, 2 f.
echtedel; II, 497.
ecker; 521. s. eikeir.
edelarm; 1163.
edelman; 1042, 3; 1082, 2 (1083).
edelscheifenampt; 1070, 5 (1071).
eder; 1001, 1; 1135, 1. s. etter.
edificare; 781.
edilis advocatus; 1122.
edituus ; 855 f.
effestucare; 630, 6 (631); 637, 1.
effugari; 1426, 1.
egerde; 561, 2.
ehe, ganze, zerbrochene; 1082, 1.
ehrlos; 646, 1.
eid und schirm; 1066, 9 (1067).
eigde; 555, s.
eigen; 749, 1.
eigenman; 1228, 2; 1231, 4.
eigenschaft; 1129, 2; 1230, 5.
eigenschaftman ; 1231, 4.
eikeir; 484; 521, 1. s. ecker.
eilefteg; 1224, 2.
einichshofman ; 1158, 10 (1159).
einigsman, einenzman, einungenman; 307, 2;
327, 1; 696. einigsleute; 256.
einigsrecht; 305 Note; 327 f.
einigung; 306, 1.
einhendig; 1204, 2.
einkindschaft ; 1328.
einschirig; 530, 2.
[Register.
— 1608
einimg; 181; 183; 220, i; 263; 284, 2; 302;
306, 2 (307); 906, 4 (907); 1419, 8. rede-
liche e.; 311.
einweidig; 260.
einwesserig; 260.
eit und liult; 256, 4. eid; 260.
eitgeselle; 1052, 3.
elaboratus; 116; 253, 5.
emeliorare; 894, 2.
emenda magna-parva ; 1033, 4 (1034).
emer, emerus; II, 501. e. luminarius; 995, 3.
emergentia; 985; 1359, 3.
empfangrecht; 1188, 4.
empfenglich; 130. s. entfenklich.
empfenglichsgüter ; 1048, 2.
enphitheosis ; 935 , 2. e. perpetua ; 938, 4 ;
948, 3.
emphiteoticum ius, 938, 4.
emunitas s. immunitas.
enchenium; 770, 2.
ende geben; 1132, 3.
enger; 372; 791, 1.
entbaum, intbaum; 514, 7.
intfenkenis; 907, 1; 923, 4.
entfenklich; 925, 1; II, 231. s. empfenglich.
enthalden ; 1263, 4 (1264).
entragen; 209.
intreden, sich; 1001, 5 (1002).
intrusten; 576, 3.
entschaft; 1204, 4.
entscheitzichen; 1105, 1.
entschutten; 1292, 2.
entspenen; 523, 6.
entweten; 1026, 3.
equalis in libertate mundana; 640, 1.
equestres coloni; 137.
equiritium; 1168, 4.
equitare et stare; 639, 5.
eradicare; 1265.
erbar, erber; 855; II, 651; 653.
erbe, erf; 370, 1; 448; 967, 4 (968).
erben (jemanden); 645, 2.
erbgenosse; 448.
erbgoed; 925, 1.
ervelien; 938, 4 (939).
erbeschaft, ervescaf; 938, 1 (939); 953, 2;
957, 2 (958).
erfs recht; 953, 1.
erbwiltfurster ; 480, 1.
erdedingen; 947, 4.
erdenen; 587, a.
eredrunk; 1416, 5.
eren, erren; 513, 5; 555; 557, 3; 558, 9.
erf s. erbe.
erfallen; 223, 1.
erfling; 448; 800, 1.
erfüllen; 1383, 1.
erheben; 1048, 4.
erlengen; 173, 7.
erntgans; 800, 3.
erpex; 9, 5.
ersterben; 632.
ersucht; 333, 4.
erutum; 136, 3.
ervideila; 1218, 1.
ervolgen; 262: 1109, 4.
eschaingiare ; 383, 1.
eschkaul; 654, 1.
escreuna; 9, 2.
essart; 126, 1. s. exartum, sart, sartum.
esseling s. axilis.
essenfleisch; 1289, 3.
eßsack; 502, 2.
etter; 543. s. eder.
evagatio libera; 998, 2.
evengewande; 547, 3; II, 230.
ewelich und erf lieh; 931, 1.
ewiger zins; 954, 8 (955).
exactare; 1119, 3.
exactio; 376, 1; 606, 1; 1027, 4; 1080, 4; II,
180.
exactor; 1118, 2; 1374, 2 (1375). e. palatii;
726.
examinatio monete; II, 394.
examinator; II, 358.
exartare; 126, 1.
exartum; 386, 1. s. essart, sart, sartum.
exceptio mali doli; 954, 3, 6.
excrescentia ; 1474, 1.
exdicere; 1131, 2.
exempla; II, 83 f.; 86; 89; 109.
exercitus; 1292, 3 (1293).
exitus; 333. e. in Sal. 74 Extrav.; 13, 3.
expense domini ; 1465. liber e. d.; 1471.
exquisitio; 941, 5.
exterminatio ; 333, 2.
extorquere; 1453, 4.
extorsio; 792, 2.
extraneus ; 204 ; 1 159, 2 ; 1224 f. e. heres ; 634, 3.
fabrica ferraria; 859.
fach; 503.
facinorosus; 1342, 3.
1G09 —
Wortregister.]
facultas ; 23 ; 24, i ; 48.
faden ziehen; 230; 1050, i.
faex cerevisialis; 813, i.
fiiid s. vogt.
fal, val; 1419, s.
fallholz; 507, 9.
falsarius; II, 859 f.
falter; 554, 3.
familia; 1147. f. domini; 1440, 6.
familiaris; 827, 2; 1425, 3 f.
familiaritas; 1428, 3.
famulus; 1196, 1.
fano; 850, 2 (851).
fare, fahi-; II, 648 f.
fare s. pliara.
farinarium; 17, 1.
phaselrint; 541, 1.
faselvieh; 541 f.; 948, 5; II, 631.
fassimg; 434; 1001, 2.
faucie; II, 493.
fehedraf; 525, 4.
feldschwinger ; 539, 4.
feile imd unfelle; 1389.
felwe; 487, e (488).
feodum s. feudum.
fera bannita; 1099, 3 (1100). ferarimi bannus;
111, 1.
ferger; II, 244.
feripeta; 1406, 2.
ferma s. firma.
fermentatus panis; 586, 2.
ferratura; 777, 1; II, 248.
festum; 1288, 5.
feudalis; 375, 4 (376); 721, 2. f. curtis;
277, 3. f. et hereditariuin ius; 915.
feuditarius; 931, 1; 855 f.
feudum curtiale; 375, 1. f. hereditarium ;
899, 3. f. legatorium; 811, 8. f. liberale;
855 f.; 877. f. ministeriale ; 822, 1; 855 f.;
877. f. servile; 822, 1; 855 f.; 901.
feurzins; 799, 6.
fideiussores tollere; 1016, 4; 1045, 2.
fidelium Über; 1479, 7.
figere; 574.
figura monete; II, 391.
finagium; 391; II, 654.
finaler recefs; 1480, 2.
firma; 938, 4 (939); 943, 1; 958, 5; 964, 1;
1365, 4; II, 213. f. hereditas; 923, 4.
firmitas; 298, 3.
fiscalinus; 993, 3; 1045; 1146; II, 650; 659.
fiscalis; 748; 1018, 2.
Lamprecht, Deutsches Wirtschaftsleben. I.
fischhove; 798, 2.
fischsack; 487, 6 (488).
fiscus; 721.
flagellum; 595, 5.
flahsmenger; 563, 5.
flectere; 574.
flescha; 852, 4.
floms; 406.
flug; 504 f.
flfir; 347, 1.
fodere ; 574 f.
foenile; 9, 3.
foliare; 575.
foll; 124, 2.
foraneus; 437; 615, 1.
forderwagen ; 243, 2 ; 256.
forense ius; 627, 6.
forestaria; 496; 514, 1; II, 180.
forestarius magister; 494, 4; 495.
forestia; 470, 4.
forestis; 104, 2; 470 f.; 483.
forsthübe; 496. s. furster, fursterrecht.
forsthuber; 1348, 4.
fortuna; 24, 1; 48.
fossa; 578, ^ (579); 579.
fracta; 291, 2.
fractor lapidum; II, 533 1.
francicus, franconicus; 570, 5; 571, 2, 3.
francus; 1017, 3; 1042, 3; 1146, 1; 1178, 1.
Fr. der lex Cham.; 53, 1.
frangere; 559, e.
freda, fredum, fredus; 1016,4; 1045,2; 1125,4;
1127, 4.
freibürgergut; 627, 4. s. friburger.
freihoef; 1059, 1.
freitt; 426, 1 (427).
frenchart; II, 498.
frenisch; 571, 4.
frentzwin; 571, 3.
frevel; 1033, 4 (1034).
friburger; 1212, 4. s. freibürgergut.
friden; 784, 1.
friedewalt; 175; 468.
friedweide; 525, 6.
frier zins; 789, 1.
frigreve; 1321.
frikamer; 194; 1066, 0.
fristigen; II, 627.
fronde, froende, froene; 136; 393 f.; 419 f.;
748; 781; 946.
fronebot; 1060, 1.
froendag ; 748, 2 ; 924, 1.
102
[Register.
— 1610 —
fionelter; 853.
frohnfeld; 127, s; 128, i.
froengewalt; 752, i (753); 1241, 2; II, 628.
froneguth; 748, 2.
froenhant. in f. legen; 750, 5; II, 627.
froneliof; 748, 2.
froinholz; 509, 1.
froenkole; 516, 1.
fronlant; 136; 393.
froinplug; 436, 2.
froenschnit; 425, 7 (426).
fronwaghe; 1003, 3.
froinewise; 425, 2.
frumentinus panis; 553, e.
frumentum ; 549 f.
frunt; 1422; 1429, 2.
fmstum; 406; 410, 2; II, 493.
fuderbede; 552, 7.
fuderhavere ; 1121, 1.
fugam dare; 869.
fundalis census; 788, 7; 1027, 4. f. dominus
1123, 1.
fimdator ; 696, 6 ; 773, 3.
funfpundich leben; 930, 2.
funicukis distributionis ; 843, 2.
furlanga; 346, 2.
furnarius; 770, 2.
furnus bannalis 1000, 2; 1002, 5.
urslach; 499, 9.
fursprecb; 1094, 1.
furster; 495, 4. s. forstbübe.
fursterrecht*, 490, 3. s. forstbübe.
furtuna s. fortuna.
fuß, runder - gescblibter , geslittener, gespal-
dener; 486, 1; 1184, 3; 1186, 1.
gader, gaider; 290, 1; 543.
gallina; 787, 6.
gamaladio ; 698 f.
gamallus; 699, 1.
gancleide; 1080, 3.
ganerben; 278.
gäng und gäbe; II, 388.
gankpericb; 947, 4.
gapfei; 817, 5.
garcio; 1428, 2; 1469; 1471, 3.
gardus; 581, 7; 787, 3.
garten; 403.
garzinsigb; 793, 2; 1193, 1; 1210, 2.
gebint; 424, 2.
geboet koninks Karlus; 172.
geburrecbt; 603, 4 (604); 951, 5.
gecronter beim; 1299, 2.
gedech; 1308, 4.
gefabret: II, 641.
gefrodicb; 126, 3.
gefrontes erbe; II, 627.
gefüglich; 1051.
gefulglicb; 952, 2.
gegenoth; 962, 7 (963).
gegurter rock oder mantel; 1070.
gebemelscbe; 240, 5 (241).
gebenkenis; 1424, 4 (1425).
geböfener; 136; 393; 448.
geböfer, geböber, gebover; 448; 484; II, 228 f.;
637. gehuwerman; II, 781.
gebuift, gebuffenet; II, 487.
geleide; II, 234.
geleidesgelt; II, 291.
geleitzgelt; II, 265.
geleufe; 107, 3; 523.
gelima; 391, 3.
gelute docke; 1077, 5.
gemärk, gemirk; 308; 511; 884, 4 (885).
gemarscbaft; 452.
gemat; 966, 4 (967).
gemein; 1394. g. man; 1084, 3.
gemeinde; 180 f.; 1067, 2.
generatio; 37; 40, e.
genesig s. genoissicb.
geniciaria; 118, 5.
genicium; 9.
genist; 507.
genoiß; 1051, 1.
genoissicb; 735, 4 (736); 1102, 1.
genuculum; 29; 38 f.
genuilis; 1190, 8 (1191).
genußig s. genoissicb.
geömen; 432.
ger, gera, gere; 223, 1; 339, 4; 340, 2; 407.
gerba; 776, 7; 777, 6.
gerbagium; 391, 3.
gereite guter; 654, 5.
gereitscbaft ; 854.
gericbtsbaus ; 309.
gericbtslauf; 645, 2.
gerichtsman; 1049, 1, 3; 1050, 1.
gericbtszwankh ; 1105, 2.
geris; 492, 2.
geritte; 1018, 2 (1019).
geroiet; 277, 3 (278).
geroube; II, 312.
gerürt; 914, 1.
1611
Wortregister.]
geschön; 574, 4.
geschworene; 290; 318 f. g, alste; 296.
gescrei; 1349, 2 (1350).
gesei; II, 269.
geselde; 1131, 1.
gesetz; 406.
gestech; 1166.
gesticket; 914, 1. g. win; 579, 3.
gestopp, gestüppe; 530, 4; 968, 2 (969).
gevrouit; 1229.
gewalther; 191.
gewande, gewan, gwanda; 335; 1050, 1; II, 231.
gewekle; 1067, 2.
gewender; II, 342.
gewer; 217, 1.
gewerf, güwerf; 903, 3; 923, 4; 928, 2; 1017;
1080, 4.
gewin; 1447, 2.
gewinnen; 123.
gewisliger vait; 1115, 1. s. wislicher vait.
gezimmerz; 950, 6.
gezit; 1312, 2.
ghan ; 456.
glashuve; 1470, 1.
glauf; 944, 4.
glava, glavis; 508, 5.
glei, gleige s. glava.
glevie; 1299, 2.
glocke; 229; 310, 1; 311, 4 (312). s. klocke.
gnade; 317, 1.
goliardus; 1157, 8.
gotsgewalt; 1047, 5.
gottsheller; 635, 3.
granarium; 543, 3.
granarius; 964, 4.
grandinare; 844, 3.
graneca granica s. granarium.
grangia; 275, 3; 293; 690, 1; 759, 1; 1012, 1.
magister g. ; 692.
grangiarius; 692.
granum ; 549, 4.
gräscaf, graischaft; 1018, 2 (1019).
grassator; 1157.
gratia; 326; 1226, 4.
gravedinc; 186, 1.
gremen; 1389, 2.
grif; 1289, 3.
grömetgrund ; 389.
gront s. grünt,
grossus; II, 435.
gründel; 432.
grimiait; 260. rechter g. ; 258, 1.
grundgerechtigkeit ; 1059, 2.
grontgericht ; 1050, 3.
grundherr; 696. grond- und fogther; 1077, 2.
grondnieier; 1087, 4.
grontmarkh; 1105, 1.
gruntrichter; 1033, 2.
grundscholtes; 1108, 5.
gruntzins; 943, 5; 947, 4; 958, 2; 788, 7;
1010, 6; 1085, 2; 1102, 1.
guerra communis-specialis; 951, 5.
gürten, gurten ; 573 f. ; II, 536.
gulwert; 523, 7.
gunst; 1414, 12.
guntfano; 850, 1.
gut und giftig; II, 388.
gutlich-richtlich; 305 Note,
guwerf s. gewerf,
gynaecium; II, 342.
gyrovagus; 1157, 7.
haccorn; 800, 3.
haereditas, haeres s. hereditas, heres.
hagel, hau; 951; 952, 2. h. und hier; 985, 2.
haia; 298, 3.
hau s. hagel.
haistaldus ; 436 ; 797, 6 ; 1173, 3; 1223 f. ; II, 150.
halfwinne; 985, 4; 987, 1.
halla; 8.
halsgebeine; 308, 1.
ham; 234, 3.
handfesten und behalten; II, 655.
hanthaben; II, 648 f.; 655; 659.
hantlen; 1312, 6.
handornknebel ; 172.
handrichtung, handreichen; 790, 2.
hainf; 562, 7.
happerscozze ; 1076, 3,
hariraida; 58, 1.
harruppen; 1348, 1.
hatta s. acht.
häuf, zu h. rufen; 311, 4 (312); II, 633.
häufen; II, 656. daz gerechte h.; 1054, 3.
hauptfal; 503, 5.
haubtgut; 351, 1; 971, 1.
hauptman; 182; 370; 650, 5; 651, if.; 1186, 2;
1223 f.
hauptmark; 642, 4.
-hausen; 158 f.
huessgenosz; II, 354 f.
hausgeseß; 784, 1; II, 245.
haushalden; 1048, 1.
102*
[Register.
— 1612 —
hussucher; 1288, b.
hausten; 530, 2.
huiswonung; 1476, 4.
hauwebender; 1437, 3.
hauwen; 574 f.
hecken; 554, 3.
heften, höften; 573 f.
heiigen; 1056, 2; 1059, 1.
heilige sberedthung ; 654, 5.
heim; 8, 3. -heim; 154.
heimadal; 217.
heimburge ; 198, 2 ; 215, 3. s. heimerich, hein-
meiger.
heimel; 304; 321. s. heimerde, heimgerede,
he''mgencht, heingericht.
heimerde; 804, 2. s. heimel.
heimerich; 303, 1. s. heimburge, heinmeiger.
heimgerede; 188 f.; 304. s. heimel.
heimgericht ; 188 f. s. heimel.
heimlegen; 1004, 2.
heimelicheit; 1429, 2; 1430, e (1431).
heimlicher, hemelicher; 1429, 2; 1438, 9.
heinestraße; 344, 3.
heingedingtes gepot; 1331.
heingericht; 304, 1. s. heimel.
heinmeiger; 220, 2. s. heimburge, heimerich.
heinrute; 303, 3; 344.
hengelotus; 1092, 1.
henkstpferd; 525, e; 542.
her; 951; 952, 2.
heralis; 375, 1; II, 141.
herbarium; 1032, 3.
herbarius; 316. herbariorum magister; 316.
herberga, herberge; 1026; 1027, 2; 1118,3;
1121, 1.
herdel, herder; 650,3; 799,5; 1185, 3(1186);
II, 667.
herdhun; 1055, 2 (1056); 1085, 1.
herdpennink; 1055, 2 (1056); 1085, i; 1181,6.
hereditarius ; 900, 1. h. feodum; 899, 3. h. et
feodaleius; 915. h. ius; 938,4. h. locatio;
II, 776.
hereditas; 40; 375; 748 f. ; 938, 4 (939); II,
207. h. mutua; 287, 3. larhereditatis;632, 1.
hererecht; 869, 2.
heres; 375; 915; 938, 4 (939). h. extraneus;
634, 3.
herfart; 1026, 3.
herghewede; 941, 5.
heribannus; 1017, 3.
herkomender man; 1079, 1; 1155; 1211.
herrenhant; 751, 3 (752).
herrennot; 1047, 5.
herschal; 1120, 5.
herschauwen; 1294, 2.
herstraize; II, 237.
hertmal; 1182 f.; E, 181.
hervestret; 910, 11 (911).
herwede; 1282, 4.
heubt, heupt s. haupt.
heufen - richten ; 789, 4.
hiemannus; 928, 2 (929); 1037, 5 (1038); IL
628.
hier s. her.
higen; 928, 2 (929); 1033, 2.
hilligsgut; 1011., 2.
hinter- vorfällig; 626, 4.
hintersedel; 1224, 2.
hinderstendigh ; 751, 3.
hinderwagen; 243, 2; 256.
hipe; 100, 1.
histrio; 1157, 7.
hob s. hof.
hoba, höbe, hove s. hufe.
hoacht; 480, 1.
hochbueß; 1033, 4 (1034).
hoegeding; 193.
hoicheit; 194, 474.
hoichjaich; 486.
hochwalt, hoewalt, hocherwalt, hohewalt ; 474 ;
488, 4; 495, 4.
hogezit; 853.
hof, hoif, hove; 739, 1; 956, 1. ze h. kumen;
1326, 3.
hoebacht; 435, 1.
hofsbot; 1060, 1.
hoifbueß; 1033, 4 (1034).
-hofen; 158 f.
hovefelt; 950, 5.
hofflur; 419, 1; 427, 2.
hoifsgeding; 193.
hofgericht; 127, 4.
hoifgut; 483; 747, 1; 752, 1; II, 630.
hoefhamer; 471.
hoibherre; II, 749.
(h)oveiunger ; 1224, 1.
hoeflich, howelich; 489, 1; 1185, 3 (1186).
höfling; 1118, 3.
hofman; 375, 1; 773, 2; 783, 3; 913,4; 1057,
3, 4; 1247; 1411, 5.
hoifinäs; II, 222.
hovemeister; 1129, 1; 1437, 3.
hofener, höfner, boviner, hovinhere, höfer;
448; 1036, 2; 1060, 1; 1359, 3.
1G13
Wortregister. ]
hoefrat; 1437, s.
hoverecht; 927, 4 (928); 1101, 2.
hovereide ; 333, 2, 4 ; II, 635.
hoefsclineider ; 1437, 3.
hoifsscholtes ; 735, 4.
hovestat; 272, 3; 291, 3; 412.
hofwegge; 553, e.
hoberwet; 1209, 3.
holca s. olca.
holzförster ; 476.
holtgenoten ; 280, 3.
holzgewalt, holtgewalt; 271; 292, 1 (293);
996, 2.
holzgrafschaf; 1067, 2.
holzhaber; 475, 5.
holzmarche; 291, 2; 292; 299, 3.
liolzwerk; 1308, 4.
homicida; 1447, 1.
honne und Komposita von honne s. u. hunne.
hordeaceus panis; 553, 5.
hornbrast; 1349, 2 (1350).
hornlos; 1289, 3.
hörogaui; 54, 2.
hospitatio; 769, 3.
hospitium; 829, 1.
hostilicium ; 816, 2; 1025.
hontslelien; 930, 2.
hovetman s. hauptman.
hufe, huobe, huove, hove, hoba, oba; 332, 2,
3, 7 ; 461 ; 1073, 1. hoba regalis ; 349.
hufer, hubener; 448; 1043, 3.
hüfgüt; 705.
hufhamer, huphamer; II, 8.
hubrecht: 371.
hufzins; II, 626; 666; 711.
hulde; 436.
hummelgeding s. hunnindink.
hunaria s. hunrie.
hunne, hunno; 184, 4; 199; 245; 291, 1 ; 1128, 3.
hunnindink, hundding; 199; 200; 1197, 4.
honneheller; 1137, 1.
hunkirche ; 246.
hunrie, hunrige, hunaria ; 201 f. ; 207 ; 1272, 3.
hunschaf, honschaft; 199, 1; 222, 2; 265.
hunnelvolk; 174.
hunicus, hunnicus; 381, 3; 570, 5; 571, 2, 3, 5;
925, 2; II, 674.
hüntzwin; 571, 3.
hus, huis s. haus,
hypotheca ; 957, 2. hypotheca et pignus ; 956, 1
(957).
jagerethafer ; 1067, 3. s. jegerrecht.
ianitor; 1426, 3 f.; 1427, 2; 1428, 2.
jardinc; 204.
jaerzaile; 440.
iconomus s. oeconoraus.
idel; 1289, 3.
jegerrecht; 486, 3. s. jagerethafer.
igneaceus; 507, 1.
ignire; 583, 2.
immeliorare ; 894, 2.
imraunitas ; 1016, 3 f.
imperialis protectio; 1020, 3.
imperium merum et mixtum; 190.
indominicalis ; II, 62.
indominicatio ; 920, 3 (921).
indominicatus ; 39, 5; 748.
inbannire; 750; 995, 3.
inbeneficiare ; 875, ii.
inbreviatio; II, 90.
incendiarius nocturnalis; 1023, 3.
incidere; 574.
incisio lignorum; 291, 2.
inclaustrare ; 680, 4.
incola; 981, 3.
induciare; 955, 3 (956); 986.
infeodore; 875, 11; 881, 3.
infirmariiun ; 829, 1.
inforsten; 495, 4.
infractio sabbatorum; 608, 4.
infronen; 750.
-ingen; 154 f.
ingenuilis mansus; 1190 f.
inhau; 237.
iniectio manuum; 860.
ink; 581, 7.
inkbude; 581, 7.
inlendich; 1429, 1.
inmerker; 294.
inngericht; 188.
innovare; 124, 5.
inquirendum; 333.
inscisio; 1119, 3.
insessus; 750.
int- (deutsche Vorsilbe) s. ent-
integritas; 333.
interconditio; 632, 4.
intercursus; 1207, 2.
Interesse; 953, 4; 970, 6 (971).
introitus iudicum; 1016.
invia; 333.
invocatio iudicii; 954, 5.
ioculator: 1157, 7.
[Register.
1614 —
isensmitte; II, 331.
jiich, juche; 334 f.; 345, 3.
juchkorn; 335, i.
juchlant; 335.
ludaismiis ; 1452, 9.
ludei; 1428, 3; 1449 f. ad, inter Iiideos po-
nere; 1450, 4; 1453, 5. plaga ludeorum,
Judenslacht; 1457. ludeorum percussor; 1457.
I. scriptor; 1477.
iudex; 719 f.
iudicium curie; 1273, 5. i. strepitus; 954, 0;
955, 2. i. superius; 180, §.
iuger; 339; 345; 408.
iunior; 721, 2; 724.
iuranentum in Sal. 60; 22.
iuratus; 232; 273; 320 f. i. curtis; 1036, 2.
iurati et scabini; 297, 1.
iurisdictio; 1136, 2. i. alta; 177, 9; 886. i.
bassa; 886. i. plena; 190.
iurnalis; 345; 408.
ius censuale; 938, 4. i. dimidii mansi; 769, 2;
776, 7 (777). i. dominii seu quasi; 1072, 5.
i. emphiteoticum ; 938,4. i. forense; 627,6.
i. hereditarium ; 938, 4. i. parrochie ; 243, 2 ;
293, 1. i. secandi in nemore; 996, 2. i.
venaticum; 495, 1.
iussus domini; 1421; 1423, 1; 1476, 2.
iustitia camerae; 1040, 5. i. civilis; 291, 2.
iustitiarius ; 1325.
Italchspise; 949, 2.
kamarchio, kamarcho; 283, 2.
kamer; 1055, 1. frie k.; 290, 1.
kamerholz; 493, 3.
kamermeister; 1437, 3.
kamervorst; 482, 3.
kamp; 1117, 1.
karl, kahrel, kerl; II, 240.
Karies 16t; II, 392. Karli mensura; II, 501.
Karlus geboet; 172.
karp; 502, 2.
kaisvogt, kaisfoit, caißvoigt, kassfaugt; 1033, 4
(1034); 1068, 9; 1092, 5; 1289, 2; 1292, 2.
caßmeiger; II, 640.
kauf, von k. wegen lihen; 938, 4 (940).
kaufen, sich; 1085, s.
kaule, koule, kule; 578, 7; 944, 4; II, 332.
keffer s. kepper.
keltergezauwere ; 587, 7.
kelterknecht; 906, 4.
kelterrecht; 1002, e (1003).
kenne; 578, 7 (579).
kepper, käpper, keifer; 490, 3; 510.
kerb; 1081, 1.
kerben, kerfen; 1081, 1; 1094, 1.
kere; 340, 2.
keren und wenden; 260; 286.
kerl s. karel.
kern; 1000, 1.
kertze, bi der k. ubergan; 438, 5; 439, 1.
keule; 487, e (488).
kestenforst; 563, s.
kestenwald; 563, 8 (564).
kintbeide; 1206, 4.
kintgedinge; 1175, 1; 1206, 3.
kirchemeister; 220, 2.
kirchhonne; 245, 1.
.kirlant; 419, 1.
kirmet s. kurmede.
kirsgarten; 565, 2.
kleut; II, 497.
clingeln; 257, 5 (258).
clocke; 216 f.; 301 f. geluithe c; 187.
closter; 403, 2.
kogel; 1056, 1; 1070.
koleholz; II, 333.
kolemeise; 500, 2.
koelen; 516, 1.
kolfe; 1117, 1.
kom s. künde,
kommerschaft ; 1107, 5.
konde s. künde,
copeleweide; 403, 4.
koeren und ichen; II, 483.
korzbusch s. kurzbusch.
koule s. kaule.
krademe; 125, 3; 474, 6 (475).
krame; 1005, 2.
krause ; 433 f.
krauwel; 854.
crenken; 1345, 3.
krieg, uffener; 1349, 2 (1350).
criminalische sachen, kleine; 1032, 2.
kromme; 127, 1; 300.
krommenschnitz ; 485.
kuche; 1471, 3.
kuchenknabe; 1437, 3.
kuchenschreiber ; 1437, 3.
kütz; 487, G.
cumtchin; II, 216.
künde; 418 f.; 745, 3; II, 216.
kunikcgesholze ; 508, 5.
küningis hüve, kunihkges huve, kunincxhüve;
348, 5; 349 k; 350 n; 1192, 4.
— 1615 —
Wortregister.]
kftntschaft; 949, 2; II, 633; 651; 732.
kurmede; 870, 2; 923, 4; 925; 926, 1; 927, 4:
928, 2; 930; 1225, s; II, 642.
kurniedig, kumioedich, kormodich; 930, 2
1184, 1; 1188, 2; 1186, n (1187); 1188, 2:
II, 231.
kurzbusch; 100, 1; 174; 514, 7.
labor; 13, 2; 463.
ladfaß; 1289, 0.
laetilis s. ledilis.
lagena; II, 500.
lahss; 501, 2.
laiswerpiri; 23.
Lamperter; 1450, 1.
langhalm; 274; 484; 525, 7 ; II, 634. s. auch
lange weitli; 286, 1.
lantfend; 951, 7.
landfurste; 1322, 2.
lantgeschrei ; 1031, 2; 1137, 4; 1292, 2.
lantliere; 978, 1. 1- und lehenherr; 1041.
lantlosung; 872, 1.
lantrecht; 391, 3; 393 f.; 420, 4; 493; 514, 2.
lantsasse ; 1079, 1.
lantschreiber; 1419, s f.
lantskriech; 951, 7 (952).
lantstraze ; II, 237 f.
lanturtel; 193, 1.
lapicida; 588; II, 524 f.
lapidea domus; 138, 2; 1453, 3.
lapifodina; 588, 11.
lapsus; 502 f.
-lar; 151 f. I. hereditatis; 632, 1.
lateralis porcus; 787, 5.
lateratio; 339, 7.
latta; 581, 6.
latzenploch; 507, 10.
lauben; 574 f.; II, 536.
laufwasser; 1159, 1.
lauterrüliren ; 574 f.
lazesliuova; 1190, 8 (1191); 1192, 4.
lazgüt; 901; 1100, 2; 1192, 4.
leberich s. lieberich.
lebnus; 554, 3.
ledig; 172, e; 1298, 1.
ledilis; 1233 (1234). 1. mansus; 1190 f.
legatio; 810, 1.
legatorium feodum; 531, 3; 811, 8.
legitimus; 116, 5; 748.
legius s. ligius.
lehen; 412; 901, 2 (902); 912; 928, 2.
lehenguet; 791, 2; 901, 2; II, 231.
lehnherr; 696. laut- und 1.; 1041. 1. und
voit; 1078, 2.
lenman; 929; II, 228. s. besessen lenman.
Iclienmeiger; 787, 5.
leinpeter; 412, 2.
lenscheife; 1040, 2.
leinvroue; 696, 6.
leibbeth; 1006, s (1007).
leibeigen; 1211, 1; 1228, 3 (1229).
leibeigenman ; 1231, e.
leibsfrei; 1210, 1.
leibsherr; 1351, 6.
leida; II, 497.
leihebank; 1005, 2.
lein s. lehen.
leinpfat; 1400, 4.
lelus; 945, 1.
len s. lehen.
leuifen (nüsse); 564, 3.
levis moneta; II, 416; 420.
lexantiqua; 708, 1.
liber amicorum; II, 187. 1. coquine; II, 775.
1. domini; 1416. 1. expensarum domini;
1465; 1471. 1. iideluim; 1479, 7. 1. per-
petuorum - reemendorum ; 1442, 2. 1. sca-
binalis; 998, e.
liber; 1164. 1. et nobilis; 1164.
liberale feudum; 855 f.; 877.
liberaliter emere: 642, 1.
libere et absolute reverti ; 953, 5 (954). 1. con-
ducere exponere; 938, 4 (939).
libertäre; 869, 4 (870); 927, 2.
lidus; 1214, 3.
lieberich; 327; 784, 1.
lieferhaftig; 787, 6 (788). s. lieberich.
liehe; 472.
lienberich; 901, 2 (902).
liferkouif; 476.
ligare; 574.
ligatura uve; 417, 2.
ligius; 1263, 4; 1297, 3; 1298, 3.
lignarium; 508, 5; 787, 3.
lignatio; 293, 1.
lignorum marca; 1066, 5.
limes; 406.
limitator; 279.
linde; 309 (310); 1058, 7.
lobium ; 309, 1.
locare apud candelam; 619, 1.
locatio hereditaria-vitalitia ; II, 776.
locator; II, 221.
[Register.
1616 -
lochrusen; 503, e (504).
locus; 267; 269, i; 335; 336. 1. principalis;
1040. 1. subiectus; 831, 2.
löchern; 341, 1; s. dazu 341, 2.
loesebref; 1422.
loezende; 609, s.
-loh: 158.
loricatus; 1295, 1.
los; 1183, 6.
16t, Karies 1.; II, 392.
lotte; 573.
lovete; 515, 3.
luceniaria; 508, 1.
lucrare; 126, 3; 456; 873, e.
ludoriiun; 982, 1.
luminar.us emerus; 995, 3.
luitdink; 1032, 2; 1230.
machalus; 9, 3.
maere; 533.
magister; 1148,3; 1217, 1; 1224, 1. m. carni-
ficum; 1470. m. coquine; 1438, 9. m.
forestariorum, forestarius ; 494, 4 ; 495. m.
fossor; II, 518; 524. m. herbariorum ;
316. m. lapicida; II, 518; 524. m. palatii;
1435, (1436). m. parochianorum ; 231 f.;
243. m. scabinorum; 647, 3; 1051, 3;
1052, 3. m. ville; 1358.
magni dies; 783, 4.
maialis; 11, 2.
maior; 724. maiores; 1161.
maleficium; 1113, 1.
mallidicus locus; 1046, 3.
niallobergius; 1016, 4.
mallus; 1045; 1046, 1; 1120, 1; 1122, 2. m.
principalis; 186, 1. m. publicus; 309, (310).
niälplatz: 286, 1.
malstein; 341, 4.
maizeichen; 763.
manalitus; 825.
mancipatio; 1196.
mancipium; 1147, 1195.
mandatum domini; 1476, 2. m. quadra-
gesimale; 83.3, 1.
mandra; 1.50, 4.
manere; 1.36, 2.
manica stricta; 860.
manipulus; II, 493.
manlehen; 1265, 2; 1312, e (1313); 1318, 2.
mannesmat; .345, 3; s. auch:
mansmaitwiese ; II, 493.
mansio; 8, 3; 375; 1017, 4. m. habitabilis ;
868, 2. m. personalis; 981, 3 (982).
mansionarius; 375, 4 (376); 412; 448, e; 773, 4;
961, 2.
mansionile; 721; 1192, 5.
mansuale bonum; 646, 2. m. terra; 747, 1.
mansura; 1127, 4.
mansus; 332; 367 f.; 408; 956, 1. m. com-
positus; 354; II, 110. m. dimidius; 769, 2;
776 (777). m. indominicatus ; 755. m. in-
genuilis; 1190 f. m. ledilis; 1190 f. m.
plenus; 1180. m. regalis; 348, 4 f. m. ser-
vilis; 922, 2; 1190 f.
manualis; 410. m. dieta; 785, 2.
manuMelis; 961, 1.
manus-mortua ; 1182 f.
manutenentia ; 240, 5.
manwerk, manwerker; 409 f.; 903 f.; 908 f.;
912, 2.
marach; 533.
marca; 13, 1; II, 387. m. lignorum; 1066, 5.
marcarius; 248.
marchata; II, 494.
marescalcia ; 883, 3 ; 1427, 2 ; s. marscalcus.
maritare; 576.
mark, marke; 292, 1; 347, 1; 467; 1054, 4.
markatus; 425.
markenrecht; 642, 4.
markgenoß; 232; 248.
marscalcus; 1270, 1; 1426, 3 f.; 1440, 5 f.;
s. marescalcia.
marsteller; 1437, 3.
martirologium; II, 663.
martampt; II, 262.
martmaiß; II, 270.
massa argenti; II, 379.
maisseil; 343.
medem, medema, medena, medum; 105; 136;
391 f.; 494, 1; 496; 514, 2; 944, 3; 1018, 2;
1088, 5; II, 666.
medietas; 910, 1; 917, 6 (918) f.; 921, 2. m.
crementi; 916, 2.
medium vinum; 910, 2.
medomguet; 1348, 1.
medumbusch; 394.
meier; 1057, 3.
meis, meix; 332, 7.
meisa, meise; 500, 2; II, 497.
meischaft; 1081, 1.
meisselwonden; 1033, 4.
meisterschefte; II, 639 f.
meiswerhc; 783, 3.
— 1617 —
Wortregister.]
mel decoctum; 505, i.
meliorare; 148, s; 579, s (580); 966, 2; 968, 2.
inensimi; 785, 2; II, 482; 487. m. Karli; II,
501.
inercator Komanus; 1450, 1.
mercatus publicus; II, 264 f.
merken und steinen; 341, 1.
nierituni; 338.
mercher; merher, 1158, 6. eldster m. ; 301.
merkergelt; 299.
merlare; 950, e.
merimi et mixtum Imperium; 190; 1032, 2.
merzelink, mertliling; 492; 522; 523.
mescorn; 799, 2.
messe, mese; 105, 4; 420, 4.
messis; 13; 420.
meta; 292, 1 (293); 335.
metzeler; 1437, 3.
metzlen; 1004, 2.
miet; 393.
miliarium; II, 240. m. grossum; 253, 6.
militia; 880; 881, 1.
milkalle; 297, 4 (298).
mina; 527, 3.
minare; 527, 3.
mindagli; 261, 2; 465, 3.
minfueder; 261, 2; 465, 3.
minister; 819, 5; 820, 1. m. obsequii;
1374, 2.
ministerialis ; 54; 824. m. cottidianus; 917, e;
1023, 1. m. feuditarius; 855 f. m. feu-
dimi; 822, 1; 855 f.; 877.
ministerium; 768; 802; 835, 1; 1374, 2;
1406, 2; II, 713.
minne-; 189; 1209.
minutum ius; 788.
mirgillin; 968, 2.
mirgelstuck; 962, 7 (963).
misback; 303, 2.
misbau; 995, 2.
misbrauchen, sich; 1047, 2.
missale; II, 664.
missel; 1038, 2; 1039, 1.
missus; 825.
mita; 543, 3.
mitgenoiß; 1247.
mitium; 993, 3.
mitstulbruder ; 1052, 3.
mitteiler; 648, 1.
mixtum et merum Imperium; 190; 1032, 2.
modiator; II, 495.
modius regis; 105, 3.
moitbescheit; II, 652.
moit s. mut.
moidwillen (Verbiun); 312 1.
molinum; 17, 1.
molter; 1001, 1. s. mouture.
momentaneus exercitus; 1299, 2.
monasterii opus; 828, 7.
moneta; 1018, 2. m. levis; II, 416; 420.
monomachia 869, 1; 1128, 3 (1129).
monster; 853.
montschaf; II, 181.
mouture; 1001, 3. s. molter.
morari; 247, e.
moratum; 564, 6.
morbois; 507, 8.
morgangeba; 33.
morgen, morgus; 345; 895, e; 1169, 3.
morgenrut; 344, 2.
mort; 223, 1.
mortemain; 1182 f.
mortarium; 852, 4.
mos et ius agricolarum communium; 981 3.
mosttag; 317, 4; 581, 8.
mostert; 587, 1.
movere; 575; 995, 1.
mubel; 923, 4 (924).
mulentrippel ; 1000, 1.
multer s. molter.
mundiburdium , mundaburdis, mundiburdis;
992, 4; 1016, 3; 1065, 4; 1198, 2; 1214, 5
(1215); 1216, 1; 1218, 1; 1281, 2. m. et
defensio; 1096, 1.
mundilio; 1214, 5 (1215); II, 66.
munt. van monde des herren; 1422. s. iussus,
mandatum domini.
müntman; 1069, 1.
muolle; 522.
mustum; 582, 1. m. Mosellanum; II, 324.
mutatorius nummus; II, 255.
mutgen; II, 504.
mutua hereditas; 287, 3. mutuum veriun; II,
376.
nachbargeding ; 304, 2.
nachdienst; 1207, 2.
nacho; II, 297. *
nachtbrant; 1033, 4.
nachtselde; 189, 2; 219; 604, 3; 1018, 2 (1019);
1026; 1027, 2; 1121, 1.
nama; 975.
name; 1120, 5 (1121); 1289, 3.
nafs winkauf; 964, 4.
[Eegister.
1618
navolghigh; 1185.
nebenfursten ; 477.
nederacht; 480, i.
negligentia; 232.
nemus altum ; 120, s. nemoris potestas ; 1164, 5
(1165).
nidificare; 1068, 2.
niedereigentumb ; 1231, 4.
nidirval; 799, 5; 927, 4; 1182 f.
niederschlagen, sich; 1105, 2.
nobilis; 1161; 1164. 1. et nobilis; 1164.
noctes XV; 816, 1.
nola-campana ; 856.
nona et decima; 129, i.
nötarbeiter; 524; 1047, 5.
notarius; 1477, 7 (1478). n. imperii oder im-
perialis aule; 726, 2.
notgift; 643, 0.
notholz; 507, 0.
notturftbauw ; 489.
nova villa; 956, 1. novarum villarum con-
suetudo; 700.
novale; 122, 1; 511, 1; 512 f.
novare; 398, 1; 512; 513, 2.
novatio; 512.
novella; 512.
novellare; 326; 398; 512; 1077, 3.
nucaria; 150, 4.
niimmus rautatorius; II, 255. m. temonis
318, 3.
nuntiator; 1060, 2.
nimtius; 916, 2; 1195, 4.
oba s. hufe.
obedientia; 948, 1; 956, 1; 975 f.
obedientiarius ; 948, 1; 985 f.
oberhof; 1038, 2 (1039); 1039, 1, 3; 1040, 2.
oberschulteß ; 1041, 1.
oberzenner; 1077, 2.
oblata servitus; 789.
obsequium ; 833, 2. minister obsequii ; 1374, 2.
ocina; II, 141.
oculata notitia; 1038, 2.
octale; II, 497.
octava pars; 922, 3.
oeconomus; 824; 1122, 7.
offergarve; 427.
offgehuffe; II, 487, 1.
officialis; 726, 2; 1279, 3; 1374, 2; 1472, 1.
officiarius; 776, 2; 1374, 2.
officiatus; 431; 1374, 2; 1375.
officiaus: 1279, 3 (1280).
officium; 1374, 2; 1406, 2; II, 172 f.
officinae reguläres; 974, 1.
ofgabe; 908.
ohngenoß s. ungenoß.
olca, olka, olk; 405, 2; 420, 2; 440, e; 440, 7
(441); 917, 4; II, 167.
oleatrix; 587, 1.
operarius; 1195, 4.
optimale; 961, 2; 1182 f.; II, 182.
opus claustri-monasterii-oratorii ; 828. 0. re-
gale; 1030, 3 (1031). 0. servile; 463.
oratorii opus; 828.
ordo; 408, 3.
originarius; 1219, 2; 1371, 4.
ormenetum; 150, 4.
ostiarius; 803.
over- s. über-
overdrift; 527, 3.
overgrif; 260.
ovile; 537, 1.
pabulare; 562, 2.
pacht, paecht; 925, 1; 938, 4 (939).
pactarius; 933; 934, 4; 977, 3; 981; II, 495.
pactio; 896, 1; 905, 4 (906); 933 f. p. deci-
malis; 933, 1.
pactiun; 896, 4; 897, i; 915, 3; 917, e (918);
919, 8 ; 923, 4 ; 926, 2 ; 932, 2, 3 ; 933 f. ; 938, 4
(939). p. perpetuum; 934, 2.
paden; 485.
paderele ; 503, e (504).
padt; 503, 2.
pagamentum; II, 389 f.
pagus als Mark; 336.
pahtar; 452.
palasmeister; 307, 2; 1129, 1; 1435,6 (1436);
1470, 7.
palatieius; 1137,4. s. pellince.
palatii custos; 1435, e (1436). p. magister;
1435, 6 (1436).
palatium; 1017, 4.
panagium s. pasnagium.
panetaria; 1471.
panetarius; 1471, 3.
panis frumentinus; 553, 6. p. spelteaceus; 279.
pannus croceus; 860.
parafredus, paraveredus; 436, 1; 1025; 1121, 1 ;
1127, 4.
parata; 1017, 4; 1119, 3.
paratura; 1127, 4.
pare ; 543, 3.
— 1619 —
Wortregister.]
parentilla; 22; 37.
parochia; 239; 243 f. ins p.; 243, 2; 293, 1.
parochianus ; 247 f. ; II, 639. magister ]). ; 231 f. ;
248.
pars, particula; 406. p. tertia; 910, 3, g; 915, 3;
916, 2. p. quarta; 916, 2; 1053, 6. p. qiünta;
910, 6; 921, 2. p. sanior; 827; 847, 3 (848);
861.
partes superiores-inferiores; 77.
participatio socialis; 291, 3.
parvum ins; 788, 5.
pascuarium; 104.
pasnagium, panagium, pasnages ; 293 ; 492, 1 ;
523; 525, 7 (526); II, 227.
passagium; II, 246.
pastorale; 536, 4.
pastoria; 525, e.
pastiira; 537, 1. •
patronus; 1074, 1.
pechter; 981.
peculiaritas ; 748.
peciüiiun; 1125, 5.
pecimiaria pena; 1374, 2 (1375).
pedagiiun; 1374, 2(1375); II, 271; 273 f.; 281.
pedetura, peditiira s. pictura.
peigelen; II, 495.
pellenz; 1027,4. s. auch:
pellince; 1018, 2 (1019).
-pelt; 152.
pena pecimiaria; 1374, 2 (1375).
pennae chunis-scurine ; II, 327.
pensa; 774, 1.
pensio; 938, 4 (939); 975 f.; II, 674.
pensionarius; 684, 7; 955, 3 (956); 976; 981.
penwerth ; 777, 3.
peractor; 1374, 2 (1375).
percormnanens ; 332, 7 ; 1224 f.
percussor ludeorum; 1457.
pereminthuve ; 1470, 1.
perfodere; 575, 7.
pernalis porcus; 770, 3 (771).
perpetualia; 1442; II, 681 f.
perpetuiim pactum ; 934, 2. perpetuorum libri ;
1442, 2.
perterraneus ; 1159, 2.
pervia; 333.
petia, petiola; 339; 406; II, 75; 493.
petitio ; 1027, 4.
petitura s. pictura.
petre s. pitter.
pesch; 473; 1025,2.
peuntacker; 452, 3. s. beunde.
pfad; 335,4; 510.
pfarkint; 245.
pfennigguilt ; 372, 2.
pfertschar; 810, 1; 1025, 2.
pflege, plege; 1383, e (1384); 1392, 4 (1393);
1419, 4.
pfleglos; 395; 750, 2; 1100, 4; 1101, 2; 1193, 1.
pflüg brechen; 371, 1. silberner p. ; 1184, 1;
1188, 2.
plouchfart; 557, 5.
plochman; 432.
pflüg winnong; 242, 1; 421, 7.
pfrunt s. prunt.
pfundig s. phundig.
phaleratus; 1296, 2.
phara, phare; 859; 1183, e.
phundig; II, 391.
pictura, pedetura, peditura, petitura; 410 f.;
910, 1 (911); 911, if.; 1104, 2. s. pitter.
pignus et hypotheca; 956, 1 (957).
pilleus salis; II, 498.
pinaculum; 1310, 3.
pincerna; 1426, 3 f.; 1477, 7 (1478).
pincernatus; 1427, 2.
piscaria; 502, 3.
pitter, petre; 410, 4; 412; 1092, 4. s. pictura.
placitatio; 927, 2.
placitum annale annuale; 324. p. curiale-
feudale; 851, 1.
placken; 340, 2.
plaga ludeorum; 1457.
plagelos s. pfleglos.
plaisanneau; II, 728.
planta; 405, 2; 578, e.
plantare; 578.
plantarium; II, 71; 73.
plantarius; 405, 2.
plantatio; 405, 2; 407.
plantatum; 405, 2; II, 71; 73.
plantula; 578, 7 (579).
plaustrum; II, 248; 501.
plazampt; 1399, 1.
plebeius; 960, 1 (961).
plege s. pflege,
plenarium debitum; 872, 2.
plenetsch, plenter; 405, 2.
plenicensualis ; 789, 2; 1180.
plenter s. plenetsch.
plenus. pl. iurisdictio ; 190. pl. mansum; 1180.
pl. servitus; 789.
ploch s. pflüg,
poel s. pulle.
[Register.
— 1620 —
poledrarius; 722; 724, n.
poleticuni, polipticimi ; 842, i ; 11, 662.
pondus; II, 502.
pontaticum; 1017; 1021, 3.
pontinarius; II, 245.
porcella; H, 62; 64.
porcus lateralis; 787, 5.
possessio ; 8, 3 ; 938, 4 (939).
possessor; 748, i; 909, 2; 920, 1; 923, 4; 929.
p. Romanus; 52, 2.
postadvocatus; 1126, 1; 1130, 1.
potatio testimonialis ; 627, 6.
potentes; 52.
potestas; 1018,2 (1019); II, 671. p. militaris
in silvam; 279, 1. p. nemoris; 1164, 5 (1165).
potiores; 1237, 1.
potus; n, 524.
poiu'pris; 123 f.
prae- s. pre-.
praißen(?); 576, 3.
prantknecht; 1437, 3.
pratum; 152.
prebenda sine mensa; 974.
prebendarius; 1128,3; 1147; 1171, 1; 1223 f.
precaria; 606, 1; 891 f.; 898, 2; 920, 1; 1086, 3;
1092, 2; 1118, 3; 1119, 3 (1120); 1453, 3. p.
et donatio ; 892, 2.
precariare; 875, 11; 898, 2.
precarie [Adv.]; 895, 1.
precarium ius; 898, 2. p. servitium; 1087, 1.
precator; 578, 2; 898, 2.
preco ; 1049, 3 ; 1052, 3.
predium; 333; 874.
predo; 1063; 1064, 1 f.
preeminentia ; 615, 1; 647,3.
prefectura, prefectorium ; 1017, 6 (1018); 1076,5.
prefectus; 1076.
preincisio; II, 216.
prelectura; 997, 4; II, 537.
prenominatio ; 293, 1.
preparamentum; 1001, 5.
prepositus; 733, 2; 831, 4; 1.379, 1; 1460, 5.
presantfisch, presentfisch; 484, 5, e.
presidium; 1076, 2.
prestaria; 898, 2.
pretium adpreciare; 18.
pretor; 735, 3.
principalis; 748. p. locus; 1040.
privilegiare ; 1370, 5.
Privilegium donationis propter nuptias ; 954, 3.
p. dotis; 954, 3.
probende, provenda; 724, 17 ; 854.
proclamatio armorum; 1122, 1.
procuratio ; 240, 5 ; 726, 2 ; 975.
procurator; 300, 1; 773, 2; 824; 912, 2; 976;
1379,2; 1411,5; 1435, 5 f.
profen; 578 f.; 910, 11 (911).
proferwin ; 579, 3.
profit. faire le p.; 123.
promptuarium ; 1466, 2; 1467, 5.
propinatio; 684, 7.
proprietäre; 627, e.
proprietas; 749; 891, 2 (892); II, 206 f. p. et
dominium ; 928, 2 (929).
propriolum; 749, 3.
proprius; 869, 4; 902, 4; 1196; 1223 f.; 1228, 2.
proprisus; 123, 1.
protectio et conductus ; 1020, 3. p. imperialis ;
1020, 3.
protocollum; II, 717.
protonotarius ; 1433, 3.
provenda s. probende,
provincia; 310, 6.
provisor; 819, e; 830, 3; 835, 1; 858; 861;
976; 1448, 3.
prunt; 257.
publicare; 750, 5; 1101, 1.
publicus; 748.
puer; 940, 3.
pulle; 581, 7; II, 332.
pullus; 787, 6.
puritas monete; II, 391.
putare; 574; 576.
guadragesimale mandatum; 833, 1.
quaesitum; 333.
quarta pars; 916, 2. qu. p. curtis; 1053, 6.
quartale; 346, 1.
quartarium; 348; II, 145.
querderuse; 1244.
quick; 930, 2; 1184, 1.
quiddige; 565, 2.
quindecim noctes; 781.
quinlibratum feodum; 930, 2.
quinta pars; 910, e; 921, 2.
quittus; 293.
radius; 502.
raeden s. roden,
raimstechen ; 580, s.
rastrum; 555.
rat, gemeiner;
rat und frunt; 1429, 2.
— 1621
Wortregister.]
rait. ein r. verbinden; 194.
-rath; 158 f.
ratihabitio; 231; 1048, 8.
ratio in Sal. 60; 22.
rauchwin; 605; 1120, i.
rauhfeigen; 573.
räumen ; 573 f.
rauss; 627, 4.
rauwkauf; 615, 2.
reassignare; 1078, 1.
recca; 531, 3.
recedere; 868.
receptor assisie; II, 519.
recess, recessus; 873, 1; 1416, e. finaler r.;
1480, 2.
rech; 432.
rechener; 1437, 3.
rechte, gemeine beschriebene r.; 1328.
rechten; 187.
recursus; 1037, 5 (1038).
reddituarius; 1480.
redemptio; 795, 2; 814, 3. r. anime; 670, 3.
reemendorum libri; 1442, 2.
refectio pro memoria defimctorum ; 886, 2.
referre; 1441, 2.
regalis census; 1025, 4. r. mansus; 348, 4 f.
r. opus; 1030, 3 (1031). r. villicus; 732,5.
r. virga; 353, 1.
registerboich; II, 670.
registrare; II, 731.
regius homo; 52, 3. r. scutum; 881, 8 (882).
regressus; 333.
reiden, einen dorren bome; 172.
reifling; 573.
reinen und steinen; 648, 1.
reipus ; 32 f.
reisen; 1293, 3.
reishabe; 798, 3.
reißwagen; 1025, 5 (1026).
reit; 817, 0.
reitgüt; 374, 2 (375).
relatio; 1434.
remanet; 1390.
remissio; II, 345.
renovare; II, 667.
renovatio; II, 98 f.; 170.
renspiess; 1071, 3.
rentberich; 440.
rentmeister; 1422; 1437, 3; 1480.
rentmeisterie; 1480, 2.
repagulatio; 583, 3.
replantare; 916, 2.
repletio; 583.
reportatio; 1038, 2; II, 653.
residentia; 884, 2. r. continua; 1318, 4. r.
personalis; 1313, 4.
responsum; II, 650; 659.
restaurum; 1406, 2.
retrofeudum; 879, 3; 1123, 1.
reuse; 487; 503, 6 (504).
reusener; 503, e (504).
revestire; 1190, 3.
Ilichsluide; 1026, 3.
riehen; 786, 9.
richten-heufen ; 789, 4.
richtlich handeln; 1032, 3.
rinc; II, 376. r. unde dinc; 927, 4; 928, 2;
1043, 5; 1113, 1; II, 632.
rintschar; 810, 1.
ripaticum; 1017.
riß; II, 497.
rod, roder; 123, 4; 125; II, 628.
roden; 126, 1; 148, 3; 456; 513—515.
rotbusch; 512; 514, 3, 6, 7; II, 227.
roitgaren; 502, 2.
rodehove; 12.3, 2.
roggengewande ; 547, 3; II, 230.
rogo; 787, 3.
röhr, die; 558, 7.
röhren s. rühren,
rolle und register; II, 647.
Roma Belgica; 79.
Romanus ; 52, 3. R. civis ; 52, 3. R. mercator ;
1450, 1. R. possessor; 52, 2. R. tributarius;
52, 2.
ronkbaum; 1289, 5 (1290).
rotula clausa; II, 647.
rubus; 126, 5; 128, 1.
rüd s. rod.
rühren, roiren, rören, ruren ; 558, 7 ; 573 ; 575 ;
576, 3; 577, 5; II, 536.
rumen; 1104, 1; 1210, 2.
rumich; 1101, 2; 1104, 1; 1241, 2.
rure; 344, 3.
rusticus; 1197.
ruterwerk; 1299, 3 (1300).
sacellarius; 803.
sacium; 875, 1; II, 66.
sacramentalis ; 30.
sacrarium; II, 716.
sängen, schweine s.; 806, 1 (307).
sal, sael; 747, 2; 1041; 1058. Zu den Kom-
positen von sal- s. auch sei-.
[Register.
1622
sala; 8; 39; 745.
salaricius; 116, 5; 419 f.; II, 99 f.
salarium; 856; II, 537.
salgut; 104, 2.
salhof; 754, 1.
salicus; 89 f.; 44 f.; 108, 3; 118, e; 745 f.;
920, 1.
salictum; 580, 4.
salire; 541, 2.
salis pilleiis; II, 498.
salivare; 961, 4.
salmcUenst; 502, 4.
salmenfank; 501, 2.
salmenreuse; 503, 6 (504).
salvement; 1081, 3, 5.
sanctimonachus ; 899, 3.
sandex; 562, 7 (563); 968, 2; 986.
sanguisuga, samsuga; 787, 3.
sanior pars; 827; 847, 3 (848); 861.
sarcil; 587, 7.
sarcina; II, 502.
saimentum; 512.
sart; 126, 1.
sartare; 126, 1; 512 f.
sartimi; 106, 2; 111, 1; 354; 511 f.; 514, 4;
s. auch sart, essart, exartum.
sasire; 1426, 2.
sassimg; 375. s. saitzung.
säet; II, 231.
satum; 547, 1.
sattelhof s. sedelhof.
saitzung; 1160, 3. s. sassung.
saugenfrei; 523.
saumarius, summarius; 1173, 2; 1470, 1; II,
280; 299. s. auch soima.
scabellum; 404, 4; 886, 1.
scabinalis über; 998, e.
scabinatus sedis; 1094, 2 (1095).
scabinius; 1023, 4.
scabinorum magister; 647, 3; 1051,3; 1052,3.
scapoardus; 803.
scara, scaria; 292, 1 ; 810 f.; 1017, 1; II, 100;
137. s. schär.
scararius, scarius; 436; 809, 3; 1129, 4; 1130, 1;
1173, 3; II, 68; 80; 137.
scaremannus; 820, 1; 1040; 1130, 1; 1171, 1;
1172, 1; 1174, 2; II, 639.
scarhuve; 811, s; 1173, 2; 1470, 1. s. schar-
hube.
scarius s. scararius.
scavio ^= scabinus; 1097, 4.
schachgit; 853.
schadeborch; 954, s (955).
schaff, Schaft; 1027, 4; 1080, 4; II, 629.
schaffen, Schäften, scheften; 752, 1; 1091, 5
(1092); 1099, 2; II, 630.
schaffer; 1160, 5 (1161).
schaftvogtei ; 654.
schär, schare, schair; 127, 2; 913, 4; 1188, 4;
s. scara.
scharhübe; 496. s. scarhuve.
scharwacht; 1055, 2 (1056).
scharzehnt; 390, 4.
schaube; II, 322.
schedel; 944, 4; II, 497.
scheffenrat; II, 638.
scheffenstuel ; 321; 1050, 1, 3; 1051, 5, e; II,
638; 648; 651.
scheften s. schaffen,
-scheid; 158 f.
scheidmark; 642, 4.
schehn; 303, 2.
schenkeampt; 1427, 2.
scherze; 125.
schiefern; 574.
schief lung; 128, 2.
schiffein; 390, 3; 515; 554, 3.
schirm und eid; 1066, 9 (1067).
schirmer; 1071, 2.
schirmhaber; 1066, 8.
schirmher; 478, 6.
schleif linge ; 509, 1.
schlusselher ; 480, 2.
schneiden, in die bet; 1105, 2.
schnittling; 573.
scholaris; 1157, s.
schoren; 341, 1
schriber, schriver, schiieber; 245, 2; 1431, 3;
1441, 3.
schultheifs; 727. s. scultetus.
scholteßenambt ; 1057, 4.
Schurenknecht; 1376, 1.
schutzampt; 1372, 7 (1373).
schutzgelt; 1081, 3.
Schweine sängen; 306, 1 (307).
scindela; 9, 4; 509, 5.
scindere; 574; II, 536.
sciolus; 691.
sclusa; 17, 1.
scolasticus exterior-interior; 829, 1.
scopar; 543, 3.
scrago; II, 313.
screona; 9.
scriptor cellerarii; II, 183. s. ludeus; 1477.
— 1623 —
Wortregister.]
scultetius; 995, 3. s. schultheifs.
scultetus regiii oder imperii; 727, n; 729.
scimdele s. scindela.
sciiria ; 9, 4 ; 543, s.
scutaria; II, 342.
scutella stannea; 852, 4.
scuttmi; 938, 4 (939). s. regiiim; 881, s (882).
secretarius; 1433, 4.
secretum servitium ; 1346, 6 ; 1467. s. sigillum;
1434, 5.
secretus camerarius; 1433, 4.
sedelhove s. selehof.
sedes tripetia; 1098, i.
sedile; 375, i; II, 141.
seie, seige, siege; 581, 7; II, 495.
seien, seihen: 1005, 2; II, 269; 485.
seitag; II, 269.
selcende; 108, 1.
selectus = salicus ; 747, 3.
seigut, seigut, seilgut; 334; 456; II, 659;
745, 3; 746, 2; 747, 2; 748, 9; 749, 4;
765, 1; 909, 2.
selehof, selehova, sedelhof, sattelhof; 660, e;
746, 2; 748, 1; 754, 1.
seien inde setzen; 630, 5; 748, 1.
selich; 486.
sellant; 440, 5; 450; 746, 2; 1426, 1.
semicensualis ; 789, 2; 1180.
semicola; 962.
semiiugerum ; 409, 2.
semimansus; 123, 2.
seneschall; 1436, 2.
seniler; 245.
septenarii dies; 683.
septima pars; 910, e.
sequestrare; 710, 2.
series viventium; 845, 1.
serviens; 1017, 3; 1042, 2 f.; 1426, 1.
servilis. s. feodum ; 822, 1; 855 f.; 901. s.
mansus; 922, 2; 1190 f. s. opus; 463. s.
terra; 747, 1.
servitialis; 747, 1; 1190, s (1191).
servitiimi; 723, e; 768; 770, 2; 787; 806;
833; 1115, 3; 1196. s. consuetudinarium ;
679. s. cottidianum; 833, 3; 917, e. s.
diurnale; 833, 3. s. precarium; 1087, 1.
s. secretum; 1346, e; 1467. s. servile; 923, 3.
servitor; 1171, 1; 1195, 5 (1196).
servitus; 124, c; 1023, 4. s. oblata; 789. s.
plena; 789.
servus; 1147; 1195 f.; 1229; 1426,2; 1428,2;
1472, 1; II, 526. s. originarius; 1371, 4.
sessor; 902, 4.
sessus; 832.
settigen; 541, 4.
seusius (canis); 10.
sezlen; 1313, 2.
shatznemer; 523, 7.
siebent; 392.
siege s. sei.
siegiller; 1385, 2.
sigilhim secretum; 1434, b.
Signum; 310.
sigukis {= siligo); 559, 1.
silberner ploch; 1184, 1; 1188, 2.
Silva alta; 473, e; 474, 2, 4. s. culta; II, 180.
silvirsmidehuve ; II, 329.
singularitas ; 414.
situla; II, 500.
Situs; 335; 546, 3.
slagegarn; 500, 2.
slavus; 1195, 1.
slisen; 574, s; 580, 4; II, 536.
smelhalm; 257.
smidehove; II, 331.
snidemetzerecht; 953, 1.
soalis, sualis; 787, 3 f.
soege; 551, 4.
söhn; 573.
soima; II, 247; 497; s. auch saumarius.
Solarium; 239, 2.
solatium; 823.
solidata; II, 494.
soliditas; 333.
solivagus; 1224 f.
somarius s. saumarius.
sonderung s. sundeiTUig.
sonne, bieten mit der s.; 218.
sonnegang; 218.
Sonnenschein ; 216.
sors; 332; 630, 2; 661.
spelteaceus panis; 279.
spenda; 684, t.
Spender; 1476, 4.
spicarium; 9, 3; 543, 3.
spielegelt; 1399, 1.
spilhus; 309, 1; 327; 582.
Spille; 12, 3.
spiser; 1427, 2.
spliß; 649, 3.
Sporen, handörne; 181.
sprengin; 470, 4; 499, 10 (500).
spurcehverhc ; 783, 3.
stabularia curtis; 907, 4.
[Register.
— 1624
Stacken; 968, 2 (969).
stadelhof; 370, 1; 754, 1; H, 352; 628.
stagniim; 504; H, 206.
stal; II, 269; 401.
stamrecht; 490, 1; II, 333.
Stander; 853; s. dazu 856.
stanneus; 852, 4.
stapha; 533, 5.
Stare et equitare; 639, 5.
staitdailen; 650, 3.
statio molendini; 584, 9 (585).
stativa; 1120, 1.
stecheisen; 502, 2.
stehetkauf; 615, 2.
steil: 503.
steiletter; II, 229. s. stiletter.
steinen und merken; 341, 1. st. u. stocken;
651, 1.
steinig; 1241, 2.
Steinschlag; 306, 1 (307).
steinstraza; II, 240.
steinwerk; 1308, 4.
sterlingi; II, 426.
sterzmeise; 472; 500, 2.
sticken; 434; 573 f.; 576, 3; 786, 9.
stickholz; II, 312.
Stilen; 751, 3 (752).
stiletter; 503, 2. s. steiletter.
stipare; 574; 579, 3; II, 536.
stipendionarius ager; 414.
stipes; II, 529; 536.
stochauwe; 474, e (475).
stock, stoch; 651, 1; 1035, 2; 1160, 5.
stockemer; 911, 2.
stocken und steinen; 651, 1.
stocker; 316; 1036, 4 (1037).
stockpfennink; 490, 3.
stockrecht; II, 333.
stoffa s. stuofa.
stol; 1057, 4.
stole; 1093, 2. mit der st. vorderen; 1070, 3,
stoppeln; 403, 1; 564, 1.
stoppen; 425, 7.
strata publica ; 630, e ; II, 240 f.
streichbret; 487, e (488).
strepitus iudicii; 954, 5; 955, 2.
strumentum; 630, 3.
stuck; 339, 1.
stückrecht; II, 228.
stumpf; 651, 2.
stuofa, stoffa; 105, 3.
stupa balnearia; 332, 2.
stura, sture; 607, 1; 1334, 3; 1336, 1; 1391, 7.
sturio; 500, 4.
sualis s. soalis.
subadvocatus ; 872, 2; 1108, 5; 1125, 2;
1126, if.; 1160, 2.
subcustos banni; 316, 1.
subdefensor; 1126, 3.
subiectus locus; 831, 2.
subiugalis terra; 747, 1.
subsidium; 240, 5; 1336, 6.
suburbanum; 715.
suburbium; 1310, 6.
subventio; 670, 1.
succegarve; 427, 1; 1047, 4.
suffulcire; 574.
sulcare; 559, e.
sulcus; 339, 7.
sümenis; 577, 3; 1033, 4 (1034).
summa dictaminis; II, 747.
summarius s. saumarius.
summen; 1474, 2.
summus advocatus; 1122, 7; 1125, 2.
sundelinga; 787, 3.
Sünder; 912.
sunderung, sonderung; 415; 561, 3.
super in Sal. 45: 46.
superius (iudicium); 180, 8.
supermina; 527, 3.
superpellicium; 852, 4; 860.
supervestimentum ; 1172.
suppellex; 545.
supplementum ; 958.
supraportare ; 982, 1.
sutis; 9, 4.
sweie, sweige, schweige; 536.
swigender vogt; 1090, 2; (1091, e); 1093, 2;
1095, 4.
swingen (nüsse); 564, 3.
synodalis; 1273, 1. s. scabinus; 934, 2.
synodus; 240, 5.
tabellio ; 1441, 1.
tabularius; 52, 3.
tacendus advocatus; 1091, 6.
taifilgüt; 415.
tage leisten; 1396.
tagewerk; 393.
tagwan; II, 100.
tallia; 300; 606; 607, 1; 1091, 2; 1106, 3;
1333, 1; 1370, 5; II, 630.
-- 1625 —
Wortregister.]
talliare; lo3o, i.
tangarinm; II, 100.
telonenm s. theloneum.
temerarius; 952, 3.
temeritas; 1113, i.
temonis nummus; 318, 3.
temporalia; 1442; II, 681 f.; 687.
teuere; 1192, 2.
termen; 85.
terminabilis; 858.
terminatio; 47; 117; 120, 1; 249.
terminus; 120, 1; 715.
terrage; 106, 4; 394.
terragium; 104; 391 f.; 395, 2; 419; II, 226 f.
terrale ins; 391, 3.
terratio; 419.
territorium; 284, 2; 377, 3; 382; 417, 1; 419;
717, 4; 1278, 3.
tertia pars; 910, 3, 6; 915, 3; 916, 2.
testeia; 1045.
testris; 582, 7 (583).
theatrum; 279; 309, 1.
theilegiider ; 909, 7.
thelonarius; 316.
theloneum; 1017; 1018, 1 f.; 11,271; 315.
th. minutum; II, 263.
theo; 54, 2.
theoscidia; 32.
thesauras; II, 377.
thonus, togi sive duipsteine; II, 529.
tilia; 309, 1 (310).
tillis; 45; 49, 3.
tina; II, 501.
tirmgenoiß; 954, 8 (955).
toder; 1182 f.
togus s. thonus.
tondere; 1118, 1.
torsio; 792, 2.
tractus; 502, 0.
traha; 555.
transitoriae res; 942, 3.
transitus; 1021, 3.
transmutatio ; 770, 1.
transvasatio ; 583.
trappa; 15, 2.
trauben, vierter ; 11, 228 f.
trecensus; 976, 5.
tremensis; 559, 1; 778, 1.
tremissis; 17, 3.
trespillius; 12, 3.
treuga; 282; 321; 1052, 1.
treusch s. driesch.
Lamprecht, Deutsches Wirtschaftslebei). I.
tribunus; 198, 2.
tributarius; 805; 1214 (1215). t. Romanus ;
52, 2.
tributum; 105; 391, 3; 1017; 1018, 2.
tricenarii dies; 683.
triens; 17, 5.
triester; 582, 7 (583).
trila; 886, i.
trinne; 1001, 2.
tripetia sedes; 1098, 1.
trocta; 536, 4; 787, 3; II, 62; 64.
trompter; 1437, 3.
trotinia; 45. s. trutinare.
truramen; 85.
trustis; 224 f.
trutannus; 1157, 8.
trutinare; 533. s. trotinia.
tuitio; 1023, 2. t. imperialis; 1020, 3. t. et
custodia; 1068, e.
tünechun; 10.
turnen; 1092, 5 (1093).
turris; 1308, c.
Ubeltedig; 1033, 4 (1034).
über- s. over-
ubiramptman; 734.
überbau, uberbauw; 305 Note; 320, 1.
überbauen; 1012, 3.
uberbracht; 1260, 1.
überechen; 1032, 3 (1033).
ubereiren; 308, 1.
uberfaren; 426, e; 1033, 1; 1135, 2.
ubergan, bi der kirtzen; 438, 5; 439, i.
übergibt; 643, 5.
ubergraben ; 1033, 4 (1034).
uberhof s. oberhof.
ubermehen; 308, 1; 1033, 4 (1034).
ubei-pfluchen ; 1033, 4 (1034).
überschneiden; 1033, 4 (1034).
ubircultes; 734.
übersehen; 308, 1.
uberseihen; 1033, 1.
übersetzen; 1033, 1.
ubersticken; 308, 1.
übertreiben; 242, 1.
Überzehnen; 1032, 3 (1033).
uberzunen, ueberzeunen; 308, 1; 1012, 3.
ufdun; 303, 1.
ufheber; 841, 2; II, 647.
ufsatz; 1033, 4 (1034).
ufslan, das gerichte u.; 1054, s.
103
[Register.
— 1626
ufstechen; 615, i.
ulca, ulke s. olca.
ulna; II, 506.
umberen; 556, 6.
umeganc; II, 634.
unbekrudt; 1386, 7.
unbesprochin ; 290, i.
unbilligen; 1389, 2.
undedich; 218.
under- s. unter-
undrechtig; 173; 312, 1.
unentpfenglich ; 994, 5.
unersucht; 333, 4.
ungebe lüde; 193, 1.
ungeboden ding; 186, 1.
ungelende ; 393.
ungelt, ungeltum; 1336, 1; 1457, s; II, 323.
ungenoß; 1183; 1204, 4.
ungenoeschaft ; 1204, 2.
unholz; 490, 1.
unio; 273; 307.
unterbaum; 514, 7.
underbinden; 576, 3.
underdingen; II, 641.
undergerichtsperson ; 1328.
underpant; 956, 1; 957, 2.
imlersaß; 1197, 4 f.; 1261.
Untnrtan; 1197.
unüertenig; 1197, 4 f.
underzugb; 786, 9.
unverbauet; II, 237.
unverboidt; 193.
unversprochen ; II, 632.
unversteint; II, 237.
urbar; 1212, 4.
urceus; 850, 2 (851).
urbolz; 506, 5, e.
Urkundsquart; 654, 5.
urlaup-, 468, 4; 1054, 3.
ursaissin; 583.
ursatio; 583.
usburtig; II, 315.
uisdracht; 1041.
usganc umbe urteile; II, 653.
usgewinnen; 1092, 5.
usmerker; 314, 1.
ussio monete; II, 394.
ustedingen; 764, 11 (765).
usuagium; 293.
usualis et dativus; II, 388.
usuarium; 139, 3; 1207, 2.
usurarius; 1446, 7; 1448, 4.
usvertig ; 1224 f.
uswendig; 1224 f.; 1247.
vaccaria; 534.
vacuus; 547; II, 215.
vad, vaid s. vogt.
vagh s. fach.
vaida; 525, 2.
vallettus; 1362, 5.
variatio monete; II, 393.
vas; II, 500 f.
vasnachthun; 1078 5 (1079).
vaspennege ; 910, 11 (911).
vasta; 421.
vastus; 95; 115, 3.
vecturalis solidus; 961, 2.
vederspil; 499.
vedungelt; 484.
velcente; 108, 1.
veltrarius; 803.
veltris; 11, 1.
venaticus bannus; 495, 1.
venna; 502 f.; II, 140 f.; 180 f. ; 206; 494, 4
(495).
verbaut; 1002, 3.
verbieten; 194.
verbrechen; 312, 1.
verbuit; 799, 6.
verbürget; 1153, 4; 1159, 4.
verdrengen; 258.
verenden; 320.
verfachen; 1291, 2 (1292).
verfaren, vervaren; 1189, 1; 1210, 2; 1212, 4.
verforsteren ; 184; 468, 2.
vergleiten; 1458, e.
vergnügen; 968, 2 (969). s. vernugen.
verhalden; 1070, 3.
verherdelen; 649, 3.
verkallung; 913, 4.
verkurmeden , verkurmiten , verkoermoeden ;
650, 3; 1189, 1; 1210, 2.
verladen; 538, 1.
verlegen; 750, 2.
vermannen; 1265; 1266, 6.
verminen; 538, 4.
vernaculum; 1195, 1; 1216, 1.
vernugen, vernogen; 956, 1 (957); 1210, 1;
1247. s. vergnügen,
verrechten; 1109, 5 (1110).
verreissen; 653, 1.
versehen; 303, 1.
— 1627 —
Wortregister.]
verselin; 630, 6.
versessener zins; 751, a.
versmelen; 959, 4 (960).
versteinen; 649, r,,
veitere; 559, 6.
vertnimpfen ; 1077, 2.
vertrunßen; 426, 6.
vervicaria; 536.
verzinsen; 938, 4 (939).
vessere; 484.
veste; 187; 245.
vestiarium; 829, 1.
vestimenta; 777, e.
via convicinalis, vicinalis, equalis, pastoralis,
publica; II, 26; 241.
vicaria; 225.
vicarius; 249, 1; 725.
vicedominus; 733, 2: 824; 1379, 2; 1435, e
(1436).
vicinus; 43 f.; 204; 295, 2; 296, 4; H, 660.
victima; 920, 1.
viculus; 135, 2.
vicus publicus; 239.
videredus; 227, 2.
vienagium; 1448, 3.
vierzennachten ; 816, 1.
vigaria s. vicaria.
Villa; 7; 154, 1; 239; 721; 739. magister v.;
1358.
Villanus; 190; 872, 2; 1368, 5.
villaris; 353, 2.
villicatio; 930, 3; II, 170; 180.
villicus; II, 209. v. regalis, regis; 732, 5.
viltban s. wiltban.
vindemiarius; 910, 11 (911).
vindemiator; 905 f.; 910, 11 (911).
vinicola; 908, 3; 916, 2.
vinicopiimi ; 768, s; 964, 4.
vininuntius; 905 f.; 910, 11; 911, 2.
virga; 344. v. magna; 346 (344, 3). v. re-
galis; 353, 1.
virst; 229, 2; 1288, 5.
virtdeil; 346, 1.
visitalis denarius; 777, s (778).
visitare; 777, s (778).
visitatio; 778, 2; 920, 1.
vitalitia locatio; II, 776.
vivarium; 504.
vloze; II, 297.
vlure; 335, 2; 690, 5.
vocatio trina; 1267, 2.
voderbede; 1082, 2 (1083).
vodie; 375.
vogelhunt; 499.
voglen; 1004, 2.
vogt, voit, fad, faid; 1405. v. und leinherre;
1078, 2. swigender; v. 1090, 2; (1091, e);
1093, 2; 1095, 4.
vogitdinc, voiddinc, vaeddink; 1085, 1; 1097,3;
1098, 1.
voiddinist; 1098, 1.
vaitgut; 1104, 1.
vaithellinch; 1098, 3 (1099).
vaidman; 1117, 2.
vogtmeier; 774, 4; 1095, ?.
voitrecht; 765, 1 (766); 1074, 2; 1081, 3;
1082, 1; 1109, 2.
voiderichter; 1094, 1.
volleist, vollest, voUost; 680; 765, 1 (766);
1335, 3; 1455, 5.
vurburge; 1310, 3.
vürdag; 309, 1.
vurdinger; 1090, 2.
vore; 260.
vor-, hinterfällig; 626, 4.
vorgenger; 312, 1.
vorgenoß; 1417 1.
vorhure, vürhure; 923; 924, 3 (925); 926, 1, 3;
927; 941, 4; 954 f.; 1187 f.; II, 218.
vorlesen; 997, 3.
vormunner; 456.
vorrät; 595.
vorschnit, vursnit; 427, 3.
vurschrift; 1441, 6.
vorslach; 962, 7.
vorst s. forst.
vorweser; 321.
vorwetten; 1202, 4.
votivus; 992, 4 (993).
vroinde; 750; 1101, 1; II, 62.
vronegedinge ; 1094, 2.
vronehof; 686.
vronen; 750; 911, 3.
vronevuder; II, 62; 501.
vur- s. vor-
Wachta, wacta; 780, 2; 782, 3; 1011, 2 (1012);
1040, 5 (1041).
wachthaus; 1290, 7 (1291).
waichtkom; 782, 3.
wactare; 782, 3.
wagenleider; 290, 1.
103*
[Register.
1628
waghstath; 503. 6.
wahr setzen; 328.
iiuala; 52.
Avaldus; 268; 511, 2 (512).
waldförster ; 481, 5; 506, 5.
■\valtgenossen ; 280, 3.
waltmarca; 97, 7; 354; II, 100.
waldpodie; 207, 3.
walpodo; 215, 3.
Avaltrecht; 465, 4.
wambaisiim ; 1293, 2.
wan; 503, 6.
wandel; 175; 1106, 3.
wandelman; 1184, 3 (1185).
wantus; 295, 2.
wapfmal; 341, 2.
waragia; 1427, 2.
warandia; 290, 1; 637, 1; 1081, 3 f.
waranio; 12, 2.
warbis, wiirbis; 17, 1.
warde; 1011, 2 (1012).
warenna; 471.
warf; 1117, 1.
wargus; 57, 1.
waringa, warringia; 837.
warta; 499, 9.
warten, des erbs w.; 635.
waspennege s. vaspennege.
w^assergank; 1107, 1.
wassergelt; 585, 2.
wässern s. wessern.
watsackh; 1025, 5.
waitscharinrecht; 923, 4.
wege, nachparliche; II, 236; 238.
wegevertig; 1104, 1.
wegreisen; 1294, 2.
weidganc; II, 634.
weidnachen; 502, 4; 777, 3.
weidochse; 538, 2.
weinkauf, nasser - druckener w.; 516, 1.
wenden und kehren; 260; 286.
wer; 503.
werendare; 244; 627, e.
wergeldum, weregelt, weregildum; 1111,
wergras; 427, 1; 526, 0.
werhaft; 290, 1; 869, 2.
werlude; 148, 2.
wercman; 962, 7 (963).
Werkmeister; 966, 4; 1351, 4.
wermeister; 480, 2; 516, 1.
werpire; 995, 1.
werplatz; 503, ?.
werschaft; 1081, 3.
werstat; 503, 3.
werunge; II, 363 f.
weßel, weßelbanc, weßeler; II, 268.
wessern; 174, e; 529, 2.
wetlich; 1202, 4.
wichter; II, 269.
wideglage; 508, 0; 523, 2; II, 62.
widemhof; II, 223.
wiech; 487, 3.
wiederbieden ; 173, 7.
wiedertreibung; 635, 3.
wierhus; 754, 1.
wiesbaum; 425, 7.
wildacht; 424; 425, 3.
wiltban; 112, e; 470, 3, 4; 471, 1, 2; 475;
478, 4; 479, 6; 480, 1; 1018, 2 (1019). s.
bannus venaticus.
wilde; 105, 4.
wiltfang; 472; 474; 1224 f.
wiltfurster; 471, 3.
wildforsterambacht ; 1406, 2.
wilthane; 113, 1; 475, 5.
wilthuve; 1026, 3.
wiltkom; 547, 4; 558, 7.
wiltschutze; 1437, 3.
wilz; 533, 6.
wimmelbode, s.:
Windelbote; 199; 613; 772; 905.
windelstein; 1309, 4.
winden; 127, 1.
windschlag; 465.
wingartlenguet; 913, 4.
wingert; 403.
wingertsförster ; 582.
winkauf, nasser; 964, 4.
winnen; 136.
winnung; 461.
wint[hunt]; 499; 543, 4.
wintfal; 481, 5; 507, 10.
wirdira; 18, 2.
wischen; 751, 3 (752).
wislich. w. ding; 765, 1. w. vait; 1115, 1.
w. zins; 765, 1. s. gewislicher vait.
wissigh; 765, 1. w. böte; II, 658.
wißkorn; 549, 4.
wisunge; 649, 3; 778, 2; 962, 7 (963); 981, 3
(982).
wisungsemer; 778, 2; 911, 2.
wiz; II, 391.
wizschienaht; 204.
wizzet; 292, 1.
— 1629 —
Wortregister.]
Avoleshif; II, 297.
wolf; 503, 2.
wolgeboren; 1266, 2.
wolleukeufer ; II, 497.
wi'onide, wronen s. vroincle, vrouen.
WTugen; 1115, 1.
wustgelt; 130.
wuocherrind ; 427, 2.
wiu'bis s. warbis.
wusch ausstechen; 803, 1; 1004, 2.
Xeniiun; 778, 2.
xenodocium ; II, 251.
ydria; 1120, 1.
ypotheca s. hypotheca.
zeden; 435; 784, 1.
zehenge, zehne; 420, 2.
zelga; 371 f.
zelgoit s. seigut.
zeltenpert; 638, 1.
zeiter; 533.
zendehobe; 754, 1.
zenner; 199, 1; 614.
zennerei; 314, 3.
zent; 207, 3.
zerbel; 964, 4.
zielvieh; 541, 3; 542.
zingel, zinkel; 1079, 1; 1105, 2.
zins. ewiger z. ; 954, s (955). frier z. ; 954, s
(955). wisliker z.; 765, 1.
zinsman; 1223 f.
zise, ziße; 1107, 5; II, 271.
zuck, frier z. ; 1205, 4; 1210, 1. rechter z.;
1211, 2.
zunen; 1272, 2.
zunftrecht; 286, 2.
zweideil; 346, 1.
zwic; 1080, 2.
zwicken; 573.
Zusätze und Berichtig'ungen.
Abgeschlossen den 10. August 1886.
NB. Die in diesen Untersuchungen noch nach der handschriftlichen Vorlage zitierten
Quellen der Andemacher Stadtrolle 12. — 13. .Jhs. sowie der gegenseitigen Beschwerde-
punkte des Erzbischofs Balduin von Trier und der Stadt Trier vom J. 1351 sind
mittlerweile gedruckt worden; vgl. IL Hoeniger, Der Rotulus der Stadt Andernach,
1173—1256, in den Annalen d. bist. Ver. f. d. Niederrh. 42, 1—60 (oben S. 1561);
und Schoop, Verfassungsgesch. der Stadt Trier, im ersten Ergänzungshefte der Westd.
Zs., S. 152—162.
Erster Band.
S. 3 Note 1. Meine einschlägigen Forschungen haben neuerdings in Belgien Fort-
setzung gefunden durch L. Vanderkindere, Les origines de la population flamande, la question
des Sueves et des Saxons (Bulletins de l'acad. royale de Belgique, 3me serie, Bd. 10, No. 9—10,
1885, und in Antwort auf eine Entgegnung von Wauters a. a. 0. Bd. 11, No. 3, 1886). An
erster Stelle ist auch eine Carte toponymique de la Belgique et des regions voisines gegeben,
welche sich an meine Rheinische Karte in Bd. 4 der Zs. des Aachener Geschv. anschliefst:
so dafs nunmehr eine Gesamtübersicht über Nordwestdeutschland in dieser Hinsicht er-
reicht ist.
S. 13 Note 3. Eine detaillierte Erklärung des Titels Sal. 74 Extrav. giebt neuerdings
E. Hermann, Die Ständegliederung bei den alten Sachsen und Angelsachsen (Gierkes Unter-
suchungen Heft 17) S. 104 f.
S. 36 Z. 10 v. 0. 1. Munischatzes st. Mundschatzes.
S. 42 Z. 5 V. u. 1. Wald fürs erste abgeschlossen st. Wald abgeschlossen.
S. 46 Z. 3 V. 0. Neuere Erklärungen des Titels 45 der Sab s. bei Hermann, Stände-
gliederung bei den alten Sachsen S. 107 f.; Fustel de Coulanges, Etüde sur le titre *de
migrantibus« de la loi salique, Paris 1886, 36 S., 8^, Extr. de la Revue generale du droit;
W. Sickel in Göttinger Gel. Anz. 1886, No. 10, S. 434 ff.
S. 72 Z. 6 u. 7 1. Zweifel darüber sein st Zweifel sein.
S. 75 Z. 23 V. 0. 1. diejenigen st. diejenige.
S. 84 Z. 5 V. 0. 1. Wörtherrlicher st. grundherrlicher.
S. 85 Z. 1 V. 0. Mittlerweile ist bekanntlich das Rheinische Konsolidationsgesetz vom
24. Mai 1885 erlassen worden.
[Zusätze u. Berichtigungen. — 1632 —
S. 98 Z. 18 V. 0. 1. 4 St. 10.
S. 104 Z. 2 V. 0. 1. Eigenhimsrechte st. Rechte.
S. 113 Z. 20. Zur Einführung von Medem als Hauptzins noch im 16. und 17. Jh. in
Lothringen vgl. jetzt Guyot, Les villes neuves en Lorraine, im 11. Bd. der Memoires de la
societe d'archeologie lorraine.
S. 114 Z. 16 V. 0. 1. vier st. zehn.
S. 116 Z. 19 V. 0. 1. ecclesiae st. ecclesia.
S. 120 Note 2 Z. 1 1. Hier/iin st. Hierin.
S. 126 Note Z. 2 v. u. 1. Vom frz. Wort kommt das mit. st. Das fr^z. Wort kommt
vom mit.
S. 145 Z. 2 ist das Wort Weise zu tilgen; Z. 10 1. den st. die.
S. 160 Z. 6. Über spätere grund- bzw. landesherrliche Kolonisation in Lothringen
(16. Jh. und namentlich 17. Jh. 1. H.) vgl. neuerdings Guyot, Les villes neuves en Lorraine
(11. Bd. der Memoires de la soc. d'archeologie lorraine), und darüber Lamprecht in Conrads
Jahrbb. f. Nationalökonomie und Statistik N. F. Bd. 11, 389.
S. 163 Z. 20 V. 0. 1. 1257 st. 1287.
S. 180 Note 2. Zum Ausdruck ,Reich' (Kröver Reich) vgl. neuerdings auch Loersch,
Der Ingelheimer Oberhof (Bonn, 1885) S. LIV Note 2; sowie Haltaus Gl. 1537.
S. 187 Z. 13 V. u. Zum Ausdruck veste s. WAltwied 1403: homines, quorum intererat
ad iudiciimi huiusmodi seu landfesten conveniendi seu summas [1. sententias] vulgariter dictas
landreicht proferendi.
S. 190 Z. 5 V. 0. 1. Ä:öii*^lichen st. kaiserlichen.
S. 194 Z. 2 V. 0. 1. bisher mit vor st. bisher vor.
S. 202 Z. 21. Vgl. den Ertrag einer Grafschaft nach Adam von Bremen 3, 45 (Waitz,
Vfg. 7, 32): pensionem Ib. dicunt esse mille argenti. Es sind vermutlich 201 600 Gr. Silber. —
Z. 24 1. 66960 st. 6138 Gr.
S. 204 Z. 16 V. 0. 1. iuriditione st. iurisdictione.
S. 207 Z. 6. Zur prekären Bedeutung gerade dieser Maximiner Urkunden vgl. neuer-
dings Brefslau in der Westd. Zs. Bd. 5 S. 50 ff. So sicher indes wie diese — und eine
Reihe anderer Maximiner, von uns auch späterhin vielfach angezogener Urkunden — im
Beginn des 12. Jhs. gefälscht sind, so bedeutenden Einblick gewähren sie trotzdem in die
Verfassungsentwicklung dieser und der vorangehenden Zeit, wenn sie mit freilich sehr
wohl angebrachter Vorsicht benutzt werden. — Zu Z. 17 vgl. auch MR. ÜB. 1, 310, 1038,
wo für die Matheiser Hofgenossenschaft durch Erzbischof Poppo bestimmt wird, nullum . .
centurionem absque . . abbatis fratrumve consensu ac legali familiae electione preficiendum
esse. S. dazu oben S. 1007 Note 1.
S. 216 Z. 10 V. 0. 1. vorkommt st. vorkommen.
S. 221 Z. 1 V. u. 1. den Schöffen st. dön Scheffen.
S. 223 Z. 1 V. u. ist hinzuzufügen: Vgl. oben S. 13 Note 3.
S. 225 Z. 20 f. Ueber Centena und Vikaria und die Stellung von Centener und Vikar
s. neuerdings namentlich Beauchet, Histoire de 1' Organisation judiciaire en France 22,
194 f., 215, und dazu wie zur neueren Litteratur über fränkische Verfassungsgeschichte über-
haupt W. Sickel, Gott. Gel. Anz. 1886, 555—571.
S. 237 Z. 8 V. 0. 1. thun st. thum.
S. 246 Z. 20 V. 0. 1. iw st. in.
S. 2.54 Z. 1 f. Ein gleiches Resultat hat neuerdings Schricker in seiner Studie über
älteste Grenzen und Gaue im Elsafs (Strafsburger Studien Bd. 2, 305—402) erhalten; vgl.
dazu Lamprecht in Conrads Jahrbüchern für Nationalökonomie imd Statistik N. F. Bd. 11,
338 f.
S. 261 Note 3 Z. 3 1. vgl. hei Waitz st. vgl. Waitz.
S. 272 Z. 7 V. u. im Text 1. Gondorf st. Gindorf.
— 1(533 — Zusätze u. ßerichtigungen.]
ö. 291 Z. 6. V. Abee, Beitr. z. Gescb. des Abts Markward I. von Fulda (Vierseuer
Progr. 1885 S. 6) führt aus, dafs bei Fulder Schenkungen des c. 8. — 10. Jhs. von nur 3, 10,
15 oder 20 Morgen nie der Pertinenz von Markrechten gedacht ist; in den Fulder Gegenden
wurden also die Markrechte in dieser Zeit wohl als ausschliefsliche Pertinenz der Hufe
gedacht.
S. 297 Note 1 Z. 9 v. u. 1. curiario st. curiario.
S. 298 Z. 23 V. 0. 1. domus dotis st. domnus dotis.
S. 315 Z. 5. Zu vergleichen ist Bonvalot, Loi de Beaumont S. 302 : en certains lieux,
on tient tellement au concours (des hommes d'honneur, de talent et d'experience), qu'on a
toujours soin de faire entrer dans la composition de la nouvelle justice quelques membres
de l'ancienne, ahn d'y perpetuer les traditions et la science des affaires.
S. 319 Note 2 Z. 4 ist nach ,zu fehlen' zu ergänzen: S. oben S. 297 Note 1 erstes Citat.
S. 324 Z. 12 V. u. 1. 2, 1743. st. 1, 1743.
S. 325 Z. 16 V. u. 1. MR. Beg. st. MR. ÜB.
S. 342 Note 2. Vgl. auch noch Thiofr. V. Willibrord. 33: funem perpendicularem
iussit extendi super fundum, wohl als Zeichen der Besitzergreifung.
S. 349 Z. 5. Hier ist gerade die älteste Nachricht über Königshufen in unserem Ge-
biete übersehen worden; sie steht bei Dronke, Cod. dipl. Fuld. No. 529, c. 840: donamus
autem et in oppido Cobelenze nuncupato . . sex regales mansos cum vinea ad sex carr.
vini, cum omnibus, que ad hec pertinent, et cum 66 mancipiis utriusque sexus. Durch diese
Stelle wird die S. 350 Z. 15 v. u. geäufserte Ansicht, dafs die Königshufe seit spätestens
dem 10. Jh. entstanden sei, bestätigt; hier haben wir eine Nachricht des 9. Jhs., und aus
dem 10. Jh. lassen sich vielleicht auch noch MR. ÜB. 1, 170, 929, und 273, 996 anführen,
s. dazu oben Seite 1190 Note 8. Zuerst kommen übrigens in der Gesetzgebung m. W.
Königshufen vor im Cap. Aquisgr. 801—813 c. 19, Boretius S. 172: (villici regales faciant)
in forestis mansum regale, et ibi vivaria ponant, et homines ibi maneant. Eine Analogie
Äur späteren Abschwächung des Ausdrucks mansus regius (S. 350 Z. 11) bietet übrigens
die Geschichte des Wortes fiscalinus, vgl. Waitz, Vfg. 5, 207 f.
S. 351 Z. 11 v. u. 1. wären st. wäre.
S. 359 Z. 7 V. 0. ist das Notenzeichen 1 zu tilgen.
S. 375 Note 2. Vgl. auch noch *Bald. Kesselst. S. 236, 1331, cit S. 275 Note 3.
S. 388 Z. 21 V. 0. 1. MittelaZters st. Mittelaters.
S. 397 Note 2 1. CBM. st. ÜB.
S. 409 Z. 8 V. 0. 1. er st. es.
S. 417 Note 2 Z. 1 1. Marzenrode st. Mardenrode.
S. 423 Z. 5 V. 0. 1. (Gewannen st. gewannen.
S. 432 Z. 6 V. u. 1. Demgegenüber ist auf ein *Schriftstück st. Demgegenüber ist in-
des *Schriftstück.
S. 442 f. Eine kurze Übersicht meiner Anschauungen über Entstehung und Wesen
der Gehöferschaft habe ich neuerdings gelegentlich eines Referates über Hanssens Agrarhist.
Abhandlungen Bd. 2 in Conrads Jahrbb. f. Nationalök. u. Statistik N. F. Bd. HS. 341 ff.
gegeben.
S. 444 Z. 3 V. u. im Text 1. Denkschrift st. Druckschrift.
S. 448 Z. 7 V. 0. 1. zinshern st. zinschern; Note 7: s. auch oben S. 375, besonders
Note 4.
S. 451 Z. 9 f. Vgl. noch die sehr charakteristische Nachiicht in MR. ÜB. 3, 737,
1242—43, betreffend Zehntpflicht zu Wiltingen : de terra autem salica abbatis et conventus de
Mediolacu, quam ibidem habent, abbas idem et conventus de Mediolacu ante omnia deducent
portionem fructuum , que ipsis debetur de terris ipsis, nullam decimam inde solventes, de
residua vero portione, que remanet apud colonos, iidem coloni solvent decimam ecclesie in
Wiltingen, in qua infäntes eorum baptizantur et in qua per circulum anni audiunt missas et
alia recipiunt ecclesiastica sacramenta.
[Zusätze u. Berichtigungen. — 1634 —
S. 456 Z. 6 V. u. im Text 1. rotbusche st. ortbusche.
S. 471 Z. 21 f. Die hier angeführten Stellen Luxemb. Karte von 1244 § 19 (vgL
S. 485 Note 4) und WGalgenscheid 1460, G. 2, 455, gehen nicht auf ursprüngliche Wild-
bänne, sondern giiind- bzw. vogtherrliche Bannwaldverhältnisse.
S. 483 Z. 2. V. u. im Text 1. silva st. silv.
S. 491 Note 1 Z. 1 1. 1295 st. 1298.
S. 493 Note 4 Z. 3 1. 7fg. st. Lfg.
S. 525 Note 5 Z. 5 1. antematutinalibus st. autematutinalibus.
S. 560 Note 3 Z. 2 1. Montjoie st. Montoie.
S. 570 Z. 13 V. 0. Zur Frage nach dem Heunischwein s. neuerdings auch die teilweis
Neues bringenden Bemerkungen in Webers Bamberger Weinbuch (66. Bericht über Bestand
und Wirken des bist. Ver. zu Bamberg, 1884) S. 20 f.
S. 576 Note 1 Z. 1 1. Fronde st. Fonde.
S. 578 Note 6 Z. 5 1. 4 stuck, e 4 amen st. 4 steck, u. 4 amen.
S. 584 Note 7 Z. 4. 1. Abschnitt VII Teil 1 st. Abschnitt VI.
S. 585 Z. 22. Windmühlen kommen in der Champagne und im Barrois seit Anfang
13. Jhs. vor; Bonvalot S. 425; Crepin, Notice sur Blecourt; vgl. auch Grasoreille, Moulins
au XVe siecle, Ile\aie bourbonnaise 1884, Mz. 15.
S. 596 letzte Zeile des Textes schiebe nach Erneuerungen ein: Erzbischofs Otto
(1418—1430). Vgl. dazu oben S. 1355 Note 2.
S. 597 Note 1 Z. 2 1. Abschnitt VIII Teil 2 st. Abschnitt X Teil 1.
S. 616 Z. 19. Die Datierung ist um etwa eine Generation früher zu setzen.
S. 642 Note 1 Z. 3 1. *Andernach. Schreinsr. No. 63, G. 756, um 1250 st. *Andemach,
Schreinsr. No. 63, G. 756. um 1250.
S. 693 Z. 1 V. u. im Text 1. nur, einmal im st. nur einmal, im.
S. 696 Note 5 Z. 2 1. Schönberg 9a st. Schönberg 19a.
S. 703 Note 3. Zu den Maximiner Urkunden, welche über die Einziehung eines
grofsen Teils der Klostergüter im J. 1023 berichten, s. neuerdings H. Brefslau in der Westd.
Zs. 5, 45 ff.
S. 708 Note 1 Z. 6 1. Mamer st. Mamern.
S. 710 Note 2 Z. 4 1. defuncto st. defuncta.
S. 728 Note 1 1. Teil 3 st. Teil 2.
S. 735 Z. 1 V. u. 1. vfomgewalt st. viemgewalt.
S. 772 Note 3 erg. nach Abschnittes VII: S. 1053.
S. 778 Note 2 Z. 8 1. gebatite st. gebaute.
S. 808 Z. 6 V. 0. 1. grö/serer st. grösferer.
S. 813 Note 2. Die Erklärung ist auf S. 1053 gegeben.
S. 821 Note 2. Zu dem Modus propinandi vgl. neuerdings Goerz, MR. Reg. 4 No.
3119. Nach Goerz, welchem übrigens die Edition des Modus unbekannt geblieben, fiele die
Aufzeichnung schon ins 13. Jh.
S. 823 Note 3 Z. 2 1. VIII Teil 3 st. VIII Teil 2.
S. 877 Note 3 Z. 4 v. u. 1. Ä'ose st. kose.
S. 898 Note 1 Z. 4 1. dimidiam st. dimitiam.
S. 922 Z. 10 f. Vgl. S. 1192, speziell Note 3.
S. 944 Note 3 Z. 3 1. Vi st. V5.
S. 959 Note 1 Z. 5 1. 126, 1192 st. 1126, 192.
S. 962 Z. 6. Vgl. MR. ÜB. 2, 98, 1189, cit. S. 980 Note 3.
S. 969 Note 2 Z. 2 L Fingisguet st. vingisguet.
S. 975 Note 1 letzte Zeile 1. Konfusionen st. Konfussionen.
S. 1011 Note 1. Vgl. auch S. 801 Note 3.
S. 1015 Note 2. Zur Immunitätsgerichtsbarkeit in fränkischer Zeit s. neuerdings
Beauchet 421 ff. auch S. 78 ff., und W. Sickel, Gott. Gel. Anz. 1886, 564 ff.
— 1635 — Zusätze u. Berichtigungen.]
S. 1017 Z. 12. Zum Tributum s. auch noch Heusler, Vfg. von Basel S. 13, 45; und
F. V. Wyfs in Zs. f. Schweiz. Recht 17, 7.
S. 1030 Z. 17 V. 0. 1. war€w st. ward.
S. 1037 Z. 13 flf. Vgl. Bd. 2, 652 ff., dessen Noten am ersten Ort nicht zu Rate
gezogen sind.
S. 1040 Note 4. Die a. a. 0. für den Beginn des 12. Jhs. vermutete Entstehung der
grofsen Maximiner Privilegien ist für diesen Zeitraum mittlerweile als völlig sicher nach-
gewiesen von Brefslau, Über die älteren Königs- und Papsturkunden für das Kloster
SMaximin bei Trier, Westd. Zs. Bd. 5, 20 ff.
S. 1053 Z. 14 f. S. auch oben S. 813 Z. 1 f.
S. 1095 Note 3 Z. 1 1. Irrel st. Irrl.
S. 1150 Z. 21 V. 0. 1. der st. des.
S. 1165 Note 8. Vgl. auch oben S. 278—279.
n. 1214 letzte Zeile 1. quotqwot st. quotqot.
S. 1223 Note 2 Z. 9 1. Note 8 st. Note 6.
S. 1245 Note 12 müfste Tcursiv gesetzt sein.
S. 1272 Note 3 Z. 2 1. hunrie, um Grimbiu-g st. hunrie um, Grimburg.
S. 1431 Note 5. über die Kanzleibeamten (cancellarii oder notarii) der geistlichen
Institute des früheren Mittelalters spricht neuerdings Brefslau, Forschgn. z. D. Gesch.
Bd. 26 (1886), S. 30 ff. Nachrichten besonders über das älteste Trierer Kanzleiwesen, welche
über unsere Ausführungen hinausgehen, stehen a. a. 0. S. 37 Note 6.
S. 1435 Z. 1 in den Noten 1. facult st. fakult.
S. 1461 Z. 3 in den Noten 1. mandatario st. mandataro.
S. 1475 Note 5 1. S. 1417 Note 4 st. S. 1412 Note 7.
S. 1558 Z. 3 v. u. 1. Ann. U st. Ann. 74.
S. 1574 Z. 8 v. 0. 1. Darlehen st. Darlehe.
S. 1602 Z. 2 v. u. 1. bestoppen st. bestappen.
Zweiter Band.
S. 3 ff. Vgl. neuerdings den Abschnitt über Rechtsplastik bei Heusler, Institutionen
Bd. 1 S. 65 ff; auch Jastrow, Volkszahl deutscher Städte, Berlin 1886; und von Inama-
Sternegg, Die Quellen der historischen Bevölkerungsstatistik, Oesterr. stat. Zs. 1886 Heft 7,
S. 4 Z. 5 V. 0. 1. noch aus der der Flurverfassung st. noch der Flurverfassung.
S. 5 Z. 7 V. 0. 1. J.wsgestaltung st. Umgestaltung.
S. 6 Z. 6 f. Vgl. die Bd. 1, S. 162 Note 3 gegebene Übersicht der im St. A. Koblenz
beruhenden Akten zur Bevölkerungsstatistik der Mosellande.
S. 7 Z. 3. Vgl. hierzu den französischen vol d'un chapon; de Lauriere, Gloss. s. h. v. ;
Grimm RA.», 105; v. Maurer, Einl. S. 204.
S. 11 Z. 7. Von germanistischer Seite werde ich darauf aufmerksam gemacht, dafs
gerade Wolfram von Eschenbach sich am wenigsten unverbrüchlich an seine Quellen ge-
halten zu haben scheint.
S. 11 Note 5. Man vgl. auch die bei Waitz, Vfg. 8, 138 f., über die Gröfse des deutschen
Reichsheeres im 10. — 12. Jh. zusammengestellten Ziffern.
S. 32 unter 7hc ist die Ziffer 172 zu tilgen.
S. 57 Note 2 1. in dem ersten Teil der zweiten Abteilung st. in der Einleitung zur
zweiten Abteilung.
S. 62 Z. 3 V. 0. 1. ecclesia st. eeclesia; Note 3 bezieht sich auf die letzte Textzeile
V. u., wogegen auf S. 63 Z. 1 das Notenzeichen zu streichen ist.
S. 80 Z. 8 V. u. 1. aber ist auch st. aber ist aber auch.
[Zusätze u. Bericlitigungen. — 1636 —
S. 106 Z. 17. Ziuii Zusammenhang zwischen Urbar und Traditionsbuch vgl. neuer-
dings Redlich, Über bairische Traditionsbücher und Traditionen, Mitteilgn. d. österr. Instituts
Bd. 5 (1884) S. 59 f.
S. 108 Note 1. Die Nebeneinanderstellung steht auf S. 158.
S. 169 Z. 12 V. 0. Die Handschrift ist neuerdings beschrieben von Bär, Forschungen
ziu' D. Gesch. 24, 234 f. Ebda, auch wichtige quellenkritische Auseinandersetzungen über
den Inhalt der Handschrift.
S. 212 Z. 13 V. u. 1. *Scheckmans st. Scheckmanns.
S. 216 Z. 21 V. 0. 1. Preterea st. Pretera.
S. 237 Note 5. Vgl. WOuren 1567 § 3 ff. , wo Genaueres über den Zusammenhang
zwischen den 4 Strafsen und rechtssymbolischen Vorstellungen. S. auch v. Maurer, Einl.
S. 36, 38 f., sowie allgemeiner S. 89 f.
S. 251 Z. 14 v. 0. 1. den Reisen st. der Reisen; Note 1 Z. 1 v. u. 1. betwothhaber st.
betothhaber.
S. 266 Z. 7 v. 0. 1. Der st. Den.
S. 274 Note 1. Hierher gehört auch noch die Verordnung Friedrichs III. von Ro-
mischer keiserlicher machtvolkomenheit über die Art der Verzollung in Boppard, über welche
zwischen dem Erzbischof von Trier und dem Bopparder Rat Meinungsverschiedenheit bestand,
CRM. 4, 423, 1471.
S. 277 Z. 16 V. 0. 1. sie st. sie.
S. 285 Note 4. Die Auffassung, dafs der Zollempfänger unter dem Burggrafen stand,
bleibt doch sehr zweifelhaft, s. Bd. 1 S. 1401.
S. 290 Z. 9 V. 0. 1. contigerit ad st. contigerit, ad.
S. 306 Z. 13. Vgl. die Korrektur der geäufserten Ansicht in Bd. 1 S. 599, speziell
Note 2.
S. 330 Note 3 1. Zinns st. Zins; Note 4 1. in Z. 2: Kohlen gefunden (Steinkohlen),
s. Chi'onik der elem. Ereign. z. d. J. 1213 in Bd. 1 S. 1549.
S. 343 Z. 10 V. u. 1. animadv. st. adnimadv.
S. 345 Z. 18 ff. Zu dem folgenden konnte die Acta imp. inedita 2, 780—781 gedr.
Abrechnung über den Zollertrag zu Bacharach zwischen 1316 April 15 bis 1317 Mai 17 leider
noch nicht benutzt werden.
S. 366 Note 1 Z. 3 1. 1869—70 st. 1869—60.
S. 370 Z. 5 f. Die Münz- und Marktrechtsverleihung Ottos III. für Wasserbillig
(SMaximin) ist von Brefslau, Westd. Zs. Bd. 5, 58 ff., endgültig als formell bedenklich nach-
gewiesen w^orden. Materiell ist aber gegen die Urkunde nichts einzuwenden. Im übrigen
will Brefslau das Diplom z. J. 1000 einreihen.
S. 417 Z. 24 V. 0. 1. Handelsmünze st. Handelmünze.
S. 424 Note 2 Z. 5 v. u. schiebe nach ,Morgensprache etwa' ein: teilweis (vgl. S. 457
Note 2).
S. 428 ist sub 12 (1277) statt contra vemmtlich communiter zu lesen.
S. 434 Z. 23 f. Hier ist auf die aufserordentlich gründlichen, von mir leider über-
sehenen Arbeiten von Natalis de Wailly, Recherches sur le Systeme monetaire de saint Louis
und Memoire sur les variations de la livre tournois depuis le regne de saint Louis jusqu'ä
l'etablissement de la monnaie decimale, in den Memoires de ITnstitut, Acad. des inser. et helles
lettres Bd. 21, 2, 114 f., zu verweisen.
S. 475 Z. 21 V. 0. 1. setzen st. sehen.
S. 483 Note 4 ist zu streichen.
S. 500 Note 2 Z. 2 1. capientia st. sapientia.
S. 518 Z. 11 V. u. ff. S. neuerdings auch noch Terwelp, Die Ringmauern, Wehrtürme
und Thore von Andernach (Bonner JBB. 76, unter den Miscellen), eine Geschichte derselben
mit Rechnungsbelegen.
— 1637 — Zusätze u. Berichtigungen.]
S. 531 Z. 17 Y. 0. 1. Küchengeld st. Kiirchengeld.
S. 547 Z. 1 V. u. 1. 347, 3o st. 347, 8o.
S. 550 sub 1140 Z. 6 1. monetc? st. monete.
S. 556 sub 1330 Z. 6 1. Munsters st. Münsters.
S. 558 sub 1197 Z. 1 1. speliae st. spelae.
S. 576 Z. 3 V. 0. 1. 1488 st. 1448.
S. 580 sub Vor 1281 Z. 2 1. hospit/mli st. hospitali.
S. 598 Z. 5 V. u. 1. et st. ret.
S. 611 Z. 23 V. 0. 1. Kaufkraft der betreffenden Waren st. Kaufkraft des Geldes.
S. 614 Note 1 Z. 2 1. 1537 st. 1937; 7974 Gr. st. 2974 Gr.
S. 633 Z. 1 V. u. 1. gewiesen st. gewichen.
S. 638 Note 2 Z. 5 1. WAnM;en st. WAniven ; Note 3 Z. 3 Gottesurteil st. Gottesurtei.
S. 646 Note 3 Z. 6 1. heutes tages . . . und st. heutes tages und.
S. 657 Z. 17 V. 0. 1. Grundherrschaft mir unter st. Grundherrschaft unter. Ebda.
Note 1: zur späteren Entwicklung vgl. Thudichum, Gau- u. Markvf. S. 296 f. Man ging
bis zur Aufhebung der Weisung; so beseitigte z. B. die Abtei SMaximin 1764 die Mark-
dinge ihi'er Untergebenen, Wigands Denkwürdigkeiten S. 180.
S. 658 Z. 17 V. 0. 1. Weistt^i^fspflicht st. Weistiunspflicht.
S. 673 Z. 3 V. u. im Text 1. 14 ?md 720 st. 14 7nd 720.
S. 680 Note 1. S. auch J. J. Moser, Trierisches Staatsrecht S. 281 ff.
S. 689 Z. 21 V. u. 1. 1488—1534 st. 1448—1534.
S. 691 Z. 5 V. 0. 1. zwei Bänden Nachträgen, welche aus einzelnen gesammelten
Kopieen bestehen, die Urkunden des Kapitels bis z. J. 1784 herab. — Z. 22 v. o. 1. Ort-
schaften in der Kellnerei st. Ortschaftender in der Kellnerei.
S. 693 Z. 21 f. Die Hs. über die Ordnung der domkapitularischen Dienerschaft ist
auch bei J. J. Moser, Trierisches Staatsrecht S. 288 No. XXII erwähnt, und wohl richtiger
als dem 13. Jh. (genauer 1258) angehörig bezeichnet; als Besitzer um diese Zeit wird Hont-
heim angegeben. — Z. 5 v. u. im Texte 1. 1084^ st. 1086.
S. 696 Z. 8 V. 0. 1. welche« st. welchem.
S. 699 Z. 15. Ein Pfalzeler Kopiar 14. — 15. Jhs , welches sich im Besitze des ver-
storbenen Dompropsts Holtzer in Trier befand, ist am 10. Juni 1885 in Lempertz' Antiquariat
zu Bonn zur Versteigerung gelangt.
S. 742 Z. 25 V. 0. 1. Kopieen st. Koipeen.
S. 747 Z. 13 V. 0. 1. wenig sicher gegliedert. Nach Briefen auf Bl. 1 — 6 beginnt
Bl. 7 a eine Summa.
S. 763 Z. 12 V. 0. 1. Flachi st. Flachs.
S. 769 Note 3. S. auch Ann. d. bist. Ver. f. d. Niederrhein 26—27, 268—316.
S. 770 Z. 19 1. nichts; auch ist st. nichts; sonst ist.
S. 784 Z. 9 V. 0. 1. Weinorte 12, die der Weistümer st. Weinorte die der Weistümer.
Dritter Band.
S. IX Z. 3 V. u. 1. Ausdrücke st. Arsdrücke.
S. 5 Z. 39 1. Wilre st. Wilze.
S. 16 Z. 11 1. Lieme»?e st. Liememe.
S. 41 Z. 37 1. WüJelcini st. Wühlmi.
S. 42 Z. 35 f. mufs das Regest lauten: Abt Wilhelm von STrond beurkundet Lasten
und angemafste Befognisse des Pommernschen Vogtes Ritter Walter im früher STronder,
jetzt Himmeroder Hofe zu Pommern, sowie die Rechte dieses Hofes im Gemeindewald von
Pommern.
[Zusätze u. Berichtigungen. — 1638 —
S. 49 Z. 30. Nach gütiger Mitteilung des Herrn Professors van Werveke in Luxem-
burg steht die nach den a. a. 0. angef. Regestenwerken citierte Abschr. der Urk. v. 1269 in
der Hs. des Luxemburger historischen Instituts No. 25 (aus dem Ende 13. Jhs.), dieselbe hat
aber richtig ante pentecosten, nicht wie die Regg. angeben post. Nach dieser Hs. ergeben
sich als wichtigere Abweichungen von unserm Druck S. 50 Z. 2 percipiat st. percipit; Z. 15
super st. supra; Z. 23 beati st. sancti.
S. 51 Z. 19 1. movebatur st. movebitur.
S. 53 Z. 34 1. Curvatiam^ dicti st. Curvatiam^. dicti.
S. 57 Z. 27 1. quod cum super st. quod super.
S. 59 Z. 12 1. me st. ne.
S. 72 Z. 10 f. 1. Wernero st. W.; WilleUno st. Willehno; Fetro st. Faulo.
S. 75 Z. 10 1. celle?-arius st. cellarius ; Z. 24 Gerardus st. G.
S. 83 Z. 31 1. heredibws st. heredibns.
S. 88 Z. 13 1. Eosere st. Bösere; Z. 34 cum pensionario st. de pensionario; Z. 85
cadent st. cadet.
S. 89 Z. 3 1. tarnen st. etiam.
S. 99 Z. 23 1. Ovis st. eius.
S. 102 Z. 38 1. voluntate st. vuluntate.
S. 106 Z. 22 1. archiepiscopo st. achiepiscopo.
S. 110 Z. 11 ist vermutlich parvis st. magnis zu lesen.
S. 115 Z. 39 bezieht sich das Citat aus Westd. Zs. Bd. 3 auf ebda. S. 300.
S. 123 Z. 13 1. et St. de.
S. 128 Z. 27. Das Or. befindet sich nach einer Notiz von Dominicus in Koblenz
St. A. , Erzstift Trier, Staatsarch.; Siegel fehlt.
S. 129 Z. 14 1. archiepiscopo st. archiepisco.
S. 133 Z. 3 1. Ange st. Auge; Z. 8 Massalrec st. Massalree.
S. 135 Z. 15 1. be^hirmen st. beschirmen; Z. 30 han. daz wir, ouch st. han, daz
wir ouch.
S. 142 Z. 17 1. et St. a.
S. 144 Z. 6 f. mufs das Regest lauten: Beurkundung der gnmdherrlichen Rechte
der Abtei SMatheis in Kahren durch den Vogt der Abtei, den Edelknecht Jacob, Herrn in
Monclair.
S. 153 Z. 25 1. Thümanno st. Theoderico; Z. 33 patri*» st. patris.
S. 156 Z. 26 1. annis seu st. annisseu.
S. 161 Überschrift 1. No. 135. W36~V6i5] st. No. 135. 1345.]. So auch die folgenden
S. 162 und 163.
S. 165 Z. 40 1. 7e st. 17e.
S. 169 Z. 41 1. wan st. wann.
S. 172 Z. 36. No. 144 mufs vor No. 143 stehen.
S. 179 Z. 8 1. 1339 st. 1839.
S. 185 Z. 43 1. Ehlenz st. Ehlenzm.
S. 192 Z. 34 1. sinen st. sine.
S. 192 Z. 41. No. 166 ist schon CRM. 3, 311, 1345 gedruckt, aber nach anderer
Vorlage.
S. 201 Z. 34 1. Stent st. Stent.
S. 210 Z. 47. Nach *TJrk. im St. A. Wiesbaden Amt Runkel wiu-de Reinhart Herr
von Westerburg 1350 trierischer Amtmann zu Schadeck ; vgl. die Erwähnung bei Wyfs, Limb.
Chron. S. 101 Note 2.
S. 211 Z. 41 1. vorgeschr. st. vor geschr.
S. 213 Z. 8. Die Urk. ist auch CRM. 3, 363, 1350 regestiert.
S. 215 Z. 10 1. oder anderswo st. ode randerswo.
— 1639 — Zusätze u. Berichtigungen.]
S. 217 Z. 1 1. ouch St. Ouch; Z. 10 awgrif st. augriflf.
S. 222 Z. 19. Zu dem a. a. 0. nicht erklärten Schadeburch vgl. neuerdings N. van
Werveke im Luxemburger Land N. F. Jahrgang 1, Probenummer vom 15. Novbr. 1885 S. 15,
in dem Aufsatze ,Noch einmal das Wort Schobermesse'. S. auch Arch. Clervaux 551, 1381.
S. 225 Z. 18 1. assignamus* st. assignamus <" .
S. 226 Z. 29 1. contine»itur st. continetur.
S. 231 Z. 18 1. portenern st. porten.
S. 233 Z. 24 1. werden, st. werden:
S. 250 Z. 12 1. uns zu st. unszu.
S. 251 Z. 25 1. bühulz st. bühultz.
S. 260 Z. 22 1. waner st. wanner.
S. 262 Z. 31 1. Mastershusen st. Materhusen; Z. 36 ackerlant st. acker lant.
S. 264 Z. 41. 1. Schmidthurger st. Grimburger.
S. 265 Z. 34 1. Moselledorfere st. Mo seile dorfere.
S. 284 Z. 5 1. gemist teile st. gemistteile.
S. 321 Z. 31 f. No. 283 ist bis zu dem Absatz S. 324 Z. 31 neuerdings ediert von
H. Brefslau, Neues Archiv f. alt. D. Geschkde. 11, 104—107. Vgl. auch Westd. Zs. Bd. 4,
Korrbl. No. 123.
S. 323 Z. 1 u. 23 1. MerchedtY/i st. Merched; Z. 6 lohannzs st. Johannes; Z. 15
70 st. 20.
S. 324 Z. 7 1. 200 st. 90; Z. 23 Merchedith st. Merchede; Z. 29 claustraZes st.
claustres.
S. 353 Z. 41 1. 6e st. 6f.
S. 364 Z. 38. Es ist zu lesen amenrir.
S. 368 Z. 17 1. de st. do.
S. 388 Z. 35 1. paer st. payr.
S. 393 Z. 26 1. escergai^es st. escergaices; Z. 29 queils st. qu'ils.
S. 399 Z. 7 ist vermutlich für cenrimes cenrtmes zu lesen.
S. 401 Z. 43 1. 2b St. 3a.
S. 405 Z. 25 I. Cera st. Pera; Z. 26 Ib. st. mr.
S. 415 Z. 1. Zu No. 289 vgl. oben Bd. 2, 322.
S. 417 Z. 8 1. XI St. XXL
S. 420 Z. 29. Bezieht sich wohl auf Bald. Kesselst. S. 574—5, 1331 Febr. 20:
Commissio sancti Wandalini lacobo Lombardo, einen vom Lamperter Jacomin von Monkler
ausgestellten Revers für daz ampt [S Wendel] und darzu wat (Erzbischof Balduin) da itzunt
hat von gülde und gevellen, daz in der parre zu sante Wandaline gelegen ist in dorfe und
in velde.
S. 424 Z. 40 1. 82 st. 83.
S. 429 Z. 17 1. 47 Ib. gr. st. 47 s. gr.
S. 433 Z. 26 1. Wakam* st. Walramo.
S. 435 Z. 14 1. 12000 Ib. st. 1200 Ib.
S. 436 Z. 26 ist statt Ditmannus vielleicht Ditmarus zu lesen, s. Bd. 3 S. 545—546
unter Ditmannus.
S. 465 Z. 34. Hierzu erg. als Anm. : Die hinter der Parenthese gedruckten vier Zeilen
in Petit beziehen sich auf Z. 22 bis 29.
S. 475 Z. 33 1. officia/is st. officiatus.
S. 477 Z. 40 1. oiMalis st. officiatus.
S. 479 Z. 30 mufs das Regest lauten: Kassenjournal der Trierer Kanzlei vom 12. März
bis Anfang Mai 1350.
S. 483 Z. 15. Dominus Th. ist wohl identisch mit dem S. 486 Z. 16 genannten
Theodericus de Didishem.
[Zusätze u. Berichtigungen. — 1640 —
S. 485 Z. 3. W. wohl zu Wühelmo zu ergänzen. Ein meister Wilhelm monzer zu
Trier begegnet Chron. mon. 1359, Honth. Prodr. S. 1172, und Bd. 2, 372 Note 3.
S. 487 Z. 34. Nach recepit ist vermutlich zu ergänzen tritico.
S. 488 Z. 17 1. scientibus st. sciente.
S. 491 Z. 5. Nach nobiles vermutlich zu ergänzen amicos.
S. 501 Z. 39 Note 3. Diese deutsche Übersetzung ist nach anderer Vorlage ver-
öffentlicht von F. X. Kraus, Jahresber. der [Trierer] Ges. f. nützl. Forschungen 1865 — 1868,
S. 69 f.
S. 510 Z. 27 1. 1200 St. 12.
S. 513 Z. 1 1. commode st. commodo; Z. 2 1. geeicht a) st. geeicht*.
S. 515 Z. 7 1. bereinigten st. vereinigten.
S. 516 Z. 33 1. sententiahwat st. summabunt; ebda. Z. 35 sententiam st. summam.
S. 522 Z. 34 1. deme eide st. demeeide.
- S. 537 Z. 11 1. Liebfrauenkirche st. Lebfrauenkirche.
S. 557 Z. 9: Vilin Rode ludeus und Welen Rose sind nicht identisch, vgl. das Bd. 1
S. 1452 Bemerkte.
S. 574 Z. 1. Rode. S. das soeben zu S. 557 Z. 9 Bemerkte.
S. 575 Z. 2 ist unter Rudolphus einzuschieben: wohl identisch mit dem Bd. 3 S. 487
Z. 3 genannten ^odulfus de Frideberg.
S. 580 unter Theodericus ist einzuschieben: Theodericus de Didishem 486, is, wohl
identisch mit dominus Th. 483, is; 487, 19; 491, 17.
S. 595 u. d. W. dieta 1. 526, 5 st. 526, 10.
Pierer'sche Hoftuchdruckerei. Stephan Geibel & Co. in Altenburg.
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